{"id":5969,"date":"2026-04-19T23:46:05","date_gmt":"2026-04-19T21:46:05","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5969"},"modified":"2026-04-19T23:46:12","modified_gmt":"2026-04-19T21:46:12","slug":"des-koenigs-muenster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/des-koenigs-muenster\/","title":{"rendered":"Des K\u00f6nigs M\u00fcnster"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Des K\u00f6nigs M\u00fcnster<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ludwig Bechstein<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein K\u00f6nig, der erbaute ein prachtvolles M\u00fcnster zur Ehre und zum Lobe Gottes, und es durfte niemand zu diesem Bau einen Heller beisteuern, nach des K\u00f6nigs ausdr\u00fccklichem Gebot, sondern er wollte es ganz aus dem eignen Schatz erbauen. Und so geschah es auch, und das M\u00fcnster war vollendet, sch\u00f6n und w\u00fcrdig, mit aller Pracht und aller Zier. Und da lie\u00df der K\u00f6nig eine gro\u00dfe marmorne Tafel zurichten, in diese lie\u00df er mit goldnen Buchstaben eine Schrift graben, dass er, der K\u00f6nig, allein den Dom erbaut habe und niemand habe dazu beigesteuert. Aber als die Tafel einen Tag und eine Nacht lang aufgerichtet war, so war in der Nacht die Schrift ver\u00e4ndert, und statt des K\u00f6nigs Namen stand ein anderer Name darauf, und zwar der Name einer armen Frau, so dass es nun lautete, als habe sie das ganze pr\u00e4chtige M\u00fcnster erbaut. Das verdross den K\u00f6nig m\u00e4chtig; er lie\u00df den Namen austilgen und den seinigen wieder einschreiben. Aber \u00fcber Nacht stand wieder der Name jener armen Frau auf der Tafel, und jedermann las, dass sie des M\u00fcnsters Stifterin sei. Und zum dritten Male ward des K\u00f6nigs Name auf die Tafel geschrieben, und zum dritten Male verschwand er, und jener kam zum Vorschein. Da merkte der K\u00f6nig, dass hier Gottes Finger schreibe, dem\u00fctigte sich und lie\u00df nach der Frau forschen und sie vor seinen Thron heischen. Voll Angst und erschrocken trat sie vor den K\u00f6nig, der sprach zu ihr: \u00bbFrau, es geben sich wunderliche Dinge, sage mir bei Gott und deinem Leben die Wahrheit! Hast du mein Gebot nicht vernommen, dass niemand zu dem M\u00fcnster geben solle? Oder hast du doch dazu gegeben? \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da fiel das Weib dem K\u00f6nige zu F\u00fc\u00dfen und sprach: \u00bbGnade, mein Herr und K\u00f6nig! Ich will alles auf deine Gnade bekennen!<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin ein ganz armes Weib; ich muss mich k\u00fcmmerlich mit Spinnen ern\u00e4hren, dass mich der Hunger nicht ert\u00f6tet, und da hatte ich doch ein Hellerlein er\u00fcbrigt, das mocht ich gar zu gerne darbringen zu deinem Tempelbau und Gott zu Ehren, aber ich f\u00fcrchtete, o Herr, deinen Bann und deine harte Bedr\u00e4uung, und da kaufte ich um das Hellerlein ein B\u00fcndelein Heu, das streute ich auf die Stra\u00dfe den Ochsen hin, welche die Steine zu deinem M\u00fcnster zogen, und sie fra\u00dfen es. So tat ich nach meinem Willen und ohne dein Gebot zu verletzen. \u00ab Da ward der K\u00f6nig m\u00e4chtiglich bewegt von der Frauen Rede und sah, wie Gott der Herr, ihren reinen Sinn gew\u00fcrdigt und ihn als h\u00f6heres Opfer angenommen als des K\u00f6nigs reichen Schatz. Und der K\u00f6nig beschenkte die arme Frau reichlich und nahm sich die Strafe seiner Eitelkeit wohl zu Herzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Des K\u00f6nigs M\u00fcnster Ludwig Bechstein Es war einmal ein K\u00f6nig, der erbaute ein prachtvolles M\u00fcnster zur Ehre und zum Lobe Gottes, und es durfte niemand zu diesem Bau einen Heller beisteuern, nach des K\u00f6nigs ausdr\u00fccklichem Gebot, sondern er wollte es ganz aus dem eignen Schatz erbauen. Und so geschah es auch, und das M\u00fcnster war [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5758,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[90,85],"tags":[],"class_list":["post-5969","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ludwig-bechstein","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5969","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5969"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5969\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5970,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5969\/revisions\/5970"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5758"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5969"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5969"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5969"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}