{"id":827,"date":"2016-05-17T16:26:14","date_gmt":"2016-05-17T14:26:14","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=827"},"modified":"2026-01-13T19:05:05","modified_gmt":"2026-01-13T18:05:05","slug":"die-drei-spinnerinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-drei-spinnerinnen\/","title":{"rendered":"Die drei Spinnerinnen"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die drei Spinnerinnen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">eine M\u00e4rchenballade von Klaudia Diekmann<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Ein gutes M\u00e4dchen soll sich regen<br>und flei\u00dfig ihre Arbeit tun,<br>soll saubermachen, putzen, fegen<br>und erst des Nachts im Bette ruhn.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun gab es einst in einem St\u00e4dtchen<br>mit vielen Menschen, brav und schlicht,<br>ein sch\u00f6nes, aber faules M\u00e4dchen,<br>das mochte solche Sachen nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem wollte sie nicht spinnen,<br>ihr war das Spinnhandwerk ein Graus,<br>sie mochte gar nicht erst beginnen,<br>sie ruhte sich viel lieber aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Und mocht die Mutter sie auch r\u00fcgen,<br>das prallte einfach an ihr ab,<br>sie wollt beileibe sich nicht f\u00fcgen<br>und tat entkr\u00e4ftet, matt und schlapp.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, mit der Zeit wurd es noch schlimmer,<br>da tat sie keinen Handschlag mehr,<br>sie sa\u00df nur unbewegt im Zimmer<br>und \u00fcberlegte hin und her.<\/p>\n\n\n\n<p>So wurd die Mutter bitterb\u00f6se<br>und schlug sie voller Ungeduld,<br>und durch das Keifen und Get\u00f6se<br>entstand am Fenster ein Tumult.<\/p>\n\n\n\n<p>Dort hielt sogar die Equipage<br>der neugierigen K\u00f6nigin,<br>die, angelockt von dieser Rage<br>und dem Geschrei, dort gleich erschien.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie wollte alles sich besehen<br>und trat entschlossen in den Flur<br>und rief entsetzt: \u201eWas ist geschehen?<br>Was tust du mit dem M\u00e4dchen nur?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mutter konnt ihr doch nicht sagen,<br>warum sie ihre Tochter schlug!<br>Sie fing stattdessen an zu klagen,<br>das M\u00e4dchen spinne wie im Flug.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSie st\u00fcrzt mich nochmals ins Verderben,<br>denn all den Flachs, der n\u00f6tig ist,<br>kann ich doch, Arme, nicht erwerben,<br>so haben wir zuweilen Zwist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, sie will immerzu nur spinnen,<br>ihr ist das Spinnhandwerk ein Drang,<br>nichts anderes will sie beginnen<br>und spinnt die ganzen Tage lang!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die K\u00f6nigin rief ohne Zagen:<br>\u201eGib sie mir mit, ich brauche sie!<br>Ich werd mich sicher nicht beklagen<br>ob der kuriosen Spinnmanie!<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe sch\u00f6nen Flachs in Mengen,<br>den muss sie spinnen unbedingt!<br>Ach, ist doch nicht von all den Kl\u00e4ngen<br>der sch\u00f6nste, wenn das Spinnrad singt?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mutter wollt nichts mehr erkl\u00e4ren,<br>denn ihre L\u00fcge wog zu schwer,<br>sie lie\u00df die K\u00f6nigin gew\u00e4hren<br>und gab die faule Tochter her.<\/p>\n\n\n\n<p>Das M\u00e4dchen stieg in die Karosse<br>und freute sich an all der Pracht,<br>doch angekommen in dem Schlosse,<br>wurd sie zum Werkraum gleich gebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die K\u00f6nigin sprach zu dem M\u00e4dchen:<br>\u201eSetz dich ans Spinnrad nun schnurstracks<br>und spinne mir die feinsten F\u00e4dchen<br>aus all dem sch\u00f6nen, fahlen Flachs!<\/p>\n\n\n\n<p>Drei Kammern sind hier vollgeschichtet,<br>doch mit Geschick und Lust und Flei\u00df<br>hast du die Arbeit bald verrichtet,<br>und dann erh\u00e4ltst du deinen Preis.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn hast du deinen Dienst versehen,<br>kriegst du als Gatten meinen Sohn,<br>und werd ich einmal von euch gehen,<br>steigt ihr dann auf den K\u00f6nigsthron.<\/p>\n\n\n\n<p>Bist du auch nicht von blauem Blute,<br>ist mir dein Flei\u00df Ersatz genug,<br>den halt ich dir daf\u00fcr zugute.<br>Und nun fang an! Spinn wie im Flug!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>So sprach die K\u00f6nigin mit Strenge,<br>und sie verlie\u00df den Arbeitsraum,<br>das M\u00e4dchen wusste, diese Menge<br>spann sie in tausend Jahren kaum.