{"id":5832,"date":"2026-04-09T16:21:25","date_gmt":"2026-04-09T14:21:25","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5832"},"modified":"2026-04-09T16:21:25","modified_gmt":"2026-04-09T14:21:25","slug":"kees-unglueck-und-klaas-wunderkaese","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/kees-unglueck-und-klaas-wunderkaese\/","title":{"rendered":"Kees Ungl\u00fcck und Klaas Wunderk\u00e4se"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Kees Ungl\u00fcck und Klaas Wunderk\u00e4se<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>M\u00e4rchen aus den Niederlanden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Ganz am Ende des Westender Sees, nicht weit weg vom Haarlemmermeer, denn das gab es damals noch, wohnten einmal zwei Br\u00fcder auf einem gro\u00dfen alten Bauernhof. Der \u00e4lteste Bruder hie\u00df Kees Ungl\u00fcck, denn wenn er auch ungeheuer reich war und das ganze Anwesen ihm geh\u00f6rte, so hatte er doch Ungl\u00fcck in allem, was er unternahm, besonders in seinem eigenen Leben. Der j\u00fcngere Bruder hie\u00df Klaas Wunderk\u00e4se. Und warum er so hie\u00df, werdet ihr gleich h\u00f6ren. Klaas war immer von Vater und Mutter sehr knapp gehalten worden; er hatte nicht einmal lesen und schreiben lernen d\u00fcrfen und wurde deshalb immer f\u00fcr dumm angesehen. Als die Eltern tot waren, hatte Kees den Hof geerbt, und Klaas nichts. Aber Klaas bek\u00fcmmerte das nicht, er sagte nur immer:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wenn Gott mir hilft, dann geht es gut, Was auch ein anderer dagegen tut.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Und das sang und fl\u00f6tete er sein ganzes Leben lang. Einen anderen Wortlaut kannte er sowieso nicht. Er arbeitete als Tage L\u00f6hner den ganzen Tag von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang bei seinem Bruder. Und er musste immer die schwerste Arbeit verrichten; M\u00e4hen, die Wassergr\u00e4ben ausbaggern und Heu aufladen. Sein Bruder tat nur die leichteste Arbeit und riss sich kein Bein ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber Klaas war gl\u00fccklich, und Kees nicht. Klaas hatte sieben Kinder, alles gesunde Jungen, und Kees bekam kein einziges. Lohn bekam Klaas nie. Weil nun Kees Ungl\u00fcck Sonntag morgens immer vom Saufen am Samstagabend ausschlafen musste, hatten sie verabredet, dass Klaas Wunderk\u00e4se dann allein die K\u00fche melken sollte. Diese Milch geh\u00f6rte dann auch ihm allein; das war dann zugleich sein ganzer Wochenlohn. Weiter durfte er dann noch eine eigene Kuh auf dem Land von Kees umsonst weiden lassen. Nun wirst du wohl denken, dass Klaas Wunderk\u00e4se an einmal Melken l\u00e4ngst nicht genug hatte, um mit seinen sieben Kindern rundzukommen, aber da irrst du dich gewaltig. Denn wenn Klaas am Sonntagmorgen f\u00fcr sich selbst molk, dann sang er, weil er doch keine Zeit hatte, zur Kirche zu gehen, die ganze Zeit nur;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wenn Gott mir hilft, dann geht es gut, Was auch ein anderer dagegen tut.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann h\u00f6rten die K\u00fche zu und gaben wohl dreimal soviel Milch wie gew\u00f6hnlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Von der Milch musste Klaas nat\u00fcrlich auch K\u00e4se machen, denn sie wohnten so abgelegen, dass es keine M\u00f6glichkeit gab, auch nur eine Kanne frische Milch zu verkaufen. Und siehe, da gab es wieder ein Wunder, denn die Milch, die Klaas Wunderk\u00e4se sonntags singend gewann, ergab auch dreimal soviel K\u00e4se wie in der Woche und abends. Aber das kam, weil Klaas beim R\u00fchren und Sch\u00f6pfen nur sang;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wenn Gott mir hilft, dann geht es gut,<\/p>\n\n\n\n<p>Was auch ein anderer dagegen tut.