{"id":952,"date":"2017-06-26T20:37:08","date_gmt":"2017-06-26T18:37:08","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=952"},"modified":"2026-04-08T02:53:46","modified_gmt":"2026-04-08T00:53:46","slug":"muenchhausen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/muenchhausen\/","title":{"rendered":"M\u00fcnchhausen"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>M\u00fcnchhausen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Eines steht fest, und daran ist nicht zu wackeln: Der Baron von M\u00fcnchhausen, der in diesem Buch einige seiner Abenteuer erz\u00e4hlt, bat wirklich und richtig gelebt, und Zwar vor etwa Zweihundert Jahren. Er kam im Braunschweigischen zur Welt hie\u00df Hieronymus mit Vornamen und wurde, kaum aus der Schule, Offizier. Das war damals bei S\u00f6hnen aus dem Adel so \u00fcblich. Die V\u00e4ter lebten auf ihren G\u00fctern, gingen auf die Jagd, ritten durch die Felder, tranken roten Punsch und lie\u00dfen ihre S\u00f6hne Offiziere werden. Wenn die V\u00e4ter alt wurden, riefen sie die S\u00f6hne zur\u00fcck. Und nun gingen diese auf die Jagd, ritten durch die Felder, tranken roten Punsch und lie\u00dfen wiederum ihre S\u00f6hne Offiziere werden.<br>Wann war das denn nun, damals ? Es war Zu der Zeit, als die Kaiserin Maria Theresia in \u00d6sterreich, Friedrich der Gro\u00dfe in Preu\u00dfen und Katharina II. in Russland regierten. Weil es \u00fcberall Krieg gab, gab es \u00fcberall Armeen, und weil es \u00fcberall Armeen gab, brauchte man \u00fcberall Offiziere. Und war im eigenen Lande wirklich einmal kein Krieg, so ritt man in ein anderes Land und trat in dessen Armee ein. Genauso ging es mit Hieronymus von M\u00fcnchhausen. Als es ihm daheim zu langweilig wurde, trat er in die russische Armee ein. Und im Krieg zwischen Russland und der T\u00fcrkei wurde er gefangengenommen und erst nach einigen Jahren wieder freigelassen.<br>Sp\u00e4ter rief ihn sein alter Vater heim nach Bodenwerder, so hie\u00df ihr Gut und das kleine Schloss, und nun war Hieronymus der Gutsherr. Er zog die Uniform aus, ging auf die Jagd, ritt durch die Felder und trank roten Punsch. S\u00f6hne hatte er \u00fcbrigens keine, und so konnte er sie auch nicht Offiziere werden lassen.<br>Davon abgesehen lebte er wie die anderen Barone auch, und wir w\u00fcssten heute nichts mehr von ihm, h\u00e4tte er nicht beim Punsch ganz erstaunliche Geschichten erz\u00e4hlt. So erstaunliche Geschichten, dass die anderen Barone, der Pfarrer, der Doktor und der Amtmann, die mit ihm am Tische sa\u00dfen, Mund und Nase aufsperrten. So erstaunliche Geschichten, dass sie von irgendwem heimlich aufgeschrieben und gedruckt wurden. M\u00fcnchhausen war sehr \u00e4rgerlich und wollte den Druck verbieten lassen. Als er damit kein Gl\u00fcck hatte, starb er vor Wut.<br>Und was an den Geschichten ist denn nun so erstaunlich ? Sie stecken voll der tollsten L\u00fcgen ! Mitten in Berichten \u00fcber Reisen, die er wirklich gemacht, und \u00fcber Kriege, an denen er wirklich teilgenommen hat, tischt M\u00fcnchhausen uns L\u00fcgen auf, dass sich die Balken biegen! Durch L\u00fcgen kann man also ber\u00fchmt werden? Freilich! Aber nur, wenn man so lustig, so phantastisch, so treuherzig und so verschmitzt zu l\u00fcgen versteht wie M\u00fcnchhausen, nicht etwa, um die Leser zu beschwindeln, sondern um sie, wie ein zwinkernder M\u00e4rchenerz\u00e4hler, mit ihrem vollen Einverst\u00e4ndnis l\u00e4chelnd zu unterhalten.<br>Dass ihr mir nun also nicht nach Hause kommt und sagt: \u00bbDenk dir, Mama, ich hab\u2019 eben mit einem Auto gesprochen, und das Auto meinte, morgen g\u00e4be es Regen !\u00ab Durch solche L\u00fcgen wird man nicht ber\u00fchmt. So zu l\u00fcgen wie M\u00fcnchhausen ist eine Kunst. Versucht es, bitte, gar nicht erst, sondern macht lieber eure Rechenaufgaben! Und dann, wenn sie fertig sind, lest M\u00fcnchhausens \u00bb Wunderbare Reisen und Abenteuer zu Wasser und zu Lande \u00ab Ich w\u00fcnsch\u2019 euch viel Vergn\u00fcgen<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/muenchhausen.jpg\" rel=\"lightbox[952]\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"685\" src=\"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/muenchhausen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5712\" srcset=\"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/muenchhausen.jpg 700w, https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/muenchhausen-620x607.jpg 620w, https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/muenchhausen-300x294.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><b>Das Pferd auf dem Kirchturm<\/b><\/p>\n\n\n\n<p>Meine erste Reise nach Russland unternahm ich mitten im tiefsten Winter. Denn im Fr\u00fchling und im Herbst sind die Stra\u00dfen und Wege in Polen, Kurland und Livland vom Regen s zerweicht, dass man steckenbleibt. und im Sommer sind sie knochentrocken und so staubig, da man vor lauter Husten nicht vorw\u00e4rts kommt. Ich reiste also im Winter und, weil es am praktischsten ist, zu Pferde. Leider fror ich jeden Tag mehr, denn ich hatte einen zu d\u00fcnnen Mantel angezogen, und d<br>dass ich oft genug weder Weg noch Steg sah, keinen Baum, keinen Wegweiser, nichts, nichts, nur Schnee.<br>Eines Abends kletterte ich, steif und m\u00fcde, von meinem braven Gaul herunter und band ihn, damit er nicht fortliefe, an einer Baumspitze fest, die aus dem Schnee herausschaute. Dann legte ich mich, nicht weit davon, die Pistolen unterm Arm, auf meinen Mantel und nickte ein.<br>Als ich aufwachte, schien die Sonne. Und als ich mich umgeschaut hatte, rieb ich mir erst einmal die Augen. Wisst ihr, wo ich lag? Mitten in einem Dorf, und noch dazu auf dem Kirchhof! Donner und Doria! dachte ich. Denn wer liegt schon gerne kerngesund, wenn auch ziemlich verfroren, auf einem Dorfkirchhof? Au\u00dferdem war mein Pferd verschwunden! Und ich hatte es doch neben mir angepflockt!