{"id":806,"date":"2016-04-24T23:51:22","date_gmt":"2016-04-24T21:51:22","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=806"},"modified":"2026-01-24T22:34:35","modified_gmt":"2026-01-24T21:34:35","slug":"der-gute-handel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-gute-handel\/","title":{"rendered":"Der gute Handel"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der gute Handel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gebr. Grimm<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Ein Bauer der hatte seine Kuh auf den Markt getrieben, und f\u00fcr sieben Taler verkauft. Auf dem Heimweg musste er an einem Teich vorbei und da h\u00f6rte er schon von weitem, wie die Fr\u00f6sche riefen: ak, ak! ak, ak! \u201eJa, sprach er f\u00fcr sich, die schreien auch ins Haberfeld hinein, sieben Taler sind&#8217;s, die ich gel\u00f6st habe, keine acht.\u201c Als er an das Wasser heran kam, rief er ihnen zu: \u201edummes Vieh, das ihr seid! wisst ihrs nicht besser? sieben Taler sind&#8217;s und keine acht!\u201c Die Fr\u00f6sche blieben aber bei ihrem ak, ak! ak, ak! \u201eNun, wenn ihrs nicht glauben wollt, ich kann&#8217;s euch vorz\u00e4hlen;\u201c holte das Geld aus der Tasche und z\u00e4hlte die sieben Taler ab, immer vierundzwanzig Groschen auf einen.\u201c Die Fr\u00f6sche kehrten sich aber nicht an sein Rechnen und riefen abermals: \u201eak, ak! ak, ak! \u201eEi, rief der Bauer ganz b\u00f6s, wollt ihrs besser wissen, als ich, so z\u00e4hlt selber!\u201c und warf das Geld miteinander ins Wasser hinein. Er blieb stehen und wollte warten, bis sie fertig w\u00e4ren und ihm das seinige wiederbr\u00e4chten, aber die Fr\u00f6sche beharrten auf ihrem Sinn, schrien immerfort, ak, ak! ak, ak! und warfen auch das Geld nicht wieder heraus. Er wartete noch eine gute Weile, bis der Abend einbrach und er nach Haus musste, da schimpfte er die Fr\u00f6sche aus und rief: ihr Wasserpatscher, ein gro\u00df Maul habt ihr und k\u00f6nnt schreien, dass einem die Ohren weh tun, aber sieben Taler k\u00f6nnt ihr nicht z\u00e4hlen! meint ihr, ich wollte da stehen, bis ihr fertig w\u00e4rt!\u201c damit ging er fort, aber die Fr\u00f6sche riefen ihm noch nach: ak, ak! ak, ak, ak!\u201c dass er ganz verdrie\u00dflich heim kam.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00dcber eine Zeit erhandelte er sich wieder eine Kuh, die schlachtete er und machte die Rechnung, wenn er das Fleisch gut verkaufe, k\u00f6nnte er so viel l\u00f6sen, als die beiden K\u00fche wert w\u00e4ren und das Fell h\u00e4tte er obendrein. Als er nun mit dem Fleisch zu der Stadt kam, war vor dem Thore ein ganzes Rudel Hunde zusammengelaufen, voran ein gro\u00dfer Windhund; dieser sprang um das Fleisch, schnupperte und bellte: was, was! was, was! Als er gar nicht aufh\u00f6ren wollte, sprach der Bauer zu ihm: \u201eja, ich merk wohl, du sagst was, was! weil du etwas von dem Fleisch verlangst, da sollt\u2019 ich aber sch\u00f6n ankommen, wenn ich dir\u2019s geben wollte.\u201c Der Hund antwortete nichts als, was, was! \u201ewillst du\u2019s auch nicht wegfressen und du f\u00fcr deine Kameraden da gut stehen?\u201c \u201eWas, was!\u201c sprach der Hund. \u201eNun, wenn du dabei bleibst, so will ich dir&#8217;s lassen, ich kenne dich wohl und wei\u00df, bei wem du dienst; aber das sag ich dir, in drei Tagen muss ich mein Geld haben, du kannst mir&#8217;s hinausbringen.\u201c Darauf lud er das Fleisch ab und kehrte wieder um; die Hunde machten sich dar\u00fcber her und bellten laut was, was! der Bauer der es von weitem h\u00f6rte, sprach zu sich: \u201ehorch, jetzt verlangen sie alle was, aber der gro\u00dfe muss mir einstehen.