{"id":5987,"date":"2026-04-20T00:43:44","date_gmt":"2026-04-19T22:43:44","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5987"},"modified":"2026-04-20T00:43:57","modified_gmt":"2026-04-19T22:43:57","slug":"die-kristallkugel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-kristallkugel\/","title":{"rendered":"Die Kristallkugel"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die Kristallkugel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einmal eine Zauberin, die hatte drei S\u00f6hne, die sich br\u00fcderlich liebten; aber die Alte traute ihnen nicht und dachte, sie wollten ihr ihre Macht rauben. Da verwandelte sie den \u00e4ltesten in einen Adler, der musste auf einem Felsengebirge hausen, und man sah ihn manchmal am Himmel in gro\u00dfen Kreisen auf und nieder schweben. Den zweiten verwandelte sie in einen Walfisch, der lebte im tiefen Meer, und man sah nur, wie er zuweilen einen m\u00e4chtigen Wasserstrahl in die H\u00f6he warf. Beide hatten nur zwei Stunden jeden Tag ihre menschliche Gestalt. Der dritte Sohn, da er f\u00fcrchtete, sie m\u00f6chte ihn auch in ein rei\u00dfendes Tier verwandeln, in einen B\u00e4ren oder einen Wolf, so ging er heimlich fort. Er hatte aber geh\u00f6rt, dass auf dem Schloss der goldenen Sonne eine verw\u00fcnschte K\u00f6nigstochter s\u00e4\u00dfe, die auf Erl\u00f6sung harrte: es m\u00fcsste aber jeder sein Leben daran wagen, schon dreiundzwanzig J\u00fcnglinge w\u00e4ren eines j\u00e4mmerlichen Todes gestorben und nur noch einer \u00fcbrig, dann d\u00fcrfte keiner mehr kommen. Und da sein Herz ohne Furcht war, so fasste er den Entschluss, das Schloss von der goldenen Sonne aufzusuchen. Er war schon lange Zeit herumgezogen und hatte es nicht finden k\u00f6nnen; da geriet er in einen gro\u00dfen Wald und wusste nicht, wo der Ausgang war. Auf einmal erblickte er in der Ferne zwei Riesen, die winkten ihm mit der Hand, und als er zu ihnen kam, sprachen sie: &#8222;Wir streiten um einen Hut, wem er geh\u00f6ren soll, und da wir beide gleich stark sind, so kann keiner den anderen \u00fcberw\u00e4ltigen: die kleinen Menschen sind kl\u00fcger als wir, daher wollen wir dir die Entscheidung \u00fcberlassen.&#8220; &#8211; &#8222;Wie k\u00f6nnt ihr euch um einen alten Hut streiten?&#8220; sagte der J\u00fcngling. &#8222;Du wei\u00dft nicht, was er f\u00fcr Eigenschaften hat: es ist ein W\u00fcnschhut, wer den aufsetzt, der kann sich hin w\u00fcnschen, wohin er will, und im Augenblick ist er dort.&#8220; &#8211; &#8222;Gebt mir den Hut&#8220;, sagte der J\u00fcngling, &#8222;ich will ein St\u00fcck Wegs gehen, und wenn ich euch dann rufe, so lauft um die Wette, und wer am ersten bei mir ist, dem soll er geh\u00f6ren.&#8220; Er setzte den Hut auf und ging fort, dachte aber an die K\u00f6nigstochter, verga\u00df die Riesen und ging immer weiter. Einmal Seufzte er aus Herzensgrund und rief: &#8222;Ach, w\u00e4re ich doch auf dem Schloss der goldenen Sonne!&#8220; Und kaum waren die Worte \u00fcber seine Lippen, so stand er auf einem hohen Berg vor dem Tor des Schlosses.<\/p>\n\n\n\n<p>Er trat hinein und ging durch alle Zimmer, bis er in dem letzten die K\u00f6nigstochter fand. Aber wie erschrak er, als er sie anblickte: sie hatte ein aschgraues Gesicht voll Runzeln, tr\u00fcbe Augen und rote Haare. &#8222;Seid ihr die K\u00f6nigstochter, deren Sch\u00f6nheit alle Welt r\u00fchmt!&#8220; rief er aus. &#8222;Ach&#8220;, erwiderte sie, &#8222;das ist meine Gestalt nicht, die Augen der Menschen k\u00f6nnen mich nur in dieser H\u00e4sslichkeit erblicken; aber damit du wei\u00dft, wie ich aussehe, so schau in den Spiegel, der l\u00e4sst sich nicht irremachen, der zeigt dir mein Bild, wie es in Wahrheit ist.