{"id":5937,"date":"2026-04-19T21:21:34","date_gmt":"2026-04-19T19:21:34","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5937"},"modified":"2026-04-19T21:21:47","modified_gmt":"2026-04-19T19:21:47","slug":"der-kluge-schwiegersohn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-kluge-schwiegersohn\/","title":{"rendered":"Der kluge Schwiegersohn"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der kluge Schwiegersohn<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Vor langer Zeit gab es einen K\u00f6nig, der hatte drei T\u00f6chter und keinen einzigen Sohn. Und da er sich Sorgen um seine Nachfolge machte, lie\u00df er ausrufen, dass er seine drei T\u00f6chter verheiraten wolle und dass der kl\u00fcgste von den Schwiegers\u00f6hnen einmal sein Nachfolger auf dem Thron sein solle.<\/p>\n\n\n\n<p>Und er lie\u00df seine drei T\u00f6chter kommen und hat ihnen gesagt: \u00bbEs werden viele Freier kommen, aber nur wenige davon sind klug, die meisten aber dumm. Ihr sollt ihnen nun drei Fragen vorlegen, und wer alle drei Fragen richtig beantworten kann, den sollt ihr nehmen, und wer auch nur eine Frage nicht zu beantworten wei\u00df, den sollt ihr wieder heimschicken.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da fragten die Prinzessinnen ihren Vater: \u00bbUnd welche Fragen sollen wir stellen?\u00ab Und der K\u00f6nig darauf: \u00bbSo sollt ihr fragen: i. Welcher Mensch wurde nicht geboren und ist trotzdem gestorben? 2. Wann waren alle Menschen der Welt auf einem kleinen Fleck beisammen? 3. Wer war ein armer Fischer und ist doch Herr \u00fcber alle Menschen geworden.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da haben die drei M\u00e4dchen nicht gewusst, wie die richtige L\u00f6sung lauten sollte, und sie haben ihren Vater gefragt: \u00bbVater, sag uns, wie ist die richtige Antwort?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Doch der Vater hat erst eine Weile geschwiegen, und dann hat er gesagt: \u00bbDie richtige Antwort werdet ihr selbst erkennen, wenn der Gefragte sie ausspricht.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Danach sind viele junge M\u00e4nner gekommen, reiche und vornehme Burschen, Kaufleute und \u00c4rzte, sogar Lehrer sind unter ihnen gewesen. Und sie haben sich die drei T\u00f6chter des K\u00f6nigs angesehen, und dann haben sie sich in drei Reihen aufgestellt, um sich jeweils bei einer Prinzessin zu melden und sich die Fragen vorlegen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber die beiden \u00e4lteren T\u00f6chter des K\u00f6nigs haben bei sich gedacht: &gt;Warum sollen wir einen alten und weisen Mann nehmen, wenn wir einen jungen und h\u00fcbschen Burschen haben k\u00f6nnen?&lt; Und sie haben sich &#8211; eine jede von ihnen beiden &#8211; einen reichen und sch\u00f6nen Mann ausgesucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Und es ist so gekommen, dass niemand alle drei Fragen beantworten konnte. Viele sind schon bei der ersten Frage stumm geblieben und dann betr\u00fcbt nach Hause geschlichen. Aber als die beiden Burschen zu der K\u00f6nigstochter kamen, um die sie freiten, haben die M\u00e4dchen &#8211; ein jedes f\u00fcr sich, versteht sich &#8211; sie nur gefragt: \u00bbWillst du mich heiraten?\u00ab Und das war nun eine Frage, die auch der D\u00fcmmste h\u00e4tte beantworten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und danach sind die \u00c4lteste und die Mittlere mit ihren Freiern zum K\u00f6nig gegangen und haben gesagt: \u00bbHier Vater ist der Mann, der meine Fragen gut beantwortet hat. Ihn werde ich also heiraten.