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Und das kam bestimmt nicht daher, dass er sich auf die K\u00fcnste verstand, wie sein neidischer Bruder wohl einmal sagte. Und siehe, da gab es noch ein drittes Wunder. ,In Klaas Wunderk\u00e4se machte nicht nur am Sonntagmorgen sond K\u00e4se wie sein Bruder in der ganzen Woche, nein, der K\u00e4se war auch immer so gut, wie er nur sein konnte. Da fehlt nicht was daran:<\/p>\n\n\n\n<p>er war nie locker oder aufgegangen oder zu weich, nichts von alledem. Ja, der K\u00e4se war so gut, dass Klaas, wenn er ihn in Leiden oder Breukelen oder Gouda auf dem Markt verkaufte, wohl dreimal soviel daf\u00fcr bekam wie sein Bruder f\u00fcr seinen K\u00e4se. Das kam daher, weil er, wenn er auf der Brigg zum Markt f\u00fchr, immer sang:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wenn Gott mir hilft, dann geht es gut, ,<\/p>\n\n\n\n<p>Was auch ein anderer dagegen tut..<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann war dieser K\u00e4se der leckerste, der in ganz Holland zu bekommen war, so dass die Kaufleute sich um ihn stritten. Das ging eine ganze zeit lang gut, aber schlie\u00dflich wurde Kees Ungl\u00fcck, sein Bruder, so knauserig, dass er Klaas das Licht in seinen Augen nicht mehr g\u00f6nnte. Warte nur, er w\u00fcrde ihn schon kleinkriegen. Es fing damit an, dass er sagte, Klaas darf nicht mehr am Sonntagmorgen. Sondern am Samstagabend die Milch f\u00fcr sich behalten. Kees Ungl\u00fcck lachte sich ins F\u00e4ustchen, dass Klan das gut und, denn nun konnte er noch viel fr\u00fcher zum Wirtshaus gehen, um zu saufen und Karten zu spielen. Aber es \u00e4nderte sich auch jetzt nicht das geringste. Die K\u00fche gaben weiter dreimal soviel Milch, wenn Klaas sie alleine molk, auch am Samstagabend; die Milch ergab weiter dreimal soviel K\u00e4se, und der K\u00e4se war genau dreimal leckerer als der von Kees Ungl\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Kees Ungl\u00fcck sah, dass er Klaas Wunderk\u00e4se auf diese Weise nie kleinkriegen konnte, lie\u00df er ihn wieder am Sonntag morgen melken, aber er blieb selbst auf der Lauer stehen. Und dann h\u00f6rte er Klaas singen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Oh&#8220;, dachte er, &#8222;liegt da der Hase im Pfeffer? Nun, auf die Kunst verstehe ich mich auch.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Und zu Klaas sagte er: &#8222;Klaas! Du brauchst heute Abend nicht zu melken, dann hast du auch einmal frei. Ich werde schon alleine melken..<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Das ist gut, Kees!. sagte Klaas, denn zum ersten Mal, seit er erwachsen war, hatte er nun einen Abend frei, den er gleich dazu benutzte, um mit seiner Frau und den Kindern einmal zur Kirche zu gehen, in der er nicht mehr gewesen war, seit er arbeiten musste.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun, jetzt wollte Kees Ungl\u00fcck es auch einmal probieren. Er bindet seine erste Kuh an, setzt sich darunter und fingt auch an zu singen:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wenn Gott mir hilft, dann geht es gut,<\/p>\n\n\n\n<p>Was auch ein anderer dagegen tut..<\/p>\n\n\n\n<p>Aber das ging schlecht aus, das kann ich euch versichern.<\/p>\n\n\n\n<p>Er hat die erste Zeile noch nicht gesungen, da gibt ihm die Kuh einen Tritt, da\u00df er mit ein paar gequetschten Rippen im Schlammgraben landet.