{"id":6040,"date":"2026-04-20T02:19:42","date_gmt":"2026-04-20T00:19:42","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=6040"},"modified":"2026-04-20T02:19:47","modified_gmt":"2026-04-20T00:19:47","slug":"der-reisekamerad","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-reisekamerad\/","title":{"rendered":"Der Reisekamerad"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der Reisekamerad<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hans Christian Andersen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Der arme Johannes war tiefbetr\u00fcbt, denn sein Vater war sehr krank und konnte nicht genesen. Au\u00dfer den Beiden war Niemand in dem kleinen Zimmer; die Lampe auf dem Tische war dem Erl\u00f6schen nahe, und es war sp\u00e4t Abends.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu warst ein guter Sohn, Johannes!\u201c sagte der kranke Vater, \u201eder liebe Gott wird Dir schon in der Welt forthelfen!\u201c Er sah ihn mit ernsten, milden Augen an, holte tief Atem und starb; es war gerade, als ob er schliefe. Aber Johannes weinte; nun hatte er gar Niemand in der ganzen Welt, weder Vater noch Mutter, Schwester oder Bruder. Der arme Johannes! Er lag vor dem Bette auf seinen Knien und k\u00fcsste des toten Vaters Hand und weinte viele bittere Tr\u00e4nen; aber zuletzt schlossen sich seine Augen und er schlief ein mit dem Haupte auf dem harten Bettpfosten. Da tr\u00e4umte ihm ein sonderbarer Traum; er sah, wie Sonne und Mond sich vor ihm neigten, und er erblickte seinen Vater frisch und gesund und h\u00f6rte ihn lachen, wie er immer lachte, wenn er recht froh war. Ein sch\u00f6nes M\u00e4dchen mit einer goldenen Krone auf ihrem langen, gl\u00e4nzenden Haar reichte Johannes die Hand, und sein Vater sagte: \u201eSiehst Du, was f\u00fcr eine Braut Du erhalten hast! Sie ist die sch\u00f6nste in der ganzen Welt!\u201c Da erwachte er, und alle Herrlichkeit war vorbei, sein Vater lag tot und kalt im Bette, es war Niemand bei ihm. Der arme Johannes!<\/p>\n\n\n\n<p>In der folgenden Woche wurde der Tote begraben; Johannes ging dicht hinter dem Sarge und konnte nun den guten Vater nicht mehr zu sehen bekommen, der ihn so geliebt hatte; er h\u00f6rte, wie man die Erde auf den Sarg hinunterwarf, sah noch die letzte Ecke desselben, aber bei der n\u00e4chsten Schaufel Erde, welche hinabgeworfen wurde, war auch sie verschwunden. Da war es gerade, als wollte sein Herz in St\u00fccke zerspringen, so betr\u00fcbt war er. Man sang noch am Grabe einen Psalm, was sehr sch\u00f6n klang, und die Tr\u00e4nen traten unserm Johannes in die Augen, er weinte, und das tat seiner Trauer wohl. Die Sonne schien herrlich auf die gr\u00fcnen B\u00e4ume, gerade als wollten sie sagen: \u201eDu musst nicht so betr\u00fcbt sein, Johannes! Siehst Du, wie sch\u00f6n blau der Himmel ist! Dort oben ist nun Dein Vater und bittet den lieben Gott, dass es Dir allezeit wohl ergehen m\u00f6ge!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch will auch immer gut sein!\u201c sagte Johannes. \u201eDann komme ich zu meinem Vater, und was wird das f\u00fcr eine Freude werden, wenn wir uns wiedersehen! Wie viel werde ich ihm dann erz\u00e4hlen k\u00f6nnen, und er wird mir viele Sachen zeigen, mich \u00fcber die Herrlichkeit im Himmel belehren, gerade wie er mich auf Erden unterrichtete. O, was wird das f\u00fcr eine Freude werden!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Johannes dachte sich das so deutlich, dass er dabei l\u00e4chelte, w\u00e4hrend die Tr\u00e4nen ihm noch \u00fcber die Wangen liefen. Die kleinen V\u00f6gel sa\u00dfen oben in den Kastanienb\u00e4umen und zwitscherten: \u201eQuivit, quivit!\u201c Sie waren munter, obgleich sie mit beim Begr\u00e4bnisse waren, aber sie wussten wohl, dass der tote Mann oben im Himmel war, Fl\u00fcgel hatte, weit sch\u00f6nere und gr\u00f6\u00dfere als die ihrigen und dass er gl\u00fccklich sei, weil er hier auf Erden gut gewesen war, und dar\u00fcber waren sie vergn\u00fcgt. Johannes sah, wie sie von den gr\u00fcnen B\u00e4umen weit in die Welt hinaus flogen, und da bekam er Lust mitzufliegen. Aber zuerst machte er ein gro\u00dfes Kreuz von Holz, um es auf seines Vaters Grab zu setzen, und als er es am Abend dahin brachte, war das Grab mit Sand und Blumen geschm\u00fcckt; das hatten fremde Leute getan, denn sie hielten alle viel von dem lieben Vater, der nun tot war.<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fch am n\u00e4chsten Morgen packte Johannes sein kleines B\u00fcndel zusammen und verwahrte in seinem G\u00fcrtel sein ganzes Erbteil, welches f\u00fcnfzig Taler und ein paar Pfennige betrug; damit wollte er in die Welt hinauswandern. Aber zuerst ging er nach dem Kirchhofe zu seines Vaters Grab, betete ein Vaterunser und sagte: \u201eLebe wohl, Du lieber Vater! Ich will immer ein guter Mensch sein, darum bitte ich den lieben Gott, dass es mir wohl ergehe!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Drau\u00dfen auf dem Felde, wo Johannes ging, standen alle Blumen frisch und sch\u00f6n in dem warmen Sonnenschein, und sie nickten im Winde, gerade als wollten sie sagen: \u201eWillkommen im Gr\u00fcnen! Ist es hier nicht sch\u00f6n?\u201c Aber Johannes wendete sich noch einmal zur\u00fcck, um die alte Kirche zu betrachten, wo er als kleines Kind getauft worden, wo er jeden Sonntag mit seinem Vater zum Gottesdienst gewesen war und die sch\u00f6nen Lieder gesungen hatte; da sah er hoch oben in einer \u00d6ffnung des Turms den Kirchenkobold mit seiner kleinen, roten M\u00fctze stehen, das Antlitz mit dem gebogenen Arm beschattend, da ihm sonst die Sonne in die Augen stach. Johannes nickte ihm Lebewohl zu, und der kleine Kobold schwenkte seine rote M\u00fctze, legte die Hand auf das Herz und warf ihm viele Kussh\u00e4nde zu, um zu zeigen, wie er ihm Gutes und namentlich eine recht gl\u00fcckliche Reise w\u00fcnsche.<\/p>\n\n\n\n<p>Johannes dachte daran, wie viel Sch\u00f6nes er nun in der gro\u00dfen Welt zu sehen bekommen werde, und ging weiter, so weit, als er fr\u00fcher nie gewesen war; er kannte die Orte gar nicht, durch die er kam, oder die Menschen, denen er begegnete; er war in der Fremde.