{"id":983,"date":"2018-05-04T11:53:42","date_gmt":"2018-05-04T09:53:42","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=983"},"modified":"2026-01-17T03:25:42","modified_gmt":"2026-01-17T02:25:42","slug":"der-zwoelfte-sohn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-zwoelfte-sohn\/","title":{"rendered":"Der zw\u00f6lfte Sohn"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der zw\u00f6lfte Sohn<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>M\u00e4rchen aus Ungarn<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein K\u00f6nig, der hatte zw\u00f6lf S\u00f6hne. Also sprach der \u00e4lteste: \u00bbLieber Vater, ich m\u00f6chte schon heiraten, denn die Zeit ist gekommen.\u00ab Sprach sein Vater, der K\u00f6nig:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWarte so lange, mein Sohn, bis auch dein j\u00fcngster Bruder heiratet, damit ihr alle zw\u00f6lf auf einmal heiratet.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da gr\u00e4mte sich der \u00e4lteste Sohn, wann das wohl sein w\u00fcrde, wenn auch der Zw\u00f6lfte schon jenes Alter erreicht haben w\u00fcrde. Bis dahin w\u00fcrde er alt sein. Doch da war nichts dagegen zu machen, er musste gehorchen. Er wartete so lange, bis sein j\u00fcngster Bruder sechzehn bis siebzehn Jahre oder so was alt war, dann fragte er ihn:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbBr\u00fcderchen, kleines Br\u00fcderchen, h\u00e4ttest du nicht Lust zum Heiraten?\u00ab \u00bbGewiss, mein Bruder\u00ab, sagte er, \u00bbich wundere mich, warum du noch nicht geheiratet hast, denn wahrlich, du bist schon der Vater und Spott der Burschen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbAch, mein kleines Br\u00fcderchen, seit langem warte ich auf dich!\u00ab Dann geht der \u00c4lteste hinein zu seinem Vater. \u00bbNun, erlauchter Vater, jetzt werde ich heiraten, denn all meine elf Br\u00fcder haben Lust dazu.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da lie\u00df ihr Vater sie alle elf St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck mit ihm zusammen hereinrufen. Er fragte, ob sie Lust zum Heiraten h\u00e4tten, und da hatten sie&#8217;s alle. Nun, und da entgegnete ihnen der K\u00f6nig: \u00bbNun, meine lieben S\u00f6hne, wir haben zw\u00f6lf Gest\u00fcte, ihr seid zu Zw\u00f6lfen; jeder w\u00e4hle sich ein Pferd aus je einem Gest\u00fct, so wie ihr es m\u00f6gt, denn ihr habt ja die Wahl.\u00ab \u00bbWir sind bereit, lieber Vater.\u00ab Dann sattelte der K\u00f6nig selbst alle zw\u00f6lf f\u00fcr seine zw\u00f6lf S\u00f6hne, gab jedem Gold, wie das Herz ihn trieb, jedem, was er wollte. Dann sprach er: \u00bbMeine S\u00f6hne, Gott gebe euch Gl\u00fcck zu eurer Heirat; doch nicht eher m\u00f6gt ihr eine Gemahlin finden, bis ihr nicht zw\u00f6lf Schwestern trefft, so wie ihr seid.\u00ab Dann entlie\u00df er sie aus dem Schloss, die zw\u00f6lf. Zogen sie nun selbzw\u00f6lft zu Pferde aus, Gemahlinnen zu suchen. Sie gelangten in eine Ein\u00f6de. Siehe, da wurde es Abend, Nacht, so dass es an der Zeit war zu beraten, wohin sie sich wenden sollten. Sprach der J\u00fcngste: \u00bbBis zum Morgengrauen werden wir doch nichts beginnen, wir bleiben hier, wenn&#8217;s euch recht ist, Br\u00fcder!\u00ab Sie wollten es alle. Nun also, da blieben sie bis zum Morgen, bis zum Morgengrauen in der Ein\u00f6de. Morgens sagte der j\u00fcngste Bruder: \u00bbNun, meine lieben Br\u00fcder, wir ziehen umsonst alle zw\u00f6lf eines Weges, denn wir werden doch nicht zw\u00f6lf solche Geschwister finden, wie wir sind. Lieber soll ein jeder allein reiten, wohin es sei.\u00ab Seine Br\u00fcder alle elf stimmten ihm zu. Dann griff er in seine Tasche und zog ein zw\u00f6lfschneidiges Taschenmesser hervor.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNun, Br\u00fcder\u00ab, sagte er, \u00bbdas Messer mit den zw\u00f6lf Klingen ist ebenso, wie wir zw\u00f6lf Geschwister sind. Die gr\u00f6\u00dfte Klinge z\u00e4hlt f\u00fcr meinen \u00e4ltesten Bruder, die zweite f\u00fcr den zweiten, und so der Reihe nach wie wir Geschwister sind. Die kleinste Klinge z\u00e4hlt f\u00fcr mich, ich bin der zw\u00f6lfte. Also seht ihr das?