{"id":882,"date":"2016-11-28T01:50:40","date_gmt":"2016-11-28T00:50:40","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=882"},"modified":"2026-01-15T03:15:00","modified_gmt":"2026-01-15T02:15:00","slug":"die-sieben-hexen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-sieben-hexen\/","title":{"rendered":"Die sieben Hexen"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die sieben Hexen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein Fischer. Jeden Morgen wunderte er sich aufs neue dar\u00fcber, dass sein Boot nass geworden war, geradeso, als habe sich jemand seiner w\u00e4hrend der Nacht bedient. Um zu erfahren, was es damit auf sich habe, versteckte er sich eines Nachts hinter einer D\u00fcne, unweit der Stelle, an der sein Boot lag. Als es Mitternacht schlug, h\u00f6rte er auf einmal Stimmen und Gel\u00e4chter. Er riss seine Augen weit auf und gewahrte einer Schar von Frauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie trugen lange Kleider, und jede hatte ein kleines Licht bei sich. Sie stiegen in sein Boot, und er h\u00f6rte, wie eine sagte: &#8222;Einer f\u00fcr die eins, einer f\u00fcr die zwei, einer f\u00fcr die drei, einer f\u00fcr die vier, einer f\u00fcr die f\u00fcnf, einer f\u00fcr die sechs, einer f\u00fcr die sieben.&#8220; Beim letzten Wort war das Boot verschwunden, wie Rauch im Wind.<\/p>\n\n\n\n<p>Am andern Morgen aber lag es wieder an der gleichen Stelle und wieder war es, wie gew\u00f6hnlich, dass geworden. Aber diesmal wusste der Fischer, woran er sich zu halten hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>In der folgenden Nacht wollte er mehr in Erfahrung bringen. Er hatte keine Ruhe mehr, bevor er nicht wusste, wohin die Frauen die ganze Nacht \u00fcber in seinem Boot fuhren und was sie drau\u00dfen auf dem Meer verrichteten.<\/p>\n\n\n\n<p>Als es dunkel geworden war, versteckt er sich im Heck seines Bootes und harrte regungslos aus. Als es Mitternacht schlug, erschienen die sieben Frauen wieder, und jede trug ein Licht bei sich. Sie stiegen in das Boot und als alle Platz genommen hatten, sagte diejenige, die die Schar anzuf\u00fchren schien: &#8222;Einer f\u00fcr die eins, einer f\u00fcr die zwei, einer f\u00fcr die drei, einer f\u00fcr die vier, einer f\u00fcr die f\u00fcnf, einer f\u00fcr die sechs, einer f\u00fcr die sieben.&#8220; Aber das Boot bewegte sich nicht. Es blieb so liegen, wie es lag. Die Anf\u00fchrerin wandte sich nun an die andern und sprach: &#8220; Meine Schwestern, ist denn eine von euch schwanger?&#8220; Sie antworteten ihr alle mit nein. Es muss aber eine schwanger sein. Diejenige wei\u00df es selbst nur noch nicht.&#8220; Und dann sprach sie die Worte: &#8222;Einer f\u00fcr die eins, einer f\u00fcr die zwei, einer f\u00fcr die drei, einer f\u00fcr die vier, einer f\u00fcr die f\u00fcnf, einer f\u00fcr die sechs, einer f\u00fcr die sieben, einer f\u00fcr die acht.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Boot glitt ger\u00e4uschlos aufs Wasser und wurde emporgetragen wie Rauch vom Winde. Es machte an einem unbekannten Ufer halt. Die Frauen sprangen an den Strand und folgten einem Pfad. Neugierig schlich der Fischer ihnen nach. Da sah er sie ein Haus betreten, das sehr verrufen aussah. Man h\u00f6rte Geschrei und Gejohle, Fl\u00fcche und Gel\u00e4chter. Es war ein H\u00f6llenl\u00e4rm. M\u00e4nner gingen ein und aus und erz\u00e4hlten sich gegenseitig allerhand. Aber sie redeten in einer Sprache, die der Fischer nicht verstand. Es schien ihm, als sei er in \u00c4gypten. Palmen wuchsen dort. Er schnitt sich einen Palmenzweig als Beweisst\u00fcck, dass er alles wirklich erlebt und gesehen hatte, und eilte zu dem Versteck im Heck seines Bootes.