{"id":985,"date":"2018-05-04T12:05:41","date_gmt":"2018-05-04T10:05:41","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=985"},"modified":"2026-01-29T01:39:05","modified_gmt":"2026-01-29T00:39:05","slug":"tischlein-deck-dich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/tischlein-deck-dich\/","title":{"rendered":"Tischlein deck&#8216; dich"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Tischlein deck&#8216; dich<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gebr. Grimm<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Vorzeiten war ein Schneider, der drei S\u00f6hne hatte und nur eine einzige Ziege. Aber die Ziege, weil sie alle zusammen mit ihrer Milch ern\u00e4hrte, musste ihr gutes Futter haben und t\u00e4glich hinaus auf die Weide gef\u00fchrt werden. Die S\u00f6hne taten das auch nach der Reihe. Einmal brachte sie der \u00e4lteste auf den Kirchhof, wo die sch\u00f6nsten Kr\u00e4uter standen, lie\u00df sie da fressen und herumspringen. Abends, als es Zeit war, heimzugehen. fragte er: &#8222;Ziege, bist du satt?&#8216; Die Ziege antwortete:<\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Ich bin so satt,<br>Ich mag kein Blatt: meh meh!&#8220;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;So komm&#8216; nach Haus&#8220;, sprach der Junge, fasste sie am Strickchen&#8216; f\u00fchrte sie in den Stall und band sie fest. &#8222;Nun&#8220;, fragte der alte Schneider, &#8222;hat die Ziege ihr geh\u00f6riges Futter?&#8220; &#8222;oh&#8220;, antwortete der Sohn, ,die ist so satt, sie mag kein Blatt.&#8220; Der Vater aber wollte sich selbst \u00fcberzeugen, ging hinab in den Stall, streichelte das liebe Tier und fragte:&#8220; Ziege, bist du auch satt?&#8220; Die Ziege antwortete:<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Wovon sollt&#8216; ich satt sein?<br>Ich sprang nur \u00fcber Gr\u00e4belein<br>Und fand kein einzig Bl\u00e4ttelein: meh! meh!&#8220;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Was muss ich h\u00f6ren!&#8220; rief der Schneider, lief hinauf und sprach zu dem Jungen:<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Ei, du L\u00fcgner! Sagst, die Ziege w\u00e4re satt, und hast sie hungern lassen?&#8220; Und in seinem Zorne nahm er die Elle von der Wand und jagte ihn mit Schl\u00e4gen hinaus.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Am andern Tag war die Reihe am zweiten Sohn; der suchte an der Gartenhecke einen Platz aus, wo lauter gute Kr\u00e4uter standen, und die Ziege fra\u00df sie rein ab Abends, als er heim wollte, fragte er: &#8222;Ziege, bist du satt?&#8220; Die Ziege antwortete: <\/span><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Die sch\u00f6nsten M\u00e4rchen der Br\u00fcder Grimm: Tischlein deck Dich (H\u00f6rbuch zum Einschlafen)\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Qcg-WOd4nbE?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Decken Sie Ihren Tisch mit hochwertigen Besteck von WMF.<br>Jetzt bequem online kaufen &#8211; <a href=\"http:\/\/www.wmf.de\">www.wmf.de<\/a> <\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Ich bin so satt,<br>Ich mag kein Blatt: meh! meh!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;So komm&#8216; nach Haus&#8220;, sprach der Junge, zog sie heim und band sie im Stalle fest. &#8222;Nun&#8220;, fragte der alte Schneider, &#8222;hat die Ziege ihr geh\u00f6riges Futter?