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun, die Milch war er nat\u00fcrlich auch los. Er gibt der Kuh einen Schlag auf die Haxen, da\u00df die petzen fliegen. Und wie viel Milch er noch von ihr bekommt, das kannst du dir wohl ausmalen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun, dann probiert er es bei Nummer zwei. Aber Jettchen gibt ihm auch einen kr\u00e4ftigen Sto\u00df. Nun mal bei Trinchen probiert, dann bei Dnisitae, dann bei Spitshorn, bei Falbe Blesse und bei Wei\u00dfr\u00fccken. Aber wie er sich auch anstrengte, es ging wie bei Nummer eins, und die Milcheimer blieben an diesem Abend von innen knochentrocken.<\/p>\n\n\n\n<p>Kees Ungl\u00fcck konnte gerade noch nach Hause humpeln, so hatten ihn die K\u00fche zugerichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun, er schnaubte vor Wut, als er wieder laufen konnte. Und ein paar Tage sp\u00e4ter sagte er zu seinem Bruder: &#8222;Klaas, nun wollen wir eins miteinander verabreden: du singst&nbsp;jemals wieder beim Melken, oder du singst immer! Hast du das genau verstanden?.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ist in Ordnung, Bruder., sagte Klaas Wunderk\u00e4se. Aber es \u00e4nderte sich nichts: wenn Klaas alleine und f\u00fcr sich selbst melkt, geben die K\u00fche dreimal soviel, und wenn Kees dabei ist, kommt nur ein armsehliger Strahl heraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Und weil Kees Ungl\u00fcck seinem Bruder nichts g\u00f6nnt, wird er aut die Fuchsteufelswild auf ihn. Schon bald hat er ein Mittel gefunden, um Klaas zu maltr\u00e4tieren. Wie schon gesagt, durfte Klaas eine Kuh f\u00fcr sich auf dem Land seines Bruders weiden lassen. Seine Frau hatte das Tier schon zur Hochzeit mitgebracht, so war es eigentlich die Kuh der B\u00e4uerin, wie das hier \u00f6fter vorkommt. Es war ein eigenartiges Tier, hell und mit einem dunklen Streifen vom Kopf bis zum Schwanz, es hatte einen unm\u00f6glich komischen Kopf. Von ihr hatte Klaas w\u00e4hrend der Woche viel Milch f\u00fcr seine Familie.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines Abends kann sich Kees Ungl\u00fcck nicht mehr l\u00e4nger beherrschen, er nimmt ein gro\u00dfes K\u00e4semesser und schneidet damit der Kuh von Klaas den Hals ab. Am n\u00e4chsten Morgen finden sie das arme Tier ausgeblutet auf der Weide liegen. &#8222;Wer kann das nur getan haben?. weinte Klaas, denn er liebte das Tier sehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber Kees sagte: ,leer hat halt keine Nachricht hinterlassen, Klaas. Ich w\u00fcrde nur rasch an die Arbeit gehen..<\/p>\n\n\n\n<p>Klaas Wunderk\u00e4se entgegnet nichts. Weinend h\u00e4utet er seine einzige Kuh und l\u00e4sst den Rest vom Metzger wegholen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann geht er mit dem Fell der Kuh nach Hause zur\u00fcck und zeigt es seiner Frau. Die versteht es auch so genau, und er braucht ihr weiter nichts dazu zu sagen. Ja, und da sa\u00df Kees nun, ohne Knecht. Aber es war Sommer, und da kamen genug M\u00e4nner aus Gelderland an die T\u00fcr und baten um Arbeit. Er stellt also einen solchen Kerl anstelle seines Bruders ein. Er ist nicht gerade gl\u00fccklich mit ihm. M\u00e4hen kann der neue Knecht aus Gelderland, das hat er gelernt, aber melken? Schon in wenigen Tagen waren Alle seine K\u00fche total verdreht. Und wie dann der K\u00e4se wurde, das brauche ich dir sicherlich nicht weiter zu beschreiben; nicht zu essen! Aber auch Klaas Wunderk\u00e4se sa\u00df in der Klemme, denn er sa\u00df zu Hause ohne Arbeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Da sagte seine Frau; &#8222;Klaas, stehendes Wasser verdirbt. Geh mal heraus und schau, dass du das Kuhfell loswirst. Dann kannst du daf\u00fcr wohl ein kleines K\u00e4lbchen kaufen, und dann haben wir doch sp\u00e4ter wieder eine Kuh, wenn es auch nicht mehr eine so sch\u00f6ne ist.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ach&#8220;, sagte Klaas Wunderk\u00e4se, &#8222;was haben wir denn noch davon? Kannst du ein Kalb ohne Milch gro\u00dfziehen?