{"id":943,"date":"2017-05-22T22:33:55","date_gmt":"2017-05-22T20:33:55","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=943"},"modified":"2025-12-28T21:29:38","modified_gmt":"2025-12-28T20:29:38","slug":"die-zertanzten-schuhe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-zertanzten-schuhe\/","title":{"rendered":"Die zertanzten Schuhe"},"content":{"rendered":"<p>Gebr. Grimm<br \/>\n<!--more--><br \/>\nEs war einmal ein K\u00f6nig, der hatte zw\u00f6lf T\u00f6chter, eine immer sch\u00f6ner als die andere. Sie schliefen zusammen in einem Saal, wo ihre Betten nebeneinanderstanden, und abends, wenn sie dalagen, schloss der K\u00f6nig die T\u00fcr zu und verriegelte sie. Wenn er aber am Morgen die T\u00fcre aufschloss, so sah er, dass ihre Schuhe zertanzt waren, und niemand konnte herausbringen, wie das zugegangen war. Da lie\u00df der K\u00f6nig ausrufen, wer&#8217;s k\u00f6nnte ausfindig machen, wo sie in der Nacht tanzten, der sollte sich eine davon zur Frau w\u00e4hlen und nach seinem Tod K\u00f6nig sein: wer sich aber meldete und es nach drei Tagen und N\u00e4chten nicht herausbr\u00e4chte, der h\u00e4tte sein Leben verwirkt. Nicht lange, so meldete sich ein K\u00f6nigssohn und erbot sich, das Wagnis zu unternehmen. Er ward wohl aufgenommen und abends in ein Zimmer gef\u00fchrt, das an den Schlafsaal stie\u00df. Sein Bett war da aufgeschlagen, und er sollte achthaben, wo sie hingingen und tanzten; und damit sie nichts heimlich treiben konnten oder zu einem andern Ort hinausgingen, war auch die Saalt\u00fcre offen gelassen. Dem K\u00f6nigssohn aber fiel&#8217;s wie Blei auf die Augen, und er schlief ein, und als er am Morgen aufwachte, waren alle zw\u00f6lfe zum Tanz gewesen; denn ihre Schuhe standen da und hatten L\u00f6cher in den Sohlen. Den zweiten und dritten Abend ging&#8217;s nicht anders, und da ward ihm sein Haupt ohne Barmherzigkeit abgeschlagen. Es kamen hernach noch viele und meldeten sich zu dem Wagest\u00fcck&#8216; sie mussten aber alle ihr Leben lassen. Nun trug sich&#8217;s zu dass ein armer Soldat, der eine Wunde hatte und nicht mehr dienen konnte, sich auf dem Weg nach der Stadt befand, wo der K\u00f6nig&#8216; wohnte. Da begegnete ihm eine alte Frau, die fragte ihn, wo er hinwollte. &#8222;Ich wei\u00df selber nicht recht&#8220;, sprach er und setzte im Scherz hinzu: &#8222;Ich h\u00e4tte wohl Lust ausfindig zu machen, wo die K\u00f6nigst\u00f6chter ihre Schuhe vertanzen, und darnach K\u00f6nig zu werden.&#8220; &#8211; &#8222;Das ist so schwer nicht&#8220;, sagte die Alte, &#8222;du musst den Wein nicht trinken, der dir abends gebracht wird, und musst tun, als w\u00e4rst du fest eingeschlafen.&#8220; Darauf gab sie ihm ein M\u00e4ntelchen und sprach: &#8222;Wenn du das umh\u00e4ngst, so bist du unsichtbar und kannst den zw\u00f6lfen dann nachschleichen.