{"id":599,"date":"2015-11-03T22:27:19","date_gmt":"2015-11-03T21:27:19","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=599"},"modified":"2026-01-24T22:22:31","modified_gmt":"2026-01-24T21:22:31","slug":"die-goettin-des-gluecks","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-goettin-des-gluecks\/","title":{"rendered":"Die G\u00f6ttin des Gl\u00fccks"},"content":{"rendered":"<p>M\u00e4rchen aus Nepal<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Verdana;\">In einem einsamen Dorf hoch in den Bergen von Nepal lebte einst eine alte Frau mit ihrem einzigen Sohn. Die beiden waren sehr arm und fristeten ihr Dasein, indem sie f\u00fcr die anderen Dorfbewohner die niedrigsten Arbeiten verrichteten. Wenn die Dinge besonders schlecht standen, mussten sie sogar betteln gehen. Mit den Jahren wurde der Junge aber immer unzufriedener mit seinem Leben. Eines Tages fragte er: &#8222;Mutter, weshalb sind wir so arm? Weshalb haben wir so wenig um satt zu werden und uns zu kleiden?&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Verdana;\"> Seine Mutter antwortete mit leiser Stimme: &#8222;Wir m\u00fcssen es hinnehmen, mein Sohn, denn es ist der Wille der G\u00f6tter. Es ist unser Schicksal.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Verdana;\"> Der Junge aber war mit dieser Antwort ganz und gar nicht zufrieden, und er beschloss, sofort aufzubrechen, um den Herrn der Welt zu suchen und ihm dieselbe Frage zu stellen. Nat\u00fcrlich erhoffte er sich von ihm eine bessere Antwort.<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Verdana;\"> Nach vielen Stunden kam er in einen dichten Urwald. Und da er mittlerweile ersch\u00f6pft und hungrig war, setzte er sich nieder, um sich auszuruhen.<br \/>\nDer Zufall wollte es, dass gerade der Gott Schiwa und die G\u00f6ttin Parvati vorbeikamen. Als Schiwa den Jungen erblickte, fragte er ihn: &#8222;Mein Kind, was tust du ganz allein an diesem Furchteinfl\u00f6\u00dfenden Ort?&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Verdana;\"> Da erz\u00e4hlte der Junge Schiwa und Parvati von seiner Mutter, die so arm war, dass sie betteln musste. &#8222;Ich will den Herrn der Welt finden, um ihn zu fragen, warum wir so arm sind. Wenn ich erst einmal die Antwort auf diese Frage kenne, werde ich auch reich werden.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Verdana;\"> Die Geschichte des Jungen bewegte den Gott und die G\u00f6ttin sehr, und Parvati sprach zu Schiwa: &#8222;Mein Herr und Meister, lasst uns diesem Kind noch heute ein Geschenk machen.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Verdana;\"> Schiwa aber sch\u00fcttelte bed\u00e4chtig den Kopf &#8222;Nein, meine liebe Parvati, das k\u00f6nnen wir nicht tun, denn der Junge und seine Mutter d\u00fcrfen nicht mehr bekommen, als das Schicksal ihnen bestimmt hat. Was immer dar\u00fcber hinaus in ihren Besitz gelangt, wird auch bald wieder verloren sein, und dann wird es ihnen schlechter gehen als zuvor&#8220;<br \/>\nParvati war nicht zufrieden mit dieser Antwort. Sie setzte Schiwa so lange zu, bis er schlie\u00dflich seine Meinung \u00e4nderte und dem Jungen eine goldene Halskette zum Geschenk reichte. Der Junge war \u00fcbergl\u00fccklich! Freudig nahm er die Halskette, bedanke sich und machte sich auf den Weg nach Hause zu seiner Mutter Doch als er so dahinschritt, f\u00fchlte er sich elender und elender. Als er es nicht mehr l\u00e4nger aushalten konnte, legte er sein B\u00fcndel und die Halskette beiseite, um sich im Geb\u00fcsch zu erleichtern. W\u00e4hrenddessen kam ein gro\u00dfer Adler vorbeigeflogen. Als dieser das Funkeln des Goldes erblickte, stie\u00df er herab und flog mit der Halskette davon.<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Verdana;\"> Der arme Junge weinte w\u00e4hrend seines ganzen Heimwegs. Und was noch schlimmer war: Als er schlie\u00dflich daheim anlangte, wollte ihm seine Mutter kein einziges Wort von dem, was er erz\u00e4hlte, glauben. &#8222;Das ist eine sehr weit hergeholte Geschichte&#8220;, schnaubte sie. &#8222;Mach, dass du hinunterkommst ins Dorf und eine n\u00fctzliche Arbeit findest, mit der du dir dein Brot verdienen kannst.