{"id":76,"date":"2015-10-05T23:35:31","date_gmt":"2015-10-05T21:35:31","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=76"},"modified":"2026-01-13T17:02:33","modified_gmt":"2026-01-13T16:02:33","slug":"aladdin-und-die-wunderlampe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/aladdin-und-die-wunderlampe\/","title":{"rendered":"Aladdin und die Wunderlampe"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Aladdin und die Wunderlampe<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aus den Geschichten von Tausendundeiner Nacht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">In einer gro\u00dfen Stadt Chinas lebte ein armer Schneider namens Mustafa. &#8211; Durch sein Gewerbe verdiente er kaum so viel, dass er mit seiner Frau und seinem Sohne leben konnte. Dieser Sohn, Aladdin mit Namen, war ein Tunichtgut. Der Vater hatte nicht viel Zeit und Geld auf seine Erziehung verwenden k\u00f6nnen, und der Sohn hatte auch nichts gelernt. Er war vielmehr immer halsstarrig, boshaft und ungehorsam geblieben. Seit seiner Kindheit hatte er am liebsten mit andern Gassenjungen auf den Stra\u00dfen und Pl\u00e4tzen der Stadt herumgetollt. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nun wollte ihn der Vater in der eigenen Werkstatt das Schneiderhandwerk lehren. Aber der Sohn war nicht mehr zu bessern. Kaum kehrte der alte Meister seinem Sohn den R\u00fccken, flugs war dieser aus der Stube hinaus. Und er kam den ganzen Tag nicht wieder. Scheltworte und Drohungen n\u00fctzten nichts. Auch Schl\u00e4ge vermochten den flatterhaften Sinn des Jungen nicht zu \u00e4ndern. Schlie\u00dflich musste ihn der Vater zu seinem gro\u00dfen Bedauern dem liederlichen Leben \u00fcberlassen. Da gr\u00e4mte sich der alte Schneider so sehr, dass er krank wurde und nach einigen Monaten starb. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdins Mutter sah, dass sie von ihrem Sohn keine Hilfe zu erwarten habe. Also schloss sie den Laden und machte das wenige Handwerkszeug des Gatten zu Geld. Davon und vom Ertrag des Baumwollspinnens hoffte sie, mit dem Sohn leben zu k\u00f6nnen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Dieser ging jetzt ungehemmt seinen Neigungen nach. Er k\u00fcmmerte sich nicht im geringsten um die Ermahnungen seiner Mutter. Ja, er stie\u00df sogar Drohungen gegen sie aus. ohne Unterlass spielte er mit Jungen seines Alters. Nach Hause ging er nur mehr zur Essenszeit. Sonst lie\u00df er sich den lieben langen Tag nicht blicken. So trieb er es, bis er f\u00fcnfzehn Jahre alt geworden war. Und er dachte keinen Augenblick daran, was aus ihm werden sollte. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">W\u00e4hrend Aladdin eines Tages wie gewohnt mit den Gassenbuben spielte, ging ein Fremder vor\u00fcber. Er blieb stehen und sah dem Spiel zu; besonders Aladdin betrachtete er aufmerksam. Der Fremde war ein afrikanischer Zauberer. Er konnte Berge aufeinandert\u00fcrmen und verstand sich auch auf die Sternkunde. Erst vor zwei Tagen hatte er seine Heimat Afrika verlassen. Nun sah er Aladdin eine Weile genau zu. Dabei erkundigte er sich unauff\u00e4llig bei einem andern Knaben nach dessen Namen und Familienverh\u00e4ltnissen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Dann trat er auf Aladdin zu und sagte:<\/span><\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&#8222;Mein Sohn, ist dein Vater nicht der Schneider Mustafa?&#8220; &#8222;Ja, Herr&#8220;, erwiderte Aladdin, &#8222;aber er ist schon lange tot.&#8220; Bei diesen Worten fiel der Fremde dem Jungen um den Hals. Er umarmte und k\u00fcsste ihn wiederholt. Tr\u00e4nen flossen \u00fcber seine Wangen. &#8222;Warum weint Ihr, Herr?&#8220; fragte Aladdin. &#8222;Und woher kennt Ihr meinen Vater?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Traurig erwiderte der Afrikaner: &#8222;Wie sollte ich nicht weinen! Dein Vater war ja mein Bruder. Ich bin daher dein Oheim. Einige Jahre schon bin ich auf der Reise. Jetzt, da ich hoffte, ihn wiederzusehen, muss ich erfahren, dass er tot ist. Dies schmerzt mich unendlich. Der einzige Trost ist mir, in deinem Gesicht seine Z\u00fcge zu erkennen.&#8220; Dann fragte er Aladdin nach der Wohnung seiner Mutter und dr\u00fcckte dem Jungen einen Beutel voll Kleingeld in die Hand. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Dazu sagte er: &#8222;Nun geh gleich zu deiner Mutter. Gr\u00fc\u00dfe sie von mir. Und sag ihr, ich werde sie morgen besuchen, wenn es meine Zeit erlaubt. Ich m\u00f6chte das Haus sehen, in dem mein lieber Bruder gelebt hat und wo er gestorben ist.&#8220; Aladdin, den der Fremde eben zu seinem Neffen gemacht hatte, lief mit dem Geld stracks nach Hause. Er rief seiner Mutter zu: &#8222;Liebe Mutter, sag mir doch, ob ich einen Oheim habe!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Nein&#8220;, erwiderte die Mutter, &#8222;du hast keinen Oheim, weder v\u00e4terlicherseits noch von meiner Seite.&#8220; &#8222;Und doch&#8220;, meinte Aladdin, &#8222;hat eben jetzt ein Mann zu mir gesagt, dass er mein Oheim sei. Er weinte \u00fcber den Tod meines Vaters, der sein Bruder gewesen w\u00e4re. Dabei fiel er mir um den Hals und k\u00fcsste mich. Er hat mir auch dieses Geld gegeben.&#8220; Nun wies Aladdin die Handvoll Geld vor. &#8222;Auch hat er versprochen, dass er morgen zu dir kommen werde. Er m\u00f6chte Vaters Haus und Wohnung sehen. Inzwischen soll ich viele Gr\u00fc\u00dfe an dich ausrichten.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Mein Sohn&#8220;, entgegnete die Mutter, &#8222;es ist wahr, dein Vater hatte einen Bruder. Aber der ist schon lange tot. Und von einem andern Bruder habe ich nie geh\u00f6rt.&#8220; Damit endete das Gespr\u00e4ch zwischen Mutter und Sohn. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Am andern Tag kam der Zauberer wieder zu den spielenden Knaben. Er trat zu Aladdin und umarmte und k\u00fcsste ihn wie am Vortag. Dazu gab er ihm zwei Goldst\u00fccke mit den Worten: &#8222;Mein Sohn, bring dieses Geld deiner Mutter. Sag ihr, ich werde am Abend zu ihr kommen; sie soll um das Geld etwas f\u00fcr das Nachtmahl einkaufen. Denn ich m\u00f6chte bei euch speisen. Zeig mir jetzt das Haus, in dem ihr wohnt. Ich will sicher sein, am Abend hinzufinden&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Junge zeigte ihm das Haus, und der Zauberer verlie\u00df ihn. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin lief nach Hause. Er gab seiner M\u00fctter die zwei Goldst\u00fccke und richtete die Botschaft des Oheims aus. Die Mutter ging sofort auf den Markt und kaufte allerlei Vorr\u00e4te. Da es am N\u00f6tigsten mangelte, entlieh sie von der Nachbarin das Tischgeschirr. Dann bereitete sie das Abendessen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Am Abend, als alles fertig war, sagte sie zu dem Jungen: &#8222;Nun geh und suche den Oheim! F\u00fchr ihn her, vielleicht wei\u00df er den Weg nicht!&#8220; Aladdin wollte soeben gehen, als es an die T\u00fcr klopfte. Er \u00f6ffnete und erkannte den Fremden. Ein Diener folgte ihm mit Fr\u00fcchten und Weinflaschen; nachdem er diese niedergestellt hatte, entfernte er sich. Der Zauberer begr\u00fc\u00dfte Aladdins Mutter und sprach: &#8222;Nun zeig mir die Stelle, wo mein Bruder bei seiner Arbeit sa\u00df!&#8220; Sie zeigte ihm den Platz. Der Zauberer aber warf sich zu Boden. Er k\u00fcsste die Steile unter Tr\u00e4nen und rief aus: &#8222;Mein armer Bruder, wie ungl\u00fccklich bin ich, dich nicht mehr am Leben zu treffen! Wie gerne m\u00f6chte ich dich umarmen und dir in die Augen blicken!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdins Mutter musste nun glauben, dass er wirklich der Bruder ihres Gatten sei. Sie lud ihn ein, sich auf ihres Mannes Platz zu setzen. Aber er lehnte es ab. Er bat, sich gegen\u00fcber setzen zu d\u00fcrfen; so k\u00f6nne er sich wenigstens einbilden, der Bruder sitze noch dort. Da drang sie nicht weiter in ihn und lie\u00df ihn Platz nehmen, wo er wollte. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nun begann er zu plaudern und sagte: &#8222;Liebe Schw\u00e4gerin, wundere dich nicht, dass du mich nie gesehen und nie von mir geh\u00f6rt hast. Es sind jetzt genau vierzig Jahre, seit ich das Land verlie\u00df. Ich bin weit in der Welt herumgekommen. Ich habe Indien, Persien und Afrika gesehen. Ich bin in den sch\u00f6nsten St\u00e4dten dieser L\u00e4nder gewesen. Lange Jahre habe ich mich auch im Westen aufgehalten. Dann aber erwachte die Sehnsucht nach der Heimat in mir, und sie hat mich nie mehr verlassen. Wo der Mensch geboren ist, dorthin zieht es ihn immer wieder. Ich dachte an meinen Bruder. Da ergriff mich hei\u00dfes Verlangen, ihn wiederzusehen. Ich sagte mir auch, dass ich reich sei; aber mein Bruder m\u00fcsse vielleicht in Armut sein Leben fristen, und ich k\u00f6nnte ihm helfen! <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Daher machte ich mich auf die weite Reise. Frage nicht, was f\u00fcr M\u00fchen und Beschwerden ich unterwegs ertrug! Nur die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit dem Bruder hielt mich aufrecht. Darum war mein Schmerz uns\u00e4glich, als ich von seinem Tod erfuhr. Als ich nun auf der Stra\u00dfe deinen Sohn sah, fiel mir sofort die \u00c4hnlichkeit mit meinem Bruder auf. Mein Herz zog mich zu ihm. Darum sprach ich ihn an. Und ich freute mich, doch wenigstens einen Sohn meines Bruders gefunden zu haben.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als der Zauberer sah, wie sehr seine Worte Aladdins Mutter ergriffen, lenkte er ab. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Er wandte sich schnell an Aladdin: &#8222;Mein Sohn, wie hei\u00dft du?&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Aladdin&#8220;, sagte dieser. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Nun, Aladdin&#8220;, fuhr der Zauberer fort, &#8222;hast du ein Handwerk oder eine andere Fertigkeit gelernt?&#8220;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Bei dieser Frage wurde Aladdin verlegen. Besch\u00e4mt senkte er den Kopf. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Seine Mutter aber rief: &#8222;Nichts hat er gelernt. Er ist ein Taugenichts. Den ganzen Tag strolcht er auf den Gassen herum und verbringt mit seinesgleichen unn\u00fctz die Zeit. Sein Vater hat sich alle M\u00fche gegeben, ihn ein Handwerk lernen zu lassen. Er wollte einen anst\u00e4ndigen Menschen aus ihm machen. Aber alle M\u00fche war vergebens. Er folgte ihm nicht, war eigensinnig und boshaft. Der Kummer um ihn hat meinen Mann unter die Erde gebracht. Ich bringe mich mit Baumwollspinnen m\u00fchselig durchs Leben. Er aber streicht trotz meiner Reden und Mahnungen auf den Stra\u00dfen herum. Er sch\u00e4mt sich nicht, mit f\u00fcnfzehn Jahren noch mit den Kindern zu spielen. Und was aus ihm werden soll, ist ihm gleichg\u00fcltig. Ich kann ihn nicht mehr erhalten. Ich bin eine alte Frau, die selbst mit ihrem knappen Verdienst nicht auskommt. Demn\u00e4chst werde ich ihm die T\u00fcr verschlie\u00dfen und ihn nicht mehr hereinlassen. Er soll sehen, wo er unterkommt und wie er sich fortbringt.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Zauberer hatte den Jungen w\u00e4hrend dieser Klagen seiner Mutter unverwandt angeblickt. Als sie geendet hatte, sagte er zu ihm: &#8222;Was <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">du treibst, ist nicht gut, mein lieber Neffe. Du solltest schon verst\u00e4ndig genug sein, an einen Erwerb zu denken. Deine Mutter kann dich nicht ewig erhalten. Denk nach, ob dir nicht doch ein Gewerbe zusagt. Wenn dir das Handwerk deines Vaters nicht gef\u00e4llt, dann such dir ein anderes! In dieser Stadt sind sicher viele Handwerker, die dich gerne in die Lehre n\u00e4hmen. Aber wenn du gar keine Lust zum Handwerk hast, dann will ich dir einen Kaufladen einrichten. Ich will ihn mit den feinsten Stoffen ausstatten, damit du Handel treiben kannst. Auf diese Art wirst du ein gen\u00fcgendes Einkommen finden und ein geachteter Mann werden. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Dieses Anerbieten lockte Aladdin sehr. Er wusste, dass die Kaufl\u00e4den immer stark besucht waren. Die Aussicht, ein reicher Handelsherr zu werden, schmeichelte seinem Stolz. Daher erkl\u00e4rte er seinem Oheim, dass ihn dieser Beruf freuen w\u00fcrde. Und er dankte ihm f\u00fcr die Wohltat, die er ihm erweisen wolle. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Da dir dieses Gewerbe gef\u00e4llt&#8220;, sagte der Zauberer, &#8222;werde ich dich morgen in die Stadt mitnehmen. Ich werde dir feine Kleider kaufen, wie es sich f\u00fcr einen Kaufmann schickt. Und \u00fcbermorgen wollen wir einen Laden suchen, wie ich dir versprochen habe.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Bisher hatte Aladdins Mutter nicht recht geglaubt, dass der Mann ihr Schwager sei. Nun zweifelte sie nicht mehr daran. Ein fremder Mann w\u00fcrde ihrem Sohn nicht so gl\u00e4nzende Versprechungen machen. Sie ermahnte ihn daher, sich nun alle Torheiten aus dem Kopfe zu schlagen. Er solle sich der G\u00fcte des Oheims w\u00fcrdig erweisen. Dann trug sie das Abendessen auf. w\u00e4hrend des Mahles unterhielten sie sich weiter \u00fcber den Kaufmannsberuf. Schlie\u00dflich bemerkte der Zauberer, dass die Nacht schon weit fortgeschritten sei. Er verabschiedete sich von Mutter und Sohn und suchte seine Herberge auf. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Am n\u00e4chsten Morgen holte der Zauberer den Jungen zum verabredeten Gang in die Stadt ab. Er f\u00fchrte ihn zu einem gro\u00dfen Handelshaus. Dort gab es Kleider aus den besten Stoffen f\u00fcr Personen jeden Alters und Standes. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Zauberer verlangte mehrere der sch\u00f6nsten Gew\u00e4nder zur Auswahl. Dann sagte er zu Aladdin: &#8222;Lieber Neffe, w\u00e4hl dir aus, was dir am besten gef\u00e4llt!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin war \u00fcber die Freigebigkeit des Oheims hocherfreut. Er suchte sich das sch\u00f6nste Gewand aus. Und der Oheim bezahlte den Kaufmann bar, ohne zu handeln. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nachdem Aladdin von Kopf bis Fu\u00df pr\u00e4chtig gekleidet war, dankte er seinem Oheim, k\u00fcsste ihm die Hand und bat ihn, sich auch ferner seiner anzunehmen. Der Zauberer versprach, ihm bei seinem Erwerb behilflich zu sein. Er f\u00fchrte ihn zun\u00e4chst in die Stra\u00dfe, wo sich die reichsten Kaufl\u00e4den mit den feinsten Stoffen befanden. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Hier sagte er: &#8222;Auch du wirst bald ein Kaufmann sein. Darum ist es vorteilhaft, dass du diese Kaufleute besuchst. Sie sollen dich kennenlernen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Zauberer zeigte Aladdin auch die sch\u00f6nsten und pr\u00e4chtigsten Moscheen. Schlie\u00dflich geleitete er ihn durch den Palast des Sultans, soweit man dort freien Zutritt hatte. Nach diesem langen Spaziergang nahm er ihn mit in sein Absteigquartier. Dort machte er ihn mit einigen Kaufleuten bekannt und stellte ihn als seinen Neffen vor. Sie nahmen ein reichliches Mahl ein, und Aladdin sprach den guten Gerichten ausgiebig zu. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Gegen Abend geleitete der Zauberer seinen Neffen zum Hause seiner Mutter zur\u00fcck. Diese war au\u00dfer sich vor Staunen, als sie den Sohn so fein gekleidet sah. Sie w\u00fcnschte den Segen des Himmels \u00fcber den gro\u00dfz\u00fcgigen Schwager herab. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Lieber Schwager&#8220;, sagte sie, &#8222;ich wei\u00df nicht, wie ich dir f\u00fcr deine Gro\u00dfmut danken soll. Mein Sohn w\u00e4re ganz nichtsw\u00fcrdig, wenn er sich jetzt nicht deiner F\u00fcrsorge w\u00fcrdig erweisen wollte. Ich danke dir von ganzem Herzen. Der Herr m\u00f6ge dich durch ein langes und gl\u00fcckliches Leben belohnen. Ich hoffe, dass auch mein Sohn dankbar deinen Rat und deine Wohltaten anerkennen wird.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Hierauf erwiderte der Zauberer: &#8222;Aladdin ist ein guter Junge. Er stammt von trefflichen Eltern. Wir werden schon einen t\u00fcchtigen Menschen aus ihm machen. \u00dcbrigens tut es mir leid, dass ich ihm nicht schon morgen einen Laden kaufen kann. Aber morgen ist Freitag, da werden die L\u00e4den geschlossen sein. Die Kaufleute werden die Stadt verlassen und sich in den G\u00e4rten aufhalten. Wir m\u00fcssen daher bis Samstag warten. Doch komme ich morgen trotzdem zu euch. Ich will Aladdin mit mir nehmen und ihm die G\u00e4rten und Pl\u00e4tze vor der Stadt zeigen. Dort werden wir auch viele Kaufleute mit ihren Familien antreffen; so kann ich ihn gleich bekannt machen. Er muss ja jetzt auch den Verkehr mit Erwachsenen lernen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nach diesen Worten entfernte sich der Zauberer. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Am folgenden Tag stand Aladdin sehr zeitig auf. Vor Freude hatte er nicht mehr schlafen k\u00f6nnen und sich den Morgen herbeigew\u00fcnscht. Er zog nun seinen neuen Anzug an. Dann erwartete er ungeduldig den Oheim. Wiederholt \u00f6ffnete er die T\u00fcr und blickte nach ihm aus. Als er ihn von ferne kommen sah, verabschiedete sich Aladdin von seiner Mutter und eilte ihm freudestrahlend entgegen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Zauberer begr\u00fc\u00dfte ihn freundlich. &#8222;Da bist du ja, Junge&#8220;, sagte er. &#8222;Heute will ich dir Dinge zeigen, die du in deinem ganzen Leben noch nicht gesehen hast.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Sie gingen zusammen vor die Stadt und besahen die prunkvollen H\u00e4user und G\u00e4rten. Bei jedem besonders sch\u00f6nen Schloss oder Garten blieb der Zauberer stehen. Und jedes Mal fragte er den Jungen, ob sie ihm gefielen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin hatte noch nie so sch\u00f6ne Bauten und Pl\u00e4tze gesehen. Vergn\u00fcgt gab er zur Antwort: &#8222;Oheim, alles ist wunderbar. Ich kann mich gar nicht Sattsehen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">So schritten sie immer weiter, bis sie m\u00fcde wurden. Um ein wenig auszuruhen, betraten sie einen gro\u00dfen, herrlichen Garten und setzten sich nieder. Der Zauberer zog einen Beutel aus der Tasche. Diesem entnahm er Fr\u00fcchte und Esswaren. Sie a\u00dfen und plauderten und waren lustig und guter Dinge. Dann setzten sie ihren Weg fort und gingen weiter an den G\u00e4rten vorbei ins Freie. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin hatte noch nie einen so langen Marsch gemacht. Als er sich allm\u00e4hlich m\u00fcde f\u00fchlte, fragte er: &#8222;Lieber Oheim, wohin gehen wir denn? Wir haben die G\u00e4rten schon weit hinter uns. Wenn wir noch l\u00e4nger so fortgehen, wei\u00df ich nicht, ob ich f\u00fcr den R\u00fcckweg stark genug sein werde. Ich bin n\u00e4mlich schon sehr m\u00fcde.&#8220;<br>\n<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Nur Mut&#8220;, entgegnete der Oheim. &#8222;Wir haben nicht mehr weit, mein Junge. Ich will dir nur noch einen Garten zeigen, der alle bisherigen an Pracht \u00fcbertrifft.&#8220; So sprach er freundlich auf Aladdin ein. Auch erz\u00e4hlte er ihm Geschichten, um den Weg zu verk\u00fcrzen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Endlich kamen sie in ein schmales Tal zwischen zwei nicht allzuhohen Bergen. Das war die St\u00e4tte, deretwegen der Zauberer aus Afrika bis hierher gereist war. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Nun sind wir an Ort und Stelle&#8220;, sagte er zu Aladdin. &#8222;Ich werde dir hier wunderbare Dinge zeigen, die noch kein Mensch gesehen hat. Du wirst mir zu h\u00f6chstem Dank verpflichtet sein. Nun wirst du etwas erblicken, was allen Menschen unbekannt ist. Wenn du dich ausgeruht hast, sammle d\u00fcrres Holz Wir brauchen auch Reisig, damit wir Feuer machen k\u00f6nnen.&#8220;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als Aladdin das h\u00f6rte, konnte er seine Neugierde kaum mehr bez\u00e4hmen. Er sprang im Walde hin und her und sammelte einen gro\u00dfen Haufen von Holz und trockenen Reisern. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Schlie\u00dflich sagte der Oheim: &#8222;Nun ist es genug, mein Sohn.&#8220; Er entz\u00fcndete den Haufen, und dieser brannte hellauf. Dann warfen R\u00e4ucherwerk hinein. Dicker Rauch stieg empor. Durch Zauberworte zog der Zauberer den Rauch bald auf diese, bald auf jene Seite. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Pl\u00f6tzlich wurde es finster. Es donnerte und blitzte, und die Erde bebte. Vor Aladdin und dem Zauberer tat sich ein Spalt in der Erde auf, und eine Steinplatte kam zum Vorschein. Diese ma\u00df viermal einen Fu\u00df und war etwa halb so dick; daran war ein Messingring befestigt. Aladdin erschrak und machte Miene davonzulaufen. Da wurde der Zauberer zornig. Er packte ihn heftig beim Arm und gab ihm eine Ohrfeige. Der Junge fiel der L\u00e4nge nach hin und begann heftig zu weinen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Oheim&#8220;, schluchzte er, &#8222;was habe ich getan, dass du mich schl\u00e4gst?&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Da suchte ihn der Zauberer zu beruhigen. Er sagte: &#8222;Ich vertrete jetzt Vaterstelle an dir und meine es nur gut. Du brauchst dich auch nicht zu f\u00fcrchten. Aber du musst mir in allem gehorchen, wenn du Nutzen von meinem Tun haben willst.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin fasste sich und h\u00f6rte zu weinen auf. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Zauberer aber fuhr fort: &#8222;Du hast gesehen, was ich durch das R\u00e4ucherwerk und meine Zauberworte bewirkte. Unter dem Stein, den du vor dir siehst, liegt ein verborgener Schatz. Er ist f\u00fcr dich bestimmt und wird dich reicher als den m\u00e4chtigsten K\u00f6nig machen. Aber nur du darfst den Ring an der Platte ber\u00fchren. Nur du darfst den Stein auf heben. Selbst mir ist es verboten, an den Stein zu r\u00fchren. Auch darf ich keinen Fu\u00df in das Schatzgew\u00f6lbe setzen, wenn es ge\u00f6ffnet ist. Deshalb musst du ausf\u00fchren, was ich dir sagen werde, du darfst nicht das Geringste vers\u00e4umen. Achte genau auf meine Weisungen! Es ist f\u00fcr dich und f\u00fcr mich von gr\u00f6\u00dfter Wichtigkeit!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Mit Staunen lauschte Aladdin den Worten seines Oheims. Er freute sich nun unb\u00e4ndig, dass er reicher werden sollte als ein K\u00f6nig. Schrecken und Schmerz waren vergessen. Und er sagte zum Zauberer: &#8222;Lieber Oheim, sag mir, was ich tun soll. Ich will alles genau ausf\u00fchren.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Gut, mein Sohn&#8220;, erwiderte der Zauberer und umarmte ihn. &#8222;Ich freue mich, dass du vern\u00fcnftig bist. Jetzt fass diesen Ring und hebe den Stein in die H\u00f6he!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Aber Oheim&#8220;, entgegnete Aladdin, &#8222;dieser Stein wird mir zu schwer sein. Ich kann ihn nicht heben. Hilf mir dabei!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Nein&#8220;, versetzte der Zauberer, &#8222;das darf ich nicht. Wollte ich dir dabei helfen, w\u00e4re alle unsere M\u00fche vergebens; wir br\u00e4chten den Stein nicht empor. Fass den Ring nur an! Sprich dazu den Namen deines Vaters und Gro\u00dfvaters und zieh daran! Der Stein wird sich heben, ohne dass du sein Gewicht sp\u00fcrst.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Da tat Aladdin, wie ihn der Zauberer gehei\u00dfen. Er hob den Stein m\u00fchelos in die H\u00f6he und legte ihn beiseite. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Kaum war die Platte gehoben, sah Aladdin Stufen vor sich, die in die Tiefe f\u00fchrten. