{"id":903,"date":"2017-02-16T23:29:01","date_gmt":"2017-02-16T22:29:01","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=903"},"modified":"2026-01-11T02:20:34","modified_gmt":"2026-01-11T01:20:34","slug":"der-vater-und-die-drei-toechter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-vater-und-die-drei-toechter\/","title":{"rendered":"Der Vater und die drei T\u00f6chter"},"content":{"rendered":"<p>Es war einmal ein reicher Mann, der hatte drei T\u00f6chter. Die j\u00fcngste von ihnen war die sch\u00f6nste, und so hielt sehr bald ein Freier um sie an. Der Vater wollte sie ihm zuerst nicht geben, sondern wollte seine beiden \u00e4lteren T\u00f6chter verheiraten, aber auf die dringenden Bitten des Freiers erkl\u00e4rte er sich schlie\u00dflich einverstanden und lie\u00df die Hochzeit vorbereiten. Am Abend des Hochzeitstages nun, als die Neuverm\u00e4hlten allein im Brautgemach waren und der junge Ehemann eben zu seiner Gattin ins Bett steigen wollte diese war vor M\u00fcdigkeit bereits eingeschlafen -, da \u00f6ffnete sich pl\u00f6tzlich die Wand, und ein Gespenst trat heraus, das zu dem jungen Mann also sprach: \u00bbBleib fern von Rosa\u00ab (dies war n\u00e4mlich der Name der Braut), \u00bbdenn sie wird sich mit ihrem Vater verm\u00e4hlen und einen Knaben mit ihm zeugen, mit dem sie sich dann gleichfalls verm\u00e4hlen wird.\u00ab Sobald der Br\u00e4utigam dies vernommen hatte, begab er sich, ohne irgendjemand etwas zu sagen, zu seinem Schwiegervater und sagte zu ihm, er habe sich geirrt, denn er habe eigentlich die \u00e4lteste und nicht die j\u00fcngste Tochter zur Frau nehmen wollen. Der Vater war damit zufrieden, da dies ohnehin mit seinem fr\u00fcheren Wunsch \u00fcbereinstimmte. So bekam er denn die \u00e4lteste der Schwestern und f\u00fchrte sie in sein Haus.<\/p>\n<p>Kurze Zeit darauf fand sich ein zweiter Freier ein, der gleichfalls die j\u00fcngste Tochter haben wollte. Auch ihm erging es wie seinem Vorg\u00e4nger, und er nahm die zweite Tochter. Die arme Rosa aber blieb ohne Mann, obwohl sie schon zweimal getraut worden war. Da verfiel sie in ein tiefes Nachsinnen, weil sie es nicht verstehen konnte, warum ihre Br\u00e4utigame sie jeweils kurz nach der Trauung verlassen hatten. Sie beschloss daher nach einiger Zeit, ihren Vater zu bitten, dass er ihr gestatten m\u00f6ge, die Schwestern zu besuchen, da sie ein gro\u00dfes Verlangen nach ihnen habe. Der Vater willigte ein. Nun suchte sie zun\u00e4chst ihre \u00e4lteste Schwester auf und sagte zu ihr: \u00bbLiebe Schwester, ich m\u00f6chte dich um eine Gef\u00e4lligkeit bitten, n\u00e4mlich dass du heute Nacht, ehe du dich zu deinem Mann legst und nachdem du das Licht ausgel\u00f6scht hast, hinausgehst und mich deine Stelle einnehmen l\u00e4sst. \u00ab &#8211; \u00bbSehr gern\u00ab, antwortete die Schwester, \u00bbwarum nicht? Was du begehrst, soll geschehen. \u00ab Als es nun Nacht geworden war, tat die Schwester auch wirklich, was sie versprochen hatte, und verlie\u00df ihren Mann, w\u00e4hrend Rosa sich zu ihm legte und bald darauf, als w\u00e4re sie seine Frau, zu ihm sagte: \u00bbIn der ganzen Zeit, wo wir verheiratet sind, habe ich immer vergessen, dich zu fragen, aus welchem Grunde du zuerst dich mit meiner j\u00fcngsten Schwester verbunden, dann aber sie verlassen hast.\u00ab Da erz\u00e4hlte ihr denn der Schwager, was sich in jener Nacht zugetragen hatte, worauf sie ihn verlie\u00df und ihre Schwester den ihr geb\u00fchrenden Platz wieder einnahm. Am darauffolgenden Tag besuchte Rosa ihre andere Schwester, von deren Mann sie die gleiche Geschichte erfuhr. Als sie endlich wieder nach Hause zur\u00fcckgekehrt war, rief sie aus. \u00bbNein, ich will mich nicht mit meinem Vater verm\u00e4hlen, eher m\u00f6gen ihn M\u00f6rder ums Leben bringen.