<\/p>\n\n\n\n<p>Die erste Nacht musste er sich auf einen Heuschober auf dem Felde schlafen legen, ein anderes Bett hatte er nicht. Aber das war gerade h\u00fcbsch, meinte er, der K\u00f6nig k\u00f6nnte es nicht besser haben. Das ganze Feld mit dem Flusse, der Heuschober und der blaue Himmel dar\u00fcber, das war gerade eine sch\u00f6ne Schlafkammer. Das gr\u00fcne Gras mit den kleinen, roten und wei\u00dfen Blumen war die Fu\u00dfdecke, die Fliederb\u00fcsche und die wilden Rosenhecken waren Blumenstr\u00e4u\u00dfe, und zum Waschbecken diente ihm der ganze Fluss mit dem klaren, frischen Wasser, wo das Schilf sich neigte und ihm guten Abend wie guten Morgen bot. Der Mond war eine gro\u00dfe Nachtlampe, hoch oben unter der Decke, der z\u00fcndete die Vorh\u00e4nge nicht an mit seinem Feuer; Johannes konnte ganz ruhig schlafen, er tat es auch und erwachte erst wieder, als die Sonne aufging und alle die kleinen Vogel ringsumher sangen: \u201eGuten Morgen! Guten Morgen! Bist Du noch nicht auf?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Glocken l\u00e4uteten zur Kirche, es war Sonntag. Die Leute gingen hin, den Prediger zu h\u00f6ren, und Johannes folgte ihnen, sang das geistliche Lied mit und h\u00f6rte Gottes Wort; es war ihm gerade, als w\u00e4re er in der Kirche, in der er getauft worden war, wo er Psalmen mit seinem Vater gesungen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Drau\u00dfen auf dem Kirchhofe waren viele Gr\u00e4ber und auf einigen wuchs hohes Gras. Da dachte Johannes an seines Vaters Grab, welches am Ende auch so aussehen werde, wie diese, da er es nicht rein halten und schm\u00fccken konnte. Er setzte sich also nieder und riss das Gras ab, richtete die Holzkreuze auf, welche umgefallen waren, und legte die Kr\u00e4nze, die der Wind vom Grabe fortgerissen hatte, wieder auf ihre Stelle, indem er dachte: \u201eVielleicht tut Jemand dasselbe an meines Vaters Grab, nun ich es nicht tun kann!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Drau\u00dfen vor der Kirchhofst\u00fcr stand ein alter Bettler und st\u00fctzte sich auf seine Kr\u00fccke! Johannes gab ihm die Pfennige, die er hatte, und ging dann gl\u00fccklich und vergn\u00fcgt weiter fort, in die weite Welt hinaus.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen Abend wurde es ein erschrecklich b\u00f6ses Wetter. Johannes sputete sich, unter Dach zu gelangen, aber es wurde bald finstere Nacht, da erreichte er endlich eine kleine Kirche, die ganz einsam auf einem kleinen H\u00fcgel lag; die T\u00fcr stand zum Gl\u00fcck nur angelehnt, und er schl\u00fcpfte hinein; hier wollte er bleiben, bis das b\u00f6se Wetter sich gelegt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHier will ich mich in einen Winkel setzen\u201c, sagte er; \u201eich bin ganz erm\u00fcdet und bedarf wohl der Ruhe.\u201c Dann setzte er sich nieder, faltete seine H\u00e4nde und betete sein Abendgebet, und bevor er es wusste schlief und tr\u00e4umte er, w\u00e4hrend es drau\u00dfen blitzte und donnerte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er wieder erwachte, war es mitten in der Nacht, aber das b\u00f6se Wetter war vor\u00fcbergezogen und der Mond schien durch die Fenster zu ihm herein. Mitten in der Kirche stand ein offener Sarg mit einem toten Mann darin, denn er war noch nicht begraben. Johannes war durchaus nicht furchtsam, denn er hatte ein gutes Gewissen und wusste wohl, dass die Toten Niemand etwas zu Leide tun; es sind lebende b\u00f6se Menschen, die \u00dcbels tun. Solche zwei lebende, schlimme Leute standen dicht bei dem toten Mann, der hier in die Kirche hineingesetzt war, bevor er beerdigt wurde; dem wollten sie \u00dcbels erweisen, ihn nicht in seinem Sarge liegen lassen, sondern ihn drau\u00dfen vor die Kircht\u00fcr werfen, den armen, toten Mann.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWeshalb wollt Ihr das tun?\u201c fragte Johannes. \u201eDas ist b\u00f6se und schlimm; lasst ihn in Jesu Namen ruhen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eO, Schnickschnack!\u201c sagten die beiden h\u00e4sslichen Menschen. \u201eEr hat uns angef\u00fchrt! Er schuldet uns Geld, das konnte er nicht bezahlen, und nun, da er tot ist, bekommen wir keinen Pfennig; deshalb wollen wir uns r\u00e4chen, er soll wie ein Hund drau\u00dfen vor der Kircht\u00fcr liegen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch habe nicht mehr als f\u00fcnfzig Taler,\u201c sagte Johannes, \u201edas ist mein ganzes Erbteil, aber das will ich Euch gern geben, wenn Ihr mir ehrlich versprechen Wollt, den armen, toten Mann in Ruhe zu lassen. Ich werde schon durchkommen ohne das Geld; ich habe starke, gesunde Gliedma\u00dfen, und der liebe Gott wird mir allezeit helfen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa,\u201c sagten die h\u00e4sslichen Menschen, \u201ewenn Du seine Schuld bezahlen willst, wollen wir beide ihm nichts tun, darauf kannst Du Dich verlassen!\u201c Sie nahmen das Geld, welches ihnen Johannes gab, lachten laut auf \u00fcber seine Gutm\u00fctigkeit und gingen ihres Weges; Johannes aber legte die Leiche wieder im Sarge zurecht, faltete ihre H\u00e4nde, nahm Abschied von ihr und ging dann durch den gro\u00dfen Wald zufrieden weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Ringsumher, wo der Mond durch die B\u00e4ume hereinscheinen konnte, sah er die niedlichen kleinen Elfen lustig spielen; sie lie\u00dfen sich nicht st\u00f6ren, sie wussten wohl, dass er ein guter, unschuldiger Mensch war, und es sind nur die b\u00f6sen Leute, welche die Elfen nicht zu sehen bekommen. Einige von ihnen waren nicht gr\u00f6\u00dfer, als ein Finger breit ist, und hatten ihre langen, gelben Haare mit goldenen K\u00e4mmen aufgeheftet; zwei und zwei schaukelten sie sich auf den gro\u00dfen Tautropfen, die auf den Bl\u00e4ttern und dem hohen Grase lagen; zuweilen rollte ein Tropfen herab und fiel nieder zwischen den langen Grashalmen und das verursachte ein Gel\u00e4chter und L\u00e4rmen unter den andern Kleinen. Es war allerliebst! Sie sangen und Johannes erkannte ganz deutlich alle die h\u00fcbschen Lieder, die er als kleiner Knabe gelernt hatte. Gro\u00dfe, bunte Spinnen mit silbernen Kronen auf dem Kopfe mussten von der einen Hecke zur andern lange H\u00e4ngebr\u00fccken und Pal\u00e4ste spinnen, welche, da der feine Tau darauf fiel, wie gl\u00e4nzendes Glas im klaren Mondscheine aussahen. So w\u00e4hrte es fort, bis die Sonne aufging. Die kleinen Elfen krochen dann in die Blumenknospen, und der Wind erfasste ihre Br\u00fccken und Schl\u00f6sser, die als Spinnweben durch die Luft dahinflogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Johannes war nun aus dem Walde gekommen, als eine starke Mannsstimme hinter ihm rief: \u201eHeda, Kamerad, wohin geht die Reise?