{"id":709,"date":"2015-11-17T00:33:57","date_gmt":"2015-11-16T23:33:57","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=709"},"modified":"2026-01-24T22:57:20","modified_gmt":"2026-01-24T21:57:20","slug":"der-hauptmann-felsenschneider-und-seine-gefaehrten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-hauptmann-felsenschneider-und-seine-gefaehrten\/","title":{"rendered":"Der Hauptmann Felsenschneider und seine Gef\u00e4hrten"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Johann Andreas Christian L\u00f6hr<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es gab eben keine Kriege in Afrika und Asien mehr, wo der Hauptmann Felsenschneider sengen, brennen, stechen, hauen und nach Herzenslust essen und trinken konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf seinen Streifz\u00fcgen kommt er in einer W\u00fcste zu der Grotte eines Derwisches, und sagt: &#8222;Heiliger Mann, hast du nicht etwa ein Paar hundert N\u00fcsse f\u00fcr einen hungrigen Magen?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Die Ratten haben mit ihren guten Z\u00e4hnen alle meine N\u00fcsse gefressen und die Schalen \u00fcbrig gelassen. Doch liegt noch ein gro\u00dfes St\u00fcck Zwieback vor meiner T\u00fcr.&#8220; Damit zeigte er auf einen Stein, der \u00fcber sechs Fu\u00df lang war.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ist das deine Speise? sagte der Hauptmann, so kenn ich dies Backwerk wohl, und die Pyramiden sind davon zusammengebacken. Es ist freilich ein wenig schwer verdaulich; indes Hunger tut weh.&#8220; Somit hieb er sich mittelst seines S\u00e4bels eine drei Finger starke Scheibe mit einem einzigen Hieb ab, zerbr\u00f6ckelt sie mit den H\u00e4nden und zermalmt sie mit den Z\u00e4hnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Derwisch bewunderte den Mann und seinen S\u00e4bel und dachte, den m\u00fcsse er sich zum Freunde machen, ruft den Hauptmann herein und teilt einige gro\u00dfe Ziegenk\u00e4se und den Schiffszwieback mit ihm, den er noch besa\u00df. Man tr\u00e4gt beides in gro\u00dfen St\u00f6\u00dfen auf den Steintisch in der Grotte auf und setzt einige ungeheure Kr\u00fcge dazu auf, worin Wasser mit Honig vermischt war.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mahlzeit war m\u00e4\u00dfig, denn es h\u00e4tten schwerlich \u00fcber zw\u00f6lf Personen davon ges\u00e4ttigt werden k\u00f6nnen, und der Derwisch ergreift nun den Krug und leert ihn auf einen Zug aus.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Bruder, sagt der Hauptmann, du musst bis auf die gro\u00dfe Fu\u00dfzehe hohl sein, und hast auch nicht ein einziges Mal abgesetzt!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ach ich habe mich schon viel gebessert, versetzte der Derwisch. Ich hie\u00dfe Trinkhaus, und h\u00e4tte sonst wohl Str\u00f6me ausgetrunken, h\u00e4tte ich das Wasser nur eben so sehr geliebt, als den Wein. Das Trinken hat mich aber eben zum frommen Manne gemacht. Ich war bei einem Freunde in Georgien, aus dessen Keller es mir so lieblich entgegen roch, dass ich hinabstieg. Da liegen etwa ein Dutzend kleine F\u00e4sser voll Wein, nicht gr\u00f6\u00dfer als die Orhofte. Ich fange davon an zu kosten, und trinke in Gedanken den Wein aus. Dar\u00fcber kommt der Wirt herbei und behandelt mich wie einen Saufaus. Meine dumme Hitze \u00fcberl\u00e4uft mich und ich schlage den Mann tot. Hinterher tat mir das sehr leid, und um den Totschlag abzub\u00fc\u00dfen bin ich in die W\u00fcste gegangen und ein Derwisch geworden, und treibe nebenbei ein Bisschen Pflanzen und Sternkunde.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Nun erz\u00e4hlte der Hauptmann auch Einiges von seinen taten. Einmal, sagt er, habe er sogar die Hauptstadt eines ganzen Landes erobert, und das Land obendrein, aber Er selbst und sein Degen ganz allein, denn die feigen Hunde von Soldaten w\u00e4ren nur immer dann zur Hand gewesen, wo es zu Fressen und Saufen gegeben, allein niemals beim Fechten. &#8222;Als ich nun aber K\u00f6nig geworden war, fuhr er fort, fand sich&#8217;s, dass ich \u00fcber keinen einzigen Menschen zu herrschen hatte.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wie? fragte Trinkaus, du wirst doch nicht Weiber und Kinder vertilgt haben?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Bei Gott ja!&#8220; sagte der Hauptmann, &#8222;ich vertilgte sie von Grund aus, denn sie fluchten und schimpften mir, warfen Steine auf mich und hetzten die Hunde gegen mich an. Da hab ich im rasenden Grimm Alles niedergemacht.