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Lieber Neffe&#8220;, sagte der Zauberer, &#8222;nun h\u00f6re, was ich dir sagen werde! Steig diese Stufen hinunter, bis du auf dem Grunde der H\u00f6hle bist! Dort wirst du eine offene T\u00fcr finden; sie f\u00fchrt in eine gew\u00f6lbte Halle. Diese ist in drei aneinandersto\u00dfende S\u00e4le geteilt. In jedem Saal wirst du links und rechts vier gro\u00dfe, bronzene Vasen finden, die mit Gold und Silber angef\u00fcllt sind. H\u00fcte dich, etwas davon zu ber\u00fchren oder an dich zu nehmen! Hebe dein Kleid in die H\u00f6he und schlie\u00df es eng um den Leib, damit du nirgends anstreifst; du m\u00fcsstest sonst auf der Stelle sterben. Geh ohne stehenzubleiben durch alle drei R\u00e4ume! Im letzten Saal wirst du eine T\u00fcr finden; sie f\u00fchrt in einen sch\u00f6nen, gro\u00dfen Garten mit vielen fruchtbeladenen B\u00e4umen. Wenn du in diesem Garten geradeaus gehst, wirst du auf eine Treppe von f\u00fcnfzig Stufen sto\u00dfen. Auf dieser steig zu einer Terrasse empor, und dort sieh dich um! Du wirst eine Nische finden, in der eine brennende Lampe steht. Diese Lampe nimm, l\u00f6sch sie aus und sch\u00fctte das \u00d6l weg! Dann stecke sie in dein Gewand und bring sie zu mir. Das \u00d6l wird auf deinem Kleid keine Flecken hinterlassen. Wenn es dich verlangt, von den Fr\u00fcchten im Garten zu kosten, so iss, soviel dein Herz begehrt. Solange du die Lampe bei dir hast, geh\u00f6rt dies alles dir.&#8220; Nach diesen Worten steckte der Zauberer seinen Sigelring an Aladdins Finger. Dabei sagte er: &#8222;Mein Sohn, dieser Ring wird dich vor jeder Not und Gefahr sch\u00fctzen. Steig nun hinab! Aber befolge alles genau, was ich dir gesagt habe! Wenn du zur\u00fcckkommst, werden wir unser Leben lang reiche Leute sein.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin sprang leichtf\u00fc\u00dfig die Stufen hinunter. Vorsichtig durchschritt er die drei S\u00e4le. Er sch\u00fcrzte sein Gewand und presste es eng an den K\u00f6rper; er wollte ja nirgends anstreifen und so in Lebensgefahr kommen. Er fand den Ausgang in den Garten und eilte schlie\u00dflich die Treppe hinauf auf die Terrasse. Dort sah er die Lampe stehen. Er l\u00f6schte sie aus und sch\u00fcttete das \u00d6l weg. Sodann steckte er sie zu sich und machte sich auf den R\u00fcckweg. Im Garten bewunderte er die Fr\u00fcchte an den B\u00e4umen; sie leuchteten in den verschiedensten Farben. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aber alle Fr\u00fcchte waren kostbare Edelsteine. Die wei\u00dfen waren Perlen. Andere leuchteten hell und durchsichtig wie Kristall; das waren Diamanten. Die dunkelroten Fr\u00fcchte waren Rubine, die gr\u00fcnen Smaragde, die blauen T\u00fcrkise ; und so ging es fort. Alle waren rein und vollkommen. Kein K\u00f6nig konnte solche Kostbarkeiten sein eigen nennen. Aber Aladdin kannte den Wert der Steine nicht; er hielt sie f\u00fcr buntes Glas. Ihm w\u00e4ren wirkliche Trauben und \u00c4pfel lieber gewesen. Doch gefielen ihm die Buntheit und der Glanz der Steine. So pfl\u00fcckte er einige ab und steckte sie in die Taschen seines Gewandes. Auch f\u00fcllte er zwei Beutel, die er bei sich trug, und legte einige Steine in die Falten seines dicken Seideng\u00fcrtels. Schlie\u00dflich steckte er noch mehrere zwischen Kleid und Hemd. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Ohne es zu wissen, hatte sich Aladdin mit Reicht\u00fcmern beladen. Rasch eilte er nun durch die drei S\u00e4le zur\u00fcck; er wollte den Oheim nicht zu lange warten lassen. Eilig stieg er die Stufen zum Ausgang empor. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Dort erwartete ihn der Zauberer schon mit Ungeduld. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die letzte Stufe war etwas h\u00f6her als die \u00fcbrigen. Darum rief ihm Aladdin zu: &#8222;Oheim, da bin ich! Hilf mir die letzte Stufe hinauf!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Mein Sohn&#8220;, sagte der Zauberer, &#8222;gib mir die Lampe! Sie k\u00f6nnte dir hinderlich sein.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Nein&#8220;, rief der Junge, &#8222;sie hindert mich nicht! Hilf mir zuerst heraus, dann geb&#8216; ich dir die Lampe.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">So stritten sie hin und her. Der Zauberer wurde immer ungeduldiger. Aber Aladdin konnte die Lampe nicht erreichen. Sie steckte ja unter den Edelsteinen, die er zwischen Kleid und Hemd verborgen hatte. Nun geriet der Zauberer in f\u00fcrchterliche Wut. Er meinte n\u00e4mlich, der Junge wolle die Lampe f\u00fcr sich allein behalten. Murmelnd warf er etwas von dem R\u00e4ucherwerk ins Feuer. Kaum hatte er zwei Zauberworte gesprochen, schloss sich die Platte \u00fcber dem Eingang, Erde h\u00e4ufte sich dar\u00fcber, und alles sah aus wie zuvor. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der afrikanische Zauberer stammte tats\u00e4chlich aus dem feinsten Afrika. Vierzig Jahre lang hatte er alle Geheimwissenschaften studiert und sich dabei alle Arten von Zauberei und Beschw\u00f6rungsformeln an geeignet. Dabei hatte er entdeckt, dass es irgendwo in der Welt eine Wunderlampe gab, die ihren Besitzer zum reichsten und m\u00e4chtigsten Mann der Erde machen konnte. Er hatte auch herausgebracht, wo sich diese Lampe befand, n\u00e4mlich an einem unterirdischen Ort in der N\u00e4he von Aladdins Heimatstadt. Darum also war der Zauberer vom \u00e4u\u00dfersten Ende Afrikas bis in diese Stadt gekommen. Aber nicht er selbst durfte diese Lampe holen. Ein anderer musste in das Gew\u00f6lbe hinabsteigen und ihm die Lampe bringen. Deshalb hatte er sich an Aladdin gewandt. So bald die Lampe in seinem Besitz war, wollte er den armen Jungen in die unterirdische H\u00f6hle einschlie\u00dfen. Die Lampe sollte ihm ganz allein geh\u00f6ren. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aber nun war sein schlauer Plan vereitelt. Aladdin hatte ihm die Lampe nicht ausgefolgt. So f\u00fcrchtete der Zauberer, ein Fremder k\u00f6nne hinter das Geheimnis kommen. Daher hatte er den Jungen mit der Lampe unter der Erde eingeschlossen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Er selbst aber kehrte sogleich nach Afrika zur\u00fcck. Er machte einen Umweg um die Stadt, damit es den Leuten nicht auffalle, dass er ohne Aladdin von seinem Ausflug zur\u00fcckkam. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Zauberer war also fort. Wie erging es nun unserem Aladdin? Zu Tode erschrocken stand er in der Finsternis. Er rief laut nach seinem Oheim und versicherte immer wieder, dass er die Lampe sogleich hergeben wolle. Tr\u00e4nen liefen \u00fcber seine Wangen. Aber all sein Rufen und Klagen war vergeblich. Nichts r\u00fchrte sich. Kein Laut drang an sein Ohr. Er tappte umher, ohne eine T\u00fcr zu finden. Der Zauberer hatte n\u00e4mlich durch sein Machtwort auch alle T\u00fcren ins Innere der Halle verschlossen. Verzweifelt setzte sich der Junge auf die kalten Stufen nieder. Er hatte keine Hoffnung, je wieder das Tageslicht zu sehen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Gewiss w\u00fcrde er hier umkommen. Zwei Tage und zwei N\u00e4chte sa\u00df Aladdin in dieser unheimlichen Finsternis. Er hatte weder Speise noch Trank. Am dritten Tag ergab er sich in den Willen Gottes. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Mit gefalteten H\u00e4nden betete er zu Allah: &#8222;Es gibt keine Macht und Kraft als in Dir allein, all m\u00e4chtiger Gott.&#8220; So flehte er in seiner Not. Ohne zu denken, rieb er dabei an dem Ring des <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Zauberers, der noch immer an seinem Finger steckte. Da stand auf einmal ein Geist von gewaltiger Gr\u00f6\u00dfe vor ihm. Er ragte mit dem Kopf bis zur Decke des Gew\u00f6lbes und war furchtbar anzusehen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Dieser Geist sprach: &#8222;Ich bin dein Diener. Was verlangst du von mir? Ich bin bereit zu gehorchen. Ich bin der Diener aller, die diesen Ring meines Herrn am Finger tragen. Ich und alle \u00fcbrigen Diener des Ringes werden dir gehorchen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin war sehr erschrocken, aber er fasste sich schnell. Mutig und ohne zu stocken antwortete er: &#8222;Wer du auch sein magst, bring mich sofort an die Oberfl\u00e4che der Erde!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Kaum hatte er den Wunsch aus gesprochen, stand er schon drau\u00dfen im Freien. Er befand sich gerade dort, wohin ihn der Zauberer gef\u00fchrt hatte. Das helle Tageslicht schien ihm ins Gesicht; er war wie geblendet. Verwundert betrachtete er die Erde. Er konnte sich nicht erkl\u00e4ren, wie er herausgekommen war. Schon glaubte er, an einer andern Stelle im Wald zu sein. Aber ganz in der N\u00e4he entdeckte er die Spuren des verbrannten Reisighaufens ; und hinter den G\u00e4rten, durch die sie gekommen waren, lag die Stadt. Er erkannte auch den Weg, auf dem er mit dem falschen Oheim hierher gegangen war. Nun dankte er Gott f\u00fcr seine wunderbare Rettung. Dann wanderte er in die Stadt zur\u00fcck. Am Abend langte er todm\u00fcde im Hause seiner Mutter an. Schw\u00e4che \u00fcberfiel ihn, und er sank ohnm\u00e4chtig zu Boden; er hatte ja drei Tage nichts zu sich genommen. Seine Mutter hatte schon die Hoffnung aufgegeben, ihn wiederzusehen. Nun war sie gl\u00fccklich, dass er am Leben war. Zwar er schrak sie sehr, als er ohnm\u00e4chtig wurde, aber scharfe Essenzen brachten ihn bald wieder zu sich und belebten ihn. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Seine ersten Worte waren: &#8222;Liebe Mutter, gib mir zu essen! Ich habe drei Tage keinen einzigen Bissen genossen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Rasch brachte die Mutter herbei, was sie vorr\u00e4tig hatte. Sie sagte: <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Da, mein lieber Sohn, iss und trink. Aber sei nicht zu hastig und hei\u00df hungrig und sprich jetzt nicht. Sp\u00e4ter wirst du Zeit genug haben, mir deine Erlebnisse zu schildern.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin folgte dem Rat der Mutter. Er a\u00df langsam und trank nur in kleinen Schlucken. Als er satt war, lehnte er sich im Diwan zur\u00fcck. Stockend begann er zu erz\u00e4hlen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Wei\u00dft du, liebe Mutter&#8220;, sagte er, &#8222;dieser fremde Mann war gar nicht mein Oheim. Er machte uns zwar gro\u00dfe Versprechungen und beschenkte mich reich. Aber er war ein Zauberer, ein B\u00f6sewicht und Betr\u00fcger. Schlie\u00dflich wollte er mich sogar ums Leben bringen. Ich w\u00e4re jetzt tot, einsam im Finstern verhungert, wenn nicht Allah mich durch ein Wunder gerettet h\u00e4tte. H\u00f6re nur, Mutter, wie er es angefangen hat!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Und nun erz\u00e4hlte Aladdin alles, was er erlebt hatte. Er sprach von dem einsamen Tal und den Zauberworten \u00fcber dem Feuer. Er schilderte, wie sich die Erde ge\u00f6ffnet hatte. Und er verga\u00df auch die Ohrfeige und den Zauberring nicht. Er beschrieb die unterirdischen S\u00e4le und die herrlichen G\u00e4rten, und wie er die Lampe gefunden und zu sich gesteckt hatte. Dabei holte er die Lampe aus seinem Gewand und zeigte sie der Mutter. Auch die glitzernden Steine zog er hervor. Die Mutter ahnte so wie ihr Sohn nichts von ihrem Wert. Sie legte die Edelsteine beiseite, und Aladdin steckte die zwei vollen Beutel hinter den Polster des Diwans. Dann setzte er die Erz\u00e4hlung fort. Er berichtete, wie er in der H\u00f6hle begraben gewesen sei. Die Tr\u00e4nen kamen ihm in die Augen, als er von seiner Verzweiflung sprach. Aber die G\u00fcte des Allm\u00e4chtigen hatte ihn nach dem Drehen des Ringes wieder ans Tageslicht gebracht.<br>\n<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin schlief bis weit in den n\u00e4chsten Tag hinein. Schlie\u00dflich hatte er die ganze Zeit in der H\u00f6hle ja kein Auge zugemacht. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als er erwachte, waren seine ersten Worte: &#8222;Mutter, ich habe Hunger. Bring mir zu essen!&#8220; &#8222;Mein lieber Sohn&#8220;, sagte die Mutter, &#8222;ich habe nicht einmal ein St\u00fcckchen Brot im Haus. Was ich hatte, hast du gestern gegessen. Du musst dich gedulden. Ich habe noch Baumwollgarn; das werde ich in der Stadt verkaufen. Daf\u00fcr kann ich dann Brot und etwas zum Mittagessen besorgen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Liebe Mutter&#8220;, entgegnete der Sohn, &#8222;behalte die Baumwolle. Gib mir lieber die Lampe, die ich aus der H\u00f6hle mitgebracht habe. Ich werde in die Stadt gehen und sie verkaufen. Ich glaube, wir werden f\u00fcr die Lampe mehr bekommen als f\u00fcr das Garn. Vielleicht k\u00f6nnen wir daf\u00fcr au\u00dfer Fr\u00fchst\u00fcck und Mittagmahl auch noch das Abendessen kaufen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdins Mutter brachte die Lampe herbei und sagte: &#8222;Da hast du sie! Aber sie ist sehr schmutzig. Ich werde sie vorher blank putzen, damit sie wie neu aussieht.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Sie nahm Wasser und Sand und begann die Lampe zu reiben. Kaum hatte sie begonnen, erschien ein riesiger Geist vor ihr. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Er sprach mit Donnerstimme: &#8222;Was willst du von mir? Ich bin dein Diener und der Diener aller, die diese Lampe in der Hand haben. Ich und alle \u00fcbrigen Diener der Lampe werden dir gehorchen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Dar\u00fcber erschrak Aladdins Mutter sehr. Sie war nicht imstande, zu reden, so furchtbar war der Geist anzusehen; eine Ohnmacht umfing ihre Sinne. Aladdin aber hatte schon in der H\u00f6hle eine \u00e4hnliche Erscheinung gehabt. Ohne sich lang zu besinnen, griff er nach der Lampe. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Er rief laut: &#8222;Diener der Lampe, ich habe Hunger. Bring mir etwas zu essen!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Geist verschwand, erschien aber sofort wieder. Auf einer gro\u00dfen silbernen Tasse brachte er zw\u00f6lf verdeckte Sch\u00fcsseln aus Silber; sie waren mit den k\u00f6stlichsten Speisen gef\u00fcllt. Ferner stellte er zwei Flaschen Wein und zwei silberne Becher auf den Tisch. Das Brot war wei\u00df wie Schnee. Nachdem er alles vor Aladdin hingelegt hatte, verschwand er wieder. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Noch immer lag Aladdins Mutter in Ohnmacht. Eben wollte sich der Sohn um die Mutter bem\u00fchen, da erwachte sie von selbst durch den Duft der Speisen.<br>\n&#8222;Mutter&#8220;, rief Aladdin, &#8222;steh auf!. Schau diese k\u00f6stlichen Speisen an. Wir wollen sie sogleich essen, damit sie nicht kalt werden. Das wird dir wieder Kraft geben und meinen Hunger stillen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als die Mutter die gedeckte Tafel sah, rief sie erstaunt: &#8222;Welcher Wohlt\u00e4ter hat uns denn das gebracht? Sollte vielleicht gar der Sultan von unserer Armut geh\u00f6rt haben?&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Liebe Mutter&#8220;, erwiderte der Sohn, &#8222;frag nicht lange, sondern iss und st\u00e4rke dich. Du hast es n\u00f6tig. Zum Reden haben wir sp\u00e4ter noch Zeit.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Sie setzten sich an den Tisch und speisten mit bestem Appetit. Beide waren noch nie an einer so wohlgedeckten Tafel gesessen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">W\u00e4hrend des ganzen Mahles h\u00f6rte Aladdins Mutter nicht auf, das prunkvolle Tafelzeug zu bewundern. Sie hatte ebenso wenig eine Ahnung von dem wahren Wert dieser Dinge wie ihr Sohn. Ob sie aus Silber oder aus einem andern Metall seien, wusste sie nicht. So kostbare Sachen hatte sie in ihrem ganzen Leben noch nicht gesehen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Zur Mittagszeit sa\u00dfen sie noch immer beim Essen. So gro\u00df war ihr Appetit und so vorz\u00fcglich schmeckten die Speisen, dass sie gleich Fr\u00fchst\u00fcck und Mittagessen in einem nahmen. Es blieb noch so viel, dass es f\u00fcr ein Abendessen und f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag ausreichte. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als sie satt waren, hob die Mutter die \u00fcbriggebliebenen Speisen auf. Dann setzte sie sich zu ihrem Sohn auf den Diwan. Aladdin erz\u00e4hlte ihr, was sich w\u00e4hrend ihrer Ohnmacht zugetragen hatte. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die Mutter wunderte sich sehr \u00fcber die Erscheinung und sagte: <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Du sprichst von Geistern. Aber keiner meiner Bekannten hat jemals einen Geist gesehen. Auch mir ist bisher keiner erschienen. Warum hat sich dieser furchtbare Geist gerade an mich gewendet? Warum fragte er nicht dich? Dir ist er doch in der Schatzh\u00f6hle schon einmal erschienen.&#8220;&#8218; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Liebe Mutter&#8220;&#8218; erwiderte der Sohn, &#8222;dieser Geist ist ein anderer als jener, der mir in der H\u00f6hle erschienen ist. Sie haben zwar einige \u00c4hnlichkeit miteinander; aber der eine sagte, er sei ein Sklave des Ringes, und der andere nannte sich einen Sklaven der Lampe, die du in der Hand hieltest.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Wie&#8220;, rief die Mutter, &#8222;diese Lampe ist die Ursache, dass der h\u00e4ssliche Geist sich an mich wandte? Dann nimm sie und schaffe sie mir aus den Augen! Versteck oder verkauf sie oder wirf sie weg! Ich mag sie nicht mehr anr\u00fchren. Wenn mir dieser Geist nochmals erschiene, st\u00fcrbe ich vor Schrecken. Ich bitte dich, gib auch den Zauberring weg! Unterlass \u00fcberhaupt jeden Verkehr mit den Geistern. Sie sind der Teufel aus der H\u00f6lle, wie der Prophet uns gelehrt hat.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Nein, Mutter&#8220;, erwiderte Aladdin, &#8222;jetzt werde ich die Lampe nicht mehr verkaufen. Siehst du denn nicht, welche Wohltat sie uns erwiesen hat? Sie hat uns zu essen gegeben, als wir hungrig waren. Und sie wird uns in Zukunft immer den Lebensunterhalt verschaffen. Denk nur an den afrikanischen Zauberer! Er hat die weite, beschwerliche Reise hierher unternommen, nur um die Wunderlampe zu gewinnen. Er wollte nichts von dem Gold in den unterirdischen S\u00e4len. Er wusste, dass diese Lampe mehr wert ist als alles Gold und Silber der Welt. Wir kennen nun die geheime Kraft der Wunderlampe. Wir wollen sie sorgsam h\u00fcten und aufbewahren. Vor allem werden wir sie so ben\u00fctzen, dass die Nachbarn nichts merken. Sie sollen nicht neidisch und eifers\u00fcchtig werden. Ich will dir die Lampe gerne aus den Augen schaffen; du sollst keine Angst vor dem Geist haben. Ich bewahre sie dort auf, wo ich sie gleich zur Hand habe, wenn ich sie brauche. Den Ring aber, Mutter, kann ich auch nicht wegwerfen oder verkaufen. Bedenke, dass er mir in der Schatzh\u00f6hle das Leben gerettet hat! Wer wei\u00df, wie oft ich noch in Gefahren kommen werde! Dann kann mich immer dieser Ring befreien.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Das musste auch Aladdins Mutter zugeben. Sie sagte: &#8222;Mein Sohn, tu was du willst. Ich aber m\u00f6chte die Lampe nicht mehr sehen und mit Geistern nie mehr zu tun haben.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Am folgenden Tag verzehrten sie die restlichen Speisen. Aladdin aber wollte nicht warten, bis ihn wieder der Hunger bedr\u00e4ngte. Darum nahm er eine silberne Sch\u00fcssel, um sie auf dem Markt zu verkaufen. Unterwegs begegnete ihm ein H\u00e4ndler. Dem zeigte er die Sch\u00fcssel. Er fragte ihn, ob er sie kaufen wolle. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der H\u00e4ndler nahm die Sch\u00fcssel und untersuchte sie von allen Seiten. Er \u00fcberzeugte sich davon, dass sie aus reinem Silber war. Nun fragte er den Jungen, was sie kosten solle. Aladdin aber kannte den wahren Wert der Sch\u00fcssel nicht. Er hatte noch nie mit derlei Waren gehandelt. Darum sagte er, dass er sich ganz auf die Ehrlichkeit verlasse. Dadurch geriet der schlaue H\u00e4ndler einigerma\u00dfen in Verlegenheit. Er z\u00f6gerte mit seinem Angebot; schlie\u00dflich wusste er ja nicht, ob Aladdin den wirklichen Wert kenne. Endlich holte er aus seiner Tasche ein Goldst\u00fcck hervor. Das war nicht viel mehr als der f\u00fcnfzigste Teil des Wertes der Sch\u00fcssel. Aladdin nahm das Goldst\u00fcck und ging eilig weg. Verbl\u00fcfft sah ihm der H\u00e4ndler nach. Nun \u00e4rgerte er sich, dass er nicht noch weniger geboten hatte. Der Junge hatte offensichtlich keine Ahnung vom Wert der Sch\u00fcssel gehabt. Schon wollte er ihm nacheilen und einen Teil des Geldes zur\u00fcckverlangen. Aber Aladdin lief so schnell, dass er ihn kaum eingeholt h\u00e4tte. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin ging geradewegs in einen B\u00e4ckerladen. Dort lie\u00df er das Goldst\u00fcck wechseln und kaufte einen Vorrat an Brot. Brot und Wechselgeld gab er seiner Mutter. Und sie ging auf den Markt und kaufte Lebensmittel f\u00fcr einige Tage. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">So lebten sie eine Zeitlang. Sooft der Erl\u00f6s f\u00fcr eine Sch\u00fcssel aufgebraucht war, trug Aladdin eine andere zum H\u00e4ndler. Dieser kaufte alle zw\u00f6lf Sch\u00fcsseln. F\u00fcr die erste Sch\u00fcssel hatte er ein Goldst\u00fcck gegeben. Nun wagte er nicht, f\u00fcr die folgenden weniger zu bieten. Der Handel war zu vorteilhaft f\u00fcr ihn. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als das letzte Geld ausgegeben war, griff Aladdin zu der Tasse. Diese war zehnmal so schwer als eine Sch\u00fcssel. Er wollte sie einem Kaufmann anbieten, aber das St\u00fcck war zu schwer; er konnte es nicht wegtragen. Darum holte er den H\u00e4ndler in das Haus seiner Mutter. Dieser pr\u00fcfte das Gewicht der Tasse und zahlte ihm auf der Stelle zehn Goldst\u00fccke. Damit war Aladdin zufrieden. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Solange diese zehn Goldst\u00fccke ausreichten, bestritten sie davon die t\u00e4glichen Ausgaben. Aladdin war den M\u00fc\u00dfiggang gewohnt. Aber seit dem Abenteuer mit dem Zauberer spielte er nicht mehr mit den Jungen in den Stra\u00dfen. Er vertrieb sich die Zeit mit Spazierg\u00e4ngen oder unterhielt sich mit Erwachsenen, denen er begegnete. H\u00e4ufig blieb er auch bei den gr\u00f6\u00dferen Kaufl\u00e4den stehen. Dabei lauschte er den Gespr\u00e4chen angesehener und erfahrener M\u00e4nner. Auf diese Weise eignete er sich all m\u00e4hlich eine gewisse Weltkenntnis an. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als von den zehn Goldst\u00fccken nichts mehr \u00fcbrig war, nahm Aladdin seine Zuflucht zur Lampe. Er rieb sie an der Stelle, wo seine Mutter sie gerieben hatte. Sofort stieg derselbe Geist vor ihm empor. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Da Aladdin die Lampe weniger fest als seine Mutter gerieben hatte, sprach der Geist in milderem Ton: &#8222;Was willst du von mir? Ich bin dein Diener und der Diener aller, die diese Lampe in der Hand haben. Ich und alle \u00fcbrigen Diener der Wunderlampe werden dir gehorchen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin sagte: &#8222;Ich habe Hunger. Bring mir etwas zu essen!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Geist verschwand. Nach einigen Augenblicken erschien er wie der mit \u00e4hnlichem Tafelzeug wie das erste Mal. Die Sch\u00fcsseln waren voll der k\u00f6stlichsten Speisen. Der Geist stellte seine Last vor Aladdin hin und verschwand. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdins Mutter hatte dem Geiste nicht begegnen wollen. Darum war sie hinausgegangen, als ihr Sohn nach der Lampe gegriffen hatte. Jetzt kam sie zur T\u00fcr herein und war starr vor Staunen. Wieder war der Tisch mit silbernen Sch\u00fcsseln voll duftender Speisen gedeckt. Sie setzten sich zu Tisch und schmausten. Nach der Mahlzeit war noch genug f\u00fcr die n\u00e4chsten Tage vorhanden. