{"id":965,"date":"2017-12-12T01:47:07","date_gmt":"2017-12-12T00:47:07","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=965"},"modified":"2026-01-26T02:12:30","modified_gmt":"2026-01-26T01:12:30","slug":"der-frosch-mit-dem-edelstein-im-kopf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-frosch-mit-dem-edelstein-im-kopf\/","title":{"rendered":"Der Frosch mit dem Edelstein im Kopf"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Gr\u00e4fin Valeska Bethusy-Huc<\/strong><br>Mitten im Walde lag eine Wiese, und inmitten der Wiese war ein Sumpf mit braunen Wasserlachen und alten Weidenknorren am Rande. Das war das Reich des Froschk\u00f6nigs. In den Maienn\u00e4chten, wenn der Mond wie eine rote Kugel \u00fcber dem Walde aufstieg, hatten die Fr\u00f6sche gro\u00dfes Konzert. Der J\u00e4gerlehrling, der vor\u00fcberging, sagte: \u00bbDas ist ja ein schreckliches Gequake!\u00ab Er verstand es eben nicht besser. Der Froschk\u00f6nig wusste, dass seine Untertanen sehr gute S\u00e4nger waren, und dass er sogar einige K\u00fcnstler ersten Ranges darunter hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Darum sa\u00df er auch jeden Abend mit der K\u00f6nigin und dem Kronprinzen auf dem gr\u00f6\u00dften Weidenknorren und h\u00f6rte den Ges\u00e4ngen der Fr\u00f6sche zu. Und dabei sahen er und die K\u00f6nigin immer abwechselnd den Kronprinzen an; denn sie warteten darauf, dass er etwas sagen und seine Meinung \u00e4u\u00dfern w\u00fcrde. Ein paar mal machte er auch sein gro\u00dfes Maul, das seine Mutter wundersch\u00f6n fand, weit auf \u2013 aber er sagte nicht einmal: \u00bbQuak!\u00ab \u2013 er g\u00e4hnte ganz einfach. Und pl\u00f6tzlich machte er einen Satz und sprang ins Wasser.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbEr ist so originell,\u00ab sagte die Froschk\u00f6nigin, \u00bber ist anders als alle anderen Fr\u00f6sche, er ist durch und durch bedeutend.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbJa,\u00ab erwiderte der Froschk\u00f6nig, \u00bbund ich denke auch daran, ihn noch bei meinen Lebzeiten zu meinem Nachfolger zu machen; denn ich bin alt, und das Regieren macht mir keinen Spa\u00df mehr.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDas ist ein guter Gedanke!\u00ab rief die K\u00f6nigin. \u00bbAlle Fr\u00f6sche auf der Welt werden dich daf\u00fcr preisen; denn je j\u00fcnger ein so bedeutender Frosch, wie unser Sohn, zur Regierung kommt, um so besser wird es f\u00fcr unser Reich und darum auch f\u00fcr die ganze Welt sein; einen K\u00f6nig, der einen Edelstein im Kopf hat, den hat es noch nicht gegeben.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der alte Froschk\u00f6nig seufzte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbJa, ich habe keinen Edelstein im Kopf; denn es passiert nur alle 500 Jahre einmal, dass ein Frosch einen Edelstein im Kopf tr\u00e4gt \u2013 und da mein Sohn ihn hat, konnte ich ihn nicht haben. Das ist klar!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich h\u00e4tte er seine Frau gern gefragt, woher sie es denn wisse, dass der Prinz den Edelstein hatte, aber es kam ihm immer vor, als ob er sich mit dieser Frage etwas vergeben w\u00fcrde und deshalb unterlie\u00df er sie. Schon als der Froschprinz noch eine Kaulquappe war, hatte seine Mutter gesagt, dass er den Edelstein h\u00e4tte, denn es waren gerade 500 Jahre her, dass der letzte Frosch mit einem Edelstein im Kopf gelebt hatte. Und dann hatten es die Ministerfrauen erfahren, die Minister waren zur feierlichen Gratulationscour gekommen, und der K\u00f6nig hatte ein Volksfest gegeben, beim dem es allen Fr\u00f6schen im ganzen Reich verk\u00fcndet wurde: \u00bbDer Kronprinz hat einen Edelstein im Kopfe!\u00ab Und nun wussten es alle, und als der Prinz aufh\u00f6rte, eine Kaulquappe zu sein, erfuhr er es auch. Er trug den Kopf so hoch, wie ein Frosch den Kopf nur tragen kann; es ist auch keine Kleinigkeit, wenn man das Bewusstsein hat, etwas zu besitzen, dass nur alle 500 Jahre einmal verliehen wird. Aber trotzdem langweilte der Prinz sich oft ganz abscheulich, und dagegen kannte er nur ein Mittel; er besuchte den kleinen gr\u00fcnen Frosch, der auf der anderen Seite des Sumpfes wohnte und der sein Jugendgespiele war. Als er so unversehens in das Wasser gesprungen war, hatte er gerade wieder Sehnsucht nach dem kleinen gr\u00fcnen Frosch bekommen, und da er sich niemals irgend einen Zwang antat, so war er zu ihm geschwommen. Der gr\u00fcne Frosch war aber nicht zu Hause, der Prinz musste warten, und seine Laune wurde dadurch noch schlechter, als sie ohnedem war.