&#8220; -&#8222;Oh&#8220;, antwortete der Sohn, &#8222;die ist so satt, sie mag kein Blatt.&#8220; Der Schneider wollte sich darauf nicht verlassen, ging hinab in den Stall und fragte: &#8222;Ziege, bist du auch satt?&#8220; Die Ziege antwortete:<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Wovon sollt&#8216; ich satt sein?<br>Ich sprang nur \u00fcber Gr\u00e4belein<br>Und fand kein einzig Bl\u00e4ttelein: meh! meh!&#8220;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Der gottlose B\u00f6sewicht!&#8220; schrie der Schneider, &#8222;so ein frommes Tier hungern zu lassen!&#8220; lief hinauf und schlug mit der Elle den Jungen zur Haust\u00fcr hinaus.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Die Reihe kam jetzt an den dritten Sohn, der wolle seine Sache gut rnachen, suchte Buschwerk mit dem sch\u00f6nsten Laube aus und lie\u00df die Ziege daran fressen. Abends, als er heim wollte, fragte er: &#8222;Ziege, bist du Satt?&#8220; Die Ziege antwortete:<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Ich bin so satt,<br>Ich mag kein Blatt: meh meh!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;So komm&#8216; nach Haus&#8220;, sagte der Junge, f\u00fchrte sie in den Stall und band sie fest&#8220; Nun&#8220;, fragte der alte Schneider, &#8222;hat die Ziege ihr geh\u00f6riges Futter?&#8220; -&#8222;Oh&#8220;, antwortete der Sohn, &#8222;die ist so satt, sie mag kein Blatt.&#8220; Der Schneider traute nicht, ging hinab und fragte: &#8222;Ziege, bist du auch satt?&#8220; Das boshafte Tier antwortete:<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Wovon sollt&#8216; ich satt sein?<br>Ich sprang nur \u00fcber Gr\u00e4belein<br>Und fand kein einzig Bl\u00e4ttelein: meh! meh!&#8220;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">O du L\u00fcgenbrut!&#8220; rief der Schneider, &#8222;einer so gottlos und pflichtvergessen wie der andere! Ihr sollt mich nicht l\u00e4nger zum Narren haben!&#8220; Und vor Zorn ganz au\u00dfer sich sprang er hinauf und gerbte dem armen Jungen mit der Elle den R\u00fccken so gewaltig, dass er zum Haus hinaussprang. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der alte Schneider war nun mit seiner Ziege allein. Am andern Morgen ging er hinab in den Stall, liebkoste die Ziege und sprach: &#8222;Komm, mein liebes Tierlein, ich will dich selbst zur Weide f\u00fchren.&#8220; Er nahm sie am Strick und brachte sie zu gr\u00fcnen Hecken und unter Schafrippe und was sonst die Ziegen gern fressen. &#8222;Da kannst du dich einmal nach Herzenslust s\u00e4ttigen&#8220;, sprach er zu ihr und lie\u00df sie weiden bis zum Abend. Da fragte er: ,.Ziege&#8216; bist du satt?&#8220; Sie antwortete:<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Ich bin so satt,<br>Ich mag kein Blatt: meh meh!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;So komm&#8216; nach Haus&#8220;, sagte der Schneider, f\u00fchrte sie in den Stall und band sie fest. Als er wegging, kehrte er sich noch einmal um und sagte: &#8222;Nun bist du doch einmal satt!&#8220; Aber die Ziege machte es ihm nicht besser und rief: <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Wovon sollt&#8216; ich satt sein?<br>Ich sprang nur \u00fcber Gr\u00e4belein<br>Und fand kein einzig Bl\u00e4ttelein: meh! meh!