{"id":83,"date":"2015-10-06T01:04:11","date_gmt":"2015-10-05T23:04:11","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=83"},"modified":"2026-01-15T02:31:48","modified_gmt":"2026-01-15T01:31:48","slug":"ali-baba-und-die-vierzig-raeuber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/ali-baba-und-die-vierzig-raeuber\/","title":{"rendered":"Ali Baba und die vierzig R\u00e4uber"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Ali Baba und die vierzig R\u00e4uber<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aus Geschichten von Tausendundeiner Nacht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Sobald die Sultanin Schehersad von ihrer wachsamen Schwester Dinarsad geweckt worden war, erz\u00e4hlte sie ihrem Gemahl, dem Sultan von Indien, folgende Geschichte:<\/span><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Ali Baba und die 40 R\u00e4uber: M\u00e4rchen aus 1001 Nacht Teil 1 (Gustav Weil | H\u00f6rbuch zum Einschlafen)\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/EdE6xxVkSg8?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">M\u00e4chtiger Sultan! &#8211; begann sie &#8211; In einer Stadt Persiens an den Grenzen deines Reiches lebten zwei Br\u00fcder, von denen der eine Casim, der andere Ali Baba hie\u00df. Da ihr Vater ihnen nur wenig Verm\u00f6gen hinterlassen und sie dieses Wenige gleichm\u00e4\u00dfig unter sich verteilt hatten, so sollte man denken, ihre \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nde m\u00fcssen ziemlich gleich gewesen sein; allein der Zufall wollte es anders.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Casim heiratete eine Frau, die bald nach ihrer Hochzeit eine wohlausgestattete Bude, ein reich angef\u00fclltes Warenlager und eine Menge liegender G\u00fcter erbte, so dass er auf einmal ein wohlhabender Mann und einer der reichsten Leute in der Stadt wurde.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Ali Baba dagegen heiratete eine Frau, die ebenso arm war als er selbst, wohnte sehr \u00e4rmlich und hatte keinen anderen Erwerb, um sich und den Seinigen den Lebensunterhalt zu verschaffen, als dass er in einem nahen Walde Holz f\u00e4llte, das er dann auf drei Eseln, seinem einzigen Besitztum, in die Stadt brachte und verkaufte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Eines Tages, als Ali Baba wieder im Walde war und eben Holz genug gef\u00e4llt hatte, um seine Esel damit zu beladen, sah er auf einmal in der Ferne eine gewaltige Staubwolke aufsteigen, die sich in gerader Richtung dem Orte n\u00e4herte, wo er war. Er blickte sehr aufmerksam nach ihr hin und erkannte bald, dass es eine zahlreiche Reiterschar war, die raschen Schrittes herankam.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Obgleich man in der Gegend nichts von R\u00e4ubern sprach, so kam Ali Baba doch auf den Gedanken, diese Reiter k\u00f6nnten dergleichen sein, und beschloss daher, seine Esel ihrem Schicksale zu \u00fcberlassen und nur seine eigene Person zu retten. Er stieg also auf einen Baum, dessen \u00c4ste zwar nicht hoch, aber au\u00dferordentlich dicht belaubt waren, und nahm darauf mit um so gr\u00f6\u00dferer Zuversicht seinen Posten ein, als er von da aus alles sehen konnte, was unten vorging, ohne selbst gesehen zu werden. Der Baum stand am Fu\u00dfe eines von allen Seiten vereinzelten Felsens, der viel h\u00f6her als der Baum und so steil war, dass man auf keine Weise hinaufsteigen konnte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Die Reiter, s\u00e4mtlich gro\u00dfe und stattliche Leute, und sowohl mit Waffen als Pferden sehr gut versehen, stiegen an dem Felsen ab, und Ali Baba, der ihrer vierzig z\u00e4hlte, konnte nach ihren Gesichtern und ihrem ganzen Anzuge nicht mehr zweifeln, dass es R\u00e4uber seien. Er t\u00e4uschte sich auch nicht: Es waren wirklich R\u00e4uber, die aber die Umgegend nicht im mindesten beunruhigten, sondern ihr Gesch\u00e4ft in weiter Ferne trieben und hier blo\u00df ihren Sammelplatz hatten. Er wurde in seiner Meinung best\u00e4rkt, als er sie weiter beobachtete.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Jeder von den Reitern z\u00e4umte sein Pferd ab, band es an, warf ihm einen Sack voll Gerste, den er hinter sich gehabt hatte, \u00fcber den Kopf, und packte dann seine Reisetasche ab. Die meisten derselben schienen Ali Baba so schwer, dass er schloss, sie m\u00fcssen voll Gold und Silber sein.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der stattlichste der R\u00e4uber, den der Ali Baba f\u00fcr ihren Hauptmann hielt, n\u00e4herte sich ebenfalls mit seiner Reisetasche auf der Schulter dem Felsen, der dicht an dem gro\u00dfen Baume war, wohin Ali Baba sich gefl\u00fcchtet hatte, und nachdem er sich durch einige Str\u00e4ucher den Weg gebahnt, sprach er die Worte: \u00bbSesam, \u00f6ffne dich!\u00ab so laut und deutlich, dass Ali Baba sie h\u00f6rte. Kaum hatte der R\u00e4uberhauptmann diese Worte ausgesprochen, so \u00f6ffnete sich eine T\u00fcr, durch die er alle seine Leute vor sich her eintreten lie\u00df; er selbst ging zuletzt hinein und die T\u00fcre schloss sich wieder.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Die R\u00e4uber blieben lange in dem Felsen, und Ali Baba musste geduldig auf dem Baume bleiben und warten; denn er f\u00fcrchtete, es m\u00f6chten einzelne oder auch alle zusammen in dem Augenblick, wo er seinen Posten verlassen und fliehen wollte, herauskommen. Gleichwohl geriet er in Versuchung, herabzusteigen, sich zweier Pferde zu bem\u00e4chtigen, auf das eine zu sitzen, das andere am Z\u00fcgel nebenher zu f\u00fchren, und so, indem er seine drei Esel vor sich hertriebe, in die Stadt zu reiten; doch war dieses Unternehmen zu gewagt, und er beschloss daher, den sicheren Teil zu ergreifen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Endlich \u00f6ffnete sich die T\u00fcre wieder, die vierzig R\u00e4uber traten heraus und der Hauptmann, der zuletzt hineingegangen war, war jetzt der erste, der herauskam und die \u00fcbrigen alle an sich vorbeiziehen lie\u00df. Ali Baba h\u00f6rte, dass auf seine Worte: \u00bbSesam, schlie\u00dfe dich!\u00ab die T\u00fcre sich wieder schloss. Jeder kehrte zu seinem Pferd zur\u00fcck, z\u00e4umte es, band seine Tasche \u00fcber den Sattel und schwang sich wieder hinauf. Als der Hauptmann endlich sah, dass sie alle zum Ritte ger\u00fcstet waren, so stellte, er sich an ihre Spitze und schlug wieder denselben Weg ein, auf dem sie gekommen waren.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Ali Baba stieg nicht sogleich vom Baume herab. \u00bbSie k\u00f6nnten\u00ab, sprach er bei sich selbst, \u00bbetwas vergessen haben, das sie wieder umzukehren n\u00f6tigte und dann w\u00fcrden sie mich ertappen.\u00ab Er verfolgte sie mit den Augen, bis er sie aus dem Gesichte verloren hatte, und stieg zur gr\u00f6\u00dferen Sicherheit erst lange nachher herab. Da er die Worte, kraft deren der R\u00e4uberhauptmann die T\u00fcre ge\u00f6ffnet und wieder geschlossen, wohl in seinem Ged\u00e4chtnisse behalten hatte, so wandelte ihn die Lust an, einen Versuch zu machen, ob sie vielleicht dieselbe Wirkung haben w\u00fcrden, wenn er sie ausspr\u00e4che. Er dr\u00e4ngt sich daher durch das Gestr\u00e4uch, fand die T\u00fcre, die von demselben verdeckt war, stellt sich vor sie hin, sprach die Worte: \u00bbSesam, \u00f6ffne dich!\u00ab und siehe da. im Augen. blick sprang die T\u00fcr angelweit auf.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Ali Baba hatte einen dunkeln und finstern Ort erwartet, aber wie gro\u00df war sein Erstaunen, als er das Innere des Felsens sehr hell, weit und ger\u00e4umig und von Menschenh\u00e4nden zu einem hohen Gew\u00f6lbe ausgeh\u00f6hlt sah, dass von oben herab durch eine k\u00fcnstlich angebrachte \u00d6ffnung sein Licht empfing. Er erblickte hier gro\u00dfe Mundvorr\u00e4te, Ballen von k\u00f6stlichen Kaufmannswaren, Seidenstoffen und Brokat, besonders auch wertvolle Teppiche, haufenweise aufget\u00fcrmt; was ihn aber am meisten anzog, war eine Masse gepr\u00e4gtes Gold und Silber, das teils in Haufen aufgesch\u00fcttet, teils in ledernen S\u00e4cken oder Beuteln immer einer nach dem anderen dalag. Bei diesem Anblick kam es ihm vor, als ob diese Felsenh\u00f6hle nicht erst seit einer Reihe von Jahren, sondern schon seit Jahrhunderten fortw\u00e4hrend R\u00e4ubern zum Zufluchtsort gedient haben m\u00fcsse.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Ali Baba besann sich nicht lange, was er hier tun sollte; er trat in die H\u00f6hle, und sobald er darin war, schloss sich die T\u00fcre wieder; doch beunruhigte ihn das nicht, denn er wusste ja das Geheimnis, sie zu \u00f6ffnen. Mit dem Silbergelde gab er sich nicht lange ab, sondern machte sich nur an das gem\u00fcnzte Gold und besonders an das, was in den S\u00e4cken war. Von diesem nahm er zu wiederholten Malen so viel, als er tragen und seinen drei Eseln, die sich indes zerstreut hatten, aufladen konnte. Als er sie wieder an dem Felsen zusammengetrieben hatte, bepackte er sie mit den S\u00e4cken, und um diese zu verbergen, legte er Holz oben drauf, so dass niemand etwas davon merken konnte. Als er fertig war, stellte er sich vor die T\u00fcre, und kaum hatte er die Worte: \u00bbSesam, schlie\u00dfe dich!\u00ab ausgesprochen, so schloss sie sich auch wieder; sie hatte sich n\u00e4mlich jedes Mal, wenn er hineingegangen war, von selbst geschlossen und war jedes Mal, wenn er herauskam, offen geblieben.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Ali Baba nahm nun seinen Weg nach der Stadt zur\u00fcck, und als er vor seinem Hause anlangte, trieb er seine Esel in einen kleinen Hof, dessen T\u00fcre er sorgf\u00e4ltig hinter sich zuschloss. Hierauf lud er das wenige Holz, das seinen Schatz bedeckte, ab, trug die S\u00e4cke in sein Haus und legte sie vor seiner Frau, die auf dem Sofa sa\u00df, auf den Tisch.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Seine Frau nahm die S\u00e4cke in die Hand, und als sie merkte, dass sie voll Gold waren, meinte sie, ihr Mann habe sie gestohlen. Wie er nun alle hereinbrachte, konnte sie nicht umhin, zu ihm zu sagen: \u00bbAli Baba, solltest du gottverlassen sein, um &#8230; \u00ab Ali Baba unterbrach sie mit den Worten: \u00bbSei ruhig, liebes Weib, und mach dir keine Sorge darob, ich bin kein Dieb, denn ich habe dies alles nur Dieben genommen. Du wirst deine schlechte Meinung von mir bald abgeben, wenn ich dir mein Gl\u00fcck erz\u00e4hlt haben werde.\u00ab Er sch\u00fcttete die S\u00e4cke aus, die einen gro\u00dfen Haufen Goldes ausmachten, so dass seine Frau ganz geblendet wurde; hierauf erz\u00e4hlte er ihr die Geschichte vom Anfang bis zum Ende und empfahl ihr dann vor allen Dingen die Sache geheim zu halten.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Als die Frau sich von ihrem Erstaunen und Schrecken wieder erholt hatte, freute sie sich mit ihrem Manne \u00fcber das Gl\u00fcck, das ihnen widerfahren, und wollte den ganzen Goldhaufen, der vor ihr lag, St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck z\u00e4hlen. \u00bbLiebe Frau\u00ab, sagte Ali Baba zu ihr, \u00bbdu bist nicht gescheit. Was f\u00e4llt dir da ein? Du w\u00fcrdest nie mit dem Z\u00e4hlen fertig werden. Ich will eine Grube machen und es dahinein vergraben; wir haben keine Zeit zu verlierend &#8211; \u00bbEs w\u00e4re doch gut\u00ab, antwortete die Frau, \u00bbwenn wir wenigstens ungef\u00e4hr w\u00fcssten, wie viel es ist, Ich will in der Nachbarschaft ein kleines Ma\u00df borgen und es damit messen, w\u00e4hrend du die Grube machst.\u00ab &#8211; \u00bbLiebe Frau\u00ab, sagte Ali Baba darauf, \u00bbdies w\u00fcrde uns zu nichts n\u00fctzen und ich rate dir, lass davon ab. Du kannst \u00fcbrigens tun, was du willst, aber vergi\u00df nur nicht, die Sache verschwiegen zu halten.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Um ihr Gel\u00fcste zu befriedigen, ging Ali Babas Frau fort und zu ihrem Schwager Casim, der nicht weit von ihr wohnte. Casim war nicht zu Hause, und sie wandte sich daher an seine Frau mit der Bitte, ihr doch einige Augenblicke ein Ma\u00df zu leihen. Die Schw\u00e4gerin fragte sie, ob sei ein gro\u00dfes oder ein kleines wolle, und Ali Babas Frau bat sich ein kleines aus. \u00bbRecht gerne\u00ab, antwortete die Schw\u00e4gerin, \u00bbwarte nur ein wenig, ich will es dir sogleich bringen.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Die Schw\u00e4gerin holte das Ma\u00df; da sie aber Ali Babas Armut kannte, so war sie neugierig zu erfahren, was f\u00fcr Getreide seine Frau damit messen wolle, und kam daher auf den Gedanken, unten an das Ma\u00df unvermerkt etwas Teig zu kleben. Darauf kam sie zur\u00fcck, \u00fcberreichte Ali Babas Frau das Ma\u00df und entschuldigte sich wegen ihres Ausbleibens, indem sie es lang habe suchen m\u00fcssen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Als Ali Babas Frau nach Hause zur\u00fcckkam, stellte sie das Ma\u00df auf den Goldhaufen, f\u00fcllte es an und lehrte es in einiger Entfernung davon auf das Sofa. Als sie nun alles gemessen hatte, war sie sehr zufrieden mit der ansehnlichen Zahl der Ma\u00dfe und teilte es ihrem Manne mit, der soeben die Grube vollendet hatte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">W\u00e4hrend Ali Baba das Geld vergrub, trug seine Frau, um ihrer Schw\u00e4gerin ihre P\u00fcnktlichkeit und Ordnungsliebe zu zeigen, das Ma\u00df zur\u00fcck, hatte aber nicht bemerkt, dass ein Goldst\u00fcck unten noch daran klebte. \u00bbLiebe Schw\u00e4gerin\u00ab, sagte sie zu ihr, als sie es zur\u00fcckgab, \u00bbdu siehst, dass ich dein Ma\u00df nicht zu lange behalten habe; ich bin dir sehr verbunden daf\u00fcr; hier hast du es wieder.