{"id":790,"date":"2016-03-02T00:17:01","date_gmt":"2016-03-01T23:17:01","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=790"},"modified":"2026-01-11T23:36:00","modified_gmt":"2026-01-11T22:36:00","slug":"till-eulenspiegel-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/till-eulenspiegel-2\/","title":{"rendered":"Till Eulenspiegel"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Till Eulenspiegel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Hermann Bote<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>wie Till Eulenspiegel geboren, dreimal an einem Tage getauft wurde und wer seine Taufpaten waren.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bei dem Wald, Elm genannt, im Dorf Kneitlingen im Sachsenland, wurde Eulenspiegel geboren. Sein Vater hie\u00df Claus Eulenspiegel, seine Mutter Ann Wibcken. Als sie des Kindes genas, schickten sie es in das Dorf Ampleben zur Taufe und lie\u00dfen es nennen Till Eulenspiegel. Till von Uetzen, der Burgherr von Ampleben, war sein Taufpate. Ampleben ist das Schloss, das die Magdeburger vor etwa 50 Jahren mit Hilfe anderer St\u00e4dte als ein b\u00f6ses Raubschloss zerst\u00f6rten. Die Kirche und das Dorf dabei ist nunmehr im Besitze des w\u00fcrdigen Abtes von Sankt \u00c4gidien, Arnolf Pfaffenmeier.<\/p>\n\n\n\n<p>Als nun Eulenspiegel getauft war und sie das Kind wieder nach Kneidingen tragen wollten, da wollte die Taufpatin, die das Kind trug, eilig \u00fcber einen Steg gehen, der zwischen Kneidingen und Ampleben \u00fcber einen Bach f\u00fchrt. Und sie hatten nach der Kindtaufe zu viel Bier getrunken (denn dort herrscht die Gewohnheit, dass man die Kinder nach der Taufe in das Bierhaus tr\u00e4gt, sie vertrinkt und fr\u00f6hlich ist; das mag dann der Vater des Kindes bezahlen). Also fiel die Patin des Kindes von dem Steg in die Lache und besudelte sich und das Kind so j\u00e4mmerlich, dass das Kind fast erstickt w\u00e4re. Da halfen die anderen Frauen der Badmuhme mit dem Kind wieder heraus, gingen heim in ihr Dorf, wuschen das Kind in einem Kessel und machten es wieder sauber und sch\u00f6n.<\/p>\n\n\n\n<p>So wurde Eulenspiegel an einem Tage dreimal getauft: einmal in der Taufe, einmal in der schmutzigen Lache und einmal im Kessel mit warmem Wasser.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie alle Bauern und B\u00e4uerinnen \u00fcber den jungen Eulenspiegel klagten und sprachen, er sei ein Nichtsnutz und Schalk; und wie er auf einem Pferd hinter seinem Vater ritt und stillschweigend die Leute hinten in seinen Arsch sehen lie\u00df.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als nun Eulenspiegel so alt war, dass er stehen und gehen konnte, da spielte er viel mit den jungen Kindern. Denn er war munteren Sinnes. Wie ein Affe tummelte er sich auf den Kissen und im Gras so lange, bis er drei Jahre alt war. Dann beflei\u00dfigte er sich aller Art Schalkheit so sehr, dass sich alle Nachbarn miteinander beim Vater beklagten, sein Sohn Till sei ein Schalk. Da nahm der Vater sich den Sohn vor und sprach zu ihm: \u00bbWie geht das doch immer zu, dass alle unsere Nachbarn sagen, du seist ein Schalk?\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbLieber Vater, ich tue doch niemandem etwas, das will ich dir eindeutig beweisen. Geh hin, setz dich auf dein eigenes Pferd, und ich will mich hinter dich setzen und stillschweigend mit dir durch die Gassen reiten. Dennoch werden sie \u00fcber mich l\u00fcgen und sagen, was sie wollen. Gib darauf acht!\u00ab Das tat der Vater und nahm ihn hinter sich aufs Pferd. Da hob sich Eulenspiegel hinten auf mit seinem Loch, lie\u00df die Leute in den Arsch sehen und setzte sich dann wieder. Die Nachbarn und Nachbarinnen zeigten auf ihn und sprachen: \u00bbSch\u00e4me dich! Wahrlich, ein Schalk ist das!\u00ab Da sagte Eulenspiegel: \u00bbH\u00f6r, Vater, du siehest wohl, dass ich stillschweige und niemandem etwas tue. Dennoch sagen die Leute, ich sei ein Schalk.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Nun tat der Vater dies: er setzte Eulenspiegel, seinen lieben Sohn, vor sich auf das Pferd. Eulenspiegel sa\u00df ganz still, aber er sperrte das Maul auf, grinste die Bauern an und streckte ihnen die Zunge heraus. Die Leute liefen hinzu und sprachen: \u00bbSeht an, welch ein junger Schalk ist das!\u00ab Da sagte der Vater: \u00bbDu bist freilich in einer ungl\u00fcckseligen Stunde geboren. Du sitzest still und schweigst und tust niemandem etwas, und doch sagen die Leute, du seist ein Schalk.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Claus Eulenspiegel von Kneitlingen hinweg zog an den Fluss Saale, woher Tills Mutter geb\u00fcrtig war, dort starb, und wie sein Sohn auf dem Seil gehen lernte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Danach zog sein Vater mit ihm und seiner Familie von dannen in das magdeburgische Land an den Fluss Saale. Von dorther stammte Eulenspiegels Mutter. Und bald darauf starb der alte Claus Eulenspiegel. Die Mutter blieb bei dem Sohn in ihrem Dorf, und sie verzehrten, was sie hatten. So wurde die Mutter arm. Eulenspiegel wollte kein Handwerk lernen und war doch schon etwa 16 Jahre alt. Aber er tummelte sich und lernte mancherlei Gauklerei.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegels Mutter wohnte in einem Haus, dessen Hof an die Saale ging. Und Eulenspiegel begann, auf dem Seile zu gehen. Das trieb er zuerst auf dem Dachboden des Hauses, weil er es vor der Mutter nicht tun wollte. Denn sie konnte seine Torheit nicht leiden, dass er sich so auf dem Seil tummelte, und drohte, ihn deshalb zu schlagen. Einmal erwischte sie ihn auf dem Seil, nahm einen gro\u00dfen Kn\u00fcppel und wollte ihn herunterschlagen. Da entrann er ihr zu einem Fenster hinaus, lief oben auf das Dach und setzte sich dort hin, so dass sie ihn nicht erreichen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das w\u00e4hrte so lange mit ihm, bis er ein wenig \u00e4lter wurde. Dann fing er wieder an, auf dem Seil zu gehen, und zog das Seil oben von seiner Mutter Hinterhaus \u00fcber die Saale in ein Haus gegen\u00fcber. Viele junge und alte Leute bemerkten das Seil, darauf Eulenspiegel laufen wollte. Sie kamen herbei und wollten ihn darauf gehen sehen; und sie waren neugierig, was er doch f\u00fcr ein seltsames Spiel beginnen oder was er Wunderliches treiben wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als nun Eulenspiegel auf dem Seil im besten Tummeln war, bemerkte es seine Mutter; und sie konnte ihm nicht viel darum tun. Doch schlich sie heimlich hinten in das Haus auf den Boden, wo das Seil angebunden war, und schnitt es entzwei. Da fiel ihr Sohn Eulenspiegel unter gro\u00dfem Spott ins Wasser und badete t\u00fcchtig in der Saale. Die Bauern lachten sehr, und die Jungen riefen ihm laut nach: \u00bbHehe, bade nur wohl aus! Du hast lange nach dem Bade verlangt!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Das verdross Eulenspiegel sehr. Das Bad machte ihm nichts aus, wohl aber das Spotten und Rufen der Buben. Er \u00fcberlegte, wie er ihnen das wieder vergelten und heimzahlen wollte. Und also badete er aus, so gut er es vermochte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel den Jungen etwa zweihundert Paar Schuhe von den F\u00fc\u00dfen abschwatzte und machte, dass sich alt und jung darum in die Haare gerieten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kurze Zeit danach wollte Eulenspiegel seinen Schaden und den Spott wegen des Bades r\u00e4chen, zog das Seil aus einem anderen Haus \u00fcber die Saale und zeigte den Leuten an, dass er abermals auf dem Seil gehen wolle. Das Volk sammelte sich bald dazu, jung und alt. Und Eulenspiegel sprach zu den Jungen: jeder solle ihm seinen linken Schuh geben, er wolle ihnen mit den Schuhen ein h\u00fcbsches St\u00fcck auf dem Seil zeigen. Die Jungen glaubten das, und alle meinten, es sei wahr, auch die Alten. Und die Jungen huben an, die Schuhe auszuziehen, und gaben sie Eulenspiegel. Es waren der Jungen beinahe zwei Schock, das sind zweimal sechzig. Die H\u00e4lfte der Schuhe wurde Eulenspiegel gegeben. Da zog er sie auf eine Schnur und stieg damit auf das Seil. Als er nun auf dem Seil war und hatte die Schuhe mit oben, sahen die Alten und die Jungen zu ihm hinauf und meinten, er wolle ein lustig Ding damit tun. Aber ein Teil der Jungen war betr\u00fcbt, denn sie h\u00e4tten ihre Schuhe gern wiedergehabt.<\/p>\n\n\n\n<p>Als nun Eulenspiegel auf dem Seil sa\u00df und seine Kunstst\u00fccke machte, rief er auf einmal: \u00bbjeder gebe acht und suche seinen Schuh wieder!\u00ab Und damit schnitt er die Schnur entzwei und warf die Schuhe alle von dem Seil auf die Erde, so dass ein Schuh \u00fcber den anderen purzelte. Da st\u00fcrzten die Jungen und Alten herzu, einer erwischte hier einen Schuh, der andere dort. Der eine sprach: \u00bbDieser Schuh ist mein! \u00ab Der andere sprach: \u00bbDu l\u00fcgst, er ist mein! \u00ab Und sie fielen sich in die Haare und begannen sich zu pr\u00fcgeln. Der eine lag unten, der andere oben; der eine schrie, der andere weinte, der dritte lachte. Das w\u00e4hrte so lange, bis auch die Alten Backenstreiche austeilten und sich bei den Haaren zogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Derweil sa\u00df Eulenspiegel auf dem Seil, lachte und rief: \u00bbHehe, sucht nun die Schuhe, wie ich k\u00fcrzlich ausbaden musste!\u00ab Und er lief von dem Seil, und lie\u00df die Jungen und Alten sich um die Schuhe zanken.<\/p>\n\n\n\n<p>Danach durfte er sich vier Wochen lang vor den Jungen oder Alten nicht sehen lassen. Er sa\u00df deshalb im Hause bei seiner Mutter und flickte Helmstedter Schuhe. Da freute sich seine Mutter sehr und meinte, es w\u00fcrde mit ihm noch alles gut werden. Aber sie kannte nicht die Geschichte mit den Schuhen und wusste nicht, dass er wegen dieses Streichs nicht wagte, vors Haus zu gehen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Till Eulenspiegels Mutter ihn ermahnte, ein Handwerk zu lernen, wobei sie ihm helfen wollte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegels Mutter war froh, dass ihr Sohn so friedlich war, schalt ihn jedoch, dass er kein Handwerk lernen wollte. Er schwieg dazu, aber die Mutter lie\u00df nicht nach, ihn. zu schelten. Schlie\u00dflich sagte Eulenspiegel: \u00bbLiebe Mutter, womit sich einer abgibt, davon wird ihm sein Lebtag genug. \u00ab Da sagte die Mutter: \u00bbWenn ich \u00fcber dein Wort nachdenke: seit vier Wochen habe ich kein Brot in meinem Haus gehabt. \u00ab Doch Eulenspiegel sprach: \u00bbDas passt nicht als Antwort auf meine Worte. Ein armer Mann, der nichts zu essen hat, der fastet am Sankt-Nikolaus-Tag, und wenn er etwas hat, so isst er mit Sankt Martin zu Abend. Also essen wir auch. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel in der Stadt Sta\u00dffurt einen Brotb\u00e4cker um einen Sack voll Brot betrog und es seiner Mutter heimbrachte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Lieber Gott, hilf\u00ab, dachte Eulenspiegel, \u00bbwie soll ich die Mutter beruhigen? Wo soll ich Brot herbekommen f\u00fcr ihr Haus? \u00ab Und er ging aus dem Flecken, in dem seine Mutter wohnte, in die Stadt Sta\u00dffurt. Dort fand er eines reichen Brotb\u00e4ckers Laden, ging hinein und fragte, ob der B\u00e4cker seinem Herrn f\u00fcr zehn Schillinge Roggen- und Wei\u00dfbrot schicken wolle. Er nannte den Namen eines Herren aus der Gegend und sagte, sein Herr sei hier zu Sta\u00dffurt, und benannte auch die Herberge, in der er sei. Der B\u00e4cker solle einen Knaben mit in die Herberge zu seinem Herren schicken, dort wolle er ihm das Geld geben. Der B\u00e4cker sagte: \u00bbja.\u00ab Nun hatte Eulenspiegel einen Sack mit einem verborgenen Loch. In diesen Sack lie\u00df er sich das Brot z\u00e4hlen. Und der B\u00e4cker sandte einen Jungen mit Eulenspiegel, um das Geld zu empfangen. Als Eulenspiegel einen Armbrustschuss weit von des Brotb\u00e4ckers Haus war, lie\u00df er ein Wei\u00dfbrot aus dem Loch in den Dreck der Stra\u00dfe fallen. Da setzte Eulenspiegel den Sack nieder und sprach zu dem Jungen: \u00bbAch, das besudelte Brot darf ich nicht vor meinen Herrn bringen. Lauf rasch damit wieder nach Haus und bring mir ein anderes Brot daf\u00fcr! Ich will hier auf dich warten. \u00ab Der Junge lief hin und holte ein anderes Brot. Inzwischen ging Eulenspiegel weiter in ein Haus in der Vorstadt. Dort stand ein Pferdekarren aus seinem Flecken. Darauf legte er seinen Sack und ging neben dem K\u00e4rrner her. So kam er heim ans Haus seiner Mutter.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der B\u00e4ckerjunge mit dem Brot wiederkam, war Eulenspiegel mit den Broten verschwunden. Da rannte der Junge zur\u00fcck und sagte das dem B\u00e4cker. Der Brotb\u00e4cker lief sogleich zu der Herberge, die ihm Eulenspiegel genannt hatte. Doch dort fand er niemanden, sondern sah, dass er betrogen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel brachte seiner Mutter das Brot nach Hause und sagte: \u00bbSchau her und iss, dieweil du etwas hast, und faste mit Sankt Nikolaus, wenn du nichts hast. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel das Weck- oder Semmelbrot mit anderen Jungen im \u00dcberma\u00df essen musste und noch dazu geschlagen wurde.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In dem Flecken, worin Eulenspiegel mit seiner Mutter wohnte, herrschte eine Sitte: wenn ein Hauswirt ein Schwein geschlachtet hatte, gingen die Nachbarskinder in das Haus und a\u00dfen dort eine Suppe oder einen Brei. Das nannte man das Weckbrot.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun wohnte in demselben Flecken ein Gutsp\u00e4chter, der war geizig mit dem Essen und durfte doch den Kindern das Weckbrot nicht versagen. Da erdachte er eine List, mit der er ihnen das Weckbrot verleiden wollte. Er schnitt in eine gro\u00dfe Milchsch\u00fcssel harte Brotrinden. Als die Kinder kamen, Knaben und M\u00e4dchen &#8211; darunter auch Eulenspiegel&nbsp;-, lie\u00df er sie ein, schloss die T\u00fcr zu und begoss das Brot mit Suppe. Der Brotbrocken waren aber viel mehr, als die Kinder essen konnten. Wenn nun eins satt war und davongehen wollte, kam der Hauswirt und schlug es mit einer Rute um die Lenden, so dass ein jedes im \u00dcberma\u00df essen musste. Und der Hauswirt wusste wohl von Eulenspiegels Streichen, so dass er auf ihn besonders achtgab. Wenn er einen anderen um die Lenden hieb, so traf er Eulenspiegel noch besser. Das trieb er so lange, bis die Kinder alle Brocken des Weckbrotes aufgegessen hatten. Das bekam ihnen ebenso gut wie dem Hund das Gras.<\/p>\n\n\n\n<p>Danach wollte kein Kind mehr in des geizigen Mannes Haus gehen, um Weckbrot oder Metzelsuppe zu essen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel es machte, dass sich die H\u00fchner des geizigen Bauern um die Lockspeise zerrten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als der Hauswirt am n\u00e4chsten Tage ausging, begegnete er Eulenspiegel und fragte: \u00bbLieber Eulenspiegel, wann willst du wieder zum Weckbrot zu mir kommen?\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbWenn sich deine H\u00fchner um den K\u00f6der rei\u00dfen, je vier um einen Bissen Brot.\u00ab Da sprach der Mann: \u00bbDann willst du also lange nicht zu meinem Weckbrot kommen?\u00ab Eulenspiegel entgegnete: \u00bbWenn ich aber doch eher k\u00e4me, als die n\u00e4chste Zeit f\u00fcr fette Metzelsuppe ist?\u00ab Und damit ging er seines Weges.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel wartete, bis es Zeit war, dass des Mannes H\u00fchner auf der Gasse Futter suchten. Dann kn\u00fcpfte er zwanzig F\u00e4den oder mehr jeweils zwei und zwei in der Mitte zusammen und band an jedes Ende eines Fadens einen Bissen Brot. Er nahm die F\u00e4den und legte sie verdeckt hin, die Brotst\u00fccke aber waren zu sehen. Die H\u00fchner pickten und schluckten nun hier und dort die Brotbissen mit den Fadenenden in ihre H\u00e4lse. Aber sie konnten die Bissen nicht herunterschlucken, denn am anderen Ende des Fadens zog ein anderes Huhn, so dass je eins das andere zog. Kein Huhn konnte das Brot ganz hinunterschlucken oder es wieder aus dem Hals herausbekommen, da die Brotst\u00fccke zu gro\u00df waren. So standen mehr als zweihundert H\u00fchner einander gegen\u00fcber und w\u00fcrgten und zerrten an der Lockspeise.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel in einen Bienenkorb kroch, zwei Diebe in der Nacht kamen und den Korb stehlen wollten und wie er es machte, dass die beiden sich rauften und den Bienenkorb fallen lie\u00dfen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Einmal begab es sich, dass Eulenspiegel mit seiner Mutter in ein Dorf zur Kirchweih ging. Und Eulenspiegel trank, bis er betrunken wurde. Da suchte er einen Ort, wo er friedlich schlafen k\u00f6nne und ihm niemand etwas t\u00e4te. Hinten in einem Hof fand er einen Haufen Bienenk\u00f6rbe, und dabei lagen viele Immenst\u00f6cke, die leer waren. Er kroch in einen leeren Korb, der am n\u00e4chsten bei den Bienen lag, und gedachte, ein wenig zu schlafen. Und er schlief von Mittag bis gegen Mitternacht. Seine Mutter meinte, er sei wieder nach Hause gegangen, da sie ihn nirgends sehen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>In derselben Nacht kamen zwei Diebe und wollten einen Bienenkorb stehlen. Und einer sprach zum anderen: \u00bbIch habe immer geh\u00f6rt, der schwerste Immenkorb ist auch der beste.\u00ab Also hoben sie die K\u00f6rbe und St\u00f6cke einen nach dem anderen auf, und als sie zu dem Korb kamen, in dem Eulenspiegel lag, war das der schwerste. Da sagten sie: \u00bbDas ist der beste Irnmenstock\u00ab, nahmen ihn auf die Schultern und trugen ihn von dannen.<\/p>\n\n\n\n<p>Indessen erwachte Eulenspiegel und h\u00f6rte ihre Pl\u00e4ne. Es war ganz finster, so dass einer den anderen kaum sehen konnte. Da griff Eulenspiegel aus dem Korb dem Vorderen ins Haar und riss ihn kr\u00e4ftig daran. Der wurde zornig auf den Hinteren und meinte, dieser h\u00e4tte ihn am Haar gezogen, und er begann, ihn zu beschimpfen. Der Hintermann aber sprach: \u00bbTr\u00e4umst du, oder gehst du im Schlaf? Wie sollte ich dich an den Haaren rupfen? Ich kann doch kaum den Immenstock mit meinen H\u00e4nden halten! \u00ab Eulenspiegel lachte und dachte: das Spiel will gut werden! Er wartete, bis sie eine weitere Ackerl\u00e4nge gegangen waren. Dann riss er den Hinteren auch kr\u00e4ftig am Haar, so dass dieser sein Gesicht schmerzlich verziehen musste. Der Hintermann wurde noch zorniger und sprach: \u00bbIch gehe und trage, dass mir der Hals kracht, und du sagst, ich ziehe dich beim Haar! Du ziehst mich beim Haar, dass mir die Schwarte kracht! \u00ab Der Vordere sprach: \u00bbDu l\u00fcgst dir selbst den Hals voll! Wie sollte ich dich beim Haar ziehen, ich kann doch kaum den Weg vor mir sehen! Auch wei\u00df ich genau, dass du mich beim Haar gezogen hast! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>So gingen sie zankend mit dem Bienenkorb weiter und stritten miteinander. Nicht lange danach, als sie noch im gr\u00f6\u00dften Zanken waren, zog Eulenspiegel den Vorderen noch einmal am Haar, so dass sein Kopf gegen den Bienenkorb schlug. Da wurde der Mann so zornig, dass er den Immenstock fallen lie\u00df und blindlings mit den F\u00e4usten nach dem Kopf des Hintermannes schlug. Dieser lie\u00df den Bienenkorb auch los und fiel dem Vorderen in die Haare. Sie taumelten \u00fcbereinander, entfernten sich voneinander, und der eine wusste nicht, wo der andere blieb. Sie verloren sich zuletzt in der Finsternis und lie\u00dfen den Immenstock liegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun lugte Eulenspiegel aus dem Korbe, und als er sah, dass es noch finster war, schl\u00fcpfte er wieder hinein und blieb darin liegen, bis es heller Tag war. Dann kroch er aus dem Bienenkorb und wusste nicht, wo er war. Er folgte einem Weg nach, kam zu einer Burg und verdingte sich dort als Hofjunge.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel ein Hofjunge wurde und ihn sein Junker lehrte, wo er das Kraut \u00bbHenep\u00ab f\u00e4nde, solle er hineinscheissen; da schiss er in den Senf (\u00bbSenep\u00ab) und meinte, \u00bbHenep\u00ab und \u00bbSenep\u00ab sei ein Ding.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bald danach kam Eulenspiegel auf eine Burg zu einem Junker und gab sich als Hof junge aus. Er musste gleich mit seinem Junker \u00fcber Land reiten. Am Weg stand Hanf; den nennt man im Lande Sachsen, aus dem Eulenspiegel stammte, \u00bbHenep\u00ab. Der Junker sprach zu Eulenspiegel, der die Lanze seines Herrn trug: \u00bbSiehst du das Kraut, das da steht? Es hei\u00dft Henep.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbja, das sehe ich wohl.\u00ab Da sprach sein Junker: \u00bbSooft du daran vorbeikommst, so schei\u00dfe darein einen gro\u00dfen Haufen! Denn mit dem Kraut bindet und henkt man die R\u00e4uber und die, die sich ohne Herrendienst aus dem Sattel ern\u00e4hren. Das geschieht mit dem Bast, der aus dem Kraut gesponnen wird.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbja gern, das werde ich tun.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der Junker (oder Hofmann) ritt mit Eulenspiegel hin und her in viele St\u00e4dte und half rauben, stehlen und nehmen, wie es seine Gewohnheit war.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines Tages begab es sich, dass sie zu Hause waren und still lagen. Als es Imbiss Zeit wurde, ging Eulenspiegel in die K\u00fcche. Da sprach der Koch zu ihm: \u00bbJunge, geh in den Keller, da steht ein irdener Hafen oder Topf, darin ist Senep (so auf s\u00e4chsisch genannt), den bring mir her!\u00ab Eulenspiegel sagte ja und hatte doch seinen Lebtag noch keinen Senep oder Senf gesehen. Und als er in dem Keller den Topf mit Senf fand, dachte er: was mag der Koch damit tun wollen? Ich meine, er will mich damit binden. Und er dachte weiter: mein Junker hat mich gehei\u00dfen, wo ich solches Kraut f\u00e4nde, sollte ich hineinscheissen. Und er hockte sich \u00fcber den Topf mit Senf, schiss ihn voll, r\u00fchrte um und brachte ihn so dem Koch.<\/p>\n\n\n\n<p>Was geschah? Der Koch machte sich keine weiteren Gedanken, richtete eilends in einem Sch\u00fcsselchen den Senf an und schickte ihn zu Tische. Der Junker und seine G\u00e4ste tunkten in den Senf: der schmeckte ganz \u00fcbel. Der Koch wurde geholt und gefragt, was er f\u00fcr Senf gemacht habe. Und der Koch kostete auch den Senf, spie aus und sprach: \u00bbDer Senf schmeckt, als w\u00e4r darein geschissen worden.\u00ab Da fing Eulenspiegel an zu lachen. Sein Junker sprach: \u00bbWas lachst du so sp\u00f6ttisch? Meinst du, wir k\u00f6nnen nicht schmecken, was das ist? Willst du es nicht glauben, so komm und schmeck hier den Senf auch!\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbIch esse das nicht. Wisst Ihr nicht, was Ihr mich gehei\u00dfen habt am Feld auf der Stra\u00dfe? Wo ich das Kraut s\u00e4he, so sollte ich darein schei\u00dfen, denn man pflege die R\u00e4uber damit zu henken und zu erw\u00fcrgen. Als mich der Koch in den Keller nach dem Senep schickte, habe ich darein getan nach Eurem Gehei\u00df.\u00ab Da sprach der Junker: \u00bbDu verw\u00fcnschter Schalk, das soll dein Ungl\u00fcck sein! Das Kraut, das ich dir zeigte, das hei\u00dft Henep oder Hanf. Was dich der Koch bringen lie\u00df, das hei\u00dft Senep oder Senf. Du hast das aus Bosheit getan!\u00ab Und er nahm einen Kn\u00fcppel und wollte ihn damit schlagen. Aber Eulenspiegel war behend, entlief ihm von der Burg und kam nicht wieder.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel sich in Hildesheim bei einem Kaufmann als Koch und Stubenheizer verdingte und sich dort sehr schalkhaftig benahm.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Rechts in der Stra\u00dfe, die in Hildesheim vom Heumarkt f\u00fchrt, wohnte ein reicher Kaufmann. Der ging einmal vor dem Tor spazieren und wollte in seinen Garten gehen. Unterwegs fand er Eulenspiegel auf einem gr\u00fcnen Acker liegen, gr\u00fc\u00dfte und fragte ihn, was er f\u00fcr ein Handwerksgeselle sei und welche Gesch\u00e4fte er triebe. Eulenspiegel antwortete ihm kl\u00fcglich und mit heimlichem Spott, er sei ein K\u00fcchenjunge und habe keinen Dienst. Da sprach der Kaufmann zu ihm: \u00bbWenn du t\u00fcchtig sein willst, nehme ich dich selber auf und gebe dir neue Kleider und einen guten Sold. Denn ich habe eine Frau, die zankt alle Tage wegen des Kochens; deren Dank meine ich wohl zu verdienen.\u00ab Eulenspiegel gelobte ihm gro\u00dfe Treue und Redlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf nahm ihn der Kaufmann in seinen Dienst und fragte ihn, wie er hie\u00dfe. \u00bbHerr, ich hei\u00dfe Bartholom\u00e4us.\u00ab Der Kaufmann sprach: \u00bbDas ist ein langer Name, man kann ihn nicht gut aussprechen. Du sollst Doll hei\u00dfen.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbja, lieber Junker, es ist mir gleich, wie ich hei\u00dfe.\u00ab \u00bbWohlan\u00ab, sprach der Kaufmann, \u00bbdu bist mir ein rechter Knecht. Komm her, komm her, geh mit mir in meinen Garten. Wir wollen Kr\u00e4uter mit uns heimtragen und junge H\u00fchner damit f\u00fcllen. Denn ich habe f\u00fcr den n\u00e4chsten Sonntag G\u00e4ste eingeladen, denen wollte ich gern etwas Gutes antun.\u00ab Eulenspiegel ging mit ihm in den Garten und schnitt Rosmarin. Damit wollte er etliche H\u00fchner auf welche Art f\u00fcllen, die restlichen H\u00fchner mit Zwiebeln, Eiern und anderen Kr\u00e4utern. Dann gingen sie miteinander nach Hause.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Frau den seltsam gekleideten Gast sah, fragte sie ihren Mann, was das f\u00fcr ein Gesell sei, was er mit ihm tun wolle und ob er Sorge habe, das Brot im Hause werde schimmlig. Der Kaufmann sagte: \u00bbFrau, sei zufrieden. Er soll dein eigner Knecht sein; denn er ist ein Koch.\u00ab Die Frau sprach: \u00bbJa, lieber Mann, wenn er gute Dinge kochen k\u00f6nnte!\u00ab \u00bbSei zufrieden\u00ab, sprach der Mann, \u00bbmorgen sollst du sehen, was er kann.\u00ab Dann rief er Eulenspiegel: \u00bbDoll!\u00ab Der antwortete: \u00bbJunker!\u00ab \u00bbNimm einen Sack und geh mit zu den Fleischb\u00e4nken. Wir wollen Fleisch und einen Braten holen.\u00ab Also folgte er ihm nach. Da kaufte sein Junker Fleisch und einen Braten und sprach zu ihm: \u00bbDoll, setze den Braten morgens bald auf und lass ihn k\u00fchl und langsam braten, damit er nicht anbrennt. Das andere Fleisch setz auch beizeiten dazu, damit es zum Imbiss gesotten ist.\u00ab Eulenspiegel sagte ja, stand fr\u00fch auf und setzte die Speise aufs Feuer. Den Braten aber steckte er an einen Spie\u00df und legte ihn zwischen zwei F\u00e4sser Einbecker Biers in den Keller, damit er k\u00fchl liege und nicht anbrenne.<\/p>\n\n\n\n<p>Da der Kaufmann den Stadtschreiber und andere gute Freunde zu Gast geladen hatte, kam er und wollte nachsehen, ob die G\u00e4ste schon gekommen und ob die Kost auch bereit sei. Und er fragte seinen neuen Knecht danach. Der antwortete: \u00bbEs ist alles bereit au\u00dfer dem Braten\u00ab. \u00bbWo ist der Braten\u00ab? sprach der Kaufmann. \u00bbEr liegt im Keller zwischen zwei F\u00e4ssern. Ich wusste im ganzen Haus keinen k\u00e4lteren Ort, um ihn k\u00fchl zu legen, wie Ihr sagtet.\u00ab \u00bbIst er denn fertig gebraten?\u00ab fragte der Kaufmann. \u00bbNein\u00ab, sprach Eulenspiegel, \u00bbich wusste nicht, wann Ihr ihn haben wolltet.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen kamen die G\u00e4ste; denen erz\u00e4hlte der Kaufmann von seinem neuen Knecht und wie er den Braten in den Keller gelegt habe. Dar\u00fcber lachten sie und hielten es f\u00fcr einen guten Scherz. Aber die Frau war um der G\u00e4ste willen nicht damit zufrieden und sagte dem Kaufmann, er solle den Knecht gehen lassen. Sie wolle ihn im Hause nicht l\u00e4nger leiden, sie s\u00e4he, dass er ein Schalk sei. Der Kaufmann sprach: \u00bbLiebe Frau, gib dich zufrieden! Ich brauche ihn f\u00fcr eine Reise nach der Stadt Goslar. Wenn ich wiederkommen will ich ihn entlassen.\u00ab Kaum konnte er die Frau dazu \u00fcberreden, sich damit abzufinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie des Abends a\u00dfen und tranken und guter Dinge waren, sprach der Kaufmann: \u00bbDoll, richte den Wagen her und schmiere ihn! Wir wollen morgen nach Goslar fahren. Ein Pfaffe, Herr Heinrich Hamenstede, ist dort zu Hause und will mitfahren.\u00ab Eulenspiegel sagte ja und fragte, was f\u00fcr eine Schmiere er nehmen solle. Der Kaufmann warf ihm einen Schilling zu und sprach: \u00bbGeh und kauf Wagenschmiere, und lass die Frau altes Fett dazutun!\u00ab Eulenspiegel tat also; und als alle schliefen, beschmierte er den Wagen innen und au\u00dfen und am allermeisten da, wo man zu sitzen pflegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Des Morgens fr\u00fch stand der Kaufmann mit dem Pfaffen auf und hie\u00df Eulenspiegel, die Pferde anzuspannen. Das tat er. Sie sa\u00dfen auf und fuhren ab. Da hob der Pfaffe an und sagte: \u00bbWas, beim Galgen, ist hier so fettig? Ich will mich festhalten, dass der Wagen mich nicht so r\u00fcttelt, und beschmiere mir die H\u00e4nde \u00fcberall.\u00ab Sie hie\u00dfen Eulenspiegel anzuhalten und sagten zu ihm, sie seien beide hinten und vorne beschmiert, und wurden zornig \u00fcber ihn. W\u00e4hrend dem kam ein Bauer mit einem Fuder Stroh vor ei, der zum Markt fahren wollte. Dem kauften sie einige B\u00fcndel ab, wischten den Wagen aus und sa\u00dfen wieder auf. Da sagte der Kaufmann zornerf\u00fcllt zu Eulenspiegel: \u00bbDu gottverlassener Schalk, dass dir nimmer Gl\u00fcck geschehe! Fahr fort an den lichten Galgen!\u00ab Das tat Eulenspiegel. Als er unter den Galgen kam, hielt er an und spannte die Pferde aus. Da sprach der Kaufmann zu ihm: \u00bbWas willst du machen, oder was meinst du damit, du Schalk?\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbIhr hie\u00dfet mich, unter den Galgen zu fahren. Da sind wir. Ich meinte, wir wollten hier rasten.\u00ab Der Kaufmann sah aus dem Wagen: sie hielten unter dem Galgen. Was sollten sie tun? Sie lachten \u00fcber die Narretei, und der Kaufmann sagte: \u00bbSpann wieder an, du Schalk, fahr geradeaus und sieh dich nicht um!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Nun zog Eulenspiegel den Nagel aus dem Landwagen, und als er eine Ackerl\u00e4nge gefahren war, ging der Wagen auseinander. Das Hintergestell mit dem Verdeck blieb stehen, und Eulenspiegel fuhr allein weiter. Sie riefen ihm nach und liefen, dass ihnen die Zunge aus dem Halse hing, bis sie ihn einholten. Der Kaufmann wollte ihn totschlagen, und der Pfaffe half ihm, so gut er konnte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel dem Kaufmann in Hildesheim das Haus r\u00e4umte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als sie die Reise vollbracht hatten und wieder nach Hause kamen, fragte die Frau den Kaufmann, wie es ihnen ergangen sei. \u00bbSeltsam genug\u00ab, sagte er, \u00bbdoch kamen wir wieder zur\u00fcck.\u00ab Dann rief er Eulenspiegel und sagte: \u00bbKumpan, diese Nacht bleib noch hier, iss und trink dich voll, aber morgen r\u00e4ume mir das Haus! Ich will dich nicht l\u00e4nger haben. Du bist ein betr\u00fcgerischer Schalk, wo du auch herkommst.\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbLieber Gott, ich tue alles, was man mich hei\u00dfet; und doch kann ich keinen Dank verdienen. Aber gefallen Euch meine Dienste nicht, so will ich morgen nach Euern Worten das Haus r\u00e4umen und wandern.\u00ab \u00bbJa, das tue nur\u00ab, sprach der Kaufmann.<\/p>\n\n\n\n<p>Am andern Tag stand der Kaufmann auf und sagte zu Eulenspiegel: \u00bbIss und trink dich satt und dann trolle dich! Ich will in die Kirche gehen. Lass dich nicht wieder sehen!\u00ab Eulenspiegel schwieg. Sobald der Kaufmann aus dem Haus war, begann er zu r\u00e4umen. St\u00fchle, Tische, B\u00e4nke und was er tragen und schleppen konnte, brachte er auf die Gasse, auch Kupfer, Zinn und Wachs. Die Nachbarn wunderten sich, was daraus werden sollte, dass man alles Gut auf die Gasse brachte.<\/p>\n\n\n\n<p>Davon erfuhr der Kaufmann. Er kam schnell herbei und sprach zu Eulenspiegel: \u00bbDu braver Knecht, was tust du hier? Find ich dich noch hier?\u00ab \u00bbJa, Junker, ich wollte erst Euren Willen erf\u00fcllen, denn Ihr hie\u00dfet mich, das Haus zu r\u00e4umen und danach zu wandern.\u00ab Und er sprach weiter: \u00bbGreift mit zu, die Tonne ist mir zu schwer, ich kann sie allein nicht bew\u00e4ltigen.\u00ab \u00bbLass sie liegen\u00ab, sagte der Kaufmann, \u00bbund gehe zum Teufel! Das alles hat zu viel gekostet, als dass man es in den Dreck werfen k\u00f6nnte.\u00ab \u00bbLieber Herrgott\u00ab, sprach Eulenspiegel, \u00bbist das nicht ein gro\u00dfes Wunder? Ich tue alles, was man mich hei\u00dfe, und kann doch keinen Dank verdienen. Es ist wahr: ich bin in einer ungl\u00fccklichen Stunde geboren.\u00ab Damit ging Eulenspiegel von dannen und lie\u00df den Kaufmann wieder hineinschleifen, was er ausger\u00e4umt hatte, so dass die Nachbarn noch lange lachten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie sich Eulenspiegel bei einem Pfarrer verdingte und wie er ihm die gebratenen H\u00fchner vom Spie\u00df a\u00df.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In dem Lande Braunschweig liegt im Stift Magdeburg das Dorf B\u00fcddenstedt. Dort kam Eulenspiegel in des Pfaffen Haus. Der Pfaffe dingte ihn als Knecht, kannte ihn aber nicht. Und er sprach zu ihm, er solle gute Tage und einen guten Dienst bei ihm haben; essen und solle er das Beste, ebenso gut wie seine Haush\u00e4lterin. Alles, was er tun m\u00fcsse, k\u00f6nne er mit halber Arbeit tun. Eulenspiegel sagte ja dazu, er wolle sich danach richten. Und er sah, dass des Paffen K\u00f6chin nur ein Auge hatte. Die Haush\u00e4lterin schlachtete gleich zwei H\u00fchner, steckte sie zum Braten an den Spie\u00df und hie\u00df Eulenspiegel, sich zum Herd zu setzen und die H\u00fchner umzuwenden. Eulenspiegel war dazu bereit und wendete die zwei H\u00fchner am Feuer um.<\/p>\n\n\n\n<p>Und als sie gar gebraten waren, dachte er: Als der Pfaffe mich dingte, sagte er doch, ich solle so gut essen und trinken wie er und seine K\u00f6chin; das k\u00f6nnte bei diesen H\u00fchnern nicht in Erf\u00fcllung gehen; und dann w\u00fcrden des Pfaffen Worte nicht wahr sein, und ich \u00e4\u00dfe auch von den gebratenen H\u00fchnern nicht; ich will so klug sein und davon essen, damit seine Worte wahr bleiben. Und er nahm das eine Huhn vom Spie\u00df und a\u00df es ohne Brot.<\/p>\n\n\n\n<p>Als es Essenszeit werden wollte, kam des Pfaffen ein\u00e4ugige Haush\u00e4lterin zum Feuer und wollte die H\u00fchner betr\u00e4ufeln. Da sah sie, dass nur ein Huhn am Spie\u00df steckte, und sagte zu Eulenspiegel: \u00bbDer H\u00fchner waren doch zwei! Wo ist das eine hingekommen?\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbFrau, tut Euer anderes Auge auch auf, dann seht Ihr alle beide H\u00fchner.\u00ab Als er so \u00fcber die K\u00f6chin wegen ihres einen Auges herzog, wurde sie unwillig und z\u00fcrnte Eulenspiegel. Sie lief zum Pfaffen und erz\u00e4hlte ihm, wie sein feiner Knecht sie verspottet habe wegen ihres einen Auges. Sie habe zwei H\u00fchner an den Spie\u00df gesteckt, aber nicht mehr als ein Huhn vorgefunden, als sie nachsah, wie er briet.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Pfaffe ging in die K\u00fcche zum Feuer und sprach zu Eulenspiegel: \u00bbWas spottest du \u00fcber meine Magd? Ich sehe sehr gut, dass nur ein Huhn am Spie\u00df steckt, und es sind ihrer doch zwei gewesen.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbJa, es sind ihrer zwei gewesen.\u00ab Der Pfaffe sprach: \u00bbWo ist denn das andere geblieben?\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbDas steckt doch da! Tut Eure beiden Augen auf, so seht Ihr, dass ein Huhn am Spie\u00df steckt! Das sagte ich auch zu Eurer K\u00f6chin; da wurde sie zornig.\u00ab Da fing der Pfaffe an zu lachen und sprach: \u00bbMeine Magd kann nicht beide Augen aufmachen, denn sie hat nur eins.\u00ab Da sprach Eulenspiegel: \u00bbHerr, das sagt Ihr, nicht ich.\u00ab Der Pfaffe meinte: \u00bbDas ist geschehen, und dabei bleibt es; aber das eine Huhn ist dennoch weg.\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbNun ja, das eine ist weg und das andere steckt noch. Ich habe das eine gegessen, da Ihr gesagt hattet, ich sollte ebenso gut essen und trinken wie Ihr und Eure Magd. Es tat mir leid, dass Ihr gelogen haben w\u00fcrdet, wenn Ihr die beiden H\u00fchner miteinander gegessen h\u00e4ttet und ich nichts davon bekommen h\u00e4tte. Damit Ihr an Euren Worten nicht zum L\u00fcgner w\u00fcrdet, a\u00df ich das eine Huhn auf.\u00ab Der Pfaffe war damit zufrieden und sprach: \u00bbMein lieber Knecht, es ist mir nicht um einen Braten zu tun; aber k\u00fcnftig tue nach dem Willen meiner Haush\u00e4lterin, wie sie es gern sieht.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbja, lieber Herr, gewiss, wie Ihr mich hei\u00dfet.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Was danach die Haush\u00e4lterin Eulenspiegel tun hie\u00df, das tat er nur zur H\u00e4lfte. Wenn er einen Eimer mit Wasser holen sollte, so brachte er ihn halb voll, und wenn er zwei St\u00fccke Holz f\u00fcrs Feuer holen sollte, so brachte er ein St\u00fcck. Sollte er dem Stier zwei Bunde Heu geben, so gab er ihm nur eins, sollte er ein Ma\u00df Wein aus dem Wirtshaus bringen, so brachte er ein halbes. Dergleichen tat er in vielen Dingen. Die K\u00f6chin merkte wohl, dass er ihr das zum Verdruss tat. Aber sie wollte ihm selbst nichts sagen, sondern beklagte sich \u00fcber ihn bei dem Pfaffen. Da sagte der Pfaffe zu Eulenspiegel: \u00bbLieber Knecht, meine Magd klagt \u00fcber dich, und ich bat dich doch, alles zu tun, was sie gern sieht.\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbJa, Herr, ich habe auch nichts anderes getan, als was Ihr mich gehei\u00dfen habt. Ihr sagtet mir, ich k\u00f6nne Euren Dienst mit halber Arbeit tun. Und Eure Magd s\u00e4he gern mit beiden Augen, aber sie sieht doch nur mit einem Auge. Sie sieht nur halb, also tue ich halbe Arbeit.\u00ab Der Pfaffe lachte, aber die Haush\u00e4lterin wurde zornig und sprach: \u00bbHerr, wenn Ihr diesen nichtsnutzigen Schalk l\u00e4nger als Knecht behalten wollt, so gehe ich von Euch fort.\u00ab So musste der Pfaffe seinem Knecht Eulenspiegel gegen seinen Willen den Abschied geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch verhandelte er mit den Bauern, denn der K\u00fcster des Dorfes war k\u00fcrzlich gestorben. Und da die Bauern einen K\u00fcster nicht entbehren konnten, beriet und einigte sich der Pfaffe mit ihnen, dass sie Eulenspiegel zum K\u00fcster machten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel in dem Dorf B\u00fcddenstedt K\u00fcster wurde und wie der Pfarrer in die Kirche schiss, so dass Eulenspiegel eine Tonne Bier damit gewann.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als Eulenspiegel in dem Dorf K\u00fcster geworden war, konnte er laut singen, wie es sich f\u00fcr einen Mesner geh\u00f6rt. Nachdem der Pfaffe mit Eulenspiegel wieder einen K\u00fcster hatte, stand er einmal vor dem Altar, zog sich an und wollte die Messe halten. Eulenspiegel stand hinter ihm und ordnete ihm sein Messgewand. Da lie\u00df der Pfaffe einen gro\u00dfen Furz, so dass es durch die ganze Kirche schallte. Da sprach Eulenspiegel: \u00bbHerr, wie ist das? Opfert Ihr dies unserm Herrn statt Weihrauch hier vor dem Altar?\u00ab Der Pfaffe sagte: \u00bbWas fragst du danach? Das ist meine Kirche. Ich habe die Macht, mitten in die Kirche zu schei\u00dfen.\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbDas soll Euch und mir eine Tonne Bier gelten, ob Ihr das tun k\u00f6nnt.\u00ab Der Pfaffe sagte: \u00bbja, das soll gelten.\u00ab Sie wetteten miteinander und der Pfaffe sprach: \u00bbMeinst du, dass ich nicht so keck bin?\u00ab Und er kehrte sich um, machte einen gro\u00dfen Haufen in die Kirche und sprach: \u00bbSieh, Herr K\u00fcster, ich habe die Tonne Bier gewonnen.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbNein, Herr, erst wollen wir messen, ob es mitten in der Kirche ist, wie Ihr sagtet.\u00ab Eulenspiegel ma\u00df es aus: da fehlte wohl ein Viertel bis zu Mitte der Kirche. Also gewann Eulenspiegel die Tonne Bier.<\/p>\n\n\n\n<p>Da wurde die Haush\u00e4lterin des Pfaffen wiederum zornig und sprach: \u00bbIhr wollt von dem schalkhaftigen Knecht nicht lassen, bis dass er Euch durchaus in Schande bringt.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel in der Ostermesse ein Spiel machte, dass sich der Pfarrer und seine Haush\u00e4lterin mit den Bauern rauften und schlugen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als Ostern nahte, sagte der Pfarrer zu seinem K\u00fcster Eulenspiegel: \u00bbEs ist hier Sitte, dass die Bauern jeweils in der Osternacht ein Osterspiel auff\u00fchren, wie unser Herr aus dem Grabe aufersteht.\u00ab Dazu m\u00fcsse er helfen, denn es sei Brauch, dass die K\u00fcster es zurichten und leiten. Da dachte Eulenspiegel: Wie soll das Marienspiel vor sich gehen mit den Bauern? Und er sprach zu dem Pfarrer: \u00bbEs ist doch kein Bauer hier, der gelehrt ist. Ihr m\u00fcsst mir Eure Magd dazu leihen. Die kann schreiben und lesen.\u00ab Der Pfarrer sagte: \u00bbJa, ja, nimm nur dazu, wer dir helfen kann, es sei Weib oder Mann; auch ist meine Magd schon mehrmals dabei gewesen.