<\/p>\n\n\n\n<p>Endlich kam der gr\u00fcne Frosch.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWo treibst du dich herum?\u00ab schrie der Prinz ihn an, \u00bbich komme beinahe um vor Langeweile und du h\u00fcpfst spazieren!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWenn du dich langweilst, solltest du einmal mit mir ein St\u00fcckchen in die weite Welt hinaus wandern\u00ab; sagte der gr\u00fcne Frosch. \u00bbDa gibt es allerlei zu sehen und zu h\u00f6ren \u2013 \u2013 \u2013\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbUnsinn,\u00ab quakte der Prinz, \u00bbdie weite Welt ist nur der Rahmen f\u00fcr unseren Sumpf, und ich kann meine Zeit nicht damit verlieren, dass ich mich mit etwas so Nebens\u00e4chlichem wie deine \u203aweite Welt\u2039 befasse.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbO,\u00ab meinte der gr\u00fcne Frosch, \u00bbich habe schon manchmal gedacht, dass unsere Gef\u00e4hrten sich irren. Vielleicht ist unser Sumpf gar nicht der Mittelpunkt der Welt und alles andere nur \u203aRahmen\u2039 daf\u00fcr.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Gew\u00f6hnlich unterhielt es den Prinzen, wenn der gr\u00fcne Frosch solche Absonderlichkeiten redete, aber heute stand ihm die Laune nicht danach.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSchweig still,\u00ab schrie er, \u00bbdu redest puren Hochverrat, und ich m\u00fcsste dich eigentlich wegen gemeingef\u00e4hrlicher Gedanken anzeigen. Aber ich will dir noch einmal gn\u00e4dig verzeihen, wenn du versprichst, solche verbotenen Gedanken nie wieder zu haben. Wir und unser Sumpf, wir sind der Mittelpunkt der Welt \u2013 punktum! Und dann habe ich noch einen anderen Grund zur Unzufriedenheit: dir leuchten die Augen so, dass es gr\u00e4sslich anzusehen ist. Das musst du dir abgew\u00f6hnen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der gr\u00fcne Frosch verneigte sich h\u00f6flich, um anzudeuten, dass er sein M\u00f6glichstes tun w\u00fcrde, und der Prinz fuhr unzufrieden fort: \u00bbJa, du musst dir das entschieden abgew\u00f6hnen, denn neulich hat die j\u00fcngste Ministerfrau gesagt, deine Augen seien so merkw\u00fcrdig, dass man glauben k\u00f6nnte, du h\u00e4ttest auch einen Edelstein im Kopf, der durch deine Augen hervorleuchtete. Das muss ich mir aber sehr ernstlich verbitten, denn den Edelstein habe ich, wie du wei\u00dft, und er kommt nur einmal alle 500 Jahre vor!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbEs tut mir leid, dass ich deine Unzufriedenheit erregt habe,\u00ab sagte der gr\u00fcne Frosch, \u00bbaber die j\u00fcngste Ministerfrau spricht manchmal mehr, als sie verantworten kann. Wenn meine Augen heut zu gl\u00e4nzend waren, so kommt es wohl daher, dass ich eine gro\u00dfe Freude gehabt habe!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWas?\u00ab quakte der Prinz, \u00bbund das sagst du mir erst jetzt? Ich langweile mich zum Sterben, und du erlebst eine Freude und erz\u00e4hlst sie mir nicht einmal?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDu wolltest von der weiten Welt nichts h\u00f6ren, und die Freude hatte ich doch da drau\u00dfen!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNun erz\u00e4hle endlich, was hast du erlebt?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und der gr\u00fcne Frosch erz\u00e4hlte:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbAuf der anderen Seite des Waldes stehen B\u00fcsche von wilden Rosen mit vielen lichten rosa Bl\u00fcten. Dort wohnt eine Prinzessin, die ist nicht viel gr\u00f6\u00dfer als wir und tr\u00e4gt ein einfaches, braunes Kleid. Aber sie hat Fl\u00fcgel, sie fliegt von einem Rosenbusch zum anderen und hoch hinauf, wohl bald bis in den Himmel. Das sch\u00f6nste aber an ihr ist, dass sie singen kann\u00ab \u2013<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDas kann ich auch, wenn ich will\u00ab, rief der Froschprinz, aber der gr\u00fcne Frosch erz\u00e4hlte weiter:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSie singt so wundersam, wie ich es nie vorher geh\u00f6rt habe. Das Herz wird einem weit und froh dabei. Und als sie aufh\u00f6rte, da habe ich sie gebeten: \u203aSinge noch einmal!