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<copyright>INTERNET-MAERCHEN.DE</copyright>
<language>de-de</language>
<pubDate>Tue, 12 Apr 2022 12:26:55 GMT</pubDate>
<managingEditor>INTERNET-MAERCHEN.DE</managingEditor>

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<title>M&#228;rchenletter April 2022</title>
<description><![CDATA[<p>
	<strong>Peterchens Mondfahrt</strong><br />
	Gerdt von Bassewitz<br />
	--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------<br />
	<br />
	<strong>Die Geschichte der Sumsemanns</strong><br />
	&raquo;Sumsemann&laquo; hie&szlig; der dicke Maik&auml;fer, der im Fr&uuml;hling auf einer Kastanie im Garten von Peterchens Eltern hauste, nicht weit von der gro&szlig;en Wiese mit den vielen Sternblumen. Er war verheiratet gewesen; aber seine Frau war nun tot. Ein Huhn hatte sie gefressen, als sie auf dem Hofe einherkrabbelte am Nachmittag, um einmal nachzusehen, was es da im Sonnenlicht zu schnabulieren gab. F&uuml;r die Maik&auml;fer ist es n&auml;mlich sehr gef&auml;hrlich, am Tage spazierenzugehen. Wie die Menschen des Nachts schlafen m&uuml;ssen, so schlafen die Maik&auml;fer am Tage.<br />
	Aber die kleine Frau Sumsemann war sehr neugierig und so brummte sie auch am Tage herum. Gerade hatte sie sich auf ein Salatblatt gesetzt und dachte: &rsaquo;Willst mal probieren, wie das schmeckt!&lsaquo; ... Pick! - da hatte das Huhn sie aufgefressen.<br />
	Es war ein gro&szlig;er Schmerz f&uuml;r Herrn Sumsemann, den Maik&auml;fer. Er weinte viele Bl&auml;tter nass und lie&szlig; seine Beinchen schwarz lackieren. Die waren fr&uuml;her rot gewesen; aber es ist Sitte bei den Maik&auml;fern, dass die Witwer schwarze Beine haben in der Trauerzeit. Und Herr Sumsemann hielt auf gute Sitte, denn er war der letzte Sohn einer sehr ber&uuml;hmten Familie.<br />
	Vor vielen hundert Jahren n&auml;mlich, als der Urahn der Familie Sumsemann sich gerade verheiratet hatte, geschah ein gro&szlig;es Ungl&uuml;ck. Er war mit seiner kleinen Frau im Wald spazierengeflogen - an einem sch&ouml;nen Sonntagabend. Sie hatten viel gegessen und ruhten sich ein wenig auf einem Birkenzweiglein aus.<br />
	Da sie aber sehr mit sich selbst besch&auml;ftigt waren, denn sie waren jung verheiratet, merkten sie nicht, dass ein b&ouml;ser Mann durch den Wald herbeikam; ein Holzdieb, der am Sonntag stehlen wollte. Der schwang pl&ouml;tzlich seine Axt und hieb die Birke um. Und so schrecklich schlug er zu, dass er dem Urgro&szlig;vater Sumsemann ein Beinchen mit abschlug. F&uuml;rchterlich war es!<br />
	Und sie fielen auf den R&uuml;cken und wurden ohnm&auml;chtig vor Angst. Nach einiger Zeit aber kamen sie zu sich von einem hellen Schein, der um sie leuchtete.<br />
	Da stand eine sch&ouml;ne Frau vor ihnen im Walde und sagte: &raquo;Der b&ouml;se Mann ist bestraft f&uuml;r seinen Waldfrevel am Sonntag. Ich bin die Fee der Nacht und habe es vom Monde aus gesehen. Zur Strafe ist er nun mit dem Holz, das er umgeschlagen hat, auf den h&ouml;chsten Mondberg verbannt. Dort muss er bleiben bis in alle Ewigkeit, B&auml;ume abhauen und Ruten schleppen.&laquo;<br />
	Aber der Urgro&szlig;vater Sumsemann schrie und sagte: &raquo;Wo ist mein Beinchen, wo ist mein Beinchen, wo ist mein kleines sechstes Beinchen?&laquo;<br />
	Da erschrak die Fee.<br />
	&raquo;Ach&laquo;, sagte sie, &raquo;das tut mir sehr leid; es ist wohl an der Birke h&auml;ngengeblieben und nun mit auf den Mond gekommen.&laquo;<br />
	&raquo;Oh, oh, mein Beinchen, mein kleines sechstes Beinchen!&laquo; schrie der arme Urgro&szlig;vater Sumsemann, und seine kleine Frau weinte schrecklich. Sie wusste, dass nun alle ihre Kinder nur f&uuml;nf Beinchen haben w&uuml;rden statt sechs, denn es vererbt sich. Und das war schlimm. Als aber die Fee den gro&szlig;en Jammer sah, hatte sie Mitleid mit den K&auml;fertierchen und sagte: &raquo;Ein Mensch ist zwar sehr viel mehr als ein Maik&auml;fer, und deshalb kann ich die Strafe f&uuml;r den b&ouml;sen Mann nicht aufheben; aber ich will erlauben, dass gute Menschen, wenn ihr sie findet, euch das Beinchen wiedergewinnen k&ouml;nnen. Wenn ihr zwei Kinder findet, die niemals ein Tierchen qu&auml;lten, dann d&uuml;rft ihr auf den Mond mit ihnen und das Beinchen wiederholen.&laquo;<br />
	Da waren die beiden etwas getr&ouml;stet und flogen heim und trockneten ihre Tr&auml;nen.<br />
	Diese Geschichte hatte sich bald unter allen K&auml;fern herumgesprochen; alle M&uuml;cken, Grillen und Ameisen wussten es, sogar die Libellen und Schmetterlinge hatten davon geh&ouml;rt. Die Familie der Sumsemanns war ber&uuml;hmt geworden. Sie galt auf allen Wiesen und in allen B&auml;umen f&uuml;r ein sehr vornehmes Geschlecht. Aber die Sumsem&auml;nner und Frauen hatten viel Leid von ihrem Ruhm, denn immer wieder wurden sie totgeschlagen, wenn sie nachts in die Stuben kamen, um die Kinder zu bitten; oft von rohen und unverst&auml;ndigen Dienstm&auml;dchen, oft auch von den Kindern selbst. Dies war der gro&szlig;e Fluch, der auf der Familie lastete. Und so kam es, dass zuletzt nur noch ein Sumsemann &uuml;brig war auf der Welt, der Witwer, dessen Frau von dem Huhn gefressen wurde, weil sie so neugierig am Tag herumflog, statt zu schlafen.<br />
	Er war ein sehr vorsichtiger Mann, hielt sich immer ein wenig abseits von den anderen Maik&auml;fern, und besonders, seit seine Frau tot war, liebte er die Einsamkeit.<br />
	Da sa&szlig; er in der D&auml;mmerung, wenn er sich satt gegessen hatte, auf irgendeinem Zweiglein, geigte sehns&uuml;chtige Liederchen an den Mond und die gro&szlig;e Ballade vom sechsten Beinchen, das noch immer dort oben war. Manchmal spielte er sich auch ein lustiges Liedchen. Dazu tanzte er dann auf den gro&szlig;en Kastanienbl&auml;ttern herum. Das sah sehr komisch aus. Die anderen Maik&auml;fer veranstalteten allabendlich ein gro&szlig;es Brummba&szlig;- und Paukenkonzert unter dem Baum. Herr Sumsemann aber sagte regelm&auml;&szlig;ig ab, wenn sie ihn dazu einluden, und das &auml;rgerte sie sehr. &raquo;Er ist hochn&auml;sig&laquo;, sagten sie, &raquo;seit er nicht mehr den Brummba&szlig;, sondern die Geige spielt.&laquo;<br />
	Aber es war nur Neid von ihnen. Sie hatten n&auml;mlich alle nur ihre Pauken und dicken Brummb&auml;sse; er aber hatte eine kleine silberne Geige, die funkelte wie das Mondlicht und hatte einen Ton, so fein wie die winzigen, singenden M&uuml;cken, die in der Sonne tanzen. Diese Geige war ein altes Familienerbst&uuml;ck. Einst hatte ein Herr Sumsemann der Grille Zirpedirp, die auf der Sternblumenwiese wohnte, das Leben gerettet, als sie zu hoch auf einen Baum gestiegen war und einen Schwindelanfall bekam. Zum Dank f&uuml;r diese mutige Tat hatte die Grille ihrem Lebensretter die silberne Geige geschenkt. Die erbte seither im Geschlechte der Sumsemanns immer der &auml;lteste Sohn, und sie wurde hoch in Ehren gehalten. So war nun der letzte Sumsemann auch der letzte Erbe. All dies machte ihn sehr stolz. Man kann es begreifen. Er f&uuml;hrte ein bequemes Leben, war dick und vorsichtig und dachte immer daran, dass er sich nicht in Gefahr bringen d&uuml;rfe. Nur manchmal, wenn der Abend gar so sch&ouml;n war, packte es ihn, und er wurde mutig. Dann trank er ein Vergi&szlig;meinnichtschn&auml;pschen nach dem anderen zur Erinnerung an seine Frau - obwohl sie damit ganz gewiss nicht einverstanden gewesen w&auml;re -, und in sehr angeregter Stimmung summte er in Zickzacklinien durch die G&auml;rten. Er st&ouml;rte die M&uuml;cken bei ihrem Abendtanz und die Leuchtk&auml;fer beim Versteckspielen. Er rempelte die Apfelbl&uuml;ten an, dass die kleinen Marienk&auml;ferkinderchen herauspurzelten, die da eben einschlafen wollten. Er zerriss der schiel&auml;ugigen Spinne die Fangnetze und rannte ... bums! ... gegen alle Fenster, weil er nicht mehr genau unterscheiden konnte, ob ein Fenster offen oder geschlossen war. Es tat ihm aber nichts, denn er hatte einen sehr harten Sch&auml;del. &raquo;Hoppla!&laquo; sagte er meistens nur und flog weiter, von gewaltigem Tatendurst getrieben. &rsaquo;Ein Ritter bin ich&lsaquo;, so dachte er, &rsaquo;und der letzte Sumsemann!&lsaquo;<br />
	<br />
	<br />
	<strong>In der Kinderstube</strong><br />
	So war der letzte Sumsemann denn auch eines sch&ouml;nen Abends in das Schlafzimmer von Peterchen und Anneliese geraten, als die Kinder gerade von der dicken Minna zu Bett gebracht wurden.<br />
	Peterchen hatte nat&uuml;rlich sein Gebrumm geh&ouml;rt und wollte ihn greifen. Gut war nur, dass Minna die Jagd nicht erlaubte, denn sonst w&auml;re Sumsemann vielleicht in eine schlimme Lage geraten. Sie war wahrscheinlich schwerh&ouml;rig, denn sie hatte gar nichts geh&ouml;rt und glaubte, dass Peterchen ihr nur etwas vormachen wolle, um im Hemdchen noch so &raquo;ein bissel&laquo; im Zimmer herumzuturnen.<br />
	Der Schreck war dem edlen Sumsemann aber doch scheu&szlig;lich in die Glieder gefahren, und, trotzdem er gerade heute besonders viele Vergi&szlig;meinnichtschn&auml;pschen getrunken hatte, war all sein Mut fort. Er lag oben auf der Gardinenstange und stellte sich tot. Dies ist ein altes und bew&auml;hrtes Mittel bei den Maik&auml;fern, in gro&szlig;en Gefahren. Derweil aber passte er genau auf, was im Zimmer geschah. Die Minna ging fort, als sie die Kinder ins Bettchen gepackt hatte, und Peterchen unterhielt sich mit Anneliese nat&uuml;rlich gleich &uuml;ber den Maik&auml;fer. Jetzt wurde es wieder gef&auml;hrlich!<br />
	Der Sumsemann bekam oben auf der Gardinenstange kolossales Herzklopfen, als Peterchen pl&ouml;tzlich leise aufstand, um ihn zu suchen, weil Anneliese ein bissel Angst hatte.<br />
	&gt;Wer wei&szlig;, es h&auml;tte ihm doch ans Leben gehen k&ouml;nnen; obwohl die Kinder ja sonst gut waren. Aber man darf sich auf die Gutm&uuml;tigkeit der Menschen nicht verlassen.&lt; Dies wusste er aus seiner Familiengeschichte.<br />
	Das Geschick war ihm aber g&uuml;nstig; denn, gerade als Peterchen an der Gardine war und die Gefahr am h&ouml;chsten stieg, kam die Mutter herein. Husch! wurde der kleine Junge wieder ins Bettchen gesteckt; beide Kinder mussten die H&auml;nde falten und das Nachtgebet sprechen. Dann sang die Mutter ihnen noch ein Schlaflied. Und sie sang die ber&uuml;hmte Maik&auml;ferballade. Hier ist sie:<br />
	<br />
	&raquo;War einst ein kleines K&auml;ferlein,<br />
	Summ - Summ - Summ -Hatte zwei braune Fl&uuml;gelein,<br />
	Summ - Summ - Summ - Und sechs Beinchen hatte es auch<br />
	Unter seinem schwarz-wei&szlig;en Bauch,<br />
	Summ - Summ - Summ.<br />
	<br />
	Sa&szlig; auf einem gr&uuml;nen Baum,<br />
	Summ - Summ - Summ - Tr&auml;umte einen sch&ouml;nen Traum,<br />
	Summ - Summ - Summ - Tr&auml;umte von Sonne, Mond und Sternen<br />
	Und von fremden L&auml;nderfernen,<br />
	Summ - Summ - Summ.<br />
	<br />
	Als der dunkle Abend kam,<br />
	Summ - Summ - Summ - K&auml;ferlein sein R&auml;nzel nahm,<br />
	Summ - Summ - Summ - Wollt&#39; auf die gro&szlig;e Reise gehn<br />
	Und die weite Welt besehn,<br />
	Summ - Summ - Summ.<br />
	<br />
	Flog &uuml;ber einen breiten Bach,<br />
	Summ - Summ - Summ - Verlor ein kleines Beinchen, ach!<br />
	Summ - Summ - Summ - Reiste nur noch mit f&uuml;nf Beinen,<br />
	Tat so bitterlich drum weinen,<br />
	Summ - Summ - Summ.<br />
	<br />
	Flog es nach dem Mond geschwind,<br />
	Summ - Summ - Summ - Kam ein gro&szlig;er Wirbelwind,<br />
	Summ - Summ - Summ - Brach ein Fl&uuml;gelchen entzwei;<br />
	Ach, das gab ein gro&szlig;&#39; Geschrei!<br />
	Summ - Summ - Summ.<br />
	<br />
	Fiel in einen tiefen Wald,<br />
	Summ - Summ - Summ - Starb an seinem Kummer bald,<br />
	Summ - Summ - Summ - Musst&#39; die Reis&#39; ein Ende haben;<br />
	Sandm&auml;nnchen hat es eingegraben,<br />
	Summ - Summ - Summ.&laquo;<br />
	<br />
	&gt;Seltsam!&lt; Herr Sumsemann oben auf der Gardinenstange wunderte sich, dass die Menschen dies Lied auch kannten. Es war ihm aber ein neuer Beweis f&uuml;r die Ber&uuml;hmtheit der Maik&auml;fer auf der weiten Welt, und dies beruhigte ihn sehr. Als die Kinder nun eingeschlafen waren und die Mutter aus dem Zimmer ging, fasste er neuen Mut. Ganz leise rappelte er sich auf und spazierte in der Stube herum.<br />
	Er besah und beschn&uuml;ffelte alles. Eine Puppenstube, ein Schaukelpferdchen, ein L&auml;mmchen, Soldaten und Bilderb&uuml;cher waren da. Lauter langweilige Sachen!<br />
	In der Puppenstube war allerdings etwas Zucker; aber Zucker? Puh, den mochte er nicht! Er verstand gar nicht, wie man so was essen k&ouml;nnte. Dann waren noch zwei K&ouml;rbchen mit &Auml;pfel da. Die Mutter hatte sie den Kindern f&uuml;r morgen hingestellt, wenn sie recht brav ausgeschlafen h&auml;tten. Er sch&uuml;ttelte den Kopf. &gt;Wie konnte man nur &Auml;pfel essen?!&lt; Unbegreiflich war ihm das. Greuliche Bauchschmerzen h&auml;tte er bekommen. Er a&szlig; nur Salat; das war vornehm. &gt;Komisch, was den Menschen alles gut schmeckt!&lt; dachte er, und dabei musste er laut lachen. Da er aber so viel Vergi&szlig;meinnichtschn&auml;pse getrunken hatte, geriet er pl&ouml;tzlich aus dem Gleichgewicht und purzelte auf den R&uuml;cken. Au!... das war eine au&szlig;erordentlich fatale und unangenehme Lage f&uuml;r den dicken Sumsemann, denn jeder wei&szlig;, dass es f&uuml;r Maik&auml;fer sehr schlimm ist, auf den R&uuml;cken zu fallen, weil sie sich dann gar nicht mehr recht aufrappeln k&ouml;nnen. Er angelte also mit seinen f&uuml;nf Beinchen in der Luft herum und dachte: &gt;Ja, ja, das kommt von den Schn&auml;pschen, die man zum Andenken an die tote Ehefrau trinkt!&lt;<br />
	Lebte sie noch, sie h&auml;tte ihm sicher eins ausgewischt f&uuml;r die vielen Schn&auml;pschen. Er wiegte sich nach rechts und links wie ein kleines Boot, kreiselte herum wie eine Karussell und qu&auml;lte sich sehr. Endlich geriet er in die N&auml;he eines Tischbeins, und daran konnte er sich st&uuml;tzen, so dass er wieder hochkam. Ganz schmutzig war sein sch&ouml;ner, brauner Rock geworden. Alle Kn&ouml;pfe waren abgeplatzt, und eine lange Naht war aufgerissen. Gut, dass ihn seine Frau nicht mehr sehen konnte. Nun sa&szlig; der Sumsemann eine Weile am Tisch und dachte nach, womit er sich die Zeit vertreiben k&ouml;nnte. Da er aber weiter nichts anzufangen wusste und &uuml;ber die traurige Stimmung hinwegkommen wollte, nahm er seine kleine Geige und spielte sich ein lustiges Maik&auml;fert&auml;nzchen; dazu sang er:<br />
	<br />
	&raquo;Eins, zwei, drei - eins, zwei, drei,<br />
	Fiel eine Biene in den Brei;<br />
	Plumsdibums,<br />
	Dideldumdei!<br />
	Alle K&auml;fer sitzen drum herum,<br />
	Lachen sich schief,<br />
	Lachen sich krumm,<br />
	Brumm, brumm!<br />
	<br />
	Vier, f&uuml;nf, sechs - vier, f&uuml;nf, sechs,<br />
	Macht eine Fliege einen Klecks;<br />
	Putschpitschpatsch,<br />
	Klickklackklecks!<br />
	Pfui, ruft jeder rechte K&auml;fermann,<br />
	Seht sie an,<br />
	Was sie kann,<br />
	Heran, heran!<br />
	<br />
	Sieben, acht, neun - sieben, acht, neun,<br />
	Tanzen alle kleinen K&auml;ferlein;<br />
	Ringelreih,<br />
	Dideldudeldei!<br />
	Um die dicke Linde mit Gesumm,<br />
	Rechts herum,<br />
	Links herum,<br />
	Brumm, brumm ! &laquo;<br />
	<br />
	Dabei wurde er so fidel, dass er ganz verga&szlig;, wo er war, und sehr erschrak, als Peterchen und Anneliese pl&ouml;tzlich laut auflachten, weil er gar so komisch herumsprang bei seinem Tanz. Er hatte sie n&auml;mlich mit seiner Musik aufgeweckt und gar nicht bemerkt, dass sie ihm schon eine ganze Weile zusahen. Eigentlich hatte er Angst und wollte sich schnell tot stellen, aber die Kinder lachten so vergn&uuml;gt, dass er sich wieder ein Herz fasste. Er legte also seine Geige auf den Tisch, strich seine sch&ouml;ne, schwarz-wei&szlig;e Weste glatt, richtete die kleinen F&uuml;hlh&ouml;rnchen an seinem Kopf auf, machte eine Verbeugung und stellte sich vor: &raquo;Herr Sumsemann ! &laquo;<br />
	Die Kinder waren aus ihrem Bettchen geklettert, und da sie wussten, was sich geh&ouml;rt, machte Peterchen auch eine Verbeugung, Anneliese einen Knicks, und sie stellten sich ebenso vor. Nun aber waren sie schrecklich neugierig, beguckten und bef&uuml;hlten den Sumsemann &uuml;berall, bewunderten die kleine silberne Geige und wollten alles wissen.<br />
	Dem dicken Maik&auml;fer wurde ganz schwindlig von all den Fragen nach der Grille Zirpedirp und nach der toten Frau, die das Huhn gefressen hatte. Pl&ouml;tzlich hatte Peterchen auch entdeckt, dass ihm ein Beinchen fehlte. Der wusste n&auml;mlich ganz genau, wie viel Beinchen ein ordentlicher Maik&auml;fer haben muss, und darum fragte er nun.<br />
	So war also wirklich der gro&szlig;e Augenblick f&uuml;r den Letzten der Sumsemanns gekommen: Zwei gute Kinder fragten ihn nach seinem Beinchen. Viel hundert Jahre hatten seine Ahnen und Vorfahren dies ersehnt und waren totgeschlagen worden. Und jetzt - jetzt!!<br />
	Ihm wurde ganz gr&uuml;n vor den Augen, seine Fl&uuml;gel zitterten vor Aufregung, und beinahe w&auml;re er auf den R&uuml;cken gefallen. Aber er beherrschte sich doch, so gut es ging, holte tief Luft, wischte sich mit einem gr&uuml;nen Lindenbl&auml;ttchen, das er immer als Taschentuch benutzte, den Schwei&szlig; von der Stirn, machte eine sehr geheimnisvolle Miene und sagte: &raquo;Ja, das ist eine sehr traurige und wunderbare Geschichte !&laquo;<br />
	Nun wollten die Kinder nat&uuml;rlich die Geschichte h&ouml;ren, schleppten<br />
	drei Schemelchen herbei, und gleich darauf sa&szlig;en sie, der Maik&auml;fer in der Mitte, Peterchen links und Anneliese rechts dicht neben ihm. Es war totenstill in der Stube und sehr geheimnisvoll. Der Mond sah gro&szlig; und gelb durch die Blumen vor dem Fenster, und der Maik&auml;fer erz&auml;hlte langsam und feierlich mit einem leisen brummenden Stimmchen die Geschichte vom Beinchen, von der Nachtfee und vom Mondmann. Staunend h&ouml;rten die Kinder zu. Ja, das war wirklich eine wunderbare und geheimnisvolle Geschichte!<br />
	Es war ihnen ganz seltsam zumute. als der Maik&auml;fer nun mit dem Erz&auml;hlen fertig war und sie mit zwei gro&szlig;en Tr&auml;nen in seinen runden Glotz&auml;ugelchen fragend anguckte. Peterchen war sehr ger&uuml;hrt, und Anneliese wischte sich mit ihrem Hemdzipfelchen sogar die Augen, weil ihr immer die Tr&auml;nen kamen. Dann aber fasste sich Peterchen ein Herz und sagte, dass er das Beinchen schon recht gern mit Anneliese vom Mond herunterholen m&ouml;chte; aber der Mond - das hatte er schon mal geh&ouml;rt vom Vater -, der w&auml;re sehr weit fort, da oben irgendwo ganz hoch in der Luft; und wer nicht fliegen k&ouml;nnte, w&uuml;rde wohl niemals hinaufkommen. Anneliese wusste zwar noch weniger vom Mond als Peterchen; aber hoch war er sicher, vielleicht noch h&ouml;her als der Schornstein auf dem Haus, und sie hatte doch ein klein bisschen Angst, dass man kaputtgehen k&ouml;nnte, wenn man da hinaufwollte, ohne richtig fliegen zu k&ouml;nnen. Sie sah ganz verlegen aus. Der Sumsemann aber wusste: wenn die Kinder nur wollten, so war es schon gut; wenn sie den guten Willen hatten, zu helfen, dann konnte er sie sogar das Fliegen lehren. So stand es n&auml;mlich in der Familiengeschichte der Sumsemanns deutlich mit wei&szlig;er Tinte auf gr&uuml;nen Bl&auml;ttern geschrieben. Er hatte es auswendig gelernt. Selig umarmte er die beiden Kinder und sagte, dass sie das Fliegen sehr leicht von ihm lernen k&ouml;nnten, wenn sie nur ein bisschen aufpassten, wie er es mache. Na, das war was f&uuml;r Peterchen und Anneliese!<br />
	Sie fingen laut an zu lachen und tanzten wie toll in ihren Hemdchen im Zimmer herum. Aber es galt keine Zeit zu verlieren, wenn sie noch nach dem Mond fliegen wollten. Und so setzte der dicke Maik&auml;fer sich in Positur, um den Kindern etwas vorzufliegen. &raquo;Aufgepasst!&laquo; sagte er, nahm seine kleine silberne Geige ans Kinn, spielte und sang dazu:<br />
	<br />
	&raquo;Rechtes Bein - linkes Bein,<br />
	Rechtes Bein - linkes Bein,<br />
	Rechtes Bein und linkes Bein,<br />
	Summ! - dann kommt das Fl&uuml;gelein<br />
	Summ - Summ - Summ!&laquo;<br />
	<br />
	Da flog er auch schon im Zimmer herum, und die Kinder klatschten vor Vergn&uuml;gen laut in die H&auml;nde. Jetzt sollten sie es nachmachen. Es war ein feierlicher Augenblick!<br />
	Peterchen stellte sich in Positur, und Anneliese daneben, mit ein ganz klein wenig Herzklopfen. Der Maik&auml;fer stand vor ihnen mit der Geige, sie mussten die &Auml;rmchen ausbreiten, und w&auml;hrend er geigte und sang, machten sie gehorsam die komischen Schritte nach, die er vorhin vorgemacht hatte. Pl&ouml;tzlich als er sang: &raquo;Summ! - dann kommt das Fl&uuml;gelein.&laquo; Was war das? Sie hoben sich von der Erde in die Luft ... ja ... sie flogen richtig rund im Zimmer herum!<br />
	Zuerst waren sie so erstaunt, dass sie nur die Augen ganz weit aufrissen und auch die M&auml;ulchen. Dann aber konnte es Anneliese nicht mehr aushalten vor Vergn&uuml;gen; denn es war wirklich zu sch&ouml;n, so wie ein richtiger K&auml;fer in der Luft herumzusummen. Sie lachte laut auf, strampelte mit den Beinchen und klatschte begeistert in die H&auml;nde... Bauz!! Da lagen sie beide auf der Nase!<br />
	Sie guckten den Herrn Sumsemann sehr erstaunt an. &raquo;Das kommt vom Klatschen&laquo;, sagte der. Nat&uuml;rlich, wenn man fliegen will, darf man nicht in die H&auml;nde klatschen! Das tun ja die Maik&auml;fer auch nicht beim Fliegen. Obwohl sie sich doch ein wenig weh getan hatten beim Herunterpurzeln aus der Luft, verkniffen sie die Tr&auml;nen und standen tapfer wieder auf. Anneliese war sehr verlegen, denn sie hatte ja angefangen mit der Strampelei. &raquo;Noch einmal! &laquo; hie&szlig; es jetzt, und wieder geigte und sang der K&auml;fer, sie machten die Schritte, die er vorgemacht hatte, und als die Zeile kam: &raquo;Summ! - dann kommt das Fl&uuml;gelein.. .&laquo; flogen sie, genau wie vorher, ganz hoch in die Luft. Nun h&uuml;teten sie sich aber zu klatschen, und, obwohl es so sch&ouml;n war, dass sie wieder laut lachen mussten, hielten sie doch ihre Arme ruhig ausgebreitet und strampelten nicht mit den Beinen wie vorher. So blieben sie in der Luft, solange der Maik&auml;fer geigte, und als das Liedchen aus war, glitten sie sanft, wie zwei kleine Schmetterlinge, auf die Erde herab. Es war sehr sch&ouml;n gewesen!<br />
	Peterchen meinte, dass es bei ihm richtig gebrummt h&auml;tte beim Fliegen, und Anneliese hatte auch so etwas bei sich geh&ouml;rt. Herr Sumsemann fand das ganz in der Ordnung, denn das Brummen geh&ouml;rt ja bei den Maik&auml;fern auch zum Fliegen. Nun also konnte das gro&szlig;e Abenteuer beginnen. Gelb und rund stand der Mond &uuml;ber der Sternblumenwiese vor dem Fenster. &raquo;Es ist sehr weit&laquo;, sagte der Maik&auml;fer, obgleich es ganz nah aussah; aber er musste es wissen. Darum sollten sie Proviant mit auf die Reise nehmen. Hierf&uuml;r waren die &Auml;pfel von Muttchen gut. Aber auch die Puppe und den Hampelmann wollten sie nicht daheim lassen. Die mussten doch gro&szlig;e Abenteuer miterleben!<br />
	Der Maik&auml;fer zog zwar zuerst eine krause Nase, denn f&uuml;r Puppen und Hampelm&auml;nner hatte er gar kein Verst&auml;ndnis, der dumme Kerl; aber schlie&szlig;lich meinte er doch, &raquo;man k&ouml;nne nicht wissen, wozu es gut sei&laquo;; und so durften P&uuml;ppchen und Hampelh&auml;nschen mit. Nat&uuml;rlich schnallte sich Peterchen sein kleines Holzschwert ums Hemd, denn K&auml;mpfe gab es sicher zu bestehen. Damit war auch der Maik&auml;fer sehr einverstanden. Er hatte n&auml;mlich doch etwas Angst vor der gro&szlig;en Reise. Wir wissen schon, dass er von Natur nicht sehr mutig war. Jetzt waren sie soweit. Sie stellten sich hintereinander auf; der Maik&auml;fer vorn, mit der kleinen Geige, dann Peterchen, dann Anneliese. Das Liedchen ert&ouml;nte, sie hoben die Arme, machten die Schritte, wie sie es gelernt hatten, und ... pl&ouml;tzlich ging die Wand des Zimmers weit auseinander, die Sternblumenwiese lag vor ihnen, von Tausenden von Gl&uuml;hw&uuml;rmchen beleuchtet, und sie flogen hinaus ... &uuml;ber die Wiese hin... immer weiter ... auf den gro&szlig;en, goldenen Mond zu, der vor ihnen &uuml;ber die B&auml;ume guckte.<br />
	<br />
	<br />
	<strong>Der Flug nach der Sternenwiese</strong><br />
	&raquo;Nanu!&laquo; sagten die anderen Maik&auml;fer, die gerade unter der gro&szlig;en Kastanie ein Konzert abhielten, &raquo;hat der hochn&auml;sige Geigensumsemann doch ein paar Kinder gefunden, mit denen er zum Mond fliegt? &laquo;<br />
	Sie waren so erstaunt, dass in ihr Brummkonzert ein ganz falscher Takt kam. Die drei aber flogen so schnell, dass die Hemdchen der Kinder wie kleine Fahnen in der Luft flatterten. Beinahe h&auml;tten sie zwei kleine, verliebte Nachtschmetterlinge, die nicht aufpassten, &uuml;ber den Haufen geflogen. Jetzt waren sie &uuml;ber dem See. Der funkelte leise. Alle seine Wellen waren von Silber. Und die dummen, dicken Karpfen, die dort wohnten, glotzten durch das Wasser, sehr erstaunt. &gt;Oh!&lt; dachte der Karpfenururgro&szlig;papa, &gt;das sind aber ein paar seltsame Enten, die da oben flattern.&lt; Er hielt alles, was in der Luft flog, f&uuml;r Enten. F&uuml;nfhundert Jahre war er alt, aber schrecklich dumm, weil er fast immer schlief. &gt;Oh, oh!&lt; dachten die andern Karpfen. So viel hatten sie schon lange<br />
	nicht gedacht, und von der Anstrengung schwitzten sie gro&szlig;e Luftblasen; die stiegen im Wasser hoch wie kleine Perlen. Aber schon flogen die drei Abenteurer &uuml;ber den Wald hin. &raquo;Guck! &laquo; sagte das kleine Reh Ziepziep zu seiner Mutter, &raquo;da fliegen zwei wei&szlig;e Flederm&auml;uschen!&laquo;<br />
	Doch die Mutter wusste es besser, denn sie hatte feine Ohren und h&ouml;rte alles, was man im Walde erz&auml;hlt. &raquo;Es ist der Maik&auml;fer Sumsemann, der mit zwei Kindern nach dem Mond fliegt&laquo;, sagte sie. &raquo;Wollen sie den Mond fressen?&laquo; fragte Ziepziep. Es glaubte n&auml;mlich, dass man den Mond fressen k&ouml;nnte, weil er so &auml;hnlich aussah wie eine gelbe Butterblume. &raquo;Frag nicht so dumm und iss deinen Salat!&laquo; sagte die Mutter. Ziepziep war wirklich noch zu klein, um die ber&uuml;hmte Geschichte von dem Holzdieb und dem Maik&auml;ferbeinchen zu verstehen. Immer schneller und immer h&ouml;her flogen die drei. Das Haus, die Wiese, der See, der Wald lag bald tief unter ihnen. Die H&uuml;gel, die Berge, an denen die wei&szlig;en Nachtnebel hingen, versanken. Und dann lag die ganze Erde dort unten, unermesslich tief in der blauen, stillen Nacht; mit allen ihren L&auml;ndern und Meeren; die gro&szlig;e, liebe Erde in tiefem Schlaf. Das Herz klopfte den Kindern, aber tapfer hielten sie die &Auml;rmchen ausgebreitet und machten keine einzige falsche Bewegung. Der Maik&auml;fer flog ihnen voran; er geigte unerm&uuml;dlich und sang sein Liedchen dazu. Seltsam! Ganz anders sahen jetzt die Sterne aus als von der Erde, wenn man sie abends vom Garten her betrachtete. Als ob sie freundliche, liebe, lachende Gesichtchen h&auml;tten mit silbernen L&ouml;ckchen drum. Immer mehr wurden es, je h&ouml;her man flog. Nur die gro&szlig;en konnte man von der Erde sehen, die kleinen sah man erst jetzt. Es waren viel, viel hunderttausend. Und pl&ouml;tzlich begann es durch den schweigenden Himmelsraum wie von unz&auml;hligen Gl&ouml;ckchen zu klingen; zuerst ganz fein und leise, dann immer lauter und deutlicher und immer sch&ouml;ner. Nein! es waren keine Gl&ouml;ckchen!<br />
	Jetzt h&ouml;rten sie es deutlich; es waren viel tausend kleine Silberstimmchen ringsum. Die Sterne sangen in der Nacht; und so war ihr Lied:<br />
	<br />
	&raquo;Auf der Erde ist Frieden,<br />
	Auf der Erde ist Ruh,<br />
	Alle Kinderlein schlafen,<br />
	Haben die &Auml;ugelein zu.<br />
	<br />
	Hoch am Himmel, im Schweigen<br />
	Der heiligen Nacht,<br />
	Halten viel tausend Sternlein<br />
	Treu ihre Wacht.<br />
	<br />
	Alle Tierlein auf dem Felde<br />
	Alle V&ouml;glein im Wald,<br />
	Alle Fischlein im Wasser<br />
	Tr&auml;umen nun bald.<br />
	&nbsp;<br />
	Silbergl&ouml;ckchen, die l&auml;uten,<br />
	Und Silberlicht rinnt,<br />
	Und die Sternlein, die singen;<br />
	S&uuml;&szlig; tr&auml;umt das Kind.&laquo;<br />
	&nbsp;<br />
	Rings um die drei kleinen Abenteurer war w&auml;hrend dieses Gesanges ein wundersames Leuchten, das immer st&auml;rker wurde. Es ging von einer weiten, silbernen Wolke aus, die vor ihnen im unendlichen Himmelsraum schwamm, wie ein gro&szlig;er Nebel. Man sieht manchmal des Nachts auf der Erde, hinter dem Garten &uuml;ber dem Fluss, oder &uuml;ber dem See solche Nebel. Wie T&uuml;cher sehen sie aus, die still und wei&szlig; in der Luft liegen. Nur viel heller, viel gr&ouml;&szlig;er war dieser Nebel im Himmelsraum vor den Kindern. Und als sie nun immer n&auml;her kamen, sahen sie sehr sonderbare Dinge darauf. Hunderte, Tausende von kleinen St&uuml;hlchen standen dort um ein sch&ouml;nes, silbernes Pult herum, genau, wie die Kinderst&uuml;hlchen in der Schule um das Lehrerpult. Neben dem Pult hing eine dicke, silberne Glockenschnur mit einer wundersch&ouml;nen Troddel vom Himmel herunter; auf der andern Seite aber stand eine riesengro&szlig;e Pauke neben einem m&auml;chtigen, silbernen Fernrohr. Weit hinten, auf einem H&uuml;gelchen, von dem ein feiner Nebelweg nach vorn lief, sah man einen niedlichen, wei&szlig;en Sch&auml;fchenstall mit einem rosenroten Dach darauf und runden, komischen Fenstern, die wie kleine &Auml;ugelchen guckten. Um das Ganze aber lief ein Gitterchen, so zart, als sei es aus Porzellan gesponnen worden. Was war dies nur alles?<br />
	Es war die Sternenwiese, der sie sich n&auml;herten. Sie liegt mitten im Himmel und war die erste Station auf ihrer gro&szlig;en Fahrt.<br />
	<br />
	<br />
	<strong>Die Sternenwiese</strong><br />
	Auf der Sternenwiese wohnt das Sandm&auml;nnchen, das eine sehr wichtige Pers&ouml;nlichkeit im Himmelsraum ist und viele &Auml;mter hat. Es muss den Sternen Unterricht im Singen geben, und es muss aufpassen, dass sie am Tage, wenn sie noch nicht am Himmel stehen, ihre Strahlen ordentlich putzen. Lauter kleine, silberhaarige M&auml;dchen sind die Sterne. Jedes Kind auf der Erde hat sein Sternchen. Und wenn das Kind nicht artig war, wenn es Kuchen stibitzt hat, oder wenn es gar gelogen hat, so entstehen auf der sch&ouml;nen Strahlenkrone seines Sternenm&auml;dchens h&auml;ssliche Flecken, sie verbiegt sich, oder sie bekommt Scharten. Dann muss das kleine Sternchen putzen mit seinem goldenen Putzl&auml;ppchen und sich m&uuml;hen in der Sternenschule auf der Wiese, damit das Kr&ouml;nchen wieder blank und hell wird zur Nacht. Das ist oft furchtbar schwer, und die kleinen Sternchen seufzen dabei vor M&uuml;he. Manchmal weinen sie sogar, denn das Sandm&auml;nnchen ist sehr streng und l&auml;sst es ihnen nicht durchgehen, wenn auch nur das kleinste Fleckchen noch da ist. Meistens aber sind sie fr&ouml;hlich und oft gar schrecklich ausgelassen; besonders im Winter, wenn Weihnachten nicht mehr weit ist. Dann hat das Sandm&auml;nnchen M&uuml;he, Ordnung zu halten; so viel lachen sie. Manchmal lachen sie &uuml;ber die Mondsch&auml;fchen, die am Tage in dem Stall auf dem kleinen H&uuml;gel wohnen und Purzelb&auml;umchen schie&szlig;en;<br />
	manchmal &uuml;ber die Himmelsziegen, die so komisch meckern; manchmal lachen sie auch &uuml;ber gar nichts und so laut, dass man es beinahe auf der Erde h&ouml;ren k&ouml;nnte. Das darf nat&uuml;rlich nicht sein. Dann haut das Sandm&auml;nnchen auf die Pauke, sie bekommen einen Schreck und sind stille, wie die Fischchen im See; aber nicht sehr lange. So geht es auf der Sternenwiese zu, wenn auf der Erde Tag ist. Wenn aber der Abend kommt, wenn die Sonne auf der Erde untergeht, dann stellt sich der Sandmann feierlich vor sein Pult, alle Sternchen setzen ihre Kronen aufs Haar und sehen and&auml;chtig zu ihm auf. Er wendet im goldenen Mondbuch auf dem Pult feierlich eine Seite um und schreibt hinein, was die Kinder auf Erden am letzten Tag Gutes getan haben. Er wei&szlig; alles, denn die Sternchen merken es an ihren Strahlenkronen. Ist dies geschehen, so setzt er sein gro&szlig;es, silbernes Sandsiegel unter die Schrift, zwinkert ernsthaft mit seinen kugelrunden, freundlichen &Auml;ugelchen und zieht an der Glockenschnur. In demselben Augenblick l&auml;utet es leise &uuml;ber den ganzen Himmel hin von ungez&auml;hlten Gl&ouml;ckchen. Zu dieser Musik aber huschen alle Sternenm&auml;dchen von der Wiese fort und an den Himmel. Dort stehen<br />
	sie dann f&uuml;r die Nacht als winzige Lichtp&uuml;nktchen, jedes an seinem Platz. Sandm&auml;nnchen aber l&auml;uft zu seinem Fernrohr und guckt, ob sie auch alle richtig stehen, denn manchmal verirrt sich eins ein wenig an dem gro&szlig;en, dunklen Himmel; besonders den kleinen passiert das leicht. Manchmal r&uuml;cken sie auch heimlich ein bisschen zusammen, weil sie sich noch was zu erz&auml;hlen haben. Sie tuscheln und kichern n&auml;mlich ebenso gern miteinander wie die kleinen M&auml;dchen auf der Erde. Das ist nat&uuml;rlich nicht erlaubt, und Sandm&auml;nnchen h&auml;lt streng darauf, dass so etwas nicht einrei&szlig;t am Himmel.<br />
	Ja, das Sandm&auml;nnchen hat wirklich sehr viel zu tun; besonders am Abend!<br />
	Wenn die Sternchen am Himmel stehen, muss es die Mondsch&auml;fchen aus dem Stall lassen, damit sie in der Nacht auf die Himmelsweide kommen. Das ist auch ein t&uuml;chtiges St&uuml;ck Arbeit. Vergn&uuml;gt sind die n&auml;mlich und f&uuml;rchterlich ausgelassen! Sie purzeln mit ihren silbernen Fellchen wie kleine Kullerb&auml;llchen durcheinander, und bis sie schlie&szlig;lich ruhig auf der Weide oben am Himmel das sch&ouml;ne Sternschnuppengem&uuml;se grasen, vergeht eine ganze Zeit. Auch dann noch muss das Sandm&auml;nnchen aufpassen, dass sie nicht etwa heimlich den Kometenkohl oder die Himmelschoten anknabbern, die dort zwar wachsen, aber den Sch&auml;fchen verboten sind, weil die Nachtfee sie braucht, wenn sie ihre gro&szlig;en Mitternachtsessen gibt, zu denen die m&auml;chtigen Naturkr&auml;fte eingeladen werden.<br />
	Sind die Mondsch&auml;fchen ordentlich auf die Weide gebracht, so ist noch eine ganz besonders wichtige Angelegenheit zu erledigen. Es steht auf der Sternenwiese neben der gro&szlig;en Pauke ein kugelrundes S&auml;ckchen, und aus diesem S&auml;ckchen sch&uuml;ttet der Sandmann einen feinen Silbersand in ein langes Pusterohr. Dann geht er gravit&auml;tisch nach den vier Himmelsrichtungen an den Rand der Wiese, beugt sich weit &uuml;ber das Gitter und bl&auml;st den leuchtenden Staub viermal in den Himmelsraum hinaus. Der Staub aber verteilt sich ganz, ganz fein und rieselt durch die Luft herab auf die Erde mit dem Licht des Mondes zusammen. &Uuml;berall dort,<br />
	wo Kinderaugen aus dem Bettchen in die Luft gucken, fliegt dieser silberne Sand aus Sandm&auml;nnchens Pusterohr herum und legt sich leise auf die Augenlider. Die werden m&uuml;de und schwer davon; man muss sie zumachen und schl&auml;ft ein. So schickt das Sandm&auml;nnchen den Kindern den Schlaf und auch die sch&ouml;nen Tr&auml;ume.<br />
	Mit allen diesen Arbeiten war das M&auml;nnchen gerade fertig geworden, als Peterchen und Anneliese mit dem Maik&auml;fer durch die Nacht herangeflogen kamen. Sie sahen deutlich, wie es steifbeinig auf der Wiese umherlief in seinem Schlafrock, der mit Sternen bestickt war. Auf dem Kopf hatte es eine lange Zipfelm&uuml;tze und an den F&uuml;&szlig;en komische, riesengro&szlig;e Pantoffeln. Von einer Seite der Wiese nach der andern lief das M&auml;nnchen und passte auf, dass am Himmel nichts in Unordnung kam. Und richtig! pl&ouml;tzlich hatte es die drei Abenteurer entdeckt! Es stutzte, zwinkerte mit den Augen, guckte, schnaubte sich und zwinkerte wieder. Dann aber lief es emsig zu seinem Fernrohr, richtete das auf die Kinder, guckte durch, wischte sich die &Auml;ugelchen, putzte das Glas am Fernrohr, guckte noch einmal ... und nun hatte es erkannt, was da ankam. Es blies die Backen auf und schlug sich vor Erstaunen auf den kleinen Spitzbauch. Seine Augen wurden so gro&szlig; wie Kuchenteller, und sein Mund stand so weit auf wie eine Ladent&uuml;r. Was da vor sich ging, war aber auch etwas ganz Unerh&ouml;rtes am Himmel! Viele Tausend Jahre war der Sandmann alt, aber so etwas war noch nicht passiert auf der Sternenwiese, seit er hier Ordnung hielt! Zwei Kinder im Nachthemdchen und ein geigender Maik&auml;fer kamen durch den gro&szlig;en Himmelsraum herangeflogen, als w&auml;re das so ein Sonntagnachmittags-Vergn&uuml;gen. Dies ging nicht mit rechten Dingen zu! Hier musste er sehr energisch sein!<br />
	Er st&uuml;rzte also eiligst zu seiner gro&szlig;en Pauke, schlug darauf und schnitt ein furchtbar b&ouml;ses Gesicht. In dem Augenblick landeten die Kinder mit dem Maik&auml;fer behutsam auf der Sternenwiese. &raquo;Bum - bum - bum! Hier ist der Mond!<br />
	Rausgeschmissen wird, wer hier nicht wohnt!&laquo;<br />
	&nbsp;schrie der Sandmann sie an und fuchtelte mit dem Paukenstock in der Luft herum.<br />
	Na, das war gerade kein liebensw&uuml;rdiger Empfang auf der ersten Station ihrer Reise!<br />
	Der Maik&auml;fer aber dachte: &gt;Mit H&ouml;flichkeit kommt man am weitesten&lt;; und so machte er eine sehr sch&ouml;ne Verbeugung mit Kratzf&uuml;&szlig;chen hinten ,raus und sagte: &raquo;Entschuldigen Sie bitte, Herr Sandmann. . &raquo;Was? - was? - entschuldigen? &laquo; quiekte das M&auml;nnchen ganz rot vor Aufregung. &raquo;Was will Er hier? Ein Maik&auml;fer geh&ouml;rt auf die dicke Kastanie im Garten, aber nicht auf die Sternenwiese am Mond! Ich werde mal gleich ein paar Stemraketen gegen Ihn abschie&szlig;en, dass Ihm der Bauch platzt, Er Nasegr&uuml;n !<br />
	Sternraketen?<br />
	Der Maik&auml;fer bekam nat&uuml;rlich Angst und dachte daran, sich tot zu stellen. Peterchen hatte zwar keine Angst, denn er hatte ja sein Holzschwert bei sich, aber er war etwas verlegen und wusste nicht recht, was man wohl tun sollte, wenn das M&auml;nnchen wirklich mit Stemraketen zu schie&szlig;en anfinge. Anneliese aber ... ja, das h&auml;tte man wirklich nicht von der kleinen Anneliese gedacht! Sie trat pl&ouml;tzlich ganz mutig vor, nahm aus ihrem K&ouml;rbchen ein rotb&auml;ckiges &Auml;pfelchen und hielt es dem grimmigen Sandmann dicht unter die spitze Nase. &raquo;Nanu?&laquo; sagte der h&ouml;chst erstaunt; &raquo;was ist denn das f&uuml;r ein tapferes, kleines Frauenzimmerchen?&laquo; Dabei schn&uuml;ffelte er schon neugierig an dem sch&ouml;nen Apfel herum. So etwas gab es n&auml;mlich nicht am Himmel oben. Auf der Weihnachtswiese, die auf dem Mond lag, wuchsen allerdings die vergoldeten &Auml;pfelchen und N&uuml;sschen; aber davon konnte das M&auml;nnchen keine bekommen, die waren f&uuml;r die Kinder auf der Erde. Nun lief ihm doch das Wasser im Munde zusammen. &raquo;Gib mal her!&laquo; sagte es. Anneliese machte einen Knicks und sagte: &raquo;Bitte sch&ouml;n!&laquo;<br />
	Happs! ... biss das M&auml;nnchen hinein. Ordentlich komisch war, wie es pl&ouml;tzlich vergn&uuml;gt wurde. Es schmunzelte von einem Ohr bis zum andern beim Kauen und rieb sich das B&auml;uchlein, so gut schmeckte es ihm.<br />
	Als der Apfel aufgegessen war, faltete der Sandmann die H&auml;nde auf dem R&uuml;cken und sah die Kinder an. Er wollte b&ouml;se aussehen, aber der Apfel hatte so gut geschmeckt, dass es ihm nicht mehr richtig gelang, ein grimmiges Gesicht zu schneiden. &raquo;Ihr Hemdenm&auml;tze, was wollt ihr denn hier? Ihr sollt doch schlafen!&laquo; schmunzelte er. Jetzt trat Peterchen mit einer Verbeugung vor und erkl&auml;rte den Grund der Reise. Ja, von der Geschichte hatte der Sandmann schon geh&ouml;rt. Sie war einmal auf einem Kaffeeklatsch bei der Nachtfee erz&auml;hlt worden, vor etwa tausend Jahren; und damals waren alle G&auml;ste sehr ger&uuml;hrt gewesen von dem Schicksal der Sumsem&auml;nner. &raquo;Hm, hm&laquo;, meinte das M&auml;nnchen jetzt und rollte mit den Augen, so stark dachte es nach. Aber da kam ihm schon wieder der Geruch von den &Auml;pfeln in die Nase, die Peterchen in seinem Korbe hatte. &raquo;Gib mir noch einen Apfel!&laquo; sagte es pl&ouml;tzlich mitten im Denken und hielt die Hand hin. Das tat Peterchen nat&uuml;rlich gern. Als der Sandmann nun auch den zweiten Apfel verspeist hatte, war all sein Grimm verflogen, und er nickte wohlwollend mit dem Kopfe. &raquo;Jaja, die Geschichte der Sumsem&auml;nner, die war &uuml;berall am Himmel bekannt.&laquo;<br />
	Aber sollte der Maik&auml;fer nun wirklich zwei artige Kinder gefunden haben, um das Beinchen zur&uuml;ckzuerobern? Das w&auml;re doch ein ganz gewaltiges Gl&uuml;ck f&uuml;r die Sumsem&auml;nner!<br />
	Es musste also festgestellt werden, ob die Kinder artig waren; sonst ging die Geschichte nicht. Mit gro&szlig;en, feierlichen Schritten begab sich das Sandm&auml;nnchen zu<br />
	seinem Sprachrohr und rief nach dem Himmel hinauf: &raquo;Die Sternchen von Anneliese und Peterchen sollen mal schnell herunterkommen !<br />
	Und was geschah?<br />
	Zwei winzige Sternp&uuml;nktchen l&ouml;sten sich hoch oben vom Himmelsgrund und fielen leuchtend herab auf die Wiese. Im gleichen Augenblick standen dort zwei wundersch&ouml;ne kleine M&auml;dchen mit blonden Locken und lachenden Augen. Silberne Hemdchen hatten sie an und silberne Schuhe; funkelhelle Strahlenkronen aber blinkten auf ihren K&ouml;pfen. &raquo;Peterchen, mein Peterchen!&laquo; rief das eine Sternchen. &raquo;Meine kleine Anneliese!&laquo; rief das andere. Und dann gab&#39;s eine fr&ouml;hliche Begr&uuml;&szlig;ung. Die Kinder liefen zu ihren Sternchen, und sie umarmten und k&uuml;ssten sich. Dem dicken Maik&auml;fer kamen ordentlich die Tr&auml;nen in die Glotzaugen vom Zusehen, so h&uuml;bsch war es. R&uuml;hrung durfte aber nicht einrei&szlig;en, denn die Geschichte war ernst. Also tat das Sandm&auml;nnchen wieder sehr grimmig, verbat sich die K&uuml;sserei und fragte die Sternchen, ob die beiden Kinder, Peterchen und Anneliese, kein&#39; Fleckchen auf die Kronen ihrer Sternchen gemacht h&auml;tten. Da l&auml;chelten beide Sternchen und sch&uuml;ttelten ihre silbernen Locken. Blitzblank waren die Kronen. Jetzt schmunzelte das gute Sandm&auml;nnchen, denn es freute sich sehr dar&uuml;ber, und die Kinder durften den Sternchen noch einen Kuss geben. &raquo;Ach, war das sch&ouml;n!&laquo;<br />
	So ein Sternchenkuss schmeckt so lieb, dass man es wirklich gar nicht beschreiben kann; man muss es erleben; und man erlebt es, wenn man gut ist.<br />
	Husch! waren die Sternchen wieder fort und standen als Lichtp&uuml;nktchen am Himmel. Die Kinder guckten ihnen ganz traurig nach, aber pl&ouml;tzlich mussten sie laut lachen. Der Maik&auml;fer tanzte n&auml;mlich wie ein Verdrehter auf der Sternenwiese herum und warf dabei mit den Beinchen mindestens ein Dutzend Sternenst&uuml;hlchen um, die dort standen. Er freute sich, dass die Kinder<br />
	artig waren, denn in seiner Familiengeschichte stand, artige Kinder m&uuml;ssten es sein, sonst sei alle M&uuml;he umsonst. Nun war es sicher, dass er sein Beinchen wiederbekam. Schrecklich freute er sich!<br />
	Der Sandmann verstand zwar, dass das Sumsem&auml;nnchen sich freute; aber, dass es die Sternenst&uuml;hlchen umwarf, war gegen die Ordnung, und er verbat sich dieses maik&auml;ferhafte Benehmen sehr energisch. &raquo;Ein Freudentanz sollte das sein? Ein ganz dummes Rumgebrumsel sei es! Auf der Sternenwiese mache man so was nicht; &uuml;berhaupt, wenn man so dick w&auml;re und so unsicher auf den Beinen!&laquo;<br />
	Da hatte der Sumsemann seine Strafpredigt weg. &gt;Das Sandm&auml;nnchen ist sehr ungebildet&lt;, dachte er, denn die Maik&auml;fert&auml;nze sind die sch&ouml;nsten T&auml;nze der Welt, das wei&szlig; jeder. &gt;Und er, der Sumsemann, sei unsicher auf den Beinen? So was L&auml;cherliches! Alle w&uuml;ssten, wie elegant er auf den Kastanienbl&auml;ttern im Garten tanzen konnte; und nun sollte man ihn erst mal sehen, wenn er das sechste Beinchen wieder h&auml;tte!&lt;<br />
	Beinahe h&auml;tte er laut gelacht; aber er verkniff sich das Lachen, denn er war vorsichtig und wollte sich nicht unbeliebt machen. &raquo;Entschuldigen Sie, Herr Sandmann!&laquo; sagte er, machte einen Kratzfu&szlig; und sah bescheiden aus. Nur ganz heimlich warf er den Kindern ein paar Kussh&auml;ndchen zu. Sandm&auml;nnchen hatte den Finger an seine Nase gelegt und dachte tief nach. Es war n&auml;mlich eine recht gef&auml;hrliche Geschichte, die von den beiden Kindern unternommen werden sollte; und weil er sie schon sehr lieb hatte, wollte er ihnen nun auch mit allen Kr&auml;ften beistehen auf der weiteren Fahrt. Pl&ouml;tzlich kam ihm ein Gedanke. Gerade heute, um 12 Uhr mitternachts, gab die Nachtfee einen Kaffeeklatsch f&uuml;r die Naturgeister in ihrem Schloss. Er war auch eingeladen. Die Nachtfee war sehr m&auml;chtig; viel m&auml;chtiger als er. Sie war es ja auch gewesen, die vor vielen hundert Jahren den b&ouml;sen Holzdieb auf den Mondberg verbannt und den Sumsem&auml;nnern erlaubt hatte, mit artigen Kindern das Beinchen von dort wieder herunterzuholen. Wenn er die Kinder also mitn&auml;hme auf das Schloss der Nachtfee zu dem Kaffeeklatsch? Sie war eine g&uuml;tige Fee und w&uuml;rde ihnen sicher ihren Schutz leihen. Peterchen und Anneliese konnten bei dieser Gelegenheit sogar die Naturgeister kennenlernen, die ihnen vielleicht sp&auml;ter beistehen w&uuml;rden. Ja, das war ein pr&auml;chtiger Gedanke!<br />
	Das M&auml;nnchen machte einen Sprung in die Luft vor Vergn&uuml;gen &uuml;ber diesen Einfall, dass sein spitzes B&auml;uchlein nur so wackelte; dazu schrie es: &raquo;Ich hab&#39;s! ich hab&#39;s! ich habe einen himmelsraketenm&auml;&szlig;ig pr&auml;chtigen Gedanken, Kinderchen!<br />
	Und er erkl&auml;rte ihnen alles, was er vorhatte. Das war allerdings ein wunderbar sch&ouml;ner Plan!<br />
	Peterchen freute sich gewaltig auf die Naturgeister, und Anneliese auf die sch&ouml;ne Nachtfee. Der Sumsemann hatte zwar wieder Angst, denn die Bekanntschaft mit den Naturgeistern schien ihm gef&auml;hrlich;<br />
	doch er unterdr&uuml;ckte es, tat mutig und fand den Einfall des Sandm&auml;nnchens sehr sch&ouml;n. Der Sandmann aber zog jetzt eine riesengro&szlig;e Taschenuhr aus dem Schlafrock, tippte mit dem Finger auf das Zifferblatt und sagte:<br />
	&raquo;Gleich muss er da sein!&laquo;<br />
	Er meinte n&auml;mlich seinen Mondschlitten, mit dem er zum Schloss der Nachtfee fahren wollte. Und richtig, da kam auch schon etwas durch die Luft!<br />
	Ein schneewei&szlig;er Schlitten war es, der von acht Nachtfaltern an silbernen B&auml;ndern gezogen wurde. Lautlos, wie ein W&ouml;lkchen glitt er heran und hielt vor den Kindern. Die Nachtfalter hatten gro&szlig;e, leuchtend gr&uuml;ne Augen und schlugen geheimnisvoll mit ihren sch&ouml;nen, schimmernden Fl&uuml;geln. Dazu bewegten sie ihre goldenen F&uuml;hlh&ouml;rner, an denen gl&auml;serne Gl&ouml;ckchen klangen. Staunend sahen die Kinder dies. Aber es gab keine Zeit mehr mit Verwundern zu verlieren. Der Weg, den sie zu fahren hatten, war weit. So nahmen sie alle schnell im Schlitten Platz. Man sa&szlig; wie auf<br />
	seidenen Wolken darin. Sandm&auml;nnchen ergriff die Z&uuml;gel, die Nachtfalter hoben die Schwingen, leise klangen die Glasgl&ouml;ckchen und . ,. fort ging die Fahrt &uuml;ber die Sternenwiese hin, auf die Milchstra&szlig;e zu, an deren fernem Ende das Schloss der Nachtfee lag.<br />
	<br />
	<br />
	<strong>Die Schlittenfahrt auf der Milchstra&szlig;e</strong><br />
	Das war ein seltsames Kutschieren&#39;<br />
	Noch nie sind Kinder so sch&ouml;n gefahren, wie Peterchen und Anneliese in Sandmanns Mondschlitten auf der Milchstra&szlig;e zum Scho&szlig; der Nachtfee fuhren!<br />
	Aus einem leise leuchtenden Schaum war der Weg unter ihnen, gl&auml;nzender als frischer Schnee und zarter als der Schaum der klarsten Wellen. Lautlos glitt der Schlitten auf diesem Zauberwege durch den Himmelsraum. Nur die kleinen, gl&auml;sernen Gl&ouml;ckchen an den F&uuml;hlern der Falter klangen leise im Takt, so, wie die sch&ouml;nen Tiere ihre Fl&uuml;gel hoben und senkten. M&auml;chtige B&auml;ume wuchsen zu beiden Seiten der Milchstra&szlig;e; durchsichtig waren sie und mit gro&szlig;en, wei&szlig;en Blumen bedeckt. &raquo;Das sind die Milchb&auml;ume&laquo;, erkl&auml;rte das Sandm&auml;nnchen; &raquo;aus ihren Blumen tropft der s&uuml;&szlig;e ~ Den essen die Sternenm&auml;dchen, wenn sie hungrig sind.&laquo;<br />
	Unter diesen bl&uuml;henden Alleeb&auml;umen ging es dahin, und die wei&szlig;en Blumen kamen den Kindern einmal so nahe, dass Annneliese das H&auml;ndchen ausstreckte, um eine solche Bl&uuml;te abzupfl&uuml;cken. Sie bekam es zwar nicht fertig, denn der Schlitten fuhr viel zu schnell, aber alle Finger waren von dem herrlichen Milchstra&szlig;enhonig nass.<br />
	Nun ging es ans Ablutschen!<br />
	Peterchen machte nat&uuml;rlich auch Anspruch auf den Honig, und Anneliese war gut. Sie lie&szlig; ihn drei von ihren Fingerchen ablutschen. Die anderen beiden aber, die gr&ouml;&szlig;ten, behielt sie doch f&uuml;r sich. Das war auch ihr gutes Recht. Wirklich, so etwas S&uuml;&szlig;es hatten sie noch nie geschmeckt!<br />
	Jetzt kamen sie an einer Wiese vorbei, auf der sich eine Herde sehr sonderbarer Tiere tummelte. Beinahe sahen sie wie Ziegen aus und beinahe wie kleine W&ouml;lkchen mit Beinen. Immerfort huschten sie herum, aber sie bewegten die Beinchen gar nicht dabei. Als ob ein Wind sie durcheinanderwirbelte, sah es aus, und dazu meckerten sie, dass es klang, als ob tausend Kinder sich totlachen wollten. &raquo;Es sind die Himmelsziegen&laquo;, erkl&auml;rte das Sandm&auml;nnchen; &raquo;sie grasen hier den Mondspinat ab. Zu Weihnachten werden ihnen die goldenen H&ouml;rnchen abgebrochen; dann ist auf der Sternenwiese f&uuml;r die Sternenm&auml;dchen ein gro&szlig;er Festschmaus. Es gibt Milchstra&szlig;enschlagsahne mit Himmelsziegenh&ouml;rnchen. Das schmeckt unbeschreiblich gut! &laquo;<br />
	Die Kinder konnten sich wohl denken, dass so etwas gut schmeckt.<br />
	Und nun fuhren sie an einem sonderbaren See vor&uuml;ber. Sein Wasser flimmerte wie geschmolzenes Silber, &uuml;ber das ein leiser Wind geht. Es war leuchtende Nebelluft, die leise Wellen schlug. In dem See wimmelte es von unz&auml;hligen kleinen Fischen; die funkelten wie bunte Fl&auml;mmchen. Immerfort zuckten, huschten und zitterten sie herum. Totenstill war&#39;s dabei. &raquo;Das ist der Tausee mit den Irrlichterfischchen!&laquo; erkl&auml;rte der Sandmann. &raquo;In jeder stillen Nacht kommt ein wundersch&ouml;nes M&auml;dchen leise an das Ufer des Tausees, das Taumariechen, die Tochter der Nachtfee. Mit einer Schale, die aus einem einzigen Diamanten geschnitten ist, sch&ouml;pft sie aus dem See. Dann schwebt sie zur Erde hinab und sprengt den k&uuml;hlen Tau &uuml;ber G&auml;rten, Wiesen und W&auml;lder, damit alle Blumen und B&auml;ume, alle Gr&auml;ser und Kr&auml;uter frisch und sch&ouml;n sind am Morgen. Manchmal geschieht es, dass einige von den funkelnden Fischen mit in die Schale des Taumariechens kommen Die werden dann auch mit dem Tau &uuml;ber die Wiesen gestreut, und man kann sie in stillen N&auml;chten huschen und funkeln sehen. &raquo;Elmsfeuerchen&laquo; sagen die Menschen, oder &raquo; Irrlichter&laquo;.<br />
	Und weiter ging die Fahrt. An der Weide der Himmelsk&uuml;he und Mondk&auml;lber kamen sie jetzt vor&uuml;ber, die wie gro&szlig;e, dicke Wolken herumrutschten auf den wei&szlig;en Wiesen und immerfort fra&szlig;en. Nicht durchsichtig waren sie wie die Mondsch&auml;fchen und Himmelsziegen auf den anderen Weiden, sondern gro&szlig;e, undurchsichtige graue Klumpen. &raquo;Sie sind gar nicht beliebt bei den Sternchen&laquo;, sagte der Sandmann; &raquo;weil sie oft die Aussicht auf die Erde mit ihren dicken B&auml;uchen versperren, so dass die Sternchen ihre schlafenden Kinder dort unten nicht recht sehen k&ouml;nnen. Aber die Nachtfee braucht die Himmelsk&uuml;he. Aus ihrer Milch wird die Mondbutter gemacht. Die braucht der Koch der Nachtfee zum Kuchenbacken; besonders f&uuml;r die sch&ouml;nen<br />
	Mondscheinfladen, die es manchmal auf dem Kaffeeklatsch bei der Nachtfee gibt.&laquo;<br />
	Das Sandm&auml;nnchen schmunzelte ordentlich bei dem Gedanken an die Mondscheinfladen. Sie waren n&auml;mlich sein Leibgericht. Und heute nacht sollte es auch welche geben. Das hatte der Milchstra&szlig;enmann, der die Mondbutter liefern muss, verraten. &gt;Am Himmel gibt&#39;s doch viele gute Sachen&lt;, dachten die Kinder;<br />
	&gt;soviel Gutes zu essen!&lt; Nur der Sumsemann sa&szlig; hinten im Schlitten und sah etwas gelangweilt aus. F&uuml;r ihn war das alles nichts. Kein einziges gr&uuml;nes Bl&auml;ttchen hatte er bisher entdecken k&ouml;nnen. Alles war von Silber oder von Zucker. F&uuml;r Mondbutter, Sternblumenklee, Milchstra&szlig;en- Schlagsahne und Himmelsziegenh&ouml;rnchen hatte er gar kein Verst&auml;ndnis als anst&auml;ndiger Maik&auml;fer. Na aber schlie&szlig;lich brauchte er ja das Zeug nicht zu essen. Und hier war doch die Hauptsache, dass er, der Herr Sumsemann, sein Beinchen wiederbekam. Deshalb wurde die ganze Reise unternommen. Er war also die Hauptperson!<br />
	Als er sich dar&uuml;ber klar wurde, sah er wieder sehr zufrieden und stolz aus.<br />
	Am hundertsten Meilenstein fuhren sie eben vor&uuml;ber, da fing es an zu schneien. Ein sonderbarer Schnee war das!<br />
	Millionen Lichtflocken tanzten um sie her; winzige, spr&uuml;hende Sternchen. Sie stiebten so dicht um den Schlitten, dass man vor lauter F&uuml;nkchen nichts mehr sehen konnte. &raquo;Da sind wir in eine Sternschnuppenwolke geraten&laquo;, meinte das Sandm&auml;nnchen; &raquo;aber das schadet nichts; davon brennt man nicht an.&laquo;<br />
	Die Kinder fanden es sehr lustig. Sie griffen nach den F&uuml;nkchen und wollten gar zu gern Sternschnuppen-Schneeb&auml;llchen daraus machen; aber das war nicht so einfach. Beinahe w&auml;re Peterchen dabei aus dem Schlitten gefallen. Anneliese lachte immerfort und steckte die Zunge heraus in das Schnuppengest&ouml;ber. Das prickelte n&auml;mlich zu komisch. Nur dem Sumsemann war es wieder recht ungem&uuml;tlich. Schneegest&ouml;ber ist eben f&uuml;r Maik&auml;fer etwas Greuliches. Das kann man schlie&szlig;lich begreifen. Eben wollte er sich tot stellen, da waren sie aus der Wolke heraus, und vor ihnen lag das Schloss der Nachtfee auf himmelhohen, silbergrauen Wolken - unbeschreiblich sch&ouml;n!<br />
	Der Schlitten hielt am Fu&szlig;e der Treppe aus wei&szlig;em Glase, die breit zwischen den Wolken hinauff&uuml;hrte zum Tor des Schlosses. Nun stiegen sie an der Hand des Sandm&auml;nnchens die Treppe hinauf. Sehr feierlich war es.<br />
	<br />
	<br />
	<strong>Das Schloss der Nachtfee</strong><br />
	In einem gewaltigen Saal ihres Schlosses empfing die Nachtfee ihre G&auml;ste zum Mitternachts-Kaffeeklatsch. Himmelhohe, silberne S&auml;ulen trugen eine ungeheure Wolkenkuppel, von wehenden Nebeln wie von zarten Fahnen umschwebt. Der Boden war aus tiefblauem Kristall. so durchsichtig wie das Wasser des<br />
	Meeres, wenn es ganz still liegt. Durch weite Eing&auml;nge zwischen den S&auml;ulen sah die Nacht herein, und in ihrer Unendlichkeit schwebten gleich gro&szlig;en Blumen Tausende von W&ouml;lkchen und gaben ein zauberzartes Licht. Das Sch&ouml;nste aber war der Thron der Nachtfee in der Mitte des Saales. Aus einem einzigen, gr&uuml;nen Edelstein waren seine Stufen geschnitten, aus Perlen war der Sitz, die Lehne aus Silber, und sieben blaue Sterne funkelten leise dar&uuml;ber in der Luft. Zu beiden Seiten dieses wundersch&ouml;nen Thrones standen Reihen von silbernen St&uuml;hlen f&uuml;r die G&auml;ste, die erwartet wurden. Die Nachtfee sa&szlig; auf ihrem Thron, als die Mitternacht nahte, eine leuchtende Mondsichel im schwarzen Haar, mit ihrem K&ouml;nigsmantel angetan. Neben ihr standen zwei Sternenm&auml;dchen in ihren Silberkleidern; durch die Nacht des Hintergrundes aber zog ununterbrochen eine Kette winziger singender Sternenkinder. Die ganz, ganz kleinen waren es, die noch nicht beim Sandm&auml;nnchen in die Sternenschule gingen, weil sie noch keine Kinder auf der Erde zu besch&uuml;tzen hatten. Darum hatten sie auch noch kein Pl&auml;tzchen am Himmel, von dem aus sie des Nachts auf die Erde h&auml;tten blicken und wachen m&uuml;ssen. Aber wundersch&ouml;n singen konnten sie schon!<br />
	Pl&ouml;tzlich klangen zw&ouml;lf tiefe Glockenschl&auml;ge durch den Raum; die Nachtfee erhob sich von ihrem Thron, breitete die Arme aus und sagte mit einer weichen, von Wohlklang wunderlieben Stimme:<br />
	&raquo;Mitternacht! - Die Welt schlief ein;<br />
	Frieden, Frieden soll &uuml;ber ihr sein!&laquo;<br />
	Mit tausendfachem Echo nahm der Himmelsraum diesen Segensspruch auf. Von fernen Ch&ouml;ren gesungen klang es, immer weiter, immer leiser:<br />
	&raquo;Frieden, Frieden soll &uuml;ber ihr sein!&laquo;<br />
	Dann wurde es ganz still. Still setzte sich die Fee wieder auf ihren Thron, und ein g&uuml;tiges L&auml;cheln lag &uuml;ber ihrem blassen, edlen Antlitz. Eine Zeitlang war tiefes Schweigen ringsum, dann aber h&ouml;rte man fernes Gerumpel, das immer st&auml;rker wurde und schlie&szlig;lich als gewaltiger Donner heranbr&uuml;llte. Gleich darauf sprang mit einem schmetternden Schlage der Donnermann aus den Wolken am Eingang; der erste der geladenen G&auml;ste. Er hatte einen m&auml;chtigen Paukenkl&ouml;ppel in der Faust, schlug sich damit auf den Bauch, verneigte sich vor der Nachtfee und br&uuml;llte:<br />
	<br />
	&raquo;Zum Donnerwetter, da bin ich gekommen!<br />
	Habe mir keine Zeit genommen;<br />
	in gleich, weil du mich geladen hast,<br />
	Auf meiner Pauke hierher gerast.<br />
	Mein Weib, die Blitzhexe, l&auml;sst dir sagen,<br />
	Sie h&auml;tte noch schnell mal wo einzuschlagen<br />
	Und k&auml;me dann hinterher geritten;<br />
	Derweil zu gr&uuml;&szlig;en l&auml;sst sie bitten!<br />
	<br />
	Potz - Himmel - Bomben - Donnerwetter!<br />
	Unterwegs &uuml;berholte ich meinen Vetter,<br />
	Den Hagelhans; der muss gleich kommen;<br />
	Hat ein graues Wolkenschiff genommen,<br />
	Hat ein Loch an der Mondsichel ins Segel geschnitten;<br />
	L&auml;sst derweil durch mich um Entschuldigung bitten.<br />
	Potz - Krach - Blitz - Donner - Bombenschlag<br />
	Ich bin hier und sage dir guten Tag!&laquo;<br />
	&nbsp;<br />
	W&auml;hrend er dies sprach, donnerte es immerfort, so dass die kleinen Sternenm&auml;dchen neben dem Thron der Nachtfee ordentlich Herzklopfen bekamen. Aber der Donnermann war gar nicht b&ouml;se dabei; er lachte und verzog lustig den Mund von einem Ohr bis zum andern. Die Nachtfee neigte ihr sch&ouml;nes Haupt zum Gru&szlig; gegen den wilden Mann und meinte mit freundlichem L&auml;cheln, er solle nur nicht gar so viel donnern, damit die Sternenkinder keine Angst bek&auml;men. Nun war der gutm&uuml;tige Donnermann ganz verlegen und bullerte leise eine Entschuldigung. Es war n&auml;mlich wirklich nicht so einfach f&uuml;r ihn, sich das Donnern zu verkneifen; besonders, wenn er sich freute. Da summte und pfiff es in der Luft, und der zweite Gast kam, die Windliese. Auf einem Besen ritt sie, sprang vor dem Thron der Nachtfee ab und, w&auml;hrend sie immerfort Knickse machte und im Kreise herumlief, rief sie mit einer pfeifenden Stimme:<br />
	<br />
	&raquo;Hui - Hui - Sumsiselsei!<br />
	Komm&#39; schnell auf meinem Besen herbei,<br />
	Hab&#39; tausend Meilen zur&uuml;ckgelegt,<br />
	Bin &uuml;ber Wiesen und W&auml;lder gefegt,<br />
	Hab&#39; an allen T&uuml;ren und Fenstern ger&uuml;ttelt,<br />
	Hunderttausend Kirschen von den B&auml;umen gesch&uuml;ttelt.<br />
	Haha - hoho - huhu - sieh - sieh!<br />
	Die Windliese ist hie, die Windliese ist hie!&laquo;<br />
	&nbsp;<br />
	Die Nachtfee reichte ihr freundlich die Hand, und, w&auml;hrend sich die Windliese mit dem Donnermann begr&uuml;&szlig;te - die beiden waren nat&uuml;rlich sehr befreundet - kam schon der dritte Gast herein. Es war die dicke Wolkenfrau.<br />
	Sie sah aus wie ein Luftballon oder wie eine gro&szlig;e Kaffeekanne; sehr, sehr komisch. Ihr Gesicht war wie ein Bratapfel so rund und auch so freundlich. Mit sehr gem&uuml;tlichen, langsamen Bewegungen kam sie bis dicht an den Thron der Nachtfee, wippte mit ihrem aufgeplusterten Kleid einen komischen Begr&uuml;&szlig;ungsknicks und sagte mit weicher, molliger<br />
	Stimme:<br />
	<br />
	&raquo;Wie geht es am Himmel?<br />
	Wie geht&#39;s auf dem Mond?<br />
	Ich finde, dass es sich immer noch lohnt,<br />
	Liebe Nachtfee, Sie zum Kaffee zu besuchen;<br />
	Sie haben ausgezeichneten Fladenkuchen.<br />
	Ich hoffe nur, dass die Sonne, das Biest,<br />
	Nicht etwa auch geladen ist;<br />
	Hat mir neulich wieder durchs Kleid gebrochen<br />
	Und mich mit ihren Strahlen zerstochen.&laquo;<br />
	&nbsp;<br />
	Die Nachtfee dankte f&uuml;r den Gru&szlig; der Wolkenbase und wies ihr den Platz neben dem Donnermann und der Windliese. Freilich, die Sonne war auch eingeladen; das erforderte die Sitte und H&ouml;flichkeit. Aber die Wolkenfrau beruhigte sich dar&uuml;ber, da sie neben dem Donnermann und der Windliese sitzen konnte, mit denen sie selbstverst&auml;ndlich in dicker Freundschaft lebte.<br />
	Pl&ouml;tzlich zuckte es schwefelgelb durch den Raum, und herein fuhr die Blitzhexe auf einem toten Baumast. Im gleichen Augenblick sprang der Donnermann mit einem f&uuml;rchterlichen Donner von seinem Sitz, umarmte sein Weib und tanzte mit ihr eine Weile im Saal herum. Sie machten dabei ein sehr greuliches Get&ouml;se und einen schauderhaften Schwefelgestank. Ihre Freude war so gro&szlig;, dass sie sich nicht beherrschen konnten. Die Nachtfee hielt sich die Nase zu, so schlecht roch es. Dann lie&szlig; die Blitzhexe den Donnermann los, lief in Zickzacklinien vor den Thron und schrie mit schriller Stimme:<br />
	<br />
	&raquo;Sirrr - sirrr - liebe Base - da ist der Blitz!<br />
	Zerschlug nur noch schnell eine Kirchturmspitz;<br />
	Hatte Auftrag, musst&#39; ihn erledigen schnell;<br />
	Sirrr - sirrr - krakacks - bin ich zur Stell&#39; ! &laquo;<br />
	&nbsp;<br />
	Die Nachtfee verneigte sich und bat die Blitzhexe freundlich, etwas weniger Schwefelduft zu verbreiten, da dies ihren Sternenkindern und auch noch anderen von den geladenen Herrschaften nicht gesund sei; zum Beispiel dem Taumariechen, der Morgenr&ouml;te und der Abendr&ouml;te. Der Donnermann machte einen Witz um den anderen zur Wolkenfrau &uuml;ber die zimperlichen Frauenzimmer am Morgen- und Abendhimmel, die Blitzhexe aber knickste eckig und schrie dazu:<br />
	<br />
	&raquo;Sirrr - will mich beherrschen! Hoffe, es gl&uuml;ckt;<br />
	Wenn&#39;s mich auch dr&auml;ngt und zwackt und j&uuml;ckt,<br />
	Den k&ouml;stlichen Feuerduft zu verbreiten,<br />
	Sirrr - sirrr - das sind ja nur Kleinigkeiten!&laquo;<br />
	&nbsp;<br />
	Dann zuckte sie in Zickzacklinien durch den Saal und setzte sich dem Donnermann auf den Scho&szlig;. Ein leises Regenrauschen wurde nun h&ouml;rbar, und eine sehr sonderbare Erscheinung trat vor den Thron; der Regenfritz. Sch&ouml;n war der Regenfritz nicht. So d&uuml;nn wie ein Lineal war er. Langes, verwaschen blondes Haar hing ihm str&auml;hnig &uuml;ber die Triefaugen und die rote, spitze Schnupfennase. Einen m&auml;chtigen Regenschirm hatte er zugeklappt unter dem Arm, und sein langer Rock war patschnass von Wasser. Wo er stand, bildete sich sofort auf dem Boden eine Pf&uuml;tze. Er machte eine linkische Verbeugung vor der Nachtfee, zog seinen alten, triefenden Zylinder und sagte mit einer &ouml;lig fl&ouml;tenden, melancholischen Greinstimme:<br />
	<br />
	&raquo;Dr&uuml;ppel&uuml; - t&uuml;p - t&uuml;p - liebe Fee der Nacht,<br />
	Sie haben mir g&uuml;tige Einladung gemacht.<br />
	Ich bin gerne gekommen - t&uuml;p - top - t&uuml; - ti!<br />
	War ein weiter Ritt auf dem Parapluie.<br />
	Hab&#39; zwar im Mai sehr wenig zu tun,<br />
	Hin und wieder mal dr&uuml;ppeln, meist muss ich ruhn;<br />
	Hab&#39;s aber eben noch erreicht<br />
	Und f&uuml;nfzig neue Leider milde durchweicht,<br />
	An siebzehn Stellen sanft durch die Decke geregnet,<br />
	Tische, St&uuml;hle und Betten mit Pf&uuml;tzen gesegnet,<br />
	Zw&ouml;lf Landpartien freundlich berieselt,<br />
	Zweihundert Kinderchen haben&#39;s mit Schnupfen benieselt;<br />
	Dreizehn Handwerksburschen, bis aufs Hemd,<br />
	Habe ich liebevoll durchschwemmt.<br />
	Nun ja, man muss eben zufrieden sein,<br />
	Der Mai ist trocken, die Arbeit klein.&laquo;<br />
	&nbsp;<br />
	Die Nachtfee ermahnte diesen seltsamen Gast, nachdem sie ihn begr&uuml;&szlig;t hatte. auf der Erde nicht nur Possen und Unsinn zu treiben, sondern auch Gutes zu tun und die G&auml;rten und Felder ordentlich zu begie&szlig;en. Und dann bat sie ihn, hier in ihrem Saal das Regnen ein wenig zu unterdr&uuml;cken und keine Pf&uuml;tzen zu rieseln. Der Regenfritz versprach&#39;s und setzte sich zur Wolkenfrau. Seit einiger Zeit hatte man schon ein fernes Brausen geh&ouml;rt, das immer n&auml;her heranschwoll. Pl&ouml;tzlich flatterten alle Schleier und Nebelfahnen im Saal, die Wolkenw&auml;nde bewegten sich leise, denn der Sturmriese fuhr in den Raum, schwarz und riesengro&szlig;, mit ungeheuren, den Boden fegenden Fl&uuml;geln. In seiner Faust hielt er einen abgerissenen Eichenast; den schwenkte er zum Willkommen und br&uuml;llte, w&auml;hrend sein m&auml;chtiger Bart wie eine schwarze Wolke um ihn her wehte:<br />
	<br />
	&raquo;Puh - da bin ich! Komme vom Ozean!<br />
	Schnallte meine schnellsten Fl&uuml;gel an!<br />
	Bin wie der Teufel durch die Luft gesaust,<br />
	Durch Gebirg und Urwald herangebraust!<br />
	Lie&szlig; auf dem Flug mir keine Zeit,<br />
	Weil Ihre Einladung mich furchtbar freut!<br />
	Habe nicht Wind- noch Wasserhose angezogen;<br />
	Sie m&uuml;ssen verzeihen, bin so geflogen!&laquo;<br />
	&nbsp;<br />
	Er hatte wirklich gar nichts an; nicht einmal den neuen W&uuml;stenwirbelwetterhut oder die F&ouml;hnstiefel. Darum musste er sich jetzt hinter die Wolkenfrau setzen, nachdem er mit vielem Get&ouml;se den Donnermann, die Blitzhexe und die Windliese, sein Weib, begr&uuml;&szlig;t hatte.<br />
	Nun kamen die drei Eisgeschwister. Als erster der Hagelhans mit seiner riesigen Trommel. Er hatte ein blaues Gesicht und kugelrunde, glashelle Augen, in denen gr&uuml;ne Funken brannten. Sein Haar war wei&szlig; wie Schnee, und seine Uniform war blitzend von Hagelperlen. Als er eintrat, wurde es k&uuml;hl, und der Regenfritz fing an zu niesen. Er konnte den Hagelhans nicht besonders leiden, weil der ihm immer beim Begie&szlig;en ins Handwerk pfuschte. Der Hagelhans klappte vor dem Thron der Nachtfee milit&auml;risch mit den Hacken, schlug einen Wirbel zur Begr&uuml;&szlig;ung auf seiner Trommel und schnarrte mit einer Stimme, die wie das Rasseln von Eisenketten klang:<br />
	<br />
	&raquo;Klirrrr - der Hagelhans ist zur Stelle!<br />
	Hat viel zu tun in der Mittagshelle;<br />
	Muss in den hei&szlig;en Fr&uuml;hlingstagen<br />
	Die Ehre des Winters zu Ansehn tragen!<br />
	Tut&#39;s gern, ist ihm eine dienstliche Pflicht,<br />
	Kennt Mitleid mit Blumen und Saaten nicht,<br />
	Zerschmettert all den albernen Kram,<br />
	Wo er ihm in die Marschrichtung kam;<br />
	Schie&szlig;t mit tausend Flinten zu gleicher Zeit,<br />
	Trifft sicher, ist gegen alles gefeit;<br />
	Kennt kein sanfts&auml;uselndes Betragen,<br />
	Hat immer alles kurz und klein geschlagen;<br />
	Ist gr&uuml;ndlich in seinem Dienstrevier;<br />
	Nachts hat er Urlaub - jetzt ist er hier!&laquo;<br />
	&nbsp;<br />
	Die Nachtfee liebte zwar die Arbeit dieses strengen Herrn nicht besonders; aber, da er zu den Eisgeschwistern geh&ouml;rte und ein vornehmer Himmelsf&uuml;rst war, lud sie ihn stets zu ihren Festen und gr&uuml;&szlig;te ihn auch jetzt mit h&ouml;flichem Verneigen.<br />
	Kaum hatte er auf seinem Stuhl neben dem Sturmriesen Platz genommen, so kam seine Schwester Frau Holle herein. Rundlich und wei&szlig; von oben bis unten war sie und sah eigentlich aus wie ein gro&szlig;es, wandelndes Bett mit zwei dicken, weichen Pantoffelf&uuml;&szlig;en. Immerfort ging ihr ein wei&szlig;er Nebel vom Munde, besonders, wenn sie g&auml;hnte; und sie g&auml;hnte n&auml;mlich schrecklich viel, weil sie m&uuml;de war, denn im Fr&uuml;hling schlief sie sonst meistens. Nun verneigte sie sich vor der Nachtfee und sagte ihren Gru&szlig;. Dabei stiebten ihr dichte Flocken aus den R&ouml;cken. Man verstand auch, was sie sprach, aber eigentlich war es lautlos gehaucht:<br />
	<br />
	&raquo;Frau Holle ist da! Frau Holle ist da!<br />
	Hab&#39;s beinah verschlafen, Frau Nachtfee - jaja!<br />
	Ich halte schon meine Sommerruhe<br />
	Am Nordpol. Meine Bettentruhe<br />
	Ist sorgsam vor der Sonne verschlossen;<br />
	Sie hat unversch&auml;mt mit Strahlen geschossen.<br />
	Ich musste tief in das Eisschloss fliehen,<br />
	Um mich nicht zu verbr&uuml;hen, ja ja, zu verbr&uuml;hen!<br />
	Dort schlief ich wie sieben Murmeltiere.<br />
	Weckt&#39; ein Sternchen mich und brachte mir Ihre<br />
	Einladung zu dem gro&szlig;en Empfang.<br />
	Besten Dank, liebe Base, besten Dank, besten Dank!&laquo;<br />
	&nbsp;<br />
	Und wieder knickste sie, und wieder stob ihr eine Wolke von Schneeflocken aus den R&ouml;cken. Die Nachtfee reichte ihr die Hand und sagte, dass es Schlagsahne auf Eis geben w&uuml;rde. Das a&szlig; Frau Holle schrecklich gern, und h&ouml;chst vergn&uuml;gt segelte sie zu ihrem Stuhl neben dem Hagelhans.<br />
	Da kam auch schon der Eismax heran, der dritte der Eisgeschwister. Mit klirrenden Sporen und tausend klingenden, funkelnden Eiskristallen an seiner Montur schritt er zum Thron. Er schlug die Sporen zusammen, gr&uuml;&szlig;te milit&auml;risch vor der Nachtfee und schnarrte:<br />
	<br />
	&raquo;Gn&auml;digste Nachtfee, melde jehorsamst zur Stelle!<br />
	Jereist mit jletscherhafter Schnelle.<br />
	Zwar f&uuml;r mich unjew&ouml;hnliche Zeit;<br />
	Aber doch eisb&auml;renm&auml;&szlig;ig jefreut!<br />
	Wo alle sich zum Empfang einstellen,<br />
	Darf Eismax selbstverst&auml;ndlich nich fehlen.<br />
	Bitte erjebenst, eines nur:<br />
	Etwas jek&uuml;hlte Temperatur&#39;<br />
	Und die Sonne, das jreuliche Weib,<br />
	Mir nich so nahe uff&#39;n Leib.<br />
	Kann die Person durchaus nicht vertragen,<br />
	Krieje Triefaugen und weichen Kragen,<br />
	Janzer Anzug schl&auml;gt Jammerfalten,<br />
	Kann Monokel nich mehr halten.<br />
	Unausstehlich! ... Na, &uuml;berhaupt,<br />
	Denke, dass mir das jeder glaubt!&laquo;<br />
	&nbsp;<br />
	Nachdem die Nachtfee ihm versichert hatte, dass er k&uuml;hl und luftig, weit ab von der Sonne sitzen solle, klirrte er salutierend wieder mit den Sporen und legte ein blitzendes Eisblumenstr&auml;u&szlig;chen auf die Thronstufen. Dann ging er von Platz zu Platz, machte den Anwesenden seine ritterliche Verbeugung und setzte sich schlie&szlig;lich, nachdem er sich auch den h&uuml;bschen Sternenm&auml;dchen am Thron der Nachtfee vorgestellt hatte, auf die andere Seite der Frau Holle.<br />
	Jetzt quakte und patschelte es drau&szlig;en: der Wassermann kam n&auml;mlich angeschlurft. F&uuml;r den war es gewiss eine weite Fahrt gewesen. Er sah auch sehr angestrengt aus, als er nun auf seinen breiten Entenf&uuml;&szlig;en hereinwatschelte und mit den gro&szlig;en Glotzaugen herumstreite wie der Karpfen-Ururgro&szlig;papa auf dem Seegrund. Wenn der Wassermann nicht im Wasser hockte, war er n&auml;mlich ein wenig kurzsichtig, und so wurde es ihm schwer, sich zurechtzufinden in dem gro&szlig;en Saal. Als er aber entdeckt hatte, wer da war, schlenkerte er zur Begr&uuml;&szlig;ung die langen Froscharme nach allen Seiten, riss sein breites Maul auf und quakte:<br />
	<br />
	&raquo;Putsch - patsch - blubber - quax!<br />
	Putsch - patsch - blubber - quax!<br />
	Guten Tax allerseits<br />
	guten Tax - guten Tax!<br />
	War &#39;ne weite, beschwerliche Fahrt - noaaaaaa!<br />
	Bin aber - blubber - blubber - trotzdem da.<br />
	Bin gefahren - uax - auf dem Muschelschiff,<br />
	Vom Grunde des Meeres - uax -, wo ich schlief.<br />
	Meine Seejungfern tanzten am Ufer Reigen,<br />
	Spielten Schlickversteckens und Blasensteigen;<br />
	Haben mir in einer gro&szlig;en Blase<br />
	Die Einladung gebracht, Frau Base.<br />
	War mir - blubber - blubber - sehr schmeichelhaft,<br />
	Hab&#39; mir neue - uax - Wasserhosen angeschafft.<br />
	Aber ich bitte, vor allen Dingen,<br />
	Mich - uax - uax - w&auml;sserig unterzubringen.<br />
	In der Luft ist es sehr unangenehm!&laquo;<br />
	&nbsp;<br />
	In jeder Hand hatte er einen gro&szlig;en Schwamm; den dr&uuml;ckte er sich dabei &uuml;ber den Kopf aus, um es wenigstens etwas feucht zu haben. Die Nachtfee aber hatte f&uuml;r alles gesorgt, und so stand f&uuml;r den Wassermann eine gro&szlig;e, silberne Badewanne bereit. In die kroch er nun auf die Einladung der Nachtfee, vergn&uuml;gt grunzend, hinein. Au&szlig;erdem kam noch ein liebliches Sternenm&auml;dchen mit einer gl&auml;sernen Gie&szlig;kanne auf den Wink der Nachtfee herbei und begoss den dicken Wasserf&uuml;rsten unerm&uuml;dlich. Das gefiel ihm! Er quiekte und quakte wie ein gr&uuml;nes Schweinchen vor Vergn&uuml;gen.<br />
	Da h&ouml;rte man leise Harfent&ouml;ne, und herein kam das Taumariechen; ein blasses, dunkelhaariges M&auml;dchen, von Silberschleiern und Perlen umfunkelt. Sie trug eine Trinkschale in ihren kleinen H&auml;nden, die aus einem einzigen Diamanten geschnitten war. Die Harfent&ouml;ne klangen bei jedem ihrer Schritte in der Luft, wie fallende Tropfen. Vor dem Thron kniete sie mit unbeschreiblicher Anmut nieder, neigte ihr K&ouml;pfchen leise und sagte mit silberner Stimme:<br />
	<br />
	&raquo;Liebe Mutter, ich habe f&uuml;r diese Nacht,<br />
	Deinem Willen gehorsam, mein Werk vollbracht<br />
	Alle d&uuml;rstenden Gr&auml;ser und Bl&uuml;ten erquickt,<br />
	Alle schlafenden W&auml;lder mit Perlen geschm&uuml;ckt;<br />
	Hing in G&auml;rten viel Kettlein an Zweig und Baum,<br />
	Gab den gr&uuml;nen B&uuml;schen den Tropfensaum,<br />
	F&uuml;llte mit segnender Frische die Luft,<br />
	Strich auf Bl&auml;tter und Fr&uuml;chte den silbernen Duft;<br />
	Hab&#39; alle bunten Wiesen leise gek&uuml;hlt,<br />
	Mit den Nebeln &uuml;ber dem See gespielt;<br />
	Hab&#39; der Morgenr&ouml;te das Land geschm&uuml;ckt,<br />
	Und alle Wesen im Traum erquickt.<br />
	K&uuml;ss mich nun, Mutter, mein Werk ward sch&ouml;n,<br />
	Und lass mich in deine Augen sehn.&laquo;<br />
	&nbsp;<br />
	Damit eilte sie in die Arme der Nachtfee, die ihr mit einem leisen, z&auml;rtlichen Kuss den Scheitel ber&uuml;hrte. Dann setzte sich das Taumariechen auf die Stufen des Thrones, das liebliche K&ouml;pfchen ans Knie der Mutter geschmiegt.<br />
	Bis zu diesem Augenblick war in dem gro&szlig;en Saal ein D&auml;mmerlicht gewesen, in dem die silbernen S&auml;ulen gleich Mondstrahlen zwischen den blauen Wolken schimmerten; nur bei der Ankunft der Blitzhexe, des Regenfritzen und der Frau Holle hatte sich dies milde Traumlicht, das vom Haupt der Nachtfee auszugehen schien, f&uuml;r Augenblicke ein wenig ge&auml;ndert. Jetzt pl&ouml;tzlich flog goldener Schein in diese D&auml;mmerung, und durch die weite Nacht her kam eine rauschende, ferne, wunderm&auml;chtige Musik. Die Nachtfee erhob sich auf ihrem Thron; die Sonne nahte, die K&ouml;nigin des Tages, die ihr gleich war an Rang und Ansehen. Alle G&auml;ste erhoben sich mit ihr von den Sitzen, denn, obschon sie die Sonne zum Teil nicht leiden konnten, mussten sie ihr doch, als einer K&ouml;nigin, die schuldige Ehrfurcht bezeigen. Da schwoll die Musik heran, wie ein wachsender Sturm. Die Wolken teilten sich, und - in einem Strom von goldenem Licht schwebte die Sonne herein mit ihren T&ouml;chtern und S&ouml;hnen, der Morgenr&ouml;te und Abendr&ouml;te, dem Morgenstern und dem Abendstern. Wundersch&ouml;n war die Sonne! Ihre Augen strahlten machtvoll und lieb zugleich. Als ein Mantel von Flammen lag ihr Lockenhaar um sie, und in funkelnden Garben brachen die Lichtstrahlen aus der Krone auf ihrem Haupt. An jeder Hand f&uuml;hrte sie einen ihrer S&ouml;hne, die Schleppe ihres goldenen Kleides aber trugen ihre lieblichen T&ouml;chter. So stand die Sonne der Nachtfee gegen&uuml;ber, und der Saal war voll von ihrem Licht. Langsam kam die Nachtfee von ihrem Thron herab der Sonne entgegen. Auf ihrem schwarzen Haar schimmerte die blasse Mondkrone. Sie breitete ihre Arme weit aus und gr&uuml;&szlig;te die Sonne mit ihrer glockensch&ouml;nen Stimme:<br />
	&raquo;Willkommen mir, Schwester, K&ouml;nigin!&laquo;<br />
	Da neigte die Sonne ihr Haupt leise vor der Majest&auml;t der Nacht; dann hob sie es leuchtend und sprach:<br />
	<br />
	&raquo;Der Gru&szlig; meiner Liebe sei dir gebracht,<br />
	Du sch&ouml;ne Schwester, du stille Nacht!<br />
	Sind unsre Reiche auch ewig geschieden;<br />
	Mein ist die Arbeit, dein ist der Frieden;<br />
	Schlingen wir doch um die Guten und B&ouml;sen<br />
	Den einen Reigen und segnen die Wesen,<br />
	Die auf der wundertiefen Welt<br />
	Liebe in prunkendes Leben gestellt.&laquo;<br />
	&nbsp;<br />
	Und dann umarmten sich die beiden K&ouml;niginnen. Als die Nachtfee die Sonne umschlang, ging alle Glut unter in blauen Nebeln, und tiefe D&auml;mmerung sank in den Raum; und als die Sonne ihre Arme um die Schultern der Nachtfee legte, leuchteten alle Dinge umher, in ein Meer von Licht gebadet. Als diese Begr&uuml;&szlig;ung vor&uuml;ber war, nahmen beide Herrscherinnen auf ihren Sitzen Platz, und auch die anderen G&auml;ste setzten sich wieder. Dabei war es sehr komisch, wie der Eismax hinter den Rock der Wolkenfrau kroch und wie Frau Holle hinter dem Schirm des Regenfritzen hervorschielte.<br />
	Jetzt kam aber pl&ouml;tzlich eine sehr sonderbare Gestalt hereinget&ouml;lpelt:<br />
	der Milchstra&szlig;enmann. Er war anscheinend in gro&szlig;er Wut und gar nicht festlich angezogen, wie sich das geh&ouml;rt h&auml;tte. Die M&uuml;tze sa&szlig; ihm schief auf dem Kopfe, seine dicken Mondlederstiefel waren schmutzig, und einen ungek&auml;mmten Schnurrbart hatte er auch. Unter dem Arm trug er die gro&szlig;e Zwillingsmilchflasche, und an einem B&auml;ndchen hinter ihm zottelte der kleine B&auml;r, den er eigentlich h&auml;tte drau&szlig;en lassen m&uuml;ssen, weil der immer schmutzige Pfoten hatte. Der kleine B&auml;r h&uuml;tete n&auml;mlich die Mondk&auml;lber und biss sie in die Beine, wenn sie auf einer falschen Himmelswiese grasen wollten. Jetzt hatte er allerdings einen Maulkorb um. Die Nachtfee machte ein sehr erstauntes Gesicht &uuml;ber den Milchstra&szlig;enmann und wollte ihm etwas dar&uuml;ber sagen, dass er nicht in solchem Aufzuge kommen d&uuml;rfe; aber der lie&szlig; sie gar nicht zu Worte kommen, so aufgeregt war er, und polterte sofort los:<br />
	<br />
	&raquo;Frau Nachtfee, ich muss mich bitter beklagen!<br />
	Die Gesellschaft, die du geladen hast<br />
	Ist mir derart &uuml;ber die Milchstra&szlig;e gerast,<br />
	Dass sie mir das Pflaster besch&auml;digt haben<br />
	Und die Meilensteine, die B&auml;ume, den Graben!<br />
	Das ist ein Benehmen, unerh&ouml;rt!&laquo;<br />
	&nbsp;<br />
	Nat&uuml;rlich taten die G&auml;ste, als w&uuml;ssten sie von gar nichts, besonders der Sturmriese und der Donnermann sch&uuml;ttelten ungl&auml;ubig ihre wilden K&ouml;pfe und taten so unschuldig wie kleine wei&szlig;e L&auml;mmchen. Aber der Milchstra&szlig;enmann schrie:<br />
	<br />
	&raquo;Jawohl, ich hab&#39; mich zu Recht beschwert!<br />
	Der Sturmriese kommt da mit Saus und Summ<br />
	Und wirft mir drei sch&ouml;ne Milchb&auml;ume um!<br />
	Und die Wolkenfrau, die ist auch so eine;<br />
	Hat mir alle meine Meilensteine<br />
	Verwischt mit ihren Plusterr&ouml;cken!<br />
	Wenn nun ein Komet geflogen kommt,<br />
	So kann er nicht lesen, wie weit es gewesen!<br />
	Er verirrt sich, rennt gegen Z&auml;une und Hecken<br />
	Und bleibt zuletzt noch im Mondberg stecken!<br />
	Dann beschwer ich mich &uuml;ber den Regenfritzen;<br />
	Er macht meine Stra&szlig;e voller Pf&uuml;tzen<br />
	Und hat mir die sch&ouml;ne Milch verw&auml;ssert<br />
	Mit seiner triefigen Dr&uuml;ppelei!<br />
	Es ist eine Schande und Schweinerei!&laquo;<br />
	&nbsp;<br />
	Nun wollte sich der Regenfritz auch beschweren:<br />
	<br />
	&nbsp;&raquo;Der kleine B&auml;r hat mich aber gebissen, T&uuml;p, t&uuml;p - und mir meine Hosen zerrissen!&laquo;<br />
