{"id":5783,"date":"2026-04-09T02:58:00","date_gmt":"2026-04-09T00:58:00","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5783"},"modified":"2026-04-09T03:02:17","modified_gmt":"2026-04-09T01:02:17","slug":"der-koenig-mit-den-schwarzen-und-blauen-augen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-koenig-mit-den-schwarzen-und-blauen-augen\/","title":{"rendered":"Der K\u00f6nig mit den schwarzen und blauen Augen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der K\u00f6nig mit den schwarzen und blauen Augen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>In alter Zeit war einmal ein K\u00f6nig. Bevor er starb, rief er seine beiden S\u00f6hne und teilte seinen Besitz unter sie. Der eine Teil war allein sein Segen, der andere sein Fluch und all seine Habe. Der \u00e4ltere Sohn war sehr zufrieden mit seinem Anteil: dem Fluch und der Habe, der j\u00fcngere mit dem seinen: dem Segen allein.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Tod des alten K\u00f6nigs zog der j\u00fcngere fort und kam in die Stadt eines anderen K\u00f6nigs. W\u00e4hrend er noch dar\u00fcber nachdachte, wo er wohl bleiben k\u00f6nnte, traf er einen alten Kaffeehauswirt. Zu dem sagte er: \u00bbL\u00e4sst du mich wohl kurze Zeit bei dir wohnen und gibst mir auch zu essen?\u00ab Der Wirt erwiderte: \u00bbIch verdiene mein Brot nicht so leicht, dass ich dir auch noch etwas geben k\u00f6nnte.\u00ab &#8211; \u00bbDas macht nichts, wenn ich bei dir bin, wird Gott uns schon helfen. \u00ab Dem Wirt war&#8217;s recht, und der K\u00f6nigssohn fing bei ihm an. Sofort begann er, im Caf\u00e9 Ordnung zu schaffen, strich die W\u00e4nde mit wei\u00dfer Farbe und reinigte das Geschirr. Die G\u00e4ste waren sehr zufrieden mit der sorgf\u00e4ltigen Bedienung des jungen. Das sprach sich herum, auch der Wesir h\u00f6rte davon, ging hin, und es gefiel ihm gut. Der junge merkte sofort, dass es ein Wesir war, und behandelte ihn, wie es einem Wesir zukam. Als jener fort ging, gab er ein gutes Trinkgeld und lie\u00df etwa zwanzig Lire auf dem Tablett. Der Wesir erz\u00e4hlte dem K\u00f6nig, dass neuerdings ein t\u00fcchtiger junge in dem Caf\u00e9 des Alten w\u00e4re. Darum verkleidete sich der K\u00f6nig und ging ins Caf\u00e9 aber der junge erkannte sofort, dass er ein K\u00f6nig war, und behandelte ihn geziemend. Auch der K\u00f6nig war zufrieden und lie\u00df beim Fortgehen f\u00fcnfzig Lire als Trinkgeld zur\u00fcck. Ihm gefiel der junge, und er dachte daran, ihn f\u00fcr seine Tochter zu gewinnen. So lud er ihn in den Palast und sagte: \u00bbMein Junge, nimm diese Aufzeichnungen und pr\u00fcfe nach, was mein Zw\u00f6lferrat niedergeschrieben hat.\u00ab Da der junge viele Fehler in den Aufzeichnungen fand, verbannte der K\u00f6nig sofort den ganzen Zw\u00f6lferrat und verheiratete seine Tochter mit dem Jungen. Nach seiner Hochzeit lie\u00df der junge K\u00f6nigssohn den B\u00fcrgern in der Stadt verk\u00fcnden: \u00bbWer hundert Lire Abgaben bezahlt hat, soll jetzt zwanzig bezahlen, und wer zwanzig bezahlt hat, f\u00fcnf!\u00ab Die B\u00fcrger waren sehr zufrieden mit dem neuen K\u00f6nig.