{"id":579,"date":"2015-11-03T22:12:12","date_gmt":"2015-11-03T21:12:12","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=579"},"modified":"2026-01-24T22:15:11","modified_gmt":"2026-01-24T21:15:11","slug":"die-goldkinder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-goldkinder\/","title":{"rendered":"Die Goldkinder"},"content":{"rendered":"<p><!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\">Es war ein armer Mann und eine arme Frau, die hatten nichts als eine kleine H\u00fctte und n\u00e4hrten sich vom Fischfang, und es ging bei ihnen von Hand zu Mund. s geschah aber, als der Mann eines Tages beim Wasser sa\u00df und sein Netz auswarf, dass er einen Fisch herauszog, der ganz golden war.<br \/>\nUnd als er den Fisch voll Verwunderung betrachtete, hub dieser an zu reden und sprach: \u201e H\u00f6r Fischer, wirfst du mich wieder hinab ins Wasser, so mach ich deine kleine H\u00fctte zu einem pr\u00e4chtigen Schloss.&#8220;<br \/>\nDa antwortete der Fischer: \u201eWas hilft mir ein Schloss, wenn ich nichts zu essen habe?&#8220;<br \/>\nSprach der Goldfisch weiter: \u201eAuch daf\u00fcr soll gesorgt sein, es wird ein Schrank im Schloss sein, wenn du ihn aufschlie\u00dft, so stehen Sch\u00fcsseln darin mit den sch\u00f6nsten Speisen, so viel du dir w\u00fcnschst: \u201e<br \/>\n&#8222;Wenn das so ist&#8220;, sprach der Mann, \u201eso kann ich dir den Gefallen tun.&#8220;<br \/>\n&#8222;Ja&#8220;, sagte der Fisch, &#8222;es ist aber die Bedingung dabei, dass du keinem Menschen auf der Welt, wer es immer auch sein mag, entdeckst, woher dein Gl\u00fcck gekommen ist; sprichst du ein einziges Wort, so ist alles vorbei.&#8220;<br \/>\nNun warf der Mann den wunderbaren Fisch wieder ins Wasser und ging heim. Wo aber sonst seine H\u00fctte gestanden hatte, da stand jetzt ein gro\u00dfes Schloss. Da machte er ein paar Augen, trat hinein und sah seine Frau, mit sch\u00f6nen Kleidern geputzt, in einer pr\u00e4chtigen Stube sitzen. Sie war ganz vergn\u00fcgt und sprach: \u201eMann, wie ist das auf einmal gekommen? Das gef\u00e4llt mir wohl.&#8220;<br \/>\n&#8222;Ja&#8220;, sagte der Mann, \u201ees gef\u00e4llt mir auch, aber es hungert mich auch gewaltig, gib mir erst etwas zu essen.&#8220;<br \/>\nSprach die Frau: \u201eIch habe nichts und wei\u00df in dem neuen Haus auch nichts zu finden.&#8220;<br \/>\n&#8222;Das ist keine Not&#8220;, sagte der Mann, \u201edort sehe ich einen gro\u00dfen Schrank, den schlie\u00dfe einmal auf.&#8220;<br \/>\nWie sie den Schrank aufschloss, stand da Kuchen, Fleisch, Obst, Wein und lachte einen ordentlich an. Da rief die Frau voll Freude: \u201eHerz, was begehrst du nun?&#8220; und sie setzten sich nieder, a\u00dfen und tranken zusammen. Wie satt sie waren, fragte die Frau: \u201eAber, Mann, wo kommt all dieser Reichtum her?&#8220;<br \/>\n&#8222;Ach, frage mich nicht darum, ich darf dir&#8217;s nicht sagen, wenn ich&#8217;s jemand entdecke, so ist unser Gl\u00fcck wieder dahin. &#8222;sprach der Mann.<br \/>\n&#8222;Gut&#8220;, sprach sie, \u201ewenn ich&#8217;s nicht wissen soll, so begehr ich&#8217;s auch nicht zu wissen.