	<br />
	meinte er weinerlich und zeigte ein gro&szlig;m&auml;chtiges Loch in seiner neuen Regenhose, die er sich extra zu dem heutigen Besuch beim Wolkenschneider hatte machen lassen. Ausgelacht wurde er obendrein vom Milchstra&szlig;enmann. Als der Donnermann aber auch lachen wollte, weil das Loch in der Hose des Regenfritzen sehr komisch aussah, fuhr der Milchstra&szlig;enmann herum, wie von einer Wespe gestochen; und nun ging&#39;s los:<br />
	<br />
	&raquo;Der Donnermann braucht hier gar nicht zu lachen<br />
	Und sich &uuml;ber die anderen lustig zu machen!<br />
	Er hat sich furchtbar schlecht betragen,<br />
	Hat bl&ouml;dsinnig gebumst und gedonnerkracht<br />
	Und die Himmelsziegen mir scheu gemacht!<br />
	Das ist ihm nicht aus Versehen passiert;<br />
	Er hat sich so vorlaut aufgef&uuml;hrt,<br />
	Dass man wirkliche Angst vor dem Bullern bekam!<br />
	Und nun erst sein Weib: wie die sich benahm?!<br />
	Kam immer so zickzack dahergeschlenkert<br />
	Und hat mir die ganze Allee verst&auml;nkert!<br />
	Ist das ein anst&auml;ndiges Ehepaar?&laquo;<br />
	&nbsp;<br />
	Er war ganz au&szlig;er Atem vor Zorn geraten und sah puterrot im Gesicht aus. Nat&uuml;rlich wollten ihm alle G&auml;ste widersprechen, aber er lie&szlig; niemanden zu Worte kommen und tobte weiter:<br />
	<br />
	&raquo;Frau Nachtfee, ich schw&ouml;re, alles ist wahr!<br />
	Sie haben noch viel mehr angerichtet:<br />
	Der Hagelhans hat mir die Schoten vernichtet,<br />
	Und der Wassermann kam da angeplanscht,<br />
	Hat mir alle Gr&auml;ben &uuml;bergepanscht,<br />
	Hat vier Wiesen am Tausee &uuml;berschwemmt,<br />
	Und ich hatte sie so sch&ouml;n einged&auml;mmt.<br />
	Auch der Eismax muss sich bescheidener f&uuml;hren,<br />
	Er darf nicht so viel mit den Sporen klirren;<br />
	Drei Mondk&auml;lbern hat er den Kopf verdreht!<br />
	Und Frau Holle hat ein St&uuml;ck Stra&szlig;e verweht!<br />
	Sie tun mir Unrecht zu ihrem Vergn&uuml;gen,<br />
	Frau Nachtfee! Man kann das L&uuml;t&uuml;t&uuml; kriegen<br />
	Vor &Auml;rger, wenn man es richtig bedenkt!<br />
	Und keiner hat mir ein Trinkgeld geschenkt!&laquo;<br />
	&nbsp;<br />
	Weiter konnte er nicht mehr schimpfen; die Stimme schnappte ihm &uuml;ber, und er musste husten, so aufgeregt war er. Die Nachtfee aber machte ein sehr b&ouml;ses Gesicht, weil der Milchstra&szlig;enmann im Recht war; denn es ist gewiss nicht sehr h&ouml;flich, wenn man eingeladen wird, solchen Unfug auf der Stra&szlig;e zum Schloss des Gastgebers zu machen. Als die wilden G&auml;ste sahen, wie ernst die Nachtfee wurde, beeilten sie sich sehr, den Milchstra&szlig;enmann um Entschuldigung zu bitten, und versicherten ihm alle durcheinander, dass sie den Schaden gern ersetzen w&uuml;rden, wie die Nachtfee es w&uuml;nschte. Damit war denn der gute Milchstra&szlig;enmann auch beruhigt; besonders ein gro&szlig;es Trinkgeld vom Eismax bes&auml;nftigte ihn sehr, und er trottete mit dem kleinen B&auml;ren zufrieden ab. Der &Auml;rger des Milchstra&szlig;enmannes war wirklich sehr begr&uuml;ndet gewesen. Drau&szlig;en auf der Milchstra&szlig;e hatte der Brave jetzt n&auml;mlich viel zu tun. Die Unordnung, die alle diese herantobenden Naturgewalten mit ihrem Ungest&uuml;m an dem sch&ouml;nen Nachthimmel angerichtet hatten, war sehr gro&szlig;, und der Nachtfee verantwortlich f&uuml;r die Ordnung dort war der Milchstra&szlig;enmann. Es war seine Schuld, wenn auf der Milchstra&szlig;e nicht alles blitzeblank und gut gefegt war mit dem Himmelsbesen, wenn die Meilensteine nicht richtig funkelten und wenn die Himmelsziegen und Mondk&auml;lber den falschen Nachtklee grasten oder gar ein kleines L&auml;mmerw&ouml;lkchen in die Silberwolle zwickten, dass es an der Stelle tr&uuml;be Fleckchen bekam. Jaja, gro&szlig; sind die Sorgen des Milchstra&szlig;enmannes!<br />
	<br />
	<br />
	<strong>Die Ankunft der Kinder im Schloss der Nachtfee</strong><br />
	Alle G&auml;ste der Nachtfee waren nun eingetroffen, und nur das Sandm&auml;nnchen fehlte noch in dem gro&szlig;en Kreise. Es war sonst immer sehr p&uuml;nktlich, und daher wunderte sich die Nachtfee und wollte eben ein Sternchen damit beauftragen, einmal durch das gro&szlig;e Wolkenfenster die Milchstra&szlig;e entlang zu gucken, ob denn der Sandm&auml;nnchenschlitten noch nicht zu sehen sei, da kam pl&ouml;tzlich der Milchstra&szlig;enmann wieder herbeigelaufen und lachte so f&uuml;rchterlich, dass er kaum noch Luft bekam; ganz krumm stand er da und trat immer von einem Bein aufs andere. Die Nachtfee wollte wissen, was denn nun schon wieder los sei, und alle anderen nat&uuml;rlich auch; aber der Milchstra&szlig;enmann bekam vor Lachen kaum ein Wort heraus; man verstand nur den einen Satz:<br />
	<br />
	&raquo;Frau Nachtfee, das Sandm&auml;nnchen ist verr&uuml;ckt!<br />
	Ich glaube, es hat den Mondstich gekriegt!&laquo;<br />
	<br />
	Dazu wies er mit der Hand immerfort nach dem Eingang hinter sich, und richtig, da kam das Sandm&auml;nnchen schon herein, allerdings in einer Begleitung, die h&ouml;chst erstaunlich war: &raquo;Zwei Kinder im Nachthemd und ein Maik&auml;fer ! &laquo;<br />
	Einen Augenblick war alles stumm vor Erstaunen, dann aber ging ein ungeheures Get&ouml;se los. Der Sturmriese heulte vor Lachen, der Donnermann trommelte sich den Bauch und h&auml;tte sich beinah bei einem D&ouml;nnerchen verschluckt, der Wassermann quakte wie ein betrunkener Frosch, der Regenfritz jaulte vor Freude wie ein verstimmter Leierkasten, die Blitzhexe schrie und stank, die Windliese pfiff und summte, der Eismax meckerte wie ein Ziegenbock vor Vergn&uuml;gen - kurz, es war ein H&ouml;llenl&auml;rm. In dem allem stand das Sandm&auml;nnchen ganz ruhig, hatte die beiden Kinder, jedes an einer Hand, den Maik&auml;fer hinten an seinem Schlafrockzipfel, und sah sehr klug aus. Es dachte: &raquo;Das Get&ouml;se wird sich schon legen!&laquo;<br />
	So war es denn auch. Die Nachtfee stand auf und reckte die Hand aus; da waren alle still. Und nun fragte sie, was das zu bedeuten habe: zwei Kinder im Nachthemd, und ein Maik&auml;fer, hier in ihrem Schloss beim Fest der Naturgeister?<br />
	Jetzt trat das Sandm&auml;nnchen vor, verneigte sich und erz&auml;hlte klar und einfach, wer dieser Maik&auml;fer sei, und was die Kinder hier wollten.<br />
	Nat&uuml;rlich war nun das Erstaunen noch gr&ouml;&szlig;er; aber es lachte keiner mehr, sondern alle waren von dem Mut der Kinder entz&uuml;ckt, besonders der Eismax, der sich so nahe herandr&auml;ngte, um Peterchen zu betrachten, dass ihm beinahe der Schnurrbart von der Sonne abgeschmolzen worden w&auml;re. Die Nachtfee sah den K&auml;fer an:<br />
	&raquo;Da hast du also wirklich zwei artige Kinderchen gefunden, die so viel Mut haben und so viel Liebe zu den kleinen Tieren, dass sie so gro&szlig;e Gefahren bestehen wollen f&uuml;r dich, Maik&auml;ferlein?&laquo; fragte sie. &raquo;Zu dienen, zu dienen, Frau Nachtfee!&laquo; stotterte der Sumsemann, zitternd vor Aufregung, und machte mindestens sechs Kratzf&uuml;&szlig;chen hinter dem R&uuml;cken des Sandm&auml;nnchens. &raquo;Donnerwetter, hat der Kerl ein Gl&uuml;ck ! &laquo; bullerte der Donnermann. &raquo;Kolossal!&laquo; schnarrte der Eismax, und alle anderen waren derselben Ansicht. Die Nachtfee aber kam herunter von ihrem Thron, nahm die Kinder in die Arme und k&uuml;sste sie auf die Stirn. &raquo;F&uuml;rchtet ihr euch denn gar nicht, ihr kleinen Wesen?&laquo; fragte sie. Anneliese sagte nichts; sie fasste Peterchen nur bei der Hand und machte ganz gro&szlig;e Augen; Peterchen aber sch&uuml;ttelte energisch den Kopf und zog sein Holzschwert. &raquo;Angst haben sie nicht!&laquo; meinte der Sandmann schmunzelnd; er hatte es ja schon verschiedene Male festgestellt. Man konnte ihm auch wirklich glauben, denn Peterchen stand wie ein kleiner Soldat so stramm mit seinem Schwert vor der wilden Gesellschaft im Saal. Das machte nat&uuml;rlich dem Eismax viel Vergn&uuml;gen, und auch der Morgenstern und der Abendstern, die S&ouml;hne der Sonne, blitzten sich an. Der Junge gefiel ihnen wirklich. &raquo;Gut!&laquo; sagte die Nachtfee und strich Peterchen &uuml;ber den Kopf; denn nun sollten sie ihr Abenteuer mit dem Mondmann mit Hilfe der gro&szlig;en Naturkr&auml;fte bestehen, weil es wirklich ein sehr gef&auml;hrliches Abenteuer war.<br />
	Sturmriese, Donnermann und Wassermann wurden also von der Nachtfee gefragt, ob sie den Kindern helfen wollten. Nat&uuml;rlich wollten sie es, und der Donnermann, dem das viel Spa&szlig; machte, trat ganz dicht an Peterchen und Anneliese heran, um zu pr&uuml;fen, ob es mit der Furchtlosigkeit auch wirklich stimmte. &raquo;Potz Knatter, Kn&auml;blein, Er will es wagen?<br />
	Kann Er denn einen kr&auml;ftigen Donner vertragen?&laquo; bullerte er. &raquo;Herr Donnermann, ich hab&#39; keine Angst!&laquo; meinte Peterchen unerschrocken und nahm Anneliese dicht in seine Arme. Bums! ... gab es pl&ouml;tzlich einen f&uuml;rchterlichen Donnerschlag, dass der Boden der Halle bebte und die S&auml;ulen der Kuppel an zu klingen fingen. Aber Peterchen stand mutig vor dem wilden, rothaarigen Donnerriesen und sagte: &raquo;Das war noch gar nichts, Herr Donnermann! Mach&#39;s ruhig noch mal!&laquo;<br />
	Auch Anneliese hatte keine Miene verzogen. Sie hielt dem Donnermann nur einen rotb&auml;ckigen Apfel zur Bes&auml;nftigung unter die dicke Nase. Dass jetzt der Donnerriese sich freute, war selbstverst&auml;ndlich. Er fra&szlig; den Apfel schmunzelnd auf, meinte, dass Peterchen Artilleriegeneral werden w&uuml;rde, und schwor, ihm gegen den Mondmann zu helfen. Ebenso tat der Sturmriese, nachdem er einen pl&ouml;tzlichen, f&uuml;rchterlichen Wirbelwind mit vollkommener Finsternis gemacht hatte, ohne die Kinder umzublasen oder auch nur zu erschrecken. Auch der Wassermann versprach ihnen seine Hilfe, weil er von den Wassernixen wusste, dass die Kinder nicht wasserscheu w&auml;ren und dass sie Schwamm, Badewanne, Seife und Zahnb&uuml;rste t&uuml;chtig gebrauchten. Als Peterchen ihm gar sagte, dass er schon schwimmen k&ouml;nne wie ein kleiner Frosch, war der dicke Wassermann vollkommen zufrieden und rutschte quaksend wieder in seine Wanne zur&uuml;ck. So war auch diese Probe gl&uuml;cklich &uuml;berstanden; nur der Maik&auml;fer war schon anfangs bei dem gro&szlig;en Donner umgefallen und hatte die ganze Zeit auf dem R&uuml;cken gelegen. Das war aber gleichg&uuml;ltig; es hatte zum Gelingen der Fahrt nichts zu bedeuten, da es nur auf den Mut der Kinder ankam. Die halfen nun dem umgefallenen, zitternden Sumsemann freundlich wieder auf die Beine. Von dieser Hilfsbereitschaft war die Nachtfee und besonders die Sonne sehr erfreut.<br />
	Jetzt aber sollte die Reise schnell fortgesetzt werden, denn bis zum Mondberg war es noch sehr weit, und vor Tag mussten Peterchen und Anneliese wieder in ihrem Bettchen auf der Erde sein, sonst h&auml;tten sie nie mehr zur&uuml;ckgefunden. Da gab&#39;s nur einen Rat: Sie mussten auf dem gro&szlig;en B&auml;ren zum Mond hin&uuml;berreiten; der konnte n&auml;mlich furchtbar schnell laufen. Also befahl die Nachtfee dem Milchstra&szlig;enmann, schleunigst den gro&szlig;en B&auml;ren herbeizuholen. Der Milchstra&szlig;enmann bekam einen Schreck und meinte, das ginge heute nicht, weil der B&auml;r sehr b&ouml;se sei, gr&uuml;ne Augen habe und selbst ihn, den Milchstra&szlig;enmann, beim F&uuml;ttern beinahe gebissen h&auml;tte. Er solle den B&auml;ren nur aus dem Stall holen, befahl die Nachtfee, man w&uuml;rde ihn schon z&auml;hmen k&ouml;nnen. So trottete der Milchstra&szlig;enmann zum B&auml;renstall, um das Unget&uuml;m loszubinden und herbeizuf&uuml;hren; er musste gehorchen. Die Nachtfee aber gab nun dem Sandm&auml;nnchen den Auftrag, den Kindern weiter als F&uuml;hrer zu dienen. Er solle den B&auml;ren zun&auml;chst nach der Weihnachtswiese auf dem Monde lenken. Dann solle die Reise &uuml;ber die Mondh&uuml;gel, T&auml;ler und Wiesen, am Osternest vorbei bis zu der silbernen Riesenkanone gehen, die am Fu&szlig;e des h&ouml;chsten Mondberges steht. In diese Kanone m&uuml;ssten die Kinder und der Maik&auml;fer hineingeladen und auf den Berg hinaufgeschossen werden, denn anders k&ouml;nnten sie nicht hinaufkommen. Oben auf dem Berge aber sei das Abenteuer mit dem Mondmann zu bestehen. Bis dahin solle Sandm&auml;nnchen helfen, und gern sagte es zu, alles dies nach der Ordnung zu besorgen, denn es hatte die beiden Hemdenm&auml;tze schon schrecklich lieb, weil sie so brav und mutig waren. Nun kam der gro&szlig;e B&auml;r, vom Milchstra&szlig;enmann an der Kette gef&uuml;hrt, durch die Wolken herbei. Ein riesengro&szlig;es Unget&uuml;m war dieser B&auml;r. Schneewei&szlig; war sein Fell und dick und zottelig. Er war gr&ouml;&szlig;er als der gr&ouml;&szlig;te Elefant, und wenn&#39; er brummte, klang es beinahe wie das Bullern vom Donnermann. So stand er mitten im Saal, brummte und glotzte b&ouml;se mit leuchtend gr&uuml;nen Augen umher. Der Milchstra&szlig;enmann machte ein sehr besorgtes Gesicht zu der Geschichte. Er wusste ganz genau, wie stark der B&auml;r war und was er f&uuml;r grimmige Z&auml;hne hatte. Er musste erst bes&auml;nftigt werden, denn so h&auml;tte man ihn gewiss nicht besteigen k&ouml;nnen. Da hatte der Sandmann wieder einen guten Gedanken: Die Kinder sollten ihm &Auml;pfelchen zu fressen geben! Der B&auml;r war n&auml;mlich ein gro&szlig;er Schleckerfritze; das wusste Sandm&auml;nnchen von den Sternen, die ihm manchmal ein wenig Milchstra&szlig;enhonig zu lecken gaben, wenn sie ihm im Fell w&uuml;hlen wollten. Peterchen ging denn auch gleich mit einem Apfel in der Hand auf den B&auml;ren los. Alle guckten. Es war wirklich ein sehr spannender Augenblick, als das gro&szlig;m&auml;chtige Unget&uuml;m dem kleinen Peterchen gegen&uuml;ber den Rachen aufriss und wild mit den b&ouml;sen Augen glotzte. Schwupp! flog ihm der Apfel, gut gezielt, in den weiten, roten Schlund. Schwapp! klappte der Rachen zu, und, das war sehr komisch, abwechselnd gr&uuml;n und rot wurden die Augen, als w&uuml;sste der B&auml;r nicht, ob er noch b&ouml;se oder schon gut sein sollte. &raquo;Seht ihr, halb ist er schon bez&auml;hmt und gut!&laquo; rief das Sandm&auml;nnchen sehr vergn&uuml;gt. &raquo;Nun schnell noch einen zweiten Apfel, dann ist er zahm wie ein K&auml;tzchen ! &laquo;<br />
	Anneliese stellte sich auf die Zehenspitzen mit einem Apfel im H&auml;ndchen. Sie war wirklich noch sehr klein, denn sie reichte lange, lange nicht hinauf bis an den gro&szlig;en Rachen, der &uuml;ber ihr aufklappte, als der Duft von dem &Auml;pfelchen kam. Also hob das Sandm&auml;nnchen die kleine, tapfere Anneliese hoch, dass sie ordentlich zielen konnte, und - happs! hatte der B&auml;r das &Auml;pfelchen verschluckt. In demselben Augenblick bekam er rote, gutm&uuml;tige Augen und leckte sich, zufrieden wie ein kleiner Hund, die Schnauze. Das war eine Freude!<br />
	&raquo;Er kann auch Kunstst&uuml;ckchen machen&laquo;, sagte der Milchstra&szlig;enmann. Nat&uuml;rlich musste er Peterchen nun die Pfote geben und vor Anneliese gar ein M&auml;nnchen machen. Oooooh, wie das aussah!<br />
	Bis oben in die Kuppel des Saales reichte er hinauf, als er sich gutm&uuml;tig aufrichtete vor Anneliese, die wie ein winzig, winzig kleiner, wei&szlig;er Floh vor ihm stand in ihrem Hemdchen. Der Eismax war ganz begeistert von der K&uuml;hnheit dieses kleinen M&auml;dchens. Er kam und k&uuml;sste ihr die Hand, wie einer gro&szlig;en Dame. Nun war Anneliese nat&uuml;rlich wieder ein bissel verlegen. Es gab aber jetzt keine Zeit mehr zu verlieren. Der Milchstra&szlig;enmann kam schon mit einer Leiter zum Aufsteigen herbei, w&auml;hrend die Kinder der Nachtfee und ihren G&auml;sten ade sagten. Eine Menge K&uuml;sschen bekamen sie dabei von allen. Peterchen dachte: &gt;Der vom Taumariechen hat am besten geschmeckt - wundersch&ouml;n! und der von der Blitzhexe am schlechtesten: so ein bisschen brenzlig!&lt;<br />
	Anneliese fand den Kuss vom Morgenstern am sch&ouml;nsten und den vom Regenfritzen gar nicht sehr sch&ouml;n - so &ouml;lig! Heimlich wischte sie sich das M&auml;ulchen ab, aber ganz heimlich nur, denn es war doch sehr nett, dass alle diese wilden Wesen so freundlich zu ihnen waren. Man durfte sie gewiss nicht beleidigen. Inzwischen hatte der Milchstra&szlig;enmann die Leiter an den gro&szlig;en B&auml;ren gelegt, und nun kletterten die vier auf den R&uuml;cken des gewaltigen Tieres. Sandm&auml;nnchen sa&szlig; vorn und lenkte ihn bei den Ohren, dann kam Peterchen, dann Anneliese und ganz zuletzt der Maik&auml;fer, der wieder eine bedeutende Angst hatte und so dicht an Anneliese heranrutschte, als es nur irgend m&ouml;glich war. Als sie sicher oben im weichen Fell sa&szlig;en, winkte ihnen die Nachtfee mit allen ihren G&auml;sten noch einmal lieb und freundlich zum Abschied; und dann ging&#39;s los!<br />
	&raquo;Hopp, Petz!&laquo; rief das Sandm&auml;nnchen. Der gewaltige B&auml;r schnaufte einmal und noch einmal wie eine Lokomotive und st&uuml;rmte aus dem Saal, &uuml;ber die Wolkenberge, die das Schloss trugen, hinaus ins Weite, so rasend schnell, dass den Reitern fast H&ouml;ren und Sehen verging.<br />
	<br />
	<br />
	<strong>Der Ritt auf dem gro&szlig;en B&auml;ren</strong><br />
	Ja, das war ein Ritt! Von der Geschwindigkeit entstand ein Summen und Brausen um die vier Reiter, dass man denken konnte, ein Sturm k&auml;me daher. Helle Funken stoben dem B&auml;ren aus dem Rachen und gl&uuml;hten hinter ihm als eine schimmernde Lichtbahn durch den pechdunkeln Weltenraum. Dicht aneinandergeschmiegt sa&szlig;en sie, tief auf das wei&szlig;e B&auml;renfell gebeugt; kein Wort konnten sie sprechen. Sandm&auml;nnchens Zipfelm&uuml;tze flog wie eine kleine Fahne im Sturm, und Anneliese musste ihr P&uuml;ppchen schrecklich festhalten, sonst w&auml;re es ihr fortgepustet worden. So ging es eine ganze Weile. Da kam ihnen etwas durch die Nacht entgegen. Ein riesengro&szlig;er, leuchtender Klumpen, n&auml;her und n&auml;her! Es sah aus wie ein Kopf mit einem wehenden, wei&szlig;en Bart, der viele hundert Meilen lang war. Ein Komet war es, der um den Mond herumgeflogen war und ihnen nun auf seiner Reise begegnete. Gut nur, dass sie auf dem gro&szlig;en B&auml;ren ritten, denn sonst w&auml;re diese Begegnung sehr gef&auml;hrlich gewesen. Als n&auml;mlich der Komet immer n&auml;her kam, sahen sie, dass er seinen Weg gerade auf sie zu nahm. Pl&ouml;tzlich aber stie&szlig; der B&auml;r ein drohendes Gebr&uuml;ll aus und schnaubte ganze Str&ouml;me von Funken vor sich her, w&auml;hrend er seine furchtbaren Z&auml;hne zeigte. Da wich der Komet schnell aus und sauste neben ihnen vorbei; sonst h&auml;tte er sie ganz gewiss &uuml;ber den Haufen geflogen. Unheimlich sah er aus. Einen Kopf hatte er wie gl&uuml;hendes Eisen mit flatternden Haaren von gr&uuml;nem Feuer. Schwefelgelbe, stechend helle Augen hatte er, keine Arme und Beine, sondern nur den langen, wohl tausend Meilen langen Flammenbart hinter sich her. So schoss er vor&uuml;ber, hier, wo es keinen Weg und Steg mehr gab in der gro&szlig;en Nacht, und die Kinder merkten schon, wie gut es war, dass die Nachtfee ihnen ein so gewaltiges Reittier gegeben hatte, vor dem selbst der Komet Angst bekam. Es sah aber auch sehr gef&auml;hrlich aus, als der gro&szlig;e B&auml;r die Z&auml;hne zeigte, die wie eine Reihe blanker S&auml;bel durch den roten Funkendampf aus seinem Rachen blitzten. Husch, war alles wieder vorbei, und weiter ging der Ritt auf den Mond zu, dem man nun schon ganz nahe war. Er wurde immer gr&ouml;&szlig;er; so gro&szlig; wie der halbe Himmel war er schon, und sie merkten, dass er ganz &auml;hnlich aussah wie die Erde, die da weit, weit unten in der Tiefe des Himmelsraums lag, als ein kleiner, runder Fleck.<br />
	Da landete der B&auml;r auch schon mit einem k&uuml;hnen Satz auf dem Monde!<br />
	Aus einem seltsam lichten Gestein war alles ringsum. Berge gab es, T&auml;ler und gro&szlig;e Ebenen, in denen seltsame Pflanzen wuchsen. Die Berge waren wei&szlig;, wie von Silber, und die Ebenen gelb, wie von Gold. Summ - ging es durch ein langes Tal dahin, aber ehe sie sich noch recht besonnen hatten, rief das Sandm&auml;nnchen schon: &raquo;Halt, Petz!&laquo;, und sie hielten vor einem gro&szlig;en Felsentor. &raquo;Absteigen!&laquo; sagte der Sandmann, und sie kletterten von ihrem treuen Reittier herunter. Der B&auml;r blieb vor dem Tor ein wenig abseits und schnupperte dort an den sonderbaren Mondblumen herum, die aussahen, als w&auml;ren sie aus blauem Porzellan. Sandm&auml;nnchen aber trat mit den Kindern dicht an<br />
	das Tor, &uuml;ber dem mit gr&uuml;nen Edelsteinen geschrieben stand:<br />
	&raquo;Eingang zur Weihnachtswiese!&laquo; Rechts an der Seite war ein kleiner Funkenknopf im Felsen, daneben stand: &raquo;Klingel zum Weihnachtsmann!&laquo;<br />
	Und jetzt kam ein gro&szlig;er Augenblick!<br />
	Das Sandm&auml;nnchen strich sich den Schlafrock glatt, machte ein sehr feierliches Gesicht, hob bed&auml;chtig den Zeigefinger und dr&uuml;ckte auf den Knopf. Da ert&ouml;nte ein wundersames L&auml;uten von innen, goldene Glocken mussten es wohl sein, und lautlos &ouml;ffnete sich das Tor. Mildes Licht, von Millionen Kerzen, die man nicht sah, floss ihnen entgegen, und an der Hand des Sandm&auml;nnchens traten sie mit klopfenden Herzen &uuml;ber die Schwelle zur Weihnachtswiese.<br />
	<br />
	<br />
	<strong>Die Weihnachtswiese</strong><br />
	Hier waren noch niemals Kinder gewesen; es war ein unbeschreibliches Gl&uuml;ck f&uuml;r die beiden kleinen Reisenden, dass ihnen die Nachtfee erlaubte, dies zu sehen. Der Maik&auml;fer durfte &uuml;brigens auch mit, denn es w&auml;re doch leicht m&ouml;glich gewesen, dass der gro&szlig;e B&auml;r ihn tottrat oder vielleicht gar auffra&szlig;, wenn er mit ihm eine Weile allein geblieben w&auml;re. Ganz bescheiden krabbelte also der Sumsemann hinter den dreien her, als sie nun auf einem Goldkieswege zwischen kleinen, gr&uuml;nen Tannenb&auml;umchen weiterschritten. Die Luft war erf&uuml;llt von herrlichem Kuchenduft. Alle Kuchen der Welt schienen hier zu sein - besonders nach Pfefferkuchen roch es. Ein warmer, leiser Wind, der in den Zweigen der kleinen Tannen s&auml;uselte, trug ihnen diesen pr&auml;chtigen Duft zu. Selbst das Sandm&auml;nnchen bekam davon Kuchenappetit; es wischte sich den Mund sehr umst&auml;ndlich und tat so, als ob es niesen m&uuml;sste, damit man&#39;s nicht merken sollte. Der Weg, auf dem sie durch das Tannenw&auml;ldchen gingen, war mit vergoldetem Schokoladenpl&auml;tzchenkies bestreut. Das roch nat&uuml;rlich auch gut. Anneliese schnabulierte schnell mal ein Pl&auml;tzchen, und Peterchen auch. Wirklich, es waren Schokoladenpl&auml;tzchen! - und was f&uuml;r welche! - hmmm!<br />
	Nun waren sie aus dem W&auml;ldchen heraus. Einen Augenblick blieben sie stehen, vor Erstaunen ganz starr &uuml;ber das, was sie jetzt vor sich sahen. Kein Traum h&auml;tte jemals etwas so Sch&ouml;nes zaubern k&ouml;nnen!<br />
	Eine weite, weite Landschaft lag vor ihnen: G&auml;rten und Felder, W&auml;lder und Wiesen, H&uuml;gel und T&auml;ler, B&auml;che und Seen, von einem goldenen Himmel hoch &uuml;berspannt. Eine Spielzeuglandschaft war es, die fast so aussah wie eine richtige Landschaft; und doch anders, ganz anders - viel, viel zauberhafter. Nicht wie in einer gew&ouml;hnlichen Landschaft wuchsen da Kartoffeln oder Bohnen, Gras oder Klee, sondern hier wuchs das Spielzeug. Alles, was man sich nur irgend denken kann, wuchs hier; von den Soldaten bis zu den P&uuml;ppchen und Hampelm&auml;nnern, von den Murmelkugeln bis zu den Luftballons. Auf bunten Feldern und Wiesen, in niedlichen gr&uuml;nen G&auml;rten, an Str&auml;uchern und B&auml;umchen, &uuml;berall sprosste, bl&uuml;hte und reifte es.<br />
	Eine Bilderb&uuml;cherwiese war da, auf der alle Bilderb&uuml;cher wie Gem&uuml;se wuchsen. Das sah sehr bunt und vergn&uuml;gt aus; manche waren noch nicht entfaltet und wie Knospen in ihren H&uuml;llen, kleine Rollen in allen Farben; manche waren schon auf, schaukelten im Winde und bl&auml;tterten um. Daneben sah man Beete mit Trompeten und Trommeln. Wie K&uuml;rbisse und Gurken kamen sie aus der Erde hervor. Nicht weit davon waren gro&szlig;e Rasenfelder mit Soldaten bewachsen, die zum Teil schon weit aus der Erde herausguckten, zum Teil noch bis an den Hals darin steckten oder erst mit der Helmspitze hervorsahen wie kleine Spargel. Dann war ein Feld dort, auf dem die Petzb&auml;ren wuchsen. Ein kleiner gr&uuml;ner Zaun lief rings herum, denn einige von den drolligen Tierchen waren schon reif, von ihren Wurzeln los und purzelten quiekend herum. Auf der andern Seite wieder waren G&auml;rten mit gro&szlig;en und kleinen Str&auml;uchern, an denen Bonbons in allen Farben und Gr&ouml;&szlig;en wuchsen. Kleine Teiche von roter und gelber Limonade gl&auml;nzten zwischen Schilfwiesen, in denen aus den raschelnden Halmen silbrige Schilfkeulen wuchsen - die Zeppelinballons, Niedliche, summende Flugmaschinen flogen dort als Libellen herum. Ganz besonders sch&ouml;n waren auch die gro&szlig;en Tannen, an denen die vergoldeten &Auml;pfel und N&uuml;sse wuchsen, und die Pfefferkuchenb&auml;ume. Sie standen meistens in Gruppen auf kleinen, runden Pl&auml;tzen mit Krachmandelkies. &Uuml;berall h&ouml;rte man in B&auml;umchen und Str&auml;uchern eine s&uuml;&szlig;e Zwitschermusik. Die kam von den bunten Spielzeugv&ouml;gelchen, die zwischen Pfefferkuchenzweigen und Bonbonknospen herumhuschten. Sie hatten dort ihre Nesterchen, in denen sie flei&szlig;ig Pfefferminzpl&auml;tzchen legten. Viele br&uuml;teten auch, damit noch mehr V&ouml;gelchen zu Weihnachten auskr&ouml;chen. Sie sind ja sehr beliebt bei den Kindern auf der Erde; besonders wenn sie mit Pl&auml;tzchen gef&uuml;llt sind - man wei&szlig; das. Das Sch&ouml;nste aber, was man hier sehen konnte, war eigentlich der Puppengarten. Ein ganzer Wald von bunten B&uuml;schen und B&auml;umchen auf gr&uuml;nem Sammetrasen, von einem goldenen Zaun umgeben. An den B&uuml;schen und B&auml;umchen sa&szlig;en Tausende und aber Tausende von Puppen und P&uuml;ppchen. Wie kleine Blumen wuchsen sie an den Zweigen; zuerst nur Knospen von Sammet oder Seide, dann Bl&uuml;mchen mit kleinen Gesichtern in der Mitte und dann endlich P&uuml;ppchen oder Puppen mit Haar, Schuhen und Schleifen in allen Gr&ouml;&szlig;en und Farben. An feinen, silbernen Stielen hingen sie von den Zweigen und konnten abgepfl&uuml;ckt werden. Ein kleiner See war auch im Puppengarten, ganz bedeckt mit wundersch&ouml;nen Wasserrosen. Wenn die aufbl&uuml;hten und ihre wei&szlig;en oder gelben seidenen Bl&auml;tter auseinander falteten, so gab es einen kleinen, klingenden Knall, und in der offenen Blume lag ein rosiges Badep&uuml;ppchen. Sehr lustig war das!<br />
	Ja, und dann gab&#39;s noch so einen kleinen, seltsamen Wald, ein wenig versteckt in einem tieferen Tal, so seitw&auml;rts, hinter einer Marzipanschweinez&uuml;chterei. Ganz kahl war&#39;s da, ohne ein Bl&auml;ttchen; nur B&auml;umchen mit Ruten. Immerfort pfiff ein Wind, dass die Ruten sich bogen. Kein V&ouml;gelchen zwitscherte, kein Flugmaschinchen summte; es war nicht sehr freundlich in dem Wald. Man brauchte ihn eigentlich auch gar nicht zu bemerken, so versteckt lag er. Aber er war doch da auf der Weihnachtswiese - der Rutenwald.<br />
	Man kann sich wohl denken, wie den Kindern zumute war, als sie alle diese zauberhaften Dinge sahen, w&auml;hrend sie an der Hand des Sandm&auml;nnchens &uuml;ber Krachmandel- und Schokoladenwege, &uuml;ber Zuckerbr&uuml;cken und Marzipanstra&szlig;en hinwanderten zu einem kleinen sanftleuchtenden Berge, der die Mitte des Ganzen bildete. Dort liefen alle Wege und Stra&szlig;en zusammen auf einen, von Tannenb&auml;umchen umhegten Platz. Auf diesem Platze aber - ja, das war das Allersch&ouml;nste! stand die goldene Wiege des Christkindchens. Neben der Wiege, auf einem sch&ouml;nen, himmelblauen Gro&szlig;vaterstuhl sa&szlig; der Weihnachtsmann in seinem pelzverbr&auml;mten Rock mit einer silbergrauen Pudelm&uuml;tze und schneewei&szlig;em Bart. Er hatte eine lange, sch&ouml;ne Pfeife mit bunten Troddeln im Munde, aus der er ab und zu gro&szlig;m&auml;chtige Wolken in die Luft paffte. Dazu wiegte er leise die goldene Wiege, und &uuml;ber der Wiege schwebte still ein leuchtender Heiligenschein. Es war sehr feierlich, es war sehr sch&ouml;n!<br />
	Nun sah der Weihnachtsmann die kleinen Besucher, die da ankamen. Ein freundliches L&auml;cheln huschte &uuml;ber sein Gesicht - er wusste schon Bescheid-, stand auf, kam ihnen entgegen und sagte:<br />
	<br />
	&raquo;Ei, ei, das ist mir eine Freude!<br />
	Guten Tag, ihr lieben Kinderchen beide,<br />
	Und Sandm&auml;nnchen, und Maik&auml;fermann;<br />
	Willkommen hier auf der Weihnachtswiese!&laquo;<br />
	<br />
	Und dann gab er den Kindern die Hand. Peterchen war noch ein wenig sch&uuml;chtern und Anneliese erst recht; es war auch wirklich ein sehr feierlicher Augenblick. Aber der gute Weihnachtsmann streichelte ihnen die K&ouml;pfe und die B&auml;ckchen und sagte:<br />
	<br />
	&raquo;Nun Peterchen? - nun Anneliese? -<br />
	Jaja, ich kenn&#39; euch, wisst ihr&#39;s nicht mehr?<br />
	Ich kenne euch gut, noch von Weihnachten her!<br />
	Artig wart ihr alle beide;<br />
	Ich wei&szlig; es, ihr macht eurem M&uuml;tterchen Freude.&laquo;<br />
	&nbsp;<br />
	Die Kinder erinnerten sich nat&uuml;rlich ganz genau, wie der Weihnachtsmann damals gekommen war mit N&uuml;ssen und &Auml;pfeln und das Weihnachtsb&auml;umchen gebracht hatte. Wahrscheinlich hatte er auch die vielen anderen sch&ouml;nen Sachen gebracht, die nachher auf dem Weihnachtstisch lagen. Das dachten sie sich jetzt, nachdem sie gesehen hatten, dass hier alles Spielzeug wuchs. Der Weihnachtsmann hatte n&auml;mlich damals lange mit Muttchen gesprochen, nachdem sie ihren Spruch sch&ouml;n hergesagt hatten, und dann aus einem gro&szlig;m&auml;chtigen Sack, der ihm &uuml;ber den R&uuml;cken hing,<br />
	alles m&ouml;gliche herausgenommen. Muttchen hatte das schnell in die Weihnachtsstube gebracht; dann hatte der Weihnachtsmann genickt, genau so freundlich wie jetzt, und war verschwunden. Nat&uuml;rlich kannten sie ihn!<br />
	Und so fasste Peterchen sich Mut, erz&auml;hlte, was er vom vorigen Weihnachten wusste, und Anneliese nickte eifrig mit dem Kopf dazu. Ja, es stimmte! Der Weihnachtsmann best&auml;tigte alles so freundlich, dass die Kinder jede Scheu verloren und sich zutraulich an ihn dr&auml;ngten.<br />
	Ein sehr spa&szlig;iges M&auml;nnchen sprang da noch mit einer kleinen Gie&szlig;kanne bei den Weihnachtsb&auml;umen herum und begoss immerfort. Dazu sang es mit seinem d&uuml;nnen Stimmchen:<br />
	<br />
	&raquo;O Tannebaum, O Tannebaum,<br />
	Wie gr&uuml;n sind deine Bl&auml;tter!<br />
	Du gr&uuml;nst nicht nur zur Sommerszeit,<br />
	Nein auch im Winter, wenn es schneit;<br />
	O Tannebaum, O Tannebaum,<br />
	Wie gr&uuml;n sind deine Bl&auml;tter!&laquo;<br />
	&nbsp;<br />
	Peterchen musste pl&ouml;tzlich laut lachen. Der Weihnachtsmann aber erkl&auml;rte, dies sei das Pfefferkuchenm&auml;nnchen, sein Gehilfe, der schrecklich viel zu tun h&auml;tte mit dem Begie&szlig;en und Pflegen all der sch&ouml;nen Sachen. Davon w&auml;re er zu Weihnachten so m&uuml;rbe und braun. Das M&auml;nnchen sprang zwischen den B&auml;umchen herum wie ein kleiner Floh und begoss - mit Zuckerwasser!!<br />
	Am meisten aber waren die Kinder jetzt neugierig auf das Christkindchen. Auf den Zehenspitzen schlichen sie n&auml;her; denn der Weihnachtsmann sagte:<br />
	<br />
	&raquo;Es schl&auml;ft, um sich das Herz zu st&auml;rken,<br />
	Zu allen seinen Liebeswerken.<br />
	Derweil muss ich es wiegen und warten<br />
	Hier oben im stillen Weihnachtsgarten.<br />
	Und wenn unsre Stunde gekommen ist,<br />
	In der Winterszeit, zum heiligen Christ,<br />
	Dann weck&#39; ich es ganz leise, leise,<br />
	Und wir machen uns auf die weite Reise<br />
	Durch Nacht und W&auml;lder, durch Schnee und Wind,<br />
	Dorthin, wo artige Kinder sind.&laquo;<br />
	&nbsp;<br />
	Ja, da lag es, tief in den schneewei&szlig;en Kissen, mit goldblonden, strahlenden Locken und schlief. Die Kinder falteten leise die H&auml;nde und knieten ganz von selbst neben der Wiege nieder, so sch&ouml;n und so heilig war es. Als sie aber niederknieten, kniete auch der Weihnachtsmann und das Pfefferkuchenm&auml;nnchen mit ihnen. In demselben Augenblick ging ein wundersames Klingen durch die Luft, als s&auml;ngen tausend kleine Weihnachtsengelchen das Weihnachtslied. Als Anneliese und Peterchen es h&ouml;rten, sangen sie unverzagt mit, und ihre Stimmen klangen so sch&ouml;n mit den Engelstimmchen zusammen, dass sie ganz gl&uuml;cklich waren. W&auml;hrend des Gesanges aber fiel vom Himmel herab ein goldener Schnee, der duftete sch&ouml;ner als alle Blumen der Welt. Auf allen B&auml;umen und B&auml;umchen ringsum gl&uuml;hten Lichterchen auf, und gro&szlig;e Sterne strahlten vom Wipfel jeder Tanne im Garten. Himmelssch&ouml;n war es eigentlich und gar nicht zu beschreiben. Es war aber schon wieder Zeit zur Reise. Das Sandm&auml;nnchen winkte zum Aufbruch, und von fernher h&ouml;rte man auch den B&auml;ren brummen und stampfen, der ungeduldig wurde wie ein Pferdchen, das nicht mehr warten will. So gaben die Kinder dem Weihnachtsmann die Hand und bedankten sich sehr sch&ouml;n. Der lachte freundlich und steckte schnell noch jedem ein ganz frisches Pfefferkuchenp&auml;ckchen ins K&ouml;rbchen. Dann nickte er dem Sandm&auml;nnchen zu, setzte sich in seinen Gro&szlig;vaterstuhl, paffte riesengro&szlig;e, steingraue Wolken aus der Pfeife und wiegte das heilige Kindchen. Dazu sprang das Pfefferkuchenm&auml;nnchen im Hintergrunde zwischen den Tannen herum, begoss und sang sein Liedchen. So war alles wieder wie vorher. Die drei Abenteurer aber eilten mit dem Sandm&auml;nnchen zum Eingangstor zur&uuml;ck, &uuml;ber die Zuckerbr&uuml;cken und Schokoladenwege, schnell, schnell!<br />
	Besonders der Sumsemann hatte es eilig dabei, denn ihm hatte es am wenigsten gut gefallen. Gar nichts war dagewesen f&uuml;r ihn! Lauter Zucker, Marzipan, Mandeln, Rosinen, Limonade, Schokolade! Kein Bl&auml;ttchen gab&#39;s, nur Tannen, Bonbonstr&auml;ucher und Pfefferkuchenb&auml;ume - brrrrrrrr!! Nein, solche Gegend passte ihm nicht!<br />
	Er hatte allerdings einen Kameraden gefunden, einen Spielzeugmaik&auml;fer. Aber als er sich ihm vorstellte, wie sich das geh&ouml;rt, hatte der Kerl blo&szlig; gerasselt und geklappert mit seinen Beinen und Fl&uuml;geln; nicht einmal anst&auml;ndig summen konnte er. Nat&uuml;rlich, er war aus Blech und hatte statt eines klopfenden, ritterlichen K&auml;ferherzens nur ein paar blecherne R&auml;der und eine Uhrfeder in der Brust. Aber sechs Beinchen hatte dieser Blechkerl! Das war wirklich &auml;rgerlich! Er, ein echter Maik&auml;fer, wurde von dem Rasselfritzen mit einem Beinchen &uuml;bertroffen. So packte ihn wieder die grimmigste Sehnsucht nach seinem Beinchen, und emsig, wie ein Feuerwehrmann, wenn&#39;s brennt, lief er neben den Kindern her. Endlich ging&#39;s ja zum Beinchen, zum Mondberg, zur Erf&uuml;llung des gro&szlig;en Wunsches der Sumsem&auml;nner!<br />
	<br />
	<br />
	<strong>Das Osternest</strong><br />
	Hoppla! ... hoppla! ... holterdiepolter! ... ging&#39;s durch die Mondgegend, dass nur so die Steinchen stiebten. Ja, waren es eigentlich Steinchen? Es klang manchmal wie Glas, wenn der B&auml;r mit seinen Tatzen so ein St&uuml;ck Mondkruste abschlug, und sah aus wie Zucker; manchmal knisterte es wie Schnee und staubte um die Reiter her, dass sie die Augen zumachen mussten, und manchmal war der Boden glatt und weich wie Gummi, der unter jedem Tritt wippte und schwippte. Dann machte der B&auml;r so komische S&auml;tze, dass sie beinahe von seinem R&uuml;cken herunterpurzelten. Der Sandmann kannte die Landschaft aber und rief immer vorher zur Warnung:<br />
	<br />
	&raquo;Achtung - Kopf beugen!&laquo;<br />
	<br />
	Dann ging es &uuml;ber so ein Krustengebirge. Die Kristalle sausten und prasselten ihnen um die Ohren, dass sie sich tief auf das dichte Fell des B&auml;ren ducken mussten, um nicht Beulen am Kopf zu bekommen. Oder er rief:<br />
	<br />
	&raquo;Achtung - Augen zu!&laquo;<br />
	<br />
	Dann st&uuml;rmte der B&auml;r durch eine Mondw&uuml;ste, dass sie hinterher wie die M&uuml;llerjungen aussahen von dem wei&szlig;en Staub. Oder es hie&szlig;:<br />
	<br />
	&raquo;Festhalten! - Gummiteich!&laquo;<br />
	<br />
	Dann ging es &uuml;ber so eine Schwabbelgegend, auf und nieder, wipp und wapp, dass man denken konnte, der B&auml;r sei vollst&auml;ndig betrunken. Als sie aber Bescheid wussten, wie man sich zu verhalten hatte, machte es nat&uuml;rlich gro&szlig;en Spa&szlig;, und sie mussten schrecklich lachen; besonders, wenn eine Gummigegend kam. Ein sch&ouml;neres Wippespiel, als der B&auml;r mit ihnen auf diesen Gummiteichen vollf&uuml;hrte, gab es doch sonst nirgends auf der ganzen Welt. Das kann man sich wohl denken. Und nun kamen sie in die N&auml;he des Osternestes. Wie von der Weihnachtswiese alles Spielzeug und alle Weihnachtss&uuml;&szlig;igkeiten kommen, so kommen aus dem Osternest die Ostereier. In einem weiten, wei&szlig;en Tal lag ein riesengro&szlig;es, gr&uuml;nes Nest. Es war wohl so gro&szlig; wie ein Berg.<br />
	Auf dem Rande des Nestes sa&szlig;en ringsherum viele, viele Tausend H&uuml;hner in allen Farben; gr&uuml;ne, blaue, wei&szlig;e, gelbe, rote, schwarze, bunte, gestreifte und gesprenkelte, eines dicht neben dem anderen, fein ordentlich die Schw&auml;nzchen nach innen, die Schn&auml;belchen nach au&szlig;en gekehrt. &Uuml;ber dem Nest hing ein Strick vom Himmel herunter mit einem sch&ouml;nen gelben Ring am Ende. In dem Ring aber sa&szlig; ein gro&szlig;er Gockelhahn. Der schlug alle zwei Augenblicke mit den Fl&uuml;geln und kr&auml;hte &raquo;kikeriki-i-i-ieh ! &laquo;<br />
	Und jedes Mal wenn er kr&auml;hte ... klack! ... legte jedes von den H&uuml;hnern ein sch&ouml;nes, farbiges Ei von Zucker, Schokolade oder Marzipan, je nach der Farbe des Huhnes. Die Eier kullerten alle in das Innere des gro&szlig;en Nestes hinunter und wurden dort von vielen Tausenden kleiner, schneewei&szlig;er und knallgelber Osterh&auml;schen aufgesammelt, fein s&auml;uberlich in K&ouml;rbchen und kleine Taschen gepackt und ordentlich aufgestapelt. &raquo;So geht das immerfort&laquo;, erkl&auml;rte der Sandmann im Vor&uuml;berreiten; &raquo;der Hahn kr&auml;ht, die H&uuml;hner legen, die H&auml;schen sammeln und verpacken, bis das ganze, riesengro&szlig;e Nest voll ist. Und dann ist Ostern. In der Nacht vor Ostern aber nimmt jedes H&auml;schen seine Eierlast huckepack und hoppelt damit zur Erde herunter. Dort hat jedes Haus, in dem Kinder wohnen, sein bestimmtes H&auml;schen, das in der Osternacht die Eier bringt.&laquo;<br />
	Das alles war nat&uuml;rlich schrecklich interessant. Peterchen und Anneliese wollten so gern ihr H&auml;schen noch entdecken; aber es war keine Zeit, sie ritten zu schnell. &raquo;Es ist ein gelbes H&auml;schen!&laquo; sagte der Sandmann, als Peterchen ihn fragte. Da waren sie auch schon vorbei und h&ouml;rten nur noch von fern ein paar Mal den gro&szlig;en Hahn kr&auml;hen. Immer mehr n&auml;herten sie sich jetzt dem gro&szlig;en Mondberg. Himmelhoch ragte er in die geisterblaue Nacht vor ihnen auf, steil und spitz. So einen Berg gab es nirgends auf der Erde; so seltsam h&auml;tte man ihn sich nicht einmal tr&auml;umen k&ouml;nnen; wie von wachswei&szlig;em Teig war er, oder von gefrorener Schlagsahne. Hopp! ... sprang der B&auml;r &uuml;ber einen hohen Wall, der rings um den Berg herumlief, und nun waren sie am Ziele ihres gro&szlig;en Rittes, in einer finsteren Schlucht, am Fu&szlig;e des Mondberges - bei der Mondkanone.<br />
	<br />
	<br />
	<strong>Die Mondkanone</strong><br />
	Ein bissel unheimlich sah es doch in der Schlucht aus. Da waren so finstere Schatten und so sonderbar geformte Steine, dass man sich eigentlich h&auml;tte f&uuml;rchten k&ouml;nnen, wenn man Zeit dazu gehabt h&auml;tte. Wenn man aber keine Zeit dazu hat, dann f&uuml;rchtet man sich eben nicht. Das ist eine alte Geschichte. &raquo;Halt Petz!&laquo; rief das Sandm&auml;nnchen pl&ouml;tzlich. Der B&auml;r war noch so im Lauf, dass er auf allen vieren ein St&uuml;ck weiterrutschte, ehe er sich gebremst hatte. Dicht neben einem gro&szlig;en Felskegel, der einen pechschwarzen, langen, spitzen Schatten &uuml;ber einen freien Platz warf, hielt er still. Genau an der Stelle, wo der Schatten aufh&ouml;rte, stand die Mondkanone auf einem kleinen grauwei&szlig;en H&uuml;gelchen. Sie war halb darin versunken und musste wohl schon viele tausend Jahre hier stehen, denn der Mondstaub lag so dick auf ihr, dass nur hie und da noch das Metall des gewaltigen Kanonenrohres ein wenig hervorblitzte. Aus grauem Silber war dieser Kanonenlauf; noch dicker als ein Regenwasserfass und wohl zehnmal so lang. Ein kleines Leiterchen lehnte neben der M&uuml;ndung, die steil in die Luft gerichtet war, und nicht weit davon stand ein Kanonenwischer, zum Putzen des Laufes, ehe geschossen wird. Der Wischer sah eigentlich sehr l&auml;cherlich aus, wie eine m&auml;chtige, kreisrunde Igelb&uuml;rste, mit einem langen Stiel daran. &raquo;Wir sind am Ziel der Reise!&laquo; sagte jetzt das Sandm&auml;nnchen. Also kletterten sie eiligst von dem gro&szlig;en B&auml;ren herunter, der sich augenblicklich zum Heimgalopp umdrehte; er hatte seine Pflicht getan, wollte sein Futter haben und seine Ruhe im B&auml;renstall. Damit hatte er nat&uuml;rlich recht, bekam zum sch&ouml;nen Dank von den Kindern noch ein &Auml;pfelchen, vom Sandmann einen freundlichen Klaps auf den dicken B&auml;renschinken und trottete davon. Die drei Abenteurer aber standen am Fu&szlig;e des himmelhohen Berges, und das Sandm&auml;nnchen nahm eine sehr feierliche Miene an. Jetzt kam n&auml;mlich das gro&szlig;e Ereignis, dessentwegen sie die Reise gemacht hatten: die Begegnung mit dem Mondmann und die Eroberung des Beinchens. Hoch oben, auf der h&ouml;chsten Spitze des Berges, hauste der Mondmann, und dort stand auch in einem kleinen Wald die Birke, an der das Beinchen damals h&auml;ngengeblieben war. Mit gro&szlig;er Wichtigkeit erkl&auml;rte der Sandmann den Kindern, dass er sie jetzt in die Kanone hineinladen w&uuml;rde, zuerst den Sumsemann, dann das Peterchen, dann die kleine Anneliese, denn man m&uuml;sse auf den Berg hinaufgeschossen werden; anders sei es unm&ouml;glich, dort hinaufzukommen. Wenn sie aber alle oben w&auml;ren, m&uuml;ssten sie in dem kleinen Wald das Beinchen suchen, es von dem B&auml;umchen herunternehmen und dem Sumsemann vorsichtig, an der richtigen Stelle, mit Spucke wieder ankleben. Sollte ihnen beim Suchen etwa der Mondmann begegnen, der dort oben immerfort herumliefe, so sei das auch weiter nicht schlimm. Artigen Kindern k&ouml;nne er nichts tun, wenn er auch noch so grimmig t&auml;te. W&uuml;rde aber der greuliche Kerl gar nicht zu bes&auml;nftigen sein, dann g&auml;be es ein unfehlbares Mittel: die Kinder sollten nur ihre Sternchen zur Hilfe rufen. Sie w&uuml;rden schon sehen, wie das dem Mondmann bek&auml;me. Als das Sandm&auml;nnchen mit seiner Erkl&auml;rung fertig war, schnaubte es sich die Nase, denn ihm war wieder ziemlich ger&uuml;hrt zumute. Dass es von den beiden, lieben Kindern Abschied nehmen sollte, ging ihm doch nahe; und schlie&szlig;lich - der Mondmann da oben? Es k&ouml;nnte m&ouml;glicherweise einen wirklichen Kampf geben, und einfach war das nicht. Als die Kinder merkten, dass dem guten Sandm&auml;nnchen so ein wenig weich ums Herz war, fielen sie ihm pl&ouml;tzlich um den Hals, um sich zu bedanken, und gaben ihm herzhafte K&uuml;sschen. Na, das war was f&uuml;r das Sandm&auml;nnchen!<br />
	Nun aber hie&szlig; es, ans Werk zu gehen; denn, kam der Morgen, ehe die Kinder das Beinchen hatten, so war alles umsonst. Der Sandmann ergriff den Kanonenwischer, kletterte auf dem Leiterchen zur M&uuml;ndung der Kanone und putzte den Lauf umst&auml;ndlich und gr&uuml;ndlich. Es war ja, seit der Mondmann damals vor tausend Jahren hinaufgeschossen wurde, nicht mehr daraus geschossen worden; und wenn der Lauf innen nicht so blitzblank war wie eine Kakaob&uuml;chse, konnten sich die Kinderchen leicht beim Herausfliegen die Nasen abscheuern. Ernsthaft und aufmerksam guckten sie zu. Ordentlich schwitzen tat das Sandm&auml;nnchen, und wenn es sich mal einen Augenblick verpustete, gab es den Kindern noch gute Ratschl&auml;ge, wie sie den Mondmann behandeln m&uuml;ssten; nat&uuml;rlich h&ouml;flich, denn auch die rohesten und gr&auml;sslichsten Leute muss man immer h&ouml;flich und freundlich behandeln, dann werden sie n&auml;mlich meistens verlegen und ganz zahm. So, jetzt war der Lauf blank!<br />
	<br />
	&raquo;Vorw&auml;rts Sumsemann! rein in die Kanone!&laquo; rief das Sandm&auml;nnchen. Ja ... wo war denn der? Nirgends war der Maik&auml;fer zu sehen!<br />
	&raquo;Er hat sich gewiss versteckt, weil er immer so Angst hat&laquo;, meinte Anneliese. Na das hatte gerade noch gefehlt! Um sein Beinchen ging es, und da kniff er wom&ouml;glich im letzten Augenblick aus, der Jammerpipps?<br />
	Peterchen fand das h&ouml;chst unm&auml;nnlich. Sie machten sich nat&uuml;rlich schleunigst auf die Suche nach dem Auskneifer, und richtig! - da lag er hinter der n&auml;chsten Felsennase, ganz still und stellte sich tot. So ein Feigling!<br />
	Sandm&auml;nnchen packte ihn am Kragen und r&uuml;ttelte ihn geh&ouml;rig.<br />
	&raquo;Summ - summ - wenn es schie&szlig;en tut,<br />
	Hab&#39; ich Angst, hab&#39; ich Angst, ich geh&#39; kaputt!&laquo;<br />
	&nbsp;stotterte der edle Ritter, als man ihn zur Rede stellte. &raquo;Ach was&laquo;, polterte der Sandmann, &raquo;Seinetwegen wird die Sache gemacht, und da strampampelt Er hier? Vorw&auml;rts, rein in die Kanone!&laquo;<br />
	Im Augenblick war er gepackt, hochgehoben und, obwohl er wie toll zappelte, k&ouml;pflings in den Lauf gestopft. Die Kinder mussten laut lachen, so komisch sah das aus. Sandm&auml;nnchen aber lief gesch&auml;ftig zum hinteren Ende der Kanone, richtete die M&uuml;ndung nach dem Gipfel des Berges, zielte genau, rief: &raquo;Achtung - Augen zumachen!&laquo; und riss an der dicken Abzugsschnur. Bums!!! ... gab es einen gewaltigen Knall, ein dicker Dampfstrahl fuhr aus dem Lauf der Kanone, und mitten darin sah man den Sumsemann wie ein braunes Kanonenk&uuml;gelchen gen Himmel sausen. Der Sandmann beobachtete den Schuss ganz genau. Ja, er hatte gut gezielt; der Maik&auml;fer war oben!<br />
	Nun kam Peterchen an die Reihe. Er wurde hochgehoben. &raquo;Gl&uuml;ck auf die Reise!&laquo; sagte das Sandm&auml;nnchen und lie&szlig; ihn sacht in den Kanonenlauf hinunterrutschen. Komisch war&#39;s da drin, wirklich wie in einer gro&szlig;en Kakaob&uuml;chse!<br />
	Peterchen wollte sich gerade noch ein bisschen diese sonderbare Umgebung besehen, da h&ouml;rte er, wie drau&szlig;en das Sandm&auml;nnchen rief:<br />
	<br />
	&raquo;Augen zu!&laquo;<br />
	<br />
	Schnell kniff er die Augen zu. In demselben Augenblick gab es auch schon einen Knall rings um ihn herum und ... sirrrrrrr... schwirrte er aus der Kanone, in einem wundersch&ouml;nen Bogen himmelw&auml;rts den Berg hinauf. Wupp! da sa&szlig; er oben auf der Kante des Berggipfels, dicht neben dem Sumsemann. Beide guckten sich ganz erstaunt an, aber sie hatten sich noch gar nicht so recht besonnen - bums... . wupp! - sa&szlig; auch schon Anneliese als dritte neben ihnen. &raquo;Ach!&laquo; sagten sie alle drei und sperrten die M&auml;uler auf. Dann aber mussten sie &uuml;ber ihre eigenen, erstaunten Gesichter lachen. Selbst der Sumsemann grinste, nachdem er sich vorher genau bef&uuml;hlt hatte, ob auch noch alles heil an ihm sei. Es war eigentlich das erste Mal, dass er grinste; seine F&uuml;hlerh&ouml;rnchen bibberten ordentlich vor Vergn&uuml;gen. Er war &uuml;berzeugt, dass dieses Erlebnis ihn f&uuml;r alle Zeiten zum Helden der Maik&auml;fer machen w&uuml;rde. Aus einer Kanone war noch nie ein Maik&auml;fer geschossen worden; das war ein Abenteuer, eine Tat des Mutes und der M&auml;nnlichkeit, wie sie noch keiner der vielen Fr&uuml;hlingsritter auf den Kastanien, Linden oder Buchen der Erde vollbracht hatte!<br />
	Er erhob sich umst&auml;ndlich, plusterte sich auf, dass er noch einmal so dick wurde, wie er sonst war, und spazierte mit sehr komischen stolzen Geb&auml;rden vor den Kindern umher. &gt;Ein Denkmal muss mir gesetzt werden&lt;, dachte er; &gt;im Rasen bei der dicken Kastanie, unter einem breiten Maigl&ouml;ckchenblatt und in der Stellung eines Ritters, der auf einer Kanonenm&uuml;ndung sitzt. An jedem Sonntagabend, wenn der Mond kommt, m&uuml;ssen sich alle Maik&auml;fer der Gegend dort versammeln und ein feierliches Ba&szlig;geigenkonzert mit Paukenbegleitung veranstalten. Extra komponiert wird es zur Erinnerung an die Taten des gro&szlig;en Nationalhelden Sumsemann.&lt;<br />
	Er sah wirklich schon beinahe aus wie ein Maik&auml;fer-Nationaldenkmal, als er sich nach diesem weltbewegenden Gedanken vor den beiden Kindern aufpflanzte und mit geheimnisvoll d&uuml;sterem Tone sagte:<br />
	&raquo;Nun lasst uns das Beinchen suchen gehn, Damit die Tat vollkommen werde, Und alle K&auml;fer staunend stehn vor dem Ruhme Sumsemanns auf der Erde!<br />
	<br />
	Peterchen und Anneliese mussten nat&uuml;rlich innerlich ein wenig l&auml;cheln &uuml;ber diesen komischen Stolz des guten Herrn Sumsemann; aber sie lie&szlig;en sich das nicht merken, weil sie h&ouml;fliche Kinder waren. Sie erhoben sich also ebenfalls, strichen ihre Hemdchen glatt, nahmen ihre Sachen und begaben sich auf die Suche nach dem Beinchen.<br />
	<br />
	&nbsp;<br />
	<strong>Der Kampf mit dem Mondmann</strong><br />
	Auf dem Monde war eigentlich alles sonderbar und wunderlich; aber auf dem Gipfel des Mondberges war es doch am allerseltsamsten. B&auml;ume standen da, die gar nicht wie B&auml;ume, sondern wie Baumgespenster aussahen. Grauwei&szlig; waren sie und ganz gebeugt unter der Last einer uralten Asche, die wohl einst nach gro&szlig;en St&uuml;rmen auf dem Monde wie Schnee auf ihre Zweige niedergefallen sein mochte. Jeder Baum warf einen langen Schatten. Pechschwarz, gleich dicken Tintenstrichen lagen diese Schatten auf dem geistergrauen Boden und sahen sehr unheimlich aus. Hin und wieder standen gro&szlig;e, gr&uuml;nliche Pilze, die gewiss sehr giftig waren, zwischen den Wurzeln der Gespensterb&auml;ume, und uralter, eisgrauer Schimmel hatte alle Steine am Boden dick &uuml;berzogen. Kein Ton war zu h&ouml;ren; kein Vogel sang, kein Lufthauch regte einen Zweig in diesem toten Walde, eisekalt war es und grabesstill ringsum. Die Kinder h&auml;tten sich gewiss sehr gef&uuml;rchtet, wenn sie Zeit dazu gehabt h&auml;tten; aber sie hatten so viel zu tun mit dem Suchen nach dem Maik&auml;ferbeinchen, dass sie gar nicht merkten, wie unheimlich es eigentlich hier oben war. Man f&uuml;rchtet sich wirklich nur, wenn man nichts zu tun hat. Das hatten sie jetzt schon &ouml;fter gemerkt. Sie froren nicht einmal, trotzdem sie doch nur in ihrem Nachthemdchen waren, so emsig sprangen sie von einem Baume zum anderen und suchten nach der Birke mit dem Beinchen. &raquo;Hurra! &laquo; schrie Peterchen pl&ouml;tzlich; &raquo;da h&auml;ngt das Beinchen - ich sehe es, ich sehe es!&laquo;<br />
	Richtig! In der Mitte eines kleinen, mit Mondstaub und Schimmel &uuml;berzogenen Platzes stand einsam ein B&auml;umchen, das wirklich aussah wie eine tief zugeschneite kleine Birke. Im Stamm dieser Birke steckte ein langer, rostiger Nagel, und an einem roten B&auml;ndchen hing daran ein einzelnes Maik&auml;ferbeinchen totenstill in der dunklen Luft. Hellauf jubelten die Kinder, und selbst den Sumsemann, dem das Maik&auml;ferherz schon wieder beim Anblick dieses unheimlichen Waldes in das unterste Rockschlippchenende gerutscht war, packte die Freude bei dieser Entdeckung so, dass er die Fl&uuml;gel entfaltete, selig zu brummen anfing und den Kindern noch vorausfliegen wollte, trotzdem sie so schnell liefen, als sie konnten... Da ereignete sich etwas Unerwartetes: Hinter einem gro&szlig;en Stein, der neben der Birke lag, sprang pl&ouml;tzlich der Mondmann z&auml;hnefletschend und br&uuml;llend hervor. Die Kinder blieben auf der Stelle stehen und fassten sich bei der Hand.<br />
	Greulich sah der Mondmann aus! Riesengro&szlig; war er, hatte ein graues, verhungertes Gesicht, so voller Falten und Runzeln wie ein alter Stiefel. Schauderhaft h&auml;sslich war sein Mund; eine Schnauze war es fast, mit langen, gelben Z&auml;hnen; um seinen Kopf starrte verfilztes schmutziges Haar, und der Bart hing in w&uuml;sten Zotteln auf seine lange,<br />
	eisgraue Kutte; auf dem R&uuml;cken baumelte ihm an einem Strick ein gro&szlig;es Reisigb&uuml;ndel, und in der einen Hand trug er eine m&auml;chtige, blanke Axt. So stand er vor den beiden kleinen, mutigen Hemdenm&auml;tzen. Mutig waren sie, das muss man sagen; denn, trotzdem sie einen t&uuml;chtigen Schreck bekommen hatten, nahmen sie nicht Rei&szlig;aus, wie das gewiss viele andere Kinder getan h&auml;tten, sondern blieben tapfer stehen. Peterchen machte sogar eine sch&ouml;ne Verbeugung und, obwohl ihm das Herz gewaltig klopfte, fragte er den wilden Mann h&ouml;flich, ob er hier oben wohl ein Maik&auml;ferbeinchen in Verwahrung habe. Der Mondmann fletschte die gelben Z&auml;hne und br&uuml;llte:<br />
	&raquo;Was wollt ihr winzigen W&uuml;rmer hier? Was wollt ihr in meinem Waldrevier? Ein Maik&auml;ferbein, ein Maik&auml;ferbein, Soll hier auf meinem Mondberg sein?&laquo;<br />
	Peterchen erz&auml;hlte ihm nun unerschrocken alles, was er von der Beinchengeschichte wusste, und Anneliese nickte immer zur Best&auml;tigung mit dem Kopfe, denn sprechen konnte sie nicht vor Herzklopfen. Der Mondmann aber stand dabei grimmig grinsend vor ihnen, schaukelte immer von einem Bein auf das andere und schn&uuml;ffelte mit seiner Schnauze nach den kleinen &Auml;pfelchen, die sie bei sich hatten. Als Peterchen ihn dann am Schluss seiner Erz&auml;hlung bat, das Beinchen herzugeben, fauchte er:<br />
	&raquo;Du bittest mich sehr? - Was gibst du mir, Wenn ich es dir gebe, denn wieder daf&uuml;r?&laquo;<br />
	Anneliese hielt ihm schnell ihr letztes &Auml;pfelchen hin. Rapps! ... hatte er es gefressen und schn&uuml;ffelte nach Peterchens K&ouml;rbchen, in dem auch noch einiges &uuml;brig war. H&ouml;flich gab es Peterchen ... fort war&#39;s! Und w&auml;hrend der Unhold noch diesen zweiten Apfel schmatzend verschlang, roch er schon die Pfefferkuchen, die der Weihnachtsmann ihnen mit auf die Reise gegeben hatte. Gierig wollte er sie haben. Es war gewiss f&uuml;r die Kinder ein schwerer Entschluss, aber sie gaben ihm auch die sch&ouml;nen Pfefferkuchen. Man musste sich wirklich ekeln und entsetzen; denn mit dem bunten Einwickelpapier und mit dem Bindfaden fra&szlig; der w&uuml;ste Mann die P&auml;ckchen, wie ein Ochse, der Heu frisst. W&auml;hrenddessen aber schielten seine gr&uuml;nen Augen schon nach dem Hampelmann, den Peterchen unter dem Arm hatte. Er wollte ihn durchaus haben, und als Peterchen ihn z&ouml;gernd reichte ... nein, das war wirklich toll ... da biss er ihn mitten durch und schluckte ihn herunter, etwa wie unsereiner eine Erdbeere!<br />
	Peterchen war noch ganz starr von dem Schreck &uuml;ber diesen Hunger, da griff der Mondmann schon nach Annelieses P&uuml;ppchen. Das war nun sehr schlimm!<br />
	Anneliese wollte ihr P&uuml;ppchen durchaus nicht hergeben und fing bitterlich zu weinen an.<br />
	&raquo;Immer her, immer her mit dem Puppenkind!<br />
	Sonst geb&#39; ich das Beinchen nicht raus! - geschwind!&laquo;<br />
	&nbsp;br&uuml;llte der wilde Mann. Ja, um den Preis musste auch das liebe, kleine P&uuml;ppchen geopfert werden. Es war furchtbar!<br />
	Anneliese hielt sich beide Augen fest zu und weinte schrecklich, als er ihm den Kopf abbiss, dass die Porzellansplitter nur so knisterten zwischen seinen scheu&szlig;lichen Z&auml;hnen. Nicht einmal in die Schnauze schnitt er sich dabei! Das hatte sie n&auml;mlich im stillen gehofft. Dann war auch dies P&uuml;ppchen verschlungen, das letzte, was sie hatten. Der Mondmann strich sich den Bauch und leckte sich die Schnauze vor Behagen; die Kinder aber dachten: &raquo;Nun ist er zufrieden und gibt uns endlich das Beinchen heraus&laquo;, denn es hatte ihm doch alles, auch das Porzellank&ouml;pfchen vom P&uuml;ppchen und der S&auml;gesp&auml;neleib vom Hampelmann, pr&auml;chtig geschmeckt. Nein, der Unhold lief schon wieder schn&uuml;ffelnd herum, als h&auml;tte er noch immer nicht genug!<br />
	Das war doch eigentlich toll! Peterchen war sehr entr&uuml;stet &uuml;ber solche Gierigkeit und Unbescheidenheit und verlangte jetzt energisch das Beinchen, denn &Auml;pfelchen, Pfefferkuchen, Hampelmann und P&uuml;ppchen waren gewiss ein sehr ansehnlicher Kaufpreis. Die Kinder hatten nichts mehr zu verschenken. Mit glimmrigen Augen guckte der Mondmann sie an - von oben bis unten -, zog langsam ein riesenlanges Messer aus seinem Kittel, wetzte es sorgf&auml;ltig an einem gro&szlig;en Stein vor ihnen und schmunzelte und schmatzte dazu vor sich hin:<br />
	<br />
	&raquo;Zwei Menschlein kamen zu mir herauf.<br />
	Mit Haut und Haaren fre&szlig;&#39; ich sie auf!<br />
	Tausend Jahr&#39; hab&#39; ich nichts gegessen!<br />
	Tausend Menschen k&ouml;nnte ich fressen!<br />
	Schlachten will ich sie, langsam braten<br />
	Am Spie&szlig;; sie werden mir wohl geraten!<br />
	Ich lasse sie backen hundert Stunden;<br />
	Dann sollen mir ihre Gliederlein munden!&laquo;<br />
	&nbsp;<br />
	Und damit wollte er sich auf die Kinder st&uuml;rzen. Was sollten sie nun tun?<br />
	Anneliese klammerte sich an Peterchen, und dieser zog mutig sein kleines Holzschwert. Niemand konnte denken, dass der kleine Junge damit den wilden Menschenfresser besiegen w&uuml;rde; aber in diesem Augenblick, als er das Schwert hob, geschah etwas ganz Unerwartetes:<br />
	Pechfinster wurde es, ein lohender Blitz zuckte, und mit himmelersch&uuml;tterndem Donnerschlag sprang der Donnermann aus der Weltnacht auf den Berggipfel, st&uuml;rzte sich auf den Mondmann, schlug ihn - Krach! - krach! - krach! - &uuml;ber den Kopf und stie&szlig; ihn mit einem so f&uuml;rchterlichen Fu&szlig;tritt vor den Bauch, dass der widerw&auml;rtige Menschenfresser wie ein Sack auf dem Boden herumkollerte. Dann war der Donnermann wieder in der Nacht verschwunden, und nur ein fernes Rollen h&ouml;rte man noch, das bald verklang. So schnell war das alles geschehen, dass die Kinder kaum Zeit hatten, es richtig zu begreifen.<br />
	&raquo;O weh, mein Bauch! - O weh, mein Bein!<br />
	Verfluchte Pein! - verfluchte Pein ! &laquo;<br />
	schrie der Mondmann und w&auml;lzte sich auf dem Boden zwischen den B&auml;umen herum. Fast mussten die Kinder lachen, so sonderbare Verrenkungen machte er dabei. Er hatte so furchtbare Hiebe bekommen, dass er sich vor Schmerzen bog, wie eine Riesenmade. Trotzdem versuchte er, wieder auf die Beine zu kommen, und schnaufte:<br />
	<br />
	&raquo;Das war der Donnermann, ihr Kr&ouml;ten!<br />
	Ihr habt ihn wohl um Schutz gebeten?<br />
	Es soll euch aber Donnern und Blitzen<br />
	Vor meinem Grimm und Hunger nicht sch&uuml;tzen!<br />
	Ich schlachte euch doch und brate mir fein<br />
	All eure wei&szlig;en Gliederlein!&laquo;<br />
	&nbsp;<br />
	Da kam er auch schon hoch, griff nach dem Messer und wollte sich zum zweitenmal auf die Kinder st&uuml;rzen. Peterchen hob sofort wieder sein Schwert gegen ihn, und als habe er auf dieses Kommando des kleinen Jungen nur gewartet, tauchte jetzt mit weit gebl&auml;hten Backen der dicke Wassermann aus der Tiefe herauf. Ehe sich der Mondmann recht besonnen hatte, schoss ihm aus dem breiten Froschmaul des Wassermanns ein eiskalter Wasserstrahl mit solcher Gewalt mitten ins Gesicht, dass er sich nach hinten &uuml;berschlug und zum zweiten Male am Boden herumw&auml;lzte. Er wollte nat&uuml;rlich br&uuml;llen; aber, kaum riss er die Schnauze auf ... zisch! ... fuhr ihm der Wasserstrahl hinein, so dass er nur glucksen und prusten konnte; und nicht eher h&ouml;rte der Wassermann zu spritzen auf, bis der Mondmann triefend von dem eiskalten Wasser wie ein Toter dalag; dann sagte er befriedigt ein paar Mal: &raquo;blubberquacks&laquo;, nickte den Kindern gutm&uuml;tig zu und versank wieder. Diesmal war es wirklich so komisch gewesen, als der Mondmann umgespritzt wurde und immer nur prusten und glucksen konnte, wenn er br&uuml;llen wollte, dass selbst Anneliese lachen musste. &Uuml;berhaupt waren beide Kinder jetzt schon viel beherzter als zuerst, nachdem sie erfahren hatten, wie die guten Naturkr&auml;fte ihnen treuen Beistand leisteten, wenn es sehr gef&auml;hrlich wurde. Darum gingen sie nun auch ganz ruhig ein St&uuml;ckchen n&auml;her an den umgespritzten Menschenfresser, um ihn sich zu begucken. Da lag er, nass wie ein Pudel; aber doch noch nicht ganz leblos, denn von Zeit zu Zeit schnaufte er. Peterchen dachte einen Augenblick, man k&ouml;nnte nun wohl das Beinchen holen; aber da bewegte sich der w&uuml;ste Riese schon wieder. Er kollerte ein paar Mal herum, vorw&auml;rts und r&uuml;ckw&auml;rts und keuchte:<br />
	&raquo;Hat er mich auch halbtot gespritzt, Es hat euch Kr&ouml;ten doch nichts gen&uuml;tzt! -Ich komme schon hoch - ich will mich schon rappeln! Ihr sollt mir dennoch am Bratspie&szlig; zappeln!&laquo;<br />
	Da war er auch schon wieder auf den Beinen und taumelte auf sie zu.<br />
	&raquo;Trotz Donnerbrummen und Wasserspritzen,<br />
	Sollt ihr prutzeln und braten und knusprig schwitzen!&laquo;<br />
	br&uuml;llte er und schwang mit greulichem Grunzen das Messer. Jetzt hob Peterchen zum dritten Male sein kleines Holzschwert, und zum dritten Male geschah etwas f&uuml;r den Mondmann ganz Unerwartetes:<br />
	Rauschend fuhr es aus der H&ouml;he herunter, mit pechschwarzen, riesigen Fl&uuml;geln. &Uuml;ber den Mondberg hin ging ein Wirbelwind, dass sich die grauen B&auml;ume, die so tot und unbeweglich gestanden hatten, knisternd bogen, gleich Grash&auml;lmchen auf einer Wiese. Was war das?<br />
	Der Sturmriese kam den Kindern zur Hilfe. Mit seinen m&auml;chtigen F&auml;usten riss er im Walde den dicksten Baum aus dem Boden, warf ihn krachend &uuml;ber den Mondmann und war im Nu wieder fort, wie er im Nu gekommen war. Das ging wieder so schnell, dass man sich kaum dar&uuml;ber besinnen konnte, und die Kinder merkten erst richtig, was geschehen war, als sie den Mondmann jetzt wie einen gepr&uuml;gelten Riesenhund vor Wut und Schmerz aufheulen h&ouml;rten. Unter dem Baumstamm lag er festgeklemmt auf dem Boden, konnte sich nicht r&uuml;hren und br&uuml;llte so f&uuml;rchterlich, dass der ganze Berg davon zitterte. Peterchen hatte jetzt nat&uuml;rlich einen gewaltigen Mut. Er wusste, dass auf sein Kommando die gro&szlig;en Naturgewalten herbeikamen. Also ging er unverzagt, sein kleines Schwert in der Hand, ganz dicht an den gefangenen Unhold heran und sagte: &raquo;Siehst du, Mondmann, das kommt davon, dass du das Beinchen nicht herausgeben und uns auffressen wolltest, trotzdem wir dir schon so viel zu essen gegeben hatten. Nun bist du gefangen und kannst nichts machen, und wir, wir holen das Beinchen und lachen!&laquo;<br />
	Anneliese aber machte ihm eine lange Nase und sagte: &raquo;&Auml;tsch!&laquo;<br />
	Man kann sich wohl denken, wie das den Mondmann &auml;rgerte. Er pfiff vor Wut wie ein verrostetes T&uuml;rschloss, spuckte nach den Kindern und fletschte die Z&auml;hne.<br />
	&raquo;Oooh! wenn auch Feuer, Wasser und Wind<br />
	Mit euch im Bunde gegen mich sind<br />
	Wartet nur, wartet, ich will mich schon r&auml;chen,<br />
	Euch freche Wichte noch spie&szlig;en und stechen!&laquo;<br />
	&nbsp;<br />
	So fauchte er und zerrte dabei w&uuml;tend an dem Baum, unter dem er festgeklemmt lag. Furchtbar stark musste er sein, denn wirklich bewegte sich der dicke Stamm &uuml;ber ihm von seinem w&uuml;tenden R&uuml;tteln so, dass Peterchen schnell zur&uuml;cksprang. Es war auch die h&ouml;chste Zeit gewesen! Krick - krack! brachen ein paar &Auml;ste, der Baum rollte schwerf&auml;llig herum, und der Mondmann kam frei. Dicken Schaum hatte er vor Grimm an der Schnauze.<br />
	<br />
	&raquo;Jetzt ist es mit eurer Frechheit vorbei!<br />
	Jetzt hau&#39; ich euch mit der Axt entzwei!<br />
	Jetzt stampfe ich euch zu Mus und Brei!&laquo;<br />
	&nbsp;<br />
	So heulte er, griff nach seiner m&auml;chtigen, blanken Axt, da ihm das Messer vom Sturmriesen zerbrochen worden war, und st&uuml;rzte vorw&auml;rts...<br />
	Peterchen hob wieder sein Schwert, aber im Augenblick hatte der Mondmann es ihm aus der Hand geschlagen. Da rief Anneliese pl&ouml;tzlich ganz laut:<br />
	<br />
	&raquo;Sternchen - Sternchen - kommt herbei!&laquo;<br />
	<br />
	Die Kinder w&auml;ren ganz gewiss verloren gewesen, wenn Annelieschen nicht gerufen h&auml;tte, denn Peterchen war im Augenblick so erschreckt, dass er nicht wusste, was er tun sollte. Auf Annelieses hellen Ruf aber geschah jetzt das Wunderbarste:<br />
	Ein wei&szlig;es Leuchten ging vom Himmel nieder, und neben den Kindern standen, in einer Geschwindigkeit, die man nicht ausdenken kann, ihre beiden Sternchen mit gegen den Mondmann hoch erhobenen H&auml;nden. Blendendes Licht strahlte von diesen H&auml;nden gegen die weit aufgerissenen Augen des Unholdes, als er eben die Kinder packen wollte. Er stutzte, als sei er mit einem Hammer vor den Sch&auml;del geschlagen, taumelte zur&uuml;ck, lie&szlig; die Axt fallen und fuhr sich mit beiden H&auml;nden an die Augen.<br />
	<br />
	&raquo;Nanu - was ist das? - bin ich blind?<br />
	Ich sehe nicht mehr, wo die Kr&ouml;ten sind!<br />
	Ich kann sie nicht finden - ich kann sie nicht sehen ! &laquo;<br />
	&nbsp;<br />
	keuchte er, tappte tolpatschig im Walde herum und stie&szlig; immerfort, weil er vollkommen geblendet war, mit seinem dicken Kopf an die B&auml;ume und Felsen. &raquo;Au!&laquo; - br&uuml;llte er jedes Mal und torkelte weiter.<br />
	<br />
	&raquo;Hier m&uuml;ssen sie sein! - Dort m&uuml;ssen sie stehen!&laquo;<br />
	<br />
	schnaufte er und lief - bums! - genau in der verkehrten Richtung wieder gegen einen spitzen Felsen, dass ihm das Blut nur so herausspritzte. Aber trotz allem rappelte er sich wieder hoch und lief wie ein Besessener weiter. Schlie&szlig;lich h&ouml;rten sie nur noch ganz fern, wie er schrie:<br />
	<br />
	&raquo;Ich fre&szlig;&#39; euch mit Haut und Haaren, Gez&uuml;cht!<br />
	Ihr entgeht mir nicht - ihr entgeht mir nicht ! &laquo;<br />
	<br />
	Die Kinder waren so erstaunt, dass sie gar nichts sagen konnten; sie schmiegten sich nur ganz dicht an ihre Sternchen und waren sehr froh. F&uuml;r einen Augenblick war es ganz still, dann beugten sich die Sternchen liebreich, jedes &uuml;ber sein Kind, hauchten ihnen einen leisen Kuss ins Haar und sagten mit ihren silberreinen Stimmchen:<br />
	<br />
	&raquo;Macht schnell, macht schnell, verliert keine Zeit! Lebt wohl, der Tag ist nicht mehr weit!&laquo;<br />
	<br />
	Fort waren sie, wie sie gekommen waren, und die Kinder blieben allein.<br />
	<br />
	<br />
	<strong>Das Beinchen</strong><br />
	&raquo;Keine Zeit verlieren!&laquo; hatten die Sternchen gerufen. Nun hie&szlig; es also, schnell das Beinchen zu holen!<br />
	Peterchen machte sich denn auch sofort ans Werk, kletterte an der Birke herauf und kn&uuml;pperte es von dem Nagel, an dem es tausend Jahre gebaumelt hatte, w&auml;hrend Anneliese unten, die &Auml;rmchen reckend, auf den Zehen stand, um das ber&uuml;hmte Urgro&szlig;vater-Beinchen in Empfang zu nehmen. Es war ein sehr feierlicher Augenblick!<br />
	So! Nun hatte Anneliese das Bein, und sie stolzierten mit ihrer Troph&auml;e zum Sumsemann, der sich nat&uuml;rlich schon im ersten Augenblick der Begegnung mit dem Mondmann totgestellt hatte. Er lag, als geh&ouml;re er &uuml;berhaupt nicht dazu. in einer Ecke, zwischen Giftpilzen und beschimmelten Steinen, ein braunes, unscheinbares Kl&uuml;mpchen. Es war gar nicht leicht, ihn zu erkennen. Sie betrachteten den scheintoten Helden eine Weile und freuten sich, was er nun wohl f&uuml;r ein Gesicht machen w&uuml;rde. Dann aber suchten sie sich an ihm die Stelle f&uuml;r das Beinchen. Peterchen fand ein kleines Loch unter dem dritten, schwarz-wei&szlig;en Westenstreifen; da musste es bestimmt hin. Anneliese spuckte also t&uuml;chtig auf das obere Urgro&szlig;vater-Beinchenende, und dann dr&uuml;ckten sie es mit vereinten Kr&auml;ften in das Loch hinein. Anstrengend war das, ordentlich &auml;chzen musste Anneliese dabei. Endlich sa&szlig; es! Sie probierten und fanden, dass es wirklich ganz ungeheuer fest sa&szlig;, so dass es gewiss nicht so leicht wieder abgerissen oder abgehauen werden konnte. Es ist ja bekannt, dass Spucke wundersch&ouml;n klebt. Als sie mit diesem Gesch&auml;ft fertig waren, gingen sie mit gro&szlig;er Freude daran, den Maik&auml;fer zu wecken. Sie r&uuml;ttelten und sch&uuml;ttelten ihn; aber er war so in Angst, dass er sich toter stellte als jemals vorher; und als Peterchen ihn mit seinem Namen anrief, brummt er nur immer ganz leise: &raquo;Ich bin tot, ich bin ganz tot, ich kann nicht mehr tot gemacht werden, weil ich schon ganz tot bin!&laquo;<br />
	Schlie&szlig;lich schrie ihm Peterchen in die Ohren:<br />
	<br />
	&raquo;Herr Sumsemann, Herr Sumsemann! Sehn Sie sich mal Ihr Beinchen an!&laquo;<br />
	<br />
	Da fuhr der dumme Kerl wie ein erschreckter Floh in die H&ouml;he und glotzte in die Gesichter der Kinder. &raquo;Hat er euch gefressen, der Mann?&laquo; fragte er ganz ver&auml;ngstigt, obwohl er doch eigentlich sehen konnte, dass sie nicht gefressen waren, weil sie vor ihm standen. Nat&uuml;rlich quietschte Anneliese nur so vor Vergn&uuml;gen &uuml;ber solch dumme Frage. Peterchen aber nahm eine sehr wichtige Miene an, zeigte auf das angeklebte Beinchen und sagte noch einmal:<br />
	<br />
	&raquo;Herr Sumsemann, sehn Sie sich bitte Ihr Beinchen an!&laquo;<br />
	<br />
	Der dicke Kastanienritter schien immer noch nicht recht zu begreifen, was er tun sollte, so z&ouml;gernd sah er nun an sich herunter... Da! ... als h&auml;tte der Blitz pl&ouml;tzlich vor ihm eingeschlagen, erfasste er, was vorgegangen war. Er sprang auf, kreiselte und tanzte um die Kinder herum und sang:<br />
	<br />
	&raquo;Summ - summ - hurra! Summ - summ - hurra!<br />
	Mein Beinchen ist da, mein Beinchen ist da! -<br />
	Ich dank&#39; euch, ich dank&#39; euch viel tausendmal!<br />
	Nun hat sie ein Ende, die alte Qual,<br />
	Der Sumsem&auml;nner f&uuml;nfbeiniges Leid;<br />
	Zwei Kinderchen haben uns befreit<br />
	Von dem schrecklichen Fluch. Hurra - hurra -<br />
	Das sechste Beinchen ist wieder da!&laquo;<br />
	<br />
	Er war mit dem ausf&uuml;hrlichen Freudentanz, der zu diesem Gesang geh&ouml;rte, noch lange nicht fertig, als er durch eine pl&ouml;tzliche Erscheinung gest&ouml;rt wurde, die eine dringende Warnung f&uuml;r die drei Abenteurer bedeutete. Es war ja den Kindern gesagt worden, dass sie noch vor Sonnenaufgang wieder zur Erde zur&uuml;ckkehren m&uuml;ssten, da sie sich sonst nie wieder vom Monde herunterfinden w&uuml;rden. Nun leuchtete pl&ouml;tzlich ein wundersam fremder Schein aus dem dunklen Himmel &uuml;ber dem Monde. Der graue Boden bekam eine Farbe gleich gr&uuml;nrot &uuml;berlaufenem Silber, auf allen B&auml;umen und Pflanzen funkelte der Mondstaub wie rosenroter Schnee. &Uuml;ber der h&ouml;chsten Bergzinne aber, gerade vor sich, sahen die Kinder im gleichen Augenblick die liebliche Tochter der Sonne, die Morgenr&ouml;te. Sie hatte die Arme &uuml;ber das Haupt erhoben, von ihren H&auml;nden tropften Rubinfunken, und rote Nebel wehten aus ihrem Haar. Das Haupt weit in den Nacken gelegt, sang die Morgenr&ouml;te, mit einer Stimme, die jubelnder war als die aller Lerchen, und klingender als die aller Nachtigallen der Erde:<br />
	<br />
	&raquo;Der Sonne goldener Wagen naht,<br />
	Von der Erde weichen die Tr&auml;ume,<br />
	Es kr&auml;nzen des Himmels heiligen Raum<br />
	Des Tages silberne S&auml;ume.<br />
	Ich fliege &uuml;ber die Welt dahin,<br />
	Mit dem Bruder, dem Morgensterne;<br />
	Fr&uuml;hwolken, wie blitzende Blumen bl&uuml;hn<br />
	&Uuml;ber der duftenden Ferne.<br />
	Schon weckt der Tag den schlafenden Hain<br />
	Zu des Fr&uuml;hlings leuchtendem Gl&uuml;ck.&laquo;<br />
	Hier wandte sie l&auml;chelnd den Kindern das wundersch&ouml;ne Antlitz zu und nickte voll Liebe:<br />
	<br />
	&raquo;Nun eilt euch - eilt euch, ihr Kinderlein!<br />
	Kehrt schnell auf die Erde zur&uuml;ck!<br />
	Dann entschwand sie wieder; hinter ihr aber blieb der gro&szlig;e Himmel von Purpur &uuml;bergossen, und das blasse Mondland darunter gl&uuml;hte, als h&auml;tten Millionen Rosen auf seinem elfenbeinfarbenen Grunde die Knospen gesprengt. Die Kinder standen noch unbeweglich vor Staunen &uuml;ber die unbeschreibliche Sch&ouml;nheit dieser Erscheinung; da zupfte sie der<br />
	<br />
	Maik&auml;fer leise am Hemdchen, gab ihnen das rechte und das linke Vorderkr&auml;llchen und sagte mit tiefem Ernst und mit sehr feierlicher Stimme:<br />
	<br />
	&raquo;Nun ist sie vor&uuml;ber, die seltsame Fahrt,<br />
	Bei der ihr mir treue Begleiter wart.<br />
	Mein Beinchen habe ich endlich wieder,<br />
	So wollen wir schnell zur Erde nieder!<br />
	Fasst euch bei den H&auml;nden und, h&ouml;rt ihr den Spruch,<br />
	So schlie&szlig;t eure Augen; in sausendem Fall<br />
	Geht&#39;s nieder in unser Heimattal.&laquo;<br />
	Die Kinder gehorchten sofort, denn sie f&uuml;hlten, dass es gro&szlig;er Ernst war, als der Sumsemann dies sagte. Sie umfassten sich also und standen dicht aneinandergeschmiegt. Der Maik&auml;fer aber rief laut:<br />
	<br />
	&raquo;Mutter Erde, wir rufen dich an:<br />
	Fern dir f&uuml;hrte uns unsere Bahn;<br />
	H&ouml;r uns, unsere Not war gro&szlig;,<br />
	Nimm uns wieder in deinen Scho&szlig;!&laquo;<br />
	Da &ouml;ffnete sich der Boden, und die drei Abenteurer sanken, eng umschlungen, hinab in die Tiefe.<br />
	<br />
	<br />
	<strong>Wieder daheim</strong><br />
	Als der Maik&auml;fer seinen Spruch gesprochen hatte, war es den Kindern ganz dunkel vor Augen geworden; sie f&uuml;hlten, wie der Boden sich unter ihnen auftat und wie sie in eine fast unendliche Tiefe hinabsausten. Sehen konnten sie nichts, und h&ouml;ren konnten sie nur ein ungeheures Brausen und Summen. Krampfhaft hielten sie einander umklammert und konnten weiter nichts denken, als dass sie sich nur nicht loslassen durften. So ging es eine ganze Weile, und dann war es ihnen pl&ouml;tzlich, als s&auml;nge mitten in dem Brausen und Summen ein kleiner Vogel. Immer lauter wurde das Zwitschern und Singen, das Summen aber wurde immer leiser, bis es ganz aufh&ouml;rte und nur noch das trillernde V&ouml;gelchen zu h&ouml;ren blieb. Da wagten die Kinder, die Augen aufzumachen. Ha!... sie sa&szlig;en in ihrem Kinderzimmerchen, eng umschlungen, im Nachthemdchen mitten auf dem Tisch!<br />
	Die Sonne warf gerade den ersten blitzenden Strahl durch das Fenster, und auf dem Fliederbusch drau&szlig;en pfiff ein kleiner Zeisig vergn&uuml;gt sein Morgenliedchen. Beide Kinder waren so erstaunt, dass sie sich zun&auml;chst mit weit aufgerissenen Augen anguckten. Dann sagte Peterchen - aber erst nach einer ganzen Weile: &raquo;Anneliese!&laquo; und Anneliese sagte: &raquo;Peterchen!&laquo;<br />
	Als sie dabei merkten, dass sie ganz richtig noch Peterchen und Anneliese waren und nicht etwa Flederm&auml;uschen, Mondsch&auml;fchen oder Kanonenkugeln, platzten sie los und lachten schrecklich. Sie hatten aber auch wirklich sehr komische Dinge erlebt und waren nach so viel Gefahren und Abenteuern, ohne eine einzige Beule oder sonst ein Wehwehchen, wieder daheim in ihrem St&uuml;bchen. Grund zur Freude war also genug. Alles um sie her war ganz in Ordnung. Schaukelpferd, Puppenstube, Bilderb&uuml;cher und... hurra! das P&uuml;ppchen und Hampelh&auml;nschen auch; so gesund, als w&auml;ren sie niemals vom Mondmann aufgefressen worden. Selbst die K&ouml;rbchen mit den &Auml;pfeln standen h&uuml;bsch auf dem Tisch, wie die Mutter sie am Abend hingestellt hatte. Das war wirklich wunderbar!<br />
	Sie waren noch damit besch&auml;ftigt, all dies jubelnd festzustellen, da h&ouml;rten sie drau&szlig;en die dicke Minna kommen. Husch! - waren sie im Bettchen. Die Minna kam herein, wie an jedem anderen Morgen und rief:<br />
	&raquo;Aufstehen, aufstehen, Kinderlein! Die Sonne ist schon &uuml;ber der Wiese! Aufstehen, Peterchen, Anneliese!<br />
	Peterchen, der kleine Strick, tat, als ob er eben aufwachte und rieb sich umst&auml;ndlich die Augen. Dann fragte er ganz verschlafen, ob es schon so hell w&auml;re. &raquo;Nat&uuml;rlich!&laquo; sagte die Minna und zog die Gardinen am Fenster zur&uuml;ck! Summ! - schwirrte etwas in der Stube umher!<br />
	&raquo;Der Maik&auml;fer ! &laquo; riefen die Kinder wie aus einem Munde und waren im Nu aus dem Bett. Schwupp! - hatte die Minna ihn schon und wollte ihn ins Feuer stecken. Aber da kam sie bei Peterchen sch&ouml;n an. &raquo;Was? den Sumsemann totmachen? Der darf nicht totgemacht werden, der ist unser Sumsemann, den muss man fliegen lassen!&laquo; rief er und zog sie energisch am Sch&uuml;rzenband. Die Minna sch&uuml;ttelte den Kopf; sie konnte nicht begreifen, was das alles hei&szlig;en sollte; sie war eben zu dumm, die Minna. Schlie&szlig;lich aber gab sie den kleinen K&auml;fer der Anneliese auf so dringendes Bitten doch ins H&auml;ndchen und ging hinaus, um die Mutter zu holen.<br />
	Kaum waren die Kinder allein, so liefen sie zum Fenster und betrachteten den K&auml;fermatz. Er lag in Annelieses H&auml;ndchen und stellte sich tot. Nat&uuml;rlich, die Minna hatte ihn auch schauderhaft erschreckt!<br />
	Peterchen z&auml;hlte sofort seine Beinchen. Ja, es waren richtig sechs Beinchen!<br />
	Also, das Abenteuer war nicht umsonst gewesen, die Beincheneroberung war gegl&uuml;ckt, wirklich gegl&uuml;ckt, und die Sumsemanns waren nach tausend Jahren zu ihrem Recht gekommen durch die Taten Peterchens und Annelieses. Anneliese meinte, man k&ouml;nne es wirklich nicht sehen, dass das Beinchen angeklebt sei, und aus tiefster &Uuml;berzeugung sagte sie:<br />
	&raquo;Spucke klebt sch&ouml;n!&laquo;<br />
	Jeder wird das glauben nach dieser Erfahrung!<br />
	Da krabbelte das K&auml;ferchen wieder. &raquo;Er merkt, dass wir es sind, und f&uuml;rchtet sich nicht mehr&laquo;, meinte Peterchen, und sie freuten sich beide. Dann machten sie schnell das Fenster auf, Anneliese hielt ihr H&auml;ndchen hinaus, und sie sangen das ber&uuml;hmte Fliegeliedchen. Der kleine Sumsemann aber krabbelte emsig auf den ausgestreckten Zeigefinger Annelieses, breitete auf der obersten Spitze seine Fl&uuml;gel aus und ... summ ... flog er hinaus in den blauen Morgen, &uuml;ber den Garten, &uuml;ber die Wiese, weit, weit!<br />
	&raquo;Ade, ade, Herr Sumsemann!<br />
	Kommen Sie gut zu Hause an!&laquo;<br />
	&nbsp;riefen sie und winkten ihm nach. Da kam die Mutter herein, umarmte ihre beiden Kinderchen, gab ihnen einen lieben Gutenmorgenkuss und au&szlig;erdem - das war eigentlich seltsam! - jedem Kind ein sch&ouml;nes Pfefferkuchenp&auml;ckchen mit einem Gru&szlig; vom Weihnachtsmann. Es waren genau die Kuchenp&auml;ckchen, die das Pfefferkuchen-m&auml;nnchen ihnen auf der Weihnachtswiese in der Nacht gepfl&uuml;ckt hatte. Nun war es klar - nun war es ganz gewiss, dass die Mutter mit dem Weihnachtsmann eng bekannt und sehr befreundet war, dass sie schon das ganze Abenteuer von ihm wusste und auch die Geschichte vom Mondmann, der alles aufgefressen hatte. Der Weihnachtsmann hatte nat&uuml;rlich alles gesehen, P&uuml;ppchen, Hampelmann, &Auml;pfel und Pfefferkuchen; hatte sie aus des Mondmanns Bauch wieder herausgezaubert und der Mutter schnell auf die Erde geschickt, zur Belohnung f&uuml;r die Kinder. Es war ganz gewiss so - es konnte ja gar nicht anders sein! Und hell jubelnd fielen sie ihrem lieben, lieben Muttchen um den Hals!</p>
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<link>https://internet-maerchen.de/maerchen/peterchen00.htm</link>
<author>INTERNET-MAERCHEN.DE</author>
<category>M&#228;rchen</category>
<category>maerchenletter</category>
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<pubDate>Mon, 11 Apr 2022 12:22:00 GMT</pubDate>
</item>