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Kaum hatte Ali Babas Frau ihr den R\u00fccken gekehrt, als Casims Frau das Ma\u00df von unten besah, und man kann ihr Erstaunen denken, als sie das am Boden klebende Goldst\u00fcck fand. Alsbald fuhr der Satan des Neides in ihr Herz. \u00bbWie!\u00ab sagte sie, \u00bbAli Baba hat das Gold ma\u00dfweise, woher mag es wohl der Elende genommen haben?\u00ab Casim, ihr Mann, war, wie gesagt, nicht zu Hause, sondern in seiner Bude, von wo er erst auf den Abend zur\u00fcckerwartet wurde. Die Zeit bis zu seiner Heimkehr d\u00fcnkte ihr eine Ewigkeit, denn sie brannte vor Ungeduld, ihm die gro\u00dfe Nachricht mitzuteilen, die f\u00fcr ihn ebenso \u00fcberraschend sein musste, wie f\u00fcr sie.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Als Casim nach Hause kam, sagte seine Frau zu ihm: \u00bbDu glaubst ein reicher Mann zu sein, Casim, allein du t\u00e4uschest dich: Ali Baba ist tausendmal reicher als du; er kann sein Gold nicht z\u00e4hlen, sondern muss es messen.\u00ab Casim verlangte eine Erkl\u00e4rung dieses R\u00e4tsels, und sie erz\u00e4hlte ihm, wie schlau sie auf die Entdeckung gekommen sei; zugleich zeigte sie ihm das Goldst\u00fcck, das unten am Boden kleben geblieben war; es war so alt, dass der Name des F\u00fcrsten, der es hatte pr\u00e4gen lassen, ihnen unbekannt war.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Statt sich \u00fcber das Gl\u00fcck des bisher so armen Bruders herzlich zu freuen, empfand Casim eine Eifersucht, die ihm keine Ruhe mehr lie\u00df. Er konnte beinahe die ganze Nacht dar\u00fcber nicht schlafen, und am anderen Morgen ging er noch vor Sonnenaufgang zu ihm. Da er seit seiner Verheiratung mit der reichen Witwe ihn nicht mehr als seinen Bruder ansah und diesen Namen ganz vergessen hatte, so redete er ihn auch jetzt also an: \u00bbAli Baba, du bist sehr zur\u00fcckhaltend in deinen Angelegenheiten. Du spielst den Armen, den Notleidenden. den Bettler. und missest das Gold in Ma\u00dfen.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbLieber Bruder\u00ab, antwortete Ali Baba, \u00bbich wei\u00df nicht, was du da sagen willst; erkl\u00e4re dich deutlicher.\u00ab &#8211; \u00bbVerstell dich nur nicht so\u00ab, antwortete Casim, und indem er ihm das Gold zeigte, das seine Frau ihm gegeben hatte, f\u00fcgte er hinzu: \u00bbWie viel hast du solche Goldst\u00fccke? Meine Frau hat dieses hier an dem Ma\u00dfe gefunden, das die deinige gestern von ihr borgte.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Aus dieser Rede erkannte Ali Baba, dass infolge des Eigensinns seiner Frau Casim und dessen Weib bereits die Sache wussten, deren Geheimhaltung ihm so wichtig war. Allein der Fehler war einmal gemacht&#8216;, und man konnte ihm nicht abhelfen. Ohne sich seinen Verdruss im mindestens anmerken zu lassen, gestand er daher seinem Bruder die ganze Sache und erz\u00e4hlte ihm, durch welchen Zufall und an welchem Ort er den Schlupfwinkel der R\u00e4uber entdeckt hatte; zugleich erbot er sich, den Schatz mit ihm zu teilen, wenn er nur das Geheimnis bewahren wolle.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbJa, das verlange ich ohnehin\u00ab, versetzte Casim mit stolzem Tone; \u00bbaber\u00ab, f\u00fcgte er hinzu, \u00bbich will auch noch ganz genau wissen, wo der Schatz ist, an welchen n\u00e4heren Merkmalen ich ihn erkennen und wie ich wohl selbst hineinkommen kann, wenn es mich gel\u00fcstet; sonst zeige ich dich bei dem Gerichte an. Weigerst du dich des, so hast du nicht nur nichts mehr zu hoffen, sondern wirst auch das noch verlieren, was du schon hast; ich aber werde f\u00fcr diese Angabe meinen Anteil erhaltene.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Mehr aus Gutm\u00fctigkeit, als durch die unversch\u00e4mten Drohungen seines rohen Bruders eingesch\u00fcchtert, gab Ali Baba ihm vollst\u00e4ndige Auskunft \u00fcber alles, was er w\u00fcnschte und teilte ihm auch die Worte mit, die er sprechen musste, um in die H\u00f6hle hinein und wieder heraus zu gelangen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Mehr verlangte Casim nicht zu wissen. Er verlie\u00df seinen Bruder mit dem festen Vorsatz, ihm zuvorzukommen und in der Hoffnung, sich des Schatzes allein zu bem\u00e4chtigen. Am anderen Morgen brach er schon vor Tagesanbruch mit zehn Maultieren auf, die er mit gro\u00dfen Kisten beladen hatte, diese wollte er alle anf\u00fcllen und nahm sich vor, bei einer zweiten Fahrt nach dem Schatz noch weit mehr solche Kisten mitzunehmen, im Falle er noch so viele Ladungen darin vorf\u00e4nde, dass dies n\u00f6tig w\u00e4re. Er schlug den Weg ein, den Ali Baba ihm bezeichnet hatte, gelangte an den Felsen und erkannte die Merkmale, sowie den Baum, auf dem Ali Baba sich versteckt hatte. Er suchte die T\u00fcre, fand sie und sprach die Worte: \u00bbSesam, \u00f6ffne dich!\u00ab die T\u00fcre ging auf, er trat hinein und sogleich schloss sie sich wieder. Bei Besichtigung der H\u00f6hle geriet er in gro\u00dfe Verwunderung, da er darin weit mehr Reicht\u00fcmer antraf, als er nach Ali Babas Erz\u00e4hlung vermutet hatte, und sein Erstaunen wurde immer gr\u00f6\u00dfer, je mehr er alles einzeln betrachtete. Als ein geiziger Mann, dem die Reicht\u00fcmer \u00fcber alles gingen, h\u00e4tte er gerne den ganzen Tag lang seine Augen an dem Anblicke so vielen Goldes geweidet, wenn es ihm nicht eingefallen w\u00e4re, dass er eigentlich dazu gekommen sei, um das Gold zu holen und seine zehn Maulesel damit zu beladen. Er nahm daher eine Anzahl von S\u00e4cken, so viel er tragen konnte, ging damit auf die T\u00fcre zu, und da er an alles andere mehr dachte, als an das, was jetzt f\u00fcr ihn am wichtigsten war, so geschah es, dass er sich des notwendigen Wortes nicht mehr erinnerte, und, statt Sesam, sagte: \u00bbGerste, \u00f6ffne dich!\u00ab Aber wie gro\u00df war seine Best\u00fcrzung, als er sah, dass die T\u00fcr sich nicht \u00f6ffnete, sondern verschlossen blieb. Nun nannte er noch mehrere andere Namen von Getreidearten, aber nur den rechten nicht, und die T\u00fcr blieb immer verschlossen. Auf diesen Zufall hatte sich Casim nicht gefasst gemacht. Schrecken und Angst bem\u00e4chtigte sich seiner, als er sich nun in so gro\u00dfer Gefahr erblickte, und je mehr er sich anstrengte, um das Wort Sesam in sein Ged\u00e4chtnis zur\u00fcckzurufen, um so verwirrter wurde er, und bald war dies Wort f\u00fcr ihn, als ob er es nie h\u00e4tte nennen h\u00f6ren. Verzweiflungsvoll warf er jetzt die S\u00e4cke, womit er sich beladen hatte, zu Boden, ging mit gro\u00dfen Schritten in der H\u00f6hle auf und nieder, und alle die Reicht\u00fcmer, von denen er sich umgeben sah, hatten jetzt keinen Reiz mehr f\u00fcr ihn. Doch lassen wir Casim sein Schicksal beweinen. er verdient unser Mitleid nicht.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Die R\u00e4uber kehrten gegen Mittag zu ihrer H\u00f6hle zur\u00fcck, und als sie in die N\u00e4he kamen und die mit Kisten beladenen Maulesel Casims erblickten, so wurden sie \u00fcber diese neue Erscheinung unruhig, sprengten mit verh\u00e4ngtem Z\u00fcgel heran und jagten die zehn Maulesel, die Casim anzubinden vergessen hatte, und die ruhig weideten, auseinander, so dass sie sich da und dorthin im Walde zerstreuten und ihnen bald aus dem Gesicht entschwunden. Die R\u00e4uber nahmen sich nicht die M\u00fche, den Mauleseln nachzureiten: Es war ihnen weit wichtiger, ihren Besitzer aufzufinden. W\u00e4hrend nun einige um den Felsen herum die Runde machten, um ihn zu suchen, stieg der Hauptmann nebst den \u00fcbrigen ab, ging mit blankem S\u00e4bel gerade auf die T\u00fcre zu, sprach die Worte, und die T\u00fcr \u00f6ffnete sich.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Casim, der Mitten in der H\u00f6hle das Stampfen von Pferden h\u00f6rte, zweifelte jetzt nicht mehr, dass die R\u00e4uber angekommen und er selbst verloren sei. Gleichwohl beschloss er, einen Versuch zu machen, um aus ihren H\u00e4nden zu entrinnen und sich zu retten; daher stellte er sich dicht vor die T\u00fcr, um hinauszust\u00fcrzen, sobald sie sich \u00f6ffnen w\u00fcrde. Kaum h\u00f6rte er das Wort Sesam, das seinem Ged\u00e4chtnis entfallen war, aussprechen, und sah die T\u00fcre aufgehen, so st\u00fcrmte er so ungest\u00fcm hinaus, dass er den Hauptmann zu Boden warf. Allein den anderen R\u00e4ubern vermochte er nicht zu entgehen; diese hielten ebenfalls den blanken S\u00e4bel in der Hand und nahmen ihm auf der Stelle das Leben. Jetzt war die erste Sorge der R\u00e4uber, in die Grotte hineinzugehen. Sie fanden nahe bei der Mir die S\u00e4cke, die Casim bis dahin gebracht hatte, um seine Maulesel damit zu bepacken, und legten dieselben wieder auf den vorigen Platz, bemerkten aber nicht, dass diejenigen, die Ali Baba fortgeschafft hatte, fehlten. Indem sie sich nun \u00fcber diese Begebenheit gemeinschaftlich berieten, begriffen sie wohl, wie Casim nicht habe aus der Grotte herauskommen k\u00f6nnen, allein wie er hineingekommen sei, das konnten sie nicht verstehen. Sie kamen auf den Gedanken, er sei vielleicht von oben herabgestiegen; allein die \u00d6ffnung, durch welche das Licht hereinfiel, war so hoch, und der Gipfel des Felsens so unzug\u00e4nglich, dass sie einstimmig erkl\u00e4rten, dieses R\u00e4tsel k\u00f6nnten sie nicht aufl\u00f6sen. dass er durch die T\u00fcre hereingekommen sei, konnten sie nicht annehmen, denn dazu musste er doch das Geheimnis wissen, sie zu \u00f6ffnen, und in dessen Besitz, glaubten sie, sei niemand au\u00dfer ihnen selbst, Sie konnten n\u00e4mlich nicht wissen, dass Ali Baba sie belauscht und es geh\u00f6rt hatte. Wie nun auch die Sache gekommen sein mochte, es handelte sich jetzt darum, ihre gemeinschaftlichen Reicht\u00fcmer in Sicherheit zu bringen, und so kamen sie denn dahin \u00fcberein, den Leichnam Casims in vier Teile zu teilen und innerhalb der Grotte nicht weit von der T\u00fcre zwei zur Rechten und zwei zur Linken aufzuh\u00e4ngen, zum abschreckenden Beispiel f\u00fcr jeden, der die Frechheit haben w\u00fcrde, etwas \u00c4hnliches zu wagen; sie selbst aber beschlossen, erst nach Verlauf einiger Zeit, wenn der Leichengeruch sich verloren haben w\u00fcrde, in ihre H\u00f6hle zur\u00fcckzukehren. Da sie nichts weiter zur\u00fcckhielt, so verlie\u00dfen sie ihren Zufluchtsort, nachdem sie ihn wohl verschlossen, stiegen wieder zu Pferd und durchstreiften die Ebene in der Richtung hin, wo die Stra\u00dfen am meisten von den Karawanen besucht waren, um wie gew\u00f6hnlich Jagd auf dieselben zu machen und sie auszupl\u00fcndern.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Indes war Casims Frau in gro\u00dfer Unruhe, als die finstere Nacht anbrach und ihr Mann immer noch nicht zur\u00fcckkam. Voll Bek\u00fcmmernis ging sie zu Ali Baba und sagte zu ihm: \u00bbLieber Schwager, du wei\u00dft gewiss, dass dein Bruder Casim in den Wald gegangen ist und zu welchem Zweck. Er ist immer noch nicht zur\u00fcckgekommen und doch ist es bereits tiefe Nacht; ich f\u00fcrchte, es m\u00f6chte ihm irgend ein Ungl\u00fcck zugesto\u00dfen sein.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Ali Baba hatte nach der oben angef\u00fchrten Unterredung mit seinem Bruder seine Reise vermutet, und war deshalb an diesem Tage nicht selbst in den Wald gegangen, um ihm keinen Anlass zum Argwohn zu geben. Ohne ihr irgend einen Vorwurf zu machen, der sie oder ihren Mann, wenn er noch am Leben gewesen w\u00e4re, h\u00e4tte beleidigen k\u00f6nnen, sagte er zu ihr, sie solle sich deswegen noch nicht bek\u00fcmmern, denn ohne Zweifel habe Casim es f\u00fcr zweckm\u00e4\u00dfig gefunden, erst sp\u00e4ter in die Stadt zur\u00fcckzukehren.