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIn die weite Welt hinaus!\u201c sagte Johannes. \u201eIch habe weder Vater, noch Mutter, bin ein armer Bursche, aber der Herr hilft mir wohl!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch will auch in die weite Welt hinaus!\u201c sagte der fremde Mann. \u201eWollen wir beide einander Gesellschaft leisten?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa wohl!\u201c sagte Johannes, und sie gingen mit einander. Bald wurden sie sich recht gut, denn sie waren beide gute Menschen. Aber Johannes merkte wohl, dass der Fremde viel kl\u00fcger war, als er; er hatte fast die ganze Welt durchreist und wusste von allem M\u00f6glichen, was existierte, zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sonne war schon hoch herauf, als sie sich unter einen gro\u00dfen Baum setzten, ihr Fr\u00fchst\u00fcck zu genie\u00dfen; zur selben Zeit kam eine alte Frau daher. Sie ging ganz krumm, st\u00fctzte sich auf einen Kr\u00fcckstock und hatte auf ihrem R\u00fccken ein B\u00fcndel Brennholz holz,<\/p>\n\n\n\n<p>welches sie sich im Walde gesammelt hatte. Ihre Sch\u00fcrze war aufgebunden, und Johannes sah, dass drei gro\u00dfe Ruthen von Farrenkraut und Weidenreisern daraus hervorsahen. Als sie ihnen ganz nahe war, glitt ihr ein Fu\u00df aus, sie fiel und schrie gewaltig, denn sie hatte ein Bein gebrochen, die arme, alte Frau. Johannes meinte sogleich, dass sie die Frau nach Hause tragen wollten, wo sie wohnte, aber der Fremde machte sein R\u00e4nzel auf, und sagte, dass er hier eine Salbe habe, welche sogleich ihr Bein wieder ganz und kr\u00e4ftig machen werde, so dass sie selbst nach Hause gehen k\u00f6nne, und zwar, als ob sie nie das Bein gebrochen h\u00e4tte. Aber daf\u00fcr wollte er auch, dass sie ihm die drei Ruthen schenke, die sie in ihrer Sch\u00fcrze habe. \u201eDas w\u00e4re gut bezahlt!\u201c sagte die Alte und nickte ganz eigen mit dem Kopfe; sie wollte die Ruthen eben nicht gern hergeben, aber es war auch nicht angenehm, mit gebrochenem Beine dazuliegen. So gab sie ihm denn die Ruthen, und sowie er nur die Salbe auf das Bein gerieben hatte, erhob sich auch die alte Mutter und ging viel besser als zuvor. Das hatte die Salbe bewirkt, aber die war auch nicht in der Apotheke zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas willst Du mit den Ruthen?\u201c fragte Johannes nun seinen Reisekameraden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas sind drei sch\u00f6ne Kr\u00e4uterbesen!\u201c sagte er. \u201eDie liebe ich sehr, denn ich bin ein sonderbarer Mann!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dann gingen sie noch ein gutes St\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWie der Himmel sich umzieht!\u201c sagte Johannes und zeigte gerade aus. \u201eDas sind erschrecklich dicke Wolken!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein\u201c, sagte der Reisekamerad, \u201edas sind keine Wolken, das sind Berge, die herrlichen, gro\u00dfen Berge, wo man ganz hinauf \u00fcber die Wolken in die frische Luft gelangt! Glaube mir, das ist herrlich! Bis morgen sind wir sicher schon dort!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das war nicht so nahe, wie es aussah; sie hatten einen ganzen Tag zu gehen, bevor sie die Berge erreichten, wo die schwarzen W\u00e4lder gerade gegen den Himmel aufwuchsen, und wo es Steine gab, gerade so gro\u00df als eine ganze Stadt. Das mochte wahrlich eine schwere Anstrengung werden, da hin\u00fcberzukommen, aber darum gingen auch Johannes und der Reisekamerad in das Wirtshaus, um auszuruhen und Kr\u00e4fte zum morgigen Marsche zu sammeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Unten in der gro\u00dfen Schenkstube im Wirtshause waren viele Menschen versammelt, denn da war ein Mann, der gab ein Puppenspiel; er hatte gerade seine kleine B\u00fchne aufgestellt, und die Leute sa\u00dfen ringsumher, um die Kom\u00f6die zu sehen. Ganz vorn aber hatte ein dicker Schl\u00e4chter Platz genommen, und zwar den allerbesten; sein gro\u00dfer Bullenbei\u00dfer, der recht grimmig aussah, sa\u00df an seiner Seite und machte gro\u00dfe Augen, gerade wie die andern Zuschauer.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun begann ein niedliches St\u00fcck mit einem K\u00f6nige und einer K\u00f6nigin; die sa\u00dfen auf dem sch\u00f6nsten Thron, hatten goldne Kronen auf dem Haupte und lange Schleppen an den Kleidern, denn das konnten sie haben. Die niedlichsten Holzpuppen mit Glasaugen und gro\u00dfen Schnurrb\u00e4rten standen an allen T\u00fcren und machten auf und zu, damit frische Luft in das Zimmer kommen konnte. Es war gerade ein recht h\u00fcbsches St\u00fcck und gar nicht traurig; aber wie die K\u00f6nigin aufstand und \u00fcber den Fu\u00dfboden hinging, da \u2013 Gott mag wissen, was der gro\u00dfe Bullenbei\u00dfer sich dachte \u2013 machte er, da der dicke Schl\u00e4chter ihn nicht hielt, einen Sprung in das Theater, nahm die K\u00f6nigin mitten um den Leib, so dass es knick! knack! ging. Es war ganz erschrecklich!<\/p>\n\n\n\n<p>Der arme Mann, der das St\u00fcck auff\u00fchrte, war sehr erschrocken und betr\u00fcbt \u00fcber seine K\u00f6nigin, denn es war die allerniedlichste Puppe, die er hatte, und nun hatte ihr der h\u00e4ssliche Bullenbei\u00dfer den Kopf abgebissen; als aber die Leute sp\u00e4ter fort gingen, sagte der Fremde, der mit Johannes gekommen war, dass er sie wieder zurecht machen werde, und dann nahm er seine Flasche hervor und schmierte die Puppe mit der Salbe, womit er der alten Frau geholfen, als sie ihr Bein gebrochen hatte. Sowie die Puppe geschmiert war, wurde sie wieder ganz, ja sie konnte sogar alle ihre Glieder bewegen, man brauchte gar nicht mehr an der Schnur zu ziehen; die Puppe war wie ein lebendiger Mensch, nur dass sie nicht sprechen konnte. Der Mann, der das kleine Puppentheater hatte, wurde sehr froh; nun brauchte er diese Puppe gar nicht mehr zu halten, die konnte ja von selbst tanzen. Das konnte keine der andern.