{"id":6021,"date":"2026-04-20T01:44:03","date_gmt":"2026-04-19T23:44:03","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=6021"},"modified":"2026-04-20T01:44:09","modified_gmt":"2026-04-19T23:44:09","slug":"der-raeuberhauptmann-hans-kuehstock","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-raeuberhauptmann-hans-kuehstock\/","title":{"rendered":"Der R\u00e4uberhauptmann Hans K\u00fchstock"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der R\u00e4uberhauptmann Hans K\u00fchstock<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Johann Wilhelm Wolf<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Ein armer Bauersmann hatte einen Sohn. Als dieser etwa f\u00fcnfzehn Jahre alt war, schickte er ihn in die Stadt, da solle er sich einen Dienst suchen und ein Handwerk lernen. Der Junge ging seines Wegs daher, als ihm ein feiner Herr begegnete und ihn fragte: \u201eWohin geht die Reise?\u201c \u201eIn die Stadt, wo ich mir einen Meister suchen soll\u201c, sprach der Junge. \u201eSo gehe mit mir, ich lehre dir ein Handwerk, das seinen Mann ern\u00e4hrt\u201c, sagte der Herr und der Junge folgte ihm. Sie kamen in einen Wald und zu einer H\u00f6hle, da sa\u00dfen elf R\u00e4uber und der feine Herr war der zw\u00f6lfte. Er zeigte dem Jungen gro\u00dfe Haufen von Gold und Silber, welche in der H\u00f6hle lagen und fragte ihn: \u201eWie gef\u00e4llt dir das? So reich m\u00f6chtest du auch wohl werden nicht wahr?\u201c \u201eIhr versteht das sch\u00f6nste Handwerk auf der Welt und das einen goldnen Boden hat\u201c sprach der Junge. \u201eBei euch gehe ich gern in die Lehre.\u201c Jetzt a\u00dfen und tranken sie zusammen und waren guter Dinge bis es Abend wurde. Da gab ihm der R\u00e4uber einen Stock, vor dem alle T\u00fcren sprangen und sprach: \u201eNun geh und arbeite, ob du etwas verdienst.\u201c Da ging der Junge und arbeitete in andrer Leute Geldbeutel so lange bis er zweihundert Taler zusammen hatte, und dabei bekam er keine Schwielen in die H\u00e4nde, denn alle Schl\u00f6sser \u00f6ffneten sich ihm, sobald er sie nur mit dem Stock ber\u00fchrte. Als er in die H\u00f6hle zur\u00fcckkam und seinen Verdienst auf den Tisch z\u00e4hlte, sprach der eine R\u00e4uber: \u201eViel ist&#8217;s zwar nicht, aber immer doch etwas, morgen musst du flei\u00dfiger sein.\u201c In der folgenden Nacht brachte er dreihundert Taler mit und der R\u00e4uber sagte: \u201eDiesmal geht&#8217;s schon besser, aber man merkt dir noch immer an, dass du ein Anf\u00e4nger bist.\u201c Da kam er in der dritten Nacht mit vierhundert Talern wieder. \u201eDu machst schon Fortschritte\u201c, sprach der R\u00e4uber, \u201eund von heut an bist du Geselle. Du kannst aber die Nacht noch Meister werden, wenn du Muth hast. Heute ist einer von uns gegangen, um einen Ochsen zu stehlen, wenn du ihm den unterwegs nimmst, dann bist du unser Mann.\u201c \u201eEs kommt auf einen Versuch an\u201c, sprach der Junge, \u201elasst mich mir nur etwas aussuchen, was ich dazu n\u00f6tig habe.