\u201c<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Als drei Tage herum waren, dachte der Bauer vergn\u00fcgt: heute Abend hast du dein Geld in der Tasche. Aber es wollte niemand kommen, und es auszahlen. Es ist kein Verlass mehr auf jemand,\u201c sprach er und endlich riss ihm die Geduld, dass er in die Stadt zu den Fleischer ging und sein Geld forderte. Der Fleischer meinte, es w\u00e4re ein Spa\u00df, als aber der Bauer sagte: \u201eSpa\u00df beiseite, ich will mein Geld; hat der gro\u00dfe Hund euch nicht die ganze geschlachtete Kuh vor drei Tagen heim gebracht!\u201c da ward der Fleischer zornig, griff nach einem Besenstiel und jagte ihn hinaus. \u201eWart, sprach der Bauer, es gibt noch Gerechtigkeit auf der Welt! und ging in das k\u00f6nigliche Schloss und bat sich Geh\u00f6r aus. Er ward vor den K\u00f6nig gef\u00fchrt, der da sa\u00df mit seiner Tochter und fragte: was ihm f\u00fcr ein Leid widerfahren w\u00e4re? \u201eAch, sagte er, die Fr\u00f6sche und Hunde haben mir das meinige genommen und der Metzger hat mich daf\u00fcr mit dem Stock bezahlt\u201c und erz\u00e4hlte weitl\u00e4ufig, wie es zugegangen war. Dar\u00fcber fing die K\u00f6nigstochter laut an zu lachen und der K\u00f6nig sprach zu ihm: \u201eRecht kann ich dir hier nicht geben, aber daf\u00fcr sollst du meine Tochter zur Frau haben, ihr Lebtag hat sie noch nicht gelacht, als eben \u00fcber dich, und ich habe sie dem versprochen, der sie zum Lachen br\u00e4chte. Du kannst Gott f\u00fcr dein Gl\u00fcck danken.\u201c \u201eO, antwortete der Bauer, ich will sie gar nicht, ich hab daheim nur eine einzige Frau und wenn ich nach Haus komme, so ist mir doch als ob in jedem Winkel eine st\u00e4nde.\u201c Da ward der K\u00f6nig zornig und sprach: \u201ebist du so ein Grobian, so musst du einen andern Lohn haben, jetzt pack dich fort, aber in drei Tagen komm wieder, so sollen dir f\u00fcnfhundert vollgez\u00e4hlt werden.\u201c<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Wie der Bauer hinaus vor die T\u00fcre kam, sprach die Schildwacht: \u201edu hast die K\u00f6nigstochter zum Lachen gebracht, da wirst du was rechtes bekommen haben.\u201c \u201eJa das mein ich! antwortete der Bauer, f\u00fcnfhundert werden mir ausbezahlt.\u201c \u201eH\u00f6r, sprach der Soldat, gib&#8216; mir etwas davon, was willst du mit all dem Geld anfangen.\u201c \u201eNun, sprach der Bauer, weil du\u2019s bist, so sollst du zweihundert haben, in drei Tagen meld\u2019 dich beim K\u00f6nig und lass dir&#8217;s aufz\u00e4hlen.\u201c Eine Jude hatte in der N\u00e4he gestanden und das Gespr\u00e4ch mit angeh\u00f6rt, der lief dem Bauer nach, hielt ihn beim Rock und sprach: \u201eGotteswunder, was seid ihr ein Gl\u00fcckskind! ich will&#8217;s euch wechseln, ich will&#8217;s euch umsetzen in Scheidem\u00fcnz, was wollt ihr mit den harten Talern!\u201c \u201eMauschel, sagte der Bauer, dreihundert kannst du noch haben, gib&#8216; mir&#8217;s nur gleich in M\u00fcnze, heut \u00fcber drei Tage wirst du daf\u00fcr beim K\u00f6nig bezahlt werden.\u201c Der Jude war froh \u00fcber das Profitchen und brachte die Summe in schlechten Groschen, wo drei so viel wert sind als zwei gute. Nach Verlauf der drei Tage ging der Bauer, dem Befehl gem\u00e4\u00df, vor den K\u00f6nig. \u201eZieh den Rock aus, sprach dieser, du sollst deine f\u00fcnfhundert haben.\u201c \u201eAch! sagte der Bauer, sie geh\u00f6ren nicht mehr mein, zweihundert habe ich an die Schildwache verschenkt und dreihundert hat mir der Jude eingewechselt, von Rechtswegen geb\u00fchrt mir nicht ein einziges.