{"id":928,"date":"2017-04-13T18:07:39","date_gmt":"2017-04-13T16:07:39","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=928"},"modified":"2025-12-28T21:29:59","modified_gmt":"2025-12-28T20:29:59","slug":"seelenlos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/seelenlos\/","title":{"rendered":"Seelenlos"},"content":{"rendered":"<p>Ludwig Bechstein<br \/>\n<!--more--><br \/>\nEs war einmal ein Menschenfresser, der verspeiste nichts lieber als junge M\u00e4dchen, und er war so gewaltig und gef\u00fcrchtet im Lande, dass niemand es wagte, ihn zu bek\u00e4mpfen und ihm diesen Appetit zu vertreiben, vielmehr musste ihm, sobald er ein M\u00e4gdelein verspeist hatte, ein anderes geliefert werden, und um bei der Wahl unparteiisch zu verfahren, mussten alle M\u00e4dchen des Landes bis zu einem gewissen Alter (nicht \u00fcber achtzehn Jahre) das Los ziehen, ohne Unterschied des Ranges und Standes ihrer Eltern; denn Seelenlos, so war der Name jenes m\u00e4dchenfressenden Ungeheuers, sagte stets, er liebe n\u00e4chst dem M\u00e4dchenfleische vor allem die Gleichberechtigung.<\/p>\n<p>Nun geschah es, dass eines Tages abermals das Los gezogen wurde, welches jedes Mal f\u00fcr die arme Jungfrau, die es traf, ein trauriges nicht nur hie\u00df, sondern auch war, und dass spontanes Los die Tochter des K\u00f6niges traf. Zwar suchte der K\u00f6nig durch Anerbieten vieler Sch\u00e4tze das Los, welches ihr drohte, von seiner Tochter abzuwenden, aber Seelenlos sprach:<\/p>\n<p>\u00bbNein! Was einem recht ist, ist dem andern billig. Mir ist es recht, dass das Los die K\u00f6nigstochter getroffen hat, denn ich habe noch keine Prinzessin gegessen, halte aber daf\u00fcr, dass ihr Fleisch zart und gut sein m\u00fcsse, und deshalb muss es der K\u00f6nig billig finden, dass ich seiner Sch\u00e4tze ihn nicht berauben, sondern mich ehrlich und redlich nach meinem Grundsatze der Gleichberechtigung mit Fleische von seinem Fleische begn\u00fcgen will.\u00ab<\/p>\n<p>Da indessen nicht alsbald gleich nach gezogenem Lose die K\u00f6nigstochter ausgeliefert zu werden brauchte, so lie\u00df der K\u00f6nig bekanntmachen, dass, wer seine Tochter von dem schrecklichen ihr drohenden Lose erl\u00f6se, diese zur Gemahlin und sein halbes Reich als Mitgift erhalten sollte. Allein es meldete sich niemand, denn mit Leuten, welche Seelenlos hei\u00dfen oder sind, ist schlecht umzugehen, und niemand mag sich mit ihnen befassen, sollten sie auch nicht just ausschlie\u00dflich Menschenfresser sein.<\/p>\n<p>Da h\u00f6rte ein junger Soldat von des K\u00f6nigs Aufruf und dachte in seinem Sinn: Hm. Mir ist in meinem Dienste schon so viel Seelenloses vorgekommen, und mir ist daf\u00fcr so viele Herzhaftigkeit eingekorporalt worden, dass ich&#8217;s wohl mit Herrn von Seelenlos aufzunehmen mir getraue. Er ging also zum K\u00f6nige und bat sich die Gnade aus, sein Leben gegen Seelenlos f\u00fcr ihn und die Prinzessin in die Schanze schlagen zu d\u00fcrfen. Darauf gab ihm der K\u00f6nig ein sch\u00f6nes Handgeld und schenkte ihm zu dem ein scharfes Vorlegemesser, um, wo m\u00f6glich, den Mann der Gleichberechtigung damit in St\u00fccke zu zerschneiden.