<br>Pl\u00f6tzlich h\u00f6rte ich\u2019s laut wiehern. Und zwar hoch \u00fcber mir! Nanu! Ich blickte hoch und sah das arme Tier am Wetterhahn des Kirchturms h\u00e4ngen! Es wieherte und zappelte und wollte begreiflicherweise wieder herunter. Aber wie, um alles in der Welt, war\u2019s denn auf den Kirchturm hinaufgekommen?<br>Allm\u00e4hlich begriff ich, was geschehen war. Also: Das Dorf mitsamt der Kirche war eingeschneit gewesen, und was ich im Dunkeln f\u00fcr eine Baumspitze gehalten hatte, war der Wetterhahn der Dorfkirche gewesen! Nachts war dann das Wetter umgeschlagen. Es hatte getaut. Und ich war, w\u00e4hrend ich schlief, mit dem schmelzenden Schnee Zentimeter um Zentimeter hinabgesunken, bis ich zwischen den Grabsteinen aufwachte.<br>Was war zu tun? Da ich ein guter Sch\u00fctze bin, nahm ich eine meiner Pistolen, zielte nach dem Halfter, schoss ihn entzwei und kam auf diese Weise zu meinem Pferd, das heilfroh war, als es wieder Boden unter den Hufen hatte. Ich schwang mich in den Sattel, und unsre abenteuerliche Reise konnte weitergehen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><b>Der Schlittenwolf<\/b><\/p>\n\n\n\n<p>Da es in Russland nicht \u00fcblich ist, hoch zu Pferde zu reisen, kaufte ich mir einen kleinen Schlitten, spannte mein Pferd vor, und wir trabten guten Muts auf Sankt Petersburg zu. Irgendwo in Estland oder in Ingermanland, so genau wei\u00df ich\u2019s nicht mehr, auf alle F\u00e4lle aber in einem endlosen, unheimlichen Wald wurde mit einem Male mein Pferd unruhig und raste, wie von wilder Angst gepeitscht, mit mir auf und davon. Ich drehte mich um und erblickte einen riesigen Wolf, der, halb verr\u00fcckt vor Hunger, hinter uns herjagte und immer n\u00e4her und n\u00e4her kam.<br>Ihm zu entwischen war aussichtslos. Schon war er nur noch f\u00fcnf Meter hinter uns &#8211; da warf ich mich, lang wie ich bin, auf den Boden des Schlittens, lie\u00df die Z\u00fcgel los, und der Wolf, der eigentlich mich als Mahlzeit ausersehen hatte\u2019 sprang \u00fcber mich weg und verbiss sich w\u00fctend in mein Pferd. Das Hinterteil verschlang er, als w\u00e4r\u2019s nicht mehr als ein St\u00fcckchen Wurst, und das arme Tier lief vor Schmerz und Schrecken noch schneller als vorher. Als ich nach einiger Zeit wieder hinblickte, sah ich voller Entsetzen, dass sich der Wolf in das Pferd f\u00f6rmlich hineingefressen hatte!<br>Da setzte ich mich wieder hoch, ergriff die Peitsche und schlug wie besessen auf den Wolf ein. Das behagte ihm gar nicht, und er fra\u00df sich noch schneller vorw\u00e4rts. Ich schlug und schlug, und pl\u00f6tzlich fiel das Pferd, oder was von ihm noch \u00fcbrig war, aus dem Geschirr, und der Wolf steckte darin! Mir tut mein Arm heute noch weh, wenn ich daran denke, wie ich stundenlang und pausenlos auf ihn mit der Peitsche eindrosch.<br>Wir flogen nur so durch den Wald und \u00fcber die Felder, und dann galoppierten wir an den ersten H\u00e4usern einer gro\u00dfen Stadt vorbei. Das war St. Petersburg, und die Leute auf den Stra\u00dfen staunten nicht schlecht. Denn einen Wolf, der einen Schlitten zog, hatten sie noch nicht gesehen!<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><b>Der trinkfeste General<\/b><\/p>\n\n\n\n<p>Gleich nach meiner Ankunft in Petersburg hatte ich mich um ein Offizierspatent beworben. Doch es dauerte noch einige Zeit, bis ich in die russische Armee eingestellt werden konnte. Und so hatte ich reichlich Zeit und Gelegenheit, mein Geld auszugeben. Bis in die Nacht spielten wir Karten. ja, und getrunken wurde auch nicht gerade wenig! Denn in Russland ist es viele Monate kalt, und Trinken macht bekanntlich warm. Wer viel friert\u2019 trinkt viel und bekommt allm\u00e4hlich eine erstaunliche \u00dcbung darin. Ich lernte Leute kennen, die so viel trinken konnten, dass ich vom blo\u00dfen Zusehen einen Rausch kriegte. Was nicht hei\u00dfen soll, dass ich immer nur zusah.<br>Am meisten von allen vertrug aber ein General mit grauem Bart und kupferrotem Gesicht. Im Krieg mit den T\u00fcrken hatte er, bei einem S\u00e4belkampf, die Sch\u00e4deldecke eingeb\u00fc\u00dft und behielt deswegen immer, auch wenn wir tafelten, seinen Hut auf. Er leerte w\u00e4hrend des Essens mindestens drei Flaschen Wodka und hinterdrein noch eine Flasche Arrak. Es kam aber auch vor, dass er zwei Flaschen Arrak trank. Doch soviel er auch trinken mochte &#8211; betrunken wurde er nie.<br>Ich stand vor einem R\u00e4tsel, bis ich hinter das seltsame Geheimnis kam. Der General pflegte etwa aller Stunden seinen Hut ein wenig hochzuheben. Und eines Abends bemerkte ich, dass er nicht nur den Hut hochhob, sondern auch eine daran befestigte silberne Platte, die ihm als k\u00fcnstliche Sch\u00e4deldecke diente. Auf diesem ungew\u00f6hnlichen Wege stieg der angesammelte Alkoholdunst wie eine Wolke aus seinem Kopfe hoch, und er war wieder n\u00fcchtern wie zu Beginn der Mahlzeit.<br>Meine Freunde wollten mir nicht glauben. Da trat ich einmal, als er eben den Hut wieder aufgesetzt hatte, hinter ihn und hielt einen Fidibus, den ich an meiner holl\u00e4ndischen Pfeife angez\u00fcndet hatte, mitten in die aufsteigende Alkoholwolke. Das gab ein pr\u00e4chtiges Schauspiel! Denn die Wolke entz\u00fcndete sich und schwebte, in bl\u00e4ulichem Feuer, wie ein Heiligenschein \u00fcber dem Hute des alten Herrn!<br>Alle bestaunten das Wunder. Und auch der General selber fand das kleine Experiment sehr h\u00fcbsch. Ich durfte es manchmal wiederholen. Es kam sogar vor, dass er mich darum bat und schmunzelnd sagte: \u00bbM\u00fcnchhausen, z\u00fcnden Sie mich, bitte, wieder einmal an!