{"id":6037,"date":"2026-04-20T02:14:53","date_gmt":"2026-04-20T00:14:53","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=6037"},"modified":"2026-04-20T02:17:04","modified_gmt":"2026-04-20T00:17:04","slug":"der-reiche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-reiche\/","title":{"rendered":"Der Reiche"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der Reiche<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Ein Reicher hatte einen einzigen Sohn in Smyrna und lie\u00df ihn in dieser Stadt in allen Wissenschaften unterrichten. Dann w\u00fcnschte der Sohn nach Konstantinopel zu reisen, um zu studieren. Er studierte dort drei Jahre. Nach je drei Monaten schickte ihm sein Vater immer achtzig t\u00fcrkische Pfund. Einmal kam er an einem Kaffeehaus vor\u00fcber, wo Geige gespielt wurde, und er trat in das Haus ein und trank Kaffee. Als er den Kaffee getrunken hatte, lie\u00df er einen Napoleon (Goldst\u00fcck) auf dem Brett und ging weg. Der Wirt fragte den Kellner, ob jener Fremde den Kaffee bezahlt habe oder nicht. \u00bbSieh nach, ob er nicht das Geld zur\u00fcckgelassen hat. \u00ab Der Kellner sieht nach und findet einen Napoleon und sagt zu seinem Herrn: \u00bbIch habe einen Napoleon gefunden.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Den andern Tag geht der Fremde wieder in das Caf\u00e9, und der Wirt nahm ihn mit gro\u00dfer Freude auf und fragte ihn, was f\u00fcr ein Getr\u00e4nk, er w\u00fcnschte, damit er ihn bewirte. Dieser verlangte ein Bier. Darauf revanchierte sich auch der Fremde. Er rief auch den, der das St\u00fcck spielte, und der kam heran, und er lud auch diesen ein. Dann fragte&#8216; er den Musiker, wie viel Geld er wolle, um ihn Geige spielen zu lehren. Der Geiger verlangte von ihm hundertzwanzig t\u00fcrkische Pfund. Der J\u00fcngling versprach, sie ihm zu geben, und er solle sogleich den Unterricht beginnen. Seinem Vater schrieb der J\u00fcngling, dass er in eine andere Stellung eingetreten sei und dreihundert t\u00fcrkische Pfund brauche, und sein Vater schickte sie ihm sofort. Und er setzte ein Jahr lang das Violinspiel fort und lernte es vollkommen, besser noch als der Lehrer, der es ihn lehrte.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesen Tagen kam er bei einem Spielhaus vorbei, wo sie Karten spielten, und er verlangte nach dem Spielhausbesitzer und fragte ihn, wie viel er wolle, um ihn das Hasardspiel zu lehren; und dieser verlangte f\u00fcnfhundert Pfund, um ihn das Hasardspiel so spielen zu lehren, dass ihn niemand betr\u00fcgen k\u00f6nne. Und sogleich schrieb er an seinen Vater, dass er die erste Stellung aufgegeben habe und in eine andere getreten sei, aber er brauche sechshundert Pfund; und sogleich schickte der sie ihm. Und er setzte ein Jahr lang das Hasardspiel fort und lernte es besser als der Spieler, der es ihn lehrte.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesen Tagen kam er an einer Stelle vorbei, wo er zwei Pagliazzi ringen sah, und er rief den einen Pagliazzo, der den andern niedergeworfen hatte, und sagte zu ihm: \u00bbWie viel Pfund willst du, mein Sohn, daf\u00fcr, dass du mich lehrst, dasselbe zu werden wie du?