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Du bist gewiss bei einigen von unsern jungen Helden in der Schule gewesen, versetzte der Derwisch, die, wenn sie erst gesiegt haben, im allzu gro\u00dfen Heldeneifer zu morden, zu sengen und brennen nicht aufh\u00f6ren k\u00f6nnen, weil sie einmal im Zuge sind. Oftmals lodert schon dann ihr Heldenmut in Mord und Feuerflammen auf, wenn noch gar kein Feind da ist. Aber, mein Bruder, f\u00fcr einen Helden wie du bist, ziemt sich solche Sitze nicht mehr. Ich w\u00fcsste ein St\u00fcck Arbeit f\u00fcr dich, wo sich diese Hitze sehr abk\u00fchlen und viel Ehre gewinnen lie\u00dfe.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Was ist&#8217;s f\u00fcr eine Arbeit?&#8220; fragte der Hauptmann, und der Derwisch antwortete: &#8222;Es gilt ohne Armee eine Festung zu erobern, die weder Thore noch Mauren noch Gr\u00e4ben hat. Die M\u00fche, welche du dabei haben w\u00fcrdest, w\u00fcrde die Hitze ziemlich mildern.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;H\u00f6re, mein heiliger Bruder, versetzte der Hauptmann, wenn du Wein in deinem Kruge gehabt h\u00e4ttest, so w\u00fcsste ich wohl, was ich denken sollte. &#8211; Ein Feldherr ohne Armee? &#8211; eine Festung ohne Thore, Mauern und Graben?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ja doch, ja!&#8220; sagte der Derwisch; &#8222;zehn Stunden von hier ist die Festung Kikelalah. Sie liegt auf einem sechzig Fu\u00df hohen Felsen, der rund um ganz glatt behauen, und ganz senkrecht ist. Die Einwohner sind lauter Soldaten und lassen sich in K\u00f6rben, deren jeder zehn Mann fasst, von den Mauern herab, um auf zwanzig Stunden umher den Tribut einzutreiben. Die Festung steht unter dem Tyrannen Dickstab, den alle Welt f\u00fcrchtet, und wenn du den wirst vertrieben haben, kannst du selbst nach deinem Belieben herrschen; so gut wie der, ohne dass dir Jemand darf drein reden.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Bruder, sagte der Hauptmann, das will ich auch, &#8211; auf meine Ehre, ich will regieren, denn die Kunst scheint mir gar nicht schwer, und der Bursche, der Dickstab, muss von dem Neste herunter und du sollst sehen, wie ich arbeiten will. Nur etwas Armee m\u00f6chte ich doch haben. lass uns eine werben, es gibt ja des verlaufenen Gesindels noch genug in der Welt.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ist nicht Not, erwiderte der Derwisch. Du sollst eine Armee von acht Marsch\u00e4llen haben, deren Jeder allein ein Reich umkehren k\u00f6nnte, und ich bin der geringste unter ihnen. Du siehst wohl ein, dass acht gro\u00dfe Generale mehr sind denn acht gro\u00dfe Heere. Du wei\u00dft ja, wo eine Schlacht ist gewonnen oder eine Festung erobert worden, so spricht alle Welt von der Einsicht und Tapferkeit des Obergenerals und kein Mensch von den Soldaten, aus welchen die Armee besteht. Du siehst also ein, dass diese ganz \u00fcberfl\u00fcssig ist.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wohl denn, sagte der Hauptmann, so mache mich nur mit den Generalen bekannt.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Derwisch vertr\u00f6stete ihn auf den andern Morgen, und sagte, dass sie viel Geschick und Naturgabe h\u00e4tten, nur den Verstand m\u00fcsse ihnen der Anf\u00fchrer leihen. Felsenschneider meinte, dass sie um so tauglichere Soldaten sein w\u00fcrden, je d\u00fcmmer sie w\u00e4ren, denn sie w\u00fcrden desto besser blindlings gehorchen. Er erkundigte sich aber nun auch, was f\u00fcr eine Art Mensch Dickstab sei!<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Der ist ein etwas riesiger Mann, antwortete der Derwisch, und ist von Kopf bis zu den F\u00fc\u00dfen in Stahl geharnischt, wobei er sich aber so leicht und schnell bewegt als ein Vogel. Er f\u00fchrt keine Waffe als eine hundertsf\u00fcndige Keule von Erz, mit welcher er so leicht spielt, als sei es ein d\u00fcnnes Bambusrohr. Mit diesem verdammten Dinge hat er uns zwei unserer Besten tot geschlagen, den Eisenarm, der mit jedem Faustschlag einen Mann niederstreckte, und den Stahlzahn, der mit seinen Hauern die Menschen wie Lerchen aufspie\u00dfte.