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><b>Die Enten an der Schnur und andere Jagdgeschichten<\/b><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der Jagd bemerkte ich eines sch\u00f6nen Morgens ein paar Dutzend Wildenten, die friedlich auf einem kleinen See herumschwammen. H\u00e4tte ich eine Ente geschossen, w\u00e4ren die anderen davongeflogen, und das wollte ich nat\u00fcrlich nicht. Da kam mir ein guter Gedanke. Ich dr\u00f6selte eine lange Hundeleine auf, verknotete die Teile, so dass sie nun viermal so lang war wie vorher, und band an einem Ende ein St\u00fcckchen Schinkenspeck fest, das von meinem Fr\u00fchst\u00fcck \u00fcbriggeblieben war.<br>Dann versteckte ich mich im Schilf und warf vorsichtig meine Leine aus. Schon schwamm die erste Ente herbei und verschlang den Speck. Da er sehr glatt und schl\u00fcpfrig war, kam er bald, samt dem Faden, an der R\u00fcckseite der Ente wieder heraus. Da kam auch schon die n\u00e4chste Ente angerudert und verschlang das Speckst\u00fcckchen. Auch bei ihr tauchte es kurz darauf hinten wieder auf, und so ging es weiter! Der Speck machte seine Reise durch alle Enten hindurch, ohne dass die Leine riss, und sie waren,, daran aufgereiht wie die Perlen an einer Schnur.<br>Ich zog meine Enten an Land, schlang die Leine sechsmal um mich herum und ging nach Hause. Die Enten waren sehr schwer, und ich war schon&#8220;.\u201c. recht m\u00fcde, da begannen die Enten, die ja alle noch lebendig waren, pl\u00f6tzlich mit den Fl\u00fcgeln zu schlagen und stiegen in die Luft! Mit mir! Denn ich hatte ja die Leine um mich herumgewickelt! Sie schienen zu dem See zur\u00fcckfliegen zu wollen, aber ich benutzte meine langen Rocksch\u00f6\u00dfe als Ruder, und so mussten die Enten umkehren. Ich steuerte sie landeinw\u00e4rts bis wir nicht mehr weit von meiner Wohnung waren. Nun drehte ich der ersten Ente den Hals um, dann der zweiten, schlie\u00dflich einer nach der andern und so sank ich, sanft und langsam, auf mein Haus herunter, mitten durch den Schornstein und haargenau auf den K\u00fcchenherd, wo die Enten ja hinsollten. Mein Koch staunte nicht schlecht 1 Zu meinem Gl\u00fcck brannte auf dem Herd noch kein Feuer. Sonst h\u00e4tte es wom\u00f6glich M\u00fcnchhausenbraten gegeben, statt Entenbrust mit Preiselbeeren!<br>Ein andres Mal, aber im gleichen Jagdrevier, stie\u00df ich ganz unerwartet auf einen kapitalen Hirsch, und ausgerechnet an jenem Morgen hatte ich gerade die letzte Flintenkugel verschossen! Das stattliche Tier schien das zu ahnen und blickte mir, statt auszurei\u00dfen, beinahe ein bisschen unversch\u00e4mt ins Gesicht. Weil mich das \u00e4rgerte, lud ich meine B\u00fcchse mit Pulver, streute eine Handvoll Kirschkerne drauf, die ich in der Rocktasche gehabt hatte, zielte zwischen das Geweih des Hirsches und schoss. Er taumelte, als sei er bet\u00e4ubt, trabte dann aber auf und davon.<br>Ein oder zwei Jahre danach jagte ich wieder einmal im gleichen Revier, und pl\u00f6tzlich tauchte vor mir ein pr\u00e4chtiger Hirsch auf, mit einem veritablen Kirschbaum zwischen dem Geweih! Warte! dachte ich, diesmal entkommst du mir nicht! Ich streckte ihn mit einem Blattschuss nieder. Und da sein Kirschbaum voller Kirschen hing, gab es am n\u00e4chsten Sonntag Hirschr\u00fccken mit Kirschtunke Ich kann euch sagen es war ein delikates Essen!<br>Eines Tages fiel mich ein f\u00fcrchterlicher Wolf an, und zwar so \u00fcberraschend, dass ich nicht zum Schie\u00dfen kam. Mir blieb in der Eile nichts andres \u00fcbrig, als ihm die Faust in den offenen Rachen zu sto\u00dfen. Ich stie\u00df immer weiter zu, denn was h\u00e4tte ich sonst tun sollen? Schlie\u00dflich hatte ich meinen Arm bis zur Schulter in dem schrecklichen Biest drin. Stirn an Stirn mit einem Wolf, dessen Maul sch\u00e4umte und dessen flammende Augen vor Mordlust blitzten &#8211; nein, sehr wohl war mit nicht! Ganz und gar nicht! Weil ich keinen anderen Ausweg sah, packte ich den Wolf endlich fest bei den Eingeweiden, krempelte sein Inneres nach au\u00dfen, als w\u00e4re er ein Handschuh, warf ihn beiseite, lie\u00df ihn im Walde liegen und ging erleichtert meiner Wege.<br>Mit dem tollen Hund, der mich tags darauf in einem Petersburger G\u00e4sschen anfiel, h\u00e4tte ich das nicht probieren m\u00f6gen. Lauf, was du kannst! dachte ich und rannte, was das Zeug hielt. W\u00e4hrenddem zog ich den \u00dcberrock aus und warf ihn auf die Stra\u00dfe. Der Hund fiel \u00fcber den Rock her, und ich rettete mich in ein Haus.<br>Sp\u00e4ter lie\u00df ich dann den Rock durch meinen Bedienten holen und, nachdem er ihn geputzt und ausgebessert hatte, in den Kleiderschrank h\u00e4ngen. Am Nachmittag st\u00fcrzte der Diener entsetzt in mein Zimmer und rief: \u00bbHerr Baron! Der Rock ist toll! \u00abIch lief mit ihm zum Kleiderschrank. Die meisten R\u00f6cke, Hosen und Westen hatte der tollw\u00fctige Rock schon zerrissen und zerfetzt. Ich lie\u00df mir eine Pistole bringen und konnte ihn gerade noch, als er \u00fcber meine kostbarste Galauniform herfallen wollte, totschie\u00dfen.<br>Das ist \u00fcbrigens der einzige in der Medizin bekanntgewordene Fall, dass die Hundetollwut auch Kleider ansteckt.<br>Einmal jagte ich einen Hasen zwei Tage lang. Mein Hund brachte ihn immer wieder heran, aber ich konnte und konnte nicht zum Schuss kommen. Es grenzte an Hexerei, und obwohl ich nicht an derlei glaube, wusste ich keine andre Erkl\u00e4rung. Endlich traf ich den Hasen. Der Hund apportierte ihn, und was, glaubt ihr, sah ich? Das Tier hatte nicht nur die \u00fcblichen vier L\u00e4ufe, sondern auch noch zwei Vorder- und zwei Hinterl\u00e4ufe auf dem R\u00fccken! Waren die zwei unteren Paare m\u00fcde, warf er sich wie ein Schwimmer herum und rannte auf dem R\u00fccken weiter. Na, nun war er allerdings tot, und dass er acht L\u00e4ufe statt ihrer vier hatte, war nur noch f\u00fcr meine G\u00e4ste und mich wichtig, die ihn aufa\u00dfen. Es war eine Portion mehr.