{"id":628,"date":"2015-11-03T22:47:04","date_gmt":"2015-11-03T21:47:04","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=628"},"modified":"2026-01-24T22:47:24","modified_gmt":"2026-01-24T21:47:24","slug":"haensel-und-gretel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/haensel-und-gretel\/","title":{"rendered":"H\u00e4nsel und Gretel"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>H\u00e4nsel und Gretel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gebr. Grimm<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Vor einem gro\u00dfen Walde wohnte ein armer Holzhacker mit seiner Frau und seinen zwei Kindern: das B\u00fcbchen hie\u00df H\u00e4nsel und das M\u00e4dchen Gretel. Er hatte wenig zu bei\u00dfen und zu brechen, und einmal, als gro\u00dfe Teurung ins Land kam, konnte er auch das t\u00e4gliche Brot nicht mehr schaffen. Wie er sich nun abends im Bett Gedanken machte und sich vor Sorgen herumw\u00e4lzte&#8216; seufzte er und sprach zu seiner Frau: &#8222;Was soll aus uns werden? Wie k\u00f6nnen wir unsere armen Kinder ern\u00e4hren, da wir f\u00fcr uns selbst nichts mehr haben?&#8220; &#8211; &#8222;Wei\u00dft du was, Mann&#8220;, antwortete die Frau, &#8222;wir wollen morgen in aller Fr\u00fche die Kinder hinaus in den Wald f\u00fchren, wo er am dicksten ist, da machen wir ihnen ein Feuer an und geben jedem noch ein St\u00fcckchen Brot, dann gehen wir an unsere Arbeit und lassen sie allein. Sie finden den Weg nicht wieder nach Haus, und wir sind sie los.&#8220; -&#8222;Nein, Frau&#8220;, sagte der Mann, &#8222;das tue ich nicht; wie sollt&#8216; ich&#8217;s \u00fcbers Herz bringen, meine Kinder im Walde allein zu lassen? Die wilden Tiere w\u00fcrden bald kommen und sie zerrei\u00dfen.&#8220; &#8211; &#8222;Oh, du Narr&#8220;&#8218; sagte sie, &#8222;dann m\u00fcssen wir alle vier Hungers sterben, du kannst nun gleich die Bretter f\u00fcr die S\u00e4rge hobeln&#8220;, und lie\u00df ihm keine Ruhe, bis er einwilligte. &#8222;Aber die armen Kinder dauern mich doch&#8220;, sagte der Mann.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die zwei Kinder hatten vor Hunger auch nicht einschlafen k\u00f6nnen und hatten geh\u00f6rt, was die Stiefmutter zum Vater gesagt hatte. Gretel weinte bittere Tr\u00e4nen und sprach zu H\u00e4nsel, &#8222;Nun ist&#8217;s um uns geschehen.&#8220; &#8211; &#8222;Still, Gretel&#8220;, sprach H\u00e4nsel, &#8222;gr\u00e4me dich nicht, ich will uns schon helfen.&#8220; Und als die Alten eingeschlafen waren, stand er auf, zog sein R\u00f6cklein an, machte die Untert\u00fcr auf und schlich sich hinaus. Da schien der Mond ganz hell, und die wei\u00dfen Kieselsteine, die vor dem Hause lagen, gl\u00e4nzten wie lauter Batzen. H\u00e4nsel b\u00fcckte sich und steckte so viele in sein Rockt\u00e4schlein, als nur hinein wollten. Dann ging er wie der zur\u00fcck, sprach zu Gretel: &#8222;Sei getrost, liebes Schwesterchen, und schlaf&#8216; nur ruhig ein, Gott wird uns nicht verlassen&#8220;, und legte sich wieder in sein Bett.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als der Tag anbrach, noch ehe die Sonne aufgegangen war, kam schon die Frau und weckte die beiden Kinder. &#8222;Steht auf, ihr Faulenzer, wir wollen in den Wald gehen und Holz holen!