<\/p>\n<p>Der mutige Soldat machte sich auf den Weg und kam \u00fcber einen Anger, auf selbigem lag ein toter Esel und streckte alle vier Beine von sich, und um den Esel herum sa\u00dfen ein L\u00f6we, ein B\u00e4r und ein Adler, auf der Nase aber sa\u00df eine gro\u00dfe blaue Schmei\u00dffliege; jedes wollte seinen Teil vom Esel haben, und alle vier konnten, wie das so h\u00e4ufig bei Teilungen der Fall ist, \u00fcber die Teilung sich nicht einigen und riefen den Soldaten an, als Unparteiischer das Teilungsgesch\u00e4ft in der Voraussetzung vorzunehmen, dass er nicht etwa selbst am Esel sich beteiligen wolle, denn f\u00fcr diesen Fall w\u00fcrden sie alle vier \u00fcber ihn herfallen.<\/p>\n<p>\u00bbNein!\u00ab sagte der Soldat, \u00bbich will nichts mit lebendigen Eseln zu schaffen haben, geschweige denn mit toten! Aber teilen will ich nach Recht und \u00dcberzeugung und nach dem sch\u00f6nen Spruche: Jedem das Seine!\u00ab Zog sein Vorlegemesser, strich es h\u00fcbsch auf seinem S\u00e4belriemen ab, wie ein Barbier mit seinem Schermesser auf dem Streichriemen tut, und fing an, den Esel nach Herzenslust zu zerlegen.<\/p>\n<p>\u00bbDir, dem L\u00f6wen\u00ab, sprach der einsichtsvolle Soldat, \u00bbgeb\u00fchrt vor allem der L\u00f6wenteil, der Esels Kopf, mit dem sch\u00f6nen Gehirn, weil du selbst der Tiere Haupt und K\u00f6nig bist, dann die breite, kr\u00e4ftige Eselsbrust, die stets so siegesstolz und freudig weithin jauchzet und mit ihrem Ruhme die Welt erf\u00fcllt, nebst einem R\u00fcckenst\u00fcck und zwei Schinken.<\/p>\n<p>Dir, dem beherzten hei\u00dfblutigen Adler, dem K\u00f6nige der V\u00f6gel, geb\u00fchrt des Esels Herz samt allem edlen Eingeweide, absonderlich der starken Lunge, sowie Leber und Nieren und ein Schinken, vom Fleische ebenfalls ein R\u00fcckenst\u00fcck und ein Lendenbraten.<\/p>\n<p>Dir, Meister Petz, k\u00fchner Nordlandsrecke, gro\u00dfer Brummer und in n\u00f6rdlichen Gegenden auch ein K\u00f6nig der Tiere, geb\u00fchrt das dritte R\u00fcckenst\u00fcck, der zweite Lendenbraten und der vierte Schinken, und was du sonst magst.<\/p>\n<p>Und dir endlich, blau angelaufene Schmei\u00dfe, kleiner Brummer, geb\u00fchrt des Esels Schwanz, die Beine und alles, was die drei andern nicht m\u00f6gen und etwa \u00fcbriglassen zu wollen in Gnaden geruhen d\u00fcrften. Du wirst dich damit umso freudiger bescheiden, da du ja viel zu delikat bist, als schn\u00f6des Eselsfleisch zu essen, vielmehr dich vom Tau und Dufte der Blumen s\u00e4ttigest und nur f\u00fcr deine Eier und k\u00fcnftige Larvenbrut ein wenig faulen Fleisches bedarfst.\u00ab<\/p>\n<p>Die vier Tiere waren mit dieser Teilung au\u00dferordentlich zufrieden und zollten dem klugen Soldaten den Tribut ihres Dankes. Die Brummfliege setzte sich ihm auf die Hand, k\u00fcsste diese mit dem R\u00fcssel und mit dem After zugleich und sprach: \u00bbSo oft du diese Stelle mit deinem Finger ber\u00fchrst, kannst du deine unf\u00f6rmliche und ungeschlachte Menschengestalt in eine ebenso sch\u00f6ne, zarte und bewunderungsw\u00fcrdige, auch mit reizendem Musiktalent begabte Brumm-Fliege verwandeln, wie ich eine bin.\u00ab<\/p>\n<p>Der Adler zog sich mit seinem Schnabel eine Schwungfeder aus dem rechten Fl\u00fcgel, reichte sie dem Soldaten dar und sagte: \u00bbMittels dieser Feder kannst du dich, so oft du sie drehst, in einen Adler verwandeln und als solcher gro\u00dfe Dinge tun; auch kannst du sie schneiden, und was du mit ihr unterschreibst und verbriefst oder verbriefen l\u00e4sst, das h\u00e4lt und dauert drei Tage l\u00e4nger als die aschgraue Ewigkeit.