\u00ab Dann wies er es ihnen. \u00bbJa,\u00ab sagten alle. \u00bbJetzt sto\u00dfe ich dieses Taschenmesser auf diesem Fleck ein. Wer von uns Br\u00fcdern zur\u00fcckkehrt, der ziehe dieses Taschenmesser heraus. Wessen Klinge blank sein wird so wie jetzt, wenn sie herausgezogen wird, so wisst, dass der von uns Br\u00fcdern, f\u00fcr den diese Klinge z\u00e4hlt, lebt. Doch wessen rostig sein wird, der ist gestorben, den erwartet nicht. Und wenn einer fr\u00fcher zur\u00fcckkehrt, so wollen wir hier einander alle erwarten.\u00ab \u00bbWohlan, Br\u00fcderchen, recht so,\u00ab antworteten alle elf, seine Br\u00fcder. Dann reichten sie sich die H\u00e4nde, nahmen Abschied von einander und machten sich auf den Weg, wie es gerade kam. Lassen wir die elf Br\u00fcder, sie ritten, wohin Gott sie f\u00fchrte; wenden wir uns zum J\u00fcngsten. Er zog \u00fcber Berg und Tal, Wiesen und W\u00e4lder, W\u00fcste und Wasser, wo es nur anging. Tag und Nacht. Einstmals gelangte er auf eine kleine, flache Wiese. Sprach sein Pferd, hub an zu sprechen:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbEi lieber Herr,\u00ab sagte es, \u00bbwandere nicht weiter und h\u00f6r auf mein Wort. Ich werde dich schon weisen, was mit dir werden soll. Deine elf Br\u00fcder sind im siebenten K\u00f6nigreich von hier bei einem K\u00f6nig als Kutscher. Jener K\u00f6nig hat zw\u00f6lf T\u00f6chter, wie ihr zw\u00f6lf Br\u00fcder gewesen seid. Deine elf Br\u00fcder sind der elf M\u00e4dchen Kutscher; doch das j\u00fcngste M\u00e4dchen ist solcher Art, dass sie bisher neunundneunzig Kutscher hat pf\u00e4hlen lassen. Nimm dich in Acht; du wirst ihr hundertster Kutscher werden; doch h\u00f6r auf mich, ich werde dich weisen, niemand wird dir etwas zu Leide tun. Jetzt aber, wie soll ich dich tragen? Oben oder unten oder durch die Luft? Soll ich dich wie der Wind tragen oder wie der Gedanke?\u00ab \u00bbTrag mich nicht wie der Gedanke, nur so wie der Wind trag mich, mein Pferd!\u00ab \u00bbMir ist&#8217;s gleich; nur schlie\u00dfe die Augen und \u00f6ffne sie auch kein bisschen!\u00ab Damit schwang sich sein Pferd in die Luft und trug ihn so, wie der Wind zu eilen pflegt. Aber einmal \u00f6ffnete er dennoch die Augen, als er hoch oben getragen wurde. Als er hinabsah, erblickte er ein goldenes Haar auf der Erde.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSteh still, mein Pferd, denn ich sehe ein goldenes Haar!\u00ab \u00bbIch sagte, du solltest die Augen nicht \u00f6ffnen, denn das wird dir nicht zum Heil sein. Doch wenn du es erblickt hast, so steig ab und heb es auf; wir k\u00f6nnen es nicht hier lassen!\u00ab Er stieg ab und hob es auf. \u00bbNun sitz auf, doch \u00f6ffne die Augen f\u00fcrderhin nicht, bis ich&#8217;s dir sage.\u00ab Er schlie\u00dft die Augen, schlie\u00dft sie; dennoch kann er nicht an sich halten, er \u00f6ffnet sie wieder, erblickt ein goldenes Hufeisen auf der Erde. \u00bbSteh still, mein Pferd, denn schau, ein goldenes Hufeisen!\u00ab \u00bbIch sagte dir, du solltest die Augen nicht \u00f6ffnen. Nun so steig ab und heb das auch auf!\u00ab Er steigt ab, hebt es auf, verwahrt es gut. \u00bbNun, jetzt sitz auf, aber schlie\u00df die Augen, \u00f6ffne sie nicht wieder!\u00ab Noch einmal \u00f6ffnete er sie, er konnte sich nicht mehr gedulden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSteh still, mein Pferd, denn schau, ein goldenes Tuch liegt auf der Erde!\u00ab \u00bbIch sagte, \u00f6ffne die Augen nicht. Doch steig ab und heb es auf; wir k\u00f6nnen es hier nicht lassen. Doch schlie\u00dfe die Augen und \u00f6ffne sie nicht wieder, bis wir bei des K\u00f6nigs Tor anlangen.\u00ab Er \u00f6ffnete sie auch nicht, nur als sein Pferd sprach: \u00bbNun, jetzt steig ab, denn hier sind wir. Nun also jetzt steig ab! Aus mir wird ein kleines struppiges Fohlen werden. Du geh zum K\u00f6nig hinein, denn der K\u00f6nig hat keine Frau, die ist tot, er hat nur zw\u00f6lf T\u00f6chter.