{"id":879,"date":"2016-11-28T00:43:54","date_gmt":"2016-11-27T23:43:54","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=879"},"modified":"2025-12-28T21:18:05","modified_gmt":"2025-12-28T20:18:05","slug":"prinz-schwan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/prinz-schwan\/","title":{"rendered":"Prinz Schwan"},"content":{"rendered":"<p>Gebr. Grimm<br \/>\n<!--more--><br \/>\nEs war ein M\u00e4dchen mitten in einem gro\u00dfen Wald, da kam ein Schwan auf es zugegangen, der hatte einen Knauel Garn, und sprach zu ihm: \u201eich bin kein Schwan, sondern ein verzauberter Prinz, aber du kannst mich erl\u00f6sen, wenn du den Knauel Garn abwickelst, an dem ich fortfliege; doch h\u00fcte dich, dass du den Faden nicht entzweibrichst, sonst komm\u2019 ich nicht bis in mein K\u00f6nigreich, und werde nicht erl\u00f6st; wickelst du aber den Knauel ganz ab, dann bist du meine Braut.\u201c Das M\u00e4dchen nahm den Knauel, und der Schwan stieg auf in die Luft, und das Garn wickelte sich leichtlich ab. Es wickelte und wickelte den ganzen Tag, und am Abend war schon das Ende des Fadens zu sehen, da blieb er ungl\u00fccklicherweise an einem Dornstrauch h\u00e4ngen und brach ab. Das M\u00e4dchen war sehr betr\u00fcbt und weinte, es wollt\u2019 auch Nacht werden, der Wind ging so laut in dem Wald, dass ihm Angst ward, und es anfing zu laufen, was es nur konnte. Und als es langgelaufen war, sah es ein kleines Licht, darauf eilte es zu, und fand ein Haus und klopfte an. Ein altes M\u00fctterchen kam heraus, das verwunderte sich, wie es sah, dass ein M\u00e4dchen vor der T\u00fcre war: \u201eei mein Kind, wo kommst du so sp\u00e4t her?\u201c \u2013 \u201eGebt mir doch heut Nacht eine Herberg, sprach es, ich habe mich in dem Wald verirrt; auch ein wenig Brod zu essen.\u201c \u2013 \u201eDas ist ein schweres Ding, sagte die Alte ich g\u00e4be dir&#8217;s gern, aber mein Mann ist ein Menschenfresser, wenn der dich findet, so frisst er dich auf, da ist keine Gnade; doch, wenn du drau\u00dfen bleibst, fressen dich die wilden Tiere, ich will sehen, ob ich dir durchhelfen kann.\u201c Da lie\u00df sie es herein, und gab ihm ein wenig Brod zu essen, und versteckte es dann unter das Bett. Der Menschenfresser aber kam allemal vor Mitternacht, wenn die Sonne ganz untergegangen ist, nach Haus, und ging morgens, ehe sie aufsteigt, wieder fort. Es dauerte nicht lang, so kam er herein: \u201eich wittre, ich wittre Menschenfleisch!\u201c sprach er und suchte in der Stube, endlich griff er auch unter das Bett und zog das M\u00e4dchen hervor: \u201edas ist noch ein guter Bissen!\u201c Die Frau aber bat und bat, bis er versprach, die Nacht \u00fcber es noch leben zu lassen, und morgen erst zum Fr\u00fchst\u00fcck zu essen. Vor Sonnenaufgang aber weckte die Alte das M\u00e4dchen: \u201eeil dich, dass du fortkommst, eh mein Mann aufwacht, da schenk ich dir ein goldenes Spinnr\u00e4dchen, das halt in Ehren: ich hei\u00dfe Sonne.\u201c Das M\u00e4dchen ging fort und kam Abends an ein Haus, da war alles, wie am vorigen Abend, und die zweite Alte gab ihm beim Abschied eine goldene Spindel und sprach: \u201eich hei\u00dfe Mond.\u201c Und am dritten Abend kam es an ein drittes Haus, da schenkte ihm die Alte einen goldenen Haspel und sagte: \u201eich hei\u00dfe Stern, und der Prinz Schwan, ob gleich der Faden noch nicht ganz abgewickelt war, war doch schon so weit, dass er in sein Reich gelangen konnte, dort ist er K\u00f6nig und hat sich schon verheiratet, und wohnt in gro\u00dfer Herrlichkeit auf dem Glasberg; du wirst heut Abend hinkommen, aber ein Drache und ein L\u00f6we liegen davor und bewahren ihn, darum nimm das Brot und den Speck und bes\u00e4nftige sie damit.