\u2039 Da hat sie mir zugenickt und hat weiter gesungen. Ja, das hat sie getan, und das hat mich gl\u00fccklich gemacht, denn das zweite Mal hat sie nur f\u00fcr mich gesungen!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Prinzen tat es nun eigentlich leid, dass er gesagt hatte, er wolle nicht in die weite Welt hinaus; da es nun einmal geschehen war, sagte er:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDu bist ein Schw\u00e4rmer, und das Singen wird wohl nicht sch\u00f6ner gewesen sein, als wir es hier alle Tage h\u00f6ren k\u00f6nnen. Was aber das Fliegen der Prinzessin betrifft, so lege ich darauf gar keinen Wert. Was n\u00fctzen einem Fl\u00fcgel? Ein paar ordentliche Schwimmh\u00e4ute sind mir da schon lieber. Und nun will ich zur\u00fcck zu meinen Eltern, das Unken-Solo hat schon angefangen, da ist das Konzert bald zu Ende, und mein Vater hat gesagt, dass er mich noch in einer wichtigen Angelegenheit sprechen wollte, ja, unser einer hat immer irgend etwas Wichtiges vor!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Damit sprang der Froschprinz wieder ins Wasser, denn er fand, dass der gr\u00fcne Frosch heut nicht so am\u00fcsant war wie sonst, und dass der ganze Besuch sich nicht verlohnt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er bei seinen Eltern ankam, war das Konzert gerade zu Ende, und K\u00f6nig und K\u00f6nigin zogen sich in ihr Privatsumpfloch zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDu kannst uns begleiten,\u00ab sagte der K\u00f6nig zu seinem Sohne, \u00bbich habe noch mit dir zu sprechen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und da sagte er ihm, dass der Prinz fortan K\u00f6nig sein und regieren solle, w\u00e4hrend das alte K\u00f6nigspaar in ein Auszugs-Sumpfloch, das schon lange f\u00fcr diesen Zweck hergerichtet worden war, \u00fcbersiedeln wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch hab einen Edelstein im Kopf, folglich ist es auch ganz nat\u00fcrlich und selbstverst\u00e4ndlich, dass ich schon bei Lebzeiten meines Vaters K\u00f6nig werde, ja, eigentlich ist mein Vater auch geradezu verpflichtet, mir die Regierung zu \u00fcbergeben.\u00ab So dachte der Prinz, und darum bedankte er sich auch nicht erst lange, sondern sagte: \u00bbJa, es ist gut\u00ab \u2013 und damit war es gut.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbEr macht eben alles anders als andere Fr\u00f6sche, er ist sehr bedeutend und sehr originell\u00ab, bemerkte seine Mutter, und der alte K\u00f6nig sagte gar nichts und kroch in sein Sumpfloch.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Prinz aber stieg auf die \u00e4u\u00dferste Spitze des Weidenknorrens, unter dem er wohnte, sah \u00fcber den Sumpf hin und dachte:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbJetzt ist das mein Reich, der Himmel mit den Sternen und der Wald mit den B\u00e4umen, das ist alles nur meine Umgebung. Ja, jetzt bin ich der Mittelpunkt der Welt, und jetzt muss ich etwas sehr Bedeutendes tun.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Aber so gro\u00dfe Lust er auch dazu hatte \u2013 es wollte ihm nichts einfallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Pl\u00f6tzlich dachte er daran, dass ein K\u00f6nig doch zuallererst eine K\u00f6nigin haben m\u00fcsste. Der Gedanke gefiel ihm so gut, dass er einen Sprung von dem Weidenknorren bis in das Wasser machte. Da die Fr\u00f6sche aber ohnehin kaltes Blut haben, k\u00fchlte ihn das gar nicht ab, und ebenso aufgeregt, wie er von dem Weidenknorren hinabgesprungen war, kroch er wieder hinauf.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbJa, eine K\u00f6nigin muss ich haben, eine K\u00f6nigin muss ich ganz gewiss haben\u00ab, sagte er sich immer wieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Er dachte an alle Froschfr\u00e4ulein, die er kannte, ja er dachte sogar an die Ministerfrauen, denn f\u00fcr einen K\u00f6nig gab es keine Hindernisse. Aber sie kamen ihm alle so allt\u00e4glich vor, es war so gar nichts Besonderes dabei, wenn er eine von ihnen heiratete. Und er war doch etwas Besonderes \u2013 er hatte einen Edelstein im Kopfe und h\u00e4tte von Rechts wegen von seiner k\u00fcnftigen Frau etwas \u00c4hnliches verlangen k\u00f6nnen. Und da es unter den Fr\u00f6schen so etwas nicht gab, fiel ihm pl\u00f6tzlich die fliegende Prinzessin ein, die so sch\u00f6n singen sollte. Am Ende hatte die gar einen Edelstein in der Kehle. Das Herz schlug dem Prinzen so stark, dass man es durch seinen braunen Leib h\u00e4tte sehen k\u00f6nnen, wenn einer dagewesen w\u00e4re, um das zu beobachten. Er war aber ganz allein da, und auf das Herz legte er keinen Wert, er dachte nur:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNein, wie bin ich klug, und was habe ich f\u00fcr gro\u00dfartige Gedanken! Auf so etwas w\u00e4re kein anderer verfallen als ich, und nun wei\u00df ich auch, dass das ganz gewiss das richtige f\u00fcr mich ist \u2013 ich muss die Prinzessin mit den Fl\u00fcgeln haben.