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Unterdessen hat die j\u00fcngste Tochter des K\u00f6nigs ihre Bewerber &#8211; das war eine lange, lange Reihe, denn die j\u00fcngste war eine Sch\u00f6nheit gewissenhaft alle gefragt, und keiner konnte alle drei Fragen beantworten. Am Schluss war nur noch ein armer Fischer \u00fcbrig, den hatten die anderen, die Vornehmeren auf den letzten Platz in der Reihe verwiesen, und dort hat er geduldig gewartet. Und endlich ist er zur Prinzessin gerufen worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Da hat sie zu fragen angefangen: \u00bbWelcher Mensch wurde nicht geboren und ist trotzdem gestorben?\u00ab &#8211; \u00bbDas war Adam, denn er wurde von Gott aus Lehm geformt, also hat ihn keine Frau zur Welt gebracht, aber er hat dennoch sterben m\u00fcssen.\u00ab &#8211; \u00bbGut. Die erste Frage hast du richtig beantwortet. Nun also die zweite Frage: Wann waren alle Menschen der Welt auf einem kleinen Fleck beisammen?\u00ab &#8211; \u00bbAuf der Arche Noahs waren alle Menschen der Welt auf einem kleinen Fleck beisammen, denn alle \u00fcbrigen waren ertrunken.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da freute sich die j\u00fcngste, dass der Fischer so klug war, und sie hat in ihrem Herzen zu hoffen angefangen, dass er auch die dritte Frage w\u00fcsste, denn sie hat ihn lieb gehabt, und wenn er die Frage nicht beantworten k\u00f6nnte, w\u00e4re sie ledig geblieben. Und so hat sie gefragt: \u00bbWer war ein armer Fischer und ist doch Herr \u00fcber alle Menschen geworden?\u00ab &#8211; \u00bbDas ist der ruhmreiche und erlauchte Apostel, der heilige Petrus, der ein kleiner Fischer war und von Jesus Christus \u00fcber alle Apostel gesetzt wurde.\u00ab &#8211; \u00bbDu hast alles richtig gesagt, und so sollst du auch mein Mann werden.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und die j\u00fcngste hat den armen Fischer bei der Hand genommen und ist damit zu ihrem Vater, dem K\u00f6nig gegangen. Als der K\u00f6nig den Fischer sieht, ist er nicht sehr entz\u00fcckt, denn die andern beiden T\u00f6chter haben reiche Schwiegers\u00f6hne ins Haus gebracht. Aber er denkt sich, dass sich noch zeigen wird, wer von den drei Burschen der Kl\u00fcgste ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Und man hat alle drei Prinzessinnen zusammen gekr\u00f6nt, das hei\u00dft verheiratet, und als man die Brautpaare herumgef\u00fchrt hat, da hat der Fischer gelacht. Und gleich nach dem Hochzeitsessen hat der K\u00f6nig befohlen: \u00bbDie j\u00fcngste soll ihren Mann nehmen und den Palast verlassen! Sie hat einen Dummling geheiratet, denn er hat unter der Eheschlie\u00dfung gelacht. Und die drei Fragen hat er entweder durch Zufall erraten, oder meine Tochter hat sich oder mich get\u00e4uscht.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und so ist die j\u00fcngste mit ihrem Mann in ein kleines H\u00e4uschen am Meer gezogen, w\u00e4hrend die \u00c4lteste und die Mittlere mit ihren M\u00e4nnern im Palast gewohnt haben. Und nach einiger Zeit, als der K\u00f6nig mit seinen T\u00f6chtern beim Essen gesessen ist und sie allein gewesen sind, weil die beiden M\u00e4nner ausgegangen waren, um ihrem Beruf nachzugehen, fragt der K\u00f6nig : \u00bbNun verratet mir einmal, was haben eure M\u00e4nner auf meine Fragen gesagt?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da sind die beiden jungen Frauen rot geworden, und die eine hat gestottert: \u00bbIch&#8230; ich habe es vergessen. \u00ab Und die Mittlere: \u00bbIch kann mich nicht mehr erinnern.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der K\u00f6nig aber hat deutlich gemerkt, dass die beiden ihn angeschwindelt hatten, und er hat sie aus dem Zimmer verjagt und hat sich sehr ge\u00e4rgert.