<item>
<title>M&#228;rchenletter Januar 2022</title>
<description><![CDATA[<p align="center">
	<font face="Verdana"><font color="#804040" size="4">Das M&auml;rchen von dem Witzenspitzel<br />
	</font><font size="2">M&auml;rchen aus Italien - Clemens von Brentano</font></font></p>
<p align="center">
	&nbsp;</p>
<hr color="#808080" size="1" />
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Es war einmal ein K&ouml;nig von Rundumherum, der hatte unter seinen vielen andern Dienern einen Edelknaben, der hie&szlig; Witzenspitzel, und er liebte ihn &uuml;ber alles und &uuml;berh&auml;ufte ihn mit tausend Gnaden und Geschenken; weil Witzenspitzel ungemein klug und artig war und alles, was ihm der K&ouml;nig zu verrichten gab, mit au&szlig;erordentlicher Geschicklichkeit ausrichtete. Wegen dieser gro&szlig;en Gunst des K&ouml;nigs waren alle die andern Hofdiener sehr neidisch und b&ouml;s auf Witzenspitzel;</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Denn wurde seine Klugheit belohnt mit Gelde,<br />
	So wurde ihre Dummheit bestraft mit Schelte;<br />
	Und erhielt Witzenspitzel vom K&ouml;nig gro&szlig;en Dank,<br />
	So erhielten sie von ihm gro&szlig;en Zank;<br />
	Kriegte Witzenspitzel einen neuen Rock,<br />
	So zerschlug er auf ihnen einen neuen Stock;<br />
	Durfte Witzenspitzel des K&ouml;nigs Hand k&uuml;ssen,<br />
	So traktierte der K&ouml;nig sie mit Kopfn&uuml;ssen.</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Dar&uuml;ber wurden sie nun gewaltig zornig auf Witzenspitzel und brummten und zischelten den ganzen Tag und steckten &uuml;berall die K&ouml;pfe zusammen und &uuml;berlegten, wie sie den Witzenspitzel sollten um die Liebe des K&ouml;nigs bringen. Der eine streute Erbsen auf den Thron, damit Witzenspitzel stolpern und den gl&auml;sernen Szepter zerbrechen sollte, den er dem K&ouml;nig immer reichen musste; der andere nagelte ihm Melonenschalen unter die Schuhe, damit er ausgleiten sollte und dem K&ouml;nig den Rock begie&szlig;en, wenn er ihm die Suppe brachte; der dritte setzte allerlei garstige M&uuml;cken in einen Strohhalm und blies sie dem K&ouml;nig in die Per&uuml;cke, wenn Witzenspitzel sie frisierte; der vierte tat wieder etwas anderes, und so versuchte jeder etwas, den Witzenspitzel um die Liebe des K&ouml;nigs zu bringen. Witzenspitzel aber war so klug und behutsam und vorsichtig, dass alles umsonst war und er alle Befehle des K&ouml;nigs gl&uuml;cklich zu Ende brachte.</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Da nun alle ihre Anschl&auml;ge nichts fruchten wollten, versuchten sie etwas anderes. Der K&ouml;nig hatte einen Feind, mit dem er nie fertigwerden konnte und der ihm alles zum Possen tat. Das war ein Riese, der hie&szlig; Labelang und wohnte auf einem ungeheuren Berg, wo er in einem dicken dunkeln Walde in einem pr&auml;chtigen Schlosse hauste, und hatte au&szlig;er seiner Frau, die Dickedull hie&szlig;, niemand bei sich als einen L&ouml;wen Hahnebang und einen B&auml;ren Honigbart und einen Wolf L&auml;mmerfra&szlig; und einen erschrecklichen Hund Hasenschreck, das waren seine Diener. Au&szlig;erdem hatte er auch ein Pferd im Stall, Fl&uuml;gelbein genannt.</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Nun wohnte in der Gegend von Rundumherum eine sehr sch&ouml;ne K&ouml;nigin, Frau Flugs, die hatte eine Tochter, Fr&auml;ulein Flink; und der K&ouml;nig Rundumherum, der gern alle andern L&auml;nder um sein Land herum auch gehabt h&auml;tte, h&auml;tte die K&ouml;nigin Frau Flugs gar gerne zu seiner Gemahlin gehabt. Sie lie&szlig; ihm aber sagen, dass noch viele andere K&ouml;nige sie auch gerne zur Gemahlin h&auml;tten, dass sie aber keinen nehmen wolle als den allergeschwindesten, und dass der, welcher am n&auml;chsten Montag, morgens um halb zehn Uhr, wenn sie in die Kirche gehe, zuerst bei ihr w&auml;re, sie zur Gemahlin und mit ihr das ganze Land haben sollte.</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Nun lie&szlig; der K&ouml;nig Rundumherum alle seine Diener zusammenkommen und fragte sie: &raquo;Wie soll ich es doch anfangen, dass ich am Montag zuerst in der Kirche bin und die K&ouml;nigin Flugs zur Gemahlin bekomme?&laquo; Da antworteten ihm seine Diener: &raquo;Ihr m&uuml;sst machen, dass Ihr dem Riesen Labelang sein Pferd Fl&uuml;gelbein bekommt; wenn Ihr darauf reitet, k&ouml;mmt Euch niemand zuvor; und um dieses Pferd zu holen, wird niemand geschickter sein als der Edelknabe Witzenspitzel, der ja alles zustande bringt.&laquo; So sagten die b&ouml;sen Diener und hofften schon, der Riese Labelang werde den Witzenspitzel gewiss umbringen. Der K&ouml;nig befahl also dem Witzenspitzel, er solle das Pferd Fl&uuml;gelbein bringen.</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Witzenspitzel erkundigte sich um alles recht genau, wie es bei dem Riesen Labelang beschaffen sei, und dann nahm er sich einen Schiebekarren und stellte sich einen Bienenkorb darauf und nahm einen Sack, da steckte er einen Gockelhahn hinein und einen Hasen und ein Lamm, und legte ihn auch auf den Karren; weiter nahm er einen Strick mit und eine gro&szlig;e Schachtel voll Schnupftabak, h&auml;ngte eine Kurierpeitsche um, machte sich ein paar t&uuml;chtige Sporen an die Stiefel und marschierte mit seinem Schiebekarren ruhig fort.</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Gegen Abend war er endlich den hohen Berg hinauf, und als er durch den dicken Wald kam, sah er das Schloss des Riesen Labelang vor sich. Und es ward Nacht, und er h&ouml;rte, wie der Riese Labelang und seine Frau Dickedull und sein L&ouml;we Hahnebang und sein B&auml;r Honigbart und sein Wolf L&auml;mmerfra&szlig; und sein Hund Hasenschreck gewaltig schnarchten; nur das Pferd Fl&uuml;gelbein war noch munter und scharrte mit den F&uuml;&szlig;en im Stall.</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Da nahm Witzenspitzel leise, leise seinen langen Strick und spannte ihn vor die Schlo&szlig;t&uuml;re von einem Baum zum andern und stellte die Schachtel mit Schnupftabak dazwischen; dann nahm er den Bienenkorb und setzte ihn an einen Baum in den Weg, und ging in den Stall und band das Pferd Fl&uuml;gelbein los und setzte sich mit dem Sack, worin er den Hahn, das Lamm und den Hasen hatte, drauf und gab ihm die Sporen und trieb es hinaus.</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Das Pferd Fl&uuml;gelbein aber konnte sprechen und schrie ganz laut:</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Dickedull und Labelang!</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Honigbart und Hahnebang!</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">L&auml;mmerfra&szlig; und Hasenschreck!</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Witzenspitzel reitet Fl&uuml;gelbein weg!</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">und dann galoppierte es fort, was gibst du, was hast du!</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Da wachte der Labelang und die Dickedull auf und h&ouml;rten das Geschrei des Pferdes Fl&uuml;gelbein; geschwind weckten sie den B&auml;ren Honigbart und den L&ouml;wen Hahnebang, den Wolf L&auml;mmerfra&szlig; und den Hund Hasenschreck auf, und alle st&uuml;rzten zugleich aus dem Schloss heraus, um den Witzenspitzel mit dem Pferd Fl&uuml;gelbein zu fangen.</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Aber der Riese Labelang und seine Frau Dickedull stolperten in der Dunkelheit &uuml;ber den Strick, den Witzenspitzel vor der T&uuml;re gespannt hatte, und perdauz </font></font> <font face="Verdana" size="3">&ndash; da fielen sie mit der Nase und den Augen gerade in die Schachtel voll Schnupftabak hinein, die er dahin gestellt hatte, und rieben sich die Augen und niesten einmal </font> <font size="3"><font face="Verdana">&uuml;ber das anderemal, und der Labelang sagte: &raquo;Zur Gesundheit, Dickedull!&laquo;</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">&raquo;Ich danke&laquo;, sagte Dickedull; dann sagte sie: &raquo;Zur Gesundheit, Labelang!&laquo; und &raquo;Ich danke&laquo;, sagte Labelang, und bis sie sich den Tabak aus den Augen geweint und aus der Nase geniest hatten, war Witzenspitzel schier aus dem Wald.</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Der B&auml;r Honigbart war zuerst hinter ihm drein, als er aber an den Bienenkorb kam, kriegte er Lust zum Honig und wollte ihn fressen; da schnurrten die Bienen heraus und zerstachen ihn so, dass er halb blind ins Schloss zur&uuml;cklief. Witzenspitzel war schon weit aus dem Wald, da h&ouml;rte er hinter sich den L&ouml;wen Hahnebang kommen; geschwind nahm er den Gockelhahn aus seinem Sack, und als der auf einen Baum flog und zu kr&auml;hen anfing, ward es dem L&ouml;wen Hahnebang sehr angst und er lief zur&uuml;ck. Nun h&ouml;rte Witzenspitzel den Wolf L&auml;mmerfra&szlig; hinter sich. Da lie&szlig; er geschwind das Lamm aus seinem Sack laufen, und dem sprang der Wolf nach und lie&szlig; ihn reiten. Schon war er nahe der Stadt, da h&ouml;rte er hinter sich ein Gebelle, und wie er sich umschaute, sah er den Hund Hasenschreck angelaufen kommen. Geschwind lie&szlig; er nun den Hasen aus dem Sack laufen, und da sprang der Hund dem Hasen nach, und er kam mit Fl&uuml;gelbein gl&uuml;cklich in die Stadt.</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Der K&ouml;nig dankte dem Witzenspitzel sehr f&uuml;r das Pferd; die falschen Hofdiener aber &auml;rgerten sich, dass er so mit heiler Haut wiedergekommen war. Am n&auml;chsten Montag setzte sich der K&ouml;nig gleich auf sein Pferd Fl&uuml;gelbein und ritt zur K&ouml;nigin Flugs, und das Pferd lief so geschwind, dass er viel fr&uuml;her da war und schon mehrere T&auml;nze auf seiner Hochzeit mit der K&ouml;nigin Flugs getanzt hatte, als die andern K&ouml;nige aus der Gegend erst ankamen. Da er nun mit seiner K&ouml;nigin nach Hause ziehen wollte, sagten seine Diener zu ihm: &raquo;Ihro Majest&auml;t haben zwar das Pferd des Riesen Labelang; aber wie herrlich w&auml;re es, wenn Sie auch dessen pr&auml;chtige Kleider h&auml;tten, die alles &uuml;bertreffen, was man bis jetzt gesehen, und der geschickte Witzenspitzel wird dieselben ganz gewiss herbeischaffen, wenn es ihm befohlen wird.&laquo;</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Der K&ouml;nig bekam gleich eine gro&szlig;e Lust nach den sch&ouml;nen Kleidern des Labelang und gab dem Witzenspitzel abermal den Auftrag. Als dieser sich nun auf den Weg machte, dachten die falschen Hofdiener, er w&uuml;rde diesmal dem Riesen Labelang gewiss nicht entgehen.</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Witzenspitzel nahm diesmal nichts mit als einige starke S&auml;cke, und kam abends wieder vor das Schloss des Labelang, wo er sich auf einen Baum setzte und lauerte, bis alles im Schlosse zu Bette sei.</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Als alles still geworden war, stieg er vom Baum herunter, da h&ouml;rte er auf einmal die Frau Dickedull rufen: &raquo;Labelang, ich liege mit dem Kopf so niedrig, hole mir doch drau&szlig;en ein Bund Stroh.&laquo; Da schl&uuml;pfte Witzenspitzel geschwind in das Bund Stroh, und Labelang trug ihn mitsamt dem Bund Stroh in seine Stube, steckte ihn unter das Kopfkissen und legte sich dann auch in das Bett.</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Als sie ein wenig eingeschlafen waren, streckte Witzenspitzel die Hand aus dem Stroh und raufte den Labelang t&uuml;chtig in den Haaren und dann die Frau Dickedull auch, wor&uuml;ber beide erwachten und, weil eines glaubte, das andere habe es gerauft, sich einander gewaltig im Bette zerpr&uuml;gelten, w&auml;hrend welchem Streit Witzenspitzel aus dem Stroh herauskroch und sich hinter das Bett setzte.</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Da sie wieder ruhig eingeschlafen waren, packte Witzenspitzel alle Kleider des Labelang und der Dickedull in seinen Sack und band diesen leise, leise dem schlafenden L&ouml;wen Hahnebang an den Schwanz; dann band er den Wolf L&auml;mmerfra&szlig; und den B&auml;ren Honigbart und den Hund Hasenschreck, welche alle da herum schliefen, an die Bettlade des Riesen fest und machte die T&uuml;re weit, weit auf. Er hatte alles so in der Ordnung, da wollte er aber auch dem Riesen seine sch&ouml;ne Bettdecke noch mitnehmen und zupfte ganz sachte, sachte an dem Zipfel, bis er sie heruntergezogen, wickelte sich hinein und setzte sich auf den Sack voll Kleider, den er dem L&ouml;wen an den Schwanz gebunden hatte. Nun wehte die kalte Nachtluft durch die offene T&uuml;re der Frau Dickedull an die Beine, sie wachte auf und rief: &raquo;Labelang! du nimmst mir die Decke weg, ich liege ganz blo&szlig;.&laquo; Da wachte Labelang auf und rief: &raquo;Nein, ich liege ganz blo&szlig;, Dickedull, du hast mir die Bettdecke genommen.&laquo; Dar&uuml;ber fingen sie sich wieder an zu schlagen und zu zanken, und Witzenspitzel fing laut an zu lachen. Nun merkten sie etwas und riefen: &raquo;Dieb da! Dieb da! Auf, Hahnebang! Auf, L&auml;mmerfra&szlig;! Honigbart und Hasenschreck! Dieb da! Dieb da!&laquo; </font></font><font face="Verdana" size="3">&ndash; Da wachten die Tiere auf, und der L</font><font size="3"><font face="Verdana">&ouml;we Hahnebang sprang fort; weil er aber den B&uuml;ndel angebunden hatte, worauf der Witzenspitzel in die Bettdecke gewickelt sa&szlig;, fuhr der wie in einem Wagen hinter ihm her und fing einige Male an, wie ein Hahn kikriki, kikriki zu schreien; da kriegte der L&ouml;we eine solche Angst, dass er immer, immer zulief, bis an das Stadttor, wo Witzenspitzel ein Messer herauszog und hinten den Strick abschnitt, so dass der L&ouml;we, der im besten Ziehen war, auf einmal ausfuhr und so mit dem Kopf wider das Tor rannte, dass er tot an die Erde fiel.</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Die andern Tiere, welche Witzenspitzel an die Bettstelle des Riesen gebunden hatte, konnten diese nicht zum Tor hinausbringen, weil sie zu breit war, und zerrten die Bettlade so in der Stube herum, dass Labelang und Dickedull herausfielen und aus gro&szlig;em Zorn den Wolf und den B&auml;ren und den Hund totschlugen, welche doch gar nichts daf&uuml;r konnten.</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Als die Wache in der Stadt den gro&szlig;en Sto&szlig;, den der L&ouml;we gegen das Stadttor getan hatte, h&ouml;rte, &ouml;ffnete sie das Tor, und Witzenspitzel brachte dem K&ouml;nig die Kleider des Labelang und der Dickedull, wor&uuml;ber dieser vor Freuden aus der Haut fahren wollte, denn niemals waren noch solche Kleider gesehen worden. Es war dabei ein Jagdrock, von den Pelzen aller vierf&uuml;&szlig;igen Tiere so sch&ouml;n zusammengen&auml;ht, dass daran die ganze Geschichte des Reineke Fuchs zu sehen war. Weiter ein Vogelstellerrock, von den Federn aller V&ouml;gel der Welt: vorn ein Adler, hinten eine Eule und in der Tasche eine Drehorgel und ein Glockenspiel, welche wie alle V&ouml;gel durcheinandersangen. Dann ein Bade- und Fischf&auml;ngerkleid, aus allen Fischh&auml;uten der Welt so zusammengen&auml;ht, dass man einen ganzen Walfisch- und H&auml;ringsfang darauf sah. Dann ein Gartenkleid der Frau Dickedull, worauf alle Arten von Blumen und Kr&auml;utern, Salat und Gem&uuml;s abgebildet war. Was aber alles &uuml;bertraf, war die Bettdecke; sie war von lauter Fledermauspelzen zusammengen&auml;ht, und alle Sterne des Himmels mit Brillanten darauf gestickt.</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Die k&ouml;nigliche Familie wurde ganz dumm von lauter Betrachten und Bewundern. Witzenspitzel wurde gek&uuml;sst und gedr&uuml;ckt, und seine Feinde platzten bald vor Zorn, dass er wieder so gl&uuml;cklich dem Riesen Labelang entgangen sei.</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Doch lie&szlig;en sie den Mut nicht sinken und setzten dem K&ouml;nig in den Kopf, jetzt fehle ihm nichts mehr als das Schloss des Labelang selber, dann h&auml;tte er alles, was ihm zu w&uuml;nschen &uuml;brig sei, und der K&ouml;nig, der ein rechter Kindskopf war und alles haben wollte, was ihm einfiel, sagte gleich zu Witzenspitzel, er solle ihm das Schloss des Labelang schaffen, dann wolle er ihn belohnen.</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Witzenspitzel besann sich nicht lange und lief zum dritten Mal nach dem Schloss des Labelang. Da er dahin kam, war der Riese nicht zu Hause, und in der Stube h&ouml;rte er etwas schreien wie ein Kalb. Da guckte er durchs Fenster und sah, dass die Riesin Dickedull einen kleinen Riesen auf dem Arm hatte, der bleckte die Z&auml;hne und schrie wie ein Kalb, w&auml;hrend sie dabei Holz hackte.</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Witzenspitzel ging hinein und sagte: &raquo;Guten Tag, gro&szlig;e, sch&ouml;ne, breite, dicke Frau! Wie m&ouml;gt Ihr Euch nur bei dem allerliebsten Kinde so viele Arbeit machen, habt Ihr denn keine Knechte oder M&auml;gde? Wo ist denn Euer lieber Herr Gemahl?&laquo; </font></font> <font face="Verdana" size="3">&ndash; </font><font size="3"> <font face="Verdana">&raquo;Ach!&laquo; sagte die Dickedull, &raquo;mein Mann Labelang ist ausgegangen, die Herrn Gevatter einzuladen, wir wollen einen Schmaus halten; und nun soll ich alles allein kochen und braten, denn mein Mann hat den Wolf und B&auml;ren und Hund, die uns sonst geholfen, totgeschlagen, und der L&ouml;we ist auch fort.&laquo;</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">&raquo;Das ist freilich sehr beschwerlich f&uuml;r Euch&laquo;, sagte Witzenspitzel; &raquo;wenn ich Euch helfen kann, soll es mir lieb sein.&laquo;</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Da bat ihn die Dickedull, er solle ihr nur vier St&uuml;cke Holz kleinmachen, und Witzenspitzel nahm die Axt und sagte zu der Riesin: &raquo;Haltet mir das Holz ein wenig!&laquo; </font></font> <font face="Verdana" size="3">&ndash; Die Riesin b</font><font size="3"><font face="Verdana">&uuml;ckte sich und hielt das Holz: da hob Witzenspitzel die Axt auf, und ratsch hieb er der Dickedull den Kopf ab, und ritsch dem kleinen Riesen Mollakopp auch, und da lagen sie.</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Nun machte er ein gro&szlig;es tiefes Loch gerade vor die T&uuml;re des Schlosses, und warf die Dickedull und Mollakopp hinein und deckte das Loch oben ganz d&uuml;nne mit Zweigen und Bl&auml;ttern zu; dann steckte er in allen Stuben des Schlosses eine Menge Lichter an und nahm einen gro&szlig;en kupfernen Kessel, da paukte er mit Kochl&ouml;ffeln darauf, und nahm einen blechernen Trichter, darauf blies er die Trompete und schrie immer dazwischen: &raquo;Vivat! es lebe Ihro Majest&auml;t, der K&ouml;nig Rundumherum!&laquo; </font></font><font face="Verdana" size="3">&ndash;</font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font face="Verdana" size="3">Als Labelang abends nach Hause kam und die vielen Lichter in seinem Schlo</font><font size="3"><font face="Verdana">ss sah und das Vivatgeschrei h&ouml;rte, ward er ganz rasend vor Zorn und rannte mit solcher Wut gegen die T&uuml;re, dass er, da er &uuml;ber das mit Zweigen bedeckte Loch laufen wollte, durchfiel und mit gro&szlig;em Geschrei in der Grube gefangen lag, welche Witzenspitzel dann mit Erde und Steinen &uuml;ber ihm zuf&uuml;llte.</font></font></span></p>
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Hierauf nahm Witzenspitzel den Schl&uuml;ssel des Riesenschlosses und brachte ihn dem K&ouml;nig Rundumherum, der sich sogleich mit der K&ouml;nigin Flugs und ihrer Tochter, der Prinzessin Flink, und dem Witzenspitzel nach dem Schloss begab und alles betrachtete. Nachdem sie vierzehn Tage an allen den vielen Stuben, Kammern, Kellerl&ouml;chern, Dachluken, Ofenl&ouml;chern, Feueressen, K&uuml;chenherden, Holzst&auml;llen, Speisekammern, Rauchkammern und Waschk&uuml;chen und dergleichen betrachtet hatten und fertig waren, fragte der K&ouml;nig den Witzenspitzel, was er zur Belohnung f&uuml;r seine treuen Dienste haben wollte: da sagte er, die Prinzessin Flink, und die war es auch zufrieden; da wurde Hochzeit gehalten, und Witzenspitzel und die Prinzessin Flink blieben auf dem Riesenschlo&szlig; wohnen, wo sie bis auf diesen Tag zu suchen sind.</font></font></span></p>
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<link>https://www.internet-maerchen.de/maerchen/witzenspitzel.htm</link>
<author>INTERNET-MAERCHEN.DE</author>
<category>M&#228;rchen</category>
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<pubDate>Mon, 10 Jan 2022 20:11:00 GMT</pubDate>
</item>

