{"id":5857,"date":"2026-04-15T02:11:16","date_gmt":"2026-04-15T00:11:16","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5857"},"modified":"2026-04-15T02:11:16","modified_gmt":"2026-04-15T00:11:16","slug":"die-lange-nase","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-lange-nase\/","title":{"rendered":"Die lange Nase"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die lange Nase<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gebr. Grimm<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es waren drei alte abgedankte Soldaten, die waren so alt, dass sie auch keine Libermilch mehr bei\u00dfen konnten, da schickte sie der K\u00f6nig fort, gab ihnen keine Pension, hatten sie nichts zu leben und mussten betteln gehn. Da reisten sie durch einen gro\u00dfen Wald und konnten das Ende davon nicht finden; als es Abend war, legten sich zwei schlafen und der dritte musste bei ihnen Wache halten, damit sie von den wilden Tieren nicht zerrissen werden. Wie die zwei nun eingeschlafen waren, und der eine dabei stand und Wache hielt, kam ein kleines M\u00e4nnchen in rotem Kleide und rief: wer da? \u201eGut Freund,\u201c sagte der Soldat. \u201eWas f\u00fcr Gutfreund?\u201c \u2013 \u201eDrei alte abgedankte Soldaten, die nichts zu leben haben.\u201c Da sprach das M\u00e4nnchen, er sollte zu ihm kommen, es wollt\u2019 ihm was schenken, wenn er das in Acht n\u00e4hme, sollte er sein Lebtag genug haben. Da ging er heran und es schenkte ihm einen alten Mantel, wenn er den umh\u00e4ngte, was er dann w\u00fcnschte, das ward alles wahr, er sollt\u2019 es aber seinen Kammeraden nicht sagen, bis es Tag w\u00fcrde. Wie es nun Tag war und sie aufwachten, da erz\u00e4hlte er ihnen was geschehen war und sie reisten weiter bis zum zweiten Abend, und als sie sich schlafen legten, musste der zweite wachen und Posten bei ihnen stehen. Da kam das rote M\u00e4nnchen und rief wer da? \u201eGutfreund.\u201c \u2013 \u201eWas f\u00fcr Gutfreund?\u201c \u2013 \u201eDrei alte abgedankte Soldaten.\u201c Da schenkte ihm das M\u00e4nnchen ein altes Beutelchen, das wurde nie leer von Geld, soviel auch herausgenommen wurde; er soll\u2019s aber auch erst bei Tag seinen Kammeraden sagen. Da gingen sie noch den dritten Tag durch den Wald und nachts musste der dritte Soldat Wache stehen. Das rote M\u00e4nnchen kam auch zu dem und rief wer da? \u201eGutfreund!\u201c \u2013 \u201eWas f\u00fcr Gutfreund?\u201c \u2013 \u201eDrei alte abgedankte Soldaten.\u201c Da schenkte ihm das rote M\u00e4nnchen ein Horn, wenn man darauf blies, kamen alle V\u00f6lker zusammen. Am Morgen, wie nun jeder ein Geschenk hatte, tat der erste den Mantel um und w\u00fcnschte, dass sie aus dem Wald w\u00e4ren, da waren sie gleich drau\u00dfen. Sie gingen in ein Wirtshaus und lie\u00dfen sich da Essen und Trinken geben, das Beste, das der Wirth nur auftreiben konnte; als sie fertig waren, bezahlte der mit dem Beutelchen alles und zog dem Wirth auch keinen Heller ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun waren sie das Reisen m\u00fcde, da sprach der mit dem Beutel zu dem mit dem Mantel: \u201eich wollte, dass du uns ein Schloss dahin w\u00fcnschtest, Geld haben wir doch genug, wir k\u00f6nnten wie F\u00fcrsten leben.\u201c Da w\u00fcnschte er ein Schloss und gleich stand es da und war alles Zugeh\u00f6r dabei. Als sie eine Zeitlang da gelebt hatten, w\u00fcnschte er einen Wagen mit drei Schimmeln, sie wollten in ein anders K\u00f6nigreich fahren und sich f\u00fcr drei K\u00f6nigss\u00f6hne ausgeben. Da fuhren sie ab mit einer gro\u00dfen Begleitung von Lakaien, dass es recht f\u00fcrstlich aussah. Sie fuhren zu einem K\u00f6nig, der nur eine einzige Prinzessin hatte und als sie ankamen, lie\u00dfen sie sich melden und wurden gleich zur Tafel gebeten und sollten die Nacht da schlafen. Da ging\u2019s nun lustig her und als sie gegessen und getrunken