{"id":784,"date":"2016-02-17T01:53:51","date_gmt":"2016-02-17T00:53:51","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=784"},"modified":"2026-01-17T03:36:15","modified_gmt":"2026-01-17T02:36:15","slug":"der-alte-mann-aus-dem-berge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-alte-mann-aus-dem-berge\/","title":{"rendered":"Der alte Mann aus dem Berge"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der alte Mann aus dem Berge<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bergbaum\u00e4rchen<\/p>\n\n\n\n<p>Mancher Bergmann erinnert sich, dass schon sein Vater oder gar sein Gro\u00dfvater vom alten Mann aus dem Berge sprachen, den sie manchmal auch den Grubenalten oder den Bergalten genannt hatten. Aber auch heute noch kann es passieren, dass ein Kumpel dem Grubenalten begegnet, tief unten in den Stollen, die sich endlos durch das Kohlegestein ziehen. Meistens ist dann derjenige, der ihn sah, viele Tage lang schweigsam und verschlossen. Nicht selten mag er mit niemandem \u00fcber sein seltsames Abenteuer reden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der alte Mann aus dem Berge war fr\u00fcher selbst einmal Bergmann gewesen, der immer flei\u00dfig gearbeitet hatte und stets gut zu seinen Arbeitskameraden gewesen war. Als nun der Tag seines Todes gekommen war, hatte ihm Gott erlaubt, bis in alle Ewigkeit durch die Sch\u00e4chte und Stollen der Bergwerke an der Ruhr wandern zu d\u00fcrfen. Seit dieser Zeit zieht der Grubenalte durch die Berge. Wo er auch hintritt, \u00f6ffnet sich das Gestein und gibt ihm den Weg frei. Immer und \u00fcberall kann er auftauchen und nach dem Rechten sehen. Seine Gestalt ist gro\u00df und hager, und gekleidet ist er in einen langen braunen Mantel, der bis auf den Boden reicht. Unter seiner alten Bergmannskappe quillt schlohwei\u00dfes Haar hervor, das im Licht seiner silbernen Grubenlampe ebenso hell schimmert wie sein langer wei\u00dfer Bart. Gew\u00f6hnlich blicken seine Augen freundlich und mild, doch, wenn er sieht, dass Unrechtes geschieht, dann funkeln und blitzen sie, und jeder \u00dcbelt\u00e4ter muss sein Gesicht vor Scham abwenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal, wenn sie tief unten im Gestein ihre m\u00fchsame Arbeit verrichten, sehen die Bergleute den Alten, wie er lautlos vor\u00fcberzieht. Dann versinken sie in ehrf\u00fcrchtiges Schweigen, denn oft schon hat ihnen der Bergalte durch deutliche Zeichen zu verstehen gegeben, dass Gefahr drohe; so wusste man schon fr\u00fchzeitig von Erdbeben, Wassereinbr\u00fcchen oder Br\u00e4nden. So manches Mal, wenn das Licht der Kumpel verloschen war und sie sich in den langen dunklen Sch\u00e4chten verloren hatten, dann trat der Bergalte hinzu und setzte ihre Lampen wieder in Gang, damit sie unverletzt ans Tageslicht zur\u00fcckkehren konnten. Ja, der Grubenalte kennt die Sorgen der Bergleute besonders gut, weil er selbst einmal einer von ihnen gewesen war. Ganz selten, zum Beispiel, wenn \u00fcber der Erde ein Kind geboren wird, w\u00e4hrend sein Vater im ewigen Dunkel der Kohle seiner Arbeit nachgehen muss, dann \u00f6ffnet der Bergalte f\u00fcr kurze Augenblicke das Gestein, und wer hineinsieht, der wird geblendet von langen G\u00e4ngen aus Gold und Silber, die \u00fcbers\u00e4t sind mit funkelnden Diamanten. Haben sich die leuchtenden Spalten aber wieder geschlossen, dann raunt es noch lange durch die Berge: &#8222;Sagt es niemandem! Sagt es niemandem!&#8220; Denjenigen, der trotz dieses Gebots nicht schweigen will oder gar selber nach den geheimen Sch\u00e4tzen sucht, den trifft der Zorn des Bergalten. Und wer sich durch diese Widerspenstigkeit seinem Zorn aussetzt, den verl\u00e4sst bald das Bergmannsgl\u00fcck, und er muss seine Arbeit woanders suchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Einmal, es ist schon lange her, da gab es eine Grube, in der stand eine hohe Gestalt aus reinem Silber. Dies war der Bergalte selbst, der den Arbeitern unter Tage gern nahe sein wollte. Seitdem er dort stand, war Segen \u00fcber das Bergwerk gekommen, die Ausbeute war reich, und kein Ungl\u00fccksfall war vorgekommen. Alle wussten jedoch, dass sie die silberne Gestalt nicht ber\u00fchren durften. Ein junger Knappe aber, der noch nicht ahnte, wie sehr der Bergmann bei seiner gef\u00e4hrlichen Arbeit des Gl\u00fccks bedarf, schlug alle Warnungen i n den Wind und beschloss, sich von dem Silber der Gestalt zu nehmen. Weil man ihn eindringlich gewarnt hatte, wartete er an einem Tage, bis alle vor ihm schon aufgefahren waren und er als letzter im Berg zur\u00fcckgeblieben war. Dann begab er sich zu der Stelle, wo die silberne Figur stand, doch z\u00f6gerte er lange, denn das majest\u00e4tische Schimmern der Silbergestalt hielt ihn zur\u00fcck, und er zweifelte, ob er die Freveltat begehen sollte. Doch schlie\u00dflich \u00fcbermannte ihn seine Habgier, und mit einem schnellen Schlag brach er die linke Hand der Statue ab. Was aber dann geschah, das h\u00e4tte der junge Knappe in seinen schlimmsten Tr\u00e4umen nicht bef\u00fcrchtet: Aus dem Arm der abgeschlagenen Hand str\u00f6mte ein dicker Strahl eiskalten Wassers; der Junge sah mit Entsetzen, wie sich die Stollen schnell f\u00fcllten. F\u00fcr ihn gab es kein Entkommen, er musste elend sterben. Mit ihm ertrank das ganze Bergwerk, und niemals mehr konnten dort Kohlen gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mancher Bergmann erinnert sich, dass schon sein Vater oder gar sein Gro\u00dfvater vom alten Mann aus dem Berge sprachen, den sie manchmal auch den Grubenalten oder den Bergalten genannt hatten.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3900,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[155,85,133],"tags":[],"class_list":["post-784","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-bergbau","category-maerchen","category-maerchen-weltweit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/784","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=784"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/784\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3901,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/784\/revisions\/3901"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3900"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=784"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=784"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=784"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}