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Casims Frau glaubte dies um so leichter, da sie bedachte, wie sehr ihrem Mann daran liegen musste, die Sache geheim zu halten. Sie kehrte also nach Hause zur\u00fcck und wartete geduldig bis um Mitternacht. Nun aber verdoppelte sich ihre Bek\u00fcmmernis und ihr Herzeleid um so mehr, da sie ihrem ge\u00e4ngstigten Herzen nicht durch Schreien und Weinen Luft schaffen konnte, weil sie wohl einsah, dass die wahre Ursache davon vor der Nachbarschaft ein Geheimnis bleiben musste. Jetzt, da ihr Fehler nicht wieder gut zu machen war, bereute sie ihre n\u00e4rrische Neugierde und ihr str\u00e4fliches Begehren, die h\u00e4uslichen Angelegenheit ihres Schwagers und ihrer Schw\u00e4gerin durchschauen zu wollen. Sie weinte die ganze Nacht durch, und bei Tagesanbruch eilte sie wieder zu ihm, indem sie mehr durch Tr\u00e4nen als durch Worte zu verstehen gab, warum sie komme. Ali Baba wartete nicht, bis seine Schw\u00e4gerin ihn bat, er m\u00f6chte sich die M\u00fche nehmen und nachsehen, was aus Casim geworden sei. Er machte sich auf der Stelle mit seinen drei Eseln auf und ging in den Wald, nachdem er ihr zuvor empfohlen hatte, ihre Betr\u00fcbnis zu m\u00e4\u00dfigen. Als er sich dem Felsen n\u00e4herte, ohne auf dem ganzen Wege weder seinen Bruder noch die Maulesel angetroffen zu haben, verwunderte er sich sehr \u00fcber das Blut, das er am Eingange der H\u00f6hle bemerkte, und dies erschien ihm als eine \u00fcble Vorbedeutung. Er trat vor die T\u00fcre, sprach die Worte, sie \u00f6ffnete sich und das erste, was ihm in die Augen fiel, war der Leichnam seines gevierteilten Bruders. Bei diesem traurigen Anblick besann er sich nicht lange, was er tun solle, sondern beschloss alsbald, seinem Bruder die letzte Ehre zu erweisen, denn er gedachte nicht mehr, wie wenig br\u00fcderliche Liebe dieser stets f\u00fcr ihn gehegt hatte. Er fand in der H\u00f6hle allerlei Zeug, um darein die vier Teile seines Bruders in verschiedene Ballen zu packen, womit er einen seiner Esel belud; oben dar\u00fcber legte er Holz, damit niemand es merken m\u00f6chte. Die beiden anderen Esel bepackte er ohne weitern Aufschub mit vollen Golds\u00e4cken, \u00fcber die er, wie das erste Mal, Holz legte, und nachdem er dies vollendet und der T\u00fcre befohlen hatten, sich wieder zu schlie\u00dfen, zog er nach der Stadt zur\u00fcck. Er war jedoch vorsichtig genug, am Ausgange des Waldes solange zu warten, dass er erst mit Anbruch der Nacht dieselbe erreichte. Zu Hause angekommen, trieb er nur die zwei mit Gold beladenen Esel in den Hof, \u00fcberlie\u00df seiner Frau das Gesch\u00e4ft, sie abzuladen, und nachdem er ihr mit wenigen Worten das Schicksal Casims mitgeteilt hatte, f\u00fchrte er den dritten Esel zu seiner Schw\u00e4gerin. Ali Baba klopfte an die T\u00fcre und sie wurde ihm von einer gewissen Morgiane ge\u00f6ffnet. Diese Morgiane war eine geschickte, kluge und erfinderische Sklavin, welche die gr\u00f6\u00dften Schwierigkeiten zu \u00fcberwinden wusste, und Ali Baba kannte sie als solche. Als er daher in den Hof getreten war, und dem Esel das Holz nebst den beiden Packen abgenommen hatte, zog er Morgiane beiseite und sagte zu ihr: \u00bbMorgiane, das erste, was ich von dir verlange, ist unverbr\u00fcchliche Verschwiegenheit: Du wirst bald sehen, wie viel deiner Gebieterin und mir daran liegen muss. Diese zwei P\u00e4cke enthalten den Leichnam deines Herrn; wir m\u00fcssen jetzt darauf denken, ihn so zu beerdigen, als ob er eines nat\u00fcrlichen Todes gestorben w\u00e4re. F\u00fchre mich zu deiner Gebieterin, und achte auf das, was ich ihr sagen werde.\u00ab Morgiane meldete es ihrer Gebieterin, und Ali Baba, der ihr auf dem Fu\u00dfe folgte, trat ins Zimmer. \u00bbNun, mein Schwager\u00ab, rief ihm die Witwe mit gro\u00dfer Ungeduld entgegen, \u00bbwas f\u00fcr Nachricht bringst du mir von meinem Manne? Dein Gesicht verk\u00fcndet nichts Tr\u00f6stliches.\u00ab.- \u00bbSchw\u00e4gerin\u00ab, antwortete Ali Baba, \u00bbich kann dir nichts sagen, bevor du mir gelobst, dass du mich vom Anfang bis zum Ende anh\u00f6ren willst, ohne den Mund zu \u00f6ffnen. Nach dem Vorfall, den ich dir zu erz\u00e4hlen habe, ist es f\u00fcr dein eigenes Wohl und deine Ruhe gleich wichtig, wie f\u00fcr mich, dass die Sache verschwiegen bleibt.\u00ab &#8211; \u00bbAch!\u00ab rief die Schw\u00e4gerin halblaut aus, \u00bbdiese Einleitung l\u00e4sst mich erkennen, dass mein Mann nicht mehr am Leben ist; zugleich aber sehe ich ein, wie notwendig die Verschwiegenheit ist, die du von mir forderst. Ich muss mir freilich viel Gewalt antun, aber sprich nur, ich h\u00f6re dich. \u00ab Ali Baba erz\u00e4hlte hierauf seiner Schw\u00e4gerin den ganzen Erfolg seiner Reise bis zu seiner Heimkehr mit Casims Leichnam. \u00bbSchw\u00e4gerin\u00ab, f\u00fcgte er hinzu, \u00bbdu hast nun freilich gro\u00dfe Ursache, betr\u00fcbt zu sein, um so mehr, je weniger du es erwarten konntest, Dieses Ungl\u00fcck l\u00e4sst sich nicht mehr \u00e4ndern; wenn aber irgend etwas imstande ist, dich zu tr\u00f6sten, so erbiete ich mich, die wenigen G\u00fcter, die mir Gott beschert, mit den deinigen zu vereinigen und dich zu heiraten; zugleich gebe ich dir die Versicherung, dass meine Frau nicht eifers\u00fcchtig sein und ihr euch gewiss recht gut miteinander vertragen werdet. Gef\u00e4llt dir mein Vorschlag, so m\u00fcssen wir vor allem darauf denken, die Sache so einzuleiten, dass jedermann glaubt, mein Bruder sei eines nat\u00fcrlichen Todes gestorben, und hierin denke ich, kannst du dich ganz auf Morgiane verlassen; auch ich werde meinerseits alles beitragen, was in meiner Macht steht.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Was konnte Casims Witwe Besseres tun, als Ali Babas Vorschlag annehmen? Neben dem Verm\u00f6gen, dass ihr durch den Tod ihres ersten Mannes zufiel, bekam sie einen zweiten Mann, der reicher war, als sie selbst, und infolge der Entdeckung des Schatzes noch reicher werden konnte. Sie lehnte also den Antrag nicht ab, sondern betrachtete ihn im Gegenteil als einen sehr triftigen Grund, sich zu tr\u00f6sten. Indem sie daher ihre Tr\u00e4nen trocknete, die bereits reichlich zu flie\u00dfen begonnen hatten, und jenes durchdringende Klagegeschrei, das Frauen bei dem Verluste ihrer M\u00e4nner zu erheben pflegen, unterlie\u00df, bewies sie Ali Baba genugsam, dass sie sein Anerbieten annahm. In dieser Stimmung verlie\u00df Ali Baba die Witwe Casims, und nachdem er Morgiane anempfohlen hatte, ihre Rolle gut zu spielen, kehrte er mit seinem Esel nach Hause zur\u00fcck. Morgiane tat, was man von ihr erwartete; sie ging in demselben Augenblicke, wie Ali Baba, aus dem Hause und zu einem Apotheker, der in der N\u00e4he wohnte. Sie klopfte an seinen Laden, und als man ihr ge\u00f6ffnet, verlangte sie eine gewisse Art von Arzneit\u00e4felchen, die in den gef\u00e4hrlichsten Krankheiten von sehr gro\u00dfem Nutzen sind. Der Apotheker gab ihr einige f\u00fcr das Geld, das sie auf den Tisch gelegt hatte, und fragte, wer denn im Hause ihres Herrn krank sei? \u00bbAch!\u00ab erwiderte sie mit einem tiefen Seufzer, \u00bbCasim, mein guter Herr, ist es selbst. Man kann aus seiner Krankheit nicht klug werden, er spricht nichts und kann nichts essen.\u00ab Mit diesen Worten nahm sie die Arzneit\u00e4felchen fort, von denen Casim keinen Gebrauch mehr machen konnte. Am anderen Morgen kam Morgiane wieder zu demselben Apotheker und verlangte mit Tr\u00e4nen in den Augen einen Saft, den man Kranken nur in der \u00e4u\u00dfersten Gefahr einzugeben pflegt; wenn dieser Saft sie nicht gesund machte, so gab man alle Hoffnung auf ihre Genesung auf, \u00bbAch!\u00ab sagte sie mit gro\u00dfer Betr\u00fcbnis, als sie ihn aus den H\u00e4nden des Apothekers empfing, \u00bbich f\u00fcrchte sehr, dies Mittel wird ebenso wenig anschlagen, wie die Arzneit\u00e4felchen. Ach, was war es f\u00fcr ein guter Herr, und jetzt soll ich ihn verlieren!\u00ab Da man nun auch von der anderen Seite Ali Baba und seine Frau den ganzen Tag mit betr\u00fcbtem Gesichte nach Casims Hause hin und her gehen sah, so wunderte sich niemand \u00fcber das Jammergeschrei, das Casims Frau und besonders Morgiane am Abend erhoben, um Casims Tod zu verk\u00fcndigen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Am anderen Morgen ging Morgiane, die auf dem Marktplatze einen alten, ehrlichen Schuhflicker kannte, der seine Bude immer zuerst und lange vor den anderen \u00f6ffnete, in aller Fr\u00fche aus, um ihn aufzusuchen. Sie begr\u00fc\u00dfte ihn mit dem gew\u00f6hnlichen Gru\u00df und r\u00fcckte ihm sogleich ein Goldst\u00fcck in die Hand. Der Schuhflicker, der in der ganzen Stadt unter dem Namen Baba Mustafa bekannt und ein sehr lustiger Kamerad voll heiterer Einf\u00e4lle war, besah das St\u00fcck genau, weil es noch nicht recht Tag war, und als er sich \u00fcberzeugt, dass er Gold bekommen, sagte er: \u00bbEin sch\u00f6nes Handgeld! Was steht zu Befehl? Ich bin bereit, alles zu tun\u00ab &#8211; \u00bbBaba Mustafa\u00ab, sagte Morgiane zu ihm, \u00bbnimm all dein Handwerkszeug, das zum Flicken n\u00f6tig ist, und komm schnell mit mir; du musst dir aber, wenn wir an dem und dem Orte angekommen sind, die Augen verbinden lassen.\u00ab Bei diesen Worten machte Baba Mustafa Schwierigkeiten. \u00bbNein, nein\u00ab, antwortete er, \u00bbdu verlangst gewiss etwas von mir, was gegen mein Gewissen oder gegen meine Ehre ist.\u00ab &#8211; \u00bbGott beh\u00fcte\u00ab, erwiderte Morgiane, indem sie ihm ein zweites Goldst\u00fcck in die Hand dr\u00fcckte, \u00bbich fordere nichts von dir, was du nicht in allen Ehren tun k\u00f6nntest. Komm nur und mache dir keine unn\u00f6tige Angst.\u00ab Baba Mustafa folgte, und Morgiane f\u00fchrte ihn, nachdem sie ihm an der bezeichneten Stelle ein Tuch vor die Augen gebunden, in das Haus ihres verstorbenen Herrn und nahm ihm das Tuch erst in dem Zimmer ab, wohin sie den Leichnam gebracht und seine vier Teile geh\u00f6rig zusammengesetzt hatte. \u00bbBaba Mustafa\u00ab, sagte sie jetzt zu ihm, \u00bbich habe dich hierher gebracht, damit du diese vier St\u00fccke da zusammenn\u00e4hen sollst. Verliere keine Zeit, und wenn du damit fertig bist, bekommst du noch ein Goldst\u00fcck.\u00ab Als Baba Mustafa fertig war, verband ihm die Morgiane in demselben Zimmer wieder die Augen, und nachdem sie ihm das versprochene dritte Goldst\u00fcck eingeh\u00e4ndigt und Verschwiegenheit empfohlen, f\u00fchrte sie ihn an den Ort zur\u00fcck, wo sie ihm auf dem Herwege die Augen verbunden hatte. Hier nahm sie ihm das Tuch wieder ab und lie\u00df ihn nach Hause gehen; sie verfolgte ihn mit den Blicken, so weit sie konnte, damit er keine Lust bekommen sollte, zur\u00fcckzukehren und sie selbst zu beobachten.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Morgiane hatte hei\u00dfes Wasser bereiten lassen, um Casims Leichnam zu waschen, und Ali Baba, der zugleich mit ihr ins Haus zur\u00fcckgekehrt war, wusch ihn, ber\u00e4ucherte ihn mit Weihrauch und h\u00fcllte ihn mit den gew\u00f6hnlichen Feierlichkeiten und Gebr\u00e4uchen ins Leichentuch. Bald brachte auch der Schreiner den Sarg, den Ali Baba bei ihm bestellt hatte. Damit nun der Schreiner nichts merken m\u00f6chte, nahm Morgiane den Sarg an der T\u00fcre in Empfang, und nachdem sie ihn bezahlt und weggeschickt hatte, half sie Ali Baba die Leiche hineinzulegen. Sobald dieser den Deckel darauf genagelt hatte, ging sie nach der Moschee und meldete, dass alles zu der Beerdigung bereit sei. Die Leute der Moschee, deren Gesch\u00e4ft es ist, die Leiche zu waschen, boten ihre Dienste an, um ihre Verrichtung zu erf\u00fcllen, allein sie sagte ihnen, dies sei schon geschehen. Kaum war Morgiane wieder zu Hause, als der Imam nebst den \u00fcbrigen Dienern der Moschee ankam. Vier von Casims Nachbarn nahmen den Sarg auf die Schultern und trugen ihn hinter dem Imam her, der fortw\u00e4hrend Gebete sprach, auf den Begr\u00e4bnisplatz. Morgiane, als die Sklavin des Verstorbenen, folgte unter Tr\u00e4nen und mit entbl\u00f6\u00dftem Haupte, indem sie ein lautes Klagegeschrei erhob, sich heftig die Brust zerschlug und die Haare ausraufte. Hinter ihr ging Ali Baba, begleitet von den Nachbarn, die von Zeit zu Zeit und nach der Reihe die anderen Nachbarn, welche den Sarg trugen, abl\u00f6sten, bis man allm\u00e4hlich den Begr\u00e4bnisplatz erreicht hatte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Was nun Casims Frau betrifft, so blieb diese zu Hause, um ihrer Betr\u00fcbnis nachzuh\u00e4ngen und ein lautes Klagegeschrei zu erheben mit ihren Nachbarinnen, die der bestehenden Sitte zufolge w\u00e4hrend der Begr\u00e4bnisfeierlichkeit zu ihr gekommen waren, um ihre Wehklagen mit denen der Witwe zu vereinigen, und das ganze Stadtviertel weit und breit mit Trauer erf\u00fcllten. Auf diese Art blieb Casims ungl\u00fccklicher Tod ein Geheimnis zwischen Ali Baba, dessen Frau, Casims Witwe und Morgiane, und diese vier Personen bewahrten es so behutsam, dass kein Mensch in der Stadt nur im mindesten etwas argw\u00f6hnte, geschweige denn erfuhr. Drei und vier Tage nach Casims Beerdigung schaffte Ali Baba die wenigen Ger\u00e4tschaften, die er besa\u00df, samt dem aus der Schatzh\u00f6hle der R\u00e4uber geholten Gelde, letzteres aber blo\u00df bei Nacht, in das Haus der Witwe seines Bruders, um fortan da zu wohnen. Dadurch brachte er zugleich seine Verheiratung mit seiner Schw\u00e4gerin zur \u00f6ffentlichen Kunde, und da Heiraten dieser Art bei unserer Religion durchaus nichts Ungew\u00f6hnliches sind, so wunderte sich auch niemand dar\u00fcber. Was Casims Laden betrifft, so hatte Ali Baba einen Sohn, der seit einiger Zeit seine Lehrjahre bei einem bedeutenden Kaufmanne vollendet und von ihm immer gute Zeugnisse erhalten hatte. Diesem \u00fcbergab er ihn mit dem Versprechen, wenn er fortfahre, sich gut aufzuf\u00fchren, so werde er ihn mit der Zeit seinem Stande gem\u00e4\u00df vorteilhaft verheiraten.