{"id":5918,"date":"2026-04-18T01:40:09","date_gmt":"2026-04-17T23:40:09","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5918"},"modified":"2026-04-18T01:40:10","modified_gmt":"2026-04-17T23:40:10","slug":"der-kleine-geist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-kleine-geist\/","title":{"rendered":"Der kleine Geist"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der kleine Geist<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-nowrap is-layout-flex wp-container-core-group-is-layout-ad2f72ca wp-block-group-is-layout-flex\">\n<p><strong>Nordamerikanische Indianer<\/strong><\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-nowrap is-layout-flex wp-container-core-group-is-layout-ad2f72ca wp-block-group-is-layout-flex\">\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n<\/div>\n\n\n\n<p>In einer einsamen H\u00f6hle, die weit im Norden am Ufer eines von hohen Felsen umgebenden Sees stand, lebten einmal zwei arme Indianerkinder, die waren Waisen, ein M\u00e4dchen und ein kleiner Knabe, der nicht h\u00f6her war als ein Grashalm. Eines pr\u00e4chtigen Wintertages sagte er zu seiner Schwester: &#8222;Mach mir einen kleinen Ball, ich m\u00f6chte auf dem glatten Eis damit spielen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schwester tat es auch, bat ihn aber, sich ja nicht zu weit von ihrer Wohnung zu entfernen, damit ihm nicht ein Ungl\u00fcck zusto\u00dfe. Der Kleine h\u00f6rte nicht drauf, stie\u00df in kindlicher Freude den Ball immer rasch vor sich her und eilte ihm ebenso schnell wieder nach.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er so ungef\u00e4hr eine halbe Stunde lang immer nach einer Richtung hin gelaufen war, sah er auf einmal vier gro\u00dfe M\u00e4nner vor sich. Sie hockten um ein Loch, das sie in das Eis geschlagen hatten, und fingen Fische mit dem Speer. Der eine drehte sich um und rief sp\u00f6ttisch: &#8222;Seht doch, was f\u00fcr ein winziger Knirps da herumh\u00fcpft!&#8220; Doch die anderen k\u00fcmmerten sich nicht um ihn und fischten ruhig weiter. Diese Nichtachtung \u00e4rgerte den Kleinen gewaltig, und um sich zu r\u00e4chen. Stahl er dem einen den gr\u00f6\u00dften Fisch und lief eilends damit nach Hause. Seine Schwester kochte ihn, und beide hatten nun ein treffliches Essen f\u00fcr den ganzen Tag.<\/p>\n\n\n\n<p>Am folgenden Morgen lie\u00df der kleine seinen Ball wieder auf dem Eis tanzen und sah auch wieder die vier Fischer. Da er nun das Ungl\u00fcck hatte, dass sein Spielzeug in eins ihrer Fischerl\u00f6cher flog, bat er den einen freundlich, ihm den Ball doch wieder zuzuwerfen. Der stie\u00df aber den Ball erst recht unter das Eis. Als der Kleine das sah, h\u00fcpfte er flink herbei und brach dem Fischer den linken Arm. Dann holte er schnell seinen Ball selbst wieder heraus und lief damit eilends nach Hause. Die Fischer konnten ihn trotz gr\u00f6\u00dfter Anstrengung nicht einholen und beschlossen daher, das Ungl\u00fcck ihres Bruders am n\u00e4chsten Morgen blutig zu r\u00e4chen. Ihre Mutter riet ihnen zwar, von ihrem Vorhaben abzustehen, denn der kleine Kerl sei sicherlich ein verkappter Manitu, ein Geist in Menschengestalt, der sie noch alle vernichten w\u00fcrde. Doch die Fischer h\u00f6rten nicht auf ihre Warnung und gingen am anderen Tage mit ihrem verwundeten Bruder vor die H\u00fctte des Zwerges. Als seine Schwester sie kommen sah, lief sie in Todesangst zu ihrem Bruder und fragten ihm um Rat. Er antwortete ihr aber kaltbl\u00fctig: &#8222;Was k\u00fcmmert dich das? Geh und hol mir etwas Gutes zu essen!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Aber wie kann man in einem solchen Augenblick noch Hunger haben?