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Er schwamm gleich hin\u00fcber zu seinem Freunde, dem gr\u00fcnen Frosch, um es ihm zu sagen. Aber der war wieder nicht zu Hause. Da \u00e4rgerte der Prinz sich so sehr, dass er ganz m\u00fcde davon wurde und einschlief. Beim ersten Morgengrauen weckte ihn der gr\u00fcne Frosch.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWas sehe ich, mein Prinz,\u00ab rief er, \u00bbdu bist hier zu dieser Stunde und wartest auf mich?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der Prinz ermunterte sich schnell.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDu hoffnungsloser Herumtreiber,\u00ab schrie er, \u00bbich werde dich anbinden lassen, damit du nicht immer davonl\u00e4ufst, denn von heut ab \u00fcbernehme ich die Regierung und kann tun, was ich will!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbVerzeihe nur,\u00ab bat der gr\u00fcne Frosch, \u00bbich war wieder bei den Rosenb\u00fcschen und habe der Prinzessin zugeh\u00f6rt, denn des Nachts singt sie am sch\u00f6nsten.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Prinz das h\u00f6rte, verga\u00df er seinen Zorn.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWegen der Prinzessin bin ich eben zu dir gekommen,\u00ab sagte er, \u00bbdu musst mich zu ihr f\u00fchren, so schnell wie m\u00f6glich.\u00ab \u00bbDas geht jetzt nicht, denn jetzt schl\u00e4ft sie,\u00ab sagte der gr\u00fcne Frosch, \u00bbaber nach Sonnenaufgang\u00ab \u2013<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNach Sonnenaufgang habe ich keine Zeit, da will der K\u00f6nig mir seine Krone aufsetzen \u2013 ja, du kannst mich von nun an schon Majest\u00e4t nennen und hast dich genau nach meinen Befehlen zu richten, denn was ein K\u00f6nig befiehlt, dass muss unter allen Umst\u00e4nden geschehen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der gr\u00fcne Frosch verneigte sich wieder sehr tief und sagte:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch will der erste sein, der Eurer Majest\u00e4t huldigt, aber den Schlaf der Prinzessin d\u00fcrfen wir doch nicht st\u00f6ren.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Augenblick t\u00f6nte Unkenruf \u00fcber den Sumpf hin, und ein rotgoldener Schein flammte \u00fcber dem Walde auf.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNa, da haben wir&#8217;s,\u00ab rief der Prinz, \u00bbdie Unken l\u00e4uten schon zur Kr\u00f6nung, nun habe ich keine Zeit mehr f\u00fcr meine Privatangelegenheiten, aber ich werde das gr\u00fcndlich nachholen!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Damit ruderte er davon, dem Weidenknorren zu, der als K\u00f6nigsschlo\u00df eingerichtet war, und auf dem schon das alte K\u00f6nigspaar sa\u00df, dass heut zum letzten Male Kronen auf den K\u00f6pfen trug, und zu dem die Fr\u00f6sche nun von allen Seiten herbeieilten, w\u00e4hrend die Unken sich so anstrengten, dass es wie feierliches Glockenl\u00e4uten \u00fcber den Sumpf hin t\u00f6nte.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit gro\u00dfer Pracht und Feierlichkeit wurde der Prinz nun von dem K\u00f6nige gekr\u00f6nt, und die K\u00f6nigin war die erste, die laut rief:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbHoch lebe K\u00f6nig Beckerax der Erste!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da schrien alle Fr\u00f6sche, was sie konnten, und der junge K\u00f6nig verneigte sich huldvoll nach allen Seiten hin und sagte:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbMeine lieben Untertanen, ich ergreife die Z\u00fcgel der Regierung mit gro\u00dfem Vergn\u00fcgen, denn ich habe, wie ihr ja wisst, einen Edelstein im Kopfe, und alles andere wird sich finden!