{"id":775,"date":"2016-02-02T13:59:39","date_gmt":"2016-02-02T12:59:39","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=775"},"modified":"2025-12-28T02:26:45","modified_gmt":"2025-12-28T01:26:45","slug":"das-kluge-gretel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/das-kluge-gretel\/","title":{"rendered":"Das kluge Gretel"},"content":{"rendered":"<p>Gebr. Grimm<br \/>\n<!--more--><br \/>\nEs war eine K\u00f6chin, die hie\u00df Gretel, die trug Schuhe mit roten Abs\u00e4tzen, und wenn sie damit ausging, so drehte sie sich hin und her, war ganz fr\u00f6hlich und dachte \u00bbdu bist doch ein sch\u00f6nes M\u00e4del.\u00ab Und wenn sie nach Hause kam, so trank sie aus Fr\u00f6hlichkeit einen Schluck Wein, und weil der Wein auch Lust zum Essen macht, so versuchte sie das Beste, was sie kochte, so lang, bis sie satt war, und sprach \u00bbdie K\u00f6chin muss wissen, wies Essen schmeckt.\u00ab<\/p>\n<p>Es trug sich zu, dass der Herr einmal zu ihr sagte \u00bbGretel, heut Abend kommt ein Gast, richte mir zwei H\u00fchner fein wohl zu.\u00ab \u00bbWills schon machen, Herr,\u00ab antwortete Gretel. Nun stachs die H\u00fchner ab, br\u00fchte sie, rupfte sie, steckte sie an den Spie\u00df, und brachte sie, wies gegen Abend ging, zum Feuer, damit sie braten sollten. Die H\u00fchner fingen an braun und gar zu werden, aber der Gast war noch nicht gekommen. Da rief Gretel dem Herrn \u00bbkommt der Gast nicht, so muss ich die H\u00fchner vom Feuer tun, ist aber Jammer und Schade, wenn sie nicht bald gegessen werden, wo sie am besten im Saft sind.\u00ab Sprach der Herr \u00bbso will ich nur selbst laufen und den Gast holen.\u00ab Als der Herr den R\u00fccken gekehrt hatte, legte Gretel den Spie\u00df mit den H\u00fchnern beiseite und dachte \u00bbso lange da beim Feuer stehen macht schwitzen und durstig, wer wei\u00df, wann die kommen! derweil spring ich in den Keller und tue einen Schluck.\u00ab Lief hinab, setzte einen Krug an, sprach \u00bbGott gesegnes dir, Gretel,\u00ab und tat einen guten Zug. \u00bbDer Wein h\u00e4ngt aneinander,\u00ab sprachs weiter, \u00bbund ist nicht gut abbrechen,\u00ab und tat noch einen ernsthaften Zug. Nun ging es und stellte die H\u00fchner wieder \u00fcbers Feuer, strich sie mit Butter und trieb den Spie\u00df lustig herum. Weil aber der Braten so gut roch, dachte Gretel \u00bbes k\u00f6nnte etwas fehlen, versucht muss er werden!\u00ab schleckte mit dem Finger und sprach \u00bbei, was sind die H\u00fchner so gut! ist ja S\u00fcnd und Schand, dass man sie nicht gleich isst!\u00ab Lief zum Fenster, ob der Herr mit dem Gast noch nicht k\u00e4m, aber es sah niemand: stellte sich wieder zu den H\u00fchnern, dachte \u00bbder eine Fl\u00fcgel verbrennt, besser ist\u2019s, ich ess ihn weg.\u00ab Also schnitt es ihn ab und a\u00df ihn auf, und er schmeckte ihm, und wie es damit fertig war, dachte es \u00bbder andere muss auch herab, sonst merkt der Herr, dass etwas fehlt.\u00ab Wie die zwei Fl\u00fcgel verzehrt waren, ging es wieder und schaute nach dem Herrn und sah ihn nicht. \u00bbWer wei\u00df,\u00ab fiel ihm ein, \u00bbsie kommen wohl gar nicht und sind wo eingekehrt.\u00ab Da sprach\u2019s \u00bbhei, Gretel, sei guter Dinge, das eine ist doch angegriffen, tu noch einen frischen Trunk und iss es vollends auf, wenn\u2019s all ist, hast du Ruhe: warum soll die gute Gottesgabe umkommen?\u00ab Also lief es noch einmal in den Keller, tat einen ehrbaren Trunk, und a\u00df das eine Huhn in aller Freudigkeit auf. Wie das eine Huhn hinunter war und der Herr noch immer nicht kam, sah Gretel das andere an und sprach \u00bbwo das eine ist, muss das andere auch sein, die zwei geh\u00f6ren zusammen: was dem einen recht ist, das ist dem andern billig; ich glaube, wenn ich noch einen Trunk tue, so sollte mir\u2019s nicht schaden.\u00ab Also tat es noch einen herzhaften Trunk, und lie\u00df das zweite Huhn wieder zum andern laufen.<\/p>\n<p>Wie es so im besten Essen war, kam der Herr daher gegangen und rief \u00bbeil dich, Gretel, der Gast kommt gleich nach.\u00ab \u00bbJa, Herr, will\u2019s schon zurichten,\u00ab antwortete Gretel. Der Herr sah indessen, ob der Tisch wohl gedeckt war, nahm das gro\u00dfe Messer, womit er die H\u00fchner zerschneiden wollte, und wetzte es auf dem Gang. Indem kam der Gast, klopfte sittig und h\u00f6flich an der Haust\u00fcre. Gretl lief und schaute, wer da war, und als es den Gast sah, hielt es den Finger an den Mund und sprach \u00bbstill! still! macht geschwind, dass Ihr wieder fortkommt, wenn Euch mein Herr erwischt, so seid Ihr ungl\u00fccklich; er hat Euch zwar zum Nachtessen eingeladen, aber er hat nichts anders im Sinn, als Euch die beiden Ohren abzuschneiden. H\u00f6rt nur, wie er das Messer dazu wetzt.\u00ab Der Gast h\u00f6rte das Wetzen und eilte, was er konnte, die Stiegen wieder hinab. Gretel war nicht faul, lief schreiend zu dem Herrn und rief \u00bbda habt Ihr einen sch\u00f6nen Gast eingeladen!\u00ab \u00bbEi, warum, Gretel? was meinst du damit?\u00ab \u00bbJa,\u00ab sagte es, \u00bbder hat mir beide H\u00fchner, die ich eben auftragen wollte, von der Sch\u00fcssel genommen und ist damit fortgelaufen.\u00ab \u00bbDas ist feine Weise!\u00ab sprach der Herr, und ward ihm leid um die sch\u00f6nen H\u00fchner, \u00bbwenn er mir dann wenigstens das eine gelassen h\u00e4tte, damit mir was zu essen geblieben w\u00e4re.\u00ab Er rief ihm nach, er sollte bleiben, aber der Gast tat, als h\u00f6rte er es nicht. Da lief er hinter ihm her, das Messer noch immer in der Hand, und schrie \u00bbnur eins! nur eins!\u00ab und meinte, der Gast sollte ihm nur ein Huhn lassen und nicht alle beide nehmen: der Gast aber meinte nicht anders, als er sollte eins von seinen Ohren hergeben, und lief, als wenn Feuer unter ihm brennte, damit er sie beide heim br\u00e4chte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gebr. 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