<br>Dass ich ihn \u00fcberhaupt hatte schie\u00dfen k\u00f6nnen, war im Grunde nicht mein Verdienst, sondern das meines damaligen Hundes. Es war ein Windhund, und er \u00fcbertraf an Schnelligkeit und Ausdauer alle Hunde, die ich je besessen habe. Er lief so oft, so schnell und so lange, dass er sich mit der Zeit die Beine bis unterm B\u00e4uche weglief! W\u00e4hrend seiner letzten Lebensjahre konnte ich ihn deshalb nur noch als Dackel gebrauchen. Aber auch als Dachshund war er erstklassig. Und ich werde sein Andenken stets in Ehren halten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><b>Der halbierte Litauer<\/b><\/p>\n\n\n\n<p>Dass ihr den Grafen Przobofsky in Litauen nicht gekannt habt, ist nicht weiter bedauerlich. Aber seinen prachtvollen Landsitz und vor allem sein ber\u00fchmtes Gest\u00fct zu kennen h\u00e4tte sich schon verlohnt. Seine Zuchtpferde, man nannte sie kurzweg die \u00bbLitauer\u00ab, wurden mit Gold aufgewogen.<br>Als ich eines sch\u00f6nen Tages bei dem Grafen zum Tee war, ging er mit ein paar Herren in den Hof, um ihnen eines seiner jungen Pferde zu zeigen. Ich blieb im Staatszimmer bei den Damen, um sie mit meinen Geschichten zu unterhalten. Pl\u00f6tzlich h\u00f6rten wir entsetzte Schreie. Ich eilte treppab in den Hof, wo das Pferd so wild um sich schlug, dass sich ihm niemand zu n\u00e4hern, geschweige es zu besteigen wagte. Das war mir gerade recht. Mit einem Sprung sa\u00df ich auch schon auf seinem R\u00fccken, und in kurzer Zeit parierte es wie ein L\u00e4mmchen. Man muss eben reiten k\u00f6nnen!<br>Nach einigen Volten zwang ich den Gaul, durch eines der offenen Fenster ins Staatszimmer zu springen und von dort aus sogar auf den Teetisch, auf dem ich die Levade und andere Kapriolen der Hohen Schule zeigte. Mein Pferdchen machte das alles so geschickt, dass die Damen entz\u00fcckt waren. Nicht ein einziger Teller ging entzwei. Der Graf war so begeistert, dass er mich bat, den Litauer zum Geschenk anzunehmen. F\u00fcr den T\u00fcrkenfeldzug, der unter Feldmarschall M\u00fcnnich bevorstand.<br>Als wir die T\u00fcrken, zwei Monate sp\u00e4ter, in die Festung Otschakow hineintrieben, befand ich mich bei der Vorhut und geriet durch die Schnelligkeit meines Litauers in des Teufels K\u00fcche. Ich war mit Abstand der erste hinterm Feind, und als ich sah, dass er die Festung nicht halten wollte, sondern stracks weiterfloh, hielt ich auf dem Marktplatz an und blickte mich um. Aber weder der Trompeter noch meine anderen Husaren waren zu sehen. So ritt ich den Litauer zum Marktbrunnen und lie\u00df ihn trinken. Er soff ganz unm\u00e4\u00dfig, als w\u00e4re sein Durst \u00fcberhaupt nicht zu l\u00f6schen. Schlie\u00dflich wollte ich ihm einen beruhigenden Klaps auf die Kruppe geben und -schlug ins Leere! Als ich mich verwundert umdrehte, blieb mit der Mund offenstehen! Was meint ihr wohl, was ich sah? Nichts! Das Hinterteil des armen Tieres, das Kreuz und die Flanken, alles war fort und wie abgeschnitten! Und das Wasser, das der Gaul soff und soff, floss hinten einfach wieder heraus!<br>W\u00e4hrend ich noch gr\u00fcbelte, wie das zugegangen sein mochte, kam mein Reitknecht angaloppiert und berichtete mir atemlos folgendes: Als ich hinter dem fliehenden Feinde durch das Festungstor ritt hatte man gerade das Schutzgatter fallen lassen, und dadurch war das Hinterteil des Pferdes glatt abgeschlagen worden! Es war dann auf eine nahe gelegene Weide getrabt, wo schon andere Pferde grasten. Dort, meinte der Husar, w\u00fcrden wir\u2019s wahrscheinlich wiederfinden.<br>Wie der Wind jagten wir zu der Weide zur\u00fcck und fanden dort tats\u00e4chlich die hintere H\u00e4lfte des Litauers, die munter im Gras umhersprang! Da war die Freude gro\u00df. Ich lie\u00df auf der Stelle den Regimentshufschmied kommen. Ohne gro\u00dfes Federlesen heftete dieser die beiden Teile mit jungen Lorbeersprossen zusammen, die er zuf\u00e4llig bei der Hand hatte. Die Wunde heilte in ein paar Tagen. Und dann geschah etwas, *was einem so ruhmvollen Pferde gut zu Gesicht stand. Die Sprossen wuchsen mit der Zeit und w\u00f6lbten sich zu einer Art Lorbeerlaube \u00fcber dem R\u00fccken. Seitdem ritt ich im Schatten seines immergr\u00fcnen Schmucks durch die Lande, und wir wurden \u00fcberall geb\u00fchrend bestaunt.<br>\u00dcbrigens, vor der Festung Otschakow hatte ich mit meinem Husarens\u00e4bel so heftig und so lange auf die T\u00fcrken eingehauen, dass mein Arm, als sie l\u00e4ngst \u00fcber alle Berge waren, ununterbrochen weiterfocht. Um mich nun nicht selber zu schlagen oder Leute, die mir zu nahe kamen, f\u00fcr nichts und wieder nichts zu pr\u00fcgeln, musste ich den Arm acht Tage ganz fest in einer Binde tragen. Dann war er in Ordnung, und ich habe seitdem nichts mehr davon gemerkt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><b>Der Ritt auf der Kanonenkugel und andere Abenteuer<\/b><\/p>\n\n\n\n<p>Im gleichen Feldzug belagerten wir eine Stadt &#8211; ich habe vor lauter Belagerungen vergessen, welche Stadt es war -, und Marschall M\u00fcnnich h\u00e4tte gerne gewusst, wie es in der Festung st\u00fcnde. Aber es war unm\u00f6glich, durch all die Vorposten, Gr\u00e4ben und spanischen Reiter hineinzugelangen.<br>Vor lauter Mut und Dienstelfer, und eigentlich etwas voreilig, stellte ich mich neben eine unserer gr\u00f6\u00dften Kanonen, die in die Stadt hineinschoss, und als sie wieder abgefeuert wurde, sprang ich im Hui auf die aus dem Rohr herauszischende Kugel! Ich wollte mitsamt der Kugel in die Festung hineinfliegen! W\u00e4hrend des sausenden Flugs wuchsen allerdings meine Bedenken. Hinein kommst du leicht, dachte ich, aber wie kommst du wieder heraus? Man wird dich in deiner Uniform als Feind erkennen und an den n\u00e4chsten Galgen h\u00e4ngen!<br>Diese \u00dcberlegungen machten mir sehr zu schaffen. Und als eine t\u00fcrkische Kanonenkugel, die auf unser Feldlager gem\u00fcnzt, war, an mir vor\u00fcberflog, schwang ich mich auf sie hin\u00fcber und kam, wenn auch unverrichteter Sache, so doch gesund und munter wieder bei meinen Husaren an.