{"id":5925,"date":"2026-04-19T19:35:58","date_gmt":"2026-04-19T17:35:58","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5925"},"modified":"2026-04-19T19:36:06","modified_gmt":"2026-04-19T17:36:06","slug":"die-klugen-leute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-klugen-leute\/","title":{"rendered":"Die klugen Leute"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die klugen Leute<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Eines Tages holte ein Bauer seinen hageb\u00fcchenen Stock aus der Ecke und sprach zu seiner Frau: &#8222;Trine, ich gehe jetzt \u00fcber Land und komme erst in drei Tagen wieder zur\u00fcck. Wenn der Viehh\u00e4ndler in der Zeit bei uns einspricht und will unsere drei K\u00fche kaufen,so kannst du sie losschlagen, aber nicht anders als f\u00fcr zweihundert Taler, geringer nicht, h\u00f6rst du?&#8220; &#8211; &#8222;Geh&#8216; nur in Gottes Namen&#8220;, antwortete die Frau, &#8222;ich will das schon machen.&#8220; &#8211; &#8222;Ja, du&#8220;, sprach der Mann, &#8222;du bist als kleines Kind einmal auf den Kopf gefallen, das geht dir bis auf diese Stunde nach. Aber das sage ich dir, machst du dummes Zeug, so streiche ich dir den R\u00fccken blau an, und das ohne Farbe, blo\u00df mit dem Stock, den ich da in der Hand habe, und der Anstrich soll ein ganzes Jahr halten, darauf kannst du dich verlassen.&#8220; Damit ging er seiner Wege. Am andern Morgen kam der Viehh\u00e4ndler, und die Frau brauchte nicht viel Worte zu machen. Als er die K\u00fche besehen hatte und den Preis vernahm, sagte er: &#8222;Das gebe ich gern, so viel sind sie unter Br\u00fcdern wert. Ich will die Tiere gleich mitnehmen.&#8220; Er machte sie von der Kette los und trieb sie aus dem Stall. Als er eben zum Hoftor hinaus wollte, fa\u00dfte ihn die Frau am \u00e4rmel und sprach: &#8222;Ihr m\u00fc\u00dft mir erst die zweihundert Taler geben, sonst kann ich Euch nicht gehen lassen.&#8220; &#8211; &#8222;Richtig&#8220;, antwortete der Mann, &#8222;ich habe nur vergessen, meine Geldkatze umzuschnallen. Aber macht Euch keine Sorge, Ihr sollt Sicherheit haben, bis ich zahle. Zwei K\u00fche nehme ich mit, und die dritte lasse ich Euch zur\u00fcck, so habt Ihr ein gutes Pfand.&#8220; Der Frau leuchtete das ein, sie lie\u00df den Mann mit seinen K\u00fchen abziehen und dachte: &#8222;Wie wird sich der Hans freuen, wenn er sieht, da\u00df ich es so klug gemacht habe.&#8220; Der Bauer kam den dritten Tag, wie er gesagt hatte, nach Hause und fragte gleich, ob die K\u00fche verkauft w\u00e4ren. &#8222;Freilich, lieber Hans&#8220;, antwortete die Frau, &#8222;und wie du gesagt hast, f\u00fcr zweihundert Taler. Soviel sind sie kaum wert, aber der Mann nahm sie ohne Widerrede.&#8220; &#8211; &#8222;Wo ist das Geld?&#8220; fragte der Bauer. &#8222;Das Geld, das habe ich nicht&#8220;, antwortete die Frau, &#8222;er hatte gerade seine Geldkatze vergessen, wird&#8217;s aber bald bringen; er hat mir ein gutes Pfand zur\u00fcckgelassen.&#8220; &#8211; &#8222;Was f\u00fcr ein Pfand?&#8220; fragte der Mann. &#8222;Eine von den drei K\u00fchen, die kriegt er nicht eher, als bis er die andern bezahlt hat. Jch habe es klug gemacht, ich habe die kleinste zur\u00fcckbehalten, die fri\u00dft am wenigsten.