&#8220;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Als der Schneider das h\u00f6rte, stutzte er und sah wohl, dass er seine drei S\u00f6hne ohne Ursache versto\u00dfen hatte. &#8222;Wart&#8220;&#8218;, rief er, &#8222;du undankbares Gesch\u00f6pf! Dich fortzujagen ist noch zu wenig, ich will dich zeichnen, dass du dich unter ehrbaren Schneidern nicht mehr darfst sehen lassen.&#8220; In einer Hast sprang er hinauf, holte sein Bartmesser, seifte der Ziege den Kopf ein und schor sie glatt wie seine flache Hand. Und weil die Elle zu ehrenvoll gewesen w\u00e4re, holte er die Peitsche und versetzte ihr solche Hiebe, dass sie in gewaltigen Spr\u00fcngen davonlief.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der Schneider, als er so ganz einsam in seinem Hause sa\u00df, verfiel in gro\u00dfe Traurigkeit und h\u00e4tte seine S\u00f6hne gern wieder gehabt, aber niemand wusste, wo sie hingeraten waren. Der \u00e4lteste war zu einem Schreiner in die Lehre gegangen, da lernte er flei\u00dfig und unverdrossen, und als seine Zeit herum war, dass er wandern sollte, schenkte ihm der Meister ein Tischchen, das gar kein besonderes Ansehen hatte und von gew\u00f6hnlichem Holz war; aber es hatte eine gute Eigenschaft. Wenn man es hinstellte und sprach: &#8222;Tischchen, deck&#8216; dich!&#8220; so war das gute Tischchen auf einmal mit einem sauberen T\u00fcchlein bedeckt und stand da ein Teller und Messer und Gabel daneben und Sch\u00fcsseln mit Gesottenem und Gebratenem, soviel Platz hatten, und ein gro\u00dfes Glas mit rotem Wein leuchtete, dass einem das Herz lachte. Der junge Gesell dachte: &#8222;Damit hast du genug f\u00fcr dein Lebtag&#8220;, zog guter Dinge in die Welt umher und bek\u00fcmmerte sich gar nicht darum, ob ein Wirtshaus gut oder schlecht, und ob etwas darin zu finden war oder nicht. Wenn es ihm gefiel, so kehrte er gar nicht ein, sondern im Felde, im Walde, auf einer Wiese, wo er Lust hatte, nahm er sein Tischchen vom R\u00fccken, stellte es vor sich und sprach: &#8222;Deck&#8216; dich!&#8220;, so war alles da, was sein Herz begehrte. Endlich kam es ihm in den Sinn, er wollte zu seinem Vater zur\u00fcckkehren, sein Zorn w\u00fcrde sich gelegt haben, und mit dem Tischchendeckdich w\u00fcrde er ihn gern wieder aufnehmen. Es trug sich zu, dass er auf dem Heimweg abends in ein Wirtshaus kam, das mit G\u00e4sten angef\u00fcllt war; sie hie\u00dfen ihn<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">willkommen und luden ihn ein, sich zu ihnen zu setzen und mit ihnen zu essen, sonst w\u00fcrde er schwerlich noch etwas bekommen. &#8222;Nein&#8220;, antwortete der Schreiner, &#8222;die paar Bissen will ich euch nicht vor dem Munde wegnehmen, lieber sollt ihr meine G\u00e4ste sein.&#8220; Sie lachten und meinten, er triebe seinen Spa\u00df mit ihnen. Er aber stellte sein h\u00f6lzernes Tischchen mitten in die Stube und sprach: &#8222;Tischchen, deck&#8216; dich!&#8220; Augenblicklich war es mit Speisen besetzt, so gut, wie sie der Wirt nicht h\u00e4tte herbeischaffen k\u00f6nnen und wovon der Geruch den G\u00e4sten lieblich in die Nase stieg. &#8222;Zugegriffen, liebe Freunde&#8220;, sprach der Schreiner, und die G\u00e4ste, als sie sahen, wie es gemeint war, lie\u00dfen sich nicht zweimal bitten, r\u00fcckten heran, zogen ihre Messer und griffen tapfer zu. Und was sie am meisten verwunderte:<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">wenn eine Sch\u00fcssel leer geworden war, stellte sich gleich von selbst eine volle an ihren Platz. Der Wirt stand in einer Ecke und sah dem Dinge zu. Er wusste gar nicht, was er sagen sollte, dachte aber: &#8222;Einen solchen Koch k\u00f6nntest du in deiner Wirtschaft wohl brauchen.