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da schrien alle Fr\u00f6sche wieder: \u00bbHoch, hoch, hoch\u00ab, und die sch\u00f6nsten Froschfr\u00e4ulein bekr\u00e4nzten den Thron mit gelben Ringelblumen und blauen Vergissmeinnicht. Das alte K\u00f6nigspaar weinte einige Tr\u00e4nen und umarmte den Sohn, und dann f\u00fchrte der junge K\u00f6nig seine Mutter zur Kr\u00f6nungstafel, und der alte K\u00f6nig setzte sich auf seine andere Seite und lie\u00df es sich schmecken. Die Pagen servierten Fliegenbraten \u00e0 la Montmorency, M\u00fcckenpasteten \u00e0 la reine, und die Unken l\u00e4uteten wieder, was sie konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der ganze Tag verging mit Essen, Redenhalten, Tanzen und wieder Essen, und erst am Abend konnte der junge K\u00f6nig den gr\u00fcnen Frosch zu sich rufen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch ernenne dich zu meinem Kammerherrn,\u00ab sagte der K\u00f6nig zu ihm, \u00bbund nun wollen wir uns gleich auf die Reise machen und die Prinzessin besehen. Aber wir reisen ganz inkognito, und ich verpflichte dich zu gr\u00f6\u00dfter Verschwiegenheit.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der gr\u00fcne Frosch bedankte sich f\u00fcr den Kammerherrn und versprach die Verschwiegenheit, aber es war ihm dabei nicht gut zumute, denn er betrachtete die Prinzessin wie eine Art Heilige, und es kam ihm wie eine Entweihung vor, dass er seinen alten Spielkameraden zu ihr bringen sollte, der zwar nun sein K\u00f6nig geworden war, den er aber doch seiner angebeteten Prinzessin nicht ebenb\u00fcrtig fand. Doch er h\u00fctete sich wohl, das zu sagen, und der K\u00f6nig lie\u00df auch nichts von seinen weiteren Pl\u00e4nen verlauten. Und so machten sie sich zusammen auf den Weg in die weite Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch habe nicht geglaubt, dass die Welt so gro\u00df und der Wald so lang ist\u00ab, sagte der K\u00f6nig, als sie ein St\u00fcck gewandert waren.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbJa, man muss Geduld haben, wenn man in die weite Welt zieht\u00ab, meinte der gr\u00fcne Frosch.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch wei\u00df aber nicht, wozu mein K\u00f6nigreich so eine breite Einfassung braucht,\u00ab sagte der K\u00f6nig, \u00bbhalb so breit w\u00e4re auch genug.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbJa, man wird recht bescheiden, wenn man in die weite Welt zieht\u00ab, erwiderte der gr\u00fcne Frosch; \u00bbdenn man merkt bald, dass man so vieles nicht wei\u00df \u2013 nat\u00fcrlich spreche ich blo\u00df von meinen eigenen Erfahrungen, Eure Majest\u00e4t mag das ganz anders erscheinen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbAch, lass die Majest\u00e4t jetzt weg,\u00ab rief der K\u00f6nig, der sich in dem fremden Walde f\u00fcrchtete, \u00bbwir reisen doch hier als Kameraden.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Je weiter aber der Weg war, um so freundlicher wurde der K\u00f6nig, denn um so mehr f\u00fcrchtete er sich. Pl\u00f6tzlich blieb der gr\u00fcne Frosch stehen. \u00bbHorch,\u00ab rief er, \u00bbhorch!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da h\u00f6rte der K\u00f6nig einen s\u00fc\u00dfen, seltsamen Klang, wie er \u00e4hnliches nie vernommen hatte. Und das klang nicht von unten herauf wie der Gesang der Fr\u00f6sche, sondern es kam von oben heran ,als fielen die T\u00f6ne vom Himmel.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDas ist sie\u00ab, fl\u00fcsterte der gr\u00fcne Frosch.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor ihnen lichtete sich der Wald. Es schimmerte wei\u00df und hell zwischen den B\u00e4umen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWas ist das?\u00ab fragte der K\u00f6nig. \u00bbIst dort die Welt zu Ende?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNein dort stehen gro\u00dfe B\u00e4ume, die sind ganz voll wei\u00dfer Bl\u00fcten, und der Mond scheint darauf, da ist&#8217;s, als leuchteten sie.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der K\u00f6nig machte seine Augen noch runder, als sie ohnehin waren; sie sprangen ihm f\u00f6rmlich aus dem Kopf heraus vor Bewunderung \u00fcber die seltsamen Dinge, die er da zu h\u00f6ren und zu sehen bekam.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDort sind die Rosenb\u00fcsche, und darin wohnt die Prinzessin!\u00ab sagte der gr\u00fcne Frosch.