{"id":935,"date":"2017-04-17T15:07:35","date_gmt":"2017-04-17T13:07:35","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=935"},"modified":"2026-01-11T02:18:27","modified_gmt":"2026-01-11T01:18:27","slug":"himmelsschluessel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/himmelsschluessel\/","title":{"rendered":"Himmelsschl\u00fcssel"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Es war einmal ein gro\u00dfer und gewaltiger K\u00f6nig, der herrschte \u00fcber viele L\u00e4nder. Alle Sch\u00e4tze der Erde geh\u00f6rten ihm und er trieb sein t\u00e4gliches Spiel mit den Edelsteinen von Ophir und den Rosen von Damaskus. Aber eines fehlte ihm bei all seinem gro\u00dfen Reichtum: das waren die Schl\u00fcssel zu den Toren des Himmels.<\/p>\n\n\n\n<p>Er hatte tausend Sendboten ausgesandt, die Schl\u00fcssel des Himmels zu suchen, aber keiner konnte sie ihm bringen. Er hatte viele weise M\u00e4nner gefragt, die an seinen Hof kamen, wo die Schl\u00fcssel des Himmels zu finden w\u00e4ren, aber sie hatten keine Antwort gewusst. Nur einer, ein Mann aus Indien mit seltsamen Augen, der hatte die Edelsteine von Ophir und die Rosen von Damaskus, mit denen der K\u00f6nig spielte, l\u00e4chelnd bei Seite gelegt und ihm gesagt: alle Sch\u00e4tze der Erde k\u00f6nne man geschenkt erhalten, aber die Schl\u00fcssel des Himmels m\u00fcsse ein jeder selber suchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da beschloss der K\u00f6nig, die Himmelsschl\u00fcssel zu finden, koste was es wolle. Nun war es in einer Zeit, zu der die Menschen noch sahen, wo der Himmel auf die Erde herab reichte und alle noch den hohen Berg kannten, auf dessen Gipfel die Tore des Himmels gebaut sind. Der K\u00f6nig lie\u00df sein Hofgesinde zu Hause und stieg den steilen Berg hinauf, bis er an die Tore des Himmels gekommen war. Vor den Toren, um deren Zinnen das Sonnenlicht flutete, stand der Engel Gabriel, der H\u00fcter von Gottes ewigem Garten.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Glorw\u00fcrdiger&#8220; ,sagte der K\u00f6nig, &#8222;ich habe alle Sch\u00e4tze der Erde, viele L\u00e4nder sind mir untertan und ich spiele mit den Edelsteinen von Ophir und den Rosen von Damaskus. Aber ich habe keine Ruhe, ehe ich nicht auch die Schl\u00fcssel zum Himmel habe. Denn wie sollten sich sonst einmal seine goldenen Tore f\u00fcr mich \u00f6ffnen?&#8220; &#8211; &#8222;Das ist richtig&#8220; ,sagte der Engel Gabriel, &#8222;ohne die Himmelsschl\u00fcssel kannst du die Tore des Himmels nicht \u00f6ffnen und wenn du auch alle K\u00fcnste und Sch\u00e4tze der Erde h\u00e4ttest. Aber die Himmelsschl\u00fcssel sind ja so leicht zu finden. Sie bl\u00fchen in lauter kleinen Blumen, wenn es Fr\u00fchling ist, auf der Erde &#8211; und in den Seelen aller Gesch\u00f6pfe.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wie?&#8220; ,fragte der K\u00f6nig erstaunt, &#8222;Brauche ich weiter nichts zu tun, als jene kleine Blume zu pfl\u00fccken? Die Wiesen und W\u00e4lder stehen ja voll davon und man tritt darauf auf all seinen Wegen.&#8220; &#8211; &#8222;Es ist wahr, dass die Menschen die vielen Himmelsschl\u00fcssel mit F\u00fc\u00dfen treten&#8220; ,sagte der Engel, &#8222;aber so leicht wie du es dir denkst, ist es doch nicht gemeint. Es m\u00fcssen drei Himmelsschl\u00fcssel sein, die dir die Toren des Himmels aufschlie\u00dfen. Und alle drei sind nur dann richtige Himmelsschl\u00fcssel, wenn sie zu deinen F\u00fc\u00dfen und f\u00fcr dich aufgebl\u00fcht sind. Die vielen tausend anderen Himmelsschl\u00fcssel, die auf der Erde stehen, sollen die Menschen nur daran erinnern, die richtigen Himmelsschl\u00fcssel zum Aufbl\u00fchen zu bringen &#8211; und das sind die Blumen, die alle Menschen mit F\u00fc\u00dfen treten.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>In dem Augenblick kam ein Kind vor die Tore des Himmels, das hielt drei kleine Himmelsschl\u00fcssel in der Hand und die Blumen bl\u00fchten und leuchteten in der Hand des Kindes. Als nun das Kind die Tore des Himmels mit den drei Himmelsschl\u00fcsseln ber\u00fchrte, da \u00f6ffneten sich die Tore weit vor ihm und der Engel Gabriel f\u00fchrte es in den Himmel hinein. Die Tore aber schlossen sich wieder und der K\u00f6nig blieb allein vor den geschlossenen Toren stehen. Da ging er nachdenklich den Berg hinunter auf die Erde zur\u00fcck &#8211; und \u00fcberall standen Wiesen und W\u00e4lder voll der sch\u00f6nsten Himmelsschl\u00fcssel. Der K\u00f6nig h\u00fctete sich wohl sie zu treten, aber keine der Blumen bl\u00fchte zu seinen F\u00fc\u00dfen auf.