{"id":5927,"date":"2026-04-19T19:40:36","date_gmt":"2026-04-19T17:40:36","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5927"},"modified":"2026-04-19T19:40:50","modified_gmt":"2026-04-19T17:40:50","slug":"vom-klugen-schneiderlein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/vom-klugen-schneiderlein\/","title":{"rendered":"Vom klugen Schneiderlein"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Vom klugen Schneiderlein<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einmal eine Prinzessin gewaltig stolz; kam ein Freier, so gab sie ihm etwas zu raten auf, und wenn er&#8217;s nicht erraten konnte, so ward er mit Spott fortgeschickt. Sie lie\u00df auch bekannt machen, wer ihr R\u00e4tsel l\u00f6ste, sollte sich mit ihr verm\u00e4hlen, und m\u00f6chte kommen, wer da wollte. Endlich fanden sich auch drei Schneider zusammen, davon meinten die zwei \u00e4ltesten, sie h\u00e4tten so manchen feinen Stich getan und h\u00e4tten&#8217;s getroffen, da k\u00f6nnt&#8217;s ihnen nicht fehlen, sie m\u00fc\u00dften&#8217;s auch hier treffen; der dritte war ein kleiner, unn\u00fctzer Springinsfeld, der nicht einmal sein Handwerk verstand, aber meinte, er m\u00fcsste dabei Gl\u00fcck haben, denn woher sollt&#8217;s ihm sonst kommen? Da sprachen die zwei andern zu ihm:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Bleib&#8216; nur zu Haus, du wirst mit deinem bisschen Verstand nicht weit kommen.&#8220; Das Schneiderlein lie\u00df sich aber nicht irremachen und sagte, es h\u00e4tte einmal seinen Kopf darauf gesetzt und wollte sich schon helfen und ging dahin, als ware die ganze Welt sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Da meldeten sich alle drei bei der Prinzessin und sagten, sie sollte ihnen ihr R\u00e4tsel vorlegen: es w\u00e4ren die rechten Leute angekommen, die h\u00e4tten einen feinen Verstand, dass man ihn wohl in eine Nadel f\u00e4deln k\u00f6nnte. Da sprach die Prinzessin: &#8222;Ich habe zweierlei Haar auf dem Kopf, von was f\u00fcr Farben ist das?&#8220; -&#8222;Wenn&#8217;s weiter nichts ist&#8220;, sagte der erste, &#8222;es wird schwarz und wei\u00df sein wie Tuch, das man K\u00fcmmel und Salz nennt.&#8220; Die Prinzessin sprach: &#8222;Falsch geraten, antworte der zweite.&#8220; Da sagte der zweite: ,Ist&#8217;s nicht schwarz und wei\u00df, so ist&#8217;s braun und rot wie meines Herrn Vaters Bratenrock.&#8220; &#8211; &#8222;Falsch geraten&#8220;, sagte die Prinzessin, &#8222;antworte der Dritte. Dem seh&#8216; ich&#8217;s an, der wei\u00df es sicherlich.&#8220; Da trat das Schneiderlein keck hervor und sprach: &#8222;Die Prinzessin hat ein silbernes und ein goldenes Haar auf dem Kopf, und das sind die zweierlei Farben.&#8220; Wie die Prinzessin das h\u00f6rte, ward sie blass und w\u00e4re vor Schrecken beinahe hingefallen, denn das Schneiderlein hatte es getroffen, und sie hatte fest geglaubt, das w\u00fcrde kein Mensch auf der Welt herausbringen. Als ihr das Herz wieder kam, sprach sie: &#8222;Damit hast du mich noch nicht gewonnen, du musst noch eins tun. Unten im Stall liegt ein B\u00e4r, bei dem sollst du die Nacht zubringen; wenn ich dann morgen aufstehe, und du bist noch lebendig, so sollst du mich heiraten.&#8220; Sie dachte aber, damit wollte sie das Schneiderlein loswerden, denn der B\u00e4r hatte noch keinen Menschen lebendig gelassen, der ihm unter die Tatzen gekommen war. Das Schneiderlein lie\u00df sich nicht abschrecken, war ganz vergn\u00fcgt und sprach: &#8222;Frisch gewagt, ist halb gewonnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als nun der Abend kam, ward mein Schneiderlein hinunter zum B\u00e4ren gebracht. Der B\u00e4r wollt&#8216; auch gleich auf den kleinen Kerl los und ihm mit seiner Tatze einen guten Willkomm geben. &#8222;Sachte, sachte&#8220;, sprach das Schneiderlein, &#8222;ich will dich schon zur Ruhe bringen.