{"id":930,"date":"2017-04-17T14:29:35","date_gmt":"2017-04-17T12:29:35","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=930"},"modified":"2026-01-11T02:18:53","modified_gmt":"2026-01-11T01:18:53","slug":"der-zauberhut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-zauberhut\/","title":{"rendered":"Der Zauberhut"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ein J\u00e4ger namens Kejan fand eines Tages in einer seiner Fallen einen wundersch\u00f6nen Silberfuchs, der mit seinen Hinterl\u00e4ufen gefangen war. Er wollte ihn t\u00f6ten, aber da bat der Fuchs mit menschlicher Stimme:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Lass mich leben, J\u00e4ger, es soll dein Schaden nicht sein. Ich werde dich reich belohnen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Als sich der J\u00e4ger von seiner \u00dcberraschung erholt hatte, meinte er:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Womit k\u00f6nntest du mich schon belohnen, Fuchs? Den gr\u00f6\u00dften Lohn bekomme ich f\u00fcr dein silbernes Fell.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Da irrst du dich aber&#8220;, erwiderte der Fuchs. &#8222;Mein Fell bringt dir lange nicht soviel Nutzen wie dieser h\u00f6lzerne Hut hier.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Er fuhr sich mit der Pfote \u00fcber die Brust und hielt dem Mann einen kleinen, spitzen h\u00f6lzernen Hut hin.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Er geh\u00f6rt dir, wenn du mir das Leben schenkst.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>,Was soll ich damit?&#8216; dachte der J\u00e4ger. ,Wenn es wenigstens ein richtiger Hut w\u00e4re und nicht so ein kleines H\u00fctchen.&#8216; Aber zugleich \u00fcberlegte er sich, dass ein Fuchs, der sprechen konnte, sicher kein gew\u00f6hnlicher Fuchs war.<\/p>\n\n\n\n<p>,Ach was, auf ein Fell mehr oder weniger kommt es wirklich nicht an&#8216;, sagte er sich schlie\u00dflich, b\u00fcckte sich und befreite den Fuchs vorsichtig aus dem Eisen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Du wirst es nicht bereuen&#8220;, sprach der Fuchs und reichte ihm den Hut. &#8222;Wenn du ihn aufhast, kann dir nie etwas zusto\u00dfen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>,Er ist ja so klein, dass ich ihn gar nicht aufsetzen kann&#8216;, wollte der J\u00e4ger erwidern, aber dann versuchte er es erst einmal, und siehe da, der Hut nahm genau die richtige Gr\u00f6\u00dfe an und passte wie angegossen. Und als er ihn abnahm, wurde er wieder so klein wie zuvor.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Sieh einer an&#8220;, murmelte Kejan \u00fcberrascht. &#8222;Es scheint tats\u00e4chlich ein Zauberhut zu sein!&#8220; Er wollte sich bei dem Fuchs bedanken, aber der war inzwischen spurlos verschwunden.<\/p>\n\n\n\n<p>So machte er sich denn ohne Fell auf den Heimweg. Pl\u00f6tzlich wurde er von einem Schneesturm \u00fcberrascht. Er konnte keinen Schritt weit sehen. Ein rasender Wind dr\u00fcckte ihn zu Boden, um ihn gleich darauf wieder hochzurei\u00dfen&#8216; kurz, er trieb ihn vor sich her wie einen Schneeball. Der J\u00e4ger hatte bald die Orientierung verloren und bekam Angst, er w\u00fcrde nie mehr nach Hause finden und in den Schneemassen umkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da fiel ihm der Hut ein, den ihm der Fuchs geschenkt hatte. Er zog ihn hervor und setzte ihn auf, vorsorglich darauf bedacht, dass der Sturm ihn nicht wegriss&#8216; und siehe! der Hut bedeckte ihm nicht nur den Kopf, sondern wuchs derart, dass sich Kejan ganz darunter verstecken konnte. In dem Hut war es warm und trocken wie in einem Iglu, so warm und gem\u00fctlich, dass der J\u00e4ger auf der Stelle einschlief. Als er erwachte und die Hutkrempe ein wenig anhob, da sah er, dass der Sturm sich inzwischen gelegt hatte und die Sonne wieder schien. Der Fuchs hatte nicht \u00fcbertrieben: Der Hut sch\u00fctzte ihn wirklich vor jeglicher Gefahr.