{"id":851,"date":"2016-10-04T13:54:03","date_gmt":"2016-10-04T11:54:03","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=851"},"modified":"2026-01-17T03:34:55","modified_gmt":"2026-01-17T02:34:55","slug":"der-silberne-tannenzapfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-silberne-tannenzapfen\/","title":{"rendered":"Der silberne Tannenzapfen"},"content":{"rendered":"<p>Bergbaum\u00e4rchen<br \/>\n<!--more--><br \/>\n<span style=\"font-family: Verdana;\">An den Ufern der Ruhr steht ein hoher Felsen. Vor alten Zeiten, so sagen die Leute, hat sich hier \u00f6fter der H\u00fcbich sehen lassen. Tief unter dem Felsen n\u00e4mlich hatten die Zwerge ihre Wohnung. Und der H\u00fcbich war ihr K\u00f6nig. Er war von wildem Aussehen; ein langes Fell bedeckte seinen K\u00f6rper, der zwergenklein war. Aber er reckte sich zu einem schrecklichen Riesen aus, wenn jemand den Felsen bestieg, denn das konnte er nicht leiden. Sonst war er so b\u00f6se nicht und hat manchen Armen reich und manchen Kranken gesund gemacht. Seit langer Zeit aber ist er schon nicht mehr auf der Oberwelt gesehen worden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Vor langen Jahren lebte im Tale ein Bergmann, der hatte im Schrank seiner Stube einen Tannenzapfen stehen aus reinem Silber, so gro\u00df und nat\u00fcrlich wie ein gewachsener. Immer wieder wurde der Bergmann gefragt, wie er denn zu solch einem Schatz gekommen sei. Lange hat er geschwiegen, aber einmal hat er es doch erz\u00e4hlt:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Wie er, so war auch sein Urgro\u00dfvater schon Bergmann gewesen. Eines Tages wurde dieser krank und konnte viele Wochen lang sein Bett nicht verlassen. Das wurde eine schlimme Zeit, denn damals erhielten die Bergleute keinerlei Unterst\u00fctzung, wenn sie nicht arbeiten konnten. Und so blieb auch hier das Geld f\u00fcr ihn, seine Frau und ihre sieben Kinder aus. Bald wussten die Eltern nicht mehr, wie sie die hungrigen M\u00fcnder der Kinder stopfen sollten, und sie verloren schon fast den Mut&#8230;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Als die Frau wieder einmal am Morgen dar\u00fcber nachdenkt, wie sie das t\u00e4gliche Brot herbeischaffen solle, da f\u00e4llt ihr ein, dass sie im Walde eine Kiepe voll Tannenzapfen sammeln und vielleicht f\u00fcr einige Pfennige auf dem Markt verkaufen k\u00f6nne. Und so macht sie sich auf den Weg. W\u00e4hrend sie nun unterwegs ist und \u00fcber ihr Schicksal nachdenkt, da kommen ihr die Tr\u00e4nen in die Augen; sie setzt sich am Wege nieder und h\u00e4lt weinend die H\u00e4nde vors Gesicht. Nach einer Weile aber erkennt sie, dass alles Weinen nicht hilft, dass sie aufstehen muss, wenn sie nicht betteln gehen will. Und als sie sich gerade erheben will, da steht vor ihr ein M\u00e4nnlein mit eisgrauem Barte, das ihr schon l\u00e4nger still zugeschaut hat. Das M\u00e4nnlein fragt, was ihr fehle. Sie entgegnet, man k\u00f6nne ihr doch nicht helfen. Er aber schaut sie weiter freundlich an und erkl\u00e4rt ihr, dass sie kaum wissen k\u00f6nne, was ihm zuzutrauen sei, und sie solle ihm ruhig den Grund ihres Weinens erkl\u00e4ren. Da fasst die Frau Mut und sagt ihm alles heraus: dass ihr Mann nun schon lange krank sei, dass sie sieben kleine Kinder habe und keinen Bissen Brot im Hause, dass sie schon alles versetzt und verkauft habe und sie alle auch bald aus ihrer Wohnung ausziehen m\u00fcssten; deshalb wolle sie nun Tannenzapfen suchen und von dem Erl\u00f6s Brot kaufen. Das M\u00e4nnlein mit dem grauen Bart tr\u00f6stet sie: sie solle nur nicht verzagen, es w\u00fcrde noch alles gut werden, und wenn sie besonders sch\u00f6ne Tannenzapfen haben wolle, dann solle sie nur zu dem hohen Felsen gehen und sich nicht f\u00fcrchten. Darauf entbietet er ihr einen guten Morgen und verschwindet im Geb\u00fcsch am Wege. Die Frau aber geht zum