{"id":5939,"date":"2026-04-19T21:27:31","date_gmt":"2026-04-19T19:27:31","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5939"},"modified":"2026-04-19T21:39:28","modified_gmt":"2026-04-19T19:39:28","slug":"der-knabe-der-zehn-jahr-in-der-hoelle-diente","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-knabe-der-zehn-jahr-in-der-hoelle-diente\/","title":{"rendered":"Der Knabe, der zehn Jahr in der H\u00f6lle diente"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der Knabe, der zehn Jahr in der H\u00f6lle diente<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ernst Meier \u2013 schw\u00e4bisches Volksm\u00e4rchen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>In dem Dorfe Bodelshausen, das an der Stra\u00dfe zwischen Rotenburg und Hechingen liegt, war einmal ein Mann, dem starb seine Frau und hinterlie\u00df ihm sechs unerzogene Kinder. Da suchte der Mann eine Mutter f\u00fcr seine Kinder und heiratete eine zweite Frau, die war aber ein b\u00f6ses Weib und eine rechte Rabenmutter und qu\u00e4lte ihren Mann und ihre armen Kinder, und oft h\u00f6rte man sie den Wunsch aussprechen: \u00bbwenn ihr nur alle beim Teufel w\u00e4ret! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Als nun der \u00e4lteste Sohn konfirmiert war, wollte die Stiefmutter ihn sogleich aus dem Hause schicken und ihn bei fremden Leuten in Dienst geben. Ihr Mann sagte zwar: \u00bbder Knabe ist noch zu schwach, er kann noch nicht dienen, auch nimmt ihn jetzt noch Niemand. \u00ab Aber das galt nichts, was der Mann sagte. Die Stiefmutter sprach: \u00bbei was! er soll fort; ich will schon einen Herrn f\u00fcr ihn finden und sollt&#8217;s auch nur der Teufel sein. \u00ab Und dann packte sie ein kleines B\u00fcndelchen zusammen, das enthielt die Kleider und die W\u00e4sche des Knaben, und so ging sie mit ihm fort dem Oberlande zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie sie nun im Sigmaringer Walde waren, begegnete ihr ein J\u00e4ger, gr\u00fc\u00dfte sie und fragte, wo sie mit dem Knaben hin wollte? \u00bbIn&#8217;s Oberland, \u00ab sagte sie. \u00bbUnd was soll er dort machen?\u00ab fragte der J\u00e4ger. \u00bbDienen muss er, \u00ab sprach die Frau. Da meinte der J\u00e4ger, der Knabe sei noch viel zu klein und zu schwach und werde keinen Herrn bekommen. Die Frau aber sprach: \u00bbich will schon einen f\u00fcr ihn finden, und sollt&#8217;s auch nur der Teufel sein. \u00ab Sprach der J\u00e4ger: \u00bbder Knabe dauert mich, lasst ihn mir, er soll&#8217;s gut bei mir haben. \u00ab Ja, die Stiefmutter war gleich damit zufrieden, und nachdem sie den Lohn f\u00fcr das Kind ausbedungen und ihm sein B\u00fcndelchen mit den Kleidern \u00fcbergeben hatte, kehrte sie vergn\u00fcgt um und fragte nicht einmal, wo der J\u00e4ger denn zu Haus sei. Der zog nun mit dem Knaben im Walde fort bis sie an eine H\u00f6hle kamen; in die gingen sie hinein, mussten mehre Stiegen hinabsteigen und kamen endlich an ein gro\u00dfes Thor, an das klopfte der J\u00e4ger, da ging&#8217;s auf, sie traten ein, das Thor ward wieder geschlossen und da merkte der Knabe bald, dass er beim Teufel in der H\u00f6lle war.<\/p>\n\n\n\n<p>Sogleich wies der Teufel dem Knaben seine Arbeit an: er musste Holz tragen und das Feuer, das unter den gro\u00dfen Kesseln in der H\u00f6lle brannte, best\u00e4ndig nachsch\u00fcren: wenn er das vers\u00e4umte, so kriegte er Schl\u00e4ge, sagte der Teufel. Auch verbot er ihm ganz streng, dass er niemals einen Deckel aufheben und in die Kessel sehen d\u00fcrfte. \u2013 Als aber einstmals der Teufel nicht in der N\u00e4he war und der Knabe gar zu gern gewusst h\u00e4tte, wer wohl in den Kesseln sein m\u00f6chte und er es endlich wagte, den einen Deckel aufzuheben: wie erschrak er da, als er seinen eigenen Gro\u00dfvater und seine Gro\u00dfmutter darin sitzen sah! Die heulten und jammerten und baten ihn: \u00bber m\u00f6chte doch unter diesen Kessel nicht so viel Holz legen, denn sie m\u00fcssten gar zu f\u00fcrchterliche Schmerzen leiden! \u00ab \u2013 Da verschonte der Knabe so viel er nur konnte, diesen Kessel und lie\u00df das Feuer manchmal erl\u00f6schen; daf\u00fcr hat er aber auch manche buckelvollen Schl\u00e4ge bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einiger Zeit sah der Knabe auch, wie zwei Teufel seine b\u00f6se Stiefmutter brachten und erst auf einen gl\u00fchenden Rost legten und dann in einen Kessel mit siedendem \u00d6le steckten und sie braten lie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da ward es ihm gar zu unheimlich in der H\u00f6lle, und als eben zehn Jahre herum waren, mochte er nicht l\u00e4nger dem Teufel dienen und passte auf, wo er den Schl\u00fcssel zum H\u00f6llentor hinlegte, erwischte ihn dann einmal, schloss auf und schlich sich fort und war froh wie er wieder droben auf der Erde war. Von dem Rauch und Ru\u00df aber, der ihm so lange um den Kopf geflogen war, sah sein Gesicht ganz schwarz aus, also, dass man ihn h\u00e4tte f\u00fcr einen Mohren halten k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Knabe, der zehn Jahr in der H\u00f6lle diente Ernst Meier \u2013 schw\u00e4bisches Volksm\u00e4rchen In dem Dorfe Bodelshausen, das an der Stra\u00dfe zwischen Rotenburg und Hechingen liegt, war einmal ein Mann, dem starb seine Frau und hinterlie\u00df ihm sechs unerzogene Kinder. 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