&#8220; Der Schreiner und seine Gesellschaft waren lustig bis in die sp\u00e4te Nacht; endlich legten sie sich schlafen, und der junge Geselle ging auch zu Bett und stellte sein W\u00fcnschtischchen an die Wand. Dem Wirte aber lie\u00dfen seine Gedanken keine Ruhe. Es fiel ihm ein, dass in seiner Rumpelkammer ein altes Tischchen st\u00fcnde, das gerade so auss\u00e4he, das holte er ganz sachte herbei und vertauschte es mit dem W\u00fcnschtischchen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Am andern Morgen zahlte der Meister sein Schlafgeld, packte sein Tischchen auf, dachte gar nicht daran, dass er ein falsches h\u00e4tte, und ging seiner Wege. Zu Mittag kam er bei seinem Vater an, der ihn mit gro\u00dfer Freude empfing.&#8220; Nun, mein lieber Sohn, was hast du gelernt?&#8220; sagte er zu ihm. &#8222;Vater, ich bin ein Schreiner geworden.&#8220; &#8211; &#8222;Ein gutes Handwerk! erwiderte der Alte; &#8222;aber was hast du von deiner Wanderschaft mitgebracht?&#8220; &#8211; &#8222;Vater, das Beste, was ich mitgebracht habe, ist das Tischchen.&#8220; Der Vater betrachtete es von allen Seiten und sagte: &#8222;Daran hast du kein Meisterst\u00fcck gemacht, das ist ein altes und schlechtes Tischchen.&#8220; &#8211; &#8222;Aber es ist ein Tischchendeckdich&#8220;, antwortete der Sohn; &#8222;wenn ich es hinstelle und sage ihm, es solle sich decken, so stehen gleich die sch\u00f6nsten Gerichte darauf und ein Wein dabei, der das Herz erfreut. Ladet nur alle Verwandte und Freunde ein, die sollen sich einmal laben und erquicken, denn das Tischchen macht sie alle satt.&#8220; Als die Gesellschaft beisammen war, stellte er sein Tischchen mitten in die Stube und sprach: &#8222;Tischchen&#8216; deck&#8216; dich!&#8220; Aber das Tischchen regte sich nicht und blieb so leer wie ein anderer Tisch, der die Sprache nicht versteht. Da merkte der arme Geselle, dass ihm das Tischchen vertauscht war, und sch\u00e4mte sich, dass er wie ein L\u00fcgner dastand. Die Verwandten aber lachten ihn aus und mussten ungetrunken und ungegessen wieder heim wandern. Der Vater holte seine Lappen wieder herbei und schneiderte fort, der Sohn aber ging bei einem Meister in die Arbeit.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der zweite Sohn war zu einem M\u00fcller gekommen und bei ihm in die Lehre gegangen. Als er seine Jahre herum hatte, sprach der Meister: &#8222;Weil du dich so wohl gehalten hast, schenke ich dir einen Esel von einer besonderen Art, er zieht nicht am Wagen und tr\u00e4gt auch keine S\u00e4cke.&#8220; &#8222;Wozu ist er denn n\u00fctze?&#8220; fragte der junge Geselle. &#8222;Er speit Gold&#8220;, antwortete der M\u00fcller. &#8222;Wenn du ihn auf ein Tuch stellst und sprichst: ,Bricklebrit!&#8216; so speit dir das gute Tier Goldst\u00fccke aus, hinten und vorn.&#8220; &#8211; &#8222;Das ist eine sch\u00f6ne Sache&#8220;, sprach der Geselle, dankte dem Meister und zog in die Welt. Wenn er Gold n\u00f6tig hatte, brauchte er nur zu seinem Esel &#8222;Bricklebrit!&#8220; zu sagen, so regnete es Goldst\u00fccke&#8216; und er hatte weiter keine M\u00fche, als sie von der Erde aufzuheben. Wo er hinkam, war ihm das Beste gut genug, und je teurer je lieber, denn er hatte immer einen vollen Beutel. Als er sich eine Zeitlang in der Welt umgesehen hatte, dachte er:&#8220; Du musst deinen Vater aufsuchen; wenn du mit dem Goldesel kommst, wird er seinen Zorn vergessen und dich gut aufnehmen.