<br>Im Springen \u00fcber Z\u00e4une, Mauern und Gr\u00e4ben war mein Pferd nicht zu schlagen. Hindernisse gab es f\u00fcr uns nicht. Wir ritten immer den geradesten Weg. Als ich einmal einen Hasen verfolgte, der quer \u00fcber die Heerstra\u00dfe lief, fuhr zwischen ihm und mir dummerweise eine Kutsche mit zwei sch\u00f6nen Damen vor\u00fcber. Da die Kutschenfenster heruntergelassen waren und ich den Hasen nicht aufgeben wollte, sprang ich samt dem Gaul kurz entschlossen durch die Kutsche hindurch! Das ging so schnell, dass ich mit knapper M\u00fche und Not die Zeit fand, den Hut zu ziehen und die Damen um Entschuldigung zu bitten.<br>Ein anderes Mal wollte ich mit meinem Litauer \u00fcber einen Sumpf springen. Bevor ich sprang, fand ich ihn lange nicht so breit wie w\u00e4hrend des Sprungs. Nun, wir wendeten mitten in der Luft um und landeten mit heiler Haut auf dem Trocknen. Aber auch beim zweiten Anlauf sprangen wir zu kurz und sanken, nicht weit vom anderen Ufer, bis an den Hals in den Morast! Und wir w\u00e4ren rettungslos umgekommen, wenn ich mich nicht, ohne mich lange zu besinnen, mit der eignen Hand am eignen Haarzopf aus dem Sumpf herausgezogen h\u00e4tte! Und nicht nur mich, sondern auch mein Pferd! Es ist manchmal ganz n\u00fctzlich, kr\u00e4ftige Muskeln zu besitzen.<br>Trotz meiner Tapferkeit und Klugheit und trotz meines Litauers Schnelligkeit und Ausdauer geriet ich, nach einem Kampf mit einer vielfachen \u00dcbermacht, in Kriegsgefangenschaft. Und was noch schlimmer ist: ich wurde als Sklave verkauft! Das war ein rechtes Ungl\u00fcck, und wenn meine Arbeit auch nicht gerade als Schwerarbeit zu bezeichnen war, so war sie nicht nur recht seltsam, sondern auch ein bisschen l\u00e4cherlich oder \u00e4rgerlich, wie man will. Ich musste n\u00e4mlich die Bienen des t\u00fcrkischen Sultans jeden Morgen auf die Weide treiben! Dort musste ich sie, als w\u00e4ren\u2019s Ziegen oder Schafe, den ganzen Tag \u00fcber h\u00fcten. Und am Abend musste ich sie wieder in ihre Bienenst\u00f6cke zur\u00fcckscheuchen.<br>Eines Abends sah ich nun, dass zwei B\u00e4ren eine der Bienen angefallen hatten und sie, ihres eingesammelten Honigs wegen, zerrei\u00dfen wollten. Da ich nichts in der Hand hatte als meine silberne Axt, die das Kennzeichen f\u00fcr die Sultansg\u00e4rtner ist, so warf ich die Axt mit aller Wucht nach den beiden R\u00e4ubern. Doch sie traf die B\u00e4ren nicht, sondern flog an ihnen vorbei, stieg, infolge des gewaltigen Schwungs, h\u00f6her und h\u00f6her und fiel erst, wo glaubt ihr, nieder? Auf dem Mond!<br>Was tun? Wie sollte ich sie wiederkriegen? Wo gab es so lange Leitern? Zum Gl\u00fcck fiel mir ein, dass die t\u00fcrkischen Bohnen in k\u00fcrzester Frist erstaunlich emporwachsen. Ich pflanzte sofort eine solche Bohne, und sie wuchs doch tats\u00e4chlich bis zum Mond hinauf und rankte sich um die eine Spitze der Mondsichel! Nun war es eine Kleinigkeit, hinaufzuklettern, und eine halbe Stunde sp\u00e4ter fand ich auch meine Axt wieder, die auf einem Haufen Spreu und H\u00e4cksel lag.<br>Ich war heilfroh und wollte schleunigst in die T\u00fcrkei zur\u00fcckklettern, aber ach! die Sonnenhitze hatte meine Kletterbohne v\u00f6llig ausgetrocknet, und sie war zu nichts mehr zu gebrauchen! Ohne langes Federlesen flocht ich mir aus dem Mondh\u00e4cksel einen Strick, den ich an einem der Mondh\u00f6rner festband. Dann lie\u00df ich mich vorsichtig hinunter. Nach einiger Zeit hieb ich mit meiner silbernen Axt das \u00fcberfl\u00fcssig gewordene St\u00fcck \u00fcber mir ab und kn\u00fcpfte es unter mir wieder an. Das ging eine ganze Weile gut, aber mit einem Male, als ich noch in den Wolken hing, riss der Strick! Und ich st\u00fcrzte mit solcher Gewalt auf Gottes Erdboden, dass ich etwa zehn Meter tief in die Erde hineinfiel! Mir taten alle Knochen weh. Doch nachdem ich mich etwas erholt hatte, grub ich mir mit den Fingern\u00e4geln, die ich gl\u00fccklicherweise zehn Jahre nicht geschnitten hatte, eine Treppe ins Erdreich, stieg auf dieser hoch und kehrte zu meinen Bienen zur\u00fcck.<br>Das n\u00e4chste Mal fing ich\u2019s mit den B\u00e4ren gescheiter an. Ich bestrich die Deichsel eines Erntewagens mit Bienenhonig und legte mich nicht weit davon in den Hinterhalt. Was ich erwartet hatte, trat ein. Vom Duft des Honigs angelockt, erschien bald darauf ein riesiger B\u00e4r und begann an der Deichselspitze so gierig zu lecken, dass er sich nach und nach die ganze Deichselstange durch den Rachen, den Magen und den Bauch hindurch und am Hinterteil wieder herausleckte. Er stak wie am Spie\u00dfe. Nun lief ich rasch hinzu, steckte durch das vordere Deichselende einen Pflock und lie\u00df Meister Petz bis zum n\u00e4chsten Morgen zappeln. Der Sultan, der zuf\u00e4llig vorbeispazierte, wollte sich fast totlachen.<br>Kurz darauf schlossen die Russen und die T\u00fcrken Frieden, und ich wurde als einer der ersten Gefangenen ausgeliefert und nach Petersburg zur\u00fcckgeschickt. Dort nahm ich meinen Abschied und kehrte nach Deutschland zur\u00fcck. Es war ein so strenger Winter, dass sogar die Sonne Frostbeulen bekam, und ich fror noch viel mehr als auf der Hinreise.<br>Da mein Litauer von den T\u00fcrken beschlagnahmt worden war, musste ich mit der Schlittenpost reisen. In einem Hohlweg, der kein Ende nehmen wollte, bat ich den Postillon, mit seinem Horn ein Signal zu blasen, damit wir nicht etwa mit einem uns entgegenkommenden Fuhrwerk zusammenstie\u00dfen. Er setzte das Posthorn an die Lippen und blies aus Leibeskr\u00e4ften hinein. Aber sosehr er sich anstrengte, es kam kein Ton heraus! Trotzdem erreichten wir die n\u00e4chste Poststation gesund und munter und beschlossen, Rast zu machen und uns von den Strapazen zu erholen. Der Postillon h\u00e4ngte sein Horn an einen Nagel beim K\u00fcchenfeuer. Und wir setzten uns zum Essen.