{"id":5820,"date":"2026-04-09T16:11:23","date_gmt":"2026-04-09T14:11:23","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5820"},"modified":"2026-04-09T16:11:24","modified_gmt":"2026-04-09T14:11:24","slug":"die-jungfrau-auf-dem-glaesernen-berg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-jungfrau-auf-dem-glaesernen-berg\/","title":{"rendered":"Die Jungfrau auf dem gl\u00e4sernen Berg"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die Jungfrau auf dem gl\u00e4sernen Berg<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>M\u00e4rchen aus \u00d6sterreich &#8211; Theodor Vernaleken<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><br>Es war einmal ein armes Weib, das hatte einen Sohn, der hie\u00df Hans. Dieser ging einst in den Wald, und als er eine Weile gegangen war, kam er zu einem Teich. Kaum n\u00e4herte er sich dem Ufer, so sprangen drei wundersch\u00f6ne Frauen aus dem Wasser, warfen die Hemden \u00fcber und flogen, in Enten verwandelt, schreiend davon.<\/p>\n\n\n\n<p>Die mittlere der drei Frauen hatte dem Hans besonders gut gefallen. Er ging nach Hause und erz\u00e4hlte das Gesehene seiner Mutter.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese sagte: \u00bbGeh wieder in den Wald, und bau dir in der N\u00e4he des Teiches eine H\u00fctte.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und das geschah. Zur Zeit des Neumonds suchte er flei\u00dfig morgens und abends das Ufer des Teiches ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er eines Abends wieder das Ufer untersuchte, lagen drei Hemden dort. Schnell bem\u00e4chtigte er sich des mittleren Hemdes, lief damit in seine H\u00fctte und legte es in eine Truhe.<\/p>\n\n\n\n<p>Kaum war er fertig, so wurde an die T\u00fcr geklopft. Eine Stimme rief: \u00bbIch bitte Euch, lasst mich ein, ich habe mein Hemd verloren.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Hans sprang schnell auf, \u00f6ffnete die T\u00fcr und stellte sich dann hinter diese. Das M\u00e4dchen trat herein, und durchsuchte schnell den Mantel von Hans, den dieser auf dem Bett hatte liegen lassen. Dann bat es den Hans um sein Hemd. Allein er gab es ihr nicht, sondern ging fort, um seine Mutter zu holen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kaum hatte er die H\u00e4lfte des Weges zur\u00fcckgelegt, so fiel ihm ein, dass er die Truhe, in welcher das Hemd lag, nicht zugesperrt hatte. Schnell kehrte er um, aber als er zur H\u00fctte kam, waren T\u00fcr und Truhe offen, und das M\u00e4dchen war fort. Auf dem Tische lag ein Zettel, darauf stand mit goldenen Buchstaben geschrieben: \u00bbMeine Heimat ist auf dem gl\u00e4sernen Berg.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da machte sich Hans sogleich auf den Weg, um den gl\u00e4sernen Berg zu suchen. Kam er in eine Stadt so rief er laut: \u00bbWisst ihr nicht, wo der gl\u00e4serne Berg ist?\u00ab Allein niemand konnte ihm Auskunft geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Einst kam er zu einem gro\u00dfen Haus, aus dessen Eckfenster schaute ein Herr heraus. Hans sagte: \u00bbWisst Ihr nicht, wo der gl\u00e4serne Berg ist?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch wei\u00df es nicht, aber vielleicht wei\u00df es einer meiner Knechte\u00ab, antwortete der Herr. Er zog eine silberne Pfeife hervor und tat darauf einen lauten Pfiff. Da kamen B\u00e4ren, W\u00f6lfe und nach und nach allerlei Tiere daher. Zuletzt hinkte ein alter Hase auf drei F\u00fc\u00dfen herbei. \u00bbWei\u00dft du, wo der gl\u00e4serne Berg ist?\u00ab fragte ihn sein Herr.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbFreilich wei\u00df ich es\u00ab, antwortete der Hase.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSo f\u00fchre diesen Mann dahin\u00ab, sagte der Herr.<\/p>\n\n\n\n<p>Hans ging nun mit dem Hasen fort.