{"id":5864,"date":"2026-04-15T02:24:07","date_gmt":"2026-04-15T00:24:07","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5864"},"modified":"2026-04-15T02:24:07","modified_gmt":"2026-04-15T00:24:07","slug":"das-klapperstorch-maerchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/das-klapperstorch-maerchen\/","title":{"rendered":"Das Klapperstorch-M\u00e4rchen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Das Klapperstorch-M\u00e4rchen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Richard von Volkmann-Leander<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Wovon die Beine der Teckel so kurz sind, und dass sie sich dieselben abgelaufen haben, wei\u00df jeder. Wie aber der Storch zu seinen langen Beinen gekommen ist, das ist eine ganz andere Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Drei Tage n\u00e4mlich, ehe der Storch ein kleines Kind bringt, klopft er mit seinem roten Schnabel an das Fenster der Leute, welche es bekommen sollen, und ruft:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">&#8222;Schafft eine Wiege,<br>Ein&#8216; Schleier f\u00fcr Fliegen,<br>Ein buntes R\u00f6cklein,<br>Ein wei\u00dfes J\u00e4cklein,<br>M\u00fctzchen und Windel:<br>Bring&#8216; ein klein Kindel!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Dann wissen die Leute, woran sie sind. Doch zuweilen, wenn er sehr viel zu tun hat, vergisst er es, und dann gibt&#8217;s gro\u00dfe Not, weil nichts fertig ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei zwei armen Leuten, welche im Dorf in einer kleinen H\u00fctte wohnten, hatte es der Storch auch vergessen. Als er mit dem Kinde kam, war niemand zu Hause. Mann und Frau waren auf Feldarbeit gegangen und T\u00fcre und Fenster verschlossen; auch war nicht einmal eine Treppe vor dem Hause, auf die er es h\u00e4tte legen k\u00f6nnen. Da flog er aufs Dach und klapperte so lange, bis das ganze Dorf zusammenlief und eine alte Frau eilends aufs Feld hinaussprang, um die Leute zu holen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Herr Nachbar, Frau Nachbarin! Herr Nachbar, Frau Nachbarin!&#8220; rief sie schon von weitem, ganz au\u00dfer Atem, &#8222;um Gottes Willen! Der Storch sitzt auf eurem Hause und will euch ein kleines Kind bringen. Niemand ist da, der ihm&#8217;s Fenster aufmachen kann. Wenn ihr nicht bald kommt, l\u00e4sst er&#8217;s fallen, und &#8217;s gibt ein Ungl\u00fcck. Oben beim M\u00fcller hat er es vor drei Jahren auch fallen lassen, und das arme Wurm ist heute noch bucklig.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Da liefen die beiden Hals \u00fcber Kopf nach Haus und nahmen dem Storche das Kind ab. Wie sie es besahen, war es ein wunderh\u00fcbscher kleiner Junge, und Mann und Frau waren vor Freude au\u00dfer sich. Doch der Storch hatte sich \u00fcber das lange Warten so ge\u00e4rgert, dass er sich vornahm, ganz bestimmt den beiden Leuten nie wieder ein Kind zu bringen. Als sie endlich kamen, sah er sie schon ganz schief und \u00e4rgerlich an, und w\u00e4hrend er fortflog, sagte er noch: &#8222;Heute wird&#8217;s auch wieder sp\u00e4t werden, ehe ich zu meiner Frau Storchen in den Sumpf komme. Ich habe noch zw\u00f6lf Kinder auszutragen, und es ist schon sp\u00e4t. Das Leben wird einem doch recht sauer!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Doch die beiden Leute hatten in ihrer Herzensfreude es gar nicht bemerkt, dass sich der Storch so schwer ge\u00e4rgert. Eigentlich war er ja auch ganz allein daran schuld, dass er so lange hatte warten m\u00fcssen, weil er es ihnen doch vergessen hatte, es ihnen vorher zu sagen. Wie nun das Kind wuchs und t\u00e4glich h\u00fcbscher wurde, sagte eines Tages die Frau:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wenn wir dem guten Storch, der uns das wunderh\u00fcbsche Kind gebracht hat, nur irgend etwas schenken k\u00f6nnten, was ihm Spa\u00df macht! Wei\u00dft du nichts? Mir will gar nichts einfallen!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Das wird schwerhalten\u201c,erwiderte der Mann; &#8222;er hat schon alles!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen jedoch kam er zu seiner Frau und sagte zu ihr: &#8222;Was meinst du, wenn ich dem Storch beim Tischler ein paar recht sch\u00f6ne Stelzen machen lie\u00dfe? Er muss doch immer in den Sumpf, um Fr\u00f6sche zu fangen, und dann wieder in den gro\u00dfen Teich hinterm Dorf, aus dem er die kleinen Knaben herausholt. Da muss er doch sehr oft nasse F\u00fc\u00dfe bekommen! Ich d\u00e4chte auch, er h\u00e4tte damals, als er zu uns kam, ganz heiser geklappert.