&#8220; Das war aber ihr Ernst nicht, es lie\u00df ihr keine Ruhe Tag und Nacht, und sie qu\u00e4lte und stachelte den Mann so lang, bis er in der Ungeduld heraussagte, es k\u00e4me alles von einem wunderbaren goldenen Fisch, den er gefangen hatte und daf\u00fcr wieder in Freiheit gelassen h\u00e4tte. Und wie&#8217;s heraus war, da verschwand alsbald das sch\u00f6ne Schloss mit dem Schrank, und sie sa\u00dfen wieder in der alten Fischerh\u00fctte.<br \/>\nDer Mann musste von vorne anfangen, seinem Gewerbe nachgehen und fischen. Das Gl\u00fcck wollte es aber, dass er den goldenen Fisch noch einmal herauszog. &#8222;H\u00f6r&#8220;, sprach der Fisch, \u201e wenn du mich wieder ins Wasser wirfst, so will ich dir noch einmal das Schloss mit dem Schrank voll Gesottenem und Gebratenem zur\u00fcckgeben: nur halt dich fest und verrat beileibe nicht, von wem du&#8217;s hast, sonst geht&#8217;s wieder verloren.&#8220;<br \/>\n&#8222;Ich will mich schon h\u00fcten&#8220;, antwortete der Fischer und warf den Fisch in sein Wasser hinab. Daheim war nun alles wieder in voriger Herrlichkeit, und die Frau war in einer Freude \u00fcber das Gl\u00fcck; aber die Neugierde lie\u00df ihr doch keine Ruhe, dass sie nach ein paar Tagen wieder zu fragen anhub, wie es zugegangen w\u00e4re und wie er es angefangen habe. Der Mann schwieg eine Zeitlang still dazu, endlich aber machte sie ihn so \u00e4rgerlich, dass er herausplatzte und das Geheimnis verriet. In dem Augenblick verschwand das Schloss, und sie sa\u00dfen wieder in der alten H\u00fctte. &#8222;Nun hast du&#8217;s&#8220;, sagte der Mann, \u201ejetzt k\u00f6nnen wir wieder am Hungertuch nagen.&#8220;<br \/>\n&#8222;Ach&#8220;, sprach die Frau, \u201eich will den Reichtum lieber nicht, wenn ich nicht wei\u00df, von wem er kommt; sonst habe ich doch keine Ruhe.&#8220;<br \/>\nDer Mann ging wieder fischen, und \u00fcber eine Zeit so war&#8217;s nicht anders, er holte den Goldfisch zum dritten Mal heraus. &#8222;H\u00f6r&#8220;, sprach der Fisch,2 ich sehe wohl, ich soll immer wieder in deine H\u00e4nde fallen, nimm mich mit nach Hause und zerschneid mich in 6 St\u00fccke, 2 davon gib deiner Frau zu essen, 2 deinem Pferd und 2 lege in die Erde, so wirst du Segen davon haben.&#8220; Der Mann nahm den Fisch mit nach Hause und tat, wie er ihn gesagt hatte. Es geschah aber, dass aus den 2 St\u00fccken, die in die Erde gelegt waren, 2 goldene Lilien aufwuchsen und dass das Pferd 2 goldene F\u00fcllen bekam und des Fischers Frau 2 Kinder gebar, die ganz golden waren.<br \/>\nDie Kinder wuchsen heran, wurden gro\u00df und sch\u00f6n und die Lilien und Pferde wuchsen mit ihnen. Da sprachen sie: \u201eVater, wir wollen uns auf unsere goldenen Rosse setzen und in die Welt ausziehen.&#8220;<br \/>\nEr aber antwortete betr\u00fcbt: \u201eWie will ich&#8217;s aushalten, wenn ihr fortzieht und ich wei\u00df nicht, wie&#8217;s euch geht?&#8220;<br \/>\nDa sagten sie: \u201e Die 2 goldenen Lilien bleiben hier, daran k\u00f6nnt ihr sehen, wie&#8217;s uns geht: Sind sie frisch, so sind wir gesund; sind sie welk, so sind wir krank; fallen sie um, so sind wir tot!