&#8220; Dann gab sie jedem ein St\u00fcckchen Brot und sprach: &#8222;Da habt ihr etwas f\u00fcr den Mittag, aber esst&#8217;s nicht vorher auf, weiter kriegt ihr nichts.&#8220; Gretel nahm das Brot unter die Sch\u00fcrze, weil H\u00e4nsel die Steine in der Tasche hatte. Danach machten sie sich alle zusammen auf den Weg nach dem Walde. Als sie ein Weilchen gegangen waren, stand H\u00e4nsel still und guckte nach dem Haus zur\u00fcck und tat das wieder und immer wieder, Der Vater sprach: &#8222;H\u00e4nsel, was guckst du da und bleibst zur\u00fcck? Hab&#8216; acht und vergiss deine Beine nicht.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Ach, Vater&#8220;, sagte H\u00e4nsel, &#8222;ich sehe nach meinem wei\u00dfen K\u00e4tzchen, das sitzt oben auf dem Dache und will mir Ade sagen.&#8220; Die Frau sprach: &#8222;Narr, das ist dein K\u00e4tzchen nicht, das ist die Morgensonne, die auf den Schornstein scheint.&#8220; H\u00e4nsel aber hatte nicht nach dem K\u00e4tzchen gesehen, sondern immer einen von den blanken Kieselsteinen aus seiner Tasche auf den Weg geworfen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als sie mitten in den Wald gekommen waren, sprach der Vater: &#8222;Nun sammelt Holz, ihr Kinder, ich will ein Feuer anmachen, damit ihr nicht friert.&#8220; H\u00e4nsel und Gretel trugen Reisig zusammen, einen kleinen Berg hoch. Das Reisig ward angez\u00fcndet, und als die Flamme recht hoch brannte, sagte die Frau&#8216;. &#8222;Nun legt euch ans Feuer, Kinder, und ruht euch aus, wir gehen in den Wald und hauen Holz. Wenn wir fertig sind, kommen wir und holen euch ab.&#8220;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">H\u00e4nsel und Gretel sa\u00dfen am Feuer, und als der Mittag kam, a\u00df jedes sein St\u00fccklein Brot. Und weil sie die Schl\u00e4ge der Holzaxt h\u00f6rten, so glaubten sie, ihr Vater w\u00e4re in der N\u00e4he. Es war aber nicht die Holzaxt, es war ein Ast, den er an einen d\u00fcrren Baum gebunden hatte und den der Wind hin und her schlug. Und als sie so lange gesessen hatten, fielen ihnen die Augen vor M\u00fcdigkeit zu, und sie schliefen fest ein. Als sie endlich erwachten, war es schon finstere Nacht. Gretel fing an zu weinen und sprach: &#8222;Wie sollen wir nun aus dem Walde kommen?&#8220; H\u00e4nsel aber tr\u00f6stete sie: &#8222;Wart&#8216; nur ein Weilehen, bis der Mond aufgegangen ist, dann wollen wir den Weg schon finden.&#8220; Und als der volle Mond heraufgestiegen war, nahm H\u00e4nsel sein Schwesterchen an der Hand und ging den Kieselsteinen nach; die schimmerten wie neugeschlagene Batzen und zeigten ihnen den Weg. Sie gingen die ganze Nacht hindurch und kamen bei anbrechendem Tag wieder zu ihres Vaters Haus. Sie klopften an die T\u00fcr, und als die Frau aufmachte und sah, dass es H\u00e4nsel und Gretel waren, sprach sie: &#8222;Ihr b\u00f6sen Kinder, was habt ihr so lange im Walde geschlafen, wir haben geglaubt, ihr wolltet gar nicht wiederkommen.&#8220; Der Vater aber freute sich, denn es war ihm zu Herzen gegangen, dass er sie so allein zur\u00fcckgelassen hatte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nicht lange danach war wieder Not in allen Ecken, und die Kinder h\u00f6rten wie die Mutter nachts im Bette zu dem Vater sprach: &#8222;Alles ist wieder aufgezehrt; wir haben noch einen halben Laib Brot, hernach hat das Lied ein Ende. Die Kinder m\u00fcssen fort, wir wollen sie tiefer in den Wald hineinf\u00fchren, damit sie den Weg nicht wieder herausfinden; es ist sonst keine Rettung f\u00fcr uns.