<item>
<title>M&#228;rchenletter Dezember 2021</title>
<description><![CDATA[<p>
	<strong><span style="font-size: 14px;">Die Bescherung</span></strong></p>
<p>
	<span style="font-size: 12px;">Der Weihnachtsmann putzte seine gro&szlig;en schwarzen Stiefel so blank, dass sich sein l&auml;chelndes Gesicht darin spiegelte. &bdquo;Heiligabend muss ich sehr gut aussehen&ldquo;, sagte der Weihnachtsmann. &bdquo;Auch wenn ich am Weihnachtstag ganz mit Ru&szlig; beschmiert bin.&ldquo; Er zog sich die Stiefel und den roten Mantel an. &bdquo;Los geht&rsquo;s&ldquo;, sagte er.<br />
	Herr Gr&uuml;n war sein Helfer. Er war gro&szlig; und d&uuml;nn und trug ein Gewand aus Stechpalmenbl&auml;ttern. Herr Gr&uuml;n suchte seinen Hut. Wo war der nur? Er hob Schneefl&ouml;ckchen, die Katze, hoch. Da war sein Hut! Schnell b&uuml;rstete er ihn und setzte ihn auf. &bdquo;Los geht&rsquo;s!&ldquo; sagte Herr Gr&uuml;n.<br />
	Drau&szlig;en warfen die Rentiere die K&ouml;pfe hin und her und stampften mit den Hufen. Sie konnten es nicht erwarten! So aufregend war es in keiner anderen Nacht. Der Weihnachtsmann und Herr Gr&uuml;n beluden den Schlitten mit Spielzeug. Bald war der Schlitten vollgepackt. &bdquo;Los geht&rsquo;s!&ldquo; sagten alle.<br />
	Herr Gr&uuml;n sa&szlig; neben dem Weihnachtsmann und sah auf die Karte. Endlich sch&uuml;ttelte der Weihnachtsmann die Z&uuml;gel, und der Schlitten erhob sich in die Nacht. Es war Vollmond, die Sterne blinkten hell am Himmel. &bdquo;Ein richtiger Heiligabend&ldquo;, sagte der Weihnachtsmann. Die Rentiere nickten, und die Schlittengl&ouml;ckchen klingelten in der eisigen Luft.<br />
	Bald erreichten sie das erste Haus. Der Weihnachtsmann kletterte den Schornstein hinunter. Er lass den Wunschzettel, der am Kamin hing. &bdquo;Anna w&uuml;nscht sich einen Teddy und eine Uhr&ldquo;, rief er den Schacht hinauf. Herr Gr&uuml;n suchte in den S&auml;cken und fand die richtigen Geschenke. Er reichte sie hinunter, und der Weihnachtsmann steckte alles in die Str&uuml;mpfe.<br />
	Als der Weihnachtsmann Peters Schornstein hinabkletterte, fiel er in einen riesigen Sack, der vor den Kamin gespannt war. &bdquo;Nanu!&ldquo; rief der Weihnachtsmann &uuml;berrascht. Er strampelte sich frei und verwickelte sich dabei in die l&auml;ngste Wunschliste, die er je gesehen hatte. &bdquo;Na, so ein gieriger Junge&ldquo;, sagte er. &bdquo;Wenn ich ihm alle W&uuml;nsche erf&uuml;lle, bekommen andere Kinder gar nichts.&ldquo;<br />
	&bdquo;Gib mir mal den Sack&ldquo;, sagte Herr Gr&uuml;n. Er fand ein N&auml;hk&auml;stchen und machte sich ans Werk. Schnipp, schnapp, machte die Schere. Rein und raus ging die Nadel. Endlich hielt Herr Gr&uuml;n einen winzigen Strumpf hoch, den er aus dem riesigen Sack geschnitten hatte. &bdquo;Der ist bestimmt gerade gro&szlig; genug f&uuml;r ein einziges Geschenk&ldquo;, sagte er.<br />
	Dann landete der Schlitten auf einem krummen H&auml;uschen. Die T&uuml;r bog sich in eine Richtung, das Fenster in die andere. Sogar der Schornstein war verdreht, so wie ein Korkenzieher. Bevor der Weihnachtsmann hinunterging, holte er tief Luft. Doch schon bald steckte er fest. &bdquo;Hilfe! Hilfe!&ldquo; schrie er.<br />
	Herr Gr&uuml;n zog. Die Rentiere zogen. Wie einen Korken zogen sie den Weihnachtsmann heraus. &bdquo;Was sollen wir tun?&ldquo; fragte er. Herr Gr&uuml;n holte eine Angelrute vom Schlitten. Er warf die Schnur den Schornstein hinab, dann fischte er einen gelben Strumpf heraus. &bdquo;Paul w&uuml;nscht sich eine Uhr&ldquo;, sagte Herr Gr&uuml;n. Der Weihnachtsmann f&uuml;llte den Strumpf und lie&szlig; ihn hinunter.<br />
	Weiter ging es durch die Nacht, von einem Kamin zum n&auml;chsten, von Strumpf zu Strumpf. Endlich kamen sie zum letzten Haus. Da wohnten die Zwillinge Karin und Jan. Herr Gr&uuml;n suchte zwischen den S&auml;cken. &bdquo;Weihnachtsmann&ldquo;, rief Herr Gr&uuml;n den Schornstein hinunter, &bdquo;die Geschenke sind leider ausgegangen!&ldquo;<br />
	Der Weihnachtsmann half suchen. &bdquo;Das gibt es doch gar nicht!&ldquo; sagte er. &bdquo;Dem Weihnachtsmann d&uuml;rfen die Geschenke nicht ausgehen. Herr Gr&uuml;n, was sollen wir machen? Karin und Jan finden morgen nichts im Strumpf.&ldquo; Beide setzten sich auf das Dach und dachten angestrengt nach.<br />
	&bdquo;Was w&uuml;nschen sich die Zwillinge denn?&ldquo; fragte Herr Gr&uuml;n. Der Weihnachtsmann las den Wunschzettel und klatschte in die H&auml;nde. &bdquo;Lesen Sie mal, Herr Gr&uuml;n!&ldquo; Herr Gr&uuml;n setzte sich die Brille auf. &bdquo;Lieber Weihnachtsmann&ldquo;, las er, &bdquo;unser Vater hat einen Spielzeugladen, wir brauchen nichts. Aber d&uuml;rfen wir bitte einmal mit dem Schlitten fahren? Von Karin und Jan.&ldquo;<br />
	Das war ein Spa&szlig; f&uuml;r Karin und Jan! Sie hielten abwechselnd die Z&uuml;gel und fuhren dreimal um die Stadt. Sie sahen die H&auml;user ihrer Freunde und Omas H&auml;uschen am See. Zum Schluss landeten sie auf dem eigenen Dach. Die Zwillinge winkten zum Abschied und klingelten mit den Schlittengl&ouml;ckchen, die der Weihnachtsmann ihnen gegeben hatte. Diesen Heiligabend w&uuml;rden sie nie vergessen.</span></p>
]]></description>
<link>https://internet-maerchen.de/weihnachten/bescherung.htm</link>
<author>INTERNET-MAERCHEN.DE</author>
<category>M&#228;rchen</category>
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<pubDate>Mon, 13 Dec 2021 22:11:00 GMT</pubDate>
</item>

<item>
<title>M&#228;rchenletter November 2021</title>
<description><![CDATA[<div class="ptW7te" role="region">
	<p>
		<span style="font-size: 14px;"><b><span>Der goldene Vogel</span></b></span></p>
	<p>
		<span style="font-size: 14px;"><span>Es war vorzeiten ein K&ouml;nig, der hatte einen sch&ouml;nen Lustgarten hinter seinem Schlosse, darin stand ein Baum, der goldene &Auml;pfel trug. Als die &Auml;pfel reiften, wurden sie gez&auml;hlt, aber gleich den n&auml;chsten Morgen fehlte einer. Das ward dem K&ouml;nig gemeldet, und er befahl, dass alle N&auml;chte unter dem Baume sollte</span></span><br />
		&nbsp;</p>
	<hr />
	<p>
		<span style="font-size: 14px;"><span>Werbung</span></span></p>
	<p>
		<span style="font-size: 16px;"><span><a data-saferedirecturl="https://www.google.com/url?hl=de&amp;q=https://youtu.be/vH-_S2LU7BU&amp;source=gmail&amp;ust=1638224107090000&amp;usg=AFQjCNF54uPaS8dbHNjt6W6iSjoyP53Arg" href="https://youtu.be/vH-_S2LU7BU" rel="nofollow" target="_blank">Lie liest vor - Der goldene Vogel</a></span></span><span style="font-size: 14px;"><span></span></span></p>
	<hr />
	<br />
	<p>
		<span style="font-size: 14px;"><span>Wache gehalten werden. Der K&ouml;nig hatte drei S&ouml;hne, davon schickte er den &auml;ltesten bei einbrechender Nacht in den Garten; wie es aber Mitternacht war, konnte er sich des Schlafes nicht erwehren, und am n&auml;chsten Morgen fehlte wieder ein Apfel. In der folgenden Nacht musste der zweite Sohn wachen, aber dem erging es nicht besser; als es zw&ouml;lf geschlagen hatte, schlief er ein, und morgens fehlte ein Apfel. Jetzt kam die Reihe zu wachen an den dritten Sohn, der war auch bereit, aber der K&ouml;nig traute ihm nicht viel zu und meinte, er w&uuml;rde noch weniger ausrichten als seine Br&uuml;der; endlich aber gestattete er es doch. Der J&uuml;ngling legte sich also unter den Baum, wachte und lie&szlig; den Schlaf nicht Herr werden. Als es zw&ouml;lf schlug, rauschte etwas durch die Luft, und er sah im Mondschein einen Vogel daher fliegen, dessen Gefieder ganz von Gold gl&auml;nzte. Der Vogel lie&szlig; sich auf dem Baume nieder und hatte eben einen Apfel abgepickt, als der J&uuml;ngling einen Pfeil nach ihm abschoss. Der Vogel entflog, aber der Pfeil hatte sein Gefieder getroffen und eine seiner goldenen Federn fiel herab. Der J&uuml;ngling hob sie auf, brachte sie am andern Morgen dem K&ouml;nig und erz&auml;hlte ihm, was er in der Nacht gesehen hatte. Der K&ouml;nig versammelte seinen Rat, und jedermann erkl&auml;rte, eine Feder wie diese sei mehr wert als das gesamte K&ouml;nigreich. &quot;Ist die Feder so kostbar&quot;, erkl&auml;rte der K&ouml;nig, &quot;so hilft mir auch die eine nichts, sondern ich will und muss den ganzen Vogel haben.&quot; </span></span></p>
	<p>
		<span style="font-size: 14px;"><span>Der &auml;lteste Sohn machte sich auf den Weg, verlie&szlig; sich auf seine Klugheit und meinte, den goldenen Vogel schon zu finden. Als er eine Strecke gegangen war, sah er an dem Rande eines Waldes einen Fuchs sitzen, legte seine Flinte an und zielte auf ihn. Der Fuchs rief: &quot;Schie&szlig;&#39; mich nicht, ich will dir daf&uuml;r einen guten Rat geben. Du bist auf dem Wege zu dem goldenen Vogel und wirst heute abend in ein Dorf kommen, wo zwei Wirtsh&auml;user einander gegen&uuml;berstehen. Eins ist hell erleuchtet, und es geht darin lustig her; da kehr&#39; aber nicht ein, sondern geh&#39; ins andere, wenn es dich auch schlecht ansieht.&quot; - &quot;Wie kann mir wohl so ein albernes Tier einen vern&uuml;nftigen Rat erteilen!&quot; dachte der K&ouml;nigssohn und dr&uuml;ckte los, aber er fehlte den Fuchs, der den Schwanz streckte und schnell in den Wald lief. Darauf setzte er seinen Weg fort und kam abends in das Dorf, wo die beiden Wirtsh&auml;user standen: in dem einen ward gesungen und gesprungen, das andere hatte ein armseliges, betr&uuml;btes Ansehen. &quot;Ich w&auml;re wohl ein Narr&quot;, dachte er, &quot;wenn ich in das lumpige Wirtshaus ginge und das sch&ouml;ne liegen lie&szlig;e.&quot; Also ging er in das lustige ein, lebte da in Saus und Braus und verga&szlig; den Vogel, seinen Vater und alle guten Lehren. </span></span></p>
	<p>
		<span style="font-size: 14px;"><span>Als eine Zeit verstrichen und der &auml;lteste Sohn immer und immer nicht nach Hause gekommen war, machte sich der zweite auf den Weg und wollte den goldenen Vogel suchen. Wie dem &auml;ltesten begegnete ihm der Fuchs und gab ihm den guten Rat, den er nicht achtete. Er kam zu den beiden Wirtsh&auml;usern, wo am Fenster des einen, aus dem der Jubel erschallte, sein Bruder stand und ihn anrief. Er konnte nicht widerstehen, ging hinein und lebte nur seinem Vergn&uuml;gen. </span></span></p>
	<p>
		<span style="font-size: 14px;"><span>Wiederum verstrich eine Zeit, da wollte der j&uuml;ngste K&ouml;nigssohn ausziehen und sein Heil versuchen; der Vater aber wollte es nicht zulassen. &quot;Es ist vergeblich&quot;, sprach er, &quot;der wird den goldenen Vogel noch weniger finden als seine Br&uuml;der, und wenn ihm ein Ungl&uuml;ck zust&ouml;&szlig;t, wei&szlig; er sich nicht zu helfen; es fehlt ihm am Besten.&quot; Doch endlich, wie er keine Ruhe gab, lie&szlig; er ihn ziehen. Vor dem Walde sa&szlig; wieder der Fuchs, bat um sein Leben und erteilte den guten Rat. Der J&uuml;ngling war gutm&uuml;tig und sagte: &quot;Sei ruhig, F&uuml;chslein, ich tue dir nichts zuleide.&quot; - &quot;Es soll dich nicht gereuen&quot;, antwortete der Fuchs, &quot;und damit du schneller fortkommst, steig&#39; hinten auf meinen Schwanz.&quot; Und kaum hatte er sich aufgesetzt, so fing der Fuchs an zu laufen, und da ging&#39;s &uuml;ber Stock und Stein, dass die Haare im Winde pfiffen. Als sie zu dem Dorfe kamen, stieg der J&uuml;ngling ab, befolgte den guten Rat und kehrte, ohne sich umzusehen, in dem geringen Wirtshaus ein, wo er ruhig &uuml;bernachtete. Am andern Morgen, als er auf das Feld kam, sa&szlig; da schon der Fuchs und sagte: &quot;Ich will dir weiter sagen, was du zu tun hast. Geh&#39; du immer geradeaus; endlich wirst du an ein Schloss kommen, vor dem eine ganze Schar Soldaten liegt, aber k&uuml;mmere dich nicht darum, denn sie werden alle schlafen und schnarchen; geh&#39; mitten durch und geradewegs in das Schloss hinein, und geh&#39; durch alle Stuben; zuletzt wirst du in eine Kammer kommen, wo ein goldener Vogel in einem h&ouml;lzernen K&auml;fig h&auml;ngt. Nebenan steht ein leerer Goldk&auml;fig zum Prunk; aber h&uuml;te dich, dass du den Vogel nicht aus seinem schlechten K&auml;fig herausnimmst und in den pr&auml;chtigen tust, sonst m&ouml;chte es dir schlimm ergehen.&quot; Nach diesen Worten streckte der Fuchs wieder seinen Schwanz aus, und der K&ouml;nigssohn setzte sich auf; da ging&#39;s &uuml;ber Stock und Stein, dass die Haare im Winde pfiffen. Als er bei dem Schlusse angelangt war, fand er alles so, wie der Fuchs gesagt hatte. Der K&ouml;nigssohn kam in die Kammer, wo der goldene Vogel in einem h&ouml;lzernen K&auml;fig sa&szlig;, und ein goldener stand daneben; die drei goldenen &Auml;pfel aber lagen in der Stube umher. Da dachte er, es w&auml;re l&auml;cherlich, wenn er den sch&ouml;nen Vogel in dem gemeinen und h&auml;sslichen K&auml;fig lassen wollte, &ouml;ffnete die T&uuml;r, packte ihn und setzte ihn iii den goldenen. In dem Augenblick aber tat der Vogel einen durchdringenden Schrei. Die Soldaten erwachten, st&uuml;rzten herein und f&uuml;hrten ihn ins Gef&auml;ngnis. Den andern Morgen wurde er vor ein Gericht gestellt, und da er alles bekannte, zum Tode verurteilt. Doch sagte der K&ouml;nig, er wollte ihm unter einer Bedingung das Leben schenken, wenn er ihm n&auml;mlich das goldene Pferd br&auml;chte, das noch schneller liefe als der Wind, und dann sollte er obendrein zur Belohnung den goldenen Vogel erhalten.</span></span></p>
	<p>
		<span style="font-size: 14px;"><span>Der K&ouml;nigssohn machte sich auf den Weg, seufzte aber und war traurig, denn wo sollte er das goldene Pferd finden! Da sah er auf einmal seinen alten Freund, den Fuchs, am Wege sitzen. &quot;Siehst du&quot;, sprach der Fuchs, &quot;so ist es gekommen, weil du nicht auf mich geh&ouml;rt hast. Doch sei guten Mutes, ich will mich deiner annehmen und dir sagen, wie du zu dem goldenen Pferde gelangst. Du musst geradeswegs fortgehen, so wirst du zu einem Schlosse kommen, wo das Pferd im Stalle steht. Vor dem Stalle werden die Stallknechte liegen, aber sie werden schlafen und schnarchen, und du kannst ruhig das goldene Pferd herausf&uuml;hren. Aber eins musst du in acht nehmen: Leg&#39; ihm den schlechten Sattel von Holz und Leder auf und ja nicht den goldenen, der dabei h&auml;ngt, sonst wird es dir schlimm ergehen.&quot; Dann streckte der Fuchs seinen Schwanz aus, der K&ouml;nigssohn setzte sich auf, und es ging fort &uuml;ber Stock und Stein, dass die Haare im Winde pfiffen. Alles traf so ein, wie der Fuchs gesagt hatte. Er kam in den Stall, wo das goldene Pferd stand; als er ihm aber den schlechten Sattel auflegen wollte, dachte er: &quot;Ein so sch&ouml;nes Tier wird versch&auml;ndet, wenn ich ihm nicht den guten Sattel auflege, der ihm geb&uuml;hrt.&quot; Kaum aber ber&uuml;hrte der goldene Sattel das Pferd, so fing es an, laut zu wiehern. Die Stallknechte erwachten, ergriffen den J&uuml;ngling und warfen ihn ins Gef&auml;ngnis. Am andern Morgen wurde er vom Gericht zum Tode verurteilt; doch versprach ihm der K&ouml;nig das Leben zu schenken und dazu das goldene Pferd, wenn er die sch&ouml;ne K&ouml;nigstochter vom goldenen Schlusse herbeischaffen k&ouml;nnte.</span></span></p>
	<p>
		<span style="font-size: 14px;"><span>Mit schwerem Herzen machte sich der J&uuml;ngling auf den Weg, doch zu seinem Gl&uuml;cke fand er bald den treuen Fuchs. &quot;Ich sollte dich nur deinem Ungl&uuml;ck &uuml;berlassen&quot;, sagte der Fuchs, &quot;aber ich habe Mitleiden mit dir und will dir noch einmal aus deiner Not helfen. Dein Weg f&uuml;hrt dich gerade zu dem goldenen Schlosse: </span></span></p>
	<p>
		<span style="font-size: 14px;"><span>abends wirst du anlangen, und nachts, wenn alles still ist, dann geht die sch&ouml;ne K&ouml;nigstochter ins Badehaus, um da zu baden. Und wenn sie hineingeht, so spring auf sie zu und gib ihr einen Kuss, dann folgt sie dir, und du kannst sie mit dir wegf&uuml;hren; nur dulde nicht, dass sie vorher von ihren Eltern Abschied nimmt, sonst kann es dir schlimm ergehen.&quot; Dann streckte der Fuchs seinen Schwanz, der K&ouml;nigssohn setzte sich auf, und fort ging&#39;s &uuml;ber Stock und Stein, dass die Haare im Winde pfiffen. Als er beim goldenen Schlosse ankam, war es so, wie der Fuchs gesagt hatte. Er wartete bis um Mitternacht; und als alles in tiefem Schlafe lag und die sch&ouml;ne Jungfrau ins Badehaus ging, da sprang er hervor und gab ihr einen Kuss. Sie sagte, sie wollte gerne mit ihm gehen, bat ihn aber flehentlich und mit Tr&auml;nen, er m&ouml;chte ihr erlauben, vorher von ihren Eltern Abschied zu nehmen. Er widerstand anf&auml;nglich ihren Bitten; als sie aber immer mehr weinte und ihm zu F&uuml;&szlig;en fiel, gab er endlich nach. Kaum aber war die Jungfrau zu dem Bette ihres Vaters getreten, so wachte er und alle andern, die im Schlusse waren, auf, und der J&uuml;ngling ward festgehalten und ins Gef&auml;ngnis gesetzt. Am andern Morgen sprach der K&ouml;nig zu ihm: &quot;Dein Leben ist verwirkt, und du kannst blo&szlig; Gnade finden, wenn du den Berg abtr&auml;gst, der vor meinen Fenstern liegt und &uuml;ber den ich nicht hinaussehen kann, und das musst du binnen acht Tagen zustande bringen. Gelingt dir das, so sollst du meine Tochter zur Belohnung haben.&quot; Der K&ouml;nigssohn fing an, grub und schaufelte, ohne abzulassen; als er aber nach sieben Tagen sah, wie wenig er ausgerichtet hatte und alle seine Arbeit so gut wie nichts war, fiel er in gro&szlig;e Traurigkeit und gab alle Hoffnung auf. Am Abend des siebenten Tages aber erschien der Fuchs und sagte:</span></span></p>
	<p>
		<span style="font-size: 14px;"><span>&quot;Du verdienst nicht, dass ich mich deiner annehme, aber geh&#39; nur hin und lege dich schlafen, ich will die Arbeit f&uuml;r dich tun.&quot; Am andern Morgen, als er erwachte und zum Fenster hinaussah, war der Berg verschwunden. Der J&uuml;ngling eilte voll Freude zum K&ouml;nig und meldete ihm, dass die Bedingung erf&uuml;llt w&auml;re, und der K&ouml;nig mochte wollen oder nicht, er musste Wort halten und ihm seine Tochter geben. </span></span></p>
	<p>
		<span style="font-size: 14px;"><span>Nun zogen die beiden zusammen fort, und es w&auml;hrte nicht lange, so kam der treue Fuchs zu ihnen. &quot;Das Beste hast du zwar&quot;, sagte er, &quot;aber zu der Jungfrau aus dem goldenen Schlosse geh&ouml;rt auch das goldene Pferd.&quot; - &quot; Wie soll ich das bekommen?&quot; fragte der J&uuml;ngling. - &quot;Das will ich dir sagen&quot;, antwortete der Fuchs, &quot;zuerst bring&#39; dem K&ouml;nige, der dich nach dem goldenen Schlosse geschickt hat, die sch&ouml;ne Jungfrau. Da wird unerh&ouml;rte Freude sein, sie werden dir das goldene Pferde gern geben und werden dir&#39;s vorf&uuml;hren. Setz&#39; dich alsbald auf und reiche allen zum Abschied die Hand herab, zuletzt der sch&ouml;nen Jungfrau, und wenn du sie gefasst hast, zieh&#39; sie mit einem Schwunge hinauf und jage davon; und niemand ist imstande, dich einzuholen, denn das Pferd l&auml;uft schneller als der Wind.&quot;<br />
		</span></span></p>
	<p>
		<span style="font-size: 14px;"><span>Alles wurde gl&uuml;cklich vollbracht, und der K&ouml;nigssohn f&uuml;hrte die sch&ouml;ne Jungfrau auf dem goldenen Pferde fort. Der Fuchs blieb nicht zur&uuml;ck und sprach zu dem J&uuml;ngling: &quot;Jetzt will ich dir auch zu dem goldenen Vogel verhelfen, Wenn du nahe bei dem Schlosse bist, wo sich der Vogel befindet, so lass&#39; die Jungfrau absitzen, und ich will sie in meine Obhut nehmen. Dann reit&#39; mit dem goldenen Pferd in den Schlosshof; bei dem Anblick wird gro&szlig;e Freude sein, und sie werden dir den Vogel herausbringen. Sobald du den K&auml;fig in der Hand hast, jage zu uns zur&uuml;ck und hole dir die Jungfrau wieder ab.&quot; Als der Anschlag gegl&uuml;ckt war und der K&ouml;nigssohn mit den Sch&auml;tzen heimreiten wollte, sagte der Fuchs: &quot;Nun sollst du mich f&uuml;r meinen Beistand belohnen. - &quot;Was verlangst du daf&uuml;r?&quot; fragte der J&uuml;ngling. &quot;Wenn wir dort in den Wald kommen, schie&szlig;&#39; mich tot&#39; und hau mir Kopf und Pfoten ab!&quot; - &quot;Das w&auml;re eine sch&ouml;ne Dankbarkeit&quot;, sagte der K&ouml;nigssohn, &quot;das kann ich dir unm&ouml;glich gew&auml;hren.&quot; Sprach der Fuchs: </span></span></p>
	<p>
		<span style="font-size: 14px;"><span>&quot;Wenn du es nicht tun willst, so muss ich dich verlassen; ehe ich aber fortgehe, will ich dir noch einen guten Rat geben. Vor zwei St&uuml;cken h&uuml;te dich: Kauf&#39; kein Galgenfleisch und setze dich an keinen Brunnenrand.&quot; Damit lief er in den Wald.<br />
		</span></span></p>
	<p>
		<span style="font-size: 14px;"><span>Der J&uuml;ngling dachte: &quot;Das ist ein wunderliches Tier, das seltsame Grillen hat. Wer wird Galgenfleisch kaufen? Und die Lust, mich an einen Brunnenrand zu setzen, ist mir noch niemals gekommen. Er ritt mit der sch&ouml;nen Jungfrau weiter, und sein Weg f&uuml;hrt&quot; ihn wieder durch das Dorf, wo seine beiden Br&uuml;der geblieben waren. Da war gro&szlig;er Auflauf und L&auml;rmen, und als er fragte, was da vorginge, hie&szlig; es, es sollten zwei Leute aufgeh&auml;ngt werden. Als er n&auml;her hinzukam, sah er, dass es seine Br&uuml;der waren, die allerhand schlimme Streiche ver&uuml;bt und all ihr Gut vertan hatten. Er fragte, ob sie nicht k&ouml;nnten freigemacht werden. &quot;Wenn Ihr f&uuml;r sie bezahlen wollt&quot;, antworteten die Leute, &quot;aber was wollt Ihr an die schlechten Menschen Euer Geld h&auml;ngen und sie loskaufen!&quot; Er besann sich aber nicht, zahlte f&uuml;r sie, und als sie freigegeben waren, setzten sie die Reise gemeinschaftlich fort.</span></span></p>
	<p>
		<span style="font-size: 14px;"><span>Sie kamen in den Wald, wo ihnen der Fuchs zuerst begegnet war, und da es k&uuml;hl und lieblich darin war und die Sonne hei&szlig; brannte, sagten die beiden Br&uuml;der: &quot;Lass uns hier an dem Brunnen ein wenig ausruhen, essen und trinken!&quot; Er willigte ein, und w&auml;hrend des Gespr&auml;chs verga&szlig; er sich, setzte sich an den Brunnenrand und versah sich nichts Arges. Aber die beiden Br&uuml;der warfen ihn r&uuml;ckw&auml;rts in den Brunnen, nahmen die Jungfrau, das Pferd und den Vogel und zogen heim zu ihrem Vater. &quot;Da bringen wir nicht blo&szlig; den goldenen Vogel&quot;, sagten sie, &quot;wir haben auch das goldene Pferd und die Jungfrau von dem goldenen Schlosse erbeutet.&quot; Da war gro&szlig;e Freude, aber das Pferd, das fra&szlig; nicht, der Vogel pfiff nicht, und die Jungfrau, die sa&szlig; und weinte. Der j&uuml;ngste Bruder war aber nicht umgekommen. Der Brunnen war zum Gl&uuml;ck trocken, und er fiel auf weiches Moos, ohne Schaden zu nehmen, konnte aber nicht wieder heraus. Auch in dieser Not verlie&szlig; ihn der treue Fuchs nicht, kam zu ihm herabgesprungen und schalt ihn, dass er seinen Rat vergessen h&auml;tte. &quot;Ich kann&#39;s aber doch nicht lassen&quot;, sagte er, &quot;ich will dir wieder ans Tageslicht helfen.&quot; Er sagte ihm, er sollte seinen Schwanz anpacken und sich daran festhalten, und zog ihn dann in die H&ouml;he. &quot;Noch bist du nicht aus aller Gefahr&quot;, sagte der Fuchs, &quot;deine Br&uuml;der waren deines Todes nicht gewiss und haben den Wald mit W&auml;chtern umstellt, sie sollen dich t&ouml;ten, wenn du dich sehen lie&szlig;est.&quot; Da sa&szlig; ein armer Mann am Wege, mit dem vertauschte der J&uuml;ngling die Kleider und gelangte auf diese Weise an des K&ouml;nigs Hof. Niemand erkannte ihn, aber der Vogel fing an zu pfeifen, das Pferd fing an zu fressen, und die sch&ouml;ne Jungfrau h&ouml;rte mit Weinen auf. Der K&ouml;nig fragte verwundert: &quot;Was hat das zu bedeuten?&quot; Da sprach die Jungfrau: &quot;Ich wei&szlig; es nicht, aber ich war so traurig, und nun bin ich so fr&ouml;hlich. Es ist mir, als w&auml;re mein rechter Br&auml;utigam gekommen.&quot; Sie erz&auml;hlte ihm alles, was geschehen war, obgleich ihr die andern Br&uuml;der den Tod angedroht hatten, wenn sie etwas verraten w&uuml;rde. Der K&ouml;nig hie&szlig; alle Leute vor sich bringen, die in seinem Schlosse waren; da kam auch der J&uuml;ngling als ein armer Mann in seinen Lumpenkleidern, aber die Jungfrau erkannte ihn gleich und fiel ihm um den Hals. Die gottlosen Br&uuml;der wurden ergriffen und hingerichtet, er aber wurde mit der sch&ouml;nen Jungfrau verm&auml;hlt und zum Erben des K&ouml;nigs bestimmt.</span></span></p>
	<p>
		<span style="font-size: 14px;"><span>Aber wie ist es dem armen Fuchs ergangen? Lange danach ging der K&ouml;nigssohn einmal wieder in den Wald, da begegnete ihm der Fuchs und sagte: &quot;Du hast nun alles, was du dir w&uuml;nschen kannst, aber mit meinem Ungl&uuml;ck will es kein Ende nehmen, und es steht doch in deiner Macht, mich zu erl&ouml;sen.&quot; Und abermals bat er flehentlich, er m&ouml;chte ihn totschie&szlig;en und ihm Kopf und Pfoten abhauen. Also tat er&#39;s, und kaum war es geschehen, so verwandelte sich der Fuchs in einen Menschen, und war niemand anders als der Bruder der sch&ouml;nen K&ouml;nigstochter, der endlich von dem Zauber, der auf ihm lag, erl&ouml;st war, und nun fehlte nichts mehr zu ihrem Gl&uuml;cke, solange sie lebten.</span></span></p>
</div>
]]></description>
<link>https://internet-maerchen.de/maerchen/goldene_Vogel.htm</link>
<author>INTERNET-MAERCHEN.DE</author>
<category>M&#228;rchen</category>
<category>maerchenletter</category>
<guid  isPermaLink="false">81cd7977-f005-4b3b-a1a7-7929210cd7cf</guid>
<pubDate>Mon, 08 Nov 2021 22:17:00 GMT</pubDate>
</item>

<item>
<title>M&#228;rchenletter Oktober 2021</title>
<description><![CDATA[<p align="center">
	<span style="font-size: 16px;">Der fliegende Holl&auml;nder</span><br />
	Heinrich Smidt</p>
<hr />
<p>
	Hoch auf den Wellen bewegte sich still und unheimlich der m&auml;chtige Rumpf eines Ostindien-Fahrers, der sich der Tafelbai gegen&uuml;ber befand.</p>
<p>
	Seit drei Tagen k&auml;mpfte er vergebens mit einer Windstille. Die kaum gef&uuml;llten Obersegel brachten ihn nur wenig von der Stelle, und die heftige Str&ouml;mung des Meeres trieb ihn unwiderstehlich seitw&auml;rts.</p>
<p align="center">
	&nbsp;</p>
<p>
	Hundert Augen hingen an der blauen Himmelsdecke, ob nicht irgendwo ein W&ouml;lkchen zu ersp&auml;hen sei, von dem man die Rettung aus der stets wachsenden Gefahr erhoffen k&ouml;nne; aber die war klar und durchsichtig und spiegelte sich in dem glatten Meer wider.</p>
<p>
	Ein tr&uuml;ber Geist des Unmuts, der noch eine verborgenere Ursache als den der Windstille hatte, beherrschte das Schiff, das den stolzen Namen &rsaquo;Gelderland&lsaquo; f&uuml;hrte und der Stolz der holl&auml;ndisch-ostindischen Handelsflotte war. Der b&ouml;se Geist, der den Frieden aus seinen Kaj&uuml;ten und von seinem Verdeck verjagt hatte, war der Kapit&auml;n desselben, Mynheer Claas van Belem, ein stolzer, herrschs&uuml;chtiger Mann mit einem versteinerten Herzen und einem belasteten Gewissen. Die Offiziere gingen lautlos auf und ab und warfen verstohlene Blicke nach dem Eingang der Kaj&uuml;te, f&uuml;rchtend, dass ihr Oberhaupt erscheinen werde. Die Matrosen lie&szlig;en sich gar nicht sehen; sie hockten hinter den Booten, dem Spill und den Wasserf&auml;ssern und fl&uuml;sterten sich scheu und verstohlen ihre Bemerkungen und Bef&uuml;rchtungen zu.</p>
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	Ein alter, b&auml;rtiger Matrose, der dreimal sieben Jahre auf Ostindien gefahren war, lag auf dem Bugspriet in dem Netz des Stagsegels und schaute auf einen j&uuml;ngeren Genossen, der dicht unter ihm auf der blinden Rah sa&szlig;. &raquo;Wir gehen hier vielem Ungl&uuml;ck aus dem Wege&laquo;, sprach der junge Seemann von unten herauf. &raquo;Der Dienst auf dem Bugspriet hat sein Gutes. Das auswehende Jacksegel macht, dass wir vom Deck aus nicht gesehen werden k&ouml;nnen, und das Rauschen vor dem Bug &uuml;bert&ouml;nt unsere Worte. Wir k&ouml;nnen ohne Scheu miteinander reden.&laquo;</p>
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	&raquo;Bis uns einer &uuml;ber den Hals kommt, der stark genug ist, uns das Maul zu stopfen: uns hier vorne und denen auf dem Quarterdeck. Hier in der Tafelbai ist nimmer etwas Gutes f&uuml;r einen Seemann zu hoffen und der soll seinen Gott preisen, der sie mit leicht gerefften Segeln rasch durchschneidet. Wir liegen nun schon drei Tage darin, ohne von der Stelle zu kommen, und wenn der erscheint, dessen Namen ein frommer Seemann nicht aussprechen soll, ohne ein Gebet herzusagen &ndash;&laquo;</p>
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	&raquo;Ich wei&szlig; schon&laquo;, unterbrach ihn jener. &raquo;Ihr meint Vanderdecken, den Fliegenden Holl&auml;nder.&laquo;</p>
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	&raquo;Still, du Ungl&uuml;cksbursche!&laquo;</p>
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	&raquo;Nun? Ich werde doch wohl von ihm reden k&ouml;nnen? Ist sein Name so gef&auml;hrlich, dass er Euch vergiftet, wenn Ihr ihn in den Mund nehmt? Alles Gl&uuml;ck mit Hollands Flagge! Sie wird ebenso ungest&ouml;rt von unserer Gaffel wehen, wenn Kapit&auml;n Vanderdecken sich tausend Meilen von uns befindet, als wenn er auf Kanonen-Schussweite in unser Kielwasser steuert; denn, mein guter Schiffsmaat, ich muss Euch nur sagen, dass ich von der Geschichte nicht sonderlich viel glaube und sie eher f&uuml;r altes Weibergeklatsche als f&uuml;r Wahrheit halte.&laquo;</p>
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	Der b&auml;rtige Matrose ward blutrot vor Zorn und richtete sich halb auf: &raquo;Die Pest auf deinen Leib, du Hund! Noch einmal sto&szlig;e solche L&auml;sterung aus, und ich gebe dir einen Fu&szlig;tritt, dass du r&uuml;cklings in die See f&auml;llst!&laquo;</p>
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	Der junge Seemann eilte mit gro&szlig;er Schnelle nach dem Au&szlig;enende der Rah und rief: &raquo;Seht zu, ob Ihr mich hier mit Eurem Fu&szlig; zu erreichen verm&ouml;gt!&laquo; Er hielt einige Augenblicke in seiner gef&auml;hrlichen Stellung aus, dann aber schwang er sich wieder einw&auml;rts und sagte: &raquo;Meine Ration Genever sollt Ihr zwei Tage hintereinander haben, wenn Ihr mir sagt, ob etwas an dieser Geschichte mit dem Fliegenden Holl&auml;nder ist, und was Ihr von der Geschichte eigentlich wisst. Denkt nur, zwei Rationen!&laquo;</p>
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	Dieser Versuchung konnte jener nicht widerstehen; er &uuml;berwand seine Furcht vor dem Gespensterschiff und begann: &raquo;War der Kapit&auml;n eins gro&szlig;en und m&auml;chtigen Schiffs, dieser Vanderdecken; reiches Gut im Raum und b&ouml;ses Volk in seinen Kojen. Er selbst war der &Auml;rgste an Bord und raste und tobte w&auml;hrend einer ganzen Reise mit und ohne Ursache. Wenn er aber in seine Kaj&uuml;te hinabstieg, schloss er sich ein.</p>
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	Kein Mensch durfte versuchen, hereinzukommen, wenn ihm sein Leben lieb war, und dann gingen die Gr&auml;uel erst recht an. Er l&auml;rmte und tobte, stampfte mit den F&uuml;&szlig;en und sprach laut vor sich hin, doch so undeutlich, dass man nicht eine Silbe verstehen konnte. Oft erhielt er auch Antwort von einem Dritten, dessen Gegenwart niemand bemerkte, und wenn dieser sprach, war es ein L&auml;rmen, als ob alle Geister der H&ouml;lle zugleich losgelassen w&uuml;rden. Manche wollen sogar gesp&uuml;rt haben, dass es nach h&ouml;llischem Feuer roch. Gewiss ist es, dass nach einem solchen Versuch jedes Mal ein heftiger Sturm folgte, der das Schiff in die gr&ouml;&szlig;te Gefahr brachte. Ging nun Kapit&auml;n Vanderdecken nach einer solchen, vom Teufel unterst&uuml;tzten, Reise vor Anker, dann begab er sich sogleich ans Land und brachte dort alle Teufeleien an, die er unterwegs von dem alten H&ouml;llenburschen gelernt hatte.&laquo;</p>
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	&raquo;So trieb er es wohl nicht besonders in Zucht und Ehren&laquo;, fragte der junge Matrose, &raquo;und es ist am Ende wahr, dass er dem Weibsvolk absonderlich mitgespielt haben soll?&laquo;</p>
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	&raquo;Der Teufel lasse ihm seine Niedertr&auml;chtigkeiten wohl bekommen&laquo;, brummte jener. &raquo;Er b&uuml;&szlig;t sie jetzt ab und wird b&uuml;&szlig;en m&uuml;ssen bis an das Ende aller Tage. Hoch auf den D&uuml;nen der Nordsee und fern von jedem bewohnten Ort hatte er ein gro&szlig;es Haus zum Eigentum, darin trieb er sein Unwesen. Innerhalb der wohlverschlossenen Pforte sa&szlig; ein altes Hexenweib als W&auml;chterin, die war ihm treu ergeben und mit allen boshaften Ratschl&auml;gen schnell bei der Hand. Brachte ihm sein Gevatter Pferdefu&szlig; aus den T&ouml;chtern des Landes einen fetten Bissen zur B&uuml;&szlig;ung seiner b&ouml;sen Lust, dann nahm die Alte sie erst vor und richtete sie geh&ouml;rig ab, damit der gestrenge Gebieter keinen Anlass zur Klage haben sollte. Daf&uuml;r soll der Teufel dieser Alten besonders geneigt gewesen sein und hat versprochen, ihr den ganzen reichen Nachlass des Gebieters zuzuwenden, wenn er diesem eines Tages den Hals umdrehen werde.&laquo;</p>
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	&raquo;Und hat die Hexe diese Erbschaft bekommen?&laquo;</p>
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	&raquo;Nichts hat sie bekommen. Der Teufel sagte, sie solle erben, sobald er dem Vanderdecken den Hals umgedreht habe; aber dieser lebt gewisserma&szlig;en heute noch, und das ist ja eben die Teufelei, dass der Teufel seine eigene Base bei dieser Gelegenheit betrogen hat. Sie ging leer aus und er braucht das erbeutete Gold nun dazu, um unschuldiges Blut in seinen Schlingen zu fangen. Alle Goldst&uuml;cke, welche die ostindische Compagnie uns zeigt, sind solche Teufels-Lockspeise, und das ehrliche Seemannsblut geht richtig in die Falle. Ich f&uuml;r mein Teil bin nun schon viermal hineingeplumst, denn eine Reise nach Batavia ist nichts anderes als ein Kreuzzug nach der H&ouml;lle, von dem Ihr mit leeren Taschen heimkehrt, und der &auml;rgste Streich, den Euch der Teufel spielt, ist der, dass bei der Abrechnung jedes Mal Null mit Null aufgeht und Ihr von Gl&uuml;ck sagen k&ouml;nnt, wenn Ihr eine Handvoll Silbergulden kriegt. Aber um wieder auf den Vanderdecken zu kommen und damit ich meinen Genever ehrlich verdiene: Es wurden in dem alten Hause arge Dinge angestellt und die M&auml;del waren dir so gelehrig, dass sie das tollste Zeug trieben, was nur von ihnen verlangt wurde. Nun dauerte aber eine solche Freude nicht lange, und wenn er einer Dirne satt war, gab er ihr nicht etwa eine Handvoll Gold und schickte sie fort; nein, er drehte ihr den Hals um, damit sie nicht ausplaudern sollte, wie es bei ihm zugehe. Brach dann die Nacht herein, so steckte er, mit Hilfe seiner Hexe, die Leiche in einen gro&szlig;en Sack; sie schleppten diesen an den Strand und warfen ihn in die See. Wenn nun der Sack hineinplumpste, und die See dar&uuml;ber zusammenschlug, lachten die beiden B&ouml;sewichter laut auf, und der Teufel antwortete ihnen von ferne.</p>
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	Einstmals aber nahm das Ding ein unerwartetes Ende. Der Teufel hatte wieder ein kostbares St&uuml;ck f&uuml;r seinen Freund ausgesucht und brachte es ihm. Es war ein M&auml;dchen wie Milch und Blut und das Sch&ouml;nste, was Vanderdecken bisher gesehen hatte. Der Teufel hatte sie geraubt, als sie aus der heiligen Messe kam, in demselben Augenblick, als sie dem harrenden Diener das Messbuch zu tragen gab, denn vorher hatte er keine Macht &uuml;ber sie. Man sagt, die Jungfrau habe in jenem Augenblick an ein gro&szlig;es Kirmesfest gedacht, wo sie ihren Herzallerliebsten treffen sollte; dar&uuml;ber sei ihr Gem&uuml;t in weltliche Dinge versenkt und die Messe vergessen worden. Dies benutzte der Teufel und f&uuml;hrte sie ungesehen nach dem Hause Vanderdeckens. Die alte Hexe gab sich mit dem sch&ouml;nen Kind die allererdenklichste M&uuml;he, aber es wollte ihr nicht gelingen. Alles war vergebens, und wenn die Alte ihr das S&uuml;ndenleben in den sch&ouml;nsten Farben malte, fiel die Jungfrau auf die Knie und betete um Erl&ouml;sung aus diesem Elend. Da erwachte der Zorn der Alten und brach ma&szlig;los &uuml;ber das arme Kind herein. Sie schlug es und eilte zu Vanderdecken, die widerspenstige Dirne bei ihm zu verklagen. Dieser geriet ebenfalls in Wut und rannte nach dem Flur, wo sich das fromme M&auml;gdelein befand, um sie auch zu z&uuml;chtigen. Als er ihrer jedoch ansichtig ward und den Heiligenschein bemerkte, der von ihr ausging, bem&auml;chtigte sich seiner ein sanfteres Gef&uuml;hl, und er suchte sie durch freundliche Worte zu kirren. Aber welche K&uuml;nste er auch versuchen mochte, alles blieb fruchtlos, denn lieber wollte sie ihren Leib mit ihren N&auml;geln zerfleischen als zugeben, dass er ihn mit seinen unheiligen H&auml;nden ber&uuml;hre. Da wurde Vanderdecken noch dreimal zorniger und au&szlig;er sich rief er: &rsaquo;Wenn du der Bitte eines Mannes widerstehst, der sich zum ersten Male zu solcher Feigheit erniedrigte, so wollen wir sehen, was die Gewalt &uuml;ber dich vermag. Steh mir bei, Hexenweib! Wir wollen ihr zeigen, wie dem geschieht, der sich dem Willen Vanderdeckens widersetzt!&lsaquo; Und kaum hatte er diese Worte gesprochen, als beide &uuml;ber das arme Gesch&ouml;pf herfielen und sie j&auml;mmerlich schlugen. Lange ertrug sie diese barbarische Behandlung nicht, sondern sank tot zu den F&uuml;&szlig;en ihrer Peiniger nieder. Dar&uuml;ber verzehrte sich Vanderdecken fast vor Zorn und goss all seine Wut auf den Nacken seiner Hexe aus; dann aber n&auml;hten sie auch dies M&auml;gdelein in einen Sack und trugen es zum Meer.&laquo;</p>
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	&raquo;Das ist eine grauenhafte Geschichte, Schiffsmaat&laquo;, sprach der junge Matrose, sich sch&uuml;ttelnd; &raquo;wie ward es denn weiter?&laquo;</p>
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	Der B&auml;rtige fuhr fort: &raquo;Ich will es zu Ende bringen. Sie schleppten also den Leichnam nach dem Strand und st&uuml;rzten ihn in die See. Diesmal lachten sie nicht dabei, aber desto lauter lachte der Teufel: denn das ist ein feiner Bursche und er mochte wohl merken, dass er seinen Freund Vanderdecken jetzt beim Schopf habe. Kaum aber war das Gel&auml;chter des Teufels verhallt, als man ein helles Klingen vernahm, und obgleich der Himmel von d&uuml;steren Wolken eingeh&uuml;llt war, verbreitete sich doch ein so heller Schein auf dem Meer, als ob es vom Mond beschienen w&uuml;rde. Und in diesem Augenblick tauchte auch die Leiche der frommen Jungfrau aus den Wellen auf, das bleiche Antlitz zu Vanderdecken gewendet und ihm unaufh&ouml;rlich die Worte zurufend: &rsaquo;Folge mir! Folge mir!&lsaquo; Das brachte ihn so sehr au&szlig;er sich, dass er sich kopf&uuml;ber in die See gest&uuml;rzt h&auml;tte, wenn ihn die Hexe nicht mit Gewalt zur&uuml;ckgehalten h&auml;tte, wobei sie vom Teufel t&uuml;chtig unterst&uuml;tzt wurde, denn der hatte ihm ein weit schlimmeres Ende zugedacht. Darum fl&uuml;sterte er dem halb besinnungslosen Kapit&auml;n zu, die Jungfrau sei gar nicht tot, und er k&ouml;nne sie f&uuml;r seine Lust retten, wenn er nur wolle.</p>
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	Kaum hatte der Teufel das gesagt, als auch ein gro&szlig;es Schiff sichtbar wurde, das Vanderdecken bis dahin nicht gesehen hatte, und als er genauer hinsah, entdeckte er, dass es sein eigenes war. Jetzt trieb es ihn an Bord und kaum war er &uuml;ber das Fallreep, so stiegen alle Segel am Mast wie von selbst in die H&ouml;he. Er aber befahl, dem hellen Schein nachzusteuern, der um das Haupt des jungen M&auml;dchens strahle, und den nur er ganz allein erblickte. So trieb er durch die Nordsee, durch den Kanal, am Pic von Teneriffa vor&uuml;ber, durch den weiten Atlantischen Ozean. Die Mannschaft war nicht wenig &uuml;ber eine so schnelle Abreise verwundert gewesen, und die Offiziere wagten es, bescheiden darum zu fragen. Sie aber erhielten keine andere Antwort als Verw&uuml;nschungen und dass ein M&auml;dchenhaupt vor ihnen auf der See herumtanze, das von einem Heiligenschein umgeben sei und das er haben m&uuml;sse. Wenn die M&auml;nner solche &Auml;u&szlig;erungen vernahmen, zuckten sie die Achseln und gingen auf die Seite, denn sie konnten nicht anders glauben, als dass ihr Kapit&auml;n um seinen Verstand gekommen sei, und dachten schon daran, ihn abzusetzen. So erreichten sie nun die Tafelbai, eben den Punkt, wo wir uns befinden und wo &ndash;&laquo;</p>
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	Die Furcht &uuml;bermannte den Erz&auml;hler abermals; er hielt inne und blickte nach allen Seiten um sich.</p>
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	&raquo;Die Sonne sinkt immer tiefer und bald wird es stockfinster sein; dann ist die Zeit, wo der b&ouml;se Vanderdecken sich sehen l&auml;sst, darum la&szlig; uns rasch enden. Er erreichte nun die Tafelbai und hier ging das Ungemach erst recht an; der Wind blies ihm heftig entgegen. Wochen und Monate vergingen, ohne dass er die Bai zu durchschneiden vermochte; bald lag das Schiff &uuml;ber Steuerbords-, bald &uuml;ber Backbords-Halsen, aber immer trieb es w&auml;hrend des einen Ganges ebenso viel r&uuml;ckw&auml;rts, wie es im vorigen gewonnen hatte, und alle M&uuml;he und Arbeit war vergebens gewesen. Da ergriff den Vanderdecken eine ungeheure Wut. Er l&auml;sterte den Namen Gottes und rief: &rsaquo;Nun will ich hier segeln bis an das Ende aller Tage! Soll ich mir selbst ein Schrecken und Grauen sein, will ich es auch f&uuml;r alle diejenigen werden, die in mein Kielwasser steuern, solange der Wind weht und der Hahn kr&auml;ht!&lsaquo; Und kaum hatte er diese Worte gesprochen, als der Hahn, der sich in den H&uuml;hnerhocken befand, &uuml;berlaut zu kr&auml;hen anfing. In demselben Augenblick brach ein heftiger Sturm aus und das Schiff raste, fast auf die Seite geworfen, mit einer solchen Schnelligkeit dahin, wie es noch jetzt die Ungl&uuml;ckskinder sehen, die das Schicksal haben, sein Kielwasser zu schneiden.&laquo;</p>
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	Der junge Seemann, der ein sehr aufmerksamer Zuh&ouml;rer gewesen war, sch&uuml;ttelte sich vor Furcht, denn er hatte schon anderswo geh&ouml;rt, dass derjenige, der des Fliegenden Holl&auml;nders Kielwasser kreuzt, sich selbst den Lebensfaden durchschneidet und leise wiederholte er sich die Worte Vanderdeckens:</p>
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	&raquo;Solange der Wind weht,</p>
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	Und der Hahn kr&auml;ht.&laquo;</p>
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	Die Pfeife des Bootsmanns unterbrach das Gespr&auml;ch der beiden Maaten. Der Wind hatte etwas geraumt, und die Rahen wurden aufgebra&szlig;t. Kaum war die Ordnung wieder hergestellt, als Kapit&auml;n Claas van Belem das Deck der &rsaquo;Gelderland&lsaquo; betrat. Er gr&uuml;&szlig;te seine Offiziere mit einem m&uuml;rrischen Kopfnicken und begann dann nach seiner Gewohnheit das Quarterdeck auf- und abzuschreiten. &Uuml;berall war sein Auge und &uuml;berall fand er etwas zu tadeln. Die Offiziere erhielten entweder offene Verweise oder ironische Lobspr&uuml;che, und die Matrosen wurden bis in die h&ouml;chsten Toppe geschickt, um die Launen des Kapit&auml;ns auszuf&uuml;hren. Die rascheste Befolgung der Befehle reichte nicht aus, den Unmut des Gebieters zu besiegen, sondern dieser wuchs, und wer in seine N&auml;he kam, war gewiss, die nachdr&uuml;cklichsten Beweise seiner Unzufriedenheit zu empfangen.</p>
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	Auf der Bramsahling des Fockmastes trafen zwei junge Toppgasten zusammen, die hierher auf den Udkiek geschickt waren.</p>
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	&raquo;H&ouml;rst das Donnerwetter unter uns, Jantje?&laquo;</p>
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	&raquo;H&ouml;re es. Ist gerade so, als ob du auf einem Berg stehst; da blitzt und donnert es auch unter dir.&laquo;</p>
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	&raquo;Mag sein. Bin niemals auf einem Berg gewesen, au&szlig;er auf dem Hamburger, da hat es aber nicht gedonnert und geblitzt, wohl aber gepaukt und trompetet. Was, zum Teufel, ist denn wieder los?&laquo;</p>
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	&raquo;Wei&szlig;t es nicht? Der Kapit&auml;n tr&auml;gt in seiner Brust eine Art Ding, das man Gewissen nennt. So gro&szlig; er auch ist, so ist das kleine Ding doch gr&ouml;&szlig;er und will subtil behandelt sein, darum hat er es am liebsten, wenn es ruhig schl&auml;ft. Nun aber wacht das unversch&auml;mte Ding mitunter auf und dann soll es ihn unbarmherzig zwicken und zwacken. Sage mir doch, was tat deine Mutter, als du ein kleines Kind warst, und sie dich in den Schlaf bringen wollte?&laquo;</p>
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	&raquo;Sie sang mir etwas vor vom wei&szlig;en G&auml;nschen.&laquo;</p>
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	&raquo;So macht&#39;s der da unten auch. Er singt seinen Leuten so viel vom Teufelholen und vom Donnerwetter vor, bis das Gewissen die Kneifzange ruhen l&auml;sst.&laquo;</p>
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	&raquo;Was hat es denn mit dem b&ouml;sen Gewissen auf sich? Ist es wahr, dass er eine h&uuml;bsche Frau hatte?&laquo;</p>
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	&raquo;So ist es, Backsmaat! Sie war so sch&ouml;n, dass man sie das Auge von Brabant nannte, denn sie war in Brabant geboren. Sie trug auch ihren Mann auf H&auml;nden, aber der hat sich nicht sonderlich um sie gek&uuml;mmert und sie stets rau und kurz behandelt. Dar&uuml;ber hat sich das arme Weib gegr&auml;mt und ist ihm aus dem Wege gegangen. Eines Tages, als der Kapit&auml;n unverhofft in den Garten tritt, sieht er seine Frau in einer Laube sitzen und ihr zur Seite einen Mann, der sein Angesicht an der Brust des sch&ouml;nen Weibchens verbirgt. Er soll sehr aufgebracht gewesen sein von Galle und Wein, sonst h&auml;tte er doch wohl erst ein wenig n&auml;her hingesehen, aber der Teufel hatte ihn schon in den Krallen, darum zog er den Degen und stach beide durch und durch.&laquo;</p>
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	&raquo;Alle Wetter!&raquo;</p>
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	&raquo;Durch und durch, sage ich dir! Und die Folge davon war, dass er ein paar Tage darauf seine Frau samt ihrem Vater begraben musste.&laquo;</p>
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	&raquo;Halt ein mit deiner Geschichte, mich packt der Schwindel!&laquo;</p>
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	&raquo;Sei kein Narr, Bursche! Es ist auch schon aus. Wei&szlig;t du nun, warum ihn sein Gewissen wie das h&ouml;llische Feuer brennt? Das ist kein Brand, den man so leicht l&ouml;schen kann.&laquo;</p>
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	&raquo;Haben sie ihn denn nicht f&uuml;r seine Untat gestraft?&laquo;</p>
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	&raquo;Hat sich was! Mynheer Claas van Belem ist ein reicher, angesehener Mann, und reiche, angesehene Leute haben immer recht. Er wurde zwar in Gewahrsam gebracht, aber die Doktoren steckten sich dazwischen und sagten &ndash; gib acht, Junge, du sollst h&ouml;ren, dass ich durch die hohe Schule gelaufen bin, und sollst Respekt vor mir kriegen! &ndash; sie sagten, er leide an momentanem Wahnsinn und da k&ouml;nne ihm keiner etwas anhaben.&laquo;</p>
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	&raquo;Ein Segel! Ein Segel!&laquo; rief der Udkiekmann vom gro&szlig;en Topp.</p>
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	Die beiden Vortopp-M&auml;nner fuhren bei diesem Ruf erschrocken von ihrer Sahling auf; ihr Blick schweifte &uuml;ber den Horizont hin und gleich darauf schrien auch sie: &raquo;Ein Segel!&laquo;</p>
<p>
	Es d&auml;mmerte schon. Die Nebel brauten auf dem Meere und machten den Blick in die Ferne unsicher. Man sah hoch im Luv etwas Wei&szlig;es auf den Wellen zittern, es konnte ein Segel, aber auch irgendeine Luftspiegelung sein. In wenigen Minuten war es ganz und gar verschwunden. Die Mannschaft war in Aufruhr. Der Ruf: &raquo;Ein Segel!&laquo; war den Matrosen durch Mark und Bein gedrungen, sie sahen schon den verdammten Vanderdecken sich ihnen n&auml;hern und sie in den Abgrund ziehen. &Uuml;berall steckte man die K&ouml;pfe zusammen, &uuml;berall war ein unheimliches Fl&uuml;stern: &raquo;Wenn er es ist, haben wir ihn in einer Stunde l&auml;ngsseits.&laquo;</p>
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	&raquo;Und dann setzt er ein Boot aus.&laquo;</p>
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	&raquo;Das tut er immer. Und Gnade uns Gott, wenn er an Bord kommt; dann bringt er Briefe, &uuml;ber deren Bestellung uns der Atem ausgehen kann.&laquo;</p>
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	&raquo;Verdammt sei mein Eifer, an Bord dieses heillosen Schiffes zu gehen! Nun muss ich doch in den Rachen dieses Teufels fahren und kann nicht mit meiner Gesche Hochzeit machen.&laquo;</p>
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	Auch auf dem Halbdeck herrschte einige Aufregung; die Offiziere warfen sich bedeutungsvolle Blicke zu. Der Kapit&auml;n trat zu ihnen: &raquo;Wollen die Offiziere den Matrosen nach&auml;ffen, die schon alle den Verstand verloren haben und nach einem Gespenst Ausschau halten, das nirgends als in ihrem Gehirn spukt?&laquo;</p>
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	&raquo;Doch, Kapit&auml;n!&laquo; entgegnete der erste Offizier, ein alter, sturmfester Seemann. &raquo;Der Mord hat den Fliegenden Holl&auml;nder auf das fl&uuml;chtige Element gebannt, und leicht wittert er Blut. Ich geh&ouml;re nicht zu den starken Geistern, die alles hinwegleugnen wollen, was &uuml;ber ihren Horizont geht, und nie werde ich es mir einfallen lassen, das Dasein jenes unheilvollen Schiffes zu leugnen. Mag er immerhin kommen; fest und ruhig will ich ihm entgegensehen, denn ich habe ein unbelastetes Gewissen.&laquo;</p>
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	Der Kapit&auml;n biss sich auf die Lippen und ging hastig auf und nieder; die Offiziere erwarteten mit kalter Resignation den Zornesausbruch ihres Gebieters.</p>
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	&raquo;Ein Segel! Ein Segel!&laquo; schrie es wieder, und derselbe gespenstische wei&szlig;e Streifen flog in Luv hin.</p>
<p>
	&raquo;Bootsmann!&laquo; rief der Kapit&auml;n &uuml;berlaut. &raquo;Achtet auf die Leute! Der erste, der wieder ruft: Ein Segel! soll an den Mast gebunden und gepeitscht werden, bis ihm der Atem ausgeht. Ruhe &uuml;berall! &ndash; F&uuml;r jedes Wort, das aus dem ungewaschenen Maul eines Matrosen geht, ein Dutzend Hiebe mit der Katze.&laquo;</p>
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	Grabesstille herrschte an Bord des Ostindien-Fahrers; stumm und scheuen Blickes schlichen die Leute aneinander vor&uuml;ber. D&uuml;stere Nebel schaukelten sich auf den Wellen, die Nacht brach unheilverk&uuml;ndend herein.</p>
<p>
	Ein junger Offizier, ein Verwandter des Kapit&auml;ns, wagte es endlich, diesen anzureden. Er erhielt eine kurze, beleidigende Antwort. Jener erwiderte lebhaft. Der Wortwechsel wurde heftiger und au&szlig;er sich schrie der Kapit&auml;n: &raquo;Schlagt den Rebellen in Ketten.&laquo;</p>
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	Der junge Offizier trat ganz nahe an ihn heran: &raquo;Mich wunderts, dass ihr das Richteramt nicht stehenden Fu&szlig;es aus&uuml;bt, und mich dahin sendet, wohin Ihr meinen Oheim und Euer Weib gesendet habt, sollte es auch abermals in momentanem Wahnsinn geschehen.&laquo;</p>
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	Da wich alles Blut aus dem Gesicht des Kapit&auml;ns, seine H&auml;nde ballten sich krampfhaft, und der Schaum trat ihm vor den Mund. Er griff nach dem Dolch, ein Sto&szlig;, und der junge Mann lag r&ouml;chelnd am Boden.</p>
<p>
	Ein Schrei des Entsetzens entfuhr den Offizieren, die ihrem sterbenden Kameraden zu Hilfe eilten.</p>
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	&raquo;Jesus Maria und Joseph!&laquo; schrie ein junger Portugiese, der hoch auf dem Spill stand und deutete mit der Hand vor sich hin.</p>
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	Durch die Finsternis wurde die unf&ouml;rmige Gestalt eines riesenhaften Schiffes sichtbar und schwankte ger&auml;uschlos vor dem Bug der &rsaquo;Gelderland&lsaquo; vor&uuml;ber.</p>
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	Es war der Fliegende Holl&auml;nder!</p>
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	Mit stillem Grauen starrten die Matrosen die unheilvolle Erscheinung an, die sich langsam fortbewegte und endlich im Nebel verschwand.</p>
<p>
	Der Kapit&auml;n zog sich in seine Kaj&uuml;te zur&uuml;ck. Die Offiziere standen auf einem Haufen zusammengedr&auml;ngt und berieten miteinander, w&auml;hrend einige unerschrockene Toppm&auml;nner, unter Anleitung des Bootsmanns, die Leiche des jungen Mannes unter Deck trugen. Die Leute rannten in gro&szlig;er Unordnung durcheinander. Keine Ermahnung, kein Befehl der Backsoffiziere vermochte sie zur Ruhe zu verweisen; sie verweigerten den Gehorsam und schickten sich an, Gewalt mit Gewalt zu beantworten.</p>
<p>
	So ging die Nacht vor&uuml;ber und der anbrechende Morgen fand den Aufruhr im vollen Gange. Aber als der erste Strahl des Tages &uuml;ber das Deck hinflog, wich der Zorn von den erbleichenden Gesichtern, denn das gespenstische Schiff des entsetzlichen Vanderdecken dehnte sich vor ihnen auf den Wogen und seine Schaluppe stie&szlig; von Bord.</p>
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	Mit Entsetzen sahen Offiziere und Matrosen diesem Schauspiel regungslos zu. Nur der Kapit&auml;n blickte trotzig um sich; auf seinem Gesicht sah man keine Furcht und halb drohend, halb spottend rief er &uuml;ber das Deck hin: &raquo;Haltet ein starkes Tauende bereit, um es diesem Burschen zuzuwerfen. Wir wollen h&ouml;ren, was er uns zu sagen hat.&laquo;</p>
<p>
	Dieser Befehl ward nicht befolgt, denn alle starrten nach der Schaluppe, die ohne Ruder &uuml;ber die Wellen glitt und gerade auf die &rsaquo;Gelderland&lsaquo; zuhielt. Nur ein Mann befand sich darin und starrte das Schiff unverwandten Blickes an.</p>
<p>
	Zum ersten Mal beschlich jetzt ein Gef&uuml;hl der Furcht das Herz des Kapit&auml;ns und er unterlie&szlig; es, seinem Befehl den geh&ouml;rigen Nachdruck zu geben. Auch sein Auge haftete auf der Schaluppe, die jetzt den Bug streifte und darauf am Fallreep des Steuerbords wie gefesselt lag. Der Seemann, der sich darin befand, stieg das Deck hinan, ging gerade auf den Kapit&auml;n zu, der sich an die Spitze seiner Offiziere gestellt hatte und fragte mit einer hohlen Grabesstimme: &raquo;Wer seid Ihr und woher kommt Ihr?&laquo;</p>
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	&raquo;Wir kommen von Amsterdam. Dies ist das Schiff &rsaquo;Gelderland&lsaquo;, und ich bin Claas van Belem, der Befehlshaber desselben.&laquo;</p>
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	&raquo;Claas van Belem, Ihr wollt so gut sein, diese Briefe, die Euch mein Kapit&auml;n, Mynheer Vanderdecken sendet, mit nach Holland zu nehmen und sie gewissenhaft zu besorgen.&laquo;</p>
<p>
	&raquo;Was f&auml;llt Euch ein? Wann soll ich diese Briefe besorgen? Jetzt segle ich nach Batavia und erst in sieben Jahren kehre ich nach Amsterdam zur&uuml;ck.&laquo;</p>
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	&raquo;Eine kurze Frist! Ihr kehrt immer noch fr&uuml;her zur&uuml;ck als wir, denn wir kreuzen hier in der Tafelbai und finden nimmer das Ende. Nehmt die Briefe!&laquo;</p>
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	Der Ton des gespenstischen Seemannes war so dringend, so Mitleid erregend und furchtbar zugleich; der Blick, den er auf den Kapit&auml;n warf, verwirrte diesen so sehr, dass er die Hand ausstreckte und zum gro&szlig;en Entsetzen aller die Briefe annahm.</p>
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	In diesem Augenblick hob sich eine hohe Gestalt &uuml;ber die Galerie des Gespensterschiffes empor; sie breitete die Arme aus, wie zum Gru&szlig;e, dann brachte sie das Sprachrohr an den Mund und rief &uuml;ber das Meer hin: &raquo;Gr&uuml;&szlig;t die Heimat!&laquo; Und gleich darauf war sie wieder verschwunden.</p>
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	&raquo;Das ist Vanderdecken!&laquo; sprach der gespenstische Seemann. &raquo;Er sendet nur dem einen Gru&szlig;, den er dieser Ehre besonders wert h&auml;lt.&laquo;</p>
<p>
	Und als er das gesagt hatte, war er vom Deck und seine Schaluppe vom Fallreep verschwunden, das Gespensterschiff aber schien vor den Augen der ganzen Mannschaft in den Abgrund zu sinken.</p>
<p>
	Der Kapit&auml;n hielt noch immer die Briefe vor sich hin und las:</p>
<p>
	&raquo;An den ehrenwerten Kaufmann, Mynheer Berend van den Stagen, wohnhaft Stubenhuik 3.&laquo;</p>
<p>
	Der erste Offizier unterbrach ihn: &raquo;Das Haus Berend van Stagen ist bereits verschollen und Stubenhuik seit l&auml;nger als hundert Jahren niedergerissen, um an dieser Stelle eine neue Kirche zu bauen. Ihr seht, der Fliegende Holl&auml;nder ist nun doch bei uns an Bord gewesen und wir sind verloren.&laquo;</p>
<p>
	Der ausbrechende Sturm verschlang seine Worte und brachte die Tafelbai in solche Aufregung, dass das Schiff binnen wenigen Minuten in die &auml;u&szlig;erste Gefahr geriet. Schwere Gewitterwolken senkten sich immer tiefer herab und umleuchteten es mit ihren Blitzen. Der Notschrei der Mannschaft verhallte ungeh&ouml;rt im Brausen des Sturmes.</p>
<p>
	Das Schiff &rsaquo;Gelderland&lsaquo; ist nie in Batavia angekommen.</p>
]]></description>
<link>https://internet-maerchen.de/maerchen/hollaender.htm</link>
<author>INTERNET-MAERCHEN.DE</author>
<category>M&#228;rchen</category>
<category>maerchenletter</category>
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<pubDate>Mon, 11 Oct 2021 18:33:00 GMT</pubDate>
</item>