<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Tag, als sein Zorn verraucht war, hat er sich gedacht: &gt;Ich muss einmal nachschauen, was meine j\u00fcngste Tochter macht und ob sie mich auch betrogen hat.,<\/p>\n\n\n\n<p>Und er hat sich als Bettler verkleidet und ist zum H\u00e4uslein des Fischers am Meer gegangen. Dort hat er angeklopft und mit verstellter Stimme gefragt: \u00bbGebt ihr einem armen Bettler etwas zu essen?\u00ab \u00bbAber ja\u00ab, hat der Fischer geantwortet, \u00bbkommt nur herein, und ihr sollt mit uns, zusammen essen, es ist ja gerade Zeit daf\u00fcr.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und der K\u00f6nig ist hineingegangen und hat sich mit den Fischern, das hei\u00dft mit seiner j\u00fcngsten Tochter und dem Schwiegersohn, zu Tisch gesetzt. Und unterm Essen hat er gefragt: \u00bbSagt mir doch: ich habe einen Bruder, und dessen beide \u00e4lteren T\u00f6chter haben ihn betrogen, denn sie haben ihre M\u00e4nner f\u00fcr klug ausgegeben, und das sind sie nicht, und nun sitzen sie in seinem Hause und langweilen ihn mit ihrer Dummheit. Was soll er machen? Soll er seine T\u00f6chter auspeitschen?\u00ab-\u00bbNein\u00ab, hat der Fischer gesagt, \u00bbLiebe macht blind, und die beiden Frauen sind zwar nicht unschuldig, aber doch auch nicht ganz schuldig. Dein Bruder soll die beiden T\u00f6chter und ihre M\u00e4nner aus dem Hause weisen, aber er soll ihnen ihr Erbgut mitgeben.\u00ab &#8211; \u00bbUnd dann hat mein Bruder noch eine dritte Tochter, die hat einen dummen Mann.\u00ab &#8211; \u00bbUnd wie hast du bemerkt, dass er dumm ist?\u00ab &#8211; \u00bbEr hat mitten unter den Zeremonien der Kr\u00f6nung, das ist die Hochzeit, gelacht.\u00ab &#8211; \u00bbUnd hast du ihn gefragt, warum er mitten unter der Kr\u00f6nung gelacht hat?\u00ab &#8211; \u00bbVerflucht!\u00ab sagt der K\u00f6nig, \u00bbnein, das habe ich nicht. Und kannst du es mir vielleicht sagen?\u00ab &#8211; \u00bbja\u00ab, sagt der Fischer, \u00bbdas kann ich. Der Mann der j\u00fcngsten Tochter hat gelacht, weil er gemerkt hat, dass die anderen beiden gutm\u00fctige aber dumme Burschen sind und dass seine beiden Schw\u00e4gerinnen aus Liebe geschwindelt haben.\u00ab &#8211; \u00bbSoso\u00ab, sagt der K\u00f6nig, &#8222;,und wie hat er das denn gemerkt?\u00ab &#8211; \u00bbEr hat zu dem einen der Burschen gesagt: &gt;Die erste Frage war ja leicht, denn sie war nur zum Schein; kann doch niemand sterben, der nicht geboren worden ist.&lt; Und der Bursche hat darauf gesagt: Ja, so ist es!&lt; Und dann hat er den andern Burschen gefragt: &gt;Hast du die dritte Frage auch nicht herausgebracht, Bruder?&#8220; Und der hat geantwortet: &gt;Nein, aber Gottlob sind die M\u00e4dchen nicht so streng.&lt; \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da hat der K\u00f6nig ihn angeschaut und hat gesagt: \u00bbDu hast mich erkannt! Aber wei\u00dft du denn die dritte Frage nicht zu beantworten?\u00ab &#8211; \u00bb0 doch\u00ab, sagt der Fischer, \u00bbdie dritte Frage ist leichter als die erste und die zweite, denn wer den Erzapostelf\u00fcrsten nicht kennt, ist ein schlechter Christ.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da hat der K\u00f6nig sich gefreut und er hat ausgerufen: \u00bbVon allen sieben war ich selber der gr\u00f6\u00dfte Dummkopf, und deshalb soll allen verziehen sein. Du aber sollst mit meiner j\u00fcngsten zusammen das Land regieren und K\u00f6nig werden!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und so ist es geschehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so ist der Fischer K\u00f6nig geworden und er lebte mit seiner Frau lange und gut, und wir leben noch besser.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der kluge Schwiegersohn Vor langer Zeit gab es einen K\u00f6nig, der hatte drei T\u00f6chter und keinen einzigen Sohn. 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