{"id":6023,"date":"2026-04-20T01:47:14","date_gmt":"2026-04-19T23:47:14","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=6023"},"modified":"2026-04-20T01:47:29","modified_gmt":"2026-04-19T23:47:29","slug":"der-raeuber-und-die-haustiere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-raeuber-und-die-haustiere\/","title":{"rendered":"Der R\u00e4uber und die Haustiere"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der R\u00e4uber und die Haustiere<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>M\u00e4rchen aus der Schweiz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Da war einmal ein M\u00fcllersknecht, der hatte seinem Herrn schon viele Jahre lang treu und flei\u00dfig gedient, und war alt geworden in der M\u00fchle, also dass die schwere Arbeit, die er hier zu verrichten hatte, endlich \u00fcber seine Kr\u00e4fte ging.<\/p>\n\n\n\n<p>Da sprach er eines Morgens zu seinem Herrn: \u00bbIch kann dir nicht l\u00e4nger dienen, ich bin zu schwach. Entlass mich deshalb und gib mir meinen Lohn! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der M\u00fcller sagte: \u00bbJetzt ist nicht die Wanderzeit der Knechte. \u00dcbrigens kannst du gehen, wenn du willst, aber Lohn bekommst du nicht. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da wollte der alte Knecht lieber auf seinen Lohn verzichten, als sich noch l\u00e4nger in der M\u00fchle so abzuqu\u00e4len, und verabschiedete sich von seinem Herrn.<\/p>\n\n\n\n<p>Ehe er aber das Haus verlie\u00df, ging er noch zu den Tieren, die er bis dahin gef\u00fcttert und gepflegt hatte, um ihnen Lebwohl zu sagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er nun zuerst von dem Pferde Abschied nahm, sprach es zu ihm: \u00bbWo willst du denn hin? \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch muss fort\u00ab, sagte er, \u00bbich kann&#8217;s hier nicht l\u00e4nger aushalten. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und wie er dann weiterging, folgte das Pferd ihm nach. Darauf begab er sich zu dem Ochsen, streichelte ihn noch einmal und sprach: \u00bbJetzt beh\u00fct&#8216; dich Gott, Alter! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWo willst du denn hin? \u00ab sprach der Ochs.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbAch, ich muss fort, ich kann&#8217;s hier nicht l\u00e4nger aushalten\u00ab, sagte der M\u00fcllersknecht und ging traurig fort, um noch von dem Hunde Abschied zu nehmen. Der Ochs aber zog hinter ihm her wie das Pferd. Und ebenso machten es die \u00fcbrigen Haustiere, denen er Adieu sagte, n\u00e4mlich der Hund, die Katze und die Gans.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er nun drau\u00dfen im Freien war und sah, dass die treuen Tiere ihm nachzogen, redete er ihnen freundlich zu, dass sie doch wieder umkehren und daheim bleiben m\u00f6chten. \u00bbIch habe jetzt selbst nichts mehr\u00ab, sprach er, \u00bbund kann nicht mehr f\u00fcr euch sorgen. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Aber die Tiere erkl\u00e4rten ihm, dass sie ihn nicht verlassen w\u00fcrden, und zogen vergn\u00fcgt hinter ihm drein.<\/p>\n\n\n\n<p>Da kamen sie nach etlichen Tagen in einen gro\u00dfen Wald. Das Pferd und der Ochs fanden hier gutes Gras. Auch die Gans und der Hahn lie\u00dfen sich&#8217;s schmecken. Die anderen Tiere aber, die Katze und der Hund, die mussten Hunger leiden, wie der alte M\u00fcllersknecht, aber knurrten und murrten nicht dar\u00fcber. Endlich, als sie ganz tief in den Wald hineingekommen waren, sahen sie auf einmal ein sch\u00f6nes gro\u00dfes Haus vor sich stehen. Das war aber fest zugeschlossen; nur ein Stall stand offen und war leer. Und von hier aus konnte man durch die Scheuer in das Haus kommen. Weil nun niemand in dem Haus zu sehen war, so beschloss der Knecht, mit seinen Tieren dazubleiben, und wies einem jeden seinen Platz an. Das Pferd stellte er vorn in den Stall. Den Ochs f\u00fchrte er auf die andere Seite. Der Hahn bekam seinen Platz auf dem Dache, der Hund auf dem Miste, die Katze auf dem Feuerherde, die Gans hinter dem Ofen. Dann reichte er jedem sein Futter, das er in dem Hause reichlich vorfand, und er selbst a\u00df und trank, was er mochte, und legte sich dann schlafen in ein gutes Bett, das in der Kammer fertig dastand.