{"id":5976,"date":"2026-04-19T23:56:21","date_gmt":"2026-04-19T21:56:21","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5976"},"modified":"2026-04-19T23:56:31","modified_gmt":"2026-04-19T21:56:31","slug":"von-der-koenigin-die-keine-pfeffernuesse-backen-und-dem-koenig-der-nicht-das-brummeisen-spielen-konnte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/von-der-koenigin-die-keine-pfeffernuesse-backen-und-dem-koenig-der-nicht-das-brummeisen-spielen-konnte\/","title":{"rendered":"Von der K\u00f6nigin, die keine Pfeffern\u00fcsse backen, und dem K\u00f6nig, der nicht das Brummeisen spielen konnte"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Von der K\u00f6nigin, die keine Pfeffern\u00fcsse backen, und dem K\u00f6nig, der nicht das Brummeisen spielen konnte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Richard von Volkmann-Leander<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Der K\u00f6nig von Makronien, der sich schon seit einiger Zeit gerade in seinen besten Jahren befand, war eben aufgestanden und sa\u00df unangezogen auf dem Stuhl neben dem Bett. Vor ihm stand sein Hausminister und hielt ihm die Str\u00fcmpfe hin, von denen der eine ein gro\u00dfes Loch an der Ferse hatte. Aber obwohl er den Strumpf mit gro\u00dfer Sorgfalt so gedreht hatte, dass der K\u00f6nig das Loch nicht merken sollte, und obschon der K\u00f6nig sonst mehr auf h\u00fcbsche Stiefel als auf ganze Str\u00fcmpfe zu achten pflegte, war das Loch dem k\u00f6niglichen Scharfblicke diesmal doch nicht entgangen. Entsetzt nahm er dem Minister den Strumpf aus der Hand, fuhr mit dem Zeigefinger durch das Loch, so dass er bis zum Kn\u00f6chel herausguckte, und sagte dann seufzend:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWas hilft mit&#8217;s, dass ich K\u00f6nig bin, wenn ich keine K\u00f6nigin habe! Was meinst du, wenn ich mir eine Frau n\u00e4hme? \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbMajest\u00e4t\u00ab, antwortete der Minister, \u00bbdas ist ein sublimer Gedanke; ein Gedanke, der gewiss auch mir ganz untert\u00e4nig aufgestiegen w\u00e4re, wenn ich nicht gef\u00fchlt h\u00e4tte, dass ihn Ew. Majest\u00e4t jedenfalls heute selbst noch zu \u00e4u\u00dfern geruhen w\u00fcrden! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSch\u00f6n! \u00ab erwiderte der K\u00f6nig, \u00bbaber glaubst du, dass ich so leicht eine Frau finden werde, die f\u00fcr mich passt? \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbPah! \u00ab sagte der Minister. \u00bbZehn f\u00fcr eine!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbVergiss nicht, dass ich gro\u00dfe Anspr\u00fcche mache. Wenn mir eine Prinzessin gefallen soll, muss sie klug und sch\u00f6n sein! Und dann ist noch ein Punkt, auf den ich ganz besonderes Gewicht lege: du wei\u00dft, wie gern ich Pfeffern\u00fcsse esse. In meinem ganzen Reiche ist kein einziger Mensch, der sie zu backen versteht, wenigstens richtig zu backen, nicht zu hart und nicht zu weich, sondern gerade knusprig: sie muss durchaus Pfeffern\u00fcsse backen k\u00f6nnen! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Minister dies h\u00f6rte, bekam er einen heftigen Schreck. Doch sammelte er sich rasch wieder und entgegnete: \u00bbEin K\u00f6nig wie Ew. Majest\u00e4t werden ohne Zweifel auch eine Prinzessin finden, die Pfeffern\u00fcsse zu backen versteht. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNun, dann wollen wir uns zusammen umsehen! \u00ab versetzte der K\u00f6nig; und noch am demselben Tage begann er in Begleitung des Ministers die Rundreise zu denjenigen seiner verschiedenen Nachbarn, von denen er wusste, dass sie Prinzessinnen zu vergeben hatten. Aber es fanden sich nur drei Prinzessinnen, die gleichzeitig so sch\u00f6n und klug waren, dass sie dem K\u00f6nig gefielen, und von diesen konnte keine Pfeffern\u00fcsse backen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbPfeffern\u00fcsse kann ich freilich nicht backen\u00ab, sagte die erste Prinzessin, als der K\u00f6nig sie danach fragte, \u00bbaber h\u00fcbsche kleine Mandelkuchen. Bist du damit nicht zufrieden? \u00ab &#8211; \u00bbNein! \u00ab erwiderte der K\u00f6nig, \u00bbes m\u00fcssen partout Pfeffern\u00fcsse sein! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die zweite Prinzessin, als er die n\u00e4mliche Frage an sie richtete, schnalzte mit der Zunge und sagte \u00e4rgerlich: \u00bbLasst mich mit Euren Albernheiten zufrieden! Prinzessinnen, welche Pfeffern\u00fcsse backen k\u00f6nnen, gibt es nicht. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Am schlimmsten aber ging es dem K\u00f6nig bei der dritten, obwohl sie die sch\u00f6nste und kl\u00fcgste war. Denn sie lie\u00df ihn gar nicht bis zu seiner Frage kommen, sondern ehe er sie noch hatte tun k\u00f6nnen, fragte sie selbst, ob er auch wohl das Brummeisen zu spielen verst\u00fcnde? Und als er dies verneinte, gab sie ihm einen Korb und meinte, es tue ihr herzlich leid. Er gefalle ihr sonst ganz gut; aber sie h\u00f6re das Brummeisen f\u00fcr ihr Leben gern und habe sich vorgenommen, keinen Mann zu nehmen, der es nicht spielen k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p>Da fuhr der K\u00f6nig mit dem Minister wieder nach Haus, und als er aus dem Wagen stieg, sagte er recht niedergeschlagen: \u00bbDas w\u00e4re also nichts gewesen! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Aber ein K\u00f6nig muss durchaus eine K\u00f6nigin haben, und nach l\u00e4ngerer Zeit lie\u00df er daher den Minister noch einmal zu sich kommen und er\u00f6ffnete ihm, er habe es aufgegeben, eine Frau zu finden, die Pfeffern\u00fcsse backen k\u00f6nne, und beschlossen, die Prinzessin zu heiraten, welche sie damals zuerst besucht h\u00e4tten. \u00bbEs ist die, welche die kleinen Mandelkuchen zu backen versteht\u00ab, f\u00fcgte er hinzu. \u00bbGehe hin und frage, ob sie meine Frau werden will. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Tag kam der Minister zur\u00fcck und erz\u00e4hlte, dass die Prinzessin nicht mehr zu haben sei. Sie h\u00e4tte den K\u00f6nig aus dem Lande, wo die Kapern wachsen, geheiratet.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNun, dann gehe zur zweiten Prinzessin! \u00ab Allein der Minister kam auch dieses Mal wieder unverichteterdinge zu Hause: Der alte K\u00f6nig habe gesagt, er bedaure unendlich, aber seine Tochter sei leider gestorben, und so k\u00f6nne er sie ihm nicht geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Da besann sich der K\u00f6nig lange; weil er aber durchaus eine K\u00f6nigin haben wollte, so befahl er dem Minister, er solle doch auch noch einmal zur dritten Prinzessin gehen, vielleicht habe sie sich inzwischen anders besonnen. Und der Minister musste gehorchen, obgleich er sehr wenig Lust versp\u00fcrte und obschon ihm auch seine Frau sagte, dass es gewiss recht unn\u00fctz w\u00e4re. Der K\u00f6nig aber wartete \u00e4ngstlich auf seine R\u00fcckkunft. Denn er gedachte der Frage wegen des Brummeisens, und die Erinnerung daran war ihm \u00e4rgerlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Die dritte Prinzessin jedoch empfing den Minister sehr freundlich und sagte zu ihm, eigentlich h\u00e4tte sie sich ganz bestimmt vorgenommen, nur einen Mann zu nehmen, der das Brummeisen zu spielen verst\u00fcnde. Aber Tr\u00e4ume seien Sch\u00e4ume, und besonders Jugendtr\u00e4ume! Sie s\u00e4he ein, dass sich ihr Wunsch nicht erf\u00fcllen lie\u00dfe, und da der K\u00f6nig ihr sonst sehr gut gefalle, so wolle sie ihn schon zum Manne nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da fuhr der Minister zur\u00fcck, was die Pferde jagen wollten, und der K\u00f6nig umarmte ihn und gab ihm den gro\u00dfen Schranzenorden mit Brettern, den Orden am Hals und die Bretter noch h\u00f6her zu tragen. Bunte Fahnen wurden in der Stadt ausgehangen, Girlanden von einem Haus zum andern quer \u00fcber die Stra\u00dfen gezogen und die Hochzeit so herrlich gefeiert, dass die Leute vierzehn Tage von weiter nichts sprachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der K\u00f6nig und die junge K\u00f6nigin aber lebten in Lust und Freude ein ganzes Jahr lang. Der K\u00f6nig hatte die Pfeffern\u00fcsse und die K\u00f6nigin das Brummeisen g\u00e4nzlich vergessen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines Tages jedoch stand der K\u00f6nig fr\u00fch mit dem falschen Beine zuerst aus dem Bette auf, und alles ging verkehrt. Es regnete den ganzen Tag; der Reichsapfel fiel hin, und das kleine Kreuz, das oben drauf ist, brach ab; dann kam der Hofmaler und brachte die neue Karte vom K\u00f6nigreiche, und als der