{"id":767,"date":"2016-01-19T01:23:59","date_gmt":"2016-01-19T00:23:59","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=767"},"modified":"2026-01-17T03:44:39","modified_gmt":"2026-01-17T02:44:39","slug":"der-mann-mit-der-erbse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-mann-mit-der-erbse\/","title":{"rendered":"Der Mann mit der Erbse"},"content":{"rendered":"<p>M\u00e4rchen aus Griechenland<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Es war einmal ein junger Mann, der hie\u00df Penteklimas, und der ging in die Welt, um sein Gl\u00fcck zu suchen. Als er eine Weile gegangen war, fand er auf dem Wege eine Erbse liegen und hob sie auf. Indem er sie aufhob, fiel ihm ein, dass er ausgezogen sei, um sein Gl\u00fcck zu suchen, und da er nun die Erbse gefunden, so m\u00fcsse dies sein Gl\u00fcck sein. Als er dar\u00fcber nachdachte, wie das sein k\u00f6nnte, sagte er bei sich: \u00bbwenn ich die Erbse stecke, so werde ich \u00fcbers Jahr hundert Erbsen haben, und wenn ich diese das andere Jahr s\u00e4e, werde ich das Zehnfache ernten, und im vierten Jahre werde ich viele tausend Erbsen haben; ich bin also gut daran und will die Erbse wohl aufheben.\u00ab Er band sie also in sein Taschentuch, hatte aber seine Gedanken immer nur auf die Erbse gerichtet, und so oft er irgendein Gesch\u00e4ft vornahm, lie\u00df er es in der H\u00e4lfte, holte sein Taschentuch hervor und sah nach, ob er seine Erbse noch habe. Darauf nahm er eine Feder und rechnete aus, wie viel Erbsen er in dem einen und wie viel er in dem andern Jahre ernten werde, und so fort, und wenn er mit dem Rechnen fertig war, sprach er: \u00bbich bin gut daran.\u00ab<\/p>\n<p>Nachdem er es so eine Weile getrieben hatte, machte er sich auf und ging an die K\u00fcste und verlangte zweihundert Schiffe zu mieten, und als ihn die Leute fragten, was er denn mit so viel Schiffen vorhabe, sagte er, dass er darauf seine Habe verschiffen wolle. Da staunten die Leute und glaubten anfangs, er wolle sie zum Besten haben. Als er aber fort und fort nach Schiffen fragte, verlangten sie von ihm genau zu wissen, wie viel Schiffe er n\u00f6tig habe. Da holte der Mann seine Erbse hervor, machte nochmals seine Rechnung und schloss danach seine Vertr\u00e4ge mit den Schiffern.<\/p>\n<p>Drauf liefen die Schiffer zum K\u00f6nig und erz\u00e4hlten ihm, dass ein Mann in den Hafen gekommen w\u00e4re, der so reich sei, dass er zweihundert Schiffe verlange, um darauf seine Habe zu verschiffen. Als das der K\u00f6nig h\u00f6rte, wunderte er sich sehr und lie\u00df den Menschen zu sich kommen, um selbst mit ihm zu sprechen. Der Penteklimas war aber von Gestalt recht ansehnlich, und hatte sich so sch\u00f6ne Kleider machen lassen, dass ihm von seinem Gelde nur zweihundert Piaster \u00fcbrig blieben; aber er machte sich keine Sorgen, denn er hatte ja die Erbse, mit der er sein Gl\u00fcck machen wollte. Er erschien also guten Mutes vor dem K\u00f6nig, und der fragte ihn, wo er sein Verm\u00f6gen habe. Der Penteklimas aber antwortete: \u00bbich habe es an einem sicheren Orte und brauche zweihundert Schiffe um es hierher zu schaffen.\u00ab Da dachte der K\u00f6nig: \u00bbdas w\u00e4re ein Mann f\u00fcr meine Tochter!\u00ab und fragte ihn also, ob er nicht seine Tochter heiraten wollte. Als der Penteklimas das h\u00f6rte, wurde er ganz nachdenklich und sagte bei sich: \u00bbich bin meiner Sache freilich noch nicht sicher, doch wenn ich nein sage, so gibt mir der K\u00f6nig die Schiffe nicht.\u00ab Als ihn aber der K\u00f6nig um eine Antwort dr\u00e4ngte, sprach er endlich: \u00bbich will erst hingehen und mein Verm\u00f6gen holen, und dann soll die Hochzeit sein.\u00ab Dass nun der Penteklimas bei einem solchen Vorschlag so bedenklich tat, das machte den K\u00f6nig nur noch hitziger, und er sprach also: \u00bbwenn du erst die Reise machen willst, so verlobe dich wenigstens mit ihr und nimm sie, wenn du zur\u00fcckkommst.\u00ab Das war der Penteklimas zufrieden. \u00dcber dem Reden war es Abend geworden und der K\u00f6nig wollte ihn nicht von sich lassen, sondern befahl, dass er in seinem Schlosse schlafen solle. Um nun zu sehen, ob er auch wirklich gut gewohnt sei, befahl der K\u00f6nig heimlich, dass man ihm zerrissene Bettt\u00fccher und eine zerlumpte Decke aufbereiten, und dass ein Diener ihn die Nacht \u00fcber beobachten solle, ob er schlafe oder nicht; denn wenn er schl\u00e4ft, dachte der K\u00f6nig, so ist er ein armer Schlucker, wenn er aber nicht schl\u00e4ft, so ist er gut erzogen und in einem neuen Bettzeug zu schlafen gewohnt, und kann also in den Lumpen nicht schlafen.