<\/p>\n\n\n\n<p>Da fing die Faule an zu jammern<br>und machte keinen Finger krumm,<br>drei Tage sa\u00df sie in den Kammern<br>bequem und m\u00fc\u00dfig nur herum.<\/p>\n\n\n\n<p>Und als am dritten fr\u00fchen Morgen<br>die K\u00f6nigin nach oben kam,<br>rief \u2018s M\u00e4dchen: \u201eIch bin voller Sorgen,<br>seit ich von Mutter Abschied nahm!<\/p>\n\n\n\n<p>Ich kann die H\u00e4nde nicht bewegen,<br>weil ich so schrecklich traurig bin,<br>auf diesem Abschied ruht kein Segen!<br>Was soll ich tun, oh K\u00f6nigin?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNun gut, ich will dich noch nicht schelten,<br>doch lange warten werd ich nicht,<br>und lass ich heut den Grund noch gelten<br>bleibt Spinnen trotzdem deine Pflicht!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>So sprach die K\u00f6nigin mit Strenge,<br>und sie verlie\u00df den Arbeitsraum,<br>das M\u00e4dchen wusst ja, diese Menge<br>spann sie in tausend Jahren kaum.<\/p>\n\n\n\n<p>Entmutigt blickte sie durchs Fenster<br>und sah drei Weiber nah am Haus,<br>sie waren h\u00e4sslich wie Gespenster,<br>dass es sie sch\u00fcttelte vor Graus.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tracht der Ersten war recht sch\u00e4big,<br>und alles schien an ihr verquer,<br>sie latschte tr\u00e4ge und beh\u00e4big<br>auf einem Plattfu\u00df so daher.<\/p>\n\n\n\n<p>Und eine Riesenunterlippe<br>besa\u00df das zweite alte Weib<br>und einen Bart wie eine Hippe<br>und einem knochend\u00fcrren Leib.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Auff\u00e4llige bei der Dritten<br>war rechts der Daumen, breit und gro\u00df,<br>als w\u00e4r die Kuppe abgeschnitten,<br>sie hustete auch pausenlos.<\/p>\n\n\n\n<p>Und als sie grad am Fenster waren,<br>verlangsamten sie ihren Lauf<br>und schauten weise und erfahren<br>zu dieser jungen Frau hinauf.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas hast du denn? Was fehlt dir M\u00e4dchen?\u201c,<br>so fragten voller Mitleid sie.<br>\u201eDen Flachs soll spinnen ich zu F\u00e4dchen,<br>doch wei\u00df ich \u00fcberhaupt nicht wie!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Und sie erz\u00e4hlte voll Vertrauen,<br>weshalb sie in der Kammer sa\u00df,<br>da riefen diese alten Frauen:<br>\u201eUns macht das Spinnen immer Spa\u00df!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Arbeit k\u00f6nnten wir verrichten,<br>und zwar sehr gerne, liebes Kind,<br>doch dann sollst du allseits berichten,<br>dass wir drei deine Basen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Wirst du dich n\u00e4mlich einst verm\u00e4hlen,<br>so sollst du vor dem Hochzeitsfest<br>dem Br\u00e4utigam von uns erz\u00e4hlen,<br>damit er uns zur Feier l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn wenn wir als Verwandtschaft k\u00e4men,<br>dann s\u00e4\u00dfen wir an deinem Tisch!<br>Doch darfst du unser dich nicht sch\u00e4men!\u201c,<br>verlangten sie gebieterisch.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas will ich gerne euch geloben,<br>ihr guten, alten M\u00fctterlein!\u201c<br>Die Alten kraxelten nach oben<br>und richteten sich h\u00e4uslich ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Und kam die K\u00f6nigin mal schauen,<br>dann wurden sie sofort versteckt,<br>die arbeitsamen, alten Frauen,<br>und wurden nicht von ihr entdeckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Alten spannen sehr beh\u00e4nde,<br>und all der Flachs aus jedem Raum<br>war feinstes Leinengarn am Ende,<br>so sch\u00f6n und herrlich wie ein Traum.<\/p>\n\n\n\n<p>Und als es Zeit war dann zu scheiden,<br>gemahnten sie die Weiber nur:<br>\u201eWillst du im Leben nie mehr leiden<br>denk allezeit an deinen Schwur!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Faule sah sich um im Zimmer,<br>zufrieden mit dem Resultat,<br>als schon die K\u00f6nigin wie immer<br>am Morgen in den Werkraum trat.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas hast du wunderbar gemeistert<br>mit Eifer, Flei\u00df und Strebsamkeit!\u201c<br>rief unsre K\u00f6nigin begeistert.<br>\u201eMach f\u00fcr die Hochzeit dich bereit!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Und auch der Prinz konnt nur frohlocken<br>denn wundersch\u00f6n war seine Braut,<br>schlank die Gestalt, das Haupt voll Locken,<br>das Antlitz fein mit zarter Haut!