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Verdana;\"> Doch am n\u00e4chsten Tag beschloss der Junge, sich noch einmal auf den Weg zu machen, um den Herrn der Welt zu suchen und ihn zu fragen, warum seine Mutter und er so arm seien. Er schlich sich aus dem Haus, bevor seine Mutter erwachte, und er lief und lief, bis ihn sein ganzer Leib schmerzte. Schlie\u00dflich kam er zu derselben Stelle wie am Tag zuvor Und wieder kamen Schiwa und Parvati vorbei. Sie blieben stehen und fragten ihn: &#8222;Wie ist es dir mit der goldenen Halskette ergangen, die wir dir geschenkt haben?&#8220; Als sie vernahmen, wie er sie verloren hatte, waren sie sehr traurig, doch Schiwa bestand darauf, dass der Junge nichts von dem, was man ihm schenkte, w\u00fcrde behalten k\u00f6nnen, solange sein Schicksal sich nicht wendete.<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Verdana;\"> Parvati hatte wiederum gro\u00dfes Mitleid mit dem Jungen und bat Schiwa, ihm zu helfen. Dieser weigerte sich, aber schlie\u00dflich \u00fcberredete sie ihn, sie zu dem gro\u00dfen Gott Brahma in seinem Palast hoch \u00fcber den Bergen zu begleiten und ihn um Hilfe zu bitten. So machten sie sich auf den Weg. &#8222;Dieser Junge ist sehr tapfer, gro\u00dfer Meister. Bitte tut etwas, um diesem au\u00dfergew\u00f6hnlichen Kind zu helfen&#8220;, so bat das Paar. Der gro\u00dfe Gott Brahma h\u00f6rte sich ihre Geschichte genau an. Dann gab er Parvati einen Diamantring, den sie dem Jungen bringen sollte.<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Verdana;\"> Mit dem Ring in der Tasche und Freude im Herzen machte sich der Junge wieder auf den Heimweg. Nach einer Weile wurde er durstig und er machte Rast an einem Fluss, um zu trinken. Doch als er sich hinkniete, um Wasser zu sch\u00f6pfen, fiel ihm der Ring aus der Tasche und wurde sofort von einem Fisch verschlungen. Der arme Junge war verzweifelt! Er weinte immerfort, als er nach Hause lief, doch seine Mutter sagte: &#8222;Du dummes Kind! Wie kannst du denken, dass ich diese Geschichte glaube?&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Verdana;\"> Die Nacht kam und ging, und am n\u00e4chsten Morgen f\u00fchlte sich der Junge wieder kr\u00e4ftig und war entschlossener denn je, eine Antwort auf seine Frage zu finden. Er ging bis es sp\u00e4ter Nachmittag war, und setzte sich dann hin, um auszuruhen. Und erneut kamen Schiwa und Parvati vorbei. Sofort verlangten sie zu wissen, ob es ihm gelungen war, seinen kostbaren Besitz heim zu seiner Mutter zu bringen.<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Oh nein&#8220;, sagte der Junge und weinte. &#8222;Ich lief, bis ich vor Durst nicht mehr laufen konnte. Als ich mich niederkniete, um aus dem Fluss zu trinken, fiel der Ring ins Wasser und wurde von einem Fisch verschlungen. Und so muss ich immer noch den Herrn der Weit finden, um eine Antwort auf meine Frage zu erhalten.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Verdana;\"> Jetzt gingen auch Schiwa die Tr\u00e4nen des Jungen zu Herzen, und so entschied er, noch einmal zu dem gro\u00dfen Gott Brahma zu gehen. Gemeinsam beschlossen Brahma und Schiwa, sich an Wischnu selbst zu wenden, um f\u00fcr das Kind etwas zu erreichen. Und als dieser die Geschichte des Jungen vernahm, war sogar Wischnu bewegt. So beschloss er, dem Jungen einige Diamanten zu schenken.<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Verdana;\"> Diesmal lief der Junge ohne Unterbrechung nach Hause, denn er wollte seinen Schatz nicht wieder auf der Reise verlieren. Er lief und lief, ohne auch nur einmal anzuhalten, und erreichte ihre H\u00fctte, noch bevor die Mutter von ihrem Bettelgang zur\u00fcckgekehrt war Also legte er die Diamanten an einen sicheren Platz und suchte, vor Aufregung laut rufend, seine Mutter<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Verdana;\"> Diese wagte es kaum, die Geschichte zu glauben, und sie eilten zur\u00fcck zu ihrer H\u00fctte. Doch was mussten sie dort sehen: Ein Dieb war in ihre H\u00fctte eingebrochen und hatte alle Diamanten gestohlen! Jetzt war die Mutter sehr ver\u00e4rgert und sie schalt ihren Sohn, weil er seine Tage damit verbrachte, herumzulaufen und sich Geschichten auszudenken an statt betteln zu gehen oder sich nach einer Arbeit umzusehen. Der arme Junge ging ohne ein Wort hinaus auf die Felder und weinte bitterlich vor Entt\u00e4uschung.