{"id":6042,"date":"2026-04-20T02:22:30","date_gmt":"2026-04-20T00:22:30","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=6042"},"modified":"2026-04-20T02:22:46","modified_gmt":"2026-04-20T00:22:46","slug":"der-richter-und-der-teufel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-richter-und-der-teufel\/","title":{"rendered":"Der Richter und der Teufel"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der Richter und der Teufel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>In einer Stadt sa\u00df ein Mann, der hatte alle Kisten voll Geld und Gut, er selbst aber war voll aller Laster, so schlimm war er, dass es die Leute schier Wunders d\u00fcnkte, dass ihn die Erde nicht verschlang. Dieser Mann war noch dazu ein Richter, das hei\u00dft ein Richter, der aller Ungerechtigkeit voll war. An einem Markttage ritt er des Morgens aus, seinen sch\u00f6nen Weingarten zu sehen, da trat der Teufel auf dem Heimweg ihn an, in reichen Kleidern und wie ein gar vornehmer Herr gestaltet. Da der Richter nicht wusste, wer dieser Fremdling war, und solches doch gern wissen mochte, so fragte er ihn nicht eben h\u00f6flich, wer und von wannen er sei. Der Teufel antwortete: &#8222;Euch ist besser, wenn Ihr&#8217;s nicht wisset, wer und woher ich bin!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Hoho!&#8220; fuhr der Richter heraus, &#8222;seid wer Ihr wollt, so muss ich&#8217;s wissen, oder Ihr seid verloren, denn ich bin der Mann, der hier Gewalt hat, und wenn ich Euch dies und das zu Leide tue, so ist niemand, der es mir wehren wird und kann. Ich nehm Euch Leib und Gut, wenn Ihr mir nicht auf meine Frage Bescheid gebt!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Steht es so schlimm&#8220;, antwortete der Arge, &#8222;so muss ich Euch wohl meinen Namen und mein Gekommen offenbaren; ich bin der Teufel.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Hm!&#8220; brummte der Richter, &#8222;und was ist hier deines Gewerbes, das will ich auch wissen?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Schau, Herr Richter&#8220;, antwortete der B\u00f6se, &#8222;mir ist Macht gegeben, heute in diese Stadt zu gehen und das zu nehmen, was mir in vollem Ernst gegeben wird.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wohlan!&#8220; versetzte der Richter, &#8222;tue also, aber lass mich dessen Zeuge sein, dass ich sehe, was man dir geben wird!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Fordre das nicht, dabei zu sein, wenn ich nehme, was mir beschieden wird&#8220;, widerriet der Teufel dem Richter; dieser aber hub an, den F\u00fcrsten der H\u00f6lle mit m\u00e4chtigen Bannworten zu beschw\u00f6ren, und sprach: &#8222;Ich gebiete und befehle dir bei Gott und allen Gottes Geboten, bei Gottes Gewalt und G\u00f6ttes Zorn, und bei allem, was dich und deine Genossen bindet, und bei dem ewigen Gerichte Gottes, dass du vor meinem Angesicht, und anders nicht, nehmest, was man dir ernstlich geben wird.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Teufel erschrak, dass er zitterte bei diesen f\u00fcrchterlichen Worten, und machte ein ganz verdrie\u00dfliches Gesicht, sprach auch: &#8222;Ei, so wollte ich, dass ich das Leben nicht h\u00e4tte! Du bindest mich mit einem so starken Band, dass ich kaum jemals in gr\u00f6\u00dferer Klemme war. Ich gebe dir aber mein Wort als F\u00fcrst der H\u00f6lle, das ich als solcher niemals breche, dass es dir nicht zum Frommen dient, wenn du auf deinem Sinn bestehst. Stehe ab davon!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Nein, ich stehe nicht ab davon!&#8220; rief der Richter. &#8222;Was mir auch darum geschehe, das muss ich \u00fcber mich ergehen lassen; ich will jenes nun einmal sehen! Und sollt es mir an das Leben gehn!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Nun gingen beide, der Richter und der Teufel, miteinander auf den Markt, wo gerade Markttag war, daher viel Volks versammelt, und \u00fcberall bot man dem Richter und seinem Begleiter, von dem niemand wusste, wer er sei, volle Becher und hie\u00df sie Bescheid tun. Der Richter tat das auch nach seiner Gewohnheit und reichte auch dem Teufel eine Kanne, dieser aber nahm den Trunk nicht an, weil er wohl wusste, dass es des Richters Ernst nicht war.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun geschah es von ungef\u00e4hr, dass eine Frau ein Schwein daher trieb, welches nicht nach ihrem Willen ging, sondern die Kreuz die Quere, da schrie die zornige Frau im h\u00f6chsten Arger dem Schwein zu: &#8222;Ei, so geh zum Teufel, dass dich der mit Haut und Haar hole!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;H\u00f6rst du, Geselle?