<\/p>\n\n\n\n<p>Als es Nacht geworden und alle Leute im Wirtshause zu Bett gegangen waren, da war Jemand, der erschrecklich tief seufzte und so lange damit fortfuhr, bis Alle aufstanden, um zu sehen, wer es sein k\u00f6nnte. Der Mann, der das St\u00fcck gegeben hatte, ging nach seinem kleinen Theater hin, denn dort war es, wo Jemand seufzte. Alle Holzpuppen lagen unter einander, der K\u00f6nig und alle Trabanten, und die waren es, die so j\u00e4mmerlich seufzten und mit ihren Glasaugen stierten, denn sie wollten so gern gleich der K\u00f6nigin ein wenig geschmiert werden, damit sie sich auch von selbst bewegen k\u00f6nnten. Die K\u00f6nigin legte sich gerade auf die Knie und streckte ihre pr\u00e4chtige Krone in die H\u00f6he, w\u00e4hrend sie bat: \u201eNimm mir diese, aber schmiere meinen Gemahl und meine Hofleute!\u201c Da konnte der arme Mann, der die Kom\u00f6die und alle Puppen besa\u00df, nicht unterlassen, zu weinen, denn es tat ihm wirklich ihretwegen leid. Er versprach sogleich dem Reisekameraden, ihm alles Geld zu geben, was er am n\u00e4chsten Abend f\u00fcr sein Spiel erhalten werde, wenn er nur vier bis f\u00fcnf von seinen niedlichsten Puppen schmieren wollte; aber der Reisekamerad sagte, dass er durchaus nichts anderes verlange, als den gro\u00dfen S\u00e4bel, den jener an seiner Seite habe, und als er den erhielt, beschmierte er sechs Puppen, die sogleich tanzten, und das so niedlich, dass alle M\u00e4dchen, die lebendigen Menschenm\u00e4dchen, die es sahen, sogleich mittanzten. Der Kutscher und die K\u00f6chin tanzten, der Diener und das Stubenm\u00e4dchen, alle Fremden und die Feuerschaufel und die Feuerzange; aber diese fielen um, als sie die ersten Spr\u00fcnge machten. Ja, das war eine lustige Nacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen ging Johannes mit seinem Reisekameraden fort, auf die hohen Berge hinauf und durch die hohen Tannenw\u00e4lder. Sie kamen so hoch hinauf, dass die Kircht\u00fcrme tief unter ihnen zuletzt wie kleine, rote Beeren unten in all&#8216; dem Gr\u00fcnen aussahen, und sie konnten weit hinsehen, viele, viele Meilen weit, wo sie nie gewesen waren! So viel Sch\u00f6nes der pr\u00e4chtigen Welt hatte Johannes fr\u00fcher nie gesehen und die Sonne schien warm aus der frischen Luft, er h\u00f6rte auch zwischen den Bergen die J\u00e4ger das Waldhorn so sch\u00f6n und lieblich blasen, dass ihm vor Freude das Wasser in die Augen trat und er nicht unterlassen konnte auszurufen: \u201eDu guter, lieber Gott, ich m\u00f6chte Dich k\u00fcssen, weil Du so gut gegen uns alle bist und uns all&#8216; die Herrlichkeit, die in der Welt ist, gegeben hast!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Reisekamerad stand auch mit gefalteten H\u00e4nden da und sah \u00fcber den Wald und die St\u00e4dte in den warmen Sonnenschein hinaus. Zu gleicher Zeit ert\u00f6nte es wunderbar lieblich \u00fcber ihren H\u00e4uptern; sie blickten in die H\u00f6he; ein gro\u00dfer, wei\u00dfer Schwan schwebte in der Luft und sang, wie sie fr\u00fcher nie einen Vogel hatten singen h\u00f6ren. Aber der Gesang wurde schw\u00e4cher und schw\u00e4cher, der sch\u00f6ne Vogel neigte seinen Kopf und sank ganz langsam zu ihren F\u00fc\u00dfen nieder, wo er tot liegen blieb.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eZwei so herrliche Fl\u00fcgel\u201c, sagte der Reisekamerad, \u201eso wei\u00df und gro\u00df wie die, welche der Vogel hat, sind Geldes wert, die will ich mitnehmen! Siehst Du nun wohl, dass es gut war, dass ich einen S\u00e4bel bekam?\u201c Und so hieb er beide Fl\u00fcgel des toten Schwanes ab, die wollte er behalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie reisten nun viele, viele Meilen weit fort \u00fcber die Berge bis sie zuletzt eine gro\u00dfe Stadt vor sich sahen, mit hundert T\u00fcrmen, die wie Silber in der Sonne ergl\u00e4nzten; mitten in der Stadt war ein pr\u00e4chtiges Marmorschloss, mit Gold gedeckt, und hier wohnte der K\u00f6nig.<\/p>\n\n\n\n<p>Johannes und der Reisekamerad wollten nicht sogleich in die Stadt gehen, sondern blieben im Wirtshause drau\u00dfen vor der Stadt, damit sie sich putzen konnten, denn sie wollten gut aussehen, wenn sie in die Stadt kamen. Der Wirth erz\u00e4hlte ihnen, dass der K\u00f6nig ein ganz guter Mann sei, der nie einem Menschen das Geringste zu Leide tue, aber seine Tochter, ja Gott beh\u00fcte uns! Das sei eine schlimme Prinzessin. Sch\u00f6nheit besa\u00df sie genug, keine konnte so h\u00fcbsch und niedlich sein, als sie war, aber was half das! Sie war eine Hexe, die schuld daran war, dass viele herrliche Prinzen ihr Leben verloren hatten. Allen Menschen hatte sie die Erlaubnis erteilt, um sie freien zu d\u00fcrfen; ein Jeder konnte kommen, er mochte Prinz oder Bettler sein, das war ihr ganz gleichg\u00fcltig; er sollte nur drei Sachen raten, an die sie gedacht hatte und um die sie ihn befragte; k\u00f6nne er das, so wolle sie sich mit ihm verbinden, und er solle K\u00f6nig \u00fcber das ganze Land sein, wenn ihr Vater sterbe; konnte er aber die drei Sachen nicht raten, so lie\u00df sie ihn aufh\u00e4ngen oder ihm den Kopf abhauen. Ihr Vater, der alte K\u00f6nig, war sehr betr\u00fcbt dar\u00fcber, aber er konnte ihr nicht verbieten, so b\u00f6se zu sein, denn er hatte einmal gesagt, er wolle nie etwas mit ihren Liebhabern zu tun haben, sie k\u00f6nne selbst tun, was sie wolle. Jedes Mal wenn ein Prinz kam und raten sollte, um die Prinzessin zu erhalten, so konnte er es nicht, und dann wurde er geh\u00e4ngt oder gek\u00f6pft; er war ja bei Zeiten gewarnt worden, er h\u00e4tte das Freien unterlassen k\u00f6nnen. Der alte K\u00f6nig war so betr\u00fcbt \u00fcber all&#8216; die Trauer und das Elend, dass er einen ganzen Tag des Jahres mit all&#8216; seinen Soldaten auf den Knien lag und betete, die Prinzessin m\u00f6ge gut werden, aber das wollte sie durchaus nicht. Die alten Frauen, die Branntwein tranken, f\u00e4rbten denselben ganz schwarz, bevor sie ihn tranken; so trauerten sie, und mehr konnten sie doch nicht tun.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie h\u00e4ssliche Prinzessin!