{"id":5982,"date":"2026-04-20T00:14:31","date_gmt":"2026-04-19T22:14:31","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5982"},"modified":"2026-04-20T00:14:53","modified_gmt":"2026-04-19T22:14:53","slug":"die-koenigstochter-vom-rhein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-koenigstochter-vom-rhein\/","title":{"rendered":"Die K\u00f6nigstochter vom Rhein"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die K\u00f6nigstochter vom Rhein<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ludwig Bechstein<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Vor grauen Zeiten soll das alte Worms auch die Hauptstadt des burgundischen Reiches gewesen sein. Ein Zigeunerweib stahl aus der Insel des Rosengarten eine K\u00f6nigstochter in einem kleinen Badew\u00e4nnlein, und trug sie \u00fcber den Rhein. Niemand wusste, wo das Kind hingekommen. Sein Vater gr\u00e4mte sich zu Tode, und seine Mutter starb fast vor Herzeleid. Achtzehn Jahre gingen dar\u00fcber hin, da ritt der K\u00f6nigssohn durch einen Wald, fand dort ein Wirtshaus und kehrte ein; den Wein den er begehrte, brachte ihm eine sch\u00f6ne Jungfrau, die ihm \u00fcber alle Ma\u00dfen wohl gefiel. Da er nun eines Fu\u00dfbades begehrte, so r\u00fcstete ihm das die Maid mit frischen gr\u00fcnen Kr\u00e4utern und brachte es in einem Badew\u00e4nnlein dargetragen. Die Wirtin aber war ein h\u00e4ssliches, altes, braunes Weib, die gab der Maid b\u00f6se Rede, und sagte dem jungen Rittersmann, den sie nicht kannte, dass jene nur ein Findelkind sei, vor langen Jahren von ihr angenommen und auferzogen zu einer Dienstmagd. Wie aber der K\u00f6nigssohn sich das Badew\u00e4nnlein ansah, gewahrte er mit Staunen daran das Burgundische Wappenschild, und dachte bei sich selbst: wie kommt dieses W\u00e4nnelein mit dem Wappen meines Stammes in dieses schlechte Wirtshaus? Und da fiel ihm bei geh\u00f6rt zu haben, dass vor langen Jahren sein Schwesterlein zusammen dem W\u00e4ndchen, in dem es gebadet worden, aus dem Rosengarten verschwunden sei, und dass seine Mutter ihm oft erz\u00e4hlt, das Schwesterlein habe ein Malzeichen am Halse gehabt, und dasselbige Zeichen entdeckte nun also bald der K\u00f6nigssohn am Halse der Dienerin. Da gr\u00fc\u00dfte und umfing er sie als seine liebe Schwester, und als die Wirtin eintrat, fragte er diese, von wem und von wannen sie diese edle Jungfrau habe? Die Wirtin erschrak gar sehr, zitterte und erbleichte und fiel auf die Knie. Sie hatte, da die W\u00e4rterin nur auf eine kurze Zeit sich entfernt, Kind und W\u00e4nnlein davon getragen und war eilend in einem Kahn \u00fcber den Rhein hin\u00fcber gefahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Da zog der K\u00f6nigssohn sein Schwert, das war sehr spitz und scharf, und stach die b\u00f6se Wirtin damit in das Ohr, dass die Spitze zum andern Ohr wieder heraustrat, hob die Maid samt dem W\u00e4nnelein auf sein Ross und ritt gen Worms zu seiner Frau Mutter. Die K\u00f6nigin wunderte sich dass, als sie das Paar so seltsam daher reiten sah, und fragte ihren Sohn: welch eine Dirne bringst du uns daher? Sie f\u00fchrt ja ein W\u00e4nnelein mit sich, als wenn sie mit einem Kinde ginge? \u2013 Frau Mutter, ich bringe keine Dirne, sondern Euer verlornes Kind, mein lieb Schwesterlein, zusammen dem W\u00e4nnelein, darin es Euch geraubt ward vor achtzehn Jahren! \u2013 Bei dieser Rede fiel die K\u00f6nigin vor Freude in Ohnmacht, und als sie wieder in den Armen ihrer Kinder erwacht war, priesen alle drei den Herrn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die K\u00f6nigstochter vom Rhein Ludwig Bechstein Vor grauen Zeiten soll das alte Worms auch die Hauptstadt des burgundischen Reiches gewesen sein. Ein Zigeunerweib stahl aus der Insel des Rosengarten eine K\u00f6nigstochter in einem kleinen Badew\u00e4nnlein, und trug sie \u00fcber den Rhein. Niemand wusste, wo das Kind hingekommen. 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