<\/p>\n\n\n\n<p>Da verstummte der Gesang, und ein liebliches Stimmchen rief aus den Zweigen herab: \u00bbBist du da, kleiner Gr\u00fcner? Heut will ich dir etwas besonders Sch\u00f6nes vorsingen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDu musst mich ihr vorstellen,\u00ab fl\u00fcsterte der K\u00f6nig, der wusste was sich schickte, \u00bbsage aber zun\u00e4chst blo\u00df, dass du einen Freund mitgebracht hast.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Das tat der gr\u00fcne Frosch, und da kam die Prinzessin Nachtigall ganz dicht herangeflogen, setzte sich auf einen bl\u00fchenden Rosenzweig \u00fcber den beiden Fr\u00f6schen und sah sie mit klaren Augen an.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDein Freund ist aber nicht gr\u00fcn wie du, der ist ja fast so braun wie ich\u00ab, zwitscherte sie.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbJa,\u00ab rief nun der K\u00f6nig, der diese Bemerkung f\u00fcr eine besondere Liebensw\u00fcrdigkeit hielt, \u00bbich bin so braun wie Sie, und wir haben wahrscheinlich noch andere \u00c4hnlichkeiten! Ich habe n\u00e4mlich einen Edelstein im Kopf, und nachdem ich Sie singen geh\u00f6rt habe, bin ich \u00fcberzeugt, Sie haben einen in der Kehle.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da lachte die Nachtigall, dass der Rosenzweig schwankte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNein, nein, wenn ich etwas in der Kehle h\u00e4tte, da k\u00f6nnte ich \u00fcberhaupt nicht singen. Ich singe nur, weil mein Herz voll Freude ist und voll Liebe.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbJa,\u00ab schrie der K\u00f6nig, \u00bbgerade so geht es mir auch, und ich bin K\u00f6nig Beckerax vom Froschsumpf und bin nur bis an das Ende der Welt gekommen, um Sie zu h\u00f6ren und zu sehen. Denn wir beide geh\u00f6ren zusammen, und ich will Sie zu meiner K\u00f6nigin machen!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der gr\u00fcne Frosch war so erschrocken \u00fcber die unerh\u00f6rte K\u00fchnheit des K\u00f6nigs, dass er ganz platt am Boden lag und dachte, das Herz m\u00fcsste ihm stillstehen. Aber die Prinzessin Nachtigall flog schnell auf einen h\u00f6heren Ast hinauf und sang:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch lebe frei in Flur und Hain,<br>\nmuss frei in L\u00fcften schweben \u2013<br>\nUnd sollte ich auch K\u00f6n&#8217;gin sein \u2013<br>\nIm Sumpf kann ich nicht leben!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNein, im Sumpf kann sie nicht leben\u00ab, wiederholte der gr\u00fcne Frosch, der sich von seinem Schrecken etwas erholt hatte; aber der K\u00f6nig wurde sehr b\u00f6se.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWas ist denn das f\u00fcr ein zimperliches Gehabe!\u00ab schrie er. \u00bbWarum soll sie denn nicht im Sumpfe leben k\u00f6nnen? Es ist sehr sch\u00f6n bei uns im Sumpfe, Fr\u00e4ulein Prinzessin, mir gef\u00e4llt es sehr gut, und einen Mann mit einem Edelstein im Kopfe kriegen sie gewiss nicht wieder. Darum \u00fcberlegen sie sich nur die Sache!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Aber die Nachtigall war weit in die bl\u00fchenden Kirschen hinein geflogen und sang dort ihr Lied ganz unbek\u00fcmmert um den zornigen Froschk\u00f6nig. Der sagte, dass er sich nun erst recht in den Kopf gesetzt habe, die Prinzessin zur Frau zu bekommen, und als der Gr\u00fcne ihm Vorstellungen machen wollte, wurde er so b\u00f6se, wie er es sich nur irgend leisten konnte, da der gro\u00dfe Wald doch noch vor ihm lag, durch den er hindurch musste, um nach Hause zu kommen. Denn nach Hause musste er zun\u00e4chst, da er sich von der Prinzessin nicht auslachen lassen wollte und da er ihr doch nicht nachfliegen konnte. So sagte er also: F\u00fcrs erste sei es nun genug; er habe die Erfahrung gemacht, dass Reisen wirklich au\u00dferordentlich bilde, und das sei doch immer etwas. W\u00e4hrend des ganzen Heimweges aber spann er Pl\u00e4ne, wie er seine Werbung um die Prinzessin fortsetzen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDu musst wieder hin und ihr Vorstellungen machen\u00ab, sagte er endlich zu dem Gr\u00fcnen; aber der wollte davon nichts wissen. Da drohte der K\u00f6nig, ihn ins Gef\u00e4ngnis setzten zu lassen, wenn er seinen Willen nicht erf\u00fcllte, und nun musste der gr\u00fcne Frosch doch noch einmal zur Prinzessin zur\u00fcck, nachdem er den K\u00f6nig gl\u00fccklich bis zur Wiese, die den Sumpf