&#8220;<br \/>\nSie ritten fort und kamen in ein Wirtshaus, darin waren viele Leute und als sie die 2 Goldkinder erblickten, fingen sie an zu lachen und zu spotten. Wie der eine das Gesp\u00f6tt h\u00f6rte, so sch\u00e4mte er sich, wollte nicht in die Welt, kehrte um und kam wieder heim zum Vater. Der andere aber ritt fort und kam zu einem gro\u00dfen Wald. Und als er hineinreiten wollte, sprachen die Leute: \u201eEs geht nicht, dass ihr durchreitet, der Wald ist voll R\u00e4uber, die werden \u00fcbel mit euch umgehen und gar, wenn sie sehen, dass ihr golden seid und euer Pferd auch, so werden sie euch totschlagen.&#8220; Er aber lie\u00df sich nicht schrecken und sprach: \u201e Ich muss und soll hindurch.&#8220; Da nahm er B\u00e4renfelle, \u00fcberzog sich und sein Pferd damit, dass nichts mehr vom Gold zu sehen war und ritt getrost in den Wald hinein. Als er ein wenig fortgeritten war, so h\u00f6rte er es in den B\u00fcschen rauschen und vernahm Stimmen, die miteinander sprachen: Von der Seite rief&#8217;s: \u201eDa ist einer&#8220;, von der andern aber: \u201eLass ihn laufen, das ist ein B\u00e4renh\u00e4uter und arm und kahl wie eine Kirchenmaus, was sollen wir mit ihm anfangen!&#8220; So ritt das Goldkind gl\u00fccklich durch den Wald und es geschah ihm kein Leid.<br \/>\nEines Tages kam er in ein Dorf, darin sah er ein M\u00e4dchen, das war so sch\u00f6n, dass er nicht glaubte, es k\u00f6nnte ein sch\u00f6neres auf der Welt sein. Und weil er so gro\u00dfe Liebe zu ihm empfand, so ging er zu ihm und sagte: \u201e Ich habe dich von ganzem Herzen lieb, willst du meine Frau werden?&#8220;<br \/>\nEr gefiel aber auch dem M\u00e4dchen so sehr, dass es einwilligte und sprach: \u201eJa, ich will deine Frau werden und dir treu sein mein Leben lang.&#8220;<br \/>\nNun hielten sie Hochzeit zusammen und als sie eben in der gr\u00f6\u00dften Freude waren, kam der Vater der Braut heim und als er sah, dass seine Tochter Hochzeit machte, verwunderte er sich und sprach: \u201eWo ist der Br\u00e4utigam?&#8220; Sie zeigten ihm das Goldkind, das hatte aber noch seine B\u00e4renfelle um. Da sprach der Vater zornig: \u201eNimmermehr soll ein B\u00e4renh\u00e4uter meine Tochter haben.&#8220;<br \/>\nDa bat ihn die Braut, was sie konnte und sprach: \u201eEr ist einmal mein Mann und ich habe ihn von Herzen lieb&#8220;, bis er sich endlich bes\u00e4nftigen lie\u00df. Doch aber kam&#8217;s ihm nicht aus den Gedanken, so dass er am andern Morgen fr\u00fch aufstand und seiner Tochter Mann sehen wollte, ob er ein verlumpter Bettler w\u00e4re. Wie er aber hinblickte, sah er einen herrlichen goldenen Mann im Bette und die abgeworfenen B\u00e4renfelle lagen auf der Erde. Da ging er zur\u00fcck und dachte: Wie gut ist&#8217;s, dass ich meinen Zorn b\u00e4ndigte, ich h\u00e4tte eine gro\u00dfe Missetat begangen.<br \/>\nDem Goldkind aber tr\u00e4umte, er z\u00f6ge hinaus auf die Jagd nach einem pr\u00e4chtigen Hirsch und als er am Morgen erwachte, sprach er zu seiner Frau: &#8222;Ich will hinaus auf die Jagd.&#8220;<br \/>\nIhr war Angst und sie bat ihn, dazubleiben und sagte: &#8222;Leicht kann dir ein gro\u00dfes Ungl\u00fcck begegnen&#8220;, aber er antwortete: &#8222;Ich soll und muss fort.