<br>Auf einmal erklang\u2019s \u00bbTereng, tereng, tereng, tengteng!\u00ab Wir sperrten die Ohren auf und machten gro\u00dfe Augen. Dann merkten wir, warum der Postillon nicht hatte blasen k\u00f6nnen. Die T\u00f6ne waren in dem Horn festgefroren! Nun tauten sie nach und nach auf, und es wurde ein richtiges Tafelkonzert daraus. Wir h\u00f6rten unter anderem \u00bbOhne Lieb\u2019 und ohne Wein\u00ab, \u00bbGestern abend war Vetter Michel da\u00ab und sogar das sch\u00f6ne Abendlied \u00bbNun ruhen alle W\u00e4lder\u00ab.<br>So endete der Spa\u00df mit dem Posthorn, und damit endet zugleich meine russische Reisegeschichte. Sollten wom\u00f6glich einige Leser glauben, ich h\u00e4tte bis hierher dann und wann gelogen, so rate ich ihnen in ihrem eigensten Interesse, das Buch zuzuschlagen. Denn auf der n\u00e4chsten Seite bereits folgen Abenteuer, die noch wunderbarer als die bisherigen, aber ebenso wahr sind.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><b>Die Wette mit dem Sultan<\/b><\/p>\n\n\n\n<p>Nach Jahren kam ich wieder in die T\u00fcrkei. Diesmal aber nicht als Kriegsgefangener, sondern als Mann von Rang und Namen. Einige Botschafter stellten mich dem Sultan vor, der mich beiseite nahm und bat, einen ebenso wichtigen wie geheimen Auftrag f\u00fcr ihn in Kairo zu erledigen. Ich sagte zu und reiste kurz danach mit Pomp und Gefolge ab.<br>Kaum hatten wir Konstantinopel verlassen, sah ich einen kleinen, d\u00fcnnen Mann rasch wie ein Wiesel querfeldein rennen, und als er n\u00e4her kam, entdeckte ich zu meinem Befremden, dass er an jedem Bein ein Bleigewicht von gut f\u00fcnfzig Pfund trug. \u00bbWohin so schnell?\u00ab rief ich. \u00bbUnd was sollen die Gewichte?\u00ab &#8211; \u00bbAch\u00ab, meinte er, \u00bbich bin vor einer halben Stunde in Wien weggelaufen und will mir in Konstantinopel eine neue Stellung suchen. Die Bleigewichte trag\u2019 ich nur, damit ich nicht zu schnell renne. Ich hab\u2019 ja heute keine Eile.\u00ab Der Mann gefiel mir. Ich fragte, ob er mit mir reisen wolle. Und da wir rasch handelseinig wurden, zog er mit uns weiter. Durch manche Stadt und durch manches Land.<br>Eines Tages sah ich, nicht weit vom Weg, einen Mann in einer Wiese liegen. Er presste sein Ohr auf den Boden, als wolle er die Maulw\u00fcrfe bei ihrer Unterhaltung belauschen. Als ich ihn fragte, was er da treibe, gab er zur Antwort: \u00bbIch h\u00f6re das Gras wachsen.\u00ab -\u00bbDas kannst du?\u00ab fragte ich. &#8211; \u00bbEine Kleinigkeit f\u00fcr mich\u00ab, meinte er. Ich engagierte ihn auf der Stelle. Leute, die das Gras wachsen h\u00f6ren, kann man immer einmal brauchen.<br>An diesem Tage hatte ich \u00fcberhaupt Gl\u00fcck. Auf einem H\u00fcgel gewahrte ich einen J\u00e4ger, der das Gewehr angelegt hatte und damit L\u00f6cher in die Luft schoss. \u00bbWas soll das?\u00ab fragte ich. \u00bbWonach zielst und schie\u00dft du?\u00ab &#8211; \u00bbAch\u00ab, sagte er, \u00bbich probiere nur das neue Kuchenreutersche Gewehrmodell aus. Auf der Turmspitze des Stra\u00dfburger M\u00fcnsters sa\u00df eben noch ein kleiner Sperling. Den hab\u2019 ich heruntergeschossen.\u00ab Dass ich den J\u00e4ger mitnahm, versteht sich von selbst.<br>Wir zogen weiter und weiter, und eines Tages kamen wir am Libanongebirge vor\u00fcber. Dort stand, vor einem Zedernwald, ein untersetzter, kr\u00e4ftiger Bursche und zerrte an einem Strick, den er um den ganzen Wald geschlungen hatte. \u00bbWas soll das ?\u00ab fragte ich erstaunt. &#8211; \u00bbAch\u00ab, sagte er, \u00bbich soll Holz holen und habe die Axt zu Hause liegenlassen!\u00ab Mit diesen Worten riss er auch schon den Wald, mindestens einen Hektar im Umfang, nieder. Was tat ich? Nat\u00fcrlich nahm ich ihn mit. Er verlangte eine ziemlich hohe Schwerarbeiterzulage, aber ich h\u00e4tte ihn nicht auf dem Libanon gelassen, auch wenn es mich mein ganzes Botschaftergehalt gekostet h\u00e4tte.<br>Als ich endlich in \u00c4gypten eintraf, erhob sich mit einem Male ein solcher Sturm, dass wir samt den Pferden und Wagen umgeworfen und fast in die Luft gehoben wurden! In der N\u00e4he standen sieben Windm\u00fchlen, deren Fl\u00fcgel sich wie verr\u00fcckt um ihre Achsen drehten. Nicht weit davon lehnte ein dicker Kerl, der sich mit dem Zeigefinger das rechte Nasenloch zuhielt. Als er uns in dem Sturm zappeln und krabbeln sah, nahm er den Finger von der Nase und zog h\u00f6flich den Hut. Mit einem Schlag regte sich kein L\u00fcftchen mehr, und alle sieben Windm\u00fchlen standen still. \u00bbBist du des Teufels?\u00ab rief ich \u00e4rgerlich. -\u00bbEntschuldigen Sie vielmals, Exzellenz\u00ab, sagte er, \u00bbich mach\u2019 nur f\u00fcr den Windm\u00fcller ein bisschen Wind. Wenn ich mir nicht das rechte Nasenloch zugehalten h\u00e4tte, st\u00fcnden die Windm\u00fchlen gar nicht mehr auf ihrem alten Platz.\u00ab Ich engagierte ihn auf der Stelle.<br>Wir zogen weiter nach Kairo. Als ich mich dort meines geheimen Auftrags entledigt hatte, entlie\u00df ich das gesamte Gefolge und behielt nur den Schnelll\u00e4ufer, den Horcher, den J\u00e4ger, den starken Burschen vom Libanon und den Windmacher in meinen Diensten.<br>Beim Sultan stand ich nach der \u00e4gyptischen Reise in noch viel h\u00f6herer Gunst als vorher. jeden Mittag und Abend a\u00dfen wir zusammen, und ich muss sagen, dass seine K\u00fcche besser war als die aller \u00fcbrigen Herrscher, mit denen ich gespeist habe. Aber mit den Getr\u00e4nken sah es bitter aus, o j eh! Denn die Mohammedaner d\u00fcrfen bekanntlich keinen Wein trinken. Das bereitete mir keinen geringen Kummer. Und, wie mir schien, dem Sultan selber auch.