\u00ab Der Haush\u00e4lterin war das lieb; sie wollte der Engel im Grabe sein, denn sie konnte den Spruch dazu auswendig. Da suchte Eulenspiegel zwei Bauern und nahm sie mit sich; er und sie wollten die drei Marien sein. Und Eulenspiegel lehrte den einen Bauern seine Verse auf lateinisch. Der Pfarrer war unser Herrgott und sollte aus dem Grabe auferstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Eulenspiegel mit seinen zwei Bauern vor das Grab kam &#8211; sie waren als Marien angezogen&nbsp;-, sprach die Haush\u00e4lterin als Engel im Grab ihren Spruch auf lateinisch: \u00bbQuem quaeritis? Wen suchet Ihr hier?\u00ab Da sprach der eine Bauer &#8211; die vorderste Marie-, wie ihn Eulenspiegel gelehrt hatte: \u00bbWir suchen eine alte, ein\u00e4ugige Pfaffenhure.\u00ab Als die Magd h\u00f6rte, dass sie ihres einen Auges wegen verspottet wurde, ward sie giftig und zornig auf Eulenspiegel, sprang aus dem Grab und wollte ihm mit den F\u00e4usten ins Gesicht hauen. Sie schlug aufs Geratewohl zu und traf den einen Bauern, so dass ihm ein Auge anschwoll. Als das der andere Bauer sah, schlug auch er mit der Faust drein und traf die Haush\u00e4lterin an den Kopf, dass ihr die Fl\u00fcgel abfielen. Da das der Pfarrer sah, lie\u00df er die Fahne fallen und kam seiner Magd zu Hilfe. Er fiel dem einen Bauern ins Haar und raufte sich mit ihm vor dem Grabe. Als das die anderen Bauern sahen, liefen sie hinzu, und es entstand ein gro\u00dfes Geschrei. Der Pfaffe mit der K\u00f6chin lagen unten, die beiden Bauern, die die Marien spielten, lagen auch unten, so dass die Bauern sie auseinander ziehen mussten.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel aber hatte die Gelegenheit wahrgenommen und sich rechtzeitig davongemacht. Er lief aus der Kirche hinaus, ging aus dem Dorf und kam nicht wieder. Gott wei\u00df, wo sie einen anderen K\u00fcster hernahmen!<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel in Magdeburg verk\u00fcndete, vom Rathauserker fliegen zu wollen, und wie er die Zuschauer mit Spottreden zur\u00fcckwies.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bald nach dieser Zeit, als Eulenspiegel ein K\u00fcster gewesen war, kam er in die Stadt Magdeburg und vollf\u00fchrte dort viele Streiche. Davon wurde sein Name so bekannt, dass man von Eulenspiegel allerhand zu erz\u00e4hlen wusste. Die angesehensten B\u00fcrger der Stadt baten ihn, er solle etwas Abenteuerliches und Gauklerisches treiben. Da sagte er, er wolle das tun und auf das Rathaus steigen und vom Erker herab fliegen. Nun erhob sich ein Geschrei in der ganzen Stadt. jung und alt versammelten sich auf dem Markt und wollten sehen, wie er flog.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel stand auf dem Erker des Rathauses, bewegte die Arme und geb\u00e4rdete sich, als ob er fliegen wolle. Die Leute standen, rissen Augen und M\u00e4uler auf und meinten tats\u00e4chlich, dass er fliegen w\u00fcrde. Da begann Eulenspiegel zu lachen und rief: \u00bbIch meinte, es g\u00e4be keinen Toren oder Narren in der Welt au\u00dfer mir. Nun sehe ich aber, dass hier die ganze Stadt voller Toren ist. Und wenn ihr mir alle sagtet, dass ihr fliegen wolltet, ich glaubte es nicht. Aber ihr glaubt mir, einem Toren! Wie sollte ich fliegen k\u00f6nnen? Ich bin doch weder Gans noch Vogel! Auch habe ich keine Fittiche, und ohne Fittiche oder Federn kann niemand fliegen. Nun seht ihr wohl, dass es erlogen ist.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Damit kehrte er sich um, lief vom Erker und lie\u00df das Volk stehen. Die einen fluchten, die anderen lachten und sagten: \u00bbIst er auch ein Schalksnarr, so hat er dennoch wahr gesprochen!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel sich f\u00fcr einen Arzt ausgab und des Bischofs von Magdeburg Doktor behandelte, der von ihm betrogen wurde.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In Magdeburg war ein Bischof namens Bruno, ein Graf von Querfurt. Der h\u00f6rte von Eulenspiegels Streichen und lie\u00df ihn nach Schloss Giebichenstein kommen. Dem Bischof gefielen Eulenspiegels Schw\u00e4nke sehr, und er gab ihm Kleider und Geld. Auch die Diener mochten ihn gar wohl leiden und trieben viel Kurzweil mit ihm.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun hatte der Bischof einen Doktor bei sich, der sich sehr gelehrt und weise d\u00fcnkte. Aber des Bischofs Hofgesinde war ihm nicht wohlgesinnt. Dieser Doktor hatte nicht gerne Narren um sich. Deshalb sprach der Doktor zum Bischof und zu seinen R\u00e4ten: \u00bbMan soll weisen Leuten an der Herren H\u00f6fe Aufenthalt geben und aus mancherlei Gr\u00fcnden nicht solchen Narren.\u00ab Die Ritter und das Hofgesinde erkl\u00e4rten dazu, die Ansicht des Doktors sei nicht richtig. Wer Eulenspiegels Torheiten nicht h\u00f6ren m\u00f6chte, der k\u00f6nne ja weggehen; niemand sei zu ihm gezwungen. Der Doktor entgegnete: \u00bbNarren zu Narren und Weise zu Weisen! H\u00e4tten die F\u00fcrsten weise Leute bei sich, so st\u00fcnde ihnen die Weisheit immer vor Augen. Wenn sie Narren bei sich halten, so lernen sie Narretei.\u00ab Da sprachen etliche: \u00bbWer sind die Weisen, die weise zu sein glauben? Man findet ihrer viele, die von Narren betrogen worden sind. Es ziemt sich f\u00fcr F\u00fcrsten und Herren wohl, allerlei Volk an ihren H\u00f6fen zu halten. Denn mit Toren vertreiben sie mancherlei Phantasterei, und wo Herren sind, wollen die Narren auch gern sein.\u00ab Also kamen die Ritter und die Hofleute zu Eulenspiegel und legten es darauf an, dass er einen Plan machte. Sie baten ihn, er m\u00f6ge sich einen Streich ausdenken, und wollten ihm, ebenso wie der Bischof, dabei helfen. Dem Doktor solle sein Weisheitsd\u00fcnkel vergolten werden, wie er geh\u00f6rt habe. Eulenspiegel sprach: \u00bbJa, ihr Edlen und Ritter, wenn ihr mir dabei helfen wollt, soll es dem Doktor heimgezahlt werden.\u00ab So wurden sie sich einig.<\/p>\n\n\n\n<p>Da zog Eulenspiegel vier Wochen lang \u00fcber Land und \u00fcberlegte, wie er mit dem Doktor umgehen wollte. Bald hatte er etwas gefunden und kam wieder zum Giebichenstein. Er verkleidete sich und gab sich als Arzt aus, denn der Doktor bei dem Bischof war oft krank und nahm viele Arzneien. Die Ritter sagten dem Doktor des Bischofs, ein Doktor der Medizin sei gekommen; der sei vieler Arzneik\u00fcnste kundig. Der Doktor erkannte Eulenspiegel nicht und ging zu ihm in seine Herberge. Schon nach kurzer Unterhaltung nahm er ihn mit sich auf die Burg. Sie kamen miteinander ins Gespr\u00e4ch, und der Doktor sagte zum Arzt: \u00bbK\u00f6nnt Ihr mir helfen von meiner Krankheit, so will ich es Euch wohl lohnen.\u00ab Eulenspiegel antwortete ihm mit Worten, wie sie die \u00c4rzte in solchen F\u00e4llen zu sagen pflegen. Er gab vor, er m\u00fcsse eine Nacht bei ihm liegen, damit er desto besser feststellen k\u00f6nne, wie er von Natur geartet sei. \u00bbDenn ich m\u00f6chte Euch gern etwas geben, bevor Ihr schlafen geht, damit Ihr davon schwitzt. Am Schwei\u00df werde ich merken, was Eure Krankheit ist.\u00ab Der Doktor ging mit Eulenspiegel zu Bett und meinte, alles, was ihm Eulenspiegel gesagt hatte, sei wahr.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel gab dem Doktor ein scharfes Abf\u00fchrmittel ein. Der glaubte, er solle davon schwitzen, und wusste nicht, dass es zum Abf\u00fchren war. Eulenspiegel nahm ein Steingef\u00e4\u00df und tat einen Haufen seines Kotes hinein. Und er stellte den Topf mit dem Dreck zwischen die Wand und den Doktor auf die Bettkante. Der Doktor lag an der Wand, und Eulenspiegel lag vorn im Bett. Der Doktor hatte sich gegen die Wand gekehrt. Da stank ihm der Dreck im Topf in die Nase, so dass er sich umwenden musste zu Eulenspiegel. Sobald sich der Doktor aber zu Eulenspiegel gekehrt hatte, lie\u00df dieser einen lautlosen Furz, der sehr \u00fcbel stank. Da drehte sich der Doktor wieder um, und der Dreck aus dem Topf stank ihn wieder an. So trieb es Eulenspiegel mit dem Doktor fast die halbe Nacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann wirkte das Abf\u00fchrmittel und trieb so scharf, schnell und stark, dass sich der Doktor ganz verunreinigte und ekelhaft stank. Da sprach Eulenspiegel zum Doktor: \u00bbWie nun, w\u00fcrdiger Doktor? Euer Schwei\u00df hat schon lange abscheulich gestunken. Wie kommt es, dass Ihr solchen Schwei\u00df schwitzt? Er stinkt sehr \u00fcbel!\u00ab Der Doktor lag und dachte: das rieche ich auch! Und er war des Gestankes so voll geworden, dass er kaum reden konnte. Eulenspiegel sprach: \u00bbLiegt nur still! Ich will gehen und ein Licht holen, damit ich sehen kann, wie es um Euch steht.\u00ab Als sich Eulenspiegel aufrichtete, lie\u00df er noch einen starken Furz schleichen und sagte: \u00bbO weh, mir wird auch schon ganz schwach; das habe ich von Eurer Krankheit und von Eurem Gestank bekommen.\u00ab Der Doktor lag und war so krank, dass er sein Haupt kaum aufrichten konnte, und dankte dem allm\u00e4chtigen Gott, dass der Arzt von ihm ging. jetzt bekam er ein wenig Luft. Denn wenn der Doktor in der Nacht aufstehen wollte, hatte ihn Eulenspiegel festgehalten, so dass er sich nicht aufrichten konnte, und gesagt, vorher m\u00fcsse er erst gen\u00fcgend schwitzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Eulenspiegel aufgestanden und aus der Kammer gegangen war, lief er hinweg von der Burg.<\/p>\n\n\n\n<p>Indessen wurde es Tag. Da sah der Doktor den Topf an der Wand stehen mit dem Dreck. Und er war so krank, dass sein Gesicht vom Gestank ganz angegriffen aussah. Die Ritter und Hofleute sahen den Doktor und boten ihm einen guten Morgen. Der Doktor redete ganz schw\u00e4chlich, konnte ihnen kaum antworten und legte sich in den Saal auf eine Bank und ein Kissen. Da holten die Hofleute den Bischof hinzu und fragten den Doktor, wie es ihm mit dem Arzt ergangen sei. Der Doktor antwortete: \u00bbIch bin von einem Schalk \u00fcberrumpelt worden. Ich w\u00e4hnte, es sei ein Doktor der Medizin, doch es ist ein Doktor der Betr\u00fcgerei.\u00ab Und er erz\u00e4hlte ihnen alles, wie es ihm ergangen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Da begannen der Bischof und alle Hofleute sehr zu lachen und sprachen: \u00bbEs ist ganz nach Euern Worten geschehen. Ihr sagtet, man solle sich nicht um Narren k\u00fcmmern, denn der Weise w\u00fcrde t\u00f6richt bei Toren. Aber Ihr seht, dass einer wohl durch Narren klug gemacht wird. Denn der Arzt ist Eulenspiegel gewesen. Den habt Ihr nicht erkannt und habt ihm geglaubt; von dem seid Ihr betrogen worden. Aber wir, die wir uns mit seiner Narrheit abgaben, kannten ihn wohl. Wir mochten Euch aber nicht warnen, zumal Ihr gar so klug sein wolltet. Niemand ist so weise, dass er nicht auch Toren kennen sollte. Und wenn nirgendwo ein Narr w\u00e4re, woran sollte man dann die Weisen erkennen?\u00ab Da schwieg der Doktor still und wagte nicht mehr zu klagen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel Brot kaufte nach dem Sprichwort: \u00bbWer Brot hat, dem gibt man Brot\u00ab.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Treue gibt Brot. Als Eulenspiegel den Doktor betrogen hatte, kam er danach gen Halberstadt. Er ging auf dem Markt umher und sah, dass es ein harter und kalter Winter war. Da dachte er: der Winter ist hart, und der Wind weht dazu scharf; du hast doch oft geh\u00f6rt: Wer Brot hat, dem gibt man Brot. Und er kaufte f\u00fcr zwei Schillinge Brot, nahm einen Tisch und stellte sich vor dem Dom von Sankt Stephan auf. Er hielt sein Brot feil und trieb solange Gauklerei, bis ein Hund kam, ein Brot vom Tisch nahm und damit den Domhof hinauflief. Eulenspiegel lief dem Hund nach. Unterdessen kam eine Sau mit zehn jungen Ferkeln und stie\u00df den Tisch um; ein jegliches Tier nahm ein Brot ins Maul und lief damit hinweg.<\/p>\n\n\n\n<p>Da fing Eulenspiegel an zu lachen und sagte: \u00bbNun sehe ich klar, dass die Worte falsch sind, wenn man spricht: wer Brot hat, dem gibt man Brot. Ich hatte Brot, und das wurde mir genommen.\u00ab Und er sprach weiter: \u00bbO&nbsp;Halberstadt, Halberstadt, du f\u00fchrst deinen Namen mit Recht. Dein Bier und deine Kost schmecken wohl, aber deine Geldbeutel sind von Sauleder gemacht.\u00ab Und er zog wieder gen Braunschweig.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel immer ein falbes Pferd ritt und nicht gerne war, wo Kinder waren.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel war allezeit gern in Gesellschaft. Aber zeit seines Lebens gab es drei Dinge, die er floh.<\/p>\n\n\n\n<p>Erstens ritt er kein graues, sondern immer ein falbes Pferd, trotz des Spottes. Zweitens wollte er nirgends bleiben, wo Kinder waren, denn man beachtete die Kinder wegen ihrer Munterkeit mehr als ihn. Und drittens war er nicht gern bei einem allzu freigebigen Wirt zur Herberge. Denn ein solcher Wirt achtet nicht auf sein Gut und ist gew\u00f6hnlich ein Tor. Dort war auch nicht die Gesellschaft, von der Gewinn zu erwarten war usw.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch bekreuzigte sich Eulenspiegel alle Morgen vor gesunder Speise, vor gro\u00dfem Gl\u00fcck und vor starkem Getr\u00e4nk. Denn gesunde Speise, das sei doch nur Kraut, so gesund es auch sein rn\u00f6ge. Ferner bekreuzigte er sich vor der Speise aus der Apotheke, denn obwohl auch sie gesund sei, sei sie doch ein Zeichen von Krankheit. Und das sei das gro\u00dfe Gl\u00fcck: wenn irgendwo ein Stein von dem Dach fiele oder ein Balken von dem Haus, pflege man zu sagen: \u00bbH\u00e4tte ich dort gestanden, so h\u00e4tte mich der Stein oder der Balken erschlagen. Das war mein gro\u00dfes Gl\u00fcck.\u00ab Solches Gl\u00fcck wollte er gern entbehren. Das starke Getr\u00e4nk sei das Wasser. Denn das Wasser treibe mit seiner St\u00e4rke gro\u00dfe M\u00fchlr\u00e4der, auch trinke sich mancher gute Geselle den Tod daran.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie ein Bauer Eulenspiegel auf einen Karren setzte, darin er Pflaumen zum Markt nach Einbeck fahren wollte, die Eulenspiegel beschiss.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die durchlauchtigen und hochgeborenen F\u00fcrsten von Braunschweig hielten einmal in der Stadt Einbeck ein Turnierfest mit Rennen und Stechen ab. Dazu kamen viele fremde F\u00fcrsten und Herren, Ritter und Knechte mit ihren Hintersassen. Das war im Sommer, als die Pflaumen und anderes Obst reif waren. In Oldendorf bei Einbeck lebte ein braver, einf\u00e4ltiger Bauersmann, der hatte einen Garten mit Pflaumenb\u00e4umen. Er lie\u00df einen Karren voll Pflaumen pfl\u00fccken und wollte damit nach Einbeck fahren, weil dort viel Volks war und er deshalb meinte, die Pflaumen besser zu verkaufen als zu anderen Zeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er vor die Stadt kam, lag da Eulenspiegel unter einem gr\u00fcnen Baum im Schatten. Er hatte sich am Hof der Herren so \u00fcberfressen und betrunken, dass er weder essen noch trinken konnte und eher einem toten Menschen als einem lebendigen glich. Als nun der brave Mann an ihm vorbeifuhr, da redete Eulenspiegel den Mann so kl\u00e4glich an, wie er es zuwege brachte, und sprach: \u00bbAch, guter Freund, sieh her, ich liege hier so krank drei Tage und N\u00e4chte ohne aller Menschen Hilfe. Wenn ich noch einen Tag so liegen soll, muss ich vor Hunger und Durst sterben. Darum fahre mich um Gottes willen nach der Stadt.\u00ab Der gute Mann sprach: \u00bbAch, lieber Freund, ich wollte das recht gern tun. Aber ich habe Pflaumen auf dem Karren. Wenn ich dich darauf setze, so machst du sie mir alle zuschanden.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbNimm mich mit, ich will mich vorn auf dem Karren behelfen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mann war alt und musste sich sehr anstrengen, ehe er den Schalk, der sich m\u00f6glichst schwer machte, auf den Karren brachte. Um des Kranken willen fuhr der Bauer desto langsamer.<\/p>\n\n\n\n<p>Als nun Eulenspiegel eine Weile gefahren war, zog er das Stroh von den Pflaumen, erhob sich heimlich etwas hinter dem R\u00fccken des Bauern und beschiss dem armen Mann die Pflaumen ganz sch\u00e4ndlich. Dann zog er das Stroh wieder dar\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Bauer an die Stadt kam, rief Eulenspiegel: \u00bbHalt, halt! Hilf mir von dem Karren, ich will hier drau\u00dfen vor dem Tor bleiben!\u00ab Der gute Mann half dem argen Schalk von dem Karren und fuhr seine Stra\u00dfe weiter, den n\u00e4chsten Weg zum Markt. Als er dort angekommen war, spannte er sein Pferd aus und ritt es in die Herberge.<\/p>\n\n\n\n<p>Indessen kamen viele B\u00fcrger auf den Markt. Unter ihnen war einer, der immer der erste war, wenn etwas auf den Markt gebracht wurde, und doch selten etwas kaufte. Der kam gleich hinzu, zog das Stroh halb herab und beschmutzte sich die H\u00e4nde und den Rock. W\u00e4hrenddessen kam der Bauersmann wieder aus seiner Herberge. Eulenspiegel hatte sich inzwischen verkleidet, kam auch auf einem anderen Weg gegangen und fragte den Bauern: \u00bbWas hast du auf den Markt gebracht?\u00ab \u00bbPflaumen\u00ab, sagte der Bauer. Eulenspiegel sprach: \u00bbDu hast sie als ein arger Schalk gebracht, die Pflaumen sind beschissen, man sollte dir mit den Pflaumen das Land verbieten.\u00ab Der Bauer sah nach, erkannte, dass es so war, und sagte: \u00bbVor der Stadt lag ein kranker Mensch, der sah ebenso aus wie der, der hier steht. Nur hatte er andere Kleider an. Den fuhr ich um Gottes willen bis vor das Tor. Der Schuft hat mir den Schaden angetan.\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbDer Schuft verdiente Pr\u00fcgel.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der brave Mann aber musste die Pflaumen wegfahren auf die Abfallgrube und durfte sie nirgends verkaufen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel sich bei dem Grafen von Anhalt als Turmbl\u00e4ser verdingte; und wenn Feinde kamen, so blies er sie nicht an, und wenn keine Feinde da waren, so blies er sie an.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nicht lange danach kam Eulenspiegel zum Grafen von Anhalt und verdingte sich bei ihm als Turmbl\u00e4ser. Der Graf hatte viele Feindschaften und hielt deshalb in dem St\u00e4dtchen und auf dem Schloss zu dieser Zeit viele Reiter und Hofvolk, die man alle Tage speisen musste.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber wurde Eulenspiegel auf dem Turm vergessen, so dass ihm keine Speise gesandt wurde. Und am selben Tage kam es dazu, dass des Grafen Feinde vor das St\u00e4dtlein und das Schloss ritten, die K\u00fche nahmen und sie alle hinweg trieben. Eulenspiegel lag auf dem Turme, sah durch das Fenster und machte keinen L\u00e4rm, weder mit Blasen noch mit Schreien. Als die Nachricht von den Feinden vor den Grafen kam, damit er ihnen mit den Seinen nacheilte, sahen einige, dass Eulenspiegel auf dem Turm im Fenster lag und lachte. Da rief ihm der Graf zu: \u00bbWarum liegst du im Fenster und bist still?\u00ab Eulenspiegel rief herab: \u00bbVor dem Essen rufe oder tanze ich nicht gern.\u00ab Der Graf rief ihm zu: \u00bbWillst du nicht die Feinde anblasen?\u00ab Eulenspiegel rief zur\u00fcck: \u00bbIch darf keine Feinde heran blasen, das Feld wird sonst voll von ihnen, und ein Teil ist schon mit den K\u00fchen hinweg. Bliese ich noch mehr Feinde heran, sie schl\u00fcgen Euch zu Tode.\u00ab F\u00fcr diesmal blieb es bei den Worten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Graf eilte den Feinden nach und stritt mit ihnen. Und Eulenspiegel wurde erneut mit seiner Speise vergessen. Der Graf kehrte zufrieden zur\u00fcck: er hatte seinen Feinden einen Haufen Rindvieh wieder abgenommen. Das schlachteten und zerlegten sie, sotten und brieten. Eulenspiegel dachte auf dem Turm, wie er auch etwas von der Beute erhielte, und gab darauf acht, wann es Essenszeit sein w\u00fcrde. Da fing er an zu rufen und zu blasen: \u00bbFeindio, Feindio!\u00ab Der Graf lief mit den Seinen eilends von dem Tisch, auf dem schon das Essen stand. Sie legten ihre Harnische an, nahmen die Waffen in die H\u00e4nde und eilten sogleich dem Tore zu, um im Felde nach den Feinden Ausschau zu halten. Dieweil lief Eulenspiegel behend und schnell von dem Turm, kam \u00fcber des Grafen Tisch und nahm sich von den Tafeln Gesottenes und Gebratenes und was ihm sonst gefiel; dann ging er schnell wieder auf den Turm. Als die Reiter und das Fu\u00dfvolk hinauskamen, sahen sie keine Feinde und sprachen miteinander. \u00bbDer T\u00fcrmer hat das aus Schalkheit getan\u00ab und zogen wieder heim, dem Tore zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Graf rief zu Eulenspiegel hinauf: \u00bbBist du unsinnig und toll geworden?\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbIch bin ohne Arglist. Aber Hunger und Not erdenken manche List.\u00ab Der Graf sagte: \u00bbWarum hast du \u203aFeindio\u2039 geblasen, obwohl keiner da war?\u00ab Eulenspiegel antwortete: \u00bbWeil keine Feinde da waren, musste ich etliche heran blasen.\u00ab Da sprach der Graf: \u00bbDu krauest dich mit Schalksn\u00e4geln. Wenn Feinde da sind, willst du sie nicht anblasen, und wenn keine Feinde da sind, so bl\u00e4st du sie an. Das k\u00f6nnte wohl Verr\u00e4terei werden!\u00ab Und er setzte ihn ab und dingte an seiner Statt einen anderen Turmbl\u00e4ser. Eulenspiegel musste nun als Fu\u00dfknecht mit den anderen herauslaufen. Das verdross ihn sehr, und er w\u00e4re gern von dannen gegangen, konnte aber mit Anstand nicht ohne weiteres davonkommen. Wenn sie gegen die Feinde auszogen, so blieb er stets zur\u00fcck und war immer der letzte zum Tore hinaus. Wenn sie den Streit beendet hatten und wieder heimkehrten, war er immer der erste zum Tore hinein. Da fragte ihn der Graf, wie er das verstehen sollte: wenn er mit ihm gegen die Feinde ausz\u00f6ge, so sei er stets der letzte, und wenn man heimz\u00f6ge, sei er der erste. Eulenspiegel sprach: \u00bbIhr solltet mir dar\u00fcber nicht z\u00fcrnen. Denn wenn Ihr und Euer Hofgesinde schon asset, sa\u00df ich auf dem Turm und hungerte; davon bin ich kraftlos geworden. Soll ich nun der erste an den Feinden sein, so m\u00fcsste ich die Zeit wieder einholen und besonders eilen, dass ich auch der erste an der Tafel und der letzte beim Aufstehen sei, damit ich wieder stark werde. Dann will ich wohl der erste und der letzte an den Feinden sein.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSo h\u00f6re ich wohl\u00ab sprach der Graf, \u00bbdass du es nur so lange bei mir aushalten wolltest, als du auf dem Turme sa\u00dfest?\u00ab Da sagte Eulenspiegel: \u00bbWas jedermanns Recht ist, das nimmt man ihm gern.\u00ab Und der Graf sprach: \u00bbDu sollst nicht l\u00e4nger mein Knecht sein\u00ab, und gab ihm den Laufpass. Dar\u00fcber war Eulenspiegel froh, denn er hatte nicht viel Lust, jeden Tag mit den Feinden zu fechten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel ein Brillenmacher wurde und in allen Landen keine Arbeit bekommen konnte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zornig und zwietr\u00e4chtig waren die Kurf\u00fcrsten untereinander, so dass kein r\u00f6mischer Kaiser oder K\u00f6nig gew\u00e4hlt wurde. Endlich wurde der Graf von Supplinburg von allen Kurf\u00fcrsten zum r\u00f6mischen K\u00f6nig gekoren. Es waren aber auch andere da, die meinten, sie k\u00f6nnten mit Gewalt in das Reich eindringen. So musste sich der neu gekorene K\u00f6nig sechs Monate vor Frankfurt legen und warten, ob ihn jemand von dort hinweg schl\u00fcge.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er nun so viel Volk zu Ross und Fu\u00df beieinander hatte, \u00fcberlegte Eulenspiegel, was es f\u00fcr ihn da zu tun g\u00e4be: Dahin kommen viele fremde Herren, die lassen mich nicht unbeschr\u00e4nkt; werde ich in den Kreis ihres Gefolges aufgenommen, so stehe ich mich gut. Und er machte sich auf den Weg dorthin.<\/p>\n\n\n\n<p>Da zogen die Herren aus allen Landen heran. Und es begab sich in der Wetterau bei Friedberg, dass der Bischof von Trier mit seinem Gefolge Eulenspiegel auf dem Weg nach Frankfurt begegnete. Weil er seltsam gekleidet war, fragte ihn der Bischof, was er f\u00fcr ein Geselle sei. Eulenspiegel antwortete und sagte: \u00bbGn\u00e4diger Herr, ich bin ein Brillenmacher und komme aus Brabant. Aber da ist nichts f\u00fcr mich zu tun; darum wandere ich nach Arbeit. Mit unserm Handwerk steht es schlecht.\u00ab Der Bischof sprach: \u00bbIch glaubte, mit deinem Handwerk m\u00fcsste es von Tag zu Tag besser werden. Die Leute werden doch von Tag zu Tag kr\u00e4nker und k\u00f6nnen schlechter sehen, weshalb man vieler Brillen bedarf.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel antwortete dem Bischof und sagte: \u00bbja, gn\u00e4diger Herr, Euer Gnaden sprechen wahr, aber eine Sache verdirbt unser Handwerk.\u00ab Der Bischof fragte: \u00bbWas ist das?\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbDarf ich das sagen, ohne dass Euer Gnaden mir deshalb z\u00fcrnen?\u00ab \u00bbJa\u00ab, sagte der Bischof, \u00bbwir sind das wohl gewohnt von dir und deinesgleichen. Sag&#8217;s nur frei heraus und scheue nichts!\u00ab \u00bbGn\u00e4diger Herr, das verdirbt das Brillenmacherhandwerk, und es ist zu bef\u00fcrchten, dass es noch ausstirbt: dass Ihr und andere gro\u00dfe Herren, Papst, Kardinal, Bischof, Kaiser, K\u00f6nig, F\u00fcrst, Rat, Regierer und Richter der St\u00e4dte und L\u00e4nder (Gott erbarm&#8217;s!) zu dieser Zeit durch die Finger sehen, was recht ist, und das nur um des Geldes und der Gaben willen. Aber man findet geschrieben, dass vor alten Zeiten die Herren und F\u00fcrsten, soviel es ihrer gab, in den Rechtsb\u00fcchern zu lesen und zu studieren pflegten, auf dass niemandem Unrecht geschehe. Dazu brauchten sie viele Brillen, und da ging&#8217;s unserm Handwerk gut. Auch studierten die Pfaffen damals mehr als jetzt; so gingen die Brillen hinweg. Jetzt sind sie so gelehrt geworden von den B\u00fcchern, die sie kaufen, dass sie das auswendig k\u00f6nnen, was sie f\u00fcr ihre Verh\u00e4ltnisse brauchen. Ihre B\u00fccher aber schlagen sie in vier Wochen nicht mehr als einmal auf. Deshalb ist unser Handwerk verdorben, und ich laufe aus einem Land in das andere und kann nirgends Arbeit finden. Der Niedergang ist so weit verbreitet, dass dies die Bauern auf dem Land auch schon zu tun pflegen und durch die Finger sehen.\u00ab Der Bischof verstand den Text ohne Glosse und sprach zu Eulenspiegel: \u00bbFolge uns nach Frankfurt, wir wollen dir unser Wappen und unsere Kleidung geben.\u00ab Das tat Eulenspiegel und blieb bei dem Herrn so lange, bis der Graf als Kaiser best\u00e4tigt war. Dann zog er wieder nach Sachsen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel seinem Pferd goldene Hufeisen aufschlagen lie\u00df, die der K\u00f6nig von D\u00e4nemark bezahlen musste.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel war ein solcher Hofmann geworden, dass der Ruf seiner Trefflichkeit vor manchen F\u00fcrsten und Herren kam und dass man vieles von ihm zu erz\u00e4hlen wusste. Das mochten die Herren und F\u00fcrsten wohl leiden und gaben ihm Kleider, Pferde, Geld und Kost. So kam er auch zu dem K\u00f6nig von D\u00e4nemark. Der hatte ihn sehr gern und bat ihn, etwas Abenteuerliches zu tun, er wolle ihm auch sein Pferd mit dem allerbesten Hufbeschlag beschlagen lassen. Eulenspiegel fragte den K\u00f6nig, ob er seinen Worten glauben k\u00f6nne. Der K\u00f6nig bejahte das, wenn er nach seinen Worten t\u00e4te.<\/p>\n\n\n\n<p>Da ritt Eulenspiegel mit seinem Pferde zum Goldschmied und lie\u00df es mit goldenen Hufeisen und silbernen N\u00e4geln beschlagen. Dann ging er zum K\u00f6nig und bat, dass er ihm den Hufbeschlag bezahlte. Der K\u00f6nig sagte ja und wies den Schreiber an, den Beschlag zu bezahlen. Nun meinte der Schreiber, es sei ein schlichter Hufschmied zu bezahlen. Aber Eulenspiegel brachte ihn zu dem Goldschmied, und der Goldschmied wollte hundert d\u00e4nische Mark haben. Der Schreiber wollte das nicht bezahlen, ging hin und sagte das dem K\u00f6nig,<\/p>\n\n\n\n<p>Der K\u00f6nig lie\u00df Eulenspiegel holen und sprach zu ihm: \u00bbEulenspiegel, was f\u00fcr einen teuren Hufbeschlag lie\u00dfest du machen? Wenn ich alle meine Pferde so beschlagen lie\u00dfe, m\u00fcsste ich bald Land und Leute verkaufen. Das war nicht meine Meinung, dass man das Pferd mit Gold beschlagen lie\u00dfe.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbGn\u00e4diger K\u00f6nig, Ihr sagtet, es sollte der beste Hufbeschlag sein, und ich sollte Euern Worten nachkommen. Nun d\u00fcnkt mich, es gebe keinen besseren Beschlag als von Silber und Gold.\u00ab Da sprach der K\u00f6nig: \u00bbDu bist mir mein liebster Hofmann, du tust, was ich dich hei\u00dfe.\u00ab Und fing an zu lachen und bezahlte die hundert Mark f\u00fcr den Hufbeschlag.<\/p>\n\n\n\n<p>Da lie\u00df Eulenspiegel die goldenen Hufeisen wieder abrei\u00dfen, zog vor eine Schmiede und lie\u00df sein Pferd mit Eisen beschlagen. Bei dem K\u00f6nig blieb er bis zu dessen Tod.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel den Schalksnarren des K\u00f6nigs von Polen mit grober Schalkheit \u00fcberwand.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bei dem hochgeborenen F\u00fcrsten Kasimir, K\u00f6nig von Polen, war ein Abenteurer, der voller seltsamer Schw\u00e4nke und Gauklereien war und gut auf der Fiedel spielen konnte. Eulenspiegel kam auch nach Polen zu dem K\u00f6nig. Dieser hatte schon viel von Eulenspiegel sagen geh\u00f6rt, der ihm ein lieber Gast war. Der K\u00f6nig h\u00e4tte ihn und seine Abenteuer schon lange gerne gesehen und geh\u00f6rt. Aber auch seinen Spielmann hatte er sehr gern. Nun kamen Eulenspiegel und des K\u00f6nigs Narr zusammen. Da geschah es, wie man sagt: zwei Narren in einem Haus tun selten gut.<\/p>\n\n\n\n<p>Des K\u00f6nigs Schalksnarr konnte Eulenspiegel nicht leiden, und Eulenspiegel wollte sich nicht vertreiben lassen. Das merkte der K\u00f6nig, und er lie\u00df sie beide in seinen Saal kommen. \u00bbWohlan\u00ab, sprach er, \u00bbwer von euch beiden den abenteuerlichsten Narrenstreich tut, den ihm der andere nicht nachmacht, den will ich neu kleiden und will ihm zwanzig Gulden dazu geben. Und das soll jetzt in meiner Gegenwart geschehen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Also r\u00fcsteten sich die beiden f\u00fcr ihre Torheiten und trieben viel Affenspiel mit krummen M\u00e4ulern und seltsamen Reden und was einer sich ausdenken konnte, um den anderen zu \u00fcbertreffen. Aber was des K\u00f6nigs Narr tat, das tat ihm Eulenspiegel immer nach, und was Eulenspiegel tat, das tat ihm der Narr nach. Der K\u00f6nig und seine Ritterschaft lachten, und sie sahen mancherlei Abenteuerliches. Sie waren gespannt darauf, wer das Kleid und die zwanzig Gulden gewinnen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Da dachte Eulenspiegel: zwanzig Gulden und neue Kleidung, das ist schon sehr gut; ich will darum etwas machen, was ich ungern tue. Und er sah wohl, was des K\u00f6nigs Meinung war: dass es ihm gleich sei, wer von ihnen den Preis gew\u00f6nne. Da ging Eulenspiegel mitten in den Saal, hob sich hinten auf und schiss mitten in den Saal einen Haufen. Dann nahm er einen L\u00f6ffel, teilte den Dreck genau in der Mitte, rief den anderen und sprach: \u00bbNarr, komm her, und tu mir die Schalkheit nach, die ich dir vormachen will!\u00ab Und er nahm den L\u00f6ffel, fasste den halben Dreck damit und a\u00df ihn auf. Dann bot er den L\u00f6ffel dem Schalksnarren und sprach: \u00bbSich her, iss du die andere H\u00e4lfte! Danach mach auch du einen Haufen, teile ihn auseinander, und ich will dir nachessen.\u00ab Da sagte des K\u00f6nigs Narr: \u00bbNein, das tue dir der Teufel nach! Und sollte ich mein Lebtag nackend gehn, ich esse so von dir oder von mir nicht.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Also gewann Eulenspiegel die Meisterschaft in der Schalkheit. Der K\u00f6nig gab ihm die neue Kleidung und die zwanzig Gulden. Da ritt Eulenspiegel hinweg und trug den vom K\u00f6nig versprochenen Preis davon.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel das Herzogtum L\u00fcneburg verboten wurde und wie er sein Pferd aufschnitt und sich hineinstellte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zu Celle im Lande L\u00fcneburg ver\u00fcbte Eulenspiegel einen abenteuerlichen Schalksstreich. Darum verbot ihm der Herzog von L\u00fcneburg das Land: wenn er darin gefunden wurde, sollte man ihn fangen und dann henken. Dennoch mied Eulenspiegel das Land nicht. Wenn ihn sein Weg dahin trug, so ritt oder ging er nichtsdestoweniger durch das Land, so oft er wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Einmal begab es sich, dass Eulenspiegel durch das L\u00fcneburger Land ritt. Da begegnete ihm der Herzog. Als Eulenspiegel sah, dass es der Herzog war, dachte er: ist es der Herzog und wirst du fl\u00fcchtig, so holen sie dich mit ihren G\u00e4ulen ein und stechen dich vom Pferd; der Herzog kommt dann zornerf\u00fcllt und l\u00e4sst dich an einen Baum h\u00e4ngen. Er fasste einen kurzen Entschluss, sprang von seinem Pferd ab und schnitt ihm rasch den Bauch auf. Dann sch\u00fcttete er das Eingeweide heraus und stellte sich in den Rumpf.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Herzog mit seinen Reitern an die Stelle geritten kam, wo Eulenspiegel in seines Pferdes Bauch stand, sagten die Diener zu dem Herzog: \u00bbSehet, Herr, hier steht Eulenspiegel in eines Pferdes Haut.\u00ab Da ritt der F\u00fcrst zu ihm und sprach: \u00bbEulenspiegel, bist du das? Was tust du in dem Aas hier? Wei\u00dft du nicht, dass ich dir mein Land verboten habe? Und wenn ich dich darin f\u00e4nde, so wollte ich dich an einen Baum h\u00e4ngen lassen?\u00ab Da sprach Eulenspiegel: \u00bbO gn\u00e4digster Herr und F\u00fcrst, ich hoffe, Ihr wollt mir das Leben schenken. Ich habe doch nichts so \u00dcbles getan, was des Henkens wert w\u00e4re!\u00ab Der Herzog sprach zu ihm: \u00bbKomm her zu mir und beweise mir doch deine Unschuld! Und was meinst du damit, dass du so in der Pferdehaut stehst?\u00ab Eulenspiegel kam hervor und antwortete: \u00bbGn\u00e4digster und hochgeborener F\u00fcrst! Ich mache mir Sorge wegen Eurer Ungnade und f\u00fcrchte mich gar sehr. Aber ich habe all mein Lebtag geh\u00f6rt, dass jeder Frieden haben soll in seinen vier Pf\u00e4hlen.\u00ab Da fing der Herzog an zu lachen und sprach: \u00bbWillst du nun auch k\u00fcnftig meinem Lande fernbleiben?\u00ab Eulenspiegel antwortete: \u00bbGn\u00e4diger Herr, wie es Eure F\u00fcrstliche Gnaden will \u00ab Der Herzog ritt von dannen und sagte: \u00bbBleib, wie du bist.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und Eulenspiegel sprang eilends aus dem toten Pferde und sprach zu ihm: \u00bbHab Dank, mein liebes Pferd, du hast mir geholfen und mir mein Leben gerettet; und hast mir noch dazu wieder einen gn\u00e4digen Herren gemacht. Liege nun hier! Es ist besser, dass dich die Raben fressen, als dass sie mich gefressen h\u00e4tten.\u00ab Und er lief zu Fu\u00df davon.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel im L\u00fcneburger Land einem Bauern einen Teil seines Ackers abkaufte und darin in einem Sturzkarren sa\u00df.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kurz danach kam Eulenspiegel wieder, ging bei Celle in ein Dorf und wartete darauf, dass der Herzog nach Celle ritte. Da ging ein Bauer auf seinen Acker. Eulenspiegel hatte ein anderes Pferd erworben und einen Sturzkarren. Er fuhr zu dem Bauern und fragte ihn, wessen Acker es sei, den er bestelle. Der Bauer sprach: \u00bbEr ist mein, ich hab ihn geerbt.\u00ab Da fragte Eulenspiegel, was er ihm f\u00fcr einen Sch\u00fcttkarren voll Erde von dem Acker geben m\u00fcsste. Der Bauer sprach: \u00bbDaf\u00fcr nehme ich einen Schilling.\u00ab Eulenspiegel gab ihm einen Schilling in Pfennigen, warf den Karren voll Erde von dem Acker, kroch darein und fuhr vor die Burg von Celle an der Aller.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Herzog geritten kam, wurde er Eulenspiegels gewahr, wie er in dem Karren sa\u00df, bis an die Schultern in der Erde. Da sprach der Herzog: \u00bbEulenspiegel, ich hatte dir mein Land verboten. Wenn ich dich darin f\u00e4nde, wollte ich dich henken lassen.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbGn\u00e4diger Herr, ich bin nicht in Euerm Land, ich sitze in meinem Land, das ich gekauft habe f\u00fcr einen Schilling. Ich kaufte es von einem Bauern, der mir sagte, es sei sein Erbteil.\u00ab Der Herzog sprach: \u00bbFahr hin mit deinem Erdreich aus meinem Erdreich! Komm aber nicht wieder, ich werde dich sonst mit Pferd und Karren henken lassen!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da stieg Eulenspiegel eilends aus dem Karren, sprang auf das Pferd und ritt aus dem Land. Den Karren lie\u00df er vor der Burg stehen. Also liegt Eulenspiegels Erdreich noch vor der Br\u00fccke.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel f\u00fcr den Landgrafen von Hessen malte und ihm weismachte, wer unehelich sei, k\u00f6nne das Bild nicht sehen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Abenteuerliche Dinge trieb Eulenspiegel im Lande Hessen. Nachdem er das Land Sachsen um und um durchzogen hatte und dort so gut bekannt war, dass er sich mit seinen Streichen nicht mehr ern\u00e4hren konnte, begab er sich in das Land Hessen und kam nach Marburg an des Landgrafen Hof. Und der Herr fragte ihn, was er f\u00fcr ein Abenteurer sei. Er antwortete: \u00bbGn\u00e4diger Herr, ich bin ein K\u00fcnstler.\u00ab Dar\u00fcber freute sich der Landgraf, weil er meinte, Eulenspiegel sei ein Artist und verst\u00fcnde die Alchimie. Denn der Landgraf bem\u00fchte sich sehr um die Alchimie. Also fragte er ihn, ob er ein Alchimist sei. Eulenspiegel sprach: \u00bbGn\u00e4diger Herr, nein. Ich bin ein Maler, desgleichen in vielen Landen nicht gefunden wird, da meine Arbeit andere Arbeiten weit \u00fcbertrifft.\u00ab Der Landgraf sagte: \u00bbLass uns etwas davon sehen!\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbJa, gn\u00e4diger Herr.\u00ab Und er hatte etliche auf Leinen gemalte Bilder, die er in Flandern gekauft hatte; die zog er hervor aus seinem Sack und zeigte sie dem Landgrafen. Sie gefielen dem Herrn gar wohl, und er sprach zu ihm: \u00bbLieber Meister, was wollt Ihr nehmen, wenn Ihr uns unsern Saal ausmalt mit Bildern von der Herkunft der Landgrafen von Hessen? Und wie sie befreundet waren mit dem K\u00f6nig von Ungarn und anderen F\u00fcrsten und Herren, und wie lange das bestanden hat? Und wollt Ihr uns das auf das allerk\u00f6stlichste machen, so gut Ihr es immer k\u00f6nnt?\u00ab Eulenspiegel antwortete: \u00bbGn\u00e4diger Herr, wie mir Euer Gnaden das aufgibt, wird es wohl vierhundert Gulden kosten.\u00ab Der Landgraf sprach: \u00bbMeister, macht uns das nur gut! Wir wollen es Euch wohl belohnen und Euch ein gutes Geschenk dazu geben.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel nahm den Auftrag also an. Doch musste ihm der Landgraf hundert Gulden Vorschuss geben, damit er Farben kaufen und Gesellen einstellen konnte. Als Eulenspiegel mit drei Gesellen die Arbeit anfangen wollte, bedingte er sich vom Landgrafen aus, dass niemand in den Saal gehen d\u00fcrfe, w\u00e4hrend er arbeite, als allein seine Gesellen, damit er in seiner Kunst nicht aufgehalten w\u00fcrde. Das bewilligte ihm der Landgraf.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun wurde Eulenspiegel mit seinen Gesellen einig und vereinbarte mit ihnen, dass sie schwiegen und ihn gew\u00e4hren lie\u00dfen. Sie brauchten nicht zu arbeiten und sollten dennoch ihren Lohn haben. Ihre gr\u00f6\u00dfte Arbeit sollte im Brett- und Schachspiel bestehen. Darin willigten die Gesellen ein und waren es zufrieden, dass sie mit M\u00fc\u00dfiggehen gleichwohl Lohn verdienen sollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Es w\u00e4hrte ungef\u00e4hr vier Wochen, bis der Landgraf zu wissen verlangte, was der Meister mit seinen Kumpanen malte und ob es so gut werden w\u00fcrde wie die Proben. Und er sprach Eulenspiegel an: \u00bbAch, lieber Meister, uns verlangt gar sehr, Eure Arbeit zu sehen. Wir begehren, mit Euch in den Saal zu gehen und Eure Gem\u00e4lde zu betrachten.\u00ab Eulenspiegel antwortete: \u00bbJa, gn\u00e4diger Herr, aber eins will ich Euer Gnaden sagen: wer mit Euer Gnaden geht und das Gem\u00e4lde beschaut und nicht ehelich geboren ist, der kann mein Gem\u00e4lde nicht sehen.\u00ab Der Landgraf sprach: \u00bbMeister, das w\u00e4re etwas Gro\u00dfes.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend dem gingen sie in den Saal. Eulenspiegel hatte ein langes leinenes Tuch an die Wand gespannt, die er bemalen sollte. Das zog er ein wenig zur\u00fcck, zeigte mit einem wei\u00dfen Stab an die Wand und sprach also: \u00bbSeht, gn\u00e4diger Herr, dieser Mann, das ist der erste Landgraf von Hessen, ein Columneser aus Rom. Er hatte zur F\u00fcrstin und Frau eine Herzogin von Bayern, des reichen Justinians Tochter, der hernach Kaiser wurde. Seht, gn\u00e4diger Herr, von dem da wurde erzeugt Adolfus. Adolfus zeugte Wilhelm den Schwarzen. Wilhelm zeugte Ludwig den Frommen und also weiter bis auf Eure F\u00fcrstliche Gnaden. Ich wei\u00df f\u00fcrwahr, dass niemand meine Arbeit tadeln kann, so kunstvoll und meisterlich ist sie und auch von so sch\u00f6nen Farben.