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Die sollen ger\u00e4cht werden, sagte der Hauptmann; aber jetzt lass uns schlafen gehen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie am andern Morgen spazieren gehen wollten, kamen drei M\u00e4nner. &#8222;Die sind von unsern Leuten, sagte der Derwisch, und hei\u00dft der Eine Schauescharf, denn auf vierzig Stunden weit sieht er die kleinste Nadel auf der Erde; der Andere hei\u00dft Zieltreffer, und wird in gleicher Entfernung einen Apfel nicht mit seinem Pfeile verfehlen; und der dritte, Spalteluft genannt, w\u00fcrde den Pfeil in f\u00fcnf Minuten zur\u00fcckbringen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Derwisch hatte das kaum ausgesagt, so waren die Drei schon da, und er r\u00fchmte ihnen den herrlichen Anf\u00fchrer, welchen sie gefunden h\u00e4tten, um an ihrem Feind Dickstab volle Rache zu nehmen. &#8211; &#8222;Aber, setzte er hinzu, kommt Ihr denn ohne Proviant?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Da antwortete Zieltreffer; &#8222;Gro\u00dfbuckel bringt etwas Weniges mit. Er hat ein j\u00e4hriges Kalb auf dem R\u00fccken und unter dem Armen ein Paar Ohmen Wein. Er ist nur erst in einen Garten gegangen, um Gem\u00fcse und Salat mitzunehmen und wird bald da sein.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Kaum war das Wort ausgesagt, so war Gro\u00dfbuckel mit seiner Last da, die er so leicht trug, als w\u00e4re es ein S\u00e4ckchen Federn gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Sieh General, sagte der Derwisch, das ist unser Packwagen, der Gro\u00dfbuckel, uns Proviant zuzubringen, und die gemachte Beute fortzutragen, w\u00e4re sie auch noch so schwer.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Der General bekam einen Gel\u00fcste nach dem K\u00e4lbchen, und der Derwisch sagte: &#8222;Schauescharf, wo bleibt denn unser Koch?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Schauescharf sah sich umher. &#8222;Sieh da! sprach er, er ist hier ganz nahe, aber er vertreibt sich die Zeit, Wachteln zu fangen, die in gro\u00dfen Z\u00fcgen \u00fcber seinen Kopf hinfliegen, rupft sie und bratet sie mit seinem Atem.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass dich den Schuft! rief Trinkaus, so ungeb\u00fchrlich an einem Musterungstage an sein Vergn\u00fcgen zu denken! dass dich! An einem solchen Tage muss der Soldat h\u00f6chst ordentlich sein. Darnach mag er B\u00fcrgern und Bauern nach seinem Belieben tun, und schlemmen und zechen. Aber es ist wahrhaftig an der Zeit, dass wieder Mannszucht hergestellt werde, denn auch das Faultier Immerschlaf ist nicht da, um Vergatterung zu schlagen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ha! sagte Schauescharf, der schnarcht dort im Schatten, dass die B\u00e4ume beben.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Spalteluft bekam Befehl die Beiden eiligst herbeizubringen. Sie waren fast im Augenblicke da. Der Koch, Blasefeuer genannt, musste nun das Kalb braten, welches Gutbuckel an den Spie\u00df gesteckt hatte. Dazu hatte er nichts weiter n\u00f6tig als sanft mit seinem Munde zu blasen. Wenn er gewollt, h\u00e4tte er auf diese Weise einen ganzen Erzgang in Fluss bringen k\u00f6nnen. Immerschlaf musste Vergatterung schlagen. Er trommelte nur ganz sanft mit den Fingern auf seinen Bauch, und es war, als ob zehntausend Trommeln im Gange w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Es fehlte an einer Sch\u00fcssel, die Bratenbr\u00fche aufzufassen. Da haut der Hauptmann oder Obergeneral mit seinem Sonnens\u00e4bel von dem Steinzwieback vor des Derwisches Grotte eine t\u00fcchtige Scheibe ab, und bringt auch eine Vertiefung darin an. Ein St\u00fcck Granitfelsen mitten in der Grotte hinderte mit Bequemlichkeit Tafel zu halten, aber der Hauptmann hieb den Vorsprung des Felsens St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck ab, und jedes St\u00fcck glich einer marmornen Tischplatte, der nichts fehlte als die Politur.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Braten wurde indessen durch das linde sinnige Blasen des Kochs gleichsam wie vergoldet. H\u00e4tte er st\u00e4rker geblasen, so w\u00e4re derselbe verkohlt, aber Blasefeuer verstand die Kunst einen guten Bissen zu bereiten, und hatte sich schon vorgenommen, wenn es ihm einmal an einem Unterkommen fehle, Mundkoch in einem vornehmen Hause zu werden, wo er sich gewiss dreimal so gut st\u00e4nde, als der Lehrer der jungen Familie, zumal da er das Holz ersparte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tafel wurde angerichtet und Immerschlaf strich sich, sein Vergn\u00fcgen auszudr\u00fccken, ganz sanft den Bauch, aber das machte so einen f\u00fcrchterlichen L\u00e4rm, dass man ihn bitten musste aufzuh\u00f6ren. &#8222;Hm! sagte er, was habt Ihr denn? Aller Spektakel in der Welt, und alles Treiben, Rennen, Laufen, Rasseln und Prasseln kommen ja von Magen und Bauch her.