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Wir wollen indes Ali Baba sein neues Gl\u00fcck genie\u00dfen lassen, und uns wieder ein wenig nach den vierzig R\u00e4ubern umsehen. Sie kehrten nach der bestimmten Frist in ihren Schlupfwinkel im Walde zur\u00fcck und erstaunten \u00fcber die Ma\u00dfen, als sie Casims Leichnam nicht mehr vorfanden; noch h\u00f6her aber stieg ihre Verwunderung, da sie an ihren Golds\u00e4cken eine bedeutende Verminderung bemerkten. \u00bbWir sind verraten und verloren\u00ab, sprach der Hauptmann, \u00bbwenn wir uns nicht sehr in acht nehmen, und sogleich die n\u00f6tigsten Gegenma\u00dfregeln ergreifen; sonst w\u00fcrden wir allm\u00e4hlich alle unsere Reicht\u00fcmer einb\u00fc\u00dfen, die unsere Vorfahren und wir selbst mit so vieler M\u00fche und Beschwerde erworben haben. Aus dem Schaden, der uns angerichtet worden ist, geht so viel hervor, dass der Dieb, den wir ertappten, das Geheimnis wusste, die T\u00fcr zu \u00f6ffnen, und wir zum guten Gl\u00fccke gerade in dem Augenblicke dazu kamen, als er wieder hinausgehen wollte. Er war jedoch nicht allein, sondern ein anderer muss ebenfalls darum wissen. Was bed\u00fcrfen wir weiter Zeugnis, als dass seine Leiche fortgeschafft worden ist und unser Schatz bedeutend abgenommen hat. Da es nun nicht scheint, dass mehr als zwei Personen um das Geheimnis wissen, so m\u00fcssen wir, nachdem wir den ersten umgebracht, auch den zweiten aus dem Wege r\u00e4umen. Was sagt ihr dazu, brave Leute, seid ihr nicht auch meiner Meinung?\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der Vorschlag des R\u00e4uberhauptmanns leuchtete der ganzen Bande vollkommen ein; sie billigten ihn alle und vereinigten sich dahin, dass man vorderhand jede andere Unternehmung beiseite setzen und die vereinigten Kr\u00e4fte blo\u00df dieser allein widmen solle; ja man solle nicht eher davon abgehen, bis der Zweck erreicht sei.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbEben das\u00ab, fuhr der Hauptmann fort, \u00bbhabe ich von eurem Mut und eurer Tapferkeit erwartet; vor allem aber muss ein k\u00fchner, gewandter und unternehmender Mann aus eurer Mitte ohne Waffen, in der Tracht eines fremden Reisenden, in die Stadt gehen und seine ganze Geschicklichkeit aufbieten, um zu erkunden, ob man da nicht von dem auffallenden Tode dessen spricht, den wir, wie er verdiente, umgebracht haben, wer er war und in welchem Hause er wohnte. Dies ist f\u00fcr jetzt das Wichtigste, damit wir nichts tun, das wir jemals zu bereuen Ursache h\u00e4tten, und uns nicht in einem Lande verraten, wo wir so lange unbekannt waren, und es so wichtig f\u00fcr uns ist, auch fernerhin unbekannt zu bleiben. In indes denjenigen, der sich zu dieser Sendung erbieten wird, anzufeuern und damit er uns nicht einen falschen Bericht hinterbringe, der unser aller Verderben nach sich ziehen k\u00f6nnte, so frage ich euch, ob ihr es nicht f\u00fcr angemessen haltet, dass er sich in diesem Falle der Todesstrafe unterwerfe?\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Ohne erst die Abstimmung der anderen abzuwarten, sagte einer der R\u00e4uber: \u00bbIch unterwerfe mich der Bedingung und mache mir eine Ehre daraus, bei diesem Gesch\u00e4fte mein Leben zu wagen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Gelingt es mir nicht, so werdet ihr euch wenigstens erinneren, dass es mir weder an gutem Willen, noch an Mut gefehlt hat, um das Wohl der Gesellschaft zu bef\u00f6rdern.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der R\u00e4uber erhielt gro\u00dfe Lobspr\u00fcche vom Hauptmann und seinen Kameraden und verkleidete sich dann so vollst\u00e4ndig, dass niemand ihn f\u00fcr das halten konnte, was er wirklich war. Er ging nachts ab und traf seine Ma\u00dfregeln so, dass er gerade um die Zeit, wo der Tag zu grauen anfing, in die Stadt kam. Auf dem Marktplatz angelangt, sah er nur einen einzigen Laden offen, n\u00e4mlich den des Baba Mustafa.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Baba Mustafa sa\u00df mit dem Pfriemen in der Hand auf seinem Stuhle und wollte eben sein Gesch\u00e4ft beginnen. Der R\u00e4uber trat auf ihn zu, w\u00fcnschte ihm guten Morgen, und da er sein hohes Alter bemerkte, sagte er zu ihm: \u00bbGuter Mann, du f\u00e4ngst sehr fr\u00fche an zu arbeiten; du kannst bei deinen Jahren unm\u00f6glich jetzt schon gut sehen. Auch wenn es noch heller w\u00e4re, so zweifle ich doch, dass deine Augen noch scharf genug sind zum Flicken.\u00ab &#8211; \u00bbWer du auch sein magst\u00ab, antwortete Baba Mustafa, \u00bbso scheinst du mich nicht zu kennen. Ich bin zwar allerdings schon sehr alt, habe aber dennoch treffliche Augen, und zum Beweis daf\u00fcr will ich dir nur sagen, dass ich vor noch nicht langer Zeit einen Toten an einem Orte zusammengeflickt habe, wo es nicht viel heller war, als es jetzt hier ist.\u00ab Der R\u00e4uber war hocherfreut, sogleich einen Mann angetroffen zu haben, der ihm, wie er hoffte, von selbst ungefragt \u00fcber das Auskunft geben w\u00fcrde, weswegen er hierher gekommen war. \u00bbEinen Toten?\u00ab fragte er ganz verwundert, und um ihn zum Sprechen zu bringen, f\u00fcgte er hinzu: \u00bbWarum denn einen Toten zusammenn\u00e4hen? Du wolltest offenbar sagen, das Leichentuch, worin er eingeh\u00fcllt war!\u00ab &#8211; \u00bbNein, nein\u00ab, antwortete Baba Mustafa, \u00bbich wei\u00df recht gut, was ich sagen will. Du m\u00f6chtest mich gerne zum Sprechen bringen, allein ich werde dir nichts mehr davon erz\u00e4hlen.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der R\u00e4uber bedurfte keine weiteren Erkl\u00e4rungen, um \u00fcberzeugt zu sein, dass er gefunden habe, was zu suchen er gekommen war. Er zog ein Goldst\u00fcck aus der Tasche, dr\u00fcckte es Baba Mustafa in die Hand und sagte zu ihm: \u00bbIch habe durchaus nicht die Absicht, in ein Geheimnis eindringen zu wollen, obwohl ich dich versichern kann, dass ich es nicht verbreiten w\u00fcrde, wenn du mir es anvertrautest. Das einzige, um was ich dich bitte, ist, dass du so gef\u00e4llig sein m\u00f6gest, mir das Haus zu beschreiben oder zu zeigen, wo du den Leichnam zusammengen\u00e4ht hast.\u00ab &#8211; \u00bbWenn ich dies auch gern tun wollte\u00ab, antwortete Baba Mustafa, indem er Miene machte, ihm das Goldst\u00fcck zur\u00fcckzugeben, \u00bbso versichere ich dich doch, dass es mir unm\u00f6glich w\u00e4re, und du kannst mir dies auf mein Wort glauben. Man hat mich n\u00e4mlich an einen gewissen Ort gef\u00fchrt, wo mir die Augen verbunden wurden, und von da nach einem Hause, von wo aus man mich nach Vollendung meines Gesch\u00e4fts auf dieselbe Weise an denselben Ort zur\u00fcckf\u00fchrte. Du siehst also ein, dass ich dir unm\u00f6glich deinen Wunsch gew\u00e4hren kann.\u00ab &#8211; \u00bbSo wirst du dich doch\u00ab, fragte der R\u00e4uber weiter, \u00bbwenigstens einigerma\u00dfen noch des Wegs erinneren, den man dich mit verbundenen Augen gef\u00fchrt hat. Ich bitte dich, komme jetzt mit mir, ich will dir an derselben Stelle die Augen verbinden und dann wollen wir miteinander dieselbe Stra\u00dfe und dieselben Kreuz- und Querwege gehen, die du dich damals gegangen zu sein erinnerst. Da aber jeder Arbeiter seines Lohnes wert ist, so gebe ich dir hiermit ein zweites Goldst\u00fcck. Komm und tu mir diesen Gefallen.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Die beiden Goldst\u00fccke lockten Baba Mustafa. Er betrachtete sie eine Zeitlang in seiner Hand, ohne ein Wort zu sprechen, und ging mit sich zu Rate, was er tun solle. Endlich zog er seinen Geldbeutel, steckte sie hinein und sagte dann zum R\u00e4uber: \u00bbIch kann zwar nicht versichern, dass ich mich des Wegs, den man mich damals f\u00fchrte, genau erinnere; da du es aber so haben willst, so komm, ich will mein m\u00f6glichstes tun, um mich darauf zu besinnen.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Baba Mustafa machte sich nun zur gro\u00dfen Freude des R\u00e4ubers auf, und ohne seinen Laden zu verschlie\u00dfen, worin er nichts Bedeutendes zu verlieren hatte, f\u00fchrte er ihn an den Ort, wo Morgiane ihm die Augen verbunden hatte. Als sie dort angekommen waren, sagte Baba Mustafa: \u00bbHier hat man mich verbunden und ich sah gerade nach derselben Stra\u00dfe wie jetzt.\u00ab Der R\u00e4uber, der schon sein Schnupftuch in Bereitschaft hatte, verband ihm nun gleichfalls die Augen und ging neben ihm her, indem er ihn teils f\u00fchrte, teils sich von ihm f\u00fchren lie\u00df, bis er stehen blieb.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbWeiter\u00ab, sagte Baba Mustafa, \u00bbbin ich, so viel ich wei\u00df, nicht gekommen\u00ab, und er befand sich wirklich vor Casims Hause, wo jetzt Ali Baba wohnte. Der R\u00e4uber machte, bevor er ihm das Tuch von den Augen nahm, schnell mit einem St\u00fcck Kreide ein Zeichen vor die T\u00fcre, und als er es ihm abgebunden hatte, fragte er ihn, ob er wisse, wem das Haus geh\u00f6re. Baba Mustafa antwortete, er wohne nicht in diesem Stadtviertel und k\u00f6nne ihm auch nichts Weiteres davon sagen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Als der R\u00e4uber sah, dass er von Baba Mustafa nichts mehr erfahren konnte, dankte er ihm f\u00fcr seine Bem\u00fchung und lie\u00df ihn nach seinem Laden zur\u00fcckgehen; er selbst aber ging wieder in den Wald, in der festen \u00dcberzeugung, dorten eine gute Aufnahme zu finden.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Bald nachdem der R\u00e4uber und Baba Mustafa sich getrennt hatten, ging Morgiane eines Gesch\u00e4ftes wegen aus dem Hause Ali Babas und als sie zur\u00fcckkam, bemerkte sie das Zeichen, das der R\u00e4uber an die T\u00fcre gemacht hatte, Sie blieb stehen und betrachtete es aufmerksam. \u00bbWas mag wohl dieses Zeichen bedeuten?\u00ab sagte sie bei sich selbst; \u00bbsollte jemand B\u00f6ses gegen meinen Herrn im Schilde f\u00fchren, oder ist es blo\u00df zum Scherze gemacht worden? Dem sei \u00fcbrigens wie es wolle, es kann nichts schaden, wenn man sich f\u00fcr jeden Fall sicher stellt.\u00ab Sie nahm sofort ebenfalls Kreide, und da die zwei oder drei vorhergehenden und dahinterfolgenden T\u00fcren fast ebenso aussahen, wie ihre Haust\u00fcre, so bezeichnete sie dieselben an der n\u00e4mlichen Stelle und ging sodann in das Haus zur\u00fcck, ohne weder ihrem Herrn noch dessen Frau etwas davon zu sagen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der R\u00e4uber setzte indes seinen Weg nach dem Walde fort und kam sehr bald zur \u00fcbrigen Gesellschaft zur\u00fcck. Er stattete sogleich Bericht vom Erfolg seiner Reise ab und pries \u00fcber die Ma\u00dfen sein Gl\u00fcck, dass er gleich anfangs einen Mann gefunden, der ihm das, was ihn in die Stadt gef\u00fchrt, erz\u00e4hlt habe, denn er h\u00e4tte es sonst von niemand erfahren k\u00f6nnen. Alle bezeigten gro\u00dfe Freude dar\u00fcber, der Hauptmann aber nahm das Wort, und nachdem er seinen Eifer gelobt, sprach er folgenderma\u00dfen zu der ganzen Gesellschaft: \u00bbKameraden, wir haben keine Zeit mehr zu verlieren; lasst uns wohlbewaffnet, aber ohne dass man es uns ansieht, aufbrechen und um keinen Verdacht zu erregen, einzeln, einer nach dem andern, in die Stadt gehen; dort kommt von verschiedenen Seiten her auf dem Marktplatze zusammen, w\u00e4hrend ich mit unserm Kameraden, der uns eben diese gute Nachricht gebracht hat, das Haus auskundschaften werde, um darnach die zweckm\u00e4\u00dfigen Ma\u00dfregeln treffen zu k\u00f6nnen.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Die Rede des R\u00e4uberhauptmannes wurde mit gro\u00dfem Beifall aufgenommen, und sie waren bald reisefertig. Sie zogen nun zu zwei und drei von dannen, und da sie immer in angemessener Entfernung voneinander gingen, so gelangten sie ohne Verdacht zu erregen in die Stadt. Der Hauptmann und der R\u00e4uber, der morgens hier gewesen war, trafen zuletzt daselbst ein. Dieser f\u00fchrte den Hauptmann in die Stra\u00dfe, wo er Ali Babas Haus bezeichnet hatte, und als er an die erste, von Morgiane bezeichnete Haust\u00fcre kam, machte er ihn darauf aufmerksam und sagte, das sei die rechte. Als sie aber, um sich nicht verd\u00e4chtig zu machen, weiter gingen, bemerkte der Hauptmann, dass die n\u00e4chstfolgende T\u00fcre ebenfalls dasselbe Zeichen und an derselben Stelle hatte; er zeigte es daher seinem F\u00fchrer und fragte ihn, ob es dies Haus sei oder das vorige. Der R\u00e4uber kam in Verlegenheit und wusste nichts zu antworten, besonders als er und der Hauptmann sahen, dass die vier oder f\u00fcnf folgenden T\u00fcren ebenfalls dasselbe Zeichen hatten. Er versicherte dem Hauptmann mit einem Schwur, dass er blo\u00df eine einzige bezeichnet habe, und setzte dann hinzu: \u00bbEs ist mir unbegreiflich, wer die \u00fcbrigen so \u00e4hnlich bezeichnet haben mag, aber ich muss in dieser Verwirrung gestehen, dass ich dasjenige, was ich selbst bezeichnet habe, nicht mehr herausfinden kann.