\u00ab Der Landgraf sah nichts anderes als die wei\u00dfe Wand und dachte bei sich selbst: Und wenn ich ein Burenkind bin, ich sehe nichts anderes als eine wei\u00dfe Wand. Jedoch sprach er, um den Anstand zu wahren: \u00bbLieber Meister, uns gen\u00fcgt Eure Arbeit wohl. Doch haben wir nicht genug Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, um es richtig zu erkennen.\u00ab Und damit ging er aus dem Saal.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Landgraf zu der F\u00fcrstin kam, fragte sie ihn: \u00bbAch, gn\u00e4diger Herr, was malt denn Euer freier Maler? Ihr habt es gesehen, wie gef\u00e4llt Euch seine Arbeit? Ich habe wenig Vertrauen zu ihm, er sieht aus wie ein Schalk.\u00ab Der F\u00fcrst sprach: \u00bbLiebe Frau, mir gef\u00e4llt seine Arbeit durchaus und gen\u00fcgt mir.\u00ab \u00bbGn\u00e4diger Herr\u00ab, sagte sie, \u00bbd\u00fcrfen wir es nicht auch ansehen?\u00ab \u00bbJa, mit des Meisters Willen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die Landgr\u00e4fin lie\u00df Eulenspiegel zu sich kommen und begehrte auch, das Gem\u00e4lde zu sehen. Eulenspiegel sprach zu ihr wie zu dem F\u00fcrsten: wer nicht ehelich geboren sei, k\u00f6nne seine Arbeit nicht sehen. Da ging sie mit acht Jungfrauen und einer Hofn\u00e4rrin in den Saal. Eulenspiegel zog wieder das Tuch zur\u00fcck wie vorher und erz\u00e4hlte auch der Gr\u00e4fin die Herkunft der Landgrafen, ein St\u00fcck nach dem anderen. Aber die F\u00fcrstin und die Jungfrauen schwiegen alle still, niemand lobte oder tadelte das Gem\u00e4lde. Jede f\u00fcrchtete sich davor, vom Vater oder von der Mutter her unehelich zu sein. Schlie\u00dflich hob die N\u00e4rrin an und sprach: \u00bbLiebster Meister, ich sehe nichts von einem Gem\u00e4lde, und sollte ich all mein Lebtag ein Hurenkind sein.\u00ab Da dachte Eulenspiegel: das kann nicht gut werden; wenn die Toren die Wahrheit sagen, so muss ich wahrlich wandern. Und er zog die Worte ins L\u00e4cherliche.<\/p>\n\n\n\n<p>Indessen ging die F\u00fcrstin hinweg und wieder zu ihrem Herrn. Der fragte sie, wie ihr das Gem\u00e4lde gefallen habe. Sie antwortete ihm: \u00bbGn\u00e4diger Herr, es gef\u00e4llt mir ebenso wie Euer Gnaden. Aber unserer N\u00e4rrin gef\u00e4llt es gar nicht. Sie meint, sie s\u00e4he auch kein Gem\u00e4lde, desgleichen unsere Jungfrauen. Ich bef\u00fcrchte, es ist eine B\u00fcberei im Spiel.\u00ab Das ging dem F\u00fcrsten zu Herzen, und er bedachte, ob er nicht schon betrogen sei. Dennoch lie\u00df er Eulenspiegel sagen, er solle seine Sache vollenden, das ganze Hofgesinde solle seine Arbeit betrachten. Der F\u00fcrst meinte, er k\u00f6nne bei dieser Gelegenheit sehen, wer von seinen Rittersleuten ehelich oder unehelich sei. Die Lehen der Unehelichen seien ihm verfallen. Da ging Eulenspiegel zu seinen Gesellen und entlie\u00df sie. Er forderte noch hundert Gulden von dem Rentmeister, erhielt sie und ging auch davon.<\/p>\n\n\n\n<p>Des anderen Tags fragte der Landgraf nach seinem Maler, aber der war hinweg. Da ging der F\u00fcrst in den Saal mit allem seinem Hofgesinde, ob jemand etwas Gemaltes sehen k\u00f6nne. Aber niemand konnte sagen, dass er etwas s\u00e4he. Und da sie alle schwiegen, sprach der Landgraf: \u00bbNun erkennen wir wohl, dass wir betrogen sind. Mit Eulenspiegel habe ich mich nie befassen wollen, dennoch ist er zu uns gekommen. Die zweihundert Gulden wollen wir zwar verschmerzen. Er aber wird ein Schalk bleiben und muss darum unser F\u00fcrstentum meiden.\u00ab Also war Eulenspiegel aus Marburg fortgekommen und wollte sich k\u00fcnftig mit Malen nicht mehr befassen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel zu Prag in B\u00f6hmen auf der Hohen Schule mit den Studenten disputierte und wohl bestand.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel zog nach B\u00f6hmen gen Prag, als er von Marburg kam. Zu der Zeit wohnten dort noch gute Christen, und das war vor der Zeit, als Wiclif aus England die Ketzerei nach B\u00f6hmen brachte, die durch Johannes Hus weiter verbreitet wurde. Und Eulenspiegel gab sich da aus als gro\u00dfen Gelehrten, der schwere Fragen beantworten k\u00f6nne, auf die andere Gelehrte keine Erkl\u00e4rung abgeben und keine Erwiderung geben k\u00f6nnten. Das lie\u00df er auf Zettel schreiben und schlug sie an die Kircht\u00fcren und Collegien an. Das begann, den Rektor zu verdrie\u00dfen. Die Collegaten, Doktoren und Magister mitsamt der ganzen Universit\u00e4t waren \u00fcbel dran. Sie kamen zusammen, um zu beratschlagen, wie sie Eulenspiegel Fragen aufg\u00e4ben, die er nicht beantworten k\u00f6nne. Wenn er dann schlecht dastehe, k\u00f6nnten sie mit guter Begr\u00fcndung an ihn herankommen und ihn besch\u00e4men. Das wurde unter ihnen so beschlossen und f\u00fcr richtig gehalten. Und sie kamen \u00fcberein und legten fest, dass der Rektor die Fragen stellen sollte. Sie lie\u00dfen Eulenspiegel durch ihren Pedell ausrichten, des anderen Tages zu erscheinen und die Fragen, die man ihm schriftlich g\u00e4be, vor der ganzen Universit\u00e4t zu beantworten, damit er also gepr\u00fcft und sein Wissen anerkannt w\u00fcrde. Sonst sollte ihm seine Stellung nicht zugestanden werden. Eulenspiegel antwortete dem Pedell: \u00bbSage deinen Herren, ich will das so tun und hoffe, als ein t\u00fcchtiger Mann zu bestehn, wie ich es bisher schon lange getan habe.\u00ab Am anderen Tag versammelten sich alle Doktoren und Gelehrten. W\u00e4hrenddessen kam auch Eulenspiegel und brachte mit sich seinen Wirt, einige andere B\u00fcrger und etliche gute Gesellen, um einem \u00dcberfall widerstehen zu k\u00f6nnen, den vielleicht die Studenten gegen ihn planten. Als er in ihre Versammlung kam, hie\u00dfen sie ihn auf einen Lehrstuhl steigen und auf die Fragen antworten, die ihm vorgelegt w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die erste Frage, die der Rektor an ihn stellte, war, dass er sagen und als wahr erweisen sollte, wie viel Ohm Wasser im Meere seien. Wenn er die Frage nicht l\u00f6sen und darauf keinen Bescheid geben k\u00f6nnte, wollten sie ihn als einen ungelehrten Widersacher der Wissenschaft verdammen und bestrafen. Auf diese Frage antwortete Eulenspiegel schlau: \u00bbW\u00fcrdiger Herr Rektor, hei\u00dfet die Wasser stillstehen, die an allen Enden in das Meer laufen. Dann will ich es Euch messen, beweisen und davon die Wahrheit sagen; und das ist leicht zu tun.\u00ab Dem Rektor war es unm\u00f6glich, die Wasser aufzuhalten. Also nahm er von der Frage Abstand und erlie\u00df ihm das Messen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Rektor stand besch\u00e4mt da und stellte seine zweite Frage: \u00bbSage mir, wie viel Tage sind vergangen von Adams Zeiten bis auf diesen Tag?\u00ab Eulenspiegel antwortete kurz: \u00bbNur sieben Tage; und wenn die herum sind, so heben sieben andere Tage an. Das w\u00e4hrt bis zum Ende der Welt.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Dann stellte ihm der Rektor die dritte Frage: \u00bbSage mir sogleich: wo ist der Mittelpunkt der Welt?\u00ab Eulenspiegel antwortete: \u00bbDer ist hier. Diese Stelle ist genau in der Mitte der Welt. Und dass das wahr ist: lasst es mit einer Schnur nachmessen, und wenn auch nur ein Strohhalm daran fehlt, so will ich Unrecht haben.\u00ab Der Rektor erlie\u00df Eulenspiegel lieber die Frage, ehe er es nachmessen lie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann stellte er ganz im Zorn die vierte Frage an Eulenspiegel und sprach: \u00bbSag an, wie weit ist es von der Erde bis zum Himmel?\u00ab Eulenspiegel antwortete: \u00bbEs ist nahe von hier. Wenn man im Himmel redet oder ruft, das kann man hienieden wohl h\u00f6ren. Steigt Ihr hinauf, so will ich hier unten leise rufen: das werdet Ihr im Himmel h\u00f6ren. Und wenn Ihr das nicht h\u00f6rt, so will ich wiederum Unrecht haben.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der Rektor musste mit der Antwort zufrieden sein und stellte die f\u00fcnfte Frage: wie gro\u00df der Himmel sei? Eulenspiegel antwortete ihm sogleich und sprach: \u00bbEr ist tausend Klafter breit und tausend Ellenbogen hoch, da irre ich mich nicht. Wollt Ihr das nicht glauben, so nehmt Sonne, Mond und alle Sterne vom Himmel und messt es gut nach. Ihr werdet finden, dass ich recht habe, obwohl Ihr Euch nicht gern darauf einlassen werdet.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Was sollten sie sagen? Eulenspiegel gab ihnen \u00fcber alles Bescheid, sie mussten ihm alle recht geben. Und nachdem er so die Gelehrten mit Schalkheit \u00fcberwunden hatte, wartete er nicht lange. Denn er bef\u00fcrchtete, sie w\u00fcrden ihm etwas zu trinken geben, wodurch er umk\u00e4me. Deshalb zog er den langen Rock aus, wanderte davon und kam nach Erfurt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel in Erfurt einen Esel in einem alten Psalter lesen lehrte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel hatte gro\u00dfe Eile, nach Erfurt zu kommen, nachdem er in Prag die Schalkheit getan hatte, denn er bef\u00fcrchtete, dass sie ihm nacheilten.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er nach Erfurt kam, wo ebenfalls eine recht gro\u00dfe und ber\u00fchmte Universit\u00e4t ist, schlug Eulenspiegel auch dort seine Zettel an. Und die Lehrpersonen der Universit\u00e4t hatten von seinen Listen viel geh\u00f6rt. Sie beratschlagten, was sie ihm aufgeben k\u00f6nnten, damit es ihnen nicht so erginge, wie es denen zu Prag mit ihm ergangen war, und damit sie nicht mit Schande bestanden. Und sie beschlossen, dass sie Eulenspiegel einen Esel in die Lehre geben wollten, denn es gibt viele Esel in Erfurt, alte und junge. Sie schickten nach Eulenspiegel und sprachen zu ihm: \u00bbMagister, Ihr habt gelehrte Schreiben angeschlagen, dass Ihr eine jegliche Kreatur in kurzer Zeit Lesen und Schreiben lehren wollt. Darum sind die Herren von der Universit\u00e4t hier und wollen Euch einen jungen Esel in die Lehre geben. Traut Ihr es Euch zu, auch ihn zu lehren?\u00ab Eulenspiegel sagte ja, aber er m\u00fcsse Zeit dazu haben, weil es eine des Redens unf\u00e4hige und unvern\u00fcnftige Kreatur sei. Dar\u00fcber wurden sie mit ihm einig auf zwanzig Jahre.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel dachte: Unser sind drei; stirbt der Rektor, so bin ich frei; sterbe ich, wer will mich mahnen? Stirbt mein Sch\u00fcler, so bin ich ebenfalls ledig. Er nahm das also an und forderte f\u00fcnfhundert alte Schock daf\u00fcr. Und sie gaben ihm etliches Geld im Voraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel nahm den Esel und zog mit ihm in die Herberge \u00bbZum Turm\u00ab, wo zu der Zeit ein seltsamer Wirt war. Er bestellte einen Stall allein f\u00fcr seinen Sch\u00fcler, besorgte sich einen alten Psalter und legte den in die Futterkrippe. Und zwischen jedes Blatt legte er Hafer. Dessen wurde der Esel inne und warf um des Hafers willen die Bl\u00e4tter mit dem Maul herum. Wenn er dann keinen Hafer mehr zwischen den Bl\u00e4ttern fand, rief er: \u00bbI&nbsp;&#8211;&nbsp;A, I&nbsp;&#8211;&nbsp;A!\u00ab Als Eulenspiegel das bei dem Esel bemerkte, ging er zu dem Rektor und sprach: \u00bbHerr Rektor, wann wollt Ihr einmal sehen, was mein Sch\u00fcler macht?\u00ab Der Rektor sagte: \u00bbLieber Magister, will er die Lehre denn annehmen?\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbEr ist von unm\u00e4\u00dfig grober Art, und es wird mir sehr schwer, ihn zu lehren. jedoch habe ich es mit gro\u00dfem Flei\u00df und vieler Arbeit erreicht, dass er einige Buchstaben und besonders etliche Vokale kennt und nennen kann. Wenn Ihr wollt, so geht mit mir, Ihr sollt es dann h\u00f6ren und sehen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der gute Sch\u00fcler hatte aber den ganzen Tag gefastet bis gegen drei Uhr nachmittags. Als nun Eulenspiegel mit dem Rektor und einigen Magistern kam, da legte er seinem Sch\u00fcler ein neues Buch vor. Sobald dieser es in der Krippe bemerkte, warf er die Bl\u00e4tter hin und her und suchte den Hafer. Als er nichts fand, begann er mit lauter Stimme zu schreien: \u00bbI&nbsp;&#8211;&nbsp;A, I&nbsp;&#8211;&nbsp;A!\u00ab Da sprach Eulenspiegel: \u00bbSeht, lieber Herr, die beiden Vokale I und A, die kann er jetzt schon; ich hoffe, er wird noch gut werden.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Bald danach starb der Rektor. Da verlie\u00df Eulenspiegel seinen Sch\u00fcler und lie\u00df ihn als Esel gehen, wie ihm von Natur bestimmt war. Eulenspiegel zog mit dem erhaltenen Geld hinweg und dachte: solltest du alle Esel zu Erfurt klug machen, das w\u00fcrde viel Zeit brauchen. Er mochte es auch nicht gerne tun und lie\u00df es also bleiben.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel bei Sangerhausen im Lande Th\u00fcringen den Frauen die Pelze wusch.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel kam in das Land Th\u00fcringen in das Dorf Nienstedt und bat dort um Herberge. Da kam die Wirtin heraus und fragte ihn, welches Handwerk er aus\u00fcbe. Eulenspiegel sprach: \u00bbIch bin kein Handwerksgesell, sondern ich pflege die Wahrheit zu sagen.\u00ab Die Wirtin entgegnete: \u00bbDenen, die die Wahrheit sagen, bin ich besonders g\u00fcnstig gesonnen und beherberge sie gern.\u00ab Und als Eulenspiegel umherblickte, sah er, dass die Wirtin schielte. Er sprach: \u00bbSchielende Frau, schielende Frau, wo soll ich sitzen, und wo lege ich meinen Stab und Sack hin?\u00ab Die Wirtin sagte: \u00bbAch, dass dir nimmer Gutes geschehe! All mein Lebtag hat mir niemand vorgeworfen, dass ich schiele.\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbLiebe Wirtin, soll ich allezeit die Wahrheit sagen, so kann ich das nicht verschweigen.\u00ab Die Wirtin war damit zufrieden und lachte dar\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Eulenspiegel die Nacht dablieb, kam er mit der Wirtin ins Gespr\u00e4ch. Dabei kam die Rede darauf, dass er alte Pelze waschen k\u00f6nne. Das gefiel der Frau wohl, und sie bat ihn, er m\u00f6ge die Pelze waschen. Sie wolle es ihren Nachbarinnen sagen, dass sie alle ihre Pelze br\u00e4chten, damit er sie w\u00fcnsche. Eulenspiegel sagte: \u00bbJa.\u00ab Die Frau rief ihre Nachbarinnen zusammen, und sie brachten alle ihre Pelze. Eulenspiegel sprach: \u00bbIhr m\u00fcsst Milch dazu haben.\u00ab Die Frauen hatten Verlangen und Lust nach den neuen Pelzen und holten alle die Milch, die sie in den H\u00e4usern hatten. Eulenspiegel setzte drei Kessel aufs Feuer und goss die Milch hinein, warf die Pelze dazu und lie\u00df sie sieden und kochen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als es ihm gut d\u00fcnkte, sprach er zu den Frauen: \u00bbIhr m\u00fcsst jetzt in den Wald gehen und mir wei\u00dfes, junges Lindenholz holen und die kleinen \u00c4ste davon abrei\u00dfen. Wenn ihr wiederkommt, will ich die Pelze herausnehmen, denn sie sind dann genug eingeweicht. Ich will sie alsdann auswaschen, und dazu muss ich das Holz haben.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die Weiber gingen willig in den Wald, und ihre Kinder liefen neben ihnen her. Sie nahmen sie bei den H\u00e4nden und sprangen und sangen: \u00bbOho, gute neue Pelze! Oho, gute neue Pelze!\u00ab Eulenspiegel stand und lachte und sprach: \u00bbJa, wartet, die Pelze sind noch nicht fertig!\u00ab Als die Frauen im Wald waren, legte Eulenspiegel noch mehr Feuerholz unter und lie\u00df dann die Kessel mit den Pelzen stehn. Er ging aus dem Dorfe fort und soll noch wiederkommen und die Pelze auswaschen. Und die Frauen kamen wieder mit dem Lindenholz, fanden Eulenspiegel nicht und glaubten, dass er hinweg sei. Da wollte immer eine vor der anderen ihren Pelz aus dem Kessel nehmen: aber die waren ganz verdorben, so dass sie auseinanderfielen. Also lie\u00dfen sie die Pelze stehen und meinten, er k\u00e4me noch wieder und w\u00fcrde ihnen die Pelze auswaschen. Eulenspiegel aber dankte Gott, dass er so glimpflich davongekommen war.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel mit einem Totenkopf umherzog, um die Leute damit zu ber\u00fchren, und dadurch viele Opfergaben erhielt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In allen Landen hatte sich Eulenspiegel mit seiner Schalkheit bekannt gemacht. Wo er fr\u00fcher einmal gewesen war, da war er nicht mehr willkommen, es sei denn, dass er sich verkleidete und man ihn nicht erkannte. Schlie\u00dflich erging es ihm so, dass er sich mit M\u00fc\u00dfiggang nicht mehr zu ern\u00e4hren traute, und war doch von Jugend auf guter Dinge gewesen und hatte Geld genug verdient mit allerlei Gaukelspiel. Als aber seine Schalkheit in allen Landen bekannt wurde und sein Erwerb ausblieb, da bedachte er, was er treiben sollte, um doch mit M\u00fc\u00dfiggang Geld zu erwerben. Und er nahm sich vor, sich f\u00fcr einen Reliquienh\u00e4ndler auszugeben und mit einer Reliquie im Lande umherzureisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Er verkleidete sich zusammen mit einem Sch\u00fcler in eines Priesters Gestalt und nahm einen Totenkopf und lie\u00df ihn in Silber fassen. Er kam in das Land Pommern, wo sich die Priester mehr an das Saufen halten als an das Predigen. Und wo dann in einem Dorfe Kirchweih oder Hochzeit oder eine andere Versammlung der Landleute war, da machte sich Eulenspiegel an den Pfarrer heran: er wolle predigen und den Bauern das Heil der Reliquie verk\u00fcnden, auf dass sie sich damit ber\u00fchren lie\u00dfen. Von den frommen Gaben, die er bek\u00e4me, wolle er ihm die H\u00e4lfte abgeben. Die ungelehrten Pfaffen waren wohl damit zufrieden, wenn sie nur Geld bekamen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wenn das allermeiste Volk in der Kirche war, stieg Eulenspiegel auf den Predigtstuhl und sagte etwas von dem Alten Testament und zog das Neue Testament auch heran mit der Arche und dem goldenen Eimer, darin das Himmelsbrot lag, und sprach dazu, dass es das gr\u00f6\u00dfte Heiligtum sei. Zwischendurch sprach er von dem Haupte des Sankt Brandanus, der ein heiliger Mann gewesen sei. Dessen Haupt habe er da, und ihm sei befohlen worden, damit zu sammeln, um eine neue Kirche zu bauen. Und das d\u00fcrfe nur mit reinem Gut geschehen. Bei seinem Leben d\u00fcrfe er kein Opfergeld nehmen von einer Frau, die eine Ehebrecherin sei. \u00bbUnd wenn solche Frauen hier sind, so sollen sie stehen bleiben. Denn wenn sie mir etwas opfern wollen und des Ehebruchs schuldig sind, so nehme ich das nicht, und sie werden vor mir besch\u00e4mt stehen. Danach wisset euch zu richten!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und er gab den Leuten das Haupt zu k\u00fcssen, das vielleicht eines Schmiedes Haupt gewesen war, das er von einem Kirchhof genommen hatte. Dann gab er den Bauern und B\u00e4uerinnen den Segen, ging von der Kanzel und stellte sich vor den Altar. Und der Pfarrer fing an zu singen und mit einer Schelle zu klingeln. Da gingen die b\u00f6sen mit den guten Weibern zum Altar mit ihren frommen Gaben; sie dr\u00e4ngten sich zum Altar, so dass sie keuchten. Und die Frauen mit \u00fcblem Leumund, an dem auch etwas Wahres war, die wollten die ersten sein mit ihrem Opfer. Da nahm er die Opfergaben von B\u00f6sen und von Guten und verschm\u00e4hte nichts. Und so fest glaubten die einf\u00e4ltigen Frauen an seine listige, schalkhaftige Sache, dass sie meinten: eine Frau, die stehengeblieben w\u00e4re, w\u00e4re nicht ehrsam gewesen. Diejenigen Frauen, die kein Geld hatten, opferten einen goldenen oder silbernen Ring. Jede achtete auf die andere, ob sie auch opferte. Und die geopfert hatten, meinten, sie h\u00e4tten damit ihre Ehre best\u00e4tigt und ihren b\u00f6sen Ruf hinweg genommen. Auch gab es einige, die zwei- oder dreimal opferten, damit das Volk es sehen und sie aus ihrem schlechten Leumund entlassen sollte. &nbsp;Und Eulenspiegel bekam die sch\u00f6nsten Opfergaben, wie es nie zuvor geh\u00f6rt worden war. Wenn er das Opfer genommen hatte, gebot er unter Androhung des Kirchenbannes allen, die geopfert hatten, keinen Frevel mehr zu begehen, denn sie w\u00e4ren jetzt ganz frei davon. W\u00e4ren etliche von ihnen schuldig gewesen, h\u00e4tte er kein Opfer von ihnen entgegengenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Also wurden die Frauen allenthalben froh. Und wo Eulenspiegel hinkam, da predigte er und wurde dadurch reich. Die Leute hielten ihn f\u00fcr einen frommen Prediger, so gut konnte er seine Schalkheit verhehlen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel die Stadtw\u00e4chter in N\u00fcrnberg munter machte, die ihm \u00fcber einen Steg nachfolgten und ins Wasser fielen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel war erfindungsreich in seinen Schalkheiten. Als er mit dem Totenhaupt weit umhergezogen war und die Leute t\u00fcchtig betrogen hatte, kam er nach N\u00fcrnberg und wollte da sein Geld verzehren, das er mit der Reliquie gewonnen hatte. Und als er sich eine Zeitlang dort aufgehalten und alle Verh\u00e4ltnisse kennengelernt hatte, konnte er von seiner Natur nicht lassen und musste auch dort eine Schalkheit tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Er sah, dass die Stadtw\u00e4chter in einem W\u00e4chterhaus unterhalb des Rathauses im Hamisch schliefen. Eulenspiegel hatte in N\u00fcrnberg Weg und Steg genau kennengelemt. Besonders gut hatte er sich den Br\u00fcckensteg zwischen dem Saumarkt und dem W\u00e4chterhaus angesehen. Dar\u00fcber ist des Nachts schlecht zu wandeln. Denn manche gute Dirne, wenn sie Wein holen wollte, wurde dort bel\u00e4stigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel wartete also mit seinem Streich, bis die Leute schlafen gegangen waren und es ganz still war. Dann brach er aus diesem Steg drei Bohlen und warf sie in das Wasser, genannt die Pegnitz. Und er ging vor das Rathaus, begann zu fluchen und hieb mit einem alten Messer auf das Pflaster, dass das Feuer daraus sprang. Als die W\u00e4chter das h\u00f6rten, waren sie schnell auf den Beinen und liefen ihm nach. Da Eulenspiegel h\u00f6rte, dass sie ihm nachliefen, rannte er vor den W\u00e4chtern her und nahm die Flucht zu dem Saumarkt hin, die W\u00e4chter immer hinter ihm her. Er kam mit knapper Not vor ihnen an die Stelle, wo er die Bohlen herausgebrochen hatte, und behalf sich, so gut er konnte, um \u00fcber den Steg zu kommen. Und als er hin\u00fcbergekommen war, rief er mit lauter Stimme: \u00bbHoho, wo bleibt ihr denn, ihr verzagten B\u00f6sewichter?\u00ab Da das die W\u00e4chter h\u00f6rten, liefen sie ihm eilends und ohne allen Argwohn nach, und jeder wollte der erste sein. Also fiel einer nach dem anderen in die Pegnitz. Die L\u00fccke im Steg war so eng, dass sie sich an allen Stellen die M\u00e4uler zerschlugen. Da rief Eulenspiegel: \u00bbHoho, lauft ihr noch nicht? Morgen laufet mir weiter nach! Zu diesem Bad w\u00e4ret ihr morgen noch fr\u00fch genug gekommen. Du h\u00e4ttest nicht halb so schnell zu jagen brauchen, du w\u00e4rst noch immer zur rechten Zeit gekommen.\u00ab Also brach sich der eine ein Bein, der andere einen Arm, der dritte schlug sich ein Loch in den Kopf, so dass keiner ohne Schaden davonkam.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Eulenspiegel diese Schalkheit vollbracht hatte, blieb er nicht mehr lange in N\u00fcrnberg, sondern zog wieder weiter. Denn es war ihm nicht lieb, geschlagen zu werden, wenn sein Streich herausk\u00e4me: die N\u00fcrnberger w\u00fcrden ihn nicht als Spa\u00df angesehen haben.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel in Bamberg um Geld a\u00df.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als Eulenspiegel von N\u00fcrnberg kam, verdiente er mit List einmal Geld in Bamberg. Er war sehr hungrig und kam in einer Wirtin Haus, die hie\u00df Frau K\u00fcngine. Sie war eine fr\u00f6hliche Wirtin und hie\u00df ihn willkommen, denn sie sah an seinen Kleidern, dass er ein seltsamer Gast war.<\/p>\n\n\n\n<p>Als man morgens essen wollte, fragte ihn die Wirtin, wie er es halten m\u00f6chte: ob er ein vollst\u00e4ndiges Fr\u00fchst\u00fcck einnehmen oder nur einzelne Kleinigkeiten essen wolle. Eulenspiegel antwortete, er sei ein armer Gesell und bitte sie, ihm etwas um Gottes Lohn zu essen zu geben. Die Wirtin sprach: \u00bbFreund, an den Fleisch- und Brotb\u00e4nken gibt man mir nichts umsonst, ich muss Geld daf\u00fcr zahlen. Darum muss ich f\u00fcr das Essen auch Geld bekommen.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbAch, Frau, es dient auch mir wohl, um Geld zu essen. Um was oder um wie viel soll ich hier essen und trinken?\u00ab Die Frau sprach: \u00bbAn der Herren Tisch um 24 Pfennige, an dem Tisch daneben um 18 Pfennige und mit meinem Gesinde um 12 Pfennige.\u00ab Darauf antwortete Eulenspiegel: \u00bbFrau, das meiste Geld dient mir am allerbesten.\u00ab Und er setzte sich an die Herrentafel und a\u00df sich sogleich satt.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er fertig war und gut gegessen und getrunken hatte, sagte er zur Wirtin, sie m\u00f6ge ihn abfertigen; er m\u00fcsse wandern, denn er habe nicht viel Reisegeld. Die Frau sprach: \u00bbLieber Gast, gebt mir das Essensgeld, 24 Pfennige, und geht, wohin Ihr wollt, Gott geleite Euch!\u00ab \u00bbNein\u00ab, sagte Eulenspiegel. \u00bbIhr sollt mir 24 Pfennige geben, wie Ihr gesagt habt. Denn Ihr spracht, an der Tafel esse man das Mahl um 24 Pfennige. Das habe ich so verstanden, dass ich damit Geld verdienen sollte, und es wurde mir schwer genug. Ich a\u00df, dass mir der Schwei\u00df ausbrach und als ob es Leib und Leben gegolten h\u00e4tte. Mehr h\u00e4tte ich nicht essen k\u00f6nnen. Darum gebt mir meinen sauer verdienten Lohn.\u00ab \u00bbFreund\u00ab, sprach die Wirtin, \u00bbdas ist wahr: Ihr habet wohl f\u00fcr drei Mann gegessen. Aber dass ich Euch daf\u00fcr auch noch lohnen soll, das reimt sich nicht zusammen. Doch ist es mir nicht um diese Mahlzeit zu tun, Ihr m\u00f6gt damit hinweggehen. Ich gebe Euch aber nicht noch Geld dazu, denn das w\u00e4re verloren; doch begehre ich auch kein Geld von Euch. Kommt mir aber nicht wieder her! Denn sollte ich meine G\u00e4ste das Jahr \u00fcber also speisen und nicht mehr Geld einnehmen als von Euch, so m\u00fcsste ich auf solche Weise von Haus und Hof lassen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da schied Eulenspiegel von dannen und erntete nicht viel Dank.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel nach Rom zog und den Papst sah, der ihn f\u00fcr einen Ketzer hielt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit durchtriebener Schalkheit war Eulenspiegel reich ausgestattet. Als er nun alle listigen Schelmenstreiche versucht hatte, dachte er an das alte Sprichwort: Geh nach Rom, frommer Mann, komme wieder nequam.<\/p>\n\n\n\n<p>Also zog er nach Rom. Dort betrieb er seine Schalkheit auch und nahm Herberge bei einer Witwe. Die sah, dass Eulenspiegel ein sch\u00f6ner Mann war, und fragte ihn, woher er komme. Eulenspiegel sagte, er sei aus dem Lande Sachsen und ein Osterling. Nach Rom sei er gekommen, um mit dem Papst zu sprechen. Da sagte die Frau: \u00bbFreund, den Papst m\u00f6gt Ihr wohl sehen k\u00f6nnen, aber ob Ihr mit ihm reden k\u00f6nnt, das wei\u00df ich nicht. Ich bin hier geboren und erzogen und stamme von den obersten Geschlechtern, aber ich habe noch nie mit ihm sprechen k\u00f6nnen. Wie wolltet Ihr denn das so bald zuwege bringen? Ich g\u00e4be wohl hundert Dukaten darum, dass ich mit ihm reden k\u00f6nnte.\u00ab Eulenspiegel antwortete: \u00bbLiebe Wirtin, wenn ich die Gelegenheit finde, Euch vor den Papst zu bringen, so dass Ihr mit ihm reden k\u00f6nnt, wollt Ihr mir dann die hundert Dukaten geben?\u00ab Die Frau war eilfertig und gelobte ihm die hundert Dukaten bei ihrer Ehre, wenn er das zuwege bringe. Aber sie meinte, es sei ihm unm\u00f6glich, solches zu tun, denn sie wusste wohl, dass es viel M\u00fche und Arbeit kosten w\u00fcrde. Eulenspiegel sprach: \u00bbLiebe Wirtin, wenn es nun also geschieht, so begehre ich die hundert Dukaten.\u00ab Sie sagte: \u00bbja\u00ab, aber sie dachte: Du bist noch nicht vor dem Papst.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel wartete, denn alle vier Wochen einmal musste der Papst eine Messe lesen in der Kapelle, die da hei\u00dft Jerusalem zu Sankt Johannis Lateranen. Als nun der Papst die Messe las, dr\u00e4ngte sich Eulenspiegel in die Kapelle und so nahe wie m\u00f6glich an den Papst heran. Als dieser die Stillmesse hielt, kehrte Eulenspiegel dem Sakrament den R\u00fccken. Das sahen die Kardin\u00e4le. Und als der Papst den Segen \u00fcber den Kelch sprach, da kehrte sich Eulenspiegel abermals um.<\/p>\n\n\n\n<p>Als nun die Messe zu Ende war, sagten die Kardin\u00e4le zum Papst, dass eine Person, n\u00e4mlich ein sch\u00f6ner Mann, bei der Messe gewesen sei, die w\u00e4hrend der Stillmesse seinen R\u00fccken gegen den Altar gekehrt habe. Der Papst sprach: \u00bbEs ist notwendig, dass man das untersucht, denn es geht die heilige Kirche an. Wenn man den Unglauben nicht straft, ist das Unrecht gegen Gott. Und hat der Mensch solches getan, so ist zu bef\u00fcrchten, dass er im Unglauben lebt und kein guter Christ ist.\u00ab Und er ordnete an, man solle den Menschen vor ihn bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Boten kamen zu Eulenspiegel und sprachen, er m\u00fcsse vor den Papst kommen. Eulenspiegel ging sogleich mit ihnen vor den Papst. Da fragte der Papst, was er f\u00fcr ein Mann sei. Eulenspiegel antwortete, er sei ein guter Christenmensch. Der Papst fragte weiter, was er f\u00fcr einen Glauben habe. Eulenspiegel sagte, er habe denselben Glauben, den seine Wirtin habe, und nannte sie beim Namen, der wohlbekannt war. Da bestimmte der Papst, dass auch die Frau vor ihn kommen solle.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Papst fragte die Frau, was sie f\u00fcr einen Glauben habe. Die Frau antwortete, sie glaube den Christenglauben und was ihr die heilige christliche Kirche gebiete und verbiete. Sie habe keinen anderen Glauben. Eulenspiegel stand dabei und begann, den Mund listig zum Lachen zu verziehen. Er sprach: \u00bbAllergn\u00e4digster Vater, du Knecht aller Knechte, denselben Glauben habe ich auch, ich bin ein guter Christenmensch.\u00ab Der Papst sagte: \u00bbWarum kehrst du dann dem Altar den R\u00fccken w\u00e4hrend der Stillmesse?\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbAllerheiligster Vater, ich bin ein armer, gro\u00dfer S\u00fcnder und zeihe mich solcher S\u00fcnden, dass ich des Altars nicht w\u00fcrdig bin, bis ich meine S\u00fcnden gebeichtet habe.\u00ab Damit war der Papst zufrieden, verlie\u00df Eulenspiegel und ging in seinen Palast.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel ging in seine Herberge und mahnte seine Wirtin um die hundert Dukaten; die musste sie ihm geben. Und Eulenspiegel blieb Eulenspiegel nach wie vor und wurde durch die Romfahrt nicht viel gebessert.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel die Juden in Frankfurt am Main um tausend Gulden betrog, indem er ihnen seinen Dreck als Prophetenbeere verkaufte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Niemand soll betr\u00fcbt sein, wenn den listigen Juden ein Auge zugehalten wird. Als Eulenspiegel von Rom kam, reiste er nach Frankfurt am Main. Dort war gerade Messezeit. Eulenspiegel ging hin und her und sah, welches Kaufmannsgut jeder feilbot. Da gewahrte er einen jungen, starken Mann, der trug gute Kleider und hatte einen kleinen Kr\u00e4merstand mit Bisam aus Alexandria, den er \u00fcber die Ma\u00dfen teuer anbot. Da dachte Eulenspiegel: Ich bin auch ein fauler, starker Kerl, der nicht gerne arbeitet; k\u00f6nnte ich mich auch so leicht ern\u00e4hren wie dieser, so gefiele mir das wohl.<\/p>\n\n\n\n<p>Des Nachts lag er schlaflos und dachte \u00fcber seinen Nahrungserwerb nach. Da biss ihn ein Floh in den Hintern. Nach dem grappelte er eilig und fand etliche Kn\u00f6tlein im Hintern. Da dachte er: das m\u00fcssen die kleinen Dinger sein, die man \u00bbLexulvander\u00ab nennt, von denen der Bisam herkommt. Als er des Morgens aufgestanden war, kaufte er grauen und roten Zende1 und band die Kn\u00f6tlein darein. Er besorgte sich eine Bank, wie sie die Kr\u00e4mer zu haben pflegen, kaufte sich andere Spezereien hinzu und stellte sich mit seinem Kram vor dem R\u00f6mer auf. Da kamen viele Leute zu ihm, besahen seine seltsamen Waren und fragten ihn, was er Sonderbares feilb\u00f6te. Denn es war eine merkw\u00fcrdige Kaufmannsware: sie war in einem B\u00fcndel gebunden, wie Bisam, und roch gar sonderbar. Aber Eulenspiegel gab niemandem rechten Bescheid \u00fcber sein Kaufmannsgut, bis drei reiche Juden zu ihm kamen und nach seiner Ware fragten. Denen gab er zur Antwort, es seien echte Prophetenbeeren. Wer eine davon in den Mund n\u00e4hme und danach in die Nase stecke, der k\u00f6nne von Stund an wahrsagen. Da gingen die Juden beiseite und beratschlagten eine Weile unter sich. Zuletzt sprach der alte Jude: \u00bbDamit k\u00f6nnten wir wohl weissagen, wann unser Messias kommt, was uns Juden ein nicht kleiner Trost w\u00e4re.\u00ab Und sie beschlossen, dass sie die Ware kaufen wollten, wie viel sie auch daf\u00fcr geben m\u00fcssten.<\/p>\n\n\n\n<p>Also gingen sie wieder zu Eulenspiegel und sprachen: \u00bbKaufherr, was soll, mit einem Wort gesagt, eine Prophetenbeere kosten?\u00ab Eulenspiegel bedachte sich kurz: F\u00fcrwahr, wenn ich Ware habe, beschert mir unser Herrgott auch K\u00e4ufer; den Juden dient diese Kost wohl. Und er sagte: \u00bbIch gebe eine f\u00fcr tausend Gulden. Wenn ihr die nicht geben wollt, ihr Hunde, so geht nur hinweg und lasst mir den Dreck stehn.\u00ab Um Eulenspiegel nicht zu erz\u00fcrnen und seine Ware zu bekommen, zahlten sie ihm sogleich das Geld und nahmen eine der Beeren. Eilends gingen sie damit nach Hause und lie\u00dfen alle Juden, alt und jung, zusammenrufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie beisammen waren, stand der \u00e4lteste Rabbi auf, genannt Alpha, und erz\u00e4hlte, wie sie durch den Willen Gottes eine Prophetenbeere bekommen h\u00e4tten. Die sollte einer von ihnen in den Mund nehmen und dann die Ankunft des Messias verk\u00fcndigen, damit ihnen Heil und Trost davon komme. Sie alle sollten sich darauf vorbereiten mit Fasten und Beten. Und nach drei Tagen sollte Isaak die Beere mit gro\u00dfer Feierlichkeit einnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das geschah also. Als er sie im Munde hatte, fragte ihn Moses: \u00bbLieber Isaak, wie schmeckt es denn?\u00ab \u00bbGottes Diener, wir sind von dem Goj betrogen, es ist nichts anderes als Menschendreck.\u00ab Da rochen sie alle so lange an der Prophetenbeere, bis sie das Holz erkannten, auf dem die Beere gewachsen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber Eulenspiegel war hinweg und schlemmte t\u00fcchtig, solange das Geld der Juden reichte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel zu Quedlinburg H\u00fchner kaufte und der B\u00e4uerin f\u00fcr das Geld ihren eigenen Hahn zum Pfande lie\u00df.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fcher waren die Leute nicht so gewitzt wie jetzt, besonders nicht die Landleute. Einmal kam Eulenspiegel nach Quedlinburg, da war gerade Wochenmarkt, und Eulenspiegel hatte nicht viel Zehrgeld. Denn wie er sein Geld gewann, so zerrann es wieder. Und er dachte nach, wie er wieder zu Geld kommen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun sa\u00df eine B\u00e4uerin auf dem Markte und hielt einen Korb voll guter H\u00fchner samt einem Hahn feil. Eulenspiegel fragte, was ein paar H\u00fchner kosten solle. Sie antwortete ihm: \u00bbDas Paar zwei Stephansgroschen.\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbWollt Ihr sie nicht billiger geben?\u00ab Die Frau sagte: \u00bbNein.\u00ab Da nahm Eulenspiegel den Korb mit den H\u00fchnern und ging auf das Burgtor zu. Die Frau lief ihm nach und sprach: \u00bbK\u00e4ufer, wie soll ich das verstehen? Willst du mir die H\u00fchner nicht bezahlen?\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbJa, gern, ich bin der \u00c4btissin Schreiber.\u00ab \u00bbDanach frage ich nicht\u00ab, sprach die B\u00e4uerin, \u00bbwillst du die H\u00fchner haben, so bezahle sie. Ich will mit deinem Abt oder deiner \u00c4btissin nichts zu tun haben. Mein Vater hat mich gelehrt: ich soll von denen nichts kaufen noch ihnen etwas verkaufen oder borgen, vor denen man sich neigen oder die Kappe ziehen muss. Darum bezahl mir die H\u00fchner, h\u00f6rst du wohl?\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbFrau, Ihr seid kleingl\u00e4ubig! Es w\u00e4re nicht gut, wenn alle Kaufleute so w\u00e4ren! Sonst m\u00fcssten alle guten Kameraden schlecht bekleidet einhergehen. Aber damit Ihr des Eurigen gewiss seid, so nehmt hier den Hahn zum Pfand, bis ich Euch den Korb und das Geld bringe.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die gute Frau meinte, sie sei wohl versorgt, und nahm ihren eigenen Hahn zum Pfand. Aber sie wurde betrogen. Denn Eulenspiegel blieb mit den H\u00fchnern und mit dem Geld aus. Da ging es ihr wie denen, die bisweilen ihre Sachen aufs allergenaueste besorgen wollen: die betr\u00fcgen sich manchmal zuallererst selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>So schied Eulenspiegel von dannen und lie\u00df die B\u00e4uerin sich sehr erz\u00fcrnen \u00fcber den Hahn, der sie um die H\u00fchner gebracht hatte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie der Pfarrer von Hoheneggelsen Eulenspiegel eine Wurst wegfra\u00df, die ihm danach nicht gut bekam.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als Eulenspiegel in Hildesheim war, kaufte er eine gute rote Wurst am Fleischstand und ging weiter nach Hoheneggelsen. Dort war er mit dem Pfarrer gut bekannt. Und es war an einem Sonntagmorgen, als er dort ankam. Der Pfarrer hielt die Fr\u00fchmesse, damit er zeitig essen konnte. Eulenspiegel ging in die Pfarre und bat die K\u00f6chin, ihm die rote Wurst zu braten. Die K\u00f6chin sagte ja. Dann ging Eulenspiegel in die Kirche. Die Fr\u00fchmesse war gerade aus, und ein anderer Priester begann mit dem Hochamt, das Eulenspiegel zu Ende h\u00f6rte.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen war der Pfarrer nach Hause gegangen und sagte zu der Magd: \u00bbIst hier noch nichts gar gekocht, dass ich einen Bissen essen k\u00f6nnte?\u00ab Die K\u00f6chin sprach: \u00bbHier ist nichts gekocht als eine rote Wurst, die Eulenspiegel gebracht hat; die ist gar. Er wollte sie essen, wenn er aus der Kirche k\u00e4me.\u00ab Der Pfarrer sagte: \u00bbLang mir die Wurst her, ich will einen Bissen davon essen.\u00ab Die Magd reichte ihm die Wurst. Dem Pfarrer schmeckte die Wurst so gut, dass er sie ganz auffra\u00df und zu sich selber sprach: \u00bbSegne mir es Gott, es hat mir wohl geschmeckt, die Wurst ist gut gewesen.\u00ab Und er sagte zu der Magd: \u00bbGib Eulenspiegel Speck und Kohl zu essen, wie er es gew\u00f6hnt ist! Das bekommt ihm viel besser.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und als das Hochamt zu Ende war, ging Eulenspiegel wieder in den Pfarrhof und wollte von seiner Wurst essen. Da hie\u00df ihn der Pfarrer willkommen, dankte ihm f\u00fcr die Wurst und sagte, wie sie ihm so gut geschmeckt habe, und setzte ihm Speck und Kohl vor. Eulenspiegel schwieg still, a\u00df, was da gekocht war, und ging am Montag wieder hinweg. Der Pfarrer rief Eulenspiegel nach: \u00bbH\u00f6re, wenn du wieder hierher kommst, so bring zwei W\u00fcrste mit, eine f\u00fcr mich und eine f\u00fcr dich. Was du daf\u00fcr zahlst, das will ich dir wiedergeben. Und dann wollen wir redlich schlemmen, dass uns die M\u00e4uler vor Fett triefen.\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbJa, Herr Pfarrer, es soll geschehen nach Euern Worten. Ich will Eurer wohl gedenken mit den W\u00fcrsten.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Dann ging er wieder nach der Stadt Hildesheim. Und es geschah gerade wie nach seinem Willen, dass der Abdecker eine tote Sau zur Abfallgrube fuhr. Da bat Eulenspiegel den Abdecker, er m\u00f6ge Geld nehmen und ihm von der Sau zwei rote W\u00fcrste machen; und er zahlte ihm daf\u00fcr etliche Silberpfennige. Der Abdecker tat das und machte ihm zwei sch\u00f6ne, rote W\u00fcrste. Die nahm Eulenspiegel und sott sie halb gar, wie man mit W\u00fcrsten zu tun pflegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Sonntag ging er wieder nach Hoheneggelsen, und es traf sich, dass der Pfarrer abermals die Fr\u00fchmesse hielt. Da ging Eulenspiegel auf den Pfarrhof, brachte der K\u00f6chin die zwei W\u00fcrste und bat sie, die W\u00fcrste f\u00fcr den Imbiss zu braten. Der Pfarrer solle die eine haben und er die andere. Dann ging er in die Kirche. Also setzte die Magd die W\u00fcrste auf das Feuer und briet sie. Als die Messe zu Ende war, wurde der Pfarrer Eulenspiegels gewahr, ging sogleich aus der Kirche in den Pfarrhof und sprach: \u00bbEulenspiegel ist hier. Hat er auch die W\u00fcrste mitgebracht?\u00ab Die K\u00f6chin sagte: \u00bbAch ja, zwei so sch\u00f6ne W\u00fcrste, wie ich sie kaum gesehen habe. Und gleich sind alle beide fertig gebraten.\u00ab Sie ging und nahm die eine von der Glut, und es gel\u00fcstete sie auch nach der Wurst, so gut wie dem Pfarrer. Und sie setzten sich beide zusammen nieder. W\u00e4hrend sie so begierig die Wurst a\u00dfen, begannen ihnen die M\u00e4uler vor Fett zu sch\u00e4umen. Ein anderer Mann sah und h\u00f6rte, dass der Pfarrer zu der K\u00f6chin sprach: \u00bbAch, meine liebe, traute Magd, sieh, wie sch\u00e4umt dir der Mund!\u00ab Und die Magd sprach wieder zu dem Pfarrer: \u00bbAch, lieber Herr, sogleich ist Euer Mund auch so!