\u00ab &#8211; \u00bbDu hast nicht, mein Sohn, Geld genug, um eine Kunst zu lernen, die die beste der Welt ist. \u00ab &#8211; \u00bb\u00c4h! Verlange von mir, soviel Geld du willst, und wenn ich es dir nicht gebe, so sollst du mich deine Kunst nicht lehren.\u00ab &#8211; \u00bbTausend Pfund will ich, mein Kind, und du hast nicht soviel, mir zu geben.\u00ab Sogleich schreibt er an seinen Vater und sagt ihm, er m\u00f6ge ihm zweitausend t\u00fcrkische Pfund schicken, weil er in eine neue Stellung getreten sei. Sogleich schickt er es ihm. Dann ruft er den Pagliazzo und gibt ihm die tausend Pfund, und der begann ihn die Kunst zu lehren.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende des Jahres schreibt er an seinen Vater, er solle ihm Geld schicken; und sein Vater schreibt ihm, er habe keines mehr, weil er sein Verm\u00f6gen verbraucht habe. Als er sah, dass sein Vater verarmt war und er mit jener Kunst so weit gekommen war, dass er ein besserer Pagliazzo war als der, der sie ihn gelehrt hatte, ging er von dort weg und begab sich zu seinem Vater nach Smyrna. Und sein Vater sagt zu ihm: \u00bbMein Sohn, mir blieb keine Pendara, weil ich dir alles zum Studieren geschickt habe, und wenn du gut studiert hast, mein Sohn, so reut es mich nicht, meine Piaster ausgegeben zu haben.\u00ab \u00bbHole, mein Vater, einen t\u00fcchtigen Ausrufer, dass er ins Haus komme, da ich mit ihm sprechen will. \u00ab Der Ausrufer kam ins Haus. \u00bbWas wollt Ihr von mir, gn\u00e4diger Herr?\u00ab Sagt der Sohn zu seinem Vater: \u00bbFasse mich an der Hand, mein Vater, und gib mir deinen Segen und \u00fcbergib mich dem Ausrufer, dass er mich als Sklaven verkaufe!\u00ab Der Vater z\u00f6gerte, seinen Sohn als Sklaven zu verkaufen, aber sein Sohn bestand darauf und sagte zu ihm: \u00bbBedenk dich nicht, mein Vater, \u00fcbergib mich mit deinem Segen dem Ausrufer, dass er mich als Sklaven verkaufe, und sei getrost! Sage ihm, er solle tausend Pfund verlangen und solle sagen: &#8222;Wer ihn kauft, wird es bereuen, und wer ihn nicht kauft, wird es bereuen.&lt;\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Lassen wir den Ausrufer den J\u00fcngling verkaufen!<\/p>\n\n\n\n<p>In Smyrna gab es einen reichen und vornehmen Kaufmann aus Konstantinopel. Und der Ausrufer ging umher, um den J\u00fcngling zu verkaufen, und sagte immer: ~&gt;Wer ihn kauft, wird es bereuen, und wer ihn nicht kauft, wird es bereuen.\u00ab Fragte der Kaufmann den Ausrufer: \u00bbWas verkaufst du, mein Sohn, hier?\u00ab &#8211; \u00bbIch verkaufe diesen J\u00fcngling; wer ihn kauft, wird es bereuen, und wer ihn nicht kauft, wird es bereuen.\u00ab Sagt zu ihm der Kaufmann: \u00bbWas sagst du da? Erkl\u00e4re mir das!\u00ab Da sagt der J\u00fcngling: \u00bbF\u00fchre mich weiter, denn der hat kein Geld, mich zu kaufen. \u00ab &#8211; \u00bb Bring ihn herein, mein Sohn; was sagt dieser Dummkopf?\u00ab Der Ausrufer bringt ihn herein und der Kaufmann holt tausend Pfund vor und z\u00e4hlt sie dem Ausruf er auf. Sagt der J\u00fcngling zu dem Ausrufer: \u00bbNimm die tausend Pfund und bringe sie meinem Vater und sage ihm, er solle getrost bleiben und sich nicht gr\u00e4men!