<item>
<title>M&#228;rchenletter September 2021</title>
<description><![CDATA[<p>
	<span style="font-size: 18px;">Tischlein deck&#39; dich</span><br />
	<span style="font-size: 12px;"><strong>Gebr. Grimm</strong><br />
	<br />
	Vorzeiten war ein Schneider, der drei S&ouml;hne hatte und nur eine einzige Ziege. Aber die Ziege, weil sie alle zusammen mit ihrer Milch ern&auml;hrte, musste ihr gutes Futter haben und t&auml;glich hinaus auf die Weide gef&uuml;hrt werden. Die S&ouml;hne taten das auch nach der Reihe. Einmal brachte sie der &auml;lteste auf den Kirchhof, wo die sch&ouml;nsten Kr&auml;uter standen, lie&szlig; sie da fressen und herumspringen. Abends, als es Zeit war, heimzugehen. fragte er: &quot;Ziege, bist du satt?&#39; Die Ziege antwortete:<br />
	<br />
	&quot;Ich bin so satt,<br />
	Ich mag kein Blatt: meh meh!&quot;<br />
	<br />
	&quot;So komm&#39; nach Haus&quot;, sprach der Junge, fasste sie am Strickchen&#39; f&uuml;hrte sie in den Stall und band sie fest. &quot;Nun&quot;, fragte der alte Schneider, &quot;hat die Ziege ihr geh&ouml;riges Futter?&quot; &quot;oh&quot;, antwortete der Sohn, ,die ist so satt, sie mag kein Blatt.&quot; Der Vater aber wollte sich selbst &uuml;berzeugen, ging hinab in den Stall, streichelte das liebe Tier und fragte:&quot; Ziege, bist du auch satt?&quot; Die Ziege antwortete:<br />
	<br />
	&quot;Wovon sollt&#39; ich satt sein?<br />
	Ich sprang nur &uuml;ber Gr&auml;belein<br />
	Und fand kein einzig Bl&auml;ttelein: meh! meh!&quot;<br />
	<br />
	&quot;Was muss ich h&ouml;ren!&quot; rief der Schneider, lief hinauf und sprach zu dem Jungen:<br />
	&quot;Ei, du L&uuml;gner! Sagst, die Ziege w&auml;re satt, und hast sie hungern lassen?&quot; Und in seinem Zorne nahm er die Elle von der Wand und jagte ihn mit Schl&auml;gen hinaus.<br />
	Am andern Tag war die Reihe am zweiten Sohn; der suchte an der Gartenhecke einen Platz aus, wo lauter gute Kr&auml;uter standen, und die Ziege fra&szlig; sie rein ab Abends, als er heim wollte, fragte er: &quot;Ziege, bist du satt?&quot; Die Ziege antwortete:<br />
	<br />
	&quot;Ich bin so satt,<br />
	Ich mag kein Blatt: meh! meh!&quot;<br />
	<br />
	&quot;So komm&#39; nach Haus&quot;, sprach der Junge, zog sie heim und band sie im Stalle fest. &quot;Nun&quot;, fragte der alte Schneider, &quot;hat die Ziege ihr geh&ouml;riges Futter?&quot; -&quot;Oh&quot;, antwortete der Sohn, &quot;die ist so satt, sie mag kein Blatt.&quot; Der Schneider wollte sich darauf nicht verlassen, ging hinab in den Stall und fragte: &quot;Ziege, bist du auch satt?&quot; Die Ziege antwortete:<br />
	<br />
	&quot;Wovon sollt&#39; ich satt sein?<br />
	Ich sprang nur &uuml;ber Gr&auml;belein<br />
	Und fand kein einzig Bl&auml;ttelein: meh! meh!&quot;<br />
	<br />
	&quot;Der gottlose B&ouml;sewicht!&quot; schrie der Schneider, &quot;so ein frommes Tier hungern zu lassen!&quot; lief hinauf und schlug mit der Elle den Jungen zur Haust&uuml;r hinaus.<br />
	Die Reihe kam jetzt an den dritten Sohn, der wolle seine Sache gut rnachen, suchte Buschwerk mit dem sch&ouml;nsten Laube aus und lie&szlig; die Ziege daran fressen. Abends, als er heim wollte, fragte er: &quot;Ziege, bist du Satt?&quot; Die Ziege antwortete:<br />
	<br />
	&quot;Ich bin so satt,<br />
	Ich mag kein Blatt: meh meh!&quot;<br />
	<br />
	&quot;So komm&#39; nach Haus&quot;, sagte der Junge, f&uuml;hrte sie in den Stall und band sie fest&quot; Nun&quot;, fragte der alte Schneider, &quot;hat die Ziege ihr geh&ouml;riges Futter?&quot; -&quot;Oh&quot;, antwortete der Sohn, &quot;die ist so satt, sie mag kein Blatt.&quot; Der Schneider traute nicht, ging hinab und fragte: &quot;Ziege, bist du auch satt?&quot; Das boshafte Tier antwortete:<br />
	<br />
	&quot;Wovon sollt&#39; ich satt sein?<br />
	Ich sprang nur &uuml;ber Gr&auml;belein<br />
	Und fand kein einzig Bl&auml;ttelein: meh! meh!&quot;<br />
	<br />
	O du L&uuml;genbrut!&quot; rief der Schneider, &quot;einer so gottlos und pflichtvergessen wie der andere! Ihr sollt mich nicht l&auml;nger zum Narren haben!&quot; Und vor Zorn ganz au&szlig;er sich sprang er hinauf und gerbte dem armen Jungen mit der Elle den R&uuml;cken so gewaltig, dass er zum Haus hinaussprang.<br />
	Der alte Schneider war nun mit seiner Ziege allein. Am andern Morgen ging er hinab in den Stall, liebkoste die Ziege und sprach: &quot;Komm, mein liebes Tierlein, ich will dich selbst zur Weide f&uuml;hren.&quot; Er nahm sie am Strick und brachte sie zu gr&uuml;nen Hecken und unter Schafrippe und was sonst die Ziegen gern fressen. &quot;Da kannst du dich einmal nach Herzenslust s&auml;ttigen&quot;, sprach er zu ihr und lie&szlig; sie weiden bis zum Abend. Da fragte er: ,.Ziege&#39; bist du satt?&quot; Sie antwortete:<br />
	<br />
	&quot;Ich bin so satt,<br />
	Ich mag kein Blatt: meh meh!&quot;<br />
	<br />
	&quot;So komm&#39; nach Haus&quot;, sagte der Schneider, f&uuml;hrte sie in den Stall und band sie fest. Als er wegging, kehrte er sich noch einmal um und sagte: &quot;Nun bist du doch einmal satt!&quot; Aber die Ziege machte es ihm nicht besser und rief:<br />
	<br />
	&quot;Wovon sollt&#39; ich satt sein?<br />
	Ich sprang nur &uuml;ber Gr&auml;belein<br />
	Und fand kein einzig Bl&auml;ttelein: meh! meh!&quot;<br />
	<br />
	Als der Schneider das h&ouml;rte, stutzte er und sah wohl, dass er seine drei S&ouml;hne ohne Ursache versto&szlig;en hatte. &quot;Wart&quot;&#39;, rief er, &quot;du undankbares Gesch&ouml;pf! Dich fortzujagen ist noch zu wenig, ich will dich zeichnen, dass du dich unter ehrbaren Schneidern nicht mehr darfst sehen lassen.&quot; In einer Hast sprang er hinauf, holte sein Bartmesser, seifte der Ziege den Kopf ein und schor sie glatt wie seine flache Hand. Und weil die Elle zu ehrenvoll gewesen w&auml;re, holte er die Peitsche und versetzte ihr solche Hiebe, dass sie in gewaltigen Spr&uuml;ngen davonlief.<br />
	Der Schneider, als er so ganz einsam in seinem Hause sa&szlig;, verfiel in gro&szlig;e Traurigkeit und h&auml;tte seine S&ouml;hne gern wieder gehabt, aber niemand wusste, wo sie hingeraten waren. Der &auml;lteste war zu einem Schreiner in die Lehre gegangen, da lernte er flei&szlig;ig und unverdrossen, und als seine Zeit herum war, dass er wandern sollte, schenkte ihm der Meister ein Tischchen, das gar kein besonderes Ansehen hatte und von gew&ouml;hnlichem Holz war; aber es hatte eine gute Eigenschaft. Wenn man es hinstellte und sprach: &quot;Tischchen, deck&#39; dich!&quot; so war das gute Tischchen auf einmal mit einem sauberen T&uuml;chlein bedeckt und stand da ein Teller und Messer und Gabel daneben und Sch&uuml;sseln mit Gesottenem und Gebratenem, soviel Platz hatten, und ein gro&szlig;es Glas mit rotem Wein leuchtete, dass einem das Herz lachte. Der junge Gesell dachte: &quot;Damit hast du genug f&uuml;r dein Lebtag&quot;, zog guter Dinge in die Welt umher und bek&uuml;mmerte sich gar nicht darum, ob ein Wirtshaus gut oder schlecht, und ob etwas darin zu finden war oder nicht. Wenn es ihm gefiel, so kehrte er gar nicht ein, sondern im Felde, im Walde, auf einer Wiese, wo er Lust hatte, nahm er sein Tischchen vom R&uuml;cken, stellte es vor sich und sprach: &quot;Deck&#39; dich!&quot;, so war alles da, was sein Herz begehrte. Endlich kam es ihm in den Sinn, er wollte zu seinem Vater zur&uuml;ckkehren, sein Zorn w&uuml;rde sich gelegt haben, und mit dem Tischchendeckdich w&uuml;rde er ihn gern wieder aufnehmen. Es trug sich zu, dass er auf dem Heimweg abends in ein Wirtshaus kam, das mit G&auml;sten angef&uuml;llt war; sie hie&szlig;en ihn<br />
	willkommen und luden ihn ein, sich zu ihnen zu setzen und mit ihnen zu essen, sonst w&uuml;rde er schwerlich noch etwas bekommen. &quot;Nein&quot;, antwortete der Schreiner, &quot;die paar Bissen will ich euch nicht vor dem Munde wegnehmen, lieber sollt ihr meine G&auml;ste sein.&quot; Sie lachten und meinten, er triebe seinen Spa&szlig; mit ihnen. Er aber stellte sein h&ouml;lzernes Tischchen mitten in die Stube und sprach: &quot;Tischchen, deck&#39; dich!&quot; Augenblicklich war es mit Speisen besetzt, so gut, wie sie der Wirt nicht h&auml;tte herbeischaffen k&ouml;nnen und wovon der Geruch den G&auml;sten lieblich in die Nase stieg. &quot;Zugegriffen, liebe Freunde&quot;, sprach der Schreiner, und die G&auml;ste, als sie sahen, wie es gemeint war, lie&szlig;en sich nicht zweimal bitten, r&uuml;ckten heran, zogen ihre Messer und griffen tapfer zu. Und was sie am meisten verwunderte:<br />
	wenn eine Sch&uuml;ssel leer geworden war, stellte sich gleich von selbst eine volle an ihren Platz. Der Wirt stand in einer Ecke und sah dem Dinge zu. Er wusste gar nicht, was er sagen sollte, dachte aber: &quot;Einen solchen Koch k&ouml;nntest du in deiner Wirtschaft wohl brauchen.&quot; Der Schreiner und seine Gesellschaft waren lustig bis in die sp&auml;te Nacht; endlich legten sie sich schlafen, und der junge Geselle ging auch zu Bett und stellte sein W&uuml;nschtischchen an die Wand. Dem Wirte aber lie&szlig;en seine Gedanken keine Ruhe. Es fiel ihm ein, dass in seiner Rumpelkammer ein altes Tischchen st&uuml;nde, das gerade so auss&auml;he, das holte er ganz sachte herbei und vertauschte es mit dem W&uuml;nschtischchen.<br />
	Am andern Morgen zahlte der Meister sein Schlafgeld, packte sein Tischchen auf, dachte gar nicht daran, dass er ein falsches h&auml;tte, und ging seiner Wege. Zu Mittag kam er bei seinem Vater an, der ihn mit gro&szlig;er Freude empfing.&quot; Nun, mein lieber Sohn, was hast du gelernt?&quot; sagte er zu ihm. &quot;Vater, ich bin ein Schreiner geworden.&quot; - &quot;Ein gutes Handwerk! erwiderte der Alte; &quot;aber was hast du von deiner Wanderschaft mitgebracht?&quot; - &quot;Vater, das Beste, was ich mitgebracht habe, ist das Tischchen.&quot; Der Vater betrachtete es von allen Seiten und sagte: &quot;Daran hast du kein Meisterst&uuml;ck gemacht, das ist ein altes und schlechtes Tischchen.&quot; - &quot;Aber es ist ein Tischchendeckdich&quot;, antwortete der Sohn; &quot;wenn ich es hinstelle und sage ihm, es solle sich decken, so stehen gleich die sch&ouml;nsten Gerichte darauf und ein Wein dabei, der das Herz erfreut. Ladet nur alle Verwandte und Freunde ein, die sollen sich einmal laben und erquicken, denn das Tischchen macht sie alle satt.&quot; Als die Gesellschaft beisammen war, stellte er sein Tischchen mitten in die Stube und sprach: &quot;Tischchen&#39; deck&#39; dich!&quot; Aber das Tischchen regte sich nicht und blieb so leer wie ein anderer Tisch, der die Sprache nicht versteht. Da merkte der arme Geselle, dass ihm das Tischchen vertauscht war, und sch&auml;mte sich, dass er wie ein L&uuml;gner dastand. Die Verwandten aber lachten ihn aus und mussten ungetrunken und ungegessen wieder heim wandern. Der Vater holte seine Lappen wieder herbei und schneiderte fort, der Sohn aber ging bei einem Meister in die Arbeit.<br />
	Der zweite Sohn war zu einem M&uuml;ller gekommen und bei ihm in die Lehre gegangen. Als er seine Jahre herum hatte, sprach der Meister: &quot;Weil du dich so wohl gehalten hast, schenke ich dir einen Esel von einer besonderen Art, er zieht nicht am Wagen und tr&auml;gt auch keine S&auml;cke.&quot; &quot;Wozu ist er denn n&uuml;tze?&quot; fragte der junge Geselle. &quot;Er speit Gold&quot;, antwortete der M&uuml;ller. &quot;Wenn du ihn auf ein Tuch stellst und sprichst: ,Bricklebrit!&#39; so speit dir das gute Tier Goldst&uuml;cke aus, hinten und vorn.&quot; - &quot;Das ist eine sch&ouml;ne Sache&quot;, sprach der Geselle, dankte dem Meister und zog in die Welt. Wenn er Gold n&ouml;tig hatte, brauchte er nur zu seinem Esel &quot;Bricklebrit!&quot; zu sagen, so regnete es Goldst&uuml;cke&#39; und er hatte weiter keine M&uuml;he, als sie von der Erde aufzuheben. Wo er hinkam, war ihm das Beste gut genug, und je teurer je lieber, denn er hatte immer einen vollen Beutel. Als er sich eine Zeitlang in der Welt umgesehen hatte, dachte er:&quot; Du musst deinen Vater aufsuchen; wenn du mit dem Goldesel kommst, wird er seinen Zorn vergessen und dich gut aufnehmen.&quot;<br />
	Es trug sich zu, dass er in dasselbe Wirtshaus geriet, wo seinem Bruder das Tischchen vertauscht worden war. Er f&uuml;hrte seinen Esel an der Hand, und der Wirt wollte ihm das Tier abnehmen und anbinden, der junge Geselle aber sprach: &quot;Gebt Euch keine M&uuml;he; meinen Grauschimmel f&uuml;hre ich selbst in den Stall und binde ihn auch selbst an, denn ich muss wissen, wo er steht.&quot; Dem Wirt kam das verwunderlich vor, und er meinte, einer, der seinen Esel selbst besorgen m&uuml;sste, h&auml;tte nicht viel zu verzehren; als aber der Fremde in die Tasche griff, zwei Goldst&uuml;cke herausholte und sagte, er sollte nur etwas Gutes f&uuml;r ihn einkaufen, so machte er gro&szlig;e Augen, lief und suchte das Beste, das er auftreiben konnte. Nach der Mahlzeit fragte der Gast, was er schuldig w&auml;re. Der Wirt wollte die doppelte Kreide nicht sparen und sagte, noch ein paar Goldst&uuml;cke m&uuml;sste er zulegen. Der Geselle griff in die Tasche, aber sein Gold war eben zu Ende.&quot; Wartet einen Augenblick, Herr Wirt&quot;, sprach er, &quot;ich will nur gehen und Gold holen&quot;, nahm aber das Tischtuch mit. Der Wirt wusste nicht, was das hei&szlig;en sollte, war neugierig, schlich ihm nach, und da der Gast die Stallt&uuml;r zuriegelte, guckte er durch ein Astloch. Der Fremde breitete unter dem Esel das Tuch aus und rief: &quot;Bricklebrit!&quot; und augenblicklich fing das Tier an Gold zu speien von hinten und vorn, dass es ordentlich auf die Erde herabregnete.&quot; Ei der Tausend&quot;, sagte der Wirt, &quot;da sind die Dukaten bald gepr&auml;gt! So ein Geldbeutel ist nicht &uuml;bel!&quot; Der Gast bezahlte seine Zeche und legte sich schlafen; der Wirt aber schlich in der Nacht hinab in den Stall, f&uuml;hrte den M&uuml;nzmeister weg und band einen andern Esel an seine Stelle.<br />
	Den folgenden Morgen in der Fr&uuml;he zog der Geselle mit seinem Esel ab und meinte, er h&auml;tte seinen Goldesel. Mittags kam er bei seinem Vater an, der sich freute, als er ihn wieder sah, und ihn gern aufnahm.&quot; Was ist aus dir geworden, mein Sohn?&quot; fragte der Alte. &quot;Ein M&uuml;ller, lieber Vater&quot;, antwortete er.&quot; Was hast du von deiner Wanderschaft mitgebracht?&quot; - &quot;Weiter nichts als einen Esel.&quot; &quot;Esel gibt&#39;s hier genug&quot;, sagte der Vater, &quot;da w&auml;re mir doch eine gute Ziege lieber gewesen.&quot;<br />
	antwortete der Sohn, &quot;aber es ist kein gemeiner Esel, sondern ein Goldesel; wenn ich sage: ,Bricklebrit!&#39; so speit Euch das gute Tier ein ganzes Tuch voll Goldst&uuml;cke. Lasst nur alle Verwandten herbeirufen, ich mache sie alle zu reichen Leuten.&quot; &quot;Das las&#39; ich mir gefallen&quot;, sagte der Vater, &quot;dann brauch&#39; ich mich mit der Nadel nicht weiter zu qu&auml;len&quot;&#39; sprang selbst fort und rief die Verwandten herbei. Sobald sie beisammen waren, hie&szlig; sie der M&uuml;ller Platz machen, breitete sein Tuch aus und brachte den Esel in die Stube. &quot;Jetzt gebt acht&quot;, sagte er und rief: &quot;Bricklebrit&quot;&#39; -aber es waren keine Goldst&uuml;cke, was herabfiel, und es zeigte sich, dass das Tier nichts von der Kunst verstand, denn es bringt&#39;s nicht jeder Esel so weit. Da machte der arme M&uuml;ller ein langes Gesicht, sah, dass er betrogen war, und bat die Verwandten um Verzeihung, die so arm heimgingen, als sie gekommen waren. es blieb nichts &uuml;brig, der Alte musste wieder nach der Nadel greifen und der Junge sich bei einem M&uuml;ller verdingen.<br />
	Der dritte Bruder war zu einem Drechsler in die Lehre gegangen, und weil es ein kunstreiches Handwerk ist, musste er am l&auml;ngsten lernen. Seine Br&uuml;der aber meldeten ihm in einem Briefe, wie es ihnen ergangen w&auml;re und wie sie der Wirt noch am letzten Abend um ihre sch&ouml;nen W&uuml;nschdinge gebracht hatte. Als der Drechsler nun ausgelemt hatte und wandern sollte, schenkte ihm sein Meister, weil er sich so wohl gehalten hatte, einen Sack und sagte: &quot;Es liegt ein Kn&uuml;ppel darin.&quot; &quot;Den Sack kann ich umh&auml;ngen, und er kann mir gute Dienste leisten&quot;, sprach der Gesell, &quot;aber was soll der Kn&uuml;ppel darin? Der macht ihn nur schwer.&quot; - &quot;Das will ich dir sagen&quot;, antwortete der Meister, &quot;hat dir jemand etwas zuleide getan, so sprich nur: ,Kn&uuml;ppel aus dem Sack!&#39; - so springt dir der Kn&uuml;ppel heraus unter die Leute und tanzt ihnen so lustig auf dem R&uuml;cken herum, dass sie sich acht Tage lang nicht regen und bewegen k&ouml;nnen; und eher l&auml;sst er nicht ab, als bis du sagst: ,Kn&uuml;ppel in den Sack&#39;.&quot; Der Gesell dankte ihm, h&auml;ngte den Sack um, und wenn ihm jemand zu nahe kam und auf den Leib wollte, so sprach er: &quot;Kn&uuml;ppel aus dem Sack!&quot; Alsbald sprang der Kn&uuml;ppel heraus und klopfte einem nach dem andern Rock oder Wams gleich auf dem R&uuml;cken aus und wartete nicht erst, bis er ihn ausgezogen hatte, und das ging so geschwind, dass, ehe sich&#39;s einer versah, die Reihe schon an ihm war.<br />
	Der junge Drechsler langte zur Abendzeit in dem Wirtshaus an, wo seine Br&uuml;der waren betrogen worden. Er legte seinen Ranzen vor sich auf den Tisch und fing an zu erz&auml;hlen, was er alles Merkw&uuml;rdige in der Welt gesehen habe &quot;Ja&quot;, sagte er, &quot;man findet wohl ein Tischleindeckdich, einen Goldesel und dergleichen - lauter gute Dinge, die ich nicht verachte; aber das ist alles nichts gegen den Schatz, den ich mir erworben habe und in meinem Sack da mit mir f&uuml;hre.&quot; Der Wirt spitzte die Ohren: &quot;Was in aller Welt mag das sein?&quot; dachte er, &quot;der Sack ist wohl mit lauter Edelsteinen angef&uuml;llt; den sollte ich billig auch noch haben, denn aller guten Dinge sind drei.&quot; Als Schlafenszeit war, streckte sich der Gast auf die Bank und legte seinen Sack als Kopfkissen unter. Der Wirt, als er meinte, der Gast l&auml;ge in tiefem Schlaf, ging herbei, r&uuml;ckte und zog ganz sachte und vorsichtig an dem Sack, ob er ihn vielleicht wegziehen und einen andern unterlegen k&ouml;nnte. Der Drechsler aber hatte schon lange darauf gewartet; wie nun der Wirt eben einen herzhaften Ruck tun wollte, rief er: &quot;Kn&uuml;ppel aus dem Sack!&quot; Alsbald fuhr das Kn&uuml;ppelchen heraus, dem Wirt auf den Leib und rieb ihm die N&auml;hte, dass es eine Art hatte. Der Wirt schrie um Erbarmen, aber je lauter er schrie, desto kr&auml;ftiger schlug der Kn&uuml;ppel den Takt dazu auf dem R&uuml;cken, bis er endlich ersch&ouml;pft zur Erde fiel. Da sprach der Drechsler: &quot;Wenn du das Tischchendeckdich und den Goldesel nicht wieder herausgibst, so soll der Tanz von neuem angehen.&quot; - &quot;Ach nein&quot;, rief der Wirt ganz kleinlaut, &quot;ich gebe alles gern wieder heraus, lasst nur den verw&uuml;nschten Kobold wieder in den Sack kriechen!&quot; Da sprach der Geselle: &quot;Ich will Gnade f&uuml;r Recht ergehen lassen, aber h&uuml;te dich vor Schaden!&quot; Dann rief er: &quot;Kn&uuml;ppel in den Sack!&quot; und lie&szlig; ihn ruhen.<br />
	Der Drechsler zog am andern Morgen mit dem Tischchendeckdich und dem Goldesel heim zu seinem Vater. Der Schneider freute sich, als er ihn wiedersah, und fragte auch ihn, was er in der Fremde gelernt h&auml;tte. &quot;Lieber Vater&quot;, antwortete er, &quot;ich bin ein Drechsler geworden.&quot; - &quot;Ein kunstreiches Handwerk!&quot; sagte der Vater; &quot;was hast du von der Wanderschaft mitgebracht.&quot; - Ein kostbares St&uuml;ck, lieber Vater&quot;, antwortete der Sohn, &quot;einen Kn&uuml;ppel in dem Sack.&quot; - &quot;Was!&quot; rief der Vater, &quot;einen Kn&uuml;ppel? Das ist der M&uuml;he wert! Den kannst du dir von jedem Baume abhauen.&quot; - &quot;Aber einen solchen nicht, lieber Vater! Sage ich: ,Kn&uuml;ppel aus dem Sack!&#39; - so springt der Kn&uuml;ppel heraus und macht mit dem, der es nicht gut mit mir meint, einen schlimmen Tanz und l&auml;sst nicht eher nach, als bis er auf der Erde liegt und um gut Wetter bittet. Seht Ihr, mit diesem Kn&uuml;ppel habe ich das Tischchendeckdich und den Goldesel wieder herbeigeschafft, die der diebische Wirt meinen Br&uuml;dern abgenommen hatte. Jetzt las sie beide rufen und ladet alle Verwandten ein, ich will sie speisen und tr&auml;nken und will ihnen die Taschen mit Gold f&uuml;llen.&quot; Der alte Schneider wollte nicht recht trauen, brachte aber doch die Verwandten zusammen. Da deckte der Drechsler ein Tuch in die Stube, f&uuml;hrte den Goldesel herein und sagte zu seinem Bruder: &quot;Nun, lieber Bruder, sprich mit ihm.&quot; Der M&uuml;ller sagte: &quot;Bricklebrit!&quot; -und augenblicklich sprangen die Goldst&uuml;cke auf das Tuch herab, als k&auml;me ein Platzregen, und der Esel h&ouml;rte nicht eher auf, als bis alle so viel hatten, dass sie nicht mehr tragen konnten. Dann holte der Drechsler das Tischchen und sagte: &quot;Lieber Bruder, nun sprich mit ihm.&quot; Und kaum hatte der Schreiner: &quot;Tischchen&#39; deck&#39; dich!&quot; gesagt, so war es gedeckt und mit den sch&ouml;nsten Sch&uuml;sseln reichlich besetzt. Da ward eine Mahlzeit gehalten, wie der gute Schneider noch keine in seinem Hause erlebt hatte, und die ganze Verwandtschaft blieb zusammen bis in die Nacht und waren alle lustig und vergn&uuml;gt. Der Schneider verschloss Nadel und Zwirn, Elle und B&uuml;geleisen in einem Schrank und lebte mit seinen drei S&ouml;hnen in Freude und Herrlichkeit.</span></p>
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<author>INTERNET-MAERCHEN.DE</author>
<category>M&#228;rchen</category>
<category>maerchenletter</category>
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<pubDate>Mon, 13 Sep 2021 20:08:00 GMT</pubDate>
</item>

<item>
<title>M&#228;rchenletter August 2021</title>
<description><![CDATA[<p align="center">
	<font face="Verdana"><font color="#804040" size="4">Das versunkene Schloss<br />
	</font><font size="2">Heinrich Seidel</font></font></p>
<p align="center">
	&nbsp;</p>
<hr color="#808080" size="1" />
<p>
	<span lang=""><font size="3"><font face="Verdana">Im Norden von Deutschland gibt es zwar keine eigentlichen Gebirge, wohl aber stattliche H&uuml;gelz&uuml;ge, die im Verein mit gro&szlig;en blauen Seenfl&auml;chen, weiten Wiesent&auml;lern und alten m&auml;chtigen Waldungen diesen Gegenden ihre eigent&uuml;mliche Sch&ouml;nheit verleihen. Inmitten eines solchen Landstriches, am Fu&szlig;e einer dieser H&uuml;gelreihen, war eine kleine Stadt gelegen, deren Bewohner zum gr&ouml;&szlig;eren Teil aus friedlichen Ackerb&uuml;rgern, zum kleineren aus Handwerkern bestanden. In den stillen Stra&szlig;en wuchs das Gras, und &uuml;ber die alte, br&ouml;cklige Stadtmauer spann der Efeu seine Ranken. In der Mittagszeit, wenn alle Leute in ihren H&auml;usern bei Tisch sa&szlig;en, konnte man denken, die Stadt sei ausgestorben oder in Zauberschlaf versunken, so still und einsam war es dann. Am meisten Leben zeigte sich noch des Abends, wenn die Jugend auf den freien Pl&auml;tzen l&auml;rmend ihre Spiele trieb, die Leute auf den B&auml;nken vor ihren T&uuml;ren sa&szlig;en und die von der Weide heimkehrenden K&uuml;he br&uuml;llend durch die Stra&szlig;en wandelten, um ihre St&auml;lle aufzusuchen. Nur der Jahrmarkt und das Sch&uuml;tzenfest brachten etwas mehr Bewegung in diesen stillen Erdenwinkel. Das letztere ward in dem Wald gefeiert, der den benachbarten H&ouml;henzug bedeckte. In der Senkung zwischen zwei H&uuml;geln befand sich die Schie&szlig;bahn, und auf einem freien Platze</font></font></span></p>
<p>
	<font size="3"><font face="Verdana"><span lang="">im Walde waren die Buden aufgebaut, die sowohl den Bed&uuml;rfnissen des Leibes als auch der Schaulust reichliche Nahrung boten. Da war der fremde Kuchenmann, der mit heiserer, aber unendlich verlockender Stimme seine sch&ouml;n verzierten Honigkuchen und Herzen ausbot und zahllose Sch&auml;tze von Bonbons in allen Farben des Regenbogens entfaltete; da war die dickste und sch&ouml;nste Dame der Welt, achtzehn Jahre alt und dreihundertsieben Pfund schwer; dann die Seejungfrau, das gr&ouml;&szlig;te Meerwunder aller Zeiten, leider nur ausgestopft, aber darum nicht minder seltsam; da war der prophetisch begabte Mann, der gegen geringes Entgelt jeglichen einen Blick in die Geheimnisse der Zukunft tun lie&szlig;; da war die mit reichen Sch&auml;tzen ausgestattete Bude, wo man gegen den Einsatz von nur einem Groschen die seltsamsten und teuersten Dinge gewinnen konnte, sogar als H&ouml;chstes eine altehrw&uuml;rdige Taschenuhr, zur Klasse der &raquo;Butterb&uuml;chsen&laquo; geh&ouml;rig, die wirklich ging, wie jeder sich durch Augenschein &uuml;berzeugen konnte. Da nun in der Stadt ein w&uuml;rdiger Greis lebte, der vor vielen Jahren bei solcher Gelegenheit wirklich eine Uhr gewonnen hatte, welches Ereignis einen H&ouml;hepunkt in seinem Leben bildete, so war nat&uuml;rlich die Verlockung, in gleicher Weise das Gl&uuml;ck zu versuchen, f&uuml;r jung und alt betr&auml;chtlich. Zu weit w&uuml;rde es f&uuml;hren, wollte ich alle Herrlichkeiten ausf&uuml;hrlich aufz&auml;hlen, die bei dieser Gelegenheit zu freudigem Gen&uuml;sse einluden. Ich will nur kurz das Karussell, das Puppentheater und den Tanzplatz erw&auml;hnen, allwo sich beiden Weisen von vier Stadtmusikanten die Jugend unabl&auml;ssig im Kreise drehte; ich will nur vor&uuml;bergehend erinnern an die Gastzelte, wo das edle Bier in Str&ouml;men verschenkt wurde, also da&szlig; sich selbst die solidesten und ehrsamsten Sch&uuml;tzenbr&uuml;der am Abend etwas unsicher auf den Beinen f&uuml;hlten und beim Einmarsch in die Stadt kein besonderes Schauspiel darboten.</span></font></font> <font size="3"> </font></p>
<p align="center">
	&nbsp;</p>
<p>
	<font size="3"><span lang=""><font face="Verdana">Diese Zeit, wo sich das Leben der kleinen Stadt zu seiner Taumelh&ouml;he entfaltete, war die einzige, in der die meisten der erwachsenen Einwohner den H&uuml;gelwald besuchten,　au&szlig;er es handelte sich um eine Holzauktion oder dergleichen, denn die guten Ackerb&uuml;rger und ehrsamen Handwerker zogen es vor, wenn sie sich zu einem Sonntagsspaziergange aufschwangen, in ihren Feldern das Wachstum zu betrachten und sich freundlichen Spekulationen &uuml;ber den Ernteertrag, die Kornpreise und den Stand der Kartoffeln hinzugeben. Zu allen Zeiten aber ward der Wald besucht von der Jugend und von den Armen, von Kindern, die Blumen suchten oder Vogelnester oder Beeren, je nach der Jahreszeit, von unternehmenden Knaben, die sich in den buschigen und verwachsenen Abh&auml;ngen R&auml;uberh&ouml;hlen anlegten, von armen holzlesenden Weiblein und dergleichen. Nur einen Ort gab es in diesem Walde, der von den meisten gemieden ward, das war der von B&auml;umen entbl&ouml;&szlig;te und nur mit niederem Buschwerk bestandene Gipfel des gro&szlig;en H&uuml;gels. Dort fanden sich, ganz &uuml;berwuchert von wilden Rosen, Wei&szlig;dorn, Jel&auml;ngerjelieber und &auml;hnlichen Str&auml;uchern, einige &Uuml;berreste von uraltem Mauerwerk, und es ging die Sage, dort habe in grauen Zeiten ein gro&szlig;es Schlo&szlig; gestanden, das aber in einer st&uuml;rmischen Gewitternacht zur Strafe f&uuml;r den Frevel und die Bosheit seiner gottlosen Bewohner mit Mann und Maus in die Tiefe gesunken sei. An diesem Ort sollte es nicht geheuer sein. Manche wollten den alten Schlo&szlig;vogt, ein kleines graues M&auml;nnchen, das die Sch&auml;tze in dem versunkenen Gem&auml;uer zu bewachen hatte, am hellen Tage mit kl&auml;glichem Seufzer dort haben umherwandern sehen, n&auml;chtlich hatten andere dort Feuer und blaue Flammen erblickt, wie sie die Anwesenheit verborgener Sch&auml;tze andeuten, und schneidende Klagelaute, deren Ursprung unerkl&auml;rlich war, hatte man dort in stiller Mittagsstunde vernommen. Das Merkw&uuml;rdigste war aber, da&szlig; sich dort, verborgen zwischen dem Gestr&uuml;pp, eine &Ouml;ffnung befinden sollte, die &uuml;ber kirchturmtief in den Berg hinabreichte. Manche behaupteten, sie gesehen zu haben. Sie hatten Steine hinabgeworfen und gehorcht, aber niemals vernommen, da&szlig; diese unten aufschlugen. Andere mutige und neugierige Leute hatten wieder nach dieser &Ouml;ffnung lange gesucht, aber　nichts gefunden. Es sollte dies die Ausm&uuml;ndung des Hauptschornsteins der versunkenen Burg sein und zuweilen sogar Rauch daraus hervorkommen. Alle diese Dinge waren den meisten so unheimlich, da&szlig; der Gipfel dieses H&uuml;gels gemieden ward, obwohl man dort eine herrliche Aussicht hatte auf die alte Stadt, auf das weite Wiesental mit dem gewundenen Flu&szlig; und die d&auml;mmernden W&auml;lder in der Ferne. In der Stadt lebte eine Anzahl von unternehmenden Knaben, die unter der Anf&uuml;hrerschaft eines braunhaarigen Jungen namens Bertram standen. Dieser war gewisserma&szlig;en ihr R&auml;uberhauptmann, denn es mu&szlig; gesagt werden, da&szlig; sich diese sechs Verb&uuml;ndeten weniger durch ihre Leistungen in der Schule, als durch zahlreiche Streiche auszeichneten, die sie gemeinschaftlich ausf&uuml;hrten. In der Dunkelheit Bindfaden &uuml;ber die Stra&szlig;e zu spannen, die den ehrsamen B&uuml;rgern die H&uuml;te von den K&ouml;pfen rissen, r&auml;uberische Ausfl&uuml;ge in fremde Obstg&auml;rten, Fischfang und Vogelstellen, n&auml;chtliches Abfeuern von Kanonenschl&auml;gen, verbotene Schie&szlig;&uuml;bungen und dergleichen Unfug waren ihre Lieblingsbesch&auml;ftigungen. In dem Abhang des H&uuml;gelwaldes hatten sie wohlverborgen im Gestr&uuml;pp eine R&auml;uberh&ouml;hle angelegt, wo sie ihre geraubten Obstsch&auml;tze aufbewahrten, verbotene Pfeifen rauchten und sonst allerlei unerlaubte Dinge trieben. Bertram hatte sich durch seinen gewaltt&auml;tigen Charakter, seine K&ouml;rperst&auml;rke und Entschlossenheit zum Anf&uuml;hrer dieser kleinen Bande aufgeschwungen, und ihm wurde unweigerlicher Gehorsam gezollt. Eines Tages streifte diese Gesellschaft dort am Abhang umher, als sie eines Knaben namens Roland ansichtig wurde, der in den entfernteren Teilen des Waldes ein stattliches K&ouml;rbchen mit Himbeeren zum Verkauf gesammelt hatte und damit nach Hause gehen wollte. Er war der Sohn einer armen Witwe, die sich k&uuml;mmerlich von ihrer H&auml;nde Arbeit ern&auml;hrte und darin von ihrem Sohne, soweit es in seinen Kr&auml;ften stand, unterst&uuml;tzt wurde. Die Knaben hatten ihn kaum bemerkt, als sie ihn auch schon umringten und die gesammelten Fr&uuml;chte f&uuml;r gute Beute erkl&auml;rten.</font></span></font></p>
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	<font size="3"><span lang=""><font face="Verdana">&raquo;Wie gut, da&szlig; du die Himbeeren f&uuml;r uns gesucht hast!&laquo; sagte Bertram und streckte die Hand nach dem Korbe aus. Allein Roland umklammerte diesen, hielt seine Hand sch&uuml;tzend dar&uuml;ber und rief: &raquo;Ihr d&uuml;rft sie nicht nehmen, ich habe den ganzen Tag daran gesammelt, und meine arme Mutter braucht das Geld!&laquo;</font></span></font></p>
<p>
	<font size="3"><span lang=""><font face="Verdana">&raquo;Oh, sie werden uns ebenso gut schmecken wie dem Advokaten oder dem Kaufmann am Markt, wo du sie verkaufst!&laquo; sagte Bertram; &raquo;her damit!&laquo;</font></span></font></p>
<p>
	<font size="3"><span lang=""><font face="Verdana">Roland sah nun wohl ein, da&szlig; er gegen die &Uuml;bermacht nichts ausrichten w&uuml;rde, allein es kam ihm ein anderer Gedanke.</font></span></font></p>
<p>
	<font size="3"><span lang=""><font face="Verdana">&raquo;Wenn ihr versprechen wollt, mir die Himbeeren zu lassen&laquo;, sagte er rasch, &raquo;so zeige ich euch etwas, das ihr lange gesucht habt. Ich habe das Loch auf dem Burgberge gefunden, wo es in das versunkene Schlo&szlig; hinabgeht.&laquo;</font></span></font></p>
<p>
	<font size="3"><span lang=""><font face="Verdana">&raquo;Ach, was wirst du da gefunden haben&laquo;, sagte Bertram, &raquo;wo wir schon so lange gesucht haben, das sind Ausfl&uuml;chte.&laquo;</font></span></font></p>
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	<font size="3"><span lang=""><font face="Verdana">&raquo;So h&ouml;rt doch nur!&laquo; rief Roland eifrig. &raquo;Ich wei&szlig; dort, wo die alten Steine liegen und so viele dichte Dornen stehen, einen Ort, auf dem die allersch&ouml;nsten Himbeeren wachsen. Nur an einer Stelle kann man zwischen dem Gem&auml;uer und den gro&szlig;en Dornb&uuml;schen durchkriechen, da kommt man an einen Fleck, der rings von dem dichtesten Gestr&uuml;pp eingeschlossen ist. Heute habe ich dort wohl den halben Korb voll Himbeeren gesammelt. W&auml;hrend ich pfl&uuml;ckte, kam mir schon immer ein sonderlicher Geruch in die Nase, es war gerade, als wenn meine Mutter Eierkuchen backt, und zuletzt sah ich in der Mitte des Platzes, wo der Boden etwas erh&ouml;ht war, einen leichten Dampf aufsteigen. Ich dachte, was kann denn dort brennen, und es ward mir ganz unheimlich zumute, denn mir fiel ein, was man alles von dem Ort erz&auml;hlt, und da&szlig; es dort nicht geheuer sein soll. Allein ich fa&szlig;te Mut, schlich mich n&auml;her und bemerkte nun, da&szlig; dieser Rauch zwischen Gras und dichtem Rankenwerk hervorkam. Mit einem Stock schob ich dies beiseite, und ein schwarzes Loch wie von　einem gro&szlig;en Schornstein ward frei. Vorsichtig kroch ich heran und horchte, allein ich konnte nichts wahrnehmen als ein leises Zischen und Schmoren in der Tiefe! Da &uuml;berfiel mich die Angst, und ich machte, da&szlig; ich fortkam. Wenn ihr mir nun die Hand darauf gebt, mir meine Himbeeren zu lassen, so zeige ich euch das Loch.&laquo;</font></span></font></p>
<p>
	<font size="3"><span lang=""><font face="Verdana">Die Knaben hatten mit der gr&ouml;&szlig;ten Aufmerksamkeit und Spannung zugeh&ouml;rt. Bertram streckte seine Hand aus und rief: &raquo;Dort m&uuml;ssen wir hin, schlag ein, Roland.&laquo;</font></span></font></p>
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	<font size="3"><span lang=""><font face="Verdana">Dieser tat es, und alle stiegen nun den H&uuml;gel hinauf und krochen unter den Dornen hindurch, um diese wunderliche Entdeckung in Augenschein zu nehmen.</font></span></font></p>
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	<font size="3"><span lang=""><font face="Verdana">In dem eingeschlossenen Raume war es schw&uuml;l, denn die Sonne brannte hinein, und die dichten Dornb&uuml;sche ringsum hielten jeden Luftzug ab. Ein schwerer Duft, wie ihn die Sommerhitze erzeugt, wenn sie auf gew&uuml;rzigen Kr&auml;utern br&uuml;tet, war rings verbreitet. Die Knaben waren still geworden und starrten ein wenig b&auml;nglich auf die finstere &Ouml;ffnung im Boden hin. Es stieg kein Rauch mehr daraus hervor. Allm&auml;hlich wurden sie dreister, schlichen herzu und blickten, rings auf den Knien liegend, in die dunkle Tiefe hinab. Dabei l&ouml;ste sich ein Steinchen und st&uuml;rzte in den Abgrund, allein so angestrengt sie auch lauschten, sie vernahmen nicht, da&szlig; es unten aufschlug. &raquo;Gro&szlig;e Sch&auml;tze sollen dort liegen&laquo;, sagte Bertram, &raquo;wer dort hinunter k&ouml;nnte!&laquo;</font></span></font></p>
<p>
	<font size="3"><span lang=""><font face="Verdana">Ein Gedanke schien ihm zu kommen; er fl&uuml;sterte einem seiner Genossen, dem Sohne eines Seilers, etwas ins Ohr, dieser kroch hinaus und sprang in der Richtung auf die Stadt eilig den Abhang hinab. Die Knaben erz&auml;hlten nun, was der eine oder der andere &uuml;ber das versunkene Schlo&szlig; geh&ouml;rt hatte. Zwischendurch starrten sie wieder in die Tiefe und horchten, allein nicht das geringste war vernehmlich. Nach einer Weile kehrte der Abgesandte zur&uuml;ck und brachte eine sehr lange W&auml;scheleine mit sich, und Bertram sprach: &raquo;Einer von uns mu&szlig; dort hinabsteigen, wir binden ihm das Seil um den Leib und lassen ihn vorsichtig hinab. Wer von euch hat Lust dazu?&laquo;</font></span></font></p>
<p>
	<font size="3"><span lang=""><font face="Verdana">Allein keiner meldete sich zu diesem Unternehmen. Bertrams Augen fielen auf Roland. &raquo;Dieser&laquo;, sagte er, &raquo;hat das Geheimnis aufgefunden, au&szlig;erdem ist er der leichteste und behendeste, wir wollen ihn hinunterlassen, da&szlig; wir erfahren, was auf dem Grunde verborgen liegt.&laquo; Da auf diese Weise die anderen frei ausgingen, fanden sie s&auml;mtlich den Vorschlag sehr gut und angemessen, jedoch Roland bekam einen t&ouml;dlichen Schreck und w&uuml;nschte, er h&auml;tte seine Himbeeren geopfert und das Geheimnis f&uuml;r sich behalten. Jedoch, ob er sich auch str&auml;ubte und wehrte, es half ihm nichts, das Tau ward um seinen Leib geschlungen, und trotz seiner flehentlichen Bitten ward er mitsamt seinem Korbe, den er krampfhaft festhielt, langsam in das Loch hinabgelassen.</font></span></font></p>
<p>
	<font size="3"><span lang=""><font face="Verdana">Das Seil war fast zu Ende, als es sich kr&uuml;mmte und seine Spannung nachlie&szlig;. Die Knaben zogen an, allein es war ganz leicht und schien offenbar leer zu sein. Sie lie&szlig;en es wieder hinab und riefen in die &Ouml;ffnung hinein, allein es kam keine Antwort. Dann zogen sie wieder an, und nun schien ihnen das Seil wieder beschwert zu sein. Allm&auml;hlich wanden sie es empor, und als das Ende kam, sahen sie, da&szlig; auch wirklich etwas daran hing. &raquo;Na, Roland, wie war&#39;s?&laquo; riefen sie schon, allein wie entsetzten sie sich, als sie bemerkten, da&szlig; es nicht der Knabe war, der an dem Tau hing, sondern eine tote Katze. Alle schrien laut auf und liefen davon. Da nun jeder so schnell wie m&ouml;glich aus dem engen Eingang hinauswollte, so waren sie einander hinderlich, dr&auml;ngten sich und stie&szlig;en sich in die Dornen und schrien, denn alle hatten die unbestimmte Angst, es m&ouml;chte noch etwas viel Gr&auml;ulicheres und Entsetzlicheres hinterherkommen. Als sie sich endlich bla&szlig; und zitternd drau&szlig;en wieder gesammelt hatten, gaben sie sich gegenseitig das Versprechen, f&uuml;rs erste von diesem Vorfall zu schweigen, und begaben sich sehr niedergeschlagen in die Stadt zur&uuml;ck.</font></span></font></p>
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	<font size="3"><span lang=""><font face="Verdana">Nachdem Roland unter Furcht und Zittern eine lange Weile, wie ihm d&uuml;nkte, in dem engen Raum hinabgeglitten war, merkte er, da&szlig; es heller um ihn wurde. Er erkannte die W&auml;nde, die ihn umgaben, und das Gef&uuml;ge der Steine. Dann wurde der Raum noch weiter und heller, und pl&ouml;tzlich f&uuml;hlte er Boden unter seinen F&uuml;&szlig;en. Unwillk&uuml;rlich streifte er das Seil ab, da es ihn gedr&uuml;ckt hatte, und sah sich um. Er stand auf dem Herde einer gro&szlig;en K&uuml;che, die mit gl&auml;nzendem Kupfer- und Zinngeschirr reichlich versehen war. An einem K&uuml;chentisch sa&szlig; ein kleiner, alter, grau gekleideter Mann mit einem Schl&uuml;sselbund an der Seite und a&szlig; Eierkuchen. Dieser kam auf ihn zu, blickte ihn finster aus kleinen schwarzen Augen an und sprach: &raquo;Ungl&uuml;cklicher, kommst du freiwillig an diesen Ort?&laquo; Roland erz&auml;hlte zitternd, wie es ihm ergangen war. Der Alte l&auml;chelte. &raquo;Das ist gut&laquo;, sagte er, &raquo;k&auml;mst du aus freiem Antrieb, so w&uuml;rdest du die Welt nie wiedersehen.&laquo; Dann nahm er etwas hinter dem Herde hervor, das Roland nicht erkennen konnte, und machte sich mit dem Seile zu tun, das eben wieder herabgelassen wurde. Es war Roland, als h&ouml;re er aus weiter Ferne seinen Namen rufen. Dann f&uuml;hrte der Alte den Knaben an den Tisch und hie&szlig; ihn von dem Eierkuchen essen. Dabei bemerkte er den Korb mit Himbeeren und spitzte schmunzelnd die Lippen. &raquo;Ei, mein Junge&laquo;, sagte er, &raquo;was hast du da mitgebracht? Willst du mir die Fr&uuml;chte verkaufen?&laquo;</font></span></font></p>
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	<font size="3"><span lang=""><font face="Verdana">Roland dachte, es w&uuml;rde gut sein, sich diesen Mann zum Freunde zu halten, und sagte: &raquo;Ich schenke sie Euch!&laquo;</font></span></font></p>
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	<font size="3"><span lang=""><font face="Verdana">&raquo;Ei, du freundlicher Knabe&laquo;, sagte der Alte, &raquo;das will ich dir danken, das will ich dir danken.&laquo;</font></span></font></p>
<p>
	<font size="3"><span lang=""><font face="Verdana">Damit langte er mit spitzen Fingern in den Korb und verzehrte einige der Himbeeren unter sichtlichem Behagen. Die &uuml;brigen sch&uuml;ttete er in eine Sch&uuml;ssel und stellte sie sorgf&auml;ltig in einen Schrank. Dann gab er Roland den Korb zur&uuml;ck und sprach: &raquo;Folge mir!&laquo;</font></span></font></p>
<p>
	<font size="3"><span lang=""><font face="Verdana">Er f&uuml;hrte ihn nun durch die pr&auml;chtigen Hallen und R&auml;ume des versunkenen Schlosses, bis sie an eine m&auml;chtige eiserne T&uuml;r gelangten. Diese &ouml;ffnete der Alte, und die　Schatzkammer tat sich vor Rolands erstaunten Blicken auf. Dort lagen wie auf einem Kornboden in m&auml;chtigen Haufen Perlen, Edelsteine und Goldst&uuml;cke aufgespeichert. Von der Decke hing eine strahlende Lampe hernieder, und es funkelte, blitzte und gl&auml;nzte in diesem Raum, da&szlig; es fast die Augen blendete. Der Alte nahm den Korb und f&uuml;llte ihn mit diesen kostbaren Dingen an. Er ward dadurch so schwer, da&szlig; der Knabe ihn kaum zu tragen vermochte. Dann f&uuml;hrte ihn der Alte durch einen langen, schmalen und dunklen Gang, schlo&szlig; eine kleine T&uuml;r auf, und pl&ouml;tzlich strahlte ihnen das helle Tageslicht entgegen. Er streichelte dem kleinen Roland die Wangen und sprach: &raquo;Hab Dank f&uuml;r die sch&ouml;nen Fr&uuml;chte; seit hundert Jahren habe ich dergleichen nicht mehr gesehen und geschmeckt.&laquo; Damit schob er ihn hinaus, und die T&uuml;r fiel krachend ins Schlo&szlig;. Als sich Roland umsah, war keine Spur von einem Eingang zu bemerken, nur gr&uuml;ner Rasen bedeckte gleichm&auml;&szlig;ig den Abhang des H&uuml;gels, an dessen Fu&szlig; er stand. Aber wie sonderbar, eine k&uuml;hle Morgenluft wehte ihm entgegen, und es war doch so schw&uuml;l gewesen, als er seine unfreiwillige Fahrt angetreten hatte. Nach seiner Ansicht mu&szlig;te es jetzt Abend sein, aber dort, wo die Sonne &uuml;ber den D&auml;chern der alten Stadt tief am Himmel stand, war ja Osten. F&uuml;rwahr, der Tag und die ganze Nacht waren vergangen, w&auml;hrend er in dem versunkenen Schlosse gewesen war. Roland dachte an seine gute Mutter und an die Angst, die sie um seinetwegen gewi&szlig; empfand, und eilte, soviel es die schwere Last in seinem Korbe zulie&szlig;, der Stadt zu. Hei, wie aber sein Schatz von Gold und Edelgestein in der Sonne blitzte und funkelte und Strahlen von sich warf! Er raufte schnell ein wenig Gras und Moos aus und deckte ihn damit zu. Dicht vor dem Tore begegnete ihm Bertram mit seinen Genossen. Die Knaben waren noch ganz verst&ouml;rt und wollten wieder auf den Burgberg und noch einen Versuch mit dem Seile anstellen. Ihr freudiges Erstaunen, als sie Roland munter und wohlbehalten vor sich sahen, und ihre Verwunderung, als er sie einen Blick auf seine kostbaren Sch&auml;tze tun lie&szlig;, war　gro&szlig;. Sie eilten, so schnell sie konnten, auf den H&uuml;gel und stritten sich unterwegs darum, wer zuerst in das Loch hinabgelassen werden sollte. Als sie aber oben anlangten, war, soviel sie auch suchten, keine Spur der geheimnisvollen &Ouml;ffnung mehr zu finden. Sie durchkrochen auf den Knien s&auml;mtliche Dorngeb&uuml;sche und st&ouml;berten im Schwei&szlig;e ihres Angesichts den ganzen Tag dort umher, allein alles war und blieb vergeblich.</font></span></font></p>
<p>
	<font size="3"><span lang=""><font face="Verdana">Der kleine Roland und seine Mutter aber waren durch den Schatz des alten Schlo&szlig;h&uuml;ters reiche Leute geworden und hatten genug an Geld und Gut f&uuml;r ihr ganzes Leben.</font></span></font></p>
<hr />
<p>
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<author>INTERNET-MAERCHEN.DE</author>
<category>M&#228;rchen</category>
<category>maerchenletter</category>
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<pubDate>Mon, 09 Aug 2021 20:44:00 GMT</pubDate>
</item>

<item>
<title>M&#228;rchenletter Juli 2021</title>
<description><![CDATA[<p>
	<span style="font-size: 14px;"><strong>Die drei Sprachen</strong></span><br />
	<span style="font-size: 12px;">Gebr. Grimm</span></p>
<p>
	<span style="font-size: 12px;">In der Schweiz lebte einmal ein alter Graf, und hatte nur einen einzigen Sohn, aber der war dumm und konnte nichts lernen. Da sprach der Vater: &bdquo;h&ouml;r mein Sohn, ich bringe nichts in deinen Kopf, ich mag es anfangen, wie ich will, du sollst mir fort, damit ber&uuml;hmte Meister es mit dir versuchen.&ldquo; Nun ward der Junge in eine fremde Stadt geschickt, und blieb bei den Meistern ein ganzes Jahr. Nach Verlauf desselben kam er wieder heim, da fragte ihn der Vater: &bdquo;nun, was hast du gelernt?&ldquo; Der Sohn antwortete: &bdquo;Vater, ich habe gelernt, was die Hunde bellen.&ldquo; &bdquo;Das Gott erbarm! sprach der Vater, das ist alles, was du gelernt hast! nun sollst du in eine andere Stadt, zu andern Meistern.&ldquo; Der Junge ward hingebracht und blieb wieder ein ganzes Jahr; als er darnach zr&uuml;ck kam, sprach der Vater: &bdquo;nun, was hast du gelernt?&ldquo; Der Sohn antwortete: &bdquo;Vater, ich habe gelernt, was die V&ouml;gli sprechen.&ldquo; Da ward der Vater zornig und rief: &bdquo;o du verlorner Mensch! hast die kostbare Zeit wieder zugebracht und nichts gelernt, und sch&auml;mst dich nicht mir vor die Augen zu kommen? nun schick ich dich zum drittenmal zu andern Meistern, aber lernst du diesmal nichts, so will ich dein Vater nicht mehr seyn.&ldquo; Da ward der Sohn wieder in eine andere Stadt zu den Meistern gebracht und blieb das ganze Jahr da; als er nach Haus kam, fragte der Vater: &bdquo;nun, was hast du gelernt?&ldquo; &bdquo;Lieber Vater, antwortete er, ich habe dieses Jahr gelernt, was die Fr&ouml;sche quacken.&ldquo; Da ward der Vater ganz zornig, sprang auf, rief seine Leute und sagte: &bdquo;dieser Mensch ist mein Sohn nicht mehr, ich sto&szlig;e ihn von mir und gebiet euch, ihn hinaus in den Wald zu f&uuml;hren und zu t&ouml;dten.&ldquo; Sie nahmen ihn und f&uuml;hrten ihn hinaus, aber als sie ihn t&ouml;dten sollten, konnten sie nicht vor Mitleiden und lie&szlig;en ihn gehen, und schnitten einem Reh Augen und Zunge aus, damit sie dem Alten die Wahrzeichen bringen konnten.<br />
	Der J&uuml;ngling wanderte fort und kam nach einiger Zeit zu einer Burg, da bat er um Nachtherberge. &bdquo;Ja, sagte der Burgherr, wenn du da unten in dem alten Turm &uuml;bernachten willst, so geh hin, aber er ist lebensgef&auml;hrlich, denn er ist voll wilder Hunde, die bellen und heulen in einem fort und m&uuml;ssen zu gewissen Stunden einen Menschen ausgeliefert haben, den sie gleich verzehren.&ldquo; Dar&uuml;ber war aber die ganze Gegend umher in Trauer und Leid, und konnte doch niemand helfen. Der J&uuml;ngling sprach: &bdquo;la&szlig;t mich nur hinab zu den bellenden Hunden, und gebt mir etwas, das ich ihnen vorwerfen kann, mir sollen sie nichts thun.&ldquo; Weil er es nun selber nicht anders wollte, so gaben sie ihm etwas Essen f&uuml;r die wilden Tiere und f&uuml;hrten ihn hinab zu dem Turm. Und als er hineintrat, wedelten die Hunde freundlich um ihn herum und kr&uuml;mmten ihm kein H&auml;rchen, sondern a&szlig;en, was er ihnen hinsetzte. Am andern Morgen kam er zu jedermanns Erstaunen gesund und unversehrt wieder heraus, und sagte zum Burgherrn. &bdquo;Die Hunde haben mir in ihrer Sprache offenbart, warum sie da hausen und dem Lande schaden: sie sind verw&uuml;nscht, so lang einen gro&szlig;en Schatz im Thurme zu h&uuml;ten, bis dieser gehoben ist, dann kommen sie zur Ruhe. Ich habe auch aus ihren Reden vernommen, auf was Art und Weise dies geschehen mu&szlig;.&ldquo; Bei diesen Worten war allgemeine Freude und der Burgherr sprach: &bdquo;wenn du mir den Schatz gl&uuml;cklich hebst, so soll meine Tochter deine Braut seyn.&ldquo; Da unternahm es der J&uuml;ngling und hob den gro&szlig;en Schatz, worauf die wilden Hunde verschwanden. Nun ward ihm die sch&ouml;ne Jungfrau angetraut und sie lebten vergn&uuml;gt zusammen.</span></p>
<p>
	<span style="font-size: 12px;">&Uuml;ber eine Zeit setzte er sich mit ihr in einen Wagen und wollte nach Rom fahren; auf dem Weg kamen sie an einem Sumpf vorbei, in welchem Fr&ouml;sche sa&szlig;en und quackten. Der junge Graf verstand was sie sprachen und war ganz nachdenklich und traurig, sagte aber die Ursache seiner Frau nicht. Endlich gelangten sie in Rom an, da war gerade der Pabst gestorben und unter den Kardin&auml;len gro&szlig;er Zweifel, wen sie zum Nachfolger bestimmen sollten. Sie wurden zuletzt einig, derjenige, an dem sich ein g&ouml;ttliches Wunderzeichen offenbaren w&uuml;rde, sollte zum Pabst erw&auml;hlt werden. Und als sie das eben beschlossen, in demselben Augenblick trat der junge Graf in die Kirche und pl&ouml;tzlich flogen zwei schneewei&szlig;e Tauben auf jede seiner Schultern und blieben da sitzen. Wie das die Geistlichkeit sah, erkannte sie das Zeichen Gottes und frug ihn auf der Stelle, ob er ihr Pabst werden wolle? er war unschl&uuml;&szlig;ig und wu&szlig;te nicht, ob er dessen w&uuml;rdig sey, aber die Tauben redeten ihm zu, da&szlig; er es tun m&ouml;gte und er antwortete: ja! Da wurde er gesalbt und geweiht und so war eingetroffen, was ihm die Fr&ouml;sche unterwegs gesagt hatten, und wor&uuml;ber er so best&uuml;rzt geworden, da&szlig; er der heilige Pabst werden sollte. Darauf mu&szlig;te er eine Messe singen und wu&szlig;te kein Wort davon, aber die zwei Tauben sa&szlig;en ihm stets auf den Schultern und redeten ihm jedes Wort in das Ohr, das er zu sagen hatte.</span></p>
<hr />
<p>
	<span style="font-size: 12px;">Du erh&auml;ltst diese Nachricht, weil Du Mitglied vom &quot;maerchenletter&quot; bist.<br />
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<link>https://internet-maerchen.de/maerchen/3sprachen.htm</link>
<author>INTERNET-MAERCHEN.DE</author>
<category>M&#228;rchen</category>
<category>maerchenletter</category>
<guid  isPermaLink="false">56c57d39-ced8-417a-b964-2b3b23c0d449</guid>
<pubDate>Mon, 12 Jul 2021 20:58:00 GMT</pubDate>
</item>

<item>
<title>M&#228;rchenletter Juni 2021</title>
<description><![CDATA[<div class="_3wPrb">
	<div class="_3MF9s">
		<h1>
			Strohhalm, Kohle und Bohne</h1>
	</div>
	<div class="_3MF9s">
		<p>
			Gebr. Grimm</p>
	</div>
	<div class="_3MF9s">
		<p>
			In einem Dorfe wohnte eine arme alte Frau, die hatte ein Gericht Bohnen zusammen gebracht und wollte sie kochen. Sie machte also auf ihrem Herd ein Feuer zurecht, und damit es desto schneller brennen sollte, z&uuml;ndete sie es mit einer Hand voll Stroh an. Als sie die Bohnen in den Topf sch&uuml;ttete, entfiel ihr unbemerkt eine, die auf dem Boden neben einen Strohhalm zu liegen kam; bald danach sprang auch eine gl&uuml;hende Kohle vom Herd zu den beiden herab. Da fing der Strohhalm an und sprach &bdquo;liebe Freunde, von wannen kommt ihr her?&ldquo; Die Kohle antwortete &bdquo;ich bin zu gutem Gl&uuml;ck dem Feuer entsprungen, und h&auml;tte ich das nicht mit Gewalt durchgesetzt, so war mir der Tod gewiss: ich w&auml;re zu Asche verbrannt.&ldquo; Die Bohne sagte &bdquo;ich bin auch noch mit heiler Haut davon gekommen, aber h&auml;tte mich die Alte in den Topf gebracht, ich w&auml;re ohne Barmherzigkeit zu Brei gekocht worden, wie meine Kameraden.&ldquo; &bdquo;W&auml;re mir denn ein besser Schicksal zu Teil geworden?&ldquo; sprach das Stroh, &bdquo;alle meine Br&uuml;der hat die Alte in Feuer und Rauch aufgehen lassen, sechszig hat sie auf einmal gepackt und ums Leben gebracht. Gl&uuml;cklicherweise bin ich ihr zwischen den Fingern durchgeschl&uuml;pft.&ldquo; &bdquo;Was sollen wir aber nun anfangen?&ldquo; sprach die Kohle. &bdquo;Ich meine,&ldquo; antwortete die Bohne, &bdquo;weil wir so gl&uuml;cklich dem Tode entronnen sind, so wollen wir uns als gute Gesellen zusammen halten und, damit uns hier nicht wieder ein neues Ungl&uuml;ck ereilt, gemeinschaftlich auswandern und in ein fremdes Land ziehen.&ldquo;</p>
	</div>
	<div class="_3MF9s">
		<p>
			Der Vorschlag gefiel den beiden andern, und sie machten sich miteinander auf den Weg. Bald aber kamen sie an einen kleinen Bach, und da keine Br&uuml;cke oder Steg da war, so wussten sie nicht wie sie hin&uuml;ber kommen sollten. Der Strohhalm fand guten Rath und sprach &bdquo;ich will mich quer &uuml;ber legen, so k&ouml;nnt ihr auf mir wie auf einer Br&uuml;cke hin&uuml;ber gehen.&ldquo; Der Strohhalm streckte sich also von einem Ufer zum andern, und die Kohle, die von hitziger Natur war, trippelte auch ganz keck auf die neugebaute Br&uuml;cke. Als sie aber in die Mitte gekommen war und unter ihr das Wasser rauschen h&ouml;rte, ward ihr doch angst: sie blieb stehen und getraute sich nicht weiter. Der Strohhalm aber fing an zu brennen, zerbrach in zwei St&uuml;cke und fiel in den Bach: die Kohle rutschte nach, zischte wie sie ins Wasser kam und gab den Geist auf. Die Bohne, die vorsichtigerweise noch auf dem Ufer zur&uuml;ckgeblieben war, musste &uuml;ber die Geschichte lachen, konnte nicht aufh&ouml;ren und lachte so gewaltig dass sie zerplatzte. Nun war es ebenfalls um sie geschehen, wenn nicht zu gutem Gl&uuml;ck ein Schneider, der auf der Wanderschaft war, sich an dem Bach ausgeruht h&auml;tte. Weil er ein mitleidiges Herz hatte, so holte er Nadel und Zwirn heraus und n&auml;hte sie zusammen. Die Bohne bedankte sich bei ihm aufs sch&ouml;nste, aber da er schwarzen Zwirn gebraucht hatte, so haben seit der Zeit alle Bohnen eine schwarze Naht.</p>
	</div>
</div>
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<link>https://internet-maerchen.de/mobile/strohhalm-kohle-und-bohne/</link>
<author>INTERNET-MAERCHEN.DE</author>
<category>M&#228;rchen</category>
<category>maerchenletter</category>
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<pubDate>Mon, 14 Jun 2021 18:31:00 GMT</pubDate>
</item>

<item>
<title>M&#228;rchenletter Mai 2021</title>
<description><![CDATA[<p>
	Das alte Haus<br />
	Hans Chr. Andersen</p>
<p>
	<br />
	Dr&uuml;ben in der Stra&szlig;e stand ein altes, altes Haus, das war fast dreihundert Jahr alt, so konnte man an einem Balken lesen, an dem die Jahreszahl zugleich mit Tulpen und Hopfenranken eingekerbt war. Da standen ganze Verse in der Schreibweise alter Tage, und &uuml;ber jedem Fenster war ein fratzenhaftes Gesicht in den Balken eingeschnitten. Das obere Stockwerk hing weit &uuml;ber das untere, und unter dem Dache war eine Bleirinne mit Drachenk&ouml;pfen. Das Regenwasser sollte aus dem Rachen herauslaufen, aber es lief aus dem Bauche, denn es war ein Loch in der Rinne.<br />
	Alle anderen H&auml;user in der Stra&szlig;e waren so neu und so nett, mit gro&szlig;en Scheiben und glatten W&auml;nden, und man konnte wohl sehen, dass sie nichts mit dem alten Haus zu tun haben wollten. Sie dachten wohl: &quot;Wie lange soll das Ger&uuml;mpel hier noch der Stra&szlig;e zur Schande stehen bleiben. Der Erker steht so weit heraus, dass niemand aus unseren Fenstern sehen kann, was auf der anderen Seite geschieht! Die Treppe ist so breit, wie bei einem Schloss und so hoch wie bei einem Kirchturm. Das Eisengel&auml;nder sieht ja aus, wie die T&uuml;r zu einem alten Erbbegr&auml;bnis, dazu hat es noch Messingkn&ouml;pfe. Das ist geschmacklos!&quot;<br />
	Gerade gegen&uuml;ber in der Stra&szlig;e standen auch neue und nette H&auml;user, und sie dachten wie die anderen. Aber am Fenster sa&szlig; hier ein kleiner Knabe mit frischen, roten Wangen, mit klaren, strahlenden Augen, dem das alte Haus am besten gefiel sowohl im Sonnenschein wie im Mondschein. Wenn er nach der Mauer hin&uuml;ber sah, wo der Kalk abgebr&ouml;ckelt war, konnte er sitzen und sich die wunderbarsten Bilder ausdenken: wie wohl die Stra&szlig;e fr&uuml;her ausgesehen haben mochte mit Treppen, Erkern und spitzen Giebeln. Er konnte Soldaten mit Hellebarden sehen, und Dachrinnen, die wie Drachen und Lindw&uuml;rmer herumliefen. &ndash; Das war so recht ein Haus zum Betrachten. Und dr&uuml;ben wohnte ein alter Mann; der ging in Kniehosen, hatte einen Rock mit gro&szlig;en Messingkn&ouml;pfen und eine Per&uuml;cke, bei der man sehen konnte, dass es eine wirkliche Per&uuml;cke war. Jeden Morgen kam ein alter Diener zu ihm, der aufr&auml;umte und G&auml;nge besorgte. Sonst war der alte Mann in den Kniehosen ganz allein in dem alten Hause. Zwischendurch kam er wohl einmal ans Fenster und sah hinaus, und der kleine Knabe nickte zu ihm hin&uuml;ber; der alte Mann nickte wieder, und so wurden sie Bekannte, und so wurden sie Freunde, obwohl sie niemals miteinander gesprochen hatten. Aber das war auch unn&ouml;tig.<br />
	Der kleine Knabe h&ouml;rte seine Eltern sagen: &quot;Der alte Mann da dr&uuml;ben hat es gut, aber er ist so schrecklich allein!&quot;<br />
	Am n&auml;chsten Sonntag nahm der kleine Knabe etwas, wickelte es in ein St&uuml;ck Papier, ging vor die T&uuml;r, und als der Diener, der die G&auml;nge besorgte, vorbeikam, sagte er zu ihm: &quot;H&ouml;r, willst Du dem alten Mann da dr&uuml;ben das von mir bringen? Ich habe zwei Zinnsoldaten, dies ist der eine; er soll ihn haben, denn ich wei&szlig;, dass er so schrecklich allein ist.&quot;<br />
	Und der alte Diener sah ganz vergn&uuml;gt aus, nickte und trug den Zinnsoldaten hin&uuml;ber in das alte Haus. Darauf kam von dr&uuml;ben ein Bote mit der Anfrage, ob der kleine Knabe wohl Lust h&auml;tte, selbst einmal her&uuml;ber zu kommen und Besuch zu machen. Dazu bekam er von seinen Eltern Erlaubnis, und so kam er in das alte Haus hin&uuml;ber.<br />
	Die Messingkn&ouml;pfe am Treppengel&auml;nder gl&auml;nzten viel st&auml;rker als sonst. Man h&auml;tte glauben m&ouml;gen, dass sie des Besuches wegen poliert worden w&auml;ren. Und es war, als ob die geschnitzten Trompeter &ndash; denn es waren geschnitzte Trompeter an der T&uuml;r, die in den Tulpen standen &ndash; aus Leibeskr&auml;ften bliesen; ihre Backen sahen viel dicker aus als zuvor. Ja, sie bliesen: &quot;Tratteratra. Der kleine Knabe kommt. Tratteratra!&quot; und dann ging die T&uuml;re auf. Den ganzen Gang entlang hingen alte Portr&auml;ts, Ritter in Harnischen und Frauen in Seidenkleidern. Und die Harnische rasselten und die seiden Kleider raschelten! Dann kam eine Treppe, die ging ein gro&szlig;es St&uuml;ck hinauf und ein kleines hinab und dann war man auf einem Altan, der freilich sehr altersschwach und voller gro&szlig;er L&ouml;cher und Risse war, aber daraus hervor wuchsen Gras und Bl&auml;tter; denn der ganze Altan, der Hof und die Mauern waren mit soviel Gr&uuml;n bewachsen, dass es wie ein Garten aussah. Aber es war nur ein Altan. Hier standen alte Blument&ouml;pfe, die Gesichter und Eselsohren hatten. Die Blumen darin wuchsen aber ganz wie sie selbst wollten. In dem einen Topf liefen die Nelken nach allen Seiten &uuml;ber den Rand, das hei&szlig;t das Gr&uuml;ne, Sch&ouml;ssling neben Sch&ouml;ssling, und ganz deutlich sagten sie: &quot;Die Luft hat mich gestreichelt, die Sonne hat mich gek&uuml;sst und mir am Sonntag eine kleine Blume versprochen, eine kleine Blume am Sonntag.&quot;<br />
	Und dann kamen sie in eine Kammer hinein, wo die W&auml;nde mit Schweinsleder bezogen waren, darauf waren goldene Blumen gedruckt.<br />
	&quot;Vergoldung vergeht, aber Schweinsleder besteht&quot; sagten die W&auml;nde.<br />
	Und Lehnst&uuml;hle standen da mit hohen R&uuml;cken, &uuml;ber und &uuml;ber geschnitzt, und mit Armen an beiden Seiten. &quot;Sitz nieder! Sitz nieder!&quot; sagten sie; &quot;O, wie es in mir knackt! Nun bekomme ich die Gicht wie der alte Schrank. Gicht im R&uuml;cken. O!&quot;<br />
	Und dann kam der kleine Knabe in die Stube hinein, wo der Erker war und wo der alte Mann sa&szlig;.<br />
	&quot;Sch&ouml;nen Dank f&uuml;r den Zinnsoldaten, mein kleiner Freund&quot; sagte der alte Mann. &quot;Und Dank, dass Du zu mir her&uuml;berkommst!&quot;<br />
	&quot;Dank, Dank,&quot; oder &quot;Knack, Knack,&quot; sagte es in allen M&ouml;beln. Da waren so viele, dass sie sich fast im Wege standen, um den kleinen Knaben anzusehen.<br />
	Mitten an der Wand hing eine Malerei mit einer wundersch&ouml;nen Dame, so jung, so froh, aber ganz so gekleidet, wie vor alten Zeiten, mit Puder im Haar und Kleidern, die ganz steif um sie herum standen. Sie sagte weder &quot;Dank&quot; noch &quot;Knack&quot;, aber sah mit ihren freundlichen Augen den kleinen Knaben an, der sogleich den alten Mann fragte: &quot;Wo hast Du sie her bekommen?&quot;<br />
	&quot;Dr&uuml;ben vom Tr&ouml;dler&quot; sagte der alte Mann. &quot;Da h&auml;ngen so viele Bilder. Keiner kennt sie mehr und macht sich etwas daraus, denn alle sind nun begraben. Aber in alten Tagen habe ich sie gekannt; nun ist sie tot schon seit fast einem halben Jahrhundert&quot;<br />
	Und unter der Malerei hing unter Glas ein verwelkter Blumenstrau&szlig;. Der hatte gewiss auch ein halbes Jahrhundert gesehen, so alt war er. Und der Perpendikel an der gro&szlig;en Uhr ging hin und her und der Zeiger drehte sich und alle Dinge in der Stube wurden immer &auml;lter, aber das merkten sie nicht.<br />
	&quot;Sie sagen zuhause,&quot; sagte der kleine Knabe, &quot;dass Du so schrecklich einsam bist.&quot;<br />
	&quot;O,&quot; sagte er, &quot;die alten Gedanken mit allem, was sie so mit sich f&uuml;hren k&ouml;nnen, kommen und besuchen mich, und nun kommst Du ja auch. Mir geht es ganz gut.&quot;<br />
	&quot;Und dann nahm er vom B&uuml;cherbrett ein Buch mit Bildern. Darin waren ganze Aufz&uuml;ge, die wunderlichsten Karossen, die man heute nicht mehr zu sehen bekommt, Soldaten wie auf den Spielkarten und B&uuml;rger mit wehenden Fahnen. Die Schneider hatten eine mit einer Schere, die von zwei L&ouml;wen gehalten wurde, und die Schuhmacher hatten eine ohne Stiefel, aber mit einem Adler, der zwei K&ouml;pfe besa&szlig;, denn die Schuhmacher m&uuml;ssen alles so haben, dass sie sagen k&ouml;nnen: das ist ein Paar. &ndash; Ja, das war ein Bilderbuch.<br />
	Und der alte Mann ging in die andere Stube, um Eingezuckertes und &Auml;pfel und N&uuml;sse zu holen; &ndash; es war wirklich pr&auml;chtig hier dr&uuml;ben in dem alten Hause.<br />
	&quot;Ich kann es nicht aushalten!&quot; sagte der Zinnsoldat, der auf der Kommode stand; &quot;hier ist es so einsam und traurig; nein, wenn man einmal Familienleben kennen gelernt hat, kann man sich hier nicht eingew&ouml;hnen. &ndash; Ich kann das nicht aushalten! Der ganze Tag ist so lang und der Abend noch l&auml;nger. Hier ist es nicht wie dr&uuml;ben bei Dir, wo Deine Mutter und Dein Vater so fr&ouml;hlich miteinander sprachen, und wo Du und alle Ihr s&uuml;&szlig;en Kinder einen so pr&auml;chtigen Spektakel machtet! Nein, wie allein der alte Mann ist. Glaubst Du, er bekommt einen Kuss? Glaubst Du, jemand macht ihm freundliche Augen oder einen Weihnachtsbaum? Er bekommt gar nichts, nur ein Begr&auml;bnis &ndash; Ich kann das nicht aushalten!&quot;<br />
	&quot;Du musst es nicht so schwer nehmen!&quot; sagte der kleine Knabe, &quot;mir kommt es hier herrlich vor, und alle die alten Gedanken mit dem, was sie so mit sich f&uuml;hren k&ouml;nnen, kommen ja auch und machen Besuch.&quot;<br />
	&quot;Ja, die sehe ich nicht, und die kenne ich nicht&quot; sagte der Zinnsoldat. &quot;Ich kann das nicht aushalten!&quot;<br />
	&quot;Das musst Du&quot; sagte der kleine Knabe.<br />
	Und der alte Mann kam mit dem vergn&uuml;gtesten Gesicht und mit dem herrlichsten Eingemachten und &Auml;pfeln und N&uuml;ssen, und da dachte der kleine Knabe nicht mehr an den Zinnsoldaten.<br />
	Gl&uuml;cklich und froh kam der kleine Knabe heim. Es vergingen Wochen und Tage, es wurde zu dem alten Hause und von dem alten Hause hin&uuml;bergenickt, und dann kam der kleine Knabe wieder hin&uuml;ber.<br />
	Und die geschnitzten Trompeter bliesen: &quot;Tratteratra. Da ist der kleine Knabe. Tratteratra&quot; Und Schwerter und R&uuml;stungen auf den alten Ritterbildern rasselten und die Seidenkleider raschelten, das Schweinsleder sprach und die alten St&uuml;hle hatten Gicht im R&uuml;cken: &quot;au!&quot; Es war ganz genau wie beim ersten Mal, denn hier dr&uuml;ben war ein Tag und eine Stunde ganz wie die andere.<br />
	&quot;Ich kann das nicht aushalten!&quot; sagte der Zinnsoldat. &quot;Ich habe Zinn geweint! Hier ist es allzu traurig lass mich lieber in den Krieg ziehen und Arme und Beine verlieren! Das ist doch eine Abwechslung. Ich kann das nicht aushalten! &ndash; nun wei&szlig; ich, was das hei&szlig;t, Besuch von seinen alten Gedanken zu bekommen, mit dem was sie mit sich f&uuml;hren k&ouml;nnen. Ich habe von meinen Besuch gehabt, und Du kannst mir glauben, es ist kein Vergn&uuml;gen auf die Dauer. Ich war zuletzt nahe daran, von der Kommode zu springen. Euch alle da dr&uuml;ben sah ich so deutlich, als ob Ihr wirklich hier w&auml;ret; es war wieder der Sonntagmorgen &ndash; Du wei&szlig;t doch noch. Alle Ihr Kinder standet vor dem Tische und sangt Eure Lieder, wie Ihr sie jeden Morgen singt. Ihr standet and&auml;chtig mit gefalteten H&auml;nden, und Vater und Mutter waren ebenso feierlich, und dann ging die T&uuml;r auf, und die kleine Schwester Maria, die noch nicht zwei Jahre alt war, und die immer tanzte, wenn sie Musik oder Gesang h&ouml;rte, was f&uuml;r eine Art es auch sein mochte, wurde hereingeschoben. Sie sollte es nun eigentlich nicht &ndash; aber sie fing an zu tanzen, konnte jedoch nicht recht in den Takt kommen, denn die T&ouml;ne waren so lang, und so stand sie erst auf dem einen Bein und bog den Kopf ganz nach vorn &uuml;ber, und dann auf dem andern Bein und den Kopf noch weiter vorn&uuml;ber, aber es wollte nicht recht gehen. Ihr standet alle ganz ernst da, obgleich es recht schwer hielt damit; ich aber lachte innerlich, und deshalb fiel ich vom Tische herunter und bekam eine Beule, mit der ich jetzt noch gehe, denn es war nicht recht von mir, zu lachen. Aber das Ganze zieht jetzt wieder innerlich an mir vor&uuml;ber und noch manches andere, was ich so erlebt habe. Das werden wohl die alten Gedanken sein, mit allem, was sie mit sich f&uuml;hren k&ouml;nnen. Sag mir, singt Ihr noch immer an den Sonntagen? Erz&auml;hle mir ein bisschen von der kleinen Maria. Und wie geht es meinem Kameraden, dem andern Zinnsoldaten? Ja, er ist wirklich gl&uuml;cklich. Ich kann das nicht aushalten.&quot;<br />
	&quot;Du bist weggeschenkt!&quot; sagte der kleine Knabe. &quot;Du musst bleiben. Kannst Du das nicht einsehen?&quot;<br />
	Und der alte Mann kam mit einem Kasten, worin es viele Dinge zu sehen gab, seltsame, kleine H&auml;uschen, Balsamb&uuml;chsen und alte Karten, so gro&szlig; und dick vergoldet, wie man sie jetzt gar nicht mehr sieht. Und es wurden gro&szlig;e Schubladen aufgezogen und das Klavier wurde ge&ouml;ffnet; das hatte eine Landschaft inwendig auf dem Deckel und war ganz heiser, als der alte Mann darauf spielte. Er summte dabei eine alte Weise.<br />
	&quot;Ja, die konnte sie singen&quot; sagte er, und dann nickte er zu dem Portr&auml;t hin&uuml;ber, das er beim Tr&ouml;dler gekauft hatte, und des alten Mannes Augen leuchteten auf.<br />
	&quot;Ich will in den Krieg! Ich will in den Kriegt&quot; rief pl&ouml;tzlich der Zinnsoldat so laut er konnte und st&uuml;rzte sich auf den Fu&szlig;boden.<br />
	Ja, wo war er geblieben? Der alte Mann suchte, der kleine Knabe suchte, aber fort war er und fort blieb er. &quot;Ich werde ihn schon finden!&quot; sagte der Alte, aber er fand ihn nie mehr! Der Fu&szlig;boden hatte allzu gro&szlig;e L&ouml;cher und Ritzen. Der Zinnsoldat war durch eine Spalte gefallen, und dort lag er im offenen Grabe.<br />
	Und der Tag verging, und der kleine Knabe kam heim, und die Woche verging und noch viele Wochen. Die Fenster waren ganz zugefroren. Der kleine Knabe musste sitzen und darauf blasen, um ein Guckloch zu dem alten Haus hin&uuml;ber zu bekommen. Dort war der Schnee in alle Schn&ouml;rkel und Inschriften hineingefegt. Er lag dicht &uuml;ber der Treppe, gerade, als sei niemand dort zuhause. Und es war auch niemand zuhause, der alte Mann war tot.<br />
	Am Abend hielt ein Wagen davor, und zu ihm herunter trug man ihn in seinem Sarge. Er sollte drau&szlig;en auf dem Lande in seinem Erbbegr&auml;bnis beerdigt werden. Da fuhr er nun, aber niemand folgte, alle seine Freunde waren ja tot. Nur der kleine Knabe warf dem Sarge viele Kussh&auml;nde nach, als er fortfuhr.<br />
	Einige Tage sp&auml;ter war Auktion in dem alten Hause, und der kleine Knabe sah von seinem Fenster aus, wie man die alten Ritter und die alten Damen, die Blument&ouml;pfe mit den langen Ohren, die alten St&uuml;hle und die alten Schr&auml;nke wegtrug. Einiges kam hierhin, einiges dorthin. Das Portr&auml;t von ihr, das er beim Tr&ouml;dler gefunden hatte, kam wieder zum Tr&ouml;dler und dort blieb es h&auml;ngen; denn nun kannte sie niemand mehr, und niemand k&uuml;mmerte sich um das alte Bild.<br />
	Im Fr&uuml;hjahr riss man auch das Haus nieder, denn es sei nur ein altes Ger&uuml;mpel, sagten die Leute. Von der Stra&szlig;e aus konnte man gerade in die Stuben mit dem Schweinslederbezug hineinsehen, der zerfetzt und heruntergerissen wurde. Und all das Gr&uuml;ne hing vom Altan wild um die fallenden Balken herab. &ndash; Und dann wurde dort aufger&auml;umt.<br />
	&quot;Das half!&quot; sagten die Nachbarh&auml;user.<br />
	Und es wurde ein herrliches, neues Haus dort gebaut mit gro&szlig;en Fenstern und wei&szlig;en, glatten Mauern. Aber vorne, wo eigentlich das alte Haus gestanden hatte, wurde ein kleiner Garten angelegt, und zu des Nachbarhauses Mauern hinauf wuchsen wilde Weinranken. Vor den Garten kam ein gro&szlig;es eisernes Gitter mit eiserner T&uuml;r; das sah gar stattlich aus. Die Leute standen still und schauten hinein. Und die Spatzen hingen sich dutzendweil an die Weinranken und nahmen einander das Wort vom Munde, so gut sie konnten, aber es war nicht das alte Haus, wor&uuml;ber sie sprachen, denn darauf konnten sie sich nicht besinnen. Es waren nun schon so viele Jahre dar&uuml;ber hingegangen, dass der kleine Knabe zu einem gro&szlig;en Manne herangewachsen war, ja, zu einem t&uuml;chtigen Mann, an dem seine Eltern Freude hatten. Er hatte sich eben verheiratet und war mit seiner kleinen Frau hier in das Haus gezogen, wo der Garten war. Und er stand dort bei ihr, w&auml;hrend sie eine Feldblume pflanzte, die sie gar niedlich fand. Sie pflanzte sie mit ihrer kleinen Hand und klopfte die Erde mit den Fingern fest. &ndash; Au, was war das? Sie hatte sich gestochen. Da sa&szlig; etwas Spitzes gerade oben auf der weichen Erde.<br />
	Es war &ndash; ja denk nur. Es war der Zinnsoldat, er, der bei dem alten Mann da oben fortgekommen war, der inzwischen bei Zimmerholz und Schutt herumgebummelt, sich t&uuml;chtig getummelt und zuletzt viele Jahre lang in der Erde gelegen hatte.<br />
	Und die junge Frau wischte den Soldaten zuerst mit einem gr&uuml;nen Blatte, dann mit ihrem feinen Taschentuch ab; das hatte einen so lieblichen Duft. Und es war dem Zinnsoldaten, als erwache er aus einer Ohnmacht.<br />
	&quot;Lass mich sehen!&quot; sagte der junge Mann, dann lachte er und sch&uuml;ttelte den Kopf. &quot;Ja, er kann es wohl nicht gut sein, aber er erinnert mich an eine Geschichte mit einem Zinnsoldaten, die geschah, als ich noch ein kleiner Knabe war.&quot; Und dann erz&auml;hlte er seiner Frau von dem alten Hause und dem alten Manne und dem Zinnsoldaten, den er ihm hin&uuml;bergeschickt hatte, weil er so schrecklich allein war. Und er erz&auml;hlte es ganz genau so, wie es wirklich gewesen war, so dass der jungen Frau Tr&auml;nen in die Augen stiegen &uuml;ber das alte Haus und den alten Mann.<br />
	&quot;Es kann doch sein, dass es derselbe Zinnsoldat ist!&quot; sagte sie. &quot;Ich will ihn aufbewahren und alles behalten, was Du mir erz&auml;hlt hast. Aber des alten Mannes Grab musst Du mir zeigen!&quot;<br />
	&quot;Ja, das wei&szlig; ich nicht,&quot; sagte er, &quot;und niemand wei&szlig; es. Alle seine Freunde waren tot, niemand k&uuml;mmerte sich darum, und ich war ja ein kleiner Knabe.&quot;<br />
	&quot;Wie schrecklich allein muss er gewesen sein.&quot; sagte sie.<br />
	&quot;Schrecklich allein!&quot; sagte der Zinnsoldat, &quot;aber es ist herrlich, nicht vergessen zu sein.&quot;<br />
	&quot;Herrlich!&quot; rief etwas dicht daneben; aber niemand au&szlig;er dem Zinnsoldaten sah, dass es ein Fetzen von dem schweinsledernen Bezuge war. Er war ohne alle Vergoldung und sah aus wie nasse Erde, aber eine Meinung hatte er, und die sprach er aus:<br />
	&quot;Vergoldung vergeht, Aber Schweinsleder besteht.&quot; Doch das glaubte der Zinnsoldat nicht.</p>
<p>
	&nbsp;</p>
]]></description>
<link>https://internet-maerchen.de/maerchen/alte-haus.htm</link>
<author>INTERNET-MAERCHEN.DE</author>
<category>M&#228;rchen</category>
<category>maerchenletter</category>
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<pubDate>Mon, 10 May 2021 19:07:00 GMT</pubDate>
</item>