&#8220; Dem Manne fiel&#8217;s schwer aufs Herz, und er dachte: &#8222;Es w\u00e4re besser, dass du den letzten Bissen mit deinen Kindern teiltest.&#8220; Aber die Frau h\u00f6rte auf nichts, was er sagte, schalt ihn und machte ihm Vorw\u00fcrfe. Wer A sagt, muss auch B sagen, und weil er das erste mal nachgegeben hatte, musste er&#8217;s auch das zweitemal.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die Kinder waren aber noch wach gewesen und hatten das Gespr\u00e4ch mit-angeh\u00f6rt. Als die Alten schliefen, stand H\u00e4nsel wieder auf, wollte hinaus und Kieselsteine auflesen wie das vorige Mal, aber die Frau hatte die T\u00fcr verschlossen, und H\u00e4nsel konnte nicht hinaus. Aber er tr\u00f6stete sein Schwesterchen und sprach:<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Weine nicht, Gretel, schlaf&#8216; nur ruhig, der liebe Gott wird uns schon helfen.&#8220; Am fr\u00fchen Morgen kam die Frau und holte die Kinder aus dem Bett. Sie erhielten ihr St\u00fcckchen Brot, das war aber noch kleiner als das vorige Mal. Auf dem Wege nach dem Walde br\u00f6ckelte es H\u00e4nsel in der Tasche, stand oft still und warf ein Br\u00f6cklein auf die Erde. &#8222;H\u00e4nsel, was stehst du und guckst dich um?&#8220; sagte der Vater, &#8222;geh&#8216; deiner Wege.&#8220; &#8211; &#8222;Ich sehe nach meinem T\u00e4ubchen, das Sitzt auf dem Dache und will mir Ade sagen&#8220;, antwortete H\u00e4nsel.&#8220; Narr&#8220;, sagte die Frau, &#8222;das ist dein T\u00e4ubchen nicht, das ist die Morgensonne, die auf den Schornstein oben scheint.&#8220; H\u00e4nsel aber warf nach und nach alle Br\u00f6cklein auf den Weg.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die Frau f\u00fchrte die Kinder noch tiefer in den Wald, wo sie ihr Lebtag noch nicht gewesen waren. Da ward wieder ein gro\u00dfes Feuer angemacht, und die Mutter sagte: &#8222;Bleibt nur da sitzen, ihr Kinder, und wenn ihr m\u00fcde seid, k\u00f6nnt ihr ein wenig schlafen; wir gehen in den Wald und hauen Holz, und abends, wenn wir fertig sind, kommen wir und holen euch ab.&#8220; Als es Mittag war, teilte Gretel ihr Brot mit H\u00e4nsel, der sein St\u00fcck auf den Weg gestreut hatte Dann schliefen sie ein, und der Abend verging, aber niemand kam zu den armen Kindern. Sie erwachten erst in der finsteren Nacht, und H\u00e4nsel tr\u00f6stete sein Schwesterchen und sagte: &#8222;Wart&#8216; nur, Gretel, bis der Mond aufgeht, dann werden wir die Brotbr\u00f6cklein sehen, die ich ausgestreut habe, die zeigen uns den Weg nach Haus.&#8220; Als der Mond kam, machten sie sich auf, aber sie fanden kein Br\u00f6cklein mehr, denn die vieltausend V\u00f6gel, die im Walde und im Felde umherfliegen, die hatten sie weggepickt. H\u00e4nsel sagte zu Gretel: &#8222;Wir werden den Weg schon finden&#8220;; aber sie fanden ihn nicht. Sie gingen die ganze Nacht und noch einen Tag vom Morgen bis zum Abend, aber sie kamen nicht aus dem Wald hinaus und waren so hungrig, denn sie hatten nichts als die paar Beeren, die auf der Erde standen. Und weil sie so m\u00fcde waren, dass die Beine sie nicht mehr tragen wollten, legten sie sich unter einen Baum und schliefen ein.