Ein Bauer, ein blutarmer Schlucker, hatte nicht so viel Erde, um sich begraben zu lassen, oder wo er sein Haupt hinlegen könnte, weder über noch unter der Erde, sondern nur einen lahmen Esel Allah segne ihn! -, und täglich trieb er ihn vor sich hin und zog in den Wald und sammelte dürres Holz und Reisig und brachte es in die Stadt und verkaufte es und schlug sich so Tag für Tag mit seiner Familie durch.

Eines Tages, als er in den Straßen und Gassen des Ortes umherzog und ausrief: »Gutes Brennholz!«, rief man ihn aus einem vornehmen Hause heran, er solle eintreten, damit sie das Brennholz kauften. Der Bauer trat in den Flur, verkaufte das Brennholz an die Bediensteten, die Lakaien, und lud es im Keller ab und setzte sich und sah die Schätze und Reichtümer des Hauses und wartete und wartete, dass sie ihm das Brennholz bezahlten. Aber jene sagten ihm, er solle wieder heraufkommen, dass es ihm der Herr bezahle. Da legte der Bauer seine Scheu ab und fasste Mut und stieg die aus Marmor gehauenen, verzierten Treppen hinauf, die dem Mann Sinn und Verstand raubten, als er in jenes vornehme Haus eingetreten war, das so prächtig ausgestattet und geschmückt war mit Kronleuchtern, wie eine bemalte Kirche. Und der Herr saß ausgestreckt auf einem Stuhl aus Nussbaumholz, der strahlte und blitzte von Diamanten; und er bewunderte den Mann: der hielt eine mit Troddeln verzierte Wasserpfeife aus Olivenholz in den Händen und sog Rauch ein, der wie Moschus duftete, und der Mann verging fast vor Wohlgeruch. Dem Bauern wurde schwindelig, und er war einer Ohnmacht nahe, und er nahm seine Mütze an der Krempe ab und neigte sich und machte eine Verbeugung und sagte zu dem Herrn, er möge ihm das Brennholz bezahlen. Der Herr zog aus seiner Tasche einen Geldbeutel, so groß wie der Samenbeutel des Ackerknechts und nahm daraus zwei Piaster und gab sie ihm. Und er ging auf und davon, halb schwindelig. Und als er wieder zu sich gekommen war und sich vollends davonmachte, fragte er die Diener, was für einen Beruf der Herr ausübe; und jene antworteten ihm, er sitze jeden Tag auf dem Stuhl und rauche seine Pfeife, und seine Mira spinne mit der goldenen Spindel.

»Sieh an«, sprach der Bauer, »das ist ein Beruf, zu sitzen und zu rauchen und ein herrliches Leben zu führen: das habe ich früher nicht gewusst. Da habe ich nun den ganzen Tag im Walde mich geplagt mit dem Brennholz und dem Reisig. Von jetzt an werde ich ebenso verfahren, und >was regnen will, das mag herunterkommen<.« Unser guter Bauer kommt an einem Tabakladen vorbei, gibt die zwei Piaster und kauft Tabak und füllt seinen Tabaksbeutel und kehrt nach Hause zurück ohne Brot, ohne Essen und setzt sich auf einen Sessel, den er hatte, einen zerbrochenen, und beginnt den Tabak zu rauchen und leert den Kopf der Wasserpfeife; er schlürfte und wälzte und räkelte sich und gebärdete sich wie ein Aga von Karystos. Seine Frau, die Unglückliche, sieht und sieht wieder, dass er nicht einen Bissen Brot hat, dass ihre Kinder das Abendessen hätten und zu Bett gehen könnten. Sie ärgerte und regte sich innerlich auf, aber was sollte sie machen? Sie legte sich in die Ecke des Hauses, klagend, verärgert, entrüstet, und das Gras verwelkte von dem heißen Kummer ihres Herzens. Der Bauer, ihr Mann, regt sich nicht die Spur auf, raucht fortwährend, füllte und leerte wieder den Pfeifenkopf und ruft seine Frau und sagt zu ihr: »Frau, warum grämst du dich? Sorge dich gar nicht! Von nun an werden auch wir vornehm werden. « – »Aber wie sollen wir fortkommen«, sagte jene zu ihm, »die wir nichts haben, den Kindern zum Mittag zu geben?« – »Sorge dich nicht! Gott ist groß.« Er machte Feuer, füllte und leerte die Pfeife. Wie es eben geht – Gott ließ den Tag vergehen: der Bauer rührt nicht den Fuß; weder nach Brennholz noch nach Reisig hat er Lust zu gehen.