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Sollte ich die richtigen Himmelsschl\u00fcssel nicht finden&#8220; ,fragte sich der K\u00f6nig, &#8222;wo ein Kind sie gefunden hat?&#8220; Aber er fand sie nicht und es vergingen viele Jahre.<\/p>\n\n\n\n<p>Da ritt er eines Tages mit seinem Hofgesinde aus und ein schmutziges verwahrlostes M\u00e4dchen, das weder Vater noch Mutter hatte, bettelte ihn an, als er mit seinem gl\u00e4nzenden Gefolge an ihm vor\u00fcber kam. &#8222;Mag es weiter betteln!&#8220; ,sagten die H\u00f6flinge und dr\u00e4ngten das Kind bei Seite.<\/p>\n\n\n\n<p>Der K\u00f6nig aber hatte in all den Jahren, seit er von dem steilen Berg gekommen war, viel \u00fcber die Himmelsschl\u00fcssel nachgedacht und trat sie nicht mehr mit F\u00fc\u00dfen. Er nahm das schmutzige Bettelkind, setzte es zu sich aufs Pferd und brachte es nach Hause. Dort lie\u00df er es speisen und kleiden, er pflegte und schm\u00fcckte es selbst und setzte ihm eine Krone auf den Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p>Da bl\u00fchte zu seinen F\u00fc\u00dfen ein kleiner goldener Himmelsschl\u00fcssel auf. Der K\u00f6nig aber lie\u00df die Armen und die Kinder in seinem Reich als seine Br\u00fcder erkl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder vergingen Jahre und der K\u00f6nig ritt in den Wald mit seinem Hofgesinde. Da erblickte er einen kranken Wolf, der litt und sich nicht regen und helfen konnte. &#8222;Lass ihn verenden!&#8220; ,sagten die H\u00f6flinge und stellten sich zwischen ihn und das elende Tier.<\/p>\n\n\n\n<p>Der K\u00f6nig aber nahm den kranken Wolf und trug ihn auf seinen Armen in seinen Palast. Er pflegte ihn selbst gesund und der Wolf wich nie mehr von ihm. Da bl\u00fchte ein zweiter goldener Himmelsschl\u00fcssel zu des K\u00f6nigs F\u00fc\u00dfen auf. Der K\u00f6nig aber lie\u00df von nun an alle Tiere in seinem Reich als seine Br\u00fcder erkl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder vergingen Jahre &#8211; aber nun schon nicht mehr eine so lange Zeit, wie sie vor dem ersten Himmelsschl\u00fcssel vergangen war &#8211; da ging der K\u00f6nig in seinem Garten umher und freute sich an alle den seltenen Blumen, die, kunstverst\u00e4ndig geh\u00fctet und gepflegt, seinen Garten zu einem der herrlichsten in allen L\u00e4ndern machten.<\/p>\n\n\n\n<p>Da erblickte der K\u00f6nig eine kleine unsch\u00f6ne Pflanze am Wegrand, die am Verdursten war und die verstaubten Bl\u00e4tter in der sengenden Sonnenglut senkte. &#8222;Ich will ihr Wasser bringen&#8220; ,sagte der K\u00f6nig. Doch der G\u00e4rtner wehrte es ihm. &#8222;Es ist Unkraut&#8220; ,sagte er, &#8222;und ich will es ausrei\u00dfen und verbrennen. Es passt nicht in den k\u00f6niglichen Garten zu all den herrlichen Blumen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Der K\u00f6nig aber nahm seinen goldenen Helm, f\u00fcllte ihn mit Wasser und brachte es der Pflanze &#8211; und die Pflanze trank und begann wieder zu atmen und zu leben. Da bl\u00fchte der dritte Himmelsschl\u00fcssel zu des K\u00f6nigs F\u00fc\u00dfen auf und das Bettelm\u00e4dchen mit der Krone und der Wolf standen dabei. Der K\u00f6nig aber sah auf dem steilen Berge die Tore des Himmels weit, weit ge\u00f6ffnet &#8211; und im Sonnenlicht, das um die Zinnen flutete, sah er den Engel Gabriel und jenes Kind, das damals schon den Weg zum Himmel gefunden hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die drei Himmelsschl\u00fcssel bl\u00fchen heute noch und sie leuchten heute noch heller und sch\u00f6ner als alle Edelsteine von Ophir und alle Rosen von Damaskus.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85,133],"tags":[],"class_list":["post-935","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-maerchen","category-maerchen-weltweit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/935","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=935"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/935\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2843,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/935\/revisions\/2843"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=935"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=935"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=935"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}