umschlo\u00df, gebracht hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Diesmal blieb er sehr lange weg; denn erst wollte die Prinzessin ihn nicht anh\u00f6ren; nie und nimmer w\u00fcrde sie seine Frau, sagte sie; dann fing sie an, \u00fcber den Froschk\u00f6nig zu lachen, und endlich sang sie dem kleinen Gr\u00fcnen vor, so sch\u00f6n wie noch nie, so dass er ganz \u00fcbergl\u00fccklich und doch auch ganz tieftraurig dabei wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbAch, wenn ich doch niemals in den Sumpf zur\u00fcck m\u00fcsste\u00ab, seufzte er. Da er aber einmal ein Frosch war, so geh\u00f6rte er in den Sumpf und musste am Ende doch auch wieder dahin zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie er sich seiner Heimat n\u00e4herte, sah er viele Fr\u00f6sche am Waldrande sitzen, und als er sie erreicht hatte, bemerkte er, dass sie Kletter\u00fcbungen an den B\u00e4umen und Str\u00e4uchern machten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWas tut ihr denn da?\u00ab fragte er erstaunt. Da sagten sie ihm, der K\u00f6nig habe diese \u00dcbungen befohlen und habe Preise f\u00fcr die besten Kletterer ausgesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWenn wir noch acht Tage so weiter \u00fcben, sind wir perfekte Kletterer und k\u00f6nnen die V\u00f6gel in ihren Nestern besuchen\u00ab, sagte der Froschmajor.<\/p>\n\n\n\n<p>Da erschrak der kleine Gr\u00fcne, denn er ahnte, dass es sich um einen Anschlag des K\u00f6nigs handelte, die Prinzessin Nachtigall in seine Gewalt zu bekommen. Gerade als er noch mit dem Froschmajor sprach, kam der K\u00f6nig, um sich die \u00dcbungen seiner Truppen anzusehen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbAh, da bist du endlich und f\u00fchrst Privatunterhaltungen, anstatt mir sofort Nachricht zu bringen!\u00ab rief er unwillig, als er den kleinen Gr\u00fcnen bemerkte. \u00bbKomm auf der Stelle her und sage mir Bescheid!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWenn der Bescheid gut w\u00e4re, w\u00e4re ich zu dir gekommen\u00ab, sagte der gr\u00fcne Frosch.<\/p>\n\n\n\n<p>Da nahm ihn der K\u00f6nig beiseite und lie\u00df sich genau berichten. Der kleine Gr\u00fcne kleidete die Ablehnung der Prinzessin in die sch\u00f6nsten Worte ein, aber der K\u00f6nig wurde doch sehr b\u00f6se und schrie: \u00bbNun will ich sie erst recht, und ich werde sie schon bekommen! Dir aber, Freund Gr\u00fcner, dir traue ich nicht mehr, und damit du sie nicht etwa warnst, werde ich dich ins Gef\u00e4ngnis setzen lassen, und du bekommst deine Freiheit erst wieder, wenn ich die Prinzessin habe!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Auf den Wink des K\u00f6nigs kamen sogleich ein paar Frosch-Gendarmen und sperrten den gr\u00fcnen Frosch ein, und der K\u00f6nig setzte eine Schildwache vor das Gef\u00e4ngnis. Der K\u00f6nig aber wusste nicht, dass es gerade ein guter Freund von dem kleinen Gr\u00fcnen war, den er ihm vor die T\u00fcr gestellt hatte; denn der gr\u00fcne Frosch hatte sehr viele gute Freunde, weil er jeden gern einen Dienst erwies, wenn sich die Gelegenheit dazu bot, und weil er immer freundlich war. Die Schildwache erz\u00e4hlte dem Gr\u00fcnen, dass die Froschsoldaten bei ihren Kletter\u00fcbungen die M\u00e4uler voller Wasser halten m\u00fcssten, und dass unter ihnen das Ger\u00fccht umginge, sie sollten V\u00f6gel fangen lernen; denn das ist eine bekannte Sache, dass Sumpfwasser f\u00fcr alle Tiere, die nicht darin geboren sind, einen b\u00f6sen Zauber hat, und ein Vogel, der nur einen Tropfen davon auf die Fl\u00fcgel bekommt, der kann nimmer fliegen. Als der kleine Gr\u00fcne das h\u00f6rte, zitterte er; denn nun wusste er, was es mit den \u00dcbungen und den Pl\u00e4nen des K\u00f6nigs f\u00fcr eine Bewandtnis hatte. Er bat die Schildwache, ihm immer Nachricht zu geben von dem, was drau\u00dfen gesch\u00e4he, und als er nach einiger Zeit erfuhr, dass die Fr\u00f6sche in der n\u00e4chsten Nacht ausr\u00fccken sollten, um mit ihrem Sumpfwasser eine Vogelprinzessin zu fangen, st\u00fcrzte er sich pl\u00f6tzlich wie ein Wilder auf die Schildwache, \u00fcberw\u00e4ltigte sie und entfloh.<\/p>\n\n\n\n<p>Da das nun ein ganz unerh\u00f6rter Vorfall im Froschreiche war, so wurde es sogleich dem K\u00f6nig gemeldet, der darauf befahl, dass alle Froschsoldaten ausr\u00fccken und den Fl\u00fcchtling fangen sollten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch wei\u00df schon, wohin er gegangen ist, und ich werde euch selbst f\u00fchren. Das Sumpfwasser nehmt aber auch gleich mit, denn da, wo er ist, da ist auch die Prinzessin\u00ab, sagte der K\u00f6nig.