\u00ab \u00bbBraucht der erlauchte K\u00f6nig nicht vielleicht einen Kutscher?\u00ab \u00bbJa wirklich,\u00ab wird der K\u00f6nig sagen, \u00bbdenn gerade gestern haben wir meiner j\u00fcngsten Tochter Kutscher begraben; ich werde dich also aufnehmen.\u00ab Doch du entgegne: \u00bbErlauchter K\u00f6nig, ich habe ein kleines Fohlen, f\u00fcr das m\u00fcsste auch im Stall zwischen den andern Pferden Platz sein.\u00ab Der K\u00f6nig wird das nicht gern wollen, aber er wird doch schnell drauf eingehen. Drauf sprich: \u00bbErlauchter K\u00f6nig, ich bedinge mir aus, dass eine Woche lang niemand in meinen Stall kommen darf, noch auch hineinschauen. Wenn&#8217;s beliebt, so dingt mich, doch wenn nicht, dann nicht.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Nun gut, der K\u00f6nig wollte es nicht sehr gern, aber er willigte auch darein.&nbsp; \u00bbNa also, Bursche,\u00ab sagte der K\u00f6nig, \u00bbgeh, bring dein kleines Fohlen herein!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Na, da hat er es im Stall angebunden. Jetzt kam die Kunde zu seinen Br\u00fcdern, dass ihr kleiner Bruder auch hergekommen sei. Sie freuten sich, dass sie in guter Gesundheit an einem Ort beisammen waren. Nun gingen sie alle zw\u00f6lf fr\u00fch morgens zum K\u00f6nig. Jeder von ihnen hatte vier Pferde unter seiner Hut. Jene vier Pferde erhielten in der Fr\u00fche vier Portionen Heu und einen Scheffel Hafer, mittags ebenso viel, abends auch so viel. Nun, fr\u00fchmorgens holten sie die vier Portionen Heu und den Scheffel Hafer. Doch jeder war in einem besonderen Stall, nicht alle an einem Ort. Nun ging er in seinen eigenen Stall, da sagt ihm sein Fohlen, er solle die Stallt\u00fcr zumachen. Er macht sie auch zu. Es fragt, kann man von irgendwo aus dem Stall heraus sehen? Man sieht von nirgends, nur durchs Schl\u00fcsselloch. Da gibt das Fohlen ihm einen Nagel, den solle er dort einschlagen, damit niemand von drau\u00dfen hineinsehen kann. Nun, jetzt sagt das Fohlen: \u00bbHole jenes Goldhaar hervor, das wir auf dem Weg fanden, und stecke es in den Lichthalter!\u00ab Er steckte es anstatt einer Kerze auf; es leuchtete, wie wenn der Blitz flammt. Jetzt deckte das Fohlen ihm ein Tischchen. Trinken, Essen drauf, nach dem Essen Pfeife und Tabak, und dort schmaucht er nur so seine Pfeife. Nun fragt er das Fohlen:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbUnd soll ich jetzt diesen vier Pferden ihr Futter geben?\u00ab \u00bbNein,\u00ab sagte das Fohlen. \u00bbSchau hier diesen Hartriegelstock. Von Kopf zu Fu\u00df schlage sie damit, bis das Fohlen spricht.\u00ab Nun, er schlug die vier Pferde, bis die Haut ihnen fast von den R\u00fccken fiel. Da sagte es: \u00bbJetzt ist&#8217;s genug, schlag nicht mehr.\u00ab Nun setzt er sich am Tisch nieder und raucht. Da kommt schon Mittag heran. Seine Br\u00fcder riefen, er sollte essen kommen. Er erwiderte kein Wort, nichts. Sie riefen, er sollte nach dem Heu kommen, doch er ging nicht, fragte nur das Fohlen, ob er den Pferden ihr Futter geben sollte. Das Fohlen sagte, er sollte sie auch jetzt mit dem Hartriegelstock schlagen, bis es ihm sagen w\u00fcrde. So schlug er sie jetzt auch, just wie in der Fr\u00fche. Zu fressen gab er ihnen nicht, obgleich Heu und auch Hafer da waren. Zum Essen ging er auch nicht, denn er hatte alles da. Kam der Abend heran; wieder riefen seine Br\u00fcder, er sollte essen kommen; er kam nicht. Sie riefen ihn zum Heu, er ging nicht, zum Hafer, er ging nicht, schlug nur statt des Fressens die Pferde t\u00fcchtig, wie in der Fr\u00fch und mittags. Sie riefen ihn wegen der Kerze, die er zur Nacht haben sollte, doch er ging nicht, denn ihm leuchtete das Goldhaar an Kerzen statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Kommt morgen fr\u00fch heran; da war&#8217;s ebenso; denn von Tag zu Tag, eine Woche lang, etwa acht Morgen, jeden Tag schlug er dreimal die Pferde in gleicher Weise wie am ersten Tag. Er hatte immer noch die vier Portionen Heu und den Scheffel Hafer. Der K\u00f6nig konnte kaum erwarten, dass der achte Tag k\u00e4me, damit er erf\u00fchre, was er gemacht und was er den Pferden gegeben. Am siebenten Abend sprach der K\u00f6nig zum \u00e4ltesten Bruder:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWer ersp\u00e4hen kann, wobei er dort sitzt, was ihm leuchtet, bekommt ein gro\u00dfes Geschenk!