\u00ab &#8211; In ihrer Verzweiflung f\u00fchrte sie diesen Vorsatz wirklich aus; sie bezahlte M\u00f6rder, lie\u00df ihren Vater t\u00f6ten, und die M\u00f6rder begruben den Leichnam auf einem Acker vor der Stadt. Aus dem Grab aber wuchs ein Apfelbaum.<\/p>\n<p>Als Rosa eines Tages ein Verlangen nach Fr\u00fcchten versp\u00fcrte, kam gerade ein H\u00e4ndler herbei, der \u00c4pfel feilbot. Sie kaufte ihm einige \u00c4pfel ab und wurde von deren Genuss schwanger. Sobald sich ihr Leib zu runden anhob, suchte sie vergeblich den Grund zu ermitteln, denn sie hatte keinen Umgang mit M\u00e4nnern gehabt. Endlich erinnerte sie sich, dass sie \u00c4pfel gegessen hatte. Sie lie\u00df nachforschen, woher die \u00c4pfel gekommen waren, und erfuhr, dass sie auf dem Apfelbaum des Grabes ihres Vaters gewachsen waren. Trotzdem ergab sie sich nicht dem Schicksalsspruch, sondern sprach: \u00bbDie Prophezeiung des Gespenstes soll nicht wahr werden, denn sobald ich entbunden habe, will ich das Kind mit eigenen H\u00e4nden t\u00f6ten. \u00ab Gesagt, getan. Sofort nach der Geburt gab sie der armen Kreatur einige Messerstiche und legte die Leiche in ein K\u00e4stchen, welches sie festvernagelt ins Meer warf. Das K\u00e4stchen schwamm noch nicht lange auf den Wellen, da kam ein Schiff vorbei, dessen Kapit\u00e4n ausrief: \u00bbSetzt das Boot aus und nehmt das K\u00e4stchen auf! Wenn Sachen von Wert darin sind, so k\u00f6nnt ihr sie behalten; ist jedoch etwas Lebendiges darin, so soll es mir geh\u00f6ren. \u00ab Nachdem man das K\u00e4stchen auf gefischt hatte, fand man darin ein in Blut schwimmendes Kn\u00e4blein. Der Kapit\u00e4n lie\u00df es sogleich verbinden und durch eine Amme versorgen, und da er selbst keine Kinder hatte, nahm er es an Kindes Statt an.<\/p>\n<p>Der Knabe wuchs heran, und als nach manchen Jahren sein Adoptivvater starb, erbte er dessen Verm\u00f6gen und betrieb das Gesch\u00e4ft eines Kapit\u00e4ns, wobei er in viele L\u00e4nder kam. So geschah es, dass er auch an den Wohnort seiner Mutter kam, die noch immer unverm\u00e4hlt in ihrem Hause lebte. Er begegnet ihr, und sie fanden aus begreiflichen Gr\u00fcnden Gefallen aneinander. So verm\u00e4hlten sie sich, zeugten Kinder und lebten viele Jahre gl\u00fccklich und zufrieden zusammen. Eines Tages reichte Rosa ihrem Gatten ein neues Hemd zum Wechseln und sah dabei die Narben der Dolchstiche, die sie ihm einst gegeben hatte. Alsbald stieg eine b\u00f6se Ahnung in ihr auf. Sie fragte ihn: \u00bbWas sind das f\u00fcr Narben, die du da auf der Brust hast?\u00ab Da antwortete er ihr, dass er weder Vater noch Mutter gekannt, sondern dass er durch einen Kapit\u00e4n auf dem Meere in einem K\u00e4stchen gefunden und an Kindes Statt angenommen worden sei. Als seine Frau dies h\u00f6rte, stie\u00df sie einen entsetzlichen Schrei aus: \u00bbSoweit also hat mich mein unseliges Schicksal verfolgt! Du bist mein Sohn, und mein Vater ist auch dein Vater! Jetzt, wo die schlimme Prophezeiung des Gespenstes eingetroffen ist, lasse ich dich in deinem Kummer und meine Kinder als Waisen zur\u00fcck. Ich aber \u00fcberliefere mich dem Tode, denn dies war mir vom Schicksal bestimmt!\u00ab Dann ging sie hin und t\u00f6tete sich durch einen Sprung vom Dache.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war einmal ein reicher Mann, der hatte drei T\u00f6chter. Die j\u00fcngste von ihnen war die sch\u00f6nste, und so hielt sehr bald ein Freier um sie an. 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