<item>
<title>M&#228;rchenletter April 2021</title>
<description><![CDATA[<p align="center">
	<font face="Verdana"><font color="#804040" size="4">Die zwei Br&uuml;der<br />
	</font><font size="2">Gebr. Grimm</font></font></p>
<p align="center">
	&nbsp;</p>
<hr />
<p align="justify">
	<font face="Verdana" size="3">Es waren einmal zwei Br&uuml;der, ein reicher und ein armer. Der reiche war ein Goldschmied und b&ouml;s von Herzen; der arme n&auml;hrte sich davon, dass er Besen band, und war gut und redlich. Der arme hatte zwei Kinder, das waren Zwillingsbr&uuml;der und sich so &auml;hnlich wie ein Tropfen Wasser dem andern. Die zwei Knaben gingen in des reichen Haus ab und zu und erhielten von dem Abfall manchmal etwas zu essen. Es trug sich zu, dass der arme Mann. als er in den Wald ging, Reisig zu holen, einen Vogel sah, der ganz golden war und so sch&ouml;n, wie ihm noch niemals einer vor Augen gekommen war. Da hob er ein Steinchen auf, warf nach ihm und traf ihn auch gl&uuml;cklich; es fiel aber nur eine goldene Feder herab, und der Vogel flog fort. Der Mann nahm die Feder und brachte sie seinem Bruder, der sah sie an und sprach: &quot;Es ist eitel Gold!&quot; und gab ihm viel Geld daf&uuml;r. Am andern Tag stieg der Mann auf einen Birkenbaum und wollte ein paar &Auml;ste abhauen; da flog derselbe Vogel heraus, und als der Mann nachsuchte, fand er ein Nest, und ein Ei lag darin, das war von Gold. Er nahm das Ei mit heim und brachte es seinem Bruder, der sprach wiederum: &quot;Es ist eitel Gold!&quot; und gab ihm, was es wert war. Zuletzt sagte der Goldschmied: &quot;Den Vogel selber m&ouml;cht&#39; ich wohl haben.&quot; Der Arme ging zum drittenmal in den Wald und sah den Goldvogel wieder auf dem Baume sitzen; da nahm er einen Stein, warf ihn herunter und brachte ihn seinem Bruder, der gab ihm einen gro&szlig;en Haufen Gold daf&uuml;r. &quot;Nun kann ich mir forthelfen&quot;, dachte er und ging zufrieden nach Hause. </font></p>
<p align="justify">
	<font face="Verdana" size="3">Der Goldschmied war klug und listig und wusste wohl, was das f&uuml;r ein Vogel war. Er rief seine Frau und sprach: &quot;Brat&#39; mir den Goldvogel und sorge, dass nichts davon wegkommt; ich habe Lust, ihn ganz allein zu essen.&quot; Der Vogel war aber kein gew&ouml;hnlicher sondern so wunderbarer Art, dass wer Herz und Leber von ihm a&szlig;, jeden Morgen ein Goldst&uuml;ck unter seinem Kopfkissen fand. Die Frau machte den Vogel zurecht, steckte ihn an einen Spie&szlig; und lie&szlig; ihn braten. Nun geschah es, dass, w&auml;hrend er am Feuer stand und die Frau anderer Arbeiten wegen notwendig aus der K&uuml;che gehen musste, die zwei Kinder des armen Besenbinders hereinliefen, sich vor den Spie&szlig; stellten und ihn ein paar Mal herumdrehten. Und als da gerade zwei St&uuml;cklein aus dem Vogel in die Pfanne herabfielen, sprach der eine: &quot;Die paar Bisslein wollen wir essen, ich bin so hungrig; es wird&#39;s ja niemand daran merken.&quot; Da a&szlig;en sie beide die St&uuml;ckchen auf; die Frau kam aber dazu, sah, dass sie etwas a&szlig;en, und sprach:&quot; Was habt ihr gegessen?&quot; - &quot;Ein paar St&uuml;ckchen, die aus dem Vogel herausgefallen sind&quot;, antworteten sie. &quot;Das ist Herz und Leber gewesen&quot; sprach die Frau ganz erschrocken, und damit ihr Mann nichts vermisste und nicht b&ouml;se ward, schlachtete sie geschwind ein H&auml;hnchen, nahm Herz und Leber heraus und legte es zu dem Goldvogel. Als er gar war, trug sie ihn dem Goldschmied auf, der ihn ganz allein verzehrte und nichts &uuml;brig lie&szlig;. Am andern Morgen aber, als er unter sein Kopfkissen griff und das Goldst&uuml;ck hervorzuholen dachte, war so wenig wie sonst eins zu finden.</font></p>
<p align="justify">
	<font face="Verdana" size="3">Die beiden Kinder aber wussten nicht, was ihnen f&uuml;r ein Gl&uuml;ck zuteil geworden war. Am andern Morgen, wie sie aufstanden, fiel etwas auf die Erde und klingelte, und als sie es aufhoben, da waren&#39;s zwei Goldst&uuml;cke. Sie brachten sie ihrem Vater, der wunderte sich und sprach: &quot;Wie sollte das zugegangen sein?&quot; Als sie aber am andern Morgen wieder zwei fanden und so jeden Tag, da ging er zu seinem Bruder und erz&auml;hlte ihm die seltsame Geschichte. Der Goldschmied merkte gleich, wie es gekommen war und dass die Kinder Herz und Leber von dem Goldvogel gegessen hatten, und um sich zu r&auml;chen und weil er neidisch und hartherzig war, sprach er zu dem Vater: &quot;Deine Kinder sind mit dem B&ouml;sen im Spiel, nimm das Gold nicht, und dulde sie nicht l&auml;nger in deinem Hause, denn er hat Macht &uuml;ber sie und kann dich selbst noch ins Verderben bringen.&quot; Der Vater f&uuml;rchtete den B&ouml;sen, und so schwer es ihn ankam, f&uuml;hrte er doch die Zwillinge hinaus in den Wald und verlie&szlig; sie da mit traurigem Herzen. </font></p>
<p align="justify">
	<font face="Verdana" size="3">Nun liefen die zwei Kinder im Wald umher und suchten den Weg nach Hause, konnten ihn aber nicht finden, sondern verirrten sich immer weiter. Endlich begegneten sie einem J&auml;ger, der fragte: &quot;Wem geh&ouml;rt ihr, Kinder?&quot; - &quot;Wir sind des armen Besenbinders Jungen&quot;, antworteten sie und erz&auml;hlten ihm, dass ihr Vater sie nicht l&auml;nger im Hause h&auml;tte behalten wollen, weil alle Morgen ein Goldst&uuml;ck unter ihrem Kopfkissen l&auml;ge. &quot;Nun&quot;, sagte der J&auml;ger, &quot;das ist gerade nichts Schlimmes, wenn ihr nur rechtschaffen dabei bleibt und euch nicht auf die faule Haut legt.&quot; Der gute Mann nahm die Kinder, weil sie ihm gefielen und er selbst keine hatte, mit nach Hause und sprach: &quot;Ich will euer Vater sein und euch gro&szlig;ziehen.&quot; Sie lernten da bei ihm die J&auml;gerei, und das Goldst&uuml;ck, das ein jeder beim Aufstehen fand, das hob er ihnen auf, wenn sie&#39;s in Zukunft n&ouml;tig h&auml;tten. </font></p>
<p align="justify">
	<font face="Verdana" size="3">Als sie herangewachsen waren, nahm sie ihr Pflegevater eines Tages mit in den Wald und sprach: &quot;Heute sollt ihr euern Probeschuss tun, damit ich euch freisprechen und zu J&auml;gern machen kann.&quot; Sie gingen mit ihm auf den Anstand und warteten lange, aber es kam kein Wild. Der J&auml;ger sah &uuml;ber sich und erblickte eine Kette von Schneeg&auml;nsen in der Gestalt eines Dreiecks fliegen, da sagte er zu dem einen: &quot;Nun schie&szlig;&#39; von jeder Ecke eine herab.&quot; Der tat&#39;s und vollbrachte damit seinen Probeschuss. Bald darauf kam noch eine Kette angeflogen und hatte die Gestalt der Ziffer zwei; da hie&szlig; der J&auml;ger den andern gleichfalls von jeder Ecke eine herunterholen, und dem gelang sein Probeschuss auch. Nun sagte der Pflegevater: &quot;Ich spreche euch frei, ihr seid ausgelernte J&auml;ger. &quot; Darauf gingen die zwei Br&uuml;der zusammen in den Wald, ratschlagten miteinander und verabredeten etwas. Und als sie sich abends zum Essen niedergesetzt hatten, sagten sie zu ihrem Pflegevater: &quot;Wir r&uuml;hren die Speise nicht an und nehmen keinen Bissen, bevor Ihr uns eine Bitte gew&auml;hrt habt.&quot; Sprach er: &quot;Was ist denn eure Bitte?&quot; Sie antworteten: &quot;Wie haben nun ausgelernt, wir m&uuml;ssen uns auch in der Welt versuchen, so erlaubt, dass wir fortziehen und wandern.&quot; Da sprach der Alte mit Freuden: &quot;Ihr redet wie brave J&auml;ger. Was ihr begehrt, ist mein Wunsch gewesen; zieht aus, es wird euch wohl ergehen.&quot; Darauf a&szlig;en und tranken sie fr&ouml;hlich zusammen. </font></p>
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	<font face="Verdana" size="3">Als der bestimmte Tag kam, schenkte der Pflegevater jedem eine gute B&uuml;chse und einen Hund und lie&szlig; jeden von seinen gesparten Goldst&uuml;cken mitnehmen, soviel er wollte. Darauf begleitete er sie ein St&uuml;ck Wegs, und beim Abschied gab er ihnen noch ein blankes Messer und sprach: &quot;Wenn ihr euch einmal trennt, so sto&szlig;t dieses Messer am Scheideweg in einen Baum. Daran kann einer, wenn er zur&uuml;ckkommt, sehen, wie es seinem abwesenden Bruder ergangen ist, denn die Seite, nach der dieser ausgezogen ist, rostet, wenn er stirbt; solang er aber lebt, bleibt sie blank.&quot; Die zwei Br&uuml;der gingen immer weiter fort und kamen in einen Wald, so gro&szlig;, dass sie unm&ouml;glich in einem Tag hinauskommen konnten. Also blieben sie die Nacht darin und a&szlig;en, was sie in die J&auml;gertasche gesteckt hatten; sie gingen aber auch noch den zweiten Tag und kamen nicht hinaus. Da sie nichts zu essen hatten, sprach der eine: &quot;Wir m&uuml;ssen uns etwas schie&szlig;en, sonst leiden wir Hunger&quot;, lud seine B&uuml;chse und sah sich um. Und als ein alter Hase dahergelaufen kam, legte er an, aber der Hase rief: </font></p>
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	<font face="Verdana" size="3">&quot;Lieber J&auml;ger, lass mich leben, </font></p>
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	<font face="Verdana" size="3">Ich will dir auch zwei Junge geben.&quot; </font></p>
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	<font face="Verdana" size="3">Sprang auch gleich ins Geb&uuml;sch und brachte zwei Junge; die Tierlein spielten aber so munter und waren so artig, dass die J&auml;ger es nicht &uuml;bers Herz bringen konnten, sie zu t&ouml;ten. Sie behielten sie also bei sich, und die kleinen Hasen folgten ihnen auf dem Fu&szlig;e nach. Bald darauf schlich ein Fuchs vorbei, den wollten sie niederschie&szlig;en, aber der Fuchs rief:</font></p>
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	<font face="Verdana" size="3">&quot;Lieber J&auml;ger, lass mich leben, </font></p>
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	<font face="Verdana" size="3">Ich will dir auch zwei Junge geben.&quot; </font></p>
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	<font face="Verdana" size="3">Er brachte auch zwei F&uuml;chslein, und die J&auml;ger mochten sie auch nicht t&ouml;ten, gaben sie den Hasen zur Gesellschaft, und sie folgten ihnen nach. Nicht lange, so schritt ein Wolf aus dem Dickicht, die J&auml;ger legten auf ihn an, aber der Wolf rief:</font></p>
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	<font face="Verdana" size="3">&quot;Lieber J&auml;ger, lass mich leben, </font></p>
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	<font face="Verdana" size="3">Ich will dir auch zwei Junge geben.&quot; </font></p>
<p align="justify">
	<font face="Verdana" size="3">Die zwei jungen W&ouml;lfe taten die J&auml;ger zu den andern Tieren, und sie folgten ihnen nach. Darauf kam ein B&auml;r, der wollte gern noch l&auml;nger herumtraben und rief: </font></p>
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	<font face="Verdana" size="3">&quot;Lieber J&auml;ger, lass mich leben, </font></p>
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	<font face="Verdana" size="3">Ich will dir auch zwei Junge geben.&quot; </font></p>
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	<font face="Verdana" size="3">Die zwei jungen B&auml;ren wurden zu den andern gesellt, und nun waren es ihrer schon acht. Endlich, wer kam? Ein L&ouml;we kam und sch&uuml;ttelte seine M&auml;hne. Doch die J&auml;ger lie&szlig;en sich nicht schrecken und zielten auf ihn; aber der L&ouml;we sprach gleichfalls:</font></p>
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	<font face="Verdana" size="3">&quot;Lieber J&auml;ger, lass mich leben, </font></p>
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	<font face="Verdana" size="3">Ich will dir auch zwei Junge geben.&quot; </font></p>
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	<font face="Verdana" size="3">Er holte auch seine Jungen herbei, und nun hatten die J&auml;ger zwei L&ouml;wen, zwei B&auml;ren, zwei W&ouml;lfe, zwei F&uuml;chse und zwei Hasen, die ihnen nachzogen und dienten. Indessen war ihr Hunger damit nicht gestillt worden, da sprachen sie zu den F&uuml;chsen: ..H&ouml;rt&#39; ihr Schleicher, schafft uns etwas zu essen! Ihr seid ja listig und verschlagen.&quot; Sie antworteten: &quot;Nicht weit von hier liegt ein Dorf, wo wir schon manches Huhn geholt haben; den Weg dahin wollen wir euch zeigen.&quot; Da gingen sie ins Dorf, kauften sich etwas zu essen, lie&szlig;en auch ihren Tieren Futter geben und zogen dann weiter. Die F&uuml;chse aber wussten guten Bescheid in der Gegend, wo die H&uuml;hnerh&ouml;fe waren, und konnten die J&auml;ger &uuml;berall zurechtweisen. </font></p>
<p align="justify">
	<font face="Verdana" size="3">Nun zogen sie eine Weile herum, konnten aber keinen Dienst finden, wo sie zusammengeblieben w&auml;ren; da sprachen sie: &quot;Es geht nicht anders, wir m&uuml;ssen uns trennen.&quot; Sie teilten die Tiere, so dass jeder einen L&ouml;wen, einen B&auml;ren, einen Wolf, einen Fuchs und einen Hasen bekam; dann nahmen sie Abschied, versprachen sich br&uuml;derliche Treue bis in den Tod und stie&szlig;en das Messer, das ihnen ihr Pflegevater mitgegeben hatte, in einen Baum; worauf der eine nach Osten, der andere nach Westen zog. </font></p>
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	<font face="Verdana" size="3">Der j&uuml;ngere aber kam mit seinen Tieren in eine Stadt, die war ganz mit schwarzem Flor &uuml;berzogen. Er ging in ein Wirtshaus und fragte den Wirt, ob er nicht seine Tiere beherbergen k&ouml;nnte. Der Wirt gab ihnen einen Stall, wo in der Wand ein Loch war: da kroch der Hase hinaus und holte sich ein Kohlhaupt, und der Fuchs holte sich ein Huhn, und als er das gefressen hatte, auch den Hahn dazu; der Wolf aber, der B&auml;r und der L&ouml;we, weil sie zu gro&szlig; waren, konnten nicht hinaus. Da lie&szlig; sie der Wirt hinbringen, wo eben eine Kuh auf dem Rasen lag, dass sie sich satt fra&szlig;en. Und als der J&auml;ger f&uuml;r seine Tiere gesorgt hatte, fragte er erst den Wirt, warum die Stadt so mit Trauerflor ausgeh&auml;ngt w&auml;re. Sprach der Wirt: &quot;Weil morgen unseres K&ouml;nigs einzige Tochter sterben wird.&quot; Fragte der J&auml;ger: &quot;Ist sie sterbenskrank?&quot; - &quot;Nein&quot;&#39; antwortete der Wirt, &quot;sie ist frisch und gesund, aber sie muss doch sterben.&quot; - &quot;Wie geht das zu?&quot; fragte der J&auml;ger. - &quot;Drau&szlig;en vor der Stadt ist ein hoher Berg, darauf wohnt ein Drache, der muss jedes Jahr eine Jungfrau zum Opfer haben, sonst verw&uuml;stet er das ganze Land. Nun sind schon alle Jungfrauen hingegeben, und es ist keine mehr &uuml;brig als die K&ouml;nigstochter, dennoch ist keine Gnade, sie muss ihm &uuml;berliefert werden, und das soll morgen geschehen.&quot; Sprach der J&auml;ger: &quot;Warum wird der Drache nicht get&ouml;tet?&quot; - &quot;Ach&quot;, antwortete der Wirt, &quot;so viele Ritter haben&#39;s versucht, aber allesamt ihr Leben eingeb&uuml;&szlig;t; der K&ouml;nig hat dem, der den Drachen besiegt, seine Tochter zur Frau versprochen, und er soll auch nach seinem Tode das Reich erben.&quot; </font></p>
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	<font face="Verdana" size="3">Der J&auml;ger sagte dazu weiter nichts, aber am andern Morgen nahm er seine Tiere und stieg mit ihnen auf den Drachenberg. Da stand oben eine kleine Kirche, und auf dem Altar standen drei gef&uuml;llte Becher, und dabei war die Schrift: &quot;Wer die Becher austrinkt, wird der st&auml;rkste Mann auf Erden und wird das Schwert f&uuml;hren, das vor der T&uuml;rschwelle vergraben liegt.&quot; Der J&auml;ger trank da nicht, ging hinaus und suchte das Schwert in der Erde, vermochte es aber nicht von der Stelle zu bewegen. Da ging er hin und trank die Becher aus und war nun stark genug, das Schwert aufzunehmen, und seine Hand konnte es ganz leicht f&uuml;hren. Als die Stunde kam, wo die Jungfrau dem Drachen ausgeliefert werden sollte, begleiteten sie der K&ouml;nig, der Marschall und die Hofleute hinaus. Sie sah von weitem den J&auml;ger oben auf dem Drachenberg und meinte, der Drache st&auml;nde da und erwarte sie, und da wollte sie nicht hinaufgehen; endlich aber, weil die ganze Stadt sonst verloren gewesen w&auml;re, musste sie den schweren Gang tun. Der K&ouml;nig und die Hofleute kehrten voll gro&szlig;er Trauer heim, des K&ouml;nigs Marschall aber sollte stehen bleiben und aus der Ferne alles mit ansehen. </font></p>
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	<font face="Verdana" size="3">Als die K&ouml;nigstochter oben auf den Berg kam, stand da nicht der Drache, sondern der junge J&auml;ger, der sprach ihr Trost ein und sagte, er wollte sie retten, f&uuml;hrte sie in die Kirche und verschloss sie darin. Gar nicht lange, so kam mit gro&szlig;em Gebraus der siebenk&ouml;pfige Drache dahergefahren. Als er den J&auml;ger erblickte, verwunderte er sich und sprach: &quot;Was hast du hier auf dem Berge zu schaffen?&quot; Der J&auml;ger antwortete: &quot;Ich will mit dir k&auml;mpfen.&quot; Sprach der Drache: &quot;So mancher Rittersmann hat hier sein Leben gelassen, mit dir will ich auch fertig werden&quot;, und atmete Feuer aus sieben Rachen. Das Feuer sollte das trockene Gras anz&uuml;nden, und der J&auml;ger sollte in der Glut und dem Dampf ersticken; aber die Tiere kamen herbeigelaufen und traten das Feuer aus. Da fuhr der Drache gegen den J&auml;ger der aber schwang sein Schwert, dass es in der Luft sang. und schlug ihm drei K&ouml;pfe ab. Da wurde der Drache erst recht w&uuml;tend, erhob sich in die Luft, spie die Feuerflammen &uuml;ber den J&auml;ger aus und wollte sich auf ihn st&uuml;rzen, aber der J&auml;ger z&uuml;ckte nochmals sein Schwert und hieb ihm wieder drei K&ouml;pfe ab. Das Untier ward matt und sank nieder und wollte doch wieder auf den J&auml;ger los, aber er schlug ihm mit der letzten Kraft den Schweif ab, und weil er nicht mehr k&auml;mpfen konnte, rief er seine Tiere herbei, die zerrissen es in St&uuml;cke. Als der Kampf zu Ende war, schloss der J&auml;ger die Kirche auf und fand die K&ouml;nigstochter auf der Erde liegen, weil ihr die Sinne vor Angst und Schreck w&auml;hrend des Streites vergangen waren. Er trug sie hinaus, und als sie wieder zu sich kam und die Augen aufschlug, zeigte er ihr den zerrissenen Drachen und sagte ihr, dass sie nun erl&ouml;st w&auml;re. Sie freute sich und sprach: &quot;Nun wirst du mein liebster Gemahl werden, denn mein Vater hat mich dem versprochen, der den Drachen t&ouml;tet.&quot; Darauf nahm sie ihr Halsband von Korallen ab und verteilte es unter die Tiere, um sie zu belohnen, und der L&ouml;we erhielt das goldene Schl&ouml;sschen davon. Ihr Taschentuch aber, worin ihr Name stand, schenkte sie dem J&auml;ger, der ging hin und schnitt aus den sieben Drachenk&ouml;pfen die Zungen aus, wickelte sie in das Tuch und verwahrte sie wohl. </font></p>
<p align="justify">
	<font face="Verdana" size="3">Als das geschehen und der J&auml;ger von dem Feuer und dem Kampfe so matt und m&uuml;de war, sprach er zur Jungfrau: &quot;Wir sind beide so matt und m&uuml;de, wir wollen ein wenig schlafen.&quot; Da sagte sie ja, und sie lie&szlig;en sich auf die Erde nieder, und der J&auml;ger sprach zu dem L&ouml;wen: &quot;Du sollst wachen, damit uns niemand im Schlaf &uuml;berf&auml;llt&quot;, und beide schliefen ein. Der L&ouml;we legte sich neben sie, um zu wachen, aber er war vom Kampf auch m&uuml;de, dass er den B&auml;ren rief und sprach: &quot;Lege dich neben mich, ich muss ein wenig schlafen, und wenn was kommt, so wecke mich auf.&quot; Da legte sich der B&auml;r neben ihn, aber er war auch m&uuml;de und rief den Wolf und sprach: &quot;Lege dich neben mich, ich muss ein wenig schlafen, und wenn was kommt, so wecke mich auf.&quot; Da legte sich der Wolf neben ihn, aber er war auch m&uuml;de und rief den Fuchs und sprach: &quot;Lege dich neben mich, ich muss ein wenig schlafen, und wenn was kommt, so wecke mich auf.&quot; Da legte sich der Fuchs neben ihn, aber er war auch m&uuml;de, rief den Hasen und sprach: &quot;Lege dich neben mich, ich muss ein wenig schlafen, und wenn was kommt, so wecke mich auf.&quot; Da setzte sich der Hase neben ihn, aber der arme Hase war auch m&uuml;de und hatte niemand, den er zur Wache herbeirufen konnte, und schlief ein. Da schlief nun die K&ouml;nigstochter, der J&auml;ger, der L&ouml;we, der B&auml;r, der Wolf, der Fuchs und der Hase, und schliefen alle einen festen Schlaf. </font></p>
<p align="justify">
	<font face="Verdana" size="3">Der Marschall aber, der von weitem hatte zuschauen sollen, als er den Drachen nicht mit der Jungfrau fortfliegen sah und alles auf dem Berge ruhig war, nahm sich ein Herz und stieg hinauf. Da lag der Drache zerst&uuml;ckt und zerrissen auf der Erde und nicht weit davon die K&ouml;nigstochter und ein J&auml;ger mit seinen Tieren, die waren alle in tiefem Schlaf versunken. Und weil er b&ouml;s und gottlos war, so nahm er sein Schwert und hieb dem J&auml;ger das Haupt ab; dann fasste er die Jungfrau auf den Arm und trug sie den Berg hinab. Da erwachte sie und erschrak, aber der Marschall sprach; &quot;Du bist in meinen H&auml;nden, du sollst sagen, dass ich es gewesen bin, der den Drachen get&ouml;tet hat.&quot; - &quot;Das kann ich nicht&quot;; antwortete sie, &quot;denn ein J&auml;ger mit seinen Tieren hat&#39;s getan.&quot; Da zog er sein Schwert, drohte sie zu t&ouml;ten, wenn sie ihm nicht gehorchte, und zwang sie damit, dass sie es versprach. Darauf brachte er sie vor den K&ouml;nig, der sich vor Freude nicht zu lassen wusste, als er sein liebes Kind wieder lebend erblickte, das er von dem Untier zerrissen glaubte. Der Marschall sprach zu ihm; &quot;Ich habe den Drachen get&ouml;tet und die Jungfrau und das ganze Reich befreit, darum fordere ich sie zur Gemahlin, so wie es zugesagt ist.&quot; Der K&ouml;nig fragte die Jungfrau; &quot;Ist das wahr, was er spricht?&quot; - &quot;Ach ja&quot;, antwortete sie, &quot;es muss wohl wahr sein; aber ich halte mir aus, dass erst &uuml;ber Jahr und Tag die Hochzeit gefeiert wird&quot;, denn sie dachte, in der Zeit etwas von ihrem lieben J&auml;ger zu h&ouml;ren. </font></p>
<p align="justify">
	<font face="Verdana" size="3">Auf dem Drachenberg aber lagen noch die Tiere neben dem toten Herrn und schliefen; da kam eine gro&szlig;e Hummel und setzte sich dem Hasen auf die Nase, aber der Hase wischte sie mit der Pfote ab und schlief weiter. Die Hummel kam zum zweitenmal, aber der Hase wischte sie wieder ab und schlief fort. Da kam sie zum drittenmal und stach ihn in die Nase, dass er aufwachte. Sobald der Hase wach war, weckte er den Fuchs, und der Fuchs den Wolf, und der Wolf den B&auml;ren, und der B&auml;r den L&ouml;wen. Und als der L&ouml;we aufwachte und sah, dass die Jungfrau fort war und sein Herr tot, fing er an, f&uuml;rchterlich zu br&uuml;llen und rief; &quot;Wer hat das vollbracht? B&auml;r, warum hast du mich nicht geweckt?&quot; Der B&auml;r fragte den Wolf: warum hast du mich nicht geweckt?&quot; und der Wolf den Fuchs: &quot;Warum hast du mich nicht geweckt?&quot; und der Fuchs den Hasen &quot;Warum hast du mich nicht geweckt?&quot; Der arme Hase wusste allein nichts zu antworten, und die Schuld blieb auf ihm h&auml;ngen. Da wollten sie &uuml;ber ihn herfallen, aber er bat und sprach; &quot;Bringt mich nicht um, ich will unseren Herrn wieder lebendig machen. Ich wei&szlig; einen Berg, da w&auml;chst eine Wurzel, wer die im Mund hat, der wird von aller Krankheit und allen Wunden geheilt. Aber der Berg liegt zweihundert Stunden von hier.&quot; Sprach der L&ouml;we; &quot;In vierundzwanzig Stunden musst du hin und her gelaufen sein und die Wurzel mitbringen.&quot; Da sprang der Hase fort, und in vierundzwanzig Stunden war er wieder zur&uuml;ck und brachte die Wurzel mit. Der L&ouml;we setzte dem J&auml;ger den Kopf wieder an, und der Hase steckte ihm die Wurzel in den Mund; alsbald f&uuml;gte sich alles wieder zusammen, und das Herz schlug, und das Leben kehrte zur&uuml;ck. Da erwachte der J&auml;ger und erschrak, als er die Jungfrau nicht mehr sah, und dachte: &quot;Sie ist wohl fortgegangen, w&auml;hrend ich schlief, um mich loszuwerden.&quot; Der L&ouml;we hatte in der gro&szlig;en Eile seinem Herrn den Kopf verkehrt aufgesetzt, der aber merkte es nicht bei seinen traurigen Gedanken an die K&ouml;nigstochter; erst zu Mittag, als er etwas essen wollte, sah er, dass ihm der Kopf nach dem R&uuml;cken zu stand&#39; konnte es nicht begreifen und fragte die Tiere, was ihm im Schlaf widerfahren w&auml;re. Da erz&auml;hlte ihm der L&ouml;we, dass sie auch alle aus M&uuml;digkeit eingeschlafen w&auml;ren, und beim Erwachen h&auml;tten sie ihn tot gefunden mit abgeschlagenem Haupte, der Hase h&auml;tte die Lebenswurzel geholt, er aber habe in der Eile den Kopf verkehrt gehalten; doch wollte er seinen Fehler wieder gutmachen. Dann riss er dem J&auml;ger den Kopf wieder ab, drehte ihn herum, und der Hase heilte ihn mit der Wurzel fest. </font></p>
<p align="justify">
	<font face="Verdana" size="3">Der J&auml;ger aber war traurig, zog in der Welt umher und lie&szlig; seine Tiere vor den Leuten tanzen. Es trug sich zu, dass er gerade nach Verlauf eines Jahres wieder in dieselbe Stadt kam, wo er die K&ouml;nigstochter vom Drachen erl&ouml;st hatte, und die Stadt war diesmal ganz mit rotem Scharlach ausgeh&auml;ngt. Da sprach er zum Wirt: </font></p>
<p align="justify">
	<font face="Verdana" size="3">&quot;Was will das sagen? Vorm Jahr war die Stadt mit schwarzem Flor &uuml;berzogen, was soll heute der rote Scharlach?&quot; Der Wirt antwortete: &quot;Vorm Jahr sollte unseres K&ouml;nigs Tochter dem Drachen ausgeliefert werden, aber der Marschall hat mit ihm gek&auml;mpft und ihn get&ouml;tet, und da soll morgen ihre Verm&auml;hlung gefeiert werden; darum war die Stadt damals mit schwarzem Flor zur Trauer und ist heute mit rotem Scharlach zur Freude ausgeh&auml;ngt.&quot; </font></p>
<p align="justify">
	<font face="Verdana" size="3">Am andern Tag, da die Hochzeit sein sollte, sprach der J&auml;ger um die Mittagszeit zum Wirt: &quot;Glaubt Er wohl, Herr Wirt, dass ich heute Brot von des K&ouml;nigs Tisch bei Ihm essen will?&quot; - &quot;Ja&quot;, sprach der Wirt, &quot;da wollt&#39; ich doch noch hundert Goldst&uuml;cke dransetzen, dass das nicht wahr ist.&quot; Der J&auml;ger nahm die Wette an und setzte einen Beutel mit ebensoviel Goldst&uuml;cken dagegen. Dann rief er den Hasen und sprach: &quot;Geh&#39; hin, lieber Springer, und hoI&#39; mir von dem Brote, das der K&ouml;nig isst.&quot; Nun war das H&auml;slein das Geringste und konnte es keinem andern wieder auftragen, sondern musste sich selbst auf die Beine machen. &quot;Ei&quot;, dachte es, &quot;wenn ich so allein durch die Stra&szlig;en springe, werden die Metzgerhunde hinter mir drein sein.&quot; Wie es dachte, so geschah es auch, und die Hunde kamen hinter ihm drein und wollten ihm sein gutes Fellchen flicken. Es sprang aber, hast du nicht gesehen! und fl&uuml;chtete sich in ein Schilderhaus, ohne dass es der Soldat gewahr wurde. Da kamen die Hunde und wollten es heraushaben, aber der Soldat verstand keinen Spa&szlig; und schlug mit dem Kolben drein, dass sie schreiend und heulend fortliefen. Als der Hase merkte, dass die Luft rein war, sprang er zum Schloss hinein und gerade zur K&ouml;nigstochter, setzte sich unter ihren Stuhl und kratzte sie am Fu&szlig;. Da sagte sie: &quot;Willst du fort!&quot; und meinte, es w&auml;re ihr Hund. Der Hase kratzte zum zweitenmal am Fu&szlig;, da sagte sie wieder: &quot;Willst du fort!&quot; und meinte, es w&auml;re ihr Hund. Aber der Hase lie&szlig; sich nicht irremachen und kratzte zum drittenmal; da guckte sie hinab und erkannte den Hasen an seinem Halsband. Nun nahm sie ihn auf ihren Scho&szlig;, trug ihn in ihre Kammer und sprach: &quot;Lieber Hase, was willst du?&quot; Antwortete er: &quot;Mein Herr, der den Drachen get&ouml;tet hat, ist hier und schickt mich, ich soll um ein Brot bitten, wie es der K&ouml;nig isst.&quot; Da war sie voll Freude und lie&szlig; den B&auml;cker kommen und befahl ihm, ein Brot zu bringen, wie es der K&ouml;nig a&szlig;. Sprach das H&auml;slein: &quot;Aber der B&auml;cker muss mir&#39;s auch hintragen, damit mir die Metzgerhunde nichts tun.&quot; Der B&auml;cker trug es ihm bis an die T&uuml;r der Wirtsstube, da stellte sich der Hase auf die Hinterbeine, nahm alsbald das Brot in die Vorderpfoten und brachte es seinem Herrn. Da sprach der J&auml;ger: &quot;Sieht Er, Herr Wirt, die hundert Goldst&uuml;cke sind mein.&quot; Der Wirt wunderte sich, aber der J&auml;ger sagte weiter: &quot;Ja, Herr Wirt, das Brot h&auml;tt&#39; ich, nun will ich aber auch von des K&ouml;nigs Braten essen. Der Wirt sagte: &quot;Das m&ouml;cht&#39; ich sehen&quot;, aber wetten wollte er nicht mehr. Rief der J&auml;ger den Fuchs und sprach: &quot;Mein F&uuml;chslein, geh&#39; hin und hoI&#39; mir Braten, wie ihn der K&ouml;nig isst.&quot; Der Rotfuchs wusste die Schliche besser, ging an den Ecken und durch die Winkel, ohne dass ihn ein Hund sah, setzte sich unter der K&ouml;nigstochter Stuhl und kratzte an ihrem Fu&szlig;. Da sah sie hinab und erkannte den Fuchs am Halsband, nahm ihn mit in ihre Kammer und sprach: &quot;Lieber Fuchs, was willst du?&quot; Antwortete er: &quot;Mein Herr, der den Drachen get&ouml;tet hat, ist hier und schickt mich, ich soll bitten um einen Braten, wie ihn der K&ouml;nig isst.&quot; Da lie&szlig; sie den Koch kommen, der musste einen Braten, wie ihn der K&ouml;nig a&szlig;, anrichten, und dem Fuchs bis an die T&uuml;r tragen; da nahm ihm der Fuchs die Sch&uuml;ssel ab, wedelte mit seinem Schwanz erst die Fliegen weg, die sich auf den Braten gesetzt hatten, und brachte ihn dann seinem Herrn. &quot;Sieht Er, Herr Wirt&quot;, sprach der J&auml;ger, &quot;Brot und Fleisch ist da, nun will ich auch Zugem&uuml;s essen, wie es der K&ouml;nig isst.&quot; Da rief er den Wolf und sprach: &quot;Lieber Wolf, geh&#39; hin und hol&#39; mir Zugem&uuml;s, wie es der K&ouml;nig isst.&quot; Da ging der Wolf geradezu ins Schloss, weil er sich vor niemand f&uuml;rchtete, und als er in der K&ouml;nigstochter Zimmer kam, zupfte er sie hinten am Kleide, dass sie sich umschauen musste. Sie erkannte ihn am Halsband, nahm ihn mit in ihre Kammer und sprach:&quot; Lieber Wolf, was willst du?&quot; Antwortete er:&quot; Mein Herr, der den Drachen get&ouml;tet hat, ist hier, ich soll bitten um ein Zugem&uuml;s, wie es der K&ouml;nig isst.&quot; Da lie&szlig; sie den Koch kommen, der musste ein Zugem&uuml;s bereiten. wie es der K&ouml;nig a&szlig;, und musste es dem Wolfe bis vor die T&uuml;r tragen; da nahm ihm der Wolf die Sch&uuml;ssel ab und brachte sie seinem Herrn. &quot;Sieht Er, Herr Wirt&quot;, sprach der J&auml;ger, &quot;nun hab&#39; ich Brot, Fleisch und Zugem&uuml;s, aber ich will auch Zuckerwerk essen, wie es der K&ouml;nig isst.&quot; Rief er den B&auml;ren und sprach: &quot;Lieber B&auml;r, du leckst doch gern etwas S&uuml;&szlig;es, geh&#39; hin und hol&#39; mir Zuckerwerk, wie es der K&ouml;nig isst.&quot; Da trabte der B&auml;r nach dem Schlosse, und jedermann ging ihm aus dem Wege; als er aber zu der Wache kam, hielt sie die Flinten vor und wollte ihn nicht ins k&ouml;nigliche Schloss lassen. Aber er hob sich in die H&ouml;he und gab mit seinen Tatzen links und rechts ein paar Ohrfeigen, dass die ganze Wache zusammenfiel; darauf ging er geradewegs zu der K&ouml;nigstochter, stellte sich hinter sie und brummte ein wenig. Da schaute sie r&uuml;ckw&auml;rts und erkannte den B&auml;ren. Sie hie&szlig; ihn mitgehen in ihre Kammer und sprach: &quot;Lieber B&auml;r, was willst du?&quot; Antwortete er: &quot;Mein Herr, der den Drachen get&ouml;tet hat, ist hier, ich soll bitten um Zuckerwerk, wie es der K&ouml;nig isst.&quot; Da lie&szlig; sie den Zuckerb&auml;cker kommen, der musste Zuckerwerk backen, wie es der K&ouml;nig a&szlig;, und dem B&auml;ren vor die T&uuml;r tragen. Da leckte der B&auml;r erst die Zuckererbsen auf, die heruntergerollt waren, dann stellte er sich aufrecht, nahm die Sch&uuml;ssel und brachte sie seinem Herrn. &quot;Sieht Er, Herr Wirt&quot;, sprach der J&auml;ger, &quot;nun habe ich Brot, Fleisch, Zugem&uuml;s und Zuckerwerk&#39; aber ich will auch Wein trinken, wie ihn der K&ouml;nig trinkt.&quot; Er rief seinen L&ouml;wen herbei und sprach: &quot;Lieber L&ouml;we, du trinkst dir doch gern einen Rausch, geh&#39; und hol&#39; mir Wein, wie ihn der K&ouml;nig trinkt.&quot; Da schritt der L&ouml;we &uuml;ber die Stra&szlig;e, und die Leute liefen vor ihm, und als er an die Wache kam, wollte sie den Weg sperren, aber er br&uuml;llte nur einmal, so sprang alles fort. Nun ging der L&ouml;we vor das k&ouml;nigliche Zimmer und klopfte mit seinem Schweif an die T&uuml;r. Da kam die K&ouml;nigstochter heraus und w&auml;re fast &uuml;ber den L&ouml;wen erschrocken; aber sie erkannte ihn an dem goldenen Schloss von ihrem Halsbande, hie&szlig; ihn mit in ihre Kammer gehen und sprach: &quot;Lieber L&ouml;we, was willst du?&quot; Antwortete er: &quot;Mein Herr, der den Drachen get&ouml;tet hat, ist hier, ich soll bitten um Wein, wie ihn der K&ouml;nig trinkt.&quot; Da lie&szlig; sie den Mundschenk kommen, der sollte dem L&ouml;wen Wein geben, wie ihn der K&ouml;nig trank. Sprach der L&ouml;we: &quot;Ich will mitgehen und sehen, dass ich den rechten kriege.&quot; Da ging er mit dem Mundschenk hinab, und als sie unten an die F&auml;sser kamen, wollte ihm dieser von dem gew&ouml;hnlichen Wein zapfen, wie ihn des K&ouml;nigs Diener tranken; aber der L&ouml;we sprach: &quot;Halt, ich will den Wein erst versuchen&quot;, zapfte sich eine halbe Ma&szlig; und schluckte sie auf einmal hinab. &quot;Nein&quot;, sagte er, &quot;das ist nicht der rechte.&quot; Der Mundschenk sah ihn schief an, ging aber und wollte ihm aus einem andern Fasse geben, das f&uuml;r des K&ouml;nigs Marschall war. Sprach der L&ouml;we: </font></p>
<p align="center">
	&nbsp;</p>
<p align="justify">
	<font face="Verdana" size="3">&quot;Halt, erst will ich den Wein versuchen&quot;, zapfte sich eine halbe Ma&szlig; und trank sie. &quot;Der ist besser&quot;, sagte er, &quot;aber noch nicht der rechte.&quot; Da wurde der Mundschenck b&ouml;s und sprach: &quot;Was so ein dummes Vieh vom Wein verstehen will!&quot; Aber der L&ouml;we gab ihm einen Schlag hinter die Ohren, dass er unsanft zur Erde fiel, und als er sich wieder aufgemacht hatte, f&uuml;hrte er den L&ouml;wen ganz stillschweigend in einen besonderen Keller, wo des K&ouml;nigs Wein lag, von dem sonst kein Mensch zu trinken bekam. Der L&ouml;we zapfte sich erst eine halbe Ma&szlig; und versuchte den Wein, dann sprach er: &quot;Das kann vom rechten sein&quot;, und hie&szlig; den Mundschenk sechs Flaschen f&uuml;llen. Nun stiegen sie hinauf; wie der L&ouml;we aber aus dem Keller ins Freie kam, schwankte er hin und her und war ein wenig trunken, und der Mundschenk musste ihm den Wein bis vor die T&uuml;r tragen. Da nahm der L&ouml;we den Henkelkorb ins Maul und brachte ihn seinem Herrn. Sprach der J&auml;ger: &quot;Sieht Er, Herr Wirt, da hab&#39; ich Brot, Fleisch, Zugem&uuml;s, Zuckerwerk und Wein, wie es der K&ouml;nig hat, nun will ich mit meinen Tieren Mahlzeit halten&quot;, und setzte sich hin, a&szlig; und trank und gab dem Hasen, dem Fuchs, dem Wolf, dem B&auml;ren und dem L&ouml;wen auch davon zu essen und zu trinken und war guter Dinge, denn er sah, dass ihn die K&ouml;nigstochter noch lieb hatte. Und, als er Mahlzeit gehalten hatte, sprach er: &quot;Herr Wirt, nun habe ich gegessen und getrunken, wie der K&ouml;nig isst und trinkt, jetzt will ich an des K&ouml;nigs Hof gehen und die K&ouml;nigstochter heiraten.&quot; Fragte der Wirt: &quot;Wie soll das zugehen, da sie schon einen Br&auml;utigam hat und heute Verm&auml;hlung gefeiert wird?&quot; Da zog der J&auml;ger das Taschentuch heraus, das ihm die K&ouml;nigstochter auf dem Drachenberg gegeben hatte und worin die sieben Zungen des Untiers eingewickelt waren, und sprach: &quot;Dazu soll mir helfen, was ich da in der Hand halte.&quot; Da sah der Wirt das Tuch an und sprach: &quot;Wenn ich alles glaube, so glaube ich das nicht und will wohl Haus und Hof dransetzen.&quot; Der J&auml;ger aber nahm einen Beutel mit tausend Goldst&uuml;cken&#39; stellt ihn auf den Tisch und sagte: &quot;Das setze ich dagegen.&quot; </font></p>
<p align="justify">
	<font face="Verdana" size="3">Nun sprach der K&ouml;nig an der k&ouml;niglichen Tafel zu seiner Tochter:&quot; Was haben die wilden Tiere alle gewollt, die zu dir gekommen und in meinem Schlosse ein- und ausgegangen sind?&quot; Da antwortete sie: &quot;Ich darf&#39;s nicht sagen, aber schickt hin und lasst den Herrn dieser Tiere holen, so werdet Ihr wohl tun.&quot; Der K&ouml;nig schickte einen Diener ins Wirtshaus und lie&szlig; den fremden Mann einladen, und der Diener kam gerade, wie der J&auml;ger mit dem Wirt gewettet hatte. Da sprach der J&auml;ger: &quot;Sieht Er, Herr Wirt, da schickt der K&ouml;nig einen Diener und l&auml;sst mich einladen, aber ich gehe so noch nicht:&quot; Und zu dem Diener sagte er: &quot;Ich lasse den Herrn K&ouml;nig bitten, dass er mir k&ouml;nigliche Kleider schickt, einen Wagen mit sechs Pferden und Diener, die mir aufwarten.&quot; Als der K&ouml;nig die Antwort h&ouml;rte, sprach er zu seiner Tochter: &quot;Was soll ich tun?&quot; Sagte sie: &quot;Lass ihn holen, wie er&#39;s verlangt, so werdet Ihr wohl tun.&quot; Da schickte der K&ouml;nig k&ouml;nigliche Kleider, einen Wagen mit sechs Pferden und Diener, die ihm aufwarten sollten. Als der J&auml;ger sie kommen sah, sprach er: &quot;Sieht er, Herr Wirt, nun werde ich abgeholt, wie ich es verlangt habe&quot;, und zog die k&ouml;niglichen Kleider an, nahm das Tuch mit den Drachenzungen und fuhr zum K&ouml;nig. Als ihn der K&ouml;nig kommen sah, sprach er zu seiner Tochter: &quot;Wie soll ich ihn empfangen?&quot; Antwortete sie: &quot;Geht ihm entgegen, so werdet Ihr wohl tun.&quot; Da ging ihm der K&ouml;nig entgegen und f&uuml;hrte ihn hinauf, und seine Tiere folgten ihm nach. Der K&ouml;nig wies ihm einen Platz an neben sich und seiner Tochter, der Marschall sa&szlig; auf der andern Seite, als Br&auml;utigam, aber der kannte ihn nicht mehr. Nun wurden gerade die sieben H&auml;upter des Drachen zur Schau aufgetragen, und der K&ouml;nig sprach: &quot;Die sieben H&auml;upter hat der Marschall dem Drachen abgeschlagen, darum geb&#39; ich ihm heute meine Tochter zur Gemahlin.&quot; Da stand der J&auml;ger auf, &ouml;ffnete die sieben Rachen und sprach: &quot;Wo sind die sieben Zungen des Drachen?&quot; Da erschrak der Marschall, ward bleich und wusste nicht was er antworten sollte; endlich sagte er in der Angst: &quot;Drachen haben keine Zungen.&quot; Sprach der J&auml;ger: &quot;Die L&uuml;gner sollten keine haben, aber die Drachenzungen sind das Wahrzeichen des Siegers.&quot; Und nun wickelte er das Tuch auf, da lagen sie alle sieben darin, und dann steckte er jede Zunge in den Rachen, in den sie geh&ouml;rte, und sie passten genau. Darauf nahm er das Tuch, in das der Name der K&ouml;nigstochter gestickt war, zeigte es der Jungfrau und fragte sie, wem sie es gegeben h&auml;tte. Da antwortete sie: &quot;Dem, der den Drachen get&ouml;tet hat.&quot; Und dann rief er sein Getier, nahm jedem das Halsband und dem L&ouml;wen das goldene Schloss ab, zeigte es der Jungfrau und fragte, wem es geh&ouml;rte. Antwortete sie: &quot;Das Halsband und das goldene Schloss waren mein, ich habe es unter die Tiere verteilt, die den Drachen besiegen halfen.&quot; Da sprach der J&auml;ger: &quot;Als ich m&uuml;de von dem Kampfe geruht und geschlafen habe, da ist der Marschall gekommen und hat mir den Kopf abgehauen. Dann hat er die K&ouml;nigstochter fortgetragen und vorgegeben, er sei es gewesen, der den Drachen get&ouml;tet habe; und dass er gelogen hat, beweise ich mit den Zungen, dem Tuch und dem Halsband.&quot; Und dann erz&auml;hlte er, wie ihn seine Tiere durch eine wunderbare Wurzel geheilt h&auml;tten und dass er ein Jahr lang mit ihnen herumgezogen und endlich wieder hier hergekommen w&auml;re, wo er den Betrug des Marschalls durch die Erz&auml;hlung des Wirtes erfahren h&auml;tte. Da fragte der K&ouml;nig seine Tochter: &quot;Ist es wahr, dass dieser den Drachen get&ouml;tet hat?&quot; Darauf antwortete sie: &quot;Ja, es ist wahr; jetzt darf ich die Schandtat des Marschalls offenbaren, weil sie ohne mein Zutun an den Tag gekommen ist, denn er hat mir das Versprechen zu schweigen abgezwungen. Darum aber habe ich mir ausgehalten, dass erst in Jahr und Tag die Hochzeit gefeiert werden sollte.&quot; Da lie&szlig; der K&ouml;nig zw&ouml;lf Ratsherren rufen, die &uuml;ber den Marschall Urteil sprechen sollten, und die urteilten, dass er von vier Ochsen zerrissen werden m&uuml;sste. Also wurde der Marschall gerichtet, der K&ouml;nig aber &uuml;bergab seine Tochter dem J&auml;ger und ernannte ihn zu seinem Statthalter im ganzen Reich. Die Hochzeit wurde mit gro&szlig;en Freuden gefeiert, und der junge K&ouml;nig lie&szlig; seinen Vater und Pflegevater holen und &uuml;berh&auml;ufte sie mit Sch&auml;tzen. Den Wirt verga&szlig; er auch nicht. Er lie&szlig; ihn kommen und sprach zu ihm: &quot;Sieht Er, Herr Wirt, die K&ouml;nigstochter habe ich geheiratet, und Sein Haus und Hof sind mein.&quot; Sprach der Wirt: &quot;Ja, das w&auml;re nach dem Rechten.&quot; Der junge K&ouml;nig aber sagte: &quot;Es soll nach Gnaden gehen: Haus und Hof soll Er behalten, und die tausend Goldst&uuml;cke schenke ich Ihm noch dazu.&quot; </font></p>
<p align="justify">
	<font face="Verdana" size="3">Nun waren der junge K&ouml;nig und die junge K&ouml;nigin guter Dinge und lebten vergn&uuml;gt zusammen. Er zog oft hinaus auf die Jagd, weil das seine Freude war, und die treuen Tiere mussten ihn begleiten. Es lag aber in der Nahe ein Wald, von dem hie&szlig; es, er w&auml;re nicht geheuer, und w&auml;re einer erst darin, so k&auml;me er nicht leicht wieder heraus. Der junge K&ouml;nig hatte aber gro&szlig;e Lust, darin zu jagen, und lie&szlig; dem alten K&ouml;nig keine Ruhe, bis er es ihm erlaubte. Nun ritt er mit gro&szlig;er Begleitung aus, und als er zu dem Walde kam, sah er eine schneewei&szlig;e Hirschkuh darin und sprach zu seinen Leuten: &quot;Haltet hier, bis ich zur&uuml;ckkomme, ich will das sch&ouml;ne Wild jagen&quot;, und ritt ihm nach in den Wald hinein, und nur seine Tiere folgten ihm. Die Leute hielten und warteten bis zum Abend, aber er kam nicht wieder. Da ritten sie heim und erz&auml;hlten der jungen K&ouml;nigin: &quot;Der junge K&ouml;nig hat im Zauberwald einer wei&szlig;en Hirschkuh nachgejagt und ist nicht wiedergekommen.&quot; Da war sie in gro&szlig;er Besorgnis um ihn. Er war aber dem sch&ouml;nen Wild immer nachgeritten und konnte es niemals einholen; wenn er meinte, es w&auml;re schussrecht, so sah er es gleich wieder in weiter Ferne dahinspringen, und endlich verschwand es ganz. Nun merkte er, dass er tief in den Wald hineingeraten war nahm sein Horn und blies, aber er bekam keine Antwort. denn seine Leute konnten&#39;s nicht h&ouml;ren. Und da auch die Nacht einbrach, sah er, dass er diesen Tag nicht heimkommen k&ouml;nnte, stieg ab, machte sich bei einem Baum ein Feuer und wollte dabei &uuml;bernachten. Als er bei dem Feuer sa&szlig;, und, seine Tiere sich auch neben ihn gelegt hatten, deuchte ihn, als h&ouml;rte er eine menschliche Stimme; er schaute umher, konnte aber nichts bemerken. Bald darauf h&ouml;rte er wieder ein &Auml;chzen wie von oben her, da blickte er in die H&ouml;he und sah ein altes Weib auf dem Baume sitzen, das jammerte in einem fort: &quot;Hu hu hu, was mich friert!&quot; Sprach er: &quot;Steig&#39; herab und w&auml;rme dich. wenn dich friert.&quot; Sie aber sagte: &quot;Nein, deine Tiere bei&szlig;en mich.&quot; Antwortete er: &quot;Sie tun dir nichts, altes M&uuml;tterlein, komm&#39; nur herunter.&quot; Sie war aber eine Hexe und sprach: &quot;Ich will dir eine Rute von dem Baume herabwerfen, wenn du sie damit auf den R&uuml;cken schl&auml;gst, tun sie mir nichts.&quot; Da warf sie ihm ein R&uuml;tlein hinab, und er schlug sie damit, alsbald lagen sie still und waren in Stein verwandelt. Und als die Hexe vor den Tieren sicher war, sprang sie hinunter, r&uuml;hrte auch ihn mit einer Rute an und verwandelte ihn in Stein. Darauf lachte sie und schleppte ihn und die Tiere in einen Graben, wo schon mehr solcher Steine lagen. </font></p>
<p align="justify">
	<font face="Verdana" size="3">Als aber der junge K&ouml;nig gar nicht wiederkam, wurde die Angst und Sorge der K&ouml;nigin immer gr&ouml;&szlig;er. Nun trug sich zu, dass gerade in dieser Zeit der andere Bruder, der bei der Trennung gen Osten gewandert war, in das K&ouml;nigreich kam. Er hatte einen Dienst gesucht und keinen gefunden, war dann herumgezogen hin und her und hatte seine Tiere tanzen lassen. Da fiel ihm ein, er wollte einmal nach dem Messer sehen, das sie bei ihrer Trennung in einen Baumstamm gesto&szlig;en hatten, um zu erfahren, wie es seinem Bruder ginge. Wie er dahin kam, war seines Bruders Seite halb verrostet und halb war sie noch blank. Da erschrak er und dachte: &quot;Meinem Bruder muss ein gro&szlig;es Ungl&uuml;ck zugesto&szlig;en sein, doch kann ich ihn vielleicht noch retten, denn die H&auml;lfte des Messers ist noch blank.&quot; Er zog mit seinen Tieren gen Westen, und als er in das Stadttor kam, trat ihm die Wache entgegen und fragte, ob sie ihn bei seiner Gemahlin melden sollte; die junge K&ouml;nigin w&auml;re schon seit ein paar Tagen in gro&szlig;er Angst &uuml;ber sein Ausbleiben und f&uuml;rchtete, er w&auml;re im Zauberwald umgekommen. Die Wache n&auml;mlich glaubte nicht anders, als er w&auml;re der junge K&ouml;nig selbst, so &auml;hnlich sah er ihm, und hatte auch die wilden Tiere hinter sich laufen. Da merkte er, dass von seinem Bruder die Rede war, und dachte: &quot;Es ist das beste, ich gebe mich f&uuml;r ihn aus, so kann ich ihn wohl leichter erretten.&quot; Also lie&szlig; er sich von der Wache ins Schloss begleiten und wurde mit gro&szlig;en Freuden empfangen. Die junge K&ouml;nigin meinte nicht anders, als es w&auml;re ihr Gemahl, und fragte ihn, warum er so lange ausgeblieben w&auml;re. Er antwortete: &quot;Ich hatte mich in einem Walde verirrt und konnte mich nicht eher wieder herausfinden.,&#39; Abends ward er in das k&ouml;nigliche Bett gebracht, aber er legte ein zweischneidiges Schwert zwischen sich und die junge K&ouml;nigin. Sie wusste nicht, was das hei&szlig;en sollte, getraute aber nicht, zu fragen. </font></p>
<p align="justify">
	<font face="Verdana" size="3">Da blieb er nun ein paar Tage und erforschte derweil alles, wie es mit dem Zauberwald beschaffen war; endlich sprach er: &quot;Ich muss noch einmal dort jagen.&quot; Der K&ouml;nig und die junge K&ouml;nigin wollten es ihm ausreden, aber er bestand darauf und zog mit gro&szlig;er Begleitung hinaus. Als er in den Wald gekommen war, erging es ihm wie seinem Bruder. Er sah eine wei&szlig;e Hirschkuh und sprach zu seinen Leuten: &quot;Bleibt hier und wartet, bis ich wiederkomme, ich will das sch&ouml;ne Wild jagen&quot;, ritt in den Wald hinein, und seine Tiere liefen ihm nach. Aber er konnte die Hirschkuh nicht einholen und geriet so tief in den Wald, dass er darin &uuml;bernachten musste. Und als er ein Feuer gemacht hatte, h&ouml;rte er &uuml;ber sich &auml;chzen: &quot;Hu hu hu, wie mich friert!&quot; Da schaute er hinauf, und es sa&szlig; dieselbe Hexe oben im Baum. Sprach er: &quot;Wenn dich friert, so komm&#39; herab, altes M&uuml;tterchen, und w&auml;rme dich.&quot; Antwortete sie: &quot;Nein, deine Tiere bei&szlig;en mich.&quot; Er aber sprach: &quot;Sie tun dir nichts.&quot; Da rief sie: &quot;Ich will dir eine Rute hinabwerfen, wenn du sie damit schl&auml;gst, so tun sie mir nichts.&quot; Wie der J&auml;ger das h&ouml;rte, traute er der Alten nicht und sprach: &quot;Meine Tiere schlag&#39; ich nicht, komm&#39; du herunter, oder ich hoI&#39; dich.&quot; Da rief sie: &quot;Was willst du wohl? Du tust mir doch nichts!&quot; Er aber antwortete: &quot;Kommst du nicht, so schie&szlig;e ich dich herunter.&quot; Sprach sie: &quot;Schie&szlig; nur zu, vor deinen Kugeln f&uuml;rchte ich mich nicht.&quot; Da legte er an und schoss nach ihr, aber die Hexe war fest gegen alle Bleikugeln, lachte, dass es gellte, und rief: &quot;Du sollst mich doch nicht treffen.&quot; Der J&auml;ger wusste Bescheid, riss sich drei silberne Kn&ouml;pfe vom Rock und lud sie in die B&uuml;chse, denn dagegen war ihre Kunst umsonst, und als er losdr&uuml;ckte, st&uuml;rzte sie gleich mit Geschrei herab. Da stellte er den Fu&szlig; auf sie und sprach: &quot;Alte Hexe, wenn du nicht gleich gestehst, wo mein Bruder ist, so pack&#39; ich dich auf mit beiden H&auml;nden und werfe dich ins Feuer!&quot; Sie war in gro&szlig;er Angst, bat um Gnade und sagte: &quot;Er liegt mit seinen Tieren versteinert in einem Graben.&quot; Da zwang er sie, mit hinzugehen, drohte ihr und sprach: &quot;Alte Meerkatze, jetzt machst du meinen Bruder und alle Gesch&ouml;pfe, die hier liegen, lebendig, oder du kommst ins Feuer!&quot; Sie nahm eine Rute und r&uuml;hrte die Steine an, da wurde sein Bruder mit den Tieren wieder lebendig, und viele andere, Kaufleute, Handwerker, Hirten, standen auf, dankten f&uuml;r ihre Befreiung und zogen heim. Die Zwillingsbr&uuml;der aber, als sie sich wiedersahen, k&uuml;ssten sich und freuten sich von Herzen Dann ergriffen sie die Hexe, banden sie und legten sie ins Feuer, und als sie verbrannt war, tat sich der Wald von selbst auf und war licht und hell, und man konnte das k&ouml;nigliche Schloss auf drei Stunden Wegs sehen. </font></p>
<p align="justify">
	<font face="Verdana" size="3">Nun gingen die zwei Br&uuml;der zusammen nach Hause und erz&auml;hlten einander unterwegs ihre Schicksale. Und als der j&uuml;ngere sagte, er w&auml;re an des K&ouml;nigs Statt Herr im ganzen Lande, sprach der andere: &quot;Das hab&#39; ich wohl gemerkt, denn als ich in die Stadt kam und f&uuml;r dich angesehen wurde, geschah mir alle k&ouml;nigliche Ehre: die junge K&ouml;nigin hielt mich f&uuml;r ihren Gemahl, ich musste an ihrer Seite sitzen und in deinem Bett schlafen.&quot; Wie das der andere h&ouml;rte, ward er so eifers&uuml;chtig und zornig, dass er sein Schwert zog und seinem Bruder den Kopf abschlug. Als dieser aber tot dalag und er sein rotes Blut flie&szlig;en sah, reute es ihn gewaltig: &quot;Mein Bruder hat mich erl&ouml;st&quot;, rief er aus, &quot;und ich habe ihn daf&uuml;r get&ouml;tet!&quot; und jammerte laut. Da kam sein Hase und erbot sich, von der Lebenswurzel zu holen, sprang fort und brachte sie noch zu rechter Zeit. Und der Tote ward wieder ins Leben gebracht und merkte gar nichts von der Wunde. </font></p>
<p align="justify">
	<font face="Verdana" size="3">Darauf zogen sie weiter, und der j&uuml;ngere sprach: &quot;Du siehst aus wie ich, hast k&ouml;nigliche Kleider an wie ich, und die Tiere folgen dir nach wie mir, da wollen wir zu den entgegengesetzten Toren eingehen und von zwei Seiten zugleich beim alten K&ouml;nig anlangen.&quot; Also trennten sie sich, und bei dem alten K&ouml;nig kam zu gleicher Zeit die Wache von dem einen und dem andern Tore und meldete, der junge K&ouml;nig mit den Tieren w&auml;re von der Jagd angelangt. Sprach der K&ouml;nig: &quot;Es ist nicht m&ouml;glich, die Tore liegen eine Stunde weit auseinander.&quot; Indem aber kamen von zwei Seiten die beiden Br&uuml;der in den Schlosshof herein </font></p>
<p align="justify">
	<font face="Verdana" size="3">und stiegen beide herauf. Da sprach der K&ouml;nig zu seiner Tochter: &quot;Sag&#39; an, welcher ist dein Gemahl? Es sieht einer aus wie der andere, ich kann&#39;s nicht wissen.&quot; Sie war da in gro&szlig;er Angst und konnte es nicht sagen, endlich fiel ihr das Halsband ein, das sie den Tieren gegeben hatte, suchte und fand an dem einen L&ouml;wen ihr goldenes Schl&ouml;sschen. Da rief sie vergn&uuml;gt:&quot; Der, dem dieser L&ouml;we nachfolgt, der ist mein rechter Gemahl!&quot; Da lachte der junge K&ouml;nig und sagte: &quot;Ja, das ist der rechte&quot;, und sie setzten sich zusammen zu Tisch, a&szlig;en und tranken und waren fr&ouml;hlich. Abends, als der junge K&ouml;nig zu Bett ging, sprach seine Frau: &quot;Warum hast du die vorigen N&auml;chte immer ein zweischneidiges Schwert in unser Bett gelegt, ich habe geglaubt, du wolltest mich totschlagen.&quot; Da erkannte er, wie treu sein Bruder gewesen war. </font></p>
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<link>https://internet-maerchen.de/maerchen/brueder.htm</link>
<author>INTERNET-MAERCHEN.DE</author>
<category>M&#228;rchen</category>
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<pubDate>Mon, 12 Apr 2021 21:40:00 GMT</pubDate>
</item>