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als sie ihre Vorr\u00e4te aufgezehrt hatten, wollte Aladdin wieder zum H\u00e4ndler gehen. Er nahm eine der silbernen Sch\u00fcsseln, um sie zu verkaufen. Unterwegs kam er an dem Laden eines ehrlichen Goldschmiedes vorbei. Dieser bemerkte den Jungen und rief ihn in seinen Laden. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Mein Sohn&#8220;, sagte er zu Aladdin, &#8222;was hast du da? Ich habe dich schon oft mit einer Ware vor\u00fcbergehen und mit einem H\u00e4ndler verhandeln sehen. Zur\u00fcck gingst du immer mit leeren H\u00e4nden. Ich glaube, du hast ihm die Gegenst\u00e4nde verkauft. Wahrscheinlich willst du jetzt wieder etwas loswerden. Nun wei\u00dft du vielleicht nicht, dass dieser H\u00e4ndler ein argerer Betr\u00fcger ist als alle andern H\u00e4ndler. Niemand, der ihn kennt, will etwas mit ihm zu tun haben. Hast du etwas zu verkaufen, so zeig es mir. Wenn du es hergeben willst, zahle ich dir den Preis, den die Ware wert ist. Ich will dich nicht beschwindeln, so wahr mir Allah gn\u00e4dig sein soll!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nun zeigte Aladdin dem Goldschmied die Sch\u00fcssel. Er gestand ihm auch, dass er dem H\u00e4ndler schon zw\u00f6lf solcher Sch\u00fcsseln verkauft habe. &#8222;F\u00fcr jede habe ich ein Goldst\u00fcck erhalten.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Da rief der Goldschmied: &#8222;Der Spitzbub hat dich betrogen! Diese Sch\u00fcssel hier ist aus reinem Silber.&#8220; Dann nahm er die Waage, um die Sch\u00fcssel abzuwiegen. Er sagte, dass sie f\u00fcnfzig Goldst\u00fccke wert sei. Diesen Preis bot er auch und zahlte ihn bar auf die Hand. Aladdin nahm das Geld und dankte dem Goldschmied f\u00fcr seinen guten Rat. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Sooft Aladdin nun eine Sch\u00fcssel verkaufen wollte, wandte er sich an den Goldschmied. Er brachte ihm auch die Tasse und erhielt jedes Mal den vollen Wert. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin und seine Mutter waren jetzt wohlhabende Leute, denn sie hatten ja an der Lampe eine nie versiegende Geldquelle. Dennoch trieben sie keinen Auf wand und blieben m\u00e4\u00dfig und bescheiden. Die Mutter besch\u00e4ftigte sich immer noch mit Baumwollspinnen; von dem Ertrag kaufte sie ihre Kleider. Bei dieser einfachen Lebensweise reichte das Geld jedes Mal f\u00fcr lange Zeit. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">W\u00e4hrend dieser Zeit verkehrte Aladdin im Kreise angesehener Kaufleute. Sie handelten mit Kleidern, feinen Stoffen und Juwelen. Und er unterhielt sich mit ihnen \u00fcber Waren und Preise. Auf diese Weise erweiterten sich seine kaufm\u00e4nnischen Kenntnisse. Allm\u00e4hlich wurde er gewandt im Umgang mit besseren Leuten. Bei den Goldschmieden lernte er alle Edelsteine kennen und ihren Wert sch\u00e4tzen. So kam er zu der Einsicht, dass seine bunten Fr\u00fcchte aus dem unterirdischen Garten kostbare Juwelen waren. Aber nirgends bemerkte er Steine, die den seinen an Gr\u00f6\u00dfe und Reinheit gleichkamen. Bald begriff er, dass die beiden Beutel hinter dem Diwanpolster einen unvergleichlichen Schatz bargen. Aladdin war klug genug, niemandem etwas davon zu sagen. Auch seine Mutter weihte er nicht ein. Diesem Stillschweigen verdankte er sein Gl\u00fcck. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Eines Tages befand er sich auf dem Weg zum Basar der Goldschmiede. Da h\u00f6rte er einen Befehl des Sultans ausrufen. Es hie\u00df, jedermann solle seinen Laden und sein Haus verschlie\u00dfen. Niemand d\u00fcrfe sich bei Todesstrafe im Freien blicken lassen. Prinzessin Badrulbudur, die Tochter des Sultans, wolle sich ins Bad begeben. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als Aladdin diesen Befehl h\u00f6rte, \u00fcberkam ihn das verlangen, die Prinzessin unverschleiert zu sehen. Aladdin hatte geh\u00f6rt, dass sie von unvergleichlicher Sch\u00f6nheit sei. Er versteckte sich also hinter der T\u00fcr des Bades. Dort musste er sie sehen k\u00f6nnen, ohne selbst gesehen zu werden. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Er brauchte nicht lange zu warten. Bald erschien die Prinzessin in Begleitung vieler Frauen und Dienerinnen. Er betrachtete sie durch eine Ritze in der T\u00fcr. Beim Eingang des Bades nahm sie den Schleier ab. Aladdin konnte ihr gerade ins Gesicht blicken. Ihr Antlitz war jugendlich frisch und von strahlender Sch\u00f6nheit. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin hatte bisher keine Frau au\u00dfer seiner Mutter unverschleiert gesehen; und sie war nicht mehr jung und von Sorgen verh\u00e4rmt. Wohl hatte er geh\u00f6rt, dass es Frauen von hervorragender Sch\u00f6nheit g\u00e4be. Aber es ist ein Unterschied, von Sch\u00f6nheit zu h\u00f6ren oder sie selber zu schauen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nachdem Aladdin die Prinzessin gesehen hatte, verwirrten sich seine Gedanken und Gef\u00fchle. Verzaubert starrte er ihr nach. Sein Herz war erf\u00fcllt von Liebe und Verlangen nach dem reizenden M\u00e4dchen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Endlich kam er wieder zur Besinnung und beschloss, nach Hause zu gehen. Daheim angelangt, konnte er seine Unruhe und Verwirrung nicht verbergen. Schlie\u00dflich fragte ihn seine Mutter erstaunt, ob ihm etwas Unangenehmes zugesto\u00dfen oder ob er krank sei. Aber Aladdin gab keine Antwort. Er warf sich auf den Diwan, und seine Gedanken kreisten unabl\u00e4ssig um die Prinzessin. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die Mutter bereitete unterdessen das Abendessen. Schweigend setzte sich Aladdin zu Tisch, genoss aber nur wenig. Da setzte sich die Mutter neben ihn und versuchte, ihn auszufragen. Aber sie konnte ihm kein einziges Wort entlocken. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin verbrachte eine unruhige Nacht. Am n\u00e4chsten Morgen brach er endlich das Stillschweigen und sagte: &#8222;Du hast wohl gemeint, ich sei krank, Mutter, und das hat dir Kummer gemacht. Ich war aber nicht krank und bin es auch jetzt nicht. Ich kann dir nicht sagen, was ich empfinde; vielleicht ist mein Zustand noch schlimmer als eine Krankheit. Aber ich werde dir erz\u00e4hlen, was gestern geschah; dann kannst du mir vielleicht einen Rat geben. Du wirst nicht davon geh\u00f6rt haben, dass sich die Prinzessin Badrulbudur gestern ins Bad begeben hat. Ich h\u00f6rte es von den Ausrufern, als ich in der Stadt spazieren ging. Man verk\u00fcndete n\u00e4mlich, alle Leute sollten die L\u00e4den schlie\u00dfen; und bei Todesstrafe d\u00fcrfe keiner auf der Stra\u00dfe verweilen, damit die Prinzessin freien Durchgang zum Bad habe. Da packte mich die Neugier. Ich wollte die Prinzessin mit unverschleiertem Gesicht sehen. Darum versteckte ich mich hinter der T\u00fcr zum Bade. Und wirklich: an der T\u00fcr nahm sie den Schleier ab. Ich hatte das Gl\u00fcck, ihr Antlitz zu sehen. Das ist der Grund meiner Unruhe und meines Schweigens. Als ich ihr Gesicht und ihre herrliche Gestalt sah, ergriff mich hei\u00dfe Liebe zu ihr. Meine Sehnsucht nach ihr wird immer gr\u00f6\u00dfer. Ich finde keine Ruhe mehr, wenn ich die Prinzessin nicht f\u00fcr mich gewinne. Darum bin ich fest entschlossen, sie vom Sultan zur Frau zu erbitten.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdins Mutter hatte aufmerksam zugeh\u00f6rt. Aber als ihr Sohn von seinen Heiratsabsichten sprach, musste sie laut auflachen. Er wollte fort fahren, aber sie lie\u00df ihn gar nicht zu Wort kommen und sagte: &#8222;Mein Lieber, was f\u00e4llt dir ein? Bist du wahnsinnig geworden, dass du solche Reden f\u00fchrst?&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Nein, Mutter&#8220;, entgegnete Aladdin, &#8222;mein Verstand war nie so hell wie jetzt. Ich habe deine Einw\u00fcrfe vorausgesehen. Aber alle deine Worte werden meinen Entschluss nicht \u00e4ndern. Ich sage dir nochmals, dass ich um die Hand der sch\u00f6nen Prinzessin anhalten werde.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Ach, mein Sohn&#8220;, sagte die Mutter, &#8222;ich bitte dich, rede nicht solchen Unsinn! Selbst wenn du deinen Entschluss ausf\u00fchren wolltest, wer sollte denn deine Bitte dem Sultan vortragen? Wer sollte denn f\u00fcr dich um die Prinzessin anhalten?&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Kein anderer als du&#8220;, entgegnete Aladdin. &#8222;Ich w\u00fcnsche, liebe Mutter, dass du meine Werbung vorbringst.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Ich?&#8220; rief die Mutter. &#8222;Ich werde mich h\u00fcten, so etwas zu unternehmen. Wie kannst du \u00fcberhaupt an die Tochter des Sultans denken? Vergiss doch nicht, dass du nur der Sohn eines armen Schneiders bist! Ihr Vater gibt sie nicht einmal Prinzen oder Sultanss\u00f6hnen zur Ehe. Wie kannst dann du es wagen, die Tochter des Sultans als Frau zu begehren!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Liebe Mutter&#8220;, antwortete Aladdin, &#8222;ich sagte dir schon, dass ich alle diese Vorstellungen vorausgeahnt habe. Ich wei\u00df auch, was du noch einwenden wirst. Das alles habe ich bedacht. Trotzdem werden deine Reden meinen Entschluss nicht zum Wanken bringen. Ich flehe dich an, tu mir den Gefallen! Wenn du mich lieb hast, geh zum Sultan und wirb f\u00fcr mich. Du wirst mir dadurch zum zweiten Mal das Leben schenken. , Wird die Prinzessin nicht meine Frau, so will ich nicht l\u00e4nger leben.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdins Mutter geriet durch diese Hartn\u00e4ckigkeit ihres Sohnes in gr\u00f6\u00dfte Verlegenheit. Sie wollte ihm ja gern seinen Wunsch erf\u00fcllen; aber diesen Plan hielt sie f\u00fcr n\u00e4rrisch und undurchf\u00fchrbar. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Daher sprach sie zu ihm: &#8222;Mein Sohn, ich bin deine Mutter und liebe dich von Herzen. Soweit ich es vermag, will ich dir jeden vern\u00fcnftigen Wunsch erf\u00fcllen. Wenn du es w\u00fcnschst, werde ich dir eine Frau aus unserem Stande suchen. Ich w\u00fcrde auch um die Tochter eines unserer Nachbarn anhalten. Freilich m\u00fcsstest du auch da etwas Verm\u00f6gen und Einkommen besitzen oder ein Gewerbe erlernt haben. Jedermann fragt zuerst, wie der Freier seine Frau und sp\u00e4ter seine Familie erhalten werde. Du aber hast nichts und bist nichts. Wie kannst du es dann wagen, deine Augen zur Tochter des Sultans zu erheben! \u00dcberlege dir das! Wie kommst du auf den Gedanken, ich solle beim Sultan f\u00fcr dich freien? Selbst wenn ich so unversch\u00e4mt w\u00e4re, wie bek\u00e4me ich Zutritt? An wen sollte ich mich wenden, dass er mich vorstellt? Und wollte ich den Zweck meiner Vorsprache angeben, w\u00fcrde man mich f\u00fcr eine N\u00e4rrin halten und verjagen! Und gel\u00e4nge es mir wirklich, bis zum Sultan zu kommen, was sollte ich dann sagen? Hast du dich um dein Land verdient gemacht? Bist du der Gnade des Sultans \u00fcberhaupt w\u00fcrdig? Wie also kann ich mit einem solchen Ansinnen vor ihm erscheinen? Der Anblick seiner Macht und der k\u00f6nigliche Prunk allein w\u00fcrden mir schon die Rede verschlagen. Ich zitterte bereits, wenn ich von deinem Vater etwas erbitten musste. Wie k\u00f6nnte ich nun gar vor diesem hohen Herrn etwas vorbringen? Dann f\u00e4llt mir noch etwas ein: Wer den Sultan um eine Gnade bitten will, der muss ein Geschenk mitbringen. Aber was f\u00fcr ein Geschenk hast du ihm anzubieten? Wenn du nun gar seine Tochter zur Frau verlangst, welches Geschenk k\u00f6nnte diese Bitte unterst\u00fctzen?&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin h\u00f6rte alle Einw\u00e4nde seiner Mutter ruhig an. Er \u00fcberlegte Punkt f\u00fcr Punkt. Dann sagte er: &#8222;Liebe Mutter, du hast recht. Ich h\u00e4tte alles das bedenken sollen. Mein Verlangen war verwegen und unbesonnen. Ich h\u00e4tte vorher daran denken m\u00fcssen, dir Zutritt und g\u00fcnstige Aufnahme beim Sultan zu verschaffen. Verzeih mir! Die Liebe zur Prinzessin hat meine Gedanken verwirrt. Aber ich liebe sie so sehr, dass ich sie unbedingt heiraten werde. Ich danke dir, dass du mich an das Geschenk erinnert hast. Du hast daran gezweifelt, dass ich ein w\u00fcrdiges Geschenk f\u00fcr diesen Anlass besitze. Allein ich habe eines, das wert ist, dem Sultan \u00fcberreicht zu werden; es ist ein Geschenk, um das ihn F\u00fcrsten und K\u00f6nige beneiden werden. Du wei\u00dft, Mutter, ich habe aus dem unterirdischen Garten buntfarbige Steine mitgebracht. Wir meinten, diese Steine seien aus Glas. Es sind aber kostbare Edelsteine von h\u00f6chster Sch\u00f6nheit; ihresgleichen gibt es in keinem Lande der Welt. In den L\u00e4den der Goldschmiede habe ich viele herrliche Edelsteine gesehen; aber sie alle halten den Vergleich mit meinen Steinen nicht aus. Und doch werden sie zu unbeschreiblich hohen Preisen verkauft. Wie hoch muss dann erst der Wert meiner Steine sein! Du hast eine hohe Porzellanvase, Mutter. Gib sie mir, wir wollen sie mit Edelsteinen f\u00fcllen. Dann magst du die strahlende Pracht bewundern. Ich glaube, auch der Sultan hat so etwas noch nie gesehen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die Mutter brachte die Vase herbei. Aladdin nahm die Steine aus den Beuteln und legte sie sch\u00f6n geordnet hinein. Da strahlte und blitzte es aus der Vase, dass Mutter und Sohn geblendet die Augen schlie\u00dfen mussten. Solchen Glanz und solches Feuer hatten sie noch nie an den Steinen bemerkt; freilich hatten sie diese bisher nur bei Lampenlicht gesehen. Nun aber lockte der helle Sonnenschein spr\u00fchende Funken hervor. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nachdem sie die Sch\u00f6nheit des Geschenkes eine Weile bewundert hatten, sagte Aladdin: &#8222;Glaubst du nun, Mutter, dass dies ein passendes Geschenk f\u00fcr den Sultan ist? Jetzt kannst du den Gang zu Hofe wagen. Mit diesem Geschenk wirst du sicher gn\u00e4dig empfangen werden.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdins Mutter war von dem Wert des Geschenkes nicht so \u00fcberzeugt wie ihr Sohn. Trotzdem hoffte sie, es werde wohl Gnade finden. Aber als sie der Bitte ihres Sohnes gedachte, wurde sie abermals unsicher. Er und die Prinzessin! <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Lieber Sohn&#8220;, sagte sie, &#8222;dieses Geschenk ist pr\u00e4chtig und wert voll. Es wird seine Wirkung tun und mir gn\u00e4dige Aufnahme beim Sultan verschaffen. Aber ich werde nicht den Mut haben, deine Werbung um des Sultans Tochter vorzubringen; da wird mein Mund stumm bleiben. So wird nicht nur mein Gang vergeblich sein, sondern auch das Geschenk; und ich werde dir best\u00fcrzt verk\u00fcnden m\u00fcssen, dass deine Hoffnung vergeblich war. Sollte ich aber doch imstande sein, deinen Wunsch auszusprechen, wird uns der Sultan f\u00fcr Narren halten und mich mit Schimpf und Schande davonjagen oder uns beide bestrafen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdins Mutter f\u00fchrte noch mehr Gr\u00fcnde an, die gegen einen Empfang beim Sultan sprachen. Aber das Bild der Prinzessin war zu tief in seinem Herzen verankert. Er wollte seinen Plan, sie zu seiner Frau zu machen, nicht aufgeben. Darum dr\u00e4ngte und bat er seine Mutter, bis sie aus Furcht vor seiner Unbesonnenheit nachgab. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">An diesem Tag aber war es f\u00fcr die Anmeldung beim Sultan zu sp\u00e4t. So wurde die Sache auf den n\u00e4chsten Tag verschoben. Bis dahin sprachen Mutter und Sohn nur vom morgigen Gang zu Hofe. Aladdin sch\u00e4rfte ihr neuerlich ein, was sie tun und sagen solle. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die Mutter aber fragte ihn noch: &#8222;Mein Sohn, wenn mich der Sultan wirklich anh\u00f6rt, was soll ich sagen, wenn er nach deinem Besitz und Verm\u00f6gen fragt?&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Liebe Mutter&#8220;, erwiderte Aladdin, &#8222;wenn es zum \u00c4u\u00dfersten kommt, muss uns die Lampe helfen. Sie sorgt seit einigen Jahren f\u00fcr unsern Unterhalt. Ich hoffe, dass sie mich auch in dieser Not nicht im Stich lassen wird.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Hierauf wusste Aladdins Mutter nichts zu entgegnen. Sie dachte, die Lampe habe wirklich bisher Wunder vollbracht; nun k\u00f6nne man auch noch Gr\u00f6\u00dferes von ihr erhoffen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin erriet die Gedanken seiner Mutter. Er sagte zu ihr: &#8222;Liebe Mutter, sprecht zu keinem Menschen von der Lampe! Sie ist unser gr\u00f6\u00dfter Schatz. Der gl\u00fcckliche Ausgang unseres Beginnens wird ganz von ihr abh\u00e4ngen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Erst tief in der Nacht suchten sie ihr Lager auf. Aber schon vor Tagesanbruch weckte Aladdin die Mutter wieder. Er best\u00fcrmte sie, sich rasch anzukleiden und zum Tor des Palastes zu eilen. Dann k\u00f6nne sie zugleich mit dem Gro\u00dfwesir und den \u00fcbrigen Gro\u00dfen des Reiches den Palast betreten und ihnen in die Ratsversammlung folgen. Dieser pflegte der Sultan stets beizuwohnen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdins Mutter tat alles, was ihr Sohn w\u00fcnschte. Sie h\u00fcllte die Porzellanvase in feines, wei\u00dfes Linnen. Dar\u00fcber band sie ein gr\u00f6beres Tuch, um das leichter forttragen zu k\u00f6nnen. Endlich machte sie sich zur gro\u00dfen Freude Aladdins auf den Weg zum Palast des Sultans. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Soeben betrat der Gro\u00dfwesir mit allen W\u00fcrdentr\u00e4gern des Hofes den Palast. Eine gro\u00dfe Menge von Bittstellern schloss sich ihnen an. Die Mutter folgte dem Zuge und gelangte so in den gro\u00dfen Prunksaal; dort hielt der Sultan die Versammlung ab. Sie stellte sich gerade dem Thron des Sultans gegen\u00fcber au\u00a3 Die Gro\u00dfen des Reiches waren rechts und links von ihm versammelt. Dann wurden dem Sultan die Rechtsf\u00e4lle vor getragen. Man rief die Parteien in der Reihenfolge, in der sie ihre Gesuche eingebracht hatten. Viele Angelegenheiten wurden verlesen, beraten und entschieden, bis die Versammlung wieder geschlossen wurde. Schlie\u00dflich erhob sich der Sultan und ging in seine Gem\u00e4cher zur\u00fcck. Der Gro\u00dfwesir und alle \u00fcbrigen Mitglieder des Staatsrates entfernten sich. Auch die Parteien, die Gesuche vorgelegt hatten, gingen nach Hause. Manche waren vergn\u00fcgt \u00fcber den Ausgang ihres Rechtsfalles, andere wieder unzufrieden \u00fcber das gef\u00e4llte Urteil. Einige hofften, ein andermal mit ihrer Sache vorzukommen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als Aladdins Mutter sah, dass sich der Sultan zur\u00fcckzog, ging sie gleichfalls nach Hause. Als ihr Sohn sie mit dem Geschenk zur\u00fcckkamen sah, erschrak er; er konnte sich nicht erkl\u00e4ren, was das bedeuten solle. Er f\u00fcrchtete, seine Sendung sei misslungen, und er getraute sich gar nicht, die Mutter zu fragen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die Mutter, die noch niemals bei einer Ratsversammlung gewesen war, begann treuherzig zu erz\u00e4hlen: &#8222;Gott sei Dank, dass ich heute im Sultanspalast war. Wenn ich auch heute noch nicht mit dem Sultan gesprochen habe, so hoffe ich doch, morgen mit ihm zu reden. Heute habe ich den Sultan gesehen. Ich stand ihm gerade gegen\u00fcber. Ich bin \u00fcberzeugt, dass er auch mich bemerkt hat. Aber er war sehr besch\u00e4ftigt mit den Leuten, die rechts und links von ihm sa\u00dfen. Er tat mir leid, als ich sah, mit wie viel M\u00fche und Geduld er sie anh\u00f6rte. Das dauerte sehr lange. Zuletzt mag es ihm schon langweilig geworden sein, weil er auf einmal aufstand und wegging. Es waren zwar noch viele Leute da, die mit ihm sprechen wollten. Aber ich war sehr froh dar\u00fcber, denn auch mir wurde die Sache schon langweilig. Au\u00dferdem war ich sehr m\u00fcde vom langen Stehen. Es ist also nichts verloren. Ich werde dir zuliebe morgen wieder hingehen. Vielleicht hat der Sultan dann mehr Zeit.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin hat die Entscheidung ungeduldig erwartet. Aber gegen die Entschuldigung seiner Mutter konnte er nichts vorbringen; er musste sich bis zum n\u00e4chsten Tag gedulden. Das eine hatte er wenigstens schon erreicht, dass die Mutter den gef\u00fcrchteten Gang angetreten und den Anblick des Sultans ertragen hatte, ohne vor Angst von Sinnen zu kommen. Er hoffte, dass sie morgen in einem g\u00fcnstigen Augenblick ihr Anliegen vorbringen werde. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Am n\u00e4chsten Morgen eilte sie mit ihrem Geschenk wieder zeitlich zum Palast des Sultans. Das Tor aber war verschlossen. Von andern Leuten erfuhr sie, dass nur jeden zweiten Tag Ratssitzung sei. Also ging sie wieder heim und brachte ihrem Sohn diese Nachricht. Aladdin musste sich wieder mit Geduld wappnen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Sechsmal ging die Mutter in die Ratsversammlung. Jedes Mal stellte sie sich dem Sultan gegen\u00fcber auf. Aber nie fand sie den Mut, vor zu treten oder ein Wort zu sagen. Sie w\u00e4re wahrscheinlich noch hundertmal vergebens hingegangen, wenn nicht der Sultan selbst auf sie aufmerksam geworden w\u00e4re. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als er nach der Sitzung in seine Gem\u00e4cher zur\u00fcckgekehrt war, sagte er zu seinem Gro\u00dfwesir: &#8222;Wesir, seit einiger Zeit f\u00e4llt mir bei jeder Sitzung eine Frau auf. Immer steht sie mir gerade gegen\u00fcber. Sie tr\u00e4gt etwas in der Hand, das in Leinwand geh\u00fcllt ist. Vom Anfang bis zum Ende der Sitzung bleibt sie dort stehen. Aber sie sagt nie ein Wort. Wei\u00dft du, was f\u00fcr ein Anliegen sie hat?&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Gro\u00dfwesir wusste sowenig davon wie der Sultan. Er wollte aber seinem Herrn nicht die Antwort schuldig bleiben; darum sagte er: <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Herr, die Frauen beschweren sich doch oft \u00fcber die geringf\u00fcgigsten Dinge. Vielleicht will diese \u00fcber ihren Mann oder einen ihrer Verwandten Klage f\u00fchren. Vielleicht aber hat man ihr schlechtes Mehl verkauft oder sonst ein kleines Unrecht zugef\u00fcgt.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Sultan gab sich mit dieser Antwort des Gro\u00dfwesirs nicht zufrieden. Er befahl ihm, die Frau bei der n\u00e4chsten Sitzung rufen zu lassen. Er wolle sie anh\u00f6ren. Der Gro\u00dfwesir k\u00fcsste die Hand des Sultans und legte sie auf seinen Kopf. Das bedeutete, dass er bereit sei, sich den Kopf abschlagen zu lassen, wenn er diesen Befehl nicht ausf\u00fchre. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Am n\u00e4chsten Sitzungstag ging Aladdins Mutter wieder in die Ratsversammlung. Sie war es ja schon gewohnt. Zwar war bisher jeder Gang vergeblich gewesen; doch aus Liebe zu ihrem Sohn wollte sie alles tun, um endlich zu einem Erfolg zu gelangen. Sie stellte sich wieder dem Sultan gegen\u00fcber auf. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als dieser sie erblickte, war er ger\u00fchrt \u00fcber ihre Geduld und Ausdauer. Er sagte zum Gro\u00dfwesir: &#8222;Wesir, da steht ja die Frau, von der ich neulich gesprochen habe. Lass sie hierher kommen. Wir wollen sie anh\u00f6ren, damit wir ihr Anliegen erfahren und ihre Sache entscheiden.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Sofort ging der Gro\u00dfwesir und gab der Frau ein Zeichen, n\u00e4her zutreten. Sie folgte ihm bis an die Stufen des Thrones. Dort tat sie, wie sie es bei andern gesehen hatte: Sie ber\u00fchrte mit ihrer Stirn die Stufen des Thrones. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">In dieser Stellung verharrte sie, bis der Sultan zu ihr sprach: &#8222;Gute Frau, ich sehe dich schon lange in den Ratssaal kommen. Du bleibst vom Anfang bis zum Ende der Sitzung am Eingang stehen, ohne dass du ein Wort sagst. Nun verrate mir, welche Angelegenheit dich hierher f\u00fchrt!