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber kam Eulenspiegel von der Kirche hereingegangen. Da sprach ihn der Pfarrer an: \u00bbSieh, was du f\u00fcr W\u00fcrste gebracht hast! Schau, wie mir und meiner Haush\u00e4lterin die M\u00fcnder triefen!\u00ab Eulenspiegel lachte und sprach: \u00bbGott segne es Euch, Herr Pfarrer! Euch geschieht nach Euerm Begehren, da Ihr mir nachrieft, ich solle zwei W\u00fcrste mitbringen. Davon wolltet Ihr essen, dass Euch der Mund sch\u00e4ume. Aber des Sch\u00e4umens achte ich nicht, wenn nur nicht das Speien hinterher kommt. Ich bin sicher, es wird bald hinterher kommen. Denn wovon die zwei W\u00fcrste gemacht sind, das war eine verendete Sau, die schon vier Tage tot war. Darum musste ich das Fleisch sauber seifen, und davon kommt Euch der Schaum.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die K\u00f6chin fing an zu z\u00fcrnen und spie \u00fcber den Tisch, desgleichen auch der Pfarrer. Der rief: \u00bbGeh schnell aus meinem Haus, du Schalk und Bube!\u00ab und ergriff einen Kn\u00fcttel und wollte ihn damit werfen und schlagen. Eulenspiegel sprach: \u00bbDas stehet einem frommen Mann nicht wohl an! Ihr hie\u00dfet mich doch die W\u00fcrste bringen, habt sie beide gegessen und wollt mich jetzt mit Kn\u00fctteln schlagen und werfen. Bezahlt mir doch zuerst die beiden W\u00fcrste, ich schweige von der dritten!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der Pfarrer wurde zornig und tobte sehr. Er sprach, Eulenspiegel solle k\u00fcnftig seine faulen W\u00fcrste, die er aus der Abfallgrube geholt habe, selber essen und sie ihm nicht in sein Haus bringen. Eulenspiegel sagte: \u00bbIch habe sie Euch doch ohne Euren Willen nicht in den Leib gesteckt. Freilich h\u00e4tte ich diese W\u00fcrste nicht essen m\u00f6gen. Aber die erste Wurst h\u00e4tte ich wohl gemocht. Die habt Ihr mir ohne meine Erlaubnis aufgegessen. Habt Ihr nun die gute erste Wurst gefressen, so esst auch die schlechten W\u00fcrste hinterher!\u00ab Und er sprach: \u00bbAde, gute Nacht!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel dem Pfarrer zu Kissenbr\u00fcck sein Pferd mit einer falschen Beichte abschwatzte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine b\u00f6se Schalkheit lie\u00df sich Eulenspiegel nicht entgehen in dem Dorfe Kissenbr\u00fcck im Asseburger Gerichtsbezirk. Da wohnte ein Pfarrer, der eine gar sch\u00f6ne Haush\u00e4lterin hatte und dazu ein kleines, h\u00fcbsches, munteres Pferd. Die hatte der Pfarrer alle beide sehr gern, das Pferd und auch die Magd. Nun war der Herzog von Braunschweig zu dieser Zeit in Kissenbr\u00fcck gewesen und hatte den Pfarrer durch andere Leute mehrfach gebeten, ihm das Pferd zu \u00fcberlassen, er wolle ihm daf\u00fcr mehr geben, als es wert sei. Der Pfarrer schlug es aber dem F\u00fcrsten allezeit ab. Er wollte das Pferd nicht verlieren, weil er es so gern hatte. Der F\u00fcrst wagte auch nicht, ihm das Pferd wegnehmen zu lassen, denn das Gericht unterstand dem Rat von Braunschweig.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel hatte diese Dinge geh\u00f6rt und wohl verstanden und sprach zu dem F\u00fcrsten: \u00bbGn\u00e4diger Herr, was wollt Ihr mir schenken, wenn ich Euch das Pferd des Pfaffen zu Kissenbr\u00fcck herbeischaffe?\u00ab \u00bbWenn du das tust\u00ab, sprach der Herzog, \u00bbwill ich dir den Rock geben, den ich jetzt anhabe.\u00ab Und das war ein roter, mit Perlen bestickter Schamlot.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel nahm das an und ritt von Wolfenb\u00fcttel in das Dorf zur Herberge beim Pfarrer. Er war in des Pfarrers Haus wohlbekannt, denn er war oft vorher bei ihm gewesen und ihm willkommen. Als er nun etwa drei Tage dort gewesen war, da geb\u00e4rdete er sich, als ob er ganz krank sei, \u00e4chzte laut und legte sich nieder. Dem Pfaffen und seiner Haush\u00e4lterin tat es leid, und sie wussten keinen Rat, was sie tun sollten. Zuletzt wurde Eulenspiegel so krank, dass ihn der Pfaffe anredete und ihn bat, er m\u00f6ge beichten und das Abendmahl nehmen. Eulenspiegel war durchaus dazu geneigt. Der Pfarrer wollte ihm selbst die Beichte abnehmen und ihn aufs sch\u00e4rfste befragen. Er sprach, Eulenspiegel m\u00f6ge an seine Seele denken, denn er habe sein Leben lang viel Abenteuer getrieben. Er sorge sich, ob ihm Gott der Allm\u00e4chtige seine S\u00fcnden vergeben werde. Eulenspiegel sprach ganz kr\u00e4nklich zu dem Pfarrer: er wisse nichts, das er getan habe, au\u00dfer einer S\u00fcnde; die aber d\u00fcrfe er ihm nicht beichten. Er m\u00f6ge ihm einen anderen Pfaffen holen, dem wolle er sie beichten. Denn wenn er sie ihm offenbare, so besorge er, dass er ihm darum z\u00fcrnen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Pfarrer das h\u00f6rte, meinte er, dahinter sei etwas verborgen, und das wollte er wissen. Er sprach: \u00bbLieber Eulenspiegel, der Weg ist weit, ich kann den anderen Pfaffen nicht so schnell erreichen. Wenn du aber inzwischen stirbst, so h\u00e4tten du und ich vor Gott dem Herrn die Schuld, wenn es deshalb mit dir vers\u00e4umt w\u00fcrde. Sage es mir! Die S\u00fcnde wird so schwer nicht sein, ich will dich davon lossprechen. Was h\u00fclfe es auch, wenn ich b\u00f6se w\u00fcrde? Ich darf doch die Beichte nicht offenbaren.\u00ab Da sagte Eulenspiegel: \u00bbSo will ich das wohl beichten.\u00ab Die S\u00fcnde sei auch nicht so schwer. Sondern ihm sei es nur leid, dass der Pfarrer zornig werden w\u00fcrde, denn es betr\u00e4fe ihn. Da verlangte es den Pfarrer noch mehr, es zu wissen. Und er sprach: wenn er ihm etwas gestohlen, sonst etwas angetan, ihn gesch\u00e4digt habe oder was es auch sei, Eulenspiegel m\u00f6ge es ihm beichten. Er wolle es ihm vergeben und ihn nimmer darum hassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel sprach: \u00bbAch, lieber Herr, ich wei\u00df, Ihr werdet mir darum z\u00fcrnen. Doch ich f\u00fchle und f\u00fcrchte, dass ich bald von hinnen ihnen scheiden muss. Ich will es Euch sagen. Gott wei\u00df, ob Ihr zornig oder b\u00f6se werdet. Lieber Herr, das ist es: ich habe bei Eurer Magd geschlafen.\u00ab Der Pfaffe fragte, wie oft das geschehen sei. Eulenspiegel antwortete: \u00bbNur f\u00fcnfmal.\u00ab Der Pfaffe dachte: daf\u00fcr soll sie f\u00fcnf Hiebe bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Er absolviertes Eulenspiegel sogleich, ging in die Kammer und lie\u00df seine Magd zu sich kommen. Er fragte sie, ob sie bei Eulenspiegel geschlafen habe. Die K\u00f6chin sprach nein, das sei gelogen. Der Pfaffe sagte, Eulenspiegel habe es ihm doch gebeichtet, und er glaube es ihm auch. Die Haush\u00e4lterin sprach: \u00bbNein&#8220;, der Pfaffe sprach: \u00bbJa\u00ab und erwischte einen Stecken und schlug sie braun und blau. Eulenspiegel lag im Bett, lachte und dachte bei sich selbst: Nun will das Spiel gut werden und ein rechtes Ende nehmen. Und er lag den ganzen Tag so.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Nacht aber wurde er gesund, stand des Morgens auf und sprach, es gehe ihm besser, er m\u00fcsse in ein anderes Land. Der Pfarrer m\u00f6ge berechnen, was er w\u00e4hrend der Krankheit verzehrt habe. Der Pfaffe rechnete mit ihm ab, war aber so irr in seinem Sinn, dass er nicht wusste, was er tat. Er berechnete Geld und nahm doch kein Geld und war mit allem zufrieden, wenn Eulenspiegel nur von dannen ritte. Ebenso ging es der K\u00f6chin, die um seinetwillen geschlagen worden war.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Eulenspiegel bereit war und gehen wollte, sprach er zu dem Pfaffen: \u00bbHerr, seid daran erinnert, dass Ihr die Beichte offenbart habt! Ich will nach Halberstadt zum Bischof gehn und ihm das von Euch berichten.\u00ab Der Pfaffe verga\u00df seinen Zorn, als er h\u00f6rte, dass Eulenspiegel ihn in Schwierigkeiten bringen wollte. Er fiel ihm zu F\u00fc\u00dfen und bat ihn mit gro\u00dfem Ernst zu schweigen. Es sei im J\u00e4hzorn geschehen. Er wolle ihm zwanzig Gulden geben, damit er ihn nicht anzeige. Eulenspiegel sprach: \u00bbNein, ich wollte nicht einmal hundert Gulden nehmen, um das zu verschweigen. Ich will gehen und es vorbringen, wie es sich geb\u00fchrt.\u00ab Der Pfaffe bat die Magd mit tr\u00e4nenden Augen, sie solle Eulenspiegel fragen, was er von ihm haben m\u00f6chte; das wolle er ihm geben. Schlie\u00dflich sagte Eulenspiegel, wenn der Pfaffe ihm sein Pferd geben wolle, so wolle er schweigen, und es solle ungemeldet bleiben. Er wolle aber nichts anderes nehmen als das Pferd. Der Pfaffe hatte das Pferd sehr gern und h\u00e4tte Eulenspiegel lieber seine ganze Barschaft gegeben, als von dem Pferde zu lassen. Und doch trennte er sich von ihm, wenn auch gegen seinen Willen, denn die Not brachte ihn dazu.<\/p>\n\n\n\n<p>Er gab Eulenspiegel das Pferd und lie\u00df ihn damit fortreiten. Also ritt Eulenspiegel mit des Pfaffen Pferd nach Wolfenb\u00fcttel. Als er auf den Stadtwall kam, stand der Herzog auf der Zugbr\u00fccke und sah Eulenspiegel mit dem Pferd daher traben. Sogleich zog der F\u00fcrst den Rock aus, den er Eulenspiegel versprochen hatte, ging zu ihm und sprach: \u00bbSchau her, mein lieber Eulenspiegel, hier ist der Rock, den ich dir versprochen habe!\u00ab Da sprang Eulenspiegel vom Pferd und sagte: \u00bbGn\u00e4diger Herr, hier ist Euer Pferd.\u00ab Er hatte sich den gro\u00dfen Dank des Herzogs verdient und musste ihm erz\u00e4hlen, wie er das Pferd von dem Pfaffen an sich gebracht hatte. Dar\u00fcber lachte der F\u00fcrst und war fr\u00f6hlich und gab Eulenspiegel ein anderes Pferd zu dem Rock.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Pfarrer aber trauerte um das Pferd und schlug die K\u00f6chin noch oft und heftig darum, so dass sie ihm entlief. Da war er ihrer beide ledig, des Pferdes und der Magd.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel in dem Dorfe Peine einem kranken Kinde zum Schei\u00dfen verhalf und gro\u00dfen Dank verdiente.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Recht bew\u00e4hrte Arznei scheut man zuweilen wegen eines kleinen Geldbetrages, und man muss den herumziehenden H\u00e4ndlern oft noch viel mehr geben. So geschah es einmal im Stift Hildesheim. Dahin kam einst auch Eulenspiegel, und zwar in eine Herberge, deren Wirt nicht daheim war. Eulenspiegel war dort gut bekannt. Die Wirtin hatte ein krankes Kind. Eulenspiegel fragte die Wirtin, was dem Kinde fehle und was es f\u00fcr eine Krankheit habe. Da sprach die Wirtin: \u00bbDas Kind kann nicht zu Stuhl gehen. K\u00f6nnte es zu Stuhl gehen, so w\u00fcrde es mit ihm besser werden.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbDa gibt es noch guten Rat.\u00ab Die Frau sprach, wenn er etwas dazu tun k\u00f6nne und dem Kinde h\u00fclfe, so wolle sie ihm geben, was er haben wolle. Eulenspiegel sagte, daf\u00fcr wolle er nichts nehmen, das sei ihm eine leichte Kunst: \u00bbWartet eine kleine Weile, es soll bald geschehen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Nun hatte die Frau hinten im Hof etwas zu tun und ging dorthin. Derweilen schiss Eulenspiegel einen gro\u00dfen Haufen an die Wand, stellte gleich des Kindes Kackst\u00fchlchen dar\u00fcber und setzte das kranke Kind darauf. Als die Frau wieder aus dem Hof zur\u00fcckkam, sah sie das Kind auf dem St\u00fchlchen sitzen und sprach \u00bbAch, wer hat das getan? \u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbDas habe ich getan. Ihr sagtet, das Kind k\u00f6nne nicht zu Stuhl gehn, also habe ich es darauf gesetzt.\u00ab Da wurde sie gewahr, was unter dem Stuhle lag, und sprach: \u00bbAch, lieber Eulenspiegel, seht her, das hat dem Kind im Leibe gelegen! Habt Dank, dass Ihr dem Kind geholfen habt!\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbVon dieser Arznei kann ich viel machen mit Gottes Hilfe.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frau bat ihn freundlich, dass er auch sie diese Kunst lehre, sie wolle ihm daf\u00fcr geben, was er haben wolle. Da sagte Eulenspiegel, dass er reisefertig sei. Wenn er aber wiederk\u00e4me, so wolle er sie die Kunst lehren.<\/p>\n\n\n\n<p>Er sattelte sein Pferd und ritt gen Rosentha1. Doch kehrte er wieder um, ritt wieder auf Peine zu und wollte hindurch reiten nach Celle. Da standen halbnackte Bankerte von der Burg und fragten Eulenspiegel, welchen Weg er daherk\u00e4me. Eulenspiegel sprach: \u00bbIch komme von Koldingen. \u00ab Denn er sah wohl, dass sie nicht viel anhatten. Sie sagten: \u00bbH\u00f6re, wenn du von Koldingen kommst, was l\u00e4sst uns denn der Winter sagen?\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbDer will euch nichts sagen lassen, er will euch selber ansprechen.\u00ab Und er ritt weiter und lie\u00df die halbnackten Buben stehn.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel sich bei einem Schmied verdingte und wie er ihm die B\u00e4lge in den Hof trug.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel kam nach Rostock im Lande Mecklenburg und verdingte sich dort als Schmiedegeselle. Der Schmied hatte eine Redensart: wenn der Geselle kr\u00e4ftig den Blasebalg treten sollte, sprach er: \u00bbHoho, folge mit den B\u00e4lgen nach!\u00ab Nun stand Eulenspiegel auf den B\u00e4lgen und blies. Da sprach der Schmied zu Eulenspiegel mit harten Worten: \u00bbHoho, folg mit den B\u00e4lgen nach!\u00ab Und mit diesen Worten ging er hinaus in den Hof und wollte sich seines Wassers entledigen. Also nahm Eulenspiegel den einen Balg auf den Nacken, folgte dem Meister nach in den Hof und sprach: \u00bbMeister, hier bring ich den einen Balg, wo soll ich ihn hintun? Ich will gehen und den anderen auch holen.\u00ab Der Meister sah sich um und sagte: \u00bbLieber Geselle, ich meinte es nicht so. Geh hin und leg den Balg wieder an seine Stelle, wo er vorher lag!\u00ab Das tat Eulenspiegel und trug ihn wieder an seinen Ort.<\/p>\n\n\n\n<p>Da \u00fcberlegte der Meister, wie er ihm das vergelten k\u00f6nnte, und wurde mit sich selber einig: f\u00fcnf Tage lang wollte er um Mitternacht aufstehen, den Gesellen wecken und ihn arbeiten lassen. So weckte er die Gesellen und lie\u00df sie schmieden. Eulenspiegels Mitgeselle begann zu fragen: \u00bbWas meint unser Meister damit, dass er uns so fr\u00fch weckt? Das pflegte er sonst nicht zu tun.\u00ab Da sprach Eulenspiegel: \u00bbWillst du, so will ich ihn fragen.\u00ab Der Geselle sagte ja. Nun sprach Eulenspiegel: \u00bbLieber Meister, wie geht es zu, dass Ihr uns so fr\u00fch weckt? Es ist erst Mitternacht.\u00ab Der Meister antwortete: \u00bbEs ist meine Art, dass zu Anfang meine Gesellen acht Tage auf meinen Betten nicht l\u00e4nger liegen sollen als eine halbe Nacht.\u00ab Eulenspiegel schwieg still, und sein Kumpan wagte nicht zu sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>In der n\u00e4chsten Nacht weckte sie der Meister wieder um Mitternacht. Da ging Eulenspiegels Mitgeselle zum Arbeiten. Eulenspiegel aber nahm das Bett und band es sich auf den R\u00fccken. Und als das Eisen hei\u00df war, kam er eilends vom Dachboden zum Amboss gelaufen und schlug mit zu, dass die Funken ins Bett stoben. Der Schmied sprach: \u00bbNun sieh doch, was tust du da? Bist du toll geworden? Mag das Bett nicht liegen bleiben, wo es liegen soll?\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbMeister, z\u00fcrnet nicht, es ist meine Art in der ersten Woche, dass ich eine halbe Nacht auf dem Bette liegen will, und die andere halbe Nacht soll das Bett auf mir liegen.\u00ab Der Meister wurde zornig und sprach zu ihm, er solle das Bett wieder dahin tragen, wo er es hergenommen habe. Und weiter sprach er zu ihm in j\u00e4hem \u00c4rger: \u00bbUnd geh mir da oben aus meinem Haus, du wahnwitziger Schalk!\u00ab Eulenspiegel sagte ja, ging auf den Dachboden und legte das Bett wieder dorthin, woher er es genommen hatte. Er holte eine Leiter, stieg in den Dachfirst, brach das Dach oben auf und ging auf die Dachlatten. Dann nahm er die Leiter, zog sie nach sich, setzte sie vom Dach aus auf die Stra\u00dfe, stieg hinab und ging davon.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schmied h\u00f6rte, dass er polterte, ging ihm mit dem anderen Gesellen auf den Dachboden nach und sah, dass Eulenspiegel das Dach aufgebrochen hatte und dadurch hinausgestiegen war. Da wurde er noch zorniger, suchte den Spie\u00df und lief aus dem Hause ihm nach. Der Geselle hielt den Meister zur\u00fcck und sprach zu ihm: \u00bbMeister, nicht also! Lasst Euch sagen: er hat doch nichts anderes getan, als was Ihr ihn gehei\u00dfen habt. Denn Ihr spracht zu ihm, er solle Euch da oben aus dem Hause gehn. Das hat er getan, wie Ihr seht.\u00ab Der Schmied lie\u00df sich belehren. Und was sollte er auch tun? Eulenspiegel war fort, und der Meister musste das Dach wieder flicken lassen und dessen zufrieden sein. Der Geselle sprach: \u00bbAn solchen Kumpanen ist nicht viel zu gewinnen. Wer Eulenspiegel nicht kennt, der habe nur mit ihm zu tun, dann lernt er ihn kennen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel einem Schmied H\u00e4mmer und Zangen und andres Werkzeug zusammenschmiedete.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als Eulenspiegel von dem Schmied kam, da ging es dem Winter entgegen, und der Winter war kalt. Es fror hart, und dazu kam eine teure Zeit, so dass viele Dienstleute ohne Arbeit waren. Und auch Eulenspiegel hatte kein Geld mehr zu verzehren. Da wanderte er weiter und kam in ein Dorf, wo auch ein Schmied wohnte. Der nahm ihn als Schmiedegeselle auf. Eulenspiegel hatte zwar keine gro\u00dfe Lust, dort als Schmiedegeselle zu bleiben; doch der Hunger und des Winters Not zwangen ihn dazu. Er dachte: halte aus, was du aushalten kannst; so lange, bis der Finger wieder in die lockere Erde geht, tu, was der Schmied will. Der Schmied wollte ihn wegen der teuren Zeit nicht gern aufnehmen. Da bat Eulenspiegel den Schmied, dass er ihm zu arbeiten gebe. Er wolle alles tun, was der Schmied wolle, und dazu essen, was sonst niemand essen wolle.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schmied war ein geiziger Mann, dazu spottlustig. Er dachte: nimm ihn auf, versuche es mit ihm acht Tage lang, in dieser Zeit kann er dich nicht arm essen. Des Morgens begannen sie zu schmieden. Der Schmied trieb Eulenspiegel heftig an, mit dem Hammer und mit den B\u00e4lgen zu arbeiten, bis es Mittag und Zeit zum Essen wurde. Im Hof hatte der Schmied einen Abtritt. Als sie zu Tisch gehen wollten, nahm der Schmied Eulenspiegel, f\u00fchrte ihn zum Abtritt in den Hof und sagte dort zu ihm: \u00bbSieh her, du sprachst, du wolltest essen, was niemand essen wolle, damit ich dir zu arbeiten gebe. Dies mag niemand essen, das iss du nun alles!\u00ab Und er ging in das Haus, a\u00df etwas und lie\u00df Eulenspiegel bei dem Abtritt stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel schwieg still und dachte: Du hast dich verrannt, du hast solches und B\u00f6seres vielen anderen Leuten getan. Mit dem Ma\u00dfe wird dir nun wieder gemessen. Doch wie willst du ihm das heimzahlen? Denn heimgezahlt muss es werden, und w\u00e4re der Winter noch so hart.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel arbeitete allein bis an den Abend. Da gab der Schmied ihm etwas zu essen, denn er hatte den Tag \u00fcber gefastet. Und es ging ihm nicht aus dem Kopf, dass der Schmied ihn zum Abort gewiesen hatte. Als Eulenspiegel zu Bett gehen wollte, sprach der Schmied zu ihm: \u00bbSteh morgen auf, die Magd soll den Blasebalg ziehen, und schmiede eins nach dem anderen, was du hast, und haue Hufn\u00e4gel ab, solange bis ich aufstehe.\u00ab Da ging Eulenspiegel schlafen. Und als er aufstand, dachte er, er wolle es ihm heimzahlen, und sollte er bis an die Knie im Schnee laufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Er machte ein heftiges Feuer, nahm die Zange, schwei\u00dfte sie an den Sandl\u00f6ffel und f\u00fcgte sie so zusammen. Desgleichen tat er mit zwei H\u00e4mmern, dem Feuerspie\u00df und dem Speerhaken. Dann nahm er das Gef\u00e4\u00df, in dem die Hufn\u00e4gel lagen, sch\u00fcttete sie heraus, hieb ihnen die K\u00f6pfe ab und legte die K\u00f6pfe zusammen und die Stifte ebenfalls. Als er h\u00f6rte, dass der Schmied aufstand, nahm er seinen Schurz und ging hinweg.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schmied kam in die Werkstatt und sah, dass den Hufn\u00e4geln die K\u00f6pfe abgehauen und H\u00e4mmer und Zangen und anderes Werkzeug zusammengeschmiedet waren. Da wurde er sehr zornig und rief die Magd, wo der Geselle hingegangen sei. Die Magd sagte, er sei vor die T\u00fcr gegangen. Der Schmied fluchte und sprach: \u00bbEr ist gegangen als ein niedertr\u00e4chtiger Schalk. W\u00fcsste ich, wo er au\u00dferhalb des Ortes ist, ich wollte ihm nachreiten und ihm einen guten Schlag in das Genick geben.\u00ab Die Magd sagte: \u00bbEr schrieb etwas \u00fcber die T\u00fcr, als er wegging. Es ist ein Antlitz, das sieht aus wie eine Eule.\u00ab Denn Eulenspiegel hatte diese Gewohnheit: wo er eine B\u00fcberei tat und man ihn nicht kannte oder seinen Namen nicht wusste, da nahm er Kreide oder Kohle, malte \u00fcber die T\u00fcr eine Eule und einen Spiegel und schrieb dar\u00fcber auf Lateinisch: \u00bbHic fuit\u00ab. Und das malte Eulenspiegel auch auf des Schmiedes T\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Schmied des Morgens aus dem Hause ging, da fand er das also, wie ihm die Magd gesagt hatte. Aber der Schmied konnte die Schrift nicht lesen. Da ging er zu dem Kirchherrn und bat ihn, dass er mitgehe und die Schrift \u00fcber seiner T\u00fcr lese. Der Kirchherr ging mit dem Schmied vor seine T\u00fcr und sah die Schrift und das Gemalte. Da sprach er zu dem Schmied: \u00bbDas bedeutet so viel als: Hier ist Eulenspiegel gewesen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kirchherr hatte viel von Eulenspiegel geh\u00f6rt und was dieser f\u00fcr ein Geselle war. Er schalt den Schmied, dass er es ihn nicht habe wissen lassen, weil er doch Eulenspiegel gern gesehen h\u00e4tte. Da wurde der Schmied b\u00f6se auf den Kirchherrn und sagte: \u00bbWie sollte ich Euch zu wissen tun, was ich selber nicht wusste? Doch ich wei\u00df nun wohl, dass er in meinem Hause gewesen ist; das sieht man gut an meinem Werkzeug. Aber dass er wiederkommt, daran ist mir wenig gelegen.\u00ab Und er nahm die Kohlenquaste, wischte alles \u00fcber der T\u00fcr aus und sagte: \u00bbIch will keines Schalkes Wappen an meiner T\u00fcr haben.\u00ab Da ging der Kirchherr von dannen und lie\u00df den Schmied stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber Eulenspiegel blieb aus und kam nicht wieder.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel einem Schmied, seiner Frau, seinem Knecht und seiner Magd je eine Wahrheit drau\u00dfen vor dem Hause sagte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>An einem Feiertag gelangte Eulenspiegel nach Wismar, als er von dem Schmied kam. Dort sah er vor einer Schmiede eine h\u00fcbsche Frau mit ihrer Magd stehn; das war die Frau des Schmiedes. Er kehrte in der Herberge gegen\u00fcber ein, Riss in der Nacht seinem Pferde alle vier Hufeisen ab und zog am anderen Tage vor die Schmiede. Und es wurde bekannt, dass er Eulenspiegel war. Als er vor die Schmiede kam und sie sehen konnten, dass es Eulenspiegel war, da kamen die Frau und die Magd vor das Haus auf die Diele, damit sie Eulenspiegels Tun h\u00f6ren und sehen konnten. Eulenspiegel fragte den Schmied, ob er ihm sein Pferd beschlagen wolle. Der Schmied bejahte, und es war ihm lieb, dass er mit Eulenspiegel reden konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Und unter vielen Worten sprach der Schmied zu ihm: wenn er ihm ein wahres Wort sagen k\u00f6nne, so wolle er seinem Pferd ein Hufeisen geben. Eulenspiegel sagte ja und sprach: \u00bbWenn Ihr habt Eisen und Kohlen \/ und Wind in den Balg holet, \/ so k\u00f6nnt Ihr wohl schmieden.\u00ab Der Schmied sagte: \u00bbDas ist wirklich wahr\u00ab und gab ihm ein Hufeisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Knecht schlug dem Pferd das Eisen auf und sprach zu Eulenspiegel am Notsta11: k\u00f6nne er ihm ebenfalls ein wahres Wort sagen, das ihn betreffe, so wolle auch er dem Pferd ein Hufeisen geben. Eulenspiegel sagte ja und sprach: \u00bbEin Schmiedeknecht und sein Gesell \/ m\u00fcssen beide kr\u00e4ftig zupacken, \/ wenn sie zu Werke gehen wollen.\u00ab Der Knecht sagte: \u00bbDas ist auch wahr\u00ab und gab ihm ein Hufeisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als das die Frau und die Magd sahen, dr\u00e4ngten sie sich herzu, damit sie auch mit Eulenspiegel ins Gespr\u00e4ch k\u00e4men. Sie fragten ihn, ob er ihnen beiden auch ein wahres Wort sagen k\u00f6nne, jede von ihnen wolle ihm ebenfalls ein Hufeisen geben. Eulenspiegel sagte wieder ja und sprach zu der Frau: \u00bbEine Frau, die viel vor der T\u00fcre steht \/ und bei der viel Wei\u00dfes im Auge zu sehn ist: \/ H\u00e4tte sie Zeit und Gelegenheit, \/ die w\u00e4r kein Fisch bis auf die Gr\u00e4ten.\u00ab Die Frau sprach: \u00bbDas ist wirklich wahr\u00ab und gab ihm ein Hufeisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Danach sagte er zu der Magd: \u00bbM\u00e4gdlein, wenn du issest, so h\u00fcte dich vor Rindfleisch. Dann brauchst du nicht in den Z\u00e4hnen zu stochern, und es tut dir auch der Bauch nicht weh.\u00ab Die Magd sprach: \u00bbEi, beh\u00fct uns Gott, was f\u00fcr ein wahres Wort das ist.\u00ab Und sie gab ihm auch ein Hufeisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Also ritt Eulenspiegel von dannen, und sein Pferd war ihm wohl beschlagen worden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel einem Schuhmacher diente und wie er ihn fragte, welche Formen er zuschneiden solle. Der Meister sprach: \u00bbGro\u00df und klein, wie es der Schweinehirt aus dem Tore treibt.\u00ab Also schnitt er zu Ochsen, K\u00fche, K\u00e4lber, B\u00f6cke usw. und verdarb das Leder.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Einst diente Eulenspiegel bei einem Schuhmacher. Der schlenderte viel lieber auf dem Markt umher, als dass er arbeitete. Er hie\u00df Eulenspiegel, Leder zuzuschneiden. Eulenspiegel fragte, was f\u00fcr eine Form er haben wolle. Der Schuhmacher sagte: \u00bbSchneide zu, gro\u00df und klein, wie es der Schweinehirt aus dem Dorf treibt.\u00abEulenspiegel sagte: \u00bbja, Meister, gern.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schuhmacher ging aus, und Eulenspiegel schnitt zu. Er machte von dem Leder Schweine, Ochsen, K\u00e4lber, Schafe, Ziegen, B\u00f6cke und allerlei Vieh. Der Meister kam des Abends heim und wollte sehen, was sein Geselle zugeschnitten hatte. Da fand er aus dem Leder diese Tiere geschnitten. Er wurde b\u00f6se und sprach zu Eulenspiegel: \u00bbWas hast du daraus gemacht? Warum hast du mir das Leder so unn\u00fctz zerschnitten?\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbLieber Meister, ich habe es gemacht, wie Ihr es gern habt.\u00ab Der Meister sprach: \u00bbDas l\u00fcgst du, ich wollte es nicht haben, dass du das Leder verderben solltest. Das habe ich dich nicht gehei\u00dfen.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbMeister, was ist die Ursache Eures Zornes? Ihr sagtet zu mir, ich solle von dem Leder zuschneiden klein und gro\u00df, wie es der Schweinehirt aus dem Tor treibt. Das habe ich getan, wie Ihr seht.\u00ab Der Meister sprach: \u00bbSo meinte ich das nicht. Ich meinte das so, dass es kleine und gro\u00dfe Schuhe sein sollten. Die solltest du n\u00e4hen, einen nach dem andern.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbH\u00e4ttet Ihr mich das so gehei\u00dfen, so h\u00e4tte ich das gern getan und tue es auch noch gern.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Nun, Eulenspiegel und sein Meister vertrugen sich wieder miteinander. Der Meister vergab ihm das Zuschneiden, denn Eulenspiegel gelobte ihm: er wolle es fortan so machen, wie der Meister es haben wolle und wie er es ihn hie\u00dfe. Da schnitt der Schuhmacher Sohlenleder zu, legte es vor Eulenspiegel hin und sagte: \u00bbSieh her, n\u00e4he die kleinen mit den gro\u00dfen, einen durch den andern.\u00ab Eulenspiegel sagte ja und fing an zu n\u00e4hen. Sein Meister z\u00f6gerte mit dem Ausgehen, wollte Eulenspiegel beobachten und sehen, wie er das machen wurde. Denn er hatte erkannt: was er ihn gehei\u00dfen hatte, das w\u00fcrde er hernach tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Und Eulenspiegel tat auch nach des Meisters Gebot. Er nahm einen kleinen Schuh und einen gro\u00dfen, steckte den kleinen in den gro\u00dfen und n\u00e4hte sie zusammen. Da der Meister wieder umherschlendern gehen wollte, war es ihm leid, was Eulenspiegel tun wollte und auch tat: er sah, dass Eulenspiegel einen Schuh durch den andern n\u00e4hte. Da sprach er: \u00bbDu bist mein rechter Geselle, du tust alles, was ich dich hei\u00dfe.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbWer tut, was man ihn hei\u00dft, der wird nicht geschlagen, was anderenfalls wohl m\u00f6glich ist.\u00ab Der Meister sprach: \u00bbja, mein lieber Geselle, das ist so: meine Worte waren also, nicht aber meine Meinung. Ich meinte, du solltest zuerst ein kleines Paar Schuhe machen und danach ein gro\u00dfes Paar. Oder die gro\u00dfen zuerst und die kleinen danach. Du tust nach den Worten, nicht nach der Meinung.\u00ab Und er wurde zornig, nahm ihm das zugeschnittene Leder weg und sagte: \u00bbSei vern\u00fcnftig, sieh her, da hast du anderes Leder; schneide Schuhe zu \u00fcber einen Leisten!\u00ab Und er dachte nicht mehr weiter dar\u00fcber nach, denn er musste ausgehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Meister ging seinem Gewerbe nach und war beinahe eine Stunde fort. Dann erst dachte er daran, dass er seinen Gesellen gehei\u00dfen hatte, die Schuhe \u00fcber einen Leisten zu schneiden. Er lie\u00df alle seine Gesch\u00e4fte stehn und liegen und lief eilig nach Hause. Eulenspiegel hatte derweilen gesessen, das Leder genommen und alles \u00fcber den kleinen Leisten geschnitten. Als der Meister kam, sah er, dass Eulenspiegel alle Schuhe \u00fcber den kleinen Leisten geschnitten hatte. Da sagte er zu ihm: \u00bbWie geh\u00f6rt der gro\u00dfe Schuh zu dem kleinen Leisten?&#8220; Eulenspiegel sprach: \u00bbJa, wollt Ihr das auch noch haben, so will ich das noch hernach machen und den gr\u00f6\u00dferen noch nachschneiden.\u00ab Der Meister sagte: \u00bbBesser k\u00f6nnte ich einen kleineren Schuh aus dem gr\u00f6\u00dferen zuschneiden, als einen gr\u00f6\u00dferen aus dem kleinen. Du nimmst nur einen Leisten und der andere Leisten wird nicht benutzt.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbWahrhaftig, Meister, Ihr hie\u00dfet mich, die Schuhe \u00fcber einen Leisten zuzuschneiden.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der Meister sprach: \u00bbIch hei\u00dfe dich wohl so lange etwas, bis ich mit dir an den Galgen laufen muss.\u00ab Und er sprach weiter, er solle ihm das Leder bezahlen, das er ihm verdorben habe; wo solle er anderes Leder hernehmen? Eulenspiegel sagte: \u00bbDer Gerber kann des Leders wohl mehr machen.\u00ab Dann stand er auf, ging zur T\u00fcr, kehrte sich auf der Schwelle noch einmal um und sprach: \u00bbKomm ich auch in dieses Haus nicht wieder, so bin ich doch hier gewesen.\u00ab Damit ging er zur Stadt hinaus.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel einem Schuhmacher in Wismar Dreck, der gefroren war, als Talg verkaufte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel hatte einmal einem Schuhmacher in Wismar beim Zuschneiden viel Leder verdorben und ihm damit gro\u00dfen Schaden angetan, so dass der gute Mann ganz traurig war. Das vernahm Eulenspiegel, und als er abermals nach Wismar kam, sprach er denselben Schuhmacher, dem er den Schaden zugef\u00fcgt hatte, wieder an: er w\u00fcrde eine Ladung Leder und Schmalz bekommen, die wolle er ihm zu einem vorteilhaften Kauf anbieten, damit ihm sein Schaden wieder ersetzt w\u00fcrde. Der Schuhmacher sagte: \u00bbJa, das tust du zu Recht, denn du hast mich zu einem armen Mann gemacht. Wenn du die Ware bekommst, so zeige mir das an.\u00ab Damit schieden sie voneinander.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun war es in der Winterszeit, und die Abdecker reinigten die heimlichen Gem\u00e4cher. Zu denen kam Eulenspiegel und versprach ihnen bares Geld, wenn sie ihm zw\u00f6lf Tonnen mit der Materie f\u00fcllten, die sie sonst ins Wasser zu fahren pflegten. Die Abdecker taten dies, f\u00fcllten ihm die Tonnen bis vier Finger unter den Rand und lie\u00dfen sie so lange stehn, bis sie hart gefroren waren. Dann holte Eulenspiegel sie ab. Sechs Tonnen begoss er oben dick mit Talg und schlug sie fest zu; die anderen sechs Tonnen begoss er mit Schmer und schlug auch sie fest zu. Er lie\u00df sie alle zum \u00bbG\u00fcldnen Stern\u00ab, seiner Herberge, fahren und gab dem Schuhmacher Nachricht. Als dieser kam, schlugen sie das Gut oben auf, und es gefiel dem Schuhmacher wohl. Sie einigten sich \u00fcber den Kauf dahin, dass der Schuhmacher Eulenspiegel f\u00fcr die Ladung 24 Gulden geben solle, davon 12 Gulden sogleich in bar, den Rest in einem Jahr.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel nahm das Geld und wanderte davon, denn er f\u00fcrchtete das Ende. Der Schuhmacher empfing sein Gut und war fr\u00f6hlich wie einer, der f\u00fcr einen Verlust entsch\u00e4digt worden ist. Und er suchte Hilfe, weil er am anderen Tag Leder schmieren wollte. Viele Schuhmacherknechte kamen zu ihm, weil sie gutes Essen und Trinken erwarteten, gingen ans Werk und begannen laut zu singen, wie es ihre Art ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie nun die Tonnen zum Feuer brachten und diese anfingen, warm zu werden, gewannen sie ihren nat\u00fcrlichen Geruch zur\u00fcck. Da sagte jeweils einer zum andern: \u00bbIch glaube, du hast in die Hosen geschissen.\u00ab Der Meister sprach: \u00bbEiner von Euch hat in den Dreck getreten. Wischt die Schuhe ab, es riecht \u00fcber alle Ma\u00dfen \u00fcbel.\u00ab Sie suchten alle umher, aber sie fanden nichts. Da begannen sie, das Schmalz in einen Kessel zu tun und wollten das Leder schmieren. Je tiefer sie kamen, um so \u00fcbler stank es. Zuletzt wurde ihnen alles klar, und sie lie\u00dfen die Arbeit stehn.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Meister und die Gesellen liefen, um Eulenspiegel zu suchen und ihn f\u00fcr den Schaden haftbar zu machen. Aber er war mit dem Geld hinweg und soll noch wiederkommen nach den andern 12 Gulden. Also musste der Schuhmacher seine Tonnen mit dem Talg zur Abfallgrube fahren und war so zu zweifachem Schaden gekommen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel in Einbeck ein Brauergeselle wurde und einen Hund, der Hopf hie\u00df, anstelle von Hopfen sott.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eifrig machte sich Eulenspiegel wieder an seine Arbeit. Zu einer Zeit, als in Einbeck sein Streich mit den Pflaumen, die er beschissen hatte, vergessen war, kam er wieder nach Einbeck und verdingte sich bei einem Bierbrauer. Da begab es sich, dass der Brauer zu einer Hochzeit gehen wollte. Er befahl Eulenspiegel, derweilen mit der Magd Bier zu brauen, so gut er k\u00f6nne. Sp\u00e4ter wolle er ihm zu Hilfe kommen. Vor allen Dingen solle er mit besonderem Eifer darauf achten, den Hopfen wohl zu sieden, damit das Bier davon einen kr\u00e4ftigen Geschmack bekomme, so dass er es gut verkaufen k\u00f6nne. Eulenspiegel sagte: \u00bbJa, gern\u00ab, er wolle sein Bestes tun. Damit ging der Brauer zusammen mit seiner Frau zur T\u00fcr hinaus.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel begann, t\u00fcchtig zu sieden. Die Magd unterwies ihn, denn sie verstand mehr davon als er. Als es nun soweit war, dass man den Hopfen sieden sollte, sprach die Magd: \u00bbAch, Lieber, den Hopfen siedest du wohl allein. Verg\u00f6nne mir, dass ich f\u00fcr eine Stunde weggehe und beim Tanzen zuschaue.\u00ab Eulenspiegel sagte ja und dachte: Geht die Magd auch weg, so hast du Gelegenheit zu einem Streich; was willst du nun diesem Brauer f\u00fcr eine Schalkheit antun?<\/p>\n\n\n\n<p>Nun hatte der Brauer einen gro\u00dfen Hund, der hie\u00df Hopf. Den nahm er, als das Wasser hei\u00df war, warf ihn hinein und lie\u00df ihn t\u00fcchtig darin sieden, dass ihm Haut und Haar abgingen und das ganze Fleisch von den Knochen fiel. Als die Magd dachte, dass es Zeit sei, heimzugehen und der Hopfen genug gekocht sei, kam sie und wollte Eulenspiegel helfen. Sie sagte: \u00bbSieh, mein lieber Bruder, der Hopfen hat genug gesiedet, lass ablaufen!\u00ab Als sie nun das Sieb versetzten und mit einer gro\u00dfen Kelle zu sch\u00f6pfen begannen, da sagte die Magd: \u00bbHast du auch Hopfen hinein getan? Ich merke noch nichts davon in meiner Kelle!\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbAuf dem Grund wirst du ihn finden.\u00ab Die Magd fischte danach, bekam das Gerippe auf die Kelle und begann laut zu schreien: \u00bbEi, beh\u00fcte mich Gott, was hast du darein getan? Der Henker trinke das Bier!\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbWie mich unser Brauer gehei\u00dfen hat, Hopf, unsern Hund.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrenddessen kam der Brauer betrunken nach Hause und sprach: \u00bbWas macht ihr, meine lieben Kinder, seid ihr guter Dinge?\u00ab Die Magd sagte: \u00bbIch wei\u00df nicht, was den Teufel wir tun. Ich ging eine halbe Stunde, dem Tanz zuzusehen, und hie\u00df unsern neuen Knecht, den Hopfen derweilen gar zu sieden. Da hat er unseren Hund gesotten, hier k\u00f6nnt Ihr noch sein R\u00fcckgrat sehen.\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbJa, Herr, Ihr habt mich das so gehei\u00dfen. Ist das nicht eine gro\u00dfe Plage? Ich tue alles, was man mich hei\u00dfet, aber ich kann keinen Dank verdienen. Welche Brauer man auch nehmen will: wenn ihr Gesinde nur die H\u00e4lfte von dem tut, was man es hei\u00dft, sind sie damit zufrieden.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Also nahm Eulenspiegel seine Entlassung, ging davon und verdiente nirgends gro\u00dfen Dank.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel sich bei einem Schneider verdingte und unter einer B\u00fctte n\u00e4hte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel kam nach Berlin und verdingte sich als Schneidergeselle. Als er in der Werkstatt sa\u00df, sagte der Meister zu ihm: \u00bbGeselle, wenn du n\u00e4hst, so n\u00e4he gut und n\u00e4he so, dass man es nicht sieht.\u00ab Eulenspiegel sagte ja, stand auf, nahm Nadel und Gewand und kroch damit unter eine B\u00fctte. Er steppte eine Naht \u00fcbers Knie und begann, dar\u00fcber zu n\u00e4hen. Der Schneider stand, sah das an und sprach zu ihm: \u00bbWas willst du tun? Das ist ein seltsames N\u00e4hwerk.\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbMeister, Ihr sagtet, ich sollte n\u00e4hen, dass man es nicht sieht; so sieht es niemand.\u00ab Der Schneider sprach: \u00bbNein, mein lieber Geselle, h\u00f6re auf und n\u00e4he nicht mehr also! Beginne so zu n\u00e4hen, dass man es sehen kann!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Das w\u00e4hrte etwa drei Tage. Da geschah es am sp\u00e4ten Abend, dass der Schneider m\u00fcde wurde und zu Bett gehen wollte. Ein grauer Bauernrock lag noch halb ungen\u00e4ht da. Den warf er Eulenspiegel zu und sagte: \u00bbSieh her, mach den Wolf fertig und geh danach auch zu Bett.\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbJa, geht nur, ich will es schon recht tun.\u00ab Der Meister ging zu Bett und dachte an nichts B\u00f6ses. Eulenspiegel nahm den grauen Rock, schnitt ihn auf und machte daraus einen Kopf wie von einem Wolf, dazu Leib und Beine und spreizte alles mit Stecken auseinander, dass es wie ein Wolf aussah. Dann ging er zu Bett.<\/p>\n\n\n\n<p>Des Morgens stand der Meister auf, weckte Eulenspiegel und fand den Wolf im Zimmer stehen. Der Schneider war best\u00fcrzt, doch sah er wohl, dass es ein nachgemachter Wolf war. Unterdessen kam Eulenspiegel dazu. Da sprach der Schneider: \u00bbWas, zum Teufel, hast du daraus gemacht?\u00ab Er sagte: \u00bbEinen Wolf, wie Ihr mich gehei\u00dfen habt.\u00ab Der Schneider sprach: \u00bbSolchen Wolf meinte ich nicht. Ich nannte nur den grauen Bauernrock einen Wolf.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbLieber Meister, das wusste ich nicht. H\u00e4tte ich aber gewusst, dass so Eure Meinung war, ich h\u00e4tte lieber den Rock gemacht als den Wolf.\u00ab Der Schneider gab sich damit zufrieden, denn es war einmal geschehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun ergab es sich nach vier Tagen, dass der Meister wieder abends m\u00fcde war und gerne zeitig geschlafen h\u00e4tte. Ihm d\u00fcnkte jedoch, es sei noch zu fr\u00fch, dass auch der Geselle zu Bett ging. Und es lag da ein Rock, der war fertig bis auf die \u00c4rmel. Der Schneider nahm den Rock und die losen \u00c4rmel, warf sie Eulenspiegel zu und sagte: \u00bbWirf noch die \u00c4rmel an den Rock und geh danach zu Bett.\u00ab Eulenspiegel sagte ja. Der Meister ging zu Bett, und Eulenspiegel hing den Rock an den Haken. Dann z\u00fcndete er zwei Lichter an, auf jeder Seite des Rockes ein Licht, nahm einen \u00c4rmel und warf ihn an den Rock, ging dann auf die andere Seite und warf den zweiten auch daran. Und wenn zwei Lichter heruntergebrannt waren, so z\u00fcndete er zwei andere an und warf die \u00c4rmel an den Rock die ganze Nacht bis an den Morgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da stand sein Meister auf und kam in das Zimmer, aber Eulenspiegel k\u00fcmmerte sich nicht um den Meister und warf weiter mit den \u00c4rmeln nach dem Rock. Der Schneider stand, sah das an und sprach: \u00bbWas, zum Teufel, machst du jetzt f\u00fcr ein Gaukelspiel?