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber er machte sich doch auf denn stille sitzen, das konnte er nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuerst war ihm das Gl\u00fcck nicht g\u00fcnstig. Klaas, der keine M\u00fcdigkeit kannte, wanderte ganz bis Leiden, um den Leuten dort sein Kuhfell zu verkaufen. Aber sie sagten; &#8220; Klaas Wunderk\u00e4se verkauft Kuhfelle. Das ist kein gutes Zeichen; dann wird es mit sch\u00f6nem K\u00e4se auch bald aus sein. &#8222;Ein St\u00fcck weiter sagten sie sogar; &#8222;Alle seine K\u00fche sind an der Pest eingegangen. Leute, passt auf&#8220; kauft das Fell nicht, denn sonst bekommen die K\u00fche hier auch die Pest, und das Elend kennen wir hier zur Gen\u00fcge.&#8220; So wanderte Klaas immer nur weiter. Da kam er an einem gro\u00dfen Herrensitz vorbei, wie es die heute wohl nicht mehr gibt. Er hatte solchen Hunger und Durst, dass er zu sich sprach; &#8222;Ich will hier fragen, ob sie etwas f\u00fcr mich zu Essen haben, denn so geht es nicht mehr lange.<\/p>\n\n\n\n<p>Und er l\u00e4uft durch den Park auf das gro\u00dfe Haus zu. Er sucht nach der Schelle neben der T\u00fcr, aber die gibt es nicht. Es gibt wohl einen gro\u00dfen Klopfer an der T\u00fcr, aber dieses Instrument kannte Klaas nicht, und da er nicht anders kann, l\u00e4uft er um das Haus herum und schaut einmal durch die Fenster.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, und was er da sah, das ist eigentlich nicht f\u00fcr kleine Ohren bestimmt, wei\u00dft du. Aber es geh\u00f6rt doch dazu, und ich will es dann einmal so erz\u00e4hlen, wie es mir mein Vater erz\u00e4hlt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem gro\u00dfen geschnitzten Sessel von wohl zwei Meter Breite sitzt ein vornehm gekleideter Herr mit einer h\u00fcbschen Dame auf seinen Knien. &#8222;Nun&#8220;, sagte Klaas f\u00fcr sich, &#8222;was sie da machen, das wei\u00df ich nicht, aber sie sind wohl darauf eingerichtet. Sollte ich einmal reich werden, m\u00f6chte ich sp\u00e4ter auch Solche Sessel haben. Was w\u00fcrde Griet sich dar\u00fcber freuen!&#8220; Und er schaut weiter zu, das begreifst du!<\/p>\n\n\n\n<p>Nun, als sie dann so ungef\u00e4hr mit dem Knutschen fertig waren, sieht Klaas, dass die Dame zur Wand l\u00e4uft und ein Gem\u00e4lde zur Seite schiebt. Hinter dem Gem\u00e4lde befindet sich ein K\u00e4stchen in der Mauer, und in diesem K\u00e4stchen stehen gro\u00dfe Flaschen mit Rotwein und Wei\u00dfwein, und eine Geldkiste steht daneben. Klaas sieht, wie der Herr und die Dame einen Schluck davon nehmen, und etwas sp\u00e4ter sieht er, dass die Dame dem Herrn auch noch Geld zusteckt. Nun versteht Klaas das Ganze \u00fcberhaupt nicht mehr. Aber das R\u00e4tsel wird schnell gel\u00f6st. Denn auf einmal ert\u00f6nt ein lautes Geratter vor dem Haus. Die Dame und der Herr erschrecken heftig. Sie fahren hoch. Und nun sieht Klaas, dass der Herr von der Dame in einem gro\u00dfen W\u00e4scheschrank versteckt wird und dass die Gl\u00e4ser und Flaschen wieder schnell in das K\u00e4stchen hinter dem Gem\u00e4lde gesteckt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun geht Klaas ein Licht auf. Und er geht ruhig zur\u00fcck zur Vordert\u00fcr. Jetzt ist offensichtlich der Herr des Hauses gerade nach Hause gekommen, denn es ist eine pr\u00e4chtige Kutsche mit vier Pferden davor auf den Hof vorgefahren. Klaas sieht, wie ein vornehmer Herr mit einem hohen Hut und einem grauen Bart aussteigt und wie wohl vier Diener in einer blau- gr\u00fcnen Livree sich ergebenst vor ihm verneigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber der Herr achtet kaum auf den Bauern. Er sieht ihn zwar in seiner schwarzen Hose, dem blauen Kittel und seinen wei\u00dfen Holzschuhen mit dem Sack \u00fcber der Schulter da stehen und fragt ihn; &#8222;Aber fremder Mann! Was willst du hier?