hatten, fingen sie an Karten zu spielen, was die Prinzessin so gerne tat. Sie spielte mit dem, der den Beutel hatte, und so viel sie ihm abgewann, so sah sie doch, dass sein Beutel nicht leer ward und merkte, dass es ein W\u00fcnsch Ding sein m\u00fcsste. Da sagte sie zu ihm, er sei so warm vom Spiel, er solle einmal trinken und schenkte ihm ein, aber sie tat einen Schlaftrunk in den Wein. Und wie er den kaum getrunken hatte, so schlief er ein, da nahm sie seinen Beutel, ging in ihre Kammer und n\u00e4ht einen andern, der ebenso aussah, tat auch ein wenig Geld hinein und legt ihn an die Stelle des alten. Am andern Morgen reisten die drei weiter, und als der eine das wenige Geld ausgegeben hatte, was noch im Beutel war und nun wieder hineingriff, war er leer und blieb leer. Da rief er aus: \u201emein Beutel ist mir von der falschen Prinzessin vertauscht worden, nun sind wir arme Leute!\u201c Der mit dem Mantel aber sprach: \u201elass dir keine graue Haare wachsen, ich will ihn bald wieder geschafft haben.\u201c Da hing er den Mantel um und w\u00fcnschte sich in die Kammer der Prinzessin; gleich ist er da, und sie sitzt da und z\u00e4hlt an dem Geld, das sie in einem fort aus dem Beutel holt. Wie sie ihn sieht, schreit sie, es w\u00e4r\u2019 ein R\u00e4uber da, und schreit so gewaltig, dass der ganze Hof gelaufen kommt und will ihn fangen. Da springt er in der Hast zum Fenster hinaus und l\u00e4sst den Mantel h\u00e4ngen und ist auch der verloren. Wie die drei wieder zusammenkamen, hatten sie nichts mehr als das Horn, da sprach der, dem es geh\u00f6rte: \u201eich will schon helfen, wir wollen den Krieg anfangen,\u201c und blies so viel Husaren und Kavallerie zusammen, dass sie nicht alle zu z\u00e4hlen waren. Dann schickte er zum K\u00f6nig und lie\u00df ihm sagen, wenn er den Beutel und Mantel nicht herausg\u00e4be, sollt\u2019 von seinem Schloss kein Stein auf dem andern bleiben. Da redete der K\u00f6nig seiner Tochter zu, sie sollt\u2019 es herausgeben, eh\u2019 sie sich so gro\u00df Ungl\u00fcck auf den Hals l\u00fcden, sie h\u00f6rte aber nicht darauf und sprach, sie wollt\u2019 erst noch etwas versuchen. Da zog sie sich an wie ein armes M\u00e4dchen, nahm einen Henkelkorb an den Arm und ging hinaus ins Lager, allerlei Getr\u00e4nk zu verkaufen und ihre Kammerjungfer musste mitgehen. Wie sie nun mitten im Lager ist, f\u00e4ngt sie an zu singen so sch\u00f6n, dass die ganze Armee zusammenlauft aus den Zelten, und der das Horn hat, lauft auch heraus und h\u00f6rt zu; und wie sie den sieht, gibt sie ihrer Kammerjungfer ein Zeichen, die schleicht sich in sein Zelt, nimmt das Horn und lauft mit ins Schloss. Dann ging sie auch wieder heim und hatte nun alles und die drei Kammeraden mussten wieder betteln gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Also zogen sie fort, da sprach der eine, der den Beutel gehabt hatte: \u201ewisst ihr was, wir k\u00f6nnen nicht immer beisammen sein, geht ihr dort hinaus, ich will hier hinaus gehen.\u201c Also ging er allein und kam in einen Wald, und weil er m\u00fcd\u2019 war, legte er sich unter einen Baum, ein wenig zu schlafen. Wie er aufwachte und \u00fcber sich sah, da war es ein sch\u00f6ner Apfelbaum, unter dem er geschlafen und hingen pr\u00e4chtige \u00c4pfel daran. Vor Hunger nahm er einen, a\u00df ihn und dann noch einen. Da f\u00e4ngt ihm seine Nase an zu wachsen und w\u00e4chst und wird so lang, dass er nicht mehr aufstehen kann; und w\u00e4chst durch den Wald und sechzig Meilen noch hinaus. Seine Kammeraden aber gingen auch in der Welt herum und suchten ihn, weil es doch besser in Gesellschaft war, sie konnten ihn aber nicht finden. Auf einmal stie\u00df einer an etwas und trat auf was weiches, ei! was soll das sein, dachte er, da regte es sich und war es eine Nase. Da sprachen sie, wir wollen der Nase nachgehen und kamen endlich in den Wald zu ihrem