&#8220; erwiderte sie verwundert.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Tu, was ich dir sage, und lass mich f\u00fcr das \u00dcbrige sorgen!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Sie gehorchte und brachte ihm eine riesige mannshohe Muschel, und als er eben anfangen wollte, sich&#8217;s recht gut schmecken zu lassen, hoben die vier Fischer gerade die Decke auf, die vor dem H\u00f6hleneingang hing, um hereinzukommen. Da warf der Kleine schnell seine gro\u00dfe Muschel in die T\u00fcr\u00f6ffnung, und seine H\u00f6hle war nun uneinnehmbar. Die Vier zerbrachen alle ihre Werkzeuge und m\u00fchten sich vergeblich, die Muschel zu entfernen. Aber alles, was sie fertigbrachten war ein winzig kleines Loch, an dem sie einen halben Tag gemei\u00dfelt hatten. Der erste, der nun seine Kopf durch das Loch steckte, wurde mit einem Pfeil begr\u00fc\u00dft und fiel tot nach au\u00dfen zur\u00fcck. Darauf vier suchten die anderen drei das Loch zu erweitern. Als aber noch ein zweiter, vom Pfeil getroffen, tot umfiel, verloren sie den Mut. Sie luden ihre Gef\u00e4hrten auf die Schultern und entflohen eilends.<\/p>\n\n\n\n<p>Im n\u00e4chsten Fr\u00fchjahr machte der Kleine einen Bogen und mehrere Pfeile, die er zum \u00c4rger seiner Schwester alle in den See schoss. Dann schwamm er ihnen nach und tat dabei so, als ob er ertrinken m\u00fcsse, um seine am Ufer stehende Schwester zu erschrecken. Auch rief er noch best\u00e4ndig: &#8222;M\u00e4mis kwoschegon\u00e4 benow\u00e4konschschin!&#8220; das hei\u00dft: &#8222;Gro\u00dfer Fischk\u00f6nig, komm und verschlucke mich!&#8220; Und der gro\u00dfe Fischk\u00f6nig lie\u00df auch wirklich nicht lange auf sich warten, schwamm herbei und verschluckte ihn, Ehe nun der Kleine im Maul des Fisches verschwand, glaubte seine Schwester noch das Wort &#8222;Mesuschkisinens&#8220; zu h\u00f6ren, das sie aber im Augenblick nicht zu deuten wusste. Nach l\u00e4ngeren Nachdenken meinte sie, er w\u00fcnsche vielleicht einen Mokassin. Sie suchte also einen alten Schuh hervor, band ihn an ein Seil, warf ihn ins Wasser und befestigte das Seil an einem auf dem Ufer stehenden Baum.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Fischk\u00f6nig war ungeheuer neugierig und wollte wissen, was f\u00fcr ein sonderbares Ding das sei, das dort herumschwimme. Er bat den Kleinen in seinem Bauch deshalb um Auskunft. &#8222;Schwimm schnell hin und fri\u00df es!&#8220; raunte ihm dieser zu, und der alte gro\u00dfe Fisch, der als K\u00f6nig doch mehr Klugheit h\u00e4tte besitzen sollen, schluckte den alten Schuh auch wirklich hinunter. Da l\u00e4chelte denn der Kleine recht schalkhaft, ergriff mit beiden H\u00e4nden das Seil und zog sich so mitsamt dem Fischk\u00f6nig ans Land. Die Schwester staunte \u00fcber die ungeheure Gr\u00f6\u00dfe des Fisches, nahm aber beherzt ihr Messer und stach ihn tot.<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf kroch ihr Bruder wohlbehalten aus dem Bauch heraus und befahl seiner Schwester, das Fleisch zu trocknen und fortan nie mehr an seinen au\u00dferordentlichen F\u00e4higkeiten zu zweifeln. Das hat sie denn auch nicht mehr getan, und damit endet die Geschichte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der kleine Geist Nordamerikanische Indianer In einer einsamen H\u00f6hle, die weit im Norden am Ufer eines von hohen Felsen umgebenden Sees stand, lebten einmal zwei arme Indianerkinder, die waren Waisen, ein M\u00e4dchen und ein kleiner Knabe, der nicht h\u00f6her war als ein Grashalm. 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