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Man a\u00df und trank, und Trinkaus, eingedenk des Gel\u00fcbdes ein frommer Mann zu werden, blieb bei seinem Honigwasser, bis nach der Mahlzeit, wo er, gleichsam den Mund auszusp\u00fclen, so ein kleines Schl\u00fcckchen Wein von etwa drei\u00dfig Kannen aus dem Kruge nahm.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend man tafelte, fanden sich noch zwei Vermisste ein, n\u00e4mlich Greifwolke und Weitmacher. Trinkaus las ihnen den Text nicht schlecht, indessen aus alter Kameradschaft bekamen sie doch noch zu essen und zu trinken, nur mit der Verwarnung, k\u00fcnftig besser Ordnung zu halten, denn der neue Hauptmann werde nicht Alles nur so hingehen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als man aufgestanden war, sagte Trinkaus: &#8222;Wohlan, Kameraden, es ist nun wohl an der Zeit, dass wir uns \u00fcber unsern gemeinschaftlichen Zweck ernstlich beraten, und vor allen Dingen dar\u00fcber, was wir zum Abendessen werden n\u00f6tig haben. Denn was kann man f\u00fcr Rat halten mit ausgehungerten Magen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schauescharf, Zieltreffer, Spalteluft, habt Acht. Sieh dich um, Schauescharf, wir m\u00fcssen vierhundert Pfund Wildpret haben, denn wir haben diesen Mittag eine Hungermahlzeit gehalten, und zwar Wildpret von viererlei Sorten; aber zartes, liebster Freund, sehr zartes, meines schwachen Magens wegen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Schauescharf hatte bald ersp\u00e4ht, was verlangt wurde; Zieltreffer musste eine Pike aufpflanzen und grade dahin zielen, wohin ihn Schauescharf anwies. &#8222;Wie weit?&#8220; fragte Zieltreffer. &#8222;F\u00fcnfzehn Stunden und drei\u00dfig Schritt&#8220; war die Antwort. &#8211; Der Pfeil flog ab. &#8211; &#8222;Der Damhirsch liegt!&#8220; rief Schauedurch.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Nun, hie\u00df es, Spalteluft, leg deine Babuschen an und bring uns das Wild.&#8220; &#8211; Das geschah auf der Stelle, und auf gleiche Weise wurde noch dreierlei Wild erlegt, eingebracht und von Gutbuckel abgestreift, ausgewirkt und an den Spie\u00df gesteckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Trinkaus sieht indessen den Brodsack nach, und findet nur noch hundert und siebzig Pfund Brot. &#8222;Da w\u00e4ren wir sch\u00f6n angekommen, sagt er, wenn ich nicht nachgesehen h\u00e4tte. &#8211; Schauescharf, sieh, wo frisches Brot ist?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Drei\u00dfig Stunden von hier, zu Wasser, ist ein ganzer Backofen voll, der noch vor W\u00e4rme raucht, und eben ist der B\u00e4cker fortgegangen, um das Brot abk\u00fchlen zu lassen;&#8220; sagt Schauescharf.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Spalteluft, hie\u00df es, mache dich auf und schlie\u00dfe den Handel.&#8220; Dieser war bald geschlossen. Das Brot war in der Grotte, ehe es der B\u00e4cker vermisste.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gesellschaft hatte Durst. &#8222;Greifwolke, sagte der Derwisch, greif die oben hinziehende Wolke, n\u00f6tige sie ihren Vorrat herzugeben, obschon sie vielleicht etwas hageln m\u00f6chte. Gefrornes ist ja ein Leckerbissen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Greifwolke nimmt einen Kn\u00e4uel Seide aus der Tasche, und wirft es gegen die Wolke hinauf. Ein Faden davon f\u00e4llt wieder aus der Wolke herunter, an welchem sich Greifwolke hinaufhaspelt, welchen ohnedies noch der Wolkendunst sichtlich hinaufzuziehen scheint. Als er oben ist, quetscht und schn\u00fcrt er die Wolke zusammen und n\u00f6tigt sie ihren ganzen Vorrat herzugeben, der in einem dichten und milden Regen zur Erde herabf\u00e4llt und in Kr\u00fcgen aufgefangen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Man l\u00f6schte den Durst, aber Wasser erk\u00e4ltet den Magen und Regenwasser obenein ist so weich und \u00fcblich. Der Hauptmann w\u00fcnschte, man m\u00f6chte das Wasser mit einigen Flaschen starken Dattelbranntweins verbessern k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schauedurch hatte bald einige ziemlich weite Flaschen entdeckt, die in der Entfernung von zehn Stunden auf den Altan hingesetzt waren, um an der Sonne den darin enthaltenen Lebensgeist recht destillieren zu k\u00f6nnen, und Spalteluft holte sie sogleich. &#8211; &#8222;Ha! sagte Trinkaus, h\u00e4tte der nur die Kr\u00e4fte von Gutbuckel, so w\u00e4re er der n\u00fctzlichste Kamerad unter uns Allen.