Kammeraden, der lag da, konnt\u2019 sich nicht r\u00fchren noch regen. Da nahmen sie eine Stange und wickelten die Nase darum und wollten sie in die H\u00f6he heben und ihn forttragen, aber es war zu schwer. Da suchten sie im Wald einen Esel, darauf legten sie ihn und die lange Nase auf zwei Stangen und f\u00fchrten ihn also fort, und wie sie ein Eckchen weit gezogen waren, war er so schwer, dass sie ruhen mussten. Als sie so ruhten, sahen sie einen Baum neben sich stehen, daran hingen sch\u00f6ne Birnen; und hinter dem Baum kam das kleine rote M\u00e4nnchen hervor und sagte zu dem Langnasigen, er sollte eine von den Birnen essen, so fiel ihm die Nase ab. Da a\u00df er eine Birne und alsbald fiel die lange Nase ab und er behielt nicht mehr, als er zuvor hatte. Darauf sagte das M\u00e4nnchen: \u201ebrich dir von den \u00c4pfeln und Birnen ab und mach\u2019 Pulver aus jedwedem, wem du von dem Apfelpulver gibst, dem w\u00e4chst die Nase, und wenn du dann von dem Birnpulver gibst, so f\u00e4llt sie wieder ab; und dann reise als Arzt und gib der Prinzessin von den \u00c4pfeln und dann auch von dem Pulver, da w\u00e4chst ihr die Nase noch zwanzigmal l\u00e4nger als dir; aber halt dich fest.\u201c Da nahm er von den \u00c4pfeln, ging an den K\u00f6nigshof und gab sich f\u00fcr einen G\u00e4rtnersbursch aus und sagte, er h\u00e4tte eine Art \u00c4pfel, wie in der Landschaft keine w\u00fcchsen. Wie die Prinzessin aber h\u00f6rte davon, bat sie ihren Vater, er sollt\u2019 ihr einige von diesen \u00c4pfeln kaufen; der K\u00f6nig sprach: \u201ekauf dir, soviel du willst.\u201c Da kaufte sie und a\u00df einen, der schmeckte ihr so gut, dass sie meinte, sie h\u00e4tte ihr Lebtag keinen so guten gegessen, und a\u00df dann noch einen; wie das geschehen war, machte der Arzt sich fort. Da fing ihr die Nase an zu wachsen und wuchs so stark, dass sie vom Sessel nicht aufstehen konnte, sondern umfiel. Da wuchs die Nase sechzig Ellen um den Tisch herum, sechzig um ihren Schrank und dann durchs Fenster hundert Ellen um\u2019s Schloss, und noch zwanzig Meilen zur Stadt hinaus. Da lag sie, konnte sich nicht regen und bewegen und wusste ihr kein Doktor zu helfen. Der alte K\u00f6nig lie\u00df ausschreiben, wenn sich irgendein Fremder f\u00e4nde, der seiner Tochter womit helfen k\u00f6nnte, sollt\u2019 er viel Geld haben. Da hatte nun der alte Soldat drauf gewartet, meldete sich als ein Doktor: \u201eso es Gottes Wille w\u00e4re, wollt\u2019 er ihr schon helfen.\u201c Darauf gab er ihr Pulver von den \u00c4pfeln, da fing die Nase an von neuem zu wachsen und ward noch gr\u00f6\u00dfer; am Abend gab er ihr Pulver von den Birnen, da ward sie ein wenig kleiner, doch nicht viel. Am andern Tag gab er ihr wieder \u00c4pfelpulver, um sie recht zu \u00e4ngstigen und zu strafen, da wuchs sie wieder, viel mehr als sie gestern abgenommen hatte. Endlich sagte er: \u201egn\u00e4digste Prinzessin, Sie m\u00fcssen einmal etwas entwendet haben, wenn Sie das nicht herausgeben, hilft kein Rath.\u201c Da sagte sie: \u201eich wei\u00df von nichts.\u201c Sprach er: \u201ees ist so, sonst m\u00fcsst mein Pulver helfen und wenn Sie es nicht herausgeben, m\u00fcssen Sie sterben an der langen Nase.\u201c Da sagte der alte K\u00f6nig: \u201egib den Beutel, den Mantel und das Horn heraus, das hast du doch entwendet, sonst kann deine Nase nimmermehr kleiner werden.\u201c Da musste die Kammerjungfer alle drei St\u00fccke holen und hinlegen und er gab ihr Pulver von den Birnen, da fiel die Nase ab und mussten 250 M\u00e4nner kommen und sie in St\u00fccken hauen. Und er ging mit dem Beutelchen, dem Mantel und dem Horn fort zu seinen Kammeraden, und sie w\u00fcnschten sich wieder in ihr Schloss; da werden sie wohl noch sitzen und Haus halten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die lange Nase Gebr. 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