{"id":5980,"date":"2026-04-20T00:10:51","date_gmt":"2026-04-19T22:10:51","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5980"},"modified":"2026-04-20T00:12:14","modified_gmt":"2026-04-19T22:12:14","slug":"die-koenigstochter-zum-goldenen-berge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-koenigstochter-zum-goldenen-berge\/","title":{"rendered":"Die K\u00f6nigstochter zum goldenen Berge"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die K\u00f6nigstochter zum goldenen Berge<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>M\u00e4rchen aus Bayern \u2013 Karl Spiegel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Drei desertierte Soldaten gingen in eine Wildnis hinein. In dieser Wildnis stand ein Schloss. Die Fallbr\u00fccke war aber aufgezogen. Als sie so beim Schlosse stehen blieben und es betrachteten, gab sich die Fallbr\u00fccke herunter. Sie gingen dar\u00fcber und in das Schloss hinein und gelangten in die Stube. Hunger und Durst hatten sie auch, darum zogen sie den Tischkasten auf; es lag aber nur ein Kartenspiel darinnen und darauf stand geschrieben: Nikl\u00f6s. Da sagten sie zu einander: \u00bbF\u00fcr unsern Hunger und Durst wollen wir einmal karten. \u00ab Als sie anfingen zu karten, kam so ein altes M\u00e4nnlein hinein und frug, was ihr Begehren sei? Sie antworteten ihm, sie h\u00e4tten Hunger und Durst, und weil sonst nichts da sei, so wollten sie karten. Da sagte das M\u00e4nnlein, Essen k\u00f6nne er ihnen keines geben, aber Geld k\u00f6nnten sie haben, so viel sie wollten. Er f\u00fchrte sie darauf in die Silbergrube. Sie steckten ein, soviel sie konnten. Dann f\u00fchrte er sie in die Goldgrube. Da warfen sie das Silber weg und steckten daf\u00fcr Gold ein. Zuletzt f\u00fchrte er sie zu den Edelsteinen. Nun warfen sie das Gold weg und packten Edelsteine ein. Als sie fertig waren, sprach das alte M\u00e4nnlein: \u00bbJetzt habt ihr so viel als eine ganze Stadt W\u00e4hrschaft hat, kommt aber nicht mehr. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die Soldaten gingen nun wieder gegen ihre Heimat zu und hielten alle Tage Ball. Es ging aber ihr Geld doch zu Ende. Da hielten sie Rat und beschlossen, wieder zum Schlosse zu gehen und f\u00fchrten den Entschluss auch richtig aus. Als sie hinkamen, war die Fallbr\u00fccke wieder hinaufgezogen. Nachdem sie ein wenig dagestanden waren, ging der Verschlag, die Fallbr\u00fccke, herunter. Sie gingen hinein, zogen den Tischkasten auf und taten die Karten heraus. Als sie diese heraus getan hatten, kam das alte M\u00e4nnlein wieder und sagte: \u00bbHab&#8216; ich es euch nicht gesagt, dass ihr nimmer kommen sollt? Jetzt muss einer da bleiben. \u00ab Die drei Soldaten losten untereinander und der, den das Los traf, blieb da. Die anderen steckten so viel Edelsteine ein, als sie konnten und gingen auf die Heimat zu. Zu dem, der dableiben musste, sagte das M\u00e4nnlein, jetzt m\u00fcsse er Jahr und Tag am Falltor Schildwache stehen. Die Zeit vergehe ihm aber schnell; sobald es ihn hungere, sei sie herum. Das war richtig so. Als ihm der Hunger kam, war die Zeit herum und er ging ins Schloss zur\u00fcck. Das M\u00e4nnlein wies ihm ein Zimmer an und sagte, in dem Zimmer m\u00fcsste er drei N\u00e4chte liegen. Dabei sah der Soldat unter der Bodenstiege drei Schw\u00e4ne sitzen. Das M\u00e4nnlein sagte noch, in der ersten Nacht, die er in dem Zimmer zubringe, k\u00e4men M\u00e4nner, die fragen w\u00fcrden, wie viel Schl\u00e4ge er haben wolle? Und da solle er sagen: einen Schlag. Sie