\u201c So geschah es auch. Das M\u00e4dchen warf den Ungeheuern das Brot und den Speck in den Rachen, da lie\u00dfen sie es durch, und es kam bis an das Schlosstor, aber in das Schloss selber lie\u00dfen es die W\u00e4chter nicht hinein. Da setzte es sich vor das Thor, und fing an auf seinem goldenen R\u00e4dchen zu spinnen; die K\u00f6nigin sah von oben zu, ihr gefiel das sch\u00f6ne R\u00e4dchen, und sie kam herunter und wollte es haben. Das M\u00e4dchen sagte, sie solle es haben, wenn sie erlauben wollte, dass es eine Nacht neben dem Schlafzimmer des K\u00f6nigs zubr\u00e4chte. Die K\u00f6nigin sagte es zu, und das M\u00e4dchen ward hinaufgef\u00fchrt, was aber in der Stube gesprochen wurde, das konnte man alles in dem Schlafzimmer h\u00f6ren. Wie es nun Nacht ward, und der K\u00f6nig im Bett lag, sang es:<\/p>\n<p>\u201eDenkt der K\u00f6nig Schwan<br \/>\nnoch an seine versprochene Braut Julian\u2019?<br \/>\ndie ist gegangen durch Sonne, Mond und Stern,<br \/>\ndurch L\u00f6wen und durch Drachen:<br \/>\nwill der K\u00f6nig Schwan denn gar nicht erwachen?\u201c<\/p>\n<p>Aber der K\u00f6nig h\u00f6rte es nicht, denn die listige K\u00f6nigin hatte sich vor dem M\u00e4dchen gef\u00fcrchtet, und ihm einen Schlaftrunk gegeben, da schlief er so fest, und h\u00e4tte das M\u00e4dchen nicht geh\u00f6rt, und wenn es vor ihm gestanden w\u00e4re. Am Morgen war alles verloren, und es musste wieder vor das Thor, da setzte es sich hin und spann mit seiner Spindel, die gefiel der K\u00f6nigin auch, und es gab sie unter derselben Bedingung weg, dass es eine Nacht neben des K\u00f6nigs Schlafzimmer zubringen d\u00fcrfe. Da sang es wieder:<\/p>\n<p>\u201eDenkt der K\u00f6nig Schwan,<br \/>\nnicht an seine versprochene Braut Julian\u2019?<br \/>\ndie ist gegangen durch Sonne, Mond und Stern,<br \/>\ndurch L\u00f6wen und durch Drachen:<br \/>\nwill der K\u00f6nig Schwan denn gar nicht erwachen?\u201c<\/p>\n<p>Der K\u00f6nig aber schlief wieder fest von einem Schlaftrunk, und das M\u00e4dchen hatte auch seine Spindel verloren. Da setzte es sich am dritten Morgen mit seinem goldenen Haspel vor das Thor und haspelte. Die K\u00f6nigin wollte auch die Kostbarkeit haben, und versprach dem M\u00e4dchen, es sollte daf\u00fcr noch eine Nacht neben dem Schlafzimmer bleiben. Es hatte aber den Betrug gemerkt, und bat den Diener des K\u00f6nigs, er m\u00f6ge diesem heut Abend was anderes zu trinken geben. Da sang es noch einmal:<\/p>\n<p>\u201eDenkt der K\u00f6nig Schwan<br \/>\nnicht an seine versprochene Braut Julian\u2019?<br \/>\ndie ist gegangen durch Sonne, Mond und Stern,<br \/>\ndurch L\u00f6wen und durch Drachen:<br \/>\nwill der K\u00f6nig Schwan, denn gar nicht erwachen?\u201c<\/p>\n<p>Da erwachte der K\u00f6nig; wie er ihre Stimme h\u00f6rte, erkannte sie und fragte die K\u00f6nigin: \u201ewenn man einen Schl\u00fcssel verloren hat und ihn wiederfindet, beh\u00e4lt man dann den alten oder den neugemachten?\u201c Die K\u00f6nigin sagte: \u201eganz gewiss den alten.\u201c \u2013 \u201eNun, dann kannst du meine Gemahlin nicht l\u00e4nger sein, ich habe meine erste Braut wiedergefunden.\u201c Da musste am andern Morgen die K\u00f6nigin zu ihrem Vater wieder heimgehen, und der K\u00f6nig verm\u00e4hlte sich mit seiner rechten Braut, und die lebten so lang vergn\u00fcgt, bis sie gestorben sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gebr. 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