\u00ab Als nun der Hauptmann seinen Plan vereitelt sah, begab er sich nach dem Marktplatze und lie\u00df seinen Leuten durch den ersten besten, der ihm begegnete, sagen, sie haben sich dieses Mal eine vergebliche M\u00fche gemacht, und es bleibe nichts anderes \u00fcbrig, als den R\u00fcckweg nach ihrem gemeinschaftlichen Zufluchtsort anzutreten. Er selbst ging voran und sie folgten ihm alle in derselben Ordnung, wie sie gekommen waren.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Nachdem die Bande sich im Walde versammelt hatte, erkl\u00e4rte ihr der Hauptmann, warum er sie habe wieder umkehren lassen. Sogleich wurde der F\u00fchrer einstimmig des Todes schuldig erkl\u00e4rt, auch gestand er selbst zu, dass er es verdient habe, weil er bessere Vorsichtsma\u00dfregeln h\u00e4tte ergreifen sollen, und ohne Zittern bot er demjenigen den Hals hin, der den Auftrag erhielt, ihm den Kopf abzuschlagen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Da es f\u00fcr das Wohl der Bande sehr wichtig war, den Schaden, den man ihr zugef\u00fcgt, nicht unger\u00e4cht zu lassen, so trat ein anderer R\u00e4uber auf, versprach, es solle ihm besser gelingen, als seinem Vorg\u00e4nger, und bat sich die \u00dcbertragung dieses Gesch\u00e4fts als eine Gunst aus. Es wurde ihm genehmigt; er ging nach der Stadt, bestach Baba Mustafa, wie sein Vorg\u00e4nger getan, und Baba Mustafa f\u00fchrte ihn mit verbunden Augen vor Ali Babas Haus. Der R\u00e4uber bezeichnete dasselbe an einer weniger bemerkbaren Stelle mit R\u00f6tel, in der Hoffnung, er werde es auf diese Art gewiss von der wei\u00dfbezeichneten unterscheiden k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Aber bald darauf ging Morgiane aus dem Hause, wie am vorigen Tag, und als sie zur\u00fcckkam, entging das rote Zeichen ihren scharfblickenden Augen nicht. Sie dachte sich dabei das n\u00e4mliche, wie bei dem wei\u00dfen Zeichen, und machte sogleich an die T\u00fcren der Nachbarh\u00e4user, und zwar an die n\u00e4mliche Stelle dasselbe Zeichen mit R\u00f6tel.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Inzwischen kehrte der R\u00e4uber zu seiner Bande in den Wald zur\u00fcck, erz\u00e4hlte, welche Ma\u00dfregel er genommen, und sagte, es w\u00e4re ihm jetzt unm\u00f6glich, das bezeichnete Haus mit den anderen zu verwechseln. Der Hauptmann und seine Leute glaubten mit ihm, die Sache m\u00fcsse jetzt gelingen. Sie begaben sich daher in derselben Ordnung und mit derselben Vorsicht, wie tags zuvor, auch ganz ebenso bewaffnet, nach der Stadt, um den Plan aufzuf\u00fchren, den sie ersonnen hatten. Der Hauptmann und der R\u00e4uber gingen sogleich in die Stra\u00dfe Ali Babas, fanden aber dieselbe Schwierigkeit, wie das erste Mal. Der Hauptmann wurde dar\u00fcber erz\u00fcrnt und der R\u00e4uber geriet in dieselbe Best\u00fcrzung wie derjenige, der vor ihm diesen Auftrag gehabt hatte. So sah sich denn der Hauptmann gen\u00f6tigt, ebenso unbefriedigt wie das erste Mal, noch an demselben Tage mit seinen Leuten den R\u00fcckweg anzutreten. Der R\u00e4uber, der an dem Misslingen des Planes schuld war, erlitt gleicherweise die Strafe, der er sich freiwillig unterworfen hatte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Da nun der Hauptmann seine Bande um zwei wackere Leute vermindert sah, f\u00fcrchtete er, sie m\u00f6chte noch mehr abnehmen, wenn er sich bei Erforschung von Ali Babas Haus auch fernerhin auf andere verlassen wollte. Ihr Beispiel zeigte ihm, dass sie mehr zu k\u00fchnen Waffentaten geeignet waren, als zu solchen Unternehmungen, wo man klug und listig zu Werke gehen musste. Er \u00fcbernahm daher die Sache selbst und ging nach der Stadt, wo ihm Baba Mustafa denselben Dienst leistete, wie den beiden Abgesandten seiner Bande; er machte jedoch kein Merkzeichen an Ali Babas Haus, sondern ging mehrere Male vor\u00fcber und betrachtete es so genau, dass er es durchaus nicht mehr verfehlen konnte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Nachdem er sich nun von allem, was er w\u00fcnschte, unterrichtet hatte, ging der R\u00e4uberhauptmann, wohl zufrieden mit seiner Reise, nach dem Walde zur\u00fcck, und als er in die Felsenh\u00f6hle kam, wo sie ganze Bande ihn erwartete, sagte er zu ihnen: \u00bbKameraden, jetzt kann uns nichts mehr hindern, volle Rache f\u00fcr die Bosheit zu nehmen, die an uns ver\u00fcbt worden ist. Ich kenne das Haus des Schurken, den sie treffen soll, ganz genau und habe unterwegs auf Mittel gedacht, die Sache so schlau anzugreifen, dass niemand weder von unserer H\u00f6hle, noch von unserm Schatze etwas ahnen soll; denn dies ist der Hauptzweck, den wir bei unserm Unternehmen vor Augen haben m\u00fcssen, sonst w\u00fcrde es uns ins Verderben st\u00fcrzen. H\u00f6rt einmal an\u00ab, fuhr der Hauptmann fort, \u00bbwas ich ausgesonnen habe, um diesen Zweck zu erreichen. Wenn ich euch meinen Plan auseinandergesetzt haben werde und einer von euch ein besseres Mittel wei\u00df, so mag er es uns dann mitteilen.\u00ab Sofort erkl\u00e4rte er ihnen, wie er die Sache anzugreifen gedenke, und als ihm alle ihren Beifall zu erkennen gaben, befahl er ihnen, sich in die umliegenden D\u00f6rfer und Flecken und auch in die Stadt zu zerstreuen, und neunzehn Maulesel zu kaufen, nebst achtunddrei\u00dfig gro\u00dfen ledernen \u00d6lschl\u00e4uchen, den einen voll, die anderen aber leer.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Binnen zwei bis drei Tagen hatten die R\u00e4uber alles beisammen. Da die leeren Schl\u00e4uche an der M\u00fcndung f\u00fcr seinen Zweck etwas zu eng waren, so lie\u00df der Hauptmann sie ein wenig erweitern, und nachdem er in jeden Schlauch einen seiner Leute mit den n\u00f6tigen Waffen hatte hineinkriechen lassen, wobei jedoch eine aufgetrennte Ritze offen blieb, damit sie frei Atem sch\u00f6pfen konnten, so verschloss er die Schl\u00e4uche so, dass man glauben musste, es sei \u00d6l darin; um aber die T\u00e4uschung zu vollenden, befeuchtete er sie von au\u00dfen mit \u00d6l, das er aus dem vollen Schlauche nahm.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Nachdem er diese Anordnung getroffen und die siebenunddrei\u00dfig R\u00e4uber, jeden in einem Schlauche steckend, nebst dem \u00d6l angef\u00fcllten Schlauche auf die Maultiere geladen hatte, nahm der Hauptmann um die festgesetzte Stunde mit denselben seinen Weg nach der Stadt und kam in der Abendd\u00e4mmerung, etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang, vor derselben an. Er ging zum Tore hinein und geraden Weges auf Ali Babas Haus zu, in der Absicht, bei ihm anzuklopfen und von der Gef\u00e4lligkeit des Hausherrn f\u00fcr sich und seine Maultiere ein Nachtlager zu erbitten. Er brauchte nicht anzuklopfen, denn Ali Baba sa\u00df vor der T\u00fcr, um nach dem Abendessen frische Luft zu sch\u00f6pfen. Er lie\u00df daher seinen Maulesel Halt machen, wandte sich an Ali Baba und sagte zu ihm: \u00bbHerr, ich bringe das \u00d6l, das du hier siehst, aus weiter Ferne her, um es morgen auf dem Markte zu verkaufen, aber da es schon so sp\u00e4t ist, so wei\u00df ich nicht, wo ich ein Unterkommen finden soll. Wenn es dir nicht zu l\u00e4stig w\u00e4re, so w\u00fcrde ich dich um die Gef\u00e4lligkeit bitten, mich f\u00fcr diese Nacht in deinem Hause aufzunehmen; ich w\u00fcrde dir gro\u00dfen Dank daf\u00fcr wissen.\u00ab Obgleich Ali Baba den Mann, der jetzt mit ihm sprach, bereits ihm Walde gesehen und auch reden geh\u00f6rt hatte, so konnte er ihn doch in seinem \u00d6lh\u00e4ndleraufzuge unm\u00f6glich als den Hauptmann jener vierzig R\u00e4uber wieder erkennen. \u00bbSei mir willkommen\u00ab, sagte er zu ihm, \u00bbund tritt herein!\u00ab Mit diesen Worten machte er ihm Platz, dass er samt seinen Maultieren hineingehen konnte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Ali Baba rief nun seinem Sklaven und befahl ihm, sobald die Maultiere abgepackt sein w\u00fcrden, sie nicht blo\u00df in den Stall zu f\u00fchren, sondern ihnen auch Gerste und Heu zu bringen. Auch nahm er sich die M\u00fche, in die K\u00fcche zu gehen und Morgiane zu befehlen, sie solle f\u00fcr den neuangekommenen Gast schnell ein gutes Abendbrot bereiten und in einem Zimmer ein Bett f\u00fcr ihn herrichten.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Ali Baba tat noch mehr, um seinem Gast viele Ehre zu bezeigen. Als er n\u00e4mlich sah, dass der R\u00e4uberhauptmann seine Maulesel abgepackt hatte, und diese, wie er befohlen, in den Stall gebracht worden waren, so nahm er den Fremden, der die Nacht unter freiem Himmel zubringen wollte, bei der Hand und f\u00fchrte ihn in den Saal, wo er seine Besuche zu empfangen pflegte, mit der Erkl\u00e4rung, er werde es nicht zulassen, dass er im Hof \u00fcbernachte. Der R\u00e4uberhauptmann verbat sich diese Ehre, indem er sagte, er wolle ihm durchaus nicht zur Last fallen; der wahre Grund aber war, damit er seinen Plan um so ungest\u00f6rter ausf\u00fchren k\u00f6nnte. Indes bat ihn Ali Baba so h\u00f6flich und so dringend, dass er ihm nicht l\u00e4nger widerstehen konnte. Ali Baba leistete demjenigen, der ihm nach dem Leben trachtete, nicht blo\u00df solange Gesellschaft, bis Morgiane das Abendbrot auftrug, sondern unterhielt sich mit ihm auch noch fortw\u00e4hrend \u00fcber allerlei Dinge, von denen er glaubte, sie k\u00f6nnen ihm Vergn\u00fcgen machen, und verlie\u00df ihn nicht eher, als bis er sein Mahl vollendet hatte. \u00bbIch lasse dich jetzt allein\u00ab, sagte er dann zu ihm; \u00bbwenn du irgend etwas w\u00fcnschest, so darfst du es nur sagen: Alles, was in meinem Hause ist, steht zu deinen Diensten.\u00ab Der R\u00e4uberhauptmann stand zugleich mit Ali Baba auf und begleitete ihn bis an die T\u00fcre. W\u00e4hrend nun Ali Baba in die K\u00fcche ging, um mit Morgiane zu sprechen, begab er sich in den Hof unter dem Vorwand, er wolle im Stall nachsehen, ob es seinen Maultieren an nichts fehle.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Nachdem Ali Baba Morgiane von neuem empfohlen hatte, f\u00fcr seinen Gast aufs beste zu sorgen und ihm nichts abgehen zu lassen, f\u00fcgte er hinzu: \u00bbMorgiane, ich will dir jetzt nur noch sagen, dass ich morgen vor Tag ins Bad gehe; mache meine Badet\u00fccher zurecht und gib sie Abdallah &#8211; so hie\u00df n\u00e4mlich sein Sklave, &#8211; sodann besorge mir eine gute Fleischbr\u00fche, bis ich nach Hause komme.\u00ab Nachdem er ihr diese Befehle gegeben hatte, ging er zu Bett.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Indes gab der R\u00e4uberhauptmann, als er aus dem Stalle herauskam, seinen Leuten Befehl, was sie tun sollen. Vom ersten Schlauche an bis zum letzten sagte er zu jedem: \u00bbWenn ich von meinem Schlafgemach kleine Steinchen herabwerfe, so schneide mit dem Messer, das du bei dir hast, den Schlauch von oben bis unten auf und krieche aus der \u00d6ffnung heraus; ich werde dann bald bei euch sein.\u00ab Das Messer, von dem er sprach, war f\u00fcr diesen Zweck eigens gespitzt und geschliffen. Nachdem dies geschehen war, kehrte er zur\u00fcck, und sobald er sich an der K\u00fcchent\u00fcre zeigte, nahm Morgiane ein Licht, f\u00fchrte ihn nach dem f\u00fcr ihn eingerichteten Zimmer und lie\u00df ihn dort allein, nachdem sie ihn zuvor gefragt hatte, ob er nichts weiter zu w\u00fcnschen habe. Um keinen Argwohn zu erregen, l\u00f6schte er bald darauf das Licht aus und legte sich ganz angekleidet nieder, damit er gleich nach dem ersten Schlafe wieder aufstehen k\u00f6nnte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Morgiane verga\u00df Ali Babas Befehl nicht. Sie legte seine Badet\u00fccher zurecht, \u00fcbergab sie an Abdallah, der noch nicht schlafen gegangen war, und stellte den Topf zur Fleischbr\u00fche ans Feuer. W\u00e4hrend sie nun den Topf absch\u00f6pfte, l\u00f6schte pl\u00f6tzlich die Lampe aus. Im ganzen Hause war kein \u00d6l mehr und zuf\u00e4llig auch keine Lichter vorr\u00e4tig. Was sollte sie nun anfangen? Um ihren Topf abzusch\u00f6pfen, musste sie notwendig hell sehen. Sie entdeckte ihre Verlegenheit Abdallah, der ihr zur Antwort gab: \u00bbDa gibt es freilich keinen anderen Rat, als dass du dir aus einem der Schl\u00e4uche unten im Hofe etwas \u00d6l holst.\u00ab Morgiane dankte Abdallah f\u00fcr diesen Rat, und w\u00e4hrend er neben Ali Babas Zimmer sich niederlegte, um ihn dann ins Bad zu begleiten, nahm sie den \u00d6lkrug und ging in den Hof. Als sie sich dem ersten besten Schlauch n\u00e4herte, fragte der R\u00e4uber, der darin steckte, ganz leise. \u00bbIst es Zeit?