&#8220;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Es trug sich zu, dass er in dasselbe Wirtshaus geriet, wo seinem Bruder das Tischchen vertauscht worden war. Er f\u00fchrte seinen Esel an der Hand, und der Wirt wollte ihm das Tier abnehmen und anbinden, der junge Geselle aber sprach: &#8222;Gebt Euch keine M\u00fche; meinen Grauschimmel f\u00fchre ich selbst in den Stall und binde ihn auch selbst an, denn ich muss wissen, wo er steht.&#8220; Dem Wirt kam das verwunderlich vor, und er meinte, einer, der seinen Esel selbst besorgen m\u00fcsste, h\u00e4tte nicht viel zu verzehren; als aber der Fremde in die Tasche griff, zwei Goldst\u00fccke herausholte und sagte, er sollte nur etwas Gutes f\u00fcr ihn einkaufen, so machte er gro\u00dfe Augen, lief und suchte das Beste, das er auftreiben konnte. Nach der Mahlzeit fragte der Gast, was er schuldig w\u00e4re. Der Wirt wollte die doppelte Kreide nicht sparen und sagte, noch ein paar Goldst\u00fccke m\u00fcsste er zulegen. Der Geselle griff in die Tasche, aber sein Gold war eben zu Ende.&#8220; Wartet einen Augenblick, Herr Wirt&#8220;, sprach er, &#8222;ich will nur gehen und Gold holen&#8220;, nahm aber das Tischtuch mit. Der Wirt wusste nicht, was das hei\u00dfen sollte, war neugierig, schlich ihm nach, und da der Gast die Stallt\u00fcr zuriegelte, guckte er durch ein Astloch. Der Fremde breitete unter dem Esel das Tuch aus und rief: &#8222;Bricklebrit!&#8220; und augenblicklich fing das Tier an Gold zu speien von hinten und vorn, dass es ordentlich auf die Erde herabregnete.&#8220; Ei der Tausend&#8220;, sagte der Wirt, &#8222;da sind die Dukaten bald gepr\u00e4gt! So ein Geldbeutel ist nicht \u00fcbel!&#8220; Der Gast bezahlte seine Zeche und legte sich schlafen; der Wirt aber schlich in der Nacht hinab in den Stall, f\u00fchrte den M\u00fcnzmeister weg und band einen andern Esel an seine Stelle.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Den folgenden Morgen in der Fr\u00fche zog der Geselle mit seinem Esel ab und meinte, er h\u00e4tte seinen Goldesel. Mittags kam er bei seinem Vater an, der sich freute, als er ihn wieder sah, und ihn gern aufnahm.&#8220; Was ist aus dir geworden, mein Sohn?&#8220; fragte der Alte. &#8222;Ein M\u00fcller, lieber Vater&#8220;, antwortete er.&#8220; Was hast du von deiner Wanderschaft mitgebracht?&#8220; &#8211; &#8222;Weiter nichts als einen Esel.&#8220; &#8222;Esel gibt&#8217;s hier genug&#8220;, sagte der Vater, &#8222;da w\u00e4re mir doch eine gute Ziege lieber gewesen.&#8220;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">antwortete der Sohn, &#8222;aber es ist kein gemeiner Esel, sondern ein Goldesel; wenn ich sage: ,Bricklebrit!&#8216; so speit Euch das gute Tier ein ganzes Tuch voll Goldst\u00fccke. Lasst nur alle Verwandten herbeirufen, ich mache sie alle zu reichen Leuten.