\u00ab Eulenspiegel sagte ganz ernst: \u00bbDas ist f\u00fcr mich kein Gaukelspiel, ich habe diese ganze Nacht gestanden und die widerspenstigen \u00c4rmel an diesen Rock geworfen, aber sie wollen daran nicht kleben. Es w\u00e4re wohl besser gewesen, dass Ihr mich h\u00e4ttet schlafen gehen hei\u00dfen, als dass Ihr mich hie\u00dfet, sie anzuwerfen. Ihr wusstet doch, dass es verlorene Arbeit war.\u00ab Der Schneider sprach: \u00bbIst das nun meine Schuld? Wusste ich, dass du das so verstehen wurdest? Ich meinte das nicht so, ich meinte, du solltest die \u00c4rmel an den Rock n\u00e4hen.\u00ab Da sagte Eulenspiegel: \u00bbDas soll Euch der Teufel lohnen! Pflegt Ihr ein Ding anders zu nennen, als Ihr es meint, wie k\u00f6nnt Ihr das zusammenreimen? H\u00e4tte ich Eure Meinung gewusst, so wollte ich die \u00c4rmel gut angen\u00e4ht haben und h\u00e4tte auch noch ein paar Stunden geschlafen. So m\u00f6gt Ihr nun den Tag sitzen und n\u00e4hen, ich will gehen und mich hinlegen und schlafen.\u00ab Der Meister sprach: \u00bbNein, nicht also, ich will dich nicht als einen Schl\u00e4fer unterhalten.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>So zankten sie miteinander. Und der Schneider sprach im Streit Eulenspiegel wegen der Lichter an: er solle ihm die Lichter bezahlen, die er ihm verbrannt h\u00e4tte. Da raffte Eulenspiegel seine Sachen zusammen und wanderte davon.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel drei Schneiderknechte von einem Fensterladen fallen lie\u00df und den Leuten sagte, der Wind habe sie herab geweht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend eines Marktes in Bernburg war Eulenspiegel wohl 14 Tage in einer Herberge. Dicht daneben wohnte ein Schneider, der hatte drei Knechte auf einem Laden sitzen, die dort sa\u00dfen und n\u00e4hten. Und wenn Eulenspiegel bei ihnen vorbeiging, spotteten sie \u00fcber ihn oder warfen ihm Fetzen nach. Eulenspiegel schwieg still und wartete auf einen Markttag, an dem der Markt voller Leute war. In der Nacht davor s\u00e4gte Eulenspiegel die Ladenpfosten unten ab, lie\u00df sie aber auf den untersten Steinen stehn. Des Morgens legten die Schneiderknechte den Laden auf die Pfosten, setzten sich darauf und n\u00e4hten.<\/p>\n\n\n\n<p>Als nun der Schweinehirt blies, damit jedermann seine Schweine austreiben lasse, da kamen auch des Schneiders Schweine aus seinem Hause, liefen unter das Fenster und begannen, sich an den Ladenpfosten zu reiben. Die Pfosten unter dem Fenster wurden von dem Reiben herausgedr\u00fcckt, so dass die drei Knechte von dem Fensterladen auf die Gasse purzelten. Eulenspiegel sah sie, und als sie fielen, begann er laut zu rufen: \u00bbSeht, seht! Der Wind weht drei Schneider vom Fenster!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und er rief so laut, dass man es \u00fcber den ganzen Markt h\u00f6rte. Die Leute liefen herzu, lachten und spotteten. Die Knechte sch\u00e4mten sich und wussten nicht, wie sie von dem Fensterladen heruntergekommen waren. Zuletzt wurden sie gewahr, dass die Ladenpfosten anges\u00e4gt waren, und merkten wohl, dass Eulenspiegel ihnen das angetan hatte. Sie schlugen andere Pf\u00e4hle ein und wagten nicht mehr, seiner zu spotten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel die Schneider im ganzen Sachsenlande zusammenrief; er wolle sie eine Kunst lehren, die ihnen und ihren Kindern zugutekommen solle.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine Zusammenkunft und eine Versammlung der Schneider schrieb Eulenspiegel aus in den wendischeu St\u00e4dten und im Lande Sachsen und besonders in den L\u00e4ndern Holstein, Pommern, Stettin und Mecklenburg, auch in L\u00fcbeck, Hamburg, Stralsund und Wismar. Er entbot ihnen in dem Brief gro\u00dfe Gunst. Sie sollten zu ihm kommen, er sei in der Stadt Rostock. Er wolle sie eine Kunst lehren, die ihnen und ihren Kindern zugutekommen solle f\u00fcr ewige Zeiten, solange die Welt st\u00fcnde. Die Schneider in den St\u00e4dten, Flecken und D\u00f6rfern schrieben einander, was ihre Meinung dazu sei. Alle schrieben, sie wollten zu einer bestimmten Zeit in die Stadt kommen. Als sie dort versammelt waren, verlangte jeder zu wissen, was das wohl sein m\u00f6chte, das Eulenspiegel ihnen sagen und welche Kunst er sie lehren wolle, nachdem er sie so eindringlich angeschrieben hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach ihrer Vereinbarung kamen sie alle zur bestimmten Zeit in Rostock zusammen. Viele Leute wunderten sich, was die Schneider da tun wollten. Als Eulenspiegel h\u00f6rte, dass ihm die Schneider Folge geleistet hatten, lie\u00df er sie zusammen kommen, bis sie alle beieinander waren. Da sprachen die Schneider Eulenspiegel an: sie seien seinem Schreiben zufolge hergekommen. Darin habe er erw\u00e4hnt, er wolle sie eine Kunst lehren, die ihnen und ihren Kindern zugutekommen solle, solange die Welt st\u00fcnde. Sie b\u00e4ten ihn, dass er sie f\u00f6rdere und die Kunst offenbare und verk\u00fcnde; sie wollten ihm auch ein Geschenk machen. Eulenspiegel sagte: \u00bbJa, kommt alle zusammen auf eine Wiese, dass ein jeder das von mir h\u00f6ren kann.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Sie kamen denn auch alle zusammen auf einem weiten Plan. Eulenspiegel stieg in ein Haus, sah da zum Fenster hinaus und sprach: \u00bbEhrbare M\u00e4nner des Handwerks der Schneider! Ihr sollt merken und verstehen: wenn ihr habt eine Schere, eine Elle, einen Faden und einen Fingerhut, dazu eine Nadel, so habt ihr Werkzeug genug zu euerm Handwerk. Das zu erlangen, ist euch keine Kunst, sondern es f\u00fcgt sich von selbst, wenn ihr euer Handwerk aus\u00fcbt. Aber diese Kunst lernt von mir und gedenket meiner dabei: Wenn ihr die Nadel eingef\u00e4delt habt, so vergesst nicht, an das andere Ende des Fadens einen Knoten zu machen, sonst macht ihr manchen Stich umsonst. So aber hat der Faden keine Gelegenheit, aus der Nadel zu entwischen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Schneider sah den andern an, und sie sprachen zueinander: \u00bbDiese Kunst wussten wir schon vorher und auch alle die andern Sachen, die er uns gesagt hat.\u00ab Und sie fragten Eulenspiegel, ob er nicht etwas mehr zu sagen habe. Denn solcher Faselei wollten sie nicht 10 oder 12 Meilen lang nachgezogen sein und zueinander Boten geschickt haben. Diese Kunst h\u00e4tten die Schneider lange gewusst, schon vor mehr als tausend Jahren. Darauf antwortete ihnen Eulenspiegel: \u00bbWas vor tausend Jahren geschehen ist, daran kann sich heute niemand mehr erinnern.\u00ab Auch sagte er: sei es ihnen nicht zu Willen und zu Dank, dann sollten sie es mit Unwillen und mit Undank aufnehmen; und jeder m\u00f6ge nur wieder dahingehen, woher er gekommen sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Da wurden die Schneider, die von weither gekommen waren, zornig auf ihn und w\u00e4ren ihm gern zu Leibe ger\u00fcckt, aber sie konnten nicht an ihn herankommen. Also gingen die Schneider wieder auseinander. Teilweise waren sie w\u00fctend und fluchten und waren ganz unwillig, weil sie den weiten Weg umsonst gegangen waren und sich nichts als m\u00fcde Beine geholt hatten. Die aber dort zu Hause waren, lachten und spotteten der anderen, dass sie sich so hatten \u00e4ffen lassen. Sie sagten, es sei ihre eigene Schuld, dass sie dem Landtoren und Narren geglaubt h\u00e4tten und ihm gefolgt seien. Denn sie h\u00e4tten doch seit langem gewusst, was Eulenspiegel f\u00fcr ein Vogel sei.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel an einem Feiertag Wolle schlug, weil der Tuchmacher ihm verboten hatte, am Montag zu feiern.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als Eulenspiegel nach Stendal kam, gab er sich als Wollweber aus. Eines Sonntags sagte der Wollweber zu ihm: \u00bbLieber Knecht, ihr Gesellen feiert gern am Montag. Wer das zu tun pflegt, den habe ich nicht gern in meinem Dienst; bei mir muss er die Woche durcharbeiten.\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbJa, Meister, das ist mir sehr lieb.\u00ab Da stand er am Montagmorgen auf und schlug Wolle, desgleichen am Dienstag. Das gefiel dem Wollweber wohl.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Mittwoch war ein Aposteltag, so dass sie feiern mussten. Aber Eulenspiegel tat, als ob er von dem Feiertag nichts w\u00fcsste, stand des Morgens auf, spannte eine Schnur und schlug Wolle, dass man es \u00fcber die ganze Stra\u00dfe h\u00f6rte. Der Meister fuhr sogleich aus dem Bett und sagte zu ihm: \u00bbH\u00f6r auf! H\u00f6r auf! Es ist heute ein Feiertag, wir d\u00fcrfen nicht arbeiten.\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbLieber Meister, Ihr k\u00fcndigtet mir doch am Sonntag keinen Feiertag an, sondern Ihr sagtet, ich solle die ganze Woche durcharbeiten.\u00ab Der Wollweber sprach: \u00bbLieber Geselle, das meinte ich nicht so. H\u00f6r auf und schlag keine Wolle mehr! Was du den Tag verdienen k\u00f6nntest, will ich dir gleichwohl geben.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel war damit zufrieden und arbeitete an diesem Tage nicht. Am Abend unterhielt er sich mit seinem Meister. Da sagte der Wollweber zu ihm, dass ihm das Wolleschlagen wohl gelinge, aber er m\u00fcsse die Wolle ein wenig h\u00f6her schlagen. Eulenspiegel sagte ja, stand des Morgens fr\u00fch auf, spannte den Bogen oben an die Latte und setzte eine Leiter daran. Er stieg hinauf und richtete es so ein, dass der Schlagstock bis oben auf die Darre hinaufreichte. Dann holte er unten von der Darre, die vom Fu\u00dfboden bis zum Dachboden reichte, Wolle nach oben und schlug sie, dass sie \u00fcber das Haus stob. Der Wollweber lag im Bett und h\u00f6rte schon am Schlag, dass Eulenspiegel es nicht richtig machte. Er stand auf und sah nach ihm. Eulenspiegel sprach: \u00bbMeister, was d\u00fcnkt Euch, ist das hoch genug?\u00ab Der Meister sagte zu ihm: \u00bbMeiner Treu! St\u00fcndest du auf dem Dach, so w\u00e4rst du noch h\u00f6her. Wenn du so die Wolle schlagen willst, so kannst du sie ebenso gut auf dem Dach sitzend schlagen, als dass du hier auf der Leiter stehst.\u00ab Damit ging er aus dem Haus in die Kirche.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel merkte sich die Rede, nahm den Schlagstock, stieg auf das Dach und schlug die Wolle auf dem Dache. Dessen wurde der Meister drau\u00dfen auf der Gasse gewahr, kam sogleich zur\u00fcckgelaufen und sprach: \u00bbWas, zum Teufel, machst du? H\u00f6r auf! Pflegt man die Wolle auf dem Dach zu schlagen?\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbWas sagt Ihr jetzt? Ihr spracht doch vorhin, es sei besser auf dem Dach als auf der Leiter, denn das sei noch h\u00f6her als die Balken!\u00ab Der Wollweber sprach: \u00bbWillst du Wolle schlagen, so schlage sie! Willst du Narretei treiben, so treibe sie! Steig von dem Dach und schei\u00df in die Darre.\u00ab Damit ging der Wollweber in das Haus und in den Hof.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel stieg eilig vom Dach, ging in das Haus in die Stube und schiss dort einen gro\u00dfen Haufen Dreck in die Darre. Der Wollweber kam aus dem Hof, sah, dass er in die Stube schiss, und sagte: \u00bbDass dir nimmer Gutes geschehe! Du tust, wie alle Sch\u00e4lke zu tun pflegen.\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbMeister, ich tue doch nichts anderes, als was Ihr mich gehei\u00dfen habt. Ihr sagtet, ich solle vom Dach steigen und in die Darre schei\u00dfen. Warum z\u00fcrnt Ihr darum? Ich tue, wie Ihr mich hei\u00dfer.\u00ab Der Wollweber sagte: \u00bbDu schissest mir wohl auf den Kopf, auch ungehei\u00dfen. Nimm den Dreck und trag ihn an einen Ort, wo ihn niemand haben will!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel sagte ja, nahm den Dreck auf ein St\u00fcck Holz und trug ihn in die Speisekammer. Da sprach der Wollweber: \u00bbLass ihn drau\u00dfen, ich will ihn nicht darin haben!\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbDass wei\u00df ich wohl, dass Ihr ihn da nicht haben wollt. Niemand will ihn da haben, aber ich tue, wie Ihr mich hei\u00dfet.\u00ab Der Wollweber wurde zornig, lief zum Stall und wollte Eulenspiegel ein Scheit Holz an den Kopf werfen. Da ging Eulenspiegel aus der T\u00fcre zum Haus hinaus und sagte: \u00bbKann ich denn nirgends Dank verdienen?\u00ab Der Wollweber wollte nun das Holz mit dem Dreck rasch ergreifen, aber er besudelte sich die Finger. Da lie\u00df er den Dreck fallen, lief zum Brunnen und wusch sich die H\u00e4nde. Inzwischen ging Eulenspiegel hinweg.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel sich bei einem K\u00fcrschner verdingte und bei ihm in der Stube furzte, damit ein Gestank den anderen vertriebe.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Einmal kam Eulenspiegel nach Aschersleben. Es war Wintersnot und teure Zeit. Er dachte: was willst du nun anfangen, um durch den Winter und die teure Zeit zu kommen? Es gab niemanden, der eines Gesellen bedurfte. Nur ein dort wohnender K\u00fcrschner wollte einen Gesellen annehmen, wenn einer von seinem Handwerk vorbeigewandert k\u00e4me. Da dachte Eulenspiegel: was willst du tun? Es ist Winter und dazu teure Zeit; du musst leiden, was du leiden kannst, und musst es eben die ganze Winterzeit \u00fcber aushalten. Und er verdingte sich bei dem K\u00fcrschner als Geselle.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er nun in der Werkstatt sa\u00df und Pelze n\u00e4hen wollte, da war er des Geruches ungewohnt und sagte: \u00bbPfui, pfui! Du bist so wei\u00df wie Kreide und stinkst so \u00fcbel wie Dreck!\u00ab Der K\u00fcrschner sagte: \u00bbRiechst du das nicht gern und setzt dich doch hierher? Dass es stinkt, das ist nat\u00fcrlich; es kommt von der Wolle, die das Schaf auf der Au\u00dfenseite des Felles hat.\u00ab Eulenspiegel schwieg und dachte: ein \u00dcbel pflegt das andere zu vertreiben. Und er lie\u00df einen so \u00fcbelriechenden Furz, dass sich der Meister und seine Frau die Nase zuhalten mussten. Der K\u00fcrschner sprach: \u00bbWas machst du? Willst du \u00fcble F\u00fcrze lassen, so geh aus der Stube in den Hof und furze, soviel du willst.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbDas ist f\u00fcr einen Menschen viel nat\u00fcrlicher und ges\u00fcnder als der Gestank von den Schaffellen.\u00ab Der K\u00fcrschner sprach: \u00bbDas sei gesund oder nicht, willst du furzen, so geh in den Hof!\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbMeister, das w\u00e4re vergeblich; alle F\u00fcrze wollen nicht gern in der K\u00e4lte sein, denn sie sind immer in der W\u00e4rme. Und um das zu beweisen: lasst einen Furz, er geht Euch gleich wieder in die Nase in die W\u00e4rme, aus der er gekommen ist.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der K\u00fcrschner schwieg. Er merkte wohl, dass er genarrt wurde, und gedachte, Eulenspiegel nicht lange zu behalten. Dieser sa\u00df danach ruhig da, n\u00e4hte, r\u00e4usperte sich, spuckte aus und hustete die Haare aus dem Munde. Der K\u00fcrschner sa\u00df, sah ihn an und schwieg, bis sie abends gegessen hatten. Da sprach der Meister zu ihm: \u00bbLieber Geselle, ich sehe wohl, dass du bei diesem Handwerk nicht gern bist. Mich d\u00fcnkt, du seiest kein rechter K\u00fcrschnergeselle. Das merke ich an deinem Gebaren. Oder du bist nicht lange bei der K\u00fcrschnerei gewesen, denn du bist die Arbeit nicht gewohnt. H\u00e4ttest du dabei auch nur vier Tage geschlafen, so ekeltest du dich nicht so dar\u00fcber und fragtest auch nicht danach, und es w\u00e4re dir nicht so zuwider. Darum, mein lieber Geselle, hast du keine Lust, hier zu bleiben, so kannst du morgen dahin gehen, wo dein Pferd steht.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbLieber Meister, Ihr sprecht die Wahrheit, ich bin noch nicht lange dabei gewesen. Wenn Ihr mir nun gestatten wollt, vier N\u00e4chte bei den Pelzen zu schlafen, damit ich ihrer gewohnt werde, dann sollt Ihr sehen, was ich leisten kann.\u00ab Damit war der K\u00fcrschner einverstanden, denn er bedurfte seiner, und Eulenspiegel konnte auch gut n\u00e4hen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel bei einem K\u00fcrschner in trocknen und nassen Pelzen schlief, wie ihn der K\u00fcrschner gehei\u00dfen hatte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der K\u00fcrschner ging fr\u00f6hlich mit seiner Hausfrau zu Bett. Eulenspiegel nahm die zubereiteten Felle, die auf den Trockengestellen hingen &#8211; er nahm die trockenen Felle, die gegerbt waren, und die nassen &#8211; und trug sie auf dem Dachboden zusammen. Er kroch mitten hinein und schlief bis an den Morgen. Da stand der Meister auf und sah, dass die Felle von den Gestellen weg waren. Er lief hastig auf den Dachboden und wollte Eulenspiegel fragen, ob er nichts von den Fellen w\u00fcsste. Doch er fand Eulenspiegel nicht, sah aber, dass die trockenen und die nassen Pelze auf dem Dachboden ganz durcheinander auf einem gro\u00dfen Haufen lagen. Da wurde er sehr bek\u00fcmmert und rief mit weinender Stimme die Magd und die Frau.<\/p>\n\n\n\n<p>Von dem Rufen erwachte Eulenspiegel, fuhr aus den Pelzen empor und sagte: \u00bbLieber Meister, was ist mit Euch, dass Ihr so heftig ruft?\u00ab Der K\u00fcrschner verwunderte sich und wusste nicht, was in dem Haufen von Fellen und Pelzen war. Er sprach: \u00bbWo bist du?\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbHier bin ich.\u00ab Der Meister sprach: \u00bbDass dir nimmer Gl\u00fcck zuteilwerde! Hast du mir die Pelze von den Gestellen genommen, die trocknen Felle und die nassen aus dem Kalk, sie hier zusammengelegt und verdirbst mir die einen mit den andern? Was ist das f\u00fcr ein Unsinn?\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbWarum, Meister, werdet Ihr darum b\u00f6se? Ich habe doch nicht mehr als eine Nacht darin gelegen! Ihr w\u00fcrdet viel b\u00f6ser sein, wenn ich die ganzen vier N\u00e4chte darin geschlafen h\u00e4tte, von denen Ihr gestern abend spracht, da ich des Handwerks nicht gewohnt sei.\u00ab Der K\u00fcrschner sagte: \u00bbDu l\u00fcgst wie ein b\u00f6ser Schalk! Ich habe dich nicht gehei\u00dfen, mir die fertigen Pelze auf den Dachboden zu tragen, die nassen Felle aus der Beize zu holen, sie zusammenzulegen und darin zu schlafen!\u00ab Und er suchte einen Kn\u00fcttel und wollte ihn schlagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Derweilen eilte Eulenspiegel die Stiege herab und wollte zur T\u00fcr hinauslaufen. Aber die Frau und die Magd kamen vor die Treppe und wollten ihn festhalten. Da rief er ungest\u00fcm: \u00bbLasst mich nach dem Arzt gehn, mein Meister hat ein Bein gebrochen!\u00ab Also lie\u00dfen sie ihn gehen. Sie liefen die Stiege hinauf, und der Meister kam die Stiege herunter, Eulenspiegel hastig nachlaufend. Er strauchelte und riss Frau und Magd im Fallen mit zu Boden, so dass sie alle drei beieinander lagen. Da lief Eulenspiegel zur T\u00fcr hinaus und lie\u00df sie im Haus zusammen zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel in Berlin einem K\u00fcrschner W\u00f6lfe statt Wolfspelze machte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sehr schlaue und kluge Leute sind die Schwaben. Wo die zuerst hinkommen und kein Auskommen finden, da verdirbt ein anderer ganz. Doch sind etliche von ihnen mehr den Bierkr\u00fcgen und dem Saufen zugeneigt als ihrer Arbeit. Deshalb liegen ihre Werkst\u00e4tten oft w\u00fcst usw.<\/p>\n\n\n\n<p>Einmal wohnte ein K\u00fcrschner in Berlin, der war in Schwaben geboren und in seinem Gewerbe sehr kunstreich. Er hatte auch gute Einf\u00e4lle, war reich und unterhielt eine eintr\u00e4gliche Werkstatt. Denn er z\u00e4hlte zu seinem Kundenkreis den F\u00fcrsten des Landes, die Ritterschaft und viele gute Leute und B\u00fcrger. Nun begab es sich, dass der F\u00fcrst des Landes zur Winterszeit ein gro\u00dfes Turnier mit Rennen und Stechen abhalten wollte, wozu er seine Ritterschaft und andere Herren einlud. Da keiner als altmodisch gelten wollte, wurden zu dieser Zeit viele Wolfspelze bei dem genannten K\u00fcrschner bestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das bemerkte Eulenspiegel, kam zu dem Meister und bat ihn um Arbeit. Der Meister, der zu dieser Zeit des Gesindes bedurfte, war froh \u00fcber sein Kommen und fragte ihn, ob er auch W\u00f6lfe machen k\u00f6nne. Eulenspiegel sagte ja, darin sei er nicht als der schlechteste im Sachsenland bekannt. Der K\u00fcrschner sprach: \u00bbLieber Geselle, du kommst mir eben recht. Komm her, \u00fcber den Lohn werden wir uns wohl einigen.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbJa, Meister, ich halte Euch f\u00fcr so redlich; Ihr sollt selbst den Lohn bestimmen, wenn Ihr meine Arbeit seht. Ich arbeite aber nicht bei den anderen Gesellen; ich muss allein sein, nur so kann ich meine Arbeit nach meinem Kopf und unbeirrt tun.\u00ab Da gab ihm der K\u00fcrschner ein St\u00fcbchen und legte ihm viele Wolfsh\u00e4ute vor, die geh\u00e4rt und zu Pelzen zugerichtet waren. Und er gab ihm die Ma\u00dfe von etlichen Pelzen, gro\u00dfen und kleinen. Da begann Eulenspiegel, sich mit den Wolfsfellen an die Arbeit zu machen. Er schnitt sie zu, machte aus allen Fellen nichts als W\u00f6lfe, f\u00fcllte sie mit Heu und gab ihnen Beine von Stecken, als ob sie lebten.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er nun die Felle alle verschnitten und nur W\u00f6lfe daraus gemacht hatte, sprach er: \u00bbMeister, die W\u00f6lfe sind fertig. Ist noch mehr zu tun?\u00ab Der Meister sagte: \u00bbJa, mein Geselle, n\u00e4he W\u00f6lfe, so viel du nur immer kannst.&#8220; Damit ging er hinaus in Eulenspiegels Stube. Da lagen die W\u00f6lfe auf der Erde, kleine und gro\u00dfe. Die sah der Meister an und sagte: \u00bbWas soll das sein? Dass dich das Fieber sch\u00fcttle! Was hast du mir f\u00fcr einen gro\u00dfen Schaden getan! Ich will dich einsperren und bestrafen lassen.\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbMeister, ist das mein Lohn und Dank? Ich habe das nach Euren eigenen Worten gemacht. Ihr hie\u00dfet mich doch, W\u00f6lfe zu machen. H\u00e4ttet Ihr gesagt: \u203aMach mir Wolfspelze! \u2039, so h\u00e4tte ich das auch getan. Und h\u00e4tte ich gewusst, dass ich nicht mehr Dank verdienen w\u00fcrde, ich h\u00e4tte so gro\u00dfen Flei\u00df nicht darauf verwendet.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Also schied Eulenspiegel von Berlin, lie\u00df nirgends einen guten Ruf zur\u00fcck und zog nach Leipzig.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel in Leipzig den K\u00fcrschnern eine lebende Katze in ein Hasenfell n\u00e4hte und sie in einem Sack als lebendigen Hasen verkaufte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel konnte sich schnell einen guten Streich ausdenken, was er den K\u00fcrschnern in Leipzig am Fastnachtsabend bewies, als sie zusammen ihr Zechgelage abhielten. Diesmal h\u00e4tten sie gern Wildbret dazu gehabt. Das vernahm Eulenspiegel und dachte in seinem Sinn: der K\u00fcrschner in Berlin hat dir nichts f\u00fcr deine Arbeit gegeben; das sollen dir diese K\u00fcrschner bezahlen. Also ging er in seine Herberge. Dort hatte sein Wirt eine sch\u00f6ne, fette Katze. Diese nahm Eulenspiegel unter seinen Rock und bat den Koch um ein Hasenfell, er wolle damit einen h\u00fcbschen Schelmenstreich ausf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Koch gab ihm ein Hasenfell, darin n\u00e4hte Eulenspiegel die Katze ein. Dann zog er Bauernkleider an, stellte sich vor das Rathaus und hielt sein Wildbret so lange unter der Joppe verborgen, bis einer der K\u00fcrschner daherkam. Den fragte Eulenspiegel, ob er nicht einen guten Hasen kaufen wolle und lie\u00df ihn den Hasen unter der Joppe sehen. Da einigten sie sich, dass er ihm vier Silbergroschen f\u00fcr den Hasen gab und sechs Pfennige f\u00fcr den alten Sack, in dem der Hase steckte. Den trug der K\u00fcrschner in seines Zunftmeisters Haus, wo sie beieinander waren mit gro\u00dfem L\u00e4rmen und viel Fr\u00f6hlichkeit, und sagte, dass er den sch\u00f6nsten lebendigen Hasen gekauft habe, den er seit Jahren gesehen habe. Alle betasteten ihn der Reihe nach.<\/p>\n\n\n\n<p>Da sie nun den Hasen erst zur Fastnacht haben wollten, lie\u00dfen sie ihn in einem eingez\u00e4unten Grasgarten umherlaufen, holten Jagdhunde und wollten Kurzweil bei der Hasenjagd haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Als nun die K\u00fcrschner zusammenkamen, lie\u00dfen sie den Hasen los und die Hunde dem Hasen nachlaufen. Da der Hase nicht schnell laufen konnte, sprang er auf einen Baum, rief: \u00bbMiau!\u00ab und w\u00e4re gern wieder zu Hause gewesen. Als das die K\u00fcrschner vernahmen, riefen sie ungest\u00fcm: \u00bbKommt, kommt! Lauft schnell, ihr lieben, guten Zunftgenossen! Der uns mit der Katze ge\u00e4fft hat: schlagt ihn tot!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei blieb es aber. Denn Eulenspiegel hatte seine Kleider ausgezogen und sich so ver\u00e4ndert, dass sie ihn nicht erkannten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel in Braunschweig auf dem Damme einem Ledergerber Leder sott mit St\u00fchlen und B\u00e4nken.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als Eulenspiegel von Leipzig wegreiste, kam er nach Braunschweig zu einem Gerber, der Leder f\u00fcr die Schuhmacher gerbte. Es war Winterszeit, und Eulenspiegel dachte: du sollst es bei diesem Gerber diesen Winter aushalten. Und er verdingte sich bei dem Gerber als Geselle. Als er nun acht Tage bei dem Gerber gewesen war, da f\u00fcgte es sich, dass der Gerber als Gast essen wollte. Eulenspiegel sollte an diesem Tag Leder gar machen. Da sagte der Gerber zu Eulenspiegel: \u00bbSiede den Zuber voll Leder gar!\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbJa, was soll ich f\u00fcr Holz dazu nehmen?\u00ab Der Gerber sagte: \u00bbWas soll diese Frage? Wenn ich kein Holz in den Holzstapeln h\u00e4tte, so h\u00e4tte ich wohl noch so viele St\u00fchle und B\u00e4nke, womit du das Leder gar machen k\u00f6nntest.\u00ab Eulenspiegel sagte ja, es sei gut.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gerber ging zu Gast. Eulenspiegel h\u00e4ngte einen Kessel \u00fcbers Feuer, steckte das Leder hinein, eine Haut nach der andern, und sott das Leder sogar, dass es unter den Fingern zerfiel. W\u00e4hrend Eulenspiegel das Leder gar sott, zerschlug er alle St\u00fchle und B\u00e4nke, die im Hause waren, steckte sie unter den Kessel und sott das Leder noch mehr. Als das geschehen war, nahm er das Leder aus dem Kessel und legte es auf einen Haufen. Dann ging er aus dem Hause vor die Stadt und wanderte hinweg.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gerber dachte an nichts B\u00f6ses, trank den ganzen Tag und ging des Abends trunken zu Bett. Am Morgen verlangte ihn zu wissen, wie sein Geselle das Leder gegerbt hatte. Er stand auf und ging in das Gerb Haus. Da fand er das Leder \u00fcbergar gesotten und in Haus und Hof weder B\u00e4nke noch St\u00fchle. Er wurde ganz verzweifelt, ging in die Kammer zu seiner Frau und sprach: \u00bbFrau, hier ist Schlimmes zu sehen! Ich glaube, unser Geselle ist Eulenspiegel gewesen, denn er pflegt alles das zu tun, was man ihn hei\u00dfet. Er ist hinweg, hat aber alle unsere St\u00fchle und B\u00e4nke ins Feuer geworfen und das Leder damit zersotten.&#8220; Die Frau fing an zu weinen und sagte: \u00bbFolge ihm geschwind und eilig nach und hole ihn wieder zur\u00fcck!\u00ab Der Gerber sprach: \u00bbNein, ich begehre seiner nicht wieder. Er bleibe nur aus, bis ich nach ihm schicke.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel in L\u00fcbeck den Weinz\u00e4pfer betrog, als er ihm eine Kanne Wasser f\u00fcr eine Kanne Wein gab.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel sah sich kl\u00fcglich vor, als er nach L\u00fcbeck kam, und verhielt sich geb\u00fchrlich, damit er dort niemandem einen Streich spielte, denn es herrschte in L\u00fcbeck ein strenges Recht. Nun war zu der Zeit im Ratskeller in L\u00fcbeck ein Weinz\u00e4pfer, der war ein sehr hochm\u00fctiger und stolzer Mann. Ihn d\u00fcnkte, niemand sei so klug wie er. Er war dreist genug, von sich selber zu sagen und von sich sagen zu lassen: ihn gel\u00fcste es, den Mann zu sehen, der ihn betr\u00fcgen und in seiner Klugheit \u00fcberlisten k\u00f6nne. Darum war er bei vielen B\u00fcrgern unbeliebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Als nun Eulenspiegel von diesem \u00dcbermut des Weinz\u00e4pfers h\u00f6rte, konnte er den Schalk nicht l\u00e4nger verbergen und dachte: das musst du versuchen, was er kann. Und er nahm zwei Kannen, die beide gleich waren, und goss in eine Kanne Wasser und lie\u00df die andere Kanne leer. Die Kanne, in der das Wasser war, trug er unter dem Rock verborgen, die leere trug er offen. Mit den Kannen ging er in den Weinkeller und lie\u00df sich ein Ma\u00df Wein einmessen. Die Kanne mit dem Wein nahm er unter den Rock, zog die Kanne mit dem Wasser hervor und setzte sie auf die Zapfbank, ohne dass es der Weinz\u00e4pfer sah. Dann sprach er: \u00bbWeinz\u00e4pfer, was kostet das Ma\u00df Wein?\u00ab Der Weinz\u00e4pfer sagte: \u00bbZehn Pfennige.\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbDer Wein ist mir zu teuer, ich habe nicht mehr als sechs Pfennige, kann ich ihn daf\u00fcr haben?\u00ab Der Weinz\u00e4pfer wurde zornig und sagte: \u00bbWillst du meinen Ratsherren den Weinpreis vorschreiben? Das ist hier ein Kauf nach festgesetzten Preisen. Wem das nicht gef\u00e4llt, der lasse den Wein im Ratskeller.\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbDas muss ich wohl lernen. Ich habe sechs Pfennige, wollt Ihr die nicht, so gie\u00dft den Wein wieder aus!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da nahm der Weinz\u00e4pfer in seinem Zorn die Kanne und meinte, es sei der Wein. Aber es war das Wasser, und er goss es oben zum Spundloch wieder hinein und sprach: \u00bbWas bist du f\u00fcr ein Tor! L\u00e4ssest dir Wein einmessen und kannst ihn nicht bezahlen!\u00ab Eulenspiegel nahm die Kanne, ging hinaus und sagte: \u00bbIch sehe wohl, dass du ein Tor bist. Es ist niemand so klug, dass er nicht von Toren betrogen w\u00fcrde, auch wenn er ein Weinz\u00e4pfer ist.\u00ab Und damit ging er hinweg. Die Kanne mit dem Wein trug er unter dem Mantel, und die leere Kanne, in der das Wasser gewesen war, trug er offen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie man Eulenspiegel in L\u00fcbeck henken wollte und wie er mit behender Schalkheit davonkam.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Lambrecht, der Weinz\u00e4pfer, dachte \u00fcber die Worte nach, die Eulenspiegel sagte, als er den Keller verlie\u00df. Er ging hin, nahm sich einen Stadtw\u00e4chter, lief Eulenspiegel nach und holte ihn auf der Stra\u00dfe ein. Der B\u00fcttel griff ihn an, und sie fanden die zwei Kannen bei ihm, die leere Kanne und die Kanne, worin der Wein war. Da klagten sie ihn als einen Dieb an und f\u00fchrten ihn in das Gef\u00e4ngnis.<\/p>\n\n\n\n<p>Etliche meinten, er habe den Galgen verdient; etliche sprachen, es sei nicht mehr als ein ausgekl\u00fcgelter Streich, und sie meinten, der Weinz\u00e4pfer h\u00e4tte sich vorsehen sollen, denn er habe ja gesagt, dass ihn niemand betr\u00fcgen k\u00f6nne. Eulenspiegel habe das nur getan wegen der gro\u00dfen Vermessenheit des Weinz\u00e4pfers. Aber diejenigen, die Eulenspiegel nicht leiden konnten, sprachen, es sei Diebstahl, er m\u00fcsse deshalb h\u00e4ngen. So wurde \u00fcber ihn das Urteil gesprochen: Tod durch den Galgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Tag der Urteilsvollstreckung kam und man Eulenspiegel vor die Stadt f\u00fchren und henken sollte, da entstand eine l\u00e4rmende Unruhe \u00fcber die ganze Stadt. Jedermann war zu Ross oder zu Fu\u00df auf der Stra\u00dfe. Der Rat von L\u00fcbeck bef\u00fcrchtete, dass er um Freigabe des Gefangenen gebeten und veranlasst werde, Eulenspiegel nicht henken zu lassen. Etliche wollten sehen, was f\u00fcr ein Ende er n\u00e4hme, nachdem er ein so abenteuerlicher Mensch gewesen war. Andere meinten, er verst\u00fcnde etwas von der schwarzen Kunst und w\u00fcrde sich damit befreien. Aber der gr\u00f6\u00dfte Teil g\u00f6nnte ihm, dass er frei w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der Ausfahrt vor die Stadt war Eulenspiegel ganz still und sprach kein Wort, so dass sich jedermann \u00fcber ihn wunderte und meinte, er sei verzweifelt. Das dauerte bis an den Galgen. Da tat er den Mund auf, rief den ganzen Rat zu sich und bat ihn dem\u00fctig, ihm eine Bitte zu gew\u00e4hren. Er wolle weder um Leib noch um Leben bitten noch um Geld oder Gut; weder um sonst eine Wohltat, noch um ewige Messen, ewige Spenden oder ewiges Gedenken; sondern nur um eine geringe Sache, die ohne Schaden zu tun sei und die der ehrbare Rat von L\u00fcbeck leichtlich tun k\u00f6nne ohne einen Pfennig Kosten. Die Ratsherren traten zusammen und gingen zur Seite, um dar\u00fcber Rat zu halten. Und sie einigten sich, ihm seine Bitte zu gew\u00e4hren, nachdem er vorher ausdr\u00fccklich gesagt hatte, worum er nicht bitten wolle. Manche von ihnen verlangte es sehr zu erfahren, um was er bitten w\u00fcrde. Sie sprachen zu ihm: seine Bitte solle erf\u00fcllt werden, sofern er nichts von den Dingen erb\u00e4te, die er ausgenommen habe. Wenn er damit einverstanden sei, so wollten sie ihm seine Bitte gew\u00e4hren.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel sprach: \u00bbUm die Dinge, die ich vorhin aufgez\u00e4hlt habe, will ich Euch nicht bitten. Wollt Ihr mir aber das halten, worum ich Euch bitte, so best\u00e4tigt mir das durch Handschlag!\u00ab Das taten sie alle zusammen und gelobten ihm das mit Hand und Mund.<\/p>\n\n\n\n<p>Da sprach Eulenspiegel: \u00bbIhr ehrbaren Herren von L\u00fcbeck! Ihr habt es mir gelobt, und ich bitte um dies: Wenn ich gehenkt worden bin, sollen der Weinz\u00e4pfer und der Henker drei Tage lang jeden Morgen kommen, und zwar der Weinschenk zuerst und der Henker danach, und mich n\u00fcchtern k\u00fcssen mit dem Mund in den Arsch.\u00ab Da spuckten sie aus und sagten, das sei keine geziemende Bitte. Eulenspiegel sprach: \u00bbIch halte den ehrbaren Rat von L\u00fcbeck f\u00fcr so redlich, dass er h\u00e4lt, was er mir zugesagt hat mit Hand und Mund.\u00ab Sie gingen alle dar\u00fcber nochmals zu Rat, und aus Gnade und aus anderen zu seinen Gunsten sprechenden Gr\u00fcnden wurde beschlossen, ihn laufen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Also reiste Eulenspiegel von dannen nach Helmstedt, und man sah ihn nicht wieder in L\u00fcbeck.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel in Helmstedt eine gro\u00dfe Tasche machen lie\u00df.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit einer Tasche richtete Eulenspiegel eine weitere Schalkheit an. In Helmstedt wohnte ein Taschenmacher. Zu dem kam Eulenspiegel und fragte, ob er ihm eine gro\u00dfe, h\u00fcbsche Tasche machen wolle. Der Taschenmacher sprach: \u00bbJa, wie gro\u00df soll sie sein?\u00ab Eulenspiegel sagte, er m\u00f6chte sie gro\u00df genug haben. Denn zu der Zeit trug man gro\u00dfe Taschen, die breit und weit waren. Der Taschenmacher machte Eulenspiegel eine gro\u00dfe Tasche. Als er kam und sich die Tasche ansah, sprach er: \u00bbDie Tasche ist nicht gro\u00df genug. Das ist ein T\u00e4schlein. Macht mir eine, die gro\u00df genug ist, ich will sie Euch gut bezahlen.\u00ab Der Taschenmacher fertigte ihm eine Tasche von einer ganzen Kuhhaut an und machte sie so gro\u00df, dass man wohl ein einj\u00e4hriges Kalb h\u00e4tte hineinstecken k\u00f6nnen, so dass ein Mann daran zu tragen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Eulenspiegel dazukam, gefiel ihm die Tasche wiederum nicht, und er sprach, die Tasche sei nicht gro\u00df genug. Wolle er aber eine Tasche machen, die ihm gro\u00df genug sei, so wolle er ihm zwei Gulden als Anzahlung geben. Der Taschenmacher nahm die zwei Gulden und machte ihm eine Tasche, zu der er drei Ochsenh\u00e4ute nahm, so dass drei Mann vollauf zu tun hatten, sie auf einem Tragegestell zu tragen; man h\u00e4tte wohl einen Scheffel Korn hineinsch\u00fctten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Eulenspiegel kam, sprach er: \u00bbMeister, diese Tasche ist gro\u00df genug; aber die gro\u00dfe Tasche, die ich meine, das ist diese Tasche doch nicht. Ich will sie auch nicht haben, sie ist im Grunde noch zu klein. Wenn Ihr mir die gro\u00dfe Tasche machen wolltet, aus der ich immer einen Pfennig herausnehmen kann und zwei bleiben stets darin liegen, so dass ich niemals ohne Geld w\u00e4re und nie an den Boden der Tasche greifen kann: die w\u00fcrde ich Euch abkaufen und bezahlen. Die Taschen, die Ihr mir gemacht habt, das sind leere Taschen, die nutzen mir nichts. Ich muss volle Taschen haben, anders kann ich nicht zu den Leuten kommen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Damit ging er hin, lie\u00df dem Taschenmacher seine Taschen und sprach: \u00bbMeine Anzahlung f\u00fcr den Kauf kannst du behalten.\u00ab Und er lie\u00df ihm die zwei Gulden; der Taschenmacher hatte aber wohl f\u00fcr zehn Gulden Leder verschnitten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel in Erfurt einen Metzger um einen Braten betrog.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel konnte seine Schalkheit nicht lassen, als er nach Erfurt kam, wo er bald mit B\u00fcrgern und Studenten bekannt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Einmal ging er zu den Fleischb\u00e4nken, wo das Fleisch feilgeboten wurde. Da sprach ein Metzger ihn an, ob er nicht etwas kaufen wolle, das er mit sich nach Hause tr\u00fcge. Eulenspiegel sagte zu ihm: \u00bbWas soll ich mit mir nehmen?\u00ab Der Metzger sprach: \u00bbEinen Braten.\u00ab Eulenspiegel sagte ja, nahm einen Braten bei einem Ende und ging damit davon. Der Metzger lief ihm nach und sprach zu ihm: \u00bbNein, nicht so! Du musst den Braten bezahlen!\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbVon einer Bezahlung habt Ihr mir nichts gesagt, sondern Ihr sagtet, ob ich nicht etwas mit mir nehmen wolle.\u00ab Der Metzger habe auf den Braten gewiesen, damit er den mit sich nach Hause nehmen solle. Das wolle er mit des Metzgers Nachbarn beweisen, die dabeistanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die andern Metzger kamen dazu und sagten aus Hass, dass es wahr sei. Denn die andern waren dem Metzger feindlich gesonnen. Wenn jemand n\u00e4mlich zu ihnen kam und etwas kaufen wollte, rief er die Leute zu sich und zog sie damit von ihnen ab. Darum stimmten sie zu, dass Eulenspiegel den Braten behielte. W\u00e4hrend der Metzger also zankte, nahm Eulenspiegel den Braten unter den Rock, ging damit hinweg und lie\u00df sie sich dar\u00fcber einigen, so gut sie konnten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel in Erfurt einen Metzger noch einmal um einen Braten betrog.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nach acht Tagen kam Eulenspiegel wieder zu den Fleischb\u00e4nken. Da sprach derselbe Metzger Eulenspiegel mit Spottreden an: \u00bbKomm wieder her und hol dir einen Braten!\u00ab Eulenspiegel sagte ja und wollte nach dem Braten greifen. Da war der Metzger flink und nahm den Braten schnell an sich. Eulenspiegel sagte: \u00bbWarte, lass den Braten liegen, ich will ihn bezahlen.\u00ab Der Metzger legte den Braten wieder auf die Bank.<\/p>\n\n\n\n<p>Da sprach Eulenspiegel zu ihm: \u00bbWenn ich dir ein Wort sage, das dir von Nutzen ist, soll dann der Braten mein sein?\u00ab Der Metzger sagte: \u00bbDu k\u00f6nntest mir solche Worte sagen, die mir nichts n\u00fctzen. Du k\u00f6nntest mir aber auch Worte sagen, die mir von Nutzen sind, und dabei den Braten hinweg nehmen.\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbIch will den Braten nicht anr\u00fchren, wenn dir meine Worte nicht gefallen.\u00ab Und er sagte weiter: \u00bbIch spreche jetzt dies: \u203aWohlauf, her, mein S\u00e4ckel, und bezahle die Leute! \u2039 Wie gef\u00e4llt dir das? Gef\u00e4llt dir das etwa nicht?\u00ab Da sagte der Metzger: \u00bbDie Worte gefallen mir wohl, sie behagen mir sehr.\u00ab Da sprach Eulenspiegel zu denen, die umher standen: \u00bbLiebe Freunde, das h\u00f6rtet ihr wohl, also ist der Braten mein.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel nahm den Braten, ging damit hinweg und sagte sp\u00f6ttisch zu dem Metzger: \u00bbNun habe ich mir wieder einen Braten geholt, wie du mich ansprachst.\u00ab Der Metzger stand da und wusste nicht, was er darauf antworten sollte. Zweimal war er genarrt worden und hatte zu seinem Schaden den Spott seiner Nachbarn, die bei ihm standen und \u00fcber ihn lachten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel in Dresden ein Schreinerknecht wurde und nicht viel Dank verdiente.