\u00ab Fasst sich der \u00e4lteste Bruder ein Herz, schl\u00e4gt jenen Nagel aus dem Schl\u00fcsselloch, der eingeschlagen worden war, schaut durch die T\u00fcr hinein, und da sieht er, dass ein Goldhaar an Kerzen statt leuchtet, und da sieht er, dass er einen gedeckten Tisch hat, Essen, Trinken, Tabak. Und da sieht er, dass die vier Portionen Heu noch da sind, die am ersten Morgen ausgegeben worden waren, und der Scheffel Hafer auch. Und da sieht er, wie die vier Pferde dort im Stall liegen, ganz zerschlagen, kein St\u00fcckchen Haut auf ihnen. Er geht hinein und sagt zum K\u00f6nig:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbErlauchter K\u00f6nig, deine vier Pferde sind wie vier Hunde, ganz zerschlagen. Die vier Portionen Heu sind noch da und die vier Portionen Hafer. Ein Goldhaar leuchtet an Kerzen statt. Er hat auf einem Tisch Essen und Trinken, raucht Tabak.\u00ab Nun, jetzt konnte der K\u00f6nig kaum den achten Morgen erwarten, dass die Woche um w\u00e4re, was daraus werden sollte. Es graute noch nicht richtig, da schickte er schon die j\u00fcngste Tochter, sie sollte rufen, dass er einspanne. Doch er antwortete zur\u00fcck, nicht ehe der Morgen d\u00e4mmere. Nun sagte sein Fohlen, er sollte den vieren eine Portion Heu geben; w\u00e4hrend sie das fra\u00dfen, vierteilte er den Scheffel Hafer. Er gab die vier Portionen Heu in vier Teilen und den Hafer auch viermal. Dann sagte es, er solle das Goldtuch vor holen, das sie auf dem Wege gefunden; mit jenem Tuch solle er die Pferde abklopfen. Er klopft sie sch\u00f6n ab, und da wurden vier goldhaarige Pferde aus den vieren. Gleich legte er ihnen das Geschirr auf, dann ging er aus dem Stall, \u00f6ffnete die T\u00fcr und zog die Kutsche unter dem Schuppen hervor. Als die K\u00f6nigstochter, die zw\u00f6lfte, zum andern Male rief, er solle einspannen, da rief er den Pferden nur ein Wort zu, und alle vier stellten sich neben die Kutsche. Er spannte sie auch ein, die K\u00f6nigstochter setzte sich auch voller Wut in die Kutsche, lie\u00df sich dorthin fahren, wo die H\u00e4upter der neunundneunzig Kutscher auf den Eisenpf\u00e4hlen steckten. Sie h\u00e4tte ihn auch gepf\u00e4hlt, aber die Pferde waren schon verwandelt. Da kehrte sie um und jagte nach Hause in den K\u00f6nigshof. Nun fragt der K\u00f6nig: \u00bbWas ist, meine liebe Tochter?\u00ab Da sagt sie, es sei nicht m\u00f6glich, denn die Pferde seien nicht dieselben. Denn bisher waren die vier Pferde vier Teufel gewesen, doch jetzt hatte das Fohlen sie verwandelt. Ger\u00e4t der K\u00f6nig jetzt in Wut, l\u00e4sst ihn vor sich rufen, spricht zum Kutscher: \u00bbAuf der Stelle bring mir jenes goldhaarige M\u00e4dchen zur Gemahlin, die dir eine Woche lang in meinem Stall an Kerzen statt geleuchtet hat!\u00ab \u00bbWoher sollte ich sie holen, erlauchter K\u00f6nig? Als ich mit meinem Fohlen kam, fand ich es auf dem Wege.\u00ab \u00bbWenn du sie nicht herbeischaffst, lasse ich dir morgen fr\u00fch den Kopf vom Henker abschlagen.\u00ab Da h\u00e4rmte er sich, ging traurig in den Stall. Fragt sein Fohlen: \u00bbWarum gr\u00e4mst du dich, mein Herr?\u00ab \u00bbWie sollte ich mich nicht gr\u00e4men, vernimm, was der K\u00f6nig gebot.\u00ab \u00bbGr\u00e4m dich nicht,\u00ab sagte es, \u00bbsag nur dem K\u00f6nig: &#8218;Gebt mir f\u00fcnf saubere, neue Eisenhalfter!&#8216; denn ich kenne\u00ab, so sagte es, \u00bbin der und der Ein\u00f6de eine Eisenhexe, die hat eine sch\u00f6ne, goldhaarige Tochter. Wir werden sie als Gemahlin herholen, er soll sie nur meistern.