&#8220; &#8222;Das las&#8216; ich mir gefallen&#8220;, sagte der Vater, &#8222;dann brauch&#8216; ich mich mit der Nadel nicht weiter zu qu\u00e4len&#8220;&#8218; sprang selbst fort und rief die Verwandten herbei. Sobald sie beisammen waren, hie\u00df sie der M\u00fcller Platz machen, breitete sein Tuch aus und brachte den Esel in die Stube. &#8222;Jetzt gebt acht&#8220;, sagte er und rief: &#8222;Bricklebrit&#8220;&#8218; -aber es waren keine Goldst\u00fccke, was herabfiel, und es zeigte sich, dass das Tier nichts von der Kunst verstand, denn es bringt&#8217;s nicht jeder Esel so weit. Da machte der arme M\u00fcller ein langes Gesicht, sah, dass er betrogen war, und bat die Verwandten um Verzeihung, die so arm heimgingen, als sie gekommen waren. es blieb nichts \u00fcbrig, der Alte musste wieder nach der Nadel greifen und der Junge sich bei einem M\u00fcller verdingen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der dritte Bruder war zu einem Drechsler in die Lehre gegangen, und weil es ein kunstreiches Handwerk ist, musste er am l\u00e4ngsten lernen. Seine Br\u00fcder aber meldeten ihm in einem Briefe, wie es ihnen ergangen w\u00e4re und wie sie der Wirt noch am letzten Abend um ihre sch\u00f6nen W\u00fcnschdinge gebracht hatte. Als der Drechsler nun ausgelemt hatte und wandern sollte, schenkte ihm sein Meister, weil er sich so wohl gehalten hatte, einen Sack und sagte: &#8222;Es liegt ein Kn\u00fcppel darin.&#8220; &#8222;Den Sack kann ich umh\u00e4ngen, und er kann mir gute Dienste leisten&#8220;, sprach der Gesell, &#8222;aber was soll der Kn\u00fcppel darin? Der macht ihn nur schwer.&#8220; &#8211; &#8222;Das will ich dir sagen&#8220;, antwortete der Meister, &#8222;hat dir jemand etwas zuleide getan, so sprich nur: ,Kn\u00fcppel aus dem Sack!&#8216; &#8211; so springt dir der Kn\u00fcppel heraus unter die Leute und tanzt ihnen so lustig auf dem R\u00fccken herum, dass sie sich acht Tage lang nicht regen und bewegen k\u00f6nnen; und eher l\u00e4sst er nicht ab, als bis du sagst: ,Kn\u00fcppel in den Sack&#8216;.&#8220; Der Gesell dankte ihm, h\u00e4ngte den Sack um, und wenn ihm jemand zu nahe kam und auf den Leib wollte, so sprach er: &#8222;Kn\u00fcppel aus dem Sack!&#8220; Alsbald sprang der Kn\u00fcppel heraus und klopfte einem nach dem andern Rock oder Wams gleich auf dem R\u00fccken aus und wartete nicht erst, bis er ihn ausgezogen hatte, und das ging so geschwind, dass, ehe sich&#8217;s einer versah, die Reihe schon an ihm war.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der junge Drechsler langte zur Abendzeit in dem Wirtshaus an, wo seine Br\u00fcder waren betrogen worden. Er legte seinen Ranzen vor sich auf den Tisch und fing an zu erz\u00e4hlen, was er alles Merkw\u00fcrdige in der Welt gesehen habe &#8222;Ja&#8220;, sagte er, &#8222;man findet wohl ein Tischleindeckdich, einen Goldesel und dergleichen &#8211; lauter gute Dinge, die ich nicht verachte; aber das ist alles nichts gegen den Schatz, den ich mir erworben habe und in meinem Sack da mit mir f\u00fchre.&#8220; Der Wirt spitzte die Ohren: &#8222;Was in aller Welt mag das sein?&#8220; dachte er, &#8222;der Sack ist wohl mit lauter Edelsteinen angef\u00fcllt; den sollte ich billig auch noch haben, denn aller guten Dinge sind drei.&#8220; Als Schlafenszeit war, streckte sich der Gast auf die Bank und legte seinen Sack als Kopfkissen unter. Der Wirt, als er meinte, der Gast l\u00e4ge in tiefem Schlaf, ging herbei, r\u00fcckte und zog ganz sachte und vorsichtig an dem Sack, ob er ihn vielleicht wegziehen und einen andern unterlegen k\u00f6nnte. Der Drechsler aber hatte schon lange darauf gewartet; wie nun der Wirt eben einen herzhaften Ruck tun wollte, rief er: &#8222;Kn\u00fcppel aus dem Sack!