w\u00fcrden ihm wohl mehr anbieten, er aber solle nicht mehr sagen als einen Schlag. Nachts um 11 Uhr kamen sie auch und frugen, wie viele Schl\u00e4ge er haben wolle? Da sagte er: \u00bbEinen Schlag. \u00ab Sie sprachen, er m\u00fcsste mehr annehmen. Er aber blieb dabei, nicht mehr als einen Schlag nehmen zu wollen. Um 12 Uhr verlie\u00dfen ihn die M\u00e4nner. Als er fr\u00fch herunterkam, waren die Schw\u00e4ne unter der Bodenstiege schon etwas sch\u00f6ner. Vor der zweiten Nacht sagte das M\u00e4nnlein: \u00bbHeute antwortest du: zwei Schl\u00e4ge. \u00ab Um 11 Uhr nachts kamen sie wieder und fragten, wie viele Schl\u00e4ge er haben wolle. Er antwortete: \u00bbZwei Schl\u00e4ge. \u00ab Sie boten ihm zwar mehr an, er aber blieb auf seiner Aussage stehen. Um 12 Uhr gingen sie wieder fort. Fr\u00fch, als er herabkam, waren die drei Schw\u00e4ne wieder sch\u00f6ner. Jetzt sagte das M\u00e4nnlein zu ihm: \u00bbHeut&#8216; ist die letzte Nacht, heute sagst Du drei Schl\u00e4ge, aber nur fest darauf geblieben! Sie werden dann Messer heraus tuen und sie wetzen, als wenn sie Dich umbringen wollten. \u00ab Um 11 Uhr kamen sie wieder miteinander und fragten, wie viel Schl\u00e4ge er wolle. Er sprach: \u00bbDrei Schl\u00e4ge. \u00ab Sie aber sagten, er m\u00fcsse mehr haben. Sie taten ihre Messer heraus und machten sie scharf. Aber um 12 Uhr nachts gingen sie fort. Fr\u00fch, als er erwachte, war das Zimmer an den W\u00e4nden golden. Er blieb noch etwas liegen und betrachtete das ver\u00e4nderte Zimmer.<\/p>\n\n\n\n<p>Die drei Schw\u00e4ne unter der Stiege aber waren drei verw\u00fcnschte K\u00f6nigst\u00f6chter. Sie kamen jetzt, weil sie erl\u00f6st waren, in sein Zimmer und sagten zum Soldaten, er solle nun aufstehen. Als er aufgestanden war, sprachen sie zu ihm, er h\u00e4tte jetzt die Wahl unter ihnen drei. Er nahm die vom goldenen Berg. Diese sagte: \u00bbWir sind immer noch nicht fertig, wir m\u00fcssen in drei N\u00e4chten zwischen 11 und 12 Uhr in jene Kirche gehen. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Wege zu dieser Kirche stand ein Wirtshaus, da hinein ging der Soldat und logierte sich ein. Auf die Nacht verlangte er zu trinken. Da sagte die Wirtin, das Wasser in dem Brunnen sei nicht gesund, sie wolle ihm Zitronenwasser geben. Sie aber gab ihm einen Schlaftrunk. Er ging zwar hinaus, setzte sich an den Weg, schlief aber ein. Um 11 Uhr kam die K\u00f6nigstochter gefahren mit vier Rappen und die Chaise war schwarz behangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am zweiten Tag ging der Soldat wieder in das Wirtshaus. Die Wirtin machte es ihm gerade so wie das erste Mal und gab ihm Schlaftrunk. Er setzte sich darauf an die Stra\u00dfe und schlief wieder ein. Um 11 Uhr kam die K\u00f6nigstochter gefahren. Die Chaise war mit vier Fuchsen bespannt und rot behangen. Der Soldat sah und h\u00f6rte aber nichts. Am dritten Abend dachte er: heute Nacht komme ich doch mit. Er nahm den Knecht mit hinaus, dass dieser ihn wecke, wenn er wieder schlafe. Die Wirtin hatte ihn noch einmal betrogen. Als die Prinzessin angefahren kam, hingen vier Schimmeln an der Chaise und diese war wei\u00df behangen; er aber sa\u00df dort und schlief. Sie stieg aus, wollte ihn wach bringen, ebenso der Knecht. Doch sie konnten ihn nicht aufwecken. Als die Prinzessin von der Kirche zur\u00fcckkam, stieg sie wieder aus und gab sich noch einmal die M\u00fche, ihn aufzuwecken. Doch alles war vergeblich. Sie zog nun seinen S\u00e4bel aus der Scheide und schrieb mit goldenen Buchstaben