\u00ab Das sagte das Fohlen seinem Herrn. Der J\u00fcngling geht hinein und sagt dem K\u00f6nig, dass er f\u00fcnf Eisenhalfter brauche. Der K\u00f6nig gab sie ihm auch sogleich. Er f\u00fchrte das Fohlen hinaus, und aus ihm wurde sein Ross wie vordem. Das Fohlen machte sich auf in die Ein\u00f6de, wo die Eisenhexe war. Nur von weitem zeigte es dem J\u00fcngling die Wohnung der Eisenhexe. Es sprach: \u00bbJetzt werde ich zu einem kleinen Eselchen, struppig, langhaarig, garstig. Du wirst zu einem sehr, sehr h\u00e4sslichen Zigeuner, einem alten Mann, mit bis zum G\u00fcrtel reichendem Bart. Diese f\u00fcnf Eisenhalfter h\u00e4nge jetzt \u00fcber deinen Arm, und dies ruppige, elende, haarige Eselchen f\u00fchre just vor der Eisenhexe T\u00fcr. Dort bei der T\u00fcr bleib stehen und \u00f6ffne die T\u00fcr. Sag ihr: &#8218;Guten Morgen, Gro\u00dfmutter!&#8216; Aber sprich also, denn sonst schl\u00e4gt sie dir den Kopf ab. Sag: &#8218;Zehn Jahre sind&#8217;s, seit ich hier herumirre mit diesem Esel in dieser Ein\u00f6de, und all meine Vorr\u00e4te habe ich verzehrt, und hier habe ich f\u00fcnf Eisenhalfter, die w\u00fcrde ich jemandem verkaufen, wenn er mir daf\u00fcr ein St\u00fcckchen Brot g\u00e4be.&#8216; &#8211; Denn sie hat kein Brot, doch die f\u00fcnf Eisenhalfter braucht sie, sie muss sie kaufen, und wenn&#8217;s ans Leben ginge. Sie wird sagen: &#8218;Na, mein Sohn, warte ein bisschen, denn ich habe keins, aber ich hole es gleich, wenn du wartest.&#8216; Dann wird sie das Spulrad vor holen, davor eine Eisenhechel, zur T\u00fcr hinausgehen, sich auf die Radnabe setzen und sich auf den Weg in die Stadt machen, Brot zu holen. Jetzt, wenn sie fortgegangen ist, wird sich eine Stubent\u00fcr \u00f6ffnen, du tritt durch jene Stubent\u00fcr, und in der Ecke bei der T\u00fcr wird ein goldhaariges M\u00e4dchen auf einem Lager ruhen. Doch wenn sie dich erblickt, dass du ein Fremder bist, wird sie sogleich sich \u00fcberspringen, und aus ihr wird eine gro\u00dfe Kr\u00f6te. Doch du f\u00fcrchte dich nicht, packe die Kr\u00f6te beim Bein, stecke sie in dein Hemd, dann zur T\u00fcr hinaus und eile nur, bis du bei mir aufsitzen kannst.\u00ab So machte es auch der alte Zigeuner. Als er auf dem elenden, haarigen Esel sa\u00df, da war auch schon die Frau mit dem Spulrad dort. Sie bringt das Brot, merkt, dass die T\u00fcr offen steht. Sie schaut hinein, da ist kein goldhaariges M\u00e4dchen. Da merkte sie, dass jener der Dieb gewesen war. Sie riss die Eisenhechel vom Spulrad, warf sie ihnen nach, doch sie erreichte sie nicht mehr mit der Hechel, denn sie waren schon weit voran. \u00bbWird nochmals dein Weg hierher sein oder nur einmal im Leben?\u00ab So rief der J\u00fcngling vom Pferde zur\u00fcck: \u00bbJa, noch einmal, alte Vettel!\u00ab Na, lassen wir schon die Alte da zu Hause. Als sie bei des K\u00f6nigs Tor anlangten, wurde aus dem Reitpferd wieder nur ein Fohlen, wie es vordem gewesen war. Und der J\u00fcngling f\u00fchrte das Fohlen hinein durch des K\u00f6nigs T\u00fcr. Oben auf der Galerie stand der K\u00f6nig; er rief: \u00bbWo ist das goldhaarige M\u00e4dchen, Kutscher?\u00ab Da griff er in sein Hemd, zog jene gro\u00dfe Kr\u00f6te aus seinem Busen. Der K\u00f6nig schaut von der Galerie, die Kr\u00f6te aber springt herab von des Kutschers Hand auf die Erde, vor des K\u00f6nigs Augen, und aus ihr wird eine sch\u00f6ne, wei\u00dfe Taube. Dann flog die Taube auf das Dach der Galerie, wo der K\u00f6nig stand. Da sprach der K\u00f6nig: \u00bbFliege herab, mein sch\u00f6nes Herzlieb!\u00ab Da h\u00fcpfte die Taube auch hinab, und siehe, aus ihr wurde ein sch\u00f6nes, goldhaariges M\u00e4dchen; sie zeigte, dass sie jenes goldhaarige M\u00e4dchen sei. Als der K\u00f6nig sie erblickte, da barst schier sein Herz; doch jetzt wurde das goldhaarige M\u00e4dchen wieder zur Taube und flatterte auf das Dach der Galerie. Da sprach der K\u00f6nig nochmals:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbFliege herab, mein sch\u00f6nes Herzlieb!\u00ab \u00bbNein, so lange nicht &#8230;\u00ab sagte die Taube. Sprach der K\u00f6nig: \u00bbWie lange?\u00ab \u00bbWo ich ruhte, \u00fcber meinem Haupt in einem K\u00e4fig sind Psalmenv\u00f6gel, sie singen wie die Orgel, bis du sie hast herbringen lassen.