\u201c sagte Johannes. \u201eSie sollte wirklich die Rute haben, das w\u00fcrde ihr gut tun. W\u00e4re ich der alte K\u00f6nig, so w\u00fcrde sie bald anders werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Da h\u00f6rten sie das Volk drau\u00dfen Hurrah rufen. Die Prinzessin kam vorbei, und sie war wirklich so sch\u00f6n, dass alle Leute verga\u00dfen, wie b\u00f6se sie war, deshalb riefen sie Hurrah. Zw\u00f6lf sch\u00f6ne Jungfrauen, allesamt in wei\u00dfen Seidenkleidern und eine goldene Tulpe in der Hand, ritten auf kohlschwarzen Pferden ihr zur Seite; die Prinzessin selbst hatte ein kreidewei\u00dfes Pferd, mit Diamanten und Rubinen geschm\u00fcckt, ihr Reitkleid war von reinem Golde, und die Peitsche, die sie in der Hand hatte, sah aus, als w\u00e4re sie ein Sonnenstrahl; die goldene Krone auf dem Haupte war gerade wie kleine Sterne oben vom Himmel, und der Mantel war von mehr als tausend sch\u00f6nen Schmetterlingsfl\u00fcgeln zusammengen\u00e4ht; dessen ungeachtet war sie viel sch\u00f6ner als alle ihre Kleider.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Johannes sie zu sehen bekam, wurde er so rot in seinem Antlitz, wie ein Blutstropfen, und er konnte kaum ein einziges Wort sagen; die Prinzessin sah ganz so aus wie das sch\u00f6ne M\u00e4dchen mit der goldenen Krone, von dem er in der Nacht getr\u00e4umt hatte, in der sein Vater gestorben war. Er fand sie au\u00dferordentlich sch\u00f6n und konnte nicht unterlassen, sie recht zu lieben. Das sei gewiss nicht wahr, sagte er, dass sie eine b\u00f6se Hexe sei, welche die Leute h\u00e4ngen oder k\u00f6pfen lasse, wenn sie nicht raten k\u00f6nnten, was sie von ihnen verlangte. \u201eEin Jeder hat ja die Erlaubnis, um sie zu freien, sogar der \u00e4rmste Bettler; ich will nach dem Schlosse gehen, denn ich kann es nicht unterlassen!\u201c Jedermann sagte ihm, er m\u00f6ge das nicht tun, es werde ihm sonst bestimmt wie allen den Andern ergehen. Der Reisekamerad riet ihm auch davon ab, aber Johannes meinte, es werde schon gut gehen, b\u00fcrstete seine Schuhe und seinen Rock, wusch sein Gesicht und seine H\u00e4nde, k\u00e4mmte sein h\u00fcbsches, gelbes Haar, und ging dann ganz allein in die Stadt hinein und nach dem Schlosse.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHerein!\u201c sagte der alte K\u00f6nig, als Johannes an die T\u00fcre pochte. Johannes \u00f6ffnete, und der alte K\u00f6nig, im Schlafrock und gestickten Pantoffeln, kam ihm entgegen; die goldene Krone hatte er auf dem Haupte, das Szepter in der einen Hand und den Reichsapfel in der andern. \u201eWarte ein bisschen!\u201c sagte er und nahm den Apfel unter den Arm, um Johannes die Hand reichen zu k\u00f6nnen. Aber sowie er erfuhr, er sei ein Freier, fing er an so zu weinen, dass das Szepter sowohl wie der Apfel auf den Fu\u00dfboden fielen und er die Augen mit seinem Schlafrock trocknen musste. Der arme, alte K\u00f6nig!<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eLass es sein,\u201c sagte er, \u201ees geht Dir schlecht wie allen Andern. Nun, Du sollst es sehen.\u201c Dann f\u00fchrte er Johannes hinaus nach dem Lustgarten der Prinzessin. Da sah es erschrecklich aus! Oben an jedem Baum hingen drei, vier K\u00f6nigss\u00f6hne, die um die Prinzessin gefreit hatten, die Sachen aber nicht hatten raten k\u00f6nnen, die sie ihnen aufgegeben hatte. Jedes Mal, wenn es wehte, klapperten alle Gerippe, so dass die kleinen V\u00f6gel erschraken und nie in den Garten zu kommen wagten; alle Blumen waren an Menschenknochen aufgebunden und in Blument\u00f6pfen standen Totenk\u00f6pfe und grinsten. Das war wahrlich ein sonderbarer Garten f\u00fcr eine Prinzessin!<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHier kannst Du es sehen!\u201c sagte der K\u00f6nig. \u201eEs wird Dir ebenso wie all&#8216; den Andern ergehen, die Du hier siehst. Unterlasse es deshalb lieber; Du machst mich wirklich ungl\u00fccklich, denn ich nehme mir das sehr zu Herzen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Johannes k\u00fcsste dem guten K\u00f6nig die Hand und sagte, es werde schon gut gehen, denn er sei ganz entz\u00fcckt von der sch\u00f6nen Prinzessin.<\/p>\n\n\n\n<p>Da kam die Prinzessin selbst mit allen ihren Damen in den Schlosshof geritten; sie gingen deshalb zu ihr hinaus und sagten ihr guten Tag. Sie war wundersch\u00f6n anzuschauen und reichte Johannes die Hand, und er hielt noch viel mehr von ihr als fr\u00fcher, sie konnte keine b\u00f6se Hexe sein, wie alle Leute es ihr nachsagten. Dann gingen sie hinauf in den Saal, und die Diener boten ihnen Eingemachtes und Pfeffern\u00fcsse, aber der alte K\u00f6nig war betr\u00fcbt, er konnte gar nichts essen, und die Pfeffern\u00fcsse waren ihm auch zu hart.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wurde bestimmt, dass Johannes am n\u00e4chsten Morgen wieder nach dem Schlosse kommen sollte, dann w\u00fcrden die Richter und der ganze Rath versammelt sein und h\u00f6ren, wie es ihm beim Raten ergehe. Wenn er gut dabei fahre, so sollte er dann noch zweimal kommen, aber es war noch nie Jemand dagewesen, der das erste Mal geraten hatte, sie hatten Alle das Leben verloren.<\/p>\n\n\n\n<p>Johannes war gar nicht darum bek\u00fcmmert, wie es ihm ergehen werde, er war vielmehr vergn\u00fcgt, gedachte nur der sch\u00f6nen Prinzessin und glaubte ganz sicher, der liebe Gott werde ihm schon helfen, aber wie, das wusste er nicht, und wollte lieber nicht daran denken. Er tanzte auf der Landstra\u00dfe dahin, als er nach dem Wirtshause zur\u00fcckkehrte, wo der Reisekamerad auf ihn wartete.<\/p>\n\n\n\n<p>Johannes konnte nicht fertig damit werden, zu erz\u00e4hlen, wie artig die Prinzessin gegen ihn gewesen und wie sch\u00f6n sie sei; er sehnte sich schon nach dem n\u00e4chsten Tage, wo er in das Schloss sollte, um sein Gl\u00fcck mit Raten zu versuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber der Reisekamerad sch\u00fcttelte mit dem Kopfe und war ganz betr\u00fcbt. \u201eIch bin Dir gut!\u201c sagte er. \u201eWir h\u00e4tten noch lange zusammen sein k\u00f6nnen, und nun soll ich Dich schon verlieren! Du armer, lieber Johannes, ich k\u00f6nnte weinen, aber ich will am letzten Abend, den wir vielleicht zusammen sind, Deine Freude nicht st\u00f6ren. Wir wollen lustig sein, recht lustig; morgen, wenn Du fort bist, kann ich ungest\u00f6rt weinen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Leute in der Stadt hatten erfahren, dass ein neuer Freier der Prinzessin angekommen war, und deshalb herrschte gro\u00dfe Betr\u00fcbnis. Das Schauspielhaus blieb geschlossen, alle K\u00fcchenfrauen banden Flor um ihre Zuckerherzen, der K\u00f6nig und die Priester lagen auf den Knien in den Kirchen, es war allgemeine Betr\u00fcbnis, denn man dachte, es k\u00f6nne Johannes nicht besser ergehen, als es allen den \u00fcbrigen Freiern ergangen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen Abend bereitete der Reisekamerad Punsch und sagte zu Johannes: \u201eNun wollen wir recht lustig sein und auf der Prinzessin Gesundheit trinken.