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/koenig-schwarz-blaue-augen.jpg\" rel=\"lightbox[5783]\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"899\" height=\"767\" src=\"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/koenig-schwarz-blaue-augen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5785\" srcset=\"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/koenig-schwarz-blaue-augen.jpg 899w, https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/koenig-schwarz-blaue-augen-620x529.jpg 620w, https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/koenig-schwarz-blaue-augen-300x256.jpg 300w, https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/koenig-schwarz-blaue-augen-768x655.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 899px) 100vw, 899px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Als sein Schwiegervater, der alte K\u00f6nig, starb, erinnerte er sich an seinen Bruder. Er schickte also vier Soldaten in die Stadt des Bruders, um nachzusehen, wie es ihm ging. Dort fanden sie den K\u00f6nigssohn nicht, aber die B\u00fcrger sagten, er sei auf einem nahen Berg. Endlich fanden sie ihn nackt und erbarmungsw\u00fcrdig, und seine Kinder weinten. Auf die Frage der Soldaten antwortete er- \u00bbDas Schicksal hat mich so weit gebracht, dass ich Schweine h\u00fcte.\u00ab Die Soldaten sagten ihm: \u00bbUns hat dein Bruder, unser K\u00f6nig, gesandt, wir sollen dich zu ihm bringen.\u00ab Damit war er einverstanden. Also luden sie sein schmutziges Zelt auf und kamen zur Stadt.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der j\u00fcngere den erb\u00e4rmlichen Zustand seines Bruders sah, befahl er dem Bademeister, ihn und seine Frau und seine Kinder ins Badehaus zu bringen, und dem Kammerdiener trug er danach auf, ihm k\u00f6nigliche Kleider zu beschaffen und auch noch besondere Anz\u00fcge f\u00fcr seine beiden Kinder. Und zu seinen Dienern sagte er: \u00bbZuerst legt ihr meinem Bruder die Speisen vor und danach erst uns!\u00ab Als all das geschehen war, tauschten sie ihre Erlebnisse aus, und der j\u00fcngere fragte den \u00c4lteren, wie sein Reich so zugrunde gegangen sei. Da erwiderte der \u00c4ltere: \u00bbSo hat es Gott gewollt!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend die B\u00fcrger sehr zufrieden waren mit ihrem jungen K\u00f6nig und t\u00e4glich f eierten, hatte die Frau des \u00e4lteren Bruders B\u00f6ses im Sinn und sagte zu ihm: \u00bb Ich finde keine Ruhe, wenn du hier nicht K\u00f6nig wirst.\u00ab Ihr Mann antwortete: \u00bbFrau, wie kann ich hier K\u00f6nig werden, nachdem ich Schweine geh\u00fctet habe?\u00ab Die Frau drang in ihn: \u00bbDas ist ganz einfach, du musst den K\u00f6nig umbringen.\u00ab Er sagte darauf: \u00bbWie kann ich meinen Bruder umbringen, ich wei\u00df doch gar nicht wie?\u00ab Aber sie meinte: \u00bbIch werde es dir erkl\u00e4ren. Morgen spielst du den Mi\u00dfgelaunten. Dein Bruder wird dich fragen, was dir, fehlt. Da musst du ihm sagen, &gt;ich bin in schlechter Stimmung&lt;, und wenn er dich dann fragt, was du tun m\u00f6chtest, antwortest du, &gt;ein Spaziergang w\u00fcrde mir gut tun&lt;. Und wenn er dich fragt, wohin?&lt;, sagst du, &gt;direkt zum Kastell&lt;. Und dort im Kastell gehst du an die Seite, die zum Meer abf\u00e4llt, beugst dich hinunter und sagst, &#8218;da unten ist ein Schiff&#8220;, und wenn er dann kommt und auch hinuntersehen will, st\u00f6\u00dft du ihn hinab.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen geschah alles so, wie die b\u00f6se Frau es geplant hatte. Als der j\u00fcngere sich ahnungslos hinabbeugte, stie\u00df ihn der \u00c4ltere ins Meer. Bei der Wucht, mit der er ins Meer st\u00fcrzte, verlor er das Augenlicht, tastete sich m\u00fchsam voran und fand einen Felsen, auf den er sich setzte.