&#8220; Der Mann ward zornig, hob seinen Stock in die H\u00f6he und wollte ihr damit den verhei\u00dfenen Anstrich geben. Pl\u00f6tzlich lie\u00df er ihn sinken und sagte: &#8222;Du bist die d\u00fcmmste Gans, die auf Gottes Erdboden herumwackelt, aber du dauerst mich. Ich will auf die Landstra\u00dfe gehen und drei Tage lang warten, ob ich jemand finde, der noch einf\u00e4ltiger ist, als du bist. Gl\u00fcckt mir&#8217;s, so sollst du frei sein, finde ich ihn aber nicht, so sollst du deinen wohlverdienten Lohn ohne Abzug erhalten.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Er ging hinaus auf die gro\u00dfe Stra\u00dfe, setzte sich auf einen Stein und wartete auf die Dinge, die da kommen sollten. Da sah er einen Leiterwagen heranfahren, und eine Frau stand mitten darauf, statt auf dem Gebund Stroh zu sitzen, das dabei lag, oder neben den Ochsen zu gehen und sie zu leiten. Der Mann dachte: &#8222;Das ist wohl eine, wie du sie suchst&#8220;, sprang auf und lief vor dem Wagen hin und her, wie einer, der nicht recht gescheit ist. &#8222;Was wollt Ihr, Gevatter&#8220;, sagte die Frau zu ihm, &#8222;ich kenne Euch nicht, von wo kommt Ihr her?&#8220; &#8211; &#8222;Ich bin vom Himmel gefallen&#8220;, antwortete der Mann, &#8222;und wei\u00df nicht, wie ich wieder hin kommen soll; k\u00f6nnt Ihr mich nicht hinauffahren?&#8220; &#8211; &#8222;Nein&#8220;, sagte die Frau, &#8222;ich wei\u00df den Weg nicht. Aber wenn Ihr aus dem Himmel kommt, so k\u00f6nnt Ihr mir wohl sagen, wie es meinem Mann geht, der schon seit drei Jahren dort ist. Ihr habt ihn gewi\u00df gesehen!&#8220; &#8211; &#8222;Ich habe ihn wohl gesehen&#8220;, antwortete der Bauer, &#8222;aber es kann nicht allen Menschen gut gehen. Er h\u00fctet die Schafe, und das liebe Vieh macht ihm viel zu schaffen, das springt auf die Berge und verirrt sich in der Wildnis, und da mu\u00df er hinterherlaufen und es wieder zusammentreiben. Abgerissen ist er auch, und die Kleider werden ihm bald vom Leibe fallen. Schneider gibt es dort nicht, der heilige Petrus l\u00e4\u00dft keinen hinein, wie Ihr aus dem M\u00e4rchen wi\u00dft.&#8220; &#8211; &#8222;Wer h\u00e4tte sich das gedacht!&#8220; rief die Frau; &#8222;wi\u00dft Ihr was? Ich will seinen Sonntagsrock holen, der noch daheim im Schrank h\u00e4ngt, den kann er dort mit Ehren tragen. Ihr seid so gut und nehmt ihn mit.&#8220; &#8211; &#8222;Das geht nicht wohl&#8220;, antwortete der Bauer, &#8222;Kleider darf man nicht in den Himmel bringen, die werden einem vor dem Tor abgenommen.&#8220; &#8211; &#8222;H\u00f6rt mich an&#8220;, sprach die Frau, &#8222;ich habe gestern meinen sch\u00f6nen Weizen verkauft und ein h\u00fcbsches Geld daf\u00fcr bekommen, das will ich ihm schicken. Wenn Ihr den Beutel in die Tasche steckt, so wird&#8217;s kein Mensch gewahr.&#8220; &#8211; &#8222;Kann&#8217;s nicht anders sein&#8220;, erwiderte der Bauer, &#8222;so will ich Euch wohl den Gefallen tun.&#8220; &#8211; &#8222;Bleibt nur da sitzen&#8220;, sagte sie, &#8222;ich will heimfahren und den Beutel holen; ich bin bald wieder hier. Ich setze mich nicht auf das Bund Stroh, sondern stehe auf dem Wagen, so hat&#8217;s das Vieh leichter.&#8220; Sie trieb ihre Ochsen an, und der Bauer dachte: &#8222;Die hat Anlage zur Narrheit; bringt sie das Geld wirklich, so kann meine Frau von Gl\u00fcck sagen, denn sie kriegt keine Schl\u00e4ge.