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ach, Mein Herr&#8220;, sagte Klaas einfach, &#8222;ich bin das ganze St\u00fcck vom Westend hergelaufen, um mein Kuhfell zu verkaufen, denn man hat nur meine einzige Kuh ermordet, und die Leute wissen nicht einmal, dass das Fell einer ermordeten Kuh wahrsagen kann!<\/p>\n\n\n\n<p>Nun scheu sich der Herr und die Lakaien doch einmal einander an, und dann brechen sie in ein ohrenbet\u00e4ubendes Gel\u00e4chter aus. Es sieht so aus, als wolle der Herr den fremden Bauern wegschicken. Aber dann fl\u00fcstert ihm einer der Lakaien etwas ins Ohr, und dann sagt er; &#8222;Wei\u00dft du was, alter Mann, du wirst wohl m\u00fcde und hungrig sein. Sei heute Abend mein Gast. Meine Gattin wird sicher gro\u00dfen Wert darauf legen, dass du uns heute Abend etwas von deinen Erlebnissen berichtest.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Das wird sie sicherlich&#8220; sagt Klaas grimulig, &#8220; mein Fell sagt mir sogar, dass sie mir heute Abend noch die Hand vor Dankbarkeit k\u00fcssen wird, wenn ich weggehe!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Lakaien brachen in lautes Gel\u00e4chter aus, aber der Herr sagt; &#8222;Das wollen wir noch sehen, Bauer. Aber ich f\u00fcrchte, dass es mit deinem wahrsagendem Sack nicht so viel auf sich haben wird!&#8220; Klaas l\u00e4sst sie nur lachen. Aber er darf auf jeden Fall hereinkommen, und ein wenig sp\u00e4ter i\u00dft und trinkt er sich dick und rund. Waffeln mit Sirup haben sie f\u00fcr ihn gebacken, und Buttermilch steht daneben. Er entsch\u00e4digt sich reichlich f\u00fcr den ganzen Tag Hungerleiden. Und w\u00e4hrenddessen machen sich der feine Herr und seine Frau \u00fcber den dummen Bauern lustig, der so f\u00fcrchterlich viel fressen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Nun&#8220;, fragt der Herr, &#8222;schmeckt es dir, Bauer?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Nat\u00fcrlich!&#8220; sagt Klaas. &#8222;Aber wenn ich mit dem Essen fertig bin, dann genehmige ich mir immer noch ein Gl\u00e4schen wei\u00dfen oder roten Wein, wei\u00dft du? Und mein Fell erz\u00e4hlt nur, dass es die auch hier im Hause gibt.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Nat\u00fcrlich&#8220;, sagt der Herr, &#8222;mein Keller ist reichlich versehen. Aber was da drin ist, ist nur f\u00fcr &#8222;Menschen&#8220;, begreifst du?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Klaas h\u00e4lt sein Ohr wieder an den Sack. &#8222;Mein Fell sagt, dass der Wein gar nicht im Keller ist. Er ist in dem Zimmer nebenan. Und wenn ich es richtig verstanden habe, muss auch noch eine Geldkiste danebenstehen!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Nun wird der Herr doch neugierig, aber die Hausfrau ist so wei\u00df wie ein Tuch geworden. Auf die Aufforderung des Herrn hin geht Klaas Wunderk\u00e4se nun in das Zimmer nebenan, und zur stummen Verwunderung von allen schiebt er das Gem\u00e4lde zur Seite und zeigt, dass die Sachen wirklich da sind. Von diesem Augenblick an halten ihn der Herr, die Dame und die Diener f\u00fcr einen Propheten.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Kannst du vielleicht noch mehr fremde Dinge in diesem Haus entdecken?&#8220; fragt der Herr so sch\u00fcchtern wie ein<\/p>\n\n\n\n<p>Scho\u00dfh\u00fcndchen, nachdem Klaas eine ganze Flasche kr\u00e4ftigen Weins ausgetrunken hatte. Klaas h\u00e4lt wieder sein Ohr an den Sack.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ja!