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbBiederer Mensch\u00ab, sprach der L\u00f6we, \u00bbich muss dir eine Pfote geben, das wird dich st\u00e4rken und gro\u00dfm\u00e4chtig machen in der Welt!\u00ab<\/p>\n<p>Und der B\u00e4r sprach: \u00bbEdelster der Edlen! Komm an mein Herz, ich muss dich umarmen und dir einen Kuss geben!\u00ab<\/p>\n<p>Aber der Soldat entgegnete: \u00bbIch dank euch zwei beiden sch\u00f6nstens! Ihr seid gar zu g\u00fctig! Ich habe schon genug!\u00ab Denn er f\u00fcrchtete die scharfen Klauenn\u00e4gel der L\u00f6wentatze wie des B\u00e4ren Umarmung und die N\u00e4he von dessen Z\u00e4hnen an seiner Nase. Er drehte daher sehr schnell die Feder und wurde zum Adler, als welcher er sich rasch in die L\u00fcfte erhob, von wo aus er nach dem Hause des Herrn Seelenlos umhersp\u00e4hte und dasselbe mit seinem Adlerblicke auch sehr bald entdeckte. Das war schon ein gro\u00dfer Gewinn f\u00fcr den braven Soldaten; doch musste er nun auch auf Mittel sinnen, wie dem Seelenlos beizukommen sei, welchem mittlerweile die K\u00f6nigstochter ausgeliefert worden war, doch hielt jener dieselbe noch eine Zeitlang gefangen.<\/p>\n<p>Nun verwandelte sich der Soldat erst wieder in einen Menschen, dr\u00fcckte mit dem Finger auf das kleine Denkmal der Fliege auf seiner Hand, verwandelte sich dann in eine solche und schl\u00fcpfte durch das Fenster des Gemaches, in welchem die K\u00f6nigstochter gefangen sa\u00df, verwandelte sich dort in seine menschliche Gestalt und teilte der Prinzessin die Absicht mit, sie zu erl\u00f6sen, nur m\u00f6ge sie ihm sagen, auf welche Weise er dies m\u00f6glich machen k\u00f6nne, indem er es f\u00fcr eine gro\u00dfe Kunst und schwere Aufgabe halte, jemanden zu entseelen, der Seelenlos sei und hei\u00dfe. Jedenfalls m\u00fcsse Herrn Seelenlos&#8216; Seele doch irgendwo sich befinden, und dieses wo m\u00fcsse ausfindig gemacht werden.<\/p>\n<p>Die K\u00f6nigstochter war sehr erfreut \u00fcber das Vorhaben des tapferen Soldaten, sie zu befreien, und verhie\u00df ihm, Erkundigungen einzuziehen. Hierauf nahm der Soldat seine Verwandlung vor und entfernte sich; zu der K\u00f6nigstochter aber kam Seelenlos, der Menschenfresser, und brachte ihr treffliche Speisen und Getr\u00e4nke, damit sie sich gut n\u00e4hre, bis er die Zeit ersehen w\u00fcrde, sie zu verspeisen. Sie fragte ihn gleich, wo denn seine Seele sei. Er aber antwortete ihr: \u00bbDir das zu sagen, werde ich wohl bleiben lassen, denn wenn schon ich Seelenlos bin, so bin ich doch nicht hirnlos, und es k\u00f6nnte mir, wenn nicht an der Seele, so doch am Leibe schaden, wenn ich mein gr\u00f6\u00dftes Geheimnis dir, einem schwatzhaften Weibe, anvertrauen wollte.\u00ab<\/p>\n<p>Aber die K\u00f6nigstochter lie\u00df mit Bitten nicht nach, bis Seelenlos ihr dennoch sein Geheimnis anvertraute und ihr sagte, seine Seele sei in einer kleinen goldenen Truhe verschlossen, diese Truhe stehe auf einem gl\u00e4sernen Felsen, und der Felsen stehe mitten im roten Meere. Ein b\u00f6ser Zauberer habe das alles so angerichtet, ihn seelenlos und n\u00e4chstdem m\u00e4dchenfleischfressend gemacht; er k\u00f6nne nichts daf\u00fcr; wenn er seine Seele wiederbekomme, so werde er die jungen M\u00e4dchen nicht mehr so fresslieb haben, sondern sie mit bescheidenen Augen ansehen.