\u201c Da ging er tiefer in die H\u00f6hle, nahm sich eine silberne S\u00e4belscheide, verkleidete sich in einen Bettler und machte sich auf den Weg. Im Walde setzte er sich an die Landstra\u00dfe hin und legte die Scheide neben sich. Bald kam der R\u00e4uber mit dem Ochsen daher; als er die S\u00e4belscheide sah, blieb er stehen und fragte: \u201eEi was hast du da? wie kommst du zu der pr\u00e4chtigen Scheide?\u201c \u201eIch fand sie im Walde\u201c, erwiderte der Bettler. \u201eWo die Scheide lag muss auch der S\u00e4bel sich finden\u201c, sagte der R\u00e4uber. \u201eHalte mir den Ochsen auf ein paar Augenblicke, ich will doch sehn ob ich ihn nicht finde.\u201c Und er eilte in den Wald um zu suchen, unterdessen trieb der Junge den Ochsen der H\u00f6hle zu, wo ihn die R\u00e4uber als ihren Meister begr\u00fc\u00dften und ihn sogleich zum Hauptmann der Bande ernannten. Da er das Handwerk so schnell gelernt hatte, stieg ihm der Stolz zu Kopfe und am folgenden Morgen sprach er: \u201eIch gehe einmal zu meinem Vater und bleibe zwei Tage aus, in der Zeit darf jeder von euch tun was er will; wenn ich wiederkommen bringe ich Arbeit f\u00fcr euch mit.\u201c Er lie\u00df sich sein Pferd satteln, schwang sich in sch\u00f6nen Kleidern drauf und ritt nach Hause zu. Sein Vater traute seinen Augen nicht, als er ihn sah und fragte erstaunt: \u201eWie kommst du zu dem Reichtum?\u201c \u201eDurch meinen Eifer und meine Arbeitsamkeit\u201c, sprach der Junge. \u201eIch bin schon Meister und arbeite mit zw\u00f6lf Gesellen Nacht und Tag, was gibst du, was hast du.\u201c \u201eEi seht mir doch den Jungen an, was schaffst du denn?\u201c \u201eLeere Beutel, lieber Vater.\u201c \u201eAlso bist du ein Spitzbub?\u201c rief der Alte entsetzt; \u201edann mach nur dass du mir aus dem Hause kommst, sonst \u00fcberliefere ich dich selbst dem Gericht.\u201c \u201eWie ihr wollt, ade Vater\u201c, sprach Hans, sa\u00df wieder auf sein Ross und ritt weiter, nachdem er noch einen Beutel voll Geld auf den Tisch geworfen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Unterwegs kehrte er in ein Wirtshaus ein, lie\u00df sich einen Schnaps geben und fragte: \u201eWas Neues?\u201c \u201eNicht viel\u201c sagte der Wirth, \u201eau\u00dfer dass gestern zw\u00f6lf R\u00e4uber gefangen worden sind; das sollen aber nur die Gesellen sein, dem Hauptmann sind die Soldaten auf der F\u00e4hrte, der hei\u00dft Hans K\u00fchstock.\u201c \u201eHei\u00dft der so, dann wei\u00df ich wo er ist und wir wollen ihn bald haben\u201c, sprach Hans. \u201eGestern hat er mir erst im Walde die Taschen geleert. Gebt mir nur schlechte Kleider und einen Esel, dann locke ich ihn in euer Haus.\u201c Der Wirth tat es mit Freuden und Hans zog weiter, kaufte auf dem n\u00e4chsten Bauernhof zwei K\u00f6rbe mit Eiern K\u00e4se und Butter und trieb damit zur Hauptstadt. Da kam er an dem Turm vorbei, worin die zw\u00f6lf Kerle gefangen sa\u00dfen und sah, wie sie an den Gitterfenstern lagen und Tr\u00fcbsal nach Noten bliesen. Er hielt seinen Esel an, guckte hinauf und rief: \u201eGelt, ihr habt gestohlen? Was seid ihr f\u00fcr dumme Teufel! Wisst ihr denn nicht, dass ehrlich am l\u00e4ngsten w\u00e4hrt?