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kaufmann behielt den J\u00fcngling und verwendete ihn als Lasttr\u00e4ger im Gesch\u00e4ft. In diesen Tagen kam ein dem Kaufmann geh\u00f6riges Schiff, um mit Weintrauben beladen zu werden und nach Konstantinopel zu fahren. Und es wurde beladen, und als der Kaufmann die Rechnung machte, schaute der J\u00fcngling zu und sah, dass der Kaufmann sich um vierhundert Pfund verrechnete. Und er sagt zu ihm: \u00bbHerr, du hast einen Fehler in der Rechnung.\u00ab Der Kaufmann sieht nach und sagt zu ihm: \u00bbNein, es ist kein Fehler darin.\u00ab Und der J\u00fcngling sagt: \u00bbNein, Herr es ist ein Fehler darin.\u00ab &#8211; \u00bbAch, so mache du die Rechnung und sieh zu, welchen Fehler du findest. \u00ab Und de J\u00fcngling sagt: \u00bbEinen Fehler von vierhundert Pfund wirst du finden.\u00ab &#8211; \u00bbAch, mache du die Rechnung, dass wir es sehen!\u00ab Der J\u00fcngling macht die Rechnung und fand einen Fehler von vierhundert Pfund; und der Kaufmann sagt zu ihm: \u00bbIch danke dir, mein Sklave.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Schiff fuhr ab, und es kam ein anderes jenem geh\u00f6riges Schiff; das hatte einen j\u00fcdischen Kaufmann an Bord, der das Schiff gemietet hatte, um es auch mit Weintrauben zu beladen und nach Konstantinopel zu fahren. Er belud also das Schiff und machte es fertig zur Abfahrt nach Konstantinopel. Da ruft der Kaufmann seinen Sklaven, er solle ihm Wasser bringen und ihm \u00fcbergie\u00dfen zum Waschen, damit er noch einen Brief an seine Gemahlin schreibe. Der Sklave nahm den Krug und goss ihm zum Waschen \u00fcber. In diesem Augenblick kam Musik an dem Laden vor\u00fcber, und er gab nicht acht, das Wasser seinem Herrn zum Waschen \u00fcber die H\u00e4nde zu gie\u00dfen, weil die Musik anfing. Und der Kaufmann ist \u00e4rgerlich und gibt ihm eine Ohrfeige. Da sagt der Sklave: \u00bbEine Ohrfeige hast du mir gegeben, ich werde dir zwei geben.\u00ab Der Kaufmann wurde zornig und schreibt einen Brief an seine Gemahlin nach Konstantinopel und sagt ihr darin, er schicke ihr den Sklaven, damit sie ihn auf ein Landgut bringe, um dort Steine zu tragen bis an sein Lebensende. Der Kaufmann rief den Kapit\u00e4n und gibt ihm den Brief und den Sklaven und sagt ihm: \u00bbDiesen Sklaven wirst du in den Laderaum werfen und diesen Brief meiner Gemahlin geben, damit sie tue, was ich ihr schreibe.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Das Schiff fuhr also ab. &#8211; In dieser Zeit hatte der Sultan Befehl erlassen, jedes Segel- oder Dampfschiff, das nach Konstantinopel komme, solle die Hafenwache mit Kanonen gr\u00fc\u00dfen, und die Wache solle das Dampf- oder Segelschiff wieder gr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>jenes Schiff nun warf der Sturm ins Meer, und es kam nicht weiter. Da begann der j\u00fcdische Kaufmann mit den Matrosen und dem Kapit\u00e4n das Kumari zu spielen und lie\u00df ihnen nichts als das Leben. In diesem Augenblick kam ein Matrose in den Laderaum herab, um dem Sklaven Brot zu bringen; und der Sklave sah den Matrosen bek\u00fcmmert und fragte ihn, was er habe, dass er so bek\u00fcmmert sei. \u00bbWas soll ich dir sagen? Der j\u00fcdische Kaufmann, den wir hier haben, hat mit uns und dem Kapit\u00e4n Kumari gespielt und uns und dem Kapit\u00e4n all unser Geld abgenommen.