{"id":811,"date":"2016-05-09T23:29:18","date_gmt":"2016-05-09T21:29:18","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=811"},"modified":"2025-12-27T22:32:54","modified_gmt":"2025-12-27T21:32:54","slug":"die-zwergmaennchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-zwergmaennchen\/","title":{"rendered":"Die Zwergm\u00e4nnchen"},"content":{"rendered":"<p>Heinrich Pr\u00f6hle<br \/>\n<!--more--><br \/>\nEin Schweinhirt hatte viele S\u00f6hne, von denen trieb der \u00e4lteste mit den Ferken aus. Drau\u00dfen aber machte er sich eine Pfeife und lehrte seinen sechs Ferken das Tanzen nach der Pfeife. Als sie es gelernt hatten und herangewachsen waren, zog er damit nach der Stadt und lie\u00df sie vor dem K\u00f6nigsschlosse tanzen. Da schaute die Frau K\u00f6nigin zum Fenster aus und freute sich \u00fcber die tanzenden Schweine, lie\u00df auch dem Schweinejungen Zucker und Rosinen reichen und hie\u00df ihrem S\u00e4ckelmeister mit ihm um eins der Schweine handeln. Allein der Schweinejunge sagte: \u201eDar\u00fcber ist kein andrer Handel, als wenn ich die Frau K\u00f6nigin f\u00fcr das erste Schwein einmal ein wenig ins Ohr kneifen darf.\u201c Das erlaubte ihm die Frau K\u00f6nigin, er aber gab ein Schwein hin und zog mit den \u00fcbrigen Schweinen nach Hause.<\/p>\n<p>Als er nach Hause kam und sein Vater sah, dass ein Schwein fehlte, wollte er das Geld daf\u00fcr sehen. Der Schweinejunge erz\u00e4hlte, wie er die K\u00f6nigin daf\u00fcr ein wenig ins Ohr gekniffen h\u00e4tte, und bekam zur Strafe, weil er kein Geld mitgebracht, von seinem Vater Schl\u00e4ge.<\/p>\n<p>Nach einer Weile trieb er mit den \u00fcbrigen f\u00fcnf Ferken wieder vor das K\u00f6nigsschloss und lie\u00df sie nach seiner Pfeife tanzen. Frau K\u00f6nigin schaute wieder zum Fenster heraus, lie\u00df ihm Zucker und Rosinen zu essen geben und schickte ihren Seckelmeister, eins von den f\u00fcnf Schweinen zu kaufen. Da sagte er wieder, dass er es nur hing\u00e4be, wenn er die Frau K\u00f6nigin daf\u00fcr ein wenig ins Ohrl\u00e4ppchen kneifen k\u00f6nne. Die Frau K\u00f6nigin aber kam l\u00e4chelnd herbei und lie\u00df sich von ihm am Ohr zausen und bekam eins von den f\u00fcnf Schweinen daf\u00fcr. Als er seinem Vater wieder kein Geld brachte, bekam er noch mehr Peitschenschl\u00e4ge, als zuvor. So ging es fort bis das letzte Schwein an die Frau K\u00f6nigin verhandelt war, wonach sein Vater ihn am ganzen Leibe blutig schlug.<\/p>\n<p>Als die Frau K\u00f6nigin die sechs Ferken zusammen hatte, spitzte sie das M\u00e4ulchen und pfiff, dass sie danach tanzen sollten; allein vergebens, denn die sechs Schweine r\u00fchrten sich nicht. Darauf bot sie ihr ganzes Musikcorps auf, aber die Schweine erhoben sich nicht und fingen nicht zu tanzen an. Da gab sie ihren Dienern Befehl, dass sie den Schweinejungen mit der Pfeife herbringen sollten, und sie dachte ihm die Pfeife nun auch noch abzukaufen. Die Diener aber sp\u00fcrten ihn auf und fanden ihn krank von den Schl\u00e4gen auf dem Lager liegen in seines Vaters Hause. Doch folgte er ihnen mit seiner Pfeife, bekam auch wieder Zucker und Rosinen und die sechs Schweine machten zu seiner Musik die allerlustigsten Spr\u00fcnge. Als nun die Frau K\u00f6nigin diesmal selber den Handel mit ihm abschlie\u00dfen wollte, bemerkte sie, dass sein K\u00f6rper blutr\u00fcnstig war, und fragte ihn nach der Ursache, und er sagte, dass sein Vater ihn immer mit der Peitsche geschlagen, wenn er kein Geld f\u00fcr die Schweine heimgebracht. Dar\u00fcber lachte die Frau K\u00f6nigin, wandte sich aber um und sagte: \u201eIch k\u00f6nnte es nicht verantworten, wenn der arme Narr noch einmal so von seinem Vater misshandelt w\u00fcrde. Mein Seckelmeister soll ihm mit Gewalt die Taschen voll Geld stecken, daf\u00fcr aber sollen ihm meine Diener die Pfeife wegnehmen und ihn dann vom K\u00f6nigshofe hinweg f\u00fchren.