\u00ab Obwohl nun der R\u00e4uber leise gesprochen hatte, so wurde Morgiane doch \u00fcber diese Stimme um so mehr stutzig, weil der R\u00e4uberhauptmann, nachdem er seine Maulesel abgeladen, nicht blo\u00df diesen Schlauch, sondern auch alle \u00fcbrigen ge\u00f6ffnet hatte, um seinen Leuten frische Luft zu verschaffen. Diese hatten ohnehin eine sehr \u00fcble Lage darin, obschon sie Atem holen konnten,<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Jede andere Sklavin, als Morgiane, obwohl sie freilich nicht wenig \u00fcberrascht war, statt des gesuchten \u00d6ls einen Mann in dem Schlauche zu finden, h\u00e4tte dar\u00fcber wahrscheinlich L\u00e4rm gemacht und vielleicht gro\u00dfes Ungl\u00fcck angerichtet. Morgiane aber war weit verst\u00e4ndiger als ihresgleichen. Sie begriff sogleich, wie wichtig es war, die Sache geheim zu halten, in welch dringender Gefahr Ali Baba nebst seiner Familie und sie selbst schwebte, und dass sie jetzt notwendig so schnell als m\u00f6glich und ohne allen L\u00e4rm ihre Ma\u00dfregeln ergreifen musste. Gott der Herr hatte sie mit Verstand gesegnet, so dass sie die Mittel dazu bald erkannte. Sie fasste sich im Augenblicke wieder, und ohne im mindesten Schrecken zu verraten, antwortete sie, als ob sie der R\u00e4uberhauptmann w\u00e4re: \u00bbNoch nicht, aber bald.\u00ab Darauf n\u00e4herte sie sich dem folgenden Schlauche, wo sie dieselbe Frage h\u00f6rte, und so fort, bis sie zum letzten kam, der von \u00d6l war; sie gab auf jede Frage immer dieselbe Antwort.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Morgiane erkannte daraus, dass ihr Herr Ali Baba nicht, wie er glaubte, einen \u00d6lh\u00e4ndler, sondern siebenunddrei\u00dfig R\u00e4uber nebst ihrem Hauptmann, den verkleideten Kaufmann, in seinem Hause beherbergte. Sie f\u00fcllte daher in aller Eile ihren Krug mit \u00d6l, das sie aus dem letzten Schlauche nahm, kehrte sodann in die K\u00fcche zur\u00fcck, und nachdem sie \u00d6l in die Lampe gegossen und sie wieder angez\u00fcndet hatte. nahm sie einen gro\u00dfen Kessel, ging wieder in den Hof und f\u00e4llte ihn mit \u00d6l aus dem Schlauche. Sodann ging sie wieder in die K\u00fcche und setzte ihn \u00fcber ein gewaltiges Feuer, in das sie immer neues Holz zuschob, denn je eher das \u00d6l ins Sieden kam, desto eher konnte sie auch den Plan ausf\u00fchren, den sie zum gemeinsamen Wohl des Hauses entworfen hatte und der keinen Aufschub zulie\u00df. Als endlich das \u00d6l kochte, nahm sie den Kessel und goss in jeden Schlauch, vom ersten bis zum letzten, so viel siedendes \u00d6l, als hinreichend war, um die R\u00e4uber zu ersticken und zu t\u00f6ten.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Nachdem Morgiane diese Tat, die ihrem Mut alle Ehre machte, ebenso ger\u00e4uschlos ausgef\u00fchrt, als ausgedacht hatte, kehrte sie mit dem leeren Kessel in die K\u00fcche zur\u00fcck und verschloss sie. Sodann l\u00f6schte sie das gro\u00dfe Feuer, das sie angez\u00fcndet hatte, aus und lie\u00df blo\u00df so viel \u00fcbrig, als n\u00f6tig war, um die Fleischbr\u00fche f\u00fcr Ali Baba zu kochen. Zuletzt blies sie auch die Lampe aus und verhielt sich ganz still, denn sie hatte beschlossen, nicht eher zu Bett zu gehen, als bis sie durch ein K\u00fcchenfenster, das nach dem Hofe hinaus sah, soweit die Dunkelheit der Nacht es gestattete, alles beobachtet h\u00e4tte, was etwa vorging. Morgiane hatte noch keine Viertelstunde gewartet, als der R\u00e4uberhauptmann erwachte. Er stand auf, \u00f6ffnete das Fenster, sah hinaus und da er nirgends mehr Licht gewahrte, sondern \u00fcberall im Hause die tiefste Ruhe und Stille herrschen sah, so gab er das verabredete Zeichen, indem er kleine Steine hinabwarf. Mehrere davon fielen, wie er sich durch den Schall \u00fcberzeugen konnte, auf die ledernen Schl\u00e4uche. Er horchte begierig, h\u00f6rte und merkte aber nichts, woraus er h\u00e4tte schlie\u00dfen k\u00f6nnten, dass seine Leute sich in Bewegung setzten. Dies beunruhigte ihn, und er warf zum zweiten und dritten Mal kleine Steine hinab. Sie fielen auf die Schl\u00e4uche, aber keiner von den R\u00e4ubern gab das geringste Lebenszeichen von sich. Da er dies nicht begreifen konnte, ging er in der h\u00f6chsten Best\u00fcrzung und so leise als m\u00f6glich in den Hof hinab und n\u00e4herte sich dem ersten Schlauche; als er aber den darin befindlichen R\u00e4uber fragen wollte, ob er schlafe, so stieg ihm ein Geruch von hei\u00dfem \u00d6l und von etwas Verbranntem aus dem Schlauch entgegen und er erkannte daraus, dass sein Plan gegen Ali Baba, ihn zu ermorden, auszupl\u00fcndern und das seiner Gesellschaft geraubte Gold wieder mitzunehmen, g\u00e4nzlich fehlgeschlagen hatte. Er ging nun zum folgenden Schlauch und so fort bis zum letzten und fand, dass alle seine Leute auf dieselbe Weise umgekommen waren. Die Abnahme des \u00d6ls in dem vollen \u00d6lschlauche zeigte ihm, welcher Mittel und Wege man sich bedient hatte, um seinen Plan zu vereiteln. Jetzt, da er alle seine Hoffnungen zertr\u00fcmmert sah, brach er, Verzweiflung im Herzen, durch die T\u00fcre, die aus dem Hofe in Ali Babas Garten f\u00fchrte, und fl\u00fcchtete sich, indem er \u00fcber eine Gartenmauer nach der anderen sprang.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Als Morgiane kein Ger\u00e4usch mehr h\u00f6rte und nach geraumem Warten den R\u00e4uberhauptmann nicht zur\u00fcckkommen sah, so zweifelte sie nicht mehr daran, dass er durch den Garten geflohen sei; denn durch die Haust\u00fcre konnte er nicht zu entrinnen hoffen, da sie doppelt geschlossen war. Hocherfreut, dass es ihr so gut gelungen war, das ganze Haus zu retten, ging sie endlich zu Bett und schlief ein. Ali Baba indes stand vor Tage auf und ging, von seinen Sklaven begleitet, ins Bad. Er hatte nicht die geringste Ahnung von der gr\u00e4sslichen Begebenheit, die sich, w\u00e4hrend er schlief, in seinem Hause zugetragen hatte, denn Morgiane hatte nicht f\u00fcr n\u00f6tig gefunden, ihn aufzuwecken, weil sie im Augenblicke der Gefahr keine Zeit zu verlieren hatte und nach Abwendung derselben ihn nicht in seiner Ruhe st\u00f6ren wollte, Als Ali Baba aus dein Bade in sein Zimmer zur\u00fcckkam und die Sonne schon hell am Himmel gl\u00e4nzte, wunderte er sich sehr, die \u00d6lschl\u00e4uche noch am alten Platze stehen zu sehen, und es war ihm unbegreiflich, dass der Kaufmann mit seinen Eseln nicht auf den Markt gegangen sein solle. Er fragte deshalb Morgiane, die ihm die T\u00fcre \u00f6ffnete und alles so stehen und hegen gelassen hatte, damit er es selbst sehen m\u00f6chte, und sie ihm recht deutlich machen k\u00f6nnte, was sie zu seiner Rettung getan habe. \u00bbMein guter Herr\u00ab, antwortete Morgiane, \u00bbGott und der heilige Prophet erhalte dich und dein Haus! Du wirst dich von dem, was du zu wissen verlangst, besser \u00fcberzeugen, wenn deine eigenen Augen sehen werden, was ich ihnen zeigen will. Nimm dir einmal die M\u00fche, mit mir zu kommen. \u00ab Ali Baba folgte seiner Magd; diese verschloss die T\u00fcre, f\u00fchrte ihn zum ersten Schlauch und sagte dann: \u00bbBlicke einmal in diesen Schlauch hinein, da wirst noch nie solches \u00d6l gesehen haben.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Ali Baba blickte hinein, und als er in dem Schlauche einen Mann sah, erschrak er \u00fcber die Ma\u00dfen, schrie laut auf und sprang zur\u00fcck, wie wenn er auf eine Schlange getreten w\u00e4re. \u00bbF\u00fcrchte nichts\u00ab, sagte Morgiane zu ihm, \u00bbder Mann, den du da siehst, wird dir nichts B\u00f6ses tun. Er hat das Ma\u00df seiner Missetaten erf\u00fcllte, aber jetzt kann er niemandem mehr Schaden zuf\u00fcgen, denn er ist tot.\u00ab &#8211; \u00bbMorgiane\u00ab, rief Ali Baba, \u00bbbeim erhabenen Propheten! sage mir, was soll das hei\u00dfen? -\u00bbIch will es dir erkl\u00e4ren\u00ab, sagte Morgiane, \u00bbaber m\u00e4\u00dfige die Ausbr\u00fcche deiner Verwunderung und reize nicht die Neugierde der Nachbarn, auf dass sie nicht eine Sache erfahren, welche geheim zu halten von gro\u00dfer Wichtigkeit f\u00fcr dich ist. Sieh jedoch zuvor die \u00fcbrigen Schl\u00e4uche.\u00ab Ali Baba sah in die anderen Schl\u00e4uche nach der Reihe hinein, vom ersten bis zum letzten, worin \u00d6l war, das sichtbar abgenommen hatte. Als er nun alle gesehen hatte, blieb er wie angewurzelt stehen, indem er seine Augen bald auf die Schl\u00e4uche, bald auf Morgiane heftete, und so gro\u00df war sein Erstaunen, dass er lange kein Wort sprechen konnte. Endlich erholte er sich wieder und fragte dann: \u00bbAber was ist denn aus dem Kaufmann geworden?\u00ab &#8211; \u00bbDer Kaufmann\u00ab, antwortete Morgiane, \u00bbist so wenig ein Kaufmann, als ich eine Kaufm\u00e4nnin bin. Ich will dir sagen, was er ist und wohin er sich gefl\u00fcchtet hat. Doch wirst du diese Geschichte viel bequemer auf deinem Zimmer anh\u00f6ren, denn deine Gesundheit erfordert, dass du jetzt, nachdem du aus dem Bade gekommen, etwas Fleischbr\u00fche genie\u00dfest.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">W\u00e4hrend Ali Baba sich auf sein Zimmer begab, holte Morgiane die Fleischbr\u00fche aus der K\u00fcche und \u00fcberbrachte sie ihm; Ali Baba sagte aber, ehe er sie zu sich nahm: \u00bbFange immerhin an, meine Ungeduld zu befriedigen, und erz\u00e4hle mir diese seltsame Geschichte mit allen einzelnen Umst\u00e4nden.\u00ab Morgiane erf\u00fcllte den Willen ihres Herrn und sprach also: \u00bbHerr, gestern Abend, als du bereits zu Bett gegangen warst, legte ich, wie du mir befohlen, deine Badet\u00fccher zurecht und \u00fcbergab sie Abdallah. Sodann stellte ich den Topf mit der Fleischbr\u00fche ans Feuer, und w\u00e4hrend ich diese sch\u00e4umte, erlosch auf einmal die Lampe, weil kein \u00d6l mehr darin war. Im Kruge war kein Tr\u00f6pfchen mehr zu finden und ebenso wenig konnte ich ein St\u00fcmpchen Licht bekommen. Abdallah, der meine Verlegenheit bemerkte, erinnerte mich an die vollen \u00d6lschl\u00e4uche im Hofe, denn er zweifelte ebenso wenig als ich und du selbst, dass es solche w\u00e4ren. Ich nahm also meinen \u00d6lkrug und lief zu dem n\u00e4chsten besten Schlauche. Als ich nahe daran war, kam eine Stimme aus demselben, die mich fragte. \u00bbIst es Zeit?\u00ab Ich erschrak nicht, sondern erkannte sogleich die Bosheit des falschen Kaufmanns und antwortete ohne Z\u00f6gern: \u00bbNoch nicht, aber bald.\u00ab Ich trat zum folgenden Schlauche und eine andere Stimme tat dieselbe Frage an mich, worauf ich dieselbe Antwort wiedergab. So ging ich denn von einem Schlauche zum andern, immer dieselbe Frage und dieselbe Antwort, und erst im letzten Schlauche fand ich \u00d6l, womit ich den Krug f\u00fcllte. Als ich nun \u00fcberlegte, dass sich mitten in deinem Hofe siebenunddrei\u00dfig R\u00e4uber befanden, welche nur auf ein Zeichen oder Befehl ihres Anf\u00fchrers, den du f\u00fcr einen Kaufmann hieltest und so gut aufgenommen hattest, warteten, um das ganze Haus auszupl\u00fcndern, so glaubte ich, jetzt sei keine Zeit mehr zu verlieren. Ich trug daher den Krug zur\u00fcck, z\u00fcndete die Lampe an, nahm den gr\u00f6\u00dften Kessel in der ganzen K\u00fcche und f\u00fcllte ihn mit \u00d6l. Sodann stellte ich ihn \u00fcber das Feuer, und als das \u00d6l recht kochte, so goss ich in jeden Schlauch, worin ein R\u00e4uber steckte, so viel hinein, als hinl\u00e4nglich war, um sie an der Ausf\u00fchrung des verderblichen Planes zu verhindern, der sie hierher gef\u00fchrt hatte. Nachdem nun die Sache ein solches Ende genommen, wie ich es mir gedacht hatte, kehrte ich in die K\u00fcche zur\u00fcck, l\u00f6schte die Lampe aus, und bevor ich zu Bett ging, fing ich an, durchs Fenster ruhig zu beobachten, was der falsche \u00d6lh\u00e4ndler wohl jetzt tun w\u00fcrde. Nach einer Weile h\u00f6rte ich, dass er zum Zeichen f\u00fcr seine Leute kleine Steine aus dem Fenster und auf die Schl\u00e4uche warf. Er wiederholte dies mehrere Male, als er aber nichts sich regen sah oder h\u00f6rte, so ging er hinab, und ich sah ihn von einem Schlauche zum anderen gehen, bis ich ihn in der Dunkelheit der Nacht aus dem Auge verlor. Doch gab ich noch einige Zeit acht, und da ich, ihn nicht zur\u00fcckkommen sah, so zweifelte ich nicht, er werde in der Verzweiflung \u00fcber seinen misslungenen Plan durch den Garten entflohen sein. Nachdem ich mich nun \u00fcberzeugt hatte, dass das Haus in Sicherheit sei, ging ich zu Bett, Dies ist nun\u00ab, setzte Morgiane zum Schlusse hinzu, \u00bbdie Geschichte, nach der du gefragt hast, und ich bin \u00fcberzeugt, dass sie mit einer Bemerkung zusammenh\u00e4ngt, die ich vor einigen Tagen gemacht habe, aber Euch nicht mitteilen zu m\u00fcssen glaubte. Als ich n\u00e4mlich einmal sehr fr\u00fche morgens von meinem Gang in die Stadt zur\u00fcckkehrte, bemerkte ich, dass die Haust\u00fcre wei\u00df bezeichnet war, und den Tag darauf bemerkte ich ein rotes Zeichen. Da ich nun aber nicht wusste, zu welchem Zweck dies geschehen war, so bezeichnete ich jedes Mal zwei bis drei Nachbarh\u00e4user sowohl vor als hinter uns in der Reihe ebenso an derselben Stelle. Wenn du nun dies mit der Geschichte der letzten Nacht zusammenh\u00e4ltst, so wirst du finden, dass alles von den R\u00e4ubern im Walde angezettelt worden ist, deren Bande sich indes, ich wei\u00df nicht warum, um zwei K\u00f6pfe verringert hat. Wie dem auch sein mag, es sind ihrer im h\u00f6chsten Falle nur noch drei am Leben. Dies beweist, dass sie dir den Untergang geschworen haben, und dass du sehr auf deiner Hut sein musst, solange man wei\u00df, dass noch einer davon am Leben ist. Ich f\u00fcr meine Person werde nichts unterlassen, um meiner Pflicht gem\u00e4\u00df f\u00fcr deine Erhaltung zu sorgen.