\u00ab Da sagt der Sklave zu dem Matrosen: \u00bbIch bitte dich sehr, dem Kapit\u00e4n zu sagen, dass er auch mich, den Fremdling, oben auf das Deck lasse; ich kann ja nicht schwimmen und entfliehen, und wenn wir nach Konstantinopel kommen, mag er mich wieder in den Laderaum bringen. \u00ab Der Matrose stieg hinauf und sagte zum Kapit\u00e4n, der Sklave gr\u00fc\u00dfe ihn, und er m\u00f6ge ihn doch herauflassen; er werde nicht fliehen, und wenn sie nach Konstantinopel k\u00e4men, solle er ihn wieder in den Laderaum hinabschicken, Als er dies dem Kapit\u00e4n gesagt hatte, befiehlt dieser, den Sklaven nach oben zu lassen. Der Sklave kam also herauf und ging und begr\u00fc\u00dfte den Kapit\u00e4n und setzte sich zu ihm. Und er fragt ihn: \u00bbWarum bist du so bek\u00fcmmert, mein Kapit\u00e4n?\u00ab &#8211; \u00bbWie sollte ich nicht bek\u00fcmmert sein, wo dieser j\u00fcdische Kaufmann im Kumarispiel mir all mein Geld und meine Kleider abgenommen hat; nur meine Uhr lie\u00df er mir.\u00ab Da sagt der Sklave: \u00bbGib mir die Uhr, dass auch ich mit dem Juden spiele!\u00ab Der Kapit\u00e4n in der gro\u00dfen Verzweiflung, in der er war, gab dem Sklaven die Uhr; und der Sklave fordert den Juden auf, Karten zu spielen. Dieser nahm es an, und in acht Stunden nahm er dem Juden alles Geld ab, was er von den Matrosen und von dem Kapit\u00e4n hatte, und all sein eigenes und nahm ihm auch die Traubenladung, die er von seinem Herrn hatte, und machte sogar den Juden selbst zum Sklaven. Und dann gab er den Matrosen dem Kapit\u00e4n alles Geld, was ihnen der Jude abgenommen hatte, und behielt von dem ganzen Gelde keine Pendara.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kapit\u00e4n war erfreut, dass er ihm sein ganzes Verm\u00f6gen wieder verschafft hatte, und behielt ihn ganz in seiner N\u00e4he. Da sagt der Sklave zu dem Kapit\u00e4n: \u00bbEinen Gefallen erweise mir, gib mir den Brief, den dir mein Herr gegeben hat, dass du ihn seiner Gemahlin \u00fcbergebest, damit ich ihn lese. Ich bin imstande, ihn so wiederherzustellen, dass seine Gemahlin nicht merkt, dass er ge\u00f6ffnet wurde. \u00ab Der Kapit\u00e4n gab ihm den Brief, und der Sklave \u00f6ffnete ihn und erkennt, zu welchem Schicksal ihn sein Herr verurteilt hatte &#8211; Steine zu tragen sein ganzes Leben lang. Und der Sklave macht einen anderen Brief, worin er zu der Herrin sagt: \u00bbIch schicke dir einen J\u00fcngling; nimm eine von unseren drei T\u00f6chtern, welche du willst, und verm\u00e4hle sie sogleich mit ihm. Und ich schicke dir einen j\u00fcdischen Sklaven, um ihn auf ein Landgut zu senden, dass er dort Steine trage sein ganzes Leben lang nur bei Brot.