&#8220; Auch der General Felsenschneider war in guten Appetit gekommen, und w\u00fcnschte zum Abendnachtisch einige Feigen von der besten Sorte aus Afrika. Spalteluft musste sich sogleich aufmachen, um Afrikas Garten ein wenig zu durchst\u00f6bern, erhielt aber zugleich Befehl, in einer halben Stunde wieder da zu sein, indem man seiner vielleicht noch weiter bed\u00fcrfen m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch ein Mann aus der hohen Generalit\u00e4t war dem Obergeneral unbekannt. Dies war Weitmacher, der eben mit kreuzweis \u00fcbereinander geschlagenen Armen da sa\u00df, gleichsam tief sinnend.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Obergeneral begehrte Auskunft \u00fcber das Thun dieses Mannes, aber der Derwisch vertr\u00f6stete ihn auf heute Abend, wo er denselben werde arbeiten sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Braten waren im besten Braten, aber Spalteluft war noch nicht wieder da: Schauescharf musste sich umhersehen, und rief auf einmal: &#8222;Seht den Schlingel; er hat mehr Feigen in den Magen als in den Korb gesammelt, und ist auf dem Korbe eingeschlafen. Die Araber der W\u00fcste streifen eben in der N\u00e4he umher, und werden ihn nicht nur den Korb nehmen, sondern auch die Babuschen, in welchen seine Schnelll\u00e4ufigkeit steckt. Dann haben wir ihn gehabt. &#8211; Zieltreff, oben auf dem Aste des Baumes, unter dem er schl\u00e4ft, sitzt ein Vogel. Schie\u00df ihn herab, damit er durch den Fall des Vogels aufgeweckt werde.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Zieltreffer lie\u00df sich Richtung und Entfernung angeben. Die letzte betrug f\u00fcnf und siebenzig Meilen. Schauescharf sieht dem Schusse nach und sagte: &#8222;Der Vogel ist herab, und der Schl\u00e4fer ist erwacht.&#8220; Zwei Minuten drauf war derselbe mit den Feigen da.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem man zu Abend gegessen hatte, wurde Weitmacher gerufen das Zelt aufzuschlagen, weil es sich f\u00fcr Kriegsleute, die in einer Unternehmung begriffen w\u00e4ren, nicht zieme in der Grotte zu schlafen.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitmacher hatte einen kleinen Beutel an dem G\u00fcrtel h\u00e4ngen, von der Gr\u00f6\u00dfe eines H\u00fchnereies. Er war mit vier d\u00fcnnen Schnuren zusammengeschn\u00fcrt, an deren Ende ganz feine Stahlnadeln hingen. Jetzt schn\u00fcrt er den Beutel auf und bl\u00e4st hinein, worauf derselbe sogleich die Gr\u00f6\u00dfe einer ziemlichen Melone erh\u00e4lt. Nachdem er noch einmal hineingeblasen, kann er schon den Kopf hineinstecken, und indem er fortbl\u00e4st, erweitert sich der Raum so sehr, dass der ganze K\u00f6rper hineingeht. Endlich steht, durch fortgesetztes Blasen, ein Zelt da, welches Platz f\u00fcr zwanzig Mann hat. Die Stahlnadeln waren zu starken eisernen Zeltpfl\u00f6cken geworden, und das Zelt wurde mit Piken unterst\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Hauptmann verwunderte sich sehr, aber wie stieg seine Verwunderung, als er erfuhr, dass Weitmacher sein Zelt so weit ausdehnen k\u00f6nne, dass drei\u00dfigtausend Menschen darunter Platz h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p>In dem Augenblick, als das Zelt aufgeschlagen war, h\u00f6rt man einen L\u00e4rm wie von tausend Trommeln, den Immerschlaf hervorbrachte, indem er seine Backen ganz leise strich. Dies war der Zapfenstreich.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem man Alles aufgezehrt hatte, wurde Rat gehalten. Man kam \u00fcberein, den Dickstab dadurch aus seinem Felsenneste hervorzulocken, dass man das Land rings umher verheeren und ihn mit seinen Soldaten in Hungersnot bringen wolle. &#8211; Man stellte hierauf Wache aus, und schlief unter dem Zelte ein. Immerschlaf schlief einige tausend Schritte weit davon, denn sein blo\u00dfes Atmen t\u00f6nte wie ein rollender Donner, und wenn er etwa nur mit zur\u00fcckgezogenem Atem einige T\u00f6ne angab, so waren es Trompetent\u00f6ne von solcher St\u00e4rke, dass Jeder davor erbebte.