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Alsbald zog Eulenspiegel aus dem Lande Hessen nach Dresden vor dem B\u00f6hmerwald an der Elbe und gab sich als Schreinergeselle aus. Dort nahm ihn ein Schreiner auf, der einen Gesellen zur Aushilfe ben\u00f6tigte. Denn seine Gesellen hatten ausgedient und waren auf Wanderschaft gegangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun fand in der Stadt eine Hochzeit statt; zu der war der Schreiner eingeladen. Da sprach der Schreiner zu Eulenspiegel: \u00bbLieber Geselle, ich muss zur Hochzeit gehn und werde heute bei Tage nicht mehr wiederkommen. Sei t\u00fcchtig, arbeite flei\u00dfig und bringe die vier Bretter f\u00fcr den Schreibtisch auf das genaueste zusammen in den Leim.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbja, welche Bretter geh\u00f6ren zusammen?\u00ab Der Meister legte ihm die Bretter aufeinander, die zusammengeh\u00f6rten, und ging mit seiner Frau zur Hochzeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Der brave Geselle Eulenspiegel, der sich allezeit mehr beflei\u00dfigte, seine Arbeit verkehrt zu tun, als richtig, fing an und durchbohrte die sch\u00f6n gemaserten Tischbretter, die ihm sein Meister aufeinandergelegt hatte, an drei oder vier Enden. Dann schlug er Holzpfl\u00f6cke hindurch und verband sie so miteinander. Danach siedete er Leim in einem gro\u00dfen Kessel und steckte die Bretter da hinein. Schlie\u00dflich trug er sie oben ins Haus, legte sie dort ans offene Fenster, damit der Leim an der Sonne trocknete, und machte zeitig Feierabend.<\/p>\n\n\n\n<p>Abends kam der Meister von der Hochzeit, hatte viel getrunken und fragte Eulenspiegel, was er den Tag \u00fcber gearbeitet habe. Eulenspiegel sagte: \u00bbLieber Meister, ich habe die vier Tischbretter auf das genaueste zusammen in den Leim gebracht und zu einer guten Zeit Feierabend gemacht.\u00ab Das gefiel dem Meister wohl, und er sagte zu seiner Frau: \u00bbDas ist ein rechter Geselle, behandle ihn gut, den will ich lange behalten.\u00ab Und damit gingen sie schlafen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen, als der Meister aufgestanden war, hie\u00df er Eulenspiegel den Tisch bringen, den er fertig gemacht habe. Da kam Eulenspiegel mit seiner Arbeit vom Dachboden herunter. Als der Meister sah, dass ihm der Schalk die Bretter verdorben hatte, sprach er: \u00bbGeselle, hast du auch das Schreinerhandwerk gelernt?\u00ab Eulenspiegel antwortete, warum er danach frage. \u00bbIch frage darum, weil du mir so gute Bretter verdorben hast.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbLieber Meister, ich habe getan, wie Ihr mich hie\u00dfet. Ist es verdorben, dann ist das Eure Schuld.\u00ab Der Meister wurde zornig und sprach: \u00bbDu bist ein Schalksnarr, darum hebe dich hinweg aus meiner Werkstatt; ich habe von deiner Arbeit keinen Nutzen.\u00ab Also schied Eulenspiegel von dannen und verdiente keinen gro\u00dfen Dank, obwohl er alles das tat, was man ihn hie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie sich Eulenspiegel in Braunschweig bei einem Brotb\u00e4cker als B\u00e4ckergeselle verdingte und wie er Eulen und Meerkatzen backte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als Eulenspiegel wieder nach Braunschweig in die B\u00e4ckerherberge kam, wohnte nahe dabei ein B\u00e4cker. Der rief ihn in sein Haus und fragte ihn, was er f\u00fcr ein Geselle sei. Er sprach: \u00bbIch bin ein B\u00e4ckergeselle.\u00ab Der Brotb\u00e4cker sagte: \u00bbIch habe eben keinen Gesellen. Willst du mir dienen?\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbJa.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Als er nun zwei Tage bei ihm gewesen war, hie\u00df ihn der B\u00e4cker, am Abend zu backen, denn er konnte ihm bis zum Morgen nicht helfen. Eulenspiegel sprach: \u00bbJa, was soll ich denn backen?\u00ab Der B\u00e4cker war ein leicht erregbarer Mann, er wurde zornig und sagte im Spott: \u00bbBist du ein B\u00e4ckergeselle und fragst erst, was du backen sollst? Was pflegt man denn zu backen? Eulen oder Meerkatzen!\u00ab Und damit legte er sich schlafen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da ging Eulenspiegel in die Backstube und machte aus dem Teig nichts als Eulen und Meerkatzen, die ganze Backstube voll, und backte sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Meister stand des Morgens auf und wollte ihm helfen. Doch als er in die Backstube kam, fand er weder Wecken noch Semmeln, sondern lauter Eulen und Meerkatzen. Da wurde der Meister zornig und sprach: \u00bbDass dich das j\u00e4he Fieber packe! Was hast du da gebacken?\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbWas Ihr mich gehei\u00dfen habt, Eulen und Meerkatzen.\u00ab Der B\u00e4cker sprach: \u00bbWas soll ich nun mit dem Narrenzeug tun? Solches Brot ist mir zu nichts n\u00fctze. Ich kann das nicht zu Geld machen.\u00ab Und er ergriff Eulenspiegel beim Hals und sagte: \u00bbBezahl mir meinen Teig!\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbJa, wenn ich Euch den Teig bezahle, soll dann die Ware mein sein, die davon gebacken ist?\u00ab Der Meister sagte: \u00bbWas frage ich nach solcher Ware! Eulen und Meerkatzen kann ich nicht gebrauchen in meinem Laden.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Also bezahlte Eulenspiegel dem B\u00e4cker seinen Teig, packte die gebackenen Eulen und Meerkatzen in einen Korb und trug sie aus dem Haus in die Herberge \u00bbZum Wilden Mann\u00ab. Und Eulenspiegel dachte bei sich selbst: Du hast oft geh\u00f6rt, man k\u00f6nnte keine so seltsamen Dinge nach Braunschweig bringen, dass man nicht Geld daraus l\u00f6ste. Und es war am Vortage des Sankt-Nikolaus-Abends. Da stellte sich Eulenspiegel mit seiner Ware vor die Kirche, verkaufte alle Eulen und Meerkatzen und l\u00f6ste viel mehr Geld daraus, als er dem B\u00e4cker f\u00fcr den Teig gegeben hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das wurde dem B\u00e4cker kundgetan. Den verdross das sehr, und er lief vor die Sankt-Nikolaus-Kirche und wollte von Eulenspiegel auch die Kosten f\u00fcr das Holz und f\u00fcr das Backen verlangen. Aber da war Eulenspiegel gerade hinweg mit seinem Geld, und der B\u00e4cker hatte das Nachsehen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel im Mondschein das Mehl in den Hof beutelte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel wanderte im Land umher, kam in das Dorf Uelzen und wurde dort wieder ein B\u00e4ckergeselle. Als er nun im Hause eines Meisters war, da richtete der Meister alles her, um zu backen. Eulenspiegel sollte das Mehl in der Nacht beuteln, damit es am Morgen fr\u00fch fertig w\u00e4re. Eulenspiegel sprach: \u00bbMeister, Ihr solltet mir ein Licht geben, damit ich beim Beuteln sehen kann.\u00ab Der B\u00e4cker sagte zu ihm: \u00bbIch gebe dir kein Licht. Ich habe meinen Gesellen zu dieser Zeit nie ein Licht gegeben. Sie mussten im Mondschein beuteln; also musst du es auch tun.\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbHaben sie bei Mondschein gebeutelt, so will ich es auch tun.\u00ab Der Meister ging zu Bett und wollte ein paar Stunden schlafen.<\/p>\n\n\n\n<p>Derweilen nahm Eulenspiegel den Beutel, hielt ihn zum Fenster hinaus und siebte das Mehl in den Hof, wohin der Mond schien, immer dem Scheine nach. Als der B\u00e4cker des Morgens fr\u00fch aufstand und backen wollte, stand Eulenspiegel immer noch da und beutelte. Da sah der B\u00e4cker, dass Eulenspiegel das Mehl in den Hof siebte, der vom Mehl auf der Erde ganz wei\u00df war. Da sprach der Meister: \u00bbWas, zum Teufel, machst du hier? Hat das Mehl nicht mehr gekostet, als dass du es in den Dreck beutelst?&#8220; Eulenspiegel antwortete: \u00bbHabt Ihr es mich nicht gehei\u00dfen, in dem Mondschein zu sieben ohne Licht? Also habe ich getan.\u00ab Der Brotb\u00e4cker sprach: \u00bbIch hie\u00df dich, du solltest beuteln bei dem Mondschein.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbWohlan, Meister, seid nur zufrieden, es ist beides geschehen: in und bei dem Mondschein. Und da ist auch nicht mehr verloren als eine Handvoll. Ich will das bald wieder aufraffen, das schadet dem Mehl nur ganz wenig.&#8220; Der Brotb\u00e4cker sprach: \u00bbW\u00e4hrend du das Mehl aufraffst, kann man keinen Teig machen. So wird es zu sp\u00e4t zum Backen.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbMein Meister, ich wei\u00df guten Rat. Wir werden so schnell backen wie unser Nachbar. Sein Teig liegt im Backtrog. Wollt Ihr den haben, so will ich ihn sogleich holen und unser Mehl an dieselbe Stelle tragen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der Meister wurde zornig und sprach: \u00bbDu wirst den Teufel holen! Geh an den Galgen, du Schalk, und hole den Dieb herein, aber lass mir des Nachbarn Teig liegen!\u00ab \u00bbJa\u00ab, sprach Eulenspiegel und ging aus dem Haus an den Galgen. Da lag der Leichnam von einem Diebe, der war herabgefallen. Er nahm ihn auf die Schulter, trug ihn in seines Meisters Haus und sagte: \u00bbHier bringe ich, was am Galgen lag. Wozu wollt Ihr das haben? Ich w\u00fcsste nicht, wozu es gut w\u00e4re.\u00ab Der B\u00e4cker sprach: \u00bbBringst du sonst nichts mehr?\u00ab Eulenspiegel antwortete: \u00bbW\u00e4re mehr dagewesen, h\u00e4tte ich Euch mehr gebracht. Aber es war nicht mehr da.\u00ab Der B\u00e4cker wurde b\u00f6se und sprach voller Zorn: \u00bbDu hast das Gericht des Rats bestohlen und seinen Galgen beraubt. Ich werde das vor den B\u00fcrgermeister bringen, das sollst du sehen!\u00ab Und der B\u00e4cker ging aus dem Hause auf den Markt, und Eulenspiegel ging ihm nach. Der B\u00e4cker hatte es so eilig, dass er sich nicht umsah und auch nicht wusste, dass Eulenspiegel ihm nachging. Der B\u00fcrgermeister stand auf dem Markt. Da ging der B\u00e4cker zu ihm und fing an, sich zu beschweren. Eulenspiegel war beh\u00e4nde: sobald sein Meister, der B\u00e4cker, anfing zu reden, stand Eulenspiegel dicht neben ihm und riss seine beiden Augen weit auf. Als der B\u00e4cker Eulenspiegel sah, wurde er so w\u00fctend, dass er verga\u00df, wor\u00fcber er sich beklagen wollte, und sprach ergrimmt zu Eulenspiegel: \u00bbWas willst du?\u00ab Eulenspiegel antwortete: \u00bbIch will nur Eure Worte erf\u00fcllen: Ihr sagtet, ich sollte sehen, dass Ihr mich vor dem B\u00fcrgermeister verklagen w\u00fcrdet. Wenn ich das nun sehen soll, so muss ich die Augen nahe heranbringen, damit ich es auch sehen kann.\u00ab Der B\u00e4cker sprach zu ihm: \u00bbGeh mir aus den Augen, du bist ein Schalk!\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbSo wurde ich schon oft genannt. Aber s\u00e4\u00dfe ich Euch in den Augen, so m\u00fcsste ich Euch aus den Nasenl\u00f6chern kriechen, wenn Ihr die Augen zumacht.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da ging der B\u00fcrgermeister von ihnen fort und lie\u00df sie beide stehen. Denn er h\u00f6rte wohl, dass es alles Torheit war. Als Eulenspiegel das sah, lief er zur\u00fcck und sprach: \u00bbMeister, wann wollen wir backen? Die Sonne scheint nicht mehr.\u00ab Und er ging hinweg und lie\u00df den B\u00e4cker stehn.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel in Wismar ein Pferdeh\u00e4ndler wurde, und ein Kaufmann Eulenspiegels Pferd den Schwanz auszog.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine listige Schalkheit tat Eulenspiegel in Wismar an der See einem Pferdekaufmann an. Denn dahin kam allezeit ein Pferdeh\u00e4ndler, der kaufte kein Pferd, ohne dass er darum feilschte und dann das Pferd beim Schwanz zog. Das tat er auch bei den Pferden, die er nicht kaufte. Beim Ziehen wollte er merken, ob das Ross lange leben w\u00fcrde, und er merkte es angeblich daran: stand dem Pferd das lange Haar locker im Schweif, so kaufte er es nicht, weil er glaubte, dass es nicht lange leben w\u00fcrde; stand dem Pferd aber das Haar fest im Schwanz, so kaufte er es, denn er hatte den gewissen Glauben, dass es lange leben und von harter Natur sein w\u00fcrde. Dies war in der ganzen Stadt Wismar allgemeine Meinung, so dass sich jedermann danach richtete.<\/p>\n\n\n\n<p>Das bekam Eulenspiegel zu wissen, und er dachte: dem musst du eine Schalkheit tun, sei es, was es wolle, damit der Irrtum aus dem Volk kommt. Nun verstand Eulenspiegel ein wenig von der schwarzen Kunst. Er nahm ein Pferd und richtete es mit der schwarzen Kunst so her, wie er es haben wollte. Damit zog er zu Markte und bot das Pferd den Leuten teuer an, damit sie es ihm nicht abkauften. Das tat er so lange, bis der Kaufmann kam, der die Pferde beim Schwanz zog. Dem bot er das Pferd billig an. Der Kaufmann sah wohl, dass das Pferd sch\u00f6n und das Geld wert war, und er ging hinzu und wollte es fest am Schwanz ziehen. Aber Eulenspiegel hatte das so hergerichtet: sobald der Kaufmann das Ross am Schweif zog, behielt er ihn in der Hand; das sah dann so aus, als ob er dem Pferd den Schwanz ausgezogen habe. Der Pferdeh\u00e4ndler stand und wurde kleinlaut, aber Eulenspiegel rief: \u00bbSchande \u00fcber diesen B\u00f6sewicht! Seht, liebe B\u00fcrger, wie er mir mein Pferd verunstaltet und verdorben hat!\u00ab Die B\u00fcrger kamen hinzu und sahen, dass der Kaufmann den Pferdeschweif in der Hand hatte. Das Pferd hatte keinen Schwanz mehr, und der Kaufmann f\u00fcrchtete sich sehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Da mischten sich die B\u00fcrger ein und erreichten, dass der Pferdeh\u00e4ndler Eulenspiegel zehn Gulden gab und dieser sein Pferd behielt. Und Eulenspiegel zog mit seinem Ross hinweg und setzte ihm den Schweif wieder an.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kaufmann aber zog von dieser Zeit an kein Pferd mehr beim Schwanze.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel in L\u00fcneburg einem Pfeifendreher eine gro\u00dfe Schalkheit antat.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In L\u00fcneburg wohnte ein Pfeifendreher, der ein Landfahrer gewesen und mit dem Zauberstab umhergezogen war. Er sa\u00df beim Bier mit zahlreicher Gesellschaft, als Eulenspiegel zu dem Gelage kam.<\/p>\n\n\n\n<p>Da lud der Pfeifendreher Eulenspiegel zu Gast in der Absicht, ihn zum Besten zu haben, und sagte zu ihm: \u00bbKomm morgen zu Mittag und iss mit mir, wenn du kannst!\u00ab Eulenspiegel sagte ja und dachte sich nichts bei dem Wort. Er kam am andern Tage und wollte als Gast zu dem Pfeifenmacher gehen. Als er vor die T\u00fcr kam, war sie oben und unten zugesperrt, und auch alle Fenster waren geschlossen. Eulenspiegel ging vor der T\u00fcr zwei- oder dreimal hin und her, so lange, bis es Nachmittag wurde, aber das Haus blieb zu. Da merkte er wohl, dass er betrogen worden war. Er lie\u00df die Sache auf sich beruhen und schwieg still bis zum n\u00e4chsten Tag.<\/p>\n\n\n\n<p>Da kam Eulenspiegel zu dem Pfeifendreher auf den Markt und sprach zu ihm: \u00bbSeht, lieber Mann, wenn Ihr G\u00e4ste ladet, pflegt Ihr dann selber auszugehen und die T\u00fcr oben und unten zu schlie\u00dfen?\u00ab Der Pfeifenmacher sprach: \u00bbH\u00f6rtest du nicht, wie ich dich bat? Ich sagte: komm morgen zu Mittag und iss mit mir, wenn du kannst! Nun fandest du die T\u00fcr zugesperrt, da konntest du nicht hineinkommen.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbHabt Dank daf\u00fcr, das wusste ich noch nicht, ich lerne noch alle Tage.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der Pfeifenmacher lachte und sprach: \u00bbIch will es mit dir nicht \u00fcbertreiben. Geh nun hin, meine T\u00fcr steht offen! Du findest Gesottenes und Gebratenes beim Feuer. Geh schon vor, ich komme dir nach! Du sollst allein sein, ich will keinen Gast au\u00dfer dir haben.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel dachte: Das wird gut. Und er ging schnell zu des Pfeifenmachers Haus und fand es so, wie dieser ihm gesagt hatte. Die Magd wendete den Braten, und die Frau ging umher und richtete an. Als Eulenspiegel ins Haus kam, sagte er zu der Frau, sie solle eilends mit ihrer Magd zu ihrem Mann kommen. Dem sei ein gro\u00dfer Fisch geschenkt worden, ein St\u00f6r, den sollten sie ihm heimtragen helfen. Er wolle solange den Braten wenden. Die Frau sagte: \u00bbJa, lieber Eulenspiegel, tut das, ich will mit der Magd gehen und schnell wiederkommen.\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbGeht nur rasch!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frau und die Magd eilten zum Markt. Der Pfeifendreher traf sie unterwegs und fragte sie, was sie zu laufen h\u00e4tten. Sie sprachen, Eulenspiegel sei in das Haus gekommen und habe gesagt, dem Hausherrn sei ein gro\u00dfer St\u00f6r geschenkt worden, den sollten sie heimtragen helfen. Der Pfeifenmacher wurde zornig und sprach zu der Frau: \u00bbKonntest du nicht im Hause bleiben? Er hat das nicht umsonst getan, dahinter steckt eine Schalkheit.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen hatte Eulenspiegel das Haus oben und unten zugeschlossen, ebenso alle Fenster. Als der Pfeifendreher mit seiner Frau und der Magd vor das Haus kamen, fanden sie die T\u00fcre zu. Da sprach er zu seiner Frau: \u00bbNun siehst du wohl, was f\u00fcr einen St\u00f6r du holen solltest!\u00ab Und sie klopften an die T\u00fcr. Eulenspiegel ging an die T\u00fcr und sagte: \u00bbLasset Euer Klopfen, ich lasse niemanden ein! Der Hausherr hat mir befohlen und zugesagt, ich solle allein hierinnen sein, er wolle keinen andern Gast haben als mich. Geht nur weg und kommt nach dem Essen wieder!\u00ab Der Pfeifenmacher sprach: \u00bbDas ist wahr, ich sagte es, aber ich meinte es nicht so. Nun lasst ihn essen, ich will es ihm mit einer anderen Schalkheit vergelten.\u00ab Und er ging mit der Frau und der Magd in das Haus des Nachbarn und wartete so lange, bis Eulenspiegel fertig war.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel kochte das Essen gar, setzte es auf den Tisch, a\u00df kr\u00e4ftig und f\u00fcllte sich wieder nach, solange es ihm gut d\u00fcnkte. Dann machte er die T\u00fcr auf und lie\u00df sie offen stehen. Der Pfeifendreher kam mit seiner Frau und seiner Magd und sprach: \u00bbDas pflegen keine redlichen Leute zu tun, dass ein Gast vor dem Wirt die T\u00fcr abschlie\u00dft, der ihn eingeladen hat.\u00ab Da sagte Eulenspiegel: \u00bbSollte ich das zu zweit tun, was ich allein machen sollte? W\u00fcrde ich allein zu Gast gebeten und br\u00e4chte ich dann noch mehr G\u00e4ste mit, das w\u00fcrde dem Hauswirt nicht gefallen.\u00ab Mit diesen Worten ging er aus dem Haus. Der Pfeifenmacher sah ihm nach: \u00bbNun, ich zahle es dir wieder heim, wie schalkhaftig du auch bist.\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbWer es am besten kann, der sei der Meister.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da ging der Pfeifendreher alsbald zum Abdecker und sagte, in der Herberge sei ein redlicher Mann, der hei\u00dfe Eulenspiegel. Dem sei ein Pferd gestorben, das solle er abholen; und er zeigte ihm das Haus. Der Abdecker sah, dass es der ihm bekannte Pfeifenmacher war, und er sagte ja, er wolle das tun. Er fuhr mit dem Schinderkarren vor die Herberge, die ihm der Pfeifendreher gezeigt hatte, und fragte nach Eulenspiegel. Dieser kam vor die T\u00fcr und fragte, was er wolle. Der Abdecker antwortete, der Pfeifenmacher sei bei ihm gewesen und habe ihm gesagt, dass Eulenspiegel ein Pferd gestorben sei; das solle er abholen. Und ob er Eulenspiegel hei\u00dfe und ob sich das also verhalte?<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel kehrte sich um, zog seine Hosen herunter und riss den Arsch auf: \u00bbSieh her und sag dem Pfeifendreher: wenn Eulenspiegel nicht in dieser Gasse sitzt, so wei\u00df ich nicht, in welcher Stra\u00dfe er sonst ist.\u00ab Der Abdecker wurde zornig, fluchte und fuhr mit dem Schinderkarren vor des Pfeifenmachers Haus. Da lie\u00df er den Karren stehn und verklagte ihn vor dem Rat, so dass der Pfeifendreher dem Abdecker zehn Gulden geben musste.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel aber sattelte sein Pferd und ritt aus der Stadt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel von einer alten B\u00e4uerin verspottet wurde, als er seine Tasche verloren hatte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vor alten Zeiten wohnte zu Gerau im Lande L\u00fcneburg ein Paar alter Leute, die an die 50 Jahre im ehelichen Stand miteinander gelebt hatten. Sie hatten schon gro\u00dfe Kinder, die versorgt und verheiratet waren. Nun war dort zu der Zeit auf der Pfarrstelle ein ganz schlauer Pfaffe, der allzeit gern dabei war, wo man prasste und schlemmte. Dieser Pfaffe machte es mit seinen Pfarrkindern so: wenigstens einmal im Jahr musste ihn jeder Bauer zu Gast haben und ihn samt seiner Magd einen Tag oder zwei verpflegen und aufs beste bewirten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun hatten die zwei alten Leute viele Jahre lang keine Kirchweih, Kindtaufe oder eine sonstige Gasterei abgehalten, auf der der Pfaffe schlemmen konnte. Das verdross ihn, und er dachte dar\u00fcber nach, wie er den Bauern dazu br\u00e4chte, dass er ihm eine Einladung schicke. Er sandte ihm einen Boten und lie\u00df ihn fragen, wie lange er mit seiner Frau im ehelichen Stande gelebt habe. Der Bauer antwortete dem Pfarrer: \u00bbLieber Herr Pfarrer, das ist so lange, dass ich es vergessen habe.\u00ab Darauf antwortete der Pfarrer: \u00bbDas ist ein gef\u00e4hrlicher Zustand f\u00fcr euer Seelenheil. Wenn ihr 50 Jahre beieinander gewesen seid, so ist das Ehegel\u00f6bnis erloschen, wie das Gel\u00fcbde eines M\u00f6nches in einem Kloster. Besprich das mit deiner Frau, komm dann zu mir und berichte mir \u00fcber die Dinge, damit ich euch raten helfe zu eurer Seelen Seligkeit, wozu ich euch und allen meinen Pfarrkindern verpflichtet bin.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bauer tat dies und \u00fcberlegte das mit seiner Frau, aber er konnte doch dem Pfarrer nicht genau die Zahl der Jahre ihres ehelichen Standes anzeigen. Sie kamen beide in gro\u00dfer Sorge zum Pfarrer, damit er ihnen in ihrer unw\u00fcrdigen Lage einen guten Rat g\u00e4be. Der Pfarrer sagte: \u00bbDa ihr keine genaue Zahl wisst, so will ich euch aus Sorge um eure Seelen am n\u00e4chsten Sonntag aufs neue zusammengeben, damit ihr, falls ihr nicht mehr im ehelichen Stande seid, wieder hineinkommt. Und deshalb schlachtet einen guten Ochsen, ein Schaf und ein Schwein, bitte deine Kinder und guten Freunde zu deinem Mahl und bewirte sie gut; ich will dann auch bei dir sein.\u00ab \u00bbAch ja, lieber Pfarrer, tut also! Es soll mir an einem Schock H\u00fchner nicht liegen. Sollten wir so lange ehelich beieinander gewesen sein und jetzt au\u00dferhalb des ehelichen Standes leben, das w\u00e4re nicht gut.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Damit ging der Bauer nach Hause und begann mit den Vorbereitungen. Der Pfarrer lud zu dem Fest etliche Pr\u00e4laten und Pfaffen ein, mit denen er bekannt war. Unter ihnen war auch der Probst von Elsdorf, der allezeit ein gutes Pferd oder sogar zwei Pferde hatte und auch gerne beim Essen dabei war. Bei dem war Eulenspiegel eine Zeitlang gewesen, und der Probst sprach zu ihm: \u00bbSteige auf meinen jungen Hengst und reite mit, du sollst willkommen sein!\u00ab Das tat Eulenspiegel. Als sie ankamen, a\u00dfen und tranken sie und waren fr\u00f6hlich. Die alte Frau, die die Braut sein sollte, sa\u00df oben am Tisch, wo die Br\u00e4ute zu sitzen pflegen. Als sie m\u00fcde und abgespannt wurde, lie\u00df man sie hinaus. Sie ging hinter ihren Hof an das Fl\u00fcsschen Gerau und setzte ihre F\u00fc\u00dfe in das Wasser.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrenddessen ritten der Probst und Eulenspiegel heim nach Elsdorf. Da machte Eulenspiegel auf dem jungen Hengst der \u00bbBraut\u00ab mit sch\u00f6nen Spr\u00fcngen den Hof und trieb das so lange, dass ihm seine Tasche und sein G\u00fcrtel, die man zu dieser Zeit zu tragen pflegte, von der Seite fielen. Als das die gute alte Frau sah, stand sie auf, nahm die Tasche, ging wieder zum Wasser und setzte sich auf die Tasche. Als Eulenspiegel eine Ackerl\u00e4nge weitergeritten war, vermisste er seine Tasche. Er ritt kurzerhand wieder nach Gerau und fragte die gute alte B\u00e4uerin, ob sie nicht eine alte, raue Tasche gesehen oder gefunden habe. Die alte Frau sprach: \u00bbJa, Freund, bei meiner Hochzeit bekam ich eine raue Tasche, die habe ich noch und sitze darauf. Ist es die?\u00ab \u00bbOho, das ist lange her, dass du eine Braut warst\u00ab, sprach Eulenspiegel. \u00bbDas muss jetzt notwendigerweise eine alte, rostige Tasche sein. Ich begehre deine alte Tasche nicht.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und so schalkhaft und listig Eulenspiegel sonst war, so wurde er dennoch von der alten B\u00e4uerin genarrt und b\u00fc\u00dfte seine Tasche ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieselben rauen Brauttaschen haben die Frauen in Gerau heute noch. Ich glaube, dass dort die alten Witwen sie in Verwahrung haben. Wem etwas daran liegt, der mag dort danach fragen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel bei Uelzen einen Bauern um ein gr\u00fcnes Londoner Tuch betrog und ihn \u00fcberredete, dass es blau sei.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gesottenes und Gebratenes wollte Eulenspiegel allezeit essen, darum musste er sehen, woher er das nahm. Einmal kam er auf den Jahrmarkt nach Uelzen, wohin auch viele Wenden und anderes Landvolk kamen. Da ging er hin und her und sah sich \u00fcberall danach um, was dort zu tun oder zu schaffen sei. Unter anderem sah er, dass ein Landmann ein gr\u00fcnes Londoner Tuch kaufte und damit nach Hause wollte. Da \u00fcberlegte Eulenspiegel, wie er den Bauern um das Tuch betr\u00fcgen k\u00f6nne, und fragte nach dem Dorf, wo der Bauer daheim war. Und er nahm einen Schottenpfaffen und einen anderen losen Gesellen mit sich und ging mit ihnen aus der Stadt auf den Weg, den der Bauer entlang kommen musste. Eulenspiegel machte einen Plan, was sie tun sollten, wenn der Bauer mit dem gr\u00fcnen Tuch k\u00e4me, das blau sein sollte. Einer sollte immer eine halbe Ackerl\u00e4nge Weges von dem anderen entfernt stadtw\u00e4rts gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Bauer mit dem Tuch aus der Stadt kam und es heimtragen wollte, sprach ihn Eulenspiegel an, wo er das sch\u00f6ne, blaue Tuch gekauft habe. Der Bauer antwortete, es sei gr\u00fcn und nicht blau. Eulenspiegel sagte, das Tuch sei blau, darauf wolle er 20 Gulden setzen. Der n\u00e4chste Mensch, der des Weges k\u00e4me und der gr\u00fcn und blau unterscheiden k\u00f6nne, solle ihnen das sagen, damit sie sich einig werden k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann gab Eulenspiegel dem ersten seiner Gesellen ein Zeichen zu kommen. Zu dem sprach der Bauer: \u00bbFreund, wir zwei sind uneinig \u00fcber die Farbe dieses Tuches. Sag die Wahrheit, ob dies gr\u00fcn oder blau ist. Was du sagst, dabei wollen wir es bewenden lassen.\u00ab Da sagte der: \u00bbDas ist ein recht sch\u00f6nes, blaues Tuch.\u00ab Der Bauer sprach: \u00bbNein, ihr seid zwei Sch\u00e4lke. Ihr habt es vielleicht miteinander darauf angelegt, mich zu betr\u00fcgen.\u00ab Da sagte Eulenspiegel: \u00bbWohlan, damit du siehst, dass ich recht habe, will ich nachgeben und es dem frommen Priester \u00fcberlassen, der daherkommt; was er uns sagt, das soll entscheidend sein.\u00ab Damit war auch der Bauer zufrieden.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Pfaffe n\u00e4hergekommen war, sprach Eulenspiegel: \u00bbHerr, sagt recht, welche Farbe hat dieses Tuch?\u00ab Der Pfaffe sprach: \u00bbFreund, das seht Ihr wohl selber.\u00ab Der Bauer sprach: \u00bbJa, Herr, das ist wahr. Aber die beiden wollen mir etwas einreden, von dem ich wei\u00df, dass es gelogen ist.\u00ab Der Pfaffe sagte: \u00bbWas habe ich mit euerm Hader zu schaffen? Was frage ich danach, ob es schwarz oder wei\u00df ist?\u00ab \u00bbAch, lieber Herr\u00ab, sagte der Bauer, \u00bbentscheidet zwischen uns, ich bitte Euch darum.\u00ab \u00bbWenn Ihr es haben wollt,\u00ab sprach der Pfaffe, \u00bbso kann ich nichts anderes erkennen, als dass das Tuch blau ist.\u00ab \u00bbH\u00f6rst du das wohl?\u00ab sagte Eulenspiegel, \u00bbdas Tuch ist mein.\u00ab Der Bauer sprach: \u00bbF\u00fcrwahr, Herr, wenn Ihr nicht ein geweihter Priester w\u00e4rt, so meinte ich, dass Ihr l\u00fcgt und dass Ihr alle drei Sch\u00e4lke seid. Aber da Ihr Priester seid, muss ich Euch das glauben.\u00ab Und er \u00fcberlie\u00df Eulenspiegel und seinen Gesellen das Tuch, mit dem sie sich f\u00fcr den Winter einkleideten. Der Bauer musste in seinem zerrissenen Rock davongehen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel zu Hannover in eine Badestube schiss und meinte, sie sei ein Haus der Reinheit.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der Badestube zu Hannover vor dem Leinetor wollte der Bader nicht, dass sie \u00bbBadestube\u00ab genannt werde, sondern ein \u00bbHaus der Reinheit\u00ab. Davon vernahm Eulenspiegel, und als er nach Hannover kam, ging er in diese Badestube, zog sich aus und sprach, als er in die Stube trat: \u00bbGott gr\u00fc\u00df Euch, Herr, und Euer Hausgesinde und alle, die ich in diesem reinen Hause finde.\u00ab Dem Bader war das lieb, er hie\u00df ihn willkommen und sprach: \u00bbHerr Gast, Ihr sagt mit Recht, das ist ein reines Haus. Es ist auch ein \u203aHaus der Reinheit \u2039 und keine \u203aBadestube \u2039. Denn der Staub ist in der Sonne und auch in der Erde, in der Asche und im Sand.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel sprach: \u00bbDass dies ein Haus der Reinheit, ist, das ist offenbar. Denn wir gehen unrein herein und rein wieder heraus.\u00ab Mit diesen Worten schiss Eulenspiegel einen gro\u00dfen Haufen an den Wassertrog mitten in der Badestube, so dass es in der ganzen Stube stank. Da sprach der Bader: \u00bbNun sehe ich wohl, dass deine Worte und Werke nicht gleich sind. Deine Worte waren mir angenehm, aber deine Werke taugen mir nicht; deine Worte waren gediegen, aber deine Werke stinken \u00fcbel. Pflegt man dies in einem \u203aHaus der Reinheit \u2039 zu tun?\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbIst das nicht ein \u203aHaus der Reinheit \u2039? Ich hatte innen ein gr\u00f6\u00dferes Bed\u00fcrfnis nach Reinigung als au\u00dfen, sonst w\u00e4re ich nicht hereingekommen.\u00ab Der Bader sprach: \u00bbDiese Reinigung pflegt man auf dem Abtritt zu tun. Dies aber ist ein Haus der Reinigung durch Schwitzen, und du machst daraus ein Schei\u00dfhaus.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbIst das nicht Dreck, der vom Menschenleib kommt? Soll man sich reinigen, so muss man sich innen und au\u00dfen reinigen.\u00ab Der Bader wurde zornig und sprach: \u00bbSo etwas pflegt man auf dem Schei\u00dfhaus zu reinigen, und der Abdecker f\u00e4hrt es hinaus zur Abfallgrube, nicht ich. Das pflege ich auch nicht wegzufegen und wegzuwaschen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Nach diesen Worten hie\u00df der Bader Eulenspiegel, aus der Badestube zu gehn. Eulenspiegel sprach: \u00bbHerr Wirt, lasst mich vorher f\u00fcr mein Geld baden. Ihr wollt viel Geld haben, so will ich auch gut baden.&#8220; Der Bader sagte, er solle nur aus seiner Stube gehn. Er wolle sein Geld nicht haben. Wolle er aber nicht gehen, so w\u00fcrde er ihm bald die T\u00fcr zeigen. Da dachte Eulenspiegel: Hier ist schlecht zu fechten, nackend gegen Rasiermesser. Und er ging zur T\u00fcr hinaus und sprach: \u00bbWas habe ich f\u00fcr einen Dreck so wohl gebadet.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Er zog sich in einer Stube an, wo der Bader mit seinem Hausgesinde zu essen pflegte. Dort sperrte ihn der Bader ein. Er wollte ihn erschrecken, als ob er ihn gefangen nehmen lassen wollte, drohte aber nur damit. Derweilen meinte Eulenspiegel, er habe sich in der Badestube noch nicht genug gereinigt. Er sah einen zusammengelegten Tisch, machte ihn auf, schiss einen Dreck hinein und machte ihn wieder zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Sogleich danach lie\u00df ihn der Bader hinaus, und sie vertrugen sich wieder. Dann sprach Eulenspiegel also zu ihm: \u00bbLieber Meister, in dieser Stube habe ich mich erst ganz gereinigt. Gedenket meiner freundlich, ehe es Mittag wird. Ich scheide von hinnen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel in Bremen von den Landfrauen Milch kaufte und sie zusammensch\u00fcttete.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Seltsame und spa\u00dfhafte Dinge trieb Eulenspiegel in Bremen. Denn einst kam Eulenspiegel dort auf den Markt und sah, dass die B\u00e4uerinnen viel Milch zu Markte brachten. Da wartete er einen neuen Markttag ab, als wieder viel Milch zusammenkam. Er verschaffte sich eine gro\u00dfe B\u00fctte, setzte sie auf den Markt und kaufte alle Milch, die auf den Markt kam. Die Milch lie\u00df er in die B\u00fctte sch\u00fctten. Und er schrieb jeder Frau reihum die Menge Milch an, der einen so viel, der anderen so viel und so immer weiter. Zu den Frauen sagte er, sie m\u00f6chten so lange warten, bis er die Milch beieinander habe; dann wolle er jeder Frau ihre Milch bezahlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frauen sa\u00dfen auf dem Markt in einem Kreis um ihn herum. Eulenspiegel kaufte so viel Milch, bis keine Frau mehr mit Milch kam und der Zuber beinahe voll war. Da kam Eulenspiegel mit seinem Scherz heraus und sagte: \u00bbIch habe diesmal kein Geld. Wer nicht 14&nbsp;Tage warten will, mag die Milch wieder aus der B\u00fctte nehmen.\u00ab Damit ging er hinweg.<\/p>\n\n\n\n<p>Die B\u00e4uerinnen machten ein Geschrei und gro\u00dfen L\u00e4rm. Eine behauptete, sie habe so viel gehabt, die andere so viel, die dritte desgleichen, und so ging es weiter. Dar\u00fcber warfen und schlugen sich die Frauen mit den Eimern, F\u00e4sschen und Flaschen an die K\u00f6pfe. Sie gossen sich die Milch in die Augen und in die Kleider und sch\u00fctteten sie auf die Erde, so dass es aussah, als habe es Milch geregnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die B\u00fcrger und alle, die das sahen, lachten \u00fcber den Spa\u00df, dass die Frauen also zu Markte gingen. Und Eulenspiegel wurde sehr gelobt wegen seiner Schalkheit.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel in Bremen seinen G\u00e4sten aus dem Hintern den Braten betr\u00e4ufelte, den niemand essen wollte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als Eulenspiegel diesen Streich in Bremen vollbracht hatte, wurde er dort wohl bekannt, so dass ihn die B\u00fcrger gut leiden mochten und ihn seiner Streiche wegen bei sich behalten wollten. Und Eulenspiegel blieb lange in der Stadt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dort gab es eine Vereinigung von B\u00fcrgern und anderen Einwohnern, wie Kaufleuten. Die hielten miteinander Gelage in der Weise ab, dass einer nach dem andern Braten, K\u00e4se und Brot gab. Wer ohne triftigen Grund nicht kam, der musste dem Gastgeber die Zeche zu Bremer Marktpreisen bezahlen. Auf ein solches Gelage kam Eulenspiegel. Sie nahmen ihn zu sich als einen Spa\u00dfmacher, damit er mit ihnen an den Zusammenk\u00fcnften teilnahm.<\/p>\n\n\n\n<p>Da das Gelage reihum ging, fiel es auch auf Eulenspiegel. Er lud seine Zechbr\u00fcder in seine Herberge, kaufte ihnen einen Braten und legte ihn aufs Feuer. Als nun die Imbiss Zeit heranr\u00fcckte, kamen die Tischgenossen auf dem Markt zusammen und besprachen untereinander, wie sie Eulenspiegel die Ehre ihres Besuches geben wollten. Einer fragte den anderen, ob jemand w\u00fcsste, ob er auch etwas gekocht habe oder nicht, damit sie nicht vergebens zu ihm k\u00e4men. Und sie wurden sich einig, dass sie zusammen zu ihm gehen wollten. Es sei besser, sie empfingen den Spott zusammen, als einer allein.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Zechbr\u00fcder vor die T\u00fcr von Eulenspiegels Herberge kamen, nahm er ein St\u00fcck Butter und steckte das hinten in seine Kerbe. Dann kehrte er den Arsch zu dem Feuer \u00fcber den Braten und betr\u00e4ufelte so den Braten mit der Butter aus der Kerbe. Und als die G\u00e4ste an der T\u00fcr standen und feststellen wollten, ob er etwas gekocht habe, da sahen sie, dass er also beim Feuer stand und den Braten betr\u00e4ufelte. Da sprachen sie: \u00bbDer Teufel sei dein Gast, ich esse den Braten nicht!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und Eulenspiegel erinnerte sie an die Zahlung der Zeche, die sie ihm alle gern leisteten, damit sie von dem Braten nicht zu essen brauchten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel in einer Stadt im Sachsenland Steine s\u00e4te und, als er darauf angesprochen wurde, antwortete, er s\u00e4e Sch\u00e4lke.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bald danach kam Eulenspiegel in eine Stadt an der Weser und sah alle H\u00e4ndel unter den B\u00fcrgern und was ihre Vorhaben waren, so dass er alle ihre Handlungsweisen kennenlernte und wusste, wie es um ihr Gesch\u00e4ft und ihren Handel stand. Er hatte dort 14 Unterk\u00fcnfte, und was er in dem einen Haus entlieh, das fand er in dem andern wieder; und er h\u00f6rte und sah bald nichts mehr, was er noch nicht wusste. Die B\u00fcrger wurden seiner \u00fcberdr\u00fcssig, und er wurde ihrer auch m\u00fcde.<\/p>\n\n\n\n<p>Da sammelte er am Fluss kleine Steine. Damit ging er auf der Gasse vor dem Rathaus auf und ab und s\u00e4te seine Saat nach beiden Seiten. Da kamen fremde Kaufleute hinzu und fragten ihn, was er s\u00e4e. Eulenspiegel sagte: \u00bbIch s\u00e4e Sch\u00e4lke.\u00ab Die Kaufleute sprachen: \u00bbDie brauchst du hier nicht zu s\u00e4en, davon gibt es hier jetzt mehr, als gut ist.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbDas ist wahr, aber sie wohnen hier in den H\u00e4usern, sie sollten herauslaufen.\u00ab Sie sprachen: \u00bbWarum s\u00e4est du hier nicht auch redliche Leute?\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbRedliche Leute, die wollen hier nicht aufgehen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Worte kamen vor den Rat. Man lie\u00df Eulenspiegel holen und befahl ihm, seinen Samen wieder aufzusammeln und die Stadt zu verlassen. Das tat er, kam zehn Meilen von dort in eine andere Stadt und wollte mit der Saat nach Dithmarschen. Aber die Ger\u00fcchte \u00fcber ihn waren vor ihm in der Stadt angelangt. Er durfte nur in die Stadt kommen, wenn er gelobte, durch die Stadt mit seiner Saat hindurch zuziehen, ohne dort zu essen und zu trinken. Da es nun nicht anders sein konnte, mietete er ein Schifflein und wollte seinen Sack mit der Saat und seinem sonstigen Kram auf das Schiff heben lassen. Als der Sack aber von der Erde aufgewunden wurde, riss er mitten entzwei, und Saat und Sack blieben liegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel lief hinweg und soll noch wiederkommen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie ein Stiefelmacher in Braunschweig Eulenspiegels Stiefel spickte und Eulenspiegel ihm die Stubenfenster einstie\u00df.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Christoffer hie\u00df ein Stiefelmacher in Braunschweig auf dem Kohlmarkt. Zu dem ging Eulenspiegel und wollte seine Stiefel schmieren lassen. Als er nun zu dem Stiefelmacher in das Haus kam, sprach er: \u00bbMeister, wollt Ihr mir diese Stiefel spicken, dass ich sie am Montag wiederhaben kann?\u00ab Der Meister sagte: \u00bbJa, gern.\u00ab Eulenspiegel ging wieder aus dem Haus und dachte an nichts B\u00f6ses.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er fort war, sagte der Geselle: \u00bbMeister, das war Eulenspiegel, der treibt mit jedermann seine Schalkheit. Wenn Ihr ihn das gehei\u00dfen h\u00e4ttet, was er Euch gehei\u00dfen hat, so t\u00e4te er es w\u00f6rtlich und lie\u00dfe es nicht.\u00ab Der Meister sprach: \u00bbWas hat er mich denn gehei\u00dfen?\u00ab Der Geselle sagte: \u00bbEr hie\u00df Euch die Stiefel spicken und meinte schmieren. Nun w\u00fcrde ich sie nicht schmieren, sondern spicken, wie man die Braten spickt.\u00ab Der Meister sprach: \u00bbH\u00f6re, das ist gut! Wir wollen tun, wie er uns gehei\u00dfen hat.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Er nahm Speck, schnitt ihn in Streifen und spickte damit die Stiefel mit einer Spicknadel wie einen Braten. Eulenspiegel kam am Montag und fragte, ob die Stiefel fertig seien. Der Meister hatte sie an einen Haken an die Wand geh\u00e4ngt, zeigte sie ihm und sagte: \u00bbSiehe, da h\u00e4ngen sie!\u00ab Eulenspiegel sah, dass die Stiefel \u00bbgespickt\u00ab waren, fing an zu lachen und sprach: \u00bbWas seid Ihr f\u00fcr ein t\u00fcchtiger Meister! Ihr habt mir das so gemacht, wie ich es Euch gehei\u00dfen habe. Was wollt Ihr daf\u00fcr haben?\u00ab Der Meister antwortete: \u00bbEinen alten Groschen.\u00ab Eulenspiegel gab ihm den alten Groschen, nahm seine gespickten Stiefel und ging aus dem Haus. Der Meister und sein Geselle sahen und lachten ihm nach und sprachen zueinander: \u00bbWie konnte ihm das geschehen? Nun ist er ge\u00e4fft!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend dem stie\u00df Eulenspiegel mit dem Kopf und den Schultern durch das Glasfenster &#8211; denn die Stube lag zu ebener Erde und ging auf die Stra\u00dfe &#8211; und sprach zu dem Stiefelmacher: \u00bbMeister, was ist das f\u00fcr ein Speck, den Ihr zu meinen Stiefeln gebraucht habt? Ist es Speck von einer Sau oder von einem Eber?\u00ab Der Meister und der Geselle waren ratlos. Schlie\u00dflich sah der Meister, dass es Eulenspiegel war, der in dem Fenster lag und mit Kopf und Schultern die Butzenscheiben wohl zur H\u00e4lfte hinaus stie\u00df, so dass sie zu ihm in die Stube fielen. Da wurde der Stiefelmacher zornig und sagte: \u00bbWillst du Schurke das nicht lassen? Sonst will ich dir mit diesem Querholz vor den Kopf schlagen!