\u00ab Und er verschloss den Brief sorgf\u00e4ltig und gab ihn dem Kapit\u00e4n. Der Sklave besprach mit dein Kapit\u00e4n, was er in dem Briefe geschrieben hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Schiff kam also nach Konstantinopel und gr\u00fc\u00dfte die Wache, und die Wache gr\u00fc\u00dfte es wieder. Der Kapit\u00e4n nahm den Brief und brachte ihn der Gemahlin des Herrn. Diese las den Brief und sagt zu dem Kapit\u00e4n: \u00bbWo ist der J\u00fcngling, von dem der Herr schrieb, dass er unsere Tochter zur Frau bekommen soll?\u00ab &#8211; \u00bbEr ist auf dem Schiff, Herrin.\u00ab &#8211; \u00bbLaufe und bringe ihn schnell her, damit wir ihn sehen.\u00ab Der Kapit\u00e4n geht und sagt zu dem Sklaven: \u00bbDie Herrin verlangt nach dir. \u00ab &#8211; \u00bbBravo, ich werde kommen; wir wollen zusammen gehen.\u00ab Der Sklave bekommt von dem Kapit\u00e4n Kleider und zieht sie an und geht mit ihm in das Haus des Herrn.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie geklopft hatten und eingetreten waren, kam die Herrin mit ihren T\u00f6chtern herab und begr\u00fc\u00dfte den Kapit\u00e4n und den J\u00fcngling und nahm sie mit nach oben, und sie setzten sich. Der J\u00fcngling war sch\u00f6n und liebensw\u00fcrdig und gefiel der Herrin. Da sagte sie zu ihm: \u00bbMein Mann schreibt mir, du sollst eine von unsern drei T\u00f6chtern nehmen, welche du willst.\u00ab Sofort nahm er die erste und heiratete sie noch an demselben Tage. Dem Kapit\u00e4n trug er auf, zu gehen und die Waren des Juden zu verkaufen. Den Juden schickte er auf das Gut, dort als Sklave zu arbeiten bis an sein Lebensende.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Herrin schrieb einen Brief an ihren Gatten, worin sie sagte, dass sie getan habe, wie er ihr geschrieben. Der J\u00fcngling nahm den Brief und entsiegelte ihn und schrieb, sie habe den Sklaven aufs Gut geschickt, dort zu arbeiten bis an sein Lebensende, aber nicht, dass er seine Tochter geheiratet habe. Der Kapit\u00e4n bewahrt das Geheimnis und teilt dem Herrn nichts mit.<\/p>\n\n\n\n<p>Der J\u00fcngling ging einst unerkannt in die Stadt in ein Kaffeehaus und verlangte Kaffee, und er wurde ihm gebracht. In diesem Kaffeehause wurde Geige gespielt. Er setzte sich kurze Zeit, und dann ging er weg und lie\u00df auf der Untertasse ein t\u00fcrkisches Pfund. Als er weggegangen war, fragt der Wirt den Kellner: \u00bbHat der J\u00fcngling den Kaffee bezahlt? Sieh doch zu!\u00ab Der Kellner sieht nach und findet auf der Untertasse ein t\u00fcrkisches Pfund und bringt es dem Wirt.<\/p>\n\n\n\n<p>Am andern Tage macht sich der J\u00fcngling auf und geht wieder in dasselbe Kaffeehaus. Als der Wirt ihn sah, ging er zu ihm und gr\u00fc\u00dfte ihn sehr und fragte ihn: \u00bbWas willst du nehmen, Herr?\u00ab Der J\u00fcngling erwiderte: \u00bbLimonade.\u00ab Der Geiger fuhr fort, jeden Tag in diesem Kaffeehaus zu spielen. &#8211; Nun hatte der Sultan befohlen, dass jeden Freitag, wenn er in die Moschee ging, alle Gesch\u00e4fte schlie\u00dfen sollten. Eines Freitags war der J\u00fcngling in dem Kaffeehaus und verlangte die Geige, um selbst zu spielen. Als er spielte, war es Mittag wo der Sultan wieder in die Moschee gehen wollte; und der Kaffeewirt sagt zu dem J\u00fcngling, es sei Freitag, und freitags werde nicht gespielt um diese Stunde, sondern alle Gesch\u00e4fte schl\u00f6ssen, weil de