darauf: hier hast du meinen goldenen Ring zum Andenken. Dann fuhr sie fort. Fr\u00fch morgens rief der Soldat den Knecht und fragte, wo sein goldener Ring sei. Der Knecht musste den goldenen Ring hergeben, worauf der Soldat ihm den Kopf abhieb. Dann rief er der Wirtin, sagte zu ihr, sie sei eine Hexe, und habe gemacht, dass er nicht mit der K\u00f6nigstochter in die Kirche gekommen sei. Der Soldat nahm jetzt seinen S\u00e4bel wieder und hieb der Wirtin auch den Kopf ab. Dann rief er die Magd. Zu dieser sagte er, sie solle das Anwesen haben. Darauf machte er sich auf und ging fort.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Soldat hatte noch drei Br\u00fcder. Als er zum ersten kam, sagte er zu ihm: \u00bbGr\u00fc\u00df Gott, Bruder, lebst du noch? \u00ab Der antwortete: \u00bbJa. \u00ab Darauf fragte der Soldat, ob er nicht w\u00fcsste, wo der goldene Berg sei. Der Bruder antwortete, wo der goldene Berg sei, w\u00fcsste er nicht; er k\u00f6nne aber die V\u00f6gel zitieren; wenn die es nicht w\u00fcssten, er w\u00fcsste es nicht. Jetzt zitierte er die V\u00f6gel miteinander, aber keiner wusste etwas von dem goldenen Berg. Da nahm er den st\u00e4rksten Vogel davon, setzte den Soldaten darauf und befahl dem Vogel, ihn so weit zu tragen, als er k\u00f6nne, und ihn dann abzusetzen. Dann reiste der Soldat weiter und kam zu seinem zweiten Bruder. Er sagte zu ihm: \u00bbGr\u00fc\u00df Gott, Bruder, lebst du noch? \u00ab Der antwortete: \u00bbJa. \u00ab Er fragte ihn nun, ob er nicht w\u00fcsste, wo der goldene Berg sei. Der antwortete, nein, aber das Wildbret k\u00f6nne er miteinander zitieren, wenn das es nicht w\u00fcsste, er w\u00fcsste es nicht. Jetzt zitierte der Bruder das Wildbret, aber keines wusste etwas vom goldenen Berg. Da nahm er das st\u00e4rkste Getier davon und setzte den Soldaten darauf. Das musste diesen wieder so weit tragen, als es konnte. Hierauf reiste der Soldat weiter und kam zu seinem dritten Bruder. Den gr\u00fc\u00dfte er auch wie die andern zwei. Dann fragte dieser ihn, wo er herkomme. Der Soldat legte ihm aus, wie es ihm seither erging; dann fragte er seinen Bruder auch, ob er nicht wisse, wo der goldene Berg sei. Dieser sagte, er w\u00fcsste nichts vom goldenen Berg, aber die Wolken k\u00f6nne er zitieren, wenn die es nicht w\u00fcssten, so sei er angef\u00fchrt. Jetzt zitierte sein Bruder die Wolken. Es kam immer eine um die andere und keine wusste etwas vom goldenen Berg. Hintennach kam noch so ein schwarzes W\u00f6lkchen. Sein Bruder fragte es, ob es nichts vom goldenen Berg w\u00fcsste. Das antwortete, ja, es w\u00fcsste, wo der goldene Berg sei, und morgen h\u00e4tte die K\u00f6nigstochter Hochzeit. Da sagte des Soldaten Bruder, es solle den Soldaten aufpacken und solle mit ihm fort, so schnell es k\u00f6nne, damit es noch vor der Hochzeit ank\u00e4me. Und es kam auch richtig vor der Hochzeit mit dem Soldaten hin. Dieser ging gleich vor die Residenz und lie\u00df drinnen sagen, die K\u00f6nigstochter solle einmal herausgehen. Als sie kam, zeigte er ihr den S\u00e4bel mit den goldenen Buchstaben und den goldenen Ring. Der andere Br\u00e4utigam musste darauf fort und der Soldat bekam die K\u00f6nigstochter zur Frau.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die K\u00f6nigstochter zum goldenen Berge M\u00e4rchen aus Bayern \u2013 Karl Spiegel Drei desertierte Soldaten gingen in eine Wildnis hinein. In dieser Wildnis stand ein Schloss. Die Fallbr\u00fccke war aber aufgezogen. 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