K\u00f6nig sie besah, war das Land rot angestrichen statt blau, wie er befohlen; und endlich, die K\u00f6nigin hatte Kopfschmerzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da geschah es, dass das Ehepaar sich zum ersten Male zankte; warum, wussten sie am n\u00e4chsten Morgen selbst nicht mehr, oder wenn sie es wussten, wollten sie es wenigstens nicht sagen. Kurz, der K\u00f6nig war brummig und die K\u00f6nigin schnippisch und behielt stets das letzte Wort. Nachdem sie sich beide lange Zeit hin und her gestritten, zuckte die K\u00f6nigin endlich ver\u00e4chtlich mit den Achseln und sagte:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch d\u00e4chte, du w\u00e4rest nun endlich still und h\u00f6rtest auf, alles zu tadeln, was dir vor die Augen kommt! Du selbst kannst ja nicht einmal das Brummeisen spielen. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Aber kaum war ihr dies entschl\u00fcpft, als der K\u00f6nig ihr schon ins Wort fiel und giftig antwortete: \u00bbUnd du kannst nicht einmal Pfeffern\u00fcsse backen! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da blieb die K\u00f6nigin zum ersten Male die Antwort schuldig und wurde ganz still, und beide gingen, ohne weiter ein Wort zu wechseln, auseinander, jedes in seine Stube. Hier setzte sich die K\u00f6nigin in die Sofaecke und weinte und dachte: Was du doch f\u00fcr eine t\u00f6richte Frau bist! Wo hast du nur deinen Verstand gehabt? D\u00fcmmer h\u00e4ttest du es gar nicht anfangen k\u00f6nnen!<\/p>\n\n\n\n<p>Der K\u00f6nig aber ging in seinem Zimmer auf und ab, rieb sich die H\u00e4nde und sagte: \u00bbEs ist doch ein wahres Gl\u00fcck, dass meine Frau keine Pfeffern\u00fcsse backen kann! Was h\u00e4tte ich sonst erwidern sollen, als sie mir vorwarf, dass ich das Brummeisen nicht zu spielen verst\u00fcnde?! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem er dies wenigstens drei- oder viermal wiederholt hatte, wurde er immer vergn\u00fcgter. Er fing an, seine Lieblingsmelodie zu pfeifen, besah sich dann das gro\u00dfe Bild der K\u00f6nigin, welches in seinem Zimmer hing, stieg auf einen Stuhl, um mit dem Taschentuch einen Spinnenfaden abzuwischen, der der K\u00f6nigin gerade \u00fcber die Nase herabhing, und sagte endlich:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSie hat sich gewiss recht ge\u00e4rgert, die gute kleine Frau! Ich werde einmal sehen, was sie macht! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf ging er zur T\u00fcr hinaus auf den langen Gang, auf welchen alle Zimmer m\u00fcndeten. Weil aber an diesem Tage alles verkehrt ging, so hatte der Kammerdiener vergessen, die Lampen anzuz\u00fcnden, obgleich es schon acht Uhr abends und stockdunkel war.<\/p>\n\n\n\n<p>Daher streckte der K\u00f6nig die H\u00e4nde vor sich, um sich nicht zu sto\u00dfen, und tappte vorsichtig an der Wand hin. Pl\u00f6tzlich f\u00fchlte er etwas Weiches.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWer ist da? \u00ab fragte er.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch bin es\u00ab, antwortete die K\u00f6nigin.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWas suchst du, mein Schatz? \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch wollte dich um Verzeihung bitten\u00ab, erwiderte die K\u00f6nigin, \u00bbweil ich dich so gekr\u00e4nkt habe. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDas brauchst du gar nicht! \u00ab sagte der K\u00f6nig und fiel ihr um den Hals. \u00bbIch habe mehr Schuld als du und l\u00e4ngst alles vergessen. Aber, wei\u00dft du, zwei Worte wollen wir in unserem K\u00f6nigreiche bei Todesstrafe verbieten lassen, Brummeisen und -\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbUnd Pfeffern\u00fcsse\u00ab, fiel die K\u00f6nigin lachend ein, indem sie sich heimlich noch ein paar Tr\u00e4nen aus den Augen wischte &#8211; und damit hat die Geschichte ein Ende.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von der K\u00f6nigin, die keine Pfeffern\u00fcsse backen, und dem K\u00f6nig, der nicht das Brummeisen spielen konnte Richard von Volkmann-Leander Der K\u00f6nig von Makronien, der sich schon seit einiger Zeit gerade in seinen besten Jahren befand, war eben aufgestanden und sa\u00df unangezogen auf dem Stuhl neben dem Bett. 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