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie in einen gro\u00dfen Wald kamen, sagte der Hase: \u00bbGeh nur geradeaus, du wirst den Berg schon finden.\u00ab Und nach diesen Worten sprang er auf und davon.<\/p>\n\n\n\n<p>Hans musste nun allein wandern. Als er eine Weile gegangen war, sah er ein totes Pferd am Weg liegen. Bei dem Pferd befanden sich ein B\u00e4r, ein Wolf, ein Rabe und eine Ameise. Diese Tiere stritten sich um den Leichnam.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Hans n\u00e4her kam, sprach der Rabe: \u00bbLieber Hans, teile das Pferd unter uns.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Hans machte sich sogleich an die Arbeit. Zuerst schnitt er den Kopf des Pferdes ab und warf ihn der Ameise vor, indem er sagte: \u00bbDu kriechst gern in H\u00f6hlungen umher, da, nimm den Kopf.\u00ab Darauf \u00f6ffnete er den Leichnam und gab dem Raben die Eingeweide, dem Wolf die Knochen und dem B\u00e4ren das Fleisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tiere waren mit der Teilung zufrieden. Darauf gaben der B\u00e4r und der Wolf Hans jeder ein Haar, die Ameise einen Fu\u00df und der Rabe eine Feder.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tiere sprachen: \u00bb Wenn du in Not bist, so lege das Geschenk unter die Zunge, und du kannst dich dann in dasjenige Tier verwandeln, von dem das Geschenk herr\u00fchrt.\u00ab Dann entfernten sie sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Hans aber ging auf der Stra\u00dfe fort. Als er eine Weile gegangen war, bemerkte er in der Ferne ein Leuchten und Blitzen. Das war der gl\u00e4serne Berg. Fr\u00f6hlich ging Hans bis an den Fu\u00df des Berges. Auf dem Gipfel desselben stand ein sch\u00f6nes Schloss. Hans versuchte, den Berg zu ersteigen, aber es war vergebens; er glitt immer wieder ab, denn der Berg war spiegelglatt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun verwandelte er sich in einen B\u00e4ren und grub mit seinen Tatzen Stufen in den Berg. Allein die scharfen Glassplitter verwundeten ihn, und bald konnte er die Arbeit nicht mehr fortsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da verwandelte Hans sich in einen Wolf, um sich mit den Z\u00e4hnen festzuhalten. Allein auch das ging nicht. Er verwandelte sich daher in einen Raben und flog den Berg hinan.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er oben war, sah er das ihm bekannte M\u00e4dchen an einem offenen Fenster stehen. Schnell flog er zum Fenster hinein. Das M\u00e4dchen sagte: \u00bbMeine Mutter ist eine Hexe. Peinige sie auf alle m\u00f6gliche Weise so lange, bis sie dir erlaubt, mich zu heiraten.\u00ab Und als sie das gesagt hatte, ging sie aus dem Zimmer.<\/p>\n\n\n\n<p>Hans aber verwandelte sich in eine Ameise und kroch unter das Bett, in dem die Alte zu schlafen pflegte. Als es dunkel wurde, kam die Hexe und legte sich zu Bett. Und als sie eingeschlafen war, kroch Hans, in eine Ameise verwandelt, ins Bett und bi\u00df und kneipte die Alte am ganzen K\u00f6rper.<\/p>\n\n\n\n<p>So machte er es drei N\u00e4chte. Als aber der dritte Tag anbrach, erwischte ihn die Hexe, als er eben aus dem Bett kriechen wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch wei\u00df, dass du keine gew\u00f6hnliche Ameise bist\u00ab, sagte sie und verwandelte ihn in einen Menschen. \u00bbWas willst du?\u00ab sprach sie weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch will deine mittlere Tochter heiraten\u00ab, antwortete Hans. \u00bbIch will sie dir geben, aber du musst dir das M\u00e4dchen auch verdienen\u00ab, sagte die Hexe. \u00bbErstens musst du ein Ei austrinken, ohne es zu durchl\u00f6chern.\u00ab Und sie gab ihm ein Ei und entfernte sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Hans verwandelte sich in eine Ameise, biss eine kleine \u00d6ffnung in die Eischale und trank den Inhalt des Eis aus. Dann verstopfte er die \u00d6ffnung mit Kalk, verwandelte sich in einen Menschen und trug das leere Ei zur alten Hexe.