&#8220; Wieder warf sich Aladdins Mutter zu Boden. Sie k\u00fcsste die Stufen des Thrones und flehte den Segen des Himmels \u00fcber den Sultan herab. Dann stand sie auf und sagte: &#8222;Erhabener Herrscher, ich habe ein Anliegen. Aber bevor ich es Euch unterbreite, bitte ich, mir die unglaubliche K\u00fchnheit zu verzeihen. Mein Ansuchen ist so ungew\u00f6hnlich, dass ich zittere und bebe. Ich habe gro\u00dfe Scheu, Herr, es Euch vorzutragen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Um ihr Sicherheit und Freiheit im Reden zu geben, befahl der Sultan, ihn mit der Frau und dem Gro\u00dfwesir allein zu lassen. Dann sagte er, sie k\u00f6nne ohne Furcht sprechen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdins Mutter aber war noch nicht ganz zufrieden. Sie wollte sich auch vor seinem Zorne sicherstellen, den sie bei ihrem seltsamen Antrag bef\u00fcrchten musste. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Herr&#8220;, fuhr sie fort, &#8222;ich bitte Euch untert\u00e4nigst, gew\u00e4hrt mir im voraus g\u00fctigst Eure Gnade und Verzeihung. Vielleicht werdet Ihr mein Anliegen t\u00f6richt oder beleidigend finden.&#8220; &#8222;Was es auch sein mag&#8220;, erwiderte der Sultan, &#8222;ich werde dir verzeihen. Nicht die geringste Strafe soll dich treffen. Sprich ohne Scheu!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nun erz\u00e4hlte sie ihm treuherzig, wie ihr Sohn die Prinzessin Badrulbudur gesehen und sich in sie verliebt habe. Sie sprach von den Pl\u00e4nen und W\u00fcnschen Aladdins. Sie erw\u00e4hnte aber auch die Bedenken, die sie dagegen erhoben hatte. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Aber&#8220;, fuhr sie fort, &#8222;statt auf mich zu h\u00f6ren, bestand er nur um so nachdr\u00fccklicher auf seinem Wunsch. Er drohte sogar, sich ein Leid anzutun, wenn ich mich weigerte, f\u00fcr ihn zu werben. Trotzdem hat es mich die gr\u00f6\u00dfte \u00dcberwindung gekostet, Euch mit dieser Sache zu be l\u00e4stigen. Ich bitte Euch vielmals, verzeiht mir mein verwegenes Unternehmen. Verzeiht auch meinem Sohne die Dreistigkeit, an eine so er habene Verbindung zu denken.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Sultan hatte die Rede der Mutter voll G\u00fcte angeh\u00f6rt. Er \u00e4u\u00dferte nicht den mindesten Zorn oder Unwillen. Auch schien er die ganze Angelegenheit gar nicht l\u00e4cherlich zu finden. Bevor er aber eine Antwort erteilte, fragte er sie l\u00e4chelnd nach ihrem leinenen B\u00fcndel. Aladdins Mutter sah nun, dass der Sultan nicht unwillig war, ja sogar l\u00e4chelte. Da warf sie sich nieder, enth\u00fcllte die Vase und \u00fcberreichte sie dem Sultan. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Geblendet blickte der Sultan auf die Edelsteine. Zuerst war er vor \u00dcberraschung keines Wortes m\u00e4chtig. Er hatte noch nie so viele kostbare Steine beisammen gesehen. Auch waren sie von einer Gr\u00f6\u00dfe, wie sie ihm bisher noch nie vor Augen gekommen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Begeistert nahm er die Vase aus den H\u00e4nden der Frau in Empfang und rief aus: &#8222;Wie sch\u00f6n und einzigartig, wie kostbar sind diese Edelsteine!&#8220; Er nahm einen Stein nach dem andern in die Hand und pries ihr Feuer und ihre Reinheit. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Dann wandte er sich an den Gro\u00dfwesir, zeigte ihm die Vase und sagte: &#8222;Sieh dir diese Steine an! Du wirst gestehen m\u00fcssen, dass man auf der ganzen Welt nichts Herrlicheres und Vollkommeneres finden kann!&#8220; Der Gro\u00dfwesir stimmte in begeisterten Worten zu. Der Sultan aber fuhr fort: &#8222;Ja, wer mir solche kostbare Juwelen schenken kann, ist wert, der Gatte meiner Tochter zu werden.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Diese Worte des Sultans versetzten den Gro\u00dfwesir in eine peinliche Unruhe. Erst k\u00fcrzlich hatte ihm sein Herr angedeutet, dass er die Prinzessin mit seinem Sohn verm\u00e4hlen wolle. Dieses prachtvolle Geschenk kam ihm ungelegen. Nun f\u00fcrchtete er nicht ohne Grund, der Sultan werde sich anders besinnen. Er fl\u00fcsterte ihm daher ins Ohr, er m\u00f6ge mit seiner Entscheidung gn\u00e4digst noch drei Monate zuwarten. Schlie\u00dflich habe der Sultan seinem Sohn die Prinzessin fr\u00fcher versprochen. Und bis dahin werde er ein noch weit kostbareres Geschenk darbringen. Der Sultan war zwar \u00fcberzeugt, dass das unm\u00f6glich sei. Aber er geruhte, den Aufschub von drei Monaten zu gew\u00e4hren. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Er wandte sich also an Aladdins Mutter und sagte zu ihr: &#8222;Geh nach Hause, gute Frau! Sag deinem Sohne, dass ich seinen Antrag genehmige! <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Doch muss er sich noch drei Monate gedulden. Es m\u00fcssen gro\u00dfe Vorbereitungen f\u00fcr die Hochzeit getroffen werden. Nach drei Monaten aber magst du wiederkommen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Strahlend bedankte sich Aladdins Mutter beim Sultan und eilte nach Hause. Ihre Freude war gro\u00df. Hatte sie doch gef\u00fcrchtet, der Sultan werde sie gar nicht anh\u00f6ren. Nun brachte sie ihrem Sohn die g\u00fcnstige Botschaft. Er sah die Mutter fr\u00fcher als sonst und ohne B\u00fcndel heimkehren. Als sie l\u00e4chelnd das Zimmer betrat, wurde ihm froh und leicht zumute. Er schloss daraus auf einen guten Bescheid. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Liebe Mutter&#8220;, fragte er, &#8222;bringst du mir gute Kunde? Hat sich der Sultan gn\u00e4dig erwiesen und das Geschenk angenommen? Was hat er zu deiner Werbung gesagt?&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die Mutter legte den Schleier ab und setzte sich zu ihrem Sohn auf den Diwan. Dann begann sie: &#8222;Ich m\u00f6chte dich nicht lange im Ungewissen lassen. Darum will ich dir gleich sagen, dass du Ursache hast, dich zu freuen. Der Sultan hat mir versprochen, dass seine Tochter deine Frau werden soll.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Dann schilderte sie ihm, wie alles gekommen war. Sie berichtete, mit welchen Worten sie die Werbung eingeleitet h\u00e4tte. Schlie\u00dflich wieder holte sie genau, was der Sultan zu dem Geschenk gesagt hatte. Es war ihr aber nicht entgangen, dass der Gro\u00dfwesir mit dem Bescheid des Sultans nicht ganz einverstanden war. Er hatte den Herrscher an scheinend bereden wollen, sie abzuweisen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Freudig und voll froher Hoffnung verbrachte Aladdin die n\u00e4chsten Tage. Er d\u00fcnkte sich reicher und gl\u00fccklicher als alle Menschen. Seiner Mutter aber war er unendlich dankbar. Die drei Monate Wartezeit er schienen ihm wie eine Ewigkeit. Aber es blieb ihm nichts anderes \u00fcbrig, als mit Geduld zu warten. Das Wort des Sultans schien ihm eine sichere Gew\u00e4hr, das Ziel seiner Sehnsucht zu erreichen. Trotzdem z\u00e4hlte er die Stunden, Tage und Wochen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Zwei Monate der angesetzten Frist waren schon verstrichen, als seine Mutter eines Abends kein \u00d6l f\u00fcr die Lampe hatte. Sie ging also, um \u00d6l einzukaufen. Zu ihrer Verwunderung war die Stadt festlich beleuchtet. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die Bewohner hatten ihre H\u00e4user mit Blumen und Kr\u00e4nzen geschm\u00fcckt; einer suchte den andern an Glanz und Pracht zu \u00fcbertreffen. In den Stra\u00dfen bewegte sich eine festlich gekleidete Menge. Aus allen Gesichtern strahlten hellste Freude und Fr\u00f6hlichkeit. Hofbeamte ritten auf reich geschm\u00fcckten Pferden in feierlichem Aufzug durch die Stadt. \u00dcberall gab es brennende Fackeln und Lichter. Schlie\u00dflich kam sie zum \u00d6lh\u00e4ndler. Ihn fragte sie, was dieses festliche Treiben bedeute. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Woher kommst du denn, liebe Frau?&#8220; erwiderte der \u00d6lh\u00e4ndler. &#8222;Wei\u00dft du denn wirklich nicht, dass heute die Prinzessin Badrulbudur mit dem Sohn des Gro\u00dfwesirs verm\u00e4hlt wird? Gleich wird sie aus dem Bade kommen. Alle diese Herren hier haben sich versammelt, um ihr das Ehrengeleit zum Palaste zu geben. Dort wird die Feierlichkeit vor sich gehen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdins Mutter wollte gar nichts mehr h\u00f6ren. Best\u00fcrzt lief sie nach Hause. Sie traf ihren Sohn in ruhiger Stimmung an. Auf eine so schlimme Nachricht war er ja nicht gefasst. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Mein Sohn&#8220;, rief sie noch unter der T\u00fcr, &#8222;es ist alles verloren! Der Sultan wird sein Wort nicht halten.&#8220; &#8222;Warum sollte er es nicht halten?&#8220; entgegnete Aladdin. &#8222;Wer hat dir denn das gesagt?&#8220; &#8222;Noch heute&#8220;, versetzte die Mutter, &#8222;wird die Prinzessin den Sohn des Gro\u00dfwesirs heiraten. Die ganze Stadt ist festlich geschm\u00fcckt. Alle Leute sprechen davon.&#8220; Sie berichtete ihm alles, was sie gesehen und geh\u00f6rt hatte. Nun konnte er an der Wahrheit nicht mehr zweifeln. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin war von dieser Nachricht wie vom Blitz getroffen. Aber er fasste sich rasch. Sein erster Gedanke war die Lampe. Sie musste jetzt helfen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Ohne mit einem Wort den Sultan oder den Gro\u00dfwesir zu schm\u00e4hen, sagte er nur: &#8222;Liebe Mutter, ich glaube, der Sohn des Gro\u00dfwesirs wird nicht so gl\u00fccklich sein, wie er hofft. Doch reden wir nicht weiter dar\u00fcber. Bring uns lieber das Abendessen! Dann will ich ein wenig in die Kammer gehen. Es wird schon alles gut werden.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdins Mutter ahnte, was ihr Sohn vorhatte. Er w\u00fcrde wohl die Wunderlampe gebrauchen, um die Heirat der Prinzessin zu hinter treiben. Und sie t\u00e4uschte sich nicht. Nach dem Abendessen ging Aladdin in sein Zimmer und verschloss die T\u00fcr hinter sich. Dann holte er die Lampe hervor und rieb sie.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Augenblicklich zeigte sich der Geist und sprach zu ihm: &#8222;Was verlangst du? Ich bin dein Diener und der Diener aller, die diese Lampe in der Hand haben. Ich und alle \u00fcbrigen Diener der Lampe werden dir gehorchen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Da sagte Aladdin: &#8222;H\u00f6re, du hast mir bisher auf meinen Wunsch immer zu essen gebracht. Diesmal habe ich einen andern Auftrag f\u00fcr dich. Der Sultan hat mir die Hand seiner Tochter versprochen. Nun h\u00e4lt er sein Wort nicht. Noch vor Ablauf der Frist von drei Monaten verm\u00e4hlt er sie mit dem Sohn des Gro\u00dfwesirs. Nun befehle ich dir als treuem Diener der Lampe, die Neuverm\u00e4hlten zu entf\u00fchren und hierher zu bringen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Mein Gebieter&#8220;, erwiderte der Geist, &#8222;ich werde diesen Befehl ausf\u00fchren. Hast du noch einen Wunsch?&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;F\u00fcr den Augenblick keinen&#8220;, sagte Aladdin. Da verschwand der Geist. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin aber begab sich zu seiner Mutter zur\u00fcck. Ruhig verbrachte er den Abend. Er unterhielt sich mit ihr \u00fcber die Verm\u00e4hlung der Prinzessin. Aber er sprach so, als ob gar nichts vorgefallen w\u00e4re. Nach einiger Zeit ging er in seine Kammer, ohne sich jedoch zu Bett zu begeben. Er erwartete die R\u00fcckkehr des Geistes und den Vollzug seines Befehles. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Es dauerte gar nicht lange, da brachte auch schon der Geist die beiden Neuverm\u00e4hlten. Zu ihrem gro\u00dfen Erstaunen setzte er sie mitten im Zimmer Aladdins nieder. Aladdin hatte diesen Augenblick voll Ungeduld erwartet. Nun sagte er hocherfreut zu dem Geist: <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Nimm diesen jungen Ehemann und trag ihn hinaus in ein anderes Gemach! Morgen fr\u00fch bei Tagesanbruch komm wieder zu mir!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Augenblicklich trug der Geist den Sohn des Gro\u00dfwesirs fort. In einer kleinen Kammer legte er ihn nieder. Dort hauchte er ihn an; dadurch wurde er bet\u00e4ubt und konnte sich die ganze Nacht nicht r\u00fchren. Aladdin war gl\u00fccklich, die Prinzessin so nahe zu sehen. Aber er wahrte ehrerbietigste Zur\u00fcckhaltung und sagte nur in z\u00e4rtlichem Ton: ,F\u00fcrchtet Euch nicht, erlauchte Prinzessin! Ihr seid in Sicherheit: Nichts soll Euch zuleide geschehen. Wie gro\u00df auch meine Liebe zu Euch ist, nie werde ich die Schranken der Ehrfurcht \u00fcberschreiten, die ich Euch schulde.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die Prinzessin war wie bet\u00e4ubt von dem unerwarten, r\u00e4tselhaften Ereignis. Sie h\u00f6rte kaum auf die Reden Aladdins. Auch war sie so verst\u00f6rt, dass sie kein Wort hervorbrachte. Aladdin aber war zufrieden mit dem Gang der Ereignisse. Er suchte sein Lager auf und war bald in ruhigen Schlummer versunken. Nicht so die Prinzessin. Es war das erste Mal in ihrem Leben, dass sie sich in einer so engen, d\u00fcsteren Kammer befand. In ihrem ganzen Leben hatte sie keine schlimmere Nacht verbracht. Noch \u00e4rger erging es dem Sohn des Gro\u00dfwesirs, der sich in seinem finsteren Loch nicht einmal r\u00fchren konnte. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Am n\u00e4chsten Morgen brauchte Aladdin nicht erst die Lampe zu reiben, um den Geist zu rufen. Zeitlich am Morgen stand dieser an seinem Lager und sagte: &#8222;Mein Herr und Gebieter, hier bin ich! Befiehl, und ich werde mit Freuden gehorchen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Geh&#8220;, sagte Aladdin, &#8222;und hole den Sohn des Gro\u00dfwesirs von dem Ort, wohin du ihn gebracht hast. Dann trag ihn und die Prinzessin wieder in den Palast des Sultans zur\u00fcck!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Sogleich nahm der Geist die beiden auf. Er trug sie in dasselbe Gemach des Schlosses zur\u00fcck, aus dem er sie entf\u00fchrt hatte. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Geist war aber weder der Prinzessin noch ihrem Gatten sichtbar. Sie w\u00e4ren wahrscheinlich zu Tode erschrocken, h\u00e4tten sie seine schreckliche Gestalt gesehen. Auch von dem Gespr\u00e4che zwischen Aladdin und dem Geist hatten sie nichts geh\u00f6rt. Sie merkten nur, dass sie von einem Ort zum andern getragen wurden; das allein gen\u00fcgte, um ihnen den gr\u00f6\u00dften Schrecken einzujagen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Kaum hatte der Geist die beiden in ihr Zimmer gebracht, \u00f6ffnete sich schon die T\u00fcr. Der Sultan trat herein, um guten Morgen zu w\u00fcnschen und nach ihrem Befinden zu fragen. Nun hatte der Sohn des Gro\u00dfwesirs die ganze Nacht in der K\u00e4lte gelegen; kaum hatte er sich jetzt in seinem Bett erw\u00e4rmt, musste er wieder heraus. So unbehaglich ihm auch zumute war, er musste sich in seine Kleider werfen. Der Sultan trat zum Bett seiner Tochter, k\u00fcsste sie auf die Stirn und fragte, wie es ihr gehe. Sie aber gab keine Antwort. Als er sie aufmerksamer betrachtete, sah er in ihrer Miene tiefe Schwermut; traurig blickte sie ihn an. Aber sie antwortete nicht auf seine Fragen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Sultan war \u00fcberzeugt, dass dieses Schweigen eine tiefe Ursache haben m\u00fcsse. Deshalb begab er sich in das Zimmer seiner Gemahlin und teilte ihr mit, wie ihn die Prinzessin empfangen habe. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Herr&#8220;, sagte die Sultanin, &#8222;das braucht Euch nicht zu wundern. Nach der Hochzeit sind alle jungen Frauen zur\u00fcckhaltend. Wartet nur, in ein paar Tagen wird sich dies \u00e4ndern, und dann wird sie ihren Vater empfangen, wie es sich geb\u00fchrt. Doch will ich gleich zu ihr gehen; ich m\u00fcsste mich sehr t\u00e4uschen, wenn sie mich ebenso empfinge wie Euch.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die Sultanin begab sich also in das Zimmer der Prinzessin. Sie war sehr erstaunt, als auch ihr Morgengru\u00df nicht erwidert wurde. Ihre Tochter sah sehr niedergeschlagen aus. Etwas Besonderes musste sich ereignet haben, sonst k\u00f6nnte sie nicht so verst\u00f6rt sein. Aber was? <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Liebe Tochter&#8220;, begann sie, &#8222;warum sprichst du kein Wort? Warum erwiderst du meine Z\u00e4rtlichkeit nicht? Sag mir, was sich ereignet hat. Lass mich nicht so lang in dieser peinlichen Ungewissheit:&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Da hob die Prinzessin ihr Haupt und seufzte tief: &#8222;Ach, liebe Mutter, seid nicht b\u00f6se, wenn ich Euch nicht geziemend empfangen habe. Aber in dieser Nacht sind so seltsame Dinge geschehen. Mein Geist kann sie noch immer nicht fassen. Ich habe M\u00fche, wieder zu mir selber zu kommen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die Prinzessin schilderte nun, was sich in der Nacht ereignet hatte. Sie berichtete, wie sie mit ihrem Gatten in eine armselige Kammer entf\u00fchrt und dann von ihm getrennt worden sei. In der Kammer sei ein fremder junger Mann gewesen. Dieser habe zu ihr gesprochen; aber in ihrer Aufregung habe sie nichts verstanden. Dann sei der J\u00fcngling zu Bett gegangen und ruhig eingeschlafen. Sie aber habe dort die schlimmste Nacht ihres Lebens verbracht. Am Morgen seien sie und ihr Gemahl wieder ins Schloss zur\u00fcckgebracht worden. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Kaum waren wir hier&#8220;, fuhr sie fort, &#8222;trat schon mein Vater ins Zimmer. Ich aber war noch nicht imstande, eine Antwort auf seine Fragen zu geben. Sicherlich z\u00fcrnt er mir nun, weil ich die Ehre seines Besuches nicht geb\u00fchrend gew\u00fcrdigt habe. Doch wird er meinen traurigen Zustand verstehen, wenn er von meinem schrecklichen Abenteuer erf\u00e4hrt. Ich hoffe, dass er mir dann verzeihen wird.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die Sultanin h\u00f6rte die Erz\u00e4hlung ihrer Tochter ruhig an. Aber sie fand sie so unglaubw\u00fcrdig, dass sie entgegnete: &#8222;Liebe Tochter, du hast gut daran getan, nichts von all dem deinem Vater zu erz\u00e4hlen. Sag auch keinem andern Menschen ein Sterbenswort davon! Man w\u00fcrde dir nicht glauben, dich sogar f\u00fcr eine N\u00e4rrin halten.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Mutter&#8220;, antwortete die Prinzessin, &#8222;ich bin nicht wahnsinnig, sondern bei klarem Verstand. Ich habe das alles wirklich erlebt. Fragt nur meinen Gemahl; er wird Euch dasselbe erz\u00e4hlen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Dann begab sie sich in das Zimmer des Sultans. Sie sagte ihm, ihre Tochter habe in der Nacht b\u00f6se Tr\u00e4ume gehabt. Deshalb sei sie am Morgen noch sehr beunruhigt gewesen; jetzt aber sei alles wieder gut. Dann lie\u00df sie den Sohn des Gro\u00dfwesirs rufen. Ihn fragte sie, was an den Worten seines jungen Weibes Wahres sei. Der Sohn des Gro\u00dfwesirs f\u00fcrchtete, durch diese Geschichte seine Gattin zu verlieren; darum erkl\u00e4rte er, er wisse von nichts. Da war die Sultanin \u00fcberzeugt, dass ihre Tochter nur getr\u00e4umt habe. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die Lustbarkeiten dauerten den ganzen Tag. Es wurde getanzt und gesungen, und unaufh\u00f6rlich erklang fr\u00f6hliche Musik. Die Sultanin wich ihrer Tochter nicht von der Seite. Sie bem\u00fchte sich eifrig, die Prinzessin zu allerlei Vergn\u00fcgungen aufzumuntern; dadurch sollte sie ihren Kummer vergessen. Aber die Erlebnisse der Nacht waren zu gro\u00df gewesen. Sie hatte f\u00fcr nichts anderes Sinn. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin war auch in die Stadt gegangen, um sich die Festlichkeiten anzusehen. Die Leute redeten \u00fcber das Gl\u00fcck und die Ehre, die dem Sohn des Gro\u00dfwesirs zuteil geworden sei. Als Aladdin das h\u00f6rte, musste er l\u00e4cheln. Er dachte bei sich: Ihr wisst ja nicht, wie es ihm heute Nacht ergangen ist; sonst w\u00fcrdet ihr ihn wohl nicht beneiden. Als die Zeit vorger\u00fcckt war, ging er nach Hause. Dort holte er die Lampe hervor und rieb sie. Sogleich erschien der Geist und bot ihm seine Dienste an. Aladdin beauftragte ihn, das junge Paar so wie gestern hierherzubringen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Geist z\u00f6gerte nicht und verschwand. Und nun ereignete sich das gleiche wie in der vergangenen Nacht. Der Sohn des Gro\u00dfwesirs lag wieder furchterstarrt allein in seinem kalten Raum; und die Prinzessin versuchte vergebens, in der engen, dumpfen Kammer zu schlafen. Nur Aladdin schlummerte ruhig und fest. Am Morgen nahm der Geist die Prinzessin und ihren Gemahl und trug sie in das Schloss zur\u00fcck. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Neugierig hatte der Sultan den n\u00e4chsten Tag erwartet. Ob ihm seine Tochter wieder einen so k\u00fchlen Empfang bereiten w\u00fcrde? Am fr\u00fchen Morgen trat er in ihr Gemach, um sie zu begr\u00fc\u00dfen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Eben war der Sohn des Gro\u00dfwesirs z\u00e4hneklappernd ins Bett gestiegen. Aber als er den Sultan kommen h\u00f6rte, sprang er eilig heraus. Verbittert st\u00fcrzte er in sein Ankleidezimmer. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die Prinzessin blickte traurig vor sich hin. Aber sie gab keine Antwort. Der Sultan bemerkte, dass sie noch verst\u00f6rter war als das erste Mal. Nun zweifelte er nicht mehr, dass ihr etwas Au\u00dferordentliches zugesto\u00dfen sein m\u00fcsse. Er war erbittert dar\u00fcber, dass sie ihn keines Wortes w\u00fcrdigte. Darum riss er den S\u00e4bel aus der Scheide. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Gesteh, was du mir verbirgst&#8220;, rief er zornentbrannt, &#8222;oder ich schlage dir augenblicklich den Kopf ab!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Daraufhin berichtete die Prinzessin dem Sultan alles, was vorgegangen war. Sie erz\u00e4hlte mit so r\u00fchrenden Worten, dass ihn tiefes Mitleid mit seiner Tochter ergriff. Sie schloss mit den Worten: &#8222;Mein Vater, ich hoffe, Ihr glaubt mir! Aber wenn Ihr an der Wahrheit meiner Erz\u00e4hlung zweifelt, so fragt meinen Gatten. Er wird Euch alles best\u00e4tigen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Sultan war tief bek\u00fcmmert \u00fcber diesen Bericht seiner Tochter. Er sagte: &#8222;Liebe Tochter, warum hast du mir diese seltsame Geschichte nicht schon gestern erz\u00e4hlt? Ich wollte nur dein Gl\u00fcck, als ich dich verheiratete. Nun aber bist du so ungl\u00fccklich. Doch verscheuche die d\u00fcsteren Gedanken und fasse Mut! Du sollst von nun an gut bewacht werden und keine solche Nacht mehr durchmachen m\u00fcssen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Hierauf kehrte der Sultan in seine Gem\u00e4cher zur\u00fcck. Sofort lie\u00df er den Gro\u00dfwesir rufen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Wesir&#8220;, sprach er zu ihm, &#8222;wie geht es deinem Sohn? Hast du ihn schon gesprochen? Was erz\u00e4hlt er von den beiden letzten N\u00e4chten?&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Gro\u00dfwesir antwortete, er habe ihn noch nicht gesehen. Nun teilte ihm der Sultan mit, was die Prinzessin ihm soeben erz\u00e4hlt hatte. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Und ich zweifle nicht&#8220;, setzte er fort, &#8222;dass meine Tochter die Wahrheit gesagt hat. Doch w\u00e4re es mir lieb, wenn dein Sohn es best\u00e4tigte. Geh also zu ihm und frag ihn, wie sich die Sache verh\u00e4lt!