{"id":69,"date":"2015-10-05T23:08:56","date_gmt":"2015-10-05T21:08:56","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=69"},"modified":"2026-01-13T20:37:58","modified_gmt":"2026-01-13T19:37:58","slug":"unterm-affenbrotbaum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/unterm-affenbrotbaum\/","title":{"rendered":"Unterm Affenbrotbaum"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Unterm Affenbrotbaum<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Marion Wolf<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Franziskaner f\u00fchlte sich dazu ausersehen, eine wilde Affenhorde zu b\u00e4ndigen. Zuerst las er ein Buch \u00fcber die Affen, dann machte er sich auf den Weg in den Busch \u2013 immer der Nase nach. Die Affen empfingen ihn mit gro\u00dfer Freude, denn bei ihnen herrschten Mord und Totschlag.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/maerchen-im-spiegel-der-zeit.gif\" rel=\"lightbox[69]\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"284\" src=\"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/maerchen-im-spiegel-der-zeit.gif\" alt=\"\" class=\"wp-image-3666\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Der M\u00f6nch predigte den Tieren an jedem Festtag von der Liebe Gottes, sie applaudierten heftig; ansonsten benahmen sie sich wie gehabt und der fromme Mann hatte seine liebe Not mit ihnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines Tages kam ein Verhaltensforscher in den Busch und fragte den Franziskaner, ob er ihm helfen d\u00fcrfe. \u201eGern\u201c, erwiderte der M\u00f6nch, \u201eich glaube, wir k\u00f6nnten uns gut erg\u00e4nzen. Nur pflege ich die Oberaffen zu fragen, wenn Ver\u00e4nderungen anstehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eTu, was Du nicht lassen kannst\u201c, grinste der Verhaltensforscher und folgte ihm. \u201eIch bin der St\u00e4rkste\u201c, stellte sich der Silberr\u00fccken vor, \u201eaber Du brauchst Dich vor meinem scharfen Gebiss nicht zu f\u00fcrchten.\u201c<br>\nDer Verhaltensforscher sah ihm gelassen in die Augen und sagte:<br>\n\u201eTu ich auch nicht.\u201c Da bleckte der alte Oberaffe die Z\u00e4hne und trommelte furchterregend auf seine Brust. Der Forscher lie\u00df sich von dem affigen Imponiergehabe nicht einsch\u00fcchtern. \u201eDas ist wirklich erstaunlich\u201c, bemerkte der zweite Oberaffe. Hast Du wirklich keine Angst vor uns?\u201c<br>\n\u201eNein\u201c, erwiderte der Forscher l\u00e4chelnd. Da waren die Affen baff und suchten Gr\u00fcnde, ihn loszuwerden. Ein Zeitgenosse, der sich<\/p>\n\n\n\n<p>keine Angst einjagen lie\u00df, war ihnen nicht geheuer.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu passt nicht zu uns Pelztieren\u201c, schrie der dritte Affe, \u201eDein Tropenhelm ist unserer Sippe ein Dorn im Auge!\u201c Und der alte Silberr\u00fccken zeterte: \u201eWer nicht zu erschrecken ist, dem fehlt das rechte Affenverst\u00e4ndnis!\u201c Der Verhaltensforscher lie\u00df sie toben und zog sich zur\u00fcck. \u201eMein Bruder ist einem Tierb\u00e4ndiger in die Falle gegangen\u201c, hetzte nun der j\u00fcngste Affe, \u201eder hat ihn mit der Peitsche dressiert und an einen Zirkus verkauft!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Franziskaner sah ihm in die Augen und stellte klar: \u201eEin Verhaltensforscher ist kein Tierb\u00e4ndiger!\u201c Doch die Affenmeute h\u00f6rte gar nicht hin und heulte im Chor: \u201eHuuu, wir wollen nicht geb\u00e4ndigt werden!\u201c Dann beugte sich der gro\u00dfe Oberaffe zu dem kleinen Franziskaner hinunter und erkl\u00e4rte: \u201eWir wollen lieber eine Krankenschwester f\u00fcr unsere Wunden.\u201c Und dabei dachte er: \u2018Die werd\u2019 ich das F\u00fcrchten schon lehren!\u2019 \u201eGenauso\u201c, schrie die Affenhorde und stob auseinander, ohne die Meinung des M\u00f6nchleins abzuwarten. Da sa\u00df nun der arme Franziskaner von allen guten Geistern verlassen unterm Affenbrotbaum und zweifelte an seiner Bestimmung.<\/p>\n\n\n\n<p>GOTT hatte Erbarmen mit seinem treuen Diener und sandte ihm einen wei\u00dfen Geier. Der setzte sich im Mondschein auf einen Ast und starrte lange auf das H\u00e4uflein Mensch hinunter.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der M\u00f6nch ihn endlich bemerkte, erschrak er: \u201eBist Du gekommen, mich zu verspeisen?\u201c \u2013 \u201eKeine Angst, erwiderte der Aasfresser, \u201emich gel\u00fcstet nicht nach Deinem Fleisch.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas willst Du denn dann von mir?\u201c fragte der M\u00f6nch. \u201eIch will Deine falschen Vorstellungen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der fromme Mann schaute auf: \u201eDann musst Du ein Gesandter GOTTES sein, denn irdische Geier gel\u00fcstet es nicht nach geistigem Abfall. Also sage mir: Was habe ich falsch gemacht?\u201c \u201eBerichtige Dein unsinniges Demokratieverst\u00e4ndnis\u201c, forderte der Bote des HERRN. \u201eW\u00e4ren die Affen klug genug, selbst zu wissen, was gut f\u00fcr sie ist, br\u00e4uchten sie Dich nicht. Toren aber fragt man nicht, ob ihnen die Medizin auch schmeckt, die sie heilt.\u201c \u201eIch will meine Br\u00fcder doch nicht in Knechtschaft halten\u201c, wandte der M\u00f6nch ein. \u201eDas eben ist Dein Irrglaube\u201c, kl\u00e4rte ihn der Geier auf, \u201elehre sie Vernunft und bringe ihnen Anstand bei. Wenn sie ausgelernt haben, sind sie f\u00e4hig, ihr eigener Herr zu sein. Jetzt sind sie nur die Sklaven ihrer Triebe.<\/p>\n\n\n\n<p>Merke:<\/p>\n\n\n\n<p>Selbstbeherrschung ist die Grundlage der Freiheit.<br>\nWer sich nicht selbst befiehlt, bleibt immer Knecht!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Da fiel es dem Franziskaner wie Schuppen von den Augen:<\/p>\n\n\n\n<p>Dem\u00fctig gab er dem Geier seine Trugbilder \u00fcber die Br\u00fcderlichkeit und begann die Affen zu erziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Fortan \u00fcbte er Barmherzigkeit mit Strenge, und der Verhaltensforscher half ihm mit seinem Wissen und seiner Erfahrung.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige der Affen haben dazugelernt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die andern schlagen sich noch heute die Sch\u00e4del ein&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Dieses und 50 weitere M\u00e4rchen von Marion Wolf im Buch bei ShakerMedia:<br>\n<strong>&#8222;M\u00e4rchen im Spiegel der Zeit&#8220;- 51 Fabeln, Parabeln, Allegorien, Mythen, Utopien<br>\n<\/strong>siehe: <a href=\"http:\/\/bit.ly\/dkbFHH\" target=\"_blank\">http:\/\/bit.ly\/dkbFHH<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Franziskaner f\u00fchlte sich dazu ausersehen, eine wilde Affenhorde zu b\u00e4ndigen. 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