\u201c Als aber Johannes zwei Glaser getrunken hatte, wurde er so schl\u00e4frig, dass es ihm unm\u00f6glich war, die Augen offen zu halten, er versank in tiefen Schlaf. Der Reisekamerad hob ihn ganz sachte vom Stuhle auf und legte ihn in das Bett hinein, und als es dann dunkle Nacht wurde, nahm er die beiden gro\u00dfen Fl\u00fcgel, die er dem Schwan abgehauen hatte, und band sie an seinen Schultern fest; die gr\u00f6\u00dfte Rute, die er von der Frau erhalten hatte, welche gefallen war und das Bein gebrochen hatte, steckte er in seine Tasche, \u00f6ffnete das Fenster und flog so \u00fcber die Stadt, gerade nach dem Schlosse hin, wo er sich in einen Winkel unter das Fenster setzte, welches in die Schlafstube der Prinzessin hinein ging.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war ganz still in der gro\u00dfen Stadt. Nun schlug die Uhr drei viertel auf zw\u00f6lf; das Fenster ging auf, und die Prinzessin flog in einem langen, wei\u00dfen Mantel und mit schwarzen Fl\u00fcgeln \u00fcber die Stadt weg, hinaus zu einem gro\u00dfen Berge; aber der Reisekamerad machte sich unsichtbar, so dass sie ihn nicht sehen konnte, flog hinterher und peitschte die Prinzessin mit seiner Ruhe, dass Blut floss, wohin er schlug. Ah, das war eine Fahrt durch die Luft! Der Wind erfasste ihren Mantel, der sich nach allen Seiten ausbreitete, gleich einem gro\u00dfen Schiffssegel, und der Mond schien durch denselben.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWie es hagelt! Wie es hagelt!\u201c sagte die Prinzessin bei jedem Schlage, den sie von der Ruhe bekam, und das geschah ihr schon recht. Endlich kam sie hinaus zum Berge und klopfte an. Es rollte gleich dem Donner, indem der Berg sich \u00f6ffnete, und die Prinzessin ging hinein. Der Reisekamerad folgte ihr, denn Niemand konnte ihn sehen, er war unsichtbar. Sie gingen durch einen gro\u00dfen, langen Gang, wo die W\u00e4nde ganz besonders gl\u00e4nzten; es waren \u00fcber tausend gl\u00fchende Spinnen, die an der Mauer auf und ab liefen und wie Feuer leuchteten. Dann kamen sie in einen gro\u00dfen Saal, von Silber und Gold erbaut. Blumen, so gro\u00df als Sonnenblumen, rote und blaue, gl\u00e4nzten von den W\u00e4nden, aber Niemand konnte die Blumen pfl\u00fccken, denn die St\u00e4ngel waren h\u00e4ssliche, giftige Schlangen, und die Blumen waren Feuer, welches ihnen aus dem Maule herausbrannte. Die ganze Decke war mit Johannisw\u00fcrmern und himmelblauen Flederm\u00e4usen bedeckt, welche mit den d\u00fcnnen Fl\u00fcgeln schlugen; es sah ganz schauerlich aus! Mitten auf dem Fu\u00dfboden war ein Thron, der von vier Pferdegerippen, welche Zaumzeug von den roten Feuerspinnen hatten, getragen wurde; der Thron selbst war von milchwei\u00dfem Glase, und die Kissen darauf waren kleine, schwarze M\u00e4use, die einander in den Schwanz bissen. \u00dcber demselben war ein Dach von rosenroten Spinngeweben, mit den niedlichsten, gr\u00fcnen, kleinen Fliegen besetzt, welche wie Edelsteine gl\u00e4nzten. Auf dem Throne sa\u00df ein alter Zauberer, mit einer Krone auf dem h\u00e4sslichen Kopf und einem Szepter in der Hand. Er k\u00fcsste die Prinzessin auf die Stirn, lie\u00df sie sich zu seiner Seite auf den Thron setzen, und nun begann die Musik. Gro\u00dfe, schwarze Heuschrecken spielten die Mundharmonika, und die Eule schlug sich auf den Leib, denn sie hatte keine Trommel. Das war ein possierliches Concert. Kleine, schwarze Kobolde mit einem Irrlicht auf der M\u00fctze tanzten im Saale herum. Niemand aber konnte den Reisekameraden erblicken; er hatte sich gerade hinter den Thron gestellt und h\u00f6rte und sah Alles.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Hofleute, die nun hereinkamen, waren fein und vornehm, aber der, welcher ordentlich sehen konnte, merkte wohl, wie es damit zusammenhing. Es waren nichts weiter als Besenstiele mit Kohlk\u00f6pfen darauf, in die der Zauberer Leben gehext und welchen er gestickte Kleider gegeben hatte. Aber das war ja auch gleichg\u00fcltig, sie wurden doch nur zum Staate gebraucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem nun etwas getanzt worden war, erz\u00e4hlte die Prinzessin dem Zauberer, dass sie einen neuen Freier erhalten habe, und fragte deshalb, woran sie denken solle, um ihn am n\u00e4chsten Morgen darnach zu fragen, wenn er nach dem Schlosse komme.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eH\u00f6re,\u201c sagte der Zauberer, \u201edas will ich Dir sagen! Du sollst etwas recht Leichtes w\u00e4hlen, denn so f\u00e4llt er gar nicht darauf. Denke an Deinen Schuh. Das r\u00e4t er nicht. Lass ihm dann den Kopf abhauen, doch vergiss nicht, wenn Du morgen Nacht wieder zu mir herauskommst, mir seine Augen zu bringen, denn die will ich essen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Prinzessin verneigte sich tief und sagte, sie werde die Augen nicht vergessen. Der Zauberer \u00f6ffnete nun den Berg, und sie flog wieder zur\u00fcck, aber der Reisekamerad folgte ihr und pr\u00fcgelte sie so sehr mit der Ruhe, dass sie tief feufzte \u00fcber das starke Hagelwetter, und sich, so sehr sie konnte, beeilte, durch das Fenster in die Schlafstube zu gelangen; aber der Reisekamerad flog zum Wirtshause zur\u00fcck, wo Johannes noch schlief, l\u00f6ste seine Fl\u00fcgel ab und legte sich dann auch auf das Bett, denn er konnte wohl erm\u00fcdet sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war ganz fr\u00fch am Morgen als Johannes erwachte, der Reisekamerad stand auch auf und erz\u00e4hlte, dass er diese Nacht einen ganz sonderbaren Traum von der Prinzessin und ihrem Schuh gehabt habe, und bat ihn de\u00dfhalb, doch zu fragen, ob die Prinzessin nicht an ihren Schuh gedacht haben sollte, denn das war es ja, was er von dem Zauberer im Berge geh\u00f6rt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch kann ebenso darnach als nach etwas Anderem fragen\u201c, sagte Johannes; \u201evielleicht ist das ganz richtig, was Du getr\u00e4umt hast, denn ich vertraue auf den lieben Gott, der mir schon helfen wird! Aber ich will Dir doch Lebewohl sagen, denn wenn ich falsch rate, so bekomme ich Dich nie mehr zusehen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dann k\u00fcssten sie sich, und Johannes ging in die Stadt nach dem Schlosse. Der ganze Saal war mit Menschen angef\u00fcllt, die Richter sa\u00dfen in ihren Lehnst\u00fchlen und hatten Eiderdunenkissen hinter dem Kopfe, denn sie hatten so viel zu denken. Der alte K\u00f6nig stand auf und trocknete seine Augen mit einem wei\u00dfen Taschentuche. Nun trat die Prinzessin herein; sie war noch viel sch\u00f6ner als gestern und gr\u00fc\u00dfte alle lieblich, aber dem Johannes gab sie die Hand und sagte: \u201eGuten Morgen, Du!