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nun war&#8217;s schon der dritte Morgen, dass sie ihres Vaters Haus verlassen hatten. Sie fingen wieder an zu gehen, aber sie gerieten immer tiefer in den Wald hinein, und wenn nicht bald Hilfe kam, mussten sie verschmachten. Als es Mittag war, sahen sie ein sch\u00f6nes, schneewei\u00dfes V\u00f6glein auf einem Aste sitzen, das sang so sch\u00f6n, dass sie stehen blieben und ihm zuh\u00f6rten. Und als es fertig war, schwang es seine Fl\u00fcgel und flog vor ihnen her, und sie gingen ihm nach, bis sie zu einem H\u00e4uschen gelangten, auf dessen Dach es sich setzte, und als sie ganz nah hinkamen, sahen sie, das das H\u00e4uslein aus Brot gebaut war und mit Kuchen gedeckt; aber die Fenster waren von hellem Zucker. &#8222;Da wollen wir uns dranmachen&#8220;, sprach H\u00e4nsel, &#8222;und eine gesegnete Mahlzeit halten. Ich will ein St\u00fcck vom Dach essen, Gretel, du kannst vom Fenster essen, das schmeckt s\u00fc\u00df.&#8220; H\u00e4nsel langte in die H\u00f6he und brach sich ein wenig vom Dach ab, um zu versuchen, wie es schmeckte, und Gretel stellte sich an die Scheibe und knusperte daran. Da rief eine feine Stimme aus der Stube heraus:<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Knusper, knusper, kneischen,<br>\nWer knuspert an meinem H\u00e4uschen?&#8220;<br>\nDie Kinder antworteten:<br>\n&#8222;Der Wind, der Wind, Das himmlische Kind&#8220;, <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">und a\u00dfen weiter, ohne sich irre machen zu lassen. H\u00e4nsel, dem das Dach sehr gut schmeckte, riss ein gro\u00dfes St\u00fcck davon herunter, und Gretel stie\u00df eine ganz runde Fensterscheibe heraus, setzte sich nieder und tat sich wohl damit. Da ging auf einmal die T\u00fcr auf, und eine steinalte Frau, die sich auf eine Kr\u00fccke st\u00fctzte, kam herausgeschlichen. H\u00e4nsel und Gretel erschraken so gewaltig, dass sie fallen lie\u00dfen, was sie in den H\u00e4nden hielten. Die Alte aber wackelte mit dem Kopfe und sprach: &#8222;Ei, ihr lieben Kinder, wer hat euch hierher gebracht? Kommt nur herein und bleibt bei mir, es geschieht euch kein Leid.&#8220; Sie fasste beide an der Hand und f\u00fchrte sie in ihr H\u00e4uschen. Da ward gutes Essen aufgetragen, Milch und Pfannkuchen mit Zucker, \u00c4pfel und N\u00fcsse. Hernach wurden zwei sch\u00f6ne Bettlein wei\u00df gedeckt, und H\u00e4nsel und Gretel legten sich hinein und meinten, sie w\u00e4ren im Himmel. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die Alte hatte sich nur so freundlich angestellt, sie war aber eine b\u00f6se Hexe, die den Kindern auflauerte, und hatte das Broth\u00e4uschen blo\u00df gebaut, um sie herbeizulocken. Wenn eins in ihre Gewalt kam, machte sie es tot, kochte und a\u00df es, und das war ihr Festtag. Die Hexen haben rote Augen und k\u00f6nnen nicht weit sehen, aber sie haben eine feine Witterung wie die Tiere und merken&#8217;s, wenn Menschen herankommen. Als H\u00e4nsel und Gretel in ihre N\u00e4he kamen, da lachte sie boshaft und sprach h\u00f6hnisch: &#8222;Die habe ich, die sollen mir nicht wieder entwischen.&#8220; Fr\u00fchmorgens, ehe die Kinder erwacht waren, stand sie schon auf, und als sie beide so lieblich ruhen sah, mit den vollen roten Backen, so murmelte sie vor sich hin: Das wird ein guter Bissen werden!