\u201c<\/p>\n<p>So geschah es auch und bald stand der Schweinejunge mit gef\u00fcllten Taschen drau\u00dfen allein im Walde, die Frau K\u00f6nigin aber blies mit vollen Backen auf seiner Pfeife und die sechs Schweine tanzten lustig danach und war dazumal gro\u00dfer Jubel und viele Lustbarkeit auf dem K\u00f6nigshofe.<\/p>\n<p>Der Schweinejunge war traurig, z\u00fcrnte der K\u00f6nigin und wollte mit dem vielen Gelde, das er nicht achtete, zu seinem Vater zur\u00fcckkehren; da kam ein Zwergm\u00e4nnchen daher, klagte sehr \u00fcber die schlechten Zeiten, sagte auch, dass es in Not sei, und bat um einen Zehrpfennig. \u201eNach Pfennigen greife ich jetzt nicht mehr in die Tasche,\u201c sagte der Schweinejunge, und gab ihm einen Dukaten.<\/p>\n<p>Nach einer Weile kam wieder ein Zwergm\u00e4nnchen, klagte auch \u00fcber die schlechten Zeiten und bat wieder um einen Zehrpfennig. Da gab er wieder einen Dukaten hin, und so kamen noch viele Zwergm\u00e4nnchen an und jedes erhielt seinen Dukaten. Der letzte Zwerg aber sagte: \u201eDie Dukaten, die Du uns gabst, sollen Gl\u00fccksdukaten f\u00fcr Dich werden; wenn Du in Not bist, so magst Du uns nur rufen.\u201c<\/p>\n<p>Der Schweinejunge hatte nun nur noch zehn Dukaten, und als er damit weiter ging, begegnete ihm der B\u00f6se mit einem h\u00fcbschen Pferde. Der Junge kannte aber den B\u00f6sen noch nicht und fragte, was das Pferd kosten solle. \u201eWeil Du es bist,\u201c sagte der B\u00f6se, \u201eso lasse ich Dir\u2019s f\u00fcr zehn Dukaten, es ist aber unter Br\u00fcdern hundert wert. Die \u00fcbrigen achtzig Dukaten will ich Dir schenken und Du kannst Dich gleich aufsetzen, unter dem Beding, dass Du zuerst mit nach meinem Schlosse reitest.\u201c<\/p>\n<p>Das war der Schweinejunge wohl zufrieden, denn der Teufel erschien ihm wie ein feiner und liebreicher Herr. Als sie aber in das Schloss des Teufels kamen, sprach der: \u201eJetzt bist Du in meiner Gewalt. Wisse also, dass ich der Teufel bin, und weil ich Dir achtzig Dukaten an dem Pferde geschenkt habe und Du das angenommen hast, so will ich Dir den Hals umdrehen, wenn Du mir nicht drei Aufgaben l\u00f6sen kannst.\u201c Es war aber die erste Aufgabe des Teufels, dass er aus einer Kuh ein Pferd machen m\u00fcsse; die zweite: um sein Teufelsschloss m\u00fcsse er eine zehn Fu\u00df hohe und zwei Fu\u00df dicke Mauer ziehen, die Steine dazu waren schon vorhanden. Die dritte Aufgabe war: der Teufel h\u00e4tte zwischen seinen Jungfern im Schloss eine Prinzessin, die sollte er zwischen den \u00fcbrigen Jungfern heraussuchen, m\u00fcsse aber beim ersten Griff sogleich die Prinzessin herausfinden.<\/p>\n<p>Als dem Jungen solches er\u00f6ffnet war, ging er in den Stall, darin die Kuh stand und der Teufel schloss ihn bei. Er aber wusste nicht, was er tun solle. Da fielen ihm die Zwerge ein und er rief also:<\/p>\n<p>\u201eZwergm\u00e4nnichen ich rufe Euch,<br \/>\nKommt her, ich bin in Not;<br \/>\nIch wei\u00df es, Ihr k\u00f6nnt helfen mir,<br \/>\nIch gab Euch Geld zu Brod.