<\/p>\n\n\n\n<p>Lassen wir ihn nun dort und wenden wir uns dem \u00c4lteren zu. Der machte sich auf den Heimweg und traf die beiden W\u00e4chter, die sie unterhalb des Kastells zur\u00fcckgelassen hatten. Als die W\u00e4chter fragten: \u00bbWo ist unser K\u00f6nig?\u00ab, erwiderte er: \u00bbEuer K\u00f6nig bin ich! Mein Bruder ist abgest\u00fcrzt. Reden wir nicht weiter dar\u00fcber! \u00ab So kamen sie in die Stadt zur\u00fcck, er setzte sich auf den Thron seines Bruders und befahl, die Sachen der fr\u00fcheren K\u00f6nigin hinauszuwerfen und sie selbst in den H\u00fchnerstall zu verbannen, wo sie sich mit den H\u00fchnern zusammen ern\u00e4hren mochte.<\/p>\n\n\n\n<p>Den B\u00fcrgern aber erlegte er hohe Steuern auf und lie\u00df ihnen Tag und Nacht keine Ruhe. Untereinander fragten sie: \u00bbWas ist aus unserem guten K\u00f6nig geworden?\u00ab Da wurden die Menschen wie auch ihre H\u00e4user traurig und d\u00fcster.<\/p>\n\n\n\n<p>Lassen wir sie schlecht \u00fcber den neuen K\u00f6nig reden und wenden wir uns dem Blinden zu, der st\u00f6hnte und schrie. Da kam ein Fischerboot vorbei, das kein Gl\u00fcck gehabt hatte. Der Kapit\u00e4n h\u00f6rte das Rufen, ging an Deck und wollte helfen, aber seine Leute bedr\u00e4ngten ihn: \u00bbIst unser eigenes Pech nicht genug, sollen wir uns nun auch noch um andere k\u00fcmmern?\u00ab Der Blinde h\u00f6rte sie sprechen, bekam Mut und rief immer lauter: \u00bbRettet mich, ihr Leute, ob ihr Christen oder T\u00fcrken oder Juden seid!&#8220; Der Kapit\u00e4n, ein T\u00fcrke, ein guter Mensch, sagte zu den Schiffern: \u00bbLasst uns sehen, was f\u00fcr ein Mensch das ist!\u00ab Als sie den Blinden fanden, sagte der Kapit\u00e4n zu den Schiffern: \u00bbNehmt den Blinden an Bord!\u00ab Aber die Schiffer fingen bald an, gegen den Kapit\u00e4n zu murren: \u00bbIst unser eigenes Ungl\u00fcck nicht genug? Immer wieder haben wir umsonst das Netz ausgeworfen, und nun nehmen wir noch einen Esser auf.\u00ab Der Kapit\u00e4n sagte nur: \u00bbKocht dem Blinden einen Kaffee!\u00ab Wieder warfen sie das Netz aus und fingen auch nicht eine Marida (kleiner Fisch). Das merkte der Blinde und sagte zum Kapit\u00e4n: \u00bbIch bitte dich, werft das Netz aus im Namen des Blinden.\u00ab Die Fischer wollte das nun auf keinen Fall, aber der Kapit\u00e4n bat sie, es so zu machen. Als sie es dann nach seinem Wunsch taten und das Netz wieder in die H\u00f6he ziehen wollten, konnten sie es nicht und sagten zum Kapit\u00e4n: \u00bbSonst bekamen wir es heil in die H\u00f6he, aber jetzt hat es sich verwickelt, wir wollen den Blinden t\u00f6ten.\u00ab Aber der Kapit\u00e4n erwiderte: \u00bbNein, Kinder, ich bitte euch sehr, tut dem Blinden nichts an! Haltet das Netz ganz fest und lasst es uns langsam hochziehen.\u00ab Als sie vorsichtig zogen, war das Netz sehr schwer. Schon wie sie es halb hoch hatten, sahen sie, dass es voller Fische war. Der Kapit\u00e4n sagte: \u00bbWas wollt ihr jetzt gegen den Blinden sagen? Was kostet er uns? Gott hat ihn uns geschickt. F\u00fcllt das Boot gut, fahrt es zur Stadt und verkauft die Fische, bringt noch mehr Boote herbei, damit wir auch die anderen Fische herausholen.