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Gro\u00dfwesir suchte sogleich seinen Sohn auf. Er teilte ihm den Befehl des Sultans mit und forderte, er solle die volle Wahrheit sagen und nichts verheimlichen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Mein Vater&#8220;, rief der J\u00fcngling, &#8222;ich brauche nichts zu verhehlen! Alles, was die Prinzessin gesagt hat, ist wahr. Dabei hat sie gar nicht alles erz\u00e4hlt. Wie es mir ergangen ist, wei\u00df sie ja nicht. Seit meiner Verm\u00e4hlung habe ich zwei schreckliche N\u00e4chte verbracht; mir fehlen die Worte, sie eingehend zu schildern. Aber es war unheimlich, viermal emporgehoben und an einen andern Ort getragen zu werden. Ich begreife jetzt noch nicht, wie das m\u00f6glich war. Aber der Ort, wo ich mich aufhalten musste, war scheu\u00dflich. Der Raum war kalt, finster und \u00fcbelriechend. Die Z\u00e4hne klapperten mir vor K\u00e4lte. Bei aller Liebe zur Prinzessin und trotz der hohen Ehre m\u00f6chte ich lieber sterben, als mich noch l\u00e4nger einer solchen Behandlung auszusetzen. Sicher denkt die Prinzessin ebenso wie ich. Darum, lieber Vater, erwirke beim Sultan, dass unsere Ehe f\u00fcr ung\u00fcltig erkl\u00e4rt wird.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als der Gro\u00dfwesir den verzweifelten Bericht seines Sohnes geh\u00f6rt hatte, begab er sich zum Sultan. Er meldete, dass die Erz\u00e4hlung der Prinzessin auf Wahrheit beruhe. Deshalb bat er um die Erlaubnis, dass sein Sohn den Palast verlassen und nach Hause zur\u00fcckkehren d\u00fcrfe. Die Prinzessin solle seinetwegen nicht einen Augenblick l\u00e4nger der Angst vor einer abermaligen Entf\u00fchrung ausgesetzt sein. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Sultan hatte selbst schon die Aufl\u00f6sung der Ehe erwogen. Darum gab er dem Wesir ohne weiteres seine Einwilligung. Sofort erging der Befehl, die Feiern im ganzen Land einzustellen. In kurzer Zeit h\u00f6rten alle Festlichkeiten auf. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Alle Leute wunderten sich dar\u00fcber. Verschiedene Ger\u00fcchte wurden in der Stadt laut, allein niemand wusste etwas Bestimmtes. Man hatte nur den Gro\u00dfwesir und seinen Sohn traurig aus dem Palast kommen sehen. Der einzige, der das Geheimnis genau kannte, war Aladdin. Aber er sagte nichts und lachte sich ins F\u00e4ustchen. Nun hatte er keinen Nebenbuhler mehr zu f\u00fcrchten. Und er bedurfte auch nicht mehr der Hilfe des Geistes. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Sultan dachte schon lange nicht mehr an das Versprechen, das er Aladdin gegeben hatte. Auch der Gro\u00dfwesir hatte die Angelegenheit l\u00e4ngst vergessen. Daher kamen sie beide nicht auf die Idee, da\u00df Aladdin an der Zauberei Anteil haben k\u00f6nne. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin lie\u00df die drei Monate Frist, die der Sultan urspr\u00fcnglich gesetzt hatte, verstreichen. Dann schickte er sogleich seine Mutter in den Palast. Sie sollte vom Sultan die Erf\u00fcllung seines Versprechens erbitten. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Im Ratssaal stellte sie sich so wie fr\u00fcher dem Sultan gegen\u00fcber auf. Kaum hatte er sie erblickt, da erinnerte er sich schon an sein Versprechen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Da ist ja die Frau wieder&#8220;, sagte er zum Gro\u00dfwesir, &#8222;die uns vor einigen Monaten das sch\u00f6ne Geschenk gebracht hat. Bring sie gleich zu mir. Deinen Bericht kannst du sp\u00e4ter fortsetzen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Gro\u00dfwesir f\u00fchrte die Frau vor den Sultan. Aladdins Mutter warf sich vor den Stufen des Thrones nieder. Sie w\u00fcnschte dem Sultan Macht, Gl\u00fcck und langes Leben. Als sie sich wieder erhoben hatte, fragte der Sultan nach ihren W\u00fcnschen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Gro\u00dfm\u00e4chtiger K\u00f6nig&#8220;, antwortete sie, &#8222;die drei Monate sind um. Nach dieser Frist wolltet Ihr Euer Versprechen einl\u00f6sen. Ich komme nun abermals im Namen meines Sohnes Aladdin vor Euren Thron. Und ich bitte Euch, Eure Tochter Badrulbudur mit meinem Sohne zu verm\u00e4hlen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Sultan hatte gehofft, dass nach drei Monaten von einer Ehe mit diesem Aladdin keine Rede mehr sein w\u00fcrde. Er sah ja, dass die Mutter Aladdins dem niedersten Volke angeh\u00f6rte. Also hielt er eine Verbindung seiner Tochter mit dem Sohn dieser Frau nicht f\u00fcr angemessen. Ratlos blickte er jetzt den Gro\u00dfwesir an. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Was meinst du?&#8220; fragte er ihn. &#8222;Ich habe dieser Frau mein Wort gegeben. Aber jeder kann sehen, dass es arme Leute sind. Sie passen nicht in die Kreise der Vornehmen. Au\u00dferdem kenne ich den Sohn dieser Frau gar nicht.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Gro\u00dfwesir hatte das Ungl\u00fcck seines Sohnes noch nicht \u00fcberwunden. Er g\u00f6nnte die Prinzessin keinem anderen. Am allerwenigsten aber sollte sie dieser armselige Bursche aus dem untersten Volk besitzen. Er z\u00f6gerte nicht, seinem Herrn seine Meinung zu sagen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Herr&#8220;, entgegnete er, &#8222;es gibt ein Mittel, diesen Fremdling von uns fernzuhalten. Ihr k\u00f6nnt Eure Tochter nicht einem Kerl geben, von dem man nicht wei\u00df, wer er ist. Aladdin selbst wird sich dar\u00fcber nicht beklagen d\u00fcrfen. Ihr braucht nur einen sehr hohen Preis f\u00fcr die Prinzessin festzusetzen. Dazu werden seine Reicht\u00fcmer nicht ausreichen. Das wird ein gutes Mittel sein, ihn von seiner frechen Bewerbung abzubringen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Sultan billigte den Rat des Gro\u00dfwesirs. Aber er dachte noch eine Weile dar\u00fcber nach. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Gute Frau&#8220;, sagte er dann, &#8222;bringe deinem Sohn folgende Botschaft: Ich werde mein Versprechen halten; er soll meine Tochter zur Frau bekommen. Aber er mu\u00df eine entsprechende Brautgabe beschaffen. Ich verlange von ihm vierzig gro\u00dfe Becken aus gediegenem Gold. Sie sollen von oben bis unten mit solchen kostbaren Edelsteinen angef\u00fcllt sein, wie du mir schon einmal gebracht hast. Ferner verlange ich vierzig schwarze Sklaven, die sie tragen. Und vierzig junge wei\u00dfe Sklaven, von sch\u00f6nstem Wuchs und pr\u00e4chtiger Kleidung, sollen sie begleiten. Wenn dein Sohn diese Bedingungen erf\u00fcllte, werde ich gern bereit sein, ihn mit meiner Tochter zu verm\u00e4hlen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdins Mutter bezeigte dem Sultan ihre Verehrung. Dann machte sie sich auf den Heimweg. Unterwegs zerbrach sie sich den Kopf, wo Aladdin all diese Sch\u00e4tze hernehmen sollte. Die Edelsteine k\u00f6nnte er vielleicht in der Schatzh\u00f6hle von den B\u00e4umen pfl\u00fccken. Aber die vielen Sklaven, wo sollte er die hernehmen! Und sie glaubte, da\u00df Aladdin nun von seinem Ziele weiter denn je entfernt sei. Unter diesen Gedanken war sie zu Hause angelangt. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Mein Sohn&#8220;, sagte sie zu Aladdin, &#8222;denk nicht mehr an eine Ehe mit der Prinzessin Badrulbudur. Ich kam in den Palast und wurde zum Sultan gerufen; und ich erinnerte ihn an sein Versprechen. Da unter hielt er sich eine ganze Weile leise mit dem Gro\u00dfwesir. Dieser ist sicher dein Feind. Er hat den Sultan n\u00e4mlich auf den Gedanken gebracht, dir unerf\u00fcllbare Bedingungen zu stellen. Du sollst sogleich h\u00f6ren, wie sie lauten.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nun erz\u00e4hlte sie ihm ausf\u00fchrlich, was der Sultan als Brautgabe f\u00fcr die Prinzessin w\u00fcnsche. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Mein Sohn&#8220;, sagte sie abschlie\u00dfend, &#8222;der Sultan erwartet deine Antwort. Ich glaube, er wird lange warten m\u00fcssen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aber Aladdin sagte l\u00e4chelnd: &#8222;Nicht so lange, Mutter, wie du viel leicht glaubst. Der Sultan irrt. Seine Forderungen sind nicht so unerf\u00fcllbar, wie er meint. Ich dachte, er w\u00fcrde einen weit h\u00f6heren Preis f\u00fcr die Prinzessin verlangen. Was er fordert, ist f\u00fcr mich eine Kleinigkeit. Ich w\u00fcrde noch tausendmal mehr geben, um die Prinzessin zu besitzen. Geh jetzt, besorg ein Mittagessen und la\u00df mich nur machen!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die Mutter ging also einkaufen. Aladdin aber holte die Lampe und rieb sie. Sogleich erschien der Geist und bot seine Dienste an. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin sprach: &#8222;Der Sultan ist bereit, mir seine Tochter zur Frau zu geben. Nur verlangt er vorher von mir vierzig schwere Becken aus gediegenem Gold. Sie sollen bis zum Rand mit solchen Fr\u00fcchten gef\u00fcllt sein, wie ich sie im Garten der H\u00f6hle pfl\u00fcckte. Vierzig schwarze Sklaven sollen diese Becken tragen. Ebenso viele wei\u00dfe Sklaven in pr\u00e4chtigen Gew\u00e4ndern sollen sie begleiten. Geh und bring mir alles sofort! Noch ehe die Sitzung zu Ende ist, will ich die Sklaven in den Ratssaal senden!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Ich h\u00f6re und gehorche, mein Gebieter&#8220;, entgegnete der Geist und verschwand. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Schon nach kurzer Zeit stand er wieder vor Aladdin. Vierzig schwarze Sklaven begleiteten ihn. Jeder von ihnen trug ein schweres Becken von gediegenem Gold auf dem Kopf, und jedes war mit Diamanten, Rubinen, Smaragden und Perlen von erlesener Sch\u00f6nheit angef\u00fcllt und mit gewirktem Goldstoff bedeckt. Im Hofe des kleinen H\u00e4uschens aber standen vierzig wei\u00dfe Sklaven von pr\u00e4chtigem Wuchs. Sie waren mit kostbaren Gew\u00e4ndern angetan und sollten die Geschenktr\u00e4ger zum Sultan geleiten. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Geist sagte zu Aladdin: &#8222;Herr, hier ist alles, was du verlangst. Hast du noch weitere Befehle f\u00fcr mich?&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin erwiderte, dass er zufrieden sei. Da verschwand der Geist auf der Stelle. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als Aladdins Mutter vom Markt zur\u00fcckkam, wunderte sie sich au\u00dfer ordentlich. Das ganze Haus und der Garten waren voll von schwarzen und wei\u00dfen Sklaven. Da bemerkte sie die Kostbarkeiten. Nun wusste sie, dass alles der Lampe zu danken war. Gott erhalte sie meinem Sohne immerdar, dachte sie. Sie stellte die Lebensmittel weg und wollte den Schleier ablegen. Der Sohn aber hinderte sie daran. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Liebe Mutter&#8220;, sagte er, &#8222;wir d\u00fcrfen keine Zeit verlieren. Ich will, dass du die Morgengabe sogleich zum Sultan in den Palast bringst. Noch bevor er die Ratsversammlung schlie\u00dft, sollen seine Forderungen erf\u00fcllt sein. Aus meiner Eile soll er erkennen, wie sehr mir an dieser Verbindung mit seiner Tochter gelegen ist.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Ohne eine Antwort der Mutter abzuwarten, \u00f6ffnete er die T\u00fcren weit. Paarweise schritten die Sklaven aus Haus und Garten auf die Stra\u00dfe. Jeder schwarze Sklave, der ein goldenes Becken auf dem Kopf trug, war von einem wei\u00dfen begleitet. Als die Mutter hinter dem letzten Sklaven das Haus verlassen hatte, verschloss Aladdin die T\u00fcr. Ruhig setzte er sich auf das Sofa. Nach diesem Geschenk konnte ihm der Sultan seine Tochter nicht versagen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als die achtzig Sklaven zum Sultanspalast zogen, blieben alle Leute stehen und bewunderten das herrliche Schauspiel. Von allen Seiten str\u00f6mte das Volk herbei. Es bewunderte die kostbar gekleideten Sklaven, und es erfreute sich am Glanz der Steine, die an ihren G\u00fcrteln und Turbanen im Sonnenlicht erstrahlten. Der feierliche Zug erregte \u00fcberall Aufsehen und Bewunderung. Das Gedrange wurde schlie\u00dflich so gro\u00df, da\u00df sich niemand mehr vom Platz r\u00fchren konnte. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Endlich langte der erste der achtzig Sklaven am Tor des Palastes an. Die Pf\u00f6rtner hielten ihn f\u00fcr einen K\u00f6nig und wollten ihm den Saum des Kleides k\u00fcssen. Doch der Sklave hielt sie zur\u00fcck. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Wir sind nur Sklaven&#8220;, sprach er feierlich. &#8222;Unser Herr wird erscheinen, wenn es an der Zeit ist.&#8220;<br>\nDann schritten sie in den Schlosshof hinein. Dort war der Hofstaat des Sutans, der an der Sitzung nicht teilnahm, aufgestellt. Man sah prunkvolle Gew\u00e4nder und herrlichen Schmuck. Aber alles verblich vor dem Glanz, der von den fremden Sklaven ausstrahlte.<br>\nDer Sultan hatte bereits von der Ankunft der Sklaven erfahren. Er befahl, sie in den Ratssaal vor seinen Thron zu f\u00fchren. In sch\u00f6nster Ordnung betraten sie den Saal. Vor dem Thron des Herrschers bildeten sie einen Halbkreis. Nachdem sie die Becken vor sich auf den Teppich gestellt hatten, warfen sie sich zu Boden. Mit der Stirn ber\u00fchrten sie den Teppich und erwiesen dem Sultan ihre Ehrerbietung. Zu gleicher Zeit standen sie alle wieder auf und enth\u00fcllten die Becken. Dann blieben sie mit gekreuzten Armen in ehrf\u00fcrchtiger Haltung stehen.<br>\n<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Indessen nahte Aladdins Mutter dem Thron. Dem\u00fctig warf sie sich zu F\u00fc\u00dfen des Sultans. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Erhabener Herr&#8220;, sagte sie, &#8222;mein Sohn sch\u00e4tzt die Prinzessin \u00fcber alles. Er sch\u00e4tzt sie weit h\u00f6her, als er mit diesem Geschenk bezeigen kann. Doch hofft er, dass Ihr es huldvoll entgegennehmen werdet. Es soll die Bedingungen erf\u00fcllen, die Ihr ihm vorgeschrieben habt.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Sultan war von der Kostbarkeit und der Pracht der Geschenke \u00fcberw\u00e4ltigt und geblendet von der Sch\u00f6nheit und dem Glanz der Edelsteine. Vor Staunen verstand er nicht einmal die Begr\u00fc\u00dfungsworte der Mutter Aladdins. Woher konnte der Reichtum in dieser kurzen Spanne Zeit gekommen sein? Es war knapp eine Stunde vergangen, seit er seine Bedingungen gestellt hatte. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Was sagst du nun, Wesir?&#8220; fragte er seinen Berater. &#8222;Ist dieser Mann nicht wert, meine Tochter zu heiraten?&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Gro\u00dfwesir war von der Pracht der Geschenke noch mehr \u00fcberrascht als sein Herr. Neid und Eifersucht fra\u00dfen an ihm. Ein Fremder sollte nun seinem Sohn den Rang ablaufen und Schwiegersohn des Sultans werden. Am liebsten h\u00e4tte er die Verm\u00e4hlung der Prinzessin mit Aladdin abermals hintertrieben. Aber er wagte nicht, seine wahre Gesinnung zu \u00e4u\u00dfern. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Herr&#8220;, antwortete er dem Sultan, &#8222;es gibt keine Kostbarkeiten, die den Wert Eurer Tochter aufwiegen k\u00f6nnten. Aber dieser Mann hat ein kostbares Geschenk gesandt. Daher muss man ihn der Ehre, Euer Schwiegersohn zu werden, f\u00fcr w\u00fcrdig erachten.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Auch die \u00fcbrigen Herren des Gefolges gaben ihre Zustimmung durch lauten Beifall zu erkennen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Sultan verschob jetzt die Sache nicht l\u00e4nger. Er erkundigte sich nicht einmal, ob sein k\u00fcnftiger Schwiegersohn einer so hohen Stellung gewachsen sei. Der Anblick der gewaltigen Reicht\u00fcmer war ihm Beweis genug. Er war \u00fcberzeugt, da\u00df er einen untadeligen Mann vor sich habe. Daher wandte er sich nun an Aladdins Mutter. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Gute Frau&#8220;, sagte er, &#8222;geh jetzt zu deinem Sohn und sag ihm, da\u00df ich die Morgengabe angenommen habe. Ich stimme der Verm\u00e4hlung meiner Tochter mit ihm zu! Weiter sag ihm, dass ich ihn erwarte. Er wird von mir mit offenen Armen empfangen werden. Noch heute abend soll die Hochzeit sein.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Da eilte die Mutter freudestrahlend nach Hause zur\u00fcck, um ihrem Sohn die frohe Botschaft zu \u00fcberbringen. Der Sultan aber befahl, die Ratsversammlung zu schlie\u00dfen. Dann lie\u00df er die Diener der Prinzessin kommen. Er ordnete an, dass sie die goldenen Gef\u00e4\u00dfe zu seiner Tochter bringen sollten. Sogleich befolgten sie seinen Befehl. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die achtzig wei\u00dfen und schwarzen Sklaven mussten sich ins Innere des Palastes begeben. In langer Reihe stellten sie sich vor den Zimmern der Prinzessin auf.. Der Sultan hatte seiner Tochter bereits von ihrer Sch\u00f6nheit und von dem Prunk der Gew\u00e4nder erz\u00e4hlt. Nun war sie neugierig und wollte sich selbst davon \u00fcberzeugen. Sie war vom Glanz der Steine entz\u00fcckt und freute sich \u00fcber die pr\u00e4chtigen Sklaven; und ihr Vater freute sich mit ihr. Endlich blickte sie wieder heiter in die Welt. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Liebe Tochter&#8220;, rief er aus, &#8222;ich glaube, dein neuer Gemahl wird dir besser gefallen als der Sohn des Wesirs. Ich flehe zu Gott, da\u00df du viel Freude mit ihm erleben m\u00f6gest.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Inzwischen war Aladdins Mutter gl\u00fcckstrahlend nach Hause ge kommen. Die Freude \u00fcber die gute Nachricht war deutlich an ihrer Miene abzulesen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Mein Sohn&#8220;, rief sie, &#8222;freue dich, du bist am Ziel deiner W\u00fcnsche! Der Sultan hat erkl\u00e4rt, dass du w\u00fcrdig seist, der Gatte seiner Tochter zu werden. Dein Geschenk hat er angenommen. Du bist ihm willkommen, und nun erwartet er dich mit Ungeduld. Noch heute soll die Hochzeit sein. Bereite dich auf die Zusammenkunft vor! Du hast schon so viele Wunder vollbracht, da\u00df mir nun nicht mehr bange ist.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin k\u00fc\u00dfte seiner Mutter die Hand und dankte ihr von Herzen. Dann ging er in die Kammer und rieb an der Lampe. Sogleich stand der Geist vor ihm. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Ich bin dein Diener&#8220;, sprach er. &#8222;Was w\u00fcnschest du?&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Geist&#8220;, erwiderte Aladdin, &#8222;bereite mir sofort ein wohlriechendes Bad. Weiter w\u00fcnsche ich, dass du mir Kleider besorgst. Sie sollen so reich und pr\u00e4chtig sein, wie sie noch kein K\u00f6nig getragen hat.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Kaum hatte er diese Worte gesprochen, machte der Geist ihn unsichtbar. Er trug Aladdin in ein herrliches Bad, wie es noch kein K\u00f6nig gesehen hatte. Es war aus feinstem, buntgestreiftem Marmor erbaut. K\u00f6stliche Gem\u00e4lde schm\u00fcckten die W\u00e4nde. Eine Halle war ganz mit Edelsteinen ausgelegt. Hier wurde er entkleidet; aber er sah nicht, wer ihn bediente. Dann f\u00fchrte man ihn in den Baderaum. Dort wurde er mit wohlriechenden Essenzen und Wassern gewaschen. Nach dem Bade f\u00fchlte er sich wie ein anderer Mensch. Seine Gesichtsfarbe war rosig und die Haut frisch und weich. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Sodann betrat Aladdin wieder die Halle, in der er die Kleider abgelegt hatte. Aber er fand sie nicht mehr vor; an ihrer Stelle hatte der Geist ein kostbares Gewand hingelegt. Aladdin schien es, etwas Herrlicheres k\u00f6nne es nicht geben. Er kleidete sich mit Hilfe des Geistes an und bewunderte jedes einzelne St\u00fcck. Als er fertig war, trug ihn der Geist in seine Kammer zur\u00fcck. Dort fragte er ihn, ob er noch etwas w\u00fcnsche. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Ja&#8220;, erwiderte Aladdin, &#8222;ich m\u00f6chte, da\u00df du mit auf der Steile ein Pferd herbeif\u00fchrst. Seine Sch\u00f6nheit und seine Schnelligkeit d\u00fcrfen von keinem Pferd des Sultans \u00fcbertroffen werden. Sattel und Zaumzeug m\u00fcssen zehntausend Goldst\u00fccke wert sein. Dann verschaffe mir zwanzig Sklaven. Sie sollen so kostbar gekleidet sein wie die Diener, die ich dem Sultan sandte. Ich brauche sie als mein Gefolge. Ferner schicke noch zwanzig andere, die in zwei Reihen vor mir herziehen sollen. Auch meiner Mutter bring sechs Sklavinnen zu ihrer Bedienung. Sie m\u00fcssen mindestens so sch\u00f6n gekleidet sein wie die Sklavinnen der Prinzessin Badrulbudur. Jede von ihnen soll ein kostbares Gewand mitbringen, so pr\u00e4chtig, als geh\u00f6re es f\u00fcr die Sultanin. Schlie\u00dflich ben\u00f6tige ich zehn Beutel mit<i> <\/i>je tausend Goldst\u00fccken. Das ist alles, was ich noch brauche. Geh und schaff es eiligst herbei!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Geist verschwand und kam nach kurzer Zeit wieder. Er f\u00fchrte einen pr\u00e4chtigen arabischen Hengst mit kostbarem Sattelzeug. Hinter ihm folgten die vierzig Sklaven. Jeder vierte trug einen Beutel mit Goldst\u00fccken. Die sechs Sklavinnen waren mit herrlichen Gew\u00e4ndern beladen; sie alle waren f\u00fcr Aladdins Mutter bestimmt. Von den zehn Beuteln mit Gold lie\u00df Aladdin den Sklaven nur sechs; die \u00fcbrigen vier gab er seiner Mutter f\u00fcr den Norfall. Aus den sechs Beuteln sollten die Sklaven auf dem Wege zum Palast Gold unter das Volk streuen. Drei von ihnen hatten rechts, drei links vor ihm zu gehen. Seiner Mutter aber \u00fcbergab er die sechs Sklavinnen mit den pr\u00e4chtigen Gew\u00e4ndern. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Hierauf entlie\u00df er den Geist. Einen der Sklaven sandte er in den Palast des Sultans. Durch ihn lie\u00df er anfragen, ob sein Besuch genehm sei. Der Sklave machte sich im Laufschritt auf den Weg. Bald kehrte er mit der Meldung zur\u00fcck, der Sultan erwarte ihn mit Ungeduld. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nun schwang sich Aladdin auf sein Pferd. Die Sklaven stellten sich in der anbefohlenen Ordnung auf. Dann setzte sich der Zug in Bewegung. Er bot einen pr\u00e4chtigen Anblick. Aladdin sa\u00df in stolzer Haltung zu Pferd. Niemand h\u00e4tte erkannt, dass er noch nie ein Pferd geritten hatte. Die Stra\u00dfen waren im Nu von einer staunenden Volksmenge erf\u00fcllt. Beifalls- und Segensrufe ert\u00f6nten, besonders wenn es rechts und links Goldm\u00fcnzen regnete. Aber nicht nur der P\u00f6bel dr\u00e4ngte sich heran. Auch ehrsame B\u00fcrgersleute blieben stehen und winkten Aladdin Beifall, als sie seine Freigebigkeit sahen. Viele erkannten ihn kaum, so sehr hatten sich seine Gesichtsz\u00fcge ver\u00e4ndert. Er strahlte eine W\u00fcrde und Sch\u00f6nheit aus, als w\u00e4re er ein anderer geworden. Dies alles hatte er der Wunderlampe zu danken. Denn dieses unscheinbare Ding konnte jedem Stand und W\u00fcrde verleihen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als Aladdin am Tor des Palastes eintraf wollte er der Sitte gem\u00e4\u00df vom Pferde steigen. Aber einer der W\u00fcrdentr\u00e4ger des Sultans hinderte ihn daran.<br>\n&#8222;Mein Herr&#8220;, sagte er, &#8222;der Sultan hat befohlen, dass Ihr zu Pferde inzieht. Erst bei der Pforte des Staatssaales sollt Ihr absteigen.&#8220;<br>\nDie W\u00fcrdentr\u00e4ger gingen alle vor ihm her. Als er dann vom Pferd steigen wollte, hielten sie trotz seines Str\u00e4ubens die Steigb\u00fcgel und halfen ihm vom Pferd. Dann schritten sie ihm voran in den Saal. Sie bildeten rechts und links ein Ehrenspalier, w\u00e4hrend ihn zwei vor die Stufen des Thrones f\u00fchrten. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als der Sultan Aladdin erblickte, war er \u00fcberrascht. Eine so k\u00f6nigliche Kleidung und w\u00fcrdevolle Haltung hatte er nicht erwartet. Der armselige Aufzug seine&#8217;r Mutter war ihm noch allzugut in Erinnerung. Nun erhob er sich vom Thron und ging Aladdin einige Schritte entgegen. Er gestattete nicht, da\u00df sich dieser zu Boden warf. Stattdessen umarmte er ihn herzlich. Dann f\u00fchrte er ihn die Stufen empor. Er hie\u00df ihn an seiner Seite neben dem Gro\u00dfwesir Platz nehmen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin sprach Segensw\u00fcnsche und flehte den Schutz des Himmels \u00fcber den Herrscher herab. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Erhabener Herr&#8220;, fuhr er fort, &#8222;Ihr habt mir die Hand Eurer Tochter bewilligt. Und doch bin ich einer Eurer niedrigsten Diener. Verzeiht, da\u00df ich wagte, meine Augen zur Prinzessin zu erheben. Aber die Liebe zu ihr war zu m\u00e4chtig. Ich w\u00e4re gestorben, h\u00e4ttet Ihr sie mir versagt.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Mein Sohn&#8220;, antwortete der Sultan, &#8222;ich habe versprochen, sie dir zu verm\u00e4hlen. Und ich bereue nicht, mein Wort gehalten zu haben.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nach diesen Worten gab er ein Zeichen und Musik setzte mit vollen T\u00f6nen ein. Gleichzeitig f\u00fchrte der Sultan ihn in einen prunkvollen Saal. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Dort wurde ein k\u00f6stliches Festmahl aufgetragen. Der Sultan speiste mit Aladdin allein. W\u00e4hrend der Unterhaltung bewies Aladdin so viel Verstand, dass der Sultan in seiner guten Meinung noch best\u00e4rkt wurde. Nach dem Mahle lie\u00df der Sultan den obersten Richter seiner Hauptstadt rufen und gab ihm den Befehl, sogleich den Ehevertrag zwischen der Prinzessin Badrulbudur und Aladdin zu schlie\u00dfen. Inzwischen unterhielt er sich weiter mit Aladdin in Gegenwart vieler hoher Herren vom Hofe. Wieder Freute er sich \u00fcber den gr\u00fcndlichen Verstand des J\u00fcnglings und bewunderte die Feinheit und H\u00f6flichkeit seiner Reden. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als der Richter den Ehevertrag vollendet hatte, wollte Aladdin sich erheben und fortgehen. Aber der Sultan hielt ihn zur\u00fcck. Er fragte. ob er nicht heute noch Hochzeit feiern wolle. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Herr&#8220;, erwiderte Aladdin, &#8222;meine Sehnsucht nach der Prinzessin ist gro\u00df. Trotzdem bitte ich Euch um eine kurze Frist. ich will der Prinzessin einen Palast erbauen, der ihrem Rang und ihrer W\u00fcrde angemessen ist. Dazu erbitte ich mir einen Platz in der N\u00e4he Eures Schlosses. Dann kann ich Euch recht oft meine Aufwartung machen. Der Bau wird in K\u00fcrze vollendet sein. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Mein Sohn&#8220;, sagte der Sultan, ,such dir eine Stelle aus, die dir gef\u00e4llt. Der weite Platz hier, meinem Palaste gegen\u00fcber, ist f\u00fcr deinen Plan wie geschaffen. Doch beeile dich: Ich m\u00f6chte dich m\u00f6glichst bald mit meiner Tochter verm\u00e4hlt sehen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nach diesen Worten umarmte der Sultan den jungen Mann. Aladdin verabschiedete sich so formvollendet vom Herrscher, als habe er hier bei Hofe seine Erziehung genossen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Vor dem Tor stieg er zu Pferd. Im gleichen Aufzug, wie er gekommen war, ritt er nach Hause zur\u00fcck. Wieder jubelten ihm die Menschen zu und w\u00fcnschten ihm Gl\u00fcck und Segen. Kaum war er vom Pferde gestiegen, begab er sich in seine Kammer, um mit Hilfe der Lampe den Geist herbeizurufen. Und schon stand dieser vor ihm und bot seine Dienste an. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Geist&#8220;, sagte Aladdin, &#8222;ich bin mit deinen Diensten bisher zufrieden gewesen. Du hast alle meine Befehle rasch und p\u00fcnktlich ausgef\u00fchrt. Heute aber sollst du mir einen besonders wichtigen Dienst erweisen, der noch mehr Sorgfalt und Eifer von dir verlangt. Errichte auf dem freien Platz vor dem Sultansgeb\u00e4ude einen Palast. Er soll ein w\u00fcrdiger Aufenthalt f\u00fcr die Prinzessin Badrulbudur, meine Gemahlin, sein. Die Wahl des Baumaterials und der Einrichtung \u00fcberlasse ich dir. Doch w\u00fcnsche ich, dass du auch einen gro\u00dfen Kuppelsaal baust; die W\u00e4nde m\u00fcssen mit Gold und Silber ausgelegt sein, und der Saal soll auf jeder Seite sechs Fenster haben; die Gitter schm\u00fccke mit Diamanten, Rubinen und Smaragden. Achte darauf, dass die Steine von einer Herrlichkeit und Pracht sind, wie man dergleichen noch nie auf der Welt gesehen hat. Ein Fenster jedoch soll unvergittert bleiben. Ferner w\u00fcnsche ich, dass sich bei diesem Palast ein Hof, ein Vorhof und ein Garten befinden. Vor allem aber soll auch eine Schatzkammer im Schlosse sein mit einem gro\u00dfen Vorrat an Gold, Silber und Edelsteinen. Speises\u00e4le, K\u00fcchen, Vorratshallen mit allem N\u00f6tigen d\u00fcrfen nicht fehlen. Richte mir Stallungen voll der sch\u00f6nsten und feurigsten Pferde ein. Sorge auch daf\u00fcr, dass Diener und Sklavinnen f\u00fcr den Dienst bei der Prinzessin bereit stehen. Du wirst jetzt begreifen, wie ich es haben will. Geh nun und komm wieder, wenn alles fertig ist!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Es war bereits Abend, als Aladdin den Geist entlie\u00df. Aber die Liebe zur Prinzessin lie\u00df ihn keinen Schlaf finden. Darum erhob er sich zeitig vom Lager. Kaum war er aufgestanden, erschien auch schon der Diener der Lampe. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Herr&#8220;, sagte der Geist, &#8222;dein Palast ist fertig. Wenn du ihn sehen willst, komm mit mir. Sage mir dann, ob du zufrieden bist!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Und er nahm den J\u00fcngling und trug ihn zu dem neuerbauten Palast. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin fand alles \u00fcber Erwarten gelungen und freute sich \u00fcber den herrlichen Bau, Der Geist f\u00fchrte ihn im ganzen Schloss herum, er zeigte ihm alle R\u00e4ume; und \u00fcberall fand Aladdin Reichtum, Sch\u00f6nheit und Pracht. Diener und Sklaven sah er, alle reich und sauber gekleidet. Sodann zeigte ihm der Geist die Schatzkammer. Sie war bis zum Gew\u00f6lbe mit Gold- und Silbersachen, gem\u00fcnztem Gold und Edelsteinen angef\u00fcllt. Bei diesem Anblick lachte Aladdin das Herz im Leibe. In der K\u00fcche waren die K\u00f6che eifrig am Werk, jeder mit goldenem und silbernem K\u00fcchenger\u00e4t ausger\u00fcstet. Die Schr\u00e4nke waren mit den herrlichsten Gew\u00e4ndern und Stoffen angef\u00fcllt. Hierauf f\u00fchrte ihn der Geist in die St\u00e4lle. Dort zeigte er ihm die sch\u00f6nsten Pferde der Welt. Stall meister und Stallknechte waren eifrig mit der Wartung dieser kostbaren Tiere besch\u00e4ftigt. Dann durchschritten sie die Vorratshallen. Diese warteten wohlgef\u00fcllt auf ihre Herrin. Das Wunderbarste in dem Schloss aber war der Kuppelsaal mit den vierundzwanzig Fenstern, deren Gitter ringsum mit blitzenden Edelsteinen ausgelegt waren. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nachdem Aladdin die Pracht des Palastes bewundert hatte, wandte er sich an den Geist. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Ich w\u00fcnsche noch etwas von dir&#8220;, sprach er. &#8222;Ich habe es dir zu sagen vergessen: Ein gro\u00dfer, golddurchwirkter Teppich von allersch\u00f6nstem Samt soll vom Tor des Sultanspalastes bis hierher zum Zimmer der Prinzessin f\u00fchren. Darauf soll die Prinzessin einherschreiten. Ihr Fu\u00df darf den Boden nicht ber\u00fchren und an keinen Stein sto\u00dfen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Geist verschwand, erschien aber im n\u00e4chsten Augenblick wieder und sagte: &#8222;Dein Wunsch ist erf\u00fcllt.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Da sah Aladdin zu seinem Erstaunen den gew\u00fcnschten Teppich bereits ausgebreitet. Nun trug der Geist Aladdin in sein Haus zur\u00fcck. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Morgen graute, und man \u00f6ffnete das Tor des Sultanspalastes. Die Pf\u00f6rtner wollten ihren Augen nicht trauen. Auf der weiten Fl\u00e4che vor dem Palast erstreckte sich ein prunkvolles Geb\u00e4ude. Ein wundersch\u00f6ner Teppich f\u00fchrte zu ihm hin\u00fcber. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Neuigkeit im Palast. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Da erwachte auch der Sultan aus dem Schlafe. Er erhob sich vom Lager und \u00f6ffnete das Fenster. Als er hinausblickte, glaubte er zu tr\u00e4umen. Vor ihm stand ein herrlicher Bau mit m\u00e4chtiger Kuppel. Und ein prunkvoller Teppich verband seinen Palast mit dem neuen Schloss. Da kam auch schon der Wesir. Er war nicht weniger verwundert als der Sultan, aber er versuchte, das Wunder als ein Werk der Zauberei hinzustellen. Denn kein Mensch auf der Welt k\u00f6nne in einer einzigen Nacht ein solches Bauwerk auff\u00fchren. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Wesir&#8220;, antwortete der Sultan, &#8222;warum sprichst du von Zauberei? Du wei\u00dft, dass der k\u00fcnftige Gemahl meiner Tochter hier einen Palast erbauen wollte. Bei den reichen Mitteln, die ihm zur Verf\u00fcgung<b> <\/b>stehen, scheint mir das nicht befremdend. Nut Geld kann man Wunder wirken. Ich glaube, du bist es ihm neidig, deshalb sprichst du Schlechtes von ihm.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als Aladdin nach Hause kam, legte seine Mutter gerade eines der pr\u00e4chtigen Kleider an. Er bat sie, sich in Begleitung der Sklavinnen in den Sultanspalast zu begeben. Der Sultan solle ihr die Erlaubnis geben, die Prinzessin am Abend in ihren neuen Palast zu geleiten. Die Mutter tat nach dem Wunsch des Sohnes, und als sie wie eine Sultanin gekleidet mit ihren Sklavinnen zum Palast schritt, blieben wieder alle Leute stehen. Aber die Volksmenge war weitaus geringer als am Vortag. Die Frauen waren ja verschleiert und streuten keine M\u00fcnzen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin aber verlie\u00df seine Wohnung, um nicht mehr dorthin zur\u00fcckzukehren. Seine Wunderlampe verga\u00df er nicht, er nahm sie mit sich, bat aber vorher den Geist nochmals um zehntausend Goldst\u00fccke. Diese streuten seine Sklaven wieder unter die jubelnde Menge, w\u00e4hrend sie zum Palast zogen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdins Mutter wurde vom Sultan mit allen Ehren empfangen. Er f\u00fchrte sie sogleich in die Gem\u00e4cher der Prinzessin. Die Prinzessin nahm sie herzlich auf und lie\u00df sie mit k\u00f6stlichen Speisen bewirten. Sie selbst lie\u00df sich unterdessen von ihren Frauen ankleiden. Als Schmuck legte sie die kostbaren Juwelen aus Aladdins Geschenk an. Dann kam der Sultan in das Zimmer seiner Tochter, er wollte noch einmal mit ihr beisammen sein, ehe sie ihren neuen Palast bezog. Zu Aladdins Mutter war er \u00fcberaus freundlich. Ihr stattliches Aussehen und ihre kostbaren Gew\u00e4nder setzten ihn in Verwunderung. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Am Abend verabschiedete sich die Prinzessin unter Tr\u00e4nen von ihrem Vater. Sie umarmten einander immer wieder, bis der Sultan endlich den Befehl gab, seine Tochter zum Schloss ihres Gemahls zu geleiten. Sogleich bestiegen die W\u00fcrdentr\u00e4ger des Reiches ihre Pferde; sie ritten zu beiden Seiten der Prinzessin. Die Musikch\u00f6re gingen an der Spitze des Zuges und spielten fr\u00f6hliche Weisen. Ihnen folgten die Krieger, hierauf die Diener und Sklaven. Edelknaben mit Fackeln in den H\u00e4nden gingen zu beiden Seiten des Zuges. Aladdins Mutter hielt sich zur Linken der Braut inmitten des Ehrengeleites. Hundert Sklavinnen in der prachtvollsten Kleidung bildeten den Abschluss des Zuges. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Mit diesem Gefolge schritt die Prinzessin \u00fcber den Teppich zum Palaste Aladdins. Von dorther klang ihnen Musik entgegen; diese vermischte sich mit den Weisen der voranmarschierenden Musikch\u00f6re zu vollkommenem Wohlklang. Das Volk wusste nicht, wor\u00fcber es mehr staunen sollte: \u00fcber diesen Aufzug oder \u00fcber den prachtvollen Palast, von dem am Vortag noch kein Stein gestanden hatte. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Endlich war die Prinzessin bei dem neuen Schloss angelangt. Aladdin wartete am Eingang der Gem\u00e4cher, um sie zu empfangen. Die Prinzessin erkannte ihn inmitten seines prachtvollen Gefolges sofort als ihren Gatten, denn seine Sch\u00f6nheit und W\u00fcrde \u00fcberstrahlten alle Umstehenden. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Teuerste Prinzessin&#8220;, sprach Aladdin sie an und verneigte sich ehrerbietig, &#8222;verzeiht, dass ich es wagte, Euch zur Frau zu begehren. Aber Eure Sch\u00f6nheit hat mich bezwungen. Ohne Euch h\u00e4tte ich nicht weiterleben k\u00f6nnen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Mein Prinz&#8220;, antwortete die Prinzessin, &#8222;ich gehorche dem Wunsche meines Vaters. Jetzt, da ich Euch kenne, tu ich es gern und ohne Widerstreben.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin ergriff ihre Hand und k\u00fcsste sie z\u00e4rtlich. Dann f\u00fchrte er die Prinzessin in einen gro\u00dfen, hellerleuchteten Saal zur Festtafel. Man a\u00df aus goldenen Sch\u00fcsseln und trank aus goldenen Bechern. Auch die Tafelaufsatze und Vasen waren aus gediegenem Gold und mit Juwelen verziert. Der ganze Saal funkelte von Pracht und Herrlichkeit. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Kaum hatte man sich zu Tisch gesetzt, begann ein wundersamer, ergreifender Gesang. Die Prinzessin war wie verzaubert und dachte bei sich, dass sie nie zuvor sch\u00f6nere Weisen geh\u00f6rt habe. Sie wusste nicht, dass die S\u00e4ngerinnen Feen waren, die der Geist zu ihrem Hochzeitsmahl bestellt hatte. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nach dem Abendessen traten T\u00e4nzer und T\u00e4nzerinnen auf. Sie tanzten die sch\u00f6nsten Volkst\u00e4nze des Landes und erfreuten die Zuschauer durch nie gesehene Anmut und Gewandtheit der Bewegungen Schlie\u00dflich aber tanzte Aladdin mit der Prinzessin. Und sie tanzten so sch\u00f6n, dass die ganze Gesellschaft in Beifallsrufe ausbrach. Damit schloss die Hochzeitsfeier. Nun nahm Aladdin seine Braut an der Hand und f\u00fchrte sie in ihre Gem\u00e4cher. Die G\u00e4ste aber verlie\u00dfen den Palast <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Am n\u00e4chsten Morgen brachten die Kammerdiener Aladdin ein neues pr\u00e4chtiges Gewand und halfen ihm, sich anzukleiden. Hierauf lie\u00df er sich eines seiner edlen Reitpferde vorf\u00fchren. Hoch zu Ro\u00df begab er sich mit zahlreichem Gefolge zum Palast des Sultans. Als er den Thronsaal betrat, eilte ihm der Sultan entgegen und umarmte und k\u00fcsste ihn herzlich. Dann bat er ihn, sich an seine Seite zu setzen. Gemeinsam nahmen sie das Fr\u00fchst\u00fcck zu sich. Nun wandte sich Aladdin an den Sultan. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Herr&#8220;, sprach er, &#8222;ich habe eine Bitte an Euch. Erweist mir die Ehre, mit dem Wesir und den Gro\u00dfen des Hofes das Mahl im Palast der Prinzessin einzunehmen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Erfreut sagte der Sultan zu und begab sich sogleich mit Aladdin und den Herren des Gefolges zu dem Palast der Prinzessin. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als der Sultan den Wunderbau betrat, stieg sein Erstaunen ins Ungemessene. Ein Zimmer \u00fcbertraf das andere an Sch\u00f6nheit und Pracht. In dem gro\u00dfen Kuppelsaal konnte er seine Verwunderung nicht l\u00e4nger verbergen; vor allem die vierundzwanzig Fenster mit den kostbaren, edelsteinbesetzten Gittern schienen ihm unvergleichlich. Er staunte und starrte. Pl\u00f6tzlich bemerkte er \u00fcberrascht, dass eines der Fenster unvollendet geblieben war. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Wesir&#8220;, sagte er zu seinem obersten Minister, &#8222;wei\u00dft du, warum dieses eine Fenster nicht fertig ist?&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Herr&#8220;, erwiderte der Gro\u00dfwesir, &#8222;gewi\u00df ist Aladdin die Zeit zu kurz geworden. Er wird bestimmt daran weiterarbeiten lassen. Edelsteine hat er ja in H\u00fclle und F\u00fclle.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Inzwischen hatte Aladdin seiner Gemahlin die Ankunft des Vaters mitgeteilt. Nun kam er gerade zur\u00fcck zum Sultan. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Mein Sohn&#8220;, sagte dieser, &#8222;dieses Schloss mit seinen pr\u00e4chtigen R\u00e4umen ist ein Wunderbau. Der gro\u00dfe Saal aber mit der Kuppel ist das Pr\u00e4chtigste, was ich je gesehen habe. Sag mir nur das eine: Warum ist dieses Gitterfenster hier unvollendet geblieben? Hat man darauf vergessen? War es Nachl\u00e4ssigkeit der Handwerker? Oder hat die Zeit nicht mehr ausgereicht, an das herrliche Werk letzte Hand anzulegen?&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Herr&#8220;, erwiderte Aladdin, &#8222;keiner dieser Gr\u00fcnde trifft zu. Dieses Fenster wurde mit Absicht nicht fertig gemacht. Denn Euch allein geb\u00fchrt der Ruhm, diesen Saal und Palast vollenden zu lassen. Und ich bitte Euch, diesen Wunsch zu erf\u00fcllen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Ich wei\u00df dir Dank f\u00fcr deine edle Absicht&#8220;, sagte der Sultan. &#8222;Ich will dieses Fenster vollenden. Sogleich sollen die notwendigen Befehle ergehen.&#8220; Und er lie\u00df Juweliere und Goldschmiede rufen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Unter diesen Gespr\u00e4chen war die Zeit zum Mahle gekommen. Aladdin f\u00fchrte den Sultan in den gro\u00dfen Saal, wo die Hochzeitsfeier statt gefunden hatte. Hier waren zwei Tafeln gedeckt. An der einen nahm der Sultan mit seiner Tochter und Aladdin Platz. An der andern wurden der Gro\u00dfwesir und alle \u00fcbrigen G\u00e4ste bewirtet. Beide Tafeln ergl\u00e4nzten von Gold und Edelsteinen. Geschirr und Tafelaufs\u00e4tze waren von gediegener Goldschmiedearbeit. Es gab die erlesensten Speisen und Getr\u00e4nke. Schlie\u00dflich erkl\u00e4rte der Sultan, er habe noch nie so gut gespeist. Achtzig Sklavinnen&#8216; sch\u00f6n wie Vollmondschein, bedienten die hohen G\u00e4ste. Liebliche Weisen ert\u00f6nten und lie\u00dfen jeden Kummer vergessen. Und der Sultan war heiter und wohlgelaunt. Er meinte, es sei dies eine der sch\u00f6nsten Stunden seines Lebens. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als man vom Tisch ging, waren die Juweliere und Goldschmiede bereits versammelt. Der Sultan hie\u00df sie in den gro\u00dfen Kuppelsaal mitkommen. Dort zeigte er ihnen die dreiundzwanzig Fenster, besonders aber die kostbare Vergitterung mit dem Edelsteinschmuck. Dann wies er auf das unvollendete Fenster hin. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Ich habe euch rufen lassen\u00ab, sagte er, &#8222;damit ihr mir dieses Fenster vollendet. Es soll ebenso sch\u00f6n und kunstvoll werden wie die andern. Tut euer M\u00f6glichstes, um eine ebenso pr\u00e4chtige Arbeit zu liefern. Aber verliert keine Zeit!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die Juweliere und Goldschmiede betrachteten nochmals eingehend Arbeit und Schmuck an den dreiundzwanzig Fenstern. Sie beratschlagten \u00fcber das Material, das ihnen zur Verf\u00fcgung stand. Dann waren sie sich einig, da\u00df keiner von ihnen die Arbeit durchf\u00fchren konnte. So auserlesene Steine besa\u00dfen sie nicht. Sie meldeten das Ergebnis ihrer Beratung dem Sultan. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Herr&#8220;, sagte einer der Juweliere, &#8222;trotz aller Kunstfertigkeit k\u00f6nnen wir eine so vollendete Arbeit nicht liefern. Wir haben alle mitsammen weder so viele noch so gro\u00dfartige Edelsteine, um Euren Wunsch zu erf\u00fcllen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;So kommt mit in meinen Palast&#8220;, sagte der Sultan. &#8222;Sucht euch aus meinem Edelsteinschatz aus, was ihr braucht!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die Juweliere gingen nun in den Sultanspalast. Dort w\u00e4hlten sie aus den vorgelegten Steinen die gr\u00f6\u00dften und sch\u00f6nsten aus. Sie nahmen vor allem jene Steine, die Aladdin dem Sultan geschenkt hatte. Doch waren es immer noch nicht genug. Der Sultan befahl, auch die Juwelen des Gro\u00dfwesirs und der Vornehmsten des Reiches zu nehmen. Aber nach Verlauf eines Monats war kaum die H\u00e4lfte des Fensters vollendet. Die Sch\u00f6nheit des Werkes blieb weit hinter der Pracht der andern Fenster zur\u00fcck. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Eines Tages betrat Aladdin wieder den Kuppelsaal. Er wollte die Arbeit der Juweliere besichtigen. Da sah er nun, dass noch viel zur Vollendung des Fensters fehlte. Der Sultan hatte sich vergeblich bem\u00fcht, das Fenster ebenso herrlich wie die \u00fcbrigen machen zu lassen. Darum befahl Aladdin den Juwelieren, die Arbeit einzustellen. Alles. was sie bisher zuwege gebracht hatten, wurde wieder auseinandergenommen. Die Edelsteine lie\u00df er dem Sultan und dem Gro\u00dfwesir zur\u00fcckgeben. Dann begab er sich in seine Kammer und rieb die Lampe. Sofort erschien der Geist. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Verlange, was du willst&#8220;, sagte der Diener der Lampe, &#8222;und ich werde gehorchen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Geist&#8220;, sagte Aladdin, &#8222;vollende nun das Fenster im gro\u00dfen Saal, das du unfertig gelassen hast.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Geist verschwand. Als Aladdin nach einer Weile in den Kuppelsaal hinaufstieg, fand er das Fenster vollendet. Es glich den \u00fcbrigen an Sch\u00f6nheit und Pracht. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Inzwischen waren die Juweliere zum Sultan gegangen, um ihm seine Edelsteine zur\u00fcckzugeben und ihm zu melden, dass sie auf Wunsch Aladdins ihre ganze Arbeit vernichtet h\u00e4tten. Der Sultan fragte nach dem Grund. Jedoch sie wussten ihn nicht. Da lie\u00df der Sultan sein Pferd satteln. Nur von einigen Leuten begleitet, ritt er zum Palast Aladdins. Dort stieg er ab. Dann eilte er die Treppe zum Kuppelsaal hinauf Am Eingang des Saales traf er Aladdin. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Mein Sohn&#8220;, rief er ihn an, &#8222;ich komme, um dich selbst zu fragen. Warum mussten die Handwerker ihre Arbeit wieder vernichten?&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin konnte den wahren Grund nicht sagen. Es waren n\u00e4mlich zu wenig Edelsteine vorhanden gewesen. Selbst alle Edelsteine des ganzen Landes h\u00e4tten nicht zur Vollendung des Fensters gereicht. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Herr&#8220;, erwiderte er darum, &#8222;Ihr habt diesen Saal unvollendet gesehen. Aber seht jetzt einmal, ob noch etwas daran fehlt.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Sultan ging geradewegs auf das Fenster zu, das er unvollendet gesehen hatte. Er bemerkte, dass es ganz wie die \u00fcbrigen aussehe. Also glaubte er, sich get\u00e4uscht zu haben, und ging zu den anderen Fenstern. Aber eines glich dem anderen. Und alle waren von vollendeter Sch\u00f6nheit. Da blickte er Aladdin an. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Mein lieber Sohn&#8220;, sagte er kopfsch\u00fcttelnd, &#8222;was bist du f\u00fcr ein Mann! Was andere in Monaten nicht fertigbringen, vollendest du in einer Nacht. Bei Gott, niemand auf der ganzen Welt kann sich mit dir vergleichen.&#8220;<b> <\/b><\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin nahm die Lobspr\u00fcche des Sultans in aller Bescheidenheit entgegen. Er versicherte, stets alles tun zu wollen, um den Beifall seines K\u00f6nigs zu verdienen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nach einem kurzen Besuch bei seiner Tochter ritt der Sultan in seinen Palast zur\u00fcck. Dort erwartete ihn der Gro\u00dfwesir. Ihm berichtete er voll Staunen, was er soeben gesehen hatte. Der Grosswesier wurde dadurch nur in seiner Meinung best\u00e4rkt, dass Aladdins Palast ein Werk der Zauberei sei. Aber der Sultan lie\u00df ihn kaum zu Wort kommen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Wesir&#8220;, sagte er, &#8222;du hast die Verm\u00e4hlung deines Sohnes mit meiner Tochter noch immer nicht vergessen. Ich sehe, der Neid fri\u00dft in deinem Innern.