\u201c<\/p>\n<p>Da erschien sogleich eine Schaar Zwerge, fra\u00dfen die Kuh bei Stumpf und Stiel auf, darauf zogen sie ein Pferdchen aus der Tasche so gro\u00df wie ein Spielpferd, dasselbe wurde immer gr\u00f6\u00dfer und hatte zuletzt die Gr\u00f6\u00dfe eines gew\u00f6hnlichen Reitpferdes. Als der Teufel kam, war schon alles fix und fertig, und er fand statt der schlechten Kuh das beste Pferd.<\/p>\n<p>Nun ging es aber an die Maurerarbeit, da sagte der Schweinejunge wieder sein Spr\u00fcchlein und die Zwerge kamen in gro\u00dfen Scharen herbei. Sie konnten sich aber unsichtbar machen, so dass sie der Teufel nicht sah, und es waren der Zwerge so viele, dass auf jeden Zwerg kaum f\u00fcnf Steine kamen, die er legen musste an der ganzen gro\u00dfen Mauer. So stand denn diese alsbald fertig da, gar hoch und breit, und nun ging&#8217;s an die dritte Arbeit.<\/p>\n<p>Als der Junge sein Spr\u00fcchlein gesagt hatte, kam der letzte von den Zwergen allein an und gab ihm eine Rute, die sollte er krumm biegen und damit auf die Jungfern zielen, die alle ganz gleich auss\u00e4hen, ganz schwarz w\u00e4ren und alle auf einem gro\u00dfen Saale aufgestellt w\u00fcrden; er sagte auch, diejenige, welche die losgelassene Rute ber\u00fchrte, w\u00e4re die Prinzessin. Der Schweinejunge aber traf richtig mit der Rute die Prinzessin und hatte diese jetzt erl\u00f6st, deshalb rief eine Stimme:<\/p>\n<p>Prinzessin! bring dem H\u00f6chsten Dank!<br \/>\nDu bist befreit vom H\u00f6llenbrand.<\/p>\n<p>Als der B\u00f6se das h\u00f6rte, sprach er: \u201eJetzt geh\u00f6rt Dir die Prinzessin und die beiden Pferde von Rechtswegen.\u201c So setzte der Schweinejunge sich selbst auf das Pferd, das er f\u00fcr zehn Dukaten gekauft, nachdem er zuvor die Prinzessin auf das andere Pferd gehoben, das er von den Zwergen erhalten hatte. Darauf zogen beide hin zu dem Vater der Prinzessin, der ein m\u00e4chtiger K\u00f6nig war, und sogleich wurde seine Hochzeit veranstaltet. Auf der Hochzeit aber war auch die Frau K\u00f6nigin eingeladen, welcher der Schweinejunge immer die Ohren gezaust hatte, und sie tanzte mit dem alten Schweinhirten, der seinen Sohn immer gepr\u00fcgelt hatte, den Ehrentanz. Die Frau K\u00f6nigin aber hatte ihre Pfeife und ihre sechs Schweine mitgebracht, und wenn die andern m\u00fcde waren zu tanzen, so mussten die sechs Schweine nach der Pfeife der Frau K\u00f6nigin tanzen, und sie tanzten noch sch\u00f6ner als alle die Hochzeitg\u00e4ste.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heinrich Pr\u00f6hle<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[93,85],"tags":[],"class_list":["post-811","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-heinrich-proehle","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/811","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=811"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/811\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":812,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/811\/revisions\/812"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=811"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=811"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=811"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}