<\/p>\n<p>Das alles sagte die gefangene K\u00f6nigstochter dem Soldaten wieder, als dieser sie abermals besuchte, und alsbald verwandelte derselbe sich in einen Adler und flog nach dem Schlosse der vier Winde. Diese selbst waren ausgeflogen, aber ihre Mutter war zu Hause, und er bat letztere um Herberge in ihrem luftigen Palaste und erz\u00e4hlte ihr seine Geschichte, worauf die Windmutter gleich bereit war, ihm durch ihre S\u00f6hne Beistand zu leisten. Gegen Abend kamen der S\u00fcdwind und der Ostwind nach Hause; diesen beiden stellte die Windmutter den tapferen Krieger vor und beschenkte letzteren mit einem W\u00fcnschelflugh\u00fctchen, das ihm die Kraft verlieh, so schnell wie der Wind zu fliegen. Am andern Morgen, als die Winde ausgeruht hatten, erhoben sie sich aufs neue, und der Soldat flog in Adlergestalt mit ihnen und ebenso rasch wie sie und kam an die K\u00fcste des roten Meeres; unterwegs hatte er den Winden erz\u00e4hlt, was er w\u00fcnsche, und die Winde fuhren nicht \u00fcber das Meer, damit es ruhig bleibe. Dann geboten sie den Fischen, das K\u00e4stchen zu suchen, in dem sich die Seele des Herrn Seelenlos befand. Das taten auch die Fische, und sie fanden wohl den gl\u00e4sernen Felsen, darauf die kleine Truhe stand, konnten aber nicht hinauf. Endlich kam eine krumme Gadde oder Wei\u00dfling, die schnellte sich in die H\u00f6he und ergatterte das Tr\u00fchlein mit einem Satze, fasste es in ihr Maul und brachte es dem Adler. Dieser schlug m\u00e4chtig mit seinen Schwingen, wackelte mit dem Schwanze und tanzte vor Freude, wor\u00fcber die Winde sehr lachen mussten, denn sie hatten noch keinen Adler possierliche Spr\u00fcnge machen sehen, so viel sie auch schon gesehen hatten. Hierauf dr\u00fcckte der Adler erst den Winden, dann dem Wei\u00dfling seinen verbindlichsten Dank aus und flog, immer noch das W\u00fcnschelflugh\u00fctlein auf dem Kopfe, nach der Heimat zur\u00fcck und geradewegs nach dem Schlosse des Herrn Seelenlos, auf welchem er sich wieder in einen Menschen verwandelte. Er lie\u00df sich sofort anmelden als ein Handelsmann aus dem Morgenlande, der ein Kleinod anzubieten habe. Seelenlos war sehr ungn\u00e4dig \u00fcber solchen zudringlichen Besuch und lie\u00df den Angemeldeten nur deshalb eintreten, um ihn mit Grobheiten zu bek\u00f6stigen, die jedermann anzutun er sich zu jeder Zeit berechtigt glaubte, fuhr ihn auch alsbald trutziglich an, denn ein Mensch ohne Seele kann nicht anders sein als ungeschliffen und patzig.<\/p>\n<p>Der Soldat und verstellte Handelsmann kehrte sich indessen nicht an des Herrn Seelenlos grimmiges Gesicht und an sein Anschnauzen, sondern war umso h\u00f6flicher, je gr\u00f6ber jener war, der sich nicht anders geb\u00e4rdete, als wolle er ihn ebenfalls fressen.<\/p>\n<p>\u00bbIch habe einen Schatz, der f\u00fcr Euer Gnaden von unsch\u00e4tzbarem Werte ist\u00ab, sprach der Fremde, \u00bbund biete denselben Ihnen zum Tausche an.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbWird ein rechter Bettel sein, sein Schatz!\u00ab murrte Seelenlos. \u00bbWas kann so ein Lump mir bieten? Bildet Er sich ein, ich k\u00f6nne Ihn nicht mit barem Gelde bezahlen, dass Er sich erfrecht, vom Tausche zu reden? Was h\u00e4tte ich, das Ihm ansteht? Gleich will ich&#8217;s wissen!\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbEure Gnaden halten gn\u00e4digst zu Gnaden!