<\/p>\n\n\n\n<p>Am andern Morgen hielt der General Musterung und fand Alles in sch\u00f6nster Ordnung. Hierauf musste sich Schauescharf umsehen, und entdeckte Mancherlei, was aber dem Herrn General eben nicht anstand, indem er keinen Gebrauch davon zu machen wusste. Weil man den Vormittag fasten musste und auf dem Zuge sich nicht aufhalten konnte, so war sein Hauptabsehen auf eine schon fertige Mittagsmahlzeit f\u00fcr ihn selbst und seine Mannschaft gerichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gl\u00fcck wollte dem General wohl. Schauescharf entdeckte in einem zehn Stunden entfernten volkreichen Flecken die Zur\u00fcstungen zu einem gewaltig gro\u00dfen Hochzeitmahl. &#8211; &#8222;Gut,&#8220; sagte der General, &#8222;sie sollen es zur\u00fcsten, wir aber wollen es schmausen. Blasefeuer soll auf gut soldatisch den Flecken, mit Ausnahme des Hochzeithauses, nach den Regeln der neuen Kriegskunst in Brand stecken, obwohl uns das eigentlich zu nichts helfen kann; aber man muss doch sehen lassen, welche Helden wir sind, und wenn der Schrecken erst vor uns her geht, haben wir desto leichteres Spiel. \u00dcbrigens treiben wir unsere Kurzweil, wie es sich f\u00fcgen will. &#8211; Ich, f\u00fcr meinen Spa\u00df, werde mich der Braut bem\u00e4chtigen und werde den Leutchen mein Recht dazu mit meinem Degen schon hinl\u00e4nglich beweisen. Ihr \u00dcbrigen erg\u00f6tzt Euch nach Belieben. Es soll mir eine Hauptlust sein, wenn sie nun Alle wimmern, jammern und heulen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Man setzte sich in Marsch. Zwei Stunden vor dem Flecken musste Spalteluft noch einmal Umschau im Hochzeithause halten. Er brachte im Augenblicke die Nachricht, dass man es hier nur mit G\u00f6tzendienern zu tun haben werde, die in diesem Augenblicke vor ihren G\u00f6tzenbildern einen jungen Stier mit vergoldeten H\u00f6rnern schlachteten, dessen Fleisch erst in einigen Stunden gar sein k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Tausend,&#8220; sagte der General, &#8222;da haben wir desto mehr Fug und Recht nach Herzenslust zu w\u00fcsten, denn wir m\u00fcssen doch unsern Eifer gegen die G\u00f6tzendienerei an den Tag legen. Nicht so, Derwisch?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Als man bei dem Hochzeithause angelangt war, geht Felsenschneider hinein. &#8222;Was,&#8220; sagt er, &#8222;man richtet hier Hochzeit aus; man setzt sich zu Tische ohne mein Wissen?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Leute entsetzten sich. &#8222;Himmel,&#8220; riefen sie, &#8222;wir sind verloren! Das ist der Tyrann! das ist der Dickstab.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ihr Lumpenpack,&#8220; rief Felsenschneider; &#8222;Ihr l\u00fcgt! Was hei\u00dft da Tyrann. Ich bin ja der Br\u00e4utigam des sch\u00f6nen Kindes da, und es soll keinen andern Mann haben als mich.&#8220; Damit wollte er sich der Braut bemeistern.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt f\u00e4ngt ein t\u00fcchtiger Faustkampf an. Man ergreift Beile, Messer, Pr\u00fcgel, St\u00fchle und anderes Ger\u00e4te und f\u00e4llt \u00fcber den R\u00e4uber her, der t\u00fcchtige P\u00fcffe und Ohrfeigen austeilt, jedoch sein Sonnenschwert aus Schonung noch nicht ziehen will. &#8211; Mit einemmal fing Immerschlaf an zu niesen, und warf durch Gewalt dieses Niesens, von welchem selbst das Haus schwankte, Alles zu Boden, oder zum Hause hinaus und die Braut selbst war mit davon geflogen und hatte sich alsdann versteckt. Der General lachte.<\/p>\n\n\n\n<p>Indessen hatte Blasefeuer so gut gearbeitet, dass man im ganzen Orte Feuerl\u00e4rm machte. Immerschlaf musste nun Vergatterung schlagen und Alle setzten sich zu Tische.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Leute im Orte hatten ein Kommando von Dickstabs Soldaten geholt, welches in der N\u00e4he stand. Es betrug f\u00fcnfzehn wehrhafte Mann. Da dieses h\u00f6rte, dass diese R\u00e4uber gar nicht furchtbar w\u00e4ren, und nur Einer davon ein Schwert habe, auch von den Leuten des Orts gewiss w\u00fcrden bew\u00e4ltigt worden sein, h\u00e4tte nicht Einer darunter eine so malizi\u00f6se Niese gehabt, so bekam es einen gro\u00dfen Mut, und brach ins Hochzeithaus mit gezogenen S\u00e4beln ein. Der Anf\u00fchrer will auf Immerschlaf einhauen, der aber niest blo\u00df noch einmal, und der Anf\u00fchrer verga\u00df: &#8222;wohl bekomms!