\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbLieber Meister, erz\u00fcrnt Euch nicht, ich w\u00fcsste nur gern, was das f\u00fcr Speck ist, womit Ihr meine Stiefel gespickt habt. Ist er von einer Sau oder von einem Eber?\u00ab Der Meister wurde noch zorniger und rief, er solle ihm seine Fenster unterbrochen lassen. \u00bbWollt Ihr mir das nicht sagen, was es f\u00fcr Speck ist, so muss ich gehen und einen andern fragen.\u00ab Damit sprang Eulenspiegel wieder aus dem Fenster heraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Meister wurde nunmehr zornig auf seinen Gesellen und sprach zu ihm: \u00bbDen Rat hast du mir gegeben. Nun gib mir Rat, wie meine Fenster wieder ganz gemacht werden!\u00ab Der Geselle schwieg. Der Meister aber war unwillig und sagte: \u00bbWer hat nun den andern genarrt? Ich habe alleweil geh\u00f6rt: wer von Schalksleuten heimgesucht wird, der soll die Schlinge abschneiden und die Sch\u00e4lke gehen lassen. H\u00e4tte ich das auch getan, so w\u00e4ren meine Fenster ganz geblieben.\u00ab Der Geselle musste darum wandern, denn der Meister wollte von ihm die Fenster bezahlt haben, weil er den Rat gegeben hatte, dass man die Stiefel \u00bbspicken\u00ab sollte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie es Eulenspiegel fertigbrachte, dass eine Frau auf dem Markt in Bremen alle ihre T\u00f6pfe entzweischlug.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als Eulenspiegel diese Schalkheit vollbracht hatte, reiste er wieder nach Bremen zum Bischof. Der hatte Eulenspiegel gern und hatte auch viel Kurzweil mit ihm. Allezeit richtete ihm Eulenspiegel ein scherzhaftes Abenteuer her, so dass der Bischof lachte und ihm sein Pferd kostfrei hielt. Da tat Eulenspiegel so, als ob er der Narrenstreiche m\u00fcde sei und lieber in die Kirche gehen wolle. Deshalb verspottete ihn der Bischof sehr, aber Eulenspiegel kehrte sich nicht daran und ging beten, so dass ihn der Bischof zuletzt bis aufs \u00e4u\u00dferste reizte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun hatte sich Eulenspiegel heimlich mit einer Frau verabredet, die die Frau eines T\u00f6pfers war. Sie sa\u00df auf dem Markt und hielt T\u00f6pfe feil. Die T\u00f6pfe bezahlte er der Frau allesamt und vereinbarte mit ihr, was sie tun solle, wenn er ihr winkte oder ein Zeichen g\u00e4be.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kam Eulenspiegel wieder zum Bischof und tat so, als sei er in der Kirche gewesen. Der Bischof \u00fcberfiel ihn wieder mit seinem Spott. Schlie\u00dflich sprach Eulenspiegel zum Bischof: \u00bbGn\u00e4diger Herr, kommt mit mir auf den Markt! Da sitzt eine T\u00f6pfersfrau mit irdenem Geschirr. Ich will mit Euch wetten: ich werde weder mit ihr sprechen noch ihr mit den Augen einen Wink geben. Ohne Worte werde ich sie dahin bringen, dass sie aufsteht, einen Stecken nimmt und die irdenen T\u00f6pfe alle selbst entzweischl\u00e4gt.\u00ab Der Bischof sprach: \u00bbEs gel\u00fcstet mich wohl, das zu sehen.\u00ab Und er wollte mit ihm um 30 Gulden wetten, dass die Frau das nicht t\u00e4te. Die Wette wurde durch Handschlag bekr\u00e4ftigt, und der Bischof ging mit Eulenspiegel auf den Markt. Eulenspiegel zeigte ihm die Frau, und dann gingen sie auf das Rathaus. Eulenspiegel blieb bei dem Bischof und machte Geb\u00e4rden mit Worten und Zeichen, als ob er die Frau dazu bringen wollte, dass sie das Gesagte tue. Zuletzt gab er der Frau das verabredete Zeichen. Da stand sie auf, nahm einen Stecken und schlug die irdenen T\u00f6pfe s\u00e4mtlich entzwei, so dass alle Leute dar\u00fcber lachten, die auf dem Markt waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Bischof wieder in seinen Hof kam, nahm er Eulenspiegel beiseite und forderte ihn auf, ihm zu sagen, wie er das gemacht habe, dass die Frau ihr eigenes Geschirr entzweischlug. Dann wolle er ihm die 30 Gulden geben, die er in der Wette verloren habe. Eulenspiegel sagte: \u00bbJa, gn\u00e4diger Herr, gern.\u00ab Und er erz\u00e4hlte ihm, wie er zuerst die T\u00f6pfe bezahlt und es mit der Frau verabredet hatte; mit der schwarzen Kunst habe er es nicht getan, und er berichtete ihm alles. Da lachte der Bischof und gab ihm die 30 Gulden. Doch musste Eulenspiegel ihm geloben, dass er es niemandem weitersagen wolle. Daf\u00fcr wollte ihm der Bischof zus\u00e4tzlich einen fetten Ochsen geben. Eulenspiegel sagte ja, er wolle das gern verschweigen, machte sich reisefertig und zog von dannen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Eulenspiegel fort war, sa\u00df der Bischof mit seinen Rittern und Knechten bei Tisch und sagte ihnen, auch er verst\u00fcnde die Kunst, die Frau dazu zu bringen, dass sie alle ihre T\u00f6pfe entzweischl\u00fcge. Die Ritter und Knechte begehrten nicht zu sehen, dass sie die T\u00f6pfe zerschlug, sondern wollten nur die Kunst wissen. Der Bischof sprach: \u00bbWill mir jeder von euch einen guten, fetten Ochsen f\u00fcr meine K\u00fcche geben, so will ich euch alle die Kunst lehren.\u00ab Das war im Herbst, wenn die Ochsen fett sind, und jeder dachte: du solltest ein paar Ochsen wagen &#8211; sie werden dich nicht hart treffen&nbsp;-, damit du die Kunst lernst. Und jeder Ritter und Knecht bot dem Bischof einen fetten Ochsen. Sie brachten sie zusammen, so dass der Bischof 16 Ochsen bekam. Ein jeder Ochse war vier Gulden wert, so dass die 30 Gulden, die er Eulenspiegel gegeben hatte, zweifach bezahlt waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Ochsen beieinander standen, kam Eulenspiegel dahergeritten und sprach: \u00bbVon dieser Beute geh\u00f6rt mir die H\u00e4lfte.\u00ab Der Bischof sagte zu Eulenspiegel: \u00bbHalt du mir, was du mir gelobt hast; ich will dir auch halten, was ich dir gelobt habe. Lass deinen Herren auch ihr Brot!\u00ab Und er gab ihm einen fetten Ochsen. Den nahm Eulenspiegel und dankte dem Bischof.<\/p>\n\n\n\n<p>Danach versammelte der Bischof seine Diener um sich. Er hob an und sprach, sie sollten ihm zuh\u00f6ren, er wolle ihnen jetzt die Kunst sagen. Und er erz\u00e4hlte ihnen alles: wie sich Eulenspiegel zuvor mit der Frau verabredet und wie er ihr die T\u00f6pfe vorher bezahlt hatte. Als das der Bischof gesagt hatte, sa\u00dfen alle seine Diener da, als ob sie mit einer List betrogen worden w\u00e4ren. Aber keiner von ihnen wagte es, vor dem andern etwas zu reden. Der eine kratzte sich den Kopf, der andere den Nacken. Der Handel reute sie allesamt, denn die \u00e4rgerten sich alle wegen ihrer Ochsen. Schlie\u00dflich aber mussten sie sich zufriedengeben und tr\u00f6steten sich damit, dass der Bischof ihr gn\u00e4diger Herr sei. Wenn sie ihm auch die Ochsen gegeben hatten, so blieben sie dabei, es sei alles im Scherz geschehen. Aber sie \u00e4rgerte nichts so sehr daran, als dass sie so gro\u00dfe Toren gewesen waren und ihre Ochsen f\u00fcr eine solch wertlose Kunst hingegeben hatten. Und dass Eulenspiegel auch einen Ochsen bekommen hatte!<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie sich Eulenspiegel in Hamburg bei einem Barbier verdingte, dem Meister durch die Fenster in die Stube ging usw.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Einmal kam Eulenspiegel nach Hamburg auf den Hopfenmarkt, blieb dort stehen und sah sich um. Da kam ein Bartscherer gegangen, der fragte ihn, woher er komme. Eulenspiegel sagte: \u00bbIch komme von dort her.\u00ab Der Meister fragte ihn: \u00bbWas bist du f\u00fcr ein Handwerksgeselle?\u00ab Eulenspiegel antwortete: \u00bbIch bin, kurz gesagt, ein Barbier.\u00ab Der Meister dingte ihn. Und der Bartscherer wohnte auf dem Hopfenmarkt, gerade gegen\u00fcber, wo sie standen. Das Haus hatte dort, wo die Barbierstube war, bis zum Erdboden reichende Fenster nach der Stra\u00dfe zu. Da sagte der Meister zu Eulenspiegel: \u00bbSieh, das Haus gegen\u00fcber, wo die hohen Fenster sind, da geh hinein! Ich komme gleich nach.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel sagte ja, ging geradeswegs zu dem Haus hin und durch die hohen Fenster hinein und sagte: \u00bbGott zur Ehr! Gott gr\u00fc\u00dfe das Handwerk!\u00ab Die Frau des Bartscherers sa\u00df in der Stube und spann. Sie erschrak und sprach: \u00bbDich f\u00fchrt wohl der Teufel! Warum kommst du durch die Fenster? Ist dir die T\u00fcr nicht weit genug?\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbLiebe Frau, z\u00fcrnt mir nicht! Euer Ehemann hat mich das gehei\u00dfen und hat mich gedingt als Geselle.\u00ab Die Frau sprach: \u00bbDas ist mir ein getreuer Geselle, der seinem Meister Schaden tut.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbLiebe Frau, soll ein Geselle nicht das tun, was ihn sein Meister hei\u00dfet?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Derweilen kam der Meister und h\u00f6rte und sah, was Eulenspiegel getan hatte. Da sprach der Meister: \u00bbWie, Geselle, konntest du nicht zur T\u00fcr hineingehn und mir meine Fenster ganz lassen? Welchen Grund hast du gehabt, dass du mir durch die Fenster hereingekommen bist?\u00ab \u00bbLieber Meister, Ihr hie\u00dfet mich, da hineinzugehen, wo die hohen Fenster seien; Ihr wolltet bald nachkommen. So habe ich nach Eurem Gehei\u00df getan; aber Ihr seid mir da nicht nachgekommen, wo Ihr sagtet, dass ich vorausgehen sollte.\u00ab Der Meister schwieg still, denn er bedurfte Eulenspiegels und dachte: Wenn ich mit ihm mein Gesch\u00e4ft verbessern kann, so will ich das hingehen lassen und ihm das von seinem Lohn abziehn.<\/p>\n\n\n\n<p>Also lie\u00df der Meister Eulenspiegel etwa drei Tage arbeiten. Dann hie\u00df er Eulenspiegel die Rasiermesser schleifen. Eulenspiegel sprach: \u00bbJa, gern.\u00ab Der Meister sagte: \u00bbSchleife sie glatt auf dem R\u00fccken gleich der Schneide.\u00ab Eulenspiegel sagte ja und begann, den Schermessern die R\u00fccken ebenso wie die Schneiden zu schleifen. Der Meister kam und wollte zusehen, was er machte. Da sah er, dass bei den Messern, die Eulenspiegel geschliffen hatte, der R\u00fccken ebenso wie die Schneide war. Und die Messer, die er auf dem Schleifstein hatte, die schliff er nach derselben Weise. Da sagte der Meister: \u00bbWas machst du blo\u00df? Das wird ein b\u00f6ses Ding!\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbWie sollte das ein b\u00f6ses Ding werden? Es tut ihnen doch nicht weh, ich tue, wie Ihr mich gehei\u00dfen habt.\u00ab Der Meister wurde zornig und sagte: \u00bbIch hie\u00df dich einen b\u00f6sen, heimt\u00fcckischen Schalk. H\u00f6r auf und lass dein Schleifen! Und gehe wieder hin, wo du hergekommen bist!\u00ab Eulenspiegel sagte ja, ging in die Stube und sprang da zum Fenster wieder heraus, wo er hineingekommen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Da wurde der Bartscherer noch zorniger und lief ihm nach mit dem B\u00fcttel und wollte ihn fangen, damit er ihm die Fenster bezahle, die er zerbrochen hatte. Aber Eulenspiegel war schneller, er entkam in ein Schiff und fuhr von Land.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel einem Bauern die Suppe begoss, \u00fcbelriechenden Fischtran als Bratenschmalz hinzutat und meinte, es sei f\u00fcr den Bauern gut genug.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Viel Schalkheit hatte Eulenspiegel den Schuhmachern angetan, nicht allein an einem Ort, sondern an vielen St\u00e4tten. Nachdem er seinen letzten Streich ver\u00fcbt hatte, kam er nach Stade. Da verdingte er sich bei einem Schuhmacher. Als er am ersten Tage zu arbeiten begann, ging sein Meister auf den Markt und kaufte ein Fuder Holz. Er versprach dem Bauern, ihm au\u00dfer dem Geld noch eine Suppe zu geben, und brachte ihn mit dem Holz vor sein Haus. Da fand er niemanden in seinem Haus &#8211; Frau und Magd waren ausgegangen &#8211; als Eulenspiegel. Der war allein und n\u00e4hte Schuhe. Nun musste der Meister noch einmal auf den Markt gehen. Er befahl deshalb Eulenspiegel, er m\u00f6ge nehmen, was er habe, und dem Bauern eine Suppe machen; er habe ihm daf\u00fcr einiges im Schrank gelassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel sagte ja, der Bauer warf das Holz ab und kam in das Haus. Eulenspiegel schnitt ihm Brotst\u00fccke in die Sch\u00fcssel, fand aber nirgends Fett im Schrank. Da kam er zu dem Beh\u00e4lter, worin \u00fcbelriechender Fischtran war, und begoss damit die Suppe des Bauern. Der Bauer begann sie zu essen und roch, dass sie \u00fcbel stank. Er war jedoch hungrig und a\u00df die Suppe aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen kam der Schuhmacher hereingegangen und fragte den Bauern, wie ihm die Suppe geschmeckt habe. Der Bauer sagte: \u00bbDas schmeckte alles gut, nur hatte es beinahe den Geschmack von neuen Schuhen.\u00ab Damit ging der Bauer aus dem Haus.<\/p>\n\n\n\n<p>Da musste der Schuhmacher lachen und fragte Eulenspiegel, womit er dem Bauern die Suppe begossen habe. Eulenspiegel sprach: \u00bbIhr sagtet mir, ich sollte nehmen, was ich h\u00e4tte. Nun hatte ich kein anderes Fett als Seefischtran. Ich suchte im Schrank in der K\u00fcche, aber ich fand nirgends Fett. Da nahm ich, was ich hatte.&#8220; Der Schuhmacher sagte: \u00bbNun, das ist gut so; f\u00fcr den Bauern ist es gut genug.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel ein Wei\u00dfmus allein ausa\u00df, weil er einen Klumpen aus der Nase hineinfallen lie\u00df.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gro\u00dfe Schalkheit tat Eulenspiegel einer B\u00e4uerin an, um ein Wei\u00dfmus allein zu essen. Er war hungrig und ging in ein Haus. Dort fand er die Frau allein vor. Sie sa\u00df beim Feuer und kochte ein Wei\u00dfmus. Das duftete Eulenspiegel so wohl in die Nase, dass es ihn gel\u00fcstete, davon zu essen. Er bat die Frau, ihm das Wei\u00dfmus zu geben. Die Frau sagte: \u00bbJa, mein lieber Eulenspiegel, gern! Und wenn ich es selber entbehren m\u00fcsste, so will ich es dennoch Euch geben, damit Ihr es allein esst.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbMeine liebe Frau, das m\u00f6chte wohl nach Euren Worten geschehen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frau gab ihm das Wei\u00dfmus und setzte die Sch\u00fcssel mit dem Mus samt Brot auf den Tisch. Eulenspiegel war hungrig und begann zu essen. Die Frau kam dazu und wollte mit ihm essen, wie es bei den Bauern \u00fcblich ist. Da dachte Eulenspiegel: wenn sie auch kommt und isst, so wird hier nicht lange f\u00fcr mich etwas \u00fcbrigbleiben. Und er hustete einen gro\u00dfen Klumpen und spuckte ihn in die Sch\u00fcssel mit dem Wei\u00dfmus. Da wurde die Frau zornig und sagte: \u00bbPfui \u00fcber dich! Dieses Wei\u00dfmus friss du Schalk nun allein!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel sprach: \u00bbMeine liebe Frau, Eure ersten Worte waren also: Ihr wolltet das Wei\u00dfmus selber entbehren, und ich sollte es allein essen. Nun kommt Ihr und wollt mit mir essen. Ihr h\u00e4ttet das Wei\u00dfmus wohl mit drei Bissen aus der Sch\u00fcssel geholt.\u00ab Die Frau sagte: \u00bbDass dir nimmer Gutes geschehe&#8230;! G\u00f6nnest du mir meine eigene Kost nicht? Wie solltest du mir dann deine Kost geben?\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbFrau, ich tue nur nach Eueren Worten.\u00ab Und er a\u00df das ganze Wei\u00dfmus auf, wischte sich den Mund und ging hinweg.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel in ein Haus schiss und den Gestank durch die Wand in eine Gesellschaft blies, die ihn nicht leiden konnte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In gro\u00dfen Tagesreisen wanderte Eulenspiegel nach N\u00fcrnberg und blieb da 14 Tage. In der N\u00e4he der Herberge, in der er sich aufhielt, wohnte ein frommer Mann, der war reich und ging gern in die Kirche. Er verabscheute jedoch die Spielleute. Wo die waren oder wenn die dorthin kamen, wo er war, da ging er davon. Dieser Mann hatte die Gewohnheit, einmal im Jahr seine Nachbarn zu Gast zu laden. Dann tat er ihnen g\u00fctlich mit Kost und Wein und mit den besten Getr\u00e4nken. Und wenn in den H\u00e4usern seiner Nachbarn fremde G\u00e4ste waren, etwa zwei oder drei Kaufleute, die lud er allezeit mit ein, und sie waren ihm willkommen. Da kam die Zeit, in der jedermann G\u00e4ste einlud. Eulenspiegel wohnte zur Herberge nebenan im Nachbarhaus. Und der reiche Mann lud, wie es seine Gewohnheit war, seine Nachbarn und ihre G\u00e4ste ein, soweit es ehrbare Leute waren. Aber Eulenspiegel lud er nicht ein; den betrachtete er als Gaukler und Spielmann, die er nicht einzuladen pflegte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als nun die Nachbarn zu dem frommen Mann zu Gast in sein Haus gingen zusammen mit den ehrbaren Leuten, die er ebenfalls eingeladen hatte und die sie in ihren H\u00e4usern beherbergten, da ging auch der Wirt, bei dem Eulenspiegel zur Herberge war, mit seinen sonstigen G\u00e4sten, die gebeten worden waren, dorthin zu Tisch. Und der Wirt sagte zu Eulenspiegel, dass ihn der reiche Mann als einen Gaukler ansehe; darum habe er ihn nicht zu Gast geladen. Eulenspiegel gab sich damit zufrieden. Er dachte aber: Bin ich ein Gaukler, so sollte ich ihm die Gaukelei beweisen. Und ihn \u00e4rgerte doch, dass der Mann ihn so verschm\u00e4ht hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war bald nach Sankt-Martins-Tag, als das Gastmahl stattfand. Der Wirt sa\u00df mit seinen G\u00e4sten in einem k\u00f6stlichen Gemach, wo er ihnen das Mahl gab. Und das Zimmer war unmittelbar neben der Wand des Hauses, wo Eulenspiegel wohnte. Als sie beim Mahl sa\u00dfen und sehr guter Dinge waren, kam Eulenspiegel und bohrte ein Loch durch die Wand, die an das Gemach stie\u00df, in dem die G\u00e4ste sa\u00dfen. Dann nahm er einen Blasebalg, machte einen gro\u00dfen Haufen seines Drecks und blies mit dem Blasebalg durch das von ihm gebohrte Loch in das Zimmer. Das stank so \u00fcbel, dass niemand in dem Gemach bleiben wollte. Einer sah den andern an: Der erste meinte, der zweite rieche so, der zweite meinte, es sei der dritte. Eulenspiegel aber h\u00f6rte mit dem Blasebalg nicht auf, so dass die G\u00e4ste aufstehen mussten und vor Gestank nicht l\u00e4nger bleiben konnten. Sie suchten unter den B\u00e4nken, sie kehrten in allen Winkeln, nichts half. Niemand wusste, wo der Gestank herkam, so dass jedermann nach Hause ging.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Eulenspiegels Wirt kam zur\u00fcckgegangen. Ihm war von dem Gestank so schlecht geworden, dass er alles ausbrach, was er im Leibe hatte. Er erz\u00e4hlte, wie \u00fcbel es in dem Gemach nach Menschendreck gestunken habe. Eulenspiegel fing an zu lachen und sagte: \u00bbWenn mich der reiche Mann auch nicht zu Gast laden und mir seine Kost g\u00f6nnen wollte, so bin ich ihm doch viel g\u00fcnstiger und getreuer gesonnen als er mir: Ich g\u00f6nne ihm meine Kost. W\u00e4re ich da gewesen, h\u00e4tte es nicht so \u00fcbel gestunken.\u00ab Und sogleich rechnete er mit seinem Wirt ab und ritt hinweg, denn er bef\u00fcrchtete, dass es herausk\u00e4me.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wirt merkte an seinen Worten, dass er von dem Gestank etwas wusste. Aber er konnte nicht begreifen, wie Eulenspiegel das gemacht hatte, und wunderte sich sehr. Als Eulenspiegel aus der Stadt heraus war, begann der Wirt, in seinem Haus zu suchen, und fand den Blasebalg, der arg beschissen war. Er fand auch das Loch, das Eulenspiegel durch die Wand in seines Nachbarn Haus gebohrt hatte. Da durchschaute er die Sache sogleich, holte seinen Nachbarn dazu und erz\u00e4hlte ihm, wie Eulenspiegel dies alles getan habe und wie seine Worte gewesen seien.<\/p>\n\n\n\n<p>Der reiche Mann sprach: \u00bbLieber Nachbar, von Toren und Spielleuten hat niemand einen Vorteil. Darum will ich sie nicht in meinem Haus haben. Ist mir nun diese Huberei durch Euer Haus geschehn, so kann ich nichts dabei tun. Ich sah Euern Gast als einen Schalk an, das las ich an seinem Wahrzeichen. So ist es besser in Euerm Haus als in meinem Haus geschehen, vielleicht h\u00e4tte er mir noch sch\u00e4dlichere Dinge angetan.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegels Wirt sagte: \u00bbLieber Nachbar, Ihr habt es wohl geh\u00f6rt, und also ist es auch: Vor einen Schalk soll man zwei Lichter setzen, und das muss ich wohl auch tun, denn ich muss immer allerlei G\u00e4ste beherbergen. Wenn ein Schalk kommt, muss man ihn aufs beste bewirten.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Damit schieden sie voneinander. Eulenspiegel war dagewesen und kam nicht wieder.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel in Eisleben einen Wirt erschreckte mit einem toten Wolf, den er zu fangen versprochen hatte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In Eisleben wohnte ein sp\u00f6ttischer und stolzer Wirt. Der glaubte fest, dass er ein gro\u00dfer Gastwirt sei. Da kam Eulenspiegel in seine Herberge. Es war in den Wintertagen, und es lag viel Schnee. Dann kamen drei Kaufleute aus Sachsen, die nach N\u00fcrnberg wollten und bei finstrer Nacht in der Herberge eintrafen. Der Wirt war sehr redselig, hie\u00df die drei Kaufleute mit schnell gesprochenen Worten willkommen und fragte, wo sie, zum Teufel, so lange gewesen seien, dass sie so sp\u00e4t zur Herberge k\u00e4men. Die Kaufleute sprachen: \u00bbHerr Wirt, Ihr d\u00fcrft nicht so mit uns zanken! Uns ist unterwegs ein Abenteuer widerfahren: Ein Wolf hat uns viel Ungemach zugef\u00fcgt. Der begegnete uns im Schnee, so dass wir uns mit ihm herumschlagen mussten, das hielt uns so lange auf.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Wirt das h\u00f6rte, spottete er \u00fcber sie und sagte, es sei eine Schande, dass sie sich von einem Wolf aufhalten lie\u00dfen. Und wenn er allein auf dem Felde sei und ihm zwei W\u00f6lfe begegneten, so wolle er sie schlagen und verjagen, davor solle ihm nicht grauen! Und sie seien zu dritt gewesen und h\u00e4tten sich von einem Wolf erschrecken lassen! Es w\u00e4hrte den ganzen Abend, dass der Wirt die Kaufleute ver\u00e4chtlich behandelte, bis sie zu Bett gingen. Eulenspiegel sa\u00df dabei und h\u00f6rte sich das Gesp\u00f6tt an.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie nun zu Bett gingen, wurden die Kaufleute und Eulenspiegel in eine Kammer gelegt. Da sprachen die Kaufleute untereinander, was sie tun k\u00f6nnten, um es dem Wirt heimzuzahlen und ihm den Mund zu stopfen. Denn sonst w\u00fcrde das Gesp\u00f6tt kein Ende haben, wenn einer von ihnen wieder in die Herberge k\u00e4me. Da sagte Eulenspiegel: \u00bbLiebe Freunde, ich merke wohl, dass der Wirt ein Aufschneider ist. Wollt Ihr auf mich h\u00f6ren, will ich es ihm so besorgen, dass er Euch nie mehr ein Wort von dem Wolf sagt.\u00ab Den Kaufleuten gefiel das wohl, und sie versprachen, ihm Zehrung und Geld zu geben. Da sprach Eulenspiegel, sie sollten hinreiten zu ihren Gesch\u00e4ften und auf der R\u00fcckreise wieder zu dieser Herberge kommen. Er wolle auch da sein, und dann wollten sie an dem Wirt Vergeltung \u00fcben.<\/p>\n\n\n\n<p>Das geschah. Als die Kaufleute reisefertig waren, bezahlten sie ihren und Eulenspiegels Verzehr und ritten aus der Herberge. Der Wirt rief den Kaufleuten sp\u00f6ttisch nach: \u00bbIhr Kaufleute, seht zu, dass Euch kein Wolf auf der Wiese begegnet!\u00ab Die Kaufleute sprachen: \u00bbHerr Wirt, habt Dank, dass Ihr uns warnt! Fressen uns die W\u00f6lfe, so kommen wir nicht wieder, und fressen Euch die W\u00f6lfe, so finden wir Euch nicht mehr hier.\u00ab Damit ritten sie hinweg.<\/p>\n\n\n\n<p>Da ritt Eulenspiegel in den Wald und stellte den W\u00f6lfen nach. Und Gott gab ihm das Gl\u00fcck, dass er einen fing. Den t\u00f6tete er und lie\u00df ihn hart frieren. Zu der Zeit, als die Kaufleute wieder nach Eisleben in die Herberge kommen wollten, tat Eulenspiegel den toten Wolf in einen Sack und ritt wieder nach Eisleben. Dort fand er die drei Kaufleute, wie sie verabredet hatten. Von Eulenspiegels Wolf wusste niemand etwas.<\/p>\n\n\n\n<p>Abends w\u00e4hrend des Essens spottete der Wirt wieder \u00fcber die Kaufleute wegen des Wolfs. Sie sagten, ihnen sei es eben mit dem Wolf so ergangen; wenn ihm zwei W\u00f6lfe auf der Wiese begegneten, w\u00fcrde er sich dann eines Wolfes zuerst erwehren und hernach den anderen erschlagen? Der Wirt sprach gro\u00dfe Worte, wie er zwei W\u00f6lfe in St\u00fccke schlagen wolle. Das ging so den ganzen Abend, bis sie zu Bett gehen wollten. Eulenspiegel schwieg so lange still, bis er zu den Kaufleuten in die Kammer kam. Dann sagte er zu ihnen: \u00bbGute Freunde, seid still und wacht! Was ich will, das wollt ihr auch. Lasst mir ein Licht brennen!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Als nun der Wirt mit all seinem Gesinde zu Bett war, schlich Eulenspiegel leise aus der Kammer und holte den toten, hartgefrorenen Wolf. Er trug ihn an den Herd, unterstellte ihn mit Stecken, so dass er aufrecht stand, und sperrte ihm das Maul weit auf. Dann steckte er ihm zwei Kinderschuhe ins Maul, ging wieder zu den Kaufleuten in die Kammer und rief laut: \u00bbHerr Wirt!\u00ab Der Wirt h\u00f6rte das, denn er war noch nicht eingeschlafen, und rief zur\u00fcck, was sie wollten und ob sie etwa wieder ein Wolf bei\u00dfen wolle. Da riefen sie: \u00bbAch, lieber Herr Wirt, sendet uns die Magd oder den Knecht, damit er uns etwas zu trinken bringt! Wir wissen nicht, wohin vor Durst!\u00ab Der Wirt wurde zornig und sprach: \u00bbDas ist der Sachsen Art, die saufen Tag und Nacht!&#8220; Und er rief die Magd, sie m\u00f6ge aufstehen und den Kaufleuten etwas zum Trinken in die Kammer bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Magd stand auf, ging zum Feuer und wollte ein Licht anz\u00fcnden. Da sah sie hoch und schaute dem Wolf gerade in das Maul. Sie erschrak, lie\u00df das Licht fallen, lief in den Hof und meinte nichts anderes, als dass der Wolf die Kinder schon aufgefressen habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel und die Kaufleute aber riefen weiter nach etwas zum Trinken. Der Wirt glaubte, die Magd sei wieder eingeschlafen, und rief den Knecht. Der Knecht stand auf und wollte auch ein Licht anz\u00fcnden. Da sah auch er den Wolf dastehen und meinte, er habe die Magd gefressen, lie\u00df das Licht fallen und lief in den Keller. Eulenspiegel und die Kaufleute h\u00f6rten, was geschah, und Eulenspiegel sagte: \u00bbSeid guter Dinge, das Spiel will heute gut werden!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kaufleute und Eulenspiegel riefen zum dritten Male, wo der Knecht und die Magd blieben, weil sie ihnen nichts zu trinken br\u00e4chten; der Wirt solle doch selber kommen und ein Licht bringen; sie k\u00f6nnten im Dunkeln nicht aus der Kammer kommen, sonst wollten sie wohl selbst hinuntergehen. Der Wirt meinte nichts anderes, als dass der Knecht auch eingeschlafen sei, stand auf, wurde zornig und sprach: \u00bbHat der Teufel die Sachsen gemacht mit ihrem Saufen?\u00ab Er entz\u00fcndete ein Licht bei dem Feuer und sah den Wolf am Herd stehen mit den Schuhen im Maul. Da fing er an zu schreien und rief: \u00bbMordenio! Rettet, liebe Freunde!\u00ab Und er lief zu den Kaufleuten, die in der Kammer waren, und rief: \u00bbLiebe Freunde, kommt mir zur Hilfe, ein schreckliches Tier steht bei dem Feuer und hat mir die Kinder, die Magd und den Knecht aufgefressen!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kaufleute und Eulenspiegel waren sofort bereit und gingen mit dem Wirt zum Feuer. Der Knecht kam aus dem Keller, die Magd aus dem Hof, und die Frau brachte die Kinder aus der Kammer, so dass man sah, dass sie noch alle lebten. Eulenspiegel ging herzu und stie\u00df den Wolf mit dem Fu\u00df um. Der lag da und r\u00fchrte kein Glied. Eulenspiegel sagte: \u00bbDas ist ein toter Wolf. Macht Ihr deshalb so ein Geschrei? Was seid Ihr f\u00fcr ein Angsthase! Bei\u00dft Euch ein toter Wolf in Euerm Haus und jagt Euch und all Euer Gesinde in die Ecken? Vor noch nicht langer Zeit wolltet Ihr zwei lebendige W\u00f6lfe auf dem Felde erschlagen. Aber Ihr habt nur in Worten, was mancher im Sinn hat.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wirt h\u00f6rte und merkte, dass er genarrt worden war, und ging in die Kammer zu Bett. Er sch\u00e4mte sich seiner gro\u00dfen Worte und dass ein toter Wolf ihn und all sein Gesinde in Schrecken versetzt hatte. Die Kaufleute waren lustig, lachten und bezahlten, was sie und Eulenspiegel verzehrt hatten. Dann ritten sie von dannen. Und nach dieser Zeit sagte der Wirt nicht mehr so viel \u00fcber seine Mannhaftigkeit.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel in K\u00f6ln dem Wirt auf den Tisch schiss und ihm sagte, er m\u00f6ge kommen, damit er es f\u00e4nde.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bald danach kam Eulenspiegel nach K\u00f6ln in eine Herberge, und er dr\u00fcckte sich zwei oder drei Tage herum, um sich nicht zu erkennen zu geben. In diesen Tagen merkte er, dass der Wirt ein Schalk war. Da dachte er: Wo der Wirt ein Schalk ist, da haben es die G\u00e4ste nicht gut, du solltest dir eine andere Herberge suchen. Am Abend merkte es der Wirt Eulenspiegel an, dass er eine andere Herberge suchte. Er wies den anderen G\u00e4sten ihre Betten an, nicht aber Eulenspiegel. Da sprach dieser: \u00bbWie, Herr Wirt, ich bezahle meine Kost ebenso teuer wie die, denen Ihr ein Bett anweist, und ich soll hier auf der Bank schlafen?\u00ab Der Wirt sagte: \u00bbSiehe, da hast du ein paar Bettlaken!\u00ab und lie\u00df einen Furz. Und auf der Stelle lie\u00df er noch einen und sprach: \u00bbSiehe, da hast du ein Kopfkissen!\u00ab Und zum dritten Male lie\u00df er einen fahren, dass es stank, und sagte: \u00bbSiehe, da hast du ein ganzes Bett! Behilf dich bis morgen und lege sie mir auf einen Haufen, damit ich sie beieinander wiederfinde!\u00ab Eulenspiegel schwieg still und dachte: Sieh, das merkest du wohl: du musst den Schalk mit einem Schalk bezahlen. Und er lag die Nacht auf der Bank.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun hatte der Wirt einen sch\u00f6nen Klapptisch. Die Fl\u00fcgel klappte Eulenspiegel auf, schiss auf den Tisch einen gro\u00dfen Haufen und klappte ihn wieder zu. Am Morgen stand er fr\u00fch auf, ging vor des Wirtes Kammer und sprach: \u00bbHerr Wirt, ich danke Euch f\u00fcr die Nachtherberge.\u00ab Und damit lie\u00df er einen gro\u00dfen Furz und sagte: \u00bbSeht, das sind die Federn von dem Bett. Das Kopfkissen, die Bettlaken und die Decken mit dem Bett habe ich zusammen auf einen Haufen gelegt.\u00ab Der Wirt sprach: \u00bbHerr Gast, das ist gut, ich will danach sehen, wenn ich aufstehe.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbDas tut! Schaut Euch um, Ihr werdet das schon finden!\u00ab Und damit ging er aus dem Haus.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wirt sollte zu Mittag viele G\u00e4ste haben und sagte, die G\u00e4ste sollten auf dem h\u00fcbschen Klapptisch essen. Als er nun den Tisch aufmachte, zog ihm ein b\u00f6ser Gestank in die Nase, er fand den Dreck und sprach: \u00bbEr gibt den Lohn nach den Werken, einen Furz hat er mit einem Schei\u00dfen bezahlt.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Dann lie\u00df der Wirt Eulenspiegel zur\u00fcckholen, weil er ihn noch besser kennenlernen wollte. Eulenspiegel kam auch wieder, und er und der Wirt vertrugen sich in ihrer Schalkheit so, dass Eulenspiegel fortan ein gutes Bett bekam.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel den Wirt mit dem Klange des Geldes bezahlte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Lange Zeit blieb Eulenspiegel in K\u00f6ln in der Herberge. Einmal begab es sich, dass man das Essen so sp\u00e4t zum Feuer brachte, dass es sp\u00e4ter Mittag wurde, ehe die Kost fertig war. Eulenspiegel verdross es sehr, dass er so lange fasten sollte. Der Wirt sah es ihm wohl an, dass es ihn verdross, und er sprach zu ihm: wer nicht warten k\u00f6nne, bis die Kost zubereitet sei, der m\u00f6ge essen, was er habe. Eulenspiegel ging in eine Ecke und a\u00df eine trockene Semmel auf. Dann setzte er sich an den Herd und betr\u00e4ufelte den Braten, bis er gar war.<\/p>\n\n\n\n<p>Als es zw\u00f6lf schlug, wurde der Tisch gedeckt, und das Essen wurde gebracht. Der Wirt setzte sich zu den G\u00e4sten, aber Eulenspiegel blieb in der K\u00fcche am Herd. Der Wirt sprach: \u00bbWie, Eulenspiegel, willst du nicht mit am Tisch sitzen?\u00ab \u00bbNein\u00ab, sagte er, \u00bbich mag nichts mehr essen, ich bin durch den Geruch des Bratens satt geworden.\u00ab Der Wirt schwieg und a\u00df mit den G\u00e4sten, die nach dem Essen ihre Zeche bezahlten. Der eine ging fort, der andere blieb, und Eulenspiegel sa\u00df bei dem Feuer.<\/p>\n\n\n\n<p>Da kam der Wirt mit dem Zahlbrett, war zornig und sprach zu Eulenspiegel, er m\u00f6ge zwei k\u00f6lnische Wei\u00dfpfennige f\u00fcr das Mahl darauflegen. Eulenspiegel sagte: \u00bbHerr Wirt, seid Ihr ein solcher Mann, dass Ihr Geld von einem nehmt, der Eure Speise nicht gegessen hat?\u00ab Der Wirt sprach feindlich, er m\u00fcsse das Geld geben. Habe Eulenspiegel auch nichts gegessen, so sei er doch von dem Geruch satt geworden. Er habe bei dem Braten gesessen, das sei so viel, als habe er an der Tafel gesessen und habe gegessen. Das m\u00fcsse er ihm f\u00fcr eine Mahlzeit anrechnen. Da zog Eulenspiegel einen k\u00f6lnischen Wei\u00dfpfennig hervor, warf ihn auf die Bank und sprach: \u00bbHerr Wirt, h\u00f6rt Ihr diesen Klang?\u00ab Der Wirt sagte: \u00bbDiesen Klang h\u00f6re ich wohl.\u00ab Eulenspiegel nahm schnell wieder den Pfennig auf, steckte ihn in seinen S\u00e4ckel und sprach: \u00bbSo viel Euch der Klang des Pfennigs hilft, soviel hilft mir der Geruch des Bratens in meinem Bauch.\u00ab Der Wirt wurde unwirsch, denn er wollte den Wei\u00dfpfennig haben, aber Eulenspiegel wollte ihm den nicht geben und das Gericht entscheiden lassen. Der Wirt gab es auf und wollte nicht vor das Gericht. Er bef\u00fcrchtete, dass Eulenspiegel es ihm so heimzahlen w\u00fcrde wie mit dem Klapptisch, lie\u00df ihn im guten fortgehen und schenkte ihm die Zeche.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel zog von dannen, wanderte fort vom Rhein und zog wieder in das Land Sachsen<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel von Rostock schied und dem Wirt an das Feuer schiss.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit Eifer reiste Eulenspiegel von Rostock weg, als er die Schalkheit ver\u00fcbt hatte, und ging zur Herberge in einen Flecken. In dem Haus war nicht viel zu essen, denn dort herrschte eitel Armut. Der Wirt im Haus hatte viele Kinder, und bei ihnen war Eulenspiegel nur ungern. Eulenspiegel band sein Pferd im Stall fest, ging in das Haus, kam zur Feuerstelle und fand einen kalten Herd und eine leere Wohnung. Da begriff er, dass hier nichts als Armut war. Er sprach: \u00bbHerr Wirt, Ihr habt b\u00f6se Nachbarn.\u00ab Der Wirt sagte: \u00bbJa, Herr Gast, das habe ich; sie stehlen mir alles, was ich im Hause habe.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da musste Eulenspiegel lachen und dachte: hier ist der Wirt wie der Gast. Er hatte wohl Lust dazubleiben, aber die Kinder mochte er nicht leiden, denn er sah, dass sie ihre Notdurft hinter der Haust\u00fcr verrichteten, ein Kind nach dem andern. Da sprach Eulenspiegel zu dem Wirt: \u00bbWie sind doch Eure Kinder unsauber! Haben sie keine Stelle, wo sie ihre Notdurft verrichten k\u00f6nnen als hinter der Haust\u00fcr?\u00ab Der Wirt sagte: \u00bbHerr Gast, was scheltet Ihr dar\u00fcber? Mir missf\u00e4llt nichts daran, ich schaffe es morgen hinweg.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel schwieg. Sp\u00e4ter, als er seinen Drang versp\u00fcrte, schiss er einen gro\u00dfen Haufen Dreck an das Feuer. Als er bei seinem Werke war, kam der Wirt und sprach: \u00bbDass dich das Fieber sch\u00fcttle! Schei\u00dft du an das Feuer? Ist der Hof nicht gro\u00df genug?\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbHerr Wirt, was scheltet Ihr dar\u00fcber? Das macht mir nichts aus, ich schaffe es t\u00e4glich weg.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und er setzte sich auf sein Pferd und ritt zum Tor hinaus. Der Wirt rief ihm nach: \u00bbHalt, und schaffe den Dreck von dem Herd weg!\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbWer der letzte ist, der kehre das Haus! So wird mein Dreck und Euer Dreck zugleich ausgekehrt.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel einen Hund schund und das Fell der Wirtin als Bezahlung gab, weil er mit ihm a\u00df.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nun begab es sich, dass Eulenspiegel in ein Dorf in der N\u00e4he von Sta\u00dffurt kam. In einem Haus fand er die Wirtin allein. Die Wirtin hatte ein zierliches H\u00fcndlein, das sie sehr liebte. Es musste ihr allezeit auf dem Scho\u00df liegen, wenn es nichts anderes vorhatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel sa\u00df am Feuer und trank aus der Kanne. Die Frau hatte den Hund daran gew\u00f6hnt: Wenn sie Bier trank, gab sie dem Hund auch Bier in eine Sch\u00fcssel, damit er ebenfalls trinken konnte. Als nun Eulenspiegel dasa\u00df und trank, stand der Hund auf, schmeichelte sich an Eulenspiegel heran und sprang an seinem Hals empor. Das sah die Wirtin, und sie sprach: \u00bbAch, gebt ihm auch zu trinken in der Sch\u00fcssel! Das ist sein Wunsch.\u00ab Eulenspiegel sagte zu ihr: \u00bbGern\u00ab. Die Wirtin ging und tat die Dinge, die sie zu erledigen hatte. Eulenspiegel trank und gab dem Hund auch zu trinken in der Sch\u00fcssel und legte darein noch einen Bissen Fleisch, so dass der Hund satt wurde, sich ans Feuer legte und sich ausstreckte, so lang er war.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann sagte Eulenspiegel zu der Wirtin: \u00bbWir wollen abrechnen\u00ab und sprach weiter: \u00bbLiebe Wirtin, wenn ein Gast Eure Kost isst und von Eurem Bier trinkt und kein Geld hat, borgt Ihr dem Gast?\u00ab Die Wirtin dachte nicht daran, dass er den Hund meinen k\u00f6nnte, sondern glaubte, er selbst sei dieser Gast, und sagte zu ihm: \u00bbHerr Gast, man borgt hier nicht, man muss Geld geben oder ein Pfand.\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbDamit bin ich f\u00fcr meinen Teil zufrieden; ein anderer sorge f\u00fcr das Seine!\u00ab Dann ging die Wirtin fort. Und sobald Eulenspiegel es zuwege bringen konnte, nahm er den Hund unter den Rock und ging mit ihm in den Stall. Dort zog er ihm das Fell ab und ging wieder in das Haus zum Feuer und hatte das Fell des Hundes unter dem Rock. Dann hie\u00df Eulenspiegel die Wirtin kommen und sagte wiederum: \u00bbLasst uns abrechnen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wirtin rechnete, und Eulenspiegel legte die halbe Zeche hin. Da fragte die Wirtin, wer die andere H\u00e4lfte bezahlen solle, er habe das Bier doch allein getrunken. Eulenspiegel sagte: \u00bbNein, ich habe es nicht allein getrunken, ich hatte einen Gast. Der trank mit, und der hat kein Geld, aber er hat ein gutes Pfand; der soll die andere H\u00e4lfte bezahlen.\u00ab Die Wirtin sprach: \u00bbWas ist das f\u00fcr ein Gast? Was habt Ihr f\u00fcr ein Pfand?\u00ab Eulenspiegel antwortete: \u00bbDas ist sein allerbester Rock, den er anhatte.\u00ab Und er zog das Hundefell unter dem Rock hervor und sprach: \u00bbSeht, Wirtin, das ist der Rock des Gastes, der mit mir trank.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wirtin erschrak und sah, dass es ihres Hundes Fell war. Sie wurde zornig und sprach: \u00bbDass dir nimmer Gl\u00fcck geschehe! Warum hast du mir meinen Hund abgezogen?\u00ab Und sie fluchte. Eulenspiegel antwortete: \u00bbWirtin, das ist Eure eigene Schuld, also lass ich Euch fluchen. Ihr sagtet mir selbst, ich solle dem Hund einschenken. Und ich sagte, der Gast habe kein Geld. Ihr wolltet ihm nicht borgen, Ihr wolltet Geld oder Pfand haben. Da er kein Geld hatte und das Bier bezahlt werden musste, so musste er den Rock als Pfand lassen. Den nehmt jetzt f\u00fcr sein Bier, das er getrunken hat.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wirtin wurde noch zorniger und hie\u00df ihn aus dem Haus gehen; und er solle niemals wiederkommen. Eulenspiegel sprach: \u00bbIch will aus Euerm Haus nicht gehn, sondern reiten.\u00ab Und er sattelte sein Pferd, ritt zum Tor hinaus und sagte: \u00bbWirtin, bewahrt das Pfand so lange auf, bis ich Euer Geld zusammengebracht habe, dann will ich noch einmal ungeladen wiederkommen. Wenn ich dann nicht mit Euch trinke, brauche ich auch kein Bier zu bezahlen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel derselben Wirtin einredete, Eulenspiegel liege auf dem Rad.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>H\u00f6rt, was Eulenspiegel weiter in dem Dorf bei Sta\u00dffurt getrieben hat! Er zog andere Kleider an und ging wieder in seine vorige Herberge. In dem Haus sah er ein Rad stehen. Da legte er sich oben auf das Rad, bot der Wirtin einen guten Tag und fragte sie, ob sie nicht etwas von Eulenspiegel geh\u00f6rt habe. Sie antwortete, was sie wohl von dem Schalk h\u00f6ren solle, am liebsten m\u00f6chte sie ihn gar nicht nennen h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel sprach: \u00bbFrau, was hat er Euch getan, dass Ihr ihm so gram seid? Wo er hinkam, da schied er freilich nicht ohne Schalkheit.\u00ab Die Frau sagte: \u00bbDas habe ich wohl gemerkt. Er kam auch hierher, schund mir meinen Hund und gab mir das Fell f\u00fcr das Bier, das er getrunken hatte.\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbFrau, das war nicht wohl getan.