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nun sollte Johannes raten, woran sie gedacht habe. Wie sah sie ihn so freundlich an, aber sowie sie ihn das Wort \u201eSchuh\u201c aussprechen h\u00f6rte, wurde sie kreidewei\u00df im Gesicht und zitterte am ganzen K\u00f6rper; aber das konnte ihr nichts helfen, denn er hatte richtig geraten!<\/p>\n\n\n\n<p>Wie wurde der alte K\u00f6nig vergn\u00fcgt! Er schoss einen Purzelbaum, dass es eine Lust war, und alle Leute klatschten in die H\u00e4nde f\u00fcr ihn und f\u00fcr Johannes, der das erste Mal richtig geraten hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Reisekamerad war auch erfreut, als er erfuhr, wie gut es abgelaufen war; aber Johannes faltete seine H\u00e4nde und dankte Gott, der ihm sicher die beiden andern Male wieder helfen werde. Am n\u00e4chsten Tage sollte schon wieder geraten werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Abend verging ebenso wie der gestrige. Als Johannes schlief, flog der Reisekamerad hinter der Prinzessin her zum Berge hinaus und pr\u00fcgelte noch st\u00e4rker, als das vorige Mal, denn nun hatte er zwei Ruthen genommen; Niemand bekam ihn zu sehen, und er h\u00f6rte Alles. Die Prinzessin wollte an ihren Handschuh denken, und das erz\u00e4hlte er wieder dem Johannes, gerade als ob es ein Traum sei; so konnte derselbe richtig raten, und es verursachte eine gro\u00dfe Freude auf dem Schlosse. Der ganze Hof schoss Purzelb\u00e4ume, gerade so wie er es den K\u00f6nig das erste Mal hatte machen sehen; aber die Prinzessin lag auf dem Sofa und wollte nicht ein einziges Wort sagen. Nun kam es darauf an, ob Johannes das dritte Mal richtig raten konnte. Gl\u00fcckte es, so sollte er ja die sch\u00f6ne Prinzessin haben und nach dem Tode des alten K\u00f6nigs das ganze K\u00f6nigreich erben; riet er falsch, so sollte er sein Leben verlieren und der Zauberer w\u00fcrde seine sch\u00f6nen, blauen Augen essen.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Abend vorher ging Johannes zeitig zu Bette, betete sein Abendgebet und schlief dann ruhig, aber der Reisekamerad band seine Fl\u00fcgel an den R\u00fccken, schnallte den S\u00e4bel an seine Seite, nahm alle drei Ruthen mit sich, und so flog er nach dem Schlosse.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war ganz finstere Nacht; es st\u00fcrmte so, dass die Dachsteine von den H\u00e4usern flogen, und die B\u00e4ume drinnen im Garten, wo die Gerippe hingen, sich gleich dem Schilfe vom Sturmwind bogen; es blitzte jeden Augenblick, und der Donner rollte gerade, als ob es nur ein einziger Schlag sei, der die ganze Nacht w\u00e4hrte. Nun ging das Fenster auf, und die Prinzessin flog heraus; sie war so bleich wie der Tod, aber sie lachte \u00fcber das b\u00f6se Wetter, meinte, es sei noch nicht stark genug, und ihr wei\u00dfer Mantel wirbelte in der Luft herum gleich einem gro\u00dfen Schiffssegel. Aber der Reisekamerad peitschte sie mit drei Ruthen, dass das Blut auf die Erde tr\u00f6pfelte und sie zuletzt kaum weiter fliegen konnte. Endlich kam sie doch nach dem Berge.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs hagelt und st\u00fcrmt,\u201c sagte sie; \u201enie bin ich in solchem Wetter aus gewesen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMan kann auch des Guten zu viel haben,\u201c sagte der Zauberer. Nun erz\u00e4hlte sie ihm, dass Johannes auch das zweite Mal richtig geraten habe; wenn er dasselbe morgen tue, so habe er gewonnen, und sie k\u00f6nne nie mehr nach dem Berge hinauskommen, werde nie mehr solche Zauberk\u00fcnste wie fr\u00fcher machen k\u00f6nnen; deshalb war sie ganz betr\u00fcbt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEr soll es nicht raten k\u00f6nnen!\u201c sagte der Zauberer. \u201eIch werde schon etwas erdenken, was er sich nie gedacht hat, oder er m\u00fcsste ein gr\u00f6\u00dferer Zauberer sein, als ich. Aber nun wollen wir lustig sein!\u201c Und damit fasste er die Prinzessin bei beiden H\u00e4nden und sie tanzten mit allen den kleinen Kobolden und Irrlichtern herum, die in dem Zimmer waren, die roten Spinnen sprangen an den W\u00e4nden ebenso lustig auf und nieder; es sah aus, als ob Feuerblumen spr\u00fchten. Die Eulen schlugen auf die Trommel, die Heimchen pfiffen und die schwarzen Heuschrecken bliesen die Mundharmonika. Es war ein lustiger Ball!<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie nun lange genug getanzt hatten, musste die Prinzessin nach Hause, sonst w\u00e4re sie im Schlosse vermisst worden; der Zauberer sagte, dass er sie begleiten wolle, dann seien sie doch noch unterwegs beisammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann flogen sie im b\u00f6sen Wetter davon, und der Reisekamerad schlug seine drei Ruthen auf ihren R\u00fccken entzwei; nie war der Zauberer in solchem Hagelwetter aus gewesen. Drau\u00dfen vor dem Schlosse sagte er der Prinzessin Lebewohl und fl\u00fcsterte ihr zugleich zu: \u201eDenke an meinen Kopf!\u201c Aber der Reisekamerad h\u00f6rte es wohl und gerade in dem Augenblicke, als die Prinzessin durch das Fenster in ihr Schlafzimmer schl\u00fcpfen und der Zauberer wieder umkehren wollte, ergriff er ihn an seinem langen, schwarzen Barte und hieb mit seinem S\u00e4bel seinen h\u00e4sslichen Zauberkopf gerade bei den Schultern ab, so dass der Zauberer ihn nicht einmal selbst zu sehen bekam; den K\u00f6rper warf er hinaus in den See zu den Fischen, doch den Kopf tauchte er nur in das Wasser und band ihn dann in sein Taschentuch, nahm ihn mit nach dem Wirtshause und legte sich schlafen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen gab er Johannes das Taschentuch und sagte ihm dabei, dass er es nicht eher aufbinden d\u00fcrfe, als bis die Prinzessin frage, woran sie gedacht habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Es waren so viele Menschen in dem gro\u00dfen Saale auf dem Schlosse, dass sie so dicht standen wie Radieschen, die in ein B\u00fcndel zusammengekn\u00fcpft sind. Der Rath sa\u00df in seinen St\u00fchlen mit den weichen Kopfkissen, und der alte K\u00f6nig hatte neue Kleider an, die goldne Krone und Szepter waren poliert, es sah ganz feierlich aus; aber die Prinzessin war ganz bleich und hatte ein kohlschwarzes Kleid an, als gehe sie zum Begr\u00e4bnis.