&#8220; sagt er, &#8222;mein Sack sagt, dass noch ein fremdes Ding im Haus ist, das nicht hierher geh\u00f6rt. Es ist ein Einbrecher hereingeschlichen und hat sich in dem gro\u00dfen W\u00e4scheschrank versteckt, der am Fenster im anderen Zimmer steht. Aber du brauchst keine Angst vor ihm zu haben, denn er steht jetzt schon drei Stunden darin. Und ich glaube, dass er vor Schreck ohnm\u00e4chtig herausfallen wird, wenn du die T\u00fcr \u00f6ffnest.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Dame st\u00f6\u00dft schon kleine Angstschreie aus. Klaas sieht sie mal an, macht aber einfach weiter. Er geht in das andere Zimmer, \u00f6ffnet die T\u00fcr mit einem Ruck, und jawohl, kaum hat er sie ge\u00f6ffnet, als der junge Herr, der die ganze Zeit darin gesessen hatte, vor Schreck und Ersch\u00f6pfung ohnm\u00e4chtig wird und wie ein Mehlsack in das Zimmer rollt.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Junker Raefvan Roeienstein! &#8220; sagt der Hausherr entsetzt. &#8222;Juliker Raef als Einbrecher! Wer h\u00e4tte das je gedacht!&#8220; Und die Lakaien bringen ihn mit der Droschke zum Amtmann von Leiden, der ihn sofort in den Turm steckt.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Nun wird es Zeit, dass ich aufbreche&#8220;, sagt Klaas, &#8222;denn mein Sack sagt, dass meine Frau ziemlich unruhig wird.&#8220; Aber der Herr will noch eins von ihm wissen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Guter Wundermann, kannst du auch sagen, wie die Beratungen im Landtag morgen ausgehen werden? Daran ist mir n\u00e4mlich sehr viel gelegen, verstehst du?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Jawohl, das begreife ich&#8220;, sagt Klaas Wunderk\u00e4se, obgleich das weit \u00fcber seinen Horizont geht. Er h\u00e4lt sich jedoch gut, horcht an seinem Sack und sagt dann; &#8222;Mein Sack sagt, dass die Guten wieder mit den B\u00f6sen leiden m\u00fcssen, Mein Herr, wie es immer auf der Welt gewesen ist!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Gro\u00dfer Himmel!&#8220; seufzt der Herr, w\u00e4hrend er v\u00f6llig au\u00dfer Atem in einen Stuhl sinkt, &#8222;der Gesetzentwurf wird demnach angenommen werden! Ja, es war vorauszusehen&#8230; &#8220; Nun, ihr versteht, dass da die Herrschaft von der Wunderkraft des Sacks von Klaas \u00fcberzeugt war, und man ihn fragt, ob er ihn vielleicht verkaufen wolle.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Aber nat\u00fcrlich ! &#8220; sagte Klaas Wunderk\u00e4se. &#8222;Daf\u00fcr bin ich ja ganz vom Westen hergekommen. Aber da gab es niemand, der mehr als f\u00fcnftausend Taler daf\u00fcr geben wollte. Aber daf\u00fcr tue ich es nicht, wei\u00dft du!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Aber!&#8220; sagte der Herr, noch ganz verwirrt. &#8222;Lass den Sack nur hier, und ich werde dir morgen oder \u00fcbermorgen<\/p>\n\n\n\n<p>die Summe dann bringen lassen, wenn du mir nur sagst, wo du wohnst&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Morgen?&#8220; sagte Klaas. &#8222;Da muss ich eben h\u00f6ren, was mein Sack dazu sagt!. . . Nein, das wird nicht gehen, Mein Herr! ein Sack sagt, dass ich das Geld direkt mitnehmen muss, sonst w\u00fcrde ich wenig Freude daran haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun m\u00fcsst ihr wissen, dass der Herr beabsichtigte, das Geld nie mehr zu bezahlen, sobald er den Sack hatte. Als er dann auch noch h\u00f6rte, was Klaas sagte, war er v\u00f6llig \u00fcberzeugt, dass der Sack die Wahrheit sprach. Klaas bekam also einen gro\u00dfen Sack mit, in dem sechstausend Taler waren. Es war schon gut, dass Klaas mehr Kr\u00e4fte als ein gew\u00f6hnlicher Mensch besa\u00df, sonst w\u00e4re er nicht weit mit dem Sack gekommen, so schwer war der. Als Klaas zur T\u00fcr herausging, fl\u00fcsterte er der Dame zu; &#8220; Und wenn du nicht sofort wie eine Katze meine Hand leckst, werde ich deinem Maim noch etwas anderes erz\u00e4hlen!