Sultan um diese Stunde in die Moschee gehe und solchen Befehl gegeben habe. Sagt der J\u00fcngling zu dem Wirt: \u00bbIch bitte dich, mir einen Stuhl und die Geige zu geben, dass ich au\u00dferhalb des Kaffeehause sitze, und du schlie\u00dfe das Gesch\u00e4ft: was der Sultan tut, geht mich an und soll deine Sorge nicht sein. \u00ab Und der Wirt gab ihm den Stuhl und die Geige; und er setzte sich drau\u00dfen hin und spielte Geige. Und alle Gesch\u00e4fte waren geschlossen, er allein spielte Geige. Nach kurzer Zeit reitet der Sultan vorbei, um sich in die Moschee zu begeben und vernimmt die Geige. Die Soldaten liefen, um den Geigenspieler zu ergreifen, aber der Sultan gab Befehl, ihn freizulassen. Der Sultan begr\u00fc\u00dfte den Fremden und der Fremde den Sultan, und sie gingen auseinander. Als der Sultan gegessen hatte, w\u00fcnschte er, dass sie den Fremden nach dem Palast br\u00e4chten. Und der Sultan fragte ihn, wie viel er daf\u00fcr wolle, dass er jeden Donnerstag Geige spiele, da sein Spiel ihm gefalle. \u00bbIch will nichts\u00ab, sagte der J\u00fcngling zu ihm. Der Sultan war jedoch nicht einverstanden, dass er nichts nehme, sondern bewilligte ihm zehn Pfund f\u00fcr den Monat &#8211; ohne dass seine Frau und seine Schwiegermutter wussten, dass er Beziehungen zum Sultan habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines Tages, als der J\u00fcngling Geige im Palast spielte, schickte Russland einen Pagliazzo zu dem Sultan, dass auch er einen andern stell und sie sich messen. Als der Sultan den k\u00f6niglichen Auftrag vernommen hatte, war er bek\u00fcmmert w\u00e4hrend des Spieles. Der J\u00fcngling, der Geige spielte, fragte ihn: \u00bbWarum bist du bek\u00fcmmert, mein Sultan?\u00ab &#8211; \u00bbWarum sollte ich nicht bek\u00fcmmert sein, wo man mir einen k\u00f6niglichen Befehl geschickt hat, ich m\u00f6ge einen Pagliazzo stellen, der mit dem k\u00e4mpfen soll, den man mir schickte, und wer de andern niederwerfe, solle f\u00fcnfhunderttausend Pfund bekommen und ich habe keinen Pagliazzo zu stellen. \u00ab &#8211; \u00bbGib mir die Erlaubnis und ich werde allein heraustreten und ringen.\u00ab Der Sultan in seine gro\u00dfen Verzweiflung sagte zu ihm: \u00bbTritt heraus, denn ich habe keinen andern zu stellen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Sie bestimmten den Sonntag zum Ringkampf; und die Leute waren an die Fenster und auf die Balkone getreten, um zuzuschauen. Als der J\u00fcngling herabgestiegen war und die Pagliazzokleidung angezogen hatte, sahen ihn seine Kinder, seine Frau und seine Schwiegermutter und fingen an zu weinen. Da fragte der Sultan: \u00bbWarum weint ihr?\u00ab Die Schwiegermutter antwortete: \u00bbEs ist mein Schwiegersohn.\u00ab &#8211; \u00bbEs schadet nichts, es widerf\u00e4hrt ihm kein Leid.\u00ab Sie sangen zum ersten-, zweiten- und drittenmal, und der J\u00fcngling besiegte den Europ\u00e4er. Da klatschten alle dem J\u00fcngling Beifall und f\u00fchrten ihn in den k\u00f6niglichen Palast.<\/p>\n\n\n\n<p>Sofort schrieb seine Schwiegermutter an ihren Gatten einen Brief, worin sie sagte, dass sie einen Schwiegersohn habe, der sei brav und sitze zur Rechten des Sultans.