{"id":756,"date":"2015-12-16T02:18:15","date_gmt":"2015-12-16T01:18:15","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=756"},"modified":"2026-01-24T23:09:28","modified_gmt":"2026-01-24T22:09:28","slug":"die-hexenkunst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-hexenkunst\/","title":{"rendered":"Die Hexenkunst"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>M\u00e4rchen aus Hannover &#8211; Carl und Theodor Colshorn<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Knabe will gerne das Hexen lernen. Er geht tief in den Wald; er ruft: \u00bbWer lehrt mich das Hexen? \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da kriecht rasselnd durch das dichte Erlengeb\u00fcsch ein altes Weib, zahnlos und rot\u00e4ugig, schmal in dem gekr\u00fcmmten R\u00fccken, aber breit im Scho\u00dfe. \u00bbKomm mit! \u00ab spricht sie freundlichst; \u00bbdas sollst du lernen; es ist nicht schwer. \u00ab Er folget. Im Erlenbusche ist eine H\u00fctte; in diese wird er gef\u00fchrt. Getrocknete Moor Erde bilden die W\u00e4nde, Schilf das Dach. Drei Kr\u00f6ten h\u00fcpfen neben ihm \u00fcber die Schwelle; am Herde aber sitzt ein h\u00fcbsches M\u00e4dchen, das Lieschen hei\u00dft. Es wird Abend. Die Hexe greift eine Kr\u00f6te und setzt sie auf den Tisch. Wie eine Lampe leuchten die gr\u00fcnen Augen durch den d\u00fcstern Raum. Das M\u00e4dchen und die Alte hocken am Herde nieder und langen aus einem Kessel Schwarzsauer zum Abendessen. Es sind zerschnittene Menschenglieder. Der Knabe mag nicht essen, sondern legt sich zum Schlaf hin. Da zischelt die Alte dem M\u00e4dchen zu:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbMorgen fr\u00fch, ehe die Sonne aufgeht, wecke mich; wir wollen den Knaben schlachten und einkochen. \u00ab Ges\u00e4ttigt lagern auch sie sich. In der Nacht steht das schlaflose M\u00e4dchen auf und tritt an des Knaben Lager. Er war so sch\u00f6n, blau sein Auge, blond sein Haar, rot die Wange. \u00bbLieber Junge\u00ab, spricht sie, \u00bbder Tod erwartet dich; mich jammert dein; komm, dass wir fliehen! \u00ab Er erhebt sich und geht mit; bedachtsam spuckt das M\u00e4dchen auf die Schwelle. Als sie aus dem Hause treten, erwacht die Alte und ruft:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbLieschen, stehe auf! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch bin schon auf\u00ab, antwortet der Speichel auf der Schwelle;<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbruhe noch ein wenig, bis ich Laub und Holz zum Herde bringe. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Sie eilen von hinnen. Nach einer Weile erwacht die Alte wieder, trauet nicht mehr den Worten des Speichels, rafft sich auf und sieht die H\u00fctte leer. Schnell schafft sie sich eine Wolke, nimmt den Besenstiel und reitet nach. \u00bbEin dicker Rauch kommt hinter uns her\u00ab, spricht das M\u00e4dchen; \u00bbdas ist die Hexe. Ich will ein Schlehdorn werden, und du eine Beere. \u00ab<br>\nDie Verwandlung geschieht. Die Hexe steigt aus der Wolke und beginnt sofort die Beeren zu pfl\u00fccken und zu essen, so sauer sie auch sein mochten. Schon sind alle bis auf eine Beere in der Mitte des Dornbusches verzehrt. Die langen Finger der Hexe wollen sie pfl\u00fccken trotz der vielen Dornen; allein sie f\u00e4llt ab und in den Busch und vom Busche in eine nahe Niederung. Hier wird sie Ente, und das M\u00e4dchen Wasser. Vergeblich wirft die Alte mit Erdkl\u00f6\u00dfen und ihren Pantoffeln nach der Ente auf dem Wasser; diese wei\u00df geschickt unterzutauchen und dem Wurfe auszuweichen. Endlich legt die Hexe sich am Rande des Teiches auf ihren breiten Bauch nieder, um das Wasser abzutrinken. Schon ist der gr\u00f6\u00dfte Teil des Wassers abgetrunken, da platzt der Alten der dick aufgeschwollene Bauch, und ein schwarzer, stinkender Qualm, der querfeldein zieht, verk\u00fcndet ihren Tod.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ente wird wieder Knabe, das Wasser ein M\u00e4dchen, beide gewinnen einander sehr lieb, und als sie gro\u00df geworden sind, heiraten sie sich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[106,85],"tags":[],"class_list":["post-756","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-carl-und-theodor-colshorn","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/756","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=756"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/756\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2890,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/756\/revisions\/2890"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=756"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=756"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=756"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}