&#8220; Und der Dame wurde noch mehr \u00fcbel vor Angst, als ihr schon war, und sie kniete vor ihm nieder, als ob er ein heiliger Mann sei, und k\u00fcsste ihm die Hand. Als der Herr das sah, konnte er keine Worte mehr finden. Aber da machte sich Klaas aus dem Staub, weil er Angst hatte, dass der Herr, wenn er sich etwas erholt h\u00e4tte, den Betrug wohl merken und ihn fassen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00fchsam schleppte er sich Nach Leiden und suchte da sofort ein Fuhrgesch\u00e4ft auf&#8220; denn den Sack konnte man wirklich nicht tragen, selbst Klaas schaffte das nicht. Es war tiefe Nacht. Aber als Klaas einein Taler sehen lie\u00df, rollte schon bald eine pr\u00e4chtige Droschke mit zwei Pferden davor auf die Stra\u00dfe. Und darin wurde Klaas Wunderk\u00e4se wie ein F\u00fcrst nach Hause gebracht. Dem Kutscher erz\u00e4hlte er, dass er in Leiden einen Sack Kartoffeln gekauft habe und dass er einmal vornehm nach Hause fahren wolle. Morgens fr\u00fch kamen sie in Westend an, gerade als Kees Ungl\u00fcck sich zum Melken aufmachte. Klaas dankte dem Kutscher und nahm seinen schweren Sack wieder auf den R\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Rel. schrie ihm sein Bruder schon entgegen, &#8222;ist dein KuhMi heute Nacht in dem Sack gewachsen, oder hast du ,es gegen einen Malter Spreu getauscht? Ha, ha, ha leer Klaas!. &#8222;Guck mal hier!. sagte Klaas trocken, &#8222;ich muss dir noch daf\u00fcr danken, dass du meine Kuh totgeschlagen hast, denn du wei\u00dft nat\u00fcrlich nicht, dass Kuhlie augenblicklich in Leiden in Gold bezahlt werden, seitdem die Pest dort war. So knapp sind sie geworden!. Und voll Stolz zeigte er seinem Bruder den Schatz. Ja, und nun war Klaas Wunderk\u00e4se so reich wie das Meer tief ist, so dass er sogar, wenn die Amstel ausgetrocknet w\u00e4re, keine Armut gekannt h\u00e4tte. Du verstehst du! Aber sein Bruder rief direkt dem Knecht aus Gelderland, der bereits am Melken war, zu: &#8222;H\u00f6r nur mit dem Ziehen auf! Wir stechen sofort alle K\u00fche ab und verkaufen die Fellel Dann sind wir noch zwanzigmal reicher als dieses H\u00e4ufchen Elend da. Und dann brauchen wir unser ganzes Leben lang keine K\u00fche mehr zu melken oder K\u00e4se zu machen!<\/p>\n\n\n\n<p>Du hatte er nicht tauben Ohren gepredigt. Die Messer wurden geschliffen, und in einer halben Stunde lagen zweiundzwanzig gesunde K\u00fche tot da. Als es Abend war, spannten sie das Pferd vor den Wagen, und morgens fr\u00fch waren sie schon in Leiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun, da wurden sie herzlich empfangen. Als sie erz\u00e4hlten, dass sie alle ihre K\u00fche geschlachtet h\u00e4tten, um die Felle verkaufen zu k\u00f6nnen, wurden sie alle beide ins Irrenhaus gebracht, denn jeder dachte, dass sie vollst\u00e4ndig verr\u00fcckt geworden seien. Und wenn sie es noch nicht waren, so wurden sie es vor \u00c4rger, dass sie so hereingefallen waren. Aber Klaas lebte lange und ruhig von seinen Talern.<\/p>\n\n\n\n<p>Klaas hatte sieben Jungen, die nun f\u00fcr ihn auf dem Hof arbeiten konnten, denn sein Bruder kam nie mehr zur\u00fcck. Als sie erwachsen waren, kaufte er ihnen allen einen eigenen Hof dort irgendwo in der Welt zwischen Uithoorn und Aalsnieer. So kommt es, dass man dort heute noch solche riesigen Bauernh\u00f6fe sieht. Und wer das nicht glaubt, der soll ruhig selber mal hingehen und sie sich ansehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kees Ungl\u00fcck und Klaas Wunderk\u00e4se M\u00e4rchen aus den Niederlanden Ganz am Ende des Westender Sees, nicht weit weg vom Haarlemmermeer, denn das gab es damals noch, wohnten einmal zwei Br\u00fcder auf einem gro\u00dfen alten Bauernhof. 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