<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Mutter hat es recht entschieden\u201c,<br>rief er, von Liebe \u00fcbermannt,<br>\u201eich bin mit ihrer Wahl zufrieden,<br>denn du bist\u2026 flei\u00dfig und gewandt!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Da musste doch das M\u00e4dchen lachen.<br>Ach, dieser Prinz war gut und lieb,<br>er w\u00fcrde sicher alles machen,<br>damit sie froh und gl\u00fccklich blieb.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch brauche unbedingt drei Pl\u00e4tze,<br>ganz nah bei uns am Hochzeitstisch,<br>f\u00fcr meine Basen, die ich sch\u00e4tze\u201c,<br>bat sie ihn gleich verf\u00fchrerisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun, damit war er einverstanden<br>und lud zum Fest die Alten ein,<br>doch als sie dann im Saale standen,<br>sah unser Prinz entgeistert drein.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAuf diese garstig alten Frauen<br>verwachsen, missf\u00f6rmig und krumm,<br>kann jeder nur mit Abscheu schauen!\u201c,<br>dacht unser Prinz, vor Sorge stumm.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Braut jedoch ging ohne Zw\u00e4nge<br>und frisch und frei zu dem Gespann<br>und holte sie durch das Gedr\u00e4nge<br>ganz nah zu sich und ihrem Mann.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWie sch\u00f6n ist doch mein Weib dagegen,<br>so lieblich, reizend und perfekt!<br>M\u00f6g sie so bleiben allerwegen!\u201c,<br>dacht sich der Prinz, noch ganz verschreckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Da frug die Erste er beklommen:<br>\u201eWarum ist Euer Fu\u00df entstellt?\u201c<br>\u201eVom Treten hab ich ihn bekommen,<br>weil mir das Spinnen so gef\u00e4llt!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dann frug die Zweite er erschrocken:<br>\u201eWeshalb h\u00e4ngt Eure Lippe so?\u201c<br>\u201eVom Lecken, denn der Flachs am Rocken<br>ist immer spr\u00f6de so wie Stroh!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Und schlie\u00dflich fragte er die Dritte:<br>\u201eWieso ist Euer Daumen breit?\u201c<br>\u201eIch schlag den Flachs nach alter Sitte<br>beim Spinnen platt die ganze Zeit!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Drauf sprach zur Braut der Prinz mit Grauen:<br>\u201eAns Spinnrad setzt du dich nie mehr,<br>du sch\u00f6nste aller sch\u00f6nen Frauen,<br>f\u00e4llt der Verzicht dir noch so schwer!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Doch sie war insgeheim zufrieden<br>mit ihrem zuk\u00fcnftigen Los!<br>So wurde beiden Gl\u00fcck beschieden,<br>und ihre Liebe wurde gro\u00df!<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Diese M\u00e4rchenballade wurde mir von Klaudia Diekmann zur Verf\u00fcgung gestellt.<br>Das Copyright liegt ausschliesslich bei \u00a9 Klaudia Diekmann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein sch\u00f6nes, aber faules M\u00e4dchen weigert sich, Hausarbeiten und insbesondere das Spinnen zu erledigen, sehr zum \u00c4rger ihrer Mutter.<br \/>\nDie Mutter wird w\u00fctend und schl\u00e4gt das M\u00e4dchen, was die Aufmerksamkeit der vorbeifahrenden K\u00f6nigin erregt.<br \/>\nUm sich zu rechtfertigen, behauptet die Mutter, das M\u00e4dchen spinne unaufh\u00f6rlich, was die K\u00f6nigin beeindruckt.<br \/>\nDie K\u00f6nigin nimmt das M\u00e4dchen mit ins Schloss, wo es gro\u00dfe Mengen Flachs verspinnen soll. Als Belohnung winkt die Heirat mit dem Prinzen.<br \/>\nDas M\u00e4dchen ist \u00fcberfordert und verzweifelt, da sie die Arbeit niemals allein schaffen kann.<br \/>\nDrei h\u00e4ssliche, alte Frauen bieten ihre Hilfe an, unter der Bedingung, dass das M\u00e4dchen sie sp\u00e4ter als ihre Basen ausgibt und zur Hochzeit einl\u00e4dt.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3639,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[91,85],"tags":[],"class_list":["post-827","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-klaudia-diekmann","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/827","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=827"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/827\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3640,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/827\/revisions\/3640"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=827"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=827"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=827"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}