<item>
<title>M&#228;rchenletter M&#228;rz 2021</title>
<description><![CDATA[<p>
	<header class="entry-header" style="display: block; margin: 0px 0px 1.71429rem; padding: 0px; border: 0px none; font-size: 14px; vertical-align: baseline; color: rgb(68, 68, 68); font-family: &quot;Open Sans&quot;,Helvetica,Arial,sans-serif; font-style: normal; font-weight: 400; letter-spacing: normal; orphans: 2; text-align: start; text-indent: 0px; text-transform: none; white-space: normal; widows: 2; word-spacing: 0px; background-color: rgb(255, 255, 255);"></header></p>
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	Der Gaukler</h1>
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		<strong style="font-weight: bold; margin: 0px; padding: 0px; border: 0px none; font-size: 14px; vertical-align: baseline;">Aachener M&auml;rchen</strong></p>
	<hr class="wp-block-separator" style="margin: 24px auto 1.71429rem; border: 0px none; background-color: rgb(204, 204, 204); height: 1px; opacity: 0.4; max-width: 100px;" />
	<p style="margin: 0px 0px 1.71429rem; padding: 0px; border: 0px none; font-size: 14px; vertical-align: baseline; line-height: 1.71429;">
		Vor langer langer Zeit zog einmal ein Seilt&auml;nzer durch die Stadt Aachen. Dieser eroberte sich die Herzen der Menschen durch seine Kunstfertigkeit und seinen Witz. Er trug wei&szlig;-rot gestreifte Beinkleider, eine schwarze Samtjacke und eine merkw&uuml;rdige, kronen&auml;hnliche Haube aus abgeschlissenem Brokat, die am Rande mit kleinen blindgeworden Perlen besetzt war.</p>
	<p style="margin: 0px 0px 1.71429rem; padding: 0px; border: 0px none; font-size: 14px; vertical-align: baseline; line-height: 1.71429;">
		Nun traf es sich, dass eine vornehme Frau ihn sah, die gerade in einer Kutsche vorbeifuhr. Ihr kleiner, blasser Sohn presste seine Stirn gegen das Fensterglas und lachte pl&ouml;tzlich laut auf. Die Frau winkte dem Kutscher, und die Pferde standen still. Sie lie&szlig; den Seilt&auml;nzer an den an den Wagen kommen und sagte: &bdquo;Mein Junge hat &uuml;ber euch lachen m&uuml;ssen, ihr wisst nicht was das f&uuml;r mich bedeutet ich danke euch! Kommt mit mir, ich muss mit Euch reden!&ldquo;</p>
	<p style="margin: 0px 0px 1.71429rem; padding: 0px; border: 0px none; font-size: 14px; vertical-align: baseline; line-height: 1.71429;">
		Der Fremde Mann nahm also sein Seil und stieg in die Kutsche. &bdquo;Ihr m&uuml;sst eine Zeit lang bei uns wohnen&ldquo;, fuhr die Frau fort, &bdquo;seht dies ist mein Sohn Lysander, er kann nicht lustig sein, und ihr habt ihn zum Lachen gebracht.&ldquo; &bdquo;Ich werde es mir &uuml;berlegen,&ldquo; sprach der Mann. &bdquo;O, ich flehe Euch an, &nbsp;tut es&ldquo;, rief die Frau, &bdquo;ich bitte euch darum!&ldquo;<br />
		<br />
		Nun hatte auch der Mann einen kleinen Sohn. Die Mutter war lange tot und darum allein. &Uuml;berlegte er das alles? Gewiss w&uuml;rde die vornehme Frau auch ihn mit aufnehmen, aber er blieb dann doch der Sohn eines Dieners, eines Gauklers. So ging der Mann sp&auml;ter nachdenklich durch die Stadt. Da begegnete ihm eine uralte Frau mit meergr&uuml;nen Augen, und sie sagte: &bdquo;Nun, mein Herzchen, was fehlt dir?&ldquo; &bdquo;Ich habe keine Lust, dir das zu erz&auml;hlen&ldquo;, erwiderte der Mann. &bdquo;Ich bin aber die Einzige, die dir helfen kann,&ldquo; sagte die Frau, &bdquo;ich wei&szlig;, was dich bedr&uuml;ckt, ich sehe es an deinen Augen. Du kannst das Kind mir bringen!&ldquo;</p>
	<p style="margin: 0px 0px 1.71429rem; padding: 0px; border: 0px none; font-size: 14px; vertical-align: baseline; line-height: 1.71429;">
		Da erschrak der Mann heftig, aber die alte Frau lachte und sagte: &bdquo;Du traust mir das wohl nich zu? O, ich bin noch hurtig wie ein junges M&auml;dchen in meinem Haushalt und versorge deinen Kleinen gut. Zudem bin ich nicht weit von dir entfernt, du kannst dein Kind jeden Tag sehen.</p>
	<p style="margin: 0px 0px 1.71429rem; padding: 0px; border: 0px none; font-size: 14px; vertical-align: baseline; line-height: 1.71429;">
		H&ouml;re gut zu: Das Haus deiner Herrin steht in der Franzstrasse, dahinter liegt ein kleiner Park mit einer Mauer darum. An der rechten Seite der Mauer befindet sich ein Brunnen, und daneben erblickst du hinter Efeu versteckt eine eiserne T&uuml;r. Hier ist der Schl&uuml;ssel dazu.<br />
		Jeden Mittag, wenn dein Prinz schl&auml;ft, kommst du zu mir, denn im Garten hinter der T&uuml;r steht mein Haus. Nun z&ouml;gere nicht und bringe mir den Knaben!&ldquo;</p>
	<p style="margin: 0px 0px 1.71429rem; padding: 0px; border: 0px none; font-size: 14px; vertical-align: baseline; line-height: 1.71429;">
		Da der Mann keinen anderen Ausweg fand, brachte er an einem Mittag seinen Sohn der alten Frau. 0 Die Alte verbot ihm, nur ein Wort dar&uuml;ber zu sagen, und er versprach es ihr. Jeden Mittag, wenn Lysander schlief, ging der Gaukler heimlich zu seinem Sohn. Dieser wurde immer sch&ouml;ner und kr&auml;ftiger. Seine Augen strahlten vor Freude, und sein Haar schimmerte in der Sonne wie Gold. Auch Lysander wurde gro&szlig;, aber seine Traurigkeit wuchs gleichsam mit. Er konnte stundenlang unter den B&auml;umen des Parks sitzen und den V&ouml;geln nachschauen. Manchmal gelang es dem Gaukler in fr&ouml;hlich zu machen aber das war sehr selten. Einmal nun wurde Lysander krank, und der Gaukler wachte Tag und Nacht bei ihm. Es war ihm nicht mehr m&ouml;glich seinen Sohn zu besuchen. Er h&ouml;rte immer nur seine Lieder hinter der Mauer. An einem Mittag &ouml;ffnete sich pl&ouml;tzlich die T&uuml;r, und ein J&uuml;ngling trat ein, in einem wei&szlig;en seidenen Gewand. &bdquo;Ich will f&uuml;r dich wachen,&ldquo; sagte er, &bdquo;geh schnell zu deinem Kind, aber beeile dich!&ldquo; Der Gaukler f&uuml;rchtete sich, doch seine Sehnsucht war so stark, dass er auf den Vorschlag des Fremden einging.<br />
		&bdquo;Vielleicht ist der Fremde ein Engel&ldquo;, dachte der Gaukler. Das geschah eine ganze Zeit lang. Als der Gaukler einmal wieder durch die kleine T&uuml;r zur&uuml;ckkam, sah er einen Mann aus Lysanders Krankengemach kommen, der genauso angekleidet war wie er selbst. In der Hand aber trug er ein rotes Herz. Der Gaukler ging auf ihn zu und rief: &bdquo;Wer bist du?&ldquo;<br />
		Er stand wie vor seinem Spiegelbild, die gleichen rot-weissen Beinkleider, die gleiche schwarze Samtjacke und die gleiche brokatene Haube.<br />
		&bdquo;Ich bin der Teufel&ldquo;, sagte der Fremde, &bdquo;du hast es mir leicht gemacht. Dein Sch&uuml;tzling hat mir sein Herz verkauft.&ldquo; &bdquo;Und was gibst du ihm daf&uuml;r?&ldquo; schrie der Gaukler. &nbsp;&bdquo;Leichtsinn, Lachen, Fr&ouml;hlichkeit!&ldquo; rief der Teufel und war verschwunden.</p>
	<p style="margin: 0px 0px 1.71429rem; padding: 0px; border: 0px none; font-size: 14px; vertical-align: baseline; line-height: 1.71429;">
		Nun begann eine schwere Zeit f&uuml;r den Gaukler. Lysander war voller b&ouml;ser Einf&auml;lle und nicht mehr wieder zu erkennen. Die Mutter aber h&ouml;rte nur sein Lachen und &uuml;bersch&uuml;ttete den Gaukler mit Gold und Edelstein.</p>
	<p style="margin: 0px 0px 1.71429rem; padding: 0px; border: 0px none; font-size: 14px; vertical-align: baseline; line-height: 1.71429;">
		Dieser wusste in seiner Not keinen Rat und ging an einem Abend heimlich zu der alten Frau.<br />
		&bdquo;Der Teufel hat das Herz versteckt&ldquo;, sagte sie, &bdquo;wir m&uuml;ssen nur herausfinden, wo. Aber zeigt doch mal Eure M&uuml;tze her, ach, so was tragt Ihr auf Eurem Kopf? Es wird Zeit, dass ihr die Perlen einmal putzt, wir wollen das schnell machen!&ldquo;</p>
	<p style="margin: 0px 0px 1.71429rem; padding: 0px; border: 0px none; font-size: 14px; vertical-align: baseline; line-height: 1.71429;">
		Die alte holte ein feuchtes Tuch und rieb jede Perle einzeln ab. Da nahm sie noch ein trockenes Tuch, und indem sie die erste Perle rieb, h&ouml;rte man die T&ouml;ne einer Geige. Bei der n&auml;chsten Perle hub eine Fl&ouml;te an zu jubilieren, und bei der dritten Perle blies irgendjemand Trompete. So ging es fort, bis alle Instrumente beisammen waren. Nein, es war einfach nicht zu begreifen. Die Musik hing in der Luft, und das war ein Klingen und Pfeifen, wie man es selten zu h&ouml;ren bekommt.</p>
	<p style="margin: 0px 0px 1.71429rem; padding: 0px; border: 0px none; font-size: 14px; vertical-align: baseline; line-height: 1.71429;">
		&bdquo;So weit w&auml;ren wir&ldquo;, sagte die alte Frau, &bdquo;und nun wollen wir weitersehen.&ldquo;<br />
		Sie schlug ein Tuch um ihre Schultern und ging hinaus. Der Gaukler folgte ihr. Drau&szlig;en schwenkte sie die M&uuml;tze immer im Kreise herum und murmelte:</p>
	<p class="has-text-align-center" style="margin: 0px 0px 1.71429rem; padding: 0px; border: 0px none; font-size: 14px; vertical-align: baseline; text-align: center; line-height: 1.71429;">
		Perlen, Perlen, r&uuml;hrt euch schnell,<br />
		bringt uns eilig zu der Stell&lsquo;,<br />
		wo das Herz verborgen liegt,<br />
		wo es sich in Seide schmiegt.<br />
		Unter Erde, unter Steinen<br />
		muss es nach dem Knaben weinen,<br />
		der es l&auml;ngst verga&szlig;.<br />
		Perlen, zeigt eure Kraft,<br />
		was ihr wirkt und was ihr schafft,<br />
		zeigt in den Sternstunden,<br />
		l&ouml;st euch, frei und ungebunden,<br />
		seid doch nicht aus Glas!</p>
	<p style="margin: 0px 0px 1.71429rem; padding: 0px; border: 0px none; font-size: 14px; vertical-align: baseline; line-height: 1.71429;">
		Da fiel die M&uuml;tze zu Boden, und aus jeder Perle wurde ein Vogel. Das war wunderbar anzusehen, da gab es rote, gelbe, gr&uuml;ne Federn, betupft, gestreift und in allen Arten.<br />
		Es war wie ein lebendiger Regenbogen. Diese V&ouml;gel zogen an feinen, goldenen Ketten eine Waage aus Kristall.</p>
	<p style="margin: 0px 0px 1.71429rem; padding: 0px; border: 0px none; font-size: 14px; vertical-align: baseline; line-height: 1.71429;">
		Die alte Frau und der Gaukler stiegen hinein, und nun erhoben die V&ouml;gel ihre Schwingen. Der Wagen flog mit ihnen in die Luft. Nun kam die Musik immer n&auml;her. Als sie den Turm des Marschiertores erreichten, lie&szlig;en die V&ouml;gel sich nieder. Die alte Frau sprang in eine Dachluke hinein, und der Gaukler, der ja recht beweglich und behende war, machte das gleiche.</p>
	<p style="margin: 0px 0px 1.71429rem; padding: 0px; border: 0px none; font-size: 14px; vertical-align: baseline; line-height: 1.71429;">
		Nun standen sie beide auf einem Speicher und sahen auf den verschiedenen Balken Zwerge mit Musikinstrumenten sitzen. Eine Stimme aber sang dazu:</p>
	<p class="has-text-align-center" style="margin: 0px 0px 1.71429rem; padding: 0px; border: 0px none; font-size: 14px; vertical-align: baseline; text-align: center; line-height: 1.71429;">
		Suchet nun in aller Ruhe<br />
		eine schwarze Eisentruhe.<br />
		Jeder findet dort sein Teil!<br />
		Gaukler, Gaukler, nimm dein Seil<br />
		und ertanze dir die Gunst<br />
		einer schwarzen Teufelskunst.</p>
	<p style="margin: 0px 0px 1.71429rem; padding: 0px; border: 0px none; font-size: 14px; vertical-align: baseline; line-height: 1.71429;">
		Der Mann schaute nun in jeden Winkel, und da entdeckte er unter Erde und Steinen versteckt, die Truhe. Er &ouml;ffnete sie. Da lag das Herz in wei&szlig;e Seide eingeh&uuml;llt, und die alte Frau stecke es in ihre Sch&uuml;rzentasche.</p>
	<p style="margin: 0px 0px 1.71429rem; padding: 0px; border: 0px none; font-size: 14px; vertical-align: baseline; line-height: 1.71429;">
		Jetzt stellten die Zwerge ihre Instrumente zur Seite und reichten dem Gaukler ein Seil. Er nahm es, warf es zur Luke hinaus, aber es fiel nicht auf die Stra&szlig;e.<br />
		Ein Vogel fing es mit seinem Schnabel auf und trug es weit fort. Das Seil wuchs. Der Vogel trug es bis zu dem Hause des reichen Knaben und band es dort an einem Steinengel fest, der dicht vor dem Giebel stand.</p>
	<p style="margin: 0px 0px 1.71429rem; padding: 0px; border: 0px none; font-size: 14px; vertical-align: baseline; line-height: 1.71429;">
		Der Gaukler sprang auf das Seil und tanzte leichtf&uuml;&szlig;ig, bis er das Ende erreicht hatte. Die alte Frau war nicht mehr zu sehen.<br />
		<br />
		Als er in das Zimmer des Knaben kam, sa&szlig; dieser in seinem Bett aufrecht und lachte. &bdquo;Mir tr&auml;umte, ich h&auml;tte mein Herz verloren&ldquo;, sagte er, &bdquo;und heute bekam ich es wieder. Ach, mir ist so leicht und fr&ouml;hlich zu Mute. Eine alte Frau mit meergr&uuml;nen Augen brachte mir das Herz. Aber wei&szlig;t du, ich habe nicht eher Ruhe, bis der Junge aus dem Nachbargarten zu mir kommt. Er singt so sch&ouml;n, gestern sah ich ihn auf der Mauer sitzen, zum ersten Mal.<br />
		Ich sprach mit ihm, er ist so gut und freundlich. Dann ging er fort, und ich rief mit meiner Mutter lange nach ihm, aber er kam nicht mehr. Du musst mir nun helfen, ihn zu finden!&ldquo;</p>
	<p style="margin: 0px 0px 1.71429rem; padding: 0px; border: 0px none; font-size: 14px; vertical-align: baseline; line-height: 1.71429;">
		&bdquo;O, das kann ich wohl gut&ldquo;, sagte der Mann und atmete tief auf, &bdquo;ich will dir sp&auml;ter alles erz&auml;hlen. &ndash;&bdquo;</p>
	<p style="margin: 0px 0px 1.71429rem; padding: 0px; border: 0px none; font-size: 14px; vertical-align: baseline; line-height: 1.71429;">
		So kam der Sohn des Gauklers in das Haus des reichen Knaben, und sie wurden wie Br&uuml;der gemeinsam erzogen. Der Zauber war von Lysanders Seele gewichen, und er lebte froh und unbek&uuml;mmert auf</p>
	<p style="margin: 0px 0px 1.71429rem; padding: 0px; border: 0px none; font-size: 14px; vertical-align: baseline; line-height: 1.71429;">
		In den Abendstunden aber war ihnen oft, als dr&auml;nge jene sonderbare Musik durch den Garten, die der Gaukler geh&ouml;rt hatte. &bdquo;Wir wollen die alte Frau noch einmal besuchen&ldquo;, sagte er, und die Kinder holten den Schl&uuml;ssel, um die eiserne T&uuml;r aufzuschlie&szlig;en. Aber der Schl&uuml;ssel drehte sich nicht mehr im Schloss, und sie stiegen alle &uuml;ber Mauer. Das haus war nicht mehr zu sehen und der Garten verwildert. Ein fremdes Kind sa&szlig; im Gras und pfl&uuml;ckte Blumen. &bdquo;Wo ist denn das Haus, was hier stand?&ldquo; fragte der Gaukler. &bdquo;Hier hat kein Haus gestanden&ldquo;, sagte das Kind, &bdquo;niemals.&ldquo;</p>
	<hr />
	<p>
		N&auml;chster M&auml;rchenletter am 12.04.2021</p>
	<p>
		08.03.2021 Der M&auml;rchenletter und mein M&auml;rchenprogramm im Internet ist ein rein privates Hobby von mir. Somit hast Du nat&uuml;rlich auch keinen rechtlichen Anspruch auf die M&auml;rchen.</p>
	<p>
		Wenn Du den M&auml;rchenletter einmal nicht mehr m&ouml;chtest, kannst Du ihn jederzeit wieder abbestellen.<br />
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</div>
]]></description>
<link>https://internet-maerchen.de/maerchen/gaukler.htm</link>
<author>INTERNET-MAERCHEN.DE</author>
<category>M&#228;rchen</category>
<category>maerchenletter</category>
<guid  isPermaLink="false">c88600ac-5b64-4b65-a5b9-e096da5d5ee5</guid>
<pubDate>Mon, 08 Mar 2021 19:29:00 GMT</pubDate>
</item>

<item>
<title>M&#228;rchenletter Februar 2021</title>
<description><![CDATA[<p>
	<strong>Der Schneemann</strong><br />
	Hans Christian Andersen</p>
<hr />
<p>
	<br />
	&quot;Eine so wunderbare K&auml;lte ist es, das mir der ganze K&ouml;rper knackt!&quot; sagte der Schneemann. &quot;Der Wind kann einem wirklich Leben einbei&szlig;en. Und wie die Gl&uuml;hende dort glotzt!&quot; Er meinte die Sonne, die gerade im Untergehen begriffen war. &quot;Mich soll sie nicht zum Blinzeln bringen, ich werden schon die St&uuml;ckchen festhalten.&quot;<br />
	<br />
	Er hatte n&auml;mlich statt der Augen zwei gro&szlig;e, dreieckige St&uuml;ckchen von einem Dachziegel im Kopf; sein Mund bestand aus einem alten Rechen, folglich hatte sein Mund auch Z&auml;hne.<br />
	<br />
	Geboren war er unter dem Jubelruf der Knaben, begr&uuml;&szlig;t vom Schellengel&auml;ut und Peitschenknall der Schlitten.<br />
	<br />
	Die Sonne ging unter, der Vollmond ging auf, rund, gro&szlig;, klar und sch&ouml;n in der blauen Luft.<br />
	<br />
	<br />
	&quot;Da ist sie wieder von einer anderen Seite!&quot; sagte der Schneemann. Damit wollte er sagen: die Sonne zeigt sich wieder. &quot;Ich habe ihr doch das Glotzen abgew&ouml;hnt! Mag sie jetzt dort h&auml;ngen und leuchten, damit ich mich selber sehen kann. W&uuml;sste ich nur, wie man es macht, um von der Stelle zu kommen! Ich m&ouml;chte mich gar zu gern bewegen! Wenn ich es k&ouml;nnte, w&uuml;rde ich jetzt dort unten auf dem Eis hingleiten, wie ich die Knaben gleiten gesehen habe; allein ich verstehe mich nicht darauf, wei&szlig; nicht, wie man l&auml;uft.&quot;<br />
	<br />
	&quot;Weg! weg!&quot; bellte der alte Kettenhund; er war etwas heiser und konnte nicht mehr das echte &quot;Wau! wau!&quot; aussprechen; die Heiserkeit hatte er sich geholt, als er noch Stubenhund war und unter dem Ofen lag. &quot;Die Sonne wird dich schon laufen lehren! Das habe ich vorigen Winter an deinem Vorg&auml;nger und noch fr&uuml;her an dessen Vorg&auml;nger gesehen. Weg! weg! Und weg sind sie alle!&quot;<br />
	<br />
	&quot;Ich verstehen dich nicht, Kamerad&quot;, sagte der Schneemann. &quot;Die dort oben soll mich laufen lehren?&quot; Er meinte den Mond; &quot;ja, laufen tat sie freilich vorhin, als ich sie fest ansah, jetzt schleicht sie heran von einer anderen Seite.&quot;<br />
	<br />
	&quot;Du wei&szlig;t gar nichts!&quot; entgegnete der Kettenhund, &quot;du bist aber auch eben erst aufgekleckst worden. Der, den du da siehst, das ist der Mond; die, welche vorhin davongegangen ist, das war die Sonne; die kommt morgen wieder, die wird dich schon lehren, in den Wallgraben hinabzulaufen. Wir kriegen bald anderes Wetter, ich f&uuml;hle es schon in meinem linken Hinterbein, es sticht und schmerzt; das Wetter wird sich &auml;ndern!&quot;<br />
	<br />
	&quot;Ich verstehe ihn nicht&quot;, sagte der Schneemann, &quot;aber ich habe es im Gef&uuml;hl, dass es etwas Unangenehmes ist, was er spricht. Sie, die so glotzte und sich alsdann davonmachte, die Sonne, wie er sie nennt, ist auch nicht meine Freundin, das habe ich im Gef&uuml;hl!&quot;<br />
	<br />
	&quot;Weg! weg!&quot; bellte der Kettenhund, ging dreimal um sich selbst herum und kroch dann in seine H&uuml;tte um zu schlafen.<br />
	<br />
	Das Wetter &auml;nderte sich wirklich. Gegen Morgen lag ein dicker, feuchter Nebel &uuml;ber der ganzen Gegend; sp&auml;ter kam der Wind, ein eisiger Wind; das Frostwetter packte einen ordentlich, aber als die Sonne aufging, welche Pracht! B&auml;ume und B&uuml;sche waren mit Reif &uuml;berzogen, sie glichen einem ganzen Wald von Korallen, alle Zweige schienen mit strahlend wei&szlig;em Bl&uuml;ten &uuml;ber und &uuml;ber bes&auml;t. Die vielen und feinen Ver&auml;stelungen, die der Bl&auml;tterreichtum w&auml;hrend der Sommerzeit verbirgt, kamen jetzt alle zum Vorschein. Es war wie ein Spitzengewebe, gl&auml;nzend wei&szlig;, aus jedem Zweig str&ouml;mte ein wei&szlig;er Glanz. Die H&auml;ngebirke bewegte sich im Wind, sie hatte Leben wie alle B&auml;ume im Sommer; es war wunderbar und sch&ouml;n! Und als die Sonne schien, nein, wie flimmerte und funkelte das Ganze, als l&auml;ge Diamantenstaub auf allem und als flimmerten auf dem Schneeteppich des Erdbodens die gro&szlig;en Diamanten, oder man konnte sich auch vorstellen, dass unz&auml;hlige kleine Lichter leuchteten, wei&szlig;er selbst als der wei&szlig;e Schnee.<br />
	<br />
	&quot;Das ist wunderbar sch&ouml;n!&quot; sagte ein junges M&auml;dchen, das mit einem jungen Mann in den Garten trat. Beide blieben in der N&auml;he des Schneemanns stehen und betrachteten von hier aus die flimmernden B&auml;ume. &quot;Einen sch&ouml;neren Anblick gew&auml;hrt der Sommer sicht!&quot; sprach sie, und ihre Augen strahlten.<br />
	<br />
	&quot;Und so einen Kerl wie diesen hier hat man im Sommer erst recht nicht&quot;, erwiderte der junge Mann und zeigte auf den Schneemann. &quot;Er ist h&uuml;bsch&quot;.<br />
	<br />
	Das junge M&auml;dchen lachte, nickte dem Schneemann zu und tanzte darauf mit ihrem Freund &uuml;ber den Schnee dahin, der unter ihren Schritten knarrte und pfiff, als gingen sie auf St&auml;rkemehl.<br />
	<br />
	&quot;Wer waren die beiden?&quot; fragte der Schneemann.<br />
	<br />
	&quot;Liebesleute!&quot; Gab der Kettenhund zur Antwort. &quot;Sie werden in eine H&uuml;tte ziehen und zusammen am Knochen nagen. Weg! weg!&quot;<br />
	<br />
	&quot;Sind denn die beiden auch solche Wesen wie du und ich?&quot; fragte der Schneemann.<br />
	<br />
	&quot;Die geh&ouml;ren ja zur Herrschaft!&quot; versetzte der Kettenhund, &quot;freilich wei&szlig; man sehr wenig, wenn man den Tag zuvor erst zur Welt gekommen ist. Ich merke es dir an! Ich habe das Alter, auch die Kenntnisse; ich kenne alle hier im Haus, und auch eine Zeit habe ich gekannt, da lag ich nicht hier in der K&auml;lte und an der Kette. Weg! weg!&quot;<br />
	<br />
	&quot;Die K&auml;lte ist herrlich!&quot; sprach der Schneemann. &quot;Erz&auml;hle, erz&auml;hle! Aber du darfst nicht mit den Ketten rasseln; es knackt in mir, wenn du das tust.&quot;<br />
	<br />
	&quot;Weg! weg!&quot; bellte der Kettenhund. &quot;Ein kleiner Junge bin ich gewesen, klein und niedlich, sagte man; damals lag ich auf einem mit Sammet &uuml;berzogenen Stuhl dort oben im Herrenhaus, im Scho&szlig; der obersten Herrschaft; mir wurde die Schnauze gek&uuml;sst, und die Pfoten wurden mir mit einem gestickten Taschentuch abgewischt, ich hie&szlig; Ami! lieber Ami! s&uuml;&szlig;er Ami! Aber sp&auml;ter wurde ich ihnen dort oben zu gro&szlig;, und sie schenkten mich der Haush&auml;lterin. Ich kam in die Kellerwohnung! Du kannst dorthin hinunterschauen, wo ich Herrschaft gewesen bin, denn das war ich bei der Haush&auml;lterin. Es war zwar ein geringerer Ort als oben, aber er war gem&uuml;tlicher, ich wurde nicht in einem fort von Kindern angefasst und gezerrt wie oben. Ich bekam ebenso gutes Futter wie fr&uuml;her, ja besseres noch! Ich hatte mein eigenes Kissen, und ein Ofen war da, der ist um diese Zeit das Sch&ouml;nste von der Welt! Ich ging unter den Ofen, konnte mich darunter ganz verkriechen. Ach, von ihm tr&auml;ume ich noch. Weg! weg!&quot;<br />
	<br />
	&quot;Sieht denn ein Ofen so sch&ouml;n aus?&quot; fragte der Schneemann. &quot;Hat er &Auml;hnlichkeit mit mir?&quot;<br />
	<br />
	&quot;Der ist gerade das Gegenteil von dir! Rabenschwarz ist er, hat einen langen Hals mit Messingtrommel. Er frisst Brennholz, dass ihm das Feuer auf dem Munde spr&uuml;ht. Man muss sich an der Seite von ihm halten, dicht daneben, ganz unter ihm, da ist es sehr angenehm. Durch das Fenster wirst du ihn sehen k&ouml;nne, von dort aus, wo du stehst.&quot;<br />
	<br />
	Und der Schneemann schaute danach und gewahrte einen blank polierten Gegenstand mit messingner Trommel; das Feuer leuchtete von unten heraus. Dem Schneemann wurde ganz wunderlich zumute, es &uuml;berkam ihn ein Gef&uuml;hl, er wusste selber nicht welches, er konnte sich keine Rechenschaft dar&uuml;ber ablegen; aber alle Menschen, wenn sie nicht Schneem&auml;nner sind, kennen es.<br />
	<br />
	&quot;Und warum verlie&szlig;est du sie?&quot; fragte der Schneemann. Er hatte es im Gef&uuml;hl, dass es ein weibliches Wesen sein musste. &quot;Wie konntest du nur einen solchen Ort verlassen?&quot;<br />
	<br />
	&quot;Ich musste wohl!&quot; sagte der Kettenhund. &quot;Man warf mich zur T&uuml;r hinaus und legte mich hier an die Kette. Ich hatte den j&uuml;ngsten Junker ins Bein gebissen, weil er mir den Knochen wegstie&szlig;, an dem ich nagte: Knochen um Knochen, so denke ich! Das nahm man mir aber sehr &uuml;bel, und von dieser Zeit an bin ich an die Kette gelegt worden und habe meine Stimme verloren, h&ouml;rst du nicht, dass ich hei&szlig;er bin? Ich kann nicht mehr so sprechen wie die anderen Hunde: weg! weg! Das war das Ende vom Lied!&quot;<br />
	<br />
	Der Schneemann h&ouml;rte ihm aber nicht mehr zu, er schaute immerfort in die Kellerwohnung der Haush&auml;lterin, in ihre Stube hinein, wo der Ofen auf seinen vier eisernen Beinen stand und sich in derselben Gr&ouml;&szlig;e zeigte wie der Schneemann.<br />
	<br />
	&quot;Wie das sonderbar in mir knackt!&quot; sagte er. &quot;Werde ich nie dort hineinkommen? Es ist doch ein unschuldiger Wunsch, und unsere unschuldigen W&uuml;nsche werden gewiss in Erf&uuml;llung gehen. Ich muss dort hinein, ich muss mich an sie anlehnen, und wollte ich auch das Fenster eindr&uuml;cken!&quot;<br />
	<br />
	&quot;Dort hinein wirst du nie gelangen!&quot; sagte der Kettenhund, &quot;und kommst du an den Ofen hin, so bist du weg! weg!&quot;<br />
	<br />
	Ich bin schon so gut wie weg!&quot; erwiderte der Schneemann, &quot;ich breche zusammen, glaube ich.&quot;<br />
	<br />
	Den ganzen Tag stand der Schneemann und schaute durchs Fenster hinein; in der D&auml;mmerstunde wurde die Stube noch einladender; vom Ofen her leuchtete es mild, gar nicht wie der Mond, nicht wie die Sonne; nein, wie nur der Ofen leuchten kann, wenn er etwas zu verspeisen hat. Wenn die Stubent&uuml;r aufging, hing ihm die Flamme zum Munde heraus, diese Gewohnheit hatte der Ofen; es flammte deutlich rot auf um das wei&szlig;e Gesicht des Schneemannes, es leuchtete rot seine ganze Brust herauf.<br />
	<br />
	&quot;Ich halte es nicht mehr aus!&quot; sagte er. &quot;Wie sch&ouml;n es ihr steht, die Zunge so herauszustrecken!&quot;<br />
	<br />
	Die Nacht war lang, dem Schneemann ward sie aber nicht lang, er stand in seine eigenen sch&ouml;nen Gedanken vertieft, und die froren, dass es knackte.<br />
	<br />
	Am Morgen waren die Fensterscheiben der Kellerwohnung mit Eis bedeckt; sie trugen die sch&ouml;nsten Eisblumen, die nur ein Schneemann verlangen konnte, allein sie verbargen den Ofen. Die Fensterscheiben wollten nicht auftauen; er konnte den Ofen nicht sehen, den er sich als ein so liebliches weibliches Wesen dachte. Es knackte und knickte in ihm und rings um ihn her; es war gerade so ein Frostwetter, an dem ein Schneemann seine Freude haben musste. Er aber freute sich nicht - wie h&auml;tte er sich auch gl&uuml;cklich f&uuml;hlen k&ouml;nnen, er hatte Ofensehnsucht.<br />
	<br />
	&quot;Das ist eine schlimme Krankheit f&uuml;r einen Schneemann&quot;, sagte der Kettenhund, &quot;ich habe an der Krankheit gelitten; aber ich habe sie &uuml;berstanden. Weg! weg!&quot; bellte er. &quot;Wir werden anderes Wetter bekommen!&quot; f&uuml;gte er hinzu.<br />
	<br />
	Und das Wetter &auml;nderte sich; es wurde Tauwetter.<br />
	<br />
	Das Tauwetter nahm zu, der Schneemann nahm ab. Er sagte nichts, er klagte nicht, und das ist das richtige Zeichen.<br />
	<br />
	Eines Morgens brach er zusammen. Und sieh, es ragte so etwas wie ein Besenstiel da, wo er gestanden hatte, empor. Um den Stiel herum hatten die Knaben ihn aufgebaut.<br />
	<br />
	&quot;Ja, jetzt begreife ich es, jetzt verstehe ich es, dass er die gro&szlig;e Sehnsucht hatte!&quot; sagte der Kettenhund. &quot;Da ist ja ein Eisen zum Ofenreinigen an dem Stiel, der Schneemann hat einen Ofenkratzer im Leib gehabt! Das ist es, was sich in ihm geregt hat, jetzt ist das &uuml;berstanden; weg! weg!&quot;<br />
	<br />
	Und bald darauf war auch der Winter &uuml;berstanden.<br />
	<br />
	&quot;Weg! weg!&quot; bellte der heisere Kettenhund; aber die M&auml;dchen aus dem Hause sangen:<br />
	<br />
	Waldmeister gr&uuml;n! Hervor aus dem Haus,<br />
	Weide! Die wollenen Handschuhe aus;<br />
	Lerche und Kuckuck! Singt fr&ouml;hlich drein,<br />
	Fr&uuml;hling im Februar wird es sein!<br />
	Ich singe mit: Kuckuck&quot; Kiwitt&quot;<br />
	Komm, liebe Sonne, komm oft - kiwitt!<br />
	<br />
	Und dann denkt niemand an den Schneemann.</p>
]]></description>
<link>https://internet-maerchen.de/maerchen/schneemann.htm</link>
<author>INTERNET-MAERCHEN.DE</author>
<category>M&#228;rchen</category>
<category>maerchenletter</category>
<guid  isPermaLink="false">cdd2bde6-6d5d-4461-88e3-d45c585bef65</guid>
<pubDate>Mon, 08 Feb 2021 21:20:31 GMT</pubDate>
</item>

<item>
<title>M&#228;rchenletter Januar 2021</title>
<description><![CDATA[<p style="font-weight: 400; font-style: normal;">
	<span style="font-size: 20px;"><span><span>Der Rosenelf</span></span></span><br />
	<strong><span><span>Hans-Christian Andersen</span></span></strong></p>
<p style="font-weight: 400; font-style: normal;">
	<span>Mitten in einem Garten wuchs ein Rosenstock, der war ganz voller Rosen, und in einer derselben, der sch&ouml;nsten von allen, wohnte ein Elf; er war so winzig klein, dass kein menschliches Auge ihn erblicken konnte; hinter jedem Blatte in der Rose hatte er eine Schlafkammer; er war so wohlgebildet und sch&ouml;n, wie nur ein Kind sein konnte und hatte Fl&uuml;gel von den Schultern bis gerade hinunter zu den F&uuml;&szlig;en. O, welcher Duft war in seinen Zimmern, und wie klar und sch&ouml;n waren die W&auml;nde! Es waren ja die blassroten Rosenbl&auml;tter.</span></p>
<p style="font-weight: 400; font-style: normal;">
	<span>---------------------------------------------------------------<br />
	Werbung<br />
	<br />
	<b>bei YouTube... <a data-saferedirecturl="https://www.google.com/url?hl=de&amp;q=https://youtu.be/DtbWukTicDs&amp;source=gmail&amp;ust=1610646830565000&amp;usg=AFQjCNG_C0vbLyhh3lr7RjjniEFrX0CuIg" href="https://youtu.be/DtbWukTicDs" rel="nofollow" target="_blank">Lie liest vor</a></b><br />
	<span style="font-weight: 400; font-style: normal;"><span>Der Rosenelf: M&auml;rchen von H.C. Andersen (H&ouml;rbuch zum Einschlafen f&uuml;r Erwachsene und &auml;ltere Kinder)</span></span><br />
	<br />
	<span>---------------------------------------------------------------</span> </span></p>
<p style="font-weight: 400; font-style: normal;">
	<span>Den ganzen Tag erfreute er sich im warmen Sonnenschein, flog von Blume zu Blume, tanzte auf den Fl&uuml;geln des fliegenden Schmetterlings und ma&szlig;, wie viele Schritte er zu gehen hatte, um &uuml;ber alle Landstra&szlig;en und Steige zu gelangen, welche auf einem einzigen Lindenblatte sind. Das war, was wir die Adern im Blatte nennen, die er f&uuml;r Landstra&szlig;en und Steige nahm, ja das waren gro&szlig;e Wege f&uuml;r ihn! Ehe er damit fertig wurde, ging die Sonne unter, er hatte auch sp&auml;t damit angefangen.</span></p>
<p style="font-weight: 400; font-style: normal;">
	<span>Es wurde kalt, der Tau fiel und der Wind wehte; nun war es das Beste, nach Hause zu kommen, er tummelte sich, so sehr er konnte, aber die Rose hatte sich geschlossen, er konnte nicht hineingelangen &ndash; keine einzige Rose stand ge&ouml;ffnet. Der arme kleine Elf erschrak sehr. Er war fr&uuml;her nie nachts weggewesen, hatte immer s&uuml;&szlig; hinter den warmen Rosenbl&auml;ttern geschlummert. O, das wird sicher sein Tod werden!</span></p>
<p style="font-weight: 400; font-style: normal;">
	<span>Am andern Ende des Gartens, wusste er, befand sich eine Laube mit sch&ouml;nem Jel&auml;ngerjelieber, die Blumen sahen wie gro&szlig;e, bemalte H&ouml;rner aus; in eine derselben wollte er hinabsteigen und bis morgen schlafen.</span></p>
<p style="font-weight: 400; font-style: normal;">
	<span>Er flog dahin. Was sah er da! Es waren zwei Menschen darin, ein junger, h&uuml;bscher Mann und ein sch&ouml;nes M&auml;dchen; sie sa&szlig;en neben einander und w&uuml;nschten, dass sie sich nicht zu trennen brauchten; sie waren einander so gut, weit mehr noch, als das beste Kind seiner Mutter und seinem Vater sein kann.</span></p>
<p style="font-weight: 400; font-style: normal;">
	<span>&raquo;Doch m&uuml;ssen wir uns trennen! &laquo; sagte der junge Mann. &raquo;Dein Bruder mag uns nicht leiden, deshalb sendet er mich mit einem Auftrage so weit &uuml;ber Berge und Seen fort! Lebe wohl, meine s&uuml;&szlig;e Braut, denn das bist Du mir doch! &laquo;</span></p>
<p style="font-weight: 400; font-style: normal;">
	<span>Dann k&uuml;ssten sie sich, und das junge M&auml;dchen weinte und gab ihm eine Rose. Aber bevor sie ihm dieselbe reichte, dr&uuml;ckte sie einen Kuss darauf, so fest und so innig, dass die Blume sich &ouml;ffnete. Da flog der kleine Elf in diese hinein und lehnte sein Haupt gegen die feinen, duftenden W&auml;nde; hier konnte er gut h&ouml;ren, dass Lebewohl gesagt wurde. Und er f&uuml;hlte, dass die Rose ihren Platz an des jungen Mannes Brust erhielt. O, wie schlug doch das Herz darinnen! Der kleine Elf konnte gar nicht einschlafen, so pochte es.</span></p>
<p style="font-weight: 400; font-style: normal;">
	<span>Doch nicht lange lag die Rose auf der Brust. Der Mann nahm sie hervor, und w&auml;hrend er einsam in dem dunkeln Walde ging, k&uuml;sste er die Blume, so oft und stark, dass der kleine Elf fast erdr&uuml;ckt wurde; er konnte durch das Blatt f&uuml;hlen, wie die Lippen des Mannes brannten, und die Rose selbst hatte sich, wie bei der st&auml;rksten Mittagssonne, ge&ouml;ffnet.</span></p>
<p style="font-weight: 400; font-style: normal;">
	<span>Da kam ein anderer Mann, finster und b&ouml;se; es war des h&uuml;bschen M&auml;dchens schlechter Bruder. Ein scharfes und gro&szlig;es Messer zog er hervor, und w&auml;hrend jener die Rose k&uuml;sste, stach der schlechte Mann ihn tot, schnitt seinen Kopf ab und begrub ihn mit dem K&ouml;rper in der weichen Erde unter dem Lindenbaume.</span></p>
<p style="font-weight: 400; font-style: normal;">
	<span>&raquo;Nun ist er vergessen und fort&laquo;, dachte der schlechte Bruder; &raquo;er kommt nie mehr zur&uuml;ck. Eine lange Reise sollte er machen, &uuml;ber Berge und Seen, da kann man leicht das Leben verlieren, und das hat er verloren. Er kommt nicht mehr zur&uuml;ck, und mich darf meine Schwester nicht nach ihm fragen. &laquo;</span></p>
<p style="font-weight: 400; font-style: normal;">
	<span>Dann scharrte er mit dem Fu&szlig;e verdorrte Bl&auml;tter &uuml;ber die lockere Erde und ging wieder in der dunkeln Nacht nach Hause. Aber er ging nicht allein, wie er glaubte; der kleine Elf begleitete ihn, er sa&szlig; in einem vertrockneten, aufgerollten Lindenblatte, welches dem b&ouml;sen Manne, als er grub, in die Haare gefallen war. Der Hut war nun darauf gesetzt, es war dunkel darin, und der Elf zitterte vor Schreck und Zorn &uuml;ber die schlechte Tat.</span></p>
<p style="font-weight: 400; font-style: normal;">
	<span>In der Morgenstunde kam der b&ouml;se Mann nach Hause; er nahm seinen Hut ab und ging in der Schwester Schlafstube hinein. Da lag das sch&ouml;ne, bl&uuml;hende M&auml;dchen und tr&auml;umte von ihm, dem sie so gut war und von dem sie nun glaubte, dass er &uuml;ber Berge und durch W&auml;lder gehe; der b&ouml;se Bruder neigte sich &uuml;ber sie und lachte h&auml;sslich, wie nur ein Teufel lachen kann, da fiel das trockene Blatt aus seinem Haare auf die Bettdecke nieder, aber er bemerkte es nicht und ging hinaus, um in der Morgenstunde selbst ein wenig zu schlafen. Aber der Elf schl&uuml;pfte aus dem verdorrten Blatte, setzte sich in das Ohr des schlafenden M&auml;dchens und erz&auml;hlte ihr, wie in einem Traum, den schrecklichen Mord, beschrieb ihr den Ort, wo der Bruder ihn erschlagen und seine Leiche verscharrt hatte, erz&auml;hlte von dem bl&uuml;henden Lindenbaume dicht dabei und sagte: &raquo;Damit Du nicht glaubst, dass es nur ein Traum sei, was ich Dir erz&auml;hlt habe, so wirst Du auf Deinem Bette ein verdorrtes Blatt finden!&laquo; Und das fand sie, als sie erwachte.</span></p>
<p style="font-weight: 400; font-style: normal;">
	<span>O, welche bittere Tr&auml;nen weinte sie und durfte doch Niemand ihren Schmerz anvertrauen! Das Fenster stand den ganzen Tag offen, der kleine Elf konnte leicht zu den Rosen und all&#39; den &uuml;brigen Blumen nach dem Garten hinaus gelangen, aber er wagte es nicht, die Betr&uuml;bte zu verlassen. Im Fenster stand ein Strauch mit Monatsrosen, in eine der Blumen setzte er sich und betrachtete das arme M&auml;dchen. Ihr Bruder kam oft in die Kammer hinein, und war heiter trotz seiner Schlechtigkeit, aber sie durfte kein Wort &uuml;ber ihren Herzenskummer sagen.</span></p>
<p style="font-weight: 400; font-style: normal;">
	<span>Sobald es dunkel wurde, schlich sie sich aus dem Hause, ging im Walde nach der Stelle, wo der Lindenbaum stand, nahm die Bl&auml;tter von der Erde, grub in dieselbe hinein und fand ihn sogleich, der erschlagen worden war. O, wie weinte sie, und bat den lieben Gott, dass er sie auch bald sterben lasse! &ndash;</span></p>
<p style="font-weight: 400; font-style: normal;">
	<span>Gern h&auml;tte sie die Leiche mit sich nach Hause genommen, aber das konnte sie nicht, da nahm sie das bleiche Haupt mit den geschlossenen Augen, k&uuml;sste den kalten Mund und sch&uuml;ttelte die Erde aus seinem sch&ouml;nen Haar. &raquo;Das will ich behalten! &laquo; sagte sie und als sie Erde und Bl&auml;tter auf den toten K&ouml;rper gelegt hatte, nahm sie den Kopf und einen kleinen Zweig von dem Jasminstrauch, der im Wald bl&uuml;hte, wo er begraben war, mit sich nach Hause.</span></p>
<p style="font-weight: 400; font-style: normal;">
	<span>Sobald sie in ihrer Stube war, holte sie sich den gr&ouml;&szlig;ten Blumentopf, der zu finden war, in diesen legte sie des Toten Kopf, sch&uuml;ttete Erde darauf und pflanzte dann den Jasminzweig in den Topf.</span></p>
<p style="font-weight: 400; font-style: normal;">
	<span>&raquo;Lebewohl! Lebewohl! &laquo; fl&uuml;sterte der kleine Elf, er konnte es nicht l&auml;nger ertragen, all&#39; diesen Schmerz zu sehen, und flog deshalb hinaus zu seiner Rose im Garten; aber die war abgebl&uuml;ht, da hingen nur einige welke Bl&auml;tter an der gr&uuml;nen Hagebutte.</span></p>
<p style="font-weight: 400; font-style: normal;">
	<span>&raquo;Ach, wie bald ist es doch mit all&#39; dem Sch&ouml;nen und Guten vorbei! &laquo; seufzte der Elf. Zuletzt fand er eine Rose wieder, die wurde sein Haus, hinter ihren feinen und duftenden Bl&auml;ttern konnte er wohnen.</span></p>
<p style="font-weight: 400; font-style: normal;">
	<span>Jeden Morgen flog er nach dem Fenster des armen M&auml;dchens, und da stand sie immer bei dem Blumentopf und weinte. Die bitteren Tr&auml;nen fielen auf den Jasminzweig, und mit jedem Tage, wie sie bleicher und bleicher und bleicher wurde, stand der Zweig frischer und gr&uuml;ner da, ein Sch&ouml;ssling trieb nach dem andern hervor, kleine, wei&szlig;e Knospen bl&uuml;hten auf, und sie k&uuml;sste sie, aber der b&ouml;se Bruder schalt und fragte, ob sie n&auml;rrisch geworden sei? Er konnte es nicht begreifen, weshalb sie immer &uuml;ber den Blumentopf weine. Er wusste ja nicht, welche Augen da geschlossen und welche roten Lippen da zu Erde geworden waren; sie neigte ihr Haupt gegen den Blumentopf, und der kleine Elf von der Rose fand sie so schlummern; da setzte er sich in ihr Ohr, erz&auml;hlte von dem Abend in der Laube, vom Duft der Rose, und der Elfen Liebe; sie tr&auml;umte s&uuml;&szlig;, und w&auml;hrend sie tr&auml;umte, entschwand das Leben, sie war eines stillen Todes verblichen, sie war bei ihm, den sie liebte, im Himmel. Und die Jasminblumen &ouml;ffneten ihre gro&szlig;en, wei&szlig;en Glocken, sie dufteten eigent&uuml;mlich s&uuml;&szlig;, anders konnten sie nicht &uuml;ber die Tote weinen.</span></p>
<p style="font-weight: 400; font-style: normal;">
	<span>Aber der b&ouml;se Bruder betrachtete den sch&ouml;n bl&uuml;henden Strauch, nahm ihn als ein Erbgut zu sich, und setzte ihn in seine Schlafstube, dicht beim Bette, denn er war herrlich anzuschauen und der Duft war s&uuml;&szlig; und lieblich. Der kleine Rosenelf folgte mit, flog von Blume zu Blume, in jeder wohnte ja eine kleine Seele, und der erz&auml;hlte er von dem ermordeten jungen Mann, dessen Haupt nun Erde unter der Erde war, erz&auml;hlte von dem b&ouml;sen Bruder und der armen Schwester.</span></p>
<p style="font-weight: 400; font-style: normal;">
	<span>&raquo;Wir wissen es&laquo;, sagte eine jede Seele in den Blumen, &raquo;wir wissen es! Sind wir nicht aus des Erschlagenen Augen und Lippen entsprossen? Wir wissen es; wir wissen es! &laquo; Und dann nickten sie sonderbar mit dem Kopfe.</span></p>
<p style="font-weight: 400; font-style: normal;">
	<span>Der Rosenelf konnte es gar nicht begreifen, wie sie so ruhig sein konnten, und flog hinaus zu den Bienen, die Honig sammelten, erz&auml;hlte ihnen die Geschichte von dem b&ouml;sen Bruder, und die Bienen sagten es ihrer K&ouml;nigin, welche befahl, dass sie alle am n&auml;chsten Morgen den M&ouml;rder umbringen sollten.</span></p>
<p style="font-weight: 400; font-style: normal;">
	<span>Aber in der Nacht vorher, es war die erste Nacht, welche auf den Tod der Schwester folgte, als der Bruder in seinem Bette dicht neben dem duftenden Jasminstrauch schlief, &ouml;ffnete sich ein jeder Blumenkelch, unsichtbar, aber mit giftigen Spie&szlig;en, stiegen die Blumenseelen hervor und setzten sich zuerst in seine Ohren und erz&auml;hlten ihm b&ouml;se Tr&auml;ume, flogen darauf &uuml;ber seine Lippen und stachen seine Zunge mit den giftigen Spie&szlig;en. &raquo;Nun haben wir den Toten ger&auml;cht! &laquo; sagten sie und flogen zur&uuml;ck in des Jasmins wei&szlig;e Glocken.</span></p>
<p style="font-weight: 400; font-style: normal;">
	<span>Als es Morgen wurde, und das Fenster der Schlafstube ge&ouml;ffnet wurde, fuhr der Rosenelf mit der Bienenk&ouml;nigin und dem ganzen Bienenschwarm herein, um ihn zu t&ouml;ten.</span></p>
<p style="font-weight: 400; font-style: normal;">
	<span>Aber er war schon tot; es standen Leute rings um das Bett, die sagten: &raquo;Der Jasminduft hat ihn get&ouml;tet! &laquo;</span></p>
<p style="font-weight: 400; font-style: normal;">
	<span>Da verstand der Rosenelf der Blumen Rache, und er erz&auml;hlte es der K&ouml;nigin der Bienen, und sie summte mit ihrem ganzen Schwarm um den Blumentopf; die Bienen waren nicht zu verjagen; da nahm ein Mann den Blumentopf fort und eine der Bienen stach seine Hand, so dass er den Topf fallen lie&szlig; und er zerbrach.</span></p>
<p style="font-weight: 400; font-style: normal;">
	<span>Da sahen sie den bleichen Totensch&auml;del, und sie wussten, dass der Tote im Bette ein M&ouml;rder war.</span></p>
<p style="font-weight: 400; font-style: normal;">
	<span>Die Bienenk&ouml;nigin summte in der Luft und sang von der Rache der Blumen und von dem Rosenelf, und dass hinter dem geringsten Blatte Einer wohnt, der das B&ouml;se erz&auml;hlen und r&auml;chen kann!</span></p>
<p style="font-weight: 400; font-style: normal;">
	<span><span>---------------------------------------------------------------</span></span></p>
<p>
	N&auml;chster M&auml;rchenletter am 08.02.2021</p>
<p>
	11.01.2021 Der M&auml;rchenletter und mein M&auml;rchenprogramm im Internet ist ein rein privates Hobby von mir. Somit hast Du nat&uuml;rlich auch keinen rechtlichen Anspruch auf die M&auml;rchen.</p>
<p>
	Wenn Du den M&auml;rchenletter einmal nicht mehr m&ouml;chtest, kannst Du ihn jederzeit wieder abbestellen.<br />
	<a data-saferedirecturl="https://www.google.com/url?hl=de&amp;q=https://www.internet-maerchen.de/datenschutzverordnung.htm&amp;source=gmail&amp;ust=1610646830567000&amp;usg=AFQjCNEVrIJpcFoyoWyZQoFGAjHUzCk5TQ" href="https://www.internet-maerchen.de/datenschutzverordnung.htm" rel="nofollow" target="_blank">Meine Datenschutzerkl&auml;rung findest Du hier</a></p>
]]></description>
<link>https://internet-maerchen.de/maerchen/rosenelf.htm</link>
<author>INTERNET-MAERCHEN.DE</author>
<category>M&#228;rchen</category>
<category>maerchenletter</category>
<guid  isPermaLink="false">cfd0c4c5-73bd-47b4-9406-48dbcd2ecef4</guid>
<pubDate>Mon, 11 Jan 2021 17:56:00 GMT</pubDate>
</item>

<item>
<title>M&#228;rchenletter Dezember 2020</title>
<description><![CDATA[<p>
	<section class="caption group">
	<h2>
		Die falschen Weihnachtsb&auml;ume</h2>
	<div class="cont group">
		<p>
			Auf unsrer Insel gab es wenig B&auml;ume. So wenig, dass das Brennholz weither &uuml;ber das Wasser geholt werden musste, und dass viele der Inselbewohner niemals einen Wald gesehen hatten. Auch die Tannenb&auml;ume waren ein seltner Artikel, was uns als Kinder immer sehr aufregte. Denn wenn es gegen die Weihnachtszeit ging, tauchten immer wieder die Zweifel auf, ob wir wohl einen wirklichen oder einen falschen Tannenbaum am heiligen Abend bek&auml;men. Einen wirklichen Tannenbaum, der im Walde gewachsen war, und in dessen Zweigen die V&ouml;gel gesungen hatten, oder einen falschen, der in der Werkstatt des Meister Ahrens das Licht der Welt erblickt hatte.</p>
		<p>
			Meister Ahrens war unser Tischler. Er sah alt aus und hatte einen sehr kahlen Kopf, aber wir hatten ihn gern, besonders wenn er nicht immer von seinem guten Herzen sprach. Das langweilte uns, weil wir es eigentlich f&uuml;r selbstverst&auml;ndlich hielten, dass man ein gutes Herz haben m&uuml;sse.<br />
			Ahrens kam oft zu uns. In unsrer Kinderstube ging aller Augenblicke etwas auseinander, was eigentlich zusammengeh&ouml;rte, und Meister Ahrens erschien dann mit seinem Leimtopf, sagte, er h&auml;tte ein gutes Herz, und klebte alles wieder zusammen. Wir halfen ihm nat&uuml;rlich und dr&auml;ngten uns um die Ehre, in seinem klebrigen Topf dreimal herumr&uuml;hren zu d&uuml;rfen; aber seine Tannenb&auml;ume konnten wir nicht leiden. Das kam wahrscheinlich daher, weil wir sie schon so lange vorher sahen. Schon im Fr&uuml;hjahr arbeitete Ahrens an langen Wei&szlig;en St&ouml;cken, in die er L&ouml;cher bohrte; im August und September malte er diese St&ouml;cke mit grasgr&uuml;ner &Ouml;lfarbe an und trocknete sie vor seiner Haust&uuml;r. Sp&auml;ter sahen wir sie zusammengebunden in seiner Werkstatt liegen, bis der Dezember ins Land zog. Dann verschaffte er sich Tannenzweige, steckte diese in die L&ouml;cher der gr&uuml;nen St&ouml;cke und betrieb einen schwunghaften Handel mit Tannenb&auml;umen. Auch uns bot er immer von seinem Fabrikat an, aber obgleich wir nicht leugnen konnten, dass seine B&auml;ume schlie&szlig;lich sehr nett aussahen, so verhielten wir uns meist ablehnend. &raquo;Sie sind so billig,&laquo; sagte Ahrens eines Tages zu uns, als wir ihn einer Bestellung wegen in seiner Werkstatt besuchten, und er gerade einen gr&uuml;nen Stock etwas nachmalte.</p>
		<p>
			&raquo;Wir wollen sie doch nicht!&laquo; erwiderte mein Bruder J&uuml;rgen, der in seinen Ausspr&uuml;chen oft sehr bestimmt war. &raquo;Ich mag keinen falschen Tannenbaum!&laquo;<br />
			&raquo;Falsch! Du lieber Gott, wasn Wort!&laquo; Ahrens sah beleidigt aus. &raquo;Da is nich die geringste Falschheit bei! Meine Tannenb&auml;umens sind feiner als die nat&uuml;rlichen, kann ich dich sagen, mein Junge! An die nat&uuml;rlichen is oft Smutz und Erde, und bei mich is blo&szlig; die reine &Ouml;lfarbe!&laquo;</p>
		<p>
			&raquo;Wo bekommst du eigentlich die Tannenzweige her?&laquo; fragten wir.</p>
		<p>
			Der alte Tischler machte ein wichtiges Gesicht. &raquo;Aus &rsquo;n Wald, aus &rsquo;n richtigen Tannwald, wo die V&ouml;gelns singen, und wo soviel B&auml;umens stehn, dass man mannichmal keine Luft kriegen kann!&laquo;</p>
		<p>
			&raquo;Wo liegt der Wald, und wer holt dir die Tannenzweige?&laquo;<br />
			Wir waren dem Tischler doch n&auml;her ger&uuml;ckt und sahen ihn gespannt an. Aber er zuckte die Achseln. &raquo;Ja, das m&ouml;cht ihr wohl wissen! Das sag ich abersten nich &ndash; nee, das sag ich nich!&laquo;</p>
		<p>
			Auf diese Art umgab Meister Ahrens seine B&auml;ume mit dem Nimbus des Geheimnisvollen, und dadurch gewannen sie nat&uuml;rlich in unsern Augen.<br />
			Es war schon ziemlich nahe vor Weihnachten, und wir sprachen eigentlich von nichts anderm als von dem bevorstehenden Feste. Endlos lange Wunschzettel waren geschrieben: hin und wieder wurde eine Tr&auml;ne &uuml;ber eine v&ouml;llig missgl&uuml;ckte Weihnachtsarbeit vergossen, oder wir schmiedeten Pl&auml;ne, was wir noch verschenken wollten. Manchmal ging die Zeit entsetzlich langsam und manchmal unheimlich schnell dahin, und unsre Lehrer beklagten sich &uuml;ber unsre Zerstreutheit.</p>
		<p>
			Es war an einem Morgen im Dezember, dass ich zu Meister Ahrens geschickt wurde, um ihn samt seinem Leimtopfe zu uns einzuladen. Unsre Kinderstubeneinrichtung hatte durch eine l&auml;ngere lebhafte Unterhaltung der &auml;ltern Br&uuml;der stark gelitten, und Ahrens sollte gleich kommen. Vergn&uuml;gt polterte ich die enge Treppe zu seiner Werkstatt hinauf, konnte aber nicht bis auf die letzte Stufe kommen, weil dort ein Kind stand, auf das der alte Tischler eifrig einsprach.</p>
		<p>
			&raquo;Ich muss die Zweigens haben, und Vater muss her&uuml;ber und sie holen!&laquo;<br />
			&raquo;Vater is bang!&laquo; lautete die sch&uuml;chterne Erwiderung.<br />
			&raquo;I, was sollt Vater woll bang sein; er muss los &ndash; sonsten klag ich ihm ein, wo er mich doch Geld schuldig is! Ohne die Zweigens kann ich ja nix machen, und das Gesch&auml;ft mit die B&auml;umens muss anfangen! Nu geh du man, und lass Vater man auch gehn!&laquo;</p>
		<p>
			Das Kind, es war ein ziemlich gro&szlig;es M&auml;dchen, glitt an mir vor&uuml;ber, und ich konnte jetzt in die Werkstatt treten und meine Bestellung ausrichten. Aber Meister Ahrens h&ouml;rte kaum auf mich. Er war sehr schlechter Laune und betrachtete seufzend seinen Haufen gr&uuml;ner St&ouml;cke, der friedlich in einer Ecke lag.<br />
			&raquo;Kannst du keine Zweige aus dem gro&szlig;en Walde kriegen?&laquo; fragte ich neugierig. Er aber sah mich streng an.<br />
			&raquo;Frag nich so dumm! Ich kann allens, was ich will, und meine Tannenb&auml;umens sind besser als die nat&uuml;rlichen!&laquo;</p>
		<p>
			Als ich wieder hinauskam, da sa&szlig; dasselbe M&auml;dchen, das vorhin mit Ahrens gesprochen hatte, auf der T&uuml;rschwelle. Sie weinte nicht, aber sie sah aus, als ob sie wohl Lust dazu h&auml;tte, und ich setzte mich neben sie und betrachtete sie schweigend. Sie war sehr &auml;rmlich, aber ziemlich sauber gekleidet, nur ihr dickes, blondes Haar hing unordentlich um ihren Kopf. An diesem Haar erkannte ich sie, und ich nickte ihr freundlich zu.<br />
			&raquo;Du hast mir neulich mein Lesebuch nachgebracht, als ich aus der Stunde kam, wei&szlig;t du noch? Ich hatte es auf dem Wege verloren!&laquo;<br />
			Sie sah jetzt auf, und ihre Augen blickten weniger tr&uuml;be.</p>
		<p>
			&raquo;Das war so&rsquo;n feines Buch,&laquo; sagte sie, &raquo;mit Bildern ein &ndash; so&rsquo;n feines Buch!&laquo;<br />
			&raquo;Hast du kein Lesebuch?&laquo; erkundigte ich mich, w&auml;hrend ich mit einiger Besch&auml;mung daran dachte, dass ich dieses Buch schon zweimal hinter den Schrank geworfen hatte, nur um es nie wieder zu sehen. Leider war es immer wieder gefunden worden.<br />
			Sie sch&uuml;ttelte den Kopf. &raquo;Nee &ndash; ich hab nix, gar nix!&laquo;</p>
		<p>
			&raquo;Was w&uuml;nschst du dir denn zu Weihnachten?&laquo;<br />
			&raquo;Ich?&laquo; Das M&auml;dchen sah &uuml;berrascht aus. Dann lachte sie. &raquo;Was sollt ich mich woll w&uuml;nschen; ich krieg doch nix!&laquo;<br />
			&raquo;Du bekommst gar nichts?&laquo;</p>
		<p>
			Unwillk&uuml;rlich r&uuml;ckte ich der Sprecherin n&auml;her. &raquo;Bist du dann zu Weihnachten nicht furchtbar traurig?&laquo;<br />
			&raquo;Nee&laquo; &ndash; sie lachte wieder. &raquo;Was sollt ich woll traurig sein, wo ich den ganzen Abend rumlauf und in all die Fensters guck und all die Weihnachtsb&auml;umens zu sehen krieg! Mannichmal krieg ich auch noch ein St&uuml;ck Brot mit Rosinens geschenkt!&laquo;<br />
			&raquo;Weihnachtsabend darf man eigentlich nicht ausgehn!&laquo; sagte ich. &raquo;Da muss man zu Hause bei seinen Eltern bleiben!&laquo;<br />
			&raquo;Ja, wenn Vater man nich sitzt, denn bleib ich auch bei ihm; abers er is nu ja &uuml;mmerlos im Loch &ndash; da sitz ich ja ganz allein, wo Mutter doch tot is &ndash;&laquo;<br />
			&raquo;Er sitzt im Gef&auml;ngnis?&laquo;</p>
		<p>
			Wenn es angegangen w&auml;re, h&auml;tte ich mich noch n&auml;her an meine neue Bekanntschaft gedr&uuml;ckt. Wir sa&szlig;en aber schon ganz nahe aneinander geschmiegt. Aber um ihr doch zu zeigen, wie interessant sie mir sei, griff ich in die Tasche, in der ich einige getrocknete Pflaumen hatte, und bot sie ihr an. D&ouml;rthe Krieger, so hie&szlig; das M&auml;dchen, nahm sie auch und verzehrte sie mit einiger Gier, w&auml;hrend ich ihr zusah. Ich hatte mir n&auml;mlich gerade aus dem vorhin erw&auml;hnten Lesebuch eine wunderh&uuml;bsche Geschichte von einem unschuldig Gefangnen vorlesen lassen und nahm jetzt an, dass die Gef&auml;ngnisse nur dazu da w&auml;ren, Unschuldige zu qu&auml;len.<br />
			&raquo;Dein Vater hat doch nat&uuml;rlich nichts B&ouml;ses getan?&laquo; fragte ich.</p>
		<p>
			D&ouml;rthe sch&uuml;ttelte den Kopf. &raquo;Nee &ndash; nat&uuml;rlich nich! Blo&szlig; ein b&uuml;schen Stehlen. Weiter gar nix. Der B&uuml;rmeister is auch zu eigen. Abers nach die Tannenzweigen in Holstein will er doch nich hin!&laquo;<br />
			&raquo;Stiehlt er die auch?&laquo;</p>
		<p>
			&raquo;Ja, wo sollt er sonstens zu sie kommen? Sie sitzen an ein Baum, und der Baum geh&ouml;rt ein Grafen zu, der furchtbar slecht is und nich leiden kann, wenn man in sein Wald spazieren geht. Vater sagt, der Wald is so gro&szlig;, und da laufen Rehe und Hasen herum &ndash; da merkt kein ein, wenn ein Baum fehlt und wenn da ein Reh weniger is. Hast mal Rehbraten gegessen? Der smeckt abers fein! Vater soll dich ein St&uuml;ck abgeben, wenn er wieder mal was mitbringt! Na, abers er will diesmal nich gern hin. Die F&ouml;rsters haben ihn so gr&auml;sslich aufn Strich, und wenn sie ihn kriegen, denn sperren sie ihn gleich ein, und &ndash; denk dich mal! &ndash; er muss jedes Mal l&auml;nger sitzen!&laquo;</p>
		<p>
			&raquo;Dann darf er doch nicht in den gro&szlig;en Wald gehn!&laquo; rief ich aufstehend. Mir war, ich wei&szlig; nicht weshalb, doch etwas unheimlich zumute geworden.<br />
			&raquo;Meister Ahrens will es aber, und wir wohnen in seinem Haus!&laquo; D&ouml;rthe war ebenfalls aufgestanden und wischte sich an den Augen herum. &raquo;Er sagt, Vater muss allens ein b&uuml;schen vorsichtig machen, und er braucht nicht gleich ein Reh zu nehmen. Abers wenn es nu da heruml&auml;uft?&laquo;<br />
			Auf diese Frage wusste ich auch keine Antwort; aber ich konnte es D&ouml;rthe nachf&uuml;hlen, dass sie ihren Vater nicht gerade zu Weihnachten im Gef&auml;ngnis haben wollte. Ich musste ihr pl&ouml;tzlich noch versprechen, keinem etwas von unsrer Unterhaltung zu erz&auml;hlen, und dann trennten wir uns.<br />
			J&uuml;rgen wusste schon nach einer Viertelstunde die ganze Geschichte, und es war nur gut, dass ich sie ihm erz&auml;hlte. Denn ich hatte etwas sehr Tadelnswertes begangen, was ich keinem erwachsnen Menschen mitteilen durfte. Von niemand w&uuml;rde ich etwas zu Weihnachten bekommen, wenn man erf&uuml;hre, dass ich mit D&ouml;rthe Krieger gesprochen hatte.</p>
		<p>
			&raquo;Ihr Vater ist ein Dieb, und zwar ein ganz gemeiner!&laquo; berichtete J&uuml;rgen. &raquo;Rasmussen (unsers Gro&szlig;vaters Schreiber) hat mir gerade neulich davon erz&auml;hlt! Denke dir, er stiehlt nicht einmal Geld, was doch das feinste beim Stehlen ist &ndash; er nimmt meist nur W&uuml;rste und Schinken. Und er sitzt eigentlich immer im Gef&auml;ngnis!&laquo;<br />
			D&ouml;rthe hatte mir diese betr&uuml;bende Eigenschaft ihres Vaters ja auch berichtet.<br />
			&raquo;Sie will nur so ungern, dass er Weihnachten sitzt,&laquo; meinte ich; &raquo;sie ist dann ganz allein und hat niemand, dem sie ihren Weihnachtsvers aufsagen kann! Sie bekommt &uuml;berhaupt gar nichts zu Weihnachten.&laquo;</p>
		<p>
			&raquo;Gar nichts?&laquo; J&uuml;rgens tugendstrenges Gesicht wurde etwas milder. Aber er wusste doch keinen bessern Rat, als dass ich nicht mehr an D&ouml;rthe Krieger denken und noch weniger mit ihr sprechen sollte. Besonders nicht vor Weihnachten. Denn wenn die erwachsnen Familienglieder merkten, welchen schlechten Umgang ich h&auml;tte, dann w&uuml;rde es schlimm um meine Geschenkaussichten aussehen.<br />
			J&uuml;rgen konnte manchmal sehr eindringlich sprechen, und da ihm wirklich in der letzten Zeit verschiedentlich Standreden dar&uuml;ber gehalten worden waren, dass er in seinem Verkehr w&auml;hlerischer sein sollte, so wusste er genau, was er sagen sollte, und ich h&ouml;rte ihm and&auml;chtig zu. D&ouml;rthe Krieger war mir selbst doch auch etwas bedenklich vorgekommen; sie hatte meine Pflaumen wohl aufgegessen, sich aber nicht daf&uuml;r bedankt. Das zeugte von einem schlechten Herzen. Als ich ihr nach etlichen Tagen wieder begegnete,, und sie mir mit einer gewissen Vertraulichkeit zunickte, sah ich sie deshalb gar nicht an. Als sie aber vor&uuml;ber war, musste ich doch stehn bleiben und mich umsehen, und da sie dasselbe tat, sahen wir uns gerade in die Augen.<br />
			Sie lachte; ich aber wurde sehr entl&uuml;ftet.</p>
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			&raquo;Du darfst dich nicht nach mir umsehen &ndash; dein Vater ist ein ganz gemeiner Dieb, und ich will nicht mit dir sprechen.&laquo;<br />
			D&ouml;rthe sch&uuml;ttelte ihren struppigen Kopf und lachte wieder.</p>
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			&raquo;Nee, sprechen musst du auch nich mit mich! Die Kinder in die Schule wollen auch nich bei mich sitzen. Ehegestern hab ich den ganzen Tag allein aufn Bank gesessen &ndash; das war fein!&laquo;<br />
			&raquo;Magst du gern allein sitzen?&laquo;<br />
			Ich war dem Kinde des Diebes nun doch n&auml;her getreten und sah neugierig in ihr unbek&uuml;mmertes Gesicht.<br />
			&raquo;Nu nat&uuml;rlich mag ich es! Da sitzt kein ein bei mich und kneift mir oder schubbst mir &ndash; das is fein?&laquo;<br />
			&raquo;Ist dein Vater schon im Walde gewesen?&laquo; fragte ich.<br />
			Sie sch&uuml;ttelte den Kopf. &raquo;Nee &ndash; er hat ein slimmes Knie gehabt und konnt nich fort. Ahrens war doll, kann ich dich sagen, und er will uns aus &rsquo;n Haus smei&szlig;en, wenn Vater nich bald Ernst macht. For meinswegen kann Vater auch hingehn; wenn er man blo&szlig; nich wieder Weihnachten sitzen muss!&laquo;<br />
			Sie seufzte ein wenig und schob die Arme unter ihr d&uuml;nnes Schultertuch.<br />
			&raquo;Ich wei&szlig;, wie allens kommt!&laquo; fuhr sie dann fort. &raquo;Vater geht in den Wald und will blo&szlig; die Zweigens abslagen, und denn sieht er ein Reh und denn slachtet er das. Und denn kommt die Pollerzei und all die slechten Menschens, und denn sitzt er Weihnachten ins Loch!&laquo;<br />
			&raquo;Hast du einen Weihnachtsvers f&uuml;r ihn gelernt?&laquo; fragte ich: sie beachtete aber meine Worte nicht.<br />
			&raquo;Wenn es Ostern w&auml;r oder Pfingsten, denn w&auml;r&lsquo; es mich einerlei; da is es nich mehr so dunkel, und die andern Kinners snacken nich mehr soviel von Weihnachtsb&auml;umens und von Aufsagen, abers nu &ndash;&laquo;<br />
			D&ouml;rthe wischte sich die Augen, und ich sah sie ratlos an.<br />
			&raquo;Hast du deinem Vater nicht gesagt, er solle bei dir bleiben?&laquo;<br />
			&raquo;Nu, ganz gewiss! Abers Ahrens wird b&ouml;s, wenn er die Zweigens nicht kriegt. Zwei Jahr haben wir die Miete nich bezahlt, weil dass Vater immer so in R&uuml;ckstand war!&laquo;<br />
			&raquo;Dann musst du den lieben Gott bitten, dass dein Vater kein Reh totmacht, wenn er in den Wald geht!&laquo; riet ich, und D&ouml;rthe sah mich nachdenklich an.<br />
			&raquo;Das kann angehn! Ich will ihm bitten, dass die Rehens vordem alle tot bleiben oder von den Grafen geslachtet werden. &ndash; For die Zweigens kriegt er ja blo&szlig; wenig Gef&auml;ngnis!&laquo;</p>
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			Sie lief weiter, und mir fiel ein, dass ich nicht mit ihr hatte sprechen wollen. Aber es hatte mich, gottlob! niemand gesehen, und da au&szlig;erdem andere Gedanken mein Herz erf&uuml;llten, so verga&szlig; ich diese Unterredung so bald, dass ich sie nicht einmal J&uuml;rgen mitteilte. Es waren n&auml;mlich nur noch acht Tage bis Weihnachten, und die prickelnde, sonderbare Unruhe kam &uuml;ber uns, die jedes Kind kennt. Wir mochten nicht mehr sehr lange auf einem Stuhle sitzen, und am liebsten liefen wir auf der Stra&szlig;e umher und besahen die bescheidnen Weihnachtsausstellungen unsers St&auml;dtchens.<br />
			Au&szlig;erdem hatten wir noch Sorge wegen des Ausbleibens unsers Tannenbaumes. Der sollte mit dem Schiffer kommen, der um die Weihnachtszeit mit seiner Jacht nach L&uuml;beck fuhr und die herrlichsten Sachen mitbrachte. Aber Schiffer Lafrenz war noch nicht in unsern Hafen eingelaufen. Das kam daher, dass der Wind die ganze Zeit &raquo;kontr&auml;r&laquo; gewesen war, wie uns die Sachverst&auml;ndigen sagten, aber diese Erkl&auml;rung beunruhigte uns nur, statt uns zu beruhigen. Wir kannten Geschichten von Leuten, die drei Wochen auf der Ostsee bei &raquo;kontr&auml;rem&laquo; Winde gekreuzt hatten, ohne ihr Reiseziel zu erreichen, und die dann schlie&szlig;lich wieder unverrichteter Sache nach Hause gefahren waren. Erlebt hatten wir solche Sachen nicht, aber man hatte uns so oft die Abenteuer einer Seereise in alten Zeiten berichtet, dass wir das Schiff mit unserm Tannenbaum im Geiste schon bei Finnland im Eise eingefroren sahen. Die gro&szlig;en Leute suchten uns die Bef&uuml;rchtungen auszureden; wir aber f&uuml;hlten uns doch verpflichtet, jeden Tag an unsern kleinen Hafen zu laufen und dort Erkundigungen nach &raquo;Anna Kathrin&laquo; einzuziehn. So hie&szlig; die Jacht vom Schiffer Lafrenz, und es war ein sch&ouml;nes Schiff, nur dass sie sehr schaukelte, auch wenn es gar nicht n&ouml;tig schien.<br />
			Am Sonntag vor Weihnachtsabend war k&ouml;stliches Wetter. Gerade so, als bildete sich die Sonne ein, Weihnachten &uuml;berschlagen zu k&ouml;nnen. Sie schien so hell wie im Fr&uuml;hjahr, und als wir am Vormittag aus der Kirche kamen, beschlossen wir, sofort wieder nach dem Hafen zu gehn und uns nach der &raquo;Anna Kathrin&laquo; zu erkundigen.</p>
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			Als wir am Hause von Meister Ahrens vor&uuml;bergingen, stand dieser vor der T&uuml;r und hielt einen Tannenbaum in der Hand. Es war nat&uuml;rlich ein falscher, und seine Zweige waren nicht mehr frisch.</p>
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			&raquo;Wo hast du die Zweige her, Meister Ahrens?&laquo; fragten wir. &raquo;Das ist kein sch&ouml;ner Tannenbaum geworden!&laquo;<br />
			Der Tischler antwortete nicht viel, sondern murmelte nur einige verdrie&szlig;liche Worte, worauf einer der &auml;ltern Br&uuml;der berichtete, dass das Gesch&auml;ft mit den Tannenzweigen dieses Jahr flau sein sollte. Da w&auml;re niemand mit guten Tannenzweigen an die Insel gekommen, und auch die falschen Tannen sollten teuer sein. Wir andern seufzten ein wenig bei dieser Erz&auml;hlung, und dann strebten wir eilig dem Hafen zu, um uns nach der &raquo;Anna Kathrin&laquo; die Augen auszuschauen. Aber alles Lugen half nichts &ndash; die dickb&auml;uchige Jacht schaukelte weder am Bollwerk, noch war ihr geflicktes Segel irgendwo am Horizont zu erblicken.<br />
			Nachdem diese Tatsache festgestellt war, verlie&szlig;en die &auml;ltern Br&uuml;der uns, um einen Freund zu besuchen, dessen Onkel im Besitz eines Fernrohrs war, das dazu dienen sollte, die &raquo;Anna Kathrin&laquo; etwas schneller herbeizusehen. Wir Kleinern gingen schwerm&uuml;tig an den Strand und suchten uns dadurch aufzuheitern, dass wir flache Steine ins Wasser warfen. Bei dieser Gelegenheit entdeckten wir ein Boot, das an einen etwas abseitsstehenden Pfahl angekettet war. Beide Ruderpatten lagen darin, und dieser Umstand schien uns so verlockend, dass wir sofort hineinkletterten und zu rudern begannen.<br />
			Das Boot war au&szlig;erordentlich schlecht; die Sitze morsch, und die Bretter des Fahrzeuges schienen kaum noch zusammenzuhalten. Wir schaukelten aber sehr vergn&uuml;gt darin, und J&uuml;rgen sagte, er k&ouml;nne rudern und nach Holstein fahren, dessen K&uuml;ste dunkel am Horizont auftauchte. Er konnte es nat&uuml;rlich nicht, und w&auml;hrend wir uns um die Ruder zankten, glitt ihm das eine aus der Hand und fiel ins Wasser.<br />
			Vergn&uuml;gt schwamm es davon, w&auml;hrend wir ihm ziemlich dumm nachblickten, und als J&uuml;rgen mit dem andern Ruder den Fl&uuml;chtling zu erwischen gedachte, ging diese Stange ihm auch aus der Hand.</p>
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			Ein kr&auml;ftiger Fluch ert&ouml;nte vom Lande her, und ein Mann in gro&szlig;en Wasserstiefeln trat mitten ins Wasser und zog nicht allein unser Boot ans Land, sondern erfa&szlig;te auch noch die eine Stange. Die andre war aber schon zu weit fortgeschwommen, und er sah uns drohend an.<br />
			&raquo;Ihr dummes Volk! Was habt ihr in meinem Boot zu tun! Heraus mit euch, sonst werfe ich euch alle ins Wasser! Und wo ist meine Ruderstange?&laquo;<br />
			Er sprach fremder und ganz anders als die meisten Insulaner, so dass wir schon deswegen einen gro&szlig;en Schreck vor ihm bekamen. Aber als J&uuml;rgen mir zufl&uuml;sterte, dieser Mann w&auml;re Jobst Krieger, der Dieb, der so oft im Gef&auml;ngnis gesessen hatte, da erwachte in mir der Trotz der Selbstgerechtigkeit.<br />
			&raquo;Zu sagen hast du uns n&auml;mlich gar nichts!&laquo; bemerkte ich, aber ich sprang doch ziemlich schnell aus dem Boot.<br />
			&raquo;Weshalb nicht?&laquo; Der Mann, dessen Gesicht uns &uuml;brigens keinen abschreckenden Eindruck machte, sah mich fragend an.<br />
			&raquo;Du bist ja ein Dieb, ein ganz schlechter Mensch!&laquo; sagte ich, und J&uuml;rgen, der ebenfalls wieder auf festem Boden stand, nickte zu jedem meiner Worte.<br />
			&raquo;Du darfst gar nicht mit uns sprechen,&laquo; warf er nun ein. &raquo;Du sitzt ja immerlos im Loch!&laquo;<br />
			Auf Jobst Kriegers Gesicht lag der Ausdruck ungl&auml;ubigen Staunens, dann aber wurde er pl&ouml;tzlich sehr rot.<br />
			&raquo;Was geht&rsquo;s euch an, wenn ich im Gef&auml;ngnis war? Darin haben schon fixe Kerle gesessen, kann ich euch sagen! Und &uuml;berhaupt&laquo; &ndash; er sah uns langsam nach der Reihe an &ndash; &raquo;ich kenn euch gut! Wie oft lauft ihr zu dem alten Mahlmann, der sein Leben lang im Zuchthaus war!&laquo;<br />
			&raquo;Zuchthaus ist feiner als Gef&auml;ngnis,&laquo; erkl&auml;rte J&uuml;rgen; &raquo;viel feiner! Ich habe mal mit Mahlmann dar&uuml;ber gesprochen, und der hat es mir auch gesagt. So oft wie du im Gef&auml;ngnis, ist Mahlmann auch nicht im Zuchthaus gewesen!&laquo;<br />
			&raquo;Nein, er nahm gleich ein gutes Ende auf einmal!&laquo; sagte Jobst Krieger, und dabei lachte er.<br />
			Er hatte wirklich kein &uuml;bles Gesicht, und sein Zorn &uuml;ber das verlorne Ruder schien auch verraucht zu sein.<br />
			Mit schwerem Schritt stieg er nun ins Boot und begann die Kette zu l&ouml;sen.<br />
			&raquo;Wohin f&auml;hrst du?&laquo; fragte Bruder Milo, der sich bis jetzt nicht an der Unterhaltung beteiligt und den Dieb nur unverwandt angesehen hatte.<br />
			Jobst gab keine Antwort; mir aber fiel D&ouml;rthe wieder ein, w&auml;hrend mir nat&uuml;rlich nicht in den Sinn kam, dass ich ihr Schweigen gelobt hatte.<br />
			&raquo;Er f&auml;hrt in den gro&szlig;en Wald,&laquo; rief ich laut, &raquo;wo die Rehe und die Hasen frei herumlaufen. Da schl&auml;gt er die Tannenb&auml;ume entzwei und f&auml;ngt die Rehe, und dann kommt der b&ouml;se Graf und nimmt ihn gefangen! Und D&ouml;rthe muss wieder Weihnachtsabend auf der Stra&szlig;e herumlaufen, weil ihr Vater im Gef&auml;ngnis sitzt!&laquo;<br />
			&raquo;Dummes Zeug!&laquo; sagte Jobst. Er hatte mit einer Kelle Wasser aus dem Boot gesch&ouml;pft, nun hielt er inne mit seiner Arbeit.<br />
			&raquo;Dummes Zeug ist es gar nicht!&laquo; rief ich emp&ouml;rt. &raquo;D&ouml;rthe sagt, wenn du nur Ostern oder Pfingsten stehlen wolltest, dann w&auml;re es ihr einerlei; aber gerade Weihnachten! Da darf man doch eigentlich nicht stehlen!&laquo;<br />
			&raquo;Nein, eigentlich nicht!&laquo; meinte J&uuml;rgen, und Milo stimmte zu.</p>
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			&raquo;Da kommt ja das Christkind auf die Erde, und wenn es dich nun im Gef&auml;ngnis findet, dann bekommst du nichts geschenkt. Nur artige Menschen bekommen etwas!&laquo;</p>
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			&raquo;Ich kriege doch nichts geschenkt!&laquo; murmelte Jobst. Er hatte uns bis dahin zugeh&ouml;rt, nun griff er wieder zu seiner Sch&ouml;pfkelle.<br />
			&raquo;Doch!&laquo; sagte J&uuml;rgen. &raquo;Wenn du Weihnachten nicht im Gef&auml;ngnis sitzt, dann schenke ich dir etwas. Ich habe einen Kasten geklebt; er ist sehr h&uuml;bsch, und ich wollte ihn eigentlich selbst behalten. Wenn du aber gut sein willst, dann bekommst du ihn!&laquo;<br />
			&raquo;Und ich mache dir einen Fingerring aus schwarzen Glasperlen!&laquo; rief Milo, der in Perlenvergeudung unglaubliches leistete. &raquo;Oder willst du lieber einen blauen Ring mit einer Goldperle in der Mitte? Goldperlen sind furchtbar teuer, aber ich will es doch tun!&laquo;<br />
			&raquo;Dann gebe ich D&ouml;rthe auch mein altes Lesebuch!&laquo; setzte ich hinzu und trat dabei Jobst Krieger etwas n&auml;her. Er hatte sich n&auml;mlich ins Boot gesetzt und sah uns ganz sonderbar an. Wahrscheinlich fand er die ihm gemachten Anerbietungen zu &uuml;berw&auml;ltigend, als dass er gleich darauf h&auml;tte eingehn k&ouml;nnen.<br />
			&raquo;Sieh mal,&laquo; setzte ich vertraulich hinzu. &raquo;lass D&ouml;rthe doch das Lesebuch bekommen! Da sind h&uuml;bsche Bilder drin, und wenn die andern Kinder die sehen, dann wollen sie auch wieder bei D&ouml;rthe sitzen. Nun wollen sie es nicht, weil du soviel im Gef&auml;ngnis sitzen musst! &ndash; Sie sitzt immer ganz allein, und Weihnachten ist sie auch allein. Ich sagte ihr, sie sollte den lieben Gott bitten, dass du Weihnachten bei ihr w&auml;rst; aber sie hat es wohl vergessen. Der liebe Gott tut sonst alles, um was man ihn ordentlich bittet!&laquo;</p>
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			Jobst Krieger legte die Bootkette wieder um den Pfahl und trat ans Land. Er sah beunruhigt und etwas m&uuml;rrisch aus, und als J&uuml;rgen ihm noch einmal seinen sch&ouml;nen Kasten pries, antwortete er nur durch ein unverst&auml;ndliches Knurren.<br />
			Auch trat jetzt ein andrer Mann auf ihn zu, der eben erst aus der Stadt gekommen war. Der sah nicht so gut aus wie Jobst, und seine Augen fuhren scheu &uuml;ber uns hin, w&auml;hrend er leise mit Jobst sprach. Wir gingen jetzt, J&uuml;rgen und ich voran, w&auml;hrend Milo noch eine Weile in der N&auml;he der M&auml;nner blieb und uns erst sp&auml;ter nachgelaufen kam.</p>
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			&raquo;Ich habe geh&ouml;rt, was sie sprachen,&laquo; erz&auml;hlte er. &raquo;Ich sammelte Steine und war ganz nahe bei ihnen. Der andre Mann hei&szlig;t Lorenz und wollte mit Jobst Krieger und dem Boot nach dem gro&szlig;en Walde fahren. Aber Jobst sagte, er h&auml;tte keine Lust, sie wollten bis morgen warten. Er m&uuml;sste sich noch besinnen; Da wurde der andre Mann b&ouml;se und sagte, er f&uuml;hre nicht am Montag, das sei ein Ungl&uuml;ckstag; er f&uuml;hre am Sonntag und wollte nicht auf Jobst warten; Da haben sie sich gescholten, und nun ist Jobst Krieger zur&uuml;ckgegangen, und der andre ist im Boote!&laquo;<br />
			Jetzt kamen die andern Br&uuml;der. Aber sie waren, weil sie selbst durch das Fernglas nichts von der &raquo;Anna Kathrin&laquo; gesehen hatten, so niedergeschlagen, dass wir ganz verga&szlig;en, ihnen unsre Unterhaltung zu berichten.<br />
			Aber am Abend sprachen wir doch noch von Jobst Krieger und meinten, es sei ganz &uuml;berfl&uuml;ssig, uns auf Geschenke f&uuml;r ihn einzurichten. Milo begann dennoch einen Ring aus blauen Glasperlen zu arbeiten, der wirklich sehr sch&ouml;n wurde.<br />
			In der Nacht kam pl&ouml;tzlich ein furchtbares Wetter. Die Dezembersonne war tr&uuml;gerisch gewesen. Der Wind sprang um, Regen schlug an die Scheiben, und die Dachpfannen prasselten auf die Stra&szlig;e. Am andern Morgen wurde es wieder ziemlich still, und die Br&uuml;der liefen gleich an den Hafen, um nach der &raquo;Anna Kathrin&laquo; zu sehen, die denn auch wirklich einlief. Etwas besch&auml;digt zwar, denn es war auf See ein Heidenwetter gewesen; aber die &raquo;Anna Kathrin&laquo; konnte schon einen Puff vertragen.</p>
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			Obgleich der Tannenbaum nun wirklich in Sicht war, so konnten wir uns doch nicht so recht freuen. Denn Schiffer Lafrenz von der &raquo;Anna Kathrin&laquo; war nicht weit vom Hafen einem umgeschlagnen Boote begegnet, das er mit seinen scharfen Schifferaugen sofort erkannt hatte. Es geh&ouml;rte einem Manne, der Lorenz hie&szlig;, und der gerade so &uuml;bel ber&uuml;chtigt war wie Jobst Krieger.</p>
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			Am Hafen hatten die Leute gewusst, dass Jobst und Lorenz in diesem Boote am Sonntag eine Fahrt hatten machen wollen &ndash; einige Leute wollten sie auch zusammen gesehen haben. Nun hatte sie das Wetter auf offner See &uuml;berrascht, und sie waren ertrunken.<br />
			Es war eine traurige Geschichte, die gar nicht f&uuml;r die Weihnachtszeit passte; wir mussten lange dar&uuml;ber sprechen. Es tat uns so sehr leid, dass Jobst doch gefahren war, und besonders Milo konnte es gar nicht begreifen. Lorenz musste ihn doch schlie&szlig;lich &uuml;berredet haben.<br />
			Gro&szlig;vaters Schreiber, Rasmus Rasmussen, war nicht so traurig wie wir. Er sagte, Jobst w&uuml;rde doch im Zuchthause geendet haben, weil er das Stehlen nicht h&auml;tte lassen k&ouml;nnen. Tannenzweige aus dem Walde zu holen sei ja schlie&szlig;lich kein Verbrechen, aber Jobst h&auml;tte die sch&ouml;nsten Tannen auseinander geschlagen, ohne auch nur einen Menschen zu fragen. Meister Ahrens habe einen guten Lieferanten an ihm gehabt, und deshalb seien seine Tannenb&auml;ume immer so sch&ouml;n gewesen. Dann h&auml;tte Jobst auch noch Hasen und Rehe in Schlingen gefangen, und wenn er bei einer fremden, wohlgef&uuml;llten Speisekammer vor&uuml;bergekommen w&auml;re, dann h&auml;tte er tief hineingelangt.</p>
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			Es war gewiss ein Gl&uuml;ck, dass Jobst tot war, wie Rasmus meinte, aber wir waren doch so betr&uuml;bt, dass wir eine Weile unser Weihnachtsfest ganz verga&szlig;en. Dann sch&auml;mten wir uns auch noch, dass wir um einen ganz gew&ouml;hnlichen Dieb weinten.<br />
			Das taten wir n&auml;mlich. Trotz seiner entsetzlichen Schlechtigkeit hatten wir Jobst sehr gern gehabt, wenn wir das auch keinem Menschen verraten und ihn ja auch nur wenig gekannt hatten.</p>
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			Pl&ouml;tzlich fiel mir D&ouml;rthe ein. Was w&uuml;rde sie wohl dazu sagen, dass ihr Vater ertrunken war? Den ganzen Tag musste ich an sie denken, und J&uuml;rgen und Milo sprachen auch von ihr. Nun war sie immer allein; nicht nur Weihnachten, nein auch Ostern und Pfingsten, das ganze Leben hindurch.<br />
			In unserm Hause wurde gerade Kuchen gebacken; das war eine angenehme Zerstreuung; aber als es d&auml;mmrig wurde, lief ich doch zu D&ouml;rthe Krieger, deren Wohnung ich jetzt ganz gut kannte, obgleich ich sie nie betreten hatte. J&uuml;rgen lief mit, und wir hatten Mama ein Paket Kuchen f&uuml;r die arme D&ouml;rthe abgebettelt.<br />
			In dem kleinen, sehr verfallnen Hause am &auml;u&szlig;ersten Ende der Stadt brannte schon Licht, und als wir ohne weiteres in die Haust&uuml;r und dann in die kleine, &auml;rmlich eingerichtete Stube st&uuml;rzten, prallten wir erschrocken zur&uuml;ck. Denn auf einem Holzschemel, von einem Talglicht beleuchtet, sa&szlig; Jobst Krieger. Er hatte Besuch. Vor ihm stand Meister Ahrens, der heftig auf ihn einsprach. Wir beachteten aber den alten Tischler nicht. Wir liefen auf Jobst zu und betrachteten ihn aufgeregt.<br />
			&raquo;Wie?&laquo; rief J&uuml;rgen; &raquo;du bist nicht tot?&laquo;</p>
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			Seine Stimme klang vorwurfsvoll, und auch ich konnte mich einer leichten Verstimmung nicht erwehren. Wenn man jemand einmal als tot beweint hat, dann darf er auch nicht gleich wieder auferstehn! Jobst Krieger sah uns verlegen an.<br />
			&raquo;Lorenz ist allein gefahren,&laquo; sagte er nun. &raquo;Ich wollte ja nicht, ich &ndash;&laquo; er stockte und fuhr sich mit der Hand &uuml;ber das Gesicht.<br />
			&raquo;Du hast Gl&uuml;ck gehabt, Jobst Krieger,&laquo; lie&szlig; sich jetzt Meister Ahrens vernehmen. &raquo;Wenn du mit Lorenz gefahren w&auml;rst, dann l&auml;gst du nu tot in die See! Er war auch ein slechten Kerl, der dir zu allens verf&uuml;hrt hat! Morgen f&auml;hrst nu for mich nachn Festland und holst mich die Zweigens, sonsten sollst mich kennen lernen!&laquo;<br />
			Aber Jobst sch&uuml;ttelte den Kopf.</p>
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			&raquo;Nein, Meister Ahrens &ndash; ich fahr nicht mehr nach den Tannenzweigen. Wenn ich in den Wald komme &ndash;&laquo; er atmete kurz auf &ndash; &raquo;dann lass ich&rsquo;s doch nicht &ndash; dann greif ich nach andern Dingen, die mir nicht geh&ouml;ren, und dann sitzt die D&ouml;rthe Weihnachten allein! Und jetzt, wo Gott mich vorm Tode bewahrt hat &ndash;&laquo; er stockte und sah uns an. Wir nickten ihm zu. Allm&auml;hlich hatten wir die Entt&auml;uschung, dass er noch lebte, &uuml;berwunden. Meister Ahrens aber rang die H&auml;nde.<br />
			&raquo;Du liebe Zeit! Nu krieg ich kein ordentlichen Tannenb&auml;umens, wo das Gesch&auml;ft gerade flott gehn soll. Und du wohnst in meinem Haus und tust nich, was ich will? Du musst zu Neujahr ausziehn!&laquo;<br />
			Wir hatten Meister Ahrens niemals so b&ouml;se gesehen, und unser Interesse wandte sich ihm ungeteilt zu. &raquo;Fahre doch selbst in den Wald und hole die Zweige!&laquo; rief J&uuml;rgen.</p>
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			Der Alte sah ihn b&ouml;se an. &raquo;Da k&ouml;nnt ich doch bei zu Schaden kommen!&laquo; murrte er, und mein Bruder trat ganz nahe auf ihn zu.<br />
			&raquo;Meister Ahrens, du hast mir neulich noch gesagt, die Hauptsache im Leben w&auml;re ein gutes Herz. Du hast doch auch ein gutes Herz?&laquo;<br />
			&raquo;Ganzen gewi&szlig;lich!&laquo; versicherte der Alte mit etwas unsichrer Stimme. &raquo;Abers die Tannenb&auml;umens m&uuml;ssen doch Zweigens haben, sonsten sind es keine Tannenb&auml;umens, und wenn Jobst Krieger mich nich Zweigens holen will &ndash;&laquo;<br />
			&raquo;Er will doch kein Dieb mehr sein!&laquo; rief J&uuml;rgen. &raquo;lass ihn in Ruhe und gehe zu Schiffer Lafrenz auf der Anna Kathrinrlsaquo;. Der hat auch eine ganze Menge von Tannenzweigen mitgebracht, die Br&uuml;der haben&rsquo;s gesehen!&laquo;<br />
			&raquo;Is wahr?&laquo; Ahrens &auml;rgerliches Gesicht wurde etwas milder, dann lief er pl&ouml;tzlich davon, ohne Lebewohl zu sagen. Wir entbehrten ihn auch nicht. Wir hatten unsre Kuchen ausgepackt, und da wir Jobst Krieger verziehn hatten, so durfte er sie probieren. J&uuml;rgen und ich sagten ihm auch unsre Weihnachtslieder auf. Der &Uuml;bung halber und auch deswegen, weil sie uns immer im Kopf herumspukten, und wir waren eigentlich etwas beleidigt, dass Jobst uns gar nicht lobte. Er sa&szlig; ganz still und hatte beide H&auml;nde vor sein Gesicht gelegt. So still war er, dass es uns, als wir nacheinander das &raquo;Amen&laquo; von unsern Verslein gesprochen hatten, doch etwas unheimlich zu werden anfing. Aber da kam D&ouml;rthe ins St&uuml;bchen gest&uuml;rzt, und ihre &Uuml;berraschung, uns zu sehen, war so gro&szlig;, und das Vergn&uuml;gen &uuml;ber die Kuchen noch so viel gr&ouml;&szlig;er, dass wir ungemein heiter wurden.<br />
			Jobst Krieger stand jetzt auf und sagte, dass er uns nach Hause bringen wolle; unsre Eltern w&uuml;rden gewiss nicht wollen, dass wir so lange bei ihm blieben. Wir sahen die Richtigkeit dieser Worte ein, und als wir neben ihm auf der dunkeln Stra&szlig;e gingen, stie&szlig; J&uuml;rgen pl&ouml;tzlich einen schweren Seufzer aus.<br />
			&raquo;Jobst, wie furchtbar schade ist es doch, dass du ein so schlechter Mensch bist! Ich mag dich gern leiden &ndash; viel lieber als einige Leute, die niemals im Gef&auml;ngnis waren!&laquo;</p>
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			&raquo;Ich auch!&laquo; versicherte ich, und Jobst stand still und legte ganz leise seine H&auml;nde auf unsre Haare.<br />
			&raquo;Mir ist&rsquo;s auch leid genug,&laquo; murmelte er; aber was er noch hinzusetzte, konnten wir nicht verstehn; seine Stimme war ganz heiser geworden. Dann war er in der Dunkelheit verschwunden, und wir mussten den Rest des Heimwegs allein zur&uuml;cklegen.<br />
			Das war nun nicht so schlimm; wir waren nicht &auml;ngstlich und hatten au&szlig;erdem eine F&uuml;lle von Unterhaltungsstoff, der auch nicht ausging, als wir den andern von Jobst Krieger und von dem Umstande, dass er noch lebe, berichteten. Wir wollten ihm alles m&ouml;gliche zu Weihnachten schenken, alte Anz&uuml;ge von Papa, die uns nicht geh&ouml;rten, Esswaren, &uuml;ber die wir keine Verf&uuml;gung hatten, und vor allem einen Katechismus, damit er die zehn Gebote noch einmal durchlerne.<br />
			Aber es kam anders. Als wir am Tage vor Weihnachten Jobst Krieger und seine Tochter feierlich zu uns einladen wollten, erfuhren wir, dass beide in der Nacht vorher verschwunden waren. Sie hatten ihre armselige Habe zur&uuml;ckgelassen und die Insel verlassen. Sie kamen auch nicht wieder, obgleich wir das ganze Weihnachtsfest auf sie warteten, und niemand konnte uns sagen, wohin sie gegangen seien.<br />
			Dieses pl&ouml;tzliche Verschwinden betr&uuml;bte uns au&szlig;erordentlich, und wir tr&ouml;steten uns nur allm&auml;hlich mit dem Gedanken, dass uns jetzt kein Mensch verbieten konnte, an Jobst und D&ouml;rthe zu denken und von ihnen zu sprechen. Unser Weihnachtsabend war trotz alledem sehr sch&ouml;n, und wir schenkten die f&uuml;r Jobst bestimmten Sachen andern Leuten, die es auch n&ouml;tig hatten.<br />
			Nur Meister Ahrens feierte kein fr&ouml;hliches Weihnachtsfest. Erstens waren seine falschen Tannenb&auml;ume lange nicht so h&uuml;bsch wie sonst, obgleich er Zweige bekommen hatte, und dann fiel es den Leuten ein, dass er doch vielleicht den Jobst oft zu hart bedr&auml;ngt und ihn schon mehrere Jahre hindurch veranlasst h&auml;tte, in den Wald zu gehn und zu stehlen. Ob er nun wirklich schuld daran hatte, war schwer zu sagen; jedenfalls ging er k&uuml;mmerlich gebeugt einher und klagte &uuml;ber die schlechten Zeiten und die schlechten Menschen.</p>
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			Mehrere Weihnachtsfeste waren vergangen. Meister Ahrens machte immer noch falsche, h&auml;ssliche Tannenb&auml;ume, und wir selbst sprachen nur manchmal noch von Jobst. Zuerst hatten wir uns ausgedacht, dass er wahrscheinlich nach Amerika gegangen sei und als reicher Mann zur&uuml;ckkehren w&uuml;rde. Dann trug D&ouml;rthe seidne Kleider, und er w&uuml;rde uns allen etwas Wundervolles zu Weihnachten schenken. Wir stritten uns dar&uuml;ber, ob wir lieber eine goldne Mundtasse oder einen goldnen Teller haben wollten; allm&auml;hlich aber verga&szlig;en wir ihn fast, bis wir an einem Weihnachtsabend ein sonderbares Paket mit der Post bekamen.<br />
			Es trug J&uuml;rgens, Milos und meinen Namen und kam aus einem Orte, von dem die gro&szlig;en Leute sagten, dass er in Ost- oder Westpreu&szlig;en l&auml;ge. Dieses Paket enthielt ein sauber geschnitztes kleines Boot, das mit frischen Christrosen angef&uuml;llt und in k&ouml;stliche Tannenzweige verpackt war. Dabei lag ein Zettel, auf dem mit unge&uuml;bter Hand die Worte geschrieben waren: Und hat ein Bl&uuml;mlein bracht mitten im kalten Winter. Da wussten wir, dass diese Sendung von Jobst Krieger kam, und freuten uns au&szlig;erordentlich &uuml;ber sie. Besonders dar&uuml;ber, dass er von den Weihnachtsliedern, die wir ihm aufgesagt hatten, etwas behalten hatte. Denn wer auch nur ein wenig von seinen Weihnachtsliedern im Ged&auml;chtnis beh&auml;lt, der kann doch ganz gewiss kein schlechter Mensch sein.<br />
			Meister Ahrens sagte dasselbe. Er hatte mit derselben Post eine Geldsumme bekommen, die, wie er fest glaubte, von Jobst Krieger kam, weil er ihm gerade soviel Geld schuldig gewesen war.</p>
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			Eigentlich hast du das Geld nicht verdient! sagte J&uuml;rgen, der dem alten Tischler die Behandlung von Jobst nicht vergessen konnte.<br />
			Ahrens fuhr sich &uuml;ber den kahlen Kopf und seufzte.<br />
			&raquo;Nee, eigentlich nich! Abersten wenn ich nu die H&auml;lfte an die Armens gebe, und wenn es mich sowieso all die Jahrens leid getan hat, dass ich nich nett gegen den Jobst war? Ich habe sonsten warhaftigen Gott ein furchtbar gutes Herz &ndash; blo&szlig; bei die Tannenb&auml;umens, da bin ich eigen mit gewesen, weil es so&rsquo;n gutes Gesch&auml;ft war.&laquo;</p>
		<p>
			Ahrens richtete wirklich eine Weihnachtsbescherung f&uuml;r eine arme Familie aus, und seit der Zeit sprach er noch mehr als sonst von seinem guten Herzen. Sonderbarerweise waren es die Kinder dieser Familie, die nicht bei D&ouml;rthe Krieger in der Schule hatten sitzen wollen. Das war aber lange vergessen, und der von Ahrens verfertigte falsche Tannenbaum warf auch &uuml;ber sie seinen weihnachtlichen Schein, und ihre Freude war echt.<br />
			Denn das Christkind in seiner Milde fragt nicht nach den Verdiensten und Schwachheiten der armen Erdenkinder. Sonst m&uuml;sste es aufh&ouml;ren, alle Jahre wiederzukommen.</p>
		<hr />
		<p>
			N&auml;chster M&auml;rchenletter am 11.01.2021</p>
		<p>
			14.12.2020 Der M&auml;rchenletter und mein M&auml;rchenprogramm im Internet ist ein rein privates Hobby von mir. Somit hast Du nat&uuml;rlich auch keinen rechtlichen Anspruch auf die M&auml;rchen.</p>
		<p>
			Wenn Du den M&auml;rchenletter einmal nicht mehr m&ouml;chtest, kannst Du ihn jederzeit wieder abbestellen.<br />
			<a href="https://www.internet-maerchen.de/datenschutzverordnung.htm">Meine Datenschutzerkl&auml;rung findest Du hier</a></p>
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		<hr />
	</div>
	</section></p>
]]></description>
<link>https://internet-maerchen.de/mobile/die-falschen-weihnachtsbaeume/</link>
<author>INTERNET-MAERCHEN.DE</author>
<category>M&#228;rchen</category>
<category>maerchenletter</category>
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<pubDate>Mon, 14 Dec 2020 19:15:00 GMT</pubDate>
</item>