\u00ab antwortete der Fremde. \u00bbHochdieselben halten ein Juwel in Verwahrung, das ist die sch\u00f6ne K\u00f6nigstochter, und der Bettel, nach Hochdero eigener Taxation, den ich gegen dieses Kleinod anzubieten mich unterfangen ist Euer Gnaden &#8211; gn\u00e4dige Seele.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbMeine Seele!\u00ab rief Seelenlos mit namenlosem Erstaunen. \u00bbMeine Seele hast du? Bei meiner armen, leider verlorenen und mir abhanden gekommenen Seele schw\u00f6re ich dir, dass du, wenn ich hundert K\u00f6nigst\u00f6chter gefangen hielt, alle hundert bekommen solltest, wenn ich nur meine Seele wieder h\u00e4tte.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbIch bescheide mich mit der einen\u00ab, erwiderte der Handelsmann, \u00bbhundert d\u00fcrften mir zu viele werden. Aber schlie\u00dfen wir den Vertrag schriftlich ab!\u00ab Mit diesen Worten zog der Soldat ein beschriebenes Blatt Papier hervor, darauf schon alles kurz und b\u00fcndig stand, und reichte Seelenlos die Adlerfeder dar, mit ihr zu unterzeichnen, welches Seelenlos auch tat; dann lie\u00df er auf der Stelle seine sch\u00f6ne Gefangene herbeif\u00fchren, die eine gro\u00dfe Freude hatte, den Soldaten bei dem Menschenfresser zu finden, welcher bereits den Fremden sich auf das Kanapee hatte niedersetzen lassen, indem schon die N\u00e4he seiner Seele begann, ihn menschlicher zu stimmen. Die K\u00f6nigstochter aber hatte geglaubt, sie solle in die K\u00fcche gef\u00fchrt und dort abgeschlachtet werden, wie eine arme Taube.<\/p>\n<p>Jetzt nahm der Soldat das kleine goldene Tr\u00fchelein aus seiner Tasche, welches mit einer Schraube verschlossen war, und gab es in Seelenlos&#8216; Hand. Dieser \u00f6ffnete geschwind die Schraube, hielt die \u00d6ffnung an seinen Mund und sog mit Wohlgef\u00fchl seine Seele in sich ein. Da war mit einem Male der schlimme Zauber gel\u00f6st. Die K\u00f6nigstochter war nicht mehr gefangen, und Seelenlos war nicht mehr seelenlos, sondern vielmehr ganz selig; er umarmte den Soldaten unter einem Strome von Freudentr\u00e4nen und h\u00e4tte gern auch die K\u00f6nigstochter umarmt, aber eine ehrfurchtvolle Scheu hielt ihn davon zur\u00fcck, der beste Beweis, dass er wieder eine Seele gewonnen hatte, doch bat er beide um ihre Freundschaft. Hierauf zog der Soldat mit der K\u00f6nigstochter von hinnen, ward vom K\u00f6nige, ihrem Vater, in den Prinzenstand erhoben, heiratete als neuer Prinz die junge Prinzessin, und der gewesene Seelenlos verspeiste keine jungen M\u00e4dchen mehr, ward vielmehr der artigste Kavalier von der Welt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ludwig Bechstein<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[90,85],"tags":[],"class_list":["post-928","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ludwig-bechstein","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/928","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=928"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/928\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":929,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/928\/revisions\/929"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=928"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=928"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=928"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}