\u00ab Die Wirtin sagte: \u00bbEs wird ihm auch sch\u00e4ndlich ergehen.\u00ab Er sprach: \u00bbFrau, das ist schon geschehn, er liegt auf dem Rad.\u00ab Die Wirtin sagte: \u00bbDaf\u00fcr sei Gott gelobt!\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbIch bin es. Ade, ich fahre dahin.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel eine Wirtin mit blo\u00dfem Arsch in die hei\u00dfe Asche setzte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Boshafte und zornige Nachreden bringen b\u00f6sen Lohn. Als Eulenspiegel von Rom zur\u00fcckreiste, kam er in ein Dorf, in dem eine gro\u00dfe Herberge war. Der Wirt war nicht zu Hause. Da fragte Eulenspiegel die Wirtin, ob sie Eulenspiegel kenne. Die Wirtin antwortete: \u00bbNein, ich kenne ihn nicht. Aber ich habe von ihm geh\u00f6rt, dass er ein auserlesener Schalk ist.\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbLiebe Wirtin, warum sagt Ihr, dass er ein Schalk ist, wenn Ihr ihn nicht kennt?\u00ab Die Frau sagte: \u00bbWas ist daran gelegen, dass ich ihn nicht kenne? Das macht doch nichts; die Leute sagen eben, er sei ein b\u00f6ser Schalk.\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbLiebe Frau, hat er Euch je ein Leid angetan? Wenn er ein Schalk ist, so wisst Ihr das nur vom H\u00f6rensagen; darum wisst Ihr nichts Eigentliches von ihm zu sagen.\u00ab Die Frau sprach: \u00bbIch sage es so, wie ich es von den Leuten geh\u00f6rt habe, die bei mir aus- und eingehen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel schwieg. Des Morgens stand er ganz fr\u00fch auf und scharrte die hei\u00dfe Asche auseinander. Dann ging er zum Bett der Wirtin und nahm sie aus dem Schlaf. Er setzte sie mit dem blo\u00dfen Arsch auf die hei\u00dfe Asche, verbrannte ihr den Arsch gar sehr und sprach: \u00bbSeht, Wirtin, nun k\u00f6nnt Ihr von Eulenspiegel sagen, dass er ein Schalk ist. Ihr empfindet es jetzt, und Ihr habt ihn gesehen. Hieran m\u00f6gt Ihr ihn erkennen.\u00ab Das Weib fing an zu jammern, aber Eulenspiegel ging aus dem Haus, lachte und sprach: \u00bbAlso soll man die Romfahrt vollbringen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel einer Wirtin in das Bett schiss und ihr einredete, das habe ein Pfaffe getan.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>B\u00f6se Schalkheit ver\u00fcbte Eulenspiegel in Frankfurt an der Oder. Dorthin wanderte er mit einem Pfaffen, und beide zogen in dieselbe Herberge. Am Abend behandelte sie der Wirt sehr freundlich und gab ihnen Fisch und Wildbret. Als sie zu Tisch gingen, setzte die Wirtin den Pfaffen obenan, und das Gute in den Sch\u00fcsseln legte sie dem Pfaffen vor. Sie sagte: \u00bbHerr, esset das um meinetwillen.\u00ab Eulenspiegel sa\u00df unten am Tisch, sah den Wirt und die Wirtin dauernd an, aber niemand legte ihm etwas vor oder hie\u00df ihn essen, obwohl er doch gleichviel bezahlen musste.<\/p>\n\n\n\n<p>Als das Mahl beendet und es Schlafenszeit war, wurden Eulenspiegel und der Pfaffe in die gleiche Kammer gelegt. F\u00fcr jeden wurde ein sch\u00f6nes, sauberes Bett bereitet, in dem sie schliefen. Am Morgen stand der Pfaffe zu passender Stunde auf, betete die ihm vorgeschriebene Zeit, bezahlte danach den Wirt und zog weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel blieb liegen, bis es neun Uhr schlagen wollte, dann schiss er in das Bett, darin der Pfaffe gelegen hatte, einen gro\u00dfen Haufen. Die Wirtin fragte den Hausknecht, ob der Pfaffe und die anderen G\u00e4ste aufgestanden seien und ob sie abgerechnet und bezahlt h\u00e4tten. Der Knecht sprach: \u00bbJa, der Pfaffe stand fr\u00fchzeitig auf, betete seine Zeit, bezahlte und wanderte weiter. Aber den anderen Gesellen habe ich heute noch nicht gesehen.\u00ab Die Frau bef\u00fcrchtete, er sei krank, ging in die Kammer und fragte Eulenspiegel, ob er nicht aufstehen wolle. Er sagte: \u00bbJa, Wirtin, mir war bisher nicht recht wohl.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Indessen wollte die Frau die Bettlaken vom Bett des Pfaffen nehmen. Als sie es aufdeckte, lag ein gro\u00dfer Dreck mitten im Bett. \u00bbEi, beh\u00fcte mich Gott\u00ab, sprach sie, \u00bbwas liegt hier?\u00ab \u00bbJa, liebe Wirtin, das wundert mich nicht\u00ab, sagte Eulenspiegel, \u00bbdenn was zum Abendessen an Gutem auf den Tisch kam: davon wurde das Allerbeste dem Pfaffen vorgelegt. Und den ganzen Abend wurde nur gesagt: \u203aHerr, esst das auf! \u2039 Da der Pfarrer so viel gegessen hatte, wundert es mich, dass es bei dem Haufen im Bett geblieben ist und dass er die Kammer nicht auch noch voll geschissen hat.\u00ab Die Wirtin fluchte dem unschuldigen Pfaffen und sagte, wenn er wiederkommen m\u00fcsse er weitergehn; aber Eulenspiegel, den braven Knecht, den wolle sie gern wieder beherbergen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie ein Holl\u00e4nder aus einer Sch\u00fcssel einen gebratenen Apfel a\u00df, darein Eulenspiegel ein Brechmittel getan hatte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Recht und redlich r\u00e4chte sich Eulenspiegel an einem Holl\u00e4nder. In einer Herberge in Antwerpen, in der holl\u00e4ndische Kaufleute waren, begab es sich einmal, dass Eulenspiegel ein wenig krank wurde. Er konnte kein Fleisch essen und lie\u00df sich weiche Eier kochen. Als die G\u00e4ste zu Tisch sa\u00dfen, kam auch Eulenspiegel an den Tisch und brachte die weichen Eier mit.<\/p>\n\n\n\n<p>Der eine Holl\u00e4nder hielt Eulenspiegel f\u00fcr einen Bauern und sprach: \u00bbWie, Bauer, magst du des Wirtes Kost nicht, dass man dir Eier kochen muss?\u00ab Damit nahm er die beiden Eier, schlug sie auf und schlurfte sie eins nach dem andern aus. Die Schalen legte er vor Eulenspiegel hin und sagte: \u00bbSieh hin, leck das aus, der Dotter ist heraus!\u00ab Die anderen G\u00e4ste lachten dar\u00fcber, und Eulenspiegel lachte mit ihnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Abend kaufte Eulenspiegel einen h\u00fcbschen Apfel, den h\u00f6hlte er inwendig aus und f\u00fcllte ihn mit Fliegen und M\u00fccken. Dann briet er langsam den Apfel, sch\u00e4lte ihn und bestreute ihn au\u00dfen mit Ingwer. Als sie nun des Abends wieder zu Tisch sa\u00dfen, brachte Eulenspiegel auf einem Teller den gebratenen Apfel und wendete sich vom Tisch ab, als ob er noch mehr holen wolle. Als er den R\u00fccken wandte, griff der Holl\u00e4nder zu, nahm ihm den gebratenen Apfel vom Teller und schlang ihn schnell hinunter. Sogleich musste der Holl\u00e4nder brechen und brach alles aus, was er im Leibe hatte. Ihm wurde so \u00fcbel, dass der Wirt und die anderen G\u00e4ste meinten, Eulenspiegel habe ihn mit dem Apfel vergiftet.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch Eulenspiegel sagte: \u00bbDas ist keine Vergiftung, es ist nur eine Reinigung seines Magens. Denn einem gierigen Magen bekommt keine Kost gut. H\u00e4tte er mir gesagt, dass er den Apfel so gierig hinunterschlucken wollte, so h\u00e4tte ich ihn davor gewarnt. Denn in den weichen Eiern waren keine M\u00fccken, aber in dem gebratenen Apfel lagen sie. Die musste er wieder ausbrechen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Unterdessen kam der Holl\u00e4nder wieder ganz zu sich und merkte, dass es ihm nicht weiter schadete. Er sprach zu Eulenspiegel: \u00bbIss und brate, ich esse nicht mehr mit dir, und wenn du auch Krammetsv\u00f6ge1 h\u00e4ttest.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel von einer Frau zu Gast geladen wurde, der der Rotz aus der Nase hing.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es begab sich einmal, dass ein Hoffest gehalten werden sollte, und Eulenspiegel wollte dahin reiten. Da fing sein Pferd an zu hinken, und er musste zu Fu\u00df gehen. Es war sehr hei\u00df, und ihn begann zu hungern. Unterwegs lag ein kleines Dorf, aber es war kein Wirtshaus darin. Um die Mittagszeit kam er in das Dorf, in dem er wohlbekannt war. Er ging in ein Haus, wo die Frau sa\u00df und K\u00e4se machte, und sie hatte einen Klumpen Molke in den H\u00e4nden. Als die Frau \u00fcber der Molke sa\u00df, hatte sie keine Hand frei, und ein gro\u00dfer Schnudel hing ihr unter der Nase.<\/p>\n\n\n\n<p>Da bot ihr Eulenspiegel einen guten Tag und sah den Schnudel wohl. Das merkte sie zwar, aber sie konnte die Nase nicht an den \u00c4rmeln abwischen und sich auch nicht schneuzen. Da sprach sie zu ihm: \u00bbLieber Eulenspiegel, setzt Euch hin und wartet, ich will Euch gute, frische Butter geben.\u00ab Da machte Eulenspiegel kehrt und ging wieder zur T\u00fcr hinaus. Die Frau rief ihm nach: \u00bbWartet doch und esst erst etwas!\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbLiebe Frau, sp\u00e4ter, wenn er gefallen ist!\u00ab Denn er bef\u00fcrchtete, der Schnudel fiele in die Molke.<\/p>\n\n\n\n<p>Er ging in ein anderes Haus und dachte: Die Butter magst du nicht; wer dazu ein wenig Teig h\u00e4tte, brauchte keine Eier hineinzuschlagen, er w\u00fcrde von dem Rotz fett genug.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel 12 Blinden 12 Gulden gab, so dass sie meinten, sie k\u00f6nnten sie frei verzehren, zuletzt aber ganz schlecht dabei wegkamen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als Eulenspiegel landauf und landab zog, kam er einmal wieder nach Hannover, und da trieb er viele seltsame Abenteuer. Eines Tages ritt er eine Ackerl\u00e4nge Weges vor dem Tor spazieren. Da begegneten ihm 12 Blinde. Als Eulenspiegel zu ihnen kam, sprach er: \u00bbWoher, ihr Blinden?\u00ab Die Blinden blieben stehen und h\u00f6rten wohl, dass er auf einem Pferd sa\u00df. Da meinten sie, es sei ein ehrbarer Mann, zogen ihre H\u00fcte und Kappen und sagten: \u00bbLieber Junker, wir sind in der Stadt gewesen. Da ist ein reicher Mann gestorben, dem hielt man ein Seeamt und gab Spenden, und es war schrecklich kalt.\u00ab Da sprach Eulenspiegel zu den Blinden: \u00bbEs ist wirklich sehr kalt, ich f\u00fcrchte, ihr friert euch zu Tode. Seht her, hier habt ihr 12 Gulden. Geht wieder hin in die Stadt, und zwar zu der Herberge, aus der ich geritten komme\u00ab &#8211; und er beschrieb ihnen das Haus&nbsp;-, \u00bbund verzehrt diese 12 Gulden um meinetwillen, bis dieser Winter vorbei ist und ihr wieder wandern k\u00f6nnt, ohne zu frieren.\u00ab Die Blinden standen und verneigten sich und dankten ihm eifrig. Und der erste Blinde meinte, der zweite habe das Geld, der zweite meinte, der dritte habe es, der dritte meinte, der vierte habe es, und so fort bis zum letzten, der glaubte, der erste habe es.<\/p>\n\n\n\n<p>Also gingen sie in die Stadt zu der Herberge, wohin sie Eulenspiegel gewiesen hatte. Als sie in die Herberge kamen, sprachen die Blinden: ein guter Mann sei an ihnen vorbeigeritten und habe ihnen aus Barmherzigkeit 12 Gulden geschenkt. Die sollten sie um seinetwillen verzehren, bis der Winter vor\u00fcber sei. Der Wirt war gierig nach dem Gelde, nahm sie daf\u00fcr auf und dachte nicht daran, sie zu fragen und nachzusehen, welcher Blinde die 12 Gulden hatte. Er sprach: \u00bbJa, meine lieben Br\u00fcder, ich will euch gut bewirten.\u00ab Er schlachtete, bereitete zu und kochte f\u00fcr die Blinden und lie\u00df sie so lange essen, bis ihn d\u00fcnkte, dass sie 12 Gulden verzehrt h\u00e4tten. Da sprach er: \u00bbLiebe Br\u00fcder, wir wollen abrechnen, die 12 Gulden sind fast ganz verzehrt.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die Blinden sagten ja, und jeder fragte den andern, ob er die 12 Gulden habe, damit der Wirt bezahlt w\u00fcrde. Der erste hatte die Gulden nicht, der zweite hatte sie auch nicht, der dritte wiederum nicht, der vierte desgleichen; der letzte wie der erste hatten die 12 Gulden nicht. Die Blinden seufzten und kratzten sich die K\u00f6pfe, denn sie waren betrogen, und der Wirt desgleichen. Er sa\u00df da und dachte: l\u00e4sst du die Blinden gehen, so wird dir die Kost nicht bezahlt; beh\u00e4ltst du sie, so fressen und verzehren sie noch mehr, und da sie nichts haben, erleidest zu zweifachen Schaden. So trieb er sie hinten in den Schweinestall, sperrte sie darin ein und legte ihnen Stroh und Heu vor.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel f\u00fcr die Blinden einen B\u00fcrgen stellte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel dachte, es sei an der Zeit, dass die Blinden das Geld verzehrt h\u00e4tten. Er verkleidete sich und ritt in die Stadt zu dem Wirt in die Herberge. Als er in den Hof kam und sein Pferd im Stall anbinden wollte, sah er, dass die Blinden im Schweinestall lagen. Da ging er in das Haus und sagte zu dem Wirt: \u00bbHerr Wirt, was denkt Ihr Euch dabei, dass die armen blinden Leute so in dem Stall liegen? Erbarmt es Euch nicht, dass sie essen, wovon ihnen Leib und Leben weh tut?\u00ab Der Wirt sprach: \u00bbIch wollte, sie w\u00e4ren dort, wo alle Wasser zusammenlaufen. Wenn nur meine Kost bezahlt w\u00e4re!\u00ab Und er erz\u00e4hlte ihm alles, wie er mit den Blinden betrogen worden sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel sagte: \u00bbWie ist es, Herr Wirt, k\u00f6nnen sie keinen B\u00fcrgen bekommen?\u00ab Der Wirt dachte: O h\u00e4tte ich jetzt einen B\u00fcrgen! und sprach: \u00bbFreund, k\u00f6nnte ich einen sicheren B\u00fcrgen bekommen, den n\u00e4hme ich und lie\u00dfe die unseligen Blinden laufen.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbWohlan, ich will in der ganzen Stadt herumh\u00f6ren und sehen, dass ich f\u00fcr Euch einen B\u00fcrgen finde.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da ging Eulenspiegel zu dem Pfarrer und sprach: \u00bbMein lieber Herr Pfarrer, wollt Ihr wie ein guter Freund handeln? Mein hiesiger Wirt ist in dieser Nacht von einem b\u00f6sen Geist besessen worden. Er l\u00e4sst Euch bitten, ihm diesen wieder auszutreiben.\u00ab Der Pfarrer sagte: \u00bbja, gern, aber er muss einen Tag oder zwei warten, solche Dinge kann man leicht \u00fcbereilen.\u00ab Eulenspiegel entgegnete: \u00bbIch will gehen und seine Frau holen, damit Ihr es zu ihr selber sagt.\u00ab Der Pfarrer sprach: \u00bbJa, lass sie herkommen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da ging Eulenspiegel wieder zu seinem Wirt und sagte zu ihm: \u00bbIch habe Euch einen B\u00fcrgen besorgt, das ist Euer Pfarrer. Der will daf\u00fcr gutsagen und Euch geben, was Ihr haben sollt. Lasst Eure Frau mit mir zu ihm gehen, er will ihr das zusagen.\u00ab Der Wirt war damit einverstanden und froh dar\u00fcber, und er sandte seine Frau mit Eulenspiegel zu dem Pfarrer. Da hob Eulenspiegel an: \u00bbHerr Pfarrer, hier ist die Frau. Sagt ihr nun selber, was Ihr mir zugesagt und gelobt habt!\u00ab Der Pfarrer sprach: \u00bbJa, meine liebe Frau, wartet einen Tag oder zwei, so will ich ihm helfen.\u00ab Die Frau sagte ja, ging mit Eulenspiegel wieder nach Hause und sagte das ihrem Ehemann. Der Wirt war froh, lie\u00df die Blinden gehn und sprach sie ihrer Schuld ledig. Eulenspiegel aber machte sich reisefertig und verschwand unauff\u00e4llig.<\/p>\n\n\n\n<p>Am dritten Tag ging die Frau zum Pfarrer und mahnte ihn wegen der 12 Gulden, die die Blinden verzehrt hatten. Der Pfarrer sagte: \u00bbLiebe Frau, hat Euch Euer Mann das so gehei\u00dfen?\u00ab Die Frau bejahte. Da sprach der Pfarrer: \u00bbDas ist der b\u00f6sen Geister Eigenschaft, dass sie Geld haben wollen.\u00ab Die Frau sagte: \u00bbDas ist kein b\u00f6ser Geist; bezahlt ihm die Kost!\u00ab Der Pfarrer sprach: \u00bbMir ist gesagt worden, Euer Ehemann sei vom b\u00f6sen Geist besessen. Holt mir ihn her, ich will ihn davon befreien mit Gottes Hilfe.\u00ab Die Frau sagte: \u00bbDas pflegen Sch\u00e4lke zu tun, die zu L\u00fcgnern werden, wenn sie bezahlen sollen. Ist mein Mann vom b\u00f6sen Geist gefangen, so sollst du das heute noch zu sp\u00fcren bekommen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und sie lief nach Hause und erz\u00e4hlte ihrem Ehemann, was der Pfarrer gesagt hatte. Der Wirt nahm Spie\u00df und Hellebarde und lief damit zum Pfarrhof. Der Pfarrer wurde dessen gewahr, rief seine Nachbarn zu Hilfe, bekreuzigte sich und sprach: \u00bbKommt mir zu Hilfe, meine lieben Nachbarn! Seht, dieser Mensch ist besessen von einem b\u00f6sen Geist!\u00ab Der Wirt sagte: \u00bbPfaffe, gedenke deiner Worte und bezahle mich!\u00ab Der Pfarrer stand und bekreuzigte sich wieder. Der Wirt wollte auf den Pfarrer einschlagen, die Bauern aber kamen dazwischen und konnten die beiden nur mit gro\u00dfer M\u00fche auseinanderbringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und solange der Wirt und der Pfarrer lebten, mahnte der Wirt den Pfarrer wegen der Kosten. Der Pfarrer sprach, er sei ihm nichts schuldig, sondern der Wirt sei vom b\u00f6sen Geist besessen, und er wolle ihn bald davon befreien. Das w\u00e4hrte, solange die beiden lebten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel in einem Spital an einem Tage alle Kranken ohne Arznei gesund machte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Einmal kam Eulenspiegel nach N\u00fcrnberg, schlug gro\u00dfe Bekanntmachungen an die Kircht\u00fcren und an das Rathaus an und gab sich als einen guten Arzt f\u00fcr alle Krankheiten aus. Und da war eine gro\u00dfe Zahl kranker Menschen in dem neuen Spital, wo der hochw\u00fcrdige, heilige Speer Christi mit anderen bemerkenswerten St\u00fccken aufbewahrt ist. Der Spitalmeister w\u00e4re einen Teil der kranken Menschen gerne losgeworden und h\u00e4tte ihnen die Gesundheit wohl geg\u00f6nnt. Deshalb ging er zu Eulenspiegel, dem Arzt, und fragte ihn, ob er nach den Bekanntmachungen, die er angeschlagen habe, seinen Kranken helfen k\u00f6nne. Es solle ihm wohl gelohnt werden. Eulenspiegel sprach, er wolle viele seiner Kranken gesund machen, wenn er 200 Gulden anlegen und ihm die zusagen wolle. Der Spitalmeister sagte ihm das Geld zu, wenn er den Kranken h\u00fclfe. Eulenspiegel war damit einverstanden: der Spitalmeister brauche ihm keinen Pfennig zu geben, wenn er die Kranken nicht gesund mache. Das gefiel dem Spitalmeister sehr gut, und er gab ihm 20 Gulden Vorschuss.<\/p>\n\n\n\n<p>Da ging Eulenspiegel ins Spital, nahm zwei Knechte mit sich und fragte einen jeglichen Kranken, welches Gebrechen ihn plage. Und zuletzt, bevor er den Kranken verlie\u00df, beschwor er jeden und sprach: \u00bbWas ich dir jetzt offenbaren werde, das sollst du als Geheimnis bei dir behalten und niemandem verraten.\u00ab Das schworen ihm dann die Siechen mit gro\u00dfer Beteuerung. Darauf sagte er zu jedem einzelnen: \u00bbWenn ich euch Kranken zur Gesundheit verhelfen und euch auf die F\u00fc\u00dfe bringen soll, kann ich das nur so: ich muss einen von euch zu Pulver verbrennen und dies den andere zu trinken geben. Das muss ich tun! Den Kr\u00e4nkesten von euch allen, der nicht gehen kann, werde ich zu Pulver verbrennen, damit ich den anderen damit helfen kann. Um euch alle zu wecken, werde ich den Spitalmeister nehmen, mich in die T\u00fcr des Spitals stellen und mit lauter Stimme rufen: \u203aWer da nicht krank ist, der komme sogleich heraus! \u2039 Das verschlafe nicht! Denn der letzte muss die Zeche bezahlen.\u00ab So sprach er zu jedem allein.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf diese Rede gab jeglicher wohl acht. Und am angesagten Tage beeilten sie sich mit ihren kranken und lahmen Beinen, weil keiner der letzte sein wollte. Als Eulenspiegel nach seiner Ank\u00fcndigung rief, begannen sie sofort zu laufen, darunter einige, die in zehn Jahren nicht aus dem Bett gekommen waren. Als das Spital nun ganz leer und die Kranken alle heraus waren, begehrte Eulenspiegel von dem Spitalmeister seinen Lohn und sagte, er m\u00fcsse eilig in eine andere Gegend reisen. Da gab er ihm das Geld mit gro\u00dfem Dank, und Eulenspiegel ritt hinweg.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber nach drei Tagen kamen die Kranken alle wieder und klagten \u00fcber ihre Krankheit. Da fragte der Spitalmeister: \u00bbWie geht das zu? Ich habe ihnen doch den gro\u00dfen Meister hergebracht! Er hat ihnen geholfen, so dass sie alle selbst davongegangen sind.\u00ab Da sagten sie dem Spitalmeister, womit er ihnen gedroht hatte: wer als letzter zur T\u00fcr hinausk\u00e4me, wenn er zur festgesetzten Zeit riefe, den wolle er zu Pulver verbrennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da merkte der Spitalmeister, dass er von Eulenspiegel betrogen war. Aber der war hinweg, und er konnte ihm nichts mehr antun. Also blieben die Kranken wieder wie zuvor im Spital, und das Geld war verloren.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel in Mariental die M\u00f6nche in der Messe z\u00e4hlte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zu der Zeit, als Eulenspiegel alle Lande durchlaufen hatte und alt und verdrossen geworden war, kam ihn eine Galgenreue an. Er gedachte, in ein Kloster einzutreten, arm wie er war, seine ihm noch verbliebene Zeit geduldig zu ertragen und Gott sein ferneres Leben zu dienen f\u00fcr seine S\u00fcnden, damit er nicht verloren sei, wenn Gott \u00fcber ihn geb\u00f6te.<\/p>\n\n\n\n<p>So kam er in dieser Absicht zu dem Abt von Mariental und bat ihn, dass er ihn als Mitbruder aufnehme, er wolle dem Kloster all das Seine hinterlassen. Der Abt war Narren wohl gesonnen und sagte: \u00bbDu bist noch gut bei Kr\u00e4ften, ich will dich gerne aufnehmen, wie du gebeten hast. Aber du musst etwas tun und ein Amt \u00fcbernehmen, denn du siehst, dass meine Br\u00fcder und ich alle etwas zu tun haben, und jedem ist etwas befohlen.\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbJa, Herr, gern.\u00ab \u00bbWohlan in Gottes Namen\u00ab, sagte der Abt, \u00bbdu arbeitest nicht gern, du sollst unser Pf\u00f6rtner sein. Da bleibst du in deinem Gemach und brauchst dich um nichts weiter zu k\u00fcmmern, als Kost und Bier aus dem Keller zu holen und die Pforte auf- und zuzuschlie\u00dfen.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbW\u00fcrdiger Herr, das vergelte Euch Gott, dass Ihr mich alten, kranken Mann so wohl bedenket! Ich will auch alles tun, was Ihr mich hei\u00dfet, und alles lassen, was Ihr mir verbietet.\u00ab Der Abt sprach: \u00bbSieh, hier ist der Schl\u00fcssel! Du sollst aber nicht jedermann einlassen, sondern nur jeden dritten oder vierten lass hereinkommen! Denn wenn du zu viele einl\u00e4sst, so fressen sie das Kloster arm.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbW\u00fcrdiger Herr, ich will es ihnen recht tun.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und von allen, die da kamen, ob sie ins Kloster geh\u00f6rten oder nicht, lie\u00df er immer nur den vierten ein und nicht mehr. Dar\u00fcber wurde vor dem Abt Klage gef\u00fchrt. Der sagte zu Eulenspiegel: \u00bbDu bist ein auserlesener Schalk! Willst du die nicht hereinlassen, die hier herein geh\u00f6ren?\u00ab \u00bbHerr\u00ab, sagte Eulenspiegel, \u00bbjeden vierten habe ich hereingelassen, wie Ihr mich gehei\u00dfen habt, und nicht mehr. Damit habe ich Euer Gebot vollbracht.\u00ab \u00bbDu hast gehandelt wie ein Schalk\u00ab, sprach der Abt und w\u00e4re ihn gern wieder losgeworden. Und er setzte einen anderen Beschlie\u00dfer ein, denn er merkte wohl, dass Eulenspiegel von seiner alten Sinnesart nicht lassen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Da gab er ihm ein anderes Amt und sagte: \u00bbSieh, du sollst die M\u00f6nche nachts in der Messe z\u00e4hlen. Und wenn du einen \u00fcbersiehst, so musst du weiterwandern.\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbDas ist f\u00fcr mich schwer zu tun, doch wenn es nicht anders sein kann, muss ich es machen, damit das Beste daraus werden mag.\u00ab Und des Nachts brach er einige Stufen aus der Treppe. Nun war der Prior ein guter, frommer, alter M\u00f6nch und allezeit der erste in der Messe. Der kam still zur Treppe, und als er glaubte, auf die Stufen zu treten, trat er durch und brach sich ein Bein. Er schrie j\u00e4mmerlich, so dass die anderen Br\u00fcder hinzuliefen und sehen wollten, was mit ihm war. Da fiel einer nach dem andern die Treppe herab. Eulenspiegel sprach zu dem Abt: \u00bbW\u00fcrdiger Herr, habe ich nun mein Amt richtig versehen? Ich habe die M\u00f6nche alle gez\u00e4hlt.\u00ab Und er gab ihm das Kerbholz, in das er sie alle geschnitten hatte, als einer nach dem andern herunterfiel. Der Abt sprach: \u00bbDu hast gez\u00e4hlt wie ein verworfener Schalk! Geh mir aus meinem Kloster und lauf zum Teufel, wohin du willst.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Also kam Eulenspiegel nach M\u00f6lln, da wurde er von Krankheit befallen, so dass er kurz danach starb.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel in M\u00f6lln krank wurde, dem Apotheker in eine B\u00fcchse schi\u00df, wie er in den \u00bbHeiligen Geist\u00ab gebracht wurde und seiner Mutter ein s\u00fc\u00dfes Wort zusprach.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Elend und sehr krank wurde Eulenspiegel, als er von Mariental nach M\u00f6lln kam. Da zog er zu dem Apotheker in die Herberge, um der Arznei willen. Nun war der Apotheker dort auch ein wenig schalkhaftig und listig und gab Eulenspiegel ein scharfes Abf\u00fchrmitte1. Als es auf den Morgen zuging, begann das Abf\u00fchrmittel zu wirken, und Eulenspiegel stand auf und wollte seines Kotes ledig werden. Das Haus war jedoch allenthalben verschlossen, und ihm wurde angst und bange. Er kam in das Apothekenzimmer, schi\u00df in eine B\u00fcchse und sprach: \u00bbHier kam die Arznei heraus, hier muss sie wieder hinein. So verliert auch der Apotheker nichts, ich kann ihm ja doch kein Geld geben.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Als das der Apotheker merkte, fluchte er Eulenspiegel und wollte ihn nicht l\u00e4nger im Hause haben. Er lie\u00df ihn in das Spital (es hie\u00df \u00bbZum Heiligen Geist\u00ab) bringen. Da sagte Eulenspiegel zu den Leuten, die ihn hinbrachten: \u00bbIch habe sehr danach getrachtet und Gott allezeit gebeten, der Heilige Geist m\u00f6ge in mich kommen. Jetzt schickt Gott mir das Gegenteil: ich komme in den Heiligen Geist. Er bleibt au\u00dfer mir und ich komme in ihn.\u00ab Die Leute lachten \u00fcber seine Worte und gingen fort.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wie eines Menschen Leben ist, so ist auch sein Ende. Es wurde seiner Mutter kundgetan, dass er krank sei. Die war bald zur Reise ger\u00fcstet, kam zu ihm und glaubte, von ihm Geld zu erhalten, denn sie war eine alte, arme Frau. Als sie zu ihm kam, begann sie zu weinen und sprach: \u00bbMein lieber Sohn, wo bist du krank?\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbHier zwischen der Bettstelle und der Wand!\u00ab \u00bbAch, lieber Sohn, sag mir doch ein s\u00fc\u00dfes Wort!\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbLiebe Mutter, Honig, das ist ein s\u00fc\u00dfes Wort.\u00ab Die Mutter sagte: \u00bbAch, lieber Sohn, gib mir doch noch eine gute Lehre, bei der ich deiner gedenken kann.\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbJa, liebe Mutter, wenn du deine Notdurft verrichten willst, kehre den Arsch von dem Winde weg, dann kommt dir der Gestank nicht in die Nase.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mutter sagte: \u00bbLieber Sohn, gib mir doch etwas von deinem Gut!\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbLiebe Mutter, wer nichts hat, dem soll man geben, und wer etwas hat, dem soll man etwas nehmen. Mein Gut ist verborgen, so dass niemand etwas davon wei\u00df. Findest du etwas, was mir geh\u00f6rt, so magst du es nehmen; ich gebe dir von meiner Habe alles, was krumm und was gerade ist.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Unterdessen wurde Eulenspiegel sehr krank, so dass die Leute ihm zuredeten, er solle beichten und das Abendmahl nehmen. Eulenspiegel willigte darein, denn er merkte wohl, dass er von diesem Lager nicht mehr aufstehen werde.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel seine S\u00fcnden bereuen sollte und wie ihn dreierlei Schalkheit reute, die er nicht getan hatte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Reue und Leid wegen seiner S\u00fcnden sollte Eulenspiegel w\u00e4hrend seiner Krankheit empfinden, damit ihm das Abendmahl gegeben werden k\u00f6nne und er desto s\u00fc\u00dfer sterben k\u00f6nne &#8211; so sagte ihm eine alte Begine. Zu ihr sprach Eulenspiegel: \u00bbDies geschieht nicht, dass ich s\u00fc\u00df sterbe, denn der Tod ist bitter. Und warum soll ich heimlich beichten? Was ich in meinem Leben getan habe, das ist in vielen Landen vielen Leuten bekannt. Wem ich etwas Gutes getan habe, der wird es mir wohl nachsagen. Habe ich einem etwas B\u00f6ses getan, der wird das trotz meiner Reue nicht verschweigen. Ich bereue dreierlei, und es tut mir leid, dass ich es nicht getan habe und nicht tun konnte.\u00ab Die Begine sprach: \u00bbDu lieber Gott! Ist es etwas B\u00f6ses, das Ihr gelassen habt, so seid doch froh dar\u00fcber! Lasst Euch Eure S\u00fcnden leid tun!\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbFrau, mir ist leid, dass ich dreierlei nicht getan habe und auch nicht dazu kam, es zu tun.\u00ab Die Begine sprach: \u00bbWas sind das f\u00fcr Dinge? Sind sie gut oder b\u00f6se?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel sprach: \u00bbEs sind drei Dinge, und das erste ist das: Wenn ich in meinen jungen Tagen sah, dass ein Mann auf der Stra\u00dfe ging, dem der Rock lang unter dem Mantel heraushing, ging ich ihm nach. Ich meinte, der Rock werde ihm herunterfallen, so dass ich ihn aufheben k\u00f6nnte. Wenn ich dann n\u00e4her zu ihm kam, sah ich, dass ihm der Rock nur zu lang war. Dar\u00fcber wurde ich zornig und h\u00e4tte ihm gern den Rock so weit abgeschnitten, wie er unter dem Mantel hervorhing. Dass ich das nicht konnte, das ist mir leid.<\/p>\n\n\n\n<p>Das zweite ist dies: Wenn ich jemanden sitzen oder gehen sah, der mit einem Messer in seinen Z\u00e4hnen stocherte: dass ich ihm nicht das Messer in den Hals schlagen konnte. Auch das tut mir leid.<\/p>\n\n\n\n<p>Das dritte ist: dass ich nicht allen alten Weibern, die \u00fcber ihre Jahre hinaus sind, ihre \u00c4rsche zuflicken konnte, auch das ist mir leid. Denn diese Frauen sind zu nichts n\u00fctze mehr auf Erden, als dass sie das Erdreich beschei\u00dfen, worauf die Frucht steht.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die Begine sprach: \u00bbEi, beh\u00fcte uns Gott! Was sagt Ihr da? Ich h\u00f6re wohl: wenn Ihr gesund genug w\u00e4ret und die M\u00f6glichkeit h\u00e4ttet, Ihr w\u00fcrdet mir mein Loch auch zun\u00e4hen, denn ich bin eine Frau wohl von 60 Jahren.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbEs tut mir leid, dass es noch nicht geschehen ist.\u00ab Da sprach die Begine: \u00bbSo beh\u00fcte Euch der Teufel!\u00ab, ging von ihm fort und lie\u00df ihn liegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und Eulenspiegel sagte: \u00bbEs ist keine Begine so fromm, dass sie nicht, wenn sie zornig wird, \u00e4rger ist als der Teufel.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel sein Testament machte und ein Pfaffe dabei seine H\u00e4nde besudelte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Merkt euch, geistliche und weltliche Personen, dass ihr eure H\u00e4nde nicht an Testamenten verunreinigt, wie es bei Eulenspiegels Testament geschah!<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Pfaffe wurde zu Eulenspiegel gebracht, damit er ihm beichten solle. Als er nun zu Eulenspiegel kam, da dachte der Pfaffe bei sich: er ist ein abenteuerlicher Mensch gewesen und hat damit viel Geld zusammengebracht; es kann nicht fehlen, er muss eine bedeutende Summe Geldes haben; die solltest du ihm abnehmen, da es mit ihm zu Ende geht, vielleicht bekommst du auch etwas davon.<\/p>\n\n\n\n<p>Als nun Eulenspiegel dem Pfaffen zu beichten begann und sie ins Gespr\u00e4ch kamen, sagte unter anderem der Pfaffe zu ihm: \u00bbEulenspiegel, mein lieber Sohn, bedenkt Eurer Seele Seligkeit bei Eurem Ende! Ihr seid ein abenteuerlicher Gesell gewesen und habt viele S\u00fcnden begangen. Die bereuet jetzt! Und habt Ihr etwas Geld: ich w\u00fcrde das zur Ehre Gottes geben und auch armen Priestern, wie ich einer bin. Das rate ich Euch, denn es ist nicht immer ehrlich gewonnen. Und wenn Ihr solches tun wollt, mir das offenbart und mir dieses Geld gebt: ich will es dann einrichten, dass Ihr damit in die Ehre Gottes kommt. Und wollt Ihr mir selbst auch etwas geben, so werde ich Euer all mein Lebtag gedenken und f\u00fcr Euch Totengebete und Seelenmessen lesen.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbJa, mein Lieber, ich will Euer gedenken. Kommt nachmittags wieder, ich will Euch selbst ein St\u00fcck Gold in die Hand geben. Dessen k\u00f6nnt Ihr gewi\u00df sein.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der Pfaffe war froh und kam nach dem Mittag wieder gelaufen. Und w\u00e4hrend er fort war, nahm Eulenspiegel eine Kanne, die f\u00fcllte er halbvoll mit Menschendreck. Darauf legte er ein wenig Geld, so dass das Geld den Dreck bedeckte. Als der Pfaffe wiederkam, sprach er: \u00bbMein lieber Eulenspiegel, ich bin hier. Wollt ihr mir nun etwas geben, wie Ihr es mir versprochen habt, so will ich es in Empfang nehmen.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbJa, lieber Herr, wenn Ihr bescheiden zugreift und nicht gierig sein wollt, so will ich Euch einen Griff aus dieser Kanne gestatten, damit Ihr meiner gedenken sollt.\u00ab Der Pfaffe sprach: \u00bbIch will es nach Euerem Willen tun und hineingreifen, so wenig ich kann.\u00ab Da machte Eulenspiegel die Kanne auf und sagte: \u00bbSeht hin, lieber Herr, die Kanne ist ganz voll Geld. Tastet hinein und nehmt Euch daraus eine Handvoll, aber greifet nicht zu tief!\u00ab Der Pfaffe sagte ja, und ihm wurde ganz feierlich zumute. Die Habgier verf\u00fchrte ihn, er griff mit der Hand in die Kanne und wollte eine gute Handvoll greifen. Als er mit der Hand in die Kanne fuhr, merkte er, dass es na\u00df und weich unter dem Gelde war. Schnell zog er die Hand wieder zur\u00fcck, aber die war schon bis zu den Kn\u00f6cheln mit Dreck besudelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Da sprach der Pfaffe zu Eulenspiegel: \u00bbO, was bist du f\u00fcr ein hinterh\u00e4ltiger Schalk! Du betr\u00fcgst mich noch in deinen letzten Stunden, da du schon auf deinem Totenbette liegst! Da d\u00fcrfen sich diejenigen nicht beklagen, die du in deinen jungen Tagen betrogen hast.\u00ab Eulenspiegel sagte: \u00bbLieber Herr, ich warnte Euch, Ihr solltet nicht zu tief greifen! Verf\u00fchrte Euch nun Eure Gier und beachtetet Ihr meine Warnung nicht, so ist das nicht meine Schuld.\u00ab Der Pfaffe sprach: \u00bbDu bist ein Schalk, auserlesen aus allen Sch\u00e4lken! Du konntest dich in L\u00fcbeck vom Galgen reden, so antwortest du wohl jetzt auch mir.\u00ab Und er ging und lie\u00df Eulenspiegel liegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eulenspiegel rief ihm nach, er m\u00f6ge warten und das Geld mit sich nehmen. Aber der Pfaffe wollte nicht h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel sein Gut in drei Teilen vergab: einen Teil seinen Freunden, einen Teil dem Rat von M\u00f6lln, einen Teil dem Pfarrer daselbst.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als Eulenspiegel immer kr\u00e4nker wurde, setzte er sein Testament auf und vergab sein Gut in drei Teilen: einen Teil seinen Freunden, einen Teil dem Rat von M\u00f6lln und einen Teil dem Kirchherrn von M\u00f6lln. Er gab dazu jedoch folgende Weisung: Wenn Gott der Herr \u00fcber ihn geb\u00f6te und er st\u00fcrbe, so solle man seinen Leichnam in geweihter Erde begraben und f\u00fcr seine Seele sorgen mit vielen Totengebeten und Seelenmessen nach christlicher Ordnung und Gewohnheit. Und nach vier Wochen sollten sie einhellig den Inhalt der sch\u00f6nen Kiste, die er ihnen zeigte, wohl verwahrt mit kostbaren Schl\u00fcsseln &#8211; und sie sei noch erst aufzuschlie\u00dfen -, untereinander teilen und sich g\u00fctlich dar\u00fcber einigen. Das nahmen die drei Parteien an, und Eulenspiegel starb.<\/p>\n\n\n\n<p>Als nun alle Dinge nach dem Wortlaut des Testaments vollbracht und die vier Wochen abgelaufen waren, kamen der Rat, der Kirchherr und Eulenspiegels Freunde und \u00f6ffneten die Kiste, um den hinterlassenen Schatz zu teilen. Als sie ge\u00f6ffnet war, fand man nichts anderes darin als Steine. Einer sah den andern an, und alle wurden zornig. Der Pfarrer meinte: da der Rat die Kiste in Verwahrung genommen habe, habe er den Schatz heimlich herausgenommen und die Kiste wieder zugeschlossen. Der Rat meinte: die Freunde h\u00e4tten den Schatz w\u00e4hrend seiner Krankheit herausgenommen und die Kiste mit Steinen wieder gef\u00fcllt. Und die Freunde meinten: die Pfaffen h\u00e4tten den Schatz heimlich davongetragen, als Eulenspiegel beichtete und jedermann hinausgegangen war. Also schieden sie in Unfrieden voneinander.<\/p>\n\n\n\n<p>Da wollten der Kirchherr und der Rat Eulenspiegel wieder ausgraben lassen. Als sie zu graben begannen, war er schon so verwest, dass niemand bei ihm bleiben wollte. Da machten sie das Grab wieder zu, und Eulenspiegel blieb in seinem Grab liegen. Und zu seinem Ged\u00e4chtnis wurde ein Stein auf sein Grab gesetzt, den man noch heute sieht.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel starb und die Schweine w\u00e4hrend der Totenfeier seine Bahre umwarfen, so dass er herunterfiel.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem Eulenspiegel seinen Geist aufgegeben hatte, kamen die Leute in das Spital, beweinten ihn und legten seinen Sarg in die Diele auf eine Bahre. Die Pfaffen kamen, wollten ihm Totengebete singen und fingen damit an. Da kam die Sau des Spitals mit ihren Ferkeln, ging unter die Bahre und begann, sich daran zu kratzen, so dass Eulenspiegel von der Bahre fiel. Die Frauen und die Pfaffen wollten die Sau mit den Ferkeln wieder zur T\u00fcr hinausjagen, aber die Sau war st\u00f6rrisch und wollte sich nicht vertreiben lassen. Die Sau und die jungen Ferkel liefen kreuz und quer im Spital umher, sie sprangen und rannten \u00fcber die Pfaffen hinweg, \u00fcber die Beginen, \u00fcber die Kranken und Gesunden und \u00fcber den Sarg, in dem Eulenspiegel lag. Davon erhob sich ein Gerufe und Geschrei von den alten Beginen, so dass die Pfaffen die Ger\u00e4te f\u00fcr die Totenfeier stehen lie\u00dfen und zur T\u00fcr hinausliefen. Die anderen verjagten zuletzt die Sau mit ihren Ferkeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Da kamen die Beginen und legten den Sarg wieder auf die Bahre. Aber dabei kam Eulenspiegel umgekehrt zu liegen, so dass er den Bauch gegen die Erde und den R\u00fccken nach oben kehrte. Als die Pfaffen weggingen, sprachen sie: wenn die Beginen ihn begraben wollten, so h\u00e4tten sie nichts dagegen; sie aber w\u00fcrden nicht wiederkommen. Also nahmen die Beginen Eulenspiegel und trugen ihn auf den Kirchhof &#8211; verkehrt herum, da er auf dem Bauch lag, weil der Sarg umgedreht war. So setzten sie ihn am Grabe nieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Da kamen die Pfaffen doch zur\u00fcck und sprachen, welchen Rat sie auch dazu geben w\u00fcrden, wie man ihn begraben solle: er w\u00fcrde doch nicht wie die anderen Christenmenschen im Grabe liegen wollen. Dabei wurden sie gewahr, dass der Sarg umgedreht war und dass Eulenspiegel auf dem Bauche lag. Da begannen sie zu lachen und sagten: \u00bbEr zeigt selber, dass er verkehrt liegen will. Danach wollen wir handeln.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>wie Eulenspiegel von Beginen begraben wurde; denn er wollte weder von Geistlichen noch von Weltlichen begraben werden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bei Eulenspiegels Begr\u00e4bnis ging es wunderlich zu. Denn als sie alle auf dem Kirchhof um den Sarg standen, in dem Eulenspiegel lag, legten sie ihn auf die beiden Seile und wollten ihn in das Grab senken. Da ri\u00df das Seil, das am Fu\u00dfende war, und der Sarg scho\u00df in das Grab, so dass Eulenspiegel in dem Sarg auf die F\u00fc\u00dfe zu stehen kam. Da sprachen alle, die dabeistanden: \u00bbLasst ihn stehen! Wunderlich ist er gewesen in seinem Leben, wunderlich will er auch sein in seinem Tod.\u00ab Also warfen sie das Grab zu und lie\u00dfen ihn aufrecht auf den F\u00fc\u00dfen stehn.<\/p>\n\n\n\n<p>Und sie setzten ihm einen Stein oben auf das Grab. Auf die eine H\u00e4lfte hieben sie eine Eule und einen Spiegel, den die Eule in ihren Klauen h\u00e4lt, und schrieben oben auf den Stein:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDisen Stein sol nieman erhaben. Hie stat Ulenspiegel begraben. Anno domini MCCCL.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":3399,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[112,95],"tags":[51,50],"class_list":["post-790","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-hermann-bote","category-legende","tag-hermann-bote","tag-till-eulenspiegel"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/790","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=790"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/790\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3401,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/790\/revisions\/3401"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3399"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=790"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=790"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=790"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}