&#8220; Wie der Soldat den guten Rat bekommen hatte, ward&#8217;s Ernst bei ihm, so dass er ein Herz fasste, vor den K\u00f6nig ging und sich als Freier meldete. Er ward so gut aufgenommen wie die andern auch und wurden ihm k\u00f6nigliche Kleider angetan. Abends zur Schlafenszeit ward er in das Vorzimmer gef\u00fchrt, und als er zu Bette gehen wollte, kam die \u00e4lteste und brachte ihm einen Becher Wein: aber er hatte sich einen Schwamm unter das Kinn gebunden, lie\u00df den Wein da hineinlaufen und trank keinen Tropfen. Dann legte er sich nieder, und als er ein Weilchen gelegen hatte, fing er an zu schnarchen, wie im tiefsten Schlaf. Das h\u00f6rten die zw\u00f6lf K\u00f6nigst\u00f6chter, lachten, und die \u00e4lteste sprach: &#8222;Der h\u00e4tte auch sein Leben sparen k\u00f6nnen.&#8220; Danach standen sie auf, \u00f6ffneten Schr\u00e4nke, Kisten und Kasten und holten pr\u00e4chtige Kleider heraus: putzten sich vor den Spiegeln, sprangen herum und freuten sich auf den Tanz. Nur die j\u00fcngste sagte: &#8222;Ich wei\u00df nicht, ihr freut euch, aber mir ist so wunderlich zumute: gewiss widerf\u00e4hrt uns ein Ungl\u00fcck.&#8220; &#8211; &#8222;Du bist eine Schneegans&#8220;, sagte die \u00e4lteste, &#8222;die sich immer f\u00fcrchtet. Hast du vergessen, wie viel K\u00f6nigss\u00f6hne schon umsonst dagewesen sind? Dem Soldaten h\u00e4tt&#8216; ich nicht einmal brauchen einen Schlaftrunk zu geben, der L\u00fcmmel w\u00e4re doch nicht aufgewacht.&#8220; Wie sie alle fertig waren, sahen sie erst nach dem Soldaten, aber der hatte die Augen zugetan, r\u00fchrte und regte sich nicht, und sie glaubten nun ganz sicher zu sein. Da ging die \u00e4lteste an ihr Bett und klopfte daran, alsbald sank es in die Erde, und sie stiegen durch die \u00d6ffnung hinab, eine nach der andern, die \u00e4lteste voran. Der Soldat, der alles mitangesehen hatte, zauderte nicht lange, hing sein M\u00e4ntelchen um und stieg hinter der j\u00fcngsten mit hinab. Mitten auf der Treppe trat er ihr ein wenig aufs Kleid. da erschrak sie und rief: &#8222;Was ist das? Wer h\u00e4lt mich am Kleid?&#8220; &#8211; &#8222;Sei nicht so einf\u00e4ltig&#8220;, sagte die \u00e4lteste, &#8222;du bist an einem Haken h\u00e4ngen geblieben.&#8220; Da gingen sie vollends hinab, und wie sie unten waren, standen sie in einem wunderpr\u00e4chtigen Baumgang, da waren alle Bl\u00e4tter von Silber und schimmerten und gl\u00e4nzten. Der Soldat dachte:,, Du willst dir ein Wahrzeichen mitnehmen&#8220;, und brach einen Zweig davon ab. Da fuhr ein gewaltiger Krach aus dem Baume. Die j\u00fcngste rief wieder:<\/p>\n<p>&#8222;Es ist nicht richtig, habt ihr den Knall geh\u00f6rt?&#8220; Die \u00e4lteste aber sprach: &#8222;Das sind Freudensch\u00fcsse, weil wir unsere Prinzen bald erl\u00f6st haben.&#8220; Sie kamen darauf in einen Baumgang, wo alle Bl\u00e4tter von Gold, und endlich in einen dritten, wo sie klarer Demant waren. Von beiden brach er einen Zweig ab, wobei es jedes Mal krachte, dass die j\u00fcngste vor Schrecken zusammenfuhr; aber die \u00e4lteste blieb dabei, es w\u00e4ren Freudensch\u00fcsse. Sie gingen weiter und kamen zu einem gro\u00dfen Wasser, darauf standen zw\u00f6lf Schifflein, und in jedem Schifflein sa\u00df ein sch\u00f6ner Prinz, die hatten auf die zw\u00f6lfe gewartet, und jeder nahm eine zu sich, der Soldat aber setzte sich mit der j\u00fcngsten ein. Da sprach der Prinz: &#8222;Ich wei\u00df nicht, das Schiff ist heute viel schwerer, und ich muss aus allen Kr\u00e4ften rudern, wenn ich es fortbringen soll.