\u00ab Und da sprach der K\u00f6nig: \u00bbWer br\u00e4chte sie her?\u00ab \u00bbDer mich gebracht, der bringt auch sie her, wenn er auf sein Pferd h\u00f6rt.\u00ab Nun, da befahl er wieder seinem Kutscher, fortzugehen und jene V\u00f6gel zu holen, von dort, wo das M\u00e4dchen geruht hatte, \u00fcber ihrem Haupt. Weinte der Kutscher, wie sollte er da hingehen? Hatte ihn ihre Mutter doch schon jetzt fast totgeschlagen mit der Hechel! Doch er musste, denn der K\u00f6nig sagte, wenn nicht, l\u00e4sst er ihm den Kopf abschlagen. Geht der Kutscher, erz\u00e4hlt es sehr traurig dem Fohlen. \u00bbGr\u00e4me dich nicht, Herr\u00ab, sagt das. \u00bbSag dem K\u00f6nig, er soll jetzt nur f\u00fcnf neue Kissenbez\u00fcge geben, die solle er nur geben.\u00ab Na, der K\u00f6nig gab auch f\u00fcnf neue Kissenbez\u00fcge. Und er f\u00fchrte das Fohlen hinaus und sa\u00df auf, und das Ross trug ihn hin; denn es war drau\u00dfen ein edles Ross aus ihm geworden. Als sie wieder in der Ein\u00f6de angelangt waren, sprach das Fohlen: \u00bbNun hab wohl Acht auf meine Rede! Aus mir wird jetzt ein elendes kleines Pferdchen, langhaarig, mit Knoten wie ein Brot an der Seite und am Bein. Aus dir wird ein sehr, sehr alter, wei\u00dfb\u00e4rtiger M\u00fcller. Kaum dass du noch reden kannst, so alt wirst du sein. F\u00fchre mich dort vor, und h\u00e4nge die f\u00fcnf neuen Kissenbez\u00fcge \u00fcber den Arm. Du kennst jetzt die T\u00fcr, \u00f6ffne sie wieder, sprich: &#8218;Guten Morgen, Gro\u00dfmutter.&#8216; Wird die Alte sagen: &#8218;Sch\u00f6nen Dank, mein Sohn! Doch dein Gl\u00fcck, dass du Gro\u00dfmutter gesagt hast. Was f\u00fchrt dich hierher, wohin von euch selbst der Vogel nicht kommen darf?&#8216; Du sprich: &#8218;Seit zehn Jahren mahle ich hier am Waldessaum mit diesem elenden, krummen Pferd. Alles ist mir ausgegangen, ich habe nichts mehr, nur diese f\u00fcnf neuen Kissenbez\u00fcge. Die w\u00fcrde ich verkaufen, und sei&#8217;s auch, dass mir jemand daf\u00fcr nur etwas Maismehl g\u00e4be, denn ich bin so verhungert, dass ich kaum stehen kann.&#8216; &#8211; &#8218;Na gut&#8216;, sagt sie, &#8218;ich habe kein Mehl, aber ich hole es gleich aus der Stadt.&#8216; Doch du wei\u00dft jetzt schon, wie&#8217;s gemacht werden muss. Wenn sie fort ist, geh wieder durch die T\u00fcr, dort, wo das M\u00e4dchen geruht hat, ist der K\u00e4fig mit den V\u00f6geln. Nimm ihn herunter und komm heraus, k\u00fcmmere dich um weiter nichts.\u00ab Als er den K\u00e4fig heruntergenommen hatte und schon hinausgekommen war, sich aufs Pferd gesetzt hatte, siehe, da war auch schon die Eisenhexe mit dem Mehl heimgekehrt und hatte gemerkt, dass auch die V\u00f6gel gestohlen waren. Wieder schleuderte sie die Eisenhechel nach. Sie traf des Pferdes Seite ein wenig, aber nicht stark. Sie schrie: \u00bbWird nochmals im Leben dein Weg hierher sein, vielleicht gar in Katzengestalt?\u00ab Der alte M\u00fcller schrie zur\u00fcck: \u00bbNimmermehr, alte Vettel!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Damit waren sie schon bei des K\u00f6nigs Tor angelangt. Als sie sie hineintrugen, sangen die V\u00f6gel wie die Orgel in des K\u00f6nigs Hof. Nun, jetzt sprach der K\u00f6nig zur Taube auf der Galerie: \u00bbFliege herab, mein sch\u00f6nes Herzlieb, denn auch das ist geschehen.\u00ab Spricht die Taube: \u00bbNein, so lange nicht &#8230;!\u00ab \u00bbWie lange?\u00ab erwiderte der K\u00f6nig. \u00bbAm roten Meer habe ich ein Gest\u00fct; bis du das hast herbringen lassen.\u00ab \u00bbWer br\u00e4chte das?\u00ab erwiderte der K\u00f6nig. \u00bbWer mich gebracht, der bringt auch das, wenn er auf sein Pferd h\u00f6rt.\u00ab Nun, da lie\u00df also der K\u00f6nig den Kutscher wieder rufen und befahl ihm, am roten Meere w\u00e4re ein Gest\u00fct, das sollte er bringen, wenn nicht, lasse er ihm den Kopf abschlagen. Er sagte, nie habe er Kunde vom roten Meere vernommen. Wieder ging er traurig in den Stall. Fragt sein Fohlen: \u00bbWarum gr\u00e4mst du dich, mein Herr?