<\/p>\n<p>Am andern Morgen erz\u00e4hlte der Diener dem K\u00f6nig, dass der Penteklimas die ganze Nacht \u00fcber sehr unruhig gewesen sei und kein Auge zugetan habe. Das kam aber daher: weil der Penteklimas f\u00fcrchtete, in diesen Lumpen seine Erbse zu verlieren und sie nicht mehr zu finden, so konnte er nicht schlafen und griff immer wieder dahin, wo er sie verborgen hatte, um sich zu \u00fcberzeugen, dass sie noch da sei. Darauf befahl der K\u00f6nig, ihm in der n\u00e4chsten Nacht ein so weiches und sch\u00f6nes Lager als m\u00f6glich zu bereiten. In diesem aber schlief der Penteklimas ganz vortrefflich, weil er da keine Furcht hatte, dass er darin seine Erbse verlieren k\u00f6nne. Als das der K\u00f6nig h\u00f6rte, war er \u00fcberzeugt, dass dies der rechte Mann f\u00fcr seine Tochter sei, und drang nun darauf, dass die Verlobung gehalten werden solle. Am Verlobungsabend legte man die Prinzessin zu ihm; er hatte jedoch wenig Aufmerksamkeit f\u00fcr sie, denn sein Sinn war auf die Erbse gerichtet, und auf die Ernten, die er von ihr erwartete, und kaum war er eingeschlafen, so tr\u00e4umte ihm, dass er sie verloren habe; da wachte er im Sprunge auf und griff so hastig nach seiner Erbse, dass diese zu Boden fiel; nun fing er an zu schreien und zu schluchzen: \u00bbo Unheil! o Unheil! wo ist mein Gl\u00fcck! wo ist mein Gl\u00fcck!\u00ab bis er sie wieder gefunden hatte, und die Prinzessin wunderte sich nicht wenig \u00fcber das sonderbare Treiben ihres Verlobten.<\/p>\n<p>So trieb er es eine Weile und vertiefte sich mehr und mehr in seine Rechnungen, bis er endlich auf das Dr\u00e4ngen des K\u00f6nigs zur See zu gehen beschloss und sich mit zweihundert Schiffen auf den Weg machte. Als er aber w\u00e4hrend der Fahrt wieder einmal \u00fcber seinen Rechnungen sa\u00df, da fiel es ihm pl\u00f6tzlich wie Schuppen von den Augen, wie unsinnig sein Treiben sei, denn noch habe er ja nicht einmal f\u00fcr ein Feld gesorgt, um die eine Erbse zu s\u00e4en, und nun gehe er mit zweihundert Schiffen, um die Ernte zu holen, die sie erst nach vielen Jahren liefern k\u00f6nne. \u00bbIch bin ein Wahnsinniger\u00ab, sagte er bei sich, \u00bbaber was soll ich nun anfangen, wo ich den K\u00f6nig und so viele Leute betrogen habe? Es bleibt mir nichts anderes \u00fcbrig, als mich in das Meer zu st\u00fcrzen.\u00ab Er sann nun auf einen Vorwand, wie er von den Schiffen loskommen k\u00f6nne, und sprach zu den Schiffern, als sie der n\u00e4chsten besten K\u00fcste nahekamen: \u00bbhier sollt ihr mich an das Land setzen und so lange warten, bis ich euch rufe, denn um meine Sch\u00e4tze aufzusuchen, muss ich allein sein.\u00ab Als er aber auf das Land kam, da ging er in einen Wald und versteckte sich darin, und wollte nicht eher wieder hervorkommen, als bis die Schiffer des Wartens m\u00fcde abgefahren w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Die Schiffer warteten lange Zeit auf ihn vergeblich, und als er gar nicht kommen wollte, beschlossen sie, ihn aufzusuchen. Sie durchsuchten also den ganzen Wald und entdeckten darin eine ganz mit Goldst\u00fccken angef\u00fcllte H\u00f6hle, welche ein Mohr mit dem Schwert in der Hand bewachte. Nicht weit davon aber entdeckten sie den Penteklimas in einem Dickicht versteckt. Sie riefen ihm also zu: \u00bbkomm her! komm her! wir haben deinen Schatz gefunden.\u00ab Als das der Penteklimas h\u00f6rte, wollte er anfangs seinen Ohren nicht trauen, doch fasste er sich ein Herz und kam hervor und befahl den Schiffern, den Mohren tot zu schlagen, und als sie das getan hatten, f\u00fcllten sie die zweihundert Schiffe mit den Sch\u00e4tzen, die sie in der H\u00f6hle fanden, und kehrten damit nach Hause zur\u00fcck. Der K\u00f6nig aber empfing den Penteklimas in gr\u00f6\u00dfter Pracht mit Fackeln und Laternen, und dieser hielt darauf seine Hochzeit mit der K\u00f6nigstochter und ward ein gro\u00dfer Mann. Wie dem unser Herrgott beigestanden hat! Denn wenn der Schatz nicht gefunden worden w\u00e4re, so h\u00e4tten ihn die Schiffer unfehlbar totgeschlagen. Siehst du, wie ihn trotz seiner Narrheit mit der Erbse der liebe Gott nicht zu Grunde gehen lie\u00df?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00e4rchen aus Griechenland<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85,158,133],"tags":[],"class_list":["post-767","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-maerchen","category-griechenland","category-maerchen-weltweit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/767","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=767"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/767\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":768,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/767\/revisions\/768"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=767"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=767"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=767"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}