&#8220; Da packte sie H\u00e4nsel mit ihrer d\u00fcrren Hand, trug ihn in einen kleinen Stall und sperrte ihn mit einer Gittert\u00fcr ein; er mochte schreien, wie er wollte, es half ihm nichts. Dann ging sie zur Gretel, r\u00fcttelte sie wach~ und rief: &#8222;Steh auf, Faulenzerin, trag&#8216; Wasser und koch&#8216; deinem Bruder etwas Gutes, der sitzt drau\u00dfen im Stall und soll fett werden. Wenn er fett ist, will ich ihn essen.&#8220; Gretel fing bitterlich zu weinen an; aber es war alles vergeblich, sie musste tun, was die b\u00f6se Hexe verlangte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nun ward dem armen H\u00e4nsel das beste Essen gekocht, aber Gretel bekam nichts als Krebsschalen. Jeden Morgen schlich die Alte zu dem St\u00e4llchen und rief:<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;H\u00e4nsel, streck&#8216; deine Finger heraus, damit ich f\u00fchle, ob du bald fett bist!&#8220; H\u00e4nsel streckte ihr aber ein Kn\u00f6chlein hinaus, und die Alte, die tr\u00fcbe Augen hatte, konnte es nicht sehen und meinte, es w\u00e4ren H\u00e4nsels Finger, und verwunderte sich, dass er gar nicht fett werden wollte. Als vier Wochen herum waren und H\u00e4nsel immer mager blieb, da \u00fcbermannte sie die Ungeduld, und sie wollte nicht l\u00e4nger warten. &#8222;Heda&#8216; Gretel&#8220;, rief sie dem M\u00e4dchen zu, &#8222;sei flink und trag Wasser! H\u00e4nsel mag fett oder mager sein, morgen will ich ihn schlachten und kochen.&#8220; Ach, wie jammerte das arme Schwesterchen, als es das Wasser tragen musste, und wie flossen ihm die Tr\u00e4nen \u00fcber die Backen herunter! &#8222;Lieber Gott, hilf uns doch&#8220;, rief sie aus, &#8222;h\u00e4tten uns nur die wilden Tiere im Wald gefressen, so w\u00e4ren wir doch zusammen gestorben!&#8220; &#8222;Spar&#8216; nur dein Gepl\u00e4rr&#8220;, sagte die Alte, &#8222;es hilft dir alles nichts.&#8220;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Fr\u00fchmorgens musste Gretel heraus, den Kessel mit Wasser aufh\u00e4ngen und Feuer anz\u00fcnden. &#8222;Erst wollen wir backen&#8220;, sagte die Alte, &#8222;ich habe den Backofen schon eingeheizt und den Teig geknetet!&#8220; Sie stie\u00df das arme Gretel hinaus zu dem Backofen, aus dem die Feuerflammen schon herausschlugen.&#8216;, Kriech&#8216; hinein&#8220;, sagte die Hexe, &#8222;und sieh&#8216; zu, ob recht eingeheizt ist, damit wir das Brot hinein-schie\u00dfen k\u00f6nnen!&#8220; Und wenn Gretel darin war, wollte sie den Ofen zumachen, und Gretel sollte darin braten, und dann wollte sie Gretel auch aufessen. Aber Gretel merkte, was sie vorhatte, und sprach: &#8222;Ich wei\u00df nicht, wie ich&#8217;s machen soll; wie komm&#8216; ich da hinein?&#8220; &#8222;Dumme Gans&#8220;, sagte die Alte, &#8222;die \u00d6ffnung ist gro\u00df genug: siehst du wohl, ich k\u00f6nnte selbst hinein&#8220;, krabbelte heran und steckte den Kopf in den Backofen. Da gab ihr Gretel einen Sto\u00df, dass sie weit hineinfuhr, machte die eiserne T\u00fcr zu und schob den Riegel vor. Hu! da fing sie an zu heulen, ganz grauselig; aber Gretel lief fort, und die gottlose Hexe musste elendig verbrennen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Gretel aber lief schnurstracks zum H\u00e4nsel, \u00f6ffnete sein St\u00e4llchen und rief:<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;H\u00e4nsel, wir sind erl\u00f6st, die alte Hexe ist tot!