&#8220; Sie gab ihm den Spiegel in die Hand, und er sah darin das Abbild der sch\u00f6nsten Jungfrau, die auf der Welt war, und sah, wie ihr vor Traurigkeit die Tr\u00e4nen \u00fcber die Wangen rollten. Da sprach er: &#8222;Wie kannst du erl\u00f6st werden? Ich scheue keine Gefahr.&#8220; Sie sprach: &#8222;Wer die kristallene Kugel erlangt und h\u00e4lt sie dem Zauberer vor, der bricht damit seine Macht, und ich kehre in meine wahre Gestalt zur\u00fcck. Ach&#8220;, setzte sie hinzu, &#8222;schon so mancher ist darum in seinen Tod gegangen, und du junges Blut, du jammerst mich, wenn du dich in die gro\u00dfen Gef\u00e4hrlichkeiten begibst.&#8220; &#8211; &#8222;Mich kann nichts abhalten&#8220;, sprach er, &#8222;aber sage mir, was ich tun muss.&#8220; &#8211; &#8222;Du sollst alles wissen&#8220;, sprach die K\u00f6nigstochter; &#8222;wenn du den Berg, auf dem das Schloss steht, hinabgehst, so wird unten an einer Quelle ein wilder Auerochs stehen, mit dem musst du k\u00e4mpfen. Und wenn es dir gl\u00fcckt, ihn zu t\u00f6ten, so wird sich aus ihm ein feuriger Vogel erheben, der tr\u00e4gt in seinem Leib ein gl\u00fchendes Ei, und in dem Ei steckt als Dotter die Kristallkugel. Er l\u00e4sst aber das Ei nicht fallen, bis er dazu gedr\u00e4ngt wird; f\u00e4llt es aber auf die Erde, so z\u00fcndet es und verbrennt alles in seiner N\u00e4he, und das Ei selbst zerschmilzt und mit ihm die kristallne Kugel, und all deine M\u00fche ist vergeblich gewesen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Der J\u00fcngling stieg hinab zu der Quelle, wo der Auerochse schnaubte und ihn anbr\u00fcllte. Nach langem Kampf stie\u00df er ihm sein Schwert in den Leib, und er sank nieder. Augenblicklich erhob sich aus ihm der Feuervogel und wollte fortfliegen, aber der Adler, der Bruder des J\u00fcnglings, der zwischen den Wolken daherzog, st\u00fcrzte auf ihn herab, jagte ihn nach dem Meere hin und stie\u00df ihn mit seinem Schnabel an, so dass er in der Bedr\u00e4ngnis das Ei fallen lie\u00df. Es fiel aber nicht in das Meer, sondern auf eine Fischerh\u00fctte, die am Ufer stand, und die fing gleich an zu rauchen und wollte in Flammen aufgehen. Da erhoben sich im Meer haushohe Wellen, str\u00f6mten \u00fcber die H\u00fctte und bezwangen das Feuer. Der andere Bruder, der Walfisch, war herangeschwommen und hatte das Wasser in die H\u00f6he getrieben. Als der Brand gel\u00f6scht war, suchte der J\u00fcngling nach dein Ei und fand es gl\u00fccklicherweise: es war noch nicht geschmolzen, aber die Schale war von der pl\u00f6tzlichen Abk\u00fchlung durch das kalte Wasser zerbr\u00f6ckelt, und er konnte die Kristallkugel unversehrt herausnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der J\u00fcngling zu dem Zauberer ging und sie ihm vorhielt, so sagte dieser: &#8222;Meine Macht ist zerst\u00f6rt, und du bist von nun an der K\u00f6nig vom Schloss der goldenen Sonne. Auch deinen Br\u00fcdern kannst du die menschliche Gestalt damit zur\u00fcckgeben.&#8220; Da eilte der J\u00fcngling zu der K\u00f6nigstochter, und als er in ihr Zimmer trat, so stand sie da in vollem Glanz ihrer Sch\u00f6nheit, und beide wechselten voll Freude ihre Ringe miteinander.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kristallkugel Es war einmal eine Zauberin, die hatte drei S\u00f6hne, die sich br\u00fcderlich liebten; aber die Alte traute ihnen nicht und dachte, sie wollten ihr ihre Macht rauben. 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