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit der Zeit trug Kejan das Geschenk des Fuchses st\u00e4ndig bei sich. Einmal begab er sich mit seinem Bruder auf Robbenjagd. Das Jagdgl\u00fcck war ihnen hold, und sie erlegten einige besonders sch\u00f6ne Robben. Inzwischen aber war es sp\u00e4t geworden und h\u00f6chste Zeit zur\u00fcckzukehren, denn der Nordwind trieb immer mehr Schneemassen heran und es drohte Gefahr, dass diese ihnen den R\u00fcckweg versperren k\u00f6nnten. Dem Bruder, der weniger gefangen hatte und dessen Boot deshalb leichter und schneller war, gelang es, rechtzeitig hindurchzukommen und das Ufer zu erreichen, w\u00e4hrend Kejan mit seiner gr\u00f6\u00dferen Last viel langsamer vorankam und sich pl\u00f6tzlich vom Treibeis \u00fcberholt sah.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bruder am Ufer verlor den Kopf und rannte verzweifelt hin und her, weil er nicht wusste, wie er Kejan helfen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wirf mir den Riemen zu!&#8220; schrie Kejan.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Was f\u00fcr einen Riemen?&#8220; antwortete der Bruder ratlos, aber dann fiel ihm ein, worum es ging, und er rannte zu seinem Kajak. Er zog zwei Riemenkn\u00e4uel heraus, wie sie jeder J\u00e4ger bei sich f\u00fchrt, um daran die erlegten Robben ins Schlepptau zu nehmen. Er wollte die beiden Enden fest zusammenkn\u00fcpfen, aber vor K\u00e4lte und Aufregung zitterten ihm die H\u00e4nde derart, dass er keinen richtigen Knoten zustande bringen konnte. Schlie\u00dflich aber gelang es doch. Mit der linken Hand hielt er das eine Kn\u00e4uel fest, und mit der rechten warf er das andere dem Bruder zu. Das Riemenende klatschte auf das Wasser, und Kejan fischte es heraus und band es sich um den Arm.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Zieh!&#8220; rief er.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bruder zog, was er nur konnte, und Kejans Boot n\u00e4herte sich langsam dem Ufer. Indem aber verfing sich der Riemen an einer gro\u00dfen Eisscholle und rutschte darunter, und da der Bruder eifrig vom Ufer her weiterzog, fuhr auch das Kajak unter die Scholle.<\/p>\n\n\n\n<p>,Wenn es mir nicht gelingt, ihn schnell wieder hervorzuziehen, ertrinkt Kejan&#8216;, erschrak der Bruder.<\/p>\n\n\n\n<p>Und er zog und zog, dass ihm der Schwei\u00df \u00fcbers Gesicht rann &#8211; doch alle Anstrengung blieb vergebens. Da lie\u00df er das Seil kurz locker und zog es mit einem Ruck wieder an, um festzustellen, ob der Bruder nicht schon ertrunken war. Ein gleicher Ruck vom anderen Ende war die Antwort. Kejan lebte also noch. Wieder zog er aus Leibeskr\u00e4ften. Eine ganze Weile verging, und der Kajak steckte immer noch unter dem Eis. Aber die regelm\u00e4\u00dfigen Rucke spornten ihn immer von neuem an. So unglaublich es auch war, Kejan musste immer noch am Leben sein. Der Bruder machte weiter, bis es ihm schlie\u00dflich doch gelang, das Boot unter dem Eis hervor wieder aufs Wasser zu ziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und was er da sah, verschlug ihm die Sprache. Kejan sa\u00df gesund und munter in seinem Kajak und rief ihm zu: &#8222;Zieh, Bruder, zieh, ich bin schon ganz durchgefroren!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Was soll ich euch sagen? Kejan war nur dank des h\u00f6lzernen H\u00fctchens nicht ertrunken. Als er die t\u00f6dliche Gefahr sp\u00fcrte, hatte er ihn schnell aufgesetzt, und der Hut war derart gewachsen, dass ausreichend Luft darunter war und Kejan die ganze Zeit, die er unter dem Eis war, atmen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Beide Br\u00fcder dachten voll Dankbarkeit an den Fuchs, der Kejan so reich belohnt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85,133],"tags":[],"class_list":["post-930","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-maerchen","category-maerchen-weltweit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/930","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=930"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/930\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3033,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/930\/revisions\/3033"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=930"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=930"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=930"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}