&#8220; &#8211; &#8222;Wovon sollte das kommen&#8220;, sprach die j\u00fcngste, &#8222;als vom warmen Wetter, es ist mir auch so hei\u00df zumut.&#8220; Jenseits des Wassers aber stand ein sch\u00f6nes hellerleuchtetes Schloss, woraus eine lustige Musik erschallte von Pauken und Trompeten. Sie ruderten hin\u00fcber, traten ein, und jeder Prinz tanzte mit seiner Liebsten; der Soldat aber tanzte unsichtbar mit, und wenn eine einen Becher mit Wein hielt, so trank er ihn aus, dass er leer war, wenn sie ihn an den Mund brachte; und der j\u00fcngsten ward auch angst dar\u00fcber, aber. die \u00e4lteste brachte sie immer zum Schweigen. Sie tanzten da bis drei Uhr am andern Morgen, wo alle Schuhe durchgetanzt waren, und sie aufh\u00f6ren mussten. Die Prinzen fuhren sie \u00fcber das Wasser wieder zur\u00fcck, und der Soldat setzte sich diesmal vorne hin zur \u00e4ltesten. Am Ufer nahmen sie von ihren Prinzen Abschied und versprachen, in der folgenden Nacht wieder zu kommen. Als sie an der Treppe waren, lief der Soldat voraus und legte sich in sein Bett, und als die zw\u00f6lf langsam und m\u00fcde heraufgetrippelt kamen, schnarchte er schon wieder so laut, dass sie&#8217;s alle h\u00f6ren konnten, und sie sprachen: &#8222;Vor dem sind wir sicher.&#8220; Da taten sie ihre sch\u00f6nen Kleider aus, brachten sie weg, stellten die zertanzten Schuhe unter das Bett und legten sich nieder. Am andern Morgen wollte der Soldat nichts sagen, sondern das wunderliche Wesen noch mit ansehen und ging die zweite und die dritte Nacht wieder mit. Da war alles wie das erste Mal, und sie tanzten jedes Mal, bis die Schuhe entzwei waren. Das dritte Mal aber nahm er zum Wahrzeichen einen Becher mit. Als die Stunde gekommen war, wo er antworten sollte, steckte er die drei Zweige und den Becher zu sich und ging vor den K\u00f6nig, die zw\u00f6lfe aber standen hinter der T\u00fcre und horchten, was er sagen w\u00fcrde. Als der K\u00f6nig die Frage tat: &#8222;Wo haben meine zw\u00f6lf T\u00f6chter ihre Schuhe in der Nacht vertanzt?&#8220; so antwortete er: &#8222;Mit zw\u00f6lf Prinzen in einem unterirdischen Schloss&#8220;, berichtete, wie es zugegangen war, und holte die Wahrzeichen hervor. Da lie\u00df der K\u00f6nig seine T\u00f6chter kommen und fragte sie, ob der Soldat die Wahrheit gesagt h\u00e4tte, und da sie sahen, dass sie verraten waren und Leugnen nichts half, so mussten sie alles eingestehen. Darauf fragte ihn der K\u00f6nig, welche er zur Frau haben wollte. Er antwortete: &#8222;Ich bin nicht mehr jung, so gebt mir die \u00e4lteste.&#8220; Da ward noch am selbigen Tage die Hochzeit gehalten und ihm das Reich nach des K\u00f6nigs Tode versprochen Aber die Prinzen wurden auf so viel Tage wieder verw\u00fcnscht, als sie N\u00e4chte mit den zw\u00f6lfen getanzt hatten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gebr. 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