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Als Morgiane ausgesprochen hatte, erkannte Ali Baba wohl, welch wichtigen Dienst sie ihm geleistet, und sprach voll Dankbarkeit also zu ihr: \u00bbIch will nicht sterben, bevor ich dich nach Verdienst belohnt habe. Dir habe ich mein Leben zu verdanken, und um dir gleich jetzt einen Beweis von Erkenntlichkeit zu geben, schenke ich dir von Stund an die Freiheit, behalte mir aber vor, noch weiter an dich zu denken. Auch ich bin \u00fcberzeugt, dass die vierzig R\u00e4uber mir diese Falle gelegt haben. Gott, der Allm\u00e4chtige und Allbarmherzige, hat mich durch deine Hand befreit; ich hoffe, dass er mich auch ferner vor ihrer Bosheit besch\u00fctzen, dass er sie vollends ganz von meinem Haupte abwenden und die Welt von den Verfolgungen dieser verfluchten Otternbrut befreien wird. Doch m\u00fcssen wir jetzt vor allem die Leichen von diesen Ausw\u00fcrflingen des Menschengeschlechts beerdigen, aber in aller Stille, so dass niemand etwas von ihrem Schicksal ahnen kann; das will ich mit Abdallah jetzt besorgen.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Ali Babas Garten war sehr lang und hinten von hohen B\u00e4umen begrenzt. Ohne zu s\u00e4umen, ging er mit seinem Sklaven unter diese B\u00e4ume, um eine lange und breite Grube zu machen, wie f\u00fcr die Leichname, welche hineingelegt werden sollten, notwendig war. Der Boden war leicht aufzulockern und sie brauchten nicht viel Zeit zu diesem Gesch\u00e4fte. Sie zogen nun die Leichname aus den Lederschl\u00e4uchen heraus, legten die Waffen, womit die R\u00e4uber sich versehen hatten, beiseite, schleppten dann die Leichname an das Ende des Gartens, brachten sie der Reihe nach in die Grube hinein, sch\u00fctteten die aufgegrabene Erde \u00fcber sie hin und zerstreuten dann die \u00fcbrige Erde in die Runde umher, so dass der Boden wieder so eben wurde, wie zuvor. Die \u00d6lschl\u00e4uche und die Waffen lie\u00df Ali Baba sorgf\u00e4ltig verstecken, die Maulesel aber, die er zu nichts brauchen konnte, schickte er zu verschiedenen Malen auf den Markt und lie\u00df sie durch seine Sklaven verkaufen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">W\u00e4hrend nun Ali Baba alle diese Ma\u00dfregeln ergriff, um die Art, wie er in so kurzer Zeit so reich geworden, der Kunde der Leute zu entziehen, war der Hauptmann der vierzig M\u00e4nner mit bitterem Herzeleid in den Wald zur\u00fcckgekehrt. Dieser ungl\u00fcckliche und seinen Hoffnungen so ganz zuwiderlaufende Ausgang der Sache kr\u00e4nkte ihn derma\u00dfen und machte ihn so best\u00fcrzt, dass er unterwegs keinen Entschluss fassen konnte, was er gegen Ali Baba nunmehr unternehmen sollte, sondern, ohne zu wissen wie, in die H\u00f6hle zur\u00fcckkam.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Gr\u00e4sslich war es ihm, als er sich in diesem d\u00fcsteren Aufenthalt nun allein sah. \u00bbIhr wackeren Leute alle\u00ab, rief er, \u00bbGef\u00e4hrten meiner Nachtwachen, meiner Streifereien und meiner Anstrengungen, wo seid ihr? Was kann ich ohne euch tun? Also blo\u00df darum habe ich euch zusammengebracht und auserlesen, um euch auf einmal durch ein so unseliges und eures Mutes so unw\u00fcrdiges Schicksal umkommen zu sehen? Ich w\u00fcrde auch weniger beklagen, wenn ihr mit dem S\u00e4bel in der Faust als tapfere M\u00e4nner gestorben w\u00e4ret. Wann werde ich je wieder eine solche Schar von braven Leuten, wie ihr waret, zusammenzubringen k\u00f6nnen? Und wenn ich es auch wollte, k\u00f6nnte ich es wohl unternehmen, ohne all dieses Gold und Silber, alle diese Sch\u00e4tze demjenigen als Beute \u00fcberlassen zu m\u00fcssen, bevor ich ihm das Leben genommen habe. Was ich mit eurem m\u00e4chtigen Beistande nicht auszuf\u00fchren vermochte, muss ich jetzt ganz allein tun, und wenn ich nun den Schatz vor Pl\u00fcnderung bewahrt haben werde, so will ich auch daf\u00fcr sorgen, dass es ihm nach mir nicht an einem wackern Herrn fehle, auf das er sich bis auf die sp\u00e4testen Nachkommen erhalte und vermehre.\u00ab Nachdem er diesen Entschluss gefasst hatte, war er \u00fcber die Mittel, ihn auszuf\u00fchren, nicht verlegen; sein Herz wurde wieder ruhig, er \u00fcberlie\u00df sich aufs neue sch\u00f6nen Hoffnungen und versank in einen tiefen Schlaf.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Am anderen Morgen wachte der R\u00e4uberhauptmann fr\u00fch auf, legte, seinem Plane gem\u00e4\u00df ein sehr stattliches Kleid an, ging in die Stadt und nahm eine Wohnung in einem Chan. Da er erwartete, das, was bei Ali Baba vorgegangen war, m\u00fcsste Aufsehen erregt haben, so fragte er den Aufseher des Chans gelegentlich im Gespr\u00e4ch, ob es nichts neues in der Stadt gebe, und dieser erz\u00e4hlte ihm verschiedene Sachen, aber nur nicht das, was er zu wissen w\u00fcnschte. Er schloss daraus, Ali Baba werde blo\u00df darum ein Geheimnis aus der Sache machen, weil er nicht bekannt werden lassen wolle, dass er etwas von dem Schatze wisse und das Geheimnis, ihn zu \u00f6ffnen, besitze, auch sei ihm wahrscheinlich nicht unbewu\u00dft, dass man ihm blo\u00df deshalb nach dem Leben trachte. Dies best\u00e4rkte ihn in dem Vorsatz, alles zu tun, um ihn auf eine ebenso geheime Art aus dem Wege zu schaffen. Der R\u00e4uberhauptmann versah sich mit einem Pferd, mit dem er mehrere Reisen in den Wald machte, um verschiedene Arten reicher Seidenstoffe und seiner Schleiert\u00fccher in seine Wohnung zu bringen; dabei traf er die n\u00f6tigen Ma\u00dfregeln, um den Ort, wo er dieselben holte, geheim zu halten. Als er nun so viele Waren, als er zweckdienlich glaubte, beisammen hatte, suchte er sich einen Laden, um sie verkaufen, und fand auch einen; er mietete ihn von seinem Eigent\u00fcmer stattete ihn aus und bezog ihn. Ihm gegen\u00fcber befand sich der Laden, der fr\u00fcher Casim geh\u00f6rt hatte, aber seit einiger Zeit von Ali Babas Sohn in Besitz genommen war.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der R\u00e4uberhauptmann, der den Namen Chogia Husein angenommen hatte, ermangelte nicht, als neuer Ank\u00f6mmling der Sitte gem\u00e4\u00df den Kaufleuten, die seine Nachbarn waren, seine Aufwartung zu machen. Da Ali Babas Sohn noch jung, wohlgebildet und sehr verst\u00e4ndig war, und er mit ihm \u00f6fter als mit anderen Kaufleuten zu sprechen Gelegenheit hatte, so schloss er bald Freundschaft mit ihm. Er suchte seinen Umgang um so angelegentlicher, als er drei bis vier Tage nach Errichtung seines Ladens Ali Baba wieder erkannte, der seinen Sohn besuchte und wie er von Zeit zu Zeit zu tun pflegte, sich l\u00e4ngere Zeit mit ihm unterhielt. Als er vollends von dem J\u00fcngling erfuhr, dass Ali Baba sein Vater sei, so verdoppelte sich seine Gef\u00e4lligkeit gegen ihn, liebkoste ihn, machte ihm kleine Geschenke und lud ihn mehrere Male zu Tische.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Ali Babas Sohn glaubte, Chogia Husein diese H\u00f6flichkeit erwidern zu m\u00fcssen; da er aber sehr eng wohnte und nicht so bequem eingerichtet war, um ihn, wie er w\u00fcnschte, bewirten zu k\u00f6nnen, so sprach er dar\u00fcber mit seinem Vater Ali Baba und bemerkte ihm, es w\u00fcrde wohl nicht schicklich sein, wenn er die H\u00f6flichkeiten Chogia Huseins noch l\u00e4nger unerwidert lie\u00dfe. Ali Baba nahm es mit Vergn\u00fcgen auf sich, den Fremden zu bewirten. \u00bbMein Sohn\u00ab, sagte er, \u00bbmorgen ist Freitag, und da die gro\u00dfen Kaufleute, wie Chogia Husein und du, an diesem Tage ihre L\u00e4den geschlossen halten, so mache nachmittags einen Spaziergang mit ihm und richte es auf dem R\u00fcckwege so ein, dass du ihn an meinem Hause vorbeif\u00fchrest und hereinzutreten n\u00f6tigst. Es ist besser, die Sache macht sich so, als dass du ihn f\u00f6rmlich einladest. Ich werde Morgiane Befehl geben, dass sie ein Abendessen zugerichtet in Bereitschaft h\u00e4lt.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Am Freitag Nachmittag fanden sich Ali Babas Sohn und Chogia Husein wirklich an dem Orte ein, wohin sie sich bestellt hatten, und machten ihren Spaziergang miteinander. Auf dem R\u00fcckwege f\u00fchrte Ali Babas Sohn seinen Freund absichtlich durch die Stra\u00dfe, wo sein Vater wohnte, und als sie vor der Haust\u00fcre waren, blieb er stehen, klopfte an und sagte zu ihm: \u00bbHier ist das Haus meines Vaters: Da ich ihm schon viel erz\u00e4hlt habe von der freundschaftlichen Art, wie du mir \u00fcberall entgegenkommst, so hat er mich beauftragt, ihm die Ehre deiner Bekanntschaft zu verschaffen. Ich ersuche dich nun, die Zahl deiner Gef\u00e4lligkeiten gegen mich durch diese noch zu vermehren.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Obgleich nun Chogia Husein zum dem Ziel gelangt war, nach dem er strebte, n\u00e4mlich Eintritt in Ali Babas Haus zu erhalten und ihn ohne eigene Gefahr und ohne gro\u00dfen L\u00e4rm zu t\u00f6ten, so brachte er dennoch allerhand Entschuldigungen hervor und stellte sich, als wollte er von dem Sohne Abschied nehmen; da aber in diesem Augenblicke Ali Babas Sklave \u00f6ffnete, so nahm ihn der Sohn artig bei der Hand, ging voran und zwang ihn gewisserma\u00dfen, mit ihm hereinzukommen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Ali Baba empfing Chogia Husein mit freundlichem Gesichte und so gut, als er es nur w\u00fcnschen konnte. Er dankte ihm f\u00fcr die G\u00fcte, die er gegen seinen Sohn bewiesen, und sagte dann: \u00bbWir beide sind dir daf\u00fcr zu um so gr\u00f6\u00dferem Danke verpflichtet, weil er noch ein junger in der Welt unerfahrener Mensch ist und du es nicht unter deiner W\u00fcrde erachtest, zu seiner Bildung mitzuwirken.\u00ab Chogia Husein erwiderte Ali Babas H\u00f6flichkeiten durch andere und versicherte ihm zugleich, wenn seinem Sohne auch die Erfahrung von Greisen abgehe, so habe er doch einen gesunden Verstand, der so viel wert sei, als die Erfahrung von tausend andern.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Nachdem sie sich eine Zeitlang \u00fcber verschiedene gleichg\u00fcltige Gegenst\u00e4nde unterhalten hatten, wollte Chogia Husein sich verabschieden; Ali Baba lie\u00df es aber nicht zu. \u00bbHerr\u00ab, sagte er zu ihm: \u00bbWohin willst du gehen? Ich bitte dich, erweise mir die Ehre, ein Abendbrot bei mir einzunehmen. Das Mahl, das ich dir geben will, ist freilich bei weitem nicht so gl\u00e4nzend, als du verdienst; aber ich hoffe, du werdest es, so wie es ist, mit ebenso gutem Herzen annehmen, wie ich es dir biete.\u00ab &#8211; \u00bbHerr\u00ab, antwortete Chogia Husein, \u00bbich bin von deiner guten Gesinnung vollkommen \u00fcberzeugt, und wenn ich dich bitte, es mir nicht \u00fcbel zu nehmen, dass ich dein h\u00f6fliches Anerbieten ausschlage, so bitte ich dich zugleich zu glauben, dass dies weder aus Verachtung, noch aus Unh\u00f6flichkeit geschieht, sondern weil ich einen besondern Grund dazu habe, den du selbst billigen w\u00fcrdest, wenn er dir bekannt w\u00e4re.\u00ab &#8211; \u00bbUnd was mag dies f\u00fcr ein Grund sein, Herr?\u00ab versetzte Ali Baba; \u00bbdarf ich dich wohl darum fragen?\u00ab &#8211; \u00bbIch kann es dir wohl sagen\u00ab, antwortete Chogia Husein; \u00bbich esse n\u00e4mlich weder Fleisch, noch andere Gerichte, wobei Salz ist; du kannst hieraus selbst schlie\u00dfen, welche Rolle ich an deinem Tische spielen w\u00fcrde.\u00ab -\u00bbWenn du sonst keinen Grund hast\u00ab, fuhr Ali Baba dringender fort, \u00bbso soll dieser mich gewiss nicht der Ehre berauben, dich heute Abend an meinem Tische zu besitzen, au\u00dfer du m\u00fcsstest etwas anderes vorhaben. Erstens ist in dem Brote, das man bei mir isst, kein Salz, und was das Fleisch und die Br\u00fchen betrifft, so verspreche ich dir, dass in dem, was dir vorgesetzt werden wird, ebenfalls keines sein soll. Ich will sogleich die n\u00f6tigen Befehle geben; erweise mir daher die Gef\u00e4lligkeit, bei mir zu bleiben, ich komme im Augenblick wieder zur\u00fcck.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Ali Baba ging in die K\u00fcche und befahl Morgiane, das Fleisch, das sie heute auftragen w\u00fcrde, nicht zu salzen, und au\u00dfer den Gerichten, die er schon fr\u00fcher bei ihr bestellt hatte, schnell noch zwei bis drei andere zu bereiten, worin kein Salz sei. Morgiane, die soeben im Begriff war aufzutragen, konnte nicht umhin, ihre Unzufriedenheit \u00fcber diesen neuen Befehl zu \u00e4u\u00dfern und sich dar\u00fcber gegen Ali Baba zu erkl\u00e4ren. \u00bbWer ist denn\u00ab, fragte sie, \u00bbdieser eigensinnige Mann, der kein Salz essen will? Deine Mahlzeit wird nicht mehr gut sein, wenn ich sie sp\u00e4ter auftrage.\u00ab &#8211; \u00bbWerde nur nicht b\u00f6se, Morgiane\u00ab, antwortete Ali Baba; \u00bbes ist ein rechtschaffener Mann, deswegen tu&#8216;, was ich dir sage.