\u00ab Das taten sie und machten einen Gewinn von hundert Lire. Der Kapit\u00e4n nahm den Blinden mit in sein Haus und sagte zu seiner Frau: \u00bbZuerst legst du dem Blinden die Speisen vor und danach uns. Und Pass gut auf den Blinden auf!\u00ab Nach einiger Zeit wollten der Kapit\u00e4n und die Fischer wieder Fische fangen. Nun war gerade ein Fest in einem Dorf, in dessen N\u00e4he sie gew\u00f6hnlich ihr Netz auswarfen. Beim n\u00e4chsten Fang hatten sie f\u00fcnf bis zehn Riesenfische im Netz. Sie sagten untereinander: \u00bbWir wollen zwei, drei gro\u00dfe Fische nehmen und aufs Fest gehen, und auch den Blinden wollen wir mitnehmen, damit er ein Fest nach seinem Glauben feiern kann.\u00ab So machten sie sich alle f\u00fcr das Fest fertig und forderten ihn auf: \u00bbLass uns hinaufgehen, und feiere du ein Fest nach deinem Glauben! \u00ab Der Blinde war aber nicht einverstanden: \u00bbIch bin blind, die Spiele kann ich nicht sehen, tanzen kann ich nicht. Was soll ich auf dem Fest?\u00ab So lie\u00df der Kapit\u00e4n ihn zur\u00fcck und bat die Frau, auf ihn achtzugeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Sowie aber der Kapit\u00e4n fort war, fuhr der Teufel in die Frau, dass sie dem Blinden z\u00e4rtlich zusetzte, aber er sagte nur: \u00bbIch trete nicht das Brot meines Kapit\u00e4ns mit F\u00fc\u00dfen.\u00ab Die Frau merkte, dass der Blinde sich auf nichts einlassen wollte, und sann dar\u00fcber nach, was sie dem Kapit\u00e4n bei seiner R\u00fcckkehr sagen sollte. Als der mit den Fischern zur\u00fcckkam, zerriss sie ihre Kleider, stellte sich auf den Bug des Schiff es und schrie: \u00bbRettet mich!\u00ab Kapit\u00e4n und Fischer rannten herbei, um ihr beizustehen, und wollten den Blinden t\u00f6ten. Der h\u00f6rte sie und wandte sich an den Kapit\u00e4n: \u00bbMein Kapit\u00e4n, habe Geduld, lass auch mich ein Wort sagen, auch ich geh\u00f6re zu dir. \u00ab Da ermahnte der Kapit\u00e4n die Fischer: \u00bbHabt Geduld und lasst den Blinden sprechen! Sprich also, Blinder!\u00ab Der sagte: \u00bbSeitdem du mich aufgenommen hast, ist es mir gut gegangen, denn du bist ein guter Mensch, wenn du auch ein T\u00fcrke bist. So wird jetzt, bei meiner Wahrheit, dein Schiff in zwei Teile zerbrechen, auf der einen Seite werde ich bleiben, auf der anderen deine Frau. Damit du es auch wirklich glaubst, sollen die Augen der Frau heraustreten und in meine Augenh\u00f6hlen her\u00fcberkommen, denn sie hat mir zugesetzt von dem Augenblick an, da ihr fortgingt.\u00ab Und o Wunder! Kaum hatte der Blinde seine Rede beendet, da brach das Boot der L\u00e4nge nach auseinander, und er blieb auf der einen Ruderbank und sie auf der anderen, und ihre Augen kamen heraus und traten in seine, aber ihre waren blau. Darauf sagte der Blinde zu dem Kapit\u00e4n und den Fischern: \u00bbGlaubt ihr mir nun? Wenn ihr mir nicht glaubt, entferne ich mich jetzt mit dem einen Teil des Schiffes und die Frau mit dem anderen.\u00ab Sie riefen aber vom Land her: \u00bbWahrhaftig, lieber Blinder, wir glauben dir!\u00ab Da f\u00fcgte der Blinde das Boot wieder zusammen und machte es fest und haltbar. Und der Kapit\u00e4n sagte zu ihm: \u00bbDu bist ein Wahrhaftiger!\u00ab und fiel ihm zu F\u00fc\u00dfen. Darauf sprach der Blinde: \u00bbJetzt aber, lieber Kapit\u00e4n, bitte ich dich, dass du mir die Freiheit gibst.\u00ab &#8211; \u00bbNein\u00ab, erwiderte der Kapit\u00e4n, \u00bbich behalte dich bei mir.\u00ab Aber der Blinde antwortete: \u00bbNein, mein Kapit\u00e4n, bis hierher reichte unsere Gemeinschaft.