Felsen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Dort setzt sie nun ihre Kiepe auf den Boden und sucht Tannenzapfen. Pl\u00f6tzlich erhebt sich von allen Seiten ein Rauschen und Prasseln: von links, von rechts, aus den B\u00e4umen und aus den B\u00fcschen fallen Tannenzapfen heraus, ihr vor die F\u00fc\u00dfe. Da denkt sie, es h\u00e4tten sich Kinder versteckt und wollten sie \u00e4rgern. Schnell hebt sie ihre Kiepe auf und fl\u00fcchtet, denn sie will sich doch nicht die Augen auswerfen lassen. Doch ihre Furcht ist unbegr\u00fcndet: w\u00e4hrend sie dahineilt, fallen die Tannenzapfen in ihre Kiepe. Aber wer so betr\u00fcbt ist, der achtet nicht auf alles. Und so gelangt sie an eine andere Stelle, wo sie noch einige Tannenzapfen findet, die sie auf die schon fast gef\u00fcllte Kiepe legt. Sodann macht sie sich auf den Heimweg. Aber die Kiepe wird immer schwerer und schwerer, und sie muss sich oft ausruhen, ehe sie heimkommt; das verwundert sie zwar, aber sie denkt immer noch nicht an etwas Besonderes.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Zu Hause angekommen, geht sie in den Stall und will die Kiepe ausleeren, um noch mehr zu sammeln, da fallen lauter silberne Tannenzapfen heraus, dass sie ganz starr wird vor \u00dcberraschung und Staunen. Aber die Tannenzapfen will sie nicht behalten, denn sie glaubt, dass dies alles nicht mit rechten Dingen zugegangen sei, und wer wei\u00df, denkt sie, ob das M\u00e4nnlein nicht der Satan selbst gewesen ist. Also geht sie zu ihrem Mann in die Stube und erz\u00e4hlt ihm von dem M\u00e4nnchen, beschreibt ihr Abenteuer und fragt, ob das wohl mit rechten Dingen zugegangen sei und ob sie die silbernen Tannenzapfen behalten d\u00fcrfe. Da geht ein gl\u00fcckstrahlendes L\u00e4cheln \u00fcber das Gesicht ihres Mannes, und er erkl\u00e4rt ihr, dass sie nun reich seien und dass der kleine Kerl der H\u00fcbich gewesen sei, der schon manch anderen armen Leuten geholfen habe.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Am anderen Morgen l\u00e4sst es der Frau keine Ruhe: sie macht sich auf den Weg in den Wald in der Hoffnung, noch einmal den H\u00fcbich zu treffen. Sie will ihm f\u00fcr seine Hilfe danken. Und richtig, als sie wieder an die Stelle kommt, ist das M\u00e4nnlein mit dem eisgrauen Barte wieder da und fragt, ob sie gestern nicht sch\u00f6ne Tannenzapfen gefunden habe. Und als sie nun anf\u00e4ngt ihm zu danken, da lacht der H\u00fcbich nur freundlich und gibt ihr ein B\u00fcschel Kr\u00e4uter.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Hiervon koche deinem Mann einen Trank, und bald wird er wieder gesund werden!&#8220; Und mit diesen Worten geht er wieder ins Geb\u00fcsch.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Die Frau tat, wie ihr aufgetragen war, und noch am selben Tage wurde ihr Mann gesund. Beide haben noch lange gl\u00fccklich miteinander gelebt. Das Silber haben sie in der M\u00fcnze einschmelzen lassen und verkauft. Nur einen von den Tannenzapfen haben sie zum ewigen Andenken aufgehoben. Das ist der, der im Schrank des Bergmanns stand.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bergbaum\u00e4rchen<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[155,85,133],"tags":[],"class_list":["post-851","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bergbau","category-maerchen","category-maerchen-weltweit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/851","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=851"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/851\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":852,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/851\/revisions\/852"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=851"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=851"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=851"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}