<\/p>\n\n\n\n<p>Und nun ging es fort wie die wilde Jagd. Der K\u00f6nig sprang voran, und die Fr\u00f6sche sprangen hinterher, immer einer \u00fcber den anderen weg, dass es aussah als sei der Erdboden im Walde lebendig geworden und schlage Wellen. Aber so sehr sie sich auch beeilten, sie kamen doch zu sp\u00e4t; denn gerade hatte der kleine Gr\u00fcne die Prinzessin gewarnt, und als die Fr\u00f6sche ankamen, flog sie hoch in die Luft und verschwand hinter den bl\u00fchenden Kirschb\u00e4umen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der kleine Gr\u00fcne sah ihr nach, ganz gl\u00fccklich \u00fcber sein Rettungswerk, und dann fingen sie ihn, und der K\u00f6nig hielt Gericht \u00fcber ihn. Und so viele gute Freunde er auch hatte, jetzt konnten sie ihm doch alle nicht helfen \u2013 sein Verrat war zu sehr erwiesen. Er wurde daher \u00bbzum Storch\u00ab verurteilt \u2013 das bedeutet in der Froschsprache soviel wie \u00bbzum Tode\u00ab. Er versuchte auch gar nicht um Gnade zu bitten; er wollte nicht mehr im Sumpfe leben, und fliegen konnte er doch einmal nicht \u2013 so war es am besten, wenn er nicht mehr lebte, und da mochte der Storch ihn immerhin holen.<\/p>\n\n\n\n<p>Er ging ganz von selbst auf die Wiese, gerade dorthin, wo der Storch seinen Lieblingsplatz hatte, und der letzte Dienst, den seine vielen Freunde ihm erweisen konnten, war, dass sie ihn nicht mit Binsen festbanden, wie der K\u00f6nig befohlen hatte. Er sa\u00df ganz still und wartete auf den Storch. Und gerade als der \u00fcber die Wiese daher kam, kroch auch der junge K\u00f6nig aus seinem Loch hervor und versteckte sich hinter einem Weidenknorren, um der Exekution zuzusehen. Er lugt mit gro\u00dfen, runden Augen aus seinem Versteck hervor, und aus dem Sumpf tauchte ein Heer von Froschk\u00f6pfen auf, die alle \u00bbdabei\u00ab gewesen sein, aber doch in Sicherheit bleiben wollten. Der kleine Gr\u00fcne sa\u00df ganz still \u2013 vielleicht war er schon vor Kummer und Sehnsucht nach der Prinzessin gestorben. Der Storch sah ihn sofort, kam auf ihn zu und rannte ihm seinen roten Schnabel durch den Leib. Aber anstatt ihn zu verspeisen, lie\u00df er ihn fallen, blinzelte ihn von allen Seiten an, und dann klapperte er:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWas ist denn das f\u00fcr eine neue Mode? Seit wann tragen denn die Fr\u00f6sche Edelsteine in den K\u00f6pfen? So was verdirbt einem ja den Appetit!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Ein vielstimmiges, erschrockenes \u00bbQuak\u00ab erschallte aus dem Sumpf, und der junge K\u00f6nig war so entr\u00fcstet, dass er seine Froschnatur ganz verga\u00df und schrie:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSie irren sich, Herr Storch, ein Edelstein in einem Froschkopf kommt nur alle 500 Jahre einmal vor, und dieses Mal habe ich ihn!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDas wollen wir gleich mal sehen\u00ab, antwortete der Storch, und mit einem Satz war er bei dem jungen Froschk\u00f6nig und spie\u00dfte ihn.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbKeine Spur von einem Edelstein, ein ganz guter Speisefrosch!\u00ab klapperte er. Denn nach seiner Ansicht, waren die Fr\u00f6sche dazu da, von den St\u00f6rchen gefressen zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Er verspeiste den K\u00f6nig also mit gutem Appetit und spazierte dann \u00fcber die Wiese zur\u00fcck, als w\u00e4re gar nichts geschehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fr\u00f6sche aber begruben den kleinen Gr\u00fcnen, den er nicht gemocht hatte, mit gro\u00dfem Geschrei, und den Edelstein setzten sie ihm als Denkmal auf sein Grab.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun wussten sie, dass sie 500 Jahre warten mussten, bis wieder einmal einer mit einem Edelstein im Kopf kam! Und sie glaubten, die Fr\u00f6sche in 500 Jahren w\u00fcrden dann kl\u00fcger sein, als sie es gewesen waren.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mitten im Walde lag eine Wiese, und inmitten der Wiese war ein Sumpf mit braunen Wasserlachen und alten Weidenknorren am Rande. 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