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend die Fischer nun wieder aufs Meer hinausfahren, geht der K\u00f6nig in seine Stadt. Da sieht er, dass die H\u00e4user der Leute schwarz verh\u00e4ngt sind, und denkt bei sich: &#8218;Hier muss etwas Schlimmes geschehen sein; ich werde das H\u00e4uschen einer alten Frau in einer abgelegenen Gegend aufsuchen!&#8220; Er findet auch eine Alte und sagt zu ihr: \u00bbKannst du mich nicht als Gast aufnehmen?\u00ab Sie erwiderte: \u00bbGern, aber ich habe weder Kleider noch Speise.\u00ab Er sagt ihr, dass sie sich deswegen keine Sorgen machen soll, gibt ihr einige Lire und fordert sie auf, das N\u00f6tige einzukaufen. Als die Alte vom Basar zur\u00fcckkommt und das Licht anz\u00fcndet, schaut sie ihm ins Gesicht und denkt in ihrem Herzen: &gt;Der sieht aus wie unser guter K\u00f6nig, nur dass die Augen ver\u00e4ndert sind, diese hier sind blau, und die des K\u00f6nigs waren schwarz.&lt; Darum fragt sie den K\u00f6nig: \u00bbWir hatten hier einen guten K\u00f6nig, und du siehst ihm sehr \u00e4hnlich, kannst du mir das erkl\u00e4ren?\u00ab &#8211; \u00bbIch bin es\u00ab, sagt der K\u00f6nig. Nachdem die Alte reichlich Speise bereitet hat, setzen sie sich zu Tisch, und er schenkt ihr auch so viel Wein ein, dass ihr fast schwindlig wird. \u00bbWei\u00dft du wohl\u00ab, fragt er sie, \u00bbwie es meiner K\u00f6nigin geht?\u00ab &#8211; \u00bbGewiss wei\u00df ich das, bei den H\u00fchnern haben sie sie eingesperrt.\u00ab &#8211; \u00bbKannst du hingehen und ihr sagen, dass ich gekommen bin und in deinem Hause warte?\u00ab Obwohl die Alte vom Wein etwas benommen war, begriff sie, dass ihn der \u00e4ltere Bruder hatte t\u00f6ten wollen, und sie wusste auch, wo die K\u00f6nigin untergebracht war, so dass niemand mit ihr sprechen konnte &#8211; wie sollte sie, die Alte, hingehen? Aber schlie\u00dflich fasste sie Mut und, von einer dunklen Stelle zur andern gleitend, gelangte sie zum Palast. Dort ging sie gleich zum H\u00fchnerhaus und sagte der K\u00f6nigin: \u00bbKomm ein wenig heraus, ich will dir eine gute Nachricht bringen. \u00ab Die K\u00f6nigin antwortete: \u00bbWas f\u00fcr ein Geist bist du, dass du mich in Versuchung f\u00fchren willst?\u00ab Dabei machte die K\u00f6nigin ein Ger\u00e4usch, und die Alte lief voll Angst fort und kam erst wieder zu Atem, als sie zu Hause war. Dort fragte sie der K\u00f6nig: \u00bbWarum f\u00fcrchtest du dich so?\u00ab &#8211; \u00bbEs gab gro\u00dfen L\u00e4rm, sie sind mir nachgejagt, und ich bin voller Angst fortgelaufen.\u00ab Darauf sagte der K\u00f6nig:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNimm diesen Ring, zeige ihn ihr und komme wieder her. \u00ab Die Alte ging wieder zum H\u00fchnerstall und zeigte der K\u00f6nigin den Ring ihres Mannes. Da brach die K\u00f6nigin die T\u00fcr des Stalles auf und folgte der Alten schnell. Die h\u00f6rte den L\u00e4rm und machte, dass sie nach Hause kam. Beide trafen dort zugleich ein, und die K\u00f6nigin fragte die Alte: \u00bbWo hast du den Ring meines Mannes gefunden?\u00ab &#8211; \u00bbDein Mann hat ihn mir gegeben.\u00ab &#8211; \u00bbUnd wo hat er ihn dir gegeben?\u00ab \u00bbHier in meinem Hause, und hier ist auch dein Mann.\u00ab Ganz \u00fcberw\u00e4ltigt, fragte die K\u00f6nigin: \u00bbIst dies nun ein Traum, oder ist es Wirklichkeit? Mein Gott!