Es kam ihr Nachbar und nahm den lahmen Esel, um eine Ladung Ziegelerde von gegenüber aus der Tongrube zu holen. Es ging also der Nachbar, machte sich daran, grub und grub Ziegelerde. Da merkte er bei seinem Hieb mit der Hacke, dass sie an etwas Hartes anklang; er schaut nach, was zu sehen wäre – eine Tonne bis oben gefüllt mit venezianischen Goldstücken und Heiligen-Konstantins-Münzen, ungeregelt und mit den Schwänzen zusammengebunden, kostbare und wundervolle Sachen. Er führt einen Hieb mit der Hacke: es entstand oben ein Loch, und die Goldstücke flogen heraus und wurden über die Erde und die Löcher verstreut; und die Geschichte glänzte und blitzte. Und unser guter Nachbar nahm und sammelte mit seinen Fäusten die Goldstücke und packte sie in die Säcke, dass sie wie Würste aussahen, und auf die Öffnung breitete er Erde, damit die Goldstücke vor den Augen der Leute verborgen blieben. Was soll ich dir sagen – er belastete den Esel übermäßig und führte und trieb ihn nach dem Dorf. Aber auf dem halben Weg überlegte er, dass noch viele Goldstücke in der Erde steckengeblieben seien; und er kehrte um – drehte um, um alle zusammenzuschaffen. Er wanderte also nach der Tongrube, bückte sich, las die Goldstücke zusammen und sackte sie voll Freude ein. Aber >mitten in der Freude kommt der Steuereinnehmer<, wie die Alten sagten – unversehens fiel er hin, die Tongrube stürzte zusammen und begrub unsern unglückseligen Nachbarn, und er konnte sich weder hierhin noch dorthin drehen noch einen Mucks von sich geben noch Atem holen.

Lassen wir ihn dort krepieren, und wenden wir uns zu unserem Herrn Esel, welcher, immer weidend, Schritt für Schritt weiterging, bis er im Hause seiner Besitzerin ankam, wie er es gewohnt war. Die Frau sieht den Esel beladen. Sie wartet und wartet, dass der Nachbar vorbeikomme, ihn ins Haus zu nehmen und zu entlasten; aber der bleibt unsichtbar. Sie ruft ihren Mann, er solle herauskommen und ihn entlasten. Bah! Wo kommt der zur Tür heraus, er gibt nicht einmal eine Antwort. Die Frau hält es nicht mehr aus, den Esel beladen und belastet zu sehen; sie ging hinaus und wollte die Säcke abnehmen, aber sie sieht, dass die verwünschten nicht zu heben sind. Sie schaut zu, durchwühlt sie, wurde starr vor dem Glanz, dem Leuchten der Goldstücke und war einer Ohnmacht nahe vor Freude. Sie macht sich flugs heran, hebt mit großer Mühe die Säcke herunter und entleert sie in den Keller und in den Bettkasten und geht und rüttelt ihren Mann auf. Und der kommt auch und sieht jene Goldstücke in Haufen; die leuchteten wie die Strahlen der Sonne und machten ihn ganz verrückt, und er war nahe daran, den Verstand zu verlieren. jedoch kam er wieder zu sich, und sie sammelten und schafften die Gulden Stück für Stück an unsichtbare Orte.

Von da ab wurden sie reich und vornehm, und sie und ihre Kinder führten ein angenehmes Leben. Möge es wie jenen auch unsern Kindern ergehen und allen, die uns wohlwollen! Seitdem hat man das Paradoxon aufgebracht: »Der Arme und seine Mira«.

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