<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Verdana;\"> Aber schon am n\u00e4chsten Morgen f\u00fchlte er sich wieder besser, und noch einmal machte er sich auf den Weg in den Urwald. Schiwa vermochte kaum zu glauben, dass der Junge trotz all seiner Plagen und Verluste noch nicht aufgegeben hatte. &#8222;Wie erstaunlich ist der Geist dieses Jungen&#8220;, sagte er zu Parvati. Und diesmal ging er geradewegs zur G\u00f6ttin des Gl\u00fccks, um sie zu bitten, etwas f\u00fcr das Kind zu tun.<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Verdana;\"> Die G\u00f6ttin des Gl\u00fccks war so beeindruckt, dass sie selbst zu dem Urwald hinabstieg und dem Jungen eine einzelne Kupferm\u00fcnze schenkte. Und obwohl es nur eine einzige M\u00fcnze war, dankte ihr der Junge h\u00f6flich und machte sich auf, um seinen Schatz nach Hause zu bringen. Er lief zu seiner Mutter, umarmte sie und sprach: &#8222;Jetzt verf\u00fcge auch ich \u00fcber einen kleinen Besitz, Mutter, und wir brauchen nicht mehr betteln zu gehen.&#8220; Sie freuten sich miteinander und gaben diesmal gut auf die M\u00fcnze Acht.<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Verdana;\"> Bald darauf kam ein Fischer vorbei, der seinen Fang verkaufen wollte. Und diesmal konnten auch die Mutter und ihr Sohn etwas kaufen. &#8222;Gib uns bitte einen gro\u00dfen Fisch&#8220;, sagte der Junge voller Genugtuung, &#8222;denn heute haben wir Geld, um dich zu bezahlen.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Verdana;\"> Dann nahm der Junge ein Messer und machte sich daran, den Fisch zum Braten vorzubereiten. Doch wie gro\u00df war sein Erstaunen, als er den Fisch ausgenommen hatte! Denn im Innern des Fisches fand er den Ring, den er in den Fluss hatte fallen lassen. &#8222;Was haben wir f\u00fcr ein Gl\u00fcck, Mutter! &#8222;, rief er voller Freude. Und seine Mutter nahm den Ring und betrachtete ihn voll Verwunderung.<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Verdana;\"> Dann stieg der Junge auf einen nahe gelegenen Baum, um etwas Holz zu holen, mit dem er das Feuer anfachen konnte. Ganz oben auf der Spitze des Baums befand sich das Nest eines Adlers. Als der Junge einen Blick in das Nest warf \u2014 wie erstaunte er, dort die goldene Halskette zu sehen, die er verloren hatte. Doch damit sollte es des Gl\u00fccks immer noch nicht genug sein. Als er von dem Baum herabgestiegen war und nach Hause ging, hatte sich vor der T\u00fcr ihrer H\u00fctte der Dieb eingefunden. Reum\u00fctig gestand er, er habe in der Nacht einen Traum gehabt, der ihm sagte, er m\u00fcsse die Diamanten den armen Leuten zur\u00fcckgeben, denen er sie gestohlen haue.<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Verdana;\"> So verhalf die G\u00f6ttin des Gl\u00fccks einer armen Mutter und ihrem Sohn zu gro\u00dfem Reichtum!<\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"JUSTIFY\">\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: small;\">Aus M\u00fctter und S\u00f6hne, M\u00e4rchen aus aller Welt&#8220;, Verlag Urachhaus,<br \/>\nOriginaltitel &#8222;Mother and Son&#8220; Barefoot Books Bristol<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00e4rchen aus Nepal<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85,169,133],"tags":[],"class_list":["post-599","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-maerchen","category-nepal","category-maerchen-weltweit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/599","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=599"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/599\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":601,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/599\/revisions\/601"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=599"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=599"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=599"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}