&#8220; zu sagen, denn er \u00fcberschlug sich wie ein Purzelmann von Holunder Mark, und als er wieder auf seinen F\u00fc\u00dfen stand, spaltet ihm der General den Kopf. Ein Anderer wurde in der Mitte durchgehauen; der Dritte verlor die Achsel mit dem Arm, ein Vierter ein Paar Beine, u.s.w. Da nahmen die \u00fcbrigen mit viel Kriegslist und Gegenwart des Geistes Rei\u00dfaus, und vertrauten ihren Beinen, weil die Arme zu ihrem Heil nicht hatten zureichen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als nun die Feinde tapfer auf der Flucht waren, wurden sie auch eben so tapfer verfolgt. Greifwolke l\u00e4sst hageln; Blasefeuer bl\u00e4st ihnen nach und h\u00e4tte sie alle zu Asche gebrannt, w\u00e4ren sie nur still gehalten; Immerschlaf niest ihnen nach, und von den acht oder neun, die entkommen waren, \u00fcberschlugen sich die Meisten erst, ehe sie weiter laufen konnten. Selbst der Derwisch Trinkaus, der immer sein heiliges Buch, den Koran, in der Hand f\u00fchrte, schl\u00e4gt mit diesem Heiligtum Einigen k\u00fchnes Mutes hinter die Ohren, denn er wusste wohl, dass sie sich nicht zur Wehre setzen w\u00fcrden. Die armen Fl\u00fcchtlinge blieben am Ende doch allesamt auf dem Platze, denn Felsenschneiders Klinge verschonte keinen Einzigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun erst konnten sie recht vergn\u00fcgliches Mahl halten, in Fisch, Braten und Wein, zumal da sie dasselbe mit der Erz\u00e4hlung ihrer ruhmw\u00fcrdigen taten w\u00fcrzen konnten, die der kluge General mit gro\u00dfer Belobung anerkannte. Um sich f\u00fcr ihre Verdienste zu belohnen, tranken sie des Weins so viel, dass sie neben dem Tisch in s\u00fc\u00dfen Schlaf versanken. &#8211; Der Heldentaten waren f\u00fcr diesen Tag genug!<\/p>\n\n\n\n<p>In den n\u00e4chsten Tagen w\u00fcteten und tobten, verheerten und zerst\u00f6rten, l\u00e4rmten und schw\u00e4rmten, und schwelgten sie essend und trinkend, gar hoch und sehr, und trafen sie etwa auf ein kleines Kommando Soldaten, so ging&#8217;s demselben wie dem ersten. Immerschlaf nieste und trompetete die Soldaten um und um, und der General und die nun auch mit S\u00e4beln bewehrte Armee, brauchten den ohnm\u00e4chtig zu Boden liegenden Feinden nur die K\u00f6pfe abzuhauen. Im Lande war Alles in Verzweiflung, aber die Siegreichen waren es beinahe auch. Sie hatten zu viel und sehr gesiegt, und fanden Niemand mehr, den sie sieden, kochen und braten konnten, damit er ihnen Gesottenes und Gebratenes zurichtete, denn alle Welt war mit den Verr\u00e4tern davon geflohen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dickstab achtete indes der Klaglieder wenig, die ihm von seinen Untertanen in die Ohren geschrieen wurden, denn er, Er, der mildgn\u00e4dige Herr, wie er sich nennen lie\u00df, hatte ja noch Alles, was sein Herz erfreute. Indessen hatte jedoch ein erfinderischer Kopf ein Mittel ausgesonnen, solch einen grimmen Feind mit Vorteil zu bek\u00e4mpfen. Er hatte n\u00e4mlich die l\u00e4ngst vergessenen Turn und Gymnasien &#8211; nein! gymnastischen Anstalten wieder hervorgesucht, und insonderheit die Kunst der Balearen oder die edle Schleuderkunst, in welcher er Unterricht gab; eine Kunst, die er nebst manchen Balg- und Raufk\u00fcnsten den Knaben abgesehen, und nun in seiner Anstalt geimpft und veredelt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Ungl\u00fcck entdeckte Schauescharf die Unternehmungen des erfinderischen Kopfes, und in eben dem Augenblicke, da er den Mund auftat, seinen Sch\u00fclern die hohen Vorz\u00fcge und den mannigfaltigen Gebrauch, dieser Kunst anzupreisen, flog ein Pfeil von Zieltreffers Bogen ihm in den ge\u00f6ffneten Mund, und Mann und Kunst waren miteinander zugleich tot.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun wollte es doch dem Tyrannen selbst zuletzt an die Kehle gehen, und er berief einen alten schlauen Sterndeuter zu sich, der einzig und allein seinen geheimen Rat ausmachte. Dickstab dachte, ein einziger guter Kopf sei besser, als hundert hirnlose. Er setzte demselben Alles auseinander, was geschehen war und was zu besorgen stand.