<br>Eines Tages gab er mir nach dem Essen einen verstohlenen Wink, ihm in ein kleines Kabinett zu folgen. Nachdem er die T\u00fcr abgeriegelt hatte, holte er aus einem Schr\u00e4nkchen eine Flasche hervor und sagte: \u00bbDas ist meine letzte Flasche ungarischen Tokayers. Die Christen verstehen etwas vom Trinken, und Sie, M\u00fcnchhausen, erst recht. Nun, so etwas Delikates haben Sie in Ihrem ganzen Leben noch nicht getrunken!\u00ab<br>Er schenkte uns beiden ein, wir tranken, und er meinte: \u00bbWas halten Sie davon?\u00ab &#8211; \u00bbEin gutes Weinchen\u00ab, antwortete ich, \u00bbtrotzdem steht fest, dass ich in Wien, bei Kaiser Karl dem Sechsten, ein noch viel besseres getrunken habe. Das sollten Majest\u00e4t einmal versuchen! \u00ab &#8211; \u00bbIhr Wort in Ehren, Baron. Aber einen besseren Tokayer gibt es nicht! Ich bekam ihn seinerzeit von einem ungarischen Grafen geschenkt, und er schwor mir, es sei der beste weit und breit! \u00ab<br>\u00bbWas gilt die Wette?\u00ab rief ich. \u00bbIch schaffe in einer Stunde eine Flasche aus den kaiserlichen Kellereien in Wien herbei, und dann sollen Sie Augen machen!\u00ab \u00bbM\u00fcnchhausen, Sie faseln!\u00ab \u00bbIch fasse nicht, Majest\u00e4t! In sechzig Minuten wird eine Flasche aus dem kaiserlichen Keller in Wien hier vor uns auf dem Tisch stehen, und gegen diesen Wein ist der Ihre der reinste Kratzer! \u00ab<br>Der Sultan drohte mir mit dem Finger. \u00bbSie wollen mich zum besten haben, M\u00fcnchhausen! Das verbitte ich mir! Ich wei\u00df, dass Sie es mit der Wahrheit sehr genau zu nehmen pflegen. Doch jetzt schwindeln Sie, Baron! \u00ab &#8211; \u00bbMachen wir die Probe!\u00ab sagte ich. \u00bbWenn ich mein Wort nicht halte, d\u00fcrfen mir Kaiserliche Hoheit den Kopf abschlagen lassen! Und mein Kopf ist ja schlie\u00dflich kein Pappenstiel! Was setzen Sie dagegen?\u00ab<br>\u00bbIch nehme Sie beim Wort\u00ab, erwiderte der Sultan. \u00bbFoppen lasse ich mich auch von meinen Freunden nicht gern. Steht die Flasche Schlag vier nicht auf diesem Tisch, kostet es Sie den Kopf. Wenn aber Sie die Wette gewinnen, d\u00fcrfen Sie aus meiner Schatzkammer so viel Gold, Silber, Perlen und Edelsteine nehmen, wie der st\u00e4rkste Mann nur zu schleppen vermag!\u00ab &#8211; \u00bbTopp! \u00ab rief ich. \u00bbDas l\u00e4sst sich h\u00f6ren! \u00ab Dann bat ich um Tinte und Feder und schrieb an die Kaiserin Maria Theresia folgenden Brief: \u00bbIhre Majest\u00e4t haben als Universalerbin Ihres h\u00f6chstseligen Herrn Vaters gewiss auch dessen Weinkeller geerbt. D\u00fcrfte ich darum bitten, meinem Boten eine Flasche Tokayer mitzugeben? Doch, bitte, nur von dem allerbesten! Denn es handelt sich um eine Wette, bei der ich nicht den Kopf verlieren m\u00f6chte. Im voraus herzlichen Dank! Ihr sehr ergebener M\u00fcnchhausen.\u00ab<br>Das Briefchen gab ich meinem Schnelll\u00e4ufer. Er schnallte seine Bleigewichte ab und machte sich augenblicklich auf die Beine. Es war f\u00fcnf Minuten nach drei. Der Sultan und ich tranken dann den Rest seiner Flasche aus und schauten gelegentlich nach der Wanduhr hin\u00fcber. Es wurde Viertel vier. Es wurde halb vier. Als es drei Viertel vier schlug, ohne dass sich mein L\u00e4ufer blicken lie\u00df, wurde mir allm\u00e4hlich schw\u00fcl zumute. Der Sultan blickte bereits verstohlen auf die Glockenschnur. In kurzer Zeit w\u00fcrde er nach dem Henker l\u00e4uten.<br>Ich bat um die Erlaubnis, in den Garten gehen zu d\u00fcrfen. Der Sultan nickte, gab aber ein paar Hofbeamten den Auftrag, mir auf den Fersen zu bleiben. Drei Uhr und f\u00fcnfundf\u00fcnfzig Minuten wurde ich so nerv\u00f6s, dass ich nach meinem Horcher und dem J\u00e4ger schickte. Der Horcher warf sich platt auf die Erde und erkl\u00e4rte kurz darauf, dass der L\u00e4ufer, weit weg von hier, im tiefsten Schlaf l\u00e4ge und aus Leibeskr\u00e4ften schnarche! Der Sch\u00fctze rannte auf eine hochgelegene Terrasse, sah durchs Gewehrvisier und rief au\u00dfer sich: \u00bbWahrhaftig, da liegt er! Unter einer Eiche bei Belgrad! Und die Flasche mit Tokayer liegt neben ihm! Warte, mein Lieber!\u00ab Dann zielte er und schoss in die Luft. Was geschah? Die Kugel traf die Eiche, unter welcher der Bursche schnarchte. Bl\u00e4tter, Zweige und Eicheln prasselten ihm aufs Gesicht. Er sprang auf, nahm die Flasche, raste los und langte f\u00fcnf Minuten vor vier vor des Sultans Kabinett an! Mir fiel ein Stein vom Herzen.<br>Der Sultan probierte sofort den Tokayer. Dann meinte er: \u00bbIch hab\u2019 die Wette verloren, M\u00fcnchhausen.\u00ab Nachdem er die Flasche in seinem Schr\u00e4nkchen fest verschlossen hatte, klingelte er dem Schatzmeister und sagte: \u00bbMein Freund M\u00fcnchhausen darf so viel aus der Schatzkammer mitnehmen, wie der st\u00e4rkste Mann forttragen kann!\u00ab Der Schatzmeister verneigte sich mit der Nase bis zur Erde. Mit aber sch\u00fcttelte der Sultan die Hand. Dann entlie\u00df er uns beide.<br>Jetzt galt es, keine Zeit zu verlieren. Ich rief meinen starken Mann und eilte mit ihm in die Schatzkammer. Er schn\u00fcrte mit langen Stricken ein riesiges B\u00fcndel zusammen. Was er nicht unterbrachte, war kaum der Rede wert. Daraufhin rannten wir zum Hafen, mieteten das gr\u00f6\u00dfte Segelschiff, das zu haben war, wanden den Anker hoch und suchten das Weite. Das war dringend n\u00f6tig. Denn als der Sultan h\u00f6rte, was f\u00fcr einen Streich ich ihm gespielt hatte, befahl er dem Gro\u00df-Admiral, mit der ganzen Flotte auszulaufen und mich und das Schiff einzufangen!<br>Wir waren kaum zwei Meilen von der K\u00fcste entfernt, als ich die t\u00fcrkische Kriegsflotte mit vollen Segeln n\u00e4her kommen sah. Und ich muss gestehen, dass mein Kopf von neuem zu wackeln anfing. Da sagte mein Windmacher: \u00bbKeine Bange, Exzellenz! \u00ab Er trat auf das Hinterdeck und hielt den Kopf so, dass das rechte Nasenloch auf die t\u00fcrkische Flotte und das linke auf unsere Segel gerichtet war. Und dann blies er so viel Wind und Sturm durch die Nase, dass die Flotte, mit zerbrochenen Masten und zerfetzten Segeln, in den Hafen zur\u00fcckgejagt wurde und dass unser Schiff wie auf Fl\u00fcgeln dahinschoss und bereits drei Stunden sp\u00e4ter in Italien eintraf.