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbGut\u00ab, sagte diese. \u00bbEine Viertelstunde von hier befindet sich ein gro\u00dfer Wald. Diesen musst du binnen drei Tagen umhauen, die St\u00e4mme in St\u00fccke zerschlagen und dann aufschichten.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Hans ging hin und besah sich den Wald. Vom Ansehen war er schon so m\u00fcde, dass er sich unter einen Baum legte und einschlief. Als er erwachte, sprang er auf, rieb sich die Augen, sah um sich, aber kein Wald war zu sehen. Dagegen lagen etliche tausend Klafter Kleinholz an der Stelle des Waldes.<\/p>\n\n\n\n<p>Da rief die Stimme seiner Braut: \u00bbW\u00e4hrend du schliefst, habe ich die Arbeit vollbracht. Ich werde dir auch bei der dritten Aufgabe helfen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Hans ging nun zur Hexe und sagte ihr, dass er die Arbeit getan habe.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbGut\u00ab, sagte sie. \u00bbTrag das Holz morgen auf einen Haufen zusammen. Ich werde dann hinaus kommen, um es anzuz\u00fcnden. Steht der Holzsto\u00df in lichten Flammen, so musst du mitten ins Feuer springen. Tust du das nicht, so darfst du meine Tochter nicht heiraten.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Hans ging traurig ins Bett.<\/p>\n\n\n\n<p>Am anderen Tag begab er sich auf den Holzplatz. Emsig schichtete er die Holzscheiter \u00fcbereinander auf. Kaum war er damit fertig, so kam die Hexe daher, und z\u00fcndete das Holz an. Als der Scheiterhaufen \u00fcber und \u00fcber brannte, nahm Hans einen Anlauf, um ins Feuer zu springen. Allein sobald er in die N\u00e4he der Flammen kam, blieb er stehen. So machte er es mehrmals.<\/p>\n\n\n\n<p>Da h\u00f6rte er pl\u00f6tzlich die Stimme seiner Braut, welche rief: \u00bbSpring! Spring!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Nun nahm sich Hans zusammen und sprang mitten in die Flammen. Die gl\u00fchenden Kohlen flogen auseinander, und Hans blieb unversehrt. Wo eine Kohle hinfiel, erhob sich ein Haus. Und so entstand eine gro\u00dfe, sch\u00f6ne Stadt. In der Mitte derselben, dort, wo der Scheiterhaufen gestanden hatte, befand sich ein gro\u00dfes, sch\u00f6nes Schloss. Dieses war aus Karfunkel erbaut.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Tor des Schlosses stand Hans&#8216; Braut. Hans heiratete nun und wurde Herr des Schlosses und K\u00f6nig der Stadt. Er nahm seine arme Mutter zu sich und pflegte sie in ihrem Alter.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer war gl\u00fccklicher als Hans! Und wenn er nicht gestorben ist, so lebt er gewiss noch heute.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Jungfrau auf dem gl\u00e4sernen Berg M\u00e4rchen aus \u00d6sterreich &#8211; Theodor Vernaleken Es war einmal ein armes Weib, das hatte einen Sohn, der hie\u00df Hans. Dieser ging einst in den Wald, und als er eine Weile gegangen war, kam er zu einem Teich. Kaum n\u00e4herte er sich dem Ufer, so sprangen drei wundersch\u00f6ne Frauen aus [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5758,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85,230,133],"tags":[],"class_list":["post-5820","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-maerchen","category-oesterreich","category-maerchen-weltweit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5820","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5820"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5820\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5821,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5820\/revisions\/5821"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5758"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5820"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5820"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5820"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}