\u00ab Morgiane gehorchte, aber mit Widerwillen, und es ergriff sie gro\u00dfe Neugierde, den Mann kennen zu lernen, der kein Salz essen wollte. Als sie das Mahl bereitet und Abdallah den Tisch gedeckt hatte, half sie ihm die Speisen hineintragen. Indem sie nun Chogia Husein ansah, erkannte sie ihn sogleich trotz seiner Verkleidung als den R\u00e4uberhauptmann, und bei l\u00e4ngerer aufmerksamer Betrachtung bemerkte sie, dass er unter seinem Kleide einen Dolch versteckt trug. \u00bbJetzt wundere ich mich nicht mehr\u00ab, sagte sie in ihrem Herzen, \u00bbdass dieser Gottlose mit meinem Herrn kein Salz essen will: Er ist sein hartn\u00e4ckigster Feind und will ihn ermorden; aber ich will ihn schon daran verhindern.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Sobald Morgiane mit Abdallah das Auftragen besorgt hatte, benutzte sie die Zeit, w\u00e4hrend die Herren a\u00dfen, um die n\u00f6tigen Vorbereitungen zur Ausf\u00fchrung eines Planes zu treffen, der von mehr als gew\u00f6hnlichem Mute zeigte, und sie war eben fertig damit, als Abdallah ihr meldete, es sei Zeit, die Fr\u00fcchte aufzutragen. Sie brachte dieselben und trug. sie auf, sobald Abdallah den Tisch abger\u00e4umt hatte. Hierauf stellte sie neben Ali Baba ein kleines Tischen und auf dasselbe den Wein nebst drei Schalen; dann ging sie mit Abdallah hinaus, als wollte sie mit ihm zu Nacht speisen, und um Ali Baba nicht zu st\u00f6ren, damit er sich mit seinem Gast angenehm unterhalten und ihm, nach seiner Gewohnheit, zusprechen k\u00f6nnte, sich den Wein schmecken zu lassen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Jetzt glaubte der falsche Chogia Husein, oder vielmehr der Hauptmann der vierzig R\u00e4uber, der g\u00fcnstige Augenblick sei gekommen, um Ali Baba das Leben zu nehmen. \u00bbIch will\u00ab, sprach er bei sich selbst, \u00bbVater und Sohn betrunken machen, und der Sohn, dem ich gerne das Leben schenke, soll mich nicht hindern, seinem Vater den Dolch ins Herz zu sto\u00dfen; sodann will ich mich, wie das erste Mal, durch den Garten fl\u00fcchten, w\u00e4hrend die K\u00f6chin und der Sklave noch mit ihrem Abendessen besch\u00e4ftigt oder in der K\u00fcche eingeschlafen sind. \u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Morgiane aber hatte die Absicht des falschen Chogia Husein durchschaut und lie\u00df ihm nicht Zeit, seinen boshaften Plan auszuf\u00fchren. Statt ihr Abendbrot einzunehmen, zog sie ein sehr anmutiges Tanzkleid an, w\u00e4hlte einen passenden Kopfputz dazu, lege sich einen G\u00fcrtel von vergoldetem Silber um, und befestigte daran einen Dolch, dessen Scheide und Griff von demselben Metall waren; vor ihr Gesicht hing sie eine sehr sch\u00f6ne Maske. Nachdem sie sich nun so verkleidet hatte, sagte sie zu Abdallah: \u00bbAbdallah, nimm deine Schellentrommel und lass uns hineingehen, um vor dem Gast unseres Herren, dem Freunde seines Sohnes, die lustigen Spiele aufzuf\u00fchren, die wir ihm manchmal abends zum besten geben.\u00ab Abdallah nahm die Schellentrommel, ging darauf spielend vor Morgiane her und trat so in den Saal. Hinter ihm kam Morgiane, die sich auf eine h\u00f6chst ungezwungene und anmutsvolle Weise tief verneigte, gleich als b\u00e4te sie um Erlaubnis, ihre Geschicklichkeit zu zeigen. Da Abdallah sah, dass Ali Baba sprechen wollte, h\u00f6rte er auf zu trommeln. \u00bbKomm nur herbei, Morgiane\u00ab, sagte Ali Baba; \u00bbChogia Husein mag urteilen, ob du etwas verstehst, und uns dann seine Meinung dar\u00fcber sagen.\u00ab Sodann sagte er, zu Chogia Husein gewendet. \u00bbDu darfst nicht glauben, Herr, dass ich mich in gro\u00dfe Unkosten versetzt habe, um dir dieses Vergn\u00fcgen zu bereiten. Ich finde es in meinem eigenen Hause, und du siehst, dass es niemand als ein Sklave und meine K\u00f6chin ist, die mich auf solche Art belustigen. Ich hoffe, es werde dir nicht missfallen.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Chogia Husein war nicht darauf gefasst, dass AB Baba auf das Mahl noch diese Belustigung folgen lassen w\u00fcrde. Er fing nun an zu f\u00fcrchten, er m\u00f6chte die Gelegenheit, die er gefunden zu haben glaubte, nicht benutzen k\u00f6nnen. Doch tr\u00f6stete er sich f\u00fcr diesen Fall mit der Hoffnung, bei fortgesetztem freundlichen Umgang mit Vater und Sohn werde sich bald eine neue zeigen. Obgleich es ihm nun weit angenehmer gewesen w\u00e4re, wenn Ali Baba ihn mit diesem Spiele verschont h\u00e4tte, so stellte er sich dennoch, als w\u00fcsste er ihm vielen Dank daf\u00fcr, und war zugleich h\u00f6flich genug, ihm zu erkl\u00e4ren: Alles, was seinem verehrten Gastfreunde Vergn\u00fcgen mache, m\u00fcsse notwendig auch ihm eine Quelle gro\u00dfer Freude sein.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Als nun Abdallah sah, dass Ali Baba und Chogia Husein aufgeh\u00f6rt hatten zu sprechen, so fing er aufs neue an, seine Schellentrommel zu schlagen, und sang ein Tanzlied dazu. Morgiane aber, die den ge\u00fcbtesten T\u00e4nzern und T\u00e4nzerrinnen von Fach an Geschicklichkeit nichts nachgab, tanzte auf eine Weise, die bei jeder andern, als gerade bei der hier anwesenden Gesellschaft, Verwunderung h\u00e4tte erregen m\u00fcssen; am wenigsten Aufmerksamkeit schenkte der falsche Chogia Husein ihrer Kunst.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Nachdem sie nun mit gleicher Kraft und Anmut mehrere T\u00e4nze aufgef\u00fchrt hatte, zog sie endlich den Dolch, schwang ihn in der Hand und tanzte einen neuen Tanz, worin sie sich selbst \u00fcbertraf. Die mannigfaltigen Figuren, die sie bildete, ihre leichten Bewegungen, ihre k\u00fchnen Spr\u00e4nge und die wunderbaren Wendungen und Stellungen, die sie dabei vornahm, indem sie den Dolch bald wie zum Sto\u00df ausstreckte, bald sich stellte, als bohrte sie ihn in ihre eigene Brust, waren h\u00f6chst anmutig anzuschauen. Endlich schien sie sich au\u00dfer Atem getanzt zu haben; sie riss mit der linken Hand Abdallah die Schellentrommel aus den H\u00e4nden, und indem sie mit der rechten den Dolch hielt, bot sie die &#8218;Trommel von der hohlen Seite Ali Baba hin, wie T\u00e4nzer und T\u00e4nzerinnen, die ein Gewerbe aus ihrer Kunst machen, zu tun pflegen, um die Freigebigkeit ihrer Zuschauer anzusprechen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Ali Baba warf Morgiane ein Goldst\u00fcck auf die Trommel; hierauf wandte sie sich an Ali Babas Sohn, der dem Beispiel seines Vaters folgte. Chogia Husein, der sie auch zu sich kommen sah, hatte bereits seinen Geldbeutel gezogen, um ihr gleichfalls ein Geschenk zu machen, und griff eben hinein, als Morgiane mit einem Mute, der ihrer Festigkeit und Entschlossenheit alle Ehre machte, ihm den Dolch mitten durchs Herz bohrte, so dass er leblos zur\u00fccksank. AH Baba und sein Sohn entsetzten sich \u00fcber die Ma\u00dfen ob dieser Handlung und erhoben ein lautes Geschrei. \u00bbUngl\u00fcckliche!\u00ab rief Ali Baba, \u00bbwas hast du getan! Willst du durchaus mich und mein ganze Familie verderben?\u00ab -\u00bbNein, mein Herr\u00ab, antwortete Morgiane, \u00bbich habe es im Gegenteil zu deiner Rettung getan.\u00ab Hierauf \u00f6ffnete sie Chogia Huseins Kleid, zeigte Ali Baba den Dolch, womit er bewaffnet war, und sagte dann zu ihm: \u00bbDa sieh, mit welchem k\u00fchnen Feind du zu tun hattest, und blicke ihm mit scharfem Auge ins Angesicht: Du wirst gewiss den falschen \u00d6lh\u00e4ndler und den Hauptmann der vierzig R\u00e4uber erkennen. Ist es dir denn nicht aufgefallen, dass er kein Salz mit dir essen wollte? Bedarf es wohl noch weiterer Zeugnisse f\u00fcr seinen verderblichen Plan? Noch ehe ich ihn sah, hatte ich schon Argwohn gesch\u00f6pft, als du mir sagtest, dass du einen solchen Gast habest. Ich sah ihn darauf von Angesicht, und nun liegt der Beweis vor dir, dass mein Verdacht nicht unbegr\u00fcndet war.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">AH Baba f\u00fchlte in seinem innersten Herzen, welchen Dank er Morgiane schuldig war, die ihm nun zum zweiten Male das Leben gerettet hatte. Er umarmte sie und sagte zu ihr: \u00bbMorgiane, ich habe dir die Freiheit geschenkt und dabei versprochen, dass mein Dank es nicht dabei bewenden lassen werde, und ich bald noch mehr f\u00fcr dich tun wolle. Diese Zeit ist gekommen: Ich mache dich hiermit zu meiner Schwiegertochter.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Hierauf wandte er sich an seinen Sohn und sagte zu ihm: \u00bbMein Sohn, du bist ein guter Sohn, und ich glaube, du wirst es nicht unbillig finden, dass ich dir Morgiane zur Frau gebe, ohne zuvor deine Stimme zu h\u00f6ren. Du bist ihr ebenso gro\u00dfen Dank schuldig, wie ich selbst; denn es ist klar, dass Chogia Husein deine Freundschaft blo\u00df dazu gesucht hat, um mir desto leichter meuchlerischerweise das Leben zu nehmen, und du darfst nicht zweifeln, dass er, wenn ihm dies gelungen w\u00e4re, auch dich seiner Rache geopfert haben w\u00fcrde. Bedenke \u00fcberdies, dass du in Morgiane, wenn du sie heiratest, die St\u00fctze meiner Familie, solange ich leben werde, und die St\u00fctze der deinigen bis ans Ende deiner Tage besitzen wirst.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der Sohn gab nicht den geringsten Widerwillen zu erkennen, sondern erkl\u00e4rte im Gegenteil, er willige in diese Heirat nicht blo\u00df aus Gehorsam gegen seinen Vater, sondern auch aus eigener Neigung. Hierauf traf man in Ali Babas Hause Anstalten, den Leichnam des Hauptmanns neben den \u00fcbrigen R\u00e4ubern zu begraben, und dies geschah so geheim und in aller Stille, dass es erst nach langen Jahren bekannt wurde, als niemand mehr lebte, der bei dieser denkw\u00fcrdigen Geschichte pers\u00f6nlich beteiligt war.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Wenige Tage nachher feierte Ali Baba die Hochzeit seines Sohnes und Morgianens mit gro\u00dfem Glanze und durch ein prachtvolles Festmahl, das mit T\u00e4nzen, Schauspielen und den gew\u00f6hnlichen Lustbarkeiten gew\u00fcrzt war. Auch hatte er das Vergn\u00fcgen, zu sehen, dass seine Freunde und Nachbarn, die er eingeladen hatte, und die zwar die wahren Beweggr\u00fcnde zu dieser Hochzeit nicht wissen konnten, aber sonst die sch\u00f6nen und guten Eigenschaften Morgianens kannten, ihn laut wegen seiner Gro\u00dfmut und seiner Herzensg\u00fcte lobten.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Ali Baba war nicht mehr in die R\u00e4uberh\u00f6hle zur\u00fcckgekehrt, seitdem er die Leiche seines Bruders Casim dort angetroffen und auf einem seiner drei Esel nebst vielem Golde zur\u00fcckgebracht hatte, denn er f\u00fcrchtete, er m\u00f6chte die R\u00e4uber dort antreffen oder von ihnen \u00fcberrascht werden; aber auch nach dem Tode der achtunddrei\u00dfig R\u00e4uber, den Hauptmann mit eingerechnet, h\u00fctete er sich lange Zeit, dahin zur\u00fcckzukehren, weil er sich sorgte, die zwei andern, deren Schicksal ihm nicht bekannt war, m\u00f6chten noch am Leben sein. Endlich nach Verlauf eines Jahres, als er sah, dass nichts mehr gegen seine Ruhe unternommen wurde, wandelte ihn die Neugierde an, abermals eine Reise dahin zu unternehmen; doch ergriff er dabei die n\u00f6tigen Vorsichtsma\u00dfregeln zu seiner Sicherheit. Er stieg zu Pferd, und als er bei der Grotte anlangte, nahm er als ein gutes Vorzeichen, dass er weder Spuren von Menschen, noch von Pferden bemerkte. Er stieg ab, band sein Pferd an, trat vor die T\u00fcre und sprach die Worte: \u00bbSesam, \u00f6ffne dich!\u00ab die er noch nicht vergessen hatte. Die T\u00fcre \u00f6ffnete sich, er ging hinein und aus dem Zustand, worin er alles in der Grotte antraf, konnte er ersehen, dass ungef\u00e4hr seit der Zeit, da der angebliche Chogia Husein einen Laden in der Stadt errichtet hatte, niemand darin gewesen war, und die ganze Bande der vierzig R\u00e4uber ausgerottet sein musste. Auch zweifelte er nicht mehr daran, dass er der einzige in der Welt sei, der um das Geheimnis, die H\u00f6hle zu \u00f6ffnen, wisse, und dass der darin verschlossene Schatz g\u00e4nzlich zu seiner Verf\u00fcgung stehe. Er hatte einen Quersack mitgenommen; diesen f\u00fcllte er mit so viel Gold an, als er glaubte, dass ein Pferd tragen k\u00f6nnte, und kehrte dann zur Stadt zur\u00fcck.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Seit dieser Zeit lebten Ali Baba und sein Sohn, den er nach der Felsenh\u00f6hle f\u00fchrte und in das Geheimnis, sie zu \u00f6ffnen, einweihte, desgleichen ihre Nachkommen, auf die sie das Geheimnis vererbten, und die ihr Gl\u00fcck mit weiser M\u00e4\u00dfigung genossen, in hohem Glanze und geschm\u00fcckt mit den h\u00f6chsten Ehrenstellen der Stadt.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Nachdem Schehersad dem Sultan Scheherban diese Geschichte erz\u00e4hlt hatte, begann sie in der n\u00e4chsten Nacht mit folgender: Geschichte des Ali Chodjah, Kaufmanns von Bagdad.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eAli Baba und die 40 R\u00e4uber\u201c erz\u00e4hlt von dem armen Holzf\u00e4ller Ali Baba, der zuf\u00e4llig das geheime Versteck einer R\u00e4uberbande entdeckt. 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