\u201c Indem kam der Soldat und der Jude herein, verlangten das ihrige, das sie dem Bauer abgewonnen h\u00e4tten und erhielten die Schl\u00e4ge richtig zugemessen. Der Soldat ertrug&#8217;s geduldig und wusste schon, wie\u2019s schmeckte, der Jude aber tat j\u00e4mmerlich: \u201eau weih geschrien! sind das die harten Taler!\u201c Der K\u00f6nig musste \u00fcber den Bauer lachen, und weil aller Zorn verschwunden war, sprach er: \u201ehast du den Lohn schon verloren eh du ihn empfangen, so will ich dir einen Ersatz geben, geh in meine Schatzkammer und hol dir Geld, so viel du willst.\u201c Der Bauer lie\u00df sich das nicht zweimal gesagt seyn, und f\u00fcllte in seine Taschen, was nur hinein wollte. Darnach ging er ins Wirtshaus und \u00fcberz\u00e4hlte sein Geld; der Jude war ihm nachgegangen und h\u00f6rte wie er mit sich allein brummte: \u201enun hat mich der Spitzbube von K\u00f6nig doch hinters Licht gef\u00fchrt! h\u00e4tte er mir nicht selbst das Geld geben k\u00f6nnen, so w\u00fcsste ich, was ich h\u00e4tte, wie kann ich nun wissen, ob das richtig ist, was ich so eingesteckt habe!\u201c \u2013 \u201eGott bewahre, sprach der Jude f\u00fcr sich, der spricht despectirlich von unserm Herrn, ich lauf gleich und geb&#8217;s an, so krieg ich eine Belohnung, und er wird noch obendrein bestraft.\u201c Als der K\u00f6nig die Reden des Bauern erfuhr, ward er zornig, und hie\u00df den Juden hingehen und den S\u00fcnder herbeiholen. Der Jude lief zum Bauer: \u201eihr sollt gleich zum Herrn K\u00f6nig kommen, wie ihr geht und steht.\u201c \u201eIch wei\u00df besser, was sich schickt, antwortete der Bauer, erst lass ich mir einen neuen Rock machen: meinst du ich wollte in dem alten Lumpenrock hingehen, wenn ich so viel Geld habe.\u201c Der Jude sah, dass der Bauer ohne einen andern Rock nicht wegzubringen war, und weil er f\u00fcrchtete, wann der K\u00f6nig seinen Zorn verliere, so verliere er seine Belohnung und der Bauer die Strafe, so sprach er: \u201eich will euch so lang einen Rock leihen aus blo\u00dfer Freundschaft; mein! was tut der Mensch nicht aus Liebe!\u201c Der Bauer lie\u00df sich das gefallen, zog einen Rock vom Juden an und ging mit ihm fort. Der K\u00f6nig hielt ihm die b\u00f6sen Reden vor, die ihm der Jude hinterbracht hatte. \u201eAch! sprach der Bauer, was ein Jude sagt, ist immer gelogen, denen geht kein wahres Wort aus dem Munde: der Kerl da ist im Stand und behauptet, ich h\u00e4tte seinen Rock an!\u201c \u201eWas soll mir das, schrie der Jude, ist der Rock nicht mein, hab ich ihn nicht aus Freundschaft geborgt, damit ihr vor den Herrn K\u00f6nig treten konntet!\u201c Wie der K\u00f6nig das h\u00f6rte, sprach er: \u201eeinen hat der Jude gewiss betrogen mich oder den Bauer!\u201c und lie\u00df ihm noch etwas in harten Talern nachzahlen; der Bauer aber ging in dem guten Rock mit dem guten Geld in der Tasche heim und sprach: diesmal hab ich&#8217;s getroffen!<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[87,85],"tags":[],"class_list":["post-806","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gebr-grimm","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/806","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=806"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/806\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4326,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/806\/revisions\/4326"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=806"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=806"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=806"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}