\u201c Da \u00e4rgerten sich die Spitzbuben, er aber lachte sie aus und verspottete sie, bis sie vor Zorn vom Fenster wegliefen. Das tat er ihnen aber darum, weil sie ihn verraten hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor der Stadt wohnte ein Leinweber, der war blutarm und nagte am Hungertuch. Hans K\u00fchstock, der das wusste, ging zu ihm und schenkte ihm die Eier und den K\u00e4se. \u201eH\u00f6r &#8218;mal Bruderherz\u201c sagte Hans, der das Stehlen nun einmal nicht lassen konnte; \u201eich bin arm und du bist arm und der K\u00f6nig hat Geld mehr als zu viel; wie w\u00e4re es, wenn wir ihm ein paar Taschen voll davon abn\u00e4hmen? Ihm tut\u2019s nichts und uns tut\u2019s sehr viel.\u201c \u201eAch du scheinst mir einer von denen zu sein, die nur gl\u00fchend Eisen und M\u00fchlsteine liegen lassen\u201c, sprach der Leinweber, \u201eaber ich bin&#8217;s zufrieden; ehrlich bin ich lang genug gewesen und habe es zu nichts gebracht; da werde ich einmal zur Abwechslung Spitzbub. Wie kommen wir aber in die Schatzkammer?\u201c \u201eDaf\u00fcr lass mich sorgen\u201c antwortete Hans.<\/p>\n\n\n\n<p>Abends gingen Beide an den Turm, wo die Schatzkammer war; an der Erde hatte sie ein Fenster, das war mit drei eisernen L\u00e4den verschlossen. Hans hielt seinen Stock daran, da sprangen sie alle auf und Beide stiegen hinein. Hans nahm eine gute Hand voll Geld, der Leinweber stopfte sich aber beide Taschen voll; dann gingen sie ruhig wieder nach Hause. Als der K\u00f6nig Morgens in die Schatzkammer kam und den Diebstahl bemerkte aber alle Fenster und T\u00fcren geschlossen sah, lie\u00df er die zw\u00f6lf Spitzbuben zu sich kommen und fragte sie, wie der Dieb wohl in die Kammer gelangt sein k\u00f6nne? Die untersuchten die Fenster und sahen gleich, wo der Fehler war. \u201eHans K\u00fchstock ist hier gewesen\u201c sprachen sie, \u201eund durch dies Fenster gestiegen.\u201c Der K\u00f6nig versprach ihnen die Freiheit, wenn sie ihn fingen; da legten sie Fallen und Schlingen an das Fenster und versicherten den K\u00f6nig, morgen w\u00fcrde Hans K\u00fchstock in seinen H\u00e4nden sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Als es gegen Abend ging, sprach der Leinweber: \u201eDas eine Mal war nicht der M\u00fche wert, komm lass uns mehr holen.\u201c Da gingen sie zu dem Turm, Hans K\u00fchstock hielt seinen Stock an das Fenster und es sprang auf. \u201eLass mich zuerst hinein\u201c, sprach er zu dem Leinweber, \u201ees m\u00f6chte drin nicht richtig sein und du verstehst dich noch schlecht aufs Handwerk.\u201c \u201eWeg da, ich will dir beweisen, dass ich Muth habe\u201c, sagte der Leinweber und ging in die Falle. \u201eDa siehst du wer Recht hatte\u201c, sprach Hans K\u00fchstock. \u201eAber wart ich helfe uns Beiden, drehe nur den Kopf einmal herum.\u201c Der Leinweber tat\u2019s und ritsch schnitt der R\u00e4uber ihm den Kopf ab, nahm sich die Taschen voll Geld und ging mit dem Kopfe seiner Wege zu des Leinwebers Haus zur\u00fcck. Am Morgen kam der K\u00f6nig in die Schatzkammer, da lag der blutige Leichnam. Er lie\u00df die R\u00e4uber kommen, welche die Leiche untersuchten. \u201eDas ist er nicht\u201c, sprachen sie, \u201eaber wenn man die Leiche an den Galgen h\u00e4ngt, dann kann man ihn fangen, denn er wird trachten, dieselbe zu stehlen, darum muss eine starke Wache dabei aufgestellt werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dies geschah, aber Hans K\u00fchstock lachte den K\u00f6nig heimlich aus und dachte, so gescheit sei ein guter Spitzbub wohl, dass er nicht in diese dumme Falle gehe. Er zog des Leinwebers alte Kleider an, kaufte sich zwei kleine F\u00e4sschen mit Branntwein, worein er starken Schlaftrunk goss, und lud sie auf seinen Esel; dann lie\u00df er vom Schneider zw\u00f6lf Pfarrersr\u00f6cke machen, packte sie ein und lud sie zu den F\u00e4sschen; also zog er als es dunkel wurde dem Galgen zu, indem er schrie: \u201eLebenstrank! Wer kauft Lebenstrank?\u201c Als die Soldaten, deren zw\u00f6lf auf Wache standen ihn sahen, riefen sie ihm zu und lie\u00dfen sich einschenken und der Branntwein schmeckte ihnen so gut, dass das F\u00e4sschen bald leer wurde. Da sanken sie einer nach dem andern um und schliefen wie die Kl\u00f6tze. \u201eJetzt ist die Reihe wieder an mir\u201c, sprach Hans K\u00fchstock, zog ihnen ihre Montur aus und lud sie nebst den Gewehren, S\u00e4beln und dem Leichnam auf seinen Esel, dann zog er ihnen die Pfarrersr\u00f6cke an und trieb dem Leine Webersh\u00e4uschen zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Morgens wachten die Soldaten auf und da kann man sich denken, was sie f\u00fcr Augen machten. Anfangs wollten sie alle desertieren, aber da sprach einer von ihnen, der ein durchtriebener Pfiffikus war: \u201eBleibt ruhig hier, ich mache Alles gut.\u201c Er ging in seinem Pfarrersrock zum K\u00f6nig, warf sich ihm zu F\u00fc\u00dfen und sprach: \u201eHerr K\u00f6nig, ach schenket mir und meinen Mitbr\u00fcdern das Leben! Wir haben es nicht verdient, aber wir hoffen, ihr werdet uns gn\u00e4dig sein.\u201c Der K\u00f6nig war sehr erstaunt und sprach: \u201eHerr Pfarrer, ich schenke es euch gern, wei\u00df aber nicht, was ihr verbrochen haben k\u00f6nnt.\u201c Da stand der Soldat auf und erz\u00e4hlte Alles. Der K\u00f6nig lachte zwar \u00fcber den neuen Streich des R\u00e4ubers, aber innerlich \u00e4rgerte er sich doch, lie\u00df die zw\u00f6lf Spitzbuben kommen und drohte ihnen, sie w\u00fcrden sofort Alle an den Galgen geh\u00e4ngt, wenn sie ihm nicht ein sicheres Mittel sagten, den Hans K\u00fchstock zu fangen. Da rieten sie, der K\u00f6nig solle die ganze Gegend umzingeln und alle H\u00e4user durchsuchen lassen, wenn man ihn dann nicht finde, dann m\u00fcssten sie sich in ihr Schicksal ergeben. Der K\u00f6nig lie\u00df alsbald seine Befehle ergehen und alle Leute wurden den zw\u00f6lf Spitzbuben vorgef\u00fchrt und alle H\u00e4user durchsucht. Aber Hans K\u00fchstock fand sich nicht, der war l\u00e4ngst \u00fcber alle Berge, um anderswo seine Kunst zu betreiben; wo er aber sein Nest gehabt hatte, das erfuhr der K\u00f6nig, als man des Leinwebers Haus durchsuchte. Am folgenden Tage mussten die zw\u00f6lf Spitzbuben baumeln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der R\u00e4uberhauptmann Hans K\u00fchstock Johann Wilhelm Wolf Ein armer Bauersmann hatte einen Sohn. Als dieser etwa f\u00fcnfzehn Jahre alt war, schickte er ihn in die Stadt, da solle er sich einen Dienst suchen und ein Handwerk lernen. 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