&#8220; Da sprang H\u00e4nsel heraus wie ein Vogel aus dem K\u00e4fig, wenn ihm die T\u00fcr aufgemacht wird. Wie haben sie sich gefreut, sind sich um den Hals gefallen, sind herumgesprungen und haben sich gek\u00fcsst! Und weil sie sich nicht mehr zu f\u00fcrchten brauchten, gingen sie in das Haus der Hexe hinein, da standen in allen Ecken Kasten mit Perlen und Edelsteinen. &#8222;Die sind noch besser als Kieselsteine&#8220;, sagte H\u00e4nsel und steckte in seine Taschen, was hinein wollte, und Grete sagte &#8222;Ich will auch was mit nach Hause bringen&#8220;, und f\u00fcllte sich sein Sch\u00fcrzchen voll. &#8222;Aber jetzt wollen wir fort&#8220;, sagte H\u00e4nsel, &#8222;damit wir aus dem Hexenwald hinauskommen.&#8220; Als sie aber ein paar Stunden gegangen waren, gelangten sie an ein gro\u00dfes Wasser. &#8222;Wir k\u00f6nnen nicht hin\u00fcber&#8220;, sprach H\u00e4nsel, &#8222;ich seh&#8216; keinen Steg und keine Br\u00fccke.&#8220; &#8222;Hier f\u00e4hrt auch kein Schiffchen&#8220;, antwortete Gretel, &#8222;aber da schwimmt eine wei\u00dfe Ente, wenn ich die bitte, hilft sie uns hin\u00fcber.&#8220; Da rief sie:<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Entchen&#8216; Entehen, <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Da steht Gretel und H\u00e4nsel. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Kein Steg und keine Br\u00fccke, <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nimm uns auf deinen wei\u00dfen R\u00fccken !&#8220;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Das Entchen kam auch heran, und H\u00e4nsel setzte sich auf und bat sein Schwesterchen, sich zu ihm zu setzen. &#8222;Nein&#8220;, antwortete Gretel, &#8222;es wird dem Entchen zu schwer, es soll uns nacheinander hin\u00fcberbringen.&#8220; Das tat das gute Tierchen, und als sie gl\u00fccklich dr\u00fcben waren und ein Weilchen fortwanderten&#8216; da kam ihnen der Wald bekannter und immer bekannter vor und endlich erblickten sie von weitem ihres Vaters Haus. Da fingen sie an zu laufen, st\u00fcrzten in die Stube hinein und fielen ihrem Vater um den Hals. Der Mann hatte keine frohe Stunde gehabt, seitdem er die Kinder im Walde gelassen hatte, die Frau aber war gestorben. Gretel sch\u00fcttelte sein Sch\u00fcrzchen aus, dass die Perlen und Edelsteine in der Stube herumsprangen, und H\u00e4nsel warf eine Handvoll nach der andern aus seiner Tasche dazu. Da hatten alle Sorgen ein Ende, und sie lebten in lauter Freude zusammen <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[87,85],"tags":[],"class_list":["post-628","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gebr-grimm","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/628","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=628"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/628\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4334,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/628\/revisions\/4334"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=628"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=628"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=628"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}