{"id":616,"date":"2015-11-03T22:38:23","date_gmt":"2015-11-03T21:38:23","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=616"},"modified":"2026-01-24T22:37:11","modified_gmt":"2026-01-24T21:37:11","slug":"die-gute-mutter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-gute-mutter\/","title":{"rendered":"Die gute Mutter"},"content":{"rendered":"<p><!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Irgendwann war einmal eine Mutter, die hatte eine kleine Tochter. Die Mutter war sehr arm. Und sie ging daher t\u00e4glich aus dem Haus, um zu arbeiten. Das kleine M\u00e4dchen pflegte sie bei einer Nachbarin zu lassen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">An einem von den Tagen, an denen sie ihre kleine Tochter zur\u00fcckgelassen hatte und zur Arbeit gegangen war, kam eine sehr b\u00f6se Frau durch das Dorf und raubte das Kind. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die Mutter kehrte abends heim und fand nirgends ihr Kind. Sie fing zu weinen und wehklagen an. Da sagt eine andere zu ihr: \u00bbAch wein doch nicht! Es n\u00fctzt ja nichts. Ich glaube, in den Morgenstunden ist hier eine b\u00f6se Frau aus den W\u00e4ldern durchgekommen, und es ist schon m\u00f6glich, dass sie auch dein Kind geholt hat.\u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die Frau brach aber in Weinen und Wehklagen aus, suchte an der einen Stelle herum, suchte an der anderen herum. Sie konnte das Kind nicht finden. Dann lief sie auf die Berge hinauf. Dabei geriet sie in die Dunkelheit. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Sie sieht von weitem Licht, geht auf das Licht zu, geht, geht, bis der Tag wieder kam; da stand sie vor einem Haus, tritt ein und erblickt in einer Ecke eine alte Frau, die dort sa\u00df. Sie sagte der guten Tag, die drehte sich um und sah sie mit wilden, b\u00f6sen Augen an. \u00bbWas willst du?\u00ab fragt sie diese Alte dann auf grobe, barbarische Art. Sie erwidert \u00ad \u00bbIch will mein Kind! Hast du&#8217;s vielleicht gesehen? Kam vielleicht eine Frau hier vorbei, irgendeine, die was trug?\u00ab Darauf sagt die alte Frau: \u00bbSetz dich also hin, und ich werde mit dir reden. Wenn du alle Arbeiten f\u00fcr mich tust, die ich dir auftrage, werd ich dir auch das Haus zeigen, in dem eine Frau mit deinem Kind haust. \u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Hm, der Frau wurde ein wenig leichter zumute, und sie begann, die Arbeiten zu machen. Als erstes knetete sie Teig, machte Feuer im Backofen, buk Brote f\u00fcr die Alte, danach scheuerte sie, t\u00fcnchte dann das Haus wei\u00df wie Milch, wusch die W\u00e4sche der Alten, b\u00fcgelte die W\u00e4sche&#8230; Und dann setzte sich die Frau geduldig, aber in Spannung, vor der Alten hin, damit sie ihr nun den Ort sagt, wo ihr Kind sich bef\u00e4nde. Da spricht die Alte: \u00bbDu musst auf den Berg dort gegen\u00fcber gehen, und dort haust eine wilde, b\u00f6se Frau, die wir alle &gt;Zigeunerin&lt; nennen. Die nun hat vor ihrer T\u00fcr einen an die Kette gebundenen Wolf, der, sobald er einen Menschen wittert, in Geheul ausbricht \u00ad und dann w\u00fcrde die wach und du w\u00fcrdest entdeckt \u00ad und wehe dir, was dann mit dir gesch\u00e4he! Du musst daher, wenn du dorthin l\u00e4ufst, das Messer hier mitnehmen und dir ein St\u00fcckchen aus deinem Schenkel schneiden, aus der Hinterbacke \u00ad das musst du dem Wolf vorwerfen, und dann lauf hinein! Wenn du sie erblickst, und sie hat die Augen offen, so schl\u00e4ft sie, sind ihre Augen zu, schl\u00e4ft sie nicht, und \u00ad sollten sie offen sein \u00ad so ergreifst du dein Kind und machst dich davon!\u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Nun war jene Frau auch mit Freuden imstande, sich ins Bein zu schneiden, um sich f\u00fcr ihr Kind zu opfern. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Sie greift also nach dem Messer und l\u00e4uft auf die Stelle zu, die ihr die Alte gewiesen hatte. Sie lief also. Kaum ist sie dann dem Haus gegen\u00fcber, erblickt sie ein wildes Tier, einen sehr gro\u00dfen Wolf, der ist an die Kette gebunden. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Wie der die Schnauze \u00f6ffnen will, um in Geheul auszubrechen, packt sie das Messer, schneidet sich aus dem Schenkel ein St\u00fcck Fleisch und wirft&#8217;s dem Wolf vor. W\u00e4hrend er es frisst, geht die Frau hinein \u00ad jene hatte die Augen offen \u00ad, l\u00e4dt sich das Kind auf die Schultern und, als sie hinaus auf den Hof kommt, schneidet sie sich ein zweites St\u00fcck aus dem andern Schenkel, wirft&#8217;s dem Wolf vor und rennt hinaus. Sie ist also davon gerannt. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Dann begann sie in die W\u00e4lder zu laufen, in die Berge. Und nun weinte sie auch. Wunden waren ja in ihren Schenkeln, und ihre Kleider wurden im Gestr\u00fcpp zu Fetzen. Als sie weiterlief, schimmerte das Meer. Da erblickt sie eine Barke, die rudert heran. Nun schrie sie: \u00bbSchifflein, mein Schifflein \u00ad Schiffer, mein Schiffer!\u00ab Stunden schrie sie dort. Hin, die Barke war dabei, ans Ufer zu kommen \u00ad so wollen wir sagen \u00ad, und die Stimme wurde geh\u00f6rt, und man beschleunigte den Lauf. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">ja, die Barke kam also ans Gestade, und die Frau machte sich daran, ihr Kind hineinzusetzen, und dann fuhr sie in ihr Dorf hin\u00fcber. Als die Leute aus dem Dorf sie vor Augen bekamen, feierten alle gemeinsam aus lauter Freude ein Fest, und jene feierte noch mehr als die anderen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Ende des M\u00e4rchens!<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85,133],"tags":[],"class_list":["post-616","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-maerchen","category-maerchen-weltweit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/616","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=616"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/616\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":617,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/616\/revisions\/617"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=616"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=616"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=616"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}