\u00ab Der K\u00f6nig erwiderte: \u00bbEs ist Wirklichkeit!\u00ab Vor Freude fiel die K\u00f6nigin in Ohnmacht, aber der K\u00f6nig erweckte sie gleich wieder. Dann sprachen sie dar\u00fcber, was w\u00e4hrend seiner Abwesenheit geschehen war, wie es den Menschen ihres Landes ging und wie es um die Regierung stand. Der K\u00f6nig hatte f\u00fcr reichlich Essen und Trinken gesorgt, so sa\u00dfen sie gl\u00fccklich bis zum Morgen zusammen. Von niemandem gesehen, ging die K\u00f6nigin wieder in den H\u00fchnerstall. Da sie ja nun das H\u00e4uschen der Alten schon kannte, kam sie am n\u00e4chsten Abend wieder, und sie besprachen zusammen alles, was sie tun wollten. Wenn der \u00c4ltere zur Kirche ging, sollte der gute K\u00f6nig wieder auf seinen Thron zur\u00fcckkehren. Er bestimmte also Leute, die beobachten mussten, wann der \u00c4ltere zum Kirchgang aufbrach. Als es soweit war, ging er selbst in den Palast. Die W\u00e4chter erkannten ihn nicht, weil seine Augen ver\u00e4ndert waren. Sie sagten darum: \u00bbWas willst du hier?\u00ab &#8211; \u00bbIch bin euer K\u00f6nig, kennt ihr mich nicht?\u00ab Sobald die W\u00e4chter ihn genauer angesehen und die Z\u00fcge seines Gesichts gepr\u00fcft hatten, lie\u00dfen sie vor Freude die Waffen fallen und riefen: \u00bbUnser guter K\u00f6nig! Unser guter K\u00f6nig!\u00ab Er befahl ihnen: \u00bbHolt die rechte K\u00f6nigin herauf!\u00ab Als der Gottesdienst zu Ende war, wollte der falsche K\u00f6nig zum Palast zur\u00fcckgehen und gewahrte die gro\u00dfe Aufregung. Er fragte alle, die ihm begegneten, was geschehen sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen hatte der gute K\u00f6nig zu den W\u00e4chtern gesagt: \u00bbHaltet meinen Bruder und seine Frau und seine Kinder unten im Palast fest!\u00ab Als sie das taten, versammelten sich die Leute und wollten sehen, was es g\u00e4be. Da sagten die W\u00e4chter zu dem Volk: \u00bbUnser guter K\u00f6nig ist gekommen!\u00ab Die Menschen, teils voller Freude, teils niedergedr\u00fcckt durch die Steuerlast, fragten ganz unsicher die W\u00e4chter: \u00bbIst das wahr? Oder haltet ihr uns zum besten?\u00ab Die W\u00e4chter bitten den K\u00f6nig: \u00bbDas Volk will dich sehen zu seiner Freude und Beruhigung. \u00ab Wie er nun heraustritt auf den Balkon, sagt das Volk: \u00bbUnser guter K\u00f6nig hatte schwarze Augen, dieser hier hat zwar dasselbe Gesicht, aber seine Augen sind blau.\u00ab &#8211; \u00bbDarin habt ihr recht, aber seht, mein Bruder hat mir einen Streich gespielt. Er war Schweinehirt, und ich machte ihn zum K\u00f6nig, und er hat mir die Augen vertauscht.\u00ab Und er erz\u00e4hlte ihnen die Geschichte von Anfang an, so dass die Leute alles begriffen. Der \u00e4ltere Bruder aber gestand: \u00bbIch habe meinem Bruder unrecht getan.\u00ab Darauf lie\u00df der j\u00fcngere ihn in einem anderen Palast wohnen und bereitete ihm dort ein angenehmes Leben. Sp\u00e4ter gab er auch seinen B\u00fcrgern die Freiheit und lebte selbst noch besser.<\/p>\n\n\n\n<p>Weder ich war dort noch ihr, dass ihr alles glauben m\u00fcsstet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der K\u00f6nig mit den schwarzen und blauen Augen In alter Zeit war einmal ein K\u00f6nig. Bevor er starb, rief er seine beiden S\u00f6hne und teilte seinen Besitz unter sie. Der eine Teil war allein sein Segen, der andere sein Fluch und all seine Habe. 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