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWoran habe ich gedacht?\u201c fragte sie Johannes, und sogleich band er das Taschentuch auf und erschrak selbst ganz gewaltig, als er das h\u00e4ssliche Zauberhaupt erblickte. Es schauderte allen Menschen, denn es war erschrecklich anzusehen, aber die Prinzessin sa\u00df gerade wie ein Steinbild und konnte nicht ein einziges Wort sagen; zuletzt erhob sie sich und reichte Johannes die Hand, denn er hatte ja richtig geraten; sie sah ihn nicht an, sondern seufzte ganz laut: \u201eNun bist Du mein Herr! Diesen Abend wollen wir Hochzeit halten!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas gef\u00e4llt mir!\u201c sagte der alte K\u00f6nig; \u201eso wollen wir es haben!\u201c Alle Leute riefen Hurrah, die Wache machte Musik in den Stra\u00dfen, die Glocken wurden gel\u00e4utet, und die K\u00fcchenfrauen nahmen den schwarzen Flor von ihren Zuckerherzen, denn nun herrschte Freude. Drei ganze gebratene Ochsen, mit Enten und H\u00fchnern gef\u00fcllt, wurden mitten auf den Markt gesetzt, Jeder konnte sich ein St\u00fcck abschneiden, in den Wasserk\u00fcnsten sprudelte der sch\u00f6nste Wein, und kaufte man eine Brezel beim B\u00e4cker, so bekam man sechs gro\u00dfe Zwieb\u00e4cke als Zugabe und den Zwieback mit Rosinen darin.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Abend war die ganze Stadt erleuchtet und die Soldaten schossen mit Kanonen und die Knaben mit Knallerbsen, und es wurde gegessen und getrunken, angesto\u00dfen und gesprungen oben im Schlosse, alle die vornehmen Herren und sch\u00f6nen Fr\u00e4uleins tanzten mit einander; man konnte in weiter Ferne h\u00f6ren, wie sie sangen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Hier sind viele h\u00fcbsche M\u00e4dchen,<br>Die gerne tanzen rund herum,<br>Dreh&#8217;n sich wie Spinnr\u00e4dchen;<br>H\u00fcbsches M\u00e4dchen dreh&#8216; Dich um.<br>Tanzt und springet immer zu,<br>Bis die Sohle f\u00e4llt vom Schuh.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber die Prinzessin war ja noch eine Hexe und mochte Johannes gar nicht leiden; das fiel dem Reisekamerad ein, und deshalb gab er Johannes drei Federn aus den Schwanenfl\u00fcgeln und eine kleine Flasche mit einigen Tropfen darin, sagte ihm dann, dass er ein gro\u00dfes Fass, mit Wasser gef\u00fcllt, vor das Bett der<\/p>\n\n\n\n<p>Prinzessin setzen lassen solle, und wenn die Prinzessin hineinsteigen wolle, solle er ihr einen kleinen Sto\u00df geben, so dass sie in das Wasser hinunterfalle, wo er sie dreimal untertauchen m\u00fcsse, nachdem er vorher die Federn und die Tropfen hineingesch\u00fcttet habe; dann werde sie ihre Zauberei verlieren und ihn recht lieb haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Johannes tat Alles, was der Reisekamerad ihm geraten hatte. Die Prinzessin schrie laut auf, indem sie unter das Wasser tauchte, und zappelte ihm unter den H\u00e4nden als ein gro\u00dfer, schwarzer Schwan mit funkelnden Augen; als sie das zweite Mal wieder \u00fcbel das Wasser heraufkam, war der Schwan wei\u00df bis auf einen schwarzen Ring um den Hals. Johannes betete fromm zu Gott und lie\u00df das Wasser das dritte Mal \u00fcber den Vogel zusammenschlagen, und im selben Augenblicke wurde er in die sch\u00f6nste Prinzessin verwandelt. Sie war noch sch\u00f6ner als zuvor und dankte ihm mit Tr\u00e4nen in ihren herrlichen Augen, dass er ihre Bezauberung gehoben habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen kam der alte K\u00f6nig mit seinem ganzen Hofstaat, und da gab es ein Gl\u00fcckw\u00fcnschen bis sp\u00e4t in den Tag hinein. Zu allerletzt kam der Reisekamerad; er hatte seinen Stock in der Hand und das R\u00e4nzel auf dem R\u00fccken. Johannes k\u00fcsste ihn vielmal und sagte, er d\u00fcrfe nicht fortreisen, er solle bei ihm bleiben, denn er sei ja die Ursache seines ganzen Gl\u00fcckes. Aber der Reisekamerad sch\u00fcttelte mit dem Kopfe und sagte mild und freundlich: \u201eNein, nun ist meine Zeit um. Ich habe nur meine Schuld bezahlt. Erinnerst Du Dich des toten Mannes, dem die b\u00f6sen Menschen \u00dcbels tun wollten? Du gabst Alles, was Du besa\u00dfest, damit er Ruhe in seinem Grabe haben k\u00f6nnte. Der Tote bin ich!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Zu gleicher Zeit war er verschwunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Hochzeit w\u00e4hrte einen ganzen Monat. Johannes und die Prinzessin liebten einander innig, und der alte K\u00f6nig erlebte manche frohe Tage und lie\u00df ihre kleinen Kinderchen auf seinen Knien reiten und mit seinem Szepter spielen; aber Johannes wurde K\u00f6nig \u00fcber das ganze Land.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Reisekamerad Hans Christian Andersen Der arme Johannes war tiefbetr\u00fcbt, denn sein Vater war sehr krank und konnte nicht genesen. Au\u00dfer den Beiden war Niemand in dem kleinen Zimmer; die Lampe auf dem Tische war dem Erl\u00f6schen nahe, und es war sp\u00e4t Abends. \u201eDu warst ein guter Sohn, Johannes!\u201c sagte der kranke Vater, \u201eder liebe [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5758,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[88,85],"tags":[],"class_list":["post-6040","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-hans-chr-andersen","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6040","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6040"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6040\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6041,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6040\/revisions\/6041"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5758"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6040"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6040"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6040"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}