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><b>Die zweite Mondreise<\/b><\/p>\n\n\n\n<p>Erinnert ihr euch noch, wie ich auf den Mond klettern musste, um meine silberne Axt wieder zu holen? Nun, sp\u00e4ter geriet ich ein zweites Mal auf den Mond, freilich auf viel angenehmere Art und Weise. Ein entfernter Verwandter von mir, ein sehr wohlhabender Mann, plante eine Expedition. Es m\u00fcsse, sagte er, ein Land geben, dessen Einwohner solche Riesen seien wie die im K\u00f6nigreich Brobdingnag, von dem Gulliver berichtet hat. Er wolle dieses Land finden, und ich solle ihn begleiten. Ich hielt zwar das Ganze f\u00fcr ein M\u00e4rchen, aber er hatte mich, wie ich wusste, als Erben eingesetzt, und so war ich ihm schon eine kleine Gef\u00e4lligkeit schuldig.<br>Wir fuhren also los und kamen bis in die S\u00fcdsee, ohne dass uns etwas Nennenswertes begegnet w\u00e4re, wenn man von ein paar fliegenden M\u00e4nnern und Frauen absieht, die in der Luft Menuett tanzten. Erst am achtzehnten Tage, nachdem wir die Insel Otaheiti passiert hatten, begannen die Abenteuer, und zwar mit einem unheimlichen Orkan, der unser Schiff, etwa tausend Meilen hoch, in die Luft hob. Dort oben, \u00fcber den Wolken, segelten wir dann sechs Wochen und einen Tag, bei stetiger Brise, dahin, bis wir ein gro\u00dfes Land entdeckten. Es war rund und gl\u00e4nzend und glich einer schimmernden Insel. Wir gingen in einem bequemen Hafen vor Anker und an Land. Tief unter uns sahen wir, mit unseren Fernrohren, die Erdkugel mit ihren Seen, Fl\u00fcssen, Bergen und St\u00e4dten, winzig wie Spielzeug.<br>Die Insel, das merkten wir bald, war der Mond. Die Bewohner ritten auf dreik\u00f6pfigen Geiern durch die Luft, als seien es Pferde. Da gerade Krieg war, und zwar mit der Sonne, bot mir der Mondk\u00f6nig eine Offiziersstelle an. Ich lehnte aber ab, als ich h\u00f6rte, dass man statt Wurfspie\u00dfen gro\u00dfe wei\u00dfe Rettiche n\u00e4hme und Pilze als Schilde. So ein vegetatischer Krieg, sagte ich, sei nichts f\u00fcr mich.<br>Au\u00dfer den Mondriesen traf ich auch Bewohner des Hundssterns. Sie reisen als r\u00fchrige Kaufleute durchs ganze Weltall, sehen wie gro\u00dfe Bullenbei\u00dfer aus und haben die Augen links und rechts unter der Nase. Da die Augen lidlos sind, decken die Leute beim Schlafengehen die Augen mit der Zunge zu. Die Hundssternbewohner messen im Durchschnitt zwanzig, die Mondmenschen sogar sechsunddrei\u00dfig Fu\u00df. Sie hei\u00dfen aber nicht Mondmenschen, sondern \u00bbkochende Gesch\u00f6pfe\u00ab, weil sie ihre Speisen, genau wie wir, auf dem Herd zubereiten. Das Essen kostet sie wenig Zeit. Sie \u00f6ffnen einfach ihre linke Seite und schieben die Mahlzeit direkt in den Magen. Das geschieht au\u00dferdem nur einmal im Monat, also zw\u00f6lfmal im Jahr. Auch sonst haben sie ein recht bequemes Leben. Die Tiere, aber auch die \u00bbkochenden Gesch\u00f6pfe\u00ab selber wachsen auf B\u00e4umen, in sechs Fu\u00df langen, nuss\u00e4hnlichen Fr\u00fcchten, die man, wenn sie reif sind, pfl\u00fcckt, einige Zeit lagert und schlie\u00dflich in hei\u00dfes Wasser wirft. Nach ein paar Stunden springen dann die fertigen Gesch\u00f6pfe heraus. jedes der Wesen ist schon vor der Geburt auf seinen k\u00fcnftigen Beruf vorbereitet, ob nun als Soldat, Professor, Pfarrer oder Bauer, und beginnt sofort nach der Geburt den vorbestimmten Beruf auszu\u00fcben.<br>Sie haben an jeder Hand nur einen Finger, tragen den Kopf unter dem rechten Arm und lassen ihn, wenn sie auf Reisen oder zur Arbeit gehen, normalerweise zu Hause. Sie k\u00f6nnen\u2019s aber auch umgekehrt machen, den Kopf fortschicken und den K\u00f6rper daheim lassen. Die Augen k\u00f6nnen sie in die Hand nehmen und dann damit genauso gut sehen, als h\u00e4tten sie die Augen im Kopfe. Wenn sie eins verlieren, macht das nichts. Man kann sich ein neues in Spezialgesch\u00e4ften kaufen, in jeder Farbe und gar nicht teuer. Als ich auf dem Mond war, waren gerade gelbe Augen Mode.<br>Ehe ich es vergesse: der Bauch dient den Mondleuten als Rucksack und Handtasche. Sie stecken alles, was sie mitnehmen, in ihn hinein wie in einen Schulranzen und k\u00f6nnen ihn nach Belieben auf- und zumachen. Und wenn sie alt geworden sind, so sterben sie nicht, sondern l\u00f6sen sich in Luft auf und verfliegen wie Rauch \u00fcberm Dach.<br>Ich muss zugeben, dass das alles recht seltsam klingen mag. Aber es hat trotzdem seine Richtigkeit, und wer auch nur im geringsten daran zweifelt, braucht nur auf den Mond zu reisen und meine Angaben nachzupr\u00fcfen. Dann wird er mir abbitten und best\u00e4tigen, dass ich von der Wahrheit so wenig abgewichen bin wie kein anderer Mondreisender sonst. Faustdicke L\u00fcgen aufzutischen war mir mein Leben lang verha\u00dft. Ich kann\u2019s nicht \u00e4ndern. So, und nun will ich ein Glas Punsch trinken. In meinem Zw\u00f6lfliterglas. Prosit !<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":5712,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[86],"tags":[],"class_list":["post-952","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/952","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=952"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/952\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5714,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/952\/revisions\/5714"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5712"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=952"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=952"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=952"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}