<\/p>\n\n\n\n<p>Als es nun schon Nacht war, kam der R\u00e4uber, dem dies Waldhaus geh\u00f6rte, zur\u00fcck. Wie der aber in den Hof trat, sprang sogleich der Hund wie w\u00fctend auf ihn los und bellte ihn an. Dann schrie der Hahn vom Dache herunter: \u00bbKikeriki! Kikeriki!\u00ab dass es dem R\u00e4uber angst und bange wurde, denn er hatte in seinem Leben noch keine Haustiere gesehen, die mit den Menschen zusammenleben, sondern kannte blo\u00df die wilden Tiere des Waldes. Deshalb nahm er Rei\u00dfaus und sprang eilig in den Stall. Aber da schlug das Pferd hinten aus und traf ihn in die Seite, dass er um und um taumelte und sich nur mit M\u00fche in die hintere Seite des Stalles fl\u00fcchten konnte. Kaum aber war er hier angekommen, so drehte sich auch schon der Ochse um und wollte ihn auf seine H\u00f6rner nehmen. Da bekam er einen neuen Schrecken und lief, was er konnte, durch die Scheuer hindurch und dann in die K\u00fcche, um ein Licht anzuz\u00fcnden und zu sehen, was da los sei. Wie er nun auf dem Herde herumtastete und die Katze anr\u00fchrte, fuhr die auf ihn los und kratzte ihn derma\u00dfen mit ihren Krallen, dass er Hals \u00fcber Kopf davonsprang und sich eben in der Stube hinter den Ofen verstecken wollte. Da wachte aber die Gans auf und zeterte und schlug mit den Fl\u00fcgeln, dass es dem R\u00e4uber H\u00f6llenangst wurde und er sich in die Kammer fl\u00fcchtete. Da schnarchte nun der M\u00fcllersknecht in dem Bette so kr\u00e4ftig wie ein schnurrendes Spinnrad, dass der R\u00e4uber meinte, die ganze Kammer sei mit Leuten angef\u00fcllt. Da \u00fcberfiel ihn ein arges Grauen und Grausen, und er lief schnell zum Haus hinaus und rannte in den Wald hinein, und stand nicht eher still, als bis er seine Raubgesellen gefunden hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Da fing er nun an zu erz\u00e4hlen: \u00bbIch wei\u00df nicht, was in unserem Haus vorgegangen ist, es wohnt ein ganz fremdes Volk darin. Als ich in den Hof trat, sprang mir ein gro\u00dfer wilder Mann entgegen und schalt und br\u00fcllte so grimmig, dass ich dachte, er w\u00fcrde mich umbringen. Ein anderer reizte ihn noch auf und rief vom Dache herunter: &gt;Gib &#8218;in au f\u00fcr mi! Gib &#8218;in au f\u00fcr mi! &lt; Da mir&#8217;s der erste schon arg genug machte, so wollte ich nicht warten, bis noch mehr \u00fcber mich herfielen und fl\u00fcchtete mich in den Stall. Aber da hat ein Schuhknecht mir einen Leisten an die Seite geworfen, dass ich&#8217;s noch sp\u00fcre. Und als ich dann hinten in den Stall kam, stand da ein Gabelmacher und wollte mich mit seiner Gabel aufspie\u00dfen. Und als ich in die K\u00fcche kam, sa\u00df da ein Hechelmacher und schlug mir seine Hechel in die Hand. Und als ich in die Stube sprang und mich hinter dem Ofen verstecken wollte, da schlug mich ein Schaufelmacher mit seiner Schaufel. Als ich aber endlich in die Kammer lief, da schnarchten darin noch so viele andere, dass ich nur froh sein musste, als ich lebendig wieder drau\u00dfen war. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Als die R\u00e4uber dies h\u00f6rten, entsetzten sich alle so sehr, dass keiner Lust hatte, in das Haus zu gehen. Nein, sie meinten, die ganze Umgebung sei durch dies fremde Volk unsicher geworden und zogen noch in selbiger Nacht fort, weit weg in ein anderes Land, und sind nie wiedergekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da lebte nun der M\u00fcllersknecht mit seinen treuen Tieren in Ruhe und Frieden in dem Hause der R\u00e4uber und brauchte sich nicht mehr zu plagen in seinen alten Tagen, denn der sch\u00f6ne Garten neben dem Hause trug ihm j\u00e4hrlich mehr Obst, Gem\u00fcse und allerlei Nahrung, als er und seine Tiere verzehren konnten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der R\u00e4uber und die Haustiere M\u00e4rchen aus der Schweiz Da war einmal ein M\u00fcllersknecht, der hatte seinem Herrn schon viele Jahre lang treu und flei\u00dfig gedient, und war alt geworden in der M\u00fchle, also dass die schwere Arbeit, die er hier zu verrichten hatte, endlich \u00fcber seine Kr\u00e4fte ging. 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