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Gro\u00dfwesir sah ein, da\u00df er mit seinem Herrn \u00fcber diesen Punkt nicht sprechen k\u00f6nne. Darum lie\u00df er die Sache auf sich beruhen. Der Sultan aber bewunderte t\u00e4glich von seinem Fenster aus den Palast Aladdins. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin verschlo\u00df sich indessen nicht in seinem Palast. Jeden Tag ritt er durch die Stadt. Und seine Sklaven warfen vor und hinter ihm Goldst\u00fccke unter das Volk. Alle priesen ihn wegen seiner Freigebigkeit. Er spendete reichlich den Armen, ja er verteilte mit eigener Hand Gaben an sie. Um seine Gebete zu verrichten, besuchte er die Moscheen. Manchmal speiste er beim Gro\u00dfwesir, und dieser machte auch ihm dann und wann seine Aufwartung. H\u00e4ufig lud Aladdin vornehme M\u00e4nner aus dem Hofstaat des Sultans zu sich, und gelegentlich beehrte auch er sie mit seinem Besuch. Er ging gern auf die Jagd und beteiligte sich an Turnierspielen. Sein Ruhm wuchs im ganzen Land von Tag zu Tag. Das Herz seiner Gattin schlug h\u00f6her, wenn sie vom Fenster ihres Gemaches aus ihren Gemahl hinwegreiten sah. Sie dankte Allah, da\u00df er ihr dies hohe Gl\u00fcck beschert habe. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">So lebte Aladdin gl\u00fccklich und hochgeehrt einige Jahre lang. Aber dann erinnerte sich eines Tages der Zauberer aus Afrika wieder an ihn. Dieser harte die ganze Zeit in Tr\u00fcbsal verbracht, denn alle seine Bem\u00fchungen, die Wunderlampe zu erringen, waren ja vergeblich gewesen. Er war der Meinung, Aladdin m\u00fcsse in der H\u00f6hle schon l\u00e4ngst umgekommen sein. Trotzdem verfluchte er ihn, sooft er an ihn dachte. Aber nun wollte er genau wissen, welches Ende er genommen habe. Darum nahm er seine Zauberger\u00e4te zur Hand. Er warf Zaubersand zu Figuren und erkannte daraus, da\u00df die Lampe nicht mehr in der H\u00f6hle war. Von Aladdin sah er nichts. Da warf er neuerlich den Sand; nun las er aus den Figuren, da\u00df Aladdin auf Erden lebe und die Lampe be sitze. Wutentbrannt sprach er zu sich: <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Ich habe soviel Leid und M\u00fchsal ertragen, um die Lampe zu erwerben; aber alles war umsonst. Und dieser Taugenichts nimmt sie ohne Anstrengungen. Sicher hat er die Zauberkraft der Lampe erkannt und ist nun ein reicher Mann.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Abermals forschte er im Zaubersand. Da sah er, da\u00df Aladdin reich und hochgeehrt als Gatte einer lieblichen Sultanstochter sein Leben verbringe Nun loderte sein Zorn hellauf, sein Gesicht wurde gelb vor Neid. Er \u00fcberlegte nicht lange; gleich am n\u00e4chsten Tag machte er sich hoch zu Ro\u00df auf die Reise. Er zog von Land zu Land von Stadt zu Stadt. Keine M\u00fche war ihm zu gro\u00df, und kein Aufenthalt dauerte l\u00e4nger, als das Pferd brauchte, um sich auszuruhen. So kam er in die Hauptstadt des Sultans, dessen Tochter Aladdin geheiratet hatte. Dort mietete er in einer Herberge ein Zimmer, um sich von den Beschwerden der Reise zu erholen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aber schon am n\u00e4chsten Tag ging der afrikanische Zauberer in die Stadt. Er wollte herum horchen, was man von Aladdin spreche. So trat er in ein Speisehaus, das er von seiner letzten Reise her kannte. Viele M\u00e4nner waren hier versammelt und tauschten Neuigkeiten aus. W\u00e4hrend er einen Trunk schl\u00fcrfte, horchte er nach links und rechts; und immer h\u00f6rte er nur von Aladdins Palast reden. Als er ausgetrunken hatte, wandte er sich an einen dieser M\u00e4nner und fragte ihn, was denn das f\u00fcr ein wunderbarer Palast sei, von dem alle redeten. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Wo her bist du denn?&#8220; sagte der Mann. &#8222;Du mu\u00dft eben von einer Reise gekommen sein; sonst h\u00e4ttest du den Palast des Prinzen Aladdin schon gesehen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Denn seit Aladdin die Prinzessin Badrulbudur geheiratet hatte, war er selbst zum Prinzen geworden. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Sein Schlo\u00df&#8220;, fuhr der Mann fort, &#8222;ist mehr als ein Weltwunder. Es ist der wunderbarste Bau auf der Weit. Geh hin und \u00fcberzeuge dich selbst davon!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Verzeih meine Unwissenheit&#8220;, sagte der afrikanische Zauberer. &#8222;Aber ich bin erst gestern aus dem fernen Afrika hier eingetroffen. Unterwegs habe ich mir kerne Zeit genommen, auf die Reden der Leute zu h\u00f6ren; daher habe ich von der Sache bisher nichts erfahren. Doch jetzt will ich mir sofort dieses Schlo\u00df ansehen. Wenn du mir einen Gefallen erweisen willst, so f\u00fchre mich dorthin!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Mann f\u00fchrte ihn bereitwillig zum Palast Aladdins. Nun betrachtete der Zauberer den Bau. Er war sicher, da\u00df Aladdin nur mit Hilfe der Lampe dieses Prunkgeb\u00e4ude errichtet haben konnte. Zornig rief er aus: <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Dieser Schurke! Ich werde ihm eine Grube graben! Er war nicht einmal imstande, das Schneiderhandwerk zu erlernen. Und jetzt lebt er in einem Palast. Ich werde ihn t\u00f6ten! Seine Mutter aber soll Wolle spinnen wie vorher.&#8220; Grollend und voll \u00c4rger \u00fcber das Gl\u00fcck Aladdins kehrte er in seine Herberge zur\u00fcck. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Dort nahm er sofort seine Schachtel mit dem Zaubersand und warf Figuren, und so sah er, wo Aladdin die Lampe aufbewahrt hatte. Sie befand sich in einem abseits gelegenen Raum des Palastes. Das freute den Zauberer, denn nun durfte er hoffen, die Lampe zu bekommen. Aladdin selbst war gerade nicht in der Stadt, er hatte einen l\u00e4ngeren Jagdritt unternommen; erst nach einigen Tagen sollte er zur\u00fcckkehren. Dies hatte der Zauberer vom Wirt seiner Herberge erfahren. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Mehr wollte der Zauberer nicht wissen. Jetzt ist der g\u00fcnstigste Augenblick, dachte er bei sich. Und er ging in den Laden eines Mannes, der Lampen herstellte. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Guter Freund&#8220;, sagte der Zauberer zu ihm, &#8222;ich brauche ein Dutzend kupferne Lampen. Kannst du sie mir liefern? Aber es m\u00fc\u00dfte rasch sein. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Mann versprach, die Lampen bis zum n\u00e4chsten Tag fertig zu haben. Der Zauberer verlangte noch, sie m\u00fc\u00dften recht blank sein. Dann versprach er gute Bezahlung und ging in seine Herberge zur\u00fcck. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Am n\u00e4chsten Morgen holte er die fertigen Lampen. Er bezahlte sie und legte sie in einen Korb, und damit begab er sich zum Palaste Aladdins. Unterwegs rief er imrner wieder aus: &#8222;Wer will alte Lampen gegen neue vertauschen?&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Dieser Nlann ist verr\u00fcckt&#8220;, sagten die Leute auf den Stra\u00dfen. &#8222;Wie k\u00f6nnte er sonst alte Lampen gegen neue zum Tausch anbieten?&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die kleinen Kinder liefen hinter ihm drein. Sie lachten ihn aus und Spotteten \u00fcber ihn wie \u00fcber einen Narren. So kam er in die N\u00e4he des Palastes. Er k\u00fcmmerte sich nicht um das Gesp\u00f6tt der Kinder und das Gel\u00e4chter der Erwachsenen. Laut rufend bot er seine Ware weiter an. Und die Kinder schrien: &#8222;Ein Narr, ein Narr &#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Diese Rufe h\u00f6rte auch die Prinzessin Badrulbudur. Sie hielt sich eben im Saal mit den vierundzwanzig Fenstern auf Aber wegen des gro\u00dfen Kindergeschreies konnte sie nicht verstehen, was der Mann rief Des halb schickte sie eine ihrer Sklavinnen hinunter. Diese kam bald lachend zur\u00fcck <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Prinzessin&#8220;, sagte sie zu ihrer Herrrn, &#8222;es ist zum Lachen! Da unten geht ein Mann mit sch\u00f6nen neuen Lampen herum und ruft fortw\u00e4hrend: <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">,Wer vertauscht alte Lampen gegen neue?&#8216; Den L\u00e4rm machen die Kinder, die in Scharen um ihn herumlaufen und ihn ausspotren.&#8220; \u00dcber diesen sonderbaren Menschen mu\u00dfte auch die Prinzessin herzlich lachen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin hatte die Wunderlampe nach dem letzten Gebrauch offen stehen gelassen und sie nicht zur\u00fcck in die Schatzkammer getragen. Daher hatte eine der Skiavinnen die Lampe gesehen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Herrin&#8220;, sagte diese nun zur Prinzessin, &#8222;im Gemach Eures Gem\u00e4hls steht eine ganz alte Lampe. Eine neue w\u00fcrde viel besser dorthin passen. Wenn es Euch recht ist, k\u00f6nnten wir versuchen, <i>sie <\/i>einzutauschen. Dann wird sich zeigen, ob er wirklich verr\u00fcckt ist.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die Prinzessin kannte den Wert der Lampe nicht. Sie hatte keine Ahnung, da\u00df Aladdin den Palast und alle seine Sch\u00e4tze den Zauberkr\u00e4ften der Lampe verdankte, und ging daher auf den Scherz ein. Ein Sklave bekam den Auftrag, die Lampe bei dem Mann gegen eine neue einzutauschen. Er lief hinunter vor den Palast und ging auf den Zauberer zu. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Hier ist eine Lampe&#8220;, rief er ihm zu, &#8222;gib mir eine neue daf\u00fcr!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Zauberer war \u00fcberzeugt, dass diese alte Lampe die gesuchte Wunderlampe sei. Denn sonst war in diesem Palast sicher alles aus Gold und Silber. Daher nahm er dem Sklaven die Lampe rasch aus der Hand und hielt ihm daf\u00fcr den Handkorb hin, damit er eine neue Lampe ausw\u00e4hlen k\u00f6nne. Der Sklave nahm eine Lampe und kehrte damit zur Prinzessin zur\u00fcck. Als diese die neue Lampe sah, lachte sie hellauf. Nun glaubte sie, dass der Mann wahrhaftig ein Narr sei.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die Kinder tollten, aufs neue um den Zauberer herum und spotteten \u00fcber den Tausch. Er aber lie\u00df sie schreien, soviel sie nur wollten. Die Lampen, die er noch hatte, \u00fcberlie\u00df er den Leuten, die mit ihm tauschen wollten. Den leeren Korb stellte er in einer Hausnische nieder. Dann machte er sich schnell und unbemerkt aus dem Staube. Hastig schritt er durch eines der Stadttore. In der Vorstadt kaufte er sich Lebensmittel, und schlie\u00dflich kam er auf das freie Feld. An einem abgelegenen Ort erwartete er die Nacht. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Gegen Mitternacht zog er endlich die Lampe aus seinem Kleid hervor und rieb sie. Sogleich erschien der Geist vor ihm. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Was willst du?&#8220; sprach er. &#8222;Ich bin dein Diener und der Diener aller, die die Lampe in der Hand haben. Ich und die anderen Diener der Lampe werden dir gehorchen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Ich befehle dir&#8220;, erwiderte der Zauberer, &#8222;Aladdins Palast mit allen seinen Bewohnern und mich selbst augenblicklich nach Afrika zu versetzen. Der Palast soll in der Stadt stehen, in der ich wohne.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Ich h\u00f6re und gehorche&#8220;, sprach der Geist. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Und im Nu war der Zauberer samt dem Palast Aladdins an den bezeichneten Ort geschafft. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aber verlassen wir nun den Zauberer und das Schlo\u00df in Afrika samt seinen Bewohnern und kehren wir zum Sultan und zu Aladdin zur\u00fcck. Jeden Morgen trat der Sultan an das Fenster im Erker, um von dort einen Blick auf Aladdins Palast zu werfen und dabei in Liebe seiner Tochter zu gedenken. Auch diesmal schaute er hin\u00fcber, aber da sah er nichts als einen leeren Platz. Er rieb sich die Augen, denn er glaubte zu tr\u00e4umen. Aber er konnte kein Schlo\u00df entdecken, so lange er auch schaute. Es war ihm unbegreiflich, was geschehen war. W\u00e4re der Palast zusammengest\u00fcrzt, h\u00e4tten Schutt und Tr\u00fcmmer auf der Stelle liegen m\u00fcssen. H\u00e4tte ihn die Erde verschlungen, w\u00e4ren doch Spuren davon zu sehen gewesen. Aber so lange er auch wartete, der Platz vor seinem Schloss blieb leer. Da kam ihm seine Tochter in den Sinn, und schon liefen Tr\u00e4nen \u00fcber seine Wangen. Endlich ging er in sein Zimmer zur\u00fcck. Eilig befahl er, den Gro\u00dfwesir zu rufen; er selbst wusste nicht ein noch aus. Wirre Gedanken best\u00fcrmten ihn. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Gro\u00dfwesir lie\u00df seinen Herrn nicht lange auf sich warten. Er kam in gro\u00dfer Eile und sah daher gar nicht, dass der Palast Aladdins verschwunden war. Als er vor den Herrscher trat, bemerkte er dessen Verst\u00f6rtheit. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Verzeiht, Herr&#8220;, sagte er, &#8222;warum seid Ihr in solcher Betr\u00fcbnis? Ist etwas Au\u00dferordentliches vorgefallen?&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Ja&#8220;, erwiderte der Sultan, &#8222;etwas ganz Sonderbares hat sich ereignet, und du wirst mir sogleich recht geben. Sag, wo ist der Palast Aladdins?&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Der Palast Aladdins?&#8220; fragte der Wesir verwundert. &#8222;Ich ging soeben vorbei. Und mich d\u00fcnkt, er ist an seinem Platz. Wie sollte es denn anders sein?&#8220; &#8222;Dann geh ins Nebengemach&#8220;, antwortete der Sultan, &#8222;und schau beim Fenster hinaus! Danach sag mir, was du gesehen hast!&#8220;<br>\nKopfsch\u00fcttelnd ging der Gro\u00dfwesir zum Erker. Von dort schaute er zum Palast Aladdins hin\u00fcber. Aber da war nichts zu sehen, weder der Palast noch sonst etwas, solange er auch schaute. Verwirrt kam er zum Sultan zur\u00fcck. &#8222;Nun&#8220;, fragte ihn dieser, &#8222;hast du Aladdins Palast gesehen?&#8220;<br>\n&#8222;Herr&#8220;, erwiderte der Gro\u00dfwesir, &#8222;Ihr habt mir nicht glauben wollen! Ich habe schon fr\u00fcher gesagt, dass dieses Schloss ein Werk der Zauberei sei. Aber Ihr wolltet nicht auf mich h\u00f6ren!&#8220;<br>\nDies konnte der Sultan nicht leugnen. Aber gerade deshalb wurde er sehr zornig.<br>\n&#8222;Wo ist Aladdin, dieser Betr\u00fcger, dieser Schurke!&#8220; rief er. &#8222;Ich lasse ihm sofort den Kopf abschlagen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Herr&#8220;, anrwortete der Gro\u00dfwesir, &#8222;er hat sich vor einigen Tagen f\u00fcr einen l\u00e4ngeren Jagdritt von Euch beurlaubt. Wenn er zur\u00fcckkommt, wollen wir ihn fragen. Er wird wohl wissen, wo der Palast geblieben ist.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Das w\u00e4re zu viel Schonung f\u00fcr ihn&#8220;, erwiderte der Sultan. &#8222;Gib sofort Befehl, da\u00df drei\u00dfig Soldaten ihn suchen sollen! Wenn Sie ihn finden, sollen sie ihn in Ketten geschlossen hierher bringen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Gro\u00dfwesir f\u00fchrte den Befehl sogleich aus. Die Soldaten ritten ab und trafen Aladdin etwa f\u00fcnf bis sechs Stunden vor der Stadt auf der Heimkehr von der Jagd. Der Anf\u00fchrer ritt an ihn heran. Er gr\u00fc\u00dfte ehrerbietig. Dann sagte er, dass der Sultan Aladdin zu sehen w\u00fcnsche. Darum w\u00e4ren sie ihm entgegengeritten, und nun wollten sie ihn nach Hause begleiten. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">So setzte Aladdin, von der k\u00f6niglichen Leibwache Begleiter, ahnungslos seinen Weg fort. Etwa eine halbe Stunde vor der Stadt umringten ihn die Reiter pl\u00f6tzlich. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Prinz Aladdin&#8220;, sagte der Anf\u00fchrer, &#8222;seid uns nicht b\u00f6se. Der Sultan hat befohlen, Euch zu verhaften und gefesselt vorzuf\u00fchren. Wir bitten Euch, uns zu verzeihen. Aber wir tun nur unsere Pflicht.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als Aladdin dies vernahm, war er wie vor den Kopf geschlagen. Er f\u00fchlte sich unschuldig und ahnte nicht, wessen man ihn bezichtige. Er fragte den Anf\u00fchrer, was man ihm vorwerfe. Aber weder dieser noch seine Leute konnten ihm antworten. Da sprang er vom Pferd. &#8222;Hier bin ich&#8220;, sagte er, &#8222;tut mit mir, wie euch der Sultan befohlen hat. Ich bin mir zwar keines Verbrechens bewusst, aber dem Befehl des Herrschers muss ich gehorchen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Da nahmen die Soldaten eine lange, dicke Kette. Die warfen sie ihm um den Hals und wanden sie um seinen Leib; dadurch waren auch die Arme gebunden. Einer der Reiter fasste das Ende der Kette. Dann stieg er zu Pferd und ritt mit den andern davon. Aladdin musste zu Fu\u00df hinter her laufen. So wurde er in die Stadt gebracht. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die Leute in der Vorstadt sahen Aladdin gefesselt wie einen Staatsverbrecher vorbeiziehen. Sie zweifelten nicht, dass es ihm den Kopf kosten werde. Aladdin aber war wegen seiner Freundlichkeit und Freigebigkeit beim Volke \u00e4u\u00dferst beliebt. Darum bewaffnete sich die Menge mit S\u00e4beln und Steinen und machte Miene, gegen die Reiter vorzugehen und ihn zu befreien. Die letzten Reiter des Zuges machten zu n\u00e4chst kehrt und suchten die Leute abzuwehren, aber deren Haltung wurde immer drohender. Es blieb den Soldaten nichts anderes \u00fcbrig, als in der ganzen Stra\u00dfenbreite zu reiten und so die Menschen an die Hausmauern zu dr\u00e4ngen. Die Soldaten waren schlie\u00dflich froh, mit heiler Haut bis zum Palasttor zu gelangen. Dort nahm der Anf\u00fchrer die Kette und zog Aladdin rasch hinter das sch\u00fctzende Tor. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin wurde sofort vor den Sultan gef\u00fchrt. Dieser erwartete ihn mit dem Gro\u00dfwesir auf dem Balkon. Der Scharfrichter war schon zugegen, und der Sultan befahl ihm, Aladdin sogleich den Kopf abzuschlagen. Er wollte den Verurteilten weder anh\u00f6ren noch eine Frage an ihn richten. Der Scharfrichter nahm die Kette ab und verband ihm die Augen, hierauf lie\u00df er ihn niederknien. Mit gezogenem Schwert ging er dreimal um Aladdin herum. W\u00e4hrenddessen wartete er auf ein Zeichen des Sultans, den t\u00f6dlichen Streich zu f\u00fchren. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aber die Leute vor dem Tor hatten die ganze Szene beobachtet. Sie sahen, da\u00df Aladdin in h\u00f6chster Gefahr war. Daher schrien sie, sie w\u00fcrden den Palast erst\u00fcrmen und dem Erdboden gleich machen, wenn Aladdin das geringste Leid geschehe Der Wesir h\u00f6rte das Geschrei. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Herr&#8220;, sagte er zum Sultan, &#8222;das Volk droht, den Palast zu besetzen. Wir schweben in gr\u00f6\u00dfter Gefahr. Darum bitte ich Euch, schenkt Aladdin das Leben. Die Leute lieben ihn mehr als uns.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Da erbla\u00dfte der Sultan. Er sah, da\u00df die Menge bereits Miene machte, in den Palast einzudringen. Darum befahl er dem Henker, Aladdin freizugeben. Zugleich lie\u00df er von seinen Herolden dem Volk verk\u00fcnden, da\u00df er Aladdin begnadige. Jeder m\u00f6ge nun wieder nach Hause gehen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Diese Nachricht ging von Mund zu Mund. Nun legte sich die Unruhe, und allm\u00e4hlich leerte sich der Platz vor dem Palast. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin war wieder frei. Er hob sein Haupt und schaute nach dem Balkon hinauf Dort sah er den Sultan stehen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Herr&#8220;, rief er, &#8222;ich danke Euch f\u00fcr die mir erwiesene Gnade. Aber ich bitte Euch, mir eine weitere zu gew\u00e4hren. Lasst mich gn\u00e4dig wissen, worin mein Verbrechen besteht.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Du kennst dein Verbrechen noch nicht?&#8220; erwiderte der Sultan. &#8222;Komm herauf, Schurke, ich werde es dir zeigen!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin stieg hinauf &#8222;Folge mir&#8220;, befahl der Sultan und ging vor ihm her an das Fenster. Er wies mit dem Arm hinaus und sagte: &#8222;Nun sieh dich nach deinem Palast um. Du wirst ja wissen, was aus ihm geworden ist. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin konnte keine Spur seines Palastes erblicken. Er starrte fassungslos hin\u00fcber und wusste keine Erkl\u00e4rung. Was sollte er dem Sultan antworten? <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Doch was k\u00fcmmert es mich, wo dein Schloss ist&#8220;, fuhr der Sultan fort. &#8222;Tausendmal mehr wert ist mir meine Tochter. Wo ist sie? Schaffe sie mir wieder zur Stelle, sonst lasse ich dir den Kopf abhauen!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Herr&#8220;, erwiderte Aladdin, &#8222;ich wei\u00df ja nicht, wie das geschehen ist. Ich bitte Euch um eine Frist von vierzig Tagen, um alles zu erforschen. Wenn ich innerhalb dieser Frist Eure Tochter nicht herbeischaffe, so will ich selber meinen Kopf zu Euren F\u00fc\u00dfen hinlegen. Dann k\u00f6nnt Ihr nach Belieben \u00fcber mich verf\u00fcgen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Ich gew\u00e4hre dir die Frist von vierzehn Tagen&#8220;, sagte der Sultan. &#8222;Aber glaube nicht, diese Gnade missbrauchen zu k\u00f6nnen. Meinem Zorn wirst du nicht entrinnen. Ich werde dich zu finden wissen, auch wenn du dich im entferntesten Winkel der Erde versteckst!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Tief gedem\u00fctigt entfernte sich Aladdin aus dem Sultanspalast. Er schlich durch den Hof und wagte nicht, die Augen zu erheben. Keiner der W\u00fcrdentr\u00e4ger des Hofes achtete jetzt mehr auf ihn. Selbst die niedrigen Hofbeamten sahen \u00fcber ihn hinweg. Viele erkannten ihn gar nicht, so sehr hatte er sich ver\u00e4ndert. Er glaubte, den Verstand verlieren zu m\u00fcssen. Ja, er war wirklich nahe daran. Er ging nun von Haus zu Haus und fragte jeden, ob er seinen Palast nicht gesehen habe. Solche Fragen brachten die Leute auf den Gedanken, dass er irrsinnig sei. Einige lachten, die meisten aber hatten Mitleid mit ihm und gaben im Speise und Trank. Drei Tage irrte Aladdin ziellos in der Stadt umher, und dann wusste er noch immer nicht, wie er seine junge Frau und den Palast wiederfinden sollte. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Endlich verlie\u00df er die Stadt. Er achtete nicht darauf, welche Richtung er nahm. Mit Einbruch der Nacht kam er v\u00f6llig verzweifelt an das Ufer eines breiten Flusses. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Wo soll ich meinen Palast suchen?&#8220; fragte er sich. &#8222;Und wo werde ich meine liebe Frau wiederfinden? In welchem Winkel der Erde mag sie verborgen sein? Nie werde ich das ausfindig machen. Darum ist es besser, ich mache ein Ende.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Schon war er entschlossen, sich in den Fluss zu st\u00fcrzen. Aber als frommer Moslem wollte er zuerst sein Gebet verrichten. Er kniete am Ufer des Flusses nieder, um mit den H\u00e4nden Wasser zu sch\u00f6pfen. Gema\u00df dem Gebot wollte er H\u00e4nde und Gesicht waschen. Da aber die Stelle absch\u00fcssig war, glitt er aus, fast w\u00e4re er in den Strom gefallen. Im letzten Augenblick konnte er ein aus der Erde ragendes Felsenst\u00fcck packen und sich daran festhalten. An der Hand trug er immer noch den Ring, den ihm der Zauberer gegeben hatte; mit seiner Hilfe war er in die Schatzh\u00f6hle gestiegen, um die Wunderlampe zu holen. Als er sich nun am Felsen festhielt, rieb sich der Ring am Gestein. Sofort erschien der Geist, der ihn damals aus dem unterirdischen Gew\u00f6lbe befreit hatte. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Was w\u00fcnschest du ?