<\/p>\n\n\n\n<p>Die sieben Frauen kamen vor Tagesanbruch zur\u00fcck. Sie stiegen in das Boot, und die Anf\u00fchrerin sprach die Formel. Da wurde das Boot emporgetragen wie Rauch im Winde und es hielt an seinem Platz, dort, wo es gelegen hatte. Die Frauen verlie\u00dfen das Boot und eilten dem Dorfe zu. Sie lie\u00dfen den Fischer zur\u00fcck, der ganz benommen war von dem, was er gesehen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er seinen Nachbarn erz\u00e4hlte, dass er in einer einzigen Nacht in \u00c4gypten gewesen war, wollte ihm keiner glauben. Da zeigte er ihnen den Palmzweig, den er aus jenem Lande mitgebracht hatte. Die Nachbarn sagten ihm, dass da Hexerei im Spiel w\u00e4re und dass sein Tun nicht klug gewesen sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Priester des Dorfes beschwerte sich an jenem Sonntag w\u00e4hrend seiner Predigt, dass einige seiner Gl\u00e4ubigen einfach nie die K\u00f6pfe senken wollten im Augenblick der Wandlung, wenn der Geistliche die Gl\u00f6ckchen erklingen lie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Da kam den Fischer eine Idee. Er ging zum Priester und sagte ihm, dass es in der Gegend Hexen g\u00e4be. Um sie aber zu erkennen, m\u00fcsste man nur Salz vor die Kirchent\u00fcr streuen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am folgenden Sonntag warf der Priester Salz vor die Kirchent\u00fcr und wartete dort ab, was geschehen w\u00fcrde. Als die Glocken l\u00e4uteten, begaben sich auch sieben sch\u00f6ne, junge M\u00e4dchen auf den Weg zur Kirche. Aber als sie schlie\u00dflich vor die Kirchent\u00fcr kamen, blieben sie pl\u00f6tzlich wie angewurzelt stehen. Sie konnten keinen einzigen Schritt mehr weitergehen. Der Geistliche hie\u00df sie einzutreten, aber er konnte sagen, was er wollte, sie konnten nicht \u00fcber das Salz gehen, was er ausgestreut hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf diese Weise wurden die Hexen entdeckt, die es in jenem Dorfe gab.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war einmal ein Fischer. Jeden Morgen wunderte er sich aufs neue dar\u00fcber, dass sein Boot nass geworden war, geradeso, als habe sich jemand seiner w\u00e4hrend der Nacht bedient. Um zu erfahren, was es damit auf sich habe, versteckte er sich eines Nachts hinter einer D\u00fcne, unweit der Stelle, an der sein Boot lag. Als es Mitternacht schlug, h\u00f6rte er auf einmal Stimmen und Gel\u00e4chter. Er riss seine Augen weit auf und gewahrte einer Schar von Frauen. Sie trugen lange Kleider, und jede hatte ein kleines Licht bei sich. Sie stiegen in sein Boot, und er h\u00f6rte, wie eine sagte: &#8222;Einer f\u00fcr die eins, einer f\u00fcr die zwei, einer f\u00fcr die drei, einer f\u00fcr die vier, einer f\u00fcr die f\u00fcnf, einer f\u00fcr die sechs, einer f\u00fcr die sieben.&#8220; Beim letzten Wort war das Boot verschwunden, wie Rauch im Wind.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3855,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85,133],"tags":[],"class_list":["post-882","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-maerchen","category-maerchen-weltweit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/882","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=882"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/882\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3857,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/882\/revisions\/3857"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3855"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=882"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=882"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=882"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}