&#8220; Da holte es ganz gem\u00e4chlich, als h\u00e4tte es keine Sorgen, welsche N\u00fcsse aus der Tasche, biss sie auf und a\u00df die Kerne. Wie der B\u00e4r das sah, kriegte er Lust und wollte auch N\u00fcsse haben. Das Schneiderlein griff in die Tasche und reichte ihm eine Handvoll; es waren aber keine N\u00fcsse, sondern Wackersteine (Kiesel). Der B\u00e4r steckte sie ins Maul, konnte aber nichts aufbringen, er mochte bei\u00dfen, wie er wollte. &#8222;Ei,&#8220; dachte er, &#8222;was bist du f\u00fcr ein dummer Klotz, kannst nicht einmal die N\u00fcsse aufbei\u00dfen&#8220;&#8218; und sprach zu dem Schneiderlein: &#8222;Mein, bei\u00df mir die N\u00fcsse auf.&#8220; &#8211; &#8222;Da siehst du, was du f\u00fcr ein Kerl bist&#8220;, sprach das Schneiderlein, &#8222;hast so ein gro\u00dfes Maul und kannst die kleine Nuss nicht aufbei\u00dfen.&#8220; Da nahm es die Steine, war hurtig, steckte daf\u00fcr eine Nuss in den Mund und knack, war sie entzwei.&#8220; Ich muss das Ding noch einmal probieren&#8220;, sprach der B\u00e4r, &#8222;wenn ich&#8217;s so ansehe, ich mein&#8216;, ich mu\u00dft&#8217;s auch k\u00f6nnen.&#8220; Da gab ihm das Schneiderlein abermals Wackersteine, und der B\u00e4r arbeitete und biss aus allen Leibeskr\u00e4ften hinein. Aber du glaubst auch nicht, dass er sie aufgebracht hat. Wie das vorbei war, holte das Schneiderlein eine Violine unter dem Rock hervor und spielte sich ein St\u00fcckchen darauf. Als der B\u00e4r die Musik vernahm, konnte er es nicht lassen und fing an zu tanzen, und als er ein Weilehen getanzt hatte, gefiel ihm das Ding so wohl, dass er zum Schneiderlein sprach: &#8222;H\u00f6r&#8216;, ist das Geigen schwer?&#8220; &#8211; &#8222;Kinderleicht; siehst du, mit der Linken leg&#8216; ich die Finger auf, und mit der Rechten streich&#8216; ich mit dem Bogen drauflos, da geht&#8217;s lustig, hopsasa&#8216; vivallalera!&#8220; &#8211; &#8222;So geigen&#8220;, sprach der B\u00e4r, &#8222;das m\u00f6cht&#8216; ich auch verstehen, damit ich tanzen k\u00f6nnte, so oft ich Lust h\u00e4tte. Was meinst du dazu? Willst du mir Unterricht darin geben?&#8220; &#8211; &#8222;Von Herzen gern&#8220;, sagte das Schneiderlein, &#8222;wenn du Geschick dazu hast. Aber weis einmal deine Tatzen her, die sind gewaltig lang; ich muss dir die N\u00e4gel ein wenig abschneiden.&#8220; Da ward ein Schraubstock herbeigeholt, und der B\u00e4r legte seine Tatzen darauf, das Schneiderlein aber schraubte sie fest und sprach: &#8222;Nun warte, bis ich mit der Schere komme&#8220;, lie\u00df den B\u00e4ren brummen, soviel er wollte, legte sich in die Ecke auf ein Bund Stroh und schlief ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Prinzessin, als sie am Abend den B\u00e4ren so gewaltig brummen h\u00f6rte, glaubte nicht anders, als er brummte vor Freuden und h\u00e4tte dem Schneider den Garaus gemacht. Am Morgen stand sie ganz unbesorgt und vergn\u00fcgt auf; als sie aber nach dem Stall guckt, so steht das Schneiderlein ganz munter davor und ist gesund wie ein Fisch im Wasser. Da konnte sie nun kein Wort mehr dagegen sagen, weil sie&#8217;s \u00f6ffentlich versprochen hatte; und der K\u00f6nig lie\u00df einen Wagen kommen, darin musste sie mit dem Schneiderlein zur Kirche fahren, und da sollte sie verm\u00e4hlt werden. Wie sie eingestiegen waren, gingen die beiden andern Schneider, die ein falsches Herz hatten und ihm sein Gl\u00fcck nicht g\u00f6nnten, in den Stall und schraubten den B\u00e4ren los. Der B\u00e4r in voller Wut rannte hinter dem Wagen her. Die Prinzessin h\u00f6rte ihn schnauben und brummen; es ward ihr angst, und sie rief: &#8222;Ach, der B\u00e4r ist hinter uns und will dich holen!&#8220; Das Schneiderlein war fix, stellte sich auf den Kopf, streckte die Beine zum Fenster hinaus und rief: &#8222;Siehst du den Schraubstock? Wenn du nicht gehst, so sollst du wieder hinein.&#8220; Wie der B\u00e4r das sah, drehte er um und lief fort. Mein Schneiderlein fuhr da ruhig in die Kirche, und die Prinzessin ward ihm an die Hand getraut, und er lebte mit ihr vergn\u00fcgt wie eine Heidelerche.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom klugen Schneiderlein Es war einmal eine Prinzessin gewaltig stolz; kam ein Freier, so gab sie ihm etwas zu raten auf, und wenn er&#8217;s nicht erraten konnte, so ward er mit Spott fortgeschickt. Sie lie\u00df auch bekannt machen, wer ihr R\u00e4tsel l\u00f6ste, sollte sich mit ihr verm\u00e4hlen, und m\u00f6chte kommen, wer da wollte. 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