<item>
<title>M&#228;rchenletter November 2020</title>
<description><![CDATA[<h1>
	<strong>Wie goldene M&uuml;tze</strong></h1>
<p>
	Es gibt so viele M&auml;rchen. Manchmal hat man keinen Mut, neue zu machen. Aber h&ouml;rt zu, heute ist mir etwas eingefallen, das ist sonderbar.<br />
	Vielleicht lohnt es sich doch, das zu erz&auml;hlen, Und wenn nicht? &ndash; O, es gibt viele Papierk&ouml;rbe, oder, es gibt viele M&auml;use, die kriechen in die Schublade hinein und fressen alle M&auml;rchen auf.</p>
<p>
	Nun, soweit ist es noch nicht. &ndash;</p>
<p>
	Es war einmal ein K&ouml;nig dem war seine Krone zu schwer, ja so etwas gibt es. Besonders, wenn er in den Gerichtssaal ging, bekam er Kopfschmerzen. Vielleicht war er auch zu gut, er brachte es nicht fertig, jemanden zu erh&auml;ngen.</p>
<p>
	Aber der K&ouml;nig hatte eine Frau, und die war klug. Die Frau ging auf den Speicher und durchsuchte alle Kisten und Truhen. &bdquo;Lieber Mann&ldquo;, sagte sie am Abend, &bdquo;ich habe in der himmelblauen Schachtel meiner Urgro&szlig;mutter eine goldene M&uuml;tze gefunden. Sie ist so leicht wie eine Feder und ganz aus Brokat, sie ist herrlich anzusehen, und das Futter ist aus roter Seide.&ldquo;</p>
<p>
	Der K&ouml;nig freute sich, er probiert die M&uuml;tze an, sie sah gro&szlig;artig aus, und der K&ouml;nig gab seiner Frau einen Kuss. &bdquo;Ich kann sie zwar nicht immer tragen, aber f&uuml;r den Gerichtssaal ist sie richtig!&ldquo; &bdquo;Ach, Unsinn&ldquo;, meinte die Frau, &bdquo;ein K&ouml;nig kann tragen, was er will.&ldquo; Und da hatte sie wieder recht. - Also legte der K&ouml;nig die Krone in die himmelblaue Schachtel und trug die goldene M&uuml;nze.</p>
<p>
	Am n&auml;chsten Tag fragte die K&ouml;nigin: &bdquo;Was sollen wir kochen?&ldquo; &bdquo;Ach, es ist gleich&ldquo;, sagte der K&ouml;nig, &bdquo;meinetwegen Kl&ouml;&szlig;e.&ldquo; Als die Kl&ouml;&szlig;e auf den Tisch kamen, schrie der K&ouml;nig: &bdquo;Was ist das f&uuml;r ein Essen?&ldquo; &bdquo;Kl&ouml;&szlig;e&ldquo;, sagte die K&ouml;nigin. &bdquo;Zum Teufel!&ldquo; rief der K&ouml;nig, &bdquo;das ist kein Essen f&uuml;r ein Schloss!&ldquo; und er stand auf und ging. Die K&ouml;nigin weinte und ging in ihre Kammer. Am n&auml;chsten Tag fragte die K&ouml;nigin: &bdquo;Was sollen wir kochen?&ldquo; &bdquo;Erbsensuppe&ldquo;, sagte der K&ouml;nig. Aber als die Erbsensuppe auf den Tisch kam, schrie der K&ouml;nig: &bdquo;Ist das eine Speise f&uuml;r uns?&ldquo; &bdquo;Warum denn nicht?&ldquo; sagte die K&ouml;nigin. Da schlug der K&ouml;nig mit der flachen Hand in den Teller hinein und die K&ouml;nigin lief hinaus.</p>
<p>
	Aber das war trotz allem nicht das Schlimmste. Im Gerichtssaal ging es pl&ouml;tzlich ganz anders zu. Jeder, der etwas gestohlen hatte, sollte erh&auml;ngt werden. Jeder der ein bisschen eigenartig aussah und b&ouml;se Tr&auml;ume hatte, der sollte verbrannt werden.</p>
<p>
	&bdquo;Der K&ouml;nig muss eine Krankheit haben&ldquo;, sagte der Minister. &bdquo;Wir k&ouml;nnen diese Befehle nicht ausf&uuml;hren.&ldquo; Man fertigte also Puppen aus Holz an, die man je nach Gebrauch erh&auml;ngte oder verbrannte.</p>
<p>
	Das Volk durfte nicht zusehen, und der K&ouml;nig betrachtete alles vom Fenster aus. Nein, niemand bemerkte, was in Wirklichkeit vorging. Niemand? O, das w&auml;re zu viel gesagt. Die K&ouml;chin hatte einen kleinen Sohn, der hie&szlig; Peter. Dieser kam jeden Tag, um die Kessel auszukratzen. Der kleine Peter wurde satt davon, das war nicht zu verwundern. Welche K&ouml;chin l&auml;sst ihren Sohn verhungern? Der kleine Peter war sehr neugierig, er war einmal hier und einmal dort, ein richtiger Wirbelwind. So stand er dann eines Tages vor der Kammer der K&ouml;nigin. &bdquo;Ach lieber Mann, was machst du nur?&ldquo; rief die Frau, &bdquo;heute gab es Sauerbraten, und du warfst das ganze Fleisch dem Diener an den Kopf.&ldquo; &bdquo;Das ist meine Sache&ldquo;, rief der K&ouml;nig, &bdquo;wieso ist das ein Essen f&uuml;r uns, das ist ein Essen f&uuml;r arme Leute!&ldquo; &bdquo;Es ist ein Jammer, wie du dich ver&auml;nderst&ldquo;, sagte die K&ouml;nigin, &bdquo;ich wei&szlig; mir nicht mehr zu helfen&ldquo;.</p>
<p>
	&bdquo;Schweige&ldquo;, schrie der K&ouml;nig, &bdquo;das ist meine Sache. Bisher war ich ein Trottel und kein K&ouml;nig.&ldquo; &bdquo;O nein, du warst kein Trottel!&ldquo; &bdquo;Doch ich war ein Trottel.&ldquo; &bdquo;Nein, du warst kein Trottel.&ldquo; &bdquo;So widersprich mir doch nicht!&ldquo; &bdquo;Doch,&ldquo; rief die K&ouml;nigin, &bdquo;ich muss dir widersprechen!&ldquo; Da tat der K&ouml;nig etwas Furchtbares, er gab seiner Frau eine Ohrfeige. Das war jedoch der K&ouml;nigin zuviel, und sie gab ebenfalls im K&ouml;nig eine Ohrfeige.</p>
<p>
	Dabei fiel die M&uuml;tze von seinem Kopf. Da erschrak der K&ouml;nig. &bdquo;Mein Gott&ldquo;, sagte er, &bdquo;was machen wir?&ldquo; &bdquo;Uns schlagen&ldquo;, rief die K&ouml;nigin und fing an, j&auml;mmerlich zu weinen. &bdquo;Nein das tut mir leid&ldquo;, fl&uuml;sterte der K&ouml;nig, &bdquo;das wollte ich nicht!&ldquo;</p>
<p>
	Der kleine Peter sah alles, er sah durch das Schl&uuml;sselloch. &bdquo;Mein Gott&ldquo;, dachte er, &bdquo;wenn diese Bosheit nicht mit der M&uuml;tze zusammenh&auml;ngt?&ldquo;</p>
<p>
	Als das K&ouml;nigspaar schlief, schlich der Peter sich in die Kammer und stahl die goldene M&uuml;tze. Er trug sie nach Hause, wickelte sie in ein Tuch und vergrub sie im Garten. Nun w&auml;re alles gut gegangen, wenn der kleine Junge nicht einen schwarzen Hund gehabt h&auml;tte. Dieser Hund war jung, er scharrte &uuml;berall L&ouml;cher in die Erde und fand so eines Tages die kostbare M&uuml;tze. Nun traf es sich, dass der K&ouml;nig seinen Spaziergang machte, er sah, wie der Hund mit der M&uuml;tze zwischen den Z&auml;hnen hin und hersprang. &bdquo;Das ist der Hund des kleinen Peter&ldquo;, sagte der Diener. &bdquo;Welcher Peter?&ldquo; fragte der K&ouml;nig. &bdquo;Ei, der Sohn der K&ouml;chin.&ldquo;</p>
<p>
	&bdquo;So&ldquo;, sagte der K&ouml;nig, er lachte und war eigentlich gar nicht b&ouml;se. Als aber der K&ouml;nig die goldene M&uuml;tze anzog schrie er: &bdquo;In den Kerker mit dem kleinen Peter!&ldquo; So geschah es. Der Knabe sa&szlig; nun Tag und Nacht bei Wasser und Brot, und das Schlimmste war, dass man ihn nicht reden lie&szlig;. Der kleine Peter gr&uuml;belte, er weinte nicht. &ndash; &bdquo;Solange ich atme, geht es noch&ldquo;, dachte er, und das ist wahr. Der Kerker war nicht gerade h&auml;sslich, trockenes sauberes Stroh lag auf dem Boden, und wenn der Knabe sich auf die Holzbank stellte, sah er zum Fenster hinaus. Da erblickte er den wundersch&ouml;nen Garten der K&ouml;nigin. Niemand in der Stadt wusste wie er aussah. Wie freute der kleine Peter sich. So ein k&ouml;niglicher Garten ist ja was etwas Besonderes. Es gibt der Blumen aus fremden L&auml;ndern und eben solche V&ouml;gel, die auf goldenen Stangen sitzen. Ihre Fl&uuml;gel, wenn sie ausgebreitet sind, haben den Glanz von Edelsteinen. Und die Ges&auml;nge solcher paradiesischer Gesch&ouml;pfe klingen seltsam. Doch zuweilen sind sie traurig, sie steigen wie die Sprossen einer unendlichen Leiter hinauf in den Himmel. &bdquo;Nein geht nicht fort, ihr sch&ouml;nen Lieder&ldquo;, dachte der kleine Peter, und da er nicht sprechen durfte, fing er an zu singen, die V&ouml;gel erhoben ihre K&ouml;pfe und wandten sich ganz dem Menschenkinde zu, schlugen mit den farbigen Schwingen und lauschten.</p>
<p align="center">
	&bdquo;Gold&rsquo;ne M&uuml;tze, gold&rsquo;ne M&uuml;tze<br />
	sag, was bist du f&uuml;r ein Ding?</p>
<p align="center">
	Eines Zwerges gold&rsquo;ne H&uuml;tte,<br />
	eines Riesen Fingerling?</p>
<p align="center">
	Dunkles Schicksal f&uuml;r den Menschen,<br />
	und ein R&auml;tsel f&uuml;r ein Kind.<br />
	Deine blitzend bunten F&auml;den<br />
	sind der Hexe Angebind!&ldquo;</p>
<p>
	&bdquo;Der kleine Peter muss sterben&ldquo;, dachte der K&ouml;nig. Aber es war ihm zu Ohren gekommen, dass man Puppen verbrannte und erh&auml;ngte.</p>
<p>
	Der K&ouml;nig ordnete an, dass der Knabe &ouml;ffentlich auf dem Marktplatz erh&auml;ngt werden sollte, und der K&ouml;nig selbst wollte zusehen. Die K&ouml;nigin weinte. Sie nahm k&ouml;stliche Fr&uuml;chte und Zuckergeb&auml;ck, steckte die Dinge auf eine Stange und schob sie durch die Gitterst&auml;be des Kerkers. Ach, der kleine Peter freute sich, und er ahnte sein Ungl&uuml;ck nicht. Er schaute in den Garten hinein, wo jetzt die S&ouml;hne des K&ouml;nigs mit silbernen B&auml;llen spielten. Er sah die Wasserspiele, die wei&szlig;en gl&auml;nzenden M&auml;dchen aus Marmor, die rund um den Teich standen und sich an den H&auml;nden hielten.</p>
<p>
	&Uuml;ber ihren Schultern hingen Kr&auml;nze aus silbernen Blumen, und die kleinen Prinzen sprangen hinauf und hingen an den schimmernden Girlanden wie Schmetterlinge. In der Mitte eines Brunnens erhob sich ein Wassermann aus grauem Stein, er trug einen schwarzen K&auml;fig auf seinen Kopf und darin sa&szlig; ein wei&szlig;er Vogel. &bdquo;Auf wieviele Arten die Menschen leben&ldquo;, dachte der kleine Peter, &bdquo;und auf wieviele Arten sie gl&uuml;cklich sind. Meine Mutter kocht. Wenn ihr jemand den Holzl&ouml;ffel aus der Hand n&auml;hme, w&uuml;rde sie weinen. Mein Gro&szlig;vater hatte einen Acker, der war voller Steine, es war eine Qual, dort zu arbeiten und zu pflanzen. Aber h&auml;tte man meinen Gro&szlig;vater dieses elende St&uuml;ck Land abgenommen, er h&auml;tte wohl geweint.</p>
<p>
	Die K&ouml;nigskinder brauchen einen Garten mit so viel unn&uuml;tzen Dingen, und ich selbst bin zufrieden, diesen Garten nur zu sehen. Nun aber, in diesem Augenblick, wo der kleine Peter seine Gedanken zurechtlegte wie ein Mann sein Kartenspiel, in diesem Augenblick kam ein Diener in den Kerker und sagte: &bdquo;Komm mit, Peter!&ldquo; &bdquo;Wohin?&ldquo; fragte der kleine Junge. &bdquo;Sie werden dich erh&auml;ngen&ldquo;, sagte der Diener. Das war kein Scherz, und wie sollte dieses allzudunkle Etwas in das bunte Kartenspiel hineinpassen?</p>
<p>
	Zuerst wurde der Knabe bleich, dann fasste er sich und ging mit dem Diener. Es waren wenige Menschen auf dem Marktplatz, ein paar alte Frauen, die strickten, einige Kinder, und sonst regte sich nichts hinter den verhangenen Fenstern. der K&ouml;nig sa&szlig; auf seinem Stuhl und hob die Hand, man legte also das Seil um den Hals des Jungen. Die alten Frauen h&ouml;rten eine Weile auf zu stricken, und da nichts geschah, beugten sie ihre K&ouml;pfe und z&auml;hlten die Maschen. &bdquo;Das ist also auch ein Vergn&uuml;gen&ldquo;, dachte der kleine Peter.</p>
<p>
	&bdquo;Ich frage dich&ldquo;, rief nun der K&ouml;nig, &bdquo;hast du noch einen Wunsch?&ldquo; Peter nickte. &bdquo;Oja&ldquo;, sagte er, &bdquo;gib mir eine lange Bohnenstange!&ldquo; Da lachten die Kinder, und die alten Frauen h&ouml;rten auf zu stricken. &bdquo;Es ist dein letzter Wunsch, und ich muss ihn dir gew&auml;hren&ldquo;, sprach der K&ouml;nig, &bdquo;es ist allerdings ein dummer Wunsch.&ldquo; die Bohnenstange wurde gebracht, Peter nahm sie in seine H&auml;nde und schlug damit dem K&ouml;nig die goldene M&uuml;tze vom Kopf. Der K&ouml;nig wollte schimpfen, aber nun wurde er pl&ouml;tzlich ganz sanft.</p>
<p>
	&bdquo;Was tue ich?&ldquo; fragte er leise und erschrocken sein Diener. &bdquo;Ihr erh&auml;ngt den kleinen Peter&ldquo;, sagte der Diener. &bdquo;Aber man kann doch kein Kind erh&auml;ngen&ldquo;, rief der K&ouml;nig. &bdquo;Das war euer Befehl&ldquo;, schrien die alten Frauen, und verschiedene lie&szlig;en ihre sorgsam gez&auml;hlten Maschen fallen.</p>
<p>
	Da riss der kleine Peter das Seil von seinem Hals, lief auf den K&ouml;nig zu und erz&auml;hlte ihm alles.</p>
<p>
	&bdquo;Ja du hast recht&ldquo;, sagte der K&ouml;nig, &bdquo;verzeihe mir von ganzem Herzen.&ldquo; Ich bin froh dass ich mein Leben wiederhabe&ldquo;, sagte der Knabe und lief davon. Aber die M&uuml;tze nahm er mit, die stahl er also zum zweiten Mal. Zu Hause trennte er die Naht des roten Futters auf, und was meint ihr, was darin steckte? Eine winzige kleine Fledermaus. Ehe Peter sie richtig betrachten konnte, flog sie in die Luft hinein.</p>
<p>
	Ja so ist es. Man sollte mit alten Sachen recht vorsichtig sein. Da findet man etwas wunderbares in einer hellblauen Schachtel und schlie&szlig;lich steckt der Teufel darin</p>
<hr />
<p>
	N&auml;chster M&auml;rchenletter am 14.12.2020</p>
<p>
	09.11.2020 Der M&auml;rchenletter und mein M&auml;rchenprogramm im Internet ist ein rein privates Hobby von mir. Somit hast Du nat&uuml;rlich auch keinen rechtlichen Anspruch auf die M&auml;rchen.</p>
<p>
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	&nbsp;</p>
]]></description>
<link>https://internet-maerchen.de/maerchen/muetze.htm</link>
<author>INTERNET-MAERCHEN.DE</author>
<category>M&#228;rchen</category>
<category>maerchenletter</category>
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<pubDate>Mon, 09 Nov 2020 20:04:00 GMT</pubDate>
</item>

<item>
<title>M&#228;rchenletter Oktober 2020</title>
<description><![CDATA[<p>
	Der Drachent&ouml;ter<br />
	Es war einmal ein K&ouml;nig, der hatte drei S&ouml;hne. Als sie erwachsen waren, lie&szlig; er ihnen kostbare Gew&auml;nder anfertigen, gab jedem einen sch&ouml;n verzierten G&uuml;rteldolch und ein gutes Schwert in die Hand und sprach: &quot;Nun reist hinaus in die Welt, seht euch &uuml;berall wohl um und versucht euer Gl&uuml;ck!&quot; Dazu waren die drei Br&uuml;der gleich bereit, nahmen Abschied von ihrem alten Vater und zogen zum Tor hinaus. Als sie ein gutes St&uuml;ck gewandert waren, kamen sie zu einer gro&szlig;en Tanne; da beschlossen sie, sich zu trennen. &quot;Wir wollen unsere Dolche in diese Tanne stecken&quot;, sagte der &auml;lteste. &quot;Kommt einer von uns zu irgendeiner Zeit wieder einmal hier vorbei, so mag er an ihnen erkennen, ob wir noch am Leben oder ob wir gestorben sind, und dies wird das Zeichen sein: wessen Dolch einen Rostfleck zeigt, der ist tot und wird die Heimat seiner V&auml;ter nie mehr wiedersehen.&quot; - Sie stie&szlig;en also die blanken Klingen tief in den Baum; dann ging der eine zur Rechten, der andere zur Linken, der j&uuml;ngste aber zog geradeaus und kam bald in einen gro&szlig;en, finsteren Wald.<br />
	Wie er nun so allein zwischen den dunklen Tannen dahinging, kam ihm mit einem Mal ein B&auml;r entgegen. Ohne langes Besinnen griff er nach seinem Schwert und wollte ihm auf den Pelz r&uuml;cken. Der B&auml;r aber rief: &quot;T&ouml;te mich nicht, es wird dein Gl&uuml;ck sein!&quot; trottete freundlich und zutraulich heran und begleitete den K&ouml;nigssohn durch den Wald. Als er wieder eine Strecke gewandert war, kam pl&ouml;tzlich ein gro&szlig;er, wilder Wolf dahergesprungen. &quot;Im n&auml;chsten Augenblick schon schwang der Prinz sein Schwert, stellte sich ihm in den Weg und wollte ihn erschlagen. Der Wolf aber rief: &quot;T&ouml;te mich nicht, es wird dein Gl&uuml;ck sein!&quot; - Da lie&szlig; er auch ihn am Leben, und nun zog der Wolf mit dem B&auml;ren hinter ihm her. Es dauerte nicht lange, da stand, wie aus der Erde gewachsen, ein m&auml;chtiger L&ouml;we vor ihm und fletschte die Z&auml;hne. Dem K&ouml;nigssohn fuhr geschwind der Schreck in die Glieder; dann aber zog er blitzschnell sein Schwert, um es ihm in den Rachen zu sto&szlig;en. Weil aber der L&ouml;we sagte: &quot;T&ouml;te mich nicht, es wird dein Gl&uuml;ck sein!&quot;, schenkte er auch ihm das Leben. Nun zog auch der L&ouml;we mit dem Wolf und dem B&auml;ren hinter ihm her, und alle drei Tiere wichen nicht mehr von ihm.</p>
<hr />
<p>
	Werbung</p>
<p style="text-align: center;">
	<img alt="" src="https://internet-maerchen.de/gewinnspiel/COS_Drachenreiter_Title_PS_org.jpg" style="width: 396px; height: 99px;" /><br />
	&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;">
	Zum Kinostart von am 15. Oktober 2020 wird auf <a href="https://www.internet-maerchen.de">www.internet-maerchen.de</a>&nbsp; 3x das Filmh&ouml;rspiel verlost.<br />
	<strong>Frage: Wer spricht im Film Drachenreiter den Drachen Lung?</strong><br />
	&nbsp;</p>
<hr />
<p>
	<br />
	Lange Zeit wanderte der Prinz mit seinen Begleitern durch den Wald, ohne einem Menschen zu begegnen. Endlich sah er in der Ferne eine Stadt. Da schritt er munter voran und zog bald darauf mit seinen Tieren durch das Tor ein. Doch seltsam: Alle H&auml;user waren mit schwarzem Flor behangen, und die Menschen gingen stumm und traurig durch die Stra&szlig;en. Da fragte der Prinz, was denn der Stadt widerfahren sei. &quot;Ach !&quot; erz&auml;hlten ihm da die Leute, &quot;auf dem Berg dort, wo die Kapelle steht, haust ein siebenk&ouml;pfiger Drache. Dem muss man jeden Tag ein unschuldiges M&auml;dchen zum Fressen bringen sonst ist vor ihm niemand seines Lebens sicher. Nun aber soll ihm morgen die einzige Tochter des K&ouml;nigs ausgeliefert werden, und darum ist die Stadt in so tiefer Trauer.&quot; - &quot;Das verstehe ich wohl&quot;, meinte der Prinz, &quot;aber - ist denn gar keine Rettung m&ouml;glich?&quot; -&quot;Ja, das fragen wir auch, lieber Herr&quot;, sagten sie. &quot;Der K&ouml;nig hat wohl schon lange im ganzen Lande bekanntmachen lassen, dass er dem Drachent&ouml;ter die sch&ouml;ne Prinzessin zur Frau geben wolle; doch bis heute hat sich keiner gefunden, der den Kampf mit dem Ungeheuer wagen will.&quot; - Der Prinz h&ouml;rte sich alles genau an und dachte: &quot;Wenn d u den Drachen erlegen und die sch&ouml;ne K&ouml;nigstochter gewinnen k&ouml;nntest! Vielleicht w&uuml;rden die drei Tiere dir helfen?&quot; Und er nahm sich vor, den Kampf gegen den Drachen zu versuchen.<br />
	Am anderen Morgen, als die Sonne aufging, g&uuml;rtete er sich sein Schwert um und stieg auf den Drachenberg, von seinen treuen Tieren begleitet. Als er zu der Kapelle kam, ging die Prinzessin gerade hinein, um zu beten. Sie war so jung und sch&ouml;n, dass er wie gebannt stehenblieb und ihr nachschaute. Da wurde er pl&ouml;tzlich durch ein f&uuml;rchterliches Br&uuml;llen und Fauchen aufgeschreckt, und aus der Felsschlucht hervor st&uuml;rzte der siebenk&ouml;pfige Drache ungest&uuml;m auf ihn ein. Der B&auml;r, der Wolf und der L&ouml;we warfen sich w&uuml;tend auf das Untier und jeder riss und biss ihm zwei K&ouml;pfe ab. Der siebente Kopf aber, der schrecklichste und gef&auml;hrlichste von allen, fiel unter dem scharfen, Schwert des Prinzen in den Sand. Lang ausgestreckt lag der tote Drache in seinem Blute. Da trat die Prinzessin aus der Kapelle, ihrem Retter zu danken. Sie nahm die goldene Kette, die sie bisher selber, getragen, zerteilte sie und legte jedem der Tiere ein St&uuml;ck davon um den Hals. Zu dem Prinzen aber sagte sie: &quot;Ich danke dir von Herzen, du tapferer Mann! Du hast mich vom Tode errettet, und daf&uuml;r will ich dir f&uuml;r mein ganzes Leben als deine liebe und treue Frau geh&ouml;ren! Nun aber komm mit zu meinem Vater. &quot;Es kann noch nicht sein, liebe Prinzessin&quot;, sagte er; &quot;ich muss mich zuerst noch eine Weile in der Welt umsehen. Heute &uuml;bers Jahr aber komme ich wieder und dann wollen wir Hochzeit halten!&quot; Darauf schnitt er aus den sieben Drachenk&ouml;pfen die Zungen heraus, wickelte sie in ein seidenes Tuch und steckte sie in die Tasche. Dann nahm er Abschied von seiner Braut und zog mit seinen getreuen Tieren auf gut Gl&uuml;ck in die weite Welt hinaus.<br />
	Als der Prinz ihren Blicken in der Ferne entschwunden war, stieg die Prinzessin in die Kutsche, die am Fu&szlig;e des Berges wartete, um sich nach Hause fahren zu lassen. Der Kutscher fuhr aber erst ab, nachdem er die sieben Drachenk&ouml;pfe zu sich auf den Wagen geladen hatte. Und wie sie unterwegs durch einen dunkeln Wald kamen, hielt er pl&ouml;tzlich die Pferde an und sagte zu der Prinzessin: &quot;So, nun sind wir allein und keiner ist da, der dir helfen k&ouml;nnte! Sage zum K&ouml;nig, i c h h&auml;tte den Drachen get&ouml;tet! Versprich es mir, oder du musst auf der Stelle sterben!&quot; Was konnte da die Prinzessin anderes tun, als zustimmen, wenn ihr das Leben lieb war? Als sie im Schloss ankamen, wies der Kutscher dem K&ouml;nig die sieben Drachenk&ouml;pfe vor, verlangte die Prinzessin zur Frau und wollte, dass die Hochzeit gleich am anderen Tage stattfinden sollte. Der K&ouml;nig, der sein Wort halten wollte, war damit einig; die Prinzessin aber brachte es unter allerlei Vorw&auml;nden fertig, dass die Hochzeit immer wieder aufgeschoben wurde. Ein ganzes Jahr lang trieb sie es so; dann aber musste sie dem Dr&auml;ngen des Kutschers doch nachgeben. Sie tat es auch scheinbar willig, weil sie hoffte, dass der rechte Br&auml;utigam sich nun bald einfinden werde, so wie er es ihr versprochen hatte.<br />
	Und richtig, als das Jahr bald um war, hatte der Prinz sich genug in der Welt umgesehen und die Heimreise angetreten. Als gerade noch ein einziger Tag an dem Jahr fehlte, kam er in der Stadt an und war erstaunt dar&uuml;ber, wie lustig und lebendig es &uuml;berall zuging. Er kehrte in einem Wirtshaus ein, fragte den Wirt, ob er hier &uuml;bernachten k&ouml;nne und f&uuml;gte so beil&auml;ufig hinzu: &quot;Was geht denn hier vor? Vor einem Jahr war die Stadt mit Trauerflor behangen und die Leute gingen stumm und traurig umher; heute dagegen sehe ich &uuml;berall fr&ouml;hliche Gesichter und die Stadt ist wie zu einem Fest geschm&uuml;ckt!&quot; - &quot;lhr habt&#39;s erraten&quot;, antwortete der Wirt und erz&auml;hlte ihm, dass morgen die K&ouml;nigstochter Hochzeit halte mit dem Kutscher, der sie vor einem Jahr aus den Klauen des Drachen errettet habe. &quot;Soso&quot;, sagte der Prinz, trank sein Glas leer und begab sich in seine Schlafkammer hinauf.<br />
	Am anderen Tag, w&auml;hrend droben im Schloss das Hochzeitsmahl im Gange war, sa&szlig; der Prinz, als J&auml;ger gekleidet, mit dem Wirt in der Schankstube. Sie sprachen von der sch&ouml;nen Prinzessin und dem Drachent&ouml;ter und dem prachtvollen Fest, und dabei sagte der Prinz: &quot;Herr Wirt, holt mir doch auch einen Krug von, dem Wein, den die Braut im Schlosse trinkt!&quot; - &quot;Das kann ich nicht, Herr!&quot; antwortete der Wirt. &quot;Dann muss ich halt meinen Wolf hinschicken!&quot; meinte der Prinz; rief den Wolf zu sich und sagte: &quot;Geh zu der Prinzessin ins Schloss und sage, dein Herr lasse um einen Krug von dem Wein bitten den sie selbst trinke!&quot; Es dauerte nicht lange, und der Wolf kam mit dem Krug angesprungen. Da konnte der Wirt sich nicht genug wundern&quot;, sa&szlig; nur da und sah den Fremden an und sch&uuml;ttelte den Kopf. &quot;So, jetzt will ich auch von dem Braten haben, den die Braut isst!&quot; sprach der Prinz und schickte den B&auml;ren aufs Schloss, und der brachte wahrhaftig nach einer Weile ein St&uuml;ck vom allerbesten Braten. &quot;Nun fehlt blo&szlig; noch ein St&uuml;ck von dem Brot, das die Prinzessin isst!&quot; sagte der Prinz, und schickte den L&ouml;wen hin. Der kam nach kurzer Zeit mit einem gro&szlig;en St&uuml;ck Brot im Maul angetrottet.<br />
	Die Prinzessin aber, die an der Hochzeitstafel sa&szlig;, hatte die Tiere erkannt und wusste wohl, wer ihr Herr war. Darum gab sie ihnen auch alles, was sie forderten, von Herzen gerne. Der K&ouml;nig hatte die sonderbaren Besucher mit Staunen beobachtet, nahm endlich seine Tochter beiseite und sprach: &quot;Nun sage mir doch einmal, meine liebe Tochter: Was hast du eigentlich mit diesen wilden Tieren im Sinn?&quot; Da erz&auml;hlte die Prinzessin ihrem Vater alles, so wie es sich zugetragen hatte, und gestand ihm zuletzt, dass der wahre Drachent&ouml;ter nun da sei und dass sie den und keinen anderen heiraten werde. Der K&ouml;nig schickte sogleich einen Boten in das Wirtshaus und lie&szlig; den Herrn, dem die drei wilden Tiere geh&ouml;rten, zur Tafel laden. Als die Hochzeitsg&auml;ste nun alle genug gegessen und getrunken hatten und noch eine Weile so recht vergn&uuml;gt beisammen sa&szlig;en, sagte der K&ouml;nig: &quot;Wir wollen uns zur Unterhaltung ein wenig erz&auml;hlen. Und wer wird mehr erz&auml;hlen k&ouml;nnen als der Drachent&ouml;ter und unser lieber Gast, der J&auml;ger, der heute erst von einer weiten Reise zur&uuml;ckkehrte? Beginne also, Freund Drachent&ouml;ter!&quot; Da lie&szlig; der falsche Drachent&ouml;ter die sieben Drachenk&ouml;pfe auf den Tisch legen und berichtete mit vielen aufgebl&auml;hten Worten, wie er sie damals im Kampf dem Untier abgeschlagen habe. Und alle, die von dem b&ouml;sen Betrug nichts wussten und den Kutscher f&uuml;r den Drachent&ouml;ter hielten, bewunderten ihn und spendeten ihm Lob &uuml;ber Lob. Der K&ouml;nig aber verzog keine Miene und sagte nur: &quot;Nun denn, Herr J&auml;ger, erz&auml;hlt Ihr einmal von Euren Abenteuern!&quot;<br />
	Der erhob sich, verbeugte sich h&ouml;flich und gestand zum ersten, dass er kein J&auml;ger, sondern ein Prinz sei. Dann schilderte er getreulich, auf welch eigent&uuml;mliche Weise er zu den treuen Tieren gekommen sei und wie sie geholfen h&auml;tten, einen siebenk&ouml;pfigen Drachen zu &uuml;berwinden und eine K&ouml;nigstochter vom sicheren Tode zu erretten. &quot;Und welch ein Zufall&quot;, sagte er, &quot;gerade heute vor einem Jahr und nahe bei dieser Stadt hat sich all das zugetragen. Auch die Drachenk&ouml;pfe hier kommen mir so bekannt vor, als ob ich sie schon einmal gesehen h&auml;tte. Nur, will mir scheinen, haben sie keine Zunge im Maul, was doch sonst gewiss bei allen Tieren der Fall ist.&quot; Da erhob sich der K&ouml;nig und rief: &quot;Diener! &Ouml;ffnet die Drachenm&auml;uler!&quot; Und richtig, - in keinem von allen sieben war eine Zunge zu entdecken. &quot;Wo sind die Zungen, Kutscher?!&quot; stellte der K&ouml;nig den falschen Mann zur Rede. &quot;Da m&uuml;sst Ihr nicht den da, sondern, mich fragen, Herr K&ouml;nig&quot;, entgegnete der Prinz. &quot;Hier sind sie!&quot; - und dabei wickelte er die sieben Zungen aus dem seidenen Tuch. Und siehe, sie passten genau auf die abgeschnittenen Enden in den Rachen der Drachenk&ouml;pfe. &quot;Und nun, edle Prinzessin&quot;, wandte sich der Prinz an die K&ouml;nigstochter, &quot;kennt Ihr vielleicht die goldene Kette am Hals meiner Tiere?&quot; - &quot;O gewiss!&quot; sagte sie, &quot;die kenne ich gut! Ich selbst habe sie ja deinen Tieren umgeh&auml;ngt, weil sie dir so treu und tapfer im Kampf gegen den Drachen beigestanden haben.&quot;<br />
	Nun wusste der K&ouml;nig gewiss, dass der Prinz der wahre Drachent&ouml;ter, der Kutscher aber ein arglistiger Betr&uuml;ger war. In der gleichen Stunde noch wurde der Falsche dem Henker &uuml;bergeben. Der Prinz und die Prinzessin aber hielten Hochzeit und lebten nach des alten K&ouml;nigs Tod noch lange Jahre in Gl&uuml;ck und Freude als K&ouml;nig und K&ouml;nigin.<br />
	Was aus den beiden Br&uuml;dern des K&ouml;nigs geworden ist? Niemand wei&szlig;, ob sie heimgekehrt sind oder heute noch in der Welt umherwandern. Wenn ich aber an die gro&szlig;e Tanne komme, will ich doch nachsehen, ob sie noch am Leben sind oder ob die blanken Klingen Rostflecke bekommen haben.</p>
<hr />
<p>
	N&auml;chster M&auml;rchenletter am 09.11.2020</p>
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	12.10.2020 Der M&auml;rchenletter und mein M&auml;rchenprogramm im Internet ist ein rein privates Hobby von mir. Somit hast Du nat&uuml;rlich auch keinen rechtlichen Anspruch auf die M&auml;rchen.</p>
<p>
	Wenn Du den M&auml;rchenletter einmal nicht mehr m&ouml;chtest, kannst Du ihn jederzeit wieder abbestellen.<br />
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]]></description>
<link>https://internet-maerchen.de/maerchen/drachentoeter.htm</link>
<author>INTERNET-MAERCHEN.DE</author>
<category>M&#228;rchen</category>
<category>maerchenletter</category>
<guid  isPermaLink="false">d6ebd772-2da1-446a-b3b9-a7177bf56adf</guid>
<pubDate>Mon, 12 Oct 2020 10:27:00 GMT</pubDate>
</item>

<item>
<title>M&#228;rchenletter September 2020</title>
<description><![CDATA[<p align="center" style="color: rgb(0, 0, 0); font-family: &quot;Times New Roman&quot;; font-size: medium; font-style: normal; font-weight: 400; letter-spacing: normal; orphans: 2; text-indent: 0px; text-transform: none; white-space: normal; widows: 2; word-spacing: 0px;">
	<font face="Verdana"><font color="#804040" size="4">Der wunderliche Spielmann</font><br />
	<font size="2">Gebr. Grimm</font></font></p>
<p style="color: rgb(0, 0, 0); font-family: &quot;Times New Roman&quot;; font-size: medium; font-style: normal; font-weight: 400; letter-spacing: normal; orphans: 2; text-align: start; text-indent: 0px; text-transform: none; white-space: normal; widows: 2; word-spacing: 0px;">
	<font face="Verdana">Es war einmal ein wunderlicher Spielmann, der ging durch einen Wald mutterselig allein und dachte hin und her, und als f&uuml;r seine Gedanken nichts mehr &uuml;brig war, sprach er zu sich selbst: &quot;Mir wird hier im Walde Zeit und Weile lang, ich will einen guten Gesellen herbeiholen&quot; Da nahm er die Geige vom R&uuml;cken und fidelte eins, dass es durch die B&auml;ume schallte. Nicht lange, so kam ein Wolf durch das Dickicht dahergetrabt. &quot;Ach, ein Wolf kommt! Nach dem trage ich kein Verlangen&quot;, sagte der Spielmann; aber der Wolf schritt n&auml;her und sprach zu Ihm: &quot;Ei, du lieber Spielmann, was fidelst du so sch&ouml;n! Das m&ouml;cht ich auch lernen&quot;</font></p>
<p style="color: rgb(0, 0, 0); font-family: &quot;Times New Roman&quot;; font-size: medium; font-style: normal; font-weight: 400; letter-spacing: normal; orphans: 2; text-align: start; text-indent: 0px; text-transform: none; white-space: normal; widows: 2; word-spacing: 0px;">
	<font face="Verdana">&quot;Das ist bald gelernt&quot;, antwortete ihm der Spielmann, &quot;du musst nur alles tun, was ich dich hei&szlig;e&quot;<br />
	&quot;O Spielmann&quot;, sprach der Wolf, &quot;ich will dir gehor&shy;chen wie ein Sch&uuml;ler seinem Meister&quot; Der Spielmann hie&szlig; ihn mitgehen, und als sie ein St&uuml;ck Wegs zusammen gegangen waren, kamen sie an einen alten Eichbaum, der innen hohl und in der Mitte aufgerissen war.<br />
	&quot;Sieh her&quot;, sprach der Spielmann, &quot;willst du fiedeln lernen, so lege die Vorderpfoten in diesen Spalt&quot; Der Wolf gehorchte, aber der Spielmann hob schnell einen Stein auf und keilte ihm die beiden Pfoten mit einem Schlag so fest, dass er wie ein Gefangener da liegen bleiben musste. &quot;Warte da so lange, bis ich wiederkomme&quot;, sagte der Spielmann und ging seines Weges.<br />
	&Uuml;ber eine Weile sprach er abermals zu sich selber: &quot;Mir wird hier im Walde Zeit und Weile lang, ich will einen &auml;n&shy;dern Gesellen herbeiholen&quot;, nahm seine Geige und fidelte wieder in den Wald hinein.<br />
	Nicht lange, so kam ein Fuchs durch die B&auml;ume daher geschlichen. &quot;Ach, ein Fuchs kommt!&quot; sagte der Spielmann. &quot;Nach dem trage ich kein Verlangen&quot; Der Fuchs kam zu ihm heran und sprach: &quot;Ei, du lieber Spielmann, was fidelst du so sch&ouml;n! Das m&ouml;cht ich auch lernen&quot;<br />
	&quot;Das ist bald gelernt&quot;, sprach der Spielmann, &quot;du musst nur alles tun, was ich dich hei&szlig;e&quot;<br />
	&quot;O Spielmann&quot;, antwortete der Fuchs, &quot;ich will dir ge&shy;horchen wie ein Sch&uuml;ler seinem Meister&quot;<br />
	&quot;Folge mir&quot;, sagte der Spielmann, und als sie ein St&uuml;ck Wegs gegangen waren, kamen sie auf einen Fu&szlig;weg, zu dessen beiden Seiten hohe Str&auml;ucher standen. Da hielt der Spielmann still, bog von der einen Seite ein Haselnu&szlig;b&auml;umchen zur Erde herab und trat mit dem Fu&szlig; auf die Spitze, dann bog er von der &auml;ndern Seite noch ein B&auml;umchen herab und sprach: &quot;Wohlan, F&uuml;chslein, wenn du et&shy;was lernen willst, so reich mir deine linke Vorderpfote</font></p>
<p style="color: rgb(0, 0, 0); font-family: &quot;Times New Roman&quot;; font-size: medium; font-style: normal; font-weight: 400; letter-spacing: normal; orphans: 2; text-align: start; text-indent: 0px; text-transform: none; white-space: normal; widows: 2; word-spacing: 0px;">
	<font face="Verdana">Der Fuchs gehorchte, und der Spielmann band ihm die Pfote an den linken Stamm. &quot;F&uuml;chslein&quot;, sprach er, &quot;nun reich mir die rechte&quot; Die band er ihm an den rechten Stamm. Und als er nachgesehen hatte, ob die Knoten der Stricke auch fest genug waren, lie&szlig; er los, und die B&auml;um&shy;chen fuhren in die H&ouml;he und schnellten das F&uuml;chslein hinauf, dass es in der Luft schwebte und zappelte.<br />
	&quot;Warte da so lange, bis ich wiederkomme&quot;, sagte der Spielmann und ging seines Weges. Wiederum sprach er zu sich: &quot;Zeit und Weile wird mir hier im Walde lang; ich will einen &auml;ndern Gesellen herbeiholen&quot;, nahm seine Geige, und der Klang erschallte durch den Wald.<br />
	Da kam ein H&auml;schen dahergesprungen. &quot;Ach, ein Hase kommt!&quot; sagte der Spielmann. &quot;Den wollte ich nicht haben&quot;<br />
	&quot;Ei, du lieber Spielmann&quot;, sagte das H&auml;schen, &quot;was fidelst du so sch&ouml;n, das m&ouml;chte ich auch lernen&quot;<br />
	&quot;Das ist bald gelernt&quot;, sprach der Spielmann, &quot;du musst nur alles tun, was ich dich hei&szlig;e&quot;<br />
	&quot;O Spielmann&quot;, antwortete das H&auml;slein, &quot;ich will dir gehorchen wie ein Sch&uuml;ler seinem Meister&quot;<br />
	Sie gingen ein St&uuml;ck Wegs zusammen, bis sie zu einer lichten Stelle im Wald kamen, wo ein Espenbaum stand. Der Spielmann band dem H&auml;schen einen langen Bind&shy;faden um den Hals, wovon er das andere Ende an den Baum kn&uuml;pfte. &quot;Munter, H&auml;schen, jetzt spring mir zwan&shy;zigmal um den Baum herum&quot;, rief der Spielmann, und das H&auml;schen gehorchte, und wie es zwanzigmal herumgelau&shy;fen war, so hatte sich der Bindfaden zwanzigmal um den Stamm gewickelt, und das H&auml;schen war gefangen, und es mochte ziehen und zerren, wie es wollte, es schnitt sich nur den Faden in den weichen Hals. &quot;Warte da so lange, bis ich wiederkomme&quot;, sprach der Spielmann und ging weiter.<br />
	Der Wolf indessen hatte ger&uuml;ckt, gezogen, an dem Stein gebissen und so lange gearbeitet, bis er die Pfoten frei gemacht und wieder aus der Spalte gezogen hatte. Voll Zorn und Wut eilte er hinter dem Spielmann her und wollte ihn zerrei&szlig;en.<br />
	Als ihn der Fuchs laufen sah, fing er an zu jammern und schrie aus Leibeskr&auml;ften: &quot;Bruder Wolf, komm mir zur Hilfe, der Spielmann hat mich betrogen&quot; Der Wolf zog die B&auml;umchen herab, biss die Schn&uuml;re entzwei und machte den Fuchs frei, der mit ihm ging und an dem Spielmann Rache nehmen wollte.<br />
	Sie fanden das gebundene H&auml;schen, das sie ebenfalls er&shy;l&ouml;sten, und dann suchten alle zusammen ihren Feind auf. Der Spielmann hatte auf seinem Weg abermals seine Fidel erklingen lassen, und diesmal war er gl&uuml;cklicher gewesen. Die T&ouml;ne drangen zu den Ohren eines armen Holzhau&shy;ers, der alsbald, er mochte wollen oder nicht, von der Ar&shy;beit ablie&szlig; und mit dem Beil unter dem Arme herankam, die Musik zu h&ouml;ren. &quot;Endlich kommt doch der rechte Geselle&quot;, sagte der Spielmann, &quot;denn einen Menschen suchte ich und keine wilden Tiere&quot; Und fing an und spielte so sch&ouml;n und lieblich, dass der arme Mann wie be&shy;zaubert dastand und ihm das Herz vor Freude aufging. Und wie er so stand, kamen der Wolf, der Fuchs und das H&auml;slein heran, und er merkte wohl, dass sie etwas B&ouml;ses im Schilde f&uuml;hrten. Da erhob er seine blinkende Axt und stellte sich vor den Spielmann, als wollte er sagen: Wer an ihn will, der h&uuml;te sich, der hat es mit mir zu tun. Da ward den Tieren angst und liefen in den Wald zur&uuml;ck, der Spielmann aber spielte dem Manne noch eins zum Dank und zog dann weiter.</font></p>
<div align="center">
	<hr align="center" size="2" width="100%" />
</div>
<p align="center">
	N&auml;chster M&auml;rchenletter am 12.10.2020</p>
<p align="center">
	14.09.2020 Der M&auml;rchenletter und mein M&auml;rchenprogramm im Internet ist ein rein privates Hobby von mir. Somit hast Du nat&uuml;rlich auch keinen rechtlichen Anspruch auf die M&auml;rchen.</p>
<p align="center">
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<p style="color: rgb(0, 0, 0); font-family: &quot;Times New Roman&quot;; font-size: medium; font-style: normal; font-weight: 400; letter-spacing: normal; orphans: 2; text-align: start; text-indent: 0px; text-transform: none; white-space: normal; widows: 2; word-spacing: 0px;">
	&nbsp;</p>
]]></description>
<link>https://internet-maerchen.de/maerchen/spielmann.htm</link>
<author>INTERNET-MAERCHEN.DE</author>
<category>M&#228;rchen</category>
<category>maerchenletter</category>
<guid  isPermaLink="false">03f7cc92-60c1-487e-91cc-45b97ec1a32a</guid>
<pubDate>Mon, 14 Sep 2020 21:25:00 GMT</pubDate>
</item>

<item>
<title>M&#228;rchenletter August 2020</title>
<description><![CDATA[<p align="center">
	<span style="font-size: 18px;">Das Mordschloss</span><br />
	Gebr. Grimm</p>
<hr />
<p>
	Es war einmal ein Schuhmacher, welcher drei T&ouml;chter hatte; auf eine Zeit als der Schuhmacher aus war, kam da ein Herr, welcher sehr gut gekleidet war, und welcher eine pr&auml;chtige Equipage hatte, so dass man ihn f&uuml;r sehr reich hielt, und verliebte sich in eine der sch&ouml;nen T&ouml;chter, welche dachte, ihr Gl&uuml;ck gemacht zu haben mit so einem reichen Herrn, und machte also keine Schwierigkeit mit ihm zu reiten. Da es Abend ward, als sie unterwegs waren fragte er sie:</p>
<p align="center">
	&quot;Der Mond scheint so hell<br />
	meine Pferdchen laufen so schnell<br />
	s&uuml;&szlig; Lieb, reut dich&#39;s auch nicht?&quot;</p>
<p>
	&quot;Nein, warum sollt mich&#39;s reuen? ich bin immer bei Euch wohl bewahrt,&quot; da sie doch innerlich eine Angst hatte. Als sie in einem gro&szlig;en Wald waren, fragte sie, ob sie bald da w&auml;ren? - &quot;Ja, sagte er, siehst du das Licht da in der Ferne, da ist mein Schloss;&quot; endlich kamen sie da an, und alles war gar sch&ouml;n.</p>
<p>
	Am andern Tage sagte er zu ihr, er m&uuml;sst auf einige Tage sie verlassen, weil er wichtige Aff&auml;ren h&auml;tte, die notwendig w&auml;ren, aber er wolle ihr alle Schl&uuml;ssel lassen, damit sie das ganze Castell sehen k&ouml;nnte, von was f&uuml;r Reichtum sie all Meister w&auml;r. Als er fort war, ging sie durch das ganze Haus, und fand alles so sch&ouml;n, dass sie v&ouml;llig damit zufrieden war, bis sie endlich an einen Keller kam, wo eine alte Frau sa&szlig; und D&auml;rme schrappte. &quot;Ei M&uuml;tterchen, was macht sie da?&quot; - &quot;Ich schrapp D&auml;rme, mein Kind, morgen schrapp ich eure auch!&quot; Wovon sie so erschrak, dass sie den Schl&uuml;ssel, welcher in ihrer Hand war, in ein Becken mit Blut fallen lie&szlig;, welches nicht gut wieder abzuwaschen war: &quot;Nun ist euer Tod sicher, sagte das alte Weib, weil mein Herr sehen kann, dass ihr in der Kammer gewesen seid, wohin au&szlig;er ihm und mir kein Mensch kommen darf.&quot;</p>
<p>
	(Man muss aber wissen, dass die zwei vorigen Schwestern auf dieselbe Weise waren umgekommen.)</p>
<p>
	Da in dem Augenblick ein Wagen mit Heu von dem Schloss wegfuhr, so sagte die alte Frau, es w&auml;re das einzige Mittel, um das Leben zu behalten, sich unter das Heu zu verstecken, und dann da mit weg zu fahren; welches sie auch tat. Da inzwischen der Herr nach Haus kam, fragte er, wo die Mamsell w&auml;re! &quot;O, sagte die alte Frau, da ich keine Arbeit mehr hatte, und sie morgen doch dran musste, hab ich sie schon geschlachtet, und hier ist eine Locke von ihrem Haar, und das Herz, wie auch was warm Blut, das &uuml;brige haben die Hunde alle gefressen, und ich schrapp die D&auml;rme.&quot; Der Herr war also ruhig, dass sie tot war.</p>
<p>
	Sie kommt inzwischen mit dem Heuwagen zu einem nah bei gelegenen Schloss, wo das Heu hin verkauft war, und sie kommt mit aus dem Heu und erz&auml;hlt die ganze Sache, und wird ersucht, da einige Zeit zu bleiben. Nach Verlauf von einiger Zeit n&ouml;tigt der Herr von diesem Schloss alle in der N&auml;he wohnenden Edelleute zu einem gro&szlig;en Fest, und das Gesicht und Kleidung von der fremden Mamsell wird so ver&auml;ndert, dass sie nicht erkannt werden konnte, weil auch der Herr von dem Mord-Castell dazu eingeladen war.</p>
<p>
	Da sie alle da waren, musste ein jeder etwas erz&auml;hlen, da die Reihe an die Mamsell kam, erz&auml;hlte sie die bewusste Historie, wobei dem sogenannten Herrn Graf so &auml;ngstlich ums Herz ward, dass er mit Gewalt weg wollte, aber der gute Herr von dem adeligen Haus hatte inzwischen gesorgt, dass das Gericht unsern sch&ouml;nen Herrn Grafen in Gef&auml;ngnis nahm, sein Castell ausrottete, und seine G&uuml;ter alle der Mamsell zu eigen gab, die nach der Hand mit dem Sohn des Hauses, wo sie so gut empfangen war, sich verheiratete und lange Jahre lebte.</p>
<div align="center">
	<hr align="center" size="2" width="100%" />
</div>
<p align="center">
	N&auml;chster M&auml;rchenletter am 14.09.2020</p>
<p align="center">
	10.08.2020 Der M&auml;rchenletter und mein M&auml;rchenprogramm im Internet ist ein rein privates Hobby von mir. Somit hast Du nat&uuml;rlich auch keinen rechtlichen Anspruch auf die M&auml;rchen.</p>
<p align="center">
	Wenn Du den M&auml;rchenletter einmal nicht mehr m&ouml;chtest, kannst Du ihn jederzeit wieder abbestellen.<br />
	<a href="https://www.internet-maerchen.de/datenschutzverordnung.htm" rel="nofollow" target="_blank">Meine Datenschutzerkl&auml;rung findest Du hier</a></p>
]]></description>
<link>https://internet-maerchen.de/maerchen/mordschloss.htm</link>
<author>INTERNET-MAERCHEN.DE</author>
<category>M&#228;rchen</category>
<category>maerchenletter</category>
<guid  isPermaLink="false">7e4a166f-5c05-409d-83be-aebfbce48df6</guid>
<pubDate>Mon, 10 Aug 2020 21:04:57 GMT</pubDate>
</item>
</channel>
</rss>