<\/p>\n\n\n\n<p>Der J\u00fcngling in seiner Freude nahm den Brief nicht selbst zur Besorgung, um ihn abzufassen, sondern seine Schwiegermutter besorgte ihn, und es wurde so dem Kaufmann offenbar, dass er sein Schwiegersohn sei. Der Kaufmann steigt sogleich auf den Dampfer, um nach Konstantinopel zu fahren. Der J\u00fcngling merkte es, dass sein Schwiegervater kommen w\u00fcrde, und bat den Sultan, er m\u00f6ge einen k\u00f6niglichen Befehl erlassen: Wenn ein Dampfer oder ein Schiff komme und Kanonensch\u00fcsse abgebe, so werde der Kaufmann an den einen Mast geh\u00e4ngt und der Kapit\u00e4n an den andern, und ich selbst soll gehen, sie zu h\u00e4ngen. Der Sultan gab diesen Befehl.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesen Tagen kam das Schiff seines Schwiegervaters und gab Kanonensch\u00fcsse ab, und die Paschas kamen sogleich und warfen ihnen die Stricke um den Hals und warteten auf den J\u00fcngling, dass er komme und sie richte. Der J\u00fcngling kam also und sagte zu dem Kapit\u00e4n: \u00bbHast du nicht den Befehl vernommen, den der Sultan erlassen hat, dass alle Dampfer oder Schiffe, die hier herkommen, nicht Kanonensch\u00fcsse abgeben sollen?\u00ab &#8211; \u00bbMein Gebieter, wir waren aufs Meer ausgefahren und vernahmen diesen Befehl nicht. \u00ab (Diese beiden erkannten sich aber, der Kapit\u00e4n und der J\u00fcngling.) \u00bbIch schenke dir also dein Leben, weil du es nicht wusstest.\u00ab Er ging nun auch zu dem Kaufmann und sagt zu ihm: \u00bbWarum hast du den k\u00f6niglichen Befehl nicht geh\u00f6rt?\u00ab Und er versetzte ihm eine Ohrfeige auf die eine Backe und eine zweite auf die andere und sagt zu ihm: \u00bbIch schenke dir das Leben, aber du sollst mein Sklave sein. Erinnerst du dich, dass du mir eine Ohrfeige gabst und mich zum Sklaven gemacht hattest und ich dir sagte: &gt;Du hast mir eine Ohrfeige versetzt, ich werde dir zwei versetzen?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Dann befahl der J\u00fcngling, ihn in sein Haus zu f\u00fchren, und darauf ging er selbst. Und zu dem Kaufmann sagten seine Kinder und sein Frau: \u00bbWas hast du zu weinen?\u00ab Und er sagte: \u00bbIch bin sein Sklave\u00ab und zeigte auf den J\u00fcngling. \u00bbNein, er ist unser Schwiegersohn.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbEr ist mein Mann\u00ab, sagte seine Tochter.<\/p>\n\n\n\n<p>Der J\u00fcngling schenkte das Schiff mitsamt der Ladung dem Kapit\u00e4n weil er das Geheimnis bewahrt hatte, und er schrieb an seinen Vater und seine Mutter, und sie kamen zu ihm nach Konstantinopel. Und es erging ihnen gut und uns noch besser.<\/p>\n\n\n\n<p>Weder bin ich dort gewesen noch brauchen Euer Gnaden es mir zu glauben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Reiche Ein Reicher hatte einen einzigen Sohn in Smyrna und lie\u00df ihn in dieser Stadt in allen Wissenschaften unterrichten. Dann w\u00fcnschte der Sohn nach Konstantinopel zu reisen, um zu studieren. Er studierte dort drei Jahre. Nach je drei Monaten schickte ihm sein Vater immer achtzig t\u00fcrkische Pfund. 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