\u00ab \u00bbH\u00f6r, was der K\u00f6nig gebot.\u00ab \u00bbGr\u00e4m dich nicht,\u00ab sagt das Fohlen. \u00bbSag, er solle neunundneunzig B\u00fcffelstiere t\u00f6ten lassen und deren H\u00e4ute alle uns geben.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Also das tat der K\u00f6nig auch und \u00fcbergab ihnen die H\u00e4ute der neunundneunzig B\u00fcffelstiere. Drauf zogen sie aus; das Fohlen trug ihn von dannen; es wusste, wo jenes Gest\u00fct war. Doch als sie beim roten Meer angelangt waren, packte der Kutscher all jene H\u00e4ute auf sein Fohlen, wie wenn sie alle drauf geschlagen gewesen w\u00e4ren, sch\u00f6n der Reihe nach. Nun, dann sagte das Fohlen seinem Herrn, er solle ein Weilchen am Strand bleiben. Das Fohlen schreitet vor, wiehert eins am Gestade, h\u00f6rt der Hengst vom Gest\u00fct, jener wilde Hengst, ein fremdes Schnauben. Drauf umkreist er das Gest\u00fct in tobender Wut. Er l\u00e4uft zum Gestade, sieht das fremde Pferd dort stehen, schl\u00e4gt dreimal mit den F\u00fcssen darauf los, dieser wilde Hengst. Schon drei\u00dfig B\u00fcffelh\u00e4ute hat er heruntergerissen mit den drei Schl\u00e4gen. Drauf geht er zur\u00fcck und umkreist das ganze Gest\u00fct. Und noch einmal schl\u00e4gt er dreimal aus und rei\u00dft noch drei\u00dfig H\u00e4ute herunter. Und kehrt wieder zur\u00fcck und umkreist das Gest\u00fct. Drauf macht sich das ganze Gest\u00fct auf. Als es angelangt ist, schl\u00e4gt er noch dreimal aus, und wieder sind drei\u00dfig heruntergerissen. Drauf machte sich das Fohlen auf den Weg und sagt seinem Herrn, er solle aufsitzen. Er sitzt auch auf, doch schon l\u00e4uft das ganze Gest\u00fct ihnen nach. Einmal schaut der Knabe zur\u00fcck vom R\u00fccken des Pferdes und spricht: \u00bbWehe, mein Pferd, sie holen uns gleich ein. Was sollen wir machen?\u00ab \u00bbWirf das Goldhaar herab, das wir gefunden haben,\u00ab sprach das Fohlen, \u00bbdaraus wird hinter uns ein gro\u00dfer, verkr\u00fcppelter, buschiger Wald werden. Bis sie sich da herausgeschlagen haben, sind wir schon weit vorbei.\u00ab So geschah&#8217;s auch. Bis sie sich da heraus gearbeitet hatten, waren sie schon ein gutes St\u00fcck vorw\u00e4rts gekommen. Einmal schaut er wieder zur\u00fcck: \u00bbWehe, mein Pferd, sie holen uns gleich ein!\u00ab \u00bbGr\u00e4m dich nicht! Wirf jenes goldene Hufeisen herab, das wir gefunden haben, draus wird hinter uns ein gro\u00dfer Felsen werden. Bis sie den niedergerissen, sind wir weiter gezogen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Nun hatten sie den auch schon niedergerissen, und pl\u00f6tzlich holten sie sie wieder fast ein. Er schaut zur\u00fcck und sagt: \u00bbWehe, mein Pferd, fast holen sie uns wieder ein.\u00ab \u00bbGr\u00e4m dich nicht! Wirf das Goldtuch herab, draus wird ein gro\u00dfer Eichwald werden. Bis sie den niederrei\u00dfen, erreichen wir just des K\u00f6nigs Tor.\u00ab Nun, und jetzt sagt es: \u00bbIch gehe in den Stall, du bleibst dort bei dem Torpfosten. Wenn das ganze Gest\u00fct hinter mir hereingekommen ist, mach die kleine T\u00fcr zu und tritt vor die Galerie.\u00ab So geschah&#8217;s auch. Als das ganze Gest\u00fct drinnen war, da sprach der K\u00f6nig zur Taube auf dem Dach der Galerie: \u00bbFliege herab, mein sch\u00f6nes Herzlieb; denn auch das ist geschehen.\u00ab \u00bbNein, so lange nicht &#8230;\u00ab, sprach die Taube. \u00bbWie lange?\u00ab entgegnete der K\u00f6nig. \u00bbBis du nicht dieses Gest\u00fct in einen Bottich hast melken lassen.\u00ab \u00bbWer sollte das melken?\u00ab entgegnete der K\u00f6nig. Sprach die Taube: \u00bbWer mich herbrachte, der vollbringt auch das, wenn er auf sein Pferd h\u00f6rt.\u00ab Gebot jetzt der K\u00f6nig dem Kutscher, jenes Gest\u00fct in einen Bottich zu melken auf des K\u00f6nigs Hof. Der Kutscher erschrak, denn jenes waren alles wilde Tiere. Sehr traurig geht er in den Stall, fragt ihn wieder sein Fohlen: \u00bbWas betr\u00fcbst du dich?