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Das ist ein herrlicher Einfall!&#8220; entgegnete die Frau. &#8222;Aber der Tischler muss die Stelzen recht sch\u00f6n rot lackieren, damit sie zu seinem Schnabel passen!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;So?&#8220; sagte der Mann; &#8222;meinst du wirklich rot? Ich hatte an Gr\u00fcn gedacht.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Aber, bester Schatz!&#8220; fiel die Frau ein, &#8222;wo denkst du hin? Ihr M\u00e4nner wisst doch niemals, was zusammenpasst und gut steht. Sie m\u00fcssen unbedingt rot sein!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Da nun der Mann sehr verst\u00e4ndig war und stets auf seine Frau h\u00f6rte, so bestellte er denn wirklich rote Stelzen, und als sie fertig waren, ging er an den Sumpf und brachte sie dem Storch.<\/p>\n\n\n\n<p>Und der Storch war sehr erfreut, probierte sie gleich und sagte: &#8222;Eigentlich war ich auf euch recht b\u00f6se, weil ihr mich damals so lange habt warten lassen. Weil ihr aber so gute Leute seid und mir die sch\u00f6nen roten Stelzen schenkt, so will ich euch auch noch ein kleines M\u00e4dchen bringen. Heute \u00fcber vier Wochen werde ich kommen. Dass ihr mir dann aber auch h\u00fcbsch zu Hause seid, und express es erst noch einmal ansagen werde ich nun nicht. Den Weg kann ich mir sparen! &#8211; H\u00f6rst du?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Nein, nein!&#8220; erwiderte der Mann. &#8222;Wir werden sicher zu Hause sein. Du sollst diesmal keinen \u00c4rger davon haben.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Als die vier Wochen um waren, kam richtig der Storch geflogen und brachte ein kleines M\u00e4dchen; das war noch h\u00fcbscher als der kleine Junge, und war nun gerade das P\u00e4rchen voll. Auch blieben beide Kinder h\u00fcbsch und gesund, und die Eltern auch, so dass es eine rechte Freude war.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun wohnte aber im Dorf noch ein reicher Bauer, der besa\u00df ebenfalls nur einen Knaben, und der war noch dazu ziemlich garstig, und der Bauer w\u00fcnschte sich auch noch ein M\u00e4dchen dazu. Als er vernahm, wie es die armen Leute angefangen, dachte er bei sich, es k\u00f6nne ihm gar nicht fehlen. Er ging sofort zum Tischler und bestellte ebenfalls ein paar Stelzen, viel sch\u00f6ner wie die, welche die armen Leute hatten anfertigen lassen. Oben und unten mit goldenen Kn\u00f6pfen und in der Mitte gr\u00fcn, gelb und blau geringelt. Als sie fertig waren, sahen sie in der Tat ungew\u00f6hnlich sch\u00f6n aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf zog er sich seinen besten Rock an, nahm die Stelzen unter den Arm und ging hinaus an den Sumpf, wo er auch gleich den Storch fand.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ganz gehorsamer Diener, Euer Gnaden!&#8220; sagte er zu ihm und machte ein tiefes Kompliment.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Meinst du mich?&#8220; fragte der Storch, der auf seinen sch\u00f6nen roten Stelzen behaglich im Wasser stand.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ich bin so frei!&#8220; erwiderte der Bauer.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Nun, was willst du?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ich m\u00f6chte gern ein kleines M\u00e4dchen haben, und da hat sich meine Frau erlaubt, Euer Gnaden ein kleines Geschenk zu schicken. Ein Paar ganz bescheidene Stelzen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Da mach nur, dass du wieder nach Hause kommst!&#8220; entgegnete der Storch, indem er sich auf einem Bein umdrehte und den Bauer gar nicht wieder ansah. &#8222;Ein kleines M\u00e4dchen kannst du nicht bekommen; und deine Stelzen brauche ich auch nicht! Ich habe schon zwei sehr sch\u00f6ne rote, und da ich meist nur eine auf einmal benutze, so werden sie wohl sehr lange vorhalten. &#8211; Au\u00dferdem sind ja deine Stelzen ganz abscheulich h\u00e4sslich. Pfui! Blau, gr\u00fcn und gelb geringelt wie ein Hanswurst! Mit denen d\u00fcrfte ich ja der Frau Storchen gar nicht unter die Augen kommen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Da musste der Bauer mit seinen sch\u00f6nen Stelzen abziehen, und ein kleines M\u00e4dchen hat er sein Lebtag nicht bekommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Klapperstorch-M\u00e4rchen Richard von Volkmann-Leander Wovon die Beine der Teckel so kurz sind, und dass sie sich dieselben abgelaufen haben, wei\u00df jeder. Wie aber der Storch zu seinen langen Beinen gekommen ist, das ist eine ganz andere Geschichte. 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