&#8220; Alsbald fuhr das Kn\u00fcppelchen heraus, dem Wirt auf den Leib und rieb ihm die N\u00e4hte, dass es eine Art hatte. Der Wirt schrie um Erbarmen, aber je lauter er schrie, desto kr\u00e4ftiger schlug der Kn\u00fcppel den Takt dazu auf dem R\u00fccken, bis er endlich ersch\u00f6pft zur Erde fiel. Da sprach der Drechsler: &#8222;Wenn du das Tischchendeckdich und den Goldesel nicht wieder herausgibst, so soll der Tanz von neuem angehen.&#8220; &#8211; &#8222;Ach nein&#8220;, rief der Wirt ganz kleinlaut, &#8222;ich gebe alles gern wieder heraus, lasst nur den verw\u00fcnschten Kobold wieder in den Sack kriechen!&#8220; Da sprach der Geselle: &#8222;Ich will Gnade f\u00fcr Recht ergehen lassen, aber h\u00fcte dich vor Schaden!&#8220; Dann rief er: &#8222;Kn\u00fcppel in den Sack!&#8220; und lie\u00df ihn ruhen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der Drechsler zog am andern Morgen mit dem Tischchendeckdich und dem Goldesel heim zu seinem Vater. Der Schneider freute sich, als er ihn wiedersah, und fragte auch ihn, was er in der Fremde gelernt h\u00e4tte. &#8222;Lieber Vater&#8220;, antwortete er, &#8222;ich bin ein Drechsler geworden.&#8220; &#8211; &#8222;Ein kunstreiches Handwerk!&#8220; sagte der Vater; &#8222;was hast du von der Wanderschaft mitgebracht.&#8220; &#8211; Ein kostbares St\u00fcck, lieber Vater&#8220;, antwortete der Sohn, &#8222;einen Kn\u00fcppel in dem Sack.&#8220; &#8211; &#8222;Was!&#8220; rief der Vater, &#8222;einen Kn\u00fcppel? Das ist der M\u00fche wert! Den kannst du dir von jedem Baume abhauen.&#8220; &#8211; &#8222;Aber einen solchen nicht, lieber Vater! Sage ich: ,Kn\u00fcppel aus dem Sack!&#8216; &#8211; so springt der Kn\u00fcppel heraus und macht mit dem, der es nicht gut mit mir meint, einen schlimmen Tanz und l\u00e4sst nicht eher nach, als bis er auf der Erde liegt und um gut Wetter bittet. Seht Ihr, mit diesem Kn\u00fcppel habe ich das Tischchendeckdich und den Goldesel wieder herbeigeschafft, die der diebische Wirt meinen Br\u00fcdern abgenommen hatte. Jetzt las sie beide rufen und ladet alle Verwandten ein, ich will sie speisen und tr\u00e4nken und will ihnen die Taschen mit Gold f\u00fcllen.&#8220; Der alte Schneider wollte nicht recht trauen, brachte aber doch die Verwandten zusammen. Da deckte der Drechsler ein Tuch in die Stube, f\u00fchrte den Goldesel herein und sagte zu seinem Bruder: &#8222;Nun, lieber Bruder, sprich mit ihm.&#8220; Der M\u00fcller sagte: &#8222;Bricklebrit!&#8220; -und augenblicklich sprangen die Goldst\u00fccke auf das Tuch herab, als k\u00e4me ein Platzregen, und der Esel h\u00f6rte nicht eher auf, als bis alle so viel hatten, dass sie nicht mehr tragen konnten. Dann holte der Drechsler das Tischchen und sagte: &#8222;Lieber Bruder, nun sprich mit ihm.&#8220; Und kaum hatte der Schreiner: &#8222;Tischchen&#8216; deck&#8216; dich!&#8220; gesagt, so war es gedeckt und mit den sch\u00f6nsten Sch\u00fcsseln reichlich besetzt. Da ward eine Mahlzeit gehalten, wie der gute Schneider noch keine in seinem Hause erlebt hatte, und die ganze Verwandtschaft blieb zusammen bis in die Nacht und waren alle lustig und vergn\u00fcgt. Der Schneider verschloss Nadel und Zwirn, Elle und B\u00fcgeleisen in einem Schrank und lebte mit seinen drei S\u00f6hnen in Freude und Herrlichkeit.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorzeiten war ein Schneider, der drei S\u00f6hne hatte und nur eine einzige Ziege. 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