&#8220; Es dauerte nicht lange, so kam sie gelaufen, brachte das Geld und steckte es ihm selbst in die Tasche. Ehe sie wegging, dankte sie ihm noch tausendmal f\u00fcr seine Gef\u00e4lligkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Frau wieder heimkam, fand sie ihren Sohn, der aus dem Felde zur\u00fcckgekehrt war. Sie erz\u00e4hlte ihm, was sie f\u00fcr unerwartete Dinge erfahren h\u00e4tte, und setzte dann hinzu: &#8222;Ich freue mich recht, da\u00df ich Gelegenheit gefunden habe, meinem armen Mann etwas zu schicken; wer h\u00e4tte sich vorgestellt, da\u00df er im Himmel an etwas Mangel leiden w\u00fcrde?&#8220; Der Sohn war in der gr\u00f6\u00dften Verwunderung. &#8222;Mutter&#8220;, sagte er, &#8222;so einer aus dem Himmel kommt nicht alle Tage, ich will gleich hinaus und sehen, da\u00df ich den Mann noch finde: der mu\u00df mir erz\u00e4hlen, wie&#8217;s dort aussieht und wie&#8217;s mit der Arbeit geht.&#8220; Er sattelte das Pferd und ritt in aller Hast fort. Er fand den Bauer, der unter einem Weidenbaum sa\u00df und das Geld, das im Beutel war, z\u00e4hlen wollte. &#8222;Habt Ihr nicht den Mann gesehen&#8220;, rief ihm der Junge zu, &#8222;der aus dem Himmel gekommen ist?&#8220; &#8211; &#8222;Ja&#8220;, antwortete der Bauer, &#8222;der hat sich wieder auf den R\u00fcckweg gemacht und ist den Berg dort hinaufgegangen, von wo er&#8217;s etwas n\u00e4her hat. Ihr k\u00f6nnt ihn noch einholen, wenn Ihr scharf reitet.&#8220; &#8211; &#8222;Ach&#8220;, sagte der Junge, &#8222;ich habe mich den ganzen Tag abge\u00e4schert, und der Ritt hierher hat mich vollends m\u00fcde gemacht:<\/p>\n\n\n\n<p>Jhr kennt den Mann, seid so gut und setzt Euch auf mein Pferd und \u00fcberredet ihn, da\u00df er hierherkommt.&#8220; &#8211; &#8222;Aha&#8220;, dachte der Bauer, &#8222;das ist auch einer, der keinen Docht in seiner Lampe hat.&#8220; &#8211; &#8222;Warum sollte ich Euch den Gefallen nicht tun?&#8220; sprach er, stieg auf und ritt im st\u00e4rksten Trab fort. Der Junge blieb sitzen, bis die Nacht einbrach, aber der Bauer kam nicht zur\u00fcck. &#8222;Gewi\u00df&#8220;, dachte er, &#8222;hat der Mann aus dem Himmel gro\u00dfe Eile gehabt und nicht umkehren wollen, und der Bauer hat ihm das Pferd mitgegeben, um es meinem Vater zu bringen.&#8220; Er ging heim und erz\u00e4hlte seiner Mutter, was geschehen war: das Pferd habe er dem Vater geschickt, damit er nicht immer herumzulaufen brauche. &#8222;Du hast wohl getan&#8220;, antwortete sie, &#8222;du hast noch junge Beine und kannst zu Fu\u00df gehen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Bauer nach Haus gekommen war, stellte er das Pferd in den Stall neben die verpf\u00e4ndete Kuh, ging dann zu seiner Frau und sagte: &#8222;Trine, das war dein Gl\u00fcck. Ich habe zwei gefunden, die noch einf\u00e4ltigere Narren sind als du, diesmal kommst du ohne Schl\u00e4ge davon, ich will sie f\u00fcr eine andere Gelegenheit auf sparen.&#8220; Dann z\u00fcndete er seine Pfeife an, setzte sich in den Gro\u00dfvaterstuhl und sprach: &#8222;Das war ein gutes Gesch\u00e4ft, f\u00fcr zwei magere K\u00fche ein glattes Pferd und dazu einen gro\u00dfen Beutel voll Geld. Wenn die Dummheit immer so viel einbr\u00e4chte, wollte ich sie gern in Ehren halten.&#8220; So dachte der Bauer, aber dir sind gewi\u00df die Einf\u00e4ltigen lieber.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die klugen Leute Eines Tages holte ein Bauer seinen hageb\u00fcchenen Stock aus der Ecke und sprach zu seiner Frau: &#8222;Trine, ich gehe jetzt \u00fcber Land und komme erst in drei Tagen wieder zur\u00fcck. 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