&#8220;<br \/>\nDa starb er auf und zog hinaus in den Wald und gar nicht lange, so hielt auch ein stolzer Hirsch vor ihm, ganz nach seinem Traume. Er legte an und wollte schie\u00dfen, aber der Hirsch sprang fort. Da jagte er ihm nach, \u00fcber Graben und Geb\u00fcsche und war nicht m\u00fcde den ganzen Tag; am Abend aber verschwand der Hirsch vor seinen Augen.<br \/>\nUnd als das Goldkind sich umsah, so stand er vor einem kleinen Haus, darin sa\u00df eine Hexe. Er klopfte an und ein M\u00fctterlein kam heraus und fragte: &#8222;Was wollt ihr so sp\u00e4t noch mitten in dem gro\u00dfen Wald?&#8220;<br \/>\nEr sprach: &#8222;Habt ihr keinen Hirsch gesehen?&#8220;<br \/>\n&#8222;Ja&#8220;, antwortete sie, \u201e den Hirsch kenn ich wohl&#8220; und ein H\u00fcndlein, das mit ihr aus dem Haus gekommen war, bellte dabei den Mann heftig an.<br \/>\n&#8222;Willst du schweigen, du b\u00f6se Kr\u00f6te&#8220;, sprach er, &#8222;sonst schie\u00df ich dich tot.&#8220;<br \/>\nDa rief die Hexe zornig: \u201eWas mein H\u00fcndchen willst du t\u00f6ten!&#8220; und verwandelte ihn alsbald, dass er da lag wie ein Stein und seine Braut erwartete ihn umsonst und dachte: Es ist gewiss eingetroffen, was mir so angst machte und so schwer auf dem Herzen lag.<br \/>\nDaheim aber stand der andere Bruder bei den Goldlilien, als pl\u00f6tzlich eine davon umfiel. &#8222;Ach Gott&#8220;, sprach er, \u201e meinem Bruder ist ein gro\u00dfes Ungl\u00fcck zugesto\u00dfen, ich muss fort, ob ich ihn vielleicht errette.&#8220;<br \/>\nDa sagte der Vater: \u201eBleib hier, wenn ich dich auch verliere, was soll ich anfangen?&#8220;<br \/>\nEr aber antwortete: \u201eIch soll und muss fort.&#8220; Da setzte er sich auf sein goldenes Pferd und ritt fort und kam in den gro\u00dfen Wald, wo sein Bruder lag und Stein war. Die alte Hexe kam aus ihrem Haus, rief ihn an und wollte ihn auch ber\u00fccken, aber er n\u00e4herte sich nicht und sprach: &#8222;Ich schie\u00dfe dich nieder, wenn du meinen Bruder nicht wieder lebendig machst.&#8220;<\/p>\n<p align=\"justify\">Nun lebten sie vergn\u00fcgt und es ging ihnen wohl bis an ihr Ende.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Dieses M\u00e4rchen wurde von Petra Turna <a href=\"mailto:[Petraturna@aol.com\">[Petraturna@aol.com<\/a>] in das G\u00e4stebuch geschrieben. Vielen Dank.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85,133],"tags":[],"class_list":["post-579","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-maerchen","category-maerchen-weltweit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/579","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=579"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/579\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":580,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/579\/revisions\/580"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=579"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=579"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=579"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}