\u00ab \u00bbWie sollte ich mich nicht betr\u00fcben! H\u00f6r, was der K\u00f6nig gebot, ich soll dieses Gest\u00fct in einen Bottich melken.\u00ab \u00bbDas ist nicht schlimm\u00ab, sagt das Fohlen, \u00bbsag ihm nur, er solle den Bottich inmitten des Zaunes aufstellen lassen.\u00ab Der K\u00f6nig lie\u00df auch den Bottich hinausstellen. Da steckte das Fohlen den Kopf zur Stallt\u00fcr hinaus, wieherte eins, da kam das ganze Gest\u00fct, St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck zum Bottich. Der Kutscher melkte auch jedes einzelne. Die Milch kochte in dem Bottich wie das Wasser im Kessel. Als das vollbracht war, sprach der K\u00f6nig zur Taube oben auf dem Dach der Galerie: \u00bbFliege herab, mein sch\u00f6nes Herzlieb, denn auch das ist geschehen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sprach: \u00bbSo lange nicht &#8230;\u00ab \u00bbWie lange?\u00ab entgegnete der K\u00f6nig. \u00bbBis, wer sie melkte, auch in dieser Milch badet.\u00ab Wohlan, jetzt befiehlt der K\u00f6nig dem Kutscher, das m\u00fcsse er nun auch tun. Ach, wie weint der Kutscher, dass er darin baden soll. Doch er muss, sagt der K\u00f6nig, es geht auf Leben und Tod, denn wenn nicht, l\u00e4sst er ihm den Kopf abschlagen. Er geht wieder bek\u00fcmmert in den Stall. Fragt das Fohlen: \u00bbWarum betr\u00fcbst du dich?\u00ab \u00bbWie sollte ich mich nicht betr\u00fcben! H\u00f6r, was der K\u00f6nig gebot.\u00ab \u00bbGr\u00e4m dich nicht um den K\u00f6nig! Sag nur dem K\u00f6nig: gestattet, dass auch mein Fohlen drau\u00dfen sei und meinen Tod schaue!\u00ab Nun, w\u00e4hrend der Kutscher die Kleider ablegte, schaute das Fohlen hinein in die Milch, in den Bottich, und brach abertausend Eisst\u00fccke hinein in den Bottich, dass die Milch sich gelinde abk\u00fchlte. Als er dann gebadet hatte, da war er ein noch siebenmal sch\u00f6nerer Bursche, als er vordem gewesen war. Nun sprach der K\u00f6nig wieder zur Taube auf der Galerie: \u00bbFliege herab, mein sch\u00f6nes Herzlieb! denn auch das ist geschehen.\u00ab Sie sprach: \u00bbSo lange nicht &#8230;\u00ab \u00bbWie lange?\u00ab \u00bbBis du auch in dieser Milch badest.\u00ab Da sagte der K\u00f6nig dem Kutscher, er solle sein Fohlen herauslassen, dass es ihm auch zuschaue. Er dachte, er w\u00fcrde auch solch sch\u00f6ner Bursche werden wie der es herbeigeschafft. Doch w\u00e4hrend der K\u00f6nig sich entkleidete, sein Gewand ablegte, schaute das Fohlen in den Bottich, brach so viel Feuer hinein, tausendmal so viel als Milch drinnen war. Wie der K\u00f6nig den Fu\u00df hineinsetzte, verbrannte er mit Haut und Haaren, wandelte sich zu Milch. Da h\u00fcpfte die Taube herab vom Dach der Galerie, als auch das geschehen war. Sie wandelte sich zu einem goldhaarigen M\u00e4dchen, wie sie vordem gewesen war. Nun umarmte sie den Burschen, der sie geholt, den Kutscher:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch bin dein, du bist mein\u00ab, sprach sie, \u00bbder Tod und die Glocke nur soll uns scheiden.\u00ab Dann wurden seine elf Br\u00fcder Kutscher bei ihm, und er blieb dort mit dem goldhaarigen M\u00e4dchen im k\u00f6niglichen Schloss, und die zw\u00f6lf M\u00e4dchen, des K\u00f6nigs T\u00f6chter, wurden M\u00e4gde bei ihm alle zw\u00f6lf. Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie auch jetzt dort. Seine Br\u00fcder heirateten niemals.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85,149,133],"tags":[],"class_list":["post-983","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-maerchen","category-ungarn","category-maerchen-weltweit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/983","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=983"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/983\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4246,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/983\/revisions\/4246"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=983"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=983"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=983"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}