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Sterndeuter antwortete: &#8222;Ich wei\u00df bereits Alles und habe an Abh\u00fclfe gedacht. Die seltsamen Kr\u00e4fte dieser Menschen sind magisch, und k\u00f6nnen nur durch recht kleine Mittel entkr\u00e4ftet werden, die um so besser sind, je nat\u00fcrlicher sie sind. Gegen Immerschlafs Gel\u00e4rm ist Baumwolle in den Ohren recht gut. Blasefeuern muss man ins Maul spritzen, um sein Feuer auszul\u00f6schen. Schauescharfs Talent kann in der N\u00e4he nichts mehr schaden; Zieltreffers Pfeil geht nicht durch Stahl; der L\u00e4ufer Spalteluft ist wenig sch\u00e4dlich und kann leicht aufgefangen werden; Greifwolkens Kunst h\u00e4ngt an einen Faden, den man zerschneiden kann; Trinkaus ist gar nicht zu f\u00fcrchten, wo es nichts zu saufen gibt, und eben so wenig Weitmacher und Starkbuckel, die Beide nur zum Gep\u00e4cke geh\u00f6ren. Aber zu f\u00fcrchten ist Felsschneider mit seinem Sonnenschwert &#8211; ein gr\u00e4ulicher Mensch, der niemals Gutes getan hat, weil die Gestirne ihm \u00fcbel mitgespielt haben. Er w\u00fcrde selbst deine Keule von Erz zerhauen. Das soll ihm aber nichts helfen, denn ich kenne das Mittel ihn zu Schanden zu machen, wenn du mit deinen Leuten dich nach meiner Angabe bewaffnen und mir folgen willst.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Das versteht sich, sagte Dickstab; lass Alles einrichten, wie es dir gut scheint; ich billige es, wie seltsam es auch aussehen m\u00f6ge.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>In wenigen Tagen war Dickstabs Armee, aus dreihundert Mann bestehend, in Stand gesetzt; und da Alles fertig ist, lassen sich diese in K\u00f6rben aus der Festung herunter. Sie waren allesamt in Stahl geharnischt und stellen sich in drei Reihen auf, Dickstab als Anf\u00fchrer voran.<\/p>\n\n\n\n<p>Schauescharf berichtet Alles und sagt aus, dass Dickstab mit einem Dinge behelmt sei, das wie ein K\u00fcchentopf auss\u00e4he, und sein Schild sei f\u00fcnf Finger dick. Felsschneider freut sich den Feind in der Ebene zu haben, und beide Heere stehen einander bald nahe genug entgegen. Dickstabs Leute im ersten Gliede haben blanke Schwerter; im andern Gliede sind sie mit Scheren, im dritten mit Spritzen bewaffnet.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Als sie einander nahe genug sind, h\u00e4lt Felsschneider erst nach Art der uralten Helden eine Anrede an den K\u00f6nig Dickstab, worin er ihn des K\u00fcchentopfs wegen, mit vieler H\u00f6flichkeit einen Prinzen der K\u00fcchenjungen nennt, und ihn auffordert den ersten Streich zu f\u00fchren.&#8220; Dickstab nennt seinen Gegner einen Fleischerjungen und Stra\u00dfenr\u00e4uber, lehnt gro\u00dfm\u00fctig die Ehre des ersten Streichs ab, und fordert ihn auf selbst denselben zu wagen. Dazu l\u00e4sst sich Felsschneider nicht zweimal auffordern, holt aus und f\u00fchrt einen gewaltigen Hieb auf den Kopf; aber der Hieb prallt so entsetzlich von dem Topfhelm ab, dass des Generals Faust heftig ersch\u00fcttert wird. Er f\u00fchrt den zweiten Hieb gegen das Schild, und die Klinge des Sonnenschwertes zerspringt. Felsschneider sieht, dass er auf einen hohlen K\u00fcrbis und auf ein Schild von K\u00e4se gehauen hat. Nun soll Blasefeuer helfen, aber alle Spritzen sind auf seinen Mund gerichtet; sein Feuer erl\u00f6scht und er gibt blo\u00df einen erstickenden Dampf von sich. Zieltreffers Pfeile knicken an den Stahlharnischen ab; Greifwolke hat ein ganzes Heer von Wolken mit Hagel zusammen geballt, aber man schneidet den Faden seines Kn\u00e4uels entzwei, und der Hagel st\u00fcrzt in gro\u00dfen Ma\u00dfen auf des Generals Leute herab. Nun soll Immerschlaf helfen, und macht auch ein furchtbares Gel\u00e4rm, aber der Feind mit der Baumwolle in den Ohren h\u00f6ret wenig davon, aber Felsschneiders Leute ergreifen vor Schrecken die Flucht. Er selbst wird umzingelt, und f\u00e4llt unter einigen Keulenstreichen Dickstabs; Blasefeuer erstickt in seinem eigenen Rauche; Immerschlafs Bauch platzte vor gro\u00dfer Anstrengung; die \u00dcbrigen aber kamen alle wohlbehalten davon; am ersten Spalteluft, der die schnellsten F\u00fc\u00dfe hatte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[114,85],"tags":[],"class_list":["post-709","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-johann-andreas-christian-loehr","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/709","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=709"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/709\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2863,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/709\/revisions\/2863"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=709"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=709"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=709"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}