&#8220; rief der Richter dem Teufel zu. &#8222;Jetzt greife hin und nimm das Schwein.&#8220; Aber der Teufel antwortete: &#8222;Es ist leider der Frau nicht Ernst mit ihrem Wort. Sie w\u00fcrde ein ganzes Jahr lang trauern und sich gr\u00e4men, n\u00e4hme ich ihr das Schwein. Nur was mir im Ernste gegeben wird, das darf ich nehmen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnliches geschah bald hernach mit einer Frau und einem Kind. Das letztere ging auch nicht so, wie die Frau es lenken wollte, so dass sie auch zu schreien begann: &#8222;Hole dich der Teufel, und drehe dir den Hals um!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;H\u00f6rst du, Geselle?&#8220; fragte da wieder der Richter. &#8222;Das Kind ist dein, h\u00f6rst du nicht, dass man es dir ernstlich gibt?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;O nein, es ist auch nicht ihr Ernst!&#8220; antwortete der Teufel. &#8222;Sie w\u00fcrde bitterlich wehklagen, n\u00e4hme ich sie beim Wort, und das Kind nicht fahren lassen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt sahen beide eine Frau, die hatte viel mit einem Kinde zu schaffen, welches heftig schrie und sich sehr unartig geb\u00e4rdete, so dass die Frau voll Unwillens war und ausrief: &#8222;Willst du mir nicht folgen, so nehme dich der b\u00f6se Feind, du Balg!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Nun, nimmst du auch nicht das Kind?&#8220; fragte der Richter ganz verwundert, und der Teufel antwortete: &#8222;Ich habe des keine Macht, das Kindlein zu nehmen. Diese Frau n\u00e4hme nicht zehn, nicht hundert und nicht tausend Pfund und g\u00f6nnte mir im Ernst das Kind; wie gern ich&#8217;s auch n\u00e4hme, darf ich doch nicht, denn es ist nicht der Frau rechter Ernst.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Nun kamen die beiden recht mitten auf den Markt, wo das dichteste Volksgedr\u00e4nge war, da mussten sie ein wenig stille stehen und konnten nicht durch das Gewimmel und Get\u00fcmmel schreiten. Da wurde eine Frau des Richters ansichtig, die war arm und alt und krank und trug ein gro\u00dfes Ungemach; sie begann laut zu weinen und zu schreien und lie\u00df vor allem Volk folgende heftige Rede vernehmen: &#8222;Weh \u00fcber dich, Richter! Weh \u00fcber dich, dass du so reich bis und ich so arm bin; du hast mir ohne Schuld, g\u00f6ttliche und menschliche Barmherzigkeit verleugnend, mein einziges K\u00fchlein genommen, das mich ern\u00e4hrte, von dem ich meinen ganzen Unterhalt hatte. Weh \u00fcber dich, der du es mir genommen hast! Ich flehe und schreie zu Gott, dass er durch seinen Tod und bitteres Leiden, die er f\u00fcr die Menschheit und f\u00fcr uns arme S\u00fcnder trug, meine Bitte gew\u00e4hre, und die ist, dass deinen Leib und deine Seele der Teufel zur H\u00f6lle f\u00fchre!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Auf diese Rede tat der Richter weder Sage noch Frage, aber der Teufel fuhr ihn h\u00f6hnisch an und sprach: &#8222;Siehst du, Richter, das ist Ernst, und den sollst du gleich gewahr werden!&#8220; Damit streckte der Teufel seine Krallen aus, nahm den Richter beim Schopf und fuhr mit ihm durch die L\u00fcfte von dannen, wie der Geier mit einem Huhn. Alles Volk erschrak und staunte, und weise M\u00e4nner sprachen die Lehre aus:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">&#8222;Es ist ein unweiser Rat,<br>Der mit dem Teufel umgaht.<br>Wer gern mit ihm umf\u00e4hrt,<br>Dem wird ein b\u00f6ser Lohn beschert.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Richter und der Teufel In einer Stadt sa\u00df ein Mann, der hatte alle Kisten voll Geld und Gut, er selbst aber war voll aller Laster, so schlimm war er, dass es die Leute schier Wunders d\u00fcnkte, dass ihn die Erde nicht verschlang. Dieser Mann war noch dazu ein Richter, das hei\u00dft ein Richter, der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5758,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85,204],"tags":[],"class_list":["post-6042","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-maerchen","category-unbekannt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6042","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6042"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6042\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6043,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6042\/revisions\/6043"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5758"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6042"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6042"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6042"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}