&#8220; sagte der Geist. &#8222;Ich bin bereit, dir zu gehorchen. Denn ich bin dein Diener und der Diener aller, die den Ring am Finger tragen. Ich und alle \u00fcbrigen Diener des Rings werden dir gehorchen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin war durch die unerwartete Erscheinung des Geistes aufs h\u00f6chste \u00fcberrascht. Aber er fasste sich sofort. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Geist&#8220;, rief er, &#8222;zeige mir an, wo sich mein Palast befindet. Oder bring ihn unverz\u00fcglich an die Stelle, an der er fr\u00fcher stand.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Mein Gebieter&#8220;, erwiderte der Geist, &#8222;du begehrst Unm\u00f6gliches von mir. Was du vedangst, ist Sache der Diener der Lampe. Ich aber bin nur Diener des Ringes.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Dann nimm mich&#8220;, entgegnete Aladdin, &#8222;und trage mich zu meinem Palast, in weichem Land er auch sein mag!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, trug ihn der Geist bereits fort. Mitten auf einer gro\u00dfen Wiese in Afrika setzte er ihn ab. Da stand Aladdin nun gerade unter den Fenstern der Prinzessin Badrulbudur vor seinem Palast. Das alles war das Werk eines Augenblicks. Dankerf\u00fcllt betete er zu Allah, er m\u00f6ge ihn seine Gemahlin wiedersehen lassen. Sein Kummer linderte sich bei dem Gedanken, wie nahe er ihr jetzt schon sei. Da es bereits Nacht geworden war, herrschte im Palast v\u00f6llige Ruhe. Darum trat er unter einen Baum und setzte sich ins Gras. Und weil er schon sechs Tage nicht geschlafen hatte, \u00fcberw\u00e4ltigte ihn der Schlaf <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als eben die Morgenr\u00f6te aufstieg, weckte ihn der Gesang der V\u00f6gel aus dem Garten seines Palastes. Sein erster Blick fiel auf den wundervollen Bau. Er hatte wieder Hoffnung, seine Prinzessin bald in die Arme schlie\u00dfen zu d\u00fcrfen, und das machte sein Herz froh und leicht. Nun spazierte er eine Weile unter ihren Fenstern auf und ab. Er hoffte, dass sie ihn erblicken werde. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die Prinzessin war \u00fcber die Trennung von ihrem Gatten und ihrem Vater sehr betr\u00fcbt. Traurig verbrachte sie die Tage. Der Zauberer fand sich jeden Tag bei ihr ein und machte ihr das Leben vollends zur Qual. Die Sorge \u00fcber ihr ungewisses Schicksal schaffte ihr schlaflose N\u00e4chte. Zeitlich am Morgen pflegte sie sich zu erheben. So war sie auch an diesem Morgen wach, als sich der erste Schimmer im Osten zeigte. Als eine Sklavin das Fenster \u00f6ffnete, bemerkte sie Aladdin. Mit froher Stimme rief sie ihre Herrin herbei. Ungl\u00e4ubig eilte die Prinzessin ans Fenster und schaute hinaus. Da sah sie Aladdin unten an der Mauer stehen. Er hob soeben sein Haupt und erkannte sie sogleich. Er gr\u00fc\u00dfte sie, sie gr\u00fc\u00dfte ihn. \u00dcberschw\u00e4ngliche Freude war in beider Mienen zu lesen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Kommt rasch durch die geheime T\u00fcr in den Palast&#8220;, rief die Prinzessin. &#8222;Der Elende ist jetzt nicht hier.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Eine Sklavin \u00f6ffnete sofort die Geheimt\u00fcr. Aladdin betrat den Palast. Da kam ihm schon die Prinzessin entgegen. Sie flogen einander in die Arme und weinten vor Gl\u00fcck und Freude. Nach langer Trennung waren sie endlich wieder veremt. Eng umschlungen gingen sie in das Gemach der Prinzessin. Nun wollte Aladdin alles mit ihr besprechen, was zu tun sei.<br>\n&#8222;Teure Gemahlin&#8220;, begann er, &#8222;sagt mir vorerst, wo ist die alte Lampe aus meinem Zimmer hingekommen?&#8220;<br>\nDa erwiderte die Prinzessin seufzend: &#8222;Ach, das ist die Ursache meines Elends.&#8220; Und sie erz\u00e4hlte ihm all ihre Erlebnisse vom Umtausch der Lampe bis zu ihrer Entf\u00fchrung.<br>\n&#8222;Und am n\u00e4chsten Morgen&#8220;, sagte sie abschlie\u00dfend, &#8222;befanden wir uns in einer ganz fremden Gegend. H\u00f6hnisch teilte mir der Zauberer mit, wie er uns betrogen habe. Mit Hilfe der Lampe hatte er uns hierher nach Afrika versetzt.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Wenn dieses Land Afrika ist&#8220;, rief Aladdin, &#8222;dann kenne ich auch den B\u00f6sewicht Er hat mir schon genug angetan. Ich will Euch von all seinen Bosheiten erz\u00e4hlen. Doch sagt mir vorerst, wo er die Lampe verborgen h\u00e4lt!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Er tr\u00e4gt sie immer bei sich in seinem Gewande&#8220;, erwiderte die Prinzessin. &#8222;Ich wei\u00df dies, weil er sie in meiner Gegenwart hervorgezogen hat, um mir Angst einzujagen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Was will dieser Elende von Euch?&#8220; fragte Aladdin besorgt. &#8222;Was spricht er, was hat er im Sinn? Ich bitte Euch, sagt mir alles.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Seitdem ich hier bin&#8220;, erwiderte die Prinzessin, &#8222;kommt er t\u00e4glich einmal zu mir. Er dringt in mich, dass ich Euch vergessen und mein Wort brechen soll; ich solle seine Gattin werden. Dazu behauptet er, Ihr w\u00e4ret nicht mehr am Leben, der Sultan habe Euch enthaupten lassen. Er sagt auch, Ihr w\u00e4ret ganz armer Leute Kind, und nur ihm h\u00e4ttet Ihr Eure Reicht\u00fcmer zu verdanken. Mit s\u00fc\u00dfen Worten versuchte er, mich zu umgarnen, aber ohne Erfolg. Ich habe ihm noch kein freundliches Wort geschenkt. Vielleicht kommt er deshalb nicht \u00f6fter zu mir. Trotz dem f\u00fcrchtete ich, dass er am Ende Gewalt brauchen werde. Doch Eure Ankunft hat mir diese Sorge genommen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Ihr sollt nicht umsonst an meine Ankunft Hoffnungen kn\u00fcpfen&#8220;, unterbrach sie Aladdin. &#8222;Ich glaube, ich habe ein Mittel gefunden, das uns von unserem gemeinsamen Feind befreien soll. Ich will jetzt in die nahe Stadt gehen, gegen Mittag werde ich wiederkommen. Dann werde ich Euch meinen Plan und Eure Aufgabe darin mitteilen. Wundert Euch nicht, wenn ich in Verkleidung erscheine. Lasst eine Sklavin bei der geheimen Pforte stehen, wenn ich klopfe, soll sie mir sofort \u00f6ffnen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die Prinzessin versprach, Aladdins Anweisungen genau zu befolgen. Dieser verlie\u00df den Palast durch die Geheimt\u00fcr und schritt die Wiese entlang. Unfern des Palastes traf er einen Bauern bei der Feldarbeit. Ihm machte er den Antrag, die Kleider mit ihm zu tauschen. Der Bauer weigerte sich zuerst. Aber Aladdin lie\u00df nicht locker, bis der Bauer nachgab. Hinter einem Geb\u00fcsch wechselten sie schlie\u00dflich die Kleider, und Aladdin ging in dem abgetragenen, unscheinbaren Bauerngewand der Stadt zu. Der Landmann aber machte sich mit Aladdins kostbaren Gew\u00e4ndern davon. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nach mehrmaligem Fragen kam Aladdin in der Stadt in die Gasse der Spezereih\u00e4ndler. Vor dem gr\u00f6\u00dften Laden blieb er stehen, trat ein und verlangte von dem H\u00e4ndler ein bestimmtes Pulver. Der Kaufmann sah auf Aladdins \u00e4rmliche Kleidung und meinte, das Pulver werde ihm zu teuer sein. Da zog Aladdin aus seinem Beutel ein Goldst\u00fcck heraus. Nun wog der Kaufmann sofort so viel von dem Pulver aus, wie das Goldst\u00fcck wert war. Aladdin zahlte und ging. Er brauchte nicht lange an der geheimen T\u00fcr zu warten und begab sich sogleich in das Zimmer seiner Gattin. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Prinzessin&#8220;, sagte er, &#8222;ich wei\u00df, Ihr hasst Euren Entf\u00fchrer. Was ich Euch zu tun bitte, wird Euch daher nicht schwerfallen. Aber es ist notwendig, mit List und Verstellung vorzugehen. Vielleicht m\u00fcsst Ihr Euch dabei Zwang antun; aber schlie\u00dflich wollt Ihr Euren Vater und die Heimat wiedersehen. H\u00f6rt also meinen Vorschlag: Schm\u00fcckt Euch so gleich mit den sch\u00f6nsten Gew\u00e4ndern. Legt Diamanten und Perlen an. Wenn der Zauberer kommt, empfangt ihn mit freundlicher Miene und seid so unbefangen, als ob nichts vorgefallen w\u00e4re! Ladet ihn zum Abendessen ein; er wird sich dar\u00fcber freuen. Erw\u00e4hnt auch, da\u00df Ihr gerne den Wein des Landes kosten wolltet. Er wird dann sogleich Wein holen. Beim Mahle reicht ihm flei\u00dfig den Becher! Ist er nach einiger Zeit achtlos geworden, so sch\u00fcttet dieses Pulver in Euren Becher. F\u00fcllt ihn dann wieder mit Wein und bietet dem Zauberer an, die Becher zu tauschen! Er wird diese Gunst zu sch\u00e4tzen wissen und Euren Becher in einem Zug leeren. Wenn er den Wein mit dem Pulver aus- getrunken hat, wird er sofort wie tot hinsinken. Ihr m\u00fcsst Euch wohl so stellen, als tr\u00e4nket Ihr aus dem Becher; aber Ihr habt dabei nichts zu bef\u00fcrchten. Die Wirkung des Pulvers stellt sich sehr rasch ein. Der Zauberer wird keine Zeit haben, lange auf Euch zu achten.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Ich bin bereit zu tun, was Ihr von mir verlangt&#8220;, sagte die Prinzessin. &#8222;Es wird mich gar gro\u00dfe \u00dcberwindung kosten, dem Zauberer freundlich zu begegnen. Aber ich will es gerne tun.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Sodann speiste Aladdin mit seiner Gemahlin. Rechtzeitig verlie\u00df er nachher das Schlo\u00df; erst bei Anbruch der Nacht wollte er sich wieder bei der Geheimt\u00fcr einfinden. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die Prinzessin hatte seit ihrer Entf\u00fchrung ihr \u00c4u\u00dferes sehr vernachl\u00e4ssigt. Ihr Schmerz um Aladdin und den Vater war zu gro\u00df gewesen. Au\u00dferdem wollte sie sich dem Zauberer gar nicht im besten Licht zeigen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Jetzt aber setzte sie sich an ihren Putztisch. Sie lie\u00df sich aufs pr\u00e4chtigste schm\u00fccken und legte das kostbarste Kleid an. Ihr G\u00fcrtel strahlte von Diamanten. Um den Hals trug sie ein kostbares Perlenband. Als die Prinzessin v\u00f6llig angekleidet war, zog sie den Spiegel zu Rate. Es fehlte nichts, was der t\u00f6richten Eitelkeit des Zauberers schmeicheln mochte. Also setzte sie sich auf den Diwan und erwartete seine Ankunft. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Zur gewohnten Stunde fand sich der Zauberer ein Die Prinzessin erwartete ihn im Kuppelsaal. Im Glanze ihres Schmuckes und ihrer Sch\u00f6nheit begr\u00fc\u00dfte sie ihn mit freundlichem L\u00e4cheln. Sie lud ihn ein, an ihrer Seite Platz zu nehmen. Dieses Entgegenkommen war ihm ungewohnt; er war \u00fcberrascht und geblendet von ihrem Liebreiz und wagte gar nicht, sich an ihre Seite zu setzen. Sie aber wies nochmals auf den Platz zu ihrer Rechten. Da gehorchte er. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Sobald er neben ihr sa\u00df, blickte sie ihn liebevoll an. Nun musste er glauben, er sei ihr nicht mehr verhasst. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Ihr wundert Euch wohl&#8220;, sagte sie, &#8222;dass ich heute anders bin als sonst. Aber ich habe mir Eure Worte durch den Kopf gehen lassen. Ich bin nun \u00fcberzeugt, dass mein Gatte Aladdin nicht mehr lebt. Sicher hat ihm mein Vater den Kopf abschlagen lassen. Ich habe keine Hoffnung mehr, ihn wiederzusehen; auch meine Tr\u00e4nen werden ihn nicht mehr zum Leben erwecken. Ich mag aber nicht l\u00e4nger in Tr\u00fcbsal und K\u00fcmmernis leben. Darum m\u00f6chte ich Euch einladen, heute bei mir das Abendessen einzunehmen. Ich bitte Euch auch, einen Schluck Wein mit mir zu trinken. Gerne w\u00fcrde ich den Wein dieses Landes kosten, denn ich kenne bisher nur den Wein aus meiner Heimat, und vielleicht ist Euer Wein besser als der unsere. Ich w\u00fcrde mich sehr freuen wenn Ihr meine Bitte nicht absehlagen wolltet.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Zauberer war au\u00dfer sich vor Freude. Nun durfte er hoffen, bald weitere Fortschritte in der Gunst der Prinzessin zu machen. Dankbar nahm er die Einladung an und versprach, auch den Wein sogleich herbei zu schaffen. Zu Hause habe er einen Krug voll der besten Sorte. Dieser Wein sei schon acht Jahre in der Erde vergraben und \u00fcbertreffe die k\u00f6stlichsten Weine der Welt. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Prinzessin&#8220;, fuhr er fort, &#8222;erlaubt mir, zwei Flaschen von diesem Wein zu holen. Ich werde gleich wieder da sein. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Schickt doch einen Diener&#8220;, erwiderte die Prinzessin. &#8222;Es tut mir leid, wenn Ihr Euch selbst diese M\u00fche macht.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Herrin&#8220;, entgegnete er, &#8222;es ist notwendig, dass ich selbst gehe. Niemand kennt n\u00e4mlich den Ort, an dem sich der Krug befindet. Ich werde nicht lange fortbleiben.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Wenn das so ist&#8220;, antwortete die Prinzessin, &#8222;so geht und kommt bald wieder. Ich will Eure Gesellschaft nicht zu lange missen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Zauberer war in bester Stimmung \u00fcber sein vermeintliches Gl\u00fcck. Er lief, so rasch er konnte, um seinen Wein zu holen. In kurzer Zeit war er wieder zur\u00fcck. Darauf setzten sie sich zu Tisch und speisten zusammen, sie waren fr\u00f6hlich und guter Laune. Eine Sklavin schenkte die Becher voll. Die Prinzessin trank auf sein Wohl, und er w\u00fcnschte ihr Gesundheit und langes Leben. So leerten sie manchen Becher. Die Gastgeberin aber hielt sich beim Trinken vorsichtig zur\u00fcck. Seine Stimmung wurde immer ausgelassener, und die Prinzessin verstand es, ihn mit s\u00fcffigen Reden noch mehr zu bet\u00f6ren. Ahnungslos meinte er, die sch\u00f6nen Worte k\u00e4men ihr wirklich vom Herzen. Er glaubte, vor Gl\u00fcck vergehen zu m\u00fcssen. Seine Sinne verwirrten sich allm\u00e4hlich. Die Prinzessin hatte bemerkt, dass dem Zauberer der Wein bereits zu Kopf gestiegen war. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;ln unserem Land ist es Sitte&#8220;, sagte sie zu ihm, &#8222;dass zwei gute Freunde beim Trinken die Becher vertauschen. Ist dies in Afrika nicht \u00fcblich?&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Ohne seine Antwort abzuwarten, griff sie nach seinem Becher und reichte ihm daf\u00fcr den ihren. Das Pulver hatte sie in einem unbewachten Augenblick bereits hinein gesch\u00fcttet. Der Zauberer musste glauben, dass er die Frau v\u00f6llig erobert habe; er hielt sich f\u00fcr den gl\u00fccklichsten aller Sterblichen, weil sie ihm einen solchen Liebesbeweis gab. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Ehe er trank, sagte er: &#8222;Prinzessin, jetzt wei\u00df ich, wie hoch ich Eure Gunst zu sch\u00e4tzen habe. Nie werde ich vergessen, dass ich aus Eurem Becher trinken durfte. Eure fr\u00fchere Grausamkeit ist vergessen. Ihr habt mir das Leben wiedergegeben.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die Prinzessin langweilte sich bei dem leeren Geschw\u00e4tz des Zauberers. Deshalb unterbrach sie ihn. &#8222;Jetzt wollen wir trinken!&#8220; sagte sie. &#8222;Ihr k\u00f6nnt ja nachher weiterreden.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Sogleich setzte sie den Becher an den Mund und tat, als ob sie trinke. Er aber beeilte sich, es ihr zuvorzutun. Daher leerte er den Becher mit einem Zug. Im selben Augenblick verdrehten sich seine Augen; der Becher entfiel seiner Hand, und er sank wie tot zu Boden. Wie freute sich da die Prinzessin! Alle ihre Dienerinnen jubelten und eilten um die Wette zu der geheimen T\u00fcr, um Aladdin ins Schloss zu lassen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin kam herauf und betrat den Speisesaal. Dort sah er den Zauberer auf dem Boden liegen. Die Prinzessin kam ihm mit offenen Armen entgegen. Er aber wehrt sie ab. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Prinzessin&#8220;, sagte er, &#8222;noch ist es nicht Zeit, das Wiedersehen zu feiern. Ich bitte Euch, geht mit den Sklavinnen in Euer Gemach. Sorgt daf\u00fcr, da\u00df ich ungest\u00f6rt bleibe. Ich will indessen hier meine Vorbereitungen treffen. Ihr sollt ebenso rasch in die Heimat zur\u00fcckkommen, wie Ihr von dort weggef\u00fchrt wurdet.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die Prinzessin gehorchte sofort und zog sich mit ihren Dienerinnen zur\u00fcck. Aladdin schloss hinter ihnen die T\u00fcr des Saales, dann trat er zu dem Zauberer und nahm die Lampe aus seinem Gewand. Hierauf zog er seinen S\u00e4bel und schlug dem Zauberer den Kopf ab. Anschlie\u00dfend enth\u00fcllte er die Lampe und rieb sie. Sogleich erschien der Geist. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Mein Gebieter&#8220;, sprach dieser, &#8222;hier bin ich. Was w\u00fcnschest du?&#8220; &#8222;Geist&#8220;, entgegnete Aladdin, &#8222;trage dieses Schloss unverz\u00fcglich in meine Heimat zur\u00fcck und setze es an dieselbe Stelle hin, wo es fr\u00fcher stand, genau dem Palast des Sultans gegen\u00fcber!&#8220;<b> <\/b><\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nach diesen Worten ging Aladdin in das Gemach seiner Gattin. Nun plauderten sie, von Sorgen befreit, \u00fcber die letzten Ereignisse. W\u00e4hrenddessen nahm der Geist den Palast und setzte ihn an die befohlene Stelle. Sie versp\u00fcrten dabei nur zwei leichte Ersch\u00fctterungen, als der Palast aufgehoben und niedergesetzt wurde. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Da Aladdin nichts gegessen hatte, wurde ein reichliches Mahl gerichtet. Sie setzten sich zu Tisch, a\u00dfen die k\u00f6stlichsten Speisen und tranken vom Wein des Zauberers. Fr\u00f6hliches Geplauder verk\u00fcrzte ihnen die Zeit. Ehe sie sich versahen, d\u00e4mmerte der Morgen. Nun erst begaben sie sich zur Ruhe. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Wie war es unterdessen dem Sultan ergangen? Seit der Entf\u00fchrung der Prinzessin hatte er sich immer tiefer in seinen Schmerz verbohrt. Er verbrachte schlaflose N\u00e4chte, und tags\u00fcber war er f\u00fcr niemanden zu sprechen. Er suchte keine Ablenkung F\u00fcr seine tr\u00fcben Gedanken. Fast st\u00fcndlich trat er ans Fenster, um nach dem verschwundenen Palast auszuschauen. Er gedachte mit Schmerzen seiner Tochter, denn er w\u00e4hnte, sie nie wiederzusehen. Tag f\u00fcr Tag vergoss er Tr\u00e4nen um sein einziges Kind, bis seine Augen fast erblindeten. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Auch in diesem Tag eilte der Sultan fr\u00fch am Morgen zum Fenster, um auf den leeren Platz hinauszustarren. Er rieb sich die Augen &#8211; es war keine T\u00e4uschung. Vor ihm stand Aladdins Palast. Freude und Fr\u00f6hlichkeit ergriffen sein Herz. Rasch lie\u00df er sein Pferd satteln. Dann ritt er zu dem Schloss hin\u00fcber. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin hatte den Besuch des Schwiegervaters erwartet. Darum war er schon aufgestanden und hatte sein bestes Staatskleid angelegt. Auch seine Gattin hatte sich von ihren Dienerinnen schm\u00fccken lassen. Sie freute sich, den geliebten Vater bald wiederzusehen. Ihre Augen leuchteten und blitzten mit den Edelsteinen ihres Geschmeides um die Wette. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als Aladdin den Sultan heranreiten sah, eilte er ihm entgegen. Er wollte ihn empfangen und ihm vom Pferde helfen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Aladdin&#8220;, sagte der Sultan, &#8222;zuerst muss ich meine Tochter sehen und sprechen. Dann erst werde ich mit dir reden.&#8220; Da eilte auch schon die Prinzessin die Treppe herunter. Jubelnd warf sie sich ihrem Vater an die Brust. Der Sultan umarmte und k\u00fcsste sie innig. Tr\u00e4nen der Freude netzten seine Wangen. Dann geleitete Aladdin Vater und Tochter die Treppe empor. Im Gemach der Prinzessin setzten sie sich, um die Freude des Wiedersehens vollends zu genie\u00dfen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Liebe Tochter&#8220;, begann der Sultan, &#8222;wie ist es dir ergangen? Macht es die Freude des Wieder sehens, dass du mir gar nicht ver\u00e4ndert vorkommst? Ich denke, du musst Schreckliches ausgestanden haben. Erz\u00e4hle rasch, wie alles sich begeben hat.&#8220;&#8218; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Da erz\u00e4hlte ihm die Prinzessin ausf\u00fchrlich, was sich seit dem Umtausch der Lampe ereignet hatte. Sie schilderte die Person des Zauberers und erz\u00e4hlte von seiner Zudringlichkeit. Dann berichtete sie von Aladdin und wie er wieder in den Besitz der Lampe gekommen war. Nochmals kam sie auf den widerlichen Zauberer und ihr Ungl\u00fcck zu sprechen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Am ungl\u00fccklichsten aber f\u00fchlte ich mich&#8220;, fuhr sie fort, &#8222;dass ich von Euch und von meinem Gemahl getrennt war. Es schien ja keine Hoffnung vorhanden, Euch je wiederzusehen. Kummer und Schmerz hatten mein \u00c4u\u00dferes sehr ver\u00e4ndert. Ihr h\u00e4ttet mich kaum mehr er kannt, lieber Vater. Aber der Anblick meines Gatten hat mir schon gestern wieder Freude am Leben gegeben. Da ich Euch in die Augen sehen darf, bin ich nun vollkommen gl\u00fccklich. Aber vielleicht hat Aladdin noch etwas zu berichten.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin hatte nur weniges hinzuzuf\u00fcgen. &#8222;Als ich den Zauberer bet\u00e4ubt am Boden liegen sah&#8220;, erz\u00e4hlte er weiter, &#8222;schickte ich Eure Tochter und die Sklavinnen ins Nebenzimmer. Ich holte die Lampe aus der Brusttasche des Toren. Dann hieb ich ihm den Kopf ab. Durch die Wunderkraft der Lampe lie\u00df ich den Palast wieder hierher versetzen. Und Eure Tochter, erhabener Herr, kann ich Euch unversehrt ans Herz legen. Dass ich meine Gattin wiederhabe, macht mich zum gl\u00fccklichsten Menschen der Welt. Von der Wahrheit unserer Erz\u00e4hlung k\u00f6nnt Ihr Euch leicht \u00fcberzeugen, denn nebenan im Saal liegt noch der Leichnam des verruchten B\u00f6sewichts.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Sultan erhob sich und ging mit Aladdin in den Saal. Da lag der tote Zauberer. Der Sultan lie\u00df sogleich die Leiche wegschaffen und sie verbrennen. Die Asche sollte in alle Winde verstreut werden. Aladdin aber umarmte er v\u00e4terlich. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Mein Sohn&#8220;, sagte er zu ihm, &#8222;meine Vaterliebe zwang mich, deinen Tod anzubefehlen. Ich glaubte mein einziges Kind verloren. Daher wollte ich dich als den vermeintlichen \u00dcbelt\u00e4ter bestrafen. Verzeih mir um der Liebe willen, die du zu meiner Tochter hegst!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aladdin antwortete: &#8222;Herr, ich habe keinen Grund, mich zu beklagen. Was Ihr getan, ist verst\u00e4ndlich. Aber ich hatte keine Schuld. Alles Ungl\u00fcck hat nur dieser sch\u00e4ndliche Zauberer angerichtet. Er allein war die Ursache, dass ich Eure Gnade verlor. Jetzt hat ihn die gerechte Strafe ereilt.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nun lie\u00df der Sultan in der Stadt ein zehnt\u00e4giges Freudenfest ank\u00fcnden. Die R\u00fcckkehr seiner Tochter und ihres Gemahls sollte geb\u00fchrend gefeiert werden. Aladdin war nun zum zweiten Mal einer Todesgefahr entronnen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Wenige Jahre sp\u00e4ter starb der Sultan, und Aladdin bestieg den Thron. Er herrschte gerecht \u00fcber seine Untertanen, die ihn liebten und verehrten. Mit seiner